Sezession
10. Oktober 2017

Mit Linken leben

Martin Lichtmesz / 23 Kommentare

Die Idee zu diesem Buch entstand im August/September des letzten Jahres. Damals bat ich die Leser dieses Blogs, von ihren persönlichen Erfahrungen und „Überlebensstrategien in einer polarisierten Gesellschaft“ zu berichten. Die starke Resonanz auf diesen Aufruf überwältigte mich und zeigte mir, wie notwendig es ist, jener Seite der „polarisierten Gesellschaft“ eine Stimme zu geben, die von der herrschenden politischen Klasse und den Meinungsmachern des Mainstreams ignoriert und abgewertet bis bekämpft und dämonisiert wird.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Hinzu kamen unzählige Gespräche und Auseinandersetzungen mit Freund und Feind, eigene Erlebnisse und endlose Lektüren unterschiedlichster Art, von populären Selbsthilferatgebern über Kommentarspalten und schöne Literatur bis zu trockener politischer Theorie. Dabei funktionierten Sommerfeld (die sich gut mit dem "Leben mit Linken" auskennt) und ich über Monate hinweg wie ein einziges synchronisiertes Gehirn.

In einem gewissen Sinne ist Mit Linken leben auch ein Kollektivwerk, ein "Publikumsbuch", an dem im Hintergrund unzählige Beiträger mitgewirkt haben, nicht zuletzt unser hochgeschätztes Kommentariat. Zugleich ist es ein sehr persönliches Buch, in dem wir nach Gusto vermischt und verknüpft haben, was uns gerade besonders gefiel und ansprach (wir haben uns auch den Spaß erlaubt, es mit Insiderwitzen und zwischen den Zeilen versteckten Grüßen an unsere Freunde und Weggefährten anzufüllen).

Es soll all jenen als Leitfaden, Orientierungshilfe und Fundgrube dienen, die sich und ihre Ansichten und Erfahrungen darin wiederfinden, aber auch jene ansprechen, die noch nicht wissen, wo sie stehen und auf welche Seite sie sich schlagen wollen (oder ob sie sich überhaupt auf eine Seite schlagen wollen).

Was erwartet unsere Leser? Teil 1 ist eine Art Lageplan der vielzitierten und -diskutierten politischen "Spaltung" oder "Polarisierung" unserer Länder, die sich nicht zuletzt in den Ergebnissen der Bundestagswahl niedergeschlagen hat und voraussichtlich auch in der kommenden Nationalratswahl in Österreich deutlich auswirken wird.

Wir zeichnen die Konturen der Bruchlinien nach und richten besonderes Augenmerk auf die Frage, was wer warum meint, wenn er von „Rechten“ und „Linken“ spricht – Kategorien, die wir selbst aus mehreren Gründen in einem ziemlich weiten Sinn verwendet haben, wobei wir uns für den schmalen Grat (oder auch das Wechselspiel) zwischen Differenzierung und (polemischer wie pragmatischer) Zuspitzung entschieden haben. Dabei betonen wir, daß fast niemand nur "links" oder "rechts" ist – wir sind alle sozusagen Mixed economy.

Der zweite Teil mit dem Titel "Mit Linken reden" untersucht die politischen, moralischen, weltanschaulichen und psychologischen Voraussetzungen und Grenzen, unter denen Gespräche zwischen Rechten und Linken heute stattfinden – oder meistens eher nicht stattfinden oder auch gar nicht stattfinden können, selbst wenn beide Parteien es wollten.

Besonders wertvolle Schlüssel, die Lage zu verstehen, lieferten uns dabei die Arbeiten des amerikanischen Psychologen Jonathan Haidt. Als Schwerpunkt haben wir verschiedene typische Phrasen und Schlagwörter auseinandergenommen, die von der Linken als diskursive Waffen benutzt werden, darunter Evergreens wie "Haß", "Angst", "völkisch", "Rassismus", "Fremdenfeindlichkeit" oder "Toleranz".

Begriffe dieser Art dienen dazu, bestimmten Sachverhalten und Debatten einen Deutungsrahmen, ein Frame zu geben, wie es in der Kommunikationswissenschaft heißt (Manfred Kleine-Hartlage hat hierzu bereits ein exzellentes ideologiekritisches "Wörterbuch" verfaßt; ein Reframing haben Sommerfeld und ich für das Buchcover inszeniert, wer entdeckt's?)

Die Kontrolle über diese Frames oder Deutungsrahmen (und daran anschließend: Narrative) ist in der politischen und metapolitischen Auseinandersetzung von entscheidender Bedeutung. Eine ernsthafte politische Opposition muß unablässig daran arbeiten, die Begriffe des Gegners zurückzuweisen, zu hinterfragen und durch neue, bessere, die eigene Sache fördernde Begriffe zu ersetzen. Es ist für die Vertreter der AfD nicht nur im Bundestag von entscheidender Bedeutung, diese Aufgabe zu begreifen und zu meistern.

In der "Elefantenrunde" des ARD hat Jörg Meuthen gute Arbeit geleistet, seinen Frame souverän gegenüber den Angriffen des versammelten Kartells zu halten. (Einer der entlarvendsten Kartellmomente war, als die sichtlich um Fassung ringende grüne Geistesriesin Goebbels-Eckardt mit banger Stimme Joachim Herrmann fragte, ob seine Aussage, die CSU müsse "ihre rechte Flanke schließen", keinen Rechtsruck impliziere – was dieser zu ihrer Erleichterung verneinte.)

Das bedeutet konkret, daß man Gummi- und Nebelkanonenbegriffe wie "rassistisch", "rechtsextrem" oder "völkisch", die das Kartell wie selbstverständlich benutzt, nicht nur zurückweist, sondern ihren Gehalt offensiv in Frage stellt.

Zusätzlich weisen wir anhand einiger ausgesuchter Beispiele exemplarisch nach, mit welchen manipulativen und unehrlichen Mitteln die angeblichen Aufklärer gegen „Vorurteile“ oder sogenannte „Stammtischparolen“ arbeiten, wobei sie häufig nicht einmal imstande sind, auch nur die Fakten korrekt wiederzugeben. Die "Ratgeber", die hier kursieren und häufig von der stets einseitigen und unverhohlen parteiischen Bundeszentrale für politische Bildung empfohlen werden, sind streckenweise so einfältig und betriebsblind, daß sie die Grenze zur Unverschämtheit überschreiten.

Ein aktuelles Beispiel findet sich in der FAZ vom 5. 10., wo über eine mit linksextremen Stiftungen zusammenarbeitende Zeitgenossin namens Wiebke Eltze berichtet wird, die sich ein paar schlaue Methoden ausgedacht hat, wie man "populistische Sprüche" kontert. Ich begnüge mich mit einem Zitat, mit dem populistische Muster "entlarvt" werden sollen:

Beispiel 1: Themenhopping. Wenn jemand innerhalb von einer Minute nacheinander die Themen Kriminalität, Gleichberechtigung der Frau, die schwierige Lage an den Schulen und noch den Umweltschutz anschneide, habe man verloren, wenn man auf allen Feldern nach Erwiderungen suche.  [...] Beispiel 2: Der Opferdiskurs mit der Einleitung, „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, als gäbe es systematische Sprach- und Denkverbote, die den Redner als Tabubrecher legitimieren. Beispiel 3: Die Political-Correctness-Keule, „und dann ist man gleich Rassist“. Beispiel 4: Die vermeintlich differenzierte Position „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, aber ...“ Beispiel 5: Rhetorische Untergangsszenarien, das Naturkatastrophengerede von Flut und Wellen, wo es doch eigentlich um Menschen geht.

Als "gäbe" es "Sprach- und Denkverbote", "vermeintlich" differenzierte Positionen, "wo es doch eigentlich um Menschen geht"...  dem geschulten Leser dieses Blogs muß ich den armseligen Clusterfuck aus Wirklichkeitsverdrehungen, Kurzschlüssen und ideologischen Prämissen, die diesen Formulierungen zugrunde liegen, an dieser Stelle wohl nicht näher erläutern. An anderer schon, nämlich in unserem Buch, das Denkweisen, Sprachregelungen und Strategien dieser Art genauer unter die Lupe nimmt.

 An der Wurzel des Konflikts sehen wir vor allem folgende Dinge:

  1. Einen unterschiedlichen Zugang zur Wirklichkeit (eine Haltung, eine Mentalität).
  2. Eine unterschiedliche Wahrnehmung der Wirklichkeit (wir nennen es das „Ich-seh-etwas-was-du-nicht-siehst“-Spiel).
  3. Unterschiedliche moralische Werte und Gewichtungen und
  4. Unterschiedliche konkrete (auch materielle) Interessen, die von der Identität und der Perspektive derer abhängen, die sie vertreten.

Daraus ergeben sich von selbst Fragen nach der Vernunftfähigkeit des Gegenübers, seiner moralischen Integrität, den Interessen, die hinter seiner Schlagwortfassade stehen, sowie seiner psychischen oder psychologischen Verfassung. Die Psychologisierung oder Pathologisierung der sogenannten "populistischen" Positionen ist neben der allseits beliebten "Entlarvungs"-Rhetorik ein weiterer Aspekt der "Polarisierung", der uns praktisch tagtäglich begegnet (von der "Macke" der "Abgehängten" bis zur "Therapie gegen Rechts").

Dieselben Leute, die jegliche Abweichung von der linken Doktrin mit irrationalem "Haß" und ebenso irrationaler "Angst" sowie anderen psychischen Schäden erklären ("Reinheitswahn", "Paranoia") erklären, jaulen auf, wenn mal jemand wie Jürgen Fritz den Spieß umdreht. Dies mit nicht geringem Recht – weshalb wir ein Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz aufgestellt haben (mehr dazu im Buch).

Aus der Psychologie haben wir auch den Begriff des Gaslighting als Metapher übernommen, der gut paßt, wenn das „Ich-seh-etwas-was-du-nicht-siehst“-Spiel zur gezielten „Was-du-siehst-exisitiert-gar-nicht“- bzw. "Du-siehst-nur-was-du-siehst-weil-du-ein-pathologisch-gestörter-Rechter-bist"-Manipulation wird, wie sie von der Lügen-, Lücken- und Lumpenpresse tagtäglich betrieben wird.

Ein typisches Beispiel habe ich neulich auf Twitter gesichtet: Als Marc Felix Serrao in einem Artikel der NZZ von "tonangebenden Milieus" sprach, wurde er (ausgerechnet) von Nils Minkmar mit den Worten angepflaumt: "Es gibt keine tonangebenden Milieus. Der ganze Text ist rechter Quatsch. Sie sollten sich schämen!" (ein Beschämungston, in dem man einen klitzekleinen performativen Selbstwiderspruch entdecken mag)

Zwischen mir und Minkmar kam es daraufhin zu einem aufschlußreichen Dramolett, dessen wesentliche Akte ich hier und hier dokumentiert habe. Ein weiteres Beispiel zwitscherte die nicht minder perfide Sawsan Chebli: "AfD-Chef Meuthen sieht nur vereinzelt Deutsche. Vielleicht sollte er mal zum Therapeuten."

Unser Buch hilft, diese Muster zu erkennen und zu benennen.

Der titelgebende dritte Teil "Mit Linken leben" schließlich ist eine Art Verhaltenslehre und handelt vom alltäglichen Leben mit Linken (oder genauer: mit der linken Ideologie) in Familie, sozialem Umfeld, Arbeitsplatz usw., über den "Bürgerkrieg" im Kleinen bzw. über all die Spagate und Strategien, ihn zu vermeiden und trotzdem miteinander zu leben, ohne sich die Birnen einzuschlagen oder außerpolitische Bindungen und Verantwortlichkeiten zu lösen. Auch hier fand sich neulich bei Maischberger eine Geschichte über ein Politikerpaar, das jeweils in AfD und SPD tätig ist und sich bis dato trotzdem nicht getrennt hat:

Das politisch unkonventionelle Ehepaar nahm an Sandra Maischbergers Talk zum Thema „Tage der Uneinheit – ist Deutschland gespalten?“ teil und berichtete von den Attacken, denen es sich ausgesetzt sieht. Das Auto wurde demoliert, die Hausfassade beschmiert. Sie habe sich zwar nur bedingt bedroht gefühlt, aber „ganz viel Wut“ empfunden, beschrieb Kerstin Hansen ihre Gefühle nach den Angriffen.

Auseinanderbringen lassen sich die seit über einem Jahrzehnt verheirateten Partner aber weder von solchen Feindseligkeiten, noch von ihren politischen Differenzen. „Wir diskutieren tatsächlich sehr viel“, so die gebürtige Oberfränkin über den Richtungsstreit im eigenen Heim.

In diesem Teil finden sich unter anderem ein ausführliches linkes Bestiarum (welche Arten von Linken gibt es, und wie geht man mit ihnen um?), Abhandlungen über Freundschaft, Familie, "linke und rechte Migranten", Cucks und Neue-Rechte-Groupies sowie Tips für die patriotische Partnersuche (patriotship.de) und die Probleme, die letztere mit sich bringt.

Bestimmendes Thema dieses Kapitels ist die neben dem Framing der politischen Begriffe zweiten großen Waffe "gegen Rechts", die noch gründlicher wirkt: die Androhung der sozialen Abwertung und Exkommunikation. Dieser soziale Druck und die Angst vor Ausschluß und Stigmatisierung ist das eigentliche große Machtmittel der Wächter des Status quo und der Hegemonie linker, egalitärer und globalistischer Ideen.

Gegen beides – die Macht der Begriffe und die Macht des sozialen Drucks – liefert unser Buch reichlich Munition. Soweit es uns bekannt ist, ist es das erste seiner Art in deutscher Sprache. Angesichts der pilzartig wuchernden Publikationen gegen "Rechtspopulismus" und die artverwandte Fauna und Flora (in der Regel im Stil von Sündenbock- und Dolchstoßlegenden verfaßt, in denen rechte Schurken aus purer Boshaftigkeit das „soziale Klima vergiften“ und die heile, bunte, liberale, beste aller Welten sabotieren und „spalten“) wollen wir diesen uns ein wenig eintönig dünkenden Diskurs um etwas Vielfalt bereichern und einen Beitrag leisten, den „Rechtspopulismus“, die „Neue Rechte“, ja die politische Rechte insgesamt zu stärken und argumentativ zu wappnen.

Dabei haben wir uns immer wieder bemüht, den Gegner zu verstehen und zwischen der Sünde und dem Sünder zu unterscheiden (also die ideologische und menschliche oder zwischenmenschliche Ebene voneinander zu trennen). Wir müssen mit Linken leben, und sie mit uns. So schnell werden wir einander nicht los. Bei allem, was uns an Sozialisationen, Erfahrungen, Mentalitäten, Lektüren individuell oder im Kohortenschnitt unterscheidet: Wir leben im selben Land, sprechen dieselbe Sprache, haben dieselbe Herkunft, lesen dieselben Zeitungen, konsumieren dieselben Dinge, schicken unsere Kinder auf dieselben Schulen, teilen ein übergeordnetes historisches Schicksal.

Wir sitzen im selben Boot, aber wir führen heute eine fatale Diskussion über zunehmend absurde Fragen: Ob es das Boot "gibt" oder bloß ein "Konstrukt" ist, ob Wasser "bereichert", ob man Lecks "abschotten" muß (oder auch nur darf) oder ob sie ein Zeichen von "Weltoffenheit" sind, ob es passagiermäßig überfüllt ist, ob Piraten und Meuterer an Bord sind, unter welcher Flagge es segeln, welchen Hafen es ansteuern und wer der Kapitän sein soll.

Wir glauben dabei nicht, daß Verständigung – wenn überhaupt – durch salbungsvolle Absichtserklärungen und geheuchelte Neutralitätsbekundungen ermöglicht wird, sondern im Gegenteil eher durch dezidierte Positionierung und Grenzziehung. Wenn der Abstand einmal ausgemessen ist, kann man vielleicht tatsächlich einen Modus vivendi oder, Gott befohlen, gar einen Vernunftkonsens im gemeinsamen Interesse finden.

Das soll allerdings nicht allzu versöhnlich klingen. Wir sind überzeugt, daß unsere Positionen die fundierteren, realistischeren, moralischeren und vernünftigeren sind: Rechts ist richtig, links ist giftig. Dieses Buch versteht sich also auch als Manifest eines Paradigmenwechsels, einer tektonischen Verschiebung, die wir nach Kräften fördern wollen.

Im letzten Abschnitt des Buches haben wir schließlich eine Art "Tugendkatalog" für Rechte skizziert. Denn auch das rechte und richtige Leben will gelernt sein!

–––––

Martin Lichtmesz u. Caroline Sommerfeld: Mit Linken leben, Schnellroda 2017. 336 Seiten, 18 Euro – hier einsehen und bestellen!


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (23)

Nautilus
10. Oktober 2017 19:03

Ein sicherlich wichtiges Buch wie ich denke. Ich persönlich habe keine linken Freunde mehr. Ich tue mir das nicht mehr an, den man kommt ja immer irgendwie auf Politik zu sprechen.  Was aber wichtig wäre ist, daß jeder Politiker der AFD ein solches Buch auf den Schreibtisch bekommt. Mit Sicherheit haben auch viele noch nie was von Metapolitik und ähnlichen gehört. Das ist aber dringend zu empfehlen. Ich hoffe, daß dieses Buch ein großer Erfolg wird.

Gotlandfahrer
10. Oktober 2017 19:59

 Es sind Artikel und Bücher wie diese hier, weswegen ich Eure Seite LIEBE!  "Clusterfuck" - meine Tochter würde sagen: "Epic!" - You made my day! Buch wird gekauft, danke für die Arbeit!

Solution
10. Oktober 2017 19:59

Meine persönliche Erfahrung hat mich gelehrt, daß es keinerlei Gemeinsamkeit mit Linken geben kann. 

Monika L.
10. Oktober 2017 20:04

Nach Jahrzehnten unter alten , kirchlichen und neuen Linken lechze ich nur noch nach einem '  Vernunftkonsens im gemeinsamen Interesse '. Jeder, der eingefahrene Denkweisen aufbricht, sei gepriesen. Etwa, wenn aus einer Massenimmigration eine Massendeportation wird: https://www.heise.de/tp/features/Massenimmigration-bedeutet-Massendeportation-3549729.html Und natürlich warte ich gespannt auf das Buch. Schön, mal wieder was von Ihnen zu lesen !

cnahr
10. Oktober 2017 20:41

Das Buch ist bereits vorbestellt! Nun muss ich allerdings meinen anti-österreichischen Rassismus ausleben. „Ich-seh-etwas-was-du-nicht-siehst“ ist korrekt reichsdeutsch formuliert “ich sehe was, was du nicht siehst.” Vorbedingung für großdeutsche Wiedervereinigung!

Leser
10. Oktober 2017 21:49

An Politiker oder andere Berufslinke braucht man diese Perlen wohl nicht verschwenden. Und "keine linken Freunde mehr" wäre mir zu apodiktisch. Viele (wohl die Mehrheit) möchten von denen "da oben" eigentlich nur in Ruhe gelassen werden, reden vieles gedankenlos nach (Klimawandel, Energiewende, Rechtsextremismus ...), sind aber ansprechbar. Vielleicht nur mit schlichten Fragen, Vergleichen ... geistigen Widerhaken?

E.
10. Oktober 2017 22:04

Ich war selten auf eine neue Buchveröffentlichung so gespannt, wie auf dieses Buch. Es muss jeden Tag bei mir eintreffen und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Wenn es mir - womit ich rechne - gefällt, wird dies mein Weihnachtspräsent für einige mir Nahestehende werden.... Nicht zuletzt die zahlreichen Kommentare in dem eingangs erwähnten Sezessions-Blogeintrag im letzten Jahr zeigten, wie viele von "uns" das Thema umtreibt: Linke sind gewohnt darin, Herrschaft um Begriffe zu erobern, um damit dann den Diskurs in ihrem Sinne zu steuern und zu bestimmen (z. B. Begriffe wie "Waldsterben", "Biodeutsche", "Energiewende", "Flüchtlinge", "Migranten", "Rechte", "Rechtspopulisten", "krude Thesen" etc. etc.). Umgekehrt sollten wir alles dafür tun, den Begriff "rechts" positiv zu besetzen: "rechts" ist nicht "rechtsextrem", sondern eine völlig legitime national- und wertkonservative Variante im demokratisch legitimierten Meinungsspektrum.

Martin Himstedt
10. Oktober 2017 22:56

Bin gespannt, ob irgendwas von meinen Ausführungen verwurstet wurde.

Leo
10. Oktober 2017 23:32

Ja, auch ich war schon bei der ersten Ankündigung dieses Buches elektrisiert. Lichtmesz lesen, Sommerfeld lesen: Schön und gut- - aber das dann auch noch nicht nur in einem, sondern einem gemeinsam(?!) geschriebenen Buch: das MUSS ja was sein...! Mit Linken leben läßt sich m.E. überhaupt nicht vermeiden, wenn man in einer deutschen Großstadt lebt. Offensiv damit umgehen ist sinnvoller als apodiktische Gesprächsverweigerung: Die soll doch - wenn schon, denn schon - von linker Seite kommen. (Und kommt ja auch, oft genug. Nun denn: An mir hat's nicht gelegen---.) Aber viele Neuzugänge nach Rechts kommen von Ex-Linken. Mit Gesprächsangeboten kommt der eine oder andere vielleicht etwas eher. (Bewegung in die umgekehrte Richtung ist nicht der Trend dieser Zehner Jahre, oder?!?) Ich freue mich auf das Buch! Das einzige, was mich ärgert: Kann leider nicht in Frankfurt zur Antaios-Buchvorstellung kommen (mit Blick auf die Kahane-Stiftung - wie reizend!), da ich an diesem Wochenende mit (vornehmlichen?/vermeintlichen? Noch-)Linken singe... Und mir gewiß bin: Die (eventuelle, ich weiß!) Querfront von morgen gibt es garantiert nur, wenn weiter von rechts die Plätze angewärmt werden...

silberzunge
11. Oktober 2017 00:28

Auf das Buch freue ich mich ganz besonders, ein absoluter Pflichtkauf. Selbstredend kann man mit jenen, die unsere Lebensgrundlagen zerstört haben und weiter munter zerstören, niemals auf einen grünen Zweig kommen - außer man verkauft sich selbst. Ein aktuelles, persönliches Beispiel. Hochschule, Thema "Feminismus/Gendern" etc. Ungläubiges Lachen reicht als Provokation. Ob ich mit meiner Position als Mann unzufrieden sei. Dass, geradeheraus gesagt, Gendern ein Blödsinn sei, zieht Unverständnis nach sich. Der Versuch, ferner zu erklären, dass der Quoten-Feminismus eine Vermännlichung der Frau bedinge, da es nun einmal heiße, 60 Stunden zu arbeiten, zu dominieren und hart zu sein, kaum verträglich zu sein scheint mit einer weiteren Rolle als fürsorgliche Mutter und Partnerin, schafft rauchende Köpfe. A-Aber es hänge an den Rollenbildern, schließlich gebe es irrsinnig gute Männer als Mütter und Frauen als Väter. Ein Mann könne ein guter Vater und eine Frau eine gute Mutter sein, gilt in so einem Zusammenhang nicht als Antwort; die intendierte Provokation wird nicht einmal als solche wahrgenommen. Stattdessen ergeht man sich in einen weiteren Vorwurf, wonach doch Frauen nach wie vor von Männern behindert würden. Etwas, was nicht ernstzunehmen und nur mit dem fassungslos zur Kenntnis genommenen Hinweis zu beantworten ist, dass heute Frauen am Sessel anderer Frauen sägen, da es sich Männer in unseren Breiten ohnehin nicht mehr trauen, zu dem Thema Stellung zu beziehen. Nach einem kurzen thematischen Bruch, vollendet durch die Einnahme eines Sitzplatzes (mal durchschnaufen), ging es plötzlich um die Gender-Beauftragten und deren Macht in Bezug auf Prüfungen, Arbeiten und dergleichen. Der Frage, ob es nicht unendlich schwierig sei, heute mit ausreichend Sensibilität auf alle Leser und Studenten einzugehen, wenn man bedenkt, dass sich man es mit - je nach Definition - 27 fluiden Identitäten zu tun haben könnte, wurde mit ernsthaftem Grübeln begegnet (der Cis-Fascho könnte Recht haben). Das Grübeln ging jedoch bald in den Wunsch nach mehr Sachlichkeit über, als plötzlich im Raum stand, dass sich jemand als Lampenschirm definieren könne und ebenfalls angesprochen werden müsse. Damit, dass der grüne Zweig in dieser Sache nicht in Reichweite sei, wurde fast elegant versucht, die Sache zu beenden. Ein hantiges Nein, ganz sicher nicht führte zu geräuschlosem Starren.

cso
11. Oktober 2017 00:50

 Ich wollte Lichtmesz eigentlich nicht mehr lesen, weil er mich meistens depressiv und hoffnungslos zurückgelassen hat.

M.L.: Sorry, war nicht Absicht.

Aber dieses Buch ist gekauft - wenigstens drei mal. Wann darf ich vorbestellen?

M.L: Jetzt!

Der_Jürgen
11. Oktober 2017 00:58

Wehe! Man hatte gehofft, von dem fremdenfeindlichen und xenophoben Ausländerhasser Martin Lichtmesz nichts mehr lesen zu müssen, doch nun erweist sich: Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das kroch! Unter zynischer Ausnutzung der Unwissenheit und der dumpfen Ressentiments jener sexuell frustrierten Modernisierungsverlierer, welche die Leserschaft des rechtsradikalen Blogs "Sezession" bilden, suggeriert Lichtmesz verleumderisch, es gebe in Deutschland "Denkverbote", und die Rechten würden diskriminiert. Die braune Liesel kennt man am Geläut! Das von Lichtmesz, der bei Götz Kubitscheks völkisch-reaktionärem Kleinstverlag "Antaios" publiziert, gemeinsam mit der rechtsradikalen Demagogin Caroline Sommerfeld verfasste Machwerk "Mit Linken leben" ist ein weiterer, hoffentlich vergeblicher Versuch, sozial benachteiligte Deutsche gegen die Ärmsten der Armen, die Flüchtlinge, aufzuhetzen und hierdurch eine gemeinsame Front der Unterdrücken gegen as Kapital und seine ultrarechten Handlanger zu verhindern. Wer, wie Lichtmesz und Sommerfeld, Menschen nach ihrer Hautfarbe beurteilt und mit kruden Stammtischparolen operiert, um sein menschenverachtendes Weltbild zu propagieren, schliesst sich selbst von jeder Debatte unter Demokraten aus. Engstirniger völkischer Nationalismus, die paranoide Vorstellung von einem angeblichen "Grossen Austausch",  krude Verschwörungstheorien, billige Stimmungsmache gegen Flüchtlinge, wüste Hetze gegen  AntifaschistInnen, Schwule, Lesben, Transvestiten und andere fortschrittlich gesinnte Menschen - all das gehört zum Instrumentarium dieser braunen Rattenfänger. Es bleibt nur zu hoffen, dass der Verfassungsschutz diesen DemagogInnen, die ihre faschistische Gesinnung kaum noch zu verbrämen versuchen, schon bald das Handwerk legen wird. Denn: Faschismus ist keine Meinung; Faschismus ist ein Verbrechen!  Keine Toleranz für die Feinde der Toleranz!

M.L.: Haha, perfekt!

lohengrin
11. Oktober 2017 08:37

@ Der_Jürgen : Danke für die hervorragende Rezension, die mir den letzten Anstoß zum Kauf des " Machwerks" gegeben hat...:)

Neffe Mannheims
11. Oktober 2017 19:47

Buch ist heute angekommen, danke! No border, no order.

Rüdiger Plantiko
12. Oktober 2017 00:23

Witzig: fast zeitgleich erscheint aus dem Lager der Gegner: "Mit Rechten reden - ein Leitfaden" von Zorn et al. Die Ankündigung liest sich ja gar nicht so übel, als Lobpreis politischer Streitkultur. Ich befürchte trotzdem den üblichen verdrehten Inhalt, man wird z.B  sicher etwas über "verkappte Nazis" lesen, die sich "demokratisch geben", und wie man sie enttarnt, usw. https://books.google.ch/books/about/Mit_Rechten_reden.html?id=2d-_DgAAQBAJ&redir_esc=y

Cacatum non est pictum
12. Oktober 2017 01:34

@silberzunge

Netter Bericht aus dem Irrgarten des deutschen Hochschulwahnsinns. Da haben Sie die Debattenteilnehmer ja schön mit deren eigenen Waffen geschlagen. Haben in der Diskussionsrunde eigentlich auch Männer Pro-Gender-Positionen bezogen?

Monika L.
12. Oktober 2017 11:20

Die grauen Herren und die lady in red :

https://pbs.twimg.com/media/DL4am90W0AAH7lJ.jpg:large

Rüdiger Plantiko
12. Oktober 2017 14:47

@Monika L.  " https://pbs.twimg.com/media/DL4am90W0AAH7lJ.jpg:large "

Mit diesen Schildtexten kann ich der [im Original natürlich unverschämten] "Demo" etwas abgewinnen :-) (Nur "Einfalt statt Vielfalt" ist nicht mehr nachvollziehbar, denn gerade die Einfältigen sind es ja, die immer mit dem "Vielfalt" auf den Lippen herumlaufen...  ein orwellsches "Vielfalt ist Einfalt" wäre evtl. passender gewesen) Statt da so eine lächerliche "Demo" abzuziehen, könnte man ja auch einfach sagen, womit man nicht einverstanden ist und in ein Gespräch kommen. Oder sind die Herrschenden damit überfordert? Können sie sich den Diskursverzicht heute immer noch erlauben und sich einfach darauf beschränken, ihre Vorherrschaft symbolisch zu markieren? So wie ein Affenmännchen ein Männchen niederen Rangs symbolisch zureitet, um seine Herrschaft, seinen höheren Rang klarzustellen?

silberzunge
12. Oktober 2017 20:12

@ Cacatum non est pictum

Ich war der einzige Mann in dem Seminar. Von den weiblichen Teilnehmern, die nicht sehr zahlreich waren (es handelte sich aber nicht um ein Gender-Seminar, nebenbei gesagt), gab es sogar eine öffentlich kundgetane Zustimmung.

mwiz11
12. Oktober 2017 23:24

Das Buch habe ich noch nicht gelesen, heute wird bestellt. Ich bin gespannt. Danke @Der_Juergen für die wunderbare Glosse, die Rezension aus der SZ "Er predigt den Austausch, sie marschiert auf Fackelzügen" wie ein Derivat davon, leicht abgemildert. Merken diese Feuilletonisten eigentlich noch, wie plump ihre Meinungsmache ist ? Wie durschschaubar und vorgefertigt ihre Analysen wirken ? Der Durchschnittsleser der SZ wird das wohl nicht zur Kenntnis nehmen. Zum Abschluss meines Kommentars möchte ich noch denen widersprechen, die einen grundsätzlichen Diskurs mit Linken ablehnen. Sie mögen ihre persönlichen Gründe haben, ich habe zumindest diese nicht. Diese Einstellung resultiert auch aus meiner "linksgrünen" Vergangenheit. Themen wie "Energie/Ressourcen" / "Klimawandel" / "Überbevölkerung" / "Industrie 4.0, künstliche Intellgenz" / "Neoliberalismus, Turbokapitalismus" - da stelle ich mir durchaus Berührungspunkte zwischen einer links-grünen und einer konservativ-rechten Sicht vor.

E.
13. Oktober 2017 22:55

Das vorbestellte Buch "Mit Linken leben" im Doppelpack mit "Das andere Deutschland - Neun Typen" (und samt der Neuauflage von "Warum ich kein Linker mehr bin") wartete heute nach Feierabend im Antaios-Paket vor meiner Wohnungstür. Endlich heute erhalten, das Wochenende gerettet!

Katzbach
14. Oktober 2017 00:38

Etwas schade,  dass Links/Rechts Klischee weiter zu untermauert . Wie wäre eine Einteilung in Menschen mit Kultur und gutem Benehmen und in die, die darauf weniger Wert legen? Gutes Benehmen scheint zum Auslaufmodel zu werden. Etwas erstaunlich auch die neuen Sitten auf einer Buchmesse, die man eher im Zusammenhang mit Hooligans kolportieren würde.

Martin Himstedt
14. Oktober 2017 13:37

Heute morgen, beim scrollen durch Twitter, viel mir eine „Taktik“ auf, der ich selbst schon oft aufgesessen bin . Am ehesten scheint mir das unter „Virtue signaling“ zu fallen, aber so ganz passt das auch nicht:

Paula: „Wir wollen keine Plätze in Führungsetagen gequotelt bekommen,die erarbeiten wir uns selber!Was wir brauchen ist Sicherheit im öffentl.Raum!“

@msoneasone: „Was wir brauchen? Das kannst du doch überhaupt nicht wissen! Ist überheblich u. dumm sich einzubilden, zu wissen was alle Menschen brauchen.“

– das ist natürlich schon auf den ersten Blick reichlich perfide, so zu argumentieren.

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