Sonntagsheld (39) – Fliegendes Klassenzimmer

Mobbing - auf internationalem Parkett!

 Gastbeitrag

Fremde Federn reichen Beiträge ein. Sind sie gut, bringen wir sie.

In Ord­nung, ich gebe es zu. Die all­wö­chent­li­che Sonn­tags­hel­den­ko­lum­ne leis­tet einer Bou­le­var­di­sie­rung des publi­zis­ti­schen Wider­stands­mi­lieus Vor­schub und wür­digt scham­los den Begriff des Hel­den herab.

Zu mei­ner Ver­tei­di­gung: Letz­te­rer wur­de in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten qua­si unun­ter­bro­chen im schä­bigs­ten Dreck her­um­ge­rollt und ich erlau­be mir ein­fach mal zu behaup­ten, dass die ver­sam­mel­te Löwen­schaft unse­rer Hel­den (ver­glei­che z.B. hier, hier und hier) einen wesent­lich höhe­ren Anteil ethi­scher Edel­me­tal­le auf­weist, als das Geschmeiß, das in ande­ren Publi­ka­tio­nen geehrt wird. Was nun die Bou­le­var­di­sie­rung des Wider­stands­mi­lieus angeht: Das hat mit einem gehei­men Mas­ter­plan von Kubit­schek zu tun, die genaue­ren Details erfra­gen sie bit­te bei Mela­nie Amann. Jeden­falls steckt da ein sehr genau­er Auf­trag hin­ter, alles ande­re wäre uns zu profan.

Nur so viel sei ver­ra­ten: Das letz­te Koali­ti­ons­ge­spräch mit einem unter dem Pseud­onym „Hajo Fun­ke“ agie­ren­den Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker und Reichs­bür­ger Bun­des­bür­ger zeig­te, dass uns nur noch leich­te Opti­mie­run­gen in der Ziel­grup­pen­ana­ly­se von der Macht­über­nah­me trennen.

Damit sind wir eigent­lich auch schon mit­ten im The­ma, denn Ziel­grup­pen­ana­ly­se ist ja qua­si das Fun­da­ment jeg­li­cher Poli­tik. Betrach­tet man die momen­ta­ne Kri­se der Bun­des­po­li­tik unter die­sem Gesichts­punkt, so wird rasch deut­lich, wo Sand im Getrie­be ist:

Wäh­rend die einen ihre Ziel­grup­pe in einem Maße aus­wei­ten wol­len, das ratio­na­les Han­deln end­gül­tig ver­un­mög­licht, scheu­en ande­re davor zurück, end­lich ihren wirt­schafts­li­be­ra­len Klas­sen­spre­cher­pos­ten ein­zu­tau­schen gegen den­je­ni­gen des Anfüh­rers einer gan­zen Ras­sel­ban­de von Unzu­frie­de­nen, die – und so war es in der Schu­le auch immer – alles auf den Kopf zu stel­len ver­mag, wenn sie bloß an einem Strang zieht.

Dann gibt es noch die­je­ni­gen, die – in Aner­ken­nung der evo­lu­tio­nä­ren Urschuld des Men­schen­ge­schlech­tes – end­lich die letz­te Kon­se­quenz zie­hen und sich ganz und gar den Bie­nen, Schmet­ter­lin­gen und Vögeln ver­schrie­ben haben. Ein gewag­tes Wahl­kampf­ma­nö­ver, oder ein her­vor­ra­gen­der Schach­zug? Fest steht nur: Falls die oben genann­ten Spe­zi­es im Rah­men einer Jamai­ka-Koali­ti­on das Wahl­recht erhal­ten soll­ten, haben die Grü­nen sich einen ent­schei­den­den Vor­sprung für die nächs­te Bun­des­tags­wahl verschafft.

Wäh­len kann man am Ende jeden­falls nur noch Chris­ti­an Lind­ner. Denn der hat das mit der Ziel­grup­pen­ana­ly­se schon ganz ordent­lich durch­schaut. Der smar­te Mann ohne Kra­wat­te steht nicht nur medi­al hoch im Kurs, auch bei mei­nen Kom­mi­li­to­nen erfreut er sich einer wach­sen­den Beliebt­heit, weil er so ist, wie sie sich ihre BWL-Pro­fes­so­ren ein­mal vor­ge­stellt hat­ten. Der lin­gu­is­ti­sche Code der Wirt­schaft­lich­keit ist ein ver­flucht hand­li­ches Werk­zeug zur Ope­ra­ti­on an der Rea­li­tät – sicher nichts für einen Ein­griff am offe­nen Her­zen, aber doch taug­lich für ein biss­chen Auf­sprit­zen und Gera­de­schnip­peln und das genügt den meis­ten einst­wei­len bis zur Rente.

Nun wer­den sich die meis­ten Leser fra­gen, was die­ses Lamen­to eigent­lich mit der Über­schrift und über­haupt mit dem The­ma die­ser Kolum­ne zu tun hat und ich den­ke eine Drei­vier­tel­sei­te ist genug Recht­fer­ti­gung für einen, nun, etwas seich­ten Sonntagshelden.

Vor weni­gen Tagen fand in Sot­schi ein durch­aus bemer­kens­wer­tes und irgend­wie nicht son­der­lich beach­te­tes Tref­fen zwi­schen den Regie­rungs­chefs des Iran, der Tür­kei und Russ­lands statt. Bespro­chen wur­de die Zukunft Syri­ens, was – rein hypo­the­tisch – für uns und die hier leben­den Syrer die hof­fent­lich durch­aus nach­hal­ti­ge Ver­lo­ckung einer Heim­kehr Erst- und Letzt­ge­nann­te bedeu­ten könnte.

Es soll mir aber nicht um Syri­en gehen, eigent­lich geht es mir heu­te nur um eine Klei­nig­keit, die auch gar nicht mehr ist als das klei­ne Extra­stück Kan­dis im Sonn­tagstee, über das man ein­fach mal lächeln kann, wäh­rend von drau­ßen die Welt an die herbst­li­chen Fens­ter­schei­ben regnet.

Die Klei­nig­keit also – und es darf sich jeder selbst den­ken, wie­viel, oder wie wenig dahin­ter steckt – hier im Video (wobei die­se Per­spek­ti­ve ein biss­chen mehr zeigt).

Wir sehen: Ein biss­chen Mob­bing auf dem Inter­na­tio­na­len Par­kett; ein klein wenig Non­cha­lance in der Poli­tik, die in Deutsch­land zu häu­fig an den glatt­ge­lutsch­ten Kar­rie­ren der Chris­ti­an Lind­ners unse­rer Zeit abperlt und lei­der das unter­halt­sams­te was die gesam­mel­ten Schlag­zei­len die­ser Woche her­ge­ge­ben haben.

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Kommentare (3)

Ernst-Fr. Siebert

26. November 2017 14:37

 Aufschlußreich:

https://www.journalistenwatch.com/2017/11/25/syrien-der-wiederaufbau-laeuft-auf-hochtouren/

 

Utz

26. November 2017 16:14

Nett! Sehr nett! Wäre schade gewesen, wenn Sie in der Annahme, es hätte "größeres" gefunden werden müssen, verzichtet hätten. Und Sie haben recht: Wenn andernorts denunzierende Schülerinnen als Helden gefeiert werden, muß man sich über Größe eh keine Gedanken mehr machen. Und Sie haben nochmal recht: es hat mir einen trüben Sonntag freundlicher gemacht.

Harald

28. November 2017 15:15

Mein Sonntagsheld wohnt in einem kleinen Eichsfelddorf namens Bornhagen. Mit seinen Reden versucht er das deutsche Volk aufzurütteln. Viele Deutsche haben unter der jahrzehntelangen Umerziehung und Vergangenheitsbewältigung vergessen, wer wir eigentlich sind. Ein Volk, das auf eine über tausendjährige große und stolze Geschichte zurückblicken kann.Aus dieser Gechichte kann das deutsche Volk Kraft für die großen gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderngen und Aufgaben schöpfen. Björn Höcke ist mein Held.

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