Frankfurter Buchmesse: Opfer- und Tätermythen der Linken

Im folgenden werde ich mich einem linken Mythos widmen, der nach dem Eklat auf der Frankfurter Buchmesse wieder einmal zur Schadensbegrenzung aufgefahren wurde.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Ich mei­ne den lei­di­gen Mythos vom “rech­ten Opfermythos”.

Ich wer­de auf­zei­gen, wel­che Funk­ti­on er im Nar­ra­tiv unse­rer Geg­ner hat.

Die “Fake-News”- und Des­in­for­ma­ti­ons­or­gi­en der letz­ten Tage hat­ten ein ein­zi­ges Ziel: Über die pein­li­che Tat­sa­che hin­weg­zu­täu­schen, daß der viel­dis­ku­tier­te Buchmessen-“Tumult” von Sams­tag abend auf das allei­ni­ge Kon­to der Lin­ken ging, die die Ver­an­stal­tung des Ver­lags Antai­os gezielt nie­der­brüll­ten.

Es han­del­te sich objek­tiv um kei­nen “Zusam­men­prall” zwi­schen Rech­ten und Lin­ken, an dem bei­de Sei­ten glei­cher­ma­ßen schuld waren. Die Lin­ke trat als Aggres­sor gegen eine ord­nungs­ge­mä­ße rech­te Ver­an­stal­tung auf; alles ande­re ergab sich aus die­ser Tat­sa­che. Der Stö­rung waren nächt­li­che Angrif­fe auf die Stän­de der Ver­la­ge Antaios/Sezes­si­on und Manuscriptum/Tumult vor­an­ge­gan­gen, in deren Ver­lauf dut­zen­de Bücher beschä­digt und gestoh­len wor­den waren, was der Mes­se­lei­tung und den Ver­an­stal­tern, die ihr Podi­um mit dem Mot­to “Für das Wort und die Frei­heit” (in Char­lie-Heb­do-Let­tern) geschmückt hat­ten, kein ein­zi­ges Ster­bens­wört­chen wert war.

Hier hat Jas­min Kosub­ek die Geschich­te tref­fend zusam­men­ge­faßt; auch die­se an den deut­schen Bör­sen­ver­ein gerich­te­te Online-Peti­ti­on (Erst­un­ter­zeich­ner u.a. Uwe Tell­kamp, Par­viz Amo­gh­li, Jörg Fried­rich, Micha­el Klo­n­ovs­ky, Vera Lengs­feld, Hans-Joa­chim Maaz, Mat­thi­as Matu­s­sek, Hei­mo Schwilk, Ulrich Schacht, Alex­an­der Wendt…) fin­det deut­li­che (und inzwi­schen von Open Peti­ti­on monier­te) Worte:

Die Vor­komm­nis­se auf der dies­jäh­ri­gen Frank­fur­ter Buch­mes­se machen deut­lich, wie wider­sprüch­lich es in unse­rem Land zugeht: wie unter dem Begriff der Tole­ranz Into­le­ranz gelebt, wie zum schein­ba­ren Schutz der Demo­kra­tie die Mei­nungs­frei­heit aus­ge­höhlt wird. Wenn ein Bran­chen-Dach­ver­band wie der Bör­sen­ver­ein des Deut­schen Buch­han­dels, der Buch­hand­lun­gen und Ver­la­ge ver­eint, dar­über befin­det, was als Mei­nung inner­halb des Gesin­nungs­kor­ri­dors akzep­tiert wird und was nicht, wenn gar zu »akti­ver Aus­ein­an­der­set­zung« mit miss­lie­bi­gen Ver­la­gen unter Nen­nung ihrer Stand­num­mer auf­ge­ru­fen wird und die­se dann im »Kampf gegen Rechts« beschä­digt und aus­ge­räumt wer­den – dann ist unse­re Gesell­schaft nicht mehr weit von einer Gesin­nungs­dik­ta­tur ent­fernt. Die Vor­komm­nis­se auf der Frank­fur­ter Buch­mes­se, auf der Stän­de von Ver­la­gen, deren pro­gram­ma­ti­sche Aus­rich­tung der Bör­sen­ver­ein vor­ab als nicht gut­zu­hei­ßen­des »Gedan­ken­gut« dekla­rier­te, zer­stört wur­den, pas­sen nicht zu einer offe­nen und tole­ran­ten Gesell­schaft und sind eines frei­en Geis­tes­le­bens unwürdig.

In der Wie­ner Pres­se schrieb Anne-Cathe­ri­ne Simon, die Ver­an­stal­ter der Buch­mes­se hät­ten eine “erbärm­li­che Rol­le gespielt”:

Nie wären die Zusam­men­stö­ße so aus­geufert, und nie hät­ten die Betei­lig­ten sol­che Auf­merk­sam­keit erhal­ten, hät­te die Lei­tung der Buch­mes­se klar argu­men­tiert und agiert. Statt­des­sen hat sie seit der begin­nen­den Dis­kus­si­on über die Prä­senz rechts­rech­ter Ver­la­ge wie schi­zo­phren laviert.

Mit Ver­weis auf die Mei­nungs­frei­heit hat­te Jür­gen Boos, der Direk­tor der Buch­mes­se, vor deren Beginn Pro­tes­te gegen den Auf­tritt des Antai­os Ver­lags zurück­ge­wie­sen. Zugleich jedoch war die lin­ke Ama­deu-Stif­tung aus­drück­lich als Auf­pas­ser bestellt wor­den: Sie bekam einen Gra­tis­stand schräg gegen­über. „Schön für uns“ – so Stif­tungs­spre­cher Robert Lüdecke zur „Pres­se“. Alex­an­der Ski­pis, Geschäfts­füh­rer des Bör­sen­ver­eins des Deut­schen Buch­han­dels, nahm an einer Demons­tra­ti­on vor dem Antai­os-Stand teil. Am Sams­tag­abend schließ­lich konn­te man sehen, wie Mes­se­di­rek­tor Jür­gen Boos im Gegrö­le unfass­bar lang her­um­stand, ohne ein­zu­grei­fen. Bis der Auf­tritt der zwei Iden­ti­tä­ren aus Zeit­grün­den nicht mehr statt­fin­den konnte.

In der Tat, hät­ten Boos oder Alex­an­der Ski­pis, der Geschäfts­füh­rer des Bör­sen­ver­eins, ein ernst­haf­tes Inter­es­se für “Mei­nungs­frei­heit” und “das Wort und die Frei­heit” abseits from­mer Posen gehabt, wäre es nichts weni­ger als ihre Pflicht gewe­sen, sich in die­sem Moment für ihre heh­ren Absich­ten in die Bre­sche zu schla­gen, sich mit Antai­os für soli­da­risch zu erklä­ren und von den Anti­fa-Demons­tran­ten Ruhe ein­zu­for­dern. Ski­pis zog es statt­des­sen vor, eine Par­ty zu fei­ern, auf der selbst­ge­fäl­li­ge Reden geschwun­gen wur­den, wäh­rend Boos sich schlicht­weg skan­da­lös verhielt.

Kubit­schek schrieb:

Die Mes­se­lei­tung war mit Chef Boos samt Beleg­schaft sehr rasch vor Ort und ließ trotz mehr­ma­li­ger Auf­for­de­rung mei­ner­seits die Stö­rer gewäh­ren. Wört­lich sagt mir Boos, daß er die Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit der Stö­rer eben­so hoch gewich­te wie unse­re Lesung im Rah­men unse­res bezahl­ten Forums. Man habe zum enga­gier­ten Umgang mit uns auf­ge­ru­fen, nun sei das eben so, und letzt­lich sei­en wir dafür verantwortlich.

Eine ange­mel­de­te, bezahl­te Ver­an­stal­tung nie­der­zu­brül­len, damit sie abge­bro­chen wer­den muß, ist in Boos’ Augen also “Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit”, die respek­tiert wer­den muß, scheiß­egal, ob damit die Mei­nungs­äu­ße­rungs­frei­heit ande­rer abge­würgt wird.

Das ent­spricht ziem­lich genau der Logik des zum Inter­net-Mem gewor­de­nen Social-Jus­ti­ce-War­ri­or-Mons­ters “Trig­gly­puff”,  eine opu­len­te Dame, die einen Vor­trag der femi­nis­mus­kri­ti­schen Phi­lo­so­phin Chris­ti­na Hoff Som­mers, den sie als “Haß­re­de” bezeich­ne­te, mit lau­tem Geplärr und Beschimp­fun­gen (“Fuck you!”) stör­te. Als man sie zur Ord­nung rief, kreisch­te sie: “But this is free speech!” (also ihr eige­nes infan­ti­les Gebrüll aus den Publi­kums­rei­hen), wäh­rend Som­mers “Hate Speech” sofort been­det wer­den und sie vom Cam­pus gejagt müsse.

Zu einer effek­ti­ven Brüll­mas­se aus Trig­gly­puffs addiert, dach­te und ver­hielt sich die Anti­fa am Sams­tag­abend nicht anders, offen­bar mit der ideel­len Unter­stüt­zung von Boos.

Neben­bei bestä­tig­te er, daß dies tat­säch­lich die Geis­ter waren, die er selbst geru­fen hat­te. Ihre Aggres­si­on hat­te sich indes auch gegen eine Dame von der Mes­se­lei­tung gerich­tet, die ver­such­te, zur Ruhe zu rufen, und eben­falls von der Anti­fa (und ich beto­ne: nur von der Anti­fa) nie­der­ge­schrie­en wur­de. In die­sem Moment fie­len den Bie­der­män­nern die Brand­stif­ter, die sie selbst geru­fen hat­ten, auf den eige­nen Kopf. So kommt es, wenn sich die soge­nann­te bür­ger­li­che Mit­te mit­hil­fe von Extre­mis­ten gegen Kri­tik abschir­men will!

Ein­deu­tig äußer­te sich auch Kath­rin Grün von der Messeleitung:

Da waren Grup­pie­run­gen, z. B. die Anti­fa, die die­se Ver­an­stal­tung gestört haben, sie haben geschrien und ver­bal provoziert.

Und zu ihrer sonst eher spär­lich vor­han­de­nen Ehre sei ange­merkt, daß sogar Lia­ne Bed­narz noch am sel­ben Abend in unmiß­ver­ständ­li­chen Wor­ten schil­der­te, was sich zuge­tra­gen hatte.

Zum Lehr­stück in Sachen “Lücken­pres­se” geriet die Repor­ta­ge, die 3sat über den Buch­mes­se­ne­klat aus­strahl­te. Da das Kame­ra­team stän­dig in unse­rer Nähe war und einen pri­vi­le­gier­ten Zugang genoß, kann ich sehr gut sagen, was alles gefilmt wur­de, aber nicht in dem fer­ti­gen Film lan­de­te. Es ist über­aus bezeich­nend, wel­che Auf­nah­men dabei der Sche­re zum Opfer gefal­len sind. Die Lücken zei­gen deut­lich, wel­ches Nar­ra­tiv die Mei­nungs­ma­cher von 3sat uns ser­vie­ren wol­len und wel­che Tat­sa­chen die­ses (natür­lich links­dre­hen­de) Nar­ra­tiv stören.

Da gab es etwa eine slap­stick­ar­ti­ge Sze­ne, in wel­cher der so über­aus mutig “für das Wort und die Frei­heit” ein­tre­ten­de Herr Ski­pis die Flucht vor Kubit­schek und Kositza ergreift, die dar­auf insis­tie­ren, end­lich sein in Gegen­wart von Zeu­gen gege­be­nes Ver­spre­chen eines Gesprächs ein­zu­lö­sen. Die wesent­li­che Lücke klafft ab Minu­te 18:45. Zuvor wur­de nicht nur ver­schwie­gen, daß Björn Höckes Auf­tritt im Rah­men unse­rer Buch­prä­sen­ta­ti­on erfolgt war, son­dern auch, daß bereits die­se mit mas­si­ven Schrei­kon­zer­ten gestört wor­den war, die wir aller­dings erfolg­reich abweh­ren konnten.

Hier kann man die­se von 3sat vor­ent­hal­te­nen Sze­nen sehen. Über den Sprech­ch­oran­griff auf Mar­tin Sell­ners und Mario Mül­lers Auf­tritt wischt der Film has­tig hin­weg. Man sieht und hört nicht, was exakt geschah, und wei­te­re Fra­gen über Roß und Rei­ter wer­den mit dem Kom­men­tar “Eine wei­te­re Ver­an­stal­tung kann nicht mehr statt­fin­den. Der Abend endet im Cha­os.” vernebelt.

Wenn dann auf das Geran­gel zwi­schen Kubit­schek und Boos geschnit­ten wird, fehlt jeg­li­cher Kon­text für die­se Sze­ne. “Gebrüll statt Gedan­ken”, so der Kom­men­tar, wäh­rend “Schan­de, Schan­de!” Rich­tung Boos skan­diert wird. Das hät­te wohl wesent­lich bes­ser zu der Stel­le gepaßt, an der Sell­ner und Mül­ler mit “Halt-die-Fresse!”-Chören bedacht wur­den (hier ab Minu­te 3:00).

Noch unver­schäm­ter und irre­füh­ren­der der Fol­ge­kom­men­tar: “Die neu­en Rech­ten haben die Büh­ne besetzt.” Nein, wir haben kei­ne Büh­ne “besetzt”. Das muß­ten wir nicht, weil wir schon recht­mä­ßig dort waren, weil das unse­re Büh­ne war. Wir hat­ten, wie jeder ande­re Mes­se­teil­neh­mer auch, für die­se Büh­ne eine ordent­li­che Sum­me Geld bezahlt, wir wei­ger­ten uns, dem Druck zu wei­chen, und bestan­den auf der recht­mä­ßi­gen Durch­füh­rung unse­rer Veranstaltung.

Eini­ge Lücken betref­fen auch mich. Som­mer­feld und ich wur­den über eine Stun­de lang aus­führ­lich zu unse­rem Buch Mit Lin­ken leben befragt, außer einer Auf­nah­me unse­res Wer­be­pla­kats ist nichts davon im Film. Per Leo, Co-Autor des Buches Mit Rech­ten reden, wur­de hin­ge­gen mit­samt sei­nem als Weg­wei­ser geprie­se­nen Werk pro­mi­nent ins Bild gerückt. Unse­re alter­na­ti­ve Sicht kam ein­fach nicht vor, wur­de ver­schwie­gen, sozu­sa­gen aus dem Nar­ra­tiv gelückt. Das war eine kla­re par­tei­ische Ent­schei­dung des Senders.

Leo leg­te zwei typi­sche Deu­tungs­plat­ten über die Rech­te auf: “Die Behaup­tung des eige­nes Opfers­eins” sei eines unse­rer Haupt­gim­micks, ja sogar “Grund­la­ge der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung”, die von “wahn­haf­ten” Vor­aus­set­zun­gen (wie einer bedroh­ten Iden­ti­tät) aus­ge­he. Zum ers­te­ren wer­de ich im fol­gen­den ein paar Wor­te ver­lie­ren, das zwei­te­re durch­läuft unser Buch Mit Lin­ken leben wie ein roter Faden: der spie­gel­bild­li­che Vor­wurf zwi­schen Lin­ken und Rech­ten, “wahn­haft” zu denken.

Die Patho­lo­gi­sie­rung des Geg­ners (wie wir auf­zei­gen, eine vor allem lin­ke Stra­te­gie mit lan­ger Tra­di­ti­on) hat ihre Grund­la­ge im Kern unse­res Dis­sen­ses, dem “Ich-seh-etwas-was-du-nicht-siehst”-Spiel, in dem schon das blo­ße Vor­han­den­sein bestimm­ter Pro­ble­me oder bestimm­ter Din­ge zur Dis­po­si­ti­on gestellt wird.

Die Phra­se “Rech­te sti­li­sie­ren sich zu Opfern” ist ein gän­gi­ger Bau­stein des Framings, mit dem Lin­ke das Nar­ra­tiv über Rech­te zu kon­trol­lie­ren ver­su­chen. Som­mer­feld und ich haben sie in unse­rem Buch in den Kata­log “Die schöns­ten Schlag­wör­ter gegen Rechts” auf­ge­nom­men. Auch die­se Phra­se geht von still­schwei­gen­den Prä­mis­sen ideo­lo­gi­scher Natur aus und dient dazu, bestimm­te Sach­ver­hal­te zu verschleiern.

Eine die­ser Prä­mis­sen ist die Annah­me, daß Rech­te qua Rechts­sein immer schon “Täter” sei­en und dar­um an allem, was ihnen wider­fährt, irgend­wie selbst schuld sei­en. In dem Opfer­rol­len­vor­wurf steckt häu­fig auch eine Art Beschä­mungs­spra­che – wer den Scha­den hat, braucht für den Spott nicht zu sor­gen, und der Betref­fen­de soll als schwäch­lich, lächer­lich und weh­lei­dig dar­ge­stellt wer­den. Daß dies im Inter­es­se des­je­ni­gen liegt, der ihm den Scha­den mög­lichst unge­straft zufü­gen will, liegt auf der Hand.

Wenn ich sage, jemand wur­de zum “Opfer” einer Sache, dann will ich damit in der Regel zum Aus­druck brin­gen, daß ihm Unrecht und Leid, unge­recht­fer­tig­ter Scha­den zuge­fügt wor­den sind.

Wenn ich dage­gen sage, jemand “sti­li­sie­re” sich zum “Opfer”, oder er “spie­le eine Opfer­rol­le”, dann mei­ne ich damit zwei Dinge:

1. Ent­we­der will ich aus­drü­cken, daß die­ser jemand die Unwahr­heit sagt.

2. Oder ich will aus­drü­cken, daß die­ser jemand an dem Scha­den, der ihm zuge­fügt wor­den ist, mit­ver­ant­wort­lich ist, teil­wei­se selbst im Unrecht war, und dar­um nur ein­ge­schränk­tes Mit­leid verdient.

Dazu fal­len mir zwei Bei­spie­le von der Buch­mes­se ein. Erneut das Licht­mesz-Som­mer­feld-Gesetz (MLL, S. 121, kurz gefaßt: “Lin­ke pro­ji­zie­ren immer”) bestä­ti­gend, waren es viel­mehr Lin­ke, die “Opfer” gespielt haben.

Nico Weh­ne­mann hat sich nach­weis­lich zum “Opfer” von “Nazi”-Gewalt “sti­li­siert”, die nie­mals statt­ge­fun­den hat. Er hat – mit ande­ren Wor­ten – gelo­gen. Sein Ziel war es offen­bar, die Rech­ten in die “Täter­rol­le” zu cas­ten, sich selbst per Vik­ti­mi­sie­rung zu heroi­sie­ren, um sei­ne “anti­fa­schis­ti­sche” Tätig­keit zu rech­fer­ti­gen. In einem Chat hat­te er übri­gens vor der Buch­mes­se die Paro­le “Nazis aufs Maul” aus­ge­ge­ben. Kar­ma is a bitch!

Der links­ra­di­ka­le APO-Opa Achim Berg­mann hat sich im zwei­te­ren Sin­ne “zum Opfer sti­li­siert”.  Wie mir ein Redak­teur der Jun­gen Frei­heit mit­teil­te, war Berg­mann bereits im äußerst aggres­si­ven Pöbel­mo­dus auf einer Lesung von Karl­heinz Weiß­mann zum The­ma “Kul­tur­bruch 68” erschie­nen und hat­te an einem Punkt laut “Halt die Fres­se!” oder “Halt die Klap­pe, du weißt von nichts!” oder ähn­li­ches Rich­tung des Vor­tra­gen­den geschrien (“Schei­ße! Du redest Schei­ße!”; es kur­sie­ren ver­schie­de­ne, aber kon­gru­en­te Ver­sio­nen), wor­auf­hin ihm ein Unbe­kann­ter kur­zer­hand eine aufs Maul gesem­melt hat.

Im 3sat-Bericht posiert Berg­mann als “Opfer rech­ter Gewalt”, als Lei­dens­ge­stalt mit blu­ti­ger Lip­pe: “Das war ein [geziel­ter] Schlag, der woll­te sofort, daß ich das Maul hal­te.” Frei­lich ist Berg­mann ein “Opfer” in dem Sin­ne, daß ihm Gewalt zuge­fügt und der Faust­schlag des Unbe­kann­ten eine kraß unver­hält­nis­mä­ßi­ge Reak­ti­on war. Aber eine arme ver­folg­te Unschuld ist er auf­grund sei­nen vor­an­ge­hen­den pro­vo­zie­rend-pöbel­haf­ten Ver­hal­tens auch nicht gera­de (damit will ich den Angriff auf ihn natür­lich nicht recht­fer­ti­gen, aber mein Mit­leid hält sich in Grenzen).

[Zusatz 20. 10.: Ein Leser, der Augen­zeu­ge vor Ort war, berich­tet, daß Berg­mann bereits zu pöbeln auf­ge­hört hat­te, als der Angriff erfolg­te, nur “weni­ge Sekun­den danach, aber Berg­mann war schon wie­der ein paar Meter wei­ter­ge­gan­gen. Das biß­chen Rein­ru­fen war wirk­lich harm­los und prak­tisch kei­ne Störung…”]

Man stel­le sich das alles ein­fach mal umge­kehrt vor: Ein Alt­na­zi gin­ge zu einer Buch­vor­stel­lung von Vol­ker Weiß, wür­de her­um­pö­beln, “Halt die Fres­se, du weißt von nichts” brül­len und dann von einem Anti­fan­ten eine geknallt bekom­men. Das wäre zwar nicht die fei­ne eng­li­sche Art, aber die unver­hoh­le­ne lin­ke Scha­den­freu­de wäre garan­tiert groß, Nazis aufs Maul gilt ja all­ge­mein als ok, weil das ja Unmen­schen sind.

In so einem Fall wären aber auch kaum wir Rech­ten oder Kon­ser­va­ti­ven so blöd, uns die­se Figur als Mär­ty­rer aus­zu­su­chen, ihn zum “Opfer zu sti­li­sie­ren”.  Die Lin­ken tun dies jedoch ohne Hem­mun­gen. War­um? Weil sie damit davon­kom­men. War­um? Weil die Gesell­schaft gewis­se ihrer ideo­lo­gi­schen Mythen und Prä­mis­sen über “Nazis” und “Rech­te” teil, die zwar nicht expli­zit und buch­stäb­lich, aber doch impli­zit hors la loi gestellt wer­den und teil­wei­se auch so behan­delt wer­den (dar­um das “schi­zo­phre­ne” Ver­hal­ten der Mes­se­lei­tung und des Bör­sen­ver­eins, was das “das Wort und die Frei­heit” der Rech­ten angeht.)

Man stel­le sich auch vor, was gesche­hen wäre, hät­ten Iden­ti­tä­re eine Buch­vor­stel­lung von Jakob Aug­stein, Jut­ta Dit­furth oder Caro­lin Emcke mit einem ohren­be­täu­ben­den Pfei­fen­kon­zert ver­senkt. Gäbe es denn dann noch eine lan­ge Dis­kus­si­on, ob man die­sen “Pro­test” “ertra­gen” müs­se, ob er eben­falls eine nicht min­der zu respek­tie­ren­de Mei­nungs­äu­ße­rung sei, oder ob die Vor­tra­gen­den ihn nicht “pro­vo­ziert” hät­ten? Wir haben hier jeden­falls zwei ast­rei­ne lin­ke Opfer­my­then vor uns, die in der Pra­xis dazu die­nen, die lin­ke Täter­schaft zu rechtfertigen.

Am letz­ten Tag der Mes­se stat­te­te ich unse­ren Freun­den von der Ama­deu-Stif­tung einen Besuch ab, um sie zu fra­gen, was sie denn über den Vor­fall vom Vor­abend däch­ten. Hier hat eine Mit­ar­bei­te­rin der Stif­tung dar­über berich­tet, wobei sie (wie nicht anders zu erwar­ten) mei­ne Aus­sa­gen völ­lig falsch und ver­dreht wie­der­ge­ge­ben hat (mein Haupt­ar­gu­ment, daß Pro­test, der dem ande­ren das Wort abwürgt, nicht mit dem Bekennt­nis zu Mei­nungs­frei­heit ver­ein­bar sei, ver­schweigt sie; ich wer­de in einem Zusatz­ar­ti­kel dar­über berichten).

Dabei legt sie sich ganz schön ins Zeug, um genau die Sor­te von dämo­ni­sie­ren­dem Nazi­por­no zu pro­du­zie­ren, den ihre Kli­en­tel so drin­gend nötig hat; dabei wer­den wir als “neu Rech­te Schlä­ger-Scher­gen” (sic) titu­liert. Nach dem Deba­kel, das die AAS indi­rekt mit­zu­ver­ant­wor­ten hat, besteht offen­bar gestei­ger­tes Inter­es­se an einer Ver­teu­fe­lung der Rech­ten, die unter gar kei­nen Umstän­den als “Opfer” erschei­nen dür­fen – eine Rol­le, die schließ­lich die Lin­ke für sich und ihre diver­sen Min­der­hei­ten-Kli­en­tel gepach­tet hat.

Die anwe­sen­den Ver­tre­ter der AAS, Kira Ayya­di und Robert Lüdecke (eine sel­ten unsym­pa­thi­sche und per­fi­de Type übri­gens), reagier­ten mit gespiel­tem Erstau­nen und Hohn­fal­ten, als ich ihnen mit­teil­te, daß ich am Sams­tag nach der Ver­an­stal­tungs­bom­be gese­hen hat­te, wie sich eine Trau­be rädels­füh­ren­der Anti­fan­ten an ihrem Stand ver­sam­melt hat­te (nach­her, nicht vor­her, wie Ayya­di fälsch­li­cher­wei­se behaup­tet), als hät­te ich nun die abstru­ses­te Sache der Welt gesagt. Iro­ni­scher­wei­se just in die­sem Moment umzin­gel­ten mich vier Anti­fan­ten und ver­such­ten, Inqui­si­ti­ons­tri­bu­nal zu spielen.

Einer davon, mit bos­haft-selbst­si­che­rem Gesichts­aus­druck mit einem Hauch Dun­ning-Kru­ger-Effekt, sag­te: “Gewalt gegen die Gewalt­tä­ti­gen ist legi­tim!” Dann begann er sogleich, die Cau­sa Berg­mann ins Feld zu füh­ren, die ihm genüg­te, sämt­li­che Rech­ten pau­schal der Gewalt­tä­tig­keit zu bezich­ti­gen und den “Pro­test” gegen unse­re Ver­an­stal­tung zu recht­fer­ti­gen (die weder mit Weiß­mann noch der Jun­gen Frei­heit, wo sich die Sze­ne zuge­tra­gen hat­te, irgend etwas zu tun hatte).

Nach drei Sät­zen war er bereits bei unse­rer angeb­li­chen “Ideo­lo­gie, die Mil­lio­nen Men­schen­le­ben auf dem Gewis­sen hat”, ange­langt (ich erspar­te mir eine Bemer­kung über die Rekord­zah­len sei­ner eige­nen Ideologie).

Das war eine knap­pe Demons­tra­ti­on des Framings, das uns die Lin­ke über­stülpt und das in ihren Köp­fen als “geschlos­se­nes Welt­bild” fix pro­gram­miert ist. Von hier aus muß man auch ihre “Opfer-Täter”-Dialektik ver­ste­hen, die eng mit älte­ren geschichts­po­li­ti­schen Dis­kur­sen zusam­men­hängt (etwa über das “Täter­volk” der Deut­schen, wobei jeg­li­che Erwäh­nung der deut­schen Opfer des Welt­krie­ges oder die Kla­ge um sie als “Opfer­dis­kurs” – “Deut­sche Täter sind kei­ne Opfer” – abge­stem­pelt wurde).

Der lin­ke Mythos vom rech­ten “Opfer­my­thos” hat also drei Funktionen:

1. eine ideo­lo­gisch-dog­ma­ti­sche: Rech­te sind per se und qua Rechts­sein “Täter” und kön­nen dar­um kei­ne “Opfer” sein. Dies hängt eng mit der Vor­stel­lung zusam­men, daß “Rechts” in letz­ter Kon­se­quenz gleich­be­deu­tend mit “Natio­nal­so­zia­lis­mus” sei und immer “nach Ausch­witz” füh­re. Dies ist auch das Fun­da­ment des lin­ken Opfer­kults, den ich in mei­nem Buch Die Hier­ar­chie der Opfer beschrie­ben habe.

2. eine kogni­ti­ve: die “Sich-zum-Opfer-stilisieren”-Phrase hat den Zweck, den Blick auf rea­les Unrecht und die dahin­ter lie­gen­den Struk­tu­ren und Mecha­nis­men zu ver­ne­beln. Ein Rech­ter (oder auch nur ein nach rechts Ein­sor­tier­ter), der aus poli­ti­schen Grün­den sei­nen Job ver­liert, einen Pflas­ter­stein in die Fens­ter­schei­be oder auf den Kopf bekommt, der ver­leum­det, aus­ge­grenzt, geäch­tet, ver­prü­gel etc. wird, “sti­li­siert” sich bloß zum Opfer, weil er ja durch sein Rechts­sein selbst dar­an schuld ist. Er muß ja nicht so den­ken und spre­chen und so bös­wil­lig provozieren!

3. eine macht­po­li­ti­sche: Lin­ke wol­len nicht ein­ge­ste­hen, daß die “poli­ti­sche Kor­rekt­heit” und der sozia­le Druck tat­säch­lich wirk­sam sind, mit­hin daß sie schon lan­ge nicht mehr die Rebel­len, son­dern das Estab­lish­ment sind, das die Macht hat, Anders­den­ken­de zu defi­nie­ren, zu schi­ka­nie­ren oder zum Schwei­gen zu brin­gen. (Wel­che Rol­le der Ket­ten­hund Anti­fa in die­sem Sys­tem spielt, wäre eine eige­ne Unter­su­chung wert.)

Die­se poli­ti­schen Macht­struk­tu­ren sind real vor­han­den und exis­tie­ren auch ganz ohne Zutun der “Rech­ten”; sie wir­ken aktiv und aggres­siv expan­die­rend, wachen eifer­süch­tig auf ihre Deu­tungs­ho­heit, die sicher­stellt, daß von ihnen aus über­haupt erst defi­niert wer­den kann, wer “rechts” ist (eine Defi­ni­ti­on, die ste­tig aus­ge­wei­tet wird – wir leben immer­hin in einem Land, in dem bereits ein Xavier Naidoo als “Nazi” gilt).

Sie her­aus­zu­for­dern, erfor­dert oft einen beträcht­li­chen Mut, weil der Preis sehr hoch sein kann. Die ihn nie zah­len muß­ten, stel­len sich das furcht­bar lus­tig und ein­fach vor: Pro­vo­zie­ren, eine auf’s Dach bekom­men, “Opfer spie­len” und gewin­nen, weil man “Unter­drü­ckung” bekla­gen kann. Aber so läuft es in der Rea­li­tät ein­fach nicht ab. Son­dern meis­tens eher so: Sei­ne ehr­li­che Mei­nung sagen, eine auf’s Dach bekom­men, anschlie­ßend ver­höhnt wer­den als einer, der es ver­dient hat oder der sich doch bit­te nicht so anstel­len soll.

Vom Preis, den vie­le Men­schen an die­ser Stel­le zah­len (und damit mei­ne ich nicht uns Rechts­in­tel­lek­tu­el­le, die ihn bewußt in Kauf genom­men haben), haben unse­re staats­ge­spon­ser­ten und unre­flek­tiert strom­li­ni­en­haf­ten Cou­ra­gier­ten­dar­stel­ler wie die auf der Buch­mes­se anwe­sen­de “Bil­dungs­stät­te Anne Frank” (die auf­tritt wie eine ver­strahl­te, ultra­links­ra­di­ka­le Sek­te, und But­tons ver­teilt, auf denen “MUT MUTIGER MUND AUF” steht) nicht die blas­ses­te Vorstellung.

Der “Mut” der Lin­ken ist meist kon­for­mis­tisch und wohl­feil, da sie stets den Applaus der Öffent­lich­keit hin­ter sich haben. Dar­um haben sie es nötig, die Rech­ten zu dämo­ni­sie­ren und wie die AAS  kras­se Über­trei­bun­gen, Ver­zer­run­gen und faust­di­cke Lügen zu ver­brei­ten.  Es ist viel­mehr die “Stif­tung der Schan­de” (Ali­ce Wei­del), die nun kräf­tig das “Opfer­spiel” betreibt in der Hoff­nung, sich irgend­wie Gehör zu ver­schaf­fen (Licht­mesz-Som­mer­feld-Gesetz).

Jetzt, da sie mer­ken, daß ihre Aus­gren­zungs­stra­te­gie geschei­tert und in Miß­kre­dit gera­ten ist, tun sie so, als hät­ten sie uns damit immer schon einen Gefal­len getan (es bis dato bloß nicht bemerkt). Nun sieht man ihre nächs­te Illu­si­on her­an­wach­sen: Wenn wir zumin­dest einen Teil­rück­zug vor­neh­men, so den­ken wohl man­che unter ihnen, wird ihnen bald die Luft aus­ge­hen, dann wer­den sie ent­zau­bert, dann hören sie auf, so inter­es­sant und so herr­lich ver­bo­ten und pro­vo­ka­tiv zu wirken.

Wir wer­den sehen. Haupt­sa­che, man fängt an, end­lich unse­re Bücher und Zeit­schrif­ten zu lesen, statt “zu pre­di­gen, zu brül­len und zu spot­ten” (Marc Felix Ser­rao in der NZZ)!

Natür­lich ist (ech­te und geziel­te) Pro­vo­ka­ti­on ein Mit­tel, des­sen sich die Rech­te mit­un­ter bedient oder viel­mehr: bedie­nen muß, will sie die Dis­kurswäch­tern über­lis­ten, bestimm­te “ver­stei­ner­te Ver­hält­nis­se zum Tan­zen zu brin­gen” und die Halt­lo­sig­keit und Unauf­rich­tig­keit man­cher lin­ker Posi­tio­nen sicht­bar machen. Die “Pro­vo­ka­tio­nen” der Rech­ten wir­ken in der heu­ti­gen Lage kei­nes­wegs wie “selbst­er­fül­len­de Pro­phe­zei­un­gen”, wie Per Leo meint, son­dern als Detek­to­ren, die den Zweck haben, die Dis­kurs­mi­nen aus­fin­dig zu machen und even­tu­ell durch Hoch­ge­hen­las­sen zu entschärfen.

Leo & Co. machen es sich auch zu ein­fach, wenn sie behaup­ten, daß, wie Alex Rüh­le in der Süd­deut­schen Zei­tung para­phra­sier­te, “die neu­en Rech­ten mit uns allen ein lang geüb­tes Sprach­spiel spie­len, indem sie jedes­mal so lan­ge pro­vo­zie­ren, bis man ver­bal zurück­schlägt.” Das ist nur eine Vari­an­te der “Selber-schuld”-Formel, die auf einem beque­men ideo­lo­gi­schen Zir­kel­schluß beruht. Aus die­sem Grund ist Rüh­le auch imstan­de, den Angriff der Anti­fa neu­sprech­ar­tig als “Gegen­wehr” zu bezeich­nen (gemäß dem Dog­ma, wonach Rech­te qua Rechts­sein immer “Täter” und Agres­so­ren sei­en und Lin­ke immer im “Wider­stand”.)

Ich jeden­falls wei­se die­se Unter­stel­lung schärfs­tens zurück, für mich selbst eben­so für ande­re wich­ti­ge Sezes­sio­nis­ten: Weder Kubit­schek noch Kositza noch Som­mer­feld noch Leh­nert, Ger­lich oder Kai­ser sind auf “Spie­le” oder auf “Pro­vo­ka­tio­nen” aus, son­dern es geht uns um eine ernst­haf­te Beschrei­bung der Wirk­lich­keit, aber auch um eine Fun­da­men­tal­kri­tik an lin­ken Begrif­fen, Schlag­wör­tern und Deu­tungs­mus­tern (was nicht aus­schließt, daß in man­chen Sprech­si­tua­ti­on, gegen­über man­chen Geg­nern getrollt und gespielt wer­den darf).

Ich habe kein Inter­es­se an “Sprach­spie­len”, “Opfer­rol­len”, “Pro­vo­ka­tio­nen” und der­glei­chen. Ich bin ein Autor, des­sen ein­zi­ger Ehr­geiz es ist, ein paar eini­ger­ma­ßen gute Bücher zu schrei­ben, und der vor allem gele­sen, gehört und ver­stan­den wer­den will.

Wor­um es hier geht, betrifft nicht bloß einen klei­nen Kreis an “neu­en Rech­ten”. Es geht um einen Riß durch die gan­ze Gesell­schaft, der weit über die Kate­go­rien von “rechts” und “links” im enge­ren Sin­ne hin­aus­reicht. Nicht nur wir haben bei der Über­schrei­tung gewis­ser Dis­kurs­gren­zen und Sprach­re­ge­lun­gen die Anti­fa (oder in Zei­ten des Netz­werk­durch­set­zungs­ge­set­zes die staat­li­che Gesin­nungs­jus­tiz) am Hals; ich erin­ne­re an den Fall Jörg Babe­row­ski, dem man wohl kaum ernst­haft vor­hal­ten kann, er hät­te “ein lang geüb­tes Sprach­spiel” gespielt und “so lan­ge pro­vo­ziert”, bis “man” “ver­bal zurückschlug”.

Alex­an­der Wal­l­asch, kein “Neu­rech­ter”, son­dern ein “Libe­ral­kon­ser­va­ti­ver” (so schät­ze ich ein­mal), bestä­tig­te dies im Gespräch mit Götz Kubitschek:

Wer in den ver­gan­ge­nen Jah­ren das lin­ke Pro­test-Publi­kum bei Ver­an­stal­tun­gen rech­ter und kon­ser­va­ti­ver Men­schen erlebt hat, muss fest­stel­len: Es gibt von die­ser Sei­te kei­nen Dis­kurs, kei­ne Gesprächs­be­reit­schaft. Lin­ke selbst­er­nann­te Wort­füh­rer wie die Ama­deu Anto­nio Stif­tung machen es vor: Es wird ver­wei­gert, nie­der­ge­schrien, gekeift, gegei­fert und im letz­ten Mit­tel Gewalt gegen Din­ge und sogar Men­schen ein­ge­for­dert und angewandt.

Rüh­le benutzt die For­mel aus Mit Rech­ten reden, die im Buch selbst in einen etwas kom­ple­xe­ren Kon­text gebet­tet ist, als eine Art Gene­ral­re­zept, mit der er sich das Reden der Rech­ten erklärt. Hat er es denn über­haupt ver­stan­den? Offen­bar nicht, wenn man Absät­ze wie die­sen liest:

Natür­lich ist es unver­schämt, wenn Ellen Kositza sich die gan­ze Ver­an­stal­tung über als Buch­mes­sen­ver­folg­te insze­niert, obwohl sie doch gera­de im Rah­men die­ser Buch­mes­se ihre Lesung mode­rie­ren darf, oder wenn sie jam­mert, die Bil­dungs­stät­te Anne Frank sei “sehr gars­tig” zu ihr gewe­sen. Aber es zeugt eben auch von voll­kom­men lächer­li­cher Opferhybris.

Mir ist es nicht auf­ge­fal­len, daß sich Ellen Kositza “als Buch­mes­sen­ver­folg­te insze­nier­te”, eher schon als Ver­fol­ge­rin (des vor “Hal­tung” aus allen Näh­ten plat­zen­den Herr Ski­pis etwa) und als Troll, der iro­nisch mit sei­nem “bösen” Image spielt. Wor­an macht also Rüh­le die­se Behaup­tung fest? Wer von uns hat nach dem Eklat die “Opfer­kar­te” ausgespielt?

Mar­tin Sell­ner etwa, der tri­um­phie­rend die “Über­nah­me” der Buch­mes­se fei­er­te? Haben wir uns etwa wie “Opfer” ver­hal­ten, als wir die Sprech­chö­re der Anti­fan­ten kon­ter­ten und in der ers­ten Run­de sogar zum Schwei­gen brach­ten? Und hat er wirk­lich nicht kapiert, daß Kositz­as Bemer­kung über die “Bil­dungs­stät­te Anne Frank” offen­sicht­lich Spott und nicht “Gejam­mer” war?

Rüh­le hat neben dem “Opfermythos”-Mythos noch einen zwei­ten Klas­si­ker der lin­ken Dis­kurs­kon­trol­le parat, näm­lich den “Mimi­kry-Ver­dacht”: Was wir sagen, mei­nen wir eigent­lich gar nicht so, wir haben “Krei­de gefres­sen” (da wir ja gemäß der lin­ken Dog­ma­tik Wöl­fe und Dau­er­tä­ter sind), wir packen alten (Nazi-)Wein in neue Schläu­che etc, bedie­nen uns mie­ser “Tricks”, sind mit ande­ren Wor­ten unauf­rich­tig. Die­sen Vor­wurf kann man weder wider­le­gen noch bewei­sen; er fun­giert als eine Art Miß­trau­ens-Qua­ran­tä­ne, die das Lesen und Zuhö­ren abschir­men soll. Das klingt dann etwa so:

Man könn­te das durch geziel­te Gegen­fra­gen genau­so dekon­stru­ie­ren wie Licht­mesz’ rhe­to­ri­sche Taschen­spie­ler­tricks: Es ist ja Krei­de­zeit bei der neu­en Rech­ten, man schenkt das alte Gift namens Iden­ti­tin in neu­en Schläu­chen aus, ein­fach indem man bie­der­män­ni­schen Neu­sprech pro­kla­miert. Ihm Frem­den­feind­lich­keit vor­zu­wer­fen, sei voll unfair, sagt Licht­mesz: “Es geht uns nicht um den Hass auf ande­re. Son­dern um die Begeis­te­rung für unse­re Hei­mat. Wir sind nicht gegen die ande­ren, son­dern für uns.”

Gut auf­gepaßt hat er mal wie­der nicht, denn das Zitat stammt nicht von mir, son­dern von Som­mer­feld, und wir haben bei­de nicht gesagt, es sei “voll unfair”, uns “Frem­den­feind­lich­keit vor­zu­wer­fen”. Der Vor­wurf des “Neu­sprechs” ist aus­ge­rech­net von lin­ker Sei­te übri­gens beson­ders apart und fällt wohl erneut unter das Licht­mesz-Som­mer­feld-Gesetz (LSG).

Alles, was wir tun und sagen, ist stets Teil einer gefin­kel­ten “Stra­te­gie”. Sogar unse­re Buch­vor­stel­lun­gen tun nur so, als ob sie wel­che wären:

Es waren noch kei­ne fünf Minu­ten ver­gan­gen, da zeig­te Mar­tin Licht­mesz gleich mal die rhe­to­ri­sche Grund­stra­te­gie der als Buch­vor­stel­lung ange­kün­dig­ten Ver­an­stal­tung. Ers­ten Zwi­schen­ru­fern dank­te er ruhig lächelnd für die “bol­sche­wis­ti­schen Wort­mel­dun­gen, die zei­gen, wie wich­tig die­se Ver­an­stal­tung ist. Wir mögen uns viel­leicht nicht, aber wir müs­sen ler­nen, mit­ein­an­der zu leben.”

Ich kann nur sagen: Mir wäre es zehn­mal lie­ber gewe­sen, ich hät­te in Ruhe über mein Buch spre­chen kön­nen. Ich habe bes­se­res zu tun, als mich mit krei­schen­den Mäd­chen her­um­zu­schla­gen, die unse­re Bücher nicht gele­sen haben und einen wir­ren Nazi­film in ihrem Kopf­ki­no ein­ge­legt haben. Ich sah mich gezwun­gen, stän­dig auf einen “popu­lis­ti­schen” Kampf­mo­dus umzu­schal­ten. Deut­lich sieht man das in der Schluß­sze­ne unse­res Auf­tritts, die mir über­aus sym­bol­träch­tig erscheint. Kositza bat mich um ein Schlußwort:

An alle, die jetzt hier sind, und die sich viel­leicht als Lin­ke oder Nicht­lin­ke [ich woll­te eigent­lich, ange­regt durch “Mit Rech­ten reden”, sagen: “Nicht­rech­te”] sehen, und die jetzt nicht gera­de Beton­bol­sche­wis­ten sind, möch­te ich sagen: Legt eure Angst nie­der. Lest die­ses Buch-

Ich muß wohl den angst- und affekt­be­setz­ten Punkt genau getrof­fen haben, denn iro­ni­scher­wei­se just in die­sem Moment erschall­te der Stör­ruf: “Es gibt – kein Recht – auf Nazi-pro-pa-gan­da!” Ich war gezwun­gen, auf Kampf­mo­dus umzu­schal­ten, und begann unse­ren Gegen­ruf zu skan­die­ren: “Jeder haßt die Anti­fa!” Das Publi­kum griff ihn auf, und rasch hat­ten wir den Angriff abge­wehrt. Das war für mich und wohl für vie­le Anwe­sen­de ein erstaun­li­cher Moment: Gegen­wehr (dies­mal ech­te) ist mög­lich. Ich schloß die Sze­ne ab mit den Worten:

Wie es in den Wald hin­ein­schallt, so kommt es zurück. Und das wer­det auch ihr lin­ke Leu­te ler­nen müs­sen, daß wir uns das nicht län­ger gefal­len lassen.

Aber zurück zum Mimi­kry-Vor­wurf: Mit sei­ner Hil­fe wird der “her­me­neu­ti­sche Pro­zeß” qua­si her­me­tisch abge­si­chert. Genau­so wie Rüh­le die Täter­schaft der Anti­fa und die Schlüs­se, die dar­aus fol­gen, ver­ne­beln will, so kom­mu­ni­ziert er den Lesern: “Nehmt Licht­mesz nicht ernst, ver­traut ihm nicht! Fallt nicht her­ein auf ihn! Lest ihn nicht, hört ihm nicht zu, denn er meint ohne­hin nicht, was er sagt! Er will euch nur ein­lul­len und mit Identi­dings­bums ver­gif­ten, damit ihr eines Mor­gens als Wer­wöl­fe aufwacht!”

Aber er hat mir weder zuge­hört noch mich ver­stan­den. Mei­nen Satz “Wir mögen uns viel­leicht nicht, aber wir müs­sen ler­nen, mit­ein­an­der zu leben”, inter­pre­tiert er so:

Mit die­sem und ähn­li­chen Mode­ra­ti­ons­sät­zen gerier­te er sich als Schieds­rich­ter eines Streits, den er mit sei­nen Posi­tio­nen und Tex­ten per­ma­nent selbst anheizt.

Hät­te er sich die Mühe gemacht und genau­er zuge­hört oder das Vor­wort von Mit Lin­ken leben gele­sen, dann wür­de er sehen, daß ich mir hier kei­nes­wegs eine “Schieds­rich­ter­rol­le” zuschrei­be. Einen Kon­flikt aus einer über­ge­ord­ne­ten Per­spek­ti­ve zu betrach­ten, bedeu­tet noch lan­ge nicht, den Schieds­rich­ter zu spielen.

Im Gegen­satz zur Anti­fa und ande­ren Lin­ken ent­zie­hen wir uns der Bür­ger­kriegs­men­ta­li­tät, indem wir in unse­rem Buch klar zwi­schen “mit­ein­an­der strei­ten” und “mit­ein­an­der leben” unter­schei­den. Das gan­ze Land redet von einer “Spal­tung”, “Pola­ri­sie­rung”, einem “Riß”, aber es man­gelt an Büchern, die die­sen Spalt von einer Nicht-Main­stream-Sei­te her­aus beschrei­ben und deu­ten. Unser Buch ver­sucht hier, Pio­nier­ar­beit zu leisten.

Selbst­ver­ständ­lich “hei­ze” ich die­sen “Streit” mit mei­nen “Posi­tio­nen und Tex­ten” “per­ma­nent” an (so wie Rüh­le auch mit Arti­keln wie die­sem). Mit Ver­gnü­gen sogar. Was denn sonst? Habe ich etwa einen Hehl dar­aus gemacht? Wo bit­te ist der Wider­spruch zu allem ande­ren, das ich gesagt habe? Die­ser Streit ist not­wen­dig, denn es geht um das Gan­ze, es geht um die Wirk­lich­keit, es geht um die Zukunft unse­rer Natio­nen, unse­rer Gesell­schaft, ja unse­rer gesam­ten west­li­chen Kultur.

Wir plä­die­ren, nicht anders als Per Leo & Co., für ein ent­schie­de­nes, aber “ein­ge­heg­tes” Strei­ten. Im Vor­wort schrei­ben Som­mer­feld und ich:

Viel­leicht kön­nen auch unse­re Geg­ner etwas dar­aus ler­nen – wir glau­ben nicht, daß Ver­stän­di­gung, wenn über­haupt, durch sal­bungs­vol­le Absichts­er­klä­run­gen und geheu­chel­te Neu­tra­li­täts­be­kun­dun­gen ermög­licht wird, son­dern im Gegen­teil eher durch dezi­dier­te Posi­tio­nie­rung und Grenz­zie­hung. Wenn der Abstand ein­mal aus­ge­mes­sen ist, kann man viel­leicht tat­säch­lich einen modus viven­di oder, Gott befoh­len, gar einen Ver­nunft­kon­sens im gemein­sa­men Inter­es­se finden.

Das hat Rüh­le nicht begrif­fen oder nicht hören oder lesen wol­len, und dar­um sieht er über­all nur “Tricks” meinerseits:

Auf der Büh­ne wirkt die­ser Trick nach den ers­ten Stör­ak­tio­nen aber anschei­nend auf vie­le so sou­ve­rän, dass eine Frau im Publi­kum kopf­schüt­telnd sagt, man sehe ja, die dürf­ten ein­fach nie ihre Mei­nung sagen.

Viel­leicht ist das gar kei­ne Trick­he­xe­rei, viel­leicht habe ich ja auch ein­fach etwas Ein­leuch­ten­des gesagt, viel­leicht hat die Erkennt­nis der kopf­schüt­teln­den Frau weni­ger etwas mit üblen “Tricks” mei­ner­seits zu tun als mit einer eben erleb­ten Evi­denz. An Rüh­les Text könn­te man gut die Ana­to­mie des “Fau­xel” nach Ren­aud Camus beschrei­ben, das Sprach- und Schlag­wort­ge­we­be, das sich wie ein Netz vor die Wirk­lich­keit schiebt.

Der “Mimikry”-Mythos der Lin­ken ist eben­so wie der Mythos vom “rech­ten Opfer­my­thos” eine rei­ne rhe­to­ri­sche Abwehr­stra­te­gie, deren Halt­lo­sig­keit sich immer deut­li­cher erweist. Auch dies haben die Autoren von Mit Rech­ten reden erkannt:

Wir müs­sen beden­ken, dass wir über ihre Absich­ten und Über­zeu­gun­gen nichts wis­sen kön­nen, solan­ge sie sich dazu nicht äußern. Und da sie sich nicht dazu äußern, oder wenn, dann nur ver­ein­zelt, wider­sprüch­lich und sehr vage, spe­ku­lie­ren wir hier nicht dar­über, was sie in Wirk­lich­keit sind  und was nicht. Wir reden dar­über, was sie tun und wie sie sich zei­gen. Alles ande­re wäre nicht nur unred­lich, son­dern auch dumm.

Fein, redet vor allem aber auch dar­über, was wir sagen oder schrei­ben. Und nun bit­te ich unse­re Her­ren Geg­ner dar­um, sich auch in die­sem Punkt end­lich zu ent­kramp­fen und zur Nor­ma­li­tät zurückzukehren.

–––––

Mar­tin Licht­mesz u. Caro­li­ne Som­mer­feld: Mit Lin­ken leben, Schnell­ro­da 2017. 336 S., 18 € – hier ein­se­hen und bestellen!

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

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Kommentare (50)

Der_Jürgen

19. Oktober 2017 22:53

Eine saubere Analyse. Die Leute von der Antonio Amadeu Stiftung und ähnlichen Gruppen sind mir ein Rätsel.  Vor einem klassischen Kommunisten (heute eine sterbende Spezies), der für einen Staat nach leninistisch-stalinistischem Muster eintritt, kann ich bei allen ideologischen Lichtjahren, die mich von ihm trennen, noch ein Minimum an Verständnis und Respekt aufbringen, wenn ich sehe, dass er ehrlich von seiner Ideologie überzeugt ist. Doch wie kann man jemanden achten, dessen zentrales Ziel die Abschaffung seines eigenen Volkes ist?

Es heisst immer, man sollte den Gegner nicht pathologisieren, aber in diesem Fall muss man einfach festhalten, dass wir es mit gemeingefährlichen Psychopathen zu tun haben. Dass sie das Blaue vom Himmel herunterlügen und sich, um ihre eigene Terminologie gegen sie zu verwenden, zu Opfern stilisieren, obgleich sie stets nur als Verfolger in Erscheinung treten, ist die logische Folge hiervon. Ein Weltbild, das aus lauter Lügen besteht, kann sich nur durch immer neuen Lügen schützen.

Dass das herrschende System Gruppierungen von die Antifa und die Antonio Amadeu Stiftung als Rammbock gegen die patriotischen Kräfte benutzt, lässt tief blicken. Wer, wie der Schreibende, in den späten sechziger und frühen siebziger Jahren als Schüler bzw. junger Student mitverfolgte, wie wild die Bildzeitung gegen die APO hetzte, hätte sich damals nicht träumen lassen, dass Deutschlands ekelhaftestes Schmutzblatt und die radikalen Linken ein knappes halbes Jahrhunders später Verbündete sein würden. (Allerdings gab es damals bei der APO echte Idealisten wie Rudi Dutschke und andere, die man niemals mit dem heutigen Antifa-Gesindel auf eine Stufe stellen darf.)

Stein

19. Oktober 2017 23:06

Besser hätte es doch nicht laufen können. Börsenverein und Buchmesse agieren maximal idiotisch, Antifanten tragen ihr bestmögliches zur Selbstdemaskierung  bei und die versammelte Pressemeute starrt genauso verängstigt wie fasziniert  auf die Kobra. Ich wette, Kubitschek und Kositza haben abends die Sektkorken knallen lassen.

S. J.

19. Oktober 2017 23:18

Eine überzeugende Aufarbeitung. Es ist - zum Glück - auf der Basis vieler Videoaufnahmen leicht möglich, die skandalösen Abläufe nachvollziehbar darzulegen. Jeder, der recht(s) und richtig denkt, sollte die angesprochene Petition unterzeichnen und mit seinem Namen dafür einstehen, dass die Freiheit in Wort und Schrift zu den kostbarsten Gütern zählt, die eine Gesellschaft anbieten kann. Diese Freiheit kann unbequem sein, aber sie muss gewährt bleiben.

Der "Opfermythos" der Rechten löst offenbar einen anderen Mythos ab bzw. schickt sich an, es zu tun. Da der Slogan "Wehret den Anfängen!" ja etwas in die Jahre kommt und mit Blick auf nüchterne Tatsachen längst nicht mehr jeden Bezirkstrottel überzeugt, möchte man diesen alten Gaul nicht endgültig totreiten und hat sich eine psychologisch effiziente Selbsttäuschung erschaffen. Dass sich die Rechten behauptetermaßen zum Opfer machen, gestattet nämlich die liebevolle Pflege eines anderen Mythos: Um "den Anfängen zu wehren", sei ja jedes Mittel recht und billig, per se also niemals falsch. Wenn jemandem also ein Smartphone bei den Tumulten in Frankfurt entrissen werden soll, oder es wird ein Briefkasten mit Scheiße beschmiert, oder ein AfD-Funktionär wird mit einer Holzlatte verletzt, oder ein Auto wird verbrannt, oder es wird jemandem die berufliche Existenz ruiniert, dann, selbst dann, vermag der "Opfermythos" dem Ganzen selbsttäuschend noch eine Weihe zu geben. Man erhält sich die Diskurshoheit bis zur und in der Groteske. 

Winterberg

19. Oktober 2017 23:18

Der ganze Vorgang (Buchmesse Frankfurt) zeigt, wie wichtig es ist öffentlich zu sein. Präsenz!! Immer wieder Präsenz! Außerdem: mehr Flyer und superfest klebende Kurzbotschaften im Umfeld. Ich freue mich kollosal über jeden Aufkleber der IB in der Stadt. Weiter so!, SIE fangen schon an zu bibbern. Beide Martins aus Österreich sind meine großen Helden. Götz und Ellen sowieso. Dank euch "tanzen" die Verhältnisse!

Grüße aus der Hauptstadt des Widerstands!

Weserlotse

19. Oktober 2017 23:20

Eine der bemerkenswerteste Opfer-Täter-Umkehrung begegnete mir -- ich weiß nicht mehr wo. Jedenfalls war man höchst empört darüber, daß die Rechten den "Protest" gegen ihre Lesung "niedergebrüllt" hätten -- gerade so, als wäre es legitim, eine Veranstaltung zu sprengen, was der Angegriffene gefälligst still zu dulden habe. Schließlich ist er -- Sie haben es aus dem linksverdrehten Weltbild treffend herausgearbeitet -- von Natur aus im Unrecht.

Ich nehme an, dieser mentale Durchfall hier ist Ihnen bekannt?
https://ze.tt/versteht-es-doch-endlich-rechtes-gedankengut-darf-nicht-toleriert-werden/
Selbstimmunisierung im finalen Stadium!

deutscheridentitärer

20. Oktober 2017 00:18

Ich bin Ihnen und den anderen Sezessionisten sehr dankbar für das was sie tun, denn ich könnte das nicht. Damit meine ich nicht nur intellektuell, sondern auch emotional.

Was ist das für eine Niedertracht, jemanden Gewalt zuzufügen und danach zu beklagen, derjenige würde sich zum Opfer stilisieren?

Dieses Meme gab es zwar schon seit langem, wird aber seit kurzem verstärkt gebraucht. Die bittere Pointe an der ganzen Sache ist ja, dass die linke Seite eingestandenermaßen ihre gesamte Ideologie auf - tatsächlichem oder eingebildeten - Opferdasein aufbaut.

Aber wenn ich mich zu einer kühlen Betrachtung zwinge, interpretiere ich diese veränderte Strategie des Gegners als Zeichen dafür, dass wir, oder vielmehr: sie, Fortschritte gemacht haben.

Burgunder

20. Oktober 2017 00:31

Nach der Theorie nun die Praxis: Buch bestellen! Ich freue mich auf 3 Exemplare. Eins für den Eigenbedarf und 2 zum Verschenken.

Der Gehenkte

20. Oktober 2017 00:50

 Niemand ist im rechten Universum mit diesen Funktionsanalysen der Narrative besser als Lichtmesz. Damit kann man das Thema eigentlich als geschichtliches ablegen – jetzt hat man die letztgültige Summe aus unserer Sicht. Einige Gedanken:

Bednarz‘ schwacher Punkt ist – so glaube ich – gerade nicht ihre Ehrlichkeit, im Gegenteil, wenn man sie verfolgt, dann kann man Sympathie für ihre Aufrichtigkeit entwickeln. Ihr schwacher Punkt hingegen ist ihre ausgeprägte Selbstverliebtheit – sie hält sich für bedeutend wichtiger, als sie tatsächlich ist, bei jedem ihrer Beiträge in einer der großen Blätter, geht ihr einer ab und sie begreift nicht, daß das schlicht und einfach an ihrer Stromlinienförmigkeit und nicht an ihrer Brillanz liegt. Ihre schwache Fläche, nein, ihr schwaches Volumen, sind ihre Kenntnisse und ihre äußerst durchschnittliche Intelligenz. Ihre Beiträge zeugen weder von Weite des Horizonts, Länge der Argumentation und Tiefe des Denkens.

Das prototypische Gegenstück zu Lichtmesz‘ Opfermythos-Analyse hat heute Mely Kiyak in der „Zeit“ veröffentlicht: https://www.zeit.de/kultur/2017-10/rechtsextreme-buchmesse-umgang-afd-deutschstunde/komplettansicht

Ich denke, das muß sie sagen dürfen. Wenn sie es ernst meint, dann sollte „Die Zeit“ nun Martin Lichtmesz ebenfalls eine Doppelseite zugestehen – bezahlt natürlich – und wir könnten das Thema abhaken.

Bergmann hat gerufen – und zwar lachend: „Du redest Scheiße, Scheiße redest du!“ Das kann man in dem Mitschnitt (ab 13:50), den die JF eingestellt hat, sehen und hören: https://www.youtube.com/watch?v=lx3ilC-97Ys

„Ich war gezwungen, auf Kampfmodus umzuschalten, und begann unseren Gegenruf zu skandieren“

Ich hätte es besser gefunden - und weiß, daß es viel verlangt ist -, wenn man die Grölereien stoisch, mit Überlegenheit, Gelassenheit und Lächeln besiegt hätte, anstatt mit Gegenbrüllen. Das Anheizen von der Bühne wirkt auf mich eher unsouverän. Warum man Kampfmodus als Gleiches mit Gleichem verstehen muß, entgeht mir. Stilvolles Sich-Absetzen vom Stillosen hätte wesentlich mehr Eindruck gemacht und zudem die Mediennarrative objektiv unterlaufen. Da hätten sich Klasse und Rasse sichtbar gemacht. Dabei verstehe ich durchaus, daß besonders die Identitären durch eingeübte Demonstrationstaktik leicht zu triggern sind. Mario Müllers Engagement als Anheizer wirkt für einen Autor – letztlich ja einen Mann des Geistes – etwas befremdlich.

Selbstdenker

20. Oktober 2017 01:13

Herr Lichtmesz, gratulation zu dieser hervorragenden Analyse. Man muss ja sagen, dass wenn das Establsihment ihre Antifa Sturmtruppen nicht hätte, der ganze Zauber vorbei wäre. Ich denke nicht, dass diese selbsternannten Eliten sich selber die Finger schmutzig machen würden. Immerhin lassen sich die linksliberalen Diskurswächter den ganzen Spass 100 Millionen Euro kosten. Das nennt sich dann Kampf gegen Rechts. Die Linken haben sich bis auf die Knochen blamiert, und sie werden sich weiter entlarven. Wichtig ist das es Youtube Videos gibt, jeder kann sehen was wirklich passiert ist. Einfach nur grandios!

Isarpreiß

20. Oktober 2017 01:31

Nochmal zu der Geschichte mit Bergmann: dieser war am Stand der JF vorbeigegangen, hat ein paar Sätze reingebrüllt und war schon wieder dabei, sich vom Stand zu entfernen, als der Angreifer ihm nachrief, nachlief und unvermittelt gegen sein Kinn schlug. Einer, der ein paar Kilo weniger wiegt, wäre umgefallen. Die Störung durch Bergmann war bei der Attacke also schon vorbei und es war ziemlich klar, dass Bergmann nicht weitermachen würde. Im Video von JF-TV fehlt hier übrigens der entscheidende Teil. Grade dieses bei uns beliebte "stell dir das mal unter umgekehrten Vorzeichen vor!"-Argument gilt hier jedenfalls nicht: hier hat mal ein Rechter? einen Linken gehauen und es gab keinen oder kaum einen medialen Aufschrei. Direkt nach der Attacke hab ich an false-flag gedacht, weil es so absurd inszeniert wirkte. Mal sehen, ob man aus der Presse über den Täter noch was erfährt. Noch eine Anekdote: als ich später am Stand von Bergmann vorbeiging, erzählte seine Frau gerade jemandem, dass sich die ausländische Schwester im Krankenhaus für Bergmanns Einsatz bedankt habe. Gschichten ausm Paulanergarten würd ich da mal sagen.

Der Feinsinnige

20. Oktober 2017 03:24

Der Auftritt von Antaios auf der Buchmesse und die Ereignisse rund um diesen Auftritt haben schon jetzt historische Qualität. Das zeigt sich an den im obigen Artikel verlinkten Artikeln, Videos, der Online-Petition (mal sehen, wie lange die noch online bleibt) - und ganz besonders an dem Interview der Frau Grün im ND – ausgerechnet im ND! Frau Grün gibt dem ND-Interviewer Nachhilfeunterricht in Demokratie und Meinungsfreiheit – und der scheint es noch nicht einmal zu bemerken. Immerhin beachtlich, daß ausgerechnet das ND ausgerechnet dieses Gespräch veröffentlicht und damit die eigene Unfähigkeit vorführt, zu akzeptieren, was Meinungsfreiheit tatsächlich bedeutet und wer sich in Frankfurt ins Unrecht gesetzt hat. Bleibt zu hoffen, daß die Leitung der Frankfurter Buchmesse (bzw. diejenige der Leipziger Buchmesse) ihren hehren Grundsätzen treu bleibt und im nächsten Jahr nicht - vor wem auch immer - einknickt. Aber ich denke, eine Nichtzulassung mißliebiger Verlage können die sich jetzt ernstlich nicht mehr leisten – dazu ist die prominente Unterstützung aus Publizistik und Politik für Antaios & Co. schon jetzt zu groß, wie auch die Online-Petition zeigt. Und sicher stünden weitere Prominente (nicht allein) aus der AFD falls notwendig für gehörigen öffentlichen Druck bereit.

Alles in allem verursacht die von Martin Lichtmesz mustergültig dokumentierte öffentliche Aufmerksamkeit, insbesondere aber das ND-Gespräch mit Frau Grün, bei mir ein regelrechtes Glücksgefühl. Das vergangene Wochenende stellt einen Quantensprung für die Opposition in diesem Land dar. An Feststellungen dieses oder ähnlichen Inhalts werden zukünftige Historiker in der Rückschau sicher kaum vorbeikommen.

H. M. Richter

20. Oktober 2017 07:04

Ausgezeichnete Anaslyse.
__________________________

@ Weserlotse - 19. Oktober 2017 21:20

Verzichten Sie bitte zukünftig auf Formulierungen wie "mentalen D***". Bisher gehörte SiN zu den Oasen, wo derartiges nicht vorkam.

Detlef Neustadt

20. Oktober 2017 09:37

"Es steht jedem Bürger in diesem Land zu, demokratiefeindliche Rechtsextreme niederzuschreien, sie am Sprechen und Publizieren oder an Auftritten zu hindern. Es geschieht interessanterweise aber kaum."

Mit allen Mitteln?

https://www.zeit.de/kultur/2017-10/rechtsextreme-buchmesse-umgang-afd-deutschstunde/komplettansicht

Maiordomus

20. Oktober 2017 09:38

@Lichtmesz. Es heisst, wenn Sie schon auf das mit Recht berühmte Parabelstück meines Landsmannes Max Frisch (1911 - 1991) Bezug nehmen, nicht die "Biedermeier und die Brandstifter", sondern, wenn schon, "Biedermann und die Brandstifter", in der Mehrzahl dann wohl die "Biedermänner". Das Stück ist in der Tat von zeitloser Bedeutung, wobei Frisch es zunächst mal im "antifaschistischen" Sinn gemeint hat.

ML: Natürlich "Biedermänner", war ein Lapsus!

Maiordomus

20. Oktober 2017 10:33

@Noch etwas Positives zu Ihrem Beitrag, Herr Lichtmesz. Mit dem Hinweis auf die Feminismuskritikerin machen Sie darauf aufmerksam, dass es über die engeren rechten Tabuthemen hinaus noch weitere Bereiche gibt, wo man zumal in der heutigen Gesellschaft sieht: die Toleranz hört in der Regel dort auf, wo die wahren Meinungsverschiedenheiten beginnen. Dies betrifft in der Tat die Feminismuskritik, gar wenn sie sich, wie das an Kongressen in Winterthur mehrfach der Fall war, als "Antifeminismus"-Kongress oder ähnlich outet. Ich selber hätte als Teilnehmer auf diesen Titel nicht Wert gelegt. Es war aber nie möglich, ohne bedeutende Sicherheitsmassnahmen und sogar Geheimhaltung des Lokals für Nichtgemeldete, diesen jeweils mit hervorragenden Referenten bestückten Männerkongress überhaupt durchzuführen, Drohungen gegen den Veranstalter und das Hotel waren normal, und einer der Referenten von 2011 wurde - nach 24 Jahren Tätigkeit als Lehrerfortbildner - ohne Verteidigungsmöglichkeit fristlos "nicht mehr weiterbeschäftigt". Ein weiterer Referent, der zwar sogar Verständnis für den Feminismus aufbrachte, wurde als männlich ergänzender Gleichstellungsbeauftragter einer grossen Stadt vergleichsweise schnell aus dem Amt gemobbt. Besonders schwer hatten es - schon seit Esther Vilar - stets die feminismuskritischen Frauen. Dabei sind sowohl Vilar als hier bei Sezession zum Beispiel Kositza und Sommerfeld auf ihre Weise Feministinnen der anderen Art. Klar, muss diese Debatte als gesellschaftspolitischer Hauptschauplatz genau so intensiv geführt werden, als Kampf gegen das "Gender"-Unwesen, wie die Zuwanderungsdebatte, hat mit dem vielbeschworenen "Volkstod" ev. noch mehr zu tun.

deutscheridentitärer

20. Oktober 2017 10:40

"Ich hätte es besser gefunden - und weiß, daß es viel verlangt ist -, wenn man die Grölereien stoisch, mit Überlegenheit, Gelassenheit und Lächeln besiegt hätte, anstatt mit Gegenbrüllen. Das Anheizen von der Bühne wirkt auf mich eher unsouverän"

Das sehe ich anders. Es wirkt meiner Erfahrung nach keineswegs souverän sich einfach niederbrüllen zu lassen. Wie konkret soll man das mit Überlegenheit bewältigen? Man kann lächeln nun gut, wirkt in so einer Situation auf den Außenstehenden meist gezwungen und kramfhaft.

Zudem wurde ja nicht "gebrüllt": es wurden Parolen skandiert, etwas dass das Gemeinschaftsgefühl der Skandierenden im Nu von 0 auf 100 bringt und zudem den Gegner einschüchtert.

Bevor ich in meiner Gegend antifabekannt wurde, war ich gerne als Krawalltourist auf Antifademos wie Blockupy oder 1. Mai.

Es ist eine erhebende Sache einen uniform schwarz gekleideten Block in geübtem Einklang Parolen rufend zu erleben.

"Warum man Kampfmodus als Gleiches mit Gleichem verstehen muß, entgeht mir. Stilvolles Sich-Absetzen vom Stillosen hätte wesentlich mehr Eindruck gemacht und zudem die Mediennarrative objektiv unterlaufen."

Ja nun, wie gesagt, wie stellen Sie sich das konkret vor? 

"Mario Müllers Engagement als Anheizer wirkt für einen Autor – letztlich ja einen Mann des Geistes – etwas befremdlich."

Haben Sie das Buch denn gelesen? Denn Werk und Verhalten des Autors bei der Buchmesse sind durchaus konsistent.

Valjean72

20. Oktober 2017 11:09

@S. J. : „Es ist - zum Glück - auf der Basis vieler Videoaufnahmen leicht möglich, die skandalösen Abläufe nachvollziehbar darzulegen.“

---Das ist mE eh unverzichtbar: mitzufilmen und aufzuzeichnen was das Zeug hält, auch und gerade bei Interviews, wie im zitierten Beispiel mit 3Sat.

@Vadomar Tuonawa: „… denn es schwingt beim linken Opfermythos stets auch die Verletzung durch rechte Vorwürfe liberaler Weich- und Wehleidigkeit mit. Dass es zum Wesen der Projektion gehört, unliebsame, aber dennoch erkannte Wahrheiten auf den Überbringer derselben abzuschieben bedarf keiner gesonderten Erklärung. Einfacher ausgedrückt: Es ist die ‚Erwachsenenversion‘ des „Arschloch - selber“ Spiels aus dem Kindergarten.“

---

Sehr interessant und stimmig.

 

Rosenkranz

20. Oktober 2017 12:45

Der Auftritt des Verlages auf der Buchmesse war ein strategisch-taktisches Glanzstück der Division Antaios. Der Antaois-Brückenkopf im "feindlichen" Gebiet band die Kräfte der Zivilgesellschaft und ließ deren Heeresleitung hilflos erscheinen (tatü-tata). Die ganze Familie des Offiziers, fleißig helfend am Stand, auch optisch ein Kontrapunkt zu den traurigen Gestalten gegenüber. Dazu Feldwebel Lichtmesz als guter Geist der Truppe ("Jeder haßt die Antifa") und Politiker Höcke als Staatsmann - herrlich. Der Neid, der anderen Verlage über so viel Aufmerksamkeit, war sicher groß. Danke auch an die IB für die Disziplin, den geifernden Antifa-Frauen nicht den Hintern für deren Frechheiten, versohlt zu haben. Nur wegen der Bilder.....

Monika L.

20. Oktober 2017 12:50

@deutscheridentitärer

Na, sehr intellektuell kommt Mario Müller gerade nicht rüber. Wenn "Werk und Verhalten des Autors bei der Buchmesse durchaus konsistent sind", dann war es vielleicht besser, dass es nicht zu einer Lesung kam. So viel Kritik muss sein !

Kositza: Ach, kommen Sie! MM ist halt ein Kerl mit Facetten. Lassen Sie sich von den Tötowierungen etc. nicht triggern! Das ist schon ein kluger, auch besonnener Kopf.

@Isarpreiß

Jetzt kommen mir doch Zweifel. Ich wollte den unbekannten Hau-den-Lukas schon zum Sonntagshelden vorschlagen. Ein kurzer Schlag - das Handy der weiblichen Begleitung entreissen und durch die Messehalle schleudern - unerkannt entkommen - .In meinem Kopfkino lief eine Bud-Spencer Filmsequenz ab. Ich mußte leider schrecklich lachen. Vielleicht ein fake zur Selbstinszenierung als Widerstandskämpfer ( wie es nun einige Apo-Opas im Ruhestand tun). Ob das alles so stimmt. Jedenfalls wünsche ich Herrn Bergmann eine gute Genesung  und beste Wünsche: Niemand ist gezwungen auf Kampfmodus umzustellen, wenn er provoziert wird. Weder verbal noch handgreiflich. Ich sage nur: Aikido...

Maiordomus

20. Oktober 2017 13:18

@Kositza/Monika. Es gibt nun mal "in diesen Kreisen" sehr unterschiedliche Kulturen. Der berühmte Literat Emil Staiger stellte in seiner berühmt-berüchtigsten Rede vom Dezember 1966 aus bildungsbürgerlicher Perspektive die Frage: "In welchen Kreisen verkehren Sie?" Auch ich gehöre indes zu denjenigen, die das "Gegenbrüllen" nicht befürworteten, d.h. da möchte ich dann lieber nicht dabei sein. Dabei habe ich 1969 als "rechtsgerichteter Student" (Badener Tagblatt) meinerseits eher grobe Aktionen veranstaltet. Weil ich aber technisch das Pfeifen wie auf dem Fussballplatz nicht beherrschte, nahm ich, wie auch mein damals bester Weggefährte, der heutige Präsident von Christian Solidarity International, eine Trillerpfeife mit, womit wir uns aber eher blamiert haben. Es bleibt indes, ohne dass es überheblich gemeint wäre, festzuhalten, dass Monika L. innerhalb der gesamten deutschen Rechten als leise Hintergrundfigur eigentlich in ihrer eigenen Liga spielt und die Phase des Fanatismus längst hinter sich gelassen hat.

S.Leikert

20. Oktober 2017 13:19

Nächstes Jahr wieder Buchmesse?

Maiordomus

20. Oktober 2017 13:29

PS. @Rosenkranz. Höcke hat das Diplom als "Staatsmann" nun mal noch nicht erworben, und mit "Feldwebel" wird auch der hervorragende Filmkenner und eigentlich feinsinnige Feuilletonist Lichtmesz zumindest als Genotyp mutmasslich nicht im Kern verstanden, aber offenbar war das in Frankfurt ein Gesichtspunkt seines Phänotyps. im Gegensatz zur Foto oben, wo er wie ein feiner Literat ausschaut.. A propos Rosenkranz: An den polnischen Grenzen wird entgegen der wütenden Exkommunikationsdrohung eines autoritären Erzbischofs tatsächlich der Rosenkranz gegen die Flutung Europas durch Musllime gebetet. Diese "Gebetswaffe", wie sie auch zur Zeit der Türkengefahr im 17. Jahrhundert eingesetzt wurde, siehe ein Deckenbild im berühmten Wallfahrtsort Hergiswald bei Luzern, würde ich im Vergleich zu mehr rabaukischen Aktionen nicht unterschätzen. Der Satz freilich "Allein den Betern kann es noch gelingen" wurde von demjenigen christlichen Autor, der ihn 1936 geprägt hat, Reinhold Schneider, zur Zeit des Kalten Krieges (1958) wieder zurückgenommen. Für Schneider, obzwar ein christlicher Pazifist, gehörten Prinz Eugen und Juan d'Austria jedoch zu den ganz grossen Europäern!

deutscheridentitärer

20. Oktober 2017 14:15

"Na, sehr intellektuell kommt Mario Müller gerade nicht rüber. "

Intellektuell hin, intellektuell her ... schneidig muss man sein. ;)

ML: Ich möchte wissen, wie viele "Intellektuelle" so tapfer an Bord von "Defend Europe" durchgehalten hätten wie er...

Der Gehenkte

20. Oktober 2017 14:33

@ deutscheridentitärer

Sellner hatte ein programmatisches Buch geschrieben: "Gelassen in den Widerstand"

An anderer Stelle sagte er:

"Gelassenheit ist für mich die Überwindung eines nietzscheanischen Tatkults, der in sich modernistisch und nihilistisch ist. Das bedeutet aber keine Passivität, sondern eine Sammlung, vielleicht ein "Zurückweichen" um besser springen zu können..." (Martin Sellner)

"Souverän ist, wer über den Ausnahmenzustand entscheidet." - Souverän ist, wer sich von Situations- und Gruppendynamik emanzipieren kann.

Wer das nicht sehen will, argumentiert gegen alle Weisheitslehren dieser Welt an. Etiam si omnes, ego non.

Odol

20. Oktober 2017 14:55

https://twitter.com/WhiteRoseDE/status/919476214359830528

Eigentlich bemerkenswert. L.B. hatte sich schon während der Veranstaltung mir ggü. persönlich von den Methoden der Störer distanziert. Ob Lianchen noch zur Sonntagsheldin wird? Hach...

Monika L.

20. Oktober 2017 15:06

"Der Rechtsextremismus ist eine einflussreiche, politische Strömung. Sie hat Vordenker und Ideologen in Schreibstuben, sie hat die Bewegung draußen auf den Straßen und sie hat einen parlamentarischen Arm in den Landtagen und im Bundestag. Außerdem ist sie international vernetzt. Verfügt über Thinkthanks, Geld, Möglichkeiten. Es würde sich lohnen, sich mit ihr inhaltlich auseinanderzusetzen. Nicht auf der Ebene von Balkanroute und Obergrenze, sondern dort, wo sie mit ihrem nationalistisch-völkischen Deutschlandbild an die Romantik anknüpft. Dieser Aspekt der rechtsextremen Identitätspolitik wird im Großteil der deutschen Medien zugunsten von Skandalberichterstattung beharrlich ausgespart. Denn es gibt zwar viele Befürworter einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der AfD, aber enorm wenige Personen, die kenntnisreich mit den Chefdenkern der Neuen Rechten wie Götz Kubitschek, Marc Jongen, Hans-Thomas Tillschneider oder auch Björn Höcke reden könnten."

Mely Kiyak in zeitonline

Liebe Ellen Kositza,

ich lasse mich von Tätowierungen nicht triggern. Der Tätowierte vom "Black Bembel Block",  der Ihren Mann angegangen ist, ist vielleicht auch nur ein Typ mit Facetten. Un bei einem STÖFFCHE in Sachsenhausen vielleicht ganz nett. Des is kei Solidarität uff hessisch meinerseits  ! Als Frankurterin bevorzuge ich eh den blauen Bembel !

Ach, un die Bednarzsche ist eigentlich auch eine ganz Liebe und Nette.

Bleiben wir sachlich. Wenn schon die Linke keine Personen hat, die kenntnisreich mit den rechten Chefdenkern reden können, dann müssen wir es eben noch eine Weile untereinander tun. Und die können von außen zugucken und darum betteln, dass sie teilnehmen dürfen. Wie die Margot  Kässmann bei der JF. Endlich bereit zum Diskurs. haha...Jetzt, wo das keiner mehr will, hat sie Redebedarf.

Reden w i r also über Identität, Volk, Nation, ruhig und disruptiv. Stellen wir im eigenen Laden doch eine " pyrotechnische Mischung" ( Kubitschek) her. Die Wippe ist doch spätestens seit der Buchmesse in Balance gebracht.

Solidarität uff hessisch !!!! Monika

deutscheridentitärer

20. Oktober 2017 15:16

@Gehenkter

Absolut, absolut! Ich bin charakterlich ja anders, schlechter wenn man so will, nämlich leicht erregbar und unbeständig.

Was Sellner da schreibt, war für mich deshalb umso wichtiger.  Ich war auch gar nicht in der Lage mir eine Wende anders als eine gewaltsam-revolutionäre vozustellen; bis Sellner der rechten Szene kristallklar die Grenzen dieses Wahns und die überlegenen Anforderungen, die friedlicher Widerstand an den Aktivisten stellt, aufgezeigt hat.

Gandhi, auf dessen Konzept der Satyagraha sich Sellner gelegentlich bezieht, stellt den gewaltsam Widerstandsleistenden über den Feigen, der gar keinen Widerstand leistet (dieser Punkt wird bei der üblichen kitschigen Gandhilesart oft verdrängt), aber der friedlich Widerstandleistende verkörpert eben die höchte Kämpfer(!)tugend.

Also, kurz gesagt, ich stimme Ihnen bzw. Sellner völlig zu, nur ist mir nicht klarer geworden, was sie in der konkreten Situation hätten anders machen wollen?

Linkerhand

20. Oktober 2017 18:35

Das linksliberale (Nicht-Rechte) KulturEstablishemt der Bundesrepublik expandiert nicht mehr, es hat sich, wie eine dystopische Schweizer Sowjet Republik, tief in ihr eigenes Réduit eingegraben. Im Höhlensystem selbst finden eigenartige Rituale statt; Dekandenz und Verfall werden noch mit Champagnerpartys weggelacht, aber das Tageslicht kennen sie nicht mehr. In Mitten dieser Tora-Bora Gesellschaft platzt nun eine Neue Rechte hinein, die als faschistische Bedrohung empfunden wird und mit Hilfe der sowjetischen Dorfbewohner vertrieben werden soll. Auch verfügen die Grottenolmfunktionäre der SSR über eine mysteriöse Schallsprache, die mittels Telepathie und Telekinese, die einfältigen Fußtruppen dirigiert. Bücher verschwinden, werden beschmutzt oder fliegen durch die Luft; Platzwunden, Ekstase und andere paranormale Zustände sind zu verzeichnen. 

Ein gebürtiger Hesse

20. Oktober 2017 18:55

Vielleicht sagt sich der eine oder andere Antifa-Buchmessen-Depp in zehn oder auch schon schon fünf Jahren: Tja, leider stand ich damals noch auf der falschen Seite, aber immerhin nahm ich Teil an der Vorstellung des einen Kracher-Buches, das uns ein für allemal widerlegt hat und das mir die Augen öffnete: Mit Linken leben. Wie doof ich damals doch war. Könnte ich mich zurück beamen, würde ich bei den anderen stehen. Aber immerhin tue ich es ja jetzt ...

Ein bissel wishful thinking schadet nicht.

Monika L.

20. Oktober 2017 19:44

deutscheridentitärer

20. Oktober 2017 12:15

"Na, sehr intellektuell kommt Mario Müller gerade nicht rüber. "

Intellektuell hin, intellektuell her ... schneidig muss man sein. ;)

ML: Ich möchte wissen, wie viele "Intellektuelle" so tapfer an Bord von "Defend Europe" durchgehalten hätten wie er...

.......

Es geht mir nicht um eine destruktive Kritik. Es gibt durchaus Aktionsformen und Einsätze, wo schneidige Typen gebraucht werden. Aber auf einer Buchmesse im "Forum Wissenschaft und Bildung" fände ich  kreativere Widerstandsformen (etwa durch Musik o.ä.) sympathischer und weiterführender als das Dagegenbrüllen. Vielleicht gibt es ja eine interne Manöverkritik ?

ML: Ach, das ist nun wirklich Quatsch,mit Verlaub. Wir mußten improvisieren, wir hatten keine andere Wahl, und es war sehr effektiv.

Carmen Linares

20. Oktober 2017 20:23

Für mich war´s eine echte Premiere und hat mich bis heute nicht losgelassen : was bislang nur aus diversen Videos bekannt (insbesondere von US-Universitäten) , rücksichtslose und rüde Störaktionen , an diesem Abend live. Sie tun mir fast leid, die "Rotzlöffel", denn wie soll bei einer solchen Geisteshaltung je ein persönliches Wachsen und Reifen möglich werden.

Mein "coming out" in sozialen Netzwerken zu Jahresbeginn , hat mir etliche Feindseligkeiten beschert. ABER ich habe andererseits Anschluß zu Gleichgesinnten gefunden.

Und nach diesem Abend gilt : JETZT ERST RECHT !

Monika L.

20. Oktober 2017 21:57

@ML OK, belassen wir es dabei.

Das Thema, wie miteinander umgehen , ist allerdings eins.

Gerade wurde in Kulturzeit , 3 SAT das Buch "Populismus für Anfönger' von Nina Horaczek und Walter Ötsch vorgestellt. Tenor: Was machen wir mit denen, die dauernd Tabus brechen ? Man fordert Sachargumente und benennt gleichzeitig 70 Muster, die Taktik der Rechten auseinanderzunehmen. Man möchte die Demagogenmuster entschlüsseln. Na dann, viel Spaß dabei. 

Auch gibt es ein Büchlein des Reclam Verlages " Zivilisiert streiten" , Wie darf man mit einem politischen Gegner umgehen....

" Fragen, deren Beantwortung  für eine zukunftsfähige Gesellschaft lebenswichtig ist."

Da kamen Sie mit Ihrem Buch zur rechten Zeit.

Kositza: Ja, und im Buch wird auch "die Taktik" solcher (dürftiger) Autoren wie Horaczek und Ötsch schön auseinandergenommen. Sachragumente? Haben wir.

Benno

20. Oktober 2017 22:03

Rumgebrülle ist mir auch zuwider. Aber seien wir doch mal realistisch: das Antifa Geplärre souverän weglächeln? Und dann? Warten bis der Ordnungsdienst die Störenfriede des Saales verwiesen hat? Genau das ist doch nicht passiert! Manchmal muss man diesen Deppen ganz vulgär ins Gesicht brüllen, dass sie die Fresse halten sollen, auch wenn diese Art der Auseinandersetzung vielleicht nicht gerade dem eigenen Naturell entspricht. Der Gegner hat angegriffen und somit die Wahl der Waffen vorgegeben. Hätte es einen funktionierenden Saalschutz gegeben, der es zahlenden Ausstellern ermöglicht hätte, ja dann, dann wäre weglächeln die bessere Variante gewesen. Vielleicht kann man für ein anderes mal einfach das Deutschlandlied anstimmen. Aber wehe man singt die falschen Strophen.

Interessant auch, wie jetzt viele Journalisten meinen, die Antifa habe sich daneben benommen. Man müsse die Rechte argumentativ "demaskieren". Das Angebot gab es von Seiten der Sezessionisten, nur wahrgenommen wurde es nicht und wird es wohl auch künftig nicht. Nach der nächsten Brüllerei stehen dann wieder die selben Worte in den Kommentarspalten der Zeitungen.

Paracelsus

20. Oktober 2017 22:46

Zunächst einmal herzlichen Dank für die sehr gelungenen Überlegungen zu den Frankfurter Ereignissen. Es erscheint mir sehr sinnvoll und notwendig, in solch einer analytischen Genauigkeit die Handlungen und Worte zu betrachten, um nicht im Emotionalen stecken zu bleiben.Dennoch möchte ich eine Fragen anschließen:

Ich sehe einen Widerspruch, wenn man die LINKEN von rechter Seite vorwiegend als die herrschende Seite usw. betrachtet. Denn, außer der Diskurshoheit bei der Bewertung von dem, was man für Gut oder Böse zu halten habe, ist die politisch-ökonomische Macht doch schwerlich als „links“ zu bezeichnen. Wirklicher Machtgewinn existiert nicht, allenfalls ist die Teilnahme an „Gegen Rechts“-Veranstaltungen mit opportunistischen Motiven erklärbar: um nicht abzuweichen, um seine Position nicht zu gefährden und andere legitime Gründe… So wie viele hier auf dem Blog nicht mit Klarnamen auftreten...

Ich meine, es müßte wohl noch in Betracht gezogen werden, dass die linke „Antifa“- Ideologie ein möglicher Versuch ist, als Deutscher mit dem „Tätervolk“-Vorwurf, dem man qua Geburt ausgesetzt ist, umzugehen. Mit der Positionierung „Gegen-Rechts“ schaffe ich eine moralische und emotionale Entlastung, ohne die mein Leben grundsätzlich infrage gestellt ist. Eigentlich bin ich, einfach weil ich Deutscher bin, ein verachtenswerter, unmoralischer Mensch, außer ich distanziere mich von den Nazis und von allem, was mir heute als „nazi“ entgegengehalten wird. „Mea culpa, mea maxima culpa“ ...

Der Lohn der Antifa und gutbürgerlicher Vertreter, wenn sie gegen Rechts auftreten, ist also eine Art Absolution, die sie sich selbst erteilen.

Als Beispiel sei das Interview von Sigmar Gabriel bei RT, Jasmin Kosubek, von diesem Sommer erwähnt:

https://www.youtube.com/watch?time_continue=99&v=SQrfc1ptZuk

Ab 2:28 „exculpiert“ sich Herr Gabriel darin durch den schlichten Verweis auf seine Mitgliedschaft in der SPD.

Ich kann jeden verstehen, der es nicht schafft, sich aus der Tätervolk-Zuschreibung zu befreien. Es ist schwer. Aber man sollte auch bedenken, was man sich und anderen damit antut, denn man baut sein Leben auf einen Irrtum, eine Lüge. Alle Menschen sind durch Geburt gleich an Rechten und alle verdienen den liebevollen Zuspruch, keine Vorverurteilung. Auch die Deutschen. Sie sind nicht gleicher. (Siehe dazu auch das erhellende Interview von und mit Tuvia Tenenbom in der JF)

Ulrike

20. Oktober 2017 23:29

@Der Gehenkte: „Ich hätte es besser gefunden - und weiß, daß es viel verlangt ist -, wenn man die Grölereien stoisch, mit Überlegenheit, Gelassenheit und Lächeln besiegt hätte, anstatt mit Gegenbrüllen. Das Anheizen von der Bühne wirkt auf mich eher unsouverän.“

Die Frage, wie man am besten auf die „Grölereien“ der Gegenseite reagiert, geht mir auch immer durch den Kopf, wenn ich bei einer entsprechenden Demonstration dabei bin (Pegida, Legida, AfD-Demonstrationen). Bei einem AfD-Spaziergang in Berlin hatte man mal Blumen an die Demonstranten verteilt, und viele haben den Grölern dann mit den Blumen entgegengewunken. Das sieht nett und vielleicht auch „gelassen“ aus – aber das ist nicht das, was ich in dem Moment demonstrieren will. Ich habe mich auf keiner der Demonstrationen „überlegen und gelassen“ gefühlt. Und wenn mir einer blöd kommt, dann will ich nicht noch mit einem „Lächeln“ quasi die andere Wange hinhalten (dieses biblische Bild hat mich immer abgestoßen). Ich fahre zu den Demonstrationen, weil ich entsetzt bin von dem, was um mich herum passiert. Und hinterher bin ich immer wieder aufs Neue entsetzt davon, daß die eigenen Mitbürger (und es sind ja nicht nur die Antifanten, die da als Gegendemonstranten rumstehen) ihre Dummheit und ihren Selbsthaß so penetrant und selbstverständlich zelebrieren. Das Skandieren von Parolen wie „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ ist dann wenigstens, wie weiter oben schon von deutscheridentitärer beschrieben, eine gute Möglichkeit, das Gemeinschaftsgefühl der Demonstranten zu stärken.

Brettenbacher

21. Oktober 2017 02:57

Ja, es wurde final sehr laut auf der Buchmesse. Wem der Zuspruch der Sprache aber noch vernehmlich, der hört, daß der Laut läutet.

Gebrüll aber verklumt zu Beton.

Vor die Betonwand aus "HaltdieFressehaltdieFressehaltdieFressehaltdieFresse"so hingestellt, scholls dann aber von der anderen  Seite her doch wie Posaunen.

Und der Brettenbacher ist stolz, da gestanden zu sein und froh über die stürmenden Töne der Freiheit.

Zadok Allen

21. Oktober 2017 12:54

"Worum es hier geht, betrifft nicht bloß einen kleinen Kreis an "neuen Rechten". Es geht um einen Riß durch die ganze Gesellschaft, der weit über die Kategorien von "rechts" und "links" im engeren Sinne hinausreicht."

Hier liegt m.E. der Hase im Pfeffer. Und ich bezweifle sehr, daß dieser "Riß" zwischen zwei immer klarer abgrenzbaren Großgruppen noch zu kitten ist. Ihren aufklärerischen, vernunftorientierten Ansatz in Ehren, Herr Lichtmesz, aber der wechselseitig empfundene Ekel ist inzwischen zu "leibnah". Es wird gezwungen zusammenzuleben, was nicht zusammengehört.

ML: Wahrscheinlich ja, aber Bürgerkrieg ist keine Option.

Aus der Geschichte der Reformation und der Konfessionskriege kann man lernen, daß die räumliche Segregation gegenwärtig die sinnvollste Lösung wäre. Cuius regio, eius ideologia, gewissermaßen. Aber das werden die eigentlichen Machthaber, als deren Schlägertrupps die "Linken" fungieren, natürlich nicht zulassen.

Starhemberg

21. Oktober 2017 13:26

Danke für die ausführliche und tiefsinnige Analyse. Ich versuche mir in letzter Zeit öfters vorzustellen, wie es für die staatlich alimentierten Geschwätzlinken sein muss, wenn sich innerhalb nur weniger Monate alle seit Jahrzehnten festgefaulten Parameter plötzlich verschieben. Sehr interessant in diesem Zusammenhang z.B. auch die vielen Kommentare zum Interview mit Kubitschek auf "Tichys Einblick". Immer mehr denkende und politisch interessierte Menschen da draussen sind schlicht und ergreifend NEUGIERIG auf das, was wir zu sagen haben. Sie wollen es hören, lesen, werten, wägen und dann später vielleicht WAGEN. Bisher konnte sich der staatlich geschützte Berufslinke darauf verlassen, in der Außenwirkung IMMER auf der richtigen Seite zu stehen, ganz egal, welchen zersetzenden Schwachsinn er eben wieder abgelassen hatte. Diese Zeit scheint sich dem Ende zuzuneigen. Der Linke reagiert darauf mit Panik, Aggression und im schlimmsten Falle Raserei.

Doch wenn ich mir ansehe, was hier in Österreich eben mit der Melonenpartei der Grünkommunisten geschah, so hoffe ich doch ganz klar auf eine Zeitenwende. Wichtig ist, auch die Frauen zu gewinnen, ein ewiger Schwachpunkt der rechten Bewegung. Daher besonderen Dank auch nochmal an Frau Sommerfeld und Frau Kositza!

Herr K.

21. Oktober 2017 18:26

@ [email protected]@Monika

Was Monika hier zurecht versucht einzubringen, ist die Frage "Was unterscheidet uns auch KONKRET IM HANDELN von linken Schreihälsen?".

ML: Na bisher alles.

Diese Kritik ist berechtigt und darf keinesfalls der anderen Seite überlassen werden. Es ist letztlich ein Ansporn zu mehr Kreativität im Umgang mit (erwartbaren) Spannungen.

Ob das dann mit Sprechchören a la "es gibt kein Recht auf Stasi- Propaganda" realisiert wird oder andersweitig ausfällt, könnte eine fruchtbare Aufgabe der IB werden. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Also Geduld mit uns selbst und Kritik ist aus den eigenen Reihen oft nur ein wichtiger Hinweis auf besseres Gelingen!

Rüdiger Plantiko

21. Oktober 2017 21:27

Hier noch ein kleines Beispiel für die Unergiebigkeit von Gesprächen zwischen Rechten und Linken: eine Diskussion Richard Spencers mit einem Deutschen (der im Video-Titel als "German Cuck" vorgestellt wird :-) ), geführt am 20.10., unmittelbar nach der Veranstaltung an der University of Florida, bei der sich die Linken wieder in bester Schrei- und Sabotierlaune gezeigt hatten.

Die Diskussion ist unergiebig, da der Deutsche auf die Argumente Spencers gar nicht eingeht - auch wenn er sich vordergründig den Anschein der Gesprächsbereitschaft gibt - sondern nur den moral highground reklamiert und Themen, die seinem bescheidenen Urteil nach "zu Hitler führen", mit einem Tabu belegt, Dinge, die ihm nicht in den Kram passen, nur weil sie ihm nicht passen, als falsch bezeichnet (etwa die gut belegte Tatsache, daß Weiße im Durchschnitt einen deutlich höheren IQ als Schwarzafrikaner haben) und sich schließlich ein Urteil über Deutschland verbittet - das könne sich nur jemand erlauben, der wie er selbst in Deutschland wohne, und er könne - als somit durch seinen deutschen Wohnsitz ausgewiesener Experte - bestätigen, daß Deutschland super-toll multikulti und divers ist und keine ethnische Homogenität mehr habe (letzteres ist leider wirklich dabei, sich zu erfüllen).

Immerhin - daß überhaupt geredet wird, ist jedenfalls besser als die Meinung, Gedankenverbrecher müßten an ihrem Recht auf Meinungsäußerung mit allen Mitteln gehindert werden (denn wenn man sie gewähren ließe, würde Hitler aus dem Grabe erstehen und ein neuer Genozid stünde bevor - vielleicht an den Moslems, denn sind das nicht die Juden von heute? ;-) ) .

 

Lotta Vorbeck

22. Oktober 2017 00:07

@Benno - 20. Oktober 2017 - 08:03 PM

... Vielleicht kann man für ein anderes mal einfach das Deutschlandlied anstimmen. Aber wehe man singt die falschen Strophen. Interessant auch, wie jetzt viele Journalisten meinen, die Antifa habe sich daneben benommen. Man müsse die Rechte argumentativ "demaskieren". Das Angebot gab es von Seiten der Sezessionisten, nur wahrgenommen wurde es nicht und wird es wohl auch künftig nicht. Nach der nächsten Brüllerei stehen dann wieder die selben Worte in den Kommentarspalten der Zeitungen.

So, so, das Deutschlandlied hat also auch falsche Strophen? Nicht nur in den Kommentarspalten der - was deren Auflagenhöhe anbelangt - chronisch schwindsüchtigen Lügenpresse, im redaktionellen Teil ebenso wird fortwährend einundderselbe Sermon hyperventiliert. Allerdings erreichen sie mit dieser PC-konformen Gehirnwäsche eine von Tag zu Tag schrumpfende Zahl an Lesern.

Ellen Kositza schrieb in der jüngst erschienenen SEZESSION №80 auf Seite 3:

"... Relativ fest steht: Rund drei Millionen Deutsche, die dieses Jahr noch wahlberechtigt waren, werden es in vier Jahren nicht mehr sein: Im Jenseits gibt es keine Wahlscheine. Statistiken bestätigen: Die Alten wählen das Vertraute. ..."

Unter den von Ellen Kositza erwähnten drei Millionen Deutschen dürften sich überproportional viele Zeitungsabonnenten befinden. Im Jenseits gibt's keine Wahlscheine und auch keine Lokalzeitungsabos. Wenn das System nicht bald analog zur GEZ-Zwangspropagandagebühr auch noch Zwangszeitungsabonnements einführt, wird ein Großteil dieser längst obsolet gewordenen Postillen aus rein ökonomischen Gründen ihren bis dato noch verbliebenen Lesern alsbald in die ewigen Jagdgründe folgen. Unter diesem Aspekt betrachtet, ist's also eh ziemlich 'wuascht' was die überhaupt noch publizieren.

Lotta Vorbeck

22. Oktober 2017 00:25

@Paracelsus - 20. Oktober 2017 - 08:46 PM

"... Ich kann jeden verstehen, der es nicht schafft, sich aus der Tätervolk-Zuschreibung zu befreien. Es ist schwer. ..."

Wer sich für Ereignisse verantwortlich machen läßt, obwohl sie der Überlieferung nach Jahrzehnte vor seiner eigenen Geburt passiert sind, ist schlichtweg nicht wirklich zurechnungsfähig.

Solution

22. Oktober 2017 01:38

Widerlich, wenn man Leute kritisiert, die sich in der Öffentlichkeit gegen einen linken Mob behaupten müssen.

H. M. Richter

22. Oktober 2017 09:04

Die Zurüstung zum Bürgerkrieg nimmt an Geschwindigkeit zu. Sibylle Berg wird im Sturmgeschütz der Demokratie überaus deutlich. "Die Zeit des Redens" mit Rechten - wann und wo gab es diese denn ? - sei "vorbei""Vielleicht ist der Schwarze Block, die jungen Menschen der Antifa, die Faschisten mit dem einzigen Argument begegnen, die Rechte verstehen, die einzige Bewegung neben einem digital organisierten Widerstand, die eine Wirkung hat."

Denn es ginge, wie Berg daran anschließend glaubt, zusammenfassen zu dürfen, um nicht weniger als "die Rettung der Menschlichkeit.. https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/mit-rechten-reden-unendlich-oede-kolumne-a-1173702.html

Wer den Stalinismus kennt, der Millionen Menschen das Leben kostete, weiß, woher dieser Wind weht und wohin dieser führen kann ...

Rüdiger Plantiko

22. Oktober 2017 13:49

@Lotta Vorbeck:

So wie ich stolz auf die Werke meiner Vorfahren bin, des Volkes und des Menschenschlages, dem ich angehöre, so schäme ich mich auch für seine Fehlschläge und Verbrechen. Das gehört dazu, sobald ich mich von dem liberalen Aberglauben löse, ein abstrakter Weltbewohner zu sein, ein nackter Sich-Selbst-Verwirklicher, der für nichts Verantwortung hat außer für die eigenen, aus dem vergötterten Ich wie aus dem Nichts hervorgehenden Werke.

Das anzuerkennen heißt noch lange nicht dem linken Selbsthaß, Schuldkult und Sündenstolz anheimzufallen.

Lotta Vorbeck

22. Oktober 2017 17:23

@Rüdiger Plantiko - 22. Oktober 2017 - 11:49 AM

Wenn sie meinen, sich rückwirkend-stellvertretend für im fernen Präteritum liegende Sachverhalte schämen zu müssen, sei Ihnen dies - jedem Tierchen sein Pläsierchen - selbstverständlich unbenommen. Ansonsten verweise ich auf meinen Eintrag in diesem Kommentarsstrang vom 21. Oktober 2017 - 22:25.

Heinrich Brück

22. Oktober 2017 19:37

Aus linker Perspektive haben die Rechten Demokratiedefizite. Die Linken sind demokratisch unterwegs, wie sie es nach 1945 gelernt haben. 1945 war für Deutschland ein Katastrophendatum, eine negative Niederlage, die nicht erst mit 1933 begann. Das Schicksalhafte jener Zeit, der Machtkampf um den jeweils richtigen Weg in die Zukunft, wird von linker Seite aus der Perspektive des demokratischen Globalismus interpretiert.

Stalin und Hitler können kritisiert werden, aber die andere Seite war in jenen Zeiten, wie heutzutage emotional deformierte Geschichtsunkundige glauben, nicht die gute Seite. Hitler wurde für Deutschland aufgebaut, er hatte seine Finanziers, und Trotzki für die Sowjetunion, ebenfalls. Es kam anders als geplant, was nicht weiter schlimm war, denn in der Politik ist alles möglich. Auch finanzierbar. Die Geschichte fand danach ihre Historiker, und diese übermittelten die gewünschte Version. Die Linken können nichts historisch anders wollen, als früher die Kommunisten, nur lautet der Schlachtruf heute: Demokraten aller Länder, vereinigt euch! Die Rechten wollen echte Demokratie, Nationaldemokratie ohne permanente Revolution, was die Linken mit dem Vorwurf der Illiberalität quittieren.

Das staatenlose brd-Konstrukt als Kolonie und Neuansiedlungsboden zu behandeln, logisch und nachvollziebar zu verstehen, mit der finanzierten Realität verglichen, den Zielen der Globalisten entsprechend. Die Nationen werden den Zielen der Revolution untergeordnet, deshalb ist Umvolkung auch kein moralisches Thema, können alle Volkskulturen der Weltdemokratie geopfert werden. Nicht die Rechten spalten die Gesellschaft; und eine Heilung können die Linken nicht durchführen. Das Ziel der Globalisten ist klar, auch wenn die Frontlinien sich ändern können. Die Umvolkung der Globalisten legt den Grundstein für die Unumkehrbarkeit des eigenen Wirtschaftssystems, durch demokratische Wahlen politisch legitimiert, auch wenn die Identität der Ziele nicht verstanden werden. Die Vorwände der Linken bleiben unwirklich, keine Tatsachen die einer Überprüfung standhielten.

Franz Bettinger

22. Oktober 2017 21:38

Gegen das Niedegerbrüllt-Werden hilft Gegen-Mobbing in Form von Zurück-Brüllen. Genial und simple auch die Slogans bis hin zu "Nazis raus!" Mir wurde mit einem Mal klar, dass die Antifa feige ist und sich zurückzieht, wenn sie auf effektives Gegen-Mobbing stößt, erst recht wenn die Störrer zahlen- oder Dezibel-mäßig unterlegen sind. Ich gebe Lichtmesz, Sellner, Müller und den Mitstreitern von der IB in der Wahl ihrer Reaktion zu 100% recht. Diese Art von Gegenwehr ist sehr wirksam. Nur darauf kommt es an. Gratulation!

Paracelsus

22. Oktober 2017 22:18

@ Lotta Vorbeck, @ Rüdiger Plantiko

"Nicht zurechnungsfähig" ist nun gleich ein großes Geschütz, Lotta Vorbeck. In seiner Endgültigkeit ist der Begriff, m.E., in jedem Fall nicht zutreffend. Richtig ist, dass die Annahme der "Tätervolk"- Zuschreibung als Teil des Eigenen eine  tiefgreifende Auswirkung auf das In-der-Welt-Sein des Betroffenen hat, und durchaus zu blinden Flecken führt. Dazu haben Lichtmesz und andere ja bereits viel publiziert. Das Messen mit verschiedenem Maß bei Straftaten beispielsweise wird für seinen solchen Menschen un- oder schwerdurchschaubar usw. usf.

Vielleicht gehören Sie, L.V., zu den Naturtalenten, denen die Gewalttaten der Vorfahren bzw. der Deutschen nicht nahe gehen als Teil des Eigenen. In jedem Fall, für alle anderen, wie offensichtlich auch für Rüdiger Plantiko, gibt es die Möglichkeit einer sensiblen Auseinandersetzung mit diesem Thema, und ich bleibe dabei, man kann aus der als Not empfundenen, angenommenen eigenen Schuld sich heraus entwickeln.

Schuldstolz ist keine Lösung (ist nur eine "Abwehr"); das Thema ganz von sich zu weisen, wie Sie L.V. es offenbar tun, aus meiner Sicht auch nicht. Trauer kann ein Weg sein. Immerhin gibt es für jeden Deutschen zu betrauern, dass er mit solchen Vorfahren leben muss, das ist ja auch eine Kränkung für das eigene Ego. - Wobei wir wieder bei dem bekannten Titel der Mitscherlichs wären, "die Unfähigkeit zu trauern", was ja als Vorwurf erneut einen wirklichen Trauerprozess blockiert, als Beschreibung sicher viel Richtiges enthält.

Die Trauer würde ermöglichen, sich die Vorgeschichte anzuverwandeln und gleichzeitig zu spüren, dass man selbst Opfer dieser Vorgeschichte ist, weil sie tatsächlich ohne das eigene Zutun geschah. Die heutigen Deutschen sind also ein Opfervolk. - ? ! ?

Neander vom Thal

23. Oktober 2017 02:26

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß beim Zurüchbrüllen und beim Diskutieren Sprüche wie: “Der Faschismus steht links!“ oder “Linke hassen Meinubgsfreiheit“ die Linke geradezu in Schockstarre verfällt. Das plötzlich sie, die göttliche Linke, mit Mordor oder Voldemort gleichgesetzt wird ist in ihrer Welt nicht vorgesehen. 

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