26. November 2017

Sonntagsheld (39) - Fliegendes Klassenzimmer

von Till-Lucas Wessels / 3 Kommentare

Mobbing - auf internationalem Parkett!

In Ordnung, ich gebe es zu. Die allwöchentliche Sonntagsheldenkolumne leistet einer Boulevardisierung des publizistischen Widerstandsmilieus Vorschub und würdigt schamlos den Begriff des Helden herab.

Zu meiner Verteidigung: Letzterer wurde in den vergangenen Jahrzehnten quasi ununterbrochen im schäbigsten Dreck herumgerollt und ich erlaube mir einfach mal zu behaupten, dass die versammelte Löwenschaft unserer Helden (vergleiche z.B. hier, hier und hier) einen wesentlich höheren Anteil ethischer Edelmetalle aufweist, als das Geschmeiß, das in anderen Publikationen geehrt wird. Was nun die Boulevardisierung des Widerstandsmilieus angeht: Das hat mit einem geheimen Masterplan von Kubitschek zu tun, die genaueren Details erfragen sie bitte bei Melanie Amann. Jedenfalls steckt da ein sehr genauer Auftrag hinter, alles andere wäre uns zu profan.

Nur so viel sei verraten: Das letzte Koalitionsgespräch mit einem unter dem Pseudonym „Hajo Funke“ agierenden Verschwörungstheoretiker und Reichsbürger Bundesbürger zeigte, dass uns nur noch leichte Optimierungen in der Zielgruppenanalyse von der Machtübernahme trennen.

Damit sind wir eigentlich auch schon mitten im Thema, denn Zielgruppenanalyse ist ja quasi das Fundament jeglicher Politik. Betrachtet man die momentane Krise der Bundespolitik unter diesem Gesichtspunkt, so wird rasch deutlich, wo Sand im Getriebe ist:

Während die einen ihre Zielgruppe in einem Maße ausweiten wollen, das rationales Handeln endgültig verunmöglicht, scheuen andere davor zurück, endlich ihren wirtschaftsliberalen Klassensprecherposten einzutauschen gegen denjenigen des Anführers einer ganzen Rasselbande von Unzufriedenen, die – und so war es in der Schule auch immer – alles auf den Kopf zu stellen vermag, wenn sie bloß an einem Strang zieht.

Dann gibt es noch diejenigen, die – in Anerkennung der evolutionären Urschuld des Menschengeschlechtes – endlich die letzte Konsequenz ziehen und sich ganz und gar den Bienen, Schmetterlingen und Vögeln verschrieben haben. Ein gewagtes Wahlkampfmanöver, oder ein hervorragender Schachzug? Fest steht nur: Falls die oben genannten Spezies im Rahmen einer Jamaika-Koalition das Wahlrecht erhalten sollten, haben die Grünen sich einen entscheidenden Vorsprung für die nächste Bundestagswahl verschafft.

Wählen kann man am Ende jedenfalls nur noch Christian Lindner. Denn der hat das mit der Zielgruppenanalyse schon ganz ordentlich durchschaut. Der smarte Mann ohne Krawatte steht nicht nur medial hoch im Kurs, auch bei meinen Kommilitonen erfreut er sich einer wachsenden Beliebtheit, weil er so ist, wie sie sich ihre BWL-Professoren einmal vorgestellt hatten. Der linguistische Code der Wirtschaftlichkeit ist ein verflucht handliches Werkzeug zur Operation an der Realität – sicher nichts für einen Eingriff am offenen Herzen, aber doch tauglich für ein bisschen Aufspritzen und Geradeschnippeln und das genügt den meisten einstweilen bis zur Rente.

Nun werden sich die meisten Leser fragen, was dieses Lamento eigentlich mit der Überschrift und überhaupt mit dem Thema dieser Kolumne zu tun hat und ich denke eine Dreiviertelseite ist genug Rechtfertigung für einen, nun, etwas seichten Sonntagshelden.

Vor wenigen Tagen fand in Sotschi ein durchaus bemerkenswertes und irgendwie nicht sonderlich beachtetes Treffen zwischen den Regierungschefs des Iran, der Türkei und Russlands statt. Besprochen wurde die Zukunft Syriens, was – rein hypothetisch - für uns und die hier lebenden Syrer die hoffentlich durchaus nachhaltige Verlockung einer Heimkehr Erst- und Letztgenannte bedeuten könnte.

Es soll mir aber nicht um Syrien gehen, eigentlich geht es mir heute nur um eine Kleinigkeit, die auch gar nicht mehr ist als das kleine Extrastück Kandis im Sonntagstee, über das man einfach mal lächeln kann, während von draußen die Welt an die herbstlichen Fensterscheiben regnet.

Die Kleinigkeit also – und es darf sich jeder selbst denken, wieviel, oder wie wenig dahinter steckt – hier im Video (wobei diese Perspektive ein bisschen mehr zeigt).

Wir sehen: Ein bisschen Mobbing auf dem Internationalen Parkett; ein klein wenig Nonchalance in der Politik, die in Deutschland zu häufig an den glattgelutschten Karrieren der Christian Lindners unserer Zeit abperlt und leider das unterhaltsamste was die gesammelten Schlagzeilen dieser Woche hergegeben haben. 

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

Kommentare (3)

Ernst-Fr. Siebert
26. November 2017 13:37

 Aufschlußreich:

http://www.journalistenwatch.com/2017/11/25/syrien-der-wiederaufbau-laeuft-auf-hochtouren/

 

Utz
26. November 2017 15:14

Nett! Sehr nett! Wäre schade gewesen, wenn Sie in der Annahme, es hätte "größeres" gefunden werden müssen, verzichtet hätten. Und Sie haben recht: Wenn andernorts denunzierende Schülerinnen als Helden gefeiert werden, muß man sich über Größe eh keine Gedanken mehr machen. Und Sie haben nochmal recht: es hat mir einen trüben Sonntag freundlicher gemacht.

Harald
28. November 2017 14:15

Mein Sonntagsheld wohnt in einem kleinen Eichsfelddorf namens Bornhagen. Mit seinen Reden versucht er das deutsche Volk aufzurütteln. Viele Deutsche haben unter der jahrzehntelangen Umerziehung und Vergangenheitsbewältigung vergessen, wer wir eigentlich sind. Ein Volk, das auf eine über tausendjährige große und stolze Geschichte zurückblicken kann.Aus dieser Gechichte kann das deutsche Volk Kraft für die großen gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderngen und Aufgaben schöpfen. Björn Höcke ist mein Held.

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