Sezession
26. September 2017

Petry, Pretzell und Freunde – Was nun?

Benedikt Kaiser / 54 Kommentare

Der quittierte heute seinen Dienst in der NRW-Landtagsfraktion und verläßt die AfD ebenfalls. Beim überwältigenden Rest, also fast allen: Geschlossenheit. 93 von 94 gewählten Abgeordneten versammelten sich heute in Berlin, um die Bundestagsfraktion der AfD zu konstituieren. Das bedeutet: Petrys Alleingang bleibt, mindestens vorerst, ein Alleingang.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Jetzt, nach dem Scheitern, stellt sich beim Blick auf Petry, Pretzell und ihre angeschlossenen Theoretiker und Karrieristen die Frage nach dem "Was nun?".

  • Petry hat unnachahmlich gezeigt, daß sie die Wähler in ihrem Wahlkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge geringschätzt bis verachtet. Was nun?
  • Petry hat dem gesamten oppositionellen Milieu einen Bärendienst erwiesen: Millionen Deutsche, die mit ihrem Votum den Kurs der Altparteien ablehnten, wurde der Verdacht eingeimpft, auch "der Rechten" gehe es nur um Pfründe, Seilschaften und Intrigen. Was nun?
  • Pretzell hat bewiesen, daß Eitelkeit und technokratischer Weltanschauungspragmatismus auch nach dem Auszug der Luckisten chancenlos blieb. Was nun?
  • Nachdem höhnend "Das Ende des Rechtspopulismus" verkündet wurde, tatsächlich nun aber die "Stunde des Populismus" (als Stunde volksnaher "klarer Kante") anbricht: Was nun?
  • Nachdem sichtbar wurde, daß die mitteldeutschen Verbände (partei- und milieuintern oftmals gescholten als "Sozial-" oder "Rechtspopulisten") reüssieren, während all die verkappten und devoten CDU/CSU-Anbeter flächendeckend unter den Erwartungen blieben. Was nun? (Petry ist kein Gegenbeispiel: das Votum in Sachsen, im widerständigsten aller Wahlkreise zumal, war kein Votum "für Petry", sondern für eine grundsätzliche Alternative – gleich welcher Kopf an der Spitze stünde.)
  • Nachdem klar und deutlich gezeigt wurde, daß die mainstreamigen Kampagnenreiter der "87%", die als fanatische Einheitsfront gegen die AfD stehen, für die Petry-Pretzell-Clique offenkundig das kleinere Problem darstellen als interne Ränkeschmiedereien, die der Partei und ihrem Ansehen bei den eigenen Anhängern (und um die geht es primär, nicht um Wohlgefallen bei der Konkurrenz von Kubicki bis Seehofer), massiver schaden als markige bis deplazierte Worte eines einzelnen Kandidaten. Was nun?
  • Nachdem man in gewissen Redaktionsstuben zuerst mit aller Kraft Bernd Lucke inthronisieren wollte, dann so flexibel wie vorbehaltslos auf Petry/Pretzell umschwenkte, um jetzt - nach einem neuerlichen Totalscheitern seiner eigenen Mission -  wieder eilig umzuschwenken. Was nun? Und: Auf wen wird diesmal umgeschwenkt? Und: mit welchem Ziel? Und: mit welch (erwartbarem) Ausgang? "Ceterum censeo ala esse delendam", wie Cato schon wieder sagt?
  • Nachdem sich also das Scheitern der Spalter und neoliberalen Claqueure von 2015 unter neuer personeller Konstellation 2017 als Farce wiederholt hat. Was nun?

Nun: Die möglichen Antworten sind so banal wie dem Wortsinne nach "populistisch".

  • Die Unversöhnlichkeit der gewählten AfD-Vertreter mit dem Bestehenden ist einstweilen wichtig und richtig.
  • Viele Wähler stießen zur AfD aus solider Überzeugung, aber das Gros war vermutlich von dem Wunsch getrieben, "denen da oben" eins auszuwischen, mit dem Vehikel AfD, das mehr sein soll als eine Protest-Eintagsfliege. Diesen Anspruch gilt es zu beherzigen.
  • Das allgemeine Unbehagen an den herrschenden Verhältnissen kann derzeit vor allem populistisch, also vereinfachend und um klare, offene Sprache gegenüber dem Volk bemüht, mobilisiert werden.
  • Angesichts der existentiellen Krise, in der sich Deutschland und Europa aufgrund der Mißwirtschaft des politischen, gesellschaftlichen und medialen Establishments befindet, muß sich hierbei bei ebendiesem für nichts entschuldigt werden.
  • Wenn eine Kraft der Opposition ohne jede Not beginnt, Teil des Ganzen zu werden, sich anschmiegt, abschwächt, mitspielt, erntet sie keinen Dank des Parteienkartells. Dieser ist daher nicht anzustreben.
  • Stets droht eine fortwährende und sich selbst austarierende „Hegemonie durch Neutralisierung“. Antonio Gramsci beschrieb mit ihr eine Situation, in der sich der Mainstream oppositionelle Forderungen einverleibt, um subversives Potential zu neutralisieren. Genau das droht, wenn etwa die CSU ankündigt, die rechte Flanke zu schließen. Man sollte sich daher nicht voreilig freuen, wenn die "Volksparteien" ggf. eigene Vorschläge adaptieren, eigene Themenfelder übernehmen.
  • Hier ist vielmehr souveräne Wachsamkeit gefragt. James Burnham wies darauf hin, daß Oppositionelle, denen man kleine Zugeständnisse macht, damit sie den großen Konsens nicht mehr hinterfragen, „in bezug auf die gut verschanzte Macht ebenso unbedeutend wie früher die Hofnarren“ seien. Also: Kein voreiliges Anbiedern an potentielle Gesprächspartner, die die Unionsparteien gegebenenfalls aus dem Hut zaubern werden. 
  • Weiter ist gefragt: Eine Absage an journalistische Souffleure, die immer wieder an ihrem – lediglich "liberalkonservativ", "realpolitisch" und "bürgerlich" ummantelten – Versuch scheitern, aus der AfD eine CDU/CSU der 1980er Jahre zu machen, und doch belehrungsresistent immer wieder aufs Neue beginnen, ihre Spielchen, die die Existenz der AfD und des gesamten wahrhaft oppositionellen Lagers gefährden, zu spielen.
  • Weiter ist gefragt: Den Angriff auf Charaktere wie Petry und Pretzell samt (nun von ihnen abgewendeten) Einflüsterern nicht mit einem Angriff auf den "gemäßigten" Flügel mißzuverstehen. Die AfD muß verschiedene Lager vereinen, deren weltanschauliche Positionierungen mitunter stark voneinander abweichen können.
  • Das tatsächlich liberalkonservative Lager kann sogar gestärkt werden durch die Abgänge von Petry und Pretzell: Inhalte können besser plaziert werden, wenn sie im Kopf des einzelnen Parteimitglieds oder Sympathisanten nicht mit dem Ruch der Intriganz verbunden werden.
  • Haltung und Anstand gegenüber der eigenen Partei und den eigenen Sympathisanten und Wählern sind, mehr noch als weltanschauliche Differenzen, zunächst das Entscheidende, nicht die mitunter von außen geschürte oder in ihrer Bedeutung überzeichnete Trennung in Realpolitiker versus Fundamentaloppositionelle.
  • Weiter ist gefragt: Die Verinnerlichung dieser Analyse.

Denn die AfD, das gilt sich in den anstehenden Monaten von Zeit zu Zeit zu vergegenwärtigen, ist eine Partei, die neben den bereits Überzeugten vor allem Nichtwähler und Hunderttausende enttäuschte Anhänger anderer Parteien für sich mobilisieren kann. Sie sieht sich dabei mit dem nicht selten halb- oder illegalen Widerstand sämtlicher gesellschaftlich relevanter Gruppen, Medien und Organisationen konfrontiert. Authentische Oppositionsarbeit gegen diesen Komplex ist nur geschlossen, solidarisch und couragiert möglich. Revolutionäre Realpolitik ist in diesem Kontext kein Oxymoron, sondern das Gebot der Stunde.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Kommentare (54)

Andreas Ulbrich
26. September 2017 20:43

Noch ein Vorteil. Wenn P&P eine eigene liberal/moderat/rechte Partei aufmachen, geht das nicht auf Kosten der AfD sonder wird Mutti noch weitere 5% weg nehmen. Auch kein Schaden.

Hartwig aus LG8
26. September 2017 21:20

Für die AfD gilt: Nach der Wahl ist vor der (Neu-)Wahl. Ich gebe diesem Szenario eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent. Zumindest sollte man im Frühjahr 2018 so verfasst sein, dass man einer Neuwahl einigermaßen gelassen entgegen sehen kann.

Caroline Sommerfeld
26. September 2017 21:40

Herr Kaiser, Sie beruhigen (im Sinne von konsolidieren) mich mit diesem klaren Text außerordentlich. Gestern war ich von petryinduzierten Zweifeln an der Demokratie als Ochlokratie befallen. Heute mußte ich mich mehrmals für die AfD rechtfertigen, weil "die Rechte ja immer sofort untereinander streiten, das war bei FPÖ und BZÖ genauso". Mein Versuch eines reframings der Lage in diesen Gesprächen ("Das ist keine Spaltung, sondern ungeeignete Leute scheiden freiwillig aus, was besseres kann der AfD genau jetzt kaum passieren!") wird von Ihnen bekräftigt. Bleibt mir nur noch, den "Wir jagen sie"-Sager vom Gauland als hübsche Kopie von Grün und FDP (Lindner 2013 über Hannelore Kraft) zu entnazifizieren, und ich sehe wieder Land.

Der Gehenkte
26. September 2017 21:58

Kann man alles unterschreiben. Würde es durch einen wesentlichen Punkt ergänzen:

Ernstnehmen der Angst vieler Menschen vor einem neuen Faschismus, Nazismsus, NS und dergleichen. Gegensteuern und durch konstruktive Arbeit widerlegen. Andernfalls wird die Partei scheitern. (Ich kenne viele Leute, die deswegen nicht AfD oder unter großen Bauchschmerzen gewählt haben – beim nächsten Mal sind die wieder weg.)

Corvusacerbus
26. September 2017 22:14

Ja, es gilt jetzt Politik zu machen. Daß dabei eine konservativ-nationale Fraktion wie andere Fraktionen auch verschiedene Flügel bzw. Strömungen umfasst, gehört dazu und ist normal. Auch Anfängerfehler von Parlamentsneulingen sind normal. Die MdB's der AfD sollen auch persönliche Eitelkeit und Eigenwilligkeit pflegen dürfen, auch die gehören dazu. Stromlinienförmige Langweiler hat die deutsche Politik weiß Gott schon genug. Aber dieser persönliche Touch und Ton soll immer die Partei stabilisieren und voranbringen und "die Menschen draußen im Lande" sollen empfinden können, daß es dieser Partei mit allem, was sie tut und sagt, um die Interessen Deutschlands geht. Gegen die Einheitsfront der anderen Fraktionen und deren häufig dümmlich und halbgebildet daher kommenden Mitglieder hilft am besten mit individuell ganz unterschiedlichen talentierten Politikerinnen und Politikern inhaltlich einig aufzutreten. Wenn der Sozi Johannes Kahrs bei Phoenix von "rechtsextremen Arschlöchern" spricht, muß man das nicht mal ignorieren. Nervt die anderen im Bundestag mit Fachkompetenz und rhetorischem Talent und bindet die AfD-Wähler mit guter Deutschlandpolitik.

Marc_Aurel
26. September 2017 22:20

Mich würde interessieren, auch wenn das jetzt ein wenig am Thema vorbeigeht, warum Petry überhaupt so gehandelt hat, welche Strategie hat sie verfolgt, mal abgesehen von der, aus der AfD eine FDP 2.0 machen zu wollen, unter dem Einfluß von Kaleun Brezel, um schneller an die Fleischtöpfe des Systems zu kommen, wie seinerzeit Lucke, was freilich den baldigen Untergang der AfD wegen Überflüssigkeit zur Folge gehabt hätte. Vielleicht war die Hoffnung die, sich im Wahlkampf bewußt zurück zu halten um den patriotischen Flügel auflaufen zu lassen, nach dem Motto "Mal sehen wie weit ihr ohne mich kommt!" Da man dann sehr weit kam, folgte die Kurzschlußreaktion oder mache ich es mir zu einfach, mit diesem Erklärungsmodell?

Der_Jürgen
26. September 2017 23:25

Ein guter Kommentar. Es wäre in der Tat ein wahnsinniger Fehler seitens der AFD, den Sirenenklängen von CSU-Leuten und anderen Schlawinern zu lauschen, die versprechen, jetzt den rechten Flügel stark zu machen. Lautstarkes Werben um die Wähler vom rechten Flügell, dem dann niemals Taten folgten, war stets eine Spezialität der Union. Besonders gut verstand sich Franz Josef Strauss selig darauf. Wer auf diesen Schwindel hereinfiel, stand am Ende stets als der dumme August da.

@Marc_Aurel

Es mag sein, dass die Petry von Beginn an ein U-Boot war, ebenso wenig wie man ausschliessen kann, dass sie von Pretzell umgedreht wurde. Welche dieser Varianten die richtige ist, oder ob eine weitere zutrifft, weiss keiner von uns. Es ist letzten Endes auch gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass diese Frau sich selbst das politische Grab geschaufelt hat - denn wer glaubt schon ernstlich, dass eine neue Partei wesentlich mehr Erfolg hätte als Bernd Luckes Loser-Riege "Alfa"(oder wie der komische Haufen heute heisst).

Franz Bettinger
26. September 2017 23:29

Alles ist gut. Frauke Petry hat das Richtige getan: sich und der Partei weiteren Ärger erspart. Auch der Zeitpunkt war goldrichtig. Was, wenn sie ihren Austritt kurz vor der BT-Wahl verkündet hätte? Das hätte der AfD ein paar wichtige Prozente gekostet. Machen wir dieser Frau also keine Vorwürfe! Sie ist weg und das schmerzlos. Auch die Partei spalten will sie offenbar nicht. So sehr ich die Petry einmal schätzte, es ist vorbei. Wenn es ihr Ziel war, die AfD auf FDP zu drechseln und koalitionsfähig zu machen, so hat sie sich verrechnet, und basta. Deutschland braucht keine sechste Fraktion, die im Bundestag zahm beigibt und auf Teilnahme an den Pfründen schielt. Die AfD ist nicht dafür gewählt worden, so zu sein, wie die anderen seit langem sind. Das Land braucht eine Stimme im Parlament, die das Treiben des Merkel-Regimes als das Verbrechen anprangert, was es ist: ein verfassungswidriger Coup von oben.

Simplicius Teutsch
26. September 2017 23:33

A. Gauland, J. Meuthen und A. Weidel müssen weiterhin die Nerven behalten und mit Ruhe und Sachlichkeit in der Partei Regie führen, und zwar in ebenso geschickter und großartiger Weise, wie sie auf dem Parteitag in Köln im April die von Frauke Petry angestrebte Spaltung der AfD ins Leere laufen ließen und so den jetzigen, erfolgreichen Einzug ins Parlament erst möglich gemacht haben.

E.
27. September 2017 00:39

Frau P. und Herr P. bedürfen keiner weiteren Erwähnung mehr. Sie haben sich selbst ins Abseits gestellt. Wenn sie über einen Funken Anstand und Ehre verfügen würden, den zu besitzen sie vorgeben, würden sie ihre - unter falschen Voraussetzungen erworbenen - Mandate (Landtagsmandat von Herrn P., Bundestagsmandat von Frau P.) aufgeben. Dies werden sie freilich nicht tun. Zum einen brauchen sie das Geld. Zum anderen werden sie nun noch die verbleibenden Mandatsjahre über die Aufmerksamkeit derjenigen Medien genießen wollen, für die sie nun gerade gut genug sind, um gegen die AfD ins Feld geführt zu werden. Aber wie gesagt: Frau P. und Herr P. bedürfen keiner Erwaähnung mehr.

Heinrich Brück
27. September 2017 00:47

Teamarbeit. Gauland hat es vorgegeben: "... - und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen!" Auf der spirituellen Ebene eine Herausforderung. Die AfD ist nicht nur in der Opposition, sie befindet sich in einem geistig-spirituellen Krieg. Sie darf es sprachlich nicht vermasseln, will sie die Schlaffrösche aus dem Kochtopf bewegen. Der Frosch ist erst außerhalb des Topfes freier. Wacht er auf, wen wird er dann wählen? Noch träumt der gute Frosch. Wohl ein Traum von Demokratie und Rechtsstaat, die es zu bewahren gilt (im Topf!). Noch wird das Aufwachensollen als Störungswerk wahrgenommen. Natürlich wurde die AfD nicht deswegen gegründet.

Umdenker
27. September 2017 00:58

In der Tat: Nach der ersten Schrecksekunde gestern sieht es nun so aus, als ob der AfD nicht besseres hätte passieren können. Allerdings muss nach dem P&P-Problem nun unbedingt auch das Höcke-Problem gelöst werden, wenn die Partei ihr Potential auschöpfen und den Missstand, den der "Der Gehenkte" anspricht, aus der Welt schaffen will. Höcke kann natürlich nicht ausgeschlossen werden. Das ist, wenn man seine Positionen unvoreingenommen anschaut, auch gar nicht nötig. Aber er hat der Partei mit seinem "dissonanten Pathos" (Kubitschek) geschadet. Er muss das zerschlagene Porzellan zusammenkehren und der Partei und vor allem dem "anderen Flügel" klar signalisieren, dass er aus seinen Fehlern gelernt hat. Intelligent genug scheint er dafür zu sein. Vielleicht schon auf dem Parteitag im Dezember?

Kammerherr
27. September 2017 01:03

Einen Text so ungefähr in dieser Art habe ich seit gestern gesucht, auch aus einem Konsolidierungsbedürfnis heraus, und hier finde ich ihn, danke dafür, Herr Kaiser! Aber meine kaltstumpfe Wut über diesen wohl lange vorbereiteten und auf den Punkt kalkulierten Verrat hat sich noch nicht gelegt, um hier in der gebotenen Sachlichkeit und Lockerheit kommentieren zu können, ich bin, ehrlich gesagt, immer noch fassungslos. Um Pretzell ist es nicht schade, auf die "Oligarchisierungstendenz" wurde ja auf diesen Seiten schon mehrfach hingewiesen. Man kann nur hoffen, daß Petry jetzt nicht allzu viele folgen werden, den Erklärungen verschiedener Fraktionen und Gremien traue ich noch nicht so recht. Also, Zähne zusammenbeißen!

Curt Sachs
27. September 2017 01:08

Der gute Kaiser Marc Aurel fragt: "Mich würde interessieren …, warum Petry überhaupt so gehandelt hat, welche Strategie hat sie verfolgt"

Das wüsste ich allerdings auch gern. Vielleicht kann mir das einer von denen, die mehr wissen und tiefer blicken, ja erklären. Frau Petry sagte, sie wolle die AfD bis 2021 regierungsfähig machen. Auch wenn sich das mit ihrem heute angekündigten Parteiaustritt erledigt haben dürfte, frage ich mich, wie sie das denn hätte bewerkstelligen wollen? Die AfD wird auch 2021 niemals eine Alleinregierung stellen können. Ebensowenig würde sie bis dahin als Koalitionspartner auf Bundesebene akzeptiert werden. Das ist wie mit der Linken: Die kann noch so "realpolitisch" in den Ländern mitregieren, aber die SPD hat in der zurückliegenden Wahlperiode auf Bundesebene dennoch die CDU als Koalitionspartner vorgezogen. Wie sie jetzt aber als von allen geschnittene fraktionslose Abgeordnete unter 709 Abgeordneten überhaupt auf irgendetwas Einfluss nehmen will, ist mir noch viel rätselhafter. Sie kann sich  noch so sehr abstrampeln, das geht schon systembedingt nicht. Sie kann dort nur eine traurige Figur abgeben. Der Austritt aus der Fraktion wäre nur dann einigermaßen sinnvoll, wenn sie ein paar Dutzend Getreue mitnehmen könnte. Nein, auf die "Regierungsfähigkeit" der AfD auf Bundesebene zu setzen, ist ein Holzweg. Wirkung kann die AfD als Bestandteil einer auch außerparlamentarischen Opposition entfalten, wie es Herr Kaiser früher schon so treffend beschrieben hat:

"Daß es im Zuge des schwierigen Entstehungsprozesses einer Mosaik-Rechten zu Verzahnungen und personellen Verschränkungen (nicht: bloßen Personalwechseln) zwischen parlamentarischen und außerparlamentarischen Akteuren kommt, ist erwünscht."

Nautilus
27. September 2017 01:10

Frauke Petry war noch nie eine Teamspielerin, dass gleiche gilt für ihren Ehemann Pretzell. Diese sind machtbesessen bis ins Mark. Alles sollte nach ihrer Pfeiffe tanzen. Genau das war das Problem. Dieser Frau ging es nur darum,so schnell wie möglich an die Futtertröge der Macht zu gelangen, dass gleiche gilt für Pretzell. Ihre Aussage war ja, so schnell wie möglich koalitionsfähig zu werden und dann bei der nächsten Bundestagswahlin die Regierung zu kommen. Oft dachte ich,ob das ihr ernst ist, ja es war ihr ernst. Die Folgen sind bekannt. Der AFD rate ich, jetzt erst einmal Sachpolitik zu betreiben, und zwar mit Verstand und ohne Geschrei! Das Volk ist jahrzehntelang unter der Fuchtel der linksliberalen gestanden. man darf daher nicht zu viel erwarten. Die Furcht vor der Nazikeule ist grösser als jeder Terroranschlag, auch das sollte man wissen. Was die AFD wissen muss ist, was jahrzehntelang an Gehirnwäsche betrieben wurde, kann man nicht auf einmal rückgängig machen. Ja uns läuft die Zeit davon, aber aus meiner Sicht kann man nur noch Schadensbegrenzung machen. Wir werden sehen.

Dietrich Stahl
27. September 2017 03:31

Werte Caroline Sommerfeld, ich werde immer wieder darauf hinweisen. Selbst auf die Gefahr hin den einen oder die andere zu nerven. Sei´s drum. Um meiner seelischen Gesundheit Willen habe ich die Pflicht zu dieser Anmerkung: Ich zucke jedes Mal innerlich zusammen, wenn ich englische Begriffe, aus Laxheit und nicht aus Notwendigkeit verwendet, in Artikeln oder Kommentaren lese. Seien Sie, liebe SiN Schreiber, bitte mitfühlend mit mir [hoffnungslos?] in die deutsche Sprache Verliebten. Sie möchten doch sicher nicht, daß sich dieses Zusammenzucken zu einem nervösen Tick auswächst.

Das Eigene! Darum geht es doch im SiN Forum. Darum geht es jedem echten Konservativen. Deutsche Kultur ist zuallererst deutsche Sprache. Beides gehört untrennbar zusammen. Deshalb enteignet der angelsächische Gegner seit 1945 das deutsche Volk schrittweise. Er stielt ihm die deutsche Sprache. Er versucht, die deutsche Kultur zu zerstören.

Werte Frau Sommerfeld, Sie haben ja nur ein englisches Wort verwendet. Eigentlich keine große Sache, könnte man denken. Ich möchte erklären, warum ich so ausführlich dazu schreibe. Einmal gab es vor drei Tagen wieder einen Sonntagshelden. Schauen Sie sich die Überschrift an. Zum zweiten unterrichtet eine Freundin von mir Gesang. Vor gut zwei Wochen besuchte ich das jährliche Konzert ihrer Schüler. Mit dem abschließenden Chor gab es insgesamt 24 Lieder. Davon 16 Lieder aus amerikanischen Filmen und Musicals. Ein älterer Schüler sang in Deutsch eine Arie aus Fidelio und ein Lied von Robert Stolz. Meine Freundin, eine Amerikanerin mit deutschen Wurzeln und klassischer Musikausbildung, liebt das deutsche Liedgut. Und sie rettete den Abend so einigermaßen für mich. Text und Musik des abschließenden Liedes wurden an das Publikum verteilt; und wir sangen mit dem Chor der Schüler gemeinsam das Lied „Abend wird es wieder“ von K. Groos und H. von Fallersleben.

Liebe Frau, Sommerfeld, ich nehme an, Sie verstehen, was ich ausdrücken möchte. Nichts für ungut.

Der Feinsinnige
27. September 2017 03:42

Gestern vormittag meine erste Schockreaktion: Genau das durfte nicht passieren. Petry richtet den größtmöglichen Flurschaden an. Heute abend, nach reiflichem Nachdenken, den Artikeln der Sezession und den vielen Diskussionsbeiträgen der Leser dieses Blocks bin ich überzeugt: Petrys und Pretzells Abgang zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist eigentlich aus Sicht der AFD das beste, was passieren konnte, zumal der angekündigte Parteiaustritt auch den kommenden Parteitag mutmaßlich von den gröbsten Streitigkeiten entlasten dürfte: Die angeblichen bzw. sogenannten Flügelstreitereien sind damit, wenn nicht beendet, so zumindest ihrer Brisanz beraubt. Es wird sich zeigen, ob diese in den Medien so hochgekochten Differenzen nicht letztlich im wesentlichen ein Produkt des Profilierungswillens gerade dieser beiden Personen waren und ob die Partei durch deren Abgang nicht im Ergebnis gewinnt. Mögen jetzt noch die einen oder anderen Landtagsabgeordneten und Mitglieder dem Weg Petrys und Pretzells folgen – es dürfte eine überschaubare Zahl bleiben. Das wird verkraftbar sein. Der Aufbau einer neuen Partei mit Erfolgsaussichten wird ihnen nicht gelingen. Dazu gehörte nicht allein ein außerordentlicher organisatorischer Kraftakt, sondern auch eine besondere historische Situation, wie sie die Grünen 1980 und die AFD 2013 vorfanden, als jeweils aufgrund einer eklatanten Repräsentationslücke im Parteiengefüge ein tiefes Bedürfnis nach einer neuen Partei bei sehr vielen Bürgern bestand. Eine solche Situation sehe ich derzeit weit und breit nicht. Die große Lücke rechts neben der Union, die so lange offengestanden hat, ist durch die AFD bis auf weiteres geschlossen worden und wird geschlossen bleiben. Die übergroße Mehrheit der Mandatsträger und Mitglieder wird erkennen, daß die Sache, für die die AFD steht, weit wichtiger ist als Namen und Gesichter irgendwelcher Spitzenpolitiker, auch wenn es sich um die (Noch-)Parteivorsitzende und ihren Ehemann handelt. Ich vertraue derzeit darauf, daß dies auch und insbesondere für die Inhaber der Bundestagsmandate gilt. Eine Parteineugründung durch Petry und Pretzell würde den Weg von Luckes ALFA bzw. LKR gehen.

Der sehr gut durchdachten Analyse von Benedikt Kaiser möchte ich unter dem Kapitel „Was nun?“ einen Punkt hinzufügen:

Sofortige Abschaffung der Doppelspitze in der Parteiführung. Die AFD hat jetzt einen (einzigen) Parteivorsitzenden, der hohe Intelligenz und die natürliche Gabe in sich vereint, durch treffende Formulierungen, gewandtes Auftreten und kaum übertrefflichen Humor für sich einzunehmen, und zwar innerparteilich und nach außen (vgl. nur das Redefeuerwerk in Bad Muskau:https://www.youtube.com/watch?v=knTLSjxNLcM). Die Doppel- (und früher Dreier-)Spitze hat von Anfang an nicht wirklich funktioniert. Persönliche Animositäten brachten unnötige Reibungsverluste (bis hin zum offenen Machtkampf zwischen Meuthen und Petry). Und: Wenn Meuthen allein Parteivorsitzender bleibt, kommen die Medien nicht an ihm vorbei, wenn sie den obersten Repräsentanten der Partei hören wollen – ein unschätzbar großer Vorteil.

Joker2484
27. September 2017 10:33

In der gestrigen Phoenix-Runde orakelte eine Spiegel-Journalistin, dass mit dem Abgang von Frau Petry eine Krise innerhalb der AfD, (vermutlich meinte sie die Spaltungsgerüchte befeuert von eben jener Mainstream-Journaille) entstanden sei. Sie begründete dies sinngemäß damit, dass Petry sehr erfolgreich in ihrem Wahlkreis war und mit Ihrem inszenierten Austritt nun die vielleicht bekannteste und exponierteste Figur der Partei wegbräche. Ich kann nur wiederholen, dass die AfD in Sachsen nicht wegen, sondern trotz Petry, stärkste Kraft geworden ist. Ferner rückte ein Politikpsychologe Herrn Gauland in NPD-Nähe und missinterpretierte das "Wehrmachtszitat" als dessen Anbiederung an die Rechtsextremen. Wer dachte die viel zitierte Keule gegenüber der AfD würde nach der Wahl zur drittstärksten Kraft im Land verschwinden, sieht sich getäuscht. Das Klima bleibt rauh. Die leidigen Beißreflexe der Altparteien, die die sachbezogene aber streitende Debatte verunmöglichen, bleiben bestehen, siehe beispielsweise das Kindergarten-Theater der FDP, die im Bundestag nicht neben der AfD sitzen will. Ich bin dennoch auf die Bundestagsdebatten gespannt und freue mich darüber , dass die eigenwilligen Quertreiber "U-Boote" P&P freiwillig gegangen sind.

Herr K.
27. September 2017 11:09

Hoffentlich ist Petry das einzige U-Boot, das installiert wurde. Natürlich besteht auch noch die Möglichkeit, dass es noch mehr falsche Fünfziger untergebracht wurden und nun als Feuerwerk des Versagens über die nächsten 4 Jahre abgebrannt werden sollen. Klingt paranoid, sollte aber zumindest in Betracht gezogen werden. Was dann?

Ein paerteiinterner Verhaltenskodex wird unumgänglich sein.

Schneekette
27. September 2017 11:18

Freuet Euch! Der widerwärtige Corpsier und sein dummes Weib sind weg!

Corvusacerbus
27. September 2017 11:36

Wir dürfen über den sich nun ergebenden neuen Chancen übrigens nicht vergessen: Es ist schon unglaublich viel erreicht worden durch die AfD. Ich muß mir das bei allem Frust über den Irrsinn der Welt immer wieder selber klar machen. Sie bestimmt den medialen Diskurs komplett. Wegen ihrer Wahlsiege und ihrer festen Verankerung im Volk (vor allem in Mitteldeutschland!!!) ändern andere Parteien ihre Programme und ihre Politik. Das ist nur Taktik? Was ist heißt "nur"?! Politik machen ist zum übergroßen Teil Taktik (über Politik Nachdenken und reden ist ein ganz anderes Ding). Und wenn sich die Politik in Richtung nationaler Selbstbestimmung und Souveränität, Obergrenzen und ganz generell "deutscher Themen" ändert (selbst der Brüsselbör Schulz versteckte die EU im Wahlkampf) ist das gut. Erstmal völlig egal, wie überzeugend motiviert das bei Dritten ist. Es ist "von uns" angeschoben und verursacht; das zählt und das ist große Politik. Politik ist viel Taktik. Viel Show. Nutzen von Gelegenheiten, die einem in den Schoß fallen. Geduld, wenn man recht hat, sich aber nichts bewegt. Aber immer gilt (die Grünen haben das von je her verstanden): Damit sich innen und in den Institutionen was bewegt, muß man außen Druck machen und zugleich rein in die Institutionen und dem Schall ein Echo sein. Am Ende ist das alles komplex und kompliziert, voller Risiko des Scheiterns (und die andere Seite hat viel Geld und Know-How, um ihre globalistische Agenda durchzudrücken). Mir scheint, die AfD hat das alles gut auf der Kette und die Mechanismen und die Mechanik der Macht begriffen. Ich bin frohen Gemüts, daß die Dinge sich auf Dauer zum Besseren wenden und Patriotismus 2.0 auf der Agenda steht ... Es gibt nichts mächtigere, als eine Idee, deren Zeit (wieder)gekommen ist.

Curt Sachs
27. September 2017 11:51

Der Feinsinnige: "Sofortige Abschaffung der Doppelspitze in der Parteiführung."

Nein, bitte nicht. Eine "Doppelspitze" ist zwar aufwändiger, nötigt aber auch zu mehr Zusammenarbeit und Debatte in der Partei selbst und wirkt schadensbegrenzend bei individuellen Fehlentwicklungen, wie am Beispiel P&P deutlich wird. Solange die AfD ein "gäriger Haufen" ist - und das wird sie zum Glück noch länger sein - bedarf es (nach lakonischem Vorbilde) auch der Doppelspitze zur gegenseitigen Machtbegrenzung der beiden Basileis während ihrer Amtszeit.

Lotta Vorbeck
27. September 2017 12:00

@Benedikt Kaiser

Nachdem man in gewissen Redaktionsstuben zuerst mit aller Kraft Bernd Lucke inthronisieren wollte, dann so flexibel wie vorbehaltslos auf Petry/Pretzell umschwenkte, um jetzt - nach einem neuerlichen Totalscheitern seiner eigenen Mission -  wieder eilig umzuschwenken. Was nun? Und: Auf wen wird diesmal umgeschwenkt? Und: mit welchem Ziel? Und: mit welch (erwartbarem) Ausgang? "Ceterum censeo ala esse delendam", wie Cato schon wieder sagt?

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# Es handelt sich um eine, ganz bestimmte Redaktionsstube.

# Diese eine Redaktionsstube sorgte gemeinsam mit dem Petry-U-Boot dafür, die an den Staats- und Konzernmedien bis dahin total vorbeigegangene Dresdner Rede Björn Höckes zu per MSM-Transmissionsriemen zu skandalisieren.

# Aus dieser einen Redaktionsstube heraus werden wieder und wieder Salven auf Schnellroda abgefeuert.

# Was diese eine Redaktionsstube angeht, ist jede Beißhemmung fehl am Platz, diese eine Redaktionsstube verdient keinerlei Schonung mehr.

Gotlandfahrer
27. September 2017 12:46

Auch für den weiteren Verlauf der nächsten Zeit gehe ich davon aus, dass es vollkommen unerheblich ist, wer jetzt was wie sagt und mit wem was macht im und um den parlamentarischen Betrieb herum. Davon unbenommen ist, dass es gut und wichtig ist, sich in den materiellen und kommunikativen Kreisläufe des Systems festzusetzen. Aber dafür reicht es, es einfach zu tun.

Sämtliche Akteure aller Seiten bewegen sich in einem Kräftefeld, dass sie treibt. Es wird unvermeidbar sein, dass irgendjemand die EU Transferunion vorantreibt. Dass irgendjemand die Masseninvasion vorantreibt. Dass die und das Vermögen jeder Art der Deutschen ihnen abhanden kommen wird. Das ist weder gut noch schlecht sondern im Prozesshaften unserer Umwelt angelegt. Das Spiel ist das, das schon immer gespielt wurde. Es lässt sich nicht aufhalten, sondern nur an dem Kipp-Punkt, also im Moment der 'Schwerelosigkeit' da sich die Kräfte in einen Moment der Verharrung im Gleichgewicht entwickelt haben, mit einem gezielten Stoß in die eine oder andere Richtung bewegen. Für diesen Moment müssen wir gerüstet sein, deswegen ist dies alles hier so wichtig, gut und richtig. Aber wir sollten uns nicht verschleißen in einem unerfüllbaren Anspruch, die Dinge vor Eintritt des Schwebezustandes wesentlich durch die eine oder andere Art des Auftritts beeinflussen zu können. Es tut mir leid, aber ich glaube fest daran, dass es nahezu gleichgültig ist, wie die AfD sich nun präsentiert, wichtig ist allein, dass sie da ist und einen Fixstern unserer Mobilisierung aufrechterhält.

Franz Bettinger
27. September 2017 14:04

Die CDU/CSU erlebt mit der AfD gerade das, was die SPD mit Lafontaine's Die Linke erleben musste: Spaltung, Dissens und Schwächung. Die AfD ist trotz aller Dämonisierung eine Partei der bürgerlichen Mitte. Der Wähler hat das erkannt. Darüber sollte die CDU/CSU nachdenken, was sie aber nicht tut. Die CDU und die CSU werden stattdessen in die Lafontaine-Falle tappen und dort viele Jahre vor sich hin vegetieren, wie alle, denen ihr Stolz oder ihr IQ im Wege steht, statt das zusammenwachsen zu lassen, was zusammen gehört. Den Linken/Grünen/Roten könnte nichts Besseres passieren. Ja, auch diese Dummheit wird die CDU/CSU dem Linksblock nachmachen.

Ein gebürtiger Hesse
27. September 2017 14:20

Folgendes Zitat aus der heutigen FAZ:

Unterdessen wurde bekannt, dass eine gewisse Frauke Petry die Webdomain www.dieblauen.de registriert hat – und zwar schon am 3. Juli, also lange vor der Bundestagswahl. Als Domaininhaber führt die Registrierungsstelle Denic Frauke Petry mit einer Adresse in Frohburg, Ortsteil Tautenhain. Es ist dieselbe Adresse, unter der Petry einst ein Patent für Reifenfüllstoffe beim Europäischen Patentamt angemeldet hatte.

Der Versuch zur Parteispaltung, den das grausige P-Pärchen nun vorantreibt, ist also seit Monaten vorbereitet. Hoffen wir, daß er in die Hose geht.

RMH
27. September 2017 15:28

 

Guter, grundlegender Artikel zum richtigen Zeitpunk, nur zu diesem Punkt:

"Man sollte sich daher nicht voreilig freuen, wenn die "Volksparteien" ggf. eigene Vorschläge adaptieren, eigene Themenfelder übernehmen."

Meine spezifisch bayerische, abweichende Einschätzung dazu:

In Sachen Zuwanderung und Migration verstanden es die Etablierten in vergangenen Zeit recht gut, die Betriebstemperatur niedrig zu halten. Man denke hier vor allem an den sog. "Asylkompromiss" von 1992/93 unter Helmut Kohl, der von CDU/CSU, FDP und auch der SPD getragen wurde und der sogar zu einer Verfassungsänderung führte. Dies geschah - so die offizielle Schreibweise - auch als Reaktion auf die Ausschreitungen von Lichtenhagen und den Anschlag von Mölln.

Die Folgen dieses "Kompromisses" sollte man nicht zu niedrig einschätzen, immerhin gelang es damals in der Folgezeit keiner rechten Partei, über kurzfristige Erfolge bei Landtagswahlen hinaus zu kommen. Gerhard Schröder (SPD) war als Nachfolger von Helmut Kohl so weise, sich hier in Koalitionsverhandlungen mit den Grünen nicht nachgiebig zu zeigen, so dass es zu keinen Aufweichungen trotz grüner Regierungsbeteiligung kam.

Seit 2015 erfolgt nun ein massiver Regelverlust, eine Art Fukushima der Zuwanderung (aus welchen Gründen, kann für meine nachstehende Argumentation dahin stehen). Dagegen gehalten hat man zunächst nicht, später allenfalls durch internationale Maßnahmen, u.a. in Zusammenarbeit mit äußerst vertrauenswürdigen Machthabern, wie Herrn Erdogan, aber national hat man keine Maßnahmen zur Regulierung getroffen.

Die einzige Partei der Etablierten, die hier ganz im Sinne der bisherigen Linie der Bundesrepublik verantwortungsvoll handeln wollte und die Betriebstemperatur wieder einregeln wollte und will, ist die CSU. Die Grünen setzen bereits jetzt eine rote Linie dafür, bevor Koalitionsverhandlungen begonnen haben. Insofern handeln die Grünen, in einer Zeit, in der man nunmehr so oft von "gesamtstaatlicher Verantwortung" und "Zusammenhalt gegen die AfD" lesen und hören kann, komplett unverantwortlich und nicht Staatstragend, wenn sie die Einregulierungsversuche der CSU torpedieren. Gelingt der CSU aber nichts auf diesem Gebiet und geht sie ohne greifbare Ergebnisse in eine Jamaika-Koalition, dann kann sie die Landtagswahl in Bayern 2018 vergessen und wird mithin ihre Machtbasis verlieren.

Mit dem Aufreiben der letzten, konservativen BRD-Kraft werden dann wieder linke Mehrheiten möglich werden, denn die AfD wird die Lücke nicht so schnell füllen können und die von P&P angedachten "Blauen" sicher auch nicht, im Gegenteil, hier droht sogar eine geringfügige Zerfaserung der nichtetablierten Opposition. Dies dürfte der wahre Grund für die "rote Linie" der Grünen, die eine linke Partei ist, sein. Auch die SPD spekuliert in diese Richtung mit ihrem theatralisch inszinierten Gang in die Opposition.

Insofern sollte man als AfD alles daran setzen, dass die CSU hier zur Notbremse greift und Jamaika und damit Merkel platzen lässt. Dies verhindert mittel- bis langfristig echte linke Mehrheiten in Deutschland und die AfD wird darunter - so meine Einschätzung - allenfalls mit überschaubaren Stimmverlusten in Bayern leiden, aber im restlichen Deutschland sich als die alternative, rechte, oppositionelle Kraft etablieren können, denn da hat sie keine Konkurrenz und auch das P&P Projekt wird keine werden.

Auch aus diesen Gründen haben mir daher folgende Ausführungen aus dem Artikel besonders gut gefallen:

Haltung und Anstand gegenüber der eigenen Partei und den eigenen Sympathisanten und Wählern sind, mehr noch als weltanschauliche Differenzen, zunächst das Entscheidende, nicht die mitunter von außen geschürte oder in ihrer Bedeutung überzeichnete Trennung in Realpolitiker versus Fundamentaloppositionelle.“

„Flügel“ und Gemäßigte müssen unbedingt aufeinander zugehen und Geschlossenheit herststellen. Schon bald ist die Niedersachsenwahl und diese könnte schon den Traum von Jamaika zum Platzen bringen. Voraussetzung dafür ist, dass der Erfolg der AfD anhält, denn dies wird auch in Bayern von der CSU sicher genau registriert werden. P&P werden diesen Erfolg sicher versuchen, dadurch zu torpedieren, in dem sie noch vorher ihre neue Partei gründen, die dann nicht mehr zur Wahl in Niedersachsen antreten kann, aber beim Wähler die Verunsicherung erzeugen wird, ob, wenn er AfD wählt, er am Ende dann nicht zwei Gruppen im Landtag bekommt, nämlich AfD und die P&P-Truppe. Die AfD führt daher hoffentlich und sicher schon entsprechende Gespräche mit den Listenkandidaten der AfD für die Niedersachsenwahl, um diese Gefahr zu minimieren, oder?

Andrenio
27. September 2017 16:05

@Herr K.:

Völlig einverstanden! Wer in der Öffentlichkeit negativ über ein anderes Parteimitglied spricht, sollte sofort ein Parteiordnungs(Schnell-)verfahren bekommen.

bei der dritten Wiederholung automatischer Parteiausschluss.

bei Mandatsaspiranten und Ämterträgern sollte eine verbindliche Erklärung vor Notar abgegeben werden, dass bei Parteiaustritt oder bei Ausschluss diese Ämter zurückgegeben werden müssen und mit einer sofort vollstreckbaren notariellen Schuldanerkenntnis in großer Höhe für den Fall der Zuwiderhandlung. (Nützt bei insolventen Personen wie Petry und Pretzell wenig, aber man kann auch in die Abgeordnetenrenten einpfänden.

Wenn Abgeordnete angegriffen werden, ob materiell durch Autobrand oder physisch, muss von den anderen Parlamentariern eine öffentliche Verurteilung erfolgen. Geschieht diese nicht, muss die Teilnahme der Sitzungen solange boykottiert werden, bis eine solche erfolgt. In dieser Zeit muss außerhalb des Parlamentsaals eine Dauerdemo stattfinden. Dies gehört zu einer solchen Verpflichtungserklärung.

RMH
27. September 2017 16:41

"bei Mandatsaspiranten und Ämterträgern sollte eine verbindliche Erklärung vor Notar abgegeben werden, dass bei Parteiaustritt oder bei Ausschluss diese Ämter zurückgegeben werden müssen und mit einer sofort vollstreckbaren notariellen Schuldanerkenntnis in großer Höhe für den Fall der Zuwiderhandlung."

@Andrenio,

gut gedacht, aber glatt und glasklar verfassungswidrig (Art. 38, 46, 48 GG). Wenn das so einfach möglich wäre, dann würde das, glaube ich, schon lange jede Partei so machen (siehe der Fall der grünen Abgeordneten in Niedersachsen, die zur CDU gewechselt ist).

Ich würde aber darüber nachdenken, ob man von den Kandidaten der AfD für die anstehende Niedersachsenwahl sich nicht eine Art von schriftlicher Ehrenerklärung einholt, dass sie nach wie vor ausschließlich für die AfD antreten und nicht beabsichtigen, die Partei nach der Wahl zu verlassen, es sei denn, es würden nach der Wahl neue, bislang unbekannte Umstände eintreten etc.. Ganz ohne Strafandrohung, einfach zur Disziplinierung und auch dafür, dass man dem Wähler beweisen kann, dass er AfD in Niedersachsen wählt und nicht irgendwelche U-Boote und Maulwürfe.

Corvusacerbus
27. September 2017 17:45

@RMH hat recht: Die AfD sollte, nein muß!, jedes Fummeln am eigenen Parteienstatut und Satzungen in Richtung "Imperatives Mandat" komplett unterlassen. Das würde nicht nur vor Gericht grandios scheitern, das würde auch vom politischen Gegner in Politik und Medien benützt, um der AfD schwer zu schaden. Sie darf sich das nicht als Thema aufdrängen lassen. Nein, die AfD ist die Partei der Freiheit. Sie ist angetreten und will mit ihrer Präsenz, mit substantieller und rhetorischer Schlagkraft und Raffinesse helfen, aus dem verschlafenen Abnickerbundestägchen wieder ein richtiges Parlament, eine Volksvertretung, zu machen. Ein Parlament, in dem vor den Augen und Ohren des Souveräns die großen Schicksalsfragen der Nation debattiert werden ... und dabei ganz nebenbei verankern, daß es eine Nation gibt und ein deutsches Volk, denen gegenüber die Politik ein Treueverhältnis hat. Wer da nicht mitgehen will, geht andere Wege und es ist gut, daß die Spalter gegangen sind. Das ist die Bühne. Auf der Hinterbühne haben Intendanz und Technische Leitung dafür zu sorgen, daß der Spielbetrieb auf Top-Niveau abläuft und die passenden Solisten und das richtige Ensemble dabei zum Einsatz kommen. Aber das wird schon. Die AfD ist zwar neu auf der Berliner Bühne, aber hat doch in der Provinz durchaus gezeigt, daß sie's drauf hat.

Starhemberg
27. September 2017 18:02

Die rote Wuchtbrumme Andrea Nahles meinte heute Richtung CDU/CSU "...und ab morgen kriegen sie in die Fresse..." - so also argumentiert die zukünftige "Oppositionsführerin". Da muss sich die AfD ob mancher rustikaler Sprachbilder ihrerseits wahrlich keine Gedanken machen. Die Lage ist meines Erachtens ganz hervorragend für die einzige wahre Alternative weil: Die CSU hat unglaublich auf den Deckel bekommen. Sie selber sieht einen Hauptgrund darin, dass sie keine "Obergrenze" durchsetzen konnte. Aber - nächstes Jahr sind Wahlen in Bayern!  Und einem Bayern ist sicherlich das Hemd näher als die Hose. Soll heißen - die CSU wird eher bundesweite Neuwahlen riskieren, als nächstes Jahr krachend in Bayern zu verlieren. Ergo wird sie auf der "Obergrenze" beharren, vielleicht unter irgendeinem anderen Namen. Für die GrünInnen ist das ein NOGO. Ebenso ein NOGO ist für die FDP eine europäische Vergemeinschaftung der Schulden, wie sie sich der Schaumschläger Macron erträumt. Für die GrünInnen wiederum ist das ein wichtiger Schritt auf ihrem Wunschweg Richtung EUdSSR. Merkel will Macron vielleicht den Gefallen tun wollen, um sich mal wieder als "Europapolitikerin" gerieren zu können, dann müsste die FDP jedoch aussteigen, andernfalls wäre das ihr (zweites) Ende. Und das sind nur einige wenige Knackpunkte. Ich kann mir auch nicht vorstelllen, das der grüne Wunsch nach mehr Genderismus die CSU glücklich stimmen wird. Oder wie soll der Leistungsgedanke einer FDP mit dem Sozialstaats-Faulbett der GrünInnen harmonieren? Kurz gesagt - JAMAIKA wird entweder gar nicht kommen oder nicht halten. Neuwahlen sind relativ gewiss, voraussichtlich bereits 2018. Die SPD weiß das und bereitet sich ab sofort darauf vor. Deshalb wirken die Genossen auch so seltsam gut gelaunt. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - auch die AfD hat sich ab sofort auf dieses Szenario einzustellen. Die größte Gefahr geht ab jetzt meines Erachtens nicht mehr von der stark angeschlagenen und jeder politischen Bewegungsfreiheit beraubten Raute aus, sondern von der SPD. Diese komplexe Gesamtlage berücksichtigend, sind die beiden Kleinkinder P&P dagegen "peanuts". Weg mit ihnen, Deckel zu, vergessen. Ich glaube, wenn alles ideal läuft und keine gravierenden Fehler gemacht werden, ist innerhalb der nächsten 12 - 18 Monate, bei der nächsten Bundestagswahl, ein Wahlziel von bis zu 20% für die AfD erreichbar. Mit den besten Grüßen aus Österreich.

silberzunge
27. September 2017 18:19

Aus österreichischer Perspektive, wo gerade die ÖVP unverhohlen FPÖ-Themen übernimmt, sei gelernt: es hilft nichts (Umfragewerte), Originalität für sich zu beanspruchen und zu bekräftigen. Die FPÖ ist nicht willens (wohl machtpoliltisch motiviert), die stattfindende Diskursverschiebung für eine weitere Auslenkung nach Rechts effektiv zu nutzen. Die CDU - nicht zuletzt aufgrund der CSU - wird alles daran setzen, die AfD zu unterspülen, sie für obsolet zu erklären, indem sie sich sprachlich und inhaltlich der AfD annähert. Denn die CDU ist nicht anders als die ÖVP bei uns: die wissen, wie man Macht erhält.

Desprecio
27. September 2017 19:54

@ "Dietrich Stahl" / 27.Sept.2017, 01:31

Vielen herzlichen Dank für Ihre Intervention in Sachen deutsche Sprache. Auf mehrere diesbezügliche Einwände meinerseits erfolgte bisher keinerlei Reaktion (oder ist mir dies vielleicht entgangen ?). Von vielen Landsleuten, sogar von ueberzeugten Globalismusgegnern auch in diesem Forum, wird offensichtlich die englische Sprache, eine Sprache, die für mich persönlich diesen alles verschlingenden Globalismus geradezu verkörpert, der eigenen Muttersprache vorgezogen. Vor Wochen aeusserte ich den Verdacht, dass man es vielfach wohl nötig hat, seine Scheinbildung durch extensiven Gebrauch des Englischen unter Beweis stellen zu können / müssen.

Der Feinsinnige
27. September 2017 19:54

@ Curt Sachs:

„Eine "Doppelspitze" ist zwar aufwändiger, nötigt aber auch zu mehr Zusammenarbeit und Debatte in der Partei selbst und wirkt schadensbegrenzend bei individuellen Fehlentwicklungen, wie am Beispiel P&P deutlich wird. Solange die AfD ein "gäriger Haufen" ist - und das wird sie zum Glück noch länger sein - bedarf es (nach lakonischem Vorbilde) auch der Doppelspitze zur gegenseitigen Machtbegrenzung der beiden Basileis während ihrer Amtszeit.“

Das kann man sicher so sehen. Ich möchte trotzdem an meinem Vorschlag festhalten. Anfangs stand an der Spitze der AFD eine Dreierspitze, eine Idee, die wohl von Bernd Lucke kam, jedenfalls von ihm mitgetragen wurde, und die die AFD von den Altparteien abheben sollte (und wegen der unübersichtlichen Heterogenität der Partei in der Gründungsphase vielleicht auch seine Berechtigung hatte). Die Dreierspitze erwies sich auf Dauer als unpraktikabel, wurde auf eine Doppelspitze umgestellt. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland haben, soweit ich richtig informiert bin, erstmals (und bisher als einzige) die Grünen mit einer Doppelspitze gearbeitet, ob erfolgreich, lasse ich dahinstehen, diese Partei habe ich nicht so intensiv verfolgt wie von Beginn an die AFD. Sicher scheint der Fall Petry Ihre Argumentation zu bestätigen. Andererseits wäre nach der langen und quälenden Zeit der Lähmung der AFD-Spitze durch das völlige Nichtverhältnis zwischen Petry und Meuthen (spätestens öffentlich geworden im Sommer 2016 im Zusammenhang mit dem Kleinkrieg, der in der zeitweisen Spaltung der Stuttgarter Landtagsfraktion gipfelte) die Umstellung auf eine klare Struktur – ein Vorsitzender, ein oder mehrere Stellvertreter – aus meiner Sicht ein Befreiungsschlag. Ob die Heranziehung des Beispiels aus dem alten Griechenland Maßstab für die Spitze einer schlagkräftigen Partei von heute sein kann, lasse ich dahinstehen, aber schon die Feststellung, daß von den relevanten Parteien in Deutschland (neben der AFD) allein die Grünen ein derartiges Modell pflegen, macht es mir suspekt. Aus meiner Sicht einzig zwingender Grund, an der Doppelspitze festzuhalten, wäre die Befürchtung, ob eine Abschaffung wiederum Konflikte aufbrechen ließe, weil sich einzelne Strömungen nicht genügend repräsentiert sähen. Dies könnte aber durch mehrere Stellvertreter aufgefangen werden. Der derzeitige Vorsitzende ist meines Erachtens, wenn ich ihn nicht doch überschätze, schon aufgrund seiner persönlichen Ausstrahlung in der Lage, die Hauptströmungen der Partei abzubilden und zusammenzuhalten. Und: Die AFD ist heute nicht mehr so fragil wie in der Anfangszeit. Ich halte das Korrektiv, das in einer Doppelspitze liegt, für entbehrlich.

Der_Jürgen
27. September 2017 22:41

@Umdenker

Bedaure, es gibt in der AFD kein "Höcke-Problem". Es gab bis gestern ein Petry-Pretzell-Problem, und es wird auch künftig Probleme mit Karrieristen, Weicheiern und Verrätern geben, aber nicht mit Höcke. Dieser hat in seiner  Dresdener Rede die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, gesagt. Man kann ihm allenfalls ankreiden, dass er mit seinem Angriff auf den Schuldkult bis nach den Wahlen hätte warten sollen,l um dem Feind keine überflüssige Munition zu liefern. Doch früher oder später muss diese Frage mit aller Schärfe aufs Tapet gebracht werden, weil sie die Wurzel des Übels ist. EIne Oppositionspartei, die nicht radikal ist, ist unter den heutigen Umständen überhaupt keine Oppositonspartei. Mit dem Umvolkern und Deutschland-Liquidierern ist kein Kompromiss möglich.

Halenberg
28. September 2017 00:47

Doch, Herr Juergen. Die AfD hat ein gewaltiges Höcke-Problem. Da hilft auch keine Geschichts-Rechthaberei, das interessiert fast niemanden. Er steht auch als Person fuer den Teil der AfD, die verhindern, dass die AfD sich zu einer Volkspartei der buergerlichen Mitte entwickeln kann. Zu abschreckend sein Geschichtsgerede, veraltete Nationalromantik und Pathos. Und voellig ueberfluessig dazu. Deutschland 2017 hat andere Probleme als geringgeschaetzte Wehrmachtssoldaten. Auch Herr Gauland schneidet leider auch mmer wieder unnoetigerweise Fettnaepfen an. Wiederherstellung von Rechtsstaat, Abbau der Parteienherrschaft (schwierig genug fuer eine Partei), Abwicklung des Euros, Verschlankung von EU und deutscher Buerokratie, gegen die elendige Energiewende, das sind die Themen fuer Politiker. Und Massenimmigration natuerlich. Zum Glueck, so sieht es aus, ist wenigstens die Gefahr, Polenkriegsrechtfertigungen im Bundestag zu hoeren, jetzt doch kleiner geworden...

Corvusacerbus
28. September 2017 02:46

Es ist eine Ermunterung, wenn heute Stefan Tomik in der FAZ "Das doppelte Spiel der Frauke Petry" gekonnt entlarvt und dabei seine Verachtung für diese Verräterin erkennen läßt. Vieles ist im Fluß und die AfD muß gut gesteuert und gelotst werden, um in den Stromschnellen zurecht zu kommen (aufsteigen ist eine Sache, in der höheren Liga spielen und gar Erfolg haben, eine ganz andere, was andere, neue, zusätzliche Talente, Fähigkeiten, Charismen fordert). Der Parteivorsitz Merkels und Seehofers wird aus den eigenen Reihen offen und verdeckt bezweifelt. Martin Echte Freunde Stehn Zusammen Schulz wird von den Sozi-Granden gerade mariniert, um ihn bei Gelegenheit auf den Grill zu legen, also nach Brüssel zu retournieren oder als Sonderbotschafter nach Athen zu schicken und dort zu entsorgen (einen guten Roten erkennt man an seinem Abgang!). Das Thema Obergrenze, eine Hunderttausende zählende "Familien"Nachzugskohorte 'ad portas', massiver EU-/Euro-EZB-Ärger, u.a. durch Macrons "klassisches EU-Konzept": Große Worte aus Paris - Hohe Überweisungen aus Berlin. So viel kann passieren und alle Berliner Polit-Planspiele über den Haufen werfen. Wie es auch immer kommt, erstmal muß die Wahl in Niedersachsen vorbei sein und die sollte die AfD nicht verhampeln. Am selben Tag wird auch in Österreich der Nationalrat gewählt. Es mag durchaus sein, daß dann die Wittelsbacher habsburgische Unterstützung bei den Verhandlungen mit den Preußen in Berlin erhalten, wenn nömlich Kurz von der ÖVP österreichischer Bundeskanzler wird. Steht alles in den Sternen, aber übersichtlicher werden die Verhältnisse nicht, das ist ganz klar, und es kann sehr gut sein, daß schon früh im Jahr 2018 alles auf eine erneute deutsche Bundestagswahl hinaus läuft ... am selben Tag wie die bayerische Landtagswahl zum Beispiel. Mit dem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber als Retter des Vaterlandes vor rotrotgrünem Chaos, dem Ministerpräsidentenkandidaten in Bayern Alexander Dobrindt und der Renaissance der bürgerlich-konservativen CDU/CSU? Nur ein frei assoziierendes Gedankenspiel, auf das ich als Christdemokrat im Herbst 2017 aber sicher käme. In der tiefen Sorge, daß Merkel "meine" Union endgültig ruiniert, und als Patriot (davon gibt's außerhalb der Merkelei noch sehr viele in der Union!), daß Merkel es mit meinem Vaterland genau so gruselig treibt und ganz nebenbei, rechts von mir wieder eine Mauer zu ziehen oder wenigstens Wüste zu lassen, statt der AfD dort Ackerland zu schenken. Es werden jedenfalls richtig spannende Zeiten (dabei sind die globalen Krisen noch gar nicht berücksichtigt, die jederzeit ausbrechen können) und die AfD sollte die mitteldeutschen Basislager beim Herumkraxeln in unübersichtlichem Gelände so befestigen wie die CSU Bayern.

Lotta Vorbeck
28. September 2017 02:55

@Der_Jürgen - 27. September 2017 - 08:41PM

Bedaure, es gibt in der AFD kein "Höcke-Problem". Es gab bis gestern ein Petry-Pretzell-Problem, und es wird auch künftig Probleme mit Karrieristen, Weicheiern und Verrätern geben, aber nicht mit Höcke. Dieser hat in seiner  Dresdener Rede die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit, gesagt.

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" ... Wir müssen immer bedenken: Mit Bernd Lucke sind nicht alle die gegangen, die ihren Frieden mit der Rolle eines Juniorpartners in einer zukünftigen Koalition mit einer Altpartei gemacht haben. Manche von ihnen, manche von diesen Luckisten, sind geblieben. Das sind die, die keine innere Haltung besitzen, die Establishment sind und Establishment bleiben wollen oder so schnell wie möglich zum Establishment gehören wollen. Und, liebe Freunde,… …nicht wenige von diesen Typen drängen jetzt gerade in diesen Wochen und Monaten als Bundestagskandidaten auf die Listen oder als Direktkandidaten in den Wahlkreisen entsprechend nach vorne. Und nicht wenige werden – das muss man leider annehmen – ganz schnell vom parlamentarischen Glanz und Glamour der Hauptstadt fasziniert werden. Und nicht wenige werden sich ganz schnell sehr wohl fühlen bei den Frei-Fressen- und Frei-Saufen-Veranstaltungen der Lobbyisten. Und nicht wenige werden nach relativ kurzer Zeit nur eins wollen: Dass es für sie so lange so bleiben wird wie es dann sein wird. Liebe Freunde, ich will das nicht. Ich will Veränderung, ich will eine grundsätzliche Veränderung, ich will die AfD als letzte evolutionäre Chance für unser Vaterland erhalten. Ich will, dass wir diesen Halben einen Strich durch die Rechnung machen. Wir wollen das, denn wir wissen: Es gibt keine Alternative im Etablierten. Das ist die Kampfansage an die heutige Politik. Das ist der Zukunftsweg für unser Land. Das ist der Maßstab, an dem sich unsere Politiker messen lassen müssen! ..." [Björn Höcke]

Neander vom Thal
28. September 2017 07:14

Sehr geehrter Herr Stahl, auch wenn wir ein wenig abschweifen und als nervige Sprachschützer erscheinen, Ihr Einwurf liegt mir auch am Herzen. Die Verteidigung des Eigenen beginnt bei der Sprache. Die Sprache ist der Kern. Und dieser Kern wird von uns selbst zermürbt. Sprache entwickelt sich. Das ist schon klar. Es gibt Worte, die kann man aufnehmen und assimilieren. Viele oder sogar die meisten Anglizismen oder Fremdwörter sind überflüssig. Hier wenigstens noch vier Worte zum Artikel. Kaiser hat alles gesagt.

Valjean72
28. September 2017 10:51

@Halenberg: „Doch, Herr Juergen. Die AfD hat ein gewaltiges Höcke-Problem […]Wiederherstellung von Rechtsstaat, Abbau der Parteienherrschaft (schwierig genug fuer eine Partei), Abwicklung des Euros, Verschlankung von EU und deutscher Buerokratie, gegen die elendige Energiewende, das sind die Themen fuer Politiker. Und Massenimmigration natuerlich“

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So, so die AFD hat Ihrer Auffassung nach nicht nur einfach ein Problem mit Höcke, sondern sogar ein „gewaltiges Höcke-Problem“. Nun, wer bei den umzusetzenden Politikfeldern die Massenmigration erst an letzter Stelle nennt, der träumt wohl tatsächlich – um es überspitzt zu formulieren –  von der AFD als einer CDU/CSU der 1980er Jahre und hat meiner Auffassung nach, die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Der Große Austausch ist das vordringliche Problem, da es uns - im wahrsten Sinne des Wortes - existenziell bedroht. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem einem abverlangt wird, Farbe zu bekennen. Dann wird sich erweisen, ob man den Mumm hat, mit seiner Überzeugung nicht hinter dem Berg zu halten oder ob man es vorzieht, weiterhin im geduldeten Meinungsmainstream mit zu schwimmen.

@Cacatum non est pictum: „In meinen Augen ist die AfD ein letzter Versuch, den hochkochenden Zorn der Menschen in parlamentarische Bahnen zu lenken und auf diese Weise unschädlich zu machen“

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Vielen Dank für diesen interessanten Kommentar. Björn Höcke sprach in seiner Dresdner Rede davon, dass die AFD die letzte Möglichkeit (im Sinne von Chance) sei, etwas auf „evolutionärem Wege“ zu verändern. Auch ich glaube, dass die AFD zu Beginn installiert wurde, um die von Ihnen beschriebene Rolle auszuüben. Die ganze Sache hat nun aber längst eine Eigendynamik entwickelt, die nicht so ohne weiteres zu deckeln ist (siehe Ausschluss von Lucke & Henkel und nun der Rücktritt von Petry & Pretzell)

Zadok Allen
28. September 2017 11:04

Zu den Motiven von Frau Petry sei mir zu bemerken gestattet, was sich in hiesigen Kreisen offenbar noch nicht allzuweit herumgesprochen hat: Frau Petry war nach der Insolvenz ihrer Firma 2013 aufgrund einer Bürgschaft privat mit ca. 800.000 EUR verschuldet. Diese Schulden "verschwanden" ein Jahr darauf auf wundersame, bis heute ungeklärte Weise. Hier ein seriöser, ausführlicher Bericht zum Sachverhalt:

https://buergerrechtler-carsten-schulz-999.blogspot.de/2017/02/wer-hat-frauke-petrys-schulden-von-gut.html

Der Grund für ihren jetzigen Abgang dürfte nicht zuletzt bei der Quelle jener 800.000 EUR zu suchen sein. Ich glaube, daß die arme Frau hin- und hergerissen war zwischen ihrer Überzeugung und ihrem - sagen wir mal - "Auftrag". Deshalb hat sie den Morgen danach als Zeitpunkt für ihr Ausscheiden gewählt - wie einige Vorkommentatoren schon bemerkten, wurde dadurch der Schaden für die AfD minimiert. Ihr "Auftrag" hätte sicher nahegelegt, zunächst Wühlarbeit in der Fraktion zu treiben, um dann mit mehreren Abgeordneten gemeinsam zu sezedieren. Das wollte sie wohl nicht; letztlich wird es ihr alles zu viel geworden sein. Mein Gott, die Frau hat fünf Kinder. Sie sollte sich um ihre Familie kümmern, in der ja auch nicht gerade alles zum Besten stehen dürfte. (Vielleicht können kommentierende Damen noch mutmaßen, wie sie an das windige Bürschelchen Pretzell hat geraten können? Das verstehe ich nämlich noch nicht.)

Maiordomus
28. September 2017 11:17

@der_jürgen. Halenberg. Diese Debatte illustriert das nicht kleine Problem zwischen altright und der Neurechten, und es ist ein echtes Problem, wie man die Prioritäten setzt. Darüber wird es noch viel Streit geben bis hin zum Spaltpilz, Ausdruck mangelnder Nervenstärke, siehe Höcke und Petry. Natürlich stimmt es, dass die deutsche Geschichte im Vergleich zu einer fragwürdigen Konsensobjektivität der Gegenwart neu geschrieben werden muss, wiewohl rechte parteiische Historie genau so zurückgewiesen werden muss wie die holocaustfixierte Ideologie. Aber das mit dem queren Geschichtsbild und einer echten Revision, was mit den Ideologen von Metapedia nicht zu leisten ist, kann in den nächsten vier Jahren und auch in den nächsten zehn Jahren noch nicht geschafft werden, hier muss man auf das 22. Jahrhundert hoffen. Und natürlich ist Höcke weder ein Joachim Fest noch ein Golo Mann, mit denen man nach meiner Erfahrung über deutsche Geschichte vernünftig diskutieren konnte, so wie Sieferle denjenigen, die ihn postmortal schlecht gemacht haben, in Sachen Informationsstand weit überlegen war. Höcke ist, wie die Leute der Gegenseite, nun mal ein Geschichtspolitiker. Als solchen kann man ihn gelten lassen. Aber er muss die Partei nicht an vorderster Front repräsentieren. Die Probleme, die @halenberg nennt, müssen in der politischen Praxis und nach Maximen der praktischen Vernunft angegangen werden, und von da wäre es klar nicht das Schlechteste, wenn die AfD, welcher 20 Wählerprozente zuzutrauen bleiben, in acht Jahren auch als Koalitionspartner in Frage kommen könnte, das hat Petry nicht nur falsch gesehen. Dabei durfte man sich aber über diese Frau natürlich nie Illusionen machen. Als sie vor drei Jahren mit Christoph Mörgeli im ZDF über die Masseneinwanderung diskutierte, sah man noch eine totale politische Anfängerin, und man konnte sich nicht vorstellen, dass sie das Zeug zur Parteiführerin hätte, so wie man sich das von der vom IQ her klar noch überlegeneren Merkel sich dies vor 25 Jahren auch noch nicht vorstellen konnte. Persönlich glaube ich indes nicht, dass Petry eine rechtskonservative Merkel ist, und letztlich bedaure ich betr. sie wie auch betr. Lucke, dass die beiden nicht die Geduld hatten, einen rechtsliberalen Flügel der AfD mit aufzubauen, wobei es jedoch für eine Volkspartei auch einen sozialen und nationalen Flügel braucht, was selbstredend nicht mit Nationalsozialismus zu verwechseln ist. Als langjähriger Leser und Abonnent von Criticon und heutiger Leser und Abonnent von Sezession, dem Heft, immer noch qualitativ besser als die Blogs, glaube ich aber auch sagen zu dürfen: Die Rechtsintellektuellen werden in Deutschland immer eine Minderheit bleiben, nie Mainstream werden, wobei der Ausdruck "happy few" wohl euphemitisch tönt. Eine Gefahr unter den Rechtsintellektuellen, zu denen einst auch Willi Schlamm und andere Juden gehörten, bleibt die politische Verzweiflung, was indes eher hier bei den Mitbloggern sich manifestiert als bei den Autoren von Sezession. Aber natürlich gibt es, wie einst bei den Grünen, eine Differenz zwischen den Fundis und den Realisten, noch tiefer geht die Differenz zwischen Globalisierungskritikern, zu den auch die alten Linksrechten gehören aus der Tradition der Niekisch und Ernst Jünger, einerseits, und die Rechtsliberalen, denen immerhin das Verdienst eingeräumt werden muss, die AfD überhaupt gegründet zu haben. Dass auch sogar diese stets völlig undifferenziert mit der Nazikeule eingedeckt wurden, hängt mit der banalen These zusammen: "Faschistisch ist, was der Linken nicht passt." Insgesamt müssten natürlich alle, die in Deutschland politisieren, zumal zur Rechten, etwas mehr Grundwissen haben über wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge, das Finanzwesen, und natürlich auch die deutsche Geschichte nicht nur der letzten 70 Jahre. Lohnend wäre beispielsweise die Aufarbeitung des deutschen Kulturkampfes im 19. Jahrhundert, man müsste die Geschichte des Liberalismus, der Nationalliberalen, des Zentrums usw. unbedingt besser kennen, und ausser dem Sozialismus, Kommunismus, Nationalsozialismus müsste wohl unbedingt die Soziallehre der Katholischen Kirche nach Oswald von Nell-Breuning aufgearbeitet, weil einem anders einfach die politische Bildung abgeht. Gild auch für die deutsche Philosophie. Ohne die Hegelsche Rechte wie auch Denker wie zum Beispiel Franz Xaver von Baader versteht man so gut wie nichts von den politischen Implikationen der deutschen Geistesgeschichte. Überdies wäre es von hohem Interesse, die Soziologie der deutschen Landbevölkerung wie auch der deutschen Arbeiterschaft (zu den wichtigen Gegensätzen gehört auch der Gegensatz zwischen Stadt und Land) aufzuarbeiten sowie die theologischen Dimensionen der Politik nicht zu vernachlässigen. Insofern gibt es für "Sezession" noch jede Menge klassischer Fragestellungen. Dabei muss man jedoch heute und wohl auch in Zukunft von der Panikvorstellung Abschied nehmen, Deutschland könne und müsse in der jeweils nächsten Legislatur "gerettet" werden.

Regenmeister
28. September 2017 11:44

@ Halenberg, 27. September 2017, 22:47 Uhr

"Die AfD hat ein gewaltiges Höcke-Problem. Da hilft auch keine Geschichts-Rechthaberei, das interessiert fast niemanden."

Wer die Geschichte beherrscht, bestimmt auch die Gegenwart. EU, Euro, Massenmigration und Antigermanismus der Gegenwart lassen sich aus diesem zeitlosen Gesetz direkt ableiten. In Sachen Dresdner Rede Björn Höckes kann ein Patriot nicht das "Ob" verhandeln, allenfalls das "Wie", "Wo" und "Wann".

Stil-Blüte
28. September 2017 12:03

@ Dietrich Stahl @ Desprecio @ Neander vom Thal

Sie sprechen mir aus tiefstem Herzen, ja aus tiefster Seele. Gerade wir sollten der tagtäglichen Sprach- und Kulturschlamperei, ja der staatlich geförderten -zersetzung durch Anglizismen, Denglisch, ja das Englische schlechthin, widerstehen, sollten uns immer wieder darauf verständigen, entgegen der Globalisierung, das Eigene, die deutsche Muttersprache zu behüten und zu pflegen. (Zur Entschuldigung von Caroline  Sommerfeld ist in diesem Falle allerdings zu sagen, dass sie 'reframings'  kursiv setzt und damit wie einen Begriff aus der Fremdsprache benutzt, was eigentlich legitim ist. Aber in vielen anderen Fällen sind Formulierungen hier auf dieser Seite, auch immer häufiger Links, leider in Englisch.) Kaisers Artikel kann ich nur voll zustimmen. Ich vertraue darauf, daß es bei der AfD genügend integere Persönlichkeiten gibt. Allerdings ist sie eben auch nur eine Partei und Fraktion und damit diesen Gesetzen unterworfen. Wer ist schon so stark wie ein Luther, ein Bismarck, ein Strauß!

Hartwig aus LG8
28. September 2017 12:21

""... der träumt wohl tatsächlich – um es überspitzt zu formulieren –  von der AFD als einer CDU/CSU der 1980er Jahre ... ""

Eines muss man aber bedenken: Die Mehrheit der AfD-Wähler  träumt tatsächlich von einer CDU/CSU der 80er Jahre. Das ist Träumerei und gewissermaßen Traumtänzerei, wenn man glaubt, mit solch einer AfD irgend etwas bewirken zu können. Dennoch träumen viele AfD-Wähler diesen Traum. Ihnen würde das völlig reichen, mehr wollen sie gar nicht. Das ist zumindest mein Eindruck, den ich in den vergangenen Wochen gewonnen habe. Es ist daher durchaus wünschenswert, wenn die AfD verschiedene Flügel ausbildet um möglichst zahlreich in die Parlamente zu ziehen. Aber: Wichtig ist und bleibt der Widerstand außerhalb der Parlamente, unabhängig von der AfD.

Marc_Aurel
28. September 2017 12:45

@Neander vom Thal: Ich sehe das auch so und versuche alles was ich sagen möchte, soweit das möglich ist, in deutscher Sprache zum Ausdruck zu bringen und überflüssige Anglizismen zu vermeiden, auch wenn das oft sehr viel Disziplin erfordert. Manche Begriffe, gerade im Bereich der EDV lassen sich aber nur schwer übersetzen, es fänden sich sicherlich auch dort passende deutsche Worte, aber dann versteht niemand mehr was man meint und man müsste dort den englischen Begriff in Klammern mit angeben - das wirkt etwas ulkig. Interessant zu diesem Thema auch dieses Video: Haisenko zur deutschen Sprache. Auch wenn ich nicht alle Ansichten von Haisenko teile, so ist sein Beitrag doch interessant, vor allem der dargelegte Zusammenhang zwischen Sprache und Denken.

RMH
28. September 2017 12:49

Die Höcke-Debatte hier in diesem Forum bringt nicht wirklich weiter. Richtig ist aber, das Höcke gebrandmarkt wurde und zwar sehr effektiv und dies wirkt bei den anderen 87% der Wähler, die andere Parteien gewählt haben. Und jeder hier will von denen auch noch welche dazugewinnen, denn die AfD kann mit dem gefundenen Ergbenis langfristig nicht zufrieden sein. Von daher kann man das Problem nicht einfach mit "die anderen haben Unrecht und Höcke hatte recht" wegstreifen, denn belehren über etwas, was jemand sich so eingeredet hat und wo er gefühlte 95% Zustimmung mit erntet, ist eher schwer. Ich finde, Höcke hat selber eine ganz gute Antwort auf das Alles gefunden, in dem er sich etwas zurück genommen hat und stattdessen sehr eifrige Graswurzelarbeit leistet - regional in Thüringen ist er dadurch eine echte Bank geworden. Wenn mir in Diskussionen jemand mit dem "Aber der Höcke ..."-Argument gekommen ist, habe ich gesagt, schau Dir den Menschen einmal selber live an und dann reden wir weiter und dann habe ich ein anderes Thema angeschnitten, wo Konsens eher möglich war/ist. Hat meistens gut geklappt.

Zugezogener Hesse
28. September 2017 13:42

@Halenberg

Nicht die AfD hat "ein gewaltiges Höcke-Problem" sondern Sie und sicher auch die von Lotta Vorbeck gut beschriebenen CDU/CSU-Leichtmatrosen. Was ja nicht heißt, daß es diese Ansichten nicht geben darf. Nur geht es ohne ein Grundmaß von Solidarität in keiner Vereinigung. Wobei es nicht Solidarität ist, wenn man von anderen ein "Stillhalten" oder noch schlimmer, "Verleugnen der Sache halber" fordert. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Solidarität zeigt sich im Beisammenstehen gegenüber den Keile treibenden Gegenern! Und in inneren Zirkeln kann man dann versuchen, den "Störenfried" von den besseren Strategien zu überzeugen. Doch das ist "schweißtreibender" als mit dem Antrag auf eine Parteiausschlussverfahren in die Öffentlichkeit zu gehen.

Stil-Blüte
28. September 2017 13:58

@ Marc_Aurel

(Benedikt Kaiser wird unseren Ausflug, unseren Seitensprung aus den Ebenen der Realpolitik in höhere Sphären, die aber mehr als die Politik unser Leben bestimmen, freundlichst nicht als Untreue auslegen. Wir kehren ja immer wieder zurück.)    

Schönsten Dank für diesen Beitrag. Ich sehe, dass ich mit meinem Verständnis unserer Sprache nicht allein auf weiter Flur stehe.

Wäre es an der Zeit, hier einen eigenen Beitrag über die deutsche Sprache als Fundament des Eigenen, Angeeigneten, Eigentümlichen, Eigenwilligen, Eigentlichen zu initiieren?  (Für einen eigenen Beitrag reicht leider meine Zeit nicht, 'Entwicklungshilfe' leiste ich aber gern.)  

 

Zugezogener Hesse
28. September 2017 13:58

@ RMH

Habe mir übrigens nicht nur die "Dresdener Rede" ganz angesehen, sondern auch mit Herrn Höcke persönlich bei einer Urlaubsbegegnung gesprochen. Bei beidem konnte ich keine Ansätze für "Ungeheuerliches" entdecken. Was übrigens von mir seit dem 24. September in Diskussionen mit "aufrechten Demokraten" einigermaßen erfolgreich die "Wogen geglättet" hat, ist auf den Spruch "Gott sei Dank haben ja rund 87% nicht die AfD gewählt" zu entgegnen "stimmt, so gesehen, haben aber auch rund 70% NICHT Merkel gewählt".

Der_Jürgen
28. September 2017 13:58

Obwohl @RMH meint, die Höcke-Debatte bringe uns nicht weiter, hoffe ich, dass mir der Bademeister eine zweite, ausführlichere Wortemeldung zu diesem Thema erlaubt. Es wird nämlich mit Sicherheit noch viele "Höcke-Debatten" geben, denn in der AFD gibt es erkennbar einen moderaten, d. h. kompromissbereiten, und einen radikalen Flügel. Höcke ist der bekannteste Vertreter des letzteren, aber zum Glück nicht der einzige, und die Erfahrung spricht dafür, dass der radikale und nicht der lendenlahme Flügel an Einfluss gewinnen wird. Die Geschichte lehrt, dass in Zeiten äusserster nationaler Not die kompromisslosen Oppositionellen gegenüber den kompromissbereiten die Oberhand gewinnen.  Im Jugoslawien des Zweiten Weltkriegs setzten sich die Kommunisten Titos durch und nicht die Monarchisten Mihailovics, die zeitweise mit den Deutschen gegen die Tito-Leute zusammenarbeiteten. In Afghanistan gingen die fanatischsten islamistischen Gruppen, Hizb al Islam und später die Taliban, als Sieger aus dem antisowjetischen Widerstandskampf hervor und nicht die gemässigten Islamisten. In Rhodesien fiel die Macht nach dem Ende der weissen Herrschaft dem radikalen Mugabe zu und nicht dem gemässigten Nkomo. Es geht mir nicht darum, diese radikalen Bewegungen moralisch zu werten. Ich ziehe einfach Parallelen zur Gegenwart in Deutschland. Egal mit wem die Merkel ihre Koalitionsregierung bildet, der Grosse Austausch wird weitergehen, und zwar in verschärfter Form. Wer glaubt, die CSU und die FDP würden ihn bremsen, kann genau so gut an den Klapperstorch glauben. Schon in naher Zukunft wird mit einer massenhaften Familienzusammenführung begonnen werden, was wiederum viele hunderttausend Orientalen und Afrikaner nach Deutschland bringen wird.  Das System tut dies, um irreversible demographische Verhältnisse zu schaffen, ehe die verbliebenen Deutschen ernsthaft rebellieren. Wenn erst die Mehrheit der jungen Generation aus Nichtdeutschen und Nichteuropäern besteht, kalkuliert es, wird jede Rebellion zu spät kommen. Die Rebellion kann aber früher kommen, als es dem System lieb ist. Ein gewaltiger Terroranschlag, ein grosser wirtschaftlicher Einbruch, und überNacht kann eine revolutionäre Lage heranreifen. Glauben Sie, werter @Umdenker und werter @Halenberg, wirklich, dass die Weicheier und die Lauen, die sich an die Union heranschleichen und sich ihr als Koalitionspartner feilbieten, dann noch Gehör finden werden? Nein, dann werden harte Oppositionelle wie Höcke, Poggenburg und Tillschneider Gehör finden und nicht die Lucke- und Petry-Epigonen.

Noch zu @Halenbergs Kriitk an Höckes Ausführungen zur deutschen Vergangenheit. WIe @Regenmeister mit Recht hervorhebt, kontrolliert, wer die Vergangenheit kontrolliert, zugleich die Zukunft (das Zitat stammt bekanntlich von George Orwell). Kann man denn ernstlich glauben, ein stolzes und nationalbewusstes Volk würde die Umvolkung zulassen? Wenn die Mehrheit der deutschen Bevölkerung es passiv hinnimmt oder sogar begrüsst, dass die Deutschen zur MInderheit im eigenen Land werden, dann darum, weil man den Deutschen ihr Selbstbewusstsein geraubt und sie mit Schuldkomplexen vergiftet hat. Dies geschah im Grunde ausschliesslich mittels Kriminalisierung der deutschen Vergangenheit. Die sozialdemokratische Juristin Ute Sacksofsky macht kein Hehl aus ihrer Überzeugung, dass das deutsche Volk durch die "NS-Gewaltherrschaft" seine Existenzberichtigung verloren hat und möglichst rasch aussterben soll: "Gehen wir davon aus, dass es um die Weitergabe deutschen Erbguts nach der NS-Gewaltherrschaft nicht mehr gehen kann  Was wäre eigentlich so schlimm daran, wenn die Deutschen aussterben sollten? (...) Das Territorium, auf dem sich derzeit Deutschland befindet, könnte der Natur zurückgegeben oder (das ist wahrscheinlicher) von anderen Menschen besiedelt werden." (Quelle: www.sezession.de  Bevölkerungsaustausch in Europa (I)  Ursachen).

Noch zu @Halenbergs Forderung nach Wiederherstellung des Rechtsstaats, die seiner Ansicht nach zu den prioritäten Aufgaben der AFD-Fraktion gehören soll. Ich stimme Ihnen natürlich zu. Ein guter Anfang wäre die Forderung nach einer Aufhellung des unfassbaren Justizskandals um den angeblichen "NSU" (Nationalsozialistischen Untergrund). Die Fakten liegen klar zutage; man lese hierzu "Das NSU-Phantom" von Kai Voss (Ares Verlag, 2014). Zwei Männer wurden errmordet (und der Mord an ihnen auf stümperhafte Weise als Selbstmord getarnt), eine unschuldige Frau sitzt seit sechs Jahren hinter Gittern, damit das System eine Mordserie, die auf Konflikte zwischen kriminellen Ausländergruppen zurückgeht, den "Rechten" anlasten und damit eine verschärfte Repression gegen "rechts" begründen kann. Wenn die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung diese Lüge schluckt, obwohl jeder im Netz innerhalb von Minuten jede Menge an Gegenbeweisen finden kann, dann darum, weil diese Mehrheit die "Nazis" als das absolut Böse betrachtet und einem "Nazi" jede erdenkliche Schandtat zutraut, auch völlig sinnlose Morde an acht türkischen Kleinhändlern sowie den ebenso vollkommen sinnlosen Mord an einer deutschen Polizistin.  Auch dies ist eine Folge der Gehirnwäsche, die Höcke in Dresden mit Fug und Recht angeprangert hat. Man kann es drehen und wenden, wie man will - früher oder später muss die Frage nach den Ursachen des Schuldkults mit voller Schärfe aufs Tapet gebracht werden. Von Höcke oder von anderen. Wenn die AFD in dieser kardinalen Frage mit den Wölfen heult, ist sie keine glaubhafte Oppositonspartei.

RMH
28. September 2017 15:23

@Der_Jürgen,

mein Beitrag zum Thema Höcke war ein rein pragmatischer Ansatz und Vorschlag, bezogen auf die hier jetzt in diesem konkreten Forum nach der Wahl erneut unter dem oben stehenden Artikel konkret begonnene Diskussion (wir hatten die Diskussionen ja schon öfter). Sie haben selbstverständlich Recht, dass dies ein echtes Grundlagenthema ist, welches man nicht so einfach wegdrücken kann und meiner Meinung nach muss es an anderem Ort und zu anderer Stelle einmal intern ausdiskutiert werden, um es in Zukunft dann auch nach außen sehr entschieden vertreten zu können. Rein inhaltlich bin ich fast gänzlich bei Höckes Ausführungen in der Dresdner Rede (auch wenn mir einiges darin zu idealistisch ist - aber so ist er eben und das macht ihn ja auch als Mensch und Politiker aus), die man eben nur dann richtig verstehen kann, wenn man sie ganz anhört und nicht - wie in den MSM geschehen - sich irgendeinen Satz isoliert heraus greift und diesen instrumentalisiert und inkriminiert. Ich denke, die "Höcke-kritischen" Teilnehmer hier auf diesen Seiten haben vermutlich auch weniger inhaltliche Probleme mit Höcke, sondern eher Probleme in Bezug auf die Außenwirkung und den Zeitpunkt derartiger Grundsatzreden.

Mahnstein
28. September 2017 15:34

@Der_Jürgen: Sie sprechen mir wieder einmal aus der Seele. Danke dafür.

t.gygax
28. September 2017 17:47

zur causa Höcke: ich habe Höcke gehört, im kleineren Kreis, und kann nur meinen Eindruck wiedergeben

a) der Mann sucht bei der AFD keine Pfründe, -er stieg aus einer absolut abgesicherten Beamtenexistenz als Gymnasiallehrer aus- und er redet nicht in fertigen Sprachschablonen, sondern " von Herzen". Er glaubt an das, was er sagt, überhaupt kein Taktiker und gerissener Stratege. In diesem Rahmen in einem so verdorbenen Umfeld wie der Politik eigentlich zum Untergang verurteilt.....K. hat das als " dissonantes Pathos " bzeichnet, ich finde das aufrichtig und ehrlich.

b) Höcke -es mag jetzt arg pathetisch und romantisch klingen, aber das war meine Wahrnehmung- liebt Deutschland. Er hat eine innere Verbindung zu seinem Volk und leidet unter dem Großen Austausch.

c) Höcke ist nicht abgehoben- der wirkte ganz normal, ich dachte mir später, mit dem hätte ich auch am Lagerfeuer sitzen können. Ich habe Leute kennen gelernt, die sind jetzt über die Listen in den Bundestag gekommen, das sind dermaßen hochmütige, arrogante Leute geworden, kaum fassbar. Geld und Macht verderben wohl die meisten Menschen...

zu @ der Jürgen : Sie haben Recht, aber Sie wissen genau, dass das lebensgefährlich ist, hier an ein Dogma zu rühren. Von daher muss man Elsässers Mut bewundern, mit der er - als Vorfeldaktion- in die NSU-Lüge gegangen ist, jedem Denkenden war bereits nach der ersten Meldung klar, dass hier nichts, aber auch gar nichts stimmt und dass das alles inszeniert wurde, um einen Sündenbock ("die Rechten") zu finden und dabei über Leichen zu gehen, was Frau Tzschäpe betrifft. Es weiss kein Mensch mehr, dass für diese Frau bis heute eine Unschuldsvermutung zutrifft, es hat ja noch gar kein Gerichtsurteil gegeben. Über dieses sollte man sich keine Illusionen machen, wenn das System erledigen will, der ist erledigt.

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