AfD nach der Wahl: Machtfragen, Richtungsdebatten, Strategiefindung

Dem angesichts widriger Umstände achtbaren Ergebnis ist ein turbulentes und von innerparteilichen Stürmen geprägtes Wahljahr vorausgegangen, das mit dem bevorstehenden Bundesparteitag im Dezember seinen Abschluß finden wird.

 Gastbeitrag

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Dem ange­sichts wid­ri­ger Umstän­de acht­ba­ren Ergeb­nis ist ein tur­bu­len­tes und von inner­par­tei­li­chen Stür­men gepräg­tes Wahl­jahr vor­aus­ge­gan­gen, das mit dem bevor­ste­hen­den Bun­des­par­tei­tag im Dezem­ber sei­nen Abschluß fin­den wird.

Rück­schau: Aus­schluß­ver­fah­ren und Strategiedebatten

Rück­bli­ckend begann das Wahl­jahr 2017 mit der Dresd­ner Rede von Björn Höcke am 17. Janu­ar und dem dar­auf fol­gen­den, von Frau­ke Petry for­cier­ten und macht­po­li­tisch moti­vier­ten Beschluß eines Par­tei­aus­schluß­ver­fah­rens gegen den Thü­rin­ger Lan­des­vor­sit­zen­den durch Tei­le des Bun­des­vor­stan­des am 13. Februar.

Für eine macht­po­li­ti­sche Moti­va­ti­on spricht nicht zuletzt der Umstand, daß sich in der Cau­sa Höcke mit Frau­ke Petry aus­ge­rech­net jene Per­son als trei­ben­de Kraft erwies, die noch weni­ge Mona­te zuvor gefor­dert hat­te, der Begriff des „Völ­ki­schen“ müs­se nun­mehr wie­der posi­tiv besetzt werden.

Als sei das nicht genug des inner­par­tei­li­chen Scha­dens gewe­sen, bra­chen die Bun­des­vor­sit­zen­de und ihr Ehe­gat­te mit­tels eines „Zukunfts­an­tra­ges“ weni­ge Wochen vor dem Bun­des­par­tei­tag am 22. und 23. April zur Unzeit eine Debat­te über eine soge­nann­te „real­po­li­ti­sche“ und eine angeb­li­che „fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­le“ Stra­te­gie vom Zaun, zwi­schen denen sich die Par­tei­ba­sis zu ent­schei­den habe.

Dabei han­del­te es sich nach der Ein­lei­tung eines Aus­schluß­ver­fah­rens gegen Björn Höcke um eine neu­er­li­che poli­ti­sche Ese­lei son­der­glei­chen, birgt doch eine Debat­te über die stra­te­gi­sche Aus­rich­tung einer Par­tei immer auch Spal­tungs­po­ten­ti­al in sich. Vor die­sem Hin­ter­grund tra­fen die Dele­gier­ten auf dem Bun­des­par­tei­tag eine wei­se Ent­schei­dung und stri­chen den „Zukunfts­an­trag“ völ­lig zu Recht von der Tagesordnung.

Statt nun das Votum der Dele­gier­ten zu akzep­tie­ren und vor allem zu respek­tie­ren, fuhr das gede­mü­tig­te dyna­mi­sche Duo Petry und Pret­zell nach dem Par­tei­tag mit dem ver­ant­wor­tungs­lo­sen Gere­de vom dro­hen­den Rechts­ruck und einem not­wen­di­gen „real­po­li­ti­schen Kurs“ fort und brach­te die AfD damit im Vor-Wahl­kampf ohne Not in schwe­res Fahrwasser.

Lage­ana­ly­se: inner­par­tei­li­che Bruchlinie

In die­sem Kon­text stellt sich die Fra­ge, was genau das Lager um Petry und Pret­zell unter der „real­po­li­ti­schen Opti­on“ ver­steht. Eine Aus­wer­tung der Aus­sa­gen selbst­er­nann­ter Real­po­li­ti­ker läßt den Schluß zu, daß die­se danach trach­ten, schnellst­mög­lich poli­ti­sche Gestal­tungs­macht zu erlan­gen – und zwar um jeden Preis. Daß die AfD dabei abseh­bar zu einem Bestand­teil des Alt­par­tei­en­sys­tems wer­den und ihres Mar­ken­kerns ver­lus­tig gehen könn­te, wird bil­li­gend in Kauf genommen.

Ein Bei­spiel: In Nord­rhein-West­fa­len wur­den im Nach­gang zur dor­ti­gen Land­tags­wahl im Mai 2017 von Tei­len der AfD-Land­tags­frak­ti­on ernst­haf­te Über­le­gun­gen ange­stellt, den CDU-Mul­ti­kul­tu­ra­lis­ten und Mer­kel-Apo­lo­ge­ten Armin Laschet – natür­lich als real­po­li­ti­schen Akt – zum Minis­ter­prä­si­den­ten zu wäh­len. Erst nach hef­ti­gen Inter­ven­tio­nen sei­tens der Bun­des­ebe­ne lenk­te das Pret­zell-Lager schließ­lich ein.

Letzt­lich ebnet der pro­pa­gier­te real­po­li­ti­sche Weg also den Pfad hin zu einer mehr­heits­be­schaf­fen­den FDP 2.0. Im Ergeb­nis wür­de eine sol­cher­ma­ßen ent­kern­te AfD ihr Allein­stel­lungs­merk­mal und damit ihre Exis­tenz­be­rech­ti­gung im deut­schen Par­tei­en­spek­trum verlieren.

Dem­ge­gen­über pro­pa­giert der natio­nal­kon­ser­va­ti­ve Flü­gel der AfD kei­nes­falls einen „fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len“, son­dern viel­mehr einen bewe­gungs­po­li­ti­schen Stra­te­gie­an­satz. Einer­seits soll die Bewe­gungs­par­tei AfD die Sys­tem­par­tei­en aus der Oppo­si­ti­on her­aus und auf der Stra­ße vor sich her­trei­ben. Gleich­zei­tig wird die Erlan­gung poli­ti­scher Gestal­tungs­macht ange­strebt, aller­dings nur zu eige­nen Bedin­gun­gen und kei­nes­falls zu den Bedin­gun­gen des Altparteienkartells.

Selbst­ver­ständ­lich beinhal­tet der bewe­gungs­po­li­ti­sche Ansatz sach­po­li­ti­sche Ele­men­te. Die­se Tat­sa­che läßt sich unschwer am Bei­spiel der AfD-Land­tags­frak­ti­on in Sach­sen-Anhalt illus­trie­ren: In den nun­mehr 18 Mona­ten ihres Bestehens hat die von André Pog­gen­burg geführ­te Frak­ti­on nicht nur zahl­rei­che Geset­zes­ent­wür­fe erar­bei­tet und hun­der­te Klei­ne Anfra­gen gestellt, son­dern auch maß­geb­lich zum Rück­tritt des CDU-Land­tags­prä­si­den­ten Güss­au und des SPD-Wirt­schafts­mi­nis­ters Fel­g­ner beigetragen.

Außer­dem hat die Frak­ti­on einen Unter­su­chungs­aus­schuß zur Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung sowie Enquete-Kom­mis­sio­nen zur Stär­kung direk­ter Demo­kra­tie und zur Bekämp­fung des Links­ex­tre­mis­mus ein­ge­setzt sowie einen alter­na­ti­ven Haus­halts­ent­wurf ein­ge­bracht. Des wei­te­ren ist es mehr­fach gelun­gen, Kei­le in die CDU-Frak­ti­on und die mitt­ler­wei­le zer­strit­te­ne Kenia-Koali­ti­on zu treiben.

Ana­log zur Sach­po­li­tik in den Aus­schüs­sen und Ple­nar­sit­zun­gen fin­det indes auch eine Ver­net­zung mit dem vor­po­li­ti­schen Raum statt. Mit­glie­der der Land­tags­frak­ti­on spre­chen auf PEGI­DA-Demons­tra­tio­nen in Dres­den, tre­ten bei Aka­de­mien des Insti­tuts für Staats­po­li­tik auf oder besu­chen die Ein­wei­hungs­fei­er für das Haus­pro­jekt der Bür­ger­initia­ti­ve „Ein Pro­zent“ in Hal­le. Auf die unab­ding­li­che Rol­len­hy­gie­ne wird dabei stets geachtet.

Dem­entspre­chend gelangt eine unlängst erschie­ne­ne Stu­die der Otto-Bren­ner-Stif­tung mit dem Titel Die AfD vor der Bun­des­tags­wahl 2017 in bezug auf das Wir­ken besag­ter Land­tags­frak­ti­on zu fol­gen­dem Befund:

Der mit­glie­der­stärks­ten AfD-Frak­ti­on in Sach­sen-Anhalt ist es trotz inter­ner Kon­flik­te am erfolg­reichs­ten gelun­gen, als Oppo­si­ti­ons­kraft lan­des­po­li­ti­sche Akzen­te zu set­zen und vor allem die CDU – und damit auch die Kenia-Koali­ti­on ins­ge­samt – her­aus­zu­for­dern. Wäh­rend die AfD-Frak­ti­on die lan­des­par­la­men­ta­ri­sche Büh­ne einer­seits für teils radi­ka­le poli­ti­sche Vor­stö­ße nutz­te, erzeug­te sie ande­rer­seits mit pla­ka­ti­ven Brü­chen der par­la­men­ta­ri­schen Gepflo­gen­hei­ten Auf­merk­sam­keit und schrieb auf die­se Wei­se ihr Selbst­ver­ständ­nis als außer­par­la­men­ta­ri­sche Bewe­gungs­par­tei fort.

Wäh­rend also der soge­nann­te real­po­li­ti­sche Ansatz das Heil der Par­tei in der Annä­he­rung und Anbie­de­rung an das poli­ti­sche Estab­lish­ment sieht und, kon­se­quent zu Ende gedacht, unwei­ger­lich im Eta­blier­ten endet, sieht der bewe­gungs­po­li­ti­sche Ansatz kei­ne Alter­na­ti­ve im Eta­blier­ten. Viel­mehr strebt die bewe­gungs­po­li­ti­sche Aus­rich­tung nach einer grund­le­gen­den Neu­ge­stal­tung der poli­ti­schen Land­schaft inklu­si­ve der Been­di­gung und Rück­ab­wick­lung links­li­be­ra­ler Gesell­schafts­ex­pe­ri­men­te und also nach einer Poli­tik, die für und nicht gegen Deutsch­land und sein Staats­volk gerich­tet ist.

Die bereits bemüh­te Stu­die der Otto-Bren­ner-Stif­tung kommt außer­dem – unter Ver­wen­dung unver­meid­li­cher poli­ti­scher Kampf­be­grif­fe – zu dem Befund, daß sich der bewe­gungs­po­li­ti­sche Ansatz des natio­nal­kon­ser­va­ti­ven Par­tei­flü­gels um die Gali­ons­fi­gu­ren Alex­an­der Gau­land, Björn Höcke, Andre­as Kal­bitz, André Pog­gen­burg und Hans-Tho­mas Till­schnei­der inner­par­tei­lich zuneh­mend durchsetzt:

Über­dies ver­sucht die AfD, völ­ki­sche Vor­stel­lun­gen öffent­lich zu reha­bi­li­tie­ren. Zunächst von den ost­deut­schen Lan­des­ver­bän­den offen­siv ver­tre­ten, öff­net sich die gesam­te Par­tei gegen­wär­tig immer stär­ker in Rich­tung eines ‚völ­kisch-auto­ri­tä­ren Natio­na­lis­mus‘ mit geschichts­re­vi­sio­nis­ti­schen Zügen, der mitt­ler­wei­le auch in den west­deut­schen Bun­des­län­dern zuse­hends ent­hemmt pro­pa­giert wird. […] Durch die AfD haben sich die roten Lini­en der poli­ti­schen Kul­tur frag­los ver­scho­ben, was man als AfD-Effekt ver­bu­chen kann.

Wir hal­ten fest: Die real exis­tie­ren­de inner­par­tei­li­che Bruch­li­nie der AfD ver­läuft nicht zwi­schen „real­po­li­ti­schen“ und „fun­da­men­tal­op­po­si­tio­nel­len“ Kräf­ten, son­dern viel­mehr zwi­schen bewe­gungs­po­li­ti­schen Idea­lis­ten und Kar­rie­ris­ten im real­po­li­ti­schen Schafspelz.

Blick nach vorn: Alter­na­ti­ve Mit­te – macht Petry den Lucke?

Die meta­po­li­tisch indu­zier­te und durch den natio­nal­kon­ser­va­ti­ven Flü­gel der AfD imple­men­tier­te kon­ti­nu­ier­li­che Ver­schie­bung des BRD-Dis­kurs­fens­ters ist inner­par­tei­li­chen Kar­rie­ris­ten, die schnellst­mög­lich im poli­ti­schen Estab­lish­ment ankom­men und also dau­er­haft an die poli­ti­schen Fut­ter­trö­ge ando­cken wol­len, frei­lich ein Dorn im Auge.

Nun hat sich mit­ten im Wahl­kampf die soge­nann­te Alter­na­ti­ve Mit­te (AM) gegrün­det, deren Grün­dungs­le­gi­ti­ma­ti­on und Aus­rich­tung an den „Weck­ruf“ von Bernd Lucke erin­nert. Aus dem „Weck­ruf“ ging nach dem AfD-Bun­des­par­tei­tag in Essen im Juli 2015 die AfD-Abspal­tung ALFA her­vor, die mitt­ler­wei­le im Nir­va­na poli­ti­scher Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­schwun­den ist. Das bekann­tes­te Gesicht der AM ist das rela­tiv unbe­kann­te Bun­des­vor­stands­mit­glied Dirk Driesang.

Unter­stützt wird die Grup­pie­rung aller­dings von Mar­kus Pret­zell („Ich beken­ne mich voll­stän­dig zu den Idea­len der AM.“) und Frau­ke Petry: „Ich freue mich, daß die­se und ande­re Basis-Initia­ti­ven den real­po­li­ti­schen Mut zei­gen, an dem es in wei­ten Tei­len der Par­tei­füh­rung viel zu lan­ge gefehlt hat.“ Schon wer­den neu­er­li­che Spal­tungs­ge­rüch­te laut. Bereits vor dem Bun­des­par­tei­tag in Köln berich­te­te der Münch­ner Mer­kur:

Soll­te es ihnen bis Herbst nicht gelun­gen sein, die AfD auf einen real­po­li­ti­schen Kurs zu zwin­gen und Höcke aus der Par­tei zu drän­gen, haben die Anhän­ger des Petry-Lagers des­halb offen­bar einen Plan gefasst. Sie wol­len nach der Bun­des­tags­wahl mit ihren Abge­ord­ne­ten die AfD-Frak­tio­nen im Bun­des­tag und in den Land­ta­gen ver­las­sen und eine neue Par­tei grün­den. […] Sowohl Petry als auch Pret­zell woll­ten die Plä­ne auf Anfra­ge nicht kommentieren.

Seit­her hat Frau­ke Petry Gerüch­ten um eine etwai­ge neu­er­li­che Abspal­tung wie­der­holt Nah­rung gege­ben. Am 13. Sep­tem­ber, also kei­ne zwei Wochen vor der Bun­des­tags­wahl, ant­wor­te­te sie auf die Fra­ge der Neu­en Zür­cher Zei­tung, ob sie unab­hän­gig davon, wel­che AfD-Kan­di­da­ten in den Bun­des­tag ein­zie­hen, in der neu­en AfD-Frak­ti­on sit­zen wer­de: „Na ja, las­sen Sie uns ein­mal abwar­ten, wie das Wahl­er­geb­nis am 24.9. aus­sieht, bis all die Man­da­te gezählt sind, und dann reden wir ab dem 25.9. dar­über, wie es in der AfD wei­ter­geht.“ Am 25.9. ver­kün­de­te Petry im Rah­men der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz, daß sie der neu­en AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on nicht ange­hö­ren wer­de. Dar­auf­hin for­der­te Spit­zen­kan­di­da­tin Ali­ce Wei­del die Bun­des­vor­sit­zen­de auf, die AfD zu verlassen.

In der Ein­la­dung zur „Deutsch­land­ta­gung der Alter­na­ti­ven Mit­te“ am 3. Okto­ber 2017 steht zudem zu lesen: „Auf dem Bun­des­par­tei­tag im Dezem­ber wird sich der wei­te­re Wer­de­gang der AfD ent­schei­den. Ver­liert die AfD dann die Anschluss­fä­hig­keit an wei­te bür­ger­li­che Krei­se, so ist das Ende absehbar.“

Die Fra­ge, ob es zu einer neu­er­li­chen Abspal­tung von der AfD kom­men wird oder nicht, wird spä­tes­tens nach dem kom­men­den Bun­des­par­tei­tag abschlie­ßend beant­wor­tet wer­den kön­nen. Unab­hän­gig davon zeigt die Geschich­te der Par­tei, daß die Abspal­tung der neo­li­be­ral-trans­at­lan­ti­schen Kräf­te um Bernd Lucke und Hans-Olaf Hen­kel im Jah­re 2015 kei­nen nach­hal­ti­gen Scha­den hin­ter­las­sen hat.

Damals konn­te der Ader­laß in Form von eini­gen tau­send Mit­glie­dern rela­tiv pro­blem­los kom­pen­siert wer­den. In der Fol­ge wur­de die AfD nicht – wie von den Luckis­ten ange­dacht – zur sys­tem­in­te­grier­ten Mehr­heits­be­schaf­fer­par­tei der CDU, son­dern bewahr­te sich einen Man­gel an Ver­söh­nung mit den BRD-Funk­ti­ons­eli­ten. Häu­tungs­pro­zes­se der jun­gen Par­tei kön­nen für deren wei­te­ren Wer­de­gang also durch­aus eine nut­zen­stif­ten­de Wir­kung entfalten.

„In der AfD sind Wöl­fe unter­wegs“, stell­te der CSU-Spit­zen­kan­di­dat Joa­chim Herr­mann in einem im Sep­tem­ber geführ­ten Wahl­kampf­in­ter­view fest. Es steht zu hof­fen, daß nach dem AfD-Bun­des­par­tei­tag bewe­gungs­po­li­ti­sche Wöl­fe und nicht real­po­li­ti­sche Läm­mer den wei­te­ren Kurs der Par­tei prä­gen werden.

__________________

Dr. Jan Mol­den­hau­er, gebo­ren 1980, stu­dier­te Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten in Köln, Lon­don und Liver­pool. Er arbei­tet als Assis­tent des Frak­ti­ons­vor­stands und als lei­ten­der Refe­rent für die AfD-Land­tags­frak­ti­on in Sach­sen-Anhalt. In Sezes­si­on 68 erschien sein Grund­la­gen­bei­trag »Peak Oil, Glo­ba­li­sie­rung und die Gren­zen der Mach­bar­keit«.

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Kommentare (26)

Sehrohrtiefe

25. September 2017 17:01

Der heutige Tag ist ebenso erfreulich wie der gestrige, und das will etwas heißen. Frau Petry zeichnete sich zuletzt durch parteischädigendes Verhalten aus, was spätestens nach der gestrigen Wahl ein Parteiausschlußverfahren hätte nach sich ziehen müssen. Ich hatte befürchnet, daß dies im besten Falle einige Monate der Unruhe und dann eine Konsolidierung vor dem nächsten Wachstumsschub mit sich bringen würde. Nun aber erledigt Frau Petry diese Arbeit selbst, und das schneller, effektiver und weniger belastend für Partei und Bewegung als in jedem anderen alternativen Szenario. Offensichtlich hat sie Anleihen genommen bei Martin Schulz, der sich gestern abend öffentlichkeitswirksam selbst zerlegt hat. Heute führt Frau Petry ihre eigene Selbstsprengung durch in einer Art, die sie auch für die Systemparteien untragbar macht, denn niemand kann jemandem mit so wenig Charakter noch vertrauen. Hierin liegt für die AfD und die gesamte Bewegung eine große Chance. Selbstverständnis muß es sein, mittelfristig auf eine eigene politische Mehrheit hinzuarbeiten, und hierfür ist jede politische Annäherung an die Systemparteien schädlich. Wer somit wie Frau Petry denkt, sollte jetzt gehen/gegangen werden und nicht erst in ein paar Wochen oder Monaten. Heute ist der erste Tag der Vorbereitung auf die nächste Wahl, und je eher aufgeräumt und das eigene Haus in Ordnung gebracht wird, desto stärker steht es da, um die kommenden Stürme der Zeit zu überstehen und selbst zum Zentrum der politischen Zukunft unserer Nation zu werden.

RMH

25. September 2017 18:01

"Heute führt Frau Petry ihre eigene Selbstsprengung durch in einer Art, die sie auch für die Systemparteien untragbar macht, denn niemand kann jemandem mit so wenig Charakter noch vertrauen."

Da wäre ich mir nicht so sicher - noch ist nicht aller Tage Abend. Sollten Petry andere Abgeordnete folgen sowie es zu weiteren Spaltungen in den Landtagsfraktionen kommen, dann geht die AfD zumindest in schweres Fahrwasser und die "Spalter" fallen dann auch nicht mehr formell unter das "keine Koalition mit der AfD"-Verdikt der Etablierten. Es könnte dann schnell wieder Schröders Satz von "Mehrheit ist Mehrheit" zur Anwendung kommen. Dennoch ist der Markenname AfD nach wie vor sehr viel Wert und etwaige Abspalter werden sich bei einem eigenen Wahlantritt unter eigenen Namen sehr schwer tun (siehe die Bedeutungslosigkeit der Lucke-Truppe, obwohl da durchaus auch Ernstzunehmende dabei waren). Deswegen gibt Petry ja auch nicht konsequenterweise ihren Parteivorstands-Posten und ihre Parteimitgliedschaft auf.

Zum Artikel:

Das Thema "Bewegungspartei" scheint in den neuen Ländern gut zu funktionieren und die Erfolge der dortigen Arbeit sollten häufiger und massenwirksamer heraus gestellt werden, um das MSM-Mantra "in den Landtagen liefert die AfD nichts ab, außer internen Streit und sinnloses Palaver" zu durchbrechen.

Für die alten Bundesländer geht derart "Nassforsches" (soll jetzt nicht abwertend gemeint sein) m.E.n. nicht so ohne weiteres. Hier sehe ich in der Tat Leute wie Meuthen und Weidel als die beiden, die langfristige Perspektiven haben.

Ein Höcke - so sehr ich ihn nach erlebten Live-Auftritten für mich persönlich zu schätzen gelernt habe - aber auch mittlerweile ein Gauland, zünden im Westen doch deutlich weniger bzw. stoßen auf recht breite Vorbehalte, dass muss ich in persönlichen Gesprächen in meinem recht breiten Bekanntenkreis immer wieder feststellen (da hilft auch kein Schönreden).

Die AfD könnte daher gut beraten sein, wenn sie keine stramme Bundeszentrierung anstrebt, sondern regional verankert in den jeweiligen Ländern das liefert, was jeweils dort am meisten anspricht. So wie früher es ja durchaus für die Union überaus erfolgreich war, dass es eine CDU und eine CSU gab. Der stramme Mitte-Links-Links Kurs der CDU unter Merkel hat dann aber die CSU, die in falscher Nibellungentreue am Ende an Merkel festgehalten hat, nunmehr aufgerieben bzw. wird dies eintreten, wenn Jamaika tatsächlich unter CSU-Beteiligung kommen wird. Genau zu solchen Effekten sollte es bei der AfD, wenn man eine Regionalisierung andenkt, nicht kommen. Und dazu wird es m.M.n. auch nicht so schnell kommen können, wenn man zunächst einmal bei einer Oppositionstrategie bleibt.

Benedikt Kaiser

25. September 2017 18:28

Hervorragende Analyse. Notwendig ist revolutionäre Realpolitik, und dies geht nicht mit Charakteren wie Petry/Pretzell samt Anhang.

Starhemberg

25. September 2017 19:04

Ganz hervorragend zusammengefasst. Wir hatten in Österreich dasselbe Spiel, als die in ihrer Eitelkeit gekränkte Heide Schmidt Jörg Haider eiskalt in den Rücken fiel und mit Geld und Unterstützung der SPÖ das "Liberale Forum" gründete. Nichts auf dieser Welt ist gefährlicher, als in ihrer Eitelkeit und in ihrem Stolz gekränkte starke Frauen. Sind sie dann noch mit einem Pretzell verheiratet, wird es so richtig übel.

Der Gehenkte

25. September 2017 19:45

Das ist in mehrfacher Hinsicht eine großartige Interpretation, die man durchdenken muß. Dank auch für die Einblicke in die Landtagsarbeit, die ansonsten ja eine sehr schlechte Presse hat.

Das sind jetzt entscheidende Tage. Man sollte zweierlei tun: Versuchen, Petry zu verstehen - denn ihr Abgang war mit Ansage und im Nachhinein wundert es, daß er alle überraschen konnte. Verstehen muß man sie, um das strukturelle Problem dahinter zu sehen, denn egal, wie man dazu steht, ist der Schritt logisch und konsequent. Man muß daraus lernen und innerparteiliche Strukturen und Regularien finden, um dergleichen in Zukunft auszuschließen. Politiker sind Menschen, aber Politik verlangt Übermenschliches.

@ Bendikt Kaiser

"revolutionäre Realpolitik" - Das gefällt mir. Wir haben übrigens einen Moment, der zur Querfront animiert - Lenin kann hier helfen. Vielleicht gehen Sie da mit?:

Das menschliche Element

Solution

25. September 2017 19:55

Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung der nächsten Jahrzehnte, muß man feststellen, daß der Zug abgefahren ist, mit Wahlen den großen Austausch noch zu verhindern. Die AfD kommt hier leider zu spät.

Corvusacerbus

25. September 2017 20:07

Im Schweizer Gratisblättschen '20 Minuten' ist von "Petrys Geheimplan" zu lesen, was mit einer Email Fraktionssprechers der NRW-AfD Schwarzer unterlegt wird, die SZ/NDR/Spiegel vorliege (wem sonst?!): "Die AfD ist Geschichte ... Das nationalistische Element hat die Partei zerstört", schreibt dieser saubere Kämpfer in der AfD gegen die AfD. Für mich sieht spätesten seit dem Sommer 2016 alles nach einem "Grand Design" zur Spaltung und Zersetzung der AfD aus. So wie ich den sauberen Herrn Pretzell, Schwarzers Chef, erleben und was generell von ihm bekannt werden konnte (er ist kein Kopf, ein Werkzeug!), ist er allerdings eher nicht der Urheber, sondern nur der saftigste Nutznießer dieses Projekts, das von außen finanziert und gesteuert und von ihm und seinesgleichen von innen befördert wurde und wird und unter dem Namen (nicht dumm!) "Alternative Mitte" firmiert.

Verschwörungsphantasie? Nö! Beobachtung, Analyse, Schlußfolgerung. Staatsknete und Fördergelder aus allerlei Quellen, um dieses Projekt und seine Helfershelfer großzügig zu alimentieren, gibt es genügend und Kanäle, das gut zu vertuschen, auch. It's politics, stupid - so löuft das. Nachsatz: Frauke Petry war nachmittags so eitel, beim famosen Thomas Walde im ZDF öffentlich rauszulassen, daß ihr morgendlicher Coup in der Bundespressekonferenz von langer Hand geplant und eingestielt war. Es scheint sich, wenn mir diese persönliche Anmerkung gestattet ist, die alte Erkenntnis zu bewahrheiten, daß ein Scheißkerl aus dem besten Mädel eine Schickse macht (ob er schon als "Romeo" auf Frauke Petry angesetzt wurde, wird zeitgeschichtliche Recherche zeigen, ein G'schmäckle hat die Liaison schon lange).

Es tut mir um Frauke Petry übrigens sehr leid. Sie war seit 2015 eine höchst attraktive Politikerin und Propagandistin. Die Vorstellung, wie das attraktive blond-dunkle Doppel Weidel/Petry die Medien reizt, lockt und bespielt, den politischen Gegner, ganz speziell Merkel im Hosenanzug, alt aussehen läßt, hat was Berückendes. Soll nicht sein, sei's drum. Jetzt muß es ohne und gegen Petry gehen und die Verschwörung der Alternativen Mitte muß zügig und mit aller Klarheit und Raffinesse neutralisiert werden.

Leo Lobauer

25. September 2017 20:23

Eine um ihren oppositionellen Ansatz "entkernte AfD (würde) ihr Alleinstellungsmerkmal und damit ihre Existenzberechtigung im deutschen Parteienspektrum verlieren." - Dieser Satz kann nicht oft genug als richtig unterstrichen werden! Alles andere ist ein offensichtlicher Irrglaube und/oder einer apolitischen Stillnebeldemenz geschuldet:  Das Land braucht keine FDP 2.0. oder dergleichen. Der Bundestag braucht keine weitere Fraktion, die im Parlament "kuschelt" und auf Teilnahme an den Pfründen der anderen schielt. Die AfD ist nicht dafür gewählt worden, so zu sein, wie die anderen es bereits sind: Das Land braucht eine demokratische Stimme, also eine im Parlament maximal hörbare Stimme, die das aufreizende Treiben der Merkel-Koalition als das anprangert, was es ist: Ein verfassungswidrigriger "Putsch" von oben her gegen das Volk...

Corvusacerbus

25. September 2017 20:28

Übrigens, Herr Dr. Moldenhauer, herzlichen Dank für diesen sehr informativen Beitrag eines Insiders. Die AfD muß tatsächlich keine Angst vor weiteren Höutungen haben, sondern kann davon weiterhin profitieren. Sie muß nur weiterhin konsequent ihren Weg gehen und Politik machen. Dabei zuallerest und vor allem das Bündnis mit dem deutschen Volk, dem Souverän aller Politik, festigen und lebendig gestalten (raus ins Land - ran an die Leute), externe Gegner angehen ... und die internen identifizieren, neutralisieren und ggf. ausschließen.

RMH

25. September 2017 21:42

"Es tut mir um Frauke Petry übrigens sehr leid."

Mir nicht - denn sie fällt mit 4 Jahren Vollalimentierung und entsprechenden Übergangsgeldern recht weich und wer weiß, was sonst noch winkt, wenn das mit der "AM" sich bewahrheiten sollte. Im Übrigen ist es mehr als schäbig, wenn man, nachdem man selber einen Herrn Lucke wegen dessen angeblich zu großer Liberalität und seines fehlenden Bisses gegenüber dem Islam abgeräumt hat, nun sich auf der Welle der erfolgreichen Kampagne von Gauland/Weidel, zu der man außer kleineren Störmanövern und einem Mutter-Baby-Bild nichts beigetragen hat, ein Mandat gesichert hat und dann - wohlkalkuliert und vorbereitet - den Eklat sucht und auf Facebook ein Statement sinngemäß ablässt, dass ihr die rechten, gärigen Anarcho-Spinner in der AfD zu viel werden, so dass sie eben nicht anders könne. Geht´s noch? Erst selber rechts dauerblinken, um damit den Konkurrenten abservieren zu können und sich dann, als andere erfolgreicher werden und ihr nicht mehr uneingeschränkt gehuldigt wird, über zu viel rechts und zu wenig Realpolitik beschweren und dann dieser "unmöglichen", nicht "realpolitischen" Partei auch noch weiter angehören wollen und den Vorstandsplatz auch nicht räumen wollen? So ein Kunststück bringt wohl nur das dynamische Duo P&P fertig. Und das kurz vor der nächsten Landtagswahl ^^

Der_Jürgen

25. September 2017 21:53

Dieser Artikel nennt die Dinge beim Namen und liefert auch Informaitonen, über die man auch als interessierter Beobachter nicht unbedingt verfügt. Es gab ja auf diesem Blog immer wieder Debatten über die AFD, der grundsätzlich wohl die allermeisten von uns positiv gegenüberstehen, über deren richtige Strategie aber tiefgreifende Unterschiede bestehen. Schon vor langer Zeit bezeichneten diverse Foristen, darunter meine Wenigkeit, das Duo Petry-Pretzell als falsche Fuffzger, Diese Einschätzung hat sich jetzt eindeutig bestätigt. Ob die Petry von Beginn an ein U-Boot war, oder ob sie unter dem Einfluss ihres neuen Partners Pretzell zu einem solchen wurde, oder ob beide vom System gekauft wurden, um die AFD zu spalten - all diese Fragen sind zweitrangig. Entscheidend ist, dass an der Spitze der Partei Leute stehen, die ihr die Zähne ziehen und sie so als ernsthafte Opposition unschödlich machen wollen. Schon einen Tag nach der Wahl hat Petry die Maske endgütlig fallen lassen. DIe echten Patrioten innerhalb der Partei, für die stellvertretend Namen wie Höcke und Poggenburg stehen, sind nun gefragt. Natürlich reicht eine parlamentarische Oppositon nicht aus; Oppositon gegen das Regime der Umvolker muss auf allen Ebenen - ausser auf der terroristischen natürlich - betrieben werden. Jedenfalls markierte dieser 24. September eine Wende. So wie nach Trumps Wahlsieg trotz seiner Kapitulation vor dem Establishmenr der Geist aus der Flasche ist, ist mit dem Einzug der AFD in den Bundestag ein Tabu gebrochen. Nichdts wird mehr so sein, wie es war; scheitert die AFD, so wird sie als Wegbereiterin einer grösseren Kraft in die Geschichte eingehen. Wer diese grösser Kraft sein wird, weiss noch keiner von uns. VIele von uns werden ihr Kommen aber spüren, so wie man schon an einem eiskalten Februartag den nahenden Frühling spüren kann.

E.

25. September 2017 22:19

Das Verhalten dieser Frau P. (Interview) wenige Tage vor der Wahl war schon an Illoyalität nicht zu überbieten. Ihre heutige Aktion macht mich unglaublich zornig. Dass diese Egomanin sich damit illoyal gegenüber den anderen Wahlkämpferinnen und Wahklämpfern der AfD verhalten hat, ist schlimm genug.

Aber bildet sich diese Frau P. tatsächlich ein, sie wäre von den sächsischen Wählerinnen und Wählern in diesem Ausmaß gewählt worden, wenn diese gewusst hätten, wozu diese Egomanin imstande ist?

Ich hoffe sehr, dass die große Mehrheit in der AfD und der AfD-Bundestagsfraktion nüchtern, ruhig und kalt-konsequent mit dieser Frau P. und auch ihrem Ehemann, Herrn P., umgehen werden. - Wir sind das Volk. Wir haben die AfD gewählt, vielleicht den letzten Zipfel einer historischen Chance ergreifend! - Und zwar nicht wegen der egomanischen Winkelzüge dieses Ehepaares P. !

Besonnenheit, Geschlossenheit und kalte Konsequenz gegenüber diesem Ehepaar P.! - Meine inständige Bitte an die Verantwortungsträger und die neuen Bundestagsabgeordneten der AfD!

lohengrin

25. September 2017 22:43

Überraschend war nur der Zeitpunkt von Petrys Abgang. Ich verweise auf den Artikel " Bonnie und Clyde in der AfD" von Michael Klonovsky; erschienen im April 2017 auf seiner Seite" Acta diurna". Eine treffende Charakterisierung des Spalterpärchens, mit der K. leider ins Schwarze getroffen hatte.

Nautilus

25. September 2017 23:35

Herr Moldenhauer, großes Kompliment für diese Analyse. Besser kann man das nicht erfassen.Überrrascht hat mich das aber nicht. Das war schon lange geplant und wurde jetzt durchgezogen. Petry wollte die erste Geige spielen, und ist gescheitert, die Macht hat sie verloren. Weidel hat ihr ja den Austritt aus der Partei empfohlen, was ich absolut richtig finde. Was ihr Ehemann jetzt im Hinterhalt plant, man darf gespannt sein. Fakt ist, daß diese Blender sobald wie möglich aus der Partei müßen. Gauland und Weidel werden das schon richten.

Cacatum non est pictum

26. September 2017 00:12

@RMH

Erst selber rechts dauerblinken, um damit den Konkurrenten abservieren zu können und sich dann, als andere erfolgreicher werden und ihr nicht mehr uneingeschränkt gehuldigt wird, über zu viel rechts und zu wenig Realpolitik beschweren und dann dieser "unmöglichen", nicht "realpolitischen" Partei auch noch weiter angehören wollen und den Vorstandsplatz auch nicht räumen wollen?

Willkommen in der parlamentarischen Parteiendemokratie! Hier wird die Rettung Deutschlands - so sie noch möglich ist - definitiv nicht ihren Ausgang nehmen. Niemals nicht! In diesem System setzen sich immer die machtbewussten mediokren Leute durch, in deren Fahrwasser die halbgebildeten Rüpel mitschwimmen, die dann ihrerseits zu allen Seiten austeilen. Wenn sich durch den Parlamentseinzug der AfD tatsächlich der Resonanzraum für nationalkonservative Positionen erweitert - so Götz Kubitschek -, dann ist das schon viel. Mehr darf man sich kaum erhoffen.

@Solution

Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung der nächsten Jahrzehnte, muß man feststellen, daß der Zug abgefahren ist, mit Wahlen den großen Austausch noch zu verhindern. Die AfD kommt hier leider zu spät.

Vielleicht ist sie auch von interessierten Kreisen zur genau richtigen Zeit eingesetzt worden, um den hochkochenden Frust der Menschen zu kanalisieren und unschädlich zu machen? Ist nur eine Hypothese, für die es allerdings stichhaltige Gründe gibt. Wie dem auch sei: Die Rettung wird auf anderem Wege zu erfolgen haben. Und wenn sie nicht erfolgt, müssen wir eben hoffen, dass Gott uns gnädig ist.

Ruewald

26. September 2017 01:39

Leider muß ich @Solution rechtgeben, daß es schon 10 Minuten nach 12 und der Zug schon abgefahren ist und die AfD zu spät kommt.

Trotzdem: die Hoffnung stirbt zuletzt.

Insofern möchte ich mich doch @Der_Jürgen mit seinem schönen Bild anschließen. AfD als Eisbrecher, wir wissen noch nicht, welche größere Kraft in die Geschichte eingehen wird. Aber "viele von uns werden ihr Kommen aber spüren, so wie man schon an einem eiskalten Februartag den nahenden Frühling spüren kann." - Wenn wir nichts mehr erhoffen, dann können wir uns gleich suizidieren ...

Lilith14

26. September 2017 03:28

Gott hat leider zu viel zu tun...

Die Situation ist vortrefflich analysiert. Um der AfD nicht zu schaden, sollten weitere Bewegungen des "Duos" beobachtet werden. Sie haben aber nicht die Kraft, diese Partei zu zerstören. Viel schlimmer finde ich, dass der durchschnittliche Wähler diese Situation nicht erkennen kann. Das bedeutet für den Wähler Verunsicherung, Enttäuschung und ein Fragezeichen.

Frau Petry war eine Lichtgestalt für mich, aber:  Ich habe mich heute einige Stunden gegrämt, bin dann zu der Erkenntnis gekommen   -abhaken-   und weiter.

Obwohl heute von den Medien wiederholt erklärt wurde, dass es sich vornehmlich, bei den AfD-Wählern, um Protestwähler handelt, wissen wir genau, dass das nicht stimmt und somit die zukünftige Arbeit der Abgeordneten sehr wichtig ist.

Es ist der Anfang  -  Ich habe Vertrauen...

Valjean72

26. September 2017 11:01

@RMH : „Dennoch ist der MARKENNAME AfD nach wie vor sehr viel Wert […]  Die AfD könnte daher gut beraten sein, wenn sie keine stramme Bundeszentrierung anstrebt, sondern regional verankert in den jeweiligen Ländern das LIEFERT, was jeweils dort am meisten anspricht […] “

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„Markenname“ und „liefern“, das klingt mir doch recht zeitgeistig nach Homo Oeconomicus: alles schön durch-BWL-isiert. Parteien sollten allerdings  - nach meinem Verständnis - keine Werbeagenturen oder fliegende Händler sein, die jene Waren versuchen anzubieten, die am meisten nachgefragt werden, sondern von Prinzipien geleitete Überzeugungsgemeinschaften. Missstände und Fehlentwicklungen sind zu klar benennen, auch wenn das hie und da manchen Alt-Bundesbürger zunächst verschrecken sollte.

H. M. Richter

26. September 2017 11:28

Wer die letzten Jahre der DDR erlebt hat, weiß, was die sog. Zersetzung, die operative Psychologie des MfS bedeutet(e). Jürgen Fuchs nannte sie einmal "die leise Form des Terrors".

Die SED ließ Dissertationen und Diplomarbeiten dazu erarbeiten, die zwar sperrige Namen trugen wie "Der Einsatz von politisch-operativen Zersetzungsmaßnahmen im Rahmen der operativen Vorgangsbearbeitung gegen Erscheinungen des politischen Untergrundes im Verantwortungsbereich der Linie XX/7" , deren Inhalt aber bis heute, weil jederzeit anwendbar, höchst brisant geblieben ist.

Vgl.:

https://www.demokratie-statt-diktatur.de/DSD/DE/Menschenwuerde/Dokumente/menschenwuerde_diplomarbeit-zersetzungsma%C3%9Fnahmen/menschenwuerde_diplomarbeit-zersetzungsma%C3%9Fnahmen_tabelle.html

Daß in der DDR diese Methoden nicht selten erfolgreich zum Einsatz kamen, muß nicht eigens betont werden. Dies schloß in der Entscheidungsphase auch die Übernahme oppositioneller (Spitzen-)Ämter ein; man erinnere Namen wie Wolfgang Schnur (DA), Ibrahim Böhme (SDP/SPD) u. a.

Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen.

Der Gehenkte

26. September 2017 11:32

Die Trump-Lektion ist offensichtlich noch nicht von jedermann gelernt. Es ist noch kein Jahr her, da wurde er, auch hier, nahezu als Heiland gefeiert. Heute stehen wir am Rande eines Krieges und es ist deutlich geworden, daß Trump wie alle Politiker handelt und handeln muß: sich anpassend und also Ideale verratend.

Diesen selben historischen Prozeß wird auch die AfD durchmachen, gerade weil sie, wie Jürgen letztens schrieb, durch Menschen gemacht wird: der menschliche Anteil führt immer zu Enttäuschungen, ganz gleich welcher Mensch. Der gesellschaftliche Anteil führt evtl. zu den erhofften Veränderungen.

Wer heute jubelt, statt realistisch und kritisch zu sein, wird morgen enttäuscht werden. Wer diese Regel von vornherein eingehalten hat, den konnte auch Petry nicht schocken.

RMH

26. September 2017 12:12

"Parteien sollten allerdings  - nach meinem Verständnis - keine Werbeagenturen oder fliegende Händler sein, die jene Waren versuchen anzubieten, die am meisten nachgefragt werden, sondern von Prinzipien geleitete Überzeugungsgemeinschaften."

@Valjean72

Mit dem zweiten Teil der Aussage gehe ich konform, beim ersten Teil nicht. Parteien müssen heutzutage Werbeagenturen und wie fliegende Händler sein. Solange sie keine beliebigen Waren oder nur die, die auf den ersten Blick am meisten nachgefragt werden, im Angebot haben sondern eben ihre Überzeugungen, geht das voll in Ordnung, denn Klappern gehört zu Geschäft.

@Cacatum etc.

Ich bin nicht naiv. Der uralte Spruch, das man innerhalb der Parteipolitik den Begriff "Feind" nach dem Muster "Feind, Todfeind, Parteifreund" steigert, ist mir seit langem geläufig. Aber so ein Stück, wie es sich Frau P. geleistet hat, ist schon außergewöhnlich. Klonovsky hat das in seinen acta diurna schön dargelegt (unten stehender Eintrag vom 25.09.2017 - lesenswert).

Dietrich Stahl

26. September 2017 14:44

@ Ruewald und @ Solution. Defätismus ist keine Lösung. Sondern kontraproduktiv.

@ Der_Jürgen

„ist mit dem Einzug der AFD in den Bundestag ein Tabu gebrochen. Nichts wird mehr so sein, wie es war; scheitert die AFD, so wird sie als Wegbereiterin einer grösseren Kraft in die Geschichte eingehen. Wer diese grösser Kraft sein wird, weiss noch keiner von uns. VIele von uns werden ihr Kommen aber spüren, so wie man schon an einem eiskalten Februartag den nahenden Frühling spüren kann.“

Zustimmung. Jetzt ist Aufwachzeit. Das spürt jeder, der nicht abgestumpft ist. Deutschland hat die Chance, seine geschichtliche Aufgabe zu erfüllen. Nutzen wir sie!

Seneca

26. September 2017 16:37

Warum sollte das AfD-Gesamtwählerpotential besser durch eine als durch zwei Parteien erschlossen werden können ? Falls ein gemeinsamer Plan der AfD-Spitze dahinter steckt, dann muss dieser nicht dumm sein. "Bewegung" und "revolutionäre Realpolitik" klingen auf dem Papier toll, locken aber in den postmateriellen Gegenwartsverhältnissen einer Parteien-Demokratie kaum jemanden hinter dem Ofen vor. Im Kern geht es aktuell allein darum, ob die aktuell betriebene Einwanderungspolitik gestoppt werden kann. Nicht umgedreht, sondern gestoppt.  Die ausgefransten Ränder der Altparteien kann man mit zwei Parteikonzepten wesentlich besser abgrasen als mit einer neuen Volkspartei ohne Volk. Man braucht für eine relevante Politikänderung nicht 50% + x der "popular vote". Die hat Merkel niemals erreicht und auch kein Trump. 30% zu heben - wie in Sachsen - wäre durchaus auch bundesweit möglich. Und zwar gerade bei Jamaika, da aus "bürgerlich" sehr rasch "neu-bürgerlich" mit Grenzgrün werden dürfte.  

Gotlandfahrer

26. September 2017 19:16

Häutung. Gut und notwendig für's Gedeihen. Weitermachen, alles genau richtig. Im Übrigen ist Amerika ebenfalls am Abgrund, nur wie immer einen Schritt voraus: https://altright.com/2017/09/26/the-left-has-lost-control-of-its-non-white-auxillaries/

Gotlandfahrer

26. September 2017 19:39

Im Übrigen ist Amerika ebenfalls am Abgrund, nur wie immer einen Schritt voraus:

https://altright.com/2017/09/26/the-left-has-lost-control-of-its-non-white-auxillaries/

Solution

26. September 2017 20:27

@ Dietrich Stahl

Eine eiskalte Lageanalyse ist kein Defätismus. Wir können die Realität nicht ignorieren. Sie werden meine Aussage nicht widerlegen können.

Ich kann Sie indes trösten: Ich bin seit 2013 AfD-Mitglied und war auch im Wahlkampf nicht untätig. Selbstverständlich werde ich niemals aufgeben oder jemanden dazu ermuntern.

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