Humanitaristischer Universalismus vs. Nominalismus

Hufeisentheorien, auch bekannt als der Ausruf: „Die Extreme berühren sich!“, sind für das Denken gefährlich.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

Es ist sehr ver­füh­re­risch, alle, die man nicht mag, unter einem Eti­kett zu sub­su­mie­ren („der Satan“, „das Kapi­tal“, „der Tota­li­ta­ris­mus“), vor allem, wenn man den eige­nen Weg dabei als gol­de­ne Mit­te anprei­sen kann. Trotz­dem soll hier eine gewagt werden.

In der euro­päi­schen Rech­ten, vor allem dem an Alain de Benoist geschul­ten Teil, gehört die Feind­schaft gegen den Uni­ver­sa­lis­mus zum Stan­dard­re­per­toire. An den hie­si­gen Anti­uni­ver­sa­lis­mus gewöhnt, brach­te es mich zum Nach­den­ken, als ich hör­te, wie der TRS-Mit­grün­der Mike Enoch die Lin­ken des Nomi­na­lis­mus bezichtigte.

Nun ist Mike Enoch kein Phi­lo­soph, und das hier soll erst recht kei­ne Wie­der­auf­be­rei­tung fast ein Jahr­tau­send alter Streit­fra­gen der Scho­las­tik sein. Ange­sichts der pole­mi­schen Natur der­ar­ti­ger Debat­ten ist es nicht nur aus­rei­chend, son­dern im Gegen­teil sogar viel auf­schluß­rei­cher, die pole­mi­schen Aus­sa­gen zunächst als sol­che zu untersuchen.

Was meint der euro­päi­sche Neu­rech­te, wenn er Lin­ke, Libe­ra­le etc. des „Uni­ver­sa­lis­mus“ bezich­tigt? Er beschul­digt sie, die Welt ver­ein­heit­li­chen zu wol­len, kei­ne Unter­schie­de anzu­er­ken­nen, alles auf einen Nen­ner, den der Mensch­heit, zu bringen.

Umge­kehrt: Was meint Mike Enoch, wenn er vom „Nomi­na­lis­mus“ der Libe­rals spricht? In der Form des Argu­ments ist die­ser Nomi­na­lis­mus das berühm­te „Nichts hat mit nichts zu tun“. Mos­lems haben nichts mit Ter­ror zu tun, Ein­wan­de­rer ein­schlä­gi­ger Her­kunft nichts mit Kri­mi­na­li­tät, Homo­se­xu­el­le nichts mit Pädo­phi­lie und weib­li­che Funk­tio­nä­re der Grü­nen nichts mit einer uner­träg­li­chen Tan­ten­haf­tig­keit. Jeder ist ein­zig­ar­tig. Alle Fäl­le sind Ein­zel­fäl­le. Wehe dem, der irgend­wel­che Zusam­men­hän­ge zu erken­nen vermeint.

Nach­dem dies geklärt, ist lohnt sich doch einen Blick auf die Phi­lo­so­phie. Hegel schreibt am Ende des ers­ten Kapi­tels der Phä­no­me­no­lo­gie des Geis­tes:

Sie spre­chen von dem Dasein äuße­rer Gegen­stän­de, wel­che noch genau­er als wirk­li­che, abso­lut ein­zel­ne, ganz per­sön­li­che, indi­vi­du­el­le Din­ge, deren jedes sei­nes abso­lu­ten Glei­chen nicht mehr hat, bestimmt wer­den kön­nen; die­ses Dasein habe abso­lu­te Gewiß­heit und Wahr­heit. Sie mei­nen die­ses Stück Papier, wor­auf ich dies schrei­be oder viel­mehr geschrie­ben habe; aber was sie mei­nen, sagen sie nicht. Wenn sie wirk­lich die­ses Stück Papier, das sie mei­nen, sagen woll­ten, und sie woll­ten sagen, so ist dies unmög­lich, weil das sinn­li­che Die­se, das gemeint wird, der Spra­che, die dem Bewußt­sein, dem an sich all­ge­mei­nen, ange­hört, uner­reich­bar ist. Unter dem wirk­li­chen Ver­su­che, es zu sagen, wür­de es daher ver­mo­dern; die sei­ne Beschrei­bung ange­fan­gen, könn­ten sie nicht voll­enden, son­dern müß­ten sie andern über­las­sen, wel­che von einem Ding zu spre­chen, das nicht ist, zuletzt selbst ein­ge­ste­hen wür­den. Sie mei­nen also wohl die­ses Stück Papier, das hier ein ganz ande­res als das obi­ge ist; aber sie spre­chen wirk­li­che Din­ge, äuße­re oder sinn­li­che Gegen­stän­de, abso­lu­te ein­zel­ne Wesen und so fort, das heißt, sie sagen von ihnen nur das All­ge­mei­ne; daher was das Unaus­sprech­li­che genannt wird, nichts ande­res ist als das Unwah­re, Unver­nünf­ti­ge, bloß Gemein­te. – Wird von etwas wei­ter nichts gesagt, als daß es ein wirk­li­ches Ding, ein äuße­rer Gegen­stand ist, so ist es nur als das Aller­all­ge­meins­te und damit viel mehr sei­ne Gleich­heit mit allem als die Unter­schie­den­heit aus­ge­spro­chen. Sage ich ein ein­zel­nes Ding, so sage ich es viel­mehr eben­so als ganz All­ge­mei­nes, denn alle sind ein ein­zel­nes Ding; und gleich­falls die­ses Ding ist alles, was man will. Genau­er bezeich­net, als die­ses Stück Papier, so ist alles und jedes Papier ein die­ses Stück Papier, und ich habe nur immer das All­ge­mei­ne gesagt.

Verein­facht: Wenn ich etwas beschrei­be, das heißt: es in sprach­li­che Aus­drü­cke fas­se, dann kann ich das nur durch den Gebrauch von All­ge­mein­hei­ten. Denn sprach­li­che Aus­drü­cke sind nicht von dem kon­kre­ten Etwas, son­dern immer von einer Gat­tung abge­lei­tet. Das gilt selbst für den Aus­druck „kon­kre­tes Etwas“. Hege­lia­nisch gesprochen:

Ein sol­ches Ein­fa­ches, das durch Nega­ti­on ist, weder die­ses noch jenes, ein Nicht­die­ses, und eben­so gleich­gül­tig, auch die­ses wie jenes zu sein, nen­nen wir ein All­ge­mei­nes; das All­ge­mei­ne ist also in der Tat das Wah­re der sinn­li­chen Gewißheit.

Das bedeu­tet, wenn ich von etwas sage, es sei ein­zig­ar­tig, mit nichts ande­rem zu ver­glei­chen, dann beschrei­be ich damit nur die Eigen­schaft, die es mit allem ande­ren teilt, das exis­tiert, näm­lich eben daß es exis­tiert: das bana­le Wun­der sei­nes blo­ßen Vor­han­denseins.

Wenn ich etwas dann genau­er beschrei­be, etwa als „Stück Papier“, dann schrän­ke ich die Men­ge der dadurch beschrie­be­nen Din­ge zwar ein, bedie­ne mich aber immer noch einer All­ge­mein­heit, dem Aus­druck „Stück Papier“. Selbst „die­ses Stück Papier“ kann eben jedes belie­bi­ge „die­ses Stück Papier“ sein. Dem ganz Kon­kre­ten kann sich die Spra­che nur annähern.

Oswald Speng­ler, der die­sem Ein­ma­li­gen, Unwi­der­ruf­li­chen einen Aus­druck gab, den er nur unter gro­ßen Vor­be­hal­ten als Phi­lo­so­phie bezeich­ne­te, muß­te zuge­ben, daß das Pro­blem sei­ner Metho­de des phy­sio­gno­mi­schen Tak­tes dar­in liegt, daß auf dem Wege ver­stan­des­mä­ßi­gen Nach­den­kens nur ihr Gegen­teil gefun­den wer­den kön­ne, eben die­ses Den­ken in All­ge­mein­hei­ten.

Das hat eine wich­ti­ge Impli­ka­ti­on. Sinn­vol­les Spre­chen und auch sinn­vol­les Den­ken ist nur mög­lich, wo ein der Situa­ti­on ange­mes­se­ner Grad von All­ge­mein­heit ein­ge­hal­ten wird. Andern­falls stellt sich fol­gen­des Pro­blem ein: Auf der einen Sei­te steht eine sinn­lo­se All­ge­mein­heit, die meist alles umfaßt, was in der gege­be­nen Situa­ti­on von Belang ist. Mensch­heit zum Bei­spiel ist alles, was atmet, zwei Bei­ne und kei­ne Federn hat. Auf der ande­ren Sei­te steht dann die eben­so sinn­lo­se Kon­kre­ti­on, die selbst wie­der nur besagt, daß das gemein­te Ding zur betref­fen­den All­ge­mein­heit gehört. Der ein­zel­ne Mensch als Mensch ist etwas, das atmet, mit zwei Bei­nen und ohne Federn. 

Was die­se Kon­kre­tio­nen, in unse­rem Fall die ein­zel­nen Men­schen, dann unterscheidet, wird dadurch zum berühm­ten Ein­zel­fall, also zu dem Fall, den man tat­säch­lich, wie es immer heißt, „nicht ver­all­ge­mei­nern kann“. Man kann ihn des­halb nicht verall­ge­mei­nern, weil man nicht über einen ange­mes­se­nen Grad der Ver­all­ge­mei­ne­rung ver­fügt. Er ver­bleibt als Ein­zel­fall, über den sich nichts wei­ter aus­sa­gen läßt, als daß er vor­han­den ist. 

Ohne sich des­sen bewußt zu sein, nutzt der von Lin­ken und Libe­ra­len ver­tre­te­ne Huma­ni­ta­ris­mus die­se Dia­lek­tik, um ein Para­dig­ma zu schaf­fen, inner­halb des­sen sei­ne Argu­men­ta­ti­ons­stra­te­gien plau­si­bel erschei­nen. Die inein­an­der über­ge­hen­den Extre­me des zu Kon­kre­ten und des zu All­ge­mei­nen bil­den das Huf­ei­sen, inner­halb des­sen er sinn­vol­les Den­ken und Spre­chen ver­un­mög­licht. Die­ses Huf­ei­sen ermög­licht dem Huma­ni­ta­ris­mus, gleich­zei­tig uni­ver­sa­lis­tisch und par­ti­ku­la­ris­tisch zu argumentieren. 

Da er Gra­de der Ver­all­ge­mei­ne­rung benutzt, die der Situa­ti­on unan­ge­mes­sen sind – etwa bei einer Völ­ker­wan­de­rung dar­auf hin­weist, daß alle Betei­lig­ten Men­schen sind, um danach die kul­tu­rel­len Son­der­be­dürf­nis­se der Neu­an­kömm­lin­ge ein­zu­for­dern und gleich­zei­tig eine Ver­all­ge­mei­ne­rung der bei ihnen zu beob­ach­ten­den nega­ti­ven Ver­hal­tens­wei­sen zu ver­bie­ten –, ver­hed­dert sich der Huma­ni­ta­ris­mus beson­ders in der Pra­xis oft in Widersprüchen.

In Debat­ten mit einem Huma­ni­ta­ris­ten ist es des­halb oft eben­so unter­halt­sam wie pro­pa­gan­dis­tisch erfolg­reich, das eine Moment des Huma­ni­ta­ris­mus argu­men­ta­tiv gegen das ande­re aus­zu­spie­len und den Geg­ner in sei­nem eige­nen Netz zap­peln zu las­sen. Das ist sehr ver­gnüg­lich. Ist einem der Geg­ner jedoch rhe­to­risch gewach­sen, läuft dies im Kern auf ein Wett­schrei­en auf Kin­der­gar­ten­ni­veau hinaus: 

„Du erträgst kei­ne Ver­schie­den­heit!“ – „Nein! Eigent­lich willst du alle gleich­ma­chen!“ – „Tota­li­ta­rist!“ – „Sel­ber!“

Dabei besteht die sehr rea­le Gefahr, das eige­ne Den­ken in die­sem Netz zum Mit­ge­fan­ge­nen zu machen. Wer den Huma­ni­ta­ris­mus uni­ver­sa­lis­tisch oder par­ti­ku­la­ris­tisch auf der einen oder ande­ren Sei­te aus­zu­ste­chen hofft, ent­geht der oben beschrie­be­nen Dia­lek­tik eben­falls nicht. 

Der erwähn­te Alain de Benoist etwa kämpft so sehr für das Recht der ein­zel­nen Kul­tu­ren auf ihre Ver­schie­den­heit, daß er vor jeder Ver­gleichs­ebe­ne, in der sich die­se Ver­schie­den­heit aus­drü­cken könn­te, zurück­schreckt. Ein sol­cher Ver­gleich könn­te schließ­lich zu einer Wer­tung füh­ren! Er behaup­tet dadurch eine lee­re, all­ge­mei­ne Gleich­heit der Kul­tu­ren. Im Kreis sei­ner Anhän­ger hat sich dies kon­se­quent zum Mul­ti­po­la­ris­mus ent­wi­ckelt. Die­se For­de­rung nach glei­cher Macht­ver­tei­lung der ein­zel­nen Kul­tur­krei­se ist ein lupen­rei­ner Uni­ver­sa­lis­mus mit glo­ba­lem Ordnungsanspruch. 

Das Umge­kehr­te läßt sich bei jenen beob­ach­ten, die den eta­blier­ten Huma­ni­ta­ris­mus im Kampf für die Demo­kra­tie, die west­li­che Wer­te­ge­mein­schaft, die Rech­te der Frau­en und ähn­li­che abs­trak­te Prin­zi­pi­en zu über­trump­fen suchen. Sie ent­ge­hen der Logik nicht, daß sie dann jeden Men­schen als einen Glei­chen zu akzep­tie­ren haben, der sei­ne Unter­schrift unter eine Wer­te­er­klä­rung setzt, die nicht nur im viel­be­schwo­re­nen Ernst­fall, son­dern bereits in der all­täg­li­chen sozia­len Wirk­lich­keit nicht das Papier wert ist, auf dem sie steht.

Auf die­sem Umweg lan­den sie bei dem­sel­ben Tole­ranz­ge­schwa­fel, daß sie zuerst bekämpft hat­ten. Die Aus­nah­men, die sie im Namen ihrer all­ge­mei­nen Wer­te erst machen woll­ten, wer­den von die­sen all­ge­mei­nen Wer­ten wie­der auf­ge­ho­ben, weil sie die ent­schei­den­den Ebe­nen der Ver­all­ge­mei­ne­rung und damit auch der Dif­fe­ren­zie­rung – Bio­lo­gie, Kul­tur, Reli­gi­on, Sozia­li­sie­rung nicht im Blick haben. 

Also: Müs­sen wir ein­fach die rich­ti­gen Gra­de der Ver­all­ge­mei­ne­rung fin­den und uns nach ihnen rich­ten? So leicht, ver­hält­nis­mä­ßig leicht, ist es nicht. Es hat schließ­lich sei­nen Grund, daß die Fal­schen sich durch­ge­setzt haben. Sind sie ein­mal in den Köp­fen, so eröff­net dies für den meta­po­li­ti­schen Kampf eine gan­ze Trick­kis­te argu­men­ta­ti­ver Taschen­spie­le­rei­en. Dort jedoch, wo ein situa­ti­ons­an­ge­mes­se­nes Den­ken und Spre­chen gera­de erst beginnt, dort endet bereits das Reich der bil­li­gen Phrase.

Johannes Konstantin Poensgen

Johannes Konstantin Poensgen studiert Politikwissenschaft und Geschichte.

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Kommentare (20)

Toni Dalvai

2. August 2017 11:46

Stringent und tiefsinnig.

Danke für Ihre Zeilen.

niekisch

2. August 2017 13:18

"die Falschen sich durchgesetzt haben"

Und warum? Weil sie ihren fast alles außer sich selber auflösenden Universalismus immer im Hinterkopf den Aufzulösenden äußert wirksam und ganz konkret als helle Zukunft zu verkaufen vermögen. Konsequenz für uns: J e d e m universalistischen Begriff einen möglichst allgemeinbedeutsamen Gegenbegriff entgegenstellen, z.B. die Entwurzelten - die Einheimischen, die Raffenden - die Erschaffenden, die Globalisten - die Identitären usw. das weltanschauliche Gerüst immer im Kopf - mit den Worten hämmern!

Der_Jürgen

2. August 2017 13:59

Ich finde die Beiträge von Johannes Constantin Poensgen meist überzeugend, aber dieser scheint mir sein bisher stärkster auf Sezession. Hut ab.

Aus dem Herzen spricht mit Poensgen u. a. mit seiner Kritik an Alain de Benoist, dem man Bildung und Talent gewiss nicht absprechen kann, der aber ganz gewisss nicht der Lichtbringer ist, zu dem ihn viele Rechte unverständlicherweise verklären. Allein schon seine Vorstellung, in Frankreich könne man riesige islamische Parallelgesellschaften auf Dauer dulden, disqualifiziert ihn in meinen Augen, und seine kategorische Weigerung, Kulturen zu werten,  ist meines Erachtens eine Art von Fahnenflucht.

Aehnliche Kritik übe ich hier an einem Denker, den ich über de Benoist stelle, dem Russen Alexander Dugin. In seinem Buch "Meschdunarodnye otnoschenia", das anno 2014 unter dem Titel "Konflikte der Zukunft" auszugsweise in deutscher Übersetzung beim Verlag "Pour le Merite" erschien, verficht er, um ein markantes Beispiel zu nennen, die These, die indischen Hindus besässen das Recht, ihre Witwen zu verbrennen; andere Kulturen seien nicht befugt, sich in ihre Angelegenheiten einzumischen und ihnen die Witwenverbrennung zu verbieten. Ein italienischer Freund (traditionalistischer Katholik), dem ich dies berichtete, meinte, Dugin missachte hier das Naturrecht: Da Witwe werden kein Verbrechen sei, habe niemand, unabängig von seinem Kulturkreis, das Recht, eine solche zu töten, schon gar nicht auf so grausame Weise. Diesem Standpunkt stimme ich zu. 

Im Gegensatz zu de Benoist meint ein anderer Säulenheiliger der französischen Rechten, Guillaume de Faye, kurz und bündig, die europäische Kultur sei die grösste der Geschichte. Ich kenne die Einwände, die gegen diese Sicht erhoben werden: Objektive Kriterien zur Beurteilung der Grösse einer Kultur gebe es nicht, weil der Beurteilende zwangsläufig die Kriterien seiner eigenen Kultur anlege.

Dennoch: Kann jemand ernstlich bestreiten, dass keine aussereuropäische Kultur je eine Musik hervorgebracht hat, die sich mit den Werken der grossen abendländischen Tonschöpfer auch nur entfernt vergleichen liesse? Aehnliches gilt, allerdings in geringerem Ausmass, für Malerei und Architektur. Auf dem Gebiet der Literatur, auch der Philosophie, haben die Chinesen, die Japaner, die Inder und andere Asiaten Grosses geschaffen.  Ob es sich aber mit den Leistungen europäischer Schriftsteller und Denker auf eine Stufe stellen lässt? Der Chinese, der Japaner und der Inder werden die Frage vielleicht bejahen, die europäische Überlegenheit auf dem Feld der Musik jedoch anerkennen.

Auf dem Felde der Wissenschaft haben die Chinesen bedeutende Leistungen vollbracht, was aber nichts daran änderte, dass sie aufgrund ihrer technischen Rückständigkeit zur leichten Beute westlicher Mächte wurden, die sie nach Strich und Faden demütigten. Die moderne Technologie haben Chinesen, Japaner und Koreaner zwar mit grosser Leichtigkeit übernommen, aber eben nicht selber geschaffen.

Weit krasser stehen die Dinge noch, wenn man die europäischen Leistungen mit denen jener Völkerschaften vergleicht, die den alten Kontinent heute überschwemmen. Ein Arabist, dessen Name mir nicht mehr gegenwärtig ist, meinte, seit 500 Jahren sei in arabischer Sprache nichts wirklich Wichtiges mehr geschrieben worden. Kulturelle oder zivilisatorische Leistungen der Schwarzafrikaner? Ja, sie haben eine respektable Jazzmusik und schöne Negro Spirituals geschaffen (leider aber auch den scheusslichen Lärm, den sie Rap-Musik nennen). Damit hat es sich wohl.

Wer Vertreter dieser Kulturen und Ethnien scharenweise nach Europa holen will, ist entweder geistig unzurechnungsfähig, oder er verfolgt eine böse Absicht - im Klartext, die Zerstörung unseres Kontinents, seiner Völker, seiner Kultur.

Bei aller scharfen Kritik, die ich bezüglich einer ganz anderen Frage vor Jahren an Guillaume Faye üben musste, steht er mir in diesem Punkt viel näher als de Benoist oder Dugin. Deren exzessiver Werterelativismus ist nicht nur intellektuell fragwürdig. Er ist verhängnisvoll, weil er den Selbstbehauptungswillen der Europäer in der gefahrvollsten Periode ihrer Geschichte schwächt.

Der Gehenkte

2. August 2017 14:46

@ Der _Jürgen

 „Nothing has been written in Arabic that matters for at least the last five centuries.” (David Starkey, Historiker)

Der_Jürgen

2. August 2017 15:08

@Der Gehenkte

Danke für den wertvollen Hinweis. Sie sind wahrhaftig eine wandelnde Enzyklopädie!

Der Gehenkte

2. August 2017 15:20

Poensgen beschreibt ein ganz wesentliches philosophisches Problem, das sich letztlich aus den Paradoxien der Sprache ergibt: daß einerseits mehr Sein als Sprache gibt, daß also Sein oder auch Seiendes nie sprachliche vollständig gebannt werden kann, daß es andererseits aber auch mehr Sprache als Sein gibt, daß die Sprache letztlich also schöpferisch ist und Sein/Seiendes hervorbringen kann. Dessen eingedenk, ist Kommunikation nie wirklich möglich - sie braucht ein Bereitwilligkeitsapriori, den Willen zum Verständnis und die Bereitschaft, das zirkuläre Definitionsspiel - "Definiere doch erstmal X" - aus pragmatischen Gründen zu unterbrechen. Diese Bereitwilligkeit ist im politischen parteiübergreifenden Gespräch derzeit massiv gestört.

Dazu ein Text: Sprache und Sein - ein produktives Paradox

Wie kann man es lösen? Die historische Vorgabe nennt Poensgen selbst:

"Sinnvolles Sprechen und auch sinnvolles Denken ist nur möglich, wo ein der Situation angemessener Grad von Allgemeinheit eingehalten wird. Andernfalls stellt sich folgendes Problem ein: Auf der einen Seite steht eine sinnlose Allgemeinheit, die meist alles umfaßt, was in der gegebenen Situation von Belang ist. Menschheit zum Beispiel ist alles, was atmet, zwei Beine und keine Federn hat. Auf der anderen Seite steht dann die ebenso sinnlose Konkretion, die selbst wieder nur besagt, daß das gemeinte Ding zur betreffenden Allgemeinheit gehört."

Das Beispiel entstammt Diogenes Laertius (VI,40) und hat eine wesentliche Fortsetzung und es ist kein Zufall, daß ausgerechnet Diogenes von Sinope, der Kyniker, hier den Erkenntnisgewinn vorantreibt:

 "Als Platon die Definition aufstellte, der Mensch ist ein federloses zweifüßiges Tier, und damit Beifall fand, rupfte er einem Hahn die Federn aus und brachte ihn in dessen Schule mit den Worten: 'Das ist Platons Mensch;' infolgedes­sen ward der Zusatz gemacht 'mit platten Nägeln'"

Wir sehen paradigmatisch das Phänomen der kommunikativen Annäherung. Der Struktur nach finden wir hier eine Antizipation Poppers, denn nichts anderes als die von abstrakten Begriffen befreite Falsifikationstheorie wird hier, in der Tat, vorgeführt und dies im dreifachen Wortsinn, durchaus auch in ihrer Trivialität. Popper hat Platon, und sei es seinem Versagen, offensichtlich mehr zu danken, als ihm lieb sein konnte (siehe "Offene Gesellschaft".)

Dazu André Glucksmann: "Diogenes propagierte eine Nicht-Definition, die ähnliche reflexive Eigenschaften hat wie eine Definition" (Eros des Westens).

Letztlich gilt, was Friedrich Engels in einer erleuchteten Stunde zu Papier brachte: "Die einzig reelle Definition ist die Entwicklung der Sache selbst, und diese ist aber keine Definition mehr" (MEW 20, 578)

Sinnlose Verallgemeinerung und sinnlose Konkretion lassen sich nur durch willentliche Annäherung überwinden, verbunden mit der Suche und Analyse der zahlreichen logical fallacies (Darauf hatte der selige Winston mal aufmerksam gemacht).

Karl

2. August 2017 15:26

"Der Nominalist ging erst in Kampfstellung gegen den Universalismus, als die Farben der Welt verblaßt, die Gestaltungskraft fast erstickt und die Würde des Menschen kraß verletzt war."

(Armin Mohler Titel: Die nominalistische Wende. Erstveröffentlichung in: Criticón 47, Mai-Juni 1978, S. 135-145 „Scholien aus San Casciano“ – ISSN 2199-3548 – ID 2015040 URL: https://scholien.wordpress.com/2015040-2/)

Fritz

2. August 2017 15:30

Empfehle sehr, sich mal diese Liste anzuschauen: https://condor.depaul.edu/mfiddler/hyphen/humunivers.htm Aufgelistet sind universale Phänomnene, die in allen menschlichen Gesellschaften vorkommen. Dagegen müssen die Relativisten jeder couleur erstmal anstinken.

@ Jürgen: Die Begeisterung der Asiaten für die europäische klassische Musik ist ja sprichwörtlich.

Aber ich rate auch da zur Vorsicht: die indische Musik z.B. ist mindestens genau so differenziert und kompliziert wie die unsere und klingt für ungeübte europäische Ohren eher schräg. Und es gibt (aus meiner Sicht zumindest) auch ganz hervorragende Jazz- und Rockmusik, die sich hinter Klassik nicht verstecken muss.

RMH

2. August 2017 15:42

Der Artikel zeigt meines Erachtens auch sehr deutlich die Untauglichkeit der Begriffe Universalismus und Nominalismus im Rahmen einer politischen Debatte und Auseinandersetzung.

Ich stelle die These auf, dass jeder, der sich auch nur ein bisschen tiefer in die abendländische Philosophie im Rahmen eines Studium Generale etc. (dazu muss man meines Erachtens kein studierter Philosoph sein) eingearbeitet hat, sich schon immer an der recht platten Verwendung des Begriffs Universalismus - noch dazu als Vorwurf! - geradezu gestört haben muss. In einer politischen Auseinandersetzung sind Begriffe wie Globalisierung, Totalitarismus etc. deutlich tauglicher.

Im Übrigen geht es bei diesen Debatten auch immer um den Begriff Raum, Einnahme von Räumen, Landnahmen, Grenzsetzung und Rechtssetzung für diesen Raum oder diese Räume und darüber dann wieder (global) um Raumordnungen (diesbezüglich sei hier zum wiederholten Male an C. Schmitts Werk "Der Nomos der Erde" erinnert).

Der_Jürgen liegt mit seinen Ausführungen daher richtig. Insbesondere Benoists "Ethnopluralismus" erscheint für mich - platt ausgedrückt - nicht viel mehr als die Wiederkehr des edlen Wilden in anderen Gewändern und ist damit - ich sagte es bewusst jetzt einmal absolut provokant und zugespitzt und bitte hierfür vorbeugend um Entschuldigung - undeutsch. Wer einen Raum dagegen für eine Nation oder für seine Völker (muss ja nicht immer nur 1 Einziges sein, wie die Geschichte - u.a. der Imperien - eindrucksvoll beweist) beansprucht, der will diesen Raum gestalten, behaupten und ihn eben nicht mit irgendwelchen edlen Wilden großzügig teilen und schon gar nicht auf gleichberechtigter Augenhöhe.

"Ethnopluralismus" ist unter diesen Voraussetzungen nur das Jammern um dieselben Rechte, wie sie gnädiger Weise irgendwelchen x-beliebigen Yanonami-Völkchen von Seiten der Kulturmarxisten als Brosamen vom Tisch des Herrn zugewiesen werden. Und das für Deutschland? Für die "Grand Nation" Frankreich?

Diskriminierung ist die zulässige Behandlung ungleicher Sachverhalte. Überhaupt muss man den Begriff "Diskriminierung" wieder auf seine geraden Beine stellen und aus der Giftkammer der Linken befreien. Unterscheidung, gestützt auf sachliche Gründe oder eine solide, demokratisch gefestigte Willensbildung oder Tradition, ist das Wesen jeden Rechts. Erst für dieses Recht gilt dann der Grundsatz "gleiches Recht für alle" und eben nicht "gleiche Rechte für alle".

Das Herumgeeiere in diesen Punkten muss aufhören, wer klare Standpunkte hat, der kann diese auch sauber vertreten. Den Begriff „Universalismus“ aber in der Auseinandersetzung mit den globalisierenden Kulturmarxisten zu verwenden, ist Huberei mit einer Pseudo-Bildung, welche offenbar das Thema nicht richtig durchdrungen hat.

Der Gehenkte

2. August 2017 17:29

Ich weiß, es ist eine spannende Frage, ob die Asiaten eine komplexe Musik entwickelt haben oder nicht - allein, es ist nicht die Frage dieses Artikels. Der behandelt, wenn ich nicht irre, sprachphilosophische und sprachlogische Probleme. Man sollte diese beiden Ebenen - Sprache und Historie - nicht vermengen.

Da aber nun einmal der historische Relativismus (von Jürgen) angesprochen wurde, scheint es sinnvoll an Jaspers Begriff der "Achsenzeit" ("Vom Ursprung und Ziel der Geschichte") zu erinnern, der in Spengler einen Vorläufer und in Huntington etwa, oder Sloterdijk, einen Nachahmer fand. (Interessant wäre - Monika L. - auch die Differenz zu Berdjajew.)

Demnach sind die vier Kulturkreise der primären Achsenzeit (Orient, Okzident, Indien, China) als Ausdruck einer philosophia perennis anzusehen und Wertungen sinnlos. Alle führten zu einzigartigen Hochkulturen. Wer wollte entscheiden, ob Laotse oder Hegel der tiefere Denker war? Es gibt kein ausgefeilteres und perfekteres Denksystem als die Lehre Buddhas und die indische Musik überragt die europäische an Komplexität (wie übrigens auch manche afrikanische Trommelkaskade).

Das ändert nichts daran, daß, wie Helmuth Nyborg sagte, seit dem 14. Jh. 90% aller kulturellen Hochleistungen, inkl. Demokratie und Wohlfahrtsstaat allein dem zentralen Europa und seinen Exporten (Amerika, Australien) zu danken sind.

Ob Witwenverbrennung oder Stierkampf - die Frage ist nicht, ob dies statthaft sei, sondern, wer darüber entscheiden solle, was statthaft ist.

Universalismus ist die Anmaßung, dank einer selbstzugeschriebenen moralischen Erhöhung und letztlich der Verallgemeinerung der eigenen Unzulänglichkeit, die Entscheidungen anderer Kulturen/Völker fällen zu können.

niekisch

2. August 2017 20:53

"meines Erachtens eine Art von Fahnenflucht"

@Der_Jürgen:

Wenn es nicht so ähnlich ist wie bei Joschka Fischer oder Ernst Jünger: es dreht sich eine Schraube schlußendlich bis zum überzeugten, umgedrehten Transatlantiker und Einweltler. Das werden wir möglicherweise bei Alain auch noch erleben.

 

[Ernst Jünger sollte man nicht mit dem alten Steineschmeißer auf eine Stufe stellen. Joschka Fischer ist einfach jemand, der sich nach einem verpfuschten Lebensstart eine Karriere gesichert hat, indem er eine rebellische, wenn auch oft lächerliche Zeitgeistströmung ans Establishment heranführte. Ich verstehe jedoch was sie meinen. Jünger ist allerdings ein viel tragischerer Fall. Dieser Mann ist, mit Christoph Steding gesprochen, in den Katholizismus kollabiert. Johannes Konstantin Poensgen]

Franz Bettinger

3. August 2017 03:06

Ich habe manchmal den Eindruck, ich müsse manchen hoch-intellektuellen SiN-Text auf Dorf-Niveau herunter brechen, und das tue ich hiermit wieder, denn SiN soll nicht nur von Philosophen verstanden werden. No harm intended! Denken mit Vorurteilen? Aber ja!

Rentner haben nie Zeit, Ärzte nehmen sich keine. Wählen nutzt ohnehin nichts. Frauen sind gefühls-betont, Anwälte teuer. Verallgemeinerungen, ja, aber die meisten würden wohl zustimmen. Wir dürfen nicht verallgemeinern? Falsch!

Das Verallgemeinerungs-Verbot ist Teil der PC und ein perfides Umerziehungs-Instrument. Dadurch, dass wir nichts verallgemeinern sollen, werden tradierte Standpunkte und bewährte Erkenntnisse in Einzelfälle aufgelöst. Jede Aussage - z.B. zum IQ oder zu den kriminellen Neigungen von bestimmten Ausländer-Kohorten - könnte im speziellen Fall sowohl richtig als auch falsch sein. Dass die Gegen-Aussage (z.B. die der Integrierbarkeit) eine seltene Ausnahme darstellt, wird unterschlagen. Auf die Weise kann ein allgemeiner kollektiver Erfahrungswert - vulgo: Vorurteil - immer bestritten werden. Wer kritiklos dieses pseudo-moralische Verallgemeinerungs-Verbot, das in Wirklichkeit nur ein ideologisches Erziehungs-Instrument zur Gleichmacherei ist, akzeptiert, hat sich bereits manipulieren lassen. Die Aussagen jener tollen Frau, Schwester Hatune Dogan, die SiN am 10. Juni zu Worte kommen ließ, waren übrigens ein wundervoller Einstieg in die wunderbare Welt der Verallgemeinerung! Sie hatten nämlich ihre Berechtigung. Genau wie das klassisches Beispiel: Die Lügenpresse! - Fazit: Vergleicht, verallgemeinert, urteilt und handelt, aber habt im Hinterkopf, dass es auch Ausnahmen gibt.

AlbertZ

3. August 2017 15:53

Ohne sich dessen bewußt zu sein, nutzt der von Linken und Liberalen vertretene Humanitarismus diese Dialektik, um ein Paradigma zu schaffen, innerhalb dessen seine Argumentationsstrategien plausibel erscheinen.

Nach meiner Auffassung ist das Gegenteil richtig. Im englisch-deutsch-Wörterbuch finde ich die folgenden Übersetzungen:

humanitarian         der Philanthrop

humanitarian sciences   die Gesellschaftswissenschaften

Den Humanitarians geht es nicht um Philosphie, sondern um Gesellschaft. Und der Zweck dieser Gesellschaftsbetrachtungen ist der Erhalt ihrer eigenen Macht. Wie sie mit Hegel zeigen, ist die (geistige) Sprache immer ein Gebrauch von Allgemeinheiten, jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Verallgemeinerung der Situation angemessen ist. Mit der 'Argumentation' der Humanitarians verläßt das Gespräch den Raum des Sinnvollen. Wer ihnen folgt, reduziert seine Gegenargumente entweder auf einen Punkt der Größe Null oder läßt sie in der Unendlichkeit verschwinden. Damit ist das Ziel der Humanitarians erreicht: Der Gegner hat keine Argumente und ihre eigene Macht über die Gesellschaft ist nicht infragegestellt. Die Art dieser Weltanschaung ist bewußt gewählt.

 

[Meiner Erfahrung nach, sind sie sich dessen eben nicht bewußt. Man darf nicht vergessen, daß der Fehler hier nur auf einem relativ hohen Abstraktionsniveau zu finden ist. Daß der durchschnittliche Linksliberale ein ehrlicher und aufrichtig guter Mensch, eben ein Gutmensch ist, ist es ja gerade, was ihn so gefährlich macht. Johannes Konstantin Poensgen]

Martin Lichtmesz

3. August 2017 19:38

Markus Vahlefeld nennt in "Mal eben die Welt retten" den Nominalismus als Eigenschaft der Linken, in Umkehrung zu Mohlers Auffassung...

niekisch

3. August 2017 23:03

@ Johannes Konstantin Poensgen:

Die beiden Herrschaften fielen mir spontan ein und sollten nicht auf eine Stufe gestellt werden. Es geht mir nur um beider Hinwendung zu den Auflösern aller Dinge. Das fiel Joschka Fischer sicher leichter als Ernst Jünger. Dessen Sittlichkeit war allerdings bereits an der Front des I. Weltkrieges erschüttert, als er bei einem Sturmangriff an einem schwer verletzten Kameraden vorbei- hastete, ohne sich um ihn zu kümmern ( s. In Stahlgewittern ) Oder daß er todgeweihten jungen deutschen Panzersoldaten mit einem Glas guten Rotweins in der Hand  vom Hoteldach aus beim Ammarsch in die Hölle der Invasionsfront zuschaute. Bemerkenswert auch, daß er sich an der Speidelei beteiligte, indem er in Zusammenarbeit mit diesem Hochverräter das Buch "Invasion 1944" verfaßte. Für mich ist Ernst Jünger nicht "im Katholizismus kollabiert", wie wohl Christoph Steding, der unausgereift zu früh Verstorbene, formulierte, sondern am Ende seines Lebens unter dem allgemeinen Internationalisierungswahn. Er hatte gemerkt, daß sein nicht mehr zeitgemäßes Abenteurer-Soldatentum vor den Augen der Auflöser aller Dinge keine Bestand über den Tod hinaus haben konnte.
Fischer, Merkel, Cem Özdemir und andere Gewandelte werden ganz einfach nur erpresst oder bestochen, um sie zum Transatlantismus und der Einweltlerei zu bringen. Sie führen nichts ans Establishment heran, sondern sie selber werden an es schrittweise und mit Bedacht herangeführt.

Karl

4. August 2017 12:28

@ RMH

"Den Begriff „Universalismus“ aber in der Auseinandersetzung mit den globalisierenden Kulturmarxisten zu verwenden, ist Huberei mit einer Pseudo-Bildung, welche offenbar das Thema nicht richtig durchdrungen hat."

Meiner philosophischen Pseudo-Halbbildung geschuldet möchte ich auf die "Universalismuskritik" (Teil 1 bis Teil 3) auf der Seite "Der Funke" hinweisen, wo zu meinem großen Bedauern leider aber kein Autor angegeben wird und auch kein Erstellungsdatum. Diese "Auseinandersetzung" mit dem Universalismusbegriff muss sich sicher nicht den Vorwurf der "Huberei mit einer Pseudo-Bildung, welche offenbar das Thema nicht richtig durchdrungen hat" aussetzen. Daraus würde ich gern folgende Absätze hier zur Debatte stellen, die zeigen wie und daß eine Universalismuskritik erfolgreich umzusetzen und notwendig ist:

AUS: "Universalismuskritik Irrtümer und Grundsätze Teil 3":

https://derfunke.info/?p=327

 „Der, oft schmerzhafte, Prozess der Universalismuskritik ist es, die „Tradition gewordene Antitradition“ stellenweise aufbrechen zu müssen und identitären Kernbestand von universalistischer Verzerrung zu scheiden. Überall da, wo eine fanatisch-chauvinistische Idee zur totalen Mission und Vereinheitlichung der Welt aufkommt, wo eine geschichtslineare Weltsicht vorherrscht, von Menschheit und Werten an sich die Rede ist, besteht der Verdacht und die Notwendigkeit zur Kritik. Die klare Kritik und Analyse ist notwendig, um klar zu erkennen, wie sich ethnokulturelle Identität zu universalistischer Weltsicht verhält. ...

Wir müssen uns allerdings ... die Frage stellen, was es für uns bedeutet, dass Universalismus „denkmöglich“ ist. Warum lehnen wir ihn eigentlich ab? Aus vielen Absätzen zusammengefasst kann man sagen, dass es in seiner aphilosophischen und gleichmacherischen Haltung liegt. Er ist wahrheits- und lebensfeindlich. Beim ihm und in ihm kommt die Frage nach Wahrheit und Sein zum Erliegen, ebenso wie er die Vielfalt der Religionen, Völker und Sprachen dauerhaft und gezielt vernichtet.

Hat man eine grundsätzlich lebensbejahende Haltung, die auch in der Suche und Frage nach Wahrheit eine sinnvolle Aufgabe, eine Freude mehr als eine Last und eine Qual sieht, so sieht man sich ganz grundsätzlich in eine feindliche Haltung zum Universalismus gestellt, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht. Überall, wo eine ehrliche und edle Haltung Zurückhaltung, Gewähren lassen und Respekt fordert, bricht der Universalismus mit plumper Heftigkeit und Zudringlichkeit ein.

Wo in der Antike die Spannung zwischen ethnokultureller Kontingenz und der Suche nach Transzendenz in einer fruchtbaren Polarität ertragen wurde, spitzt sie der Universalismus derart zu, dass am Ende nur die radikale, extremistische Entscheidung bleibt. Aus stillen, messianischen Hoffnungen macht er fanatische Apokalyptik, aus der radikalen Frage nach reiner Wahrheit starre Dogmatik, aus dem Wunsch zur Mitteilung und dem Bewusstsein einer Aufgabe Bekehrung und fiebriges Sendungsbewusstsein. Die eigene Kultur taucht er in Chauvinismus, den interkulturellen Austausch macht er zur Einbahnstraße, die Idee einer übernationalen Ethik und Verständigung macht er zur „Menschheit“ und zum Weltstaat.

In dieser Haltung ruiniert der Universalismus alles organisch gewachsene und verdirbt jeden Geschmack, jede Ehrlichkeit, jede Geborgenheit. Er zerstört Sprachen, Kulturen, Traditionen, Identitäten. Er tritt in Form des Kapitalismus, des Marxismus, des Totalitarismus und Anarchismus, des Weltbürgertums und des Nationalismus auf. Er ist die Essenz dessen, was wir als Entzauberung, Umweltzerstörung, Kulturvernichtung und Gleichmacherei erleben. Die Frage, die wir, wenn wir den Universalismus so umschrieben haben, stellen müssen, ist: Warum ist er möglich?“

Seinsvergessenheit und Universalismus

In dieser Frage muss auch der Begriff Universalismus (wir haben seine Dürftigkeit bereits erwähnt) in Frage gestellt werden. Vielmehr erscheint uns eine Verwandtschaft zwischen dem Universalismus der Universalismuskritik und Heideggers Seinsvergessenheit zu bestehen.

Die Seinsvergessenheit … ist „Entzug des Seins“ und Aufgabe der Frage nach dem Sein, das was auch den Denkabbruch des Universalismus kennzeichnet. …Seinsvergessenheit ist zuletzt das Verfallen des Menschen an seine eigenen metaphysischen Auslegungen des Seienden, d. h der Welt und der Menschen in ihrer Ganzheit. Indem er versucht, durch eine allgemeine Abstraktion des „Wesen der Dinge/des Menschen an sich“ oder einem letzten Wert und Prinzip die Welt auf einen archimedischen Punkt festzustellen, verstellt er sich die Ur-Frage nach dem Sein. Diese ist zuletzt auch die Frage nach der Zeitlichkeit und Veränderlichkeit des Seins und der Wahrheit, die überepochale Frage nach dem Ereignis und dem „Wie“, indem sich das Sein in verschieden geschichtlichen Epochen gibt.
Ein bestimmtes Seiendes rückt in die Rolle und die Position des Seins. Alles wird in seinem Licht gedeutet und interpretiert. Heidegger beschreibt eine ganze „Seinsgeschichte“, in der eine metaphysische Interpretation die andere ablöst, bis am Ende das Ganze im Nihilismus enden muss. Die Seinsvergessenheit leugnet die „Gegebenheit“ des Seienden, sie vergisst das Dynamische, ereignishafte, einer bestimmten „Offenbarung“ der Welt, auf die sich verbergende und entziehende „Dunkelheit“, die sich mit jeder Erscheinung der Welt in einem bestimmten Licht einstellen muss. Vereinfacht könnte man sagen: sie vergisst auf die strukturelle Perspektivität und Kontingenz der Frage nach Sein und Wahrheit, womit sie sowohl deren endliche Begrenztheit als auch deren unendlichen Anspruch preisgibt.

Ein Urschrei geht um den Globus und dient den tausenden Peripheren als Aufbruchssignal. Sie brechen ins Zentrum der Moderne und des Liberalismus, in sein Warenlager, seine Bilder und Ideologienschmiede, den „heiligen Westen“ auf, um möglichst nahe am pulsierenden Herz der Moderne zu sein. Hier winkt ein langes, gesundes, mit Lust und Spaß und wenig Arbeit erfülltes, abgesichertes Leben, für das Milliarden bereit sind ihre Religionen, Identitäten und Kulturen aufzugeben. Der radikale Bekehrungserfolg des Islams und des Christentums gegen die heidnischen Religionen, der radikale Erfolg des Marxismus im „kidnapping“ des Befreiungsnationalismus wiederholt sich im weltweiten „Erfolg“ des american way of life gegen jede Tradition.

Aufgabe einer Universalismuskritik ist es vielleicht, in dem Bösen, was sich im Universalismus zeigt, in der Institutionalisierung des Nihilismus im Chaos, das als Ordnung auftritt, den Entzug einer Wahrheit zu sehen, die immer noch nicht verloren ist. Sie ist genauso lange nicht verloren, als eine Gemeinschaft an klaren Geistern durch die Jahrtausende hinweg, eisern und unerbittlich eine Spur verfolgt, eine Suche nicht aufgibt, eine Tradition nicht abbrechen lässt und tiefer, echter und eigentlicher frägt.“

CJD

5. August 2017 01:10

Respekt, Johannes Konstantin Poensgen, und besten Dank für Ihren inspirierenden Beitrag! Eine total wahre Sicht der Dinge inklusive absolut sicherer Erkenntnis der Motivation kann jeder nur bezüglich seiner eigenen Angelegenheiten haben. Ausgehend von uns selbst treffen wir, die uns umgebenden konzentrischen Kreise (Ich, Familie, Freundeskreis, Dorf, Kanton, Bundesland, Nation, usw.) durchschreitend, auf mehr oder weniger Gleichgesinnte. Je weiter wir uns dabei von uns selbst entfernen, um so allgemeiner werden die Nenner, bezüglich derer man sich überhaupt mit seinen Mitmenschen auseinandersetzen oder gar organisieren muß (= idealerweise Subsidiaritätsprinzip bei der Staatsorganisation). Gleichzeitig gilt es, die Sphären des Privaten und Politischen auseinander zu halten. Auf meiner Couch kann ich mich mit (fast) jedem Mitmenschen über meine und seine philosophischen Ansichten und persönlichen Vorlieben austauschen. Während ich vorzugsweise Schopenhauer lese und gern Downhill fahre, ist es durchaus aufschlussreich, sich wenigstens einmal im Leben mit jemandem zu unterhalten, der vorzugsweise Filmmusik komponiert und außerdem gerne synchronschwimmt. Somit ist es sinnvoll, sich im apolitischen, privaten Couch-Bereich (= in Friedenszeiten) mit den vielen Spielarten der menschlichen Natur – dem Einzelfall - zu beschäftigen, weil dies oft mit einem beträchtlichen Erkenntnisgewinn einhergeht (entweder Selbstbestätigung oder Anregung zum Nachdenken). Je weiter man sich jedoch als Zoon politicon in die Außenbereiche der konzentrischen Kreise begibt - mit dem Verteidigungsfall als Kulminationspunkt - , umso weniger gescheit ist es, sich mit allem Möglichen gemein zu machen, sonder vielmehr sollte man nur seinen eigenen, ganz einfachen Wesenskern im Blick haben und sich auch nur bezüglich Selbigem organisieren. Somit reicht es, sich im relativ weit entfernten Kreis der Nation ausschließlich auf seine Eigenschaft als Deutscher zu besinnen und diese Eigenschaft mit den dort anzutreffenden Gleichgesinnten bestmöglich zu verteidigen. Wenn ich mich auf Grund des gemeinsamen Nenners „Deutscher zu sein“ Rücken an Rücken mit dem synchronschwimmenden Komponisten auf's Schlachtfeld begeben könnte, wäre das letztendlich ausreichend. Schlußendlich trennt sich die Spreu dadurch final vom Weizen, erstens den Friedensfall vom Verteidigungsfall unterscheiden und zweitens im Verteidigungsfall die Entscheidung zwischen Selbsterhaltung und Verständnis für den Anderen zugunsten der Selbsterhaltung fällen zu können. Oder anders (für viele Zeitgenossen nicht mehr verständlich) formuliert: bin ich willens – wenn der Mohr vor der Türe steht und sich meine Couch (inkl. Weib, Kühlschrank und Downhill-Maschine) krallen will - , mich und meine Stammhalter auf Kosten eines Anderen zu erhalten/durchzusetzen? Folglich ist dem Linken zwingend ein Minderwertigkeitskomplex eigen. Interessanterweise korreliert dieser Komplex meist mit fehlendem Realitätssinn, also der Unfähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt den Fokus auf Einzelfall oder großes Ganzes richten, sprich: adäquat zwischen Friedens- und Verteidigungsfall unterscheiden zu können. Hingegen muß man als sich selbst bejahender Mensch logisch zwingend ein Rechter sein. Im Ernstfall ist alles eine Frage der Lust zur Wehrhaftigkeit, bei einigen Erlauchten ergänzt um ein paar wahrhaft idealistische Motive.

Jürg_Jenatsch

6. August 2017 00:41

Erst einmal meinen Dank an Herr Poensgen für diesen exzellenten Artikel. @ der_Jürgen: In den allermeisten Fällen teile ich Ihre messerscharfen und pointierten Wortmeldungen grosso modo, aber in diesem Fall habe ich eine ernste Frage. So sehr ich die Wertschätzung unserer Kultur teile und diese für die größte Zivilisation halte, welche die Welt bislang hervorgebracht hat, so sehr frage ich mich nach den praktischen Auswirkungen des von Ihnen ins Spiel gebrachten Naturrechtes. Wenn wir beim Beispiel Indien bleiben, wenngleich dort Sati nicht das größte Problem darstellt und kein Massenphänomen mehr ist. Was wäre die Reaktion auf eine Weigerung der Inder von dieser, in unseren Augen intolerablen Gepflogenheit abzugehen? Sollen wir analog zu Afghanistan dort einmarschieren und ihnen dies endgültig austreiben, nachdem die Engländer bereits seit dem 19. Jahrhundert Vorarbeit geleistet haben. Haben wir denn den Willen und auch die Mannschaftsstärke, um dies durchzusetzen? Ich bin der Ansicht, daß wir im Gegenteil z.B. in Afrika eine Afrikanisierung vorantreiben sollten. Natürlich muß dies mit einem robusten Nichteinwanderungskonzept gekoppelt werden.

Cacatum non est pictum

6. August 2017 01:56

@Jürg_Jenatsch

Ich bin der Ansicht, daß wir im Gegenteil z.B. in Afrika eine Afrikanisierung vorantreiben sollten.

Wir sollten anderswo als in unseren Gefilden gar nichts mehr vorantreiben. Lasst die Menschen dort leben, wie sie zu leben wünschen. Hört auf, ihnen ihre Ressourcen wegzunehmen, zieht Euch zurück aus ihren Ländern, stoppt die Entwicklungshilfe und überlasst sie sich selbst. Das wären wesentliche Schritte auf dem Weg zu einer Entglobalisierung. Natürlich darf aus diesen Regionen auch keine nennenswerte Einwanderung nach Europa mehr stattfinden. Dann wird so etwas wie eine Reafrikanisierung ganz von allein einsetzen. Freilich: Die bereits entstandenen und nunmehr wild wuchernden Riesenprobleme (vor allem das der Überbevölkerung) harren weiterhin der Lösung, und ich bin ziemlich pessimistisch, dass sie unblutig und ohne massive Opferzahlen gelöst werden können. Das ist tragisch, aber mir ist es im Sinne meiner Nachfahren lieber, dass eine solche Apokalypse auf den afrikanischen Kontinent beschränkt bleibt, als dass sie auch noch auf europäischen Kulturboden übergreift - und dieser Prozess ist gerade in vollem Gange.

Natürlich mache ich mir keine Illusionen darüber, dass die endlos raffgierigen und gewissenlosen Großbankiers und ihre Kettenhunde der politischen Klasse auch nur eine einzige afrikanische Ölquelle freiwillig aufgeben. Eher würden diese Satansanbeter die Welt in Schutt und Asche legen.

Der_Jürgen

6. August 2017 09:48

@Jürg Jenatsch

Als die Engländer noch über Indien herrschten, haben sie die Witwenverbrennung verboten, das Verbot aber nur unvollkommen durchzusetzen vermocht. Auch heute wird dieser furchtbare Brauch auf dem indischen Dorf noch vereinzelt gepflegt, Gesetz hin oder her.

Die Zeiten des Kolonialismus sind vorbei, und wir Europäer besitzen keine Möglichkeit, barbarischen Bräuchen von Nichteuropäern, sei es die in Afrika ungeheuer verbreitete bestialische Gewohnheit der Mädchenbeschneidung oder das Steinigen von Ehebrecherinnen in manchen islamischen Ländern, um nur zwei Beispiele zu nennen, durch Interventionen zu unterbinden. Wir müssten nur dafür sorgen, dass sich diese Bestialitäten nicht auf unserem Kontinent breitmachen. Dasselbe gilt u. a. auch für das tierquälerische Halal-Schlachten (Schächten), das ja in vielen Ländern Europas erlaubt ist.

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