Gedenken als Aktionsform

Am vergangenen Samstag versammelten sich etwa 150 Mitglieder und Freunde der IB Österreich, auch aus Frankreich, Polen und Ungarn, zu einem feierlichen Gedenkfackelzug am Kahlenberg oberhalb von Wien.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Das Geden­ken galt dem Sieg über die Tür­ken, die im Früh­jahr 1683 unter dem Groß­we­sir Kara Mus­ta­fa auf einem Erobe­rungs­feld­zug mit 120 000 Mann über Ungarn bis Wien vor­ge­drun­gen waren. Sei­ne Trup­pen plün­der­ten und mor­de­ten auf ihrem Weg, tau­sen­de Men­schen wur­den als Skla­ven ver­schleppt. Rund um Wien wur­den Ort­schaf­ten verwüstet.

Am 14. Juli 1683 stan­den die tür­ki­schen Trup­pen schließ­lich vor den Toren Wiens und began­nen, um die Stadt einen Bela­ge­rungs­ring ein­zu­rich­ten. Das Schick­sal der Reichs- und Resi­denz­stadt und wohl auch des christ­li­chen Abend­lan­des hing am sei­de­nen Faden in jenen Tagen des Sep­tem­bers 1683. In Wien stan­den vor­erst nur 13 000 Sol­da­ten zur Ver­tei­di­gung bereit. Muni­ti­on und Lebens­mit­tel gin­gen lang­sam zur Neige.

Ein­zig den star­ken Befes­ti­gungs­an­la­gen war es zu ver­dan­ken, daß die Tür­ken die Stadt noch nicht erstür­men konn­ten. Doch auch die­se waren durch feind­li­che Spren­gun­gen bereits schwer beschä­digt. Inzwi­schen hat­te der Legat Mar­co D’A­via­no unter Papst Inno­zenz XI. ein Bünd­nis zwi­schen Kai­ser Leo­pold I. und König Jan III. Sobie­ski von Polen ver­mit­telt. Gemein­sam mit Prinz Eugens kai­ser­li­chen Trup­pen und jenen der deut­schen Reichs­fürs­ten soll­te des­sen Heer die Bela­ge­rung Wiens sprengen.

So kam es, daß am 12. Sep­tem­ber eine alli­ier­te Streit­macht von 76 000 Mann, ange­führt vom pol­ni­schen König mit sei­ner legen­dä­ren Eli­te­trup­pe der „geflü­gel­ten Husa­ren“, den Tür­ken in den Rücken fiel und sie in die Flucht schlug.

Der Gedenk­zug war bewußt nicht als poli­ti­sche Demons­tra­ti­on orga­ni­siert. Der Fackel­zug, auf dem ein Meer von Wien­fah­nen, Öster­reich­fah­nen, Abbil­dun­gen der Heer­füh­rer und ein gro­ßes Ban­ner “Schlacht am Kah­len­berg 1683”, aber kei­ne indi­vi­du­el­len Trans­pa­ren­te mit­ge­führt wur­den, ging gemes­se­nen Schritts und still den Weg zur St.-Josefs-Kirche am Kah­len­berg hinauf.

Zwi­schen­durch wur­den his­to­ri­sche Reden und Zeit­do­ku­men­te ver­le­sen, der Zug hielt an, setz­te sei­nen Weg fort, bis am Ziel sich alle ins Rund stell­ten. Mar­tin Sell­ner, Co-Lei­ter der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung Wien, hielt eine flam­men­de Rede, in der er an einer Stel­le sagte:

Haben wir das Recht, uns in die Rei­he unse­rer Vor­fah­ren, die Wien ver­tei­dig­ten, zu stel­len? Wir müs­sen heu­te die Hei­mat ver­tei­di­gen, und dazu bedarf es des Wis­sens und der Ver­eh­rung der Ver­tei­di­ger von 1683. Wer von euch hat Kin­der? Wer von euch möch­te Kin­der haben? Ich sehe alle Hän­de. Des­we­gen haben wir das Recht, hier zu stehen.

Die­se kri­ti­sche Selbst­ver­or­tung ist für uns Gegen­wär­ti­ge not­wen­dig. Ohne die Gebro­chen­heit des bei­na­he post­his­to­risch gewor­de­nen Euro­pä­ers ist Iden­ti­tät nicht mehr denk­bar. Es ist immer ein gedank­li­ches Neu­an­set­zen, wenn wir uns nicht als Indi­vi­du­en sehen, son­dern in einer Ahnenreihe.

Den his­to­ri­schen Blick auf uns selbst müs­sen wir erst wie­der sekun­där erwer­ben. Ist unser jet­zi­ges Ver­tei­di­gen das­sel­be Ver­tei­di­gen wie damals? Ist es nur mehr eine Meta­pher, eine Pathos­for­mel? Ist das Par­al­le­li­sie­ren geschicht­li­cher Ereig­nis­se, oder sie als „Geschichts­zei­chen“ (Imma­nu­el Kant) zu erken­nen, über­haupt noch legitim?

Ein Fackel- und Fah­nen­zug als iden­ti­tä­re Akti­ons­form dient genau der Beant­wor­tung die­ser skep­ti­schen Fra­gen. Er ist kei­ne Pro­test­de­mons­tra­ti­on, son­dern eine eige­ne Akti­ons­form, die sowohl Sym­bol­wert hat (wie die bewähr­ten: ästhe­ti­sche Inter­ven­ti­on und sym­bo­li­sche Okku­pa­ti­on) als auch, wie Sell­ner kürz­lich schrieb, Bin­dungs­wert nach innen (Bon­d­ing) und nach außen (Brid­ging) hat.

Die media­le Wahr­neh­mung des Gedenk­zugs soll eine bereits halb­ver­lo­re­ne Gemein­schaft­lich­keit wie­der­her­stel­len: Es sind unse­re Vor­fah­ren, es ist unser Chris­ten­tum, es ist unser Wien – um das zu ver­ste­hen, muß man nicht iden­ti­tär sein, es reicht, Öster­rei­cher zu sein, auch Euro­pä­er zu sein reicht fürs ers­te aus.

Wer das nicht schafft, wes­sen Sin­nes­or­ga­ne jedem „Wir“ gegen­über stumpf sind, wer sich selbst nur als unge­bun­de­nes Indi­vi­du­um auf Gemein­schafts­zer­stö­rungs­dro­ge den­ken kann, ist aso­zi­al im Wort­sin­ne. „Sozi­al ist das Indi­vi­du­um durch Aso­zia­li­tät bestimmt“ (Niklas Luhmann).

Sol­cher­art aso­zia­le Indi­vi­du­en beschä­dig­ten den vom pol­ni­schen Staat am Sockel der geplan­ten Sta­tue des Königs Jan Sobie­ski ange­brach­ten Gedenk­stein durch Schmie­re­rei­en. Die Ver­ur­sa­cher konn­ten nach Anga­ben der Poli­zei bereits am Tat­ort fest­ge­nom­men wer­den. Die zur fei­er­li­chen Sonn­tags­mes­se in der St.-Josefs-Kirche am Kah­len­berg ange­reis­ten und in Wien behei­ma­te­ten Polen hat die­se sym­bo­li­sche Schän­dung mit Unver­ständ­nis erfüllt.

Ist das revi­ta­li­sier­te Tra­di­ti­ons­ele­ment „Fackel­zug“ eine Far­ce, schon allein auf­grund der Klein­heit, schon allein auf­grund des nicht tot­zu­krie­gen­den „faschis­ti­schen Stils“, schon allein auf­grund der trot­zi­gen Poly­se­mie des Aus­drucks „Ver­tei­di­ger von Wien“?

Umber­to Ecos Lieb­ha­ber aus der Nach­schrift zum Namen der Rose kann nicht mehr sagen: “Ich lie­be Dich innig­lich.” Zumin­dest nicht mehr so unschul­dig, wie es die Situa­ti­on erfor­dert. Statt des­sen aber kann er sagen: “Wie jetzt Lia­la sagen wür­de: Ich lie­be Dich innig­lich.” So zieht der Lieb­ha­ber den Kopf aus der Schlin­ge: ohne fal­sche Unschuld, mit Iro­nie und Distanz. Auf die glei­che Wei­se ver­fährt auch die Iden­ti­tä­re Bewe­gung und kann ein Para­dox aus­he­beln: Tra­di­tio­nen neu stiften.

Um sich dem Farce­haf­ten zu ent­win­den, war der Gedenk­zug durch his­to­ri­sche Zita­te unter­bro­chen und ende­te in einer Kon­tra­fak­tur. Die heu­ti­gen „Ver­tei­di­ger von Wien“ haben das bekann­te Arbei­ter­lied “Die Arbei­ter von Wien” geka­pert, umge­dich­tet und am Kah­len­berg angestimmt:

Wir sind die Kün­der der kom­men­den Welt.
Wir sind der Sämann, die Saat und das Feld.
Wir sind die Schnit­ter der kom­men­den Mahd.
Wir sind die Zukunft und wir sind die Tat.

|: So flieg, du leuch­ten­de, du gold’ne Fahne,
vor­an dem Wege, den wir zieh’n.
Wir sind der Zukunft getreue Kämpfer.
Wir, die Ver­tei­di­ger von Wien. 😐

Völ­ker­zer­stö­rer, ihr Her­ren der Welt,
end­lich wird eure Herr­schaft gefällt.
Wir, das Fanal, das die Zukunft erschafft,
spren­gen der Fes­seln engen­de Haft.

(Refrain)

Wir sind Euro­pas leben­di­ger Geist
der alle Krus­ten der Feig­heit zerreißt
für Hei­mat, für Frei­heit und für Tradition
kämpft eine gan­ze Generation.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

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Kommentare (21)

Valjean72

12. September 2017 14:23

Nur eine kleine Randbemerkung, da bei dieser Veranstaltung auch französische Patrioten zugegen ewaren.

"Die Stadt [Anm.: Strassburg] wurde mitten im Frieden im September 1681 durch Frankreich besetzt. Der französische König nutzte hierbei die militärische Schwäche der Straßburger Schutzmacht (des deutschen Kaisers) aus, da die habsburgische Residenzstadt Wien ihrerseits von den Türken bedroht wurde." (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fburg#Geschichte)

So viel zur christlichen Nächstenliebe im real existierenden Abendland jener Tage. Das katholische Frankreich machte im dreissigjährigen Krieg auch gemeinsame Sache mit dem protestantischen Schweden. Hauptsache der Krieg wurde damit verlängert, so dass "Deutschland" weiterhin ausblutete.

Bran

12. September 2017 14:56

Valjean72: So Recht Sie haben mögen, frage ich mich trotzdem, was die Anmerkung im Bezug auf das Gedenken und die französischen Patrioten, die dort waren, bedeuten soll. 

Seither ist viel Zeit vergangen und die Franzosen von heute, sind nicht mehr diejenigen von damals. Und wer weiss, vielleicht fanden es die meisten Franzosen schon damals abscheulich, diese Schwäche auszunutzen. Denn damals wurden sie genausowenig nach ihrer Meinung gefragt wie heute.

Martin Lichtmesz

12. September 2017 15:43

@Valjean72

Wiß ma' eh... nobody is perfect! ;-)

Regenmeister

12. September 2017 16:56

Die Türken sind nicht unsere Gegner, aber alle, die die amerikanische Hegemonie in Europa begrüßen. Insofern sehe ich Bündnisse mit polnischen Kräften grundsätzlich skeptisch. Nichtsdestotrotz, in der Lokomotive sitzen die Richtigen!

Valjean72

12. September 2017 17:55

Na ja, wie heisst's so schön auf bayerisch: "Ma sagt ja nix, ma redt ja bloss!" Dass sich Patrioten verschiedener europäischer Länder annähern und gemeinsame Sache machen, begrüsse auch ich. Irgendwann in ferner Zukunft wird man sich vielleicht auf eine gemeinsame  europäische Geschichtsschreibung einigen können, in der Deutschland nicht per se die Rolle als böser Bube einnimmt. Nix für ungut!

niekisch

12. September 2017 19:36

"Ist unser jetziges Verteidigen dasselbe Verteidigen wie damals?"

Nein, unser jetziges Verteidigen dürfte eher das von 1945 sein, das sich zugleich gegen die Auflöser aller Dinge, die Plutokratien und den Bolschewismus als schlimmsten Feind des Christentums richtete, wenn auch letztlich vergeblich.

Sara Tempel

12. September 2017 22:06

@Valjean72

Es wäre eine riesige, aber ehrenvolle Aufgabe die Geschichtsschreibung nach den 2. Weltkrieg korrekt aufzarbeiten! Nach einem Sieg - wie bei Wien - durfte dagegen gefeirt werden und die Heldentaten sollten der Nachwelt zum Vorbild dienen. Die gefallenen deutschen und österreichichen Soldaten der Weltkriege wird eine gebührende Ehrung vorenthalten! - Da Ich die Einstellung dieses Artikels grundsätzlich teile, habe ich - Ihr Einverständnis voraussetzemd - einen Link darauf auf meiner Site (saratempel.de) eingebau!  - Zur Eigenwerbung sei noch gesagt, daß ich aktuell einige Werbeplakate der AfD eingefügt habe!

Kahlenberg

13. September 2017 02:22

Zur Veranstaltung: Wunderschöne Stimmung. Disziplin und Stille während des Fackelzuges. Freunde. Dann sehr starke und emotionale Rede von Martin Sellner. Hat mich berührt und aufgeladen. Warte jetzt gespannt auf nächste Impulse.

Der_Jürgen

13. September 2017 11:27

Ja, solche Gedenkveranstaltungen zu Ehren der Helden von damals tun not. Den Identitären sei dafür gedankt. Die Lage ist heute noch weitaus gefahrvoller als anno 1683. Damals mag es einzelne gekaufte Verräter gegeben haben, die dem Feind Handlangerdienste erwiesen (solche Verräter gab es zu allen Zeiten, schon bei den Thermopylen), aber die Wiener Regierung war sich mit ihrem Volk darin einig, dass die Stadt bis zum Letzten zu verteidigen sei. Niemand, selbst die Insassen der Irrenhäuser nicht, wäre auf den Gedanken verfallen, die Eroberer im Namen der "Toleranz" und der "Multikultur" willkommen zu heissen und zu plärren: "Der Islam gehört zu Österreich!" und "Schluss mit der rassistischen Hetze gegen die türkischen Schutzsuchenden!" Nehmen wir aber einmal an, Wien wäre gefallen. Die Folgen wären furchtbar gewesen; nicht nur für die Bewohner der Stadt und insbesondere ihre Frauen und Töchter, sondern für Mitteleuropa als Ganzes, das wie zuvor Griechenland, Serbien, Bulgarien, Rumänien und andere Gebiete unter eine harte Fremdherrschaft geraten wäre. Aber: Die physische Existenz der Österreicher wäre nicht bedroht gewesen. Sie hätten als Volk überlebt, so wie die erwähnten Balkanvölker überlebt haben, und die Türken hätten ihnen den muslimischen Glauben nicht aufgezwungen, sondern sich damit begnügt, die Christen mit einer Sondersteuer zu belegen. Früher oder später wäre Österreich vom osmanischen Joch befreit worden, wie die zuvor genannten Nationen. Auf die Nacht der türkisch-islamischen Tyrannei wäre ein Morgen gefolgt. Heute ist die Situation um ein Vielfaches bedrohlicher. Der Feind Europas steht nicht ausserhalb, sondern hockt innerhalb der Stadtmauern. Er ist von seinem Aussehen und seiner Sprache her nicht von der Bevölkerung zu unterscheiden, die er zu vertreten vorgibt. Er öffnet dem fremden Eindringling die Tore und lockt immer neue Scharen von Invasoren an, mit dem Ziel, sein eigenes Volk in die Minderheit geraten zu lassen und letztenendlich durch Vermischung zu beseitigen. Dies haben die allerwenigsten begriffen; selbst auf diesem Blog, dessen Leser zu den aufgeklärtesten im nationalen Lager gehören, gibt es noch welche, die die Katastrophe der "Schwäche" oder "Dummheit" der Herrschenden zuschreiben. Hoffen wir, dass genügend vielen Menschen die Augen aufgehen, ehe die demographische Entwicklung die Völker Mittel-, Süd-, West- und Nordeuropas unwiderruflich zum Tode verurteilt und der Alte Kontinent in eine Nacht versinkt, auf die kein Morgen mehr folgen wird.

Bernhard Christian

13. September 2017 14:38

Leider war ich Samstags kurzfristig verhindert, möchte aber dennoch gerne auf Teile der Ansprache Seiner Eminenz Kardinal Innitzer zum allgemeinen dt. Katholikentag 1933 und im Zuge dessen zum Gedenken an das 250. Jubiläum des Entsatzes Wiens hinweisen.

https://youtu.be/Vl8jB8DAQiE

Klaus D.

13. September 2017 16:28

@Regenmeister

"... Bündnisse mit polnischen Kräften  ..."

Diese Überlegung erinnert mich an das ambivalente Verhältnis Brandenburg/Preußens im 30-jährigen Krieg zu Schweden. Die Schweden waren einerseits willkommen als militärische Unterstützung gegen die Kaiserlichen, andererseits auch nicht, da sie auf Landnahme aus waren. Bündnisse mit polnischen Kräften in der Jetztzeit wären sicherlich möglich und sinnvoll im Kampf gegen die Islamisierung und Umvolkung Europas. Aber andererseits ist Vorsicht geboten, da die transatlantikhörigen Polen eine aktive Spaltungspolitik zwischen Westeuropa und Rußland betreiben. Ich denke, dies wäre bei politischen Gesprächen mit Polen zu beachten.

Valjean72

14. September 2017 09:50

@Klaus D:

Nach meinem Verständnis dient die aktuelle Forderung der rechten polnischen Regierung nach Reparationszahlungen in Höhe von einer Billion US-Dollar auch dazu einen Keil zwischen den patriotischen Kräften beider Länder zu treiben. In wessen Sinne wäre dies?

Nun, ich erachte den Umstand, dass der geforderte Geldbetrag nicht in Euro oder Sloty, sondern in US-Dollar ausgewiesen wurde, für aussagekräftig.

Klaus D.

14. September 2017 13:26

@Valjean72

Ja, die Polen scheinen gelehrige Schüler zu sein. Sie sagen sich, wenn unser Herr und Meister versucht, einen deutschen Weltkonzern unverhältnismäßig abzuzocken und in den Ruin zu treiben, dann setzen wir noch einen oben drauf und versuchen dasselbe bei dessen übergeordneter Firma (Deutschland GmbH). Aber wenn der Kursverfall so weitergeht wie bisher, wird sich die Forderung in Dollar auch aus diesem Grund als Flop erweisen. Andererseits muß man den Polen sogar dankbar dafür sein, treiben sie doch damit eigentlich Deutschland weg von den USA genau in die andere Richtung ...

Franz Bettinger

14. September 2017 23:12

Ich glaube, Polen will - wie Griechenland mit einer ähnlich absurden Forderung nach Reparations-Zahlungen - nur eins: Verhandlungsmasse schaffen; anders gesagt, ein Druckmittel gegen die Clique an der Spitze der EU und der brd haben, um die gegen Polen gerichteten Forderungen nach Aufnahme von 'Flüchtlingen' und andere Erpressungsversuche abzuwehren. In der Sache irre, aber taktisch klug und verständlich. Was will man diesen Legalisten (und Menschen-Hubern) in Brüssel und Berlin auch anderes entgegen schleudern als ihre eigenen verlogenen Prinzipien. Ernst gemeint ist das alles nicht. Das Volk der Polen ist und denkt, wie das Volk der Deutschen, anders als ihre Anführer. Nebenbei bemerkt darf man nicht ganz vergessen, dass sich in WW2 die damalige UDSSR ein Drittel Polens einverleibt und behalten hat. Ein gewisses Ressentiment gegen den Erbfeind Russland ist da verständlich - auch wenn ich es nicht teile und seit 1989 für obsolet halte.

t.gygax

15. September 2017 12:11

@valjean72

Schwierige Sache. So sehr ich für den Austausch mit Gleichgesinnten bin -und das im weitesten Sinne, da stecke ich auch manche unterschiedlichen Ansätze weg-, aber letztendlich können nur wir selbst uns helfen. Es ist ja nicht so, dass "Deutschland" in Europa beliebt ist, im Gegenteil. Dazu haben alle Regierungen der letzten Jahrzehnte beigetragen, wobei Madame Merkel wirklich alles toppt. Aber mir haben zur Jahrtausendwende junge Polen (Abiturienten) wörtlich gesagt:" die Polen hassen zwei Völker, nämlich die Deutschen und die Russen", gut , das ist 17 Jahre her, aber ob das besser geworden ist, scheint mir zweifelhaft. Und was man in GB, Frankreich, Holland, Norwegen an wirklich blinder Deutschenfeindlichkeit erleben kann, na, das stimmt trübe. So sehr ich CASA POUND als Projekt schätze-die sind wirklich gut drauf....aber in erster Linie sind das Italiener und spätestens beim Thema Südtirol ist es dort aus, leider. Vielleicht irre mich auch, wäre ja nur erfreulich. Das einzige Land, in dem ich auf Auslandsreisen ( nicht als Hoteltourist, ich wohnte fast immer bei den Menschen) völlig verblüffend echte Freundlichkeit erlebte, war Amerika. "Oh your´re coming from germany? That´ s great, my forefathers came from Ulm,  I don´t know what a town this  is, but it is in Germany...." Vielleicht sieht das in Estland und Finnland auch besser aus, oder in Südamerika ( in Paraguay sollen Deutsche sehr geschätzt wegen der Kulturleistungen, die deutsche Mennoniten dort vollbracht haben), aber in Europa ist es wirklich finster. Eine Schülerin, im Jahr 2013 , die mit ihren Eltern ( kosmopolitische Leute) eine zeitlang in Frankreich lebte, plötzlich ganz unvermittelt im Geschichteunterricht: " die hassen uns doch" Aber trotzdem- wo es geht, zusammenhalten. Und es gibt Lichtblicke! "Les brigandes" haben jedenfalls nichts gegen uns, deswegen höre ich sie gerne an, obwohl die Musik sehr eigenwillig ist.

Valjean72

15. September 2017 12:56

 

Gewiss ist die polnische Forderung in erster Linie als Verhandlungsmasse gegenüber der EU und den Ton angebenden Ländern (allen voran die BRD) zu sehen.

 

Gleichwohl sehe ich einerseits den Schaden hinsichtlich einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit patriotischer Kräfte und andererseits eine Kontinuität des mE verzerrten Geschichtsbildes der Polen auf das eigene Land und auf Deutschland bezogen.

Im Internet bin ich mitunter auf rechten, bzw. patriotischen englischsprachigen Kanälen unterwegs und was da zum Teil an Häme von polnischen Patrioten zu lesen ist, ist schon heftig; Beispiel „Germanistan über alles!“

 

Man gewinnt den Eindruck, dass sich diese Menschen sogar darüber freuen, dass Deutschland  afrikanisch-arabisch überrannt wird. Gut, das mögen verirrte Einzelstimmen von unreifen Teenagern sein.

 

Ein weiterer Aspekt, der mir in diesem Zusammenhang allerdings auffiel ist, dass unter nicht wenigen osteuropäischen Patrioten Deutschland als Sündenbock ausgemacht wurde, wann immer es über Überfremdung  in West- oder Nordeuropa geht: „Merkel-Germany has destroyed Europe!“ oder „Germany destroys Europe once again!“

 

Interessanterweise wurde eben dieses Bild des Sündenbocks Deutschland – wenn auch aus anderen Herleitungen heraus - schon längst wieder auf der linken Seite des politischen Spektrums implementiert.

 

 „Bereits zum dritten Mal in der Geschichte Europas, ist die Starrsinnigkeit einer deutschen Regierung dabei Europa zu zerstören.“ Jean-Luc Mélenchon, franz. Sozialist (Quelle: www.lci.fr; 12.07.2015)

 

 

„Deutschland zerstörte sich und die europäische Ordnung zweimal im 20. Jahrhundert, …

 

Es wäre sowohl tragisch als auch ironisch, wenn ein wiedervereinigtes Deutschland mit friedlichen Mitteln und mit den besten Absichten den Ruin der europäischen Ordnung zum dritten Mal herbeiführte.“ (Joschka Fischer, 30.05.2012)

 

So wird den Menschen in der EU sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite des politischen Mainstreams Deutschland als schuldige Vogelscheuche am Vorabend der nahenden Krise präsentiert.


Valjean72

15. September 2017 23:39

@t.gygax

Das nach vorne sehen (im Sinne einer europäisch-patriotischen Zusammenarbeit)  fällt schwer, wenn einem dies nur unter der Vorbedingung gestattet ist, alles voran gegegangene Schlechte auf die eigenen, deutschen Schultern zu nehmen.

"Teile und herrsche" lautet das Prinzip der Machtstrukturen im nationalen Kontext (indem Partikularinteressen gegeneinander ausgespielt werden) aber eben auch auf europäischer Ebene, auf welcher immer wieder nicht gut verheilte Wunden aufgerissen werden.

Nach meinen Wegen und verschlungenen Pfaden im Internet kann ich allerdings sagen, dass es durchaus patriotische Europäer gibt, die alles andere als anti-deutsch eingestellt sind. Allerdings sind diese Menschen nicht dem politischen Mainstream zuzuordnen.

"Les Brigandes" höre ich auch, schliesslich bin ich trotz allem frankophil.

 

 

Cacatum non est pictum

16. September 2017 01:46

Die nationenübergreifende Zusammenarbeit von patriotischen Kräften ist ein wahrer Lichtblick. Gemeinsame Aktionen wie die identitäre Mittelmeermission tragen im Kern wahrscheinlich auch eine friedensstiftende Funktion. Vergessen wir nicht, was die Völker Europas über die Jahrhunderte einander angetan haben - Abendland hin oder her. Vielleicht schweißt ja der gemeinsame Kampf gegen den Großen Austausch die Nationen etwas mehr zusammen (auch wenn sich der Kampf bei Lichte besehen nach innen gegen die eigene Dekadenz richtet und nach außen gegen die politischen Mächte, die uns die Masseneinwanderung aufzwingen - und viel weniger gegen die Invasoren selbst, wie es noch 1683 der Fall war).

Dennoch dürfen wir auf keinen Fall vergessen, dass das ethnische Band unheimlich stark und zäh ist. Einige Foristen hier haben ja schon anklingen lassen, wie wenig beliebt wir Deutschen momentan im europäischen Ausland sind. Das haben wir sicher nicht zuletzt der EU-Sonnenkönigpolitik von Merkel, Schäuble und Konsorten zu verdanken; dass es darüber hinaus noch jede Menge alter Ressentiments gegen uns gibt, macht die Sache nicht besser. Wenn es in Europa wirtschaftlich bergab geht, können ganz schnell wieder alte zwischenstaatliche Konflikte ausbrechen, wie man sie etwa aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg kennt. Die Massenmedien werden, wenn es sein muss, ihren Teil dazu beitragen, die Völker gegeneinander aufzuhetzen.

Auf solche Szenarien sind wir in Deutschland überhaupt nicht vorbereitet. Und da rede ich nicht nur von der Bundeswehr, die momentan zur Landesverteidigung wohl nicht fähig wäre. Vielmehr gebricht es den meisten unserer Landsleute schlicht an Vorstellungskraft, solche Konflikte vorherzusehen. Wir leben auf unserer immerwährenden Wohlstandswolke; das permanente Geschwafel vom europäischen Friedensprojekt, von den offenen Grenzen, von unserer so friedfertigen und unbestechlichen Demokratie: Es hat uns die Sinne vernebelt und das Gespür für Politik geraubt. Wenn es eng wird, werden wir auf uns allein gestellt sein - so ungefähr hat es ja auch t.gygax oben ausgedrückt. Patriotismus ist also das Gebot der Stunde. Die aktuellen und die kommenden Probleme werden wir entweder als Deutsche gemeinsam lösen, oder wir werden sie überhaupt nicht lösen.

@t.gygax

Und es gibt Lichtblicke! "Les brigandes" haben jedenfalls nichts gegen uns, deswegen höre ich sie gerne an, obwohl die Musik sehr eigenwillig ist.

Mir imponieren diese Damen sehr. Sie haben mich sogar dazu inspiriert, meine verstaubten Französischkenntnisse wieder aufzupolieren. Marianne, die Sängerin der Band, hat in einem Interview Franzosen und Deutsche als Geschwistervölker bezeichnet. Welch versöhnliche Worte vor dem Hintergrund dessen, was sie sich in den vergangenen Jahrhunderten gegenseitig angetan haben!

ALD

16. September 2017 12:15

Gedenken hin, Gedenken her - die Republik Türkei ist - trotz Erdoknallbirne samt pseudoosmanische Stimmfangshow - der natürliche Verbündete der deutschen Souveränitatswiedererlangungs- und Nationalstaatsbewahrungsbewegung. An diesem Faktum können weder halbstarke, realitätsverweigernde Möchtegernosmanen mit anatolischen Einwanderungshintergrund, noch romantisch fackelzügelnde, austrodeutsche Hippiepatrioten mit notorischer Türkenphobie etwas ändern.

Klaus D.

16. September 2017 14:17

@t.gygax

"echte Freundlichkeit in Amerika" - hört man öfter, und haben wir auch augenscheinlich selbst erlebt - aber: ein Freund, der seit 5 Jahren in Beaumont nahe L.A. lebt, sagte mir kürzlich gerade zu diesem Thema: alles nur Show, oberflächlich. Und auch in England haben wir solche eigentlich fast herzlichen Gespräche gehabt, einer davon war als Offizier in den 50-er Jahren in D stationiert. Was soll man davon halten? Ich denke, man muß die offizielle Politik der Angloamerikaner prinzipiell separat sehen. Und da hat mir das Buch "Der Vampir des Festlandes" die Augen geöffnet, einfach haarsträubend! Es ist von 1915, man gewöhnt sich an die Schreibweise. Daraus erschließt sich auch die englische Politik des gesamten 20. Jh. bis jetzt.

https://archive.org/stream/dervampirdesfest00reve#page/n8/mode/1up

 Andererseits muß man bedenken, daß der 2. WK bei den umliegenden Völkern noch sehr präsent ist (bzw. durch die Medien gehalten wird). Ich habe bald den Eindruck, es wird immer aktueller.

Jürg_Jenatsch

16. September 2017 16:19

@ Caroline Sommerfeld Liebe Frau Sommerfeld, es klingt zwar allzu beckmesserisch, aber ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß Prinz Eugen damals nur ein einfacher Mitkämpfer war. Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen war zu dieser Zeit Karl von Lothringen, während die bayerischen Verbände von Ihrem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern geführt wurden.

@ alle Derzeit sollten alle innereuropäischen Zwistigkeiten zurückgestellt werden.

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