Sezession
4. Januar 2018

Das war’s. Diesmal mit: Panik vor Büchern und unserem „Stoff“

Ellen Kositza / 15 Kommentare

Ich bin ein paar Tage allein mit der Jüngsten. Wir lesen die Nibelungen.

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Mit den anderen Kindern hatte ich die auch „durchgenommen“, in unterschiedlichen Nachdichtungen, diesmal ist Franz Fühmann dran. Die liebe Kleine hat die ersten Verse mittelhochdeutsch auswendig gelernt und folgt begeistert. Passagenweise hört sie staunend zu, dann will sie diskutieren, es ist eine Freude!

Nur eine komische Sache hat sich im Köpfchen festgesetzt: „Falls im Nil wirklich der Schatz der Nibelungen…“ – „Im RHEIN!“-„ Achso, ja. Ich verwechsle immer Nil und Rhein.“

So geht das zwei, drei Mal über die Vorlesungsabende. Zweimal muß ich lachen, beim dritten Mal bin ich (eigentlich ist die Jüngste nämlich ein echter Topographie-Spezi, sie schlägt darin sogar ihre ältere Schwestern) genervt: „Mann! In DEUTSCHLAND fließt der RHEIN und NICHT DER NIL!! Das kann man sich ja wohl mal merken?“

Die Tochter streichelt beschwichtigend meine Hand: „ Mama, Entschuldigung bitte. Eigentlich sind nicht die Flüsse das Problem. Manchmal verwechsel ich einfach Deutschland und Sudan.“

Wer’s nicht glaubt, kennt meine Tochter nicht. Und eh: Kann ja mal passieren. (Nachgereichter Kommentar einer altklugen Großen: In Deutschland stecke ja schon buchstäblich der Sudan.)

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31. Dezember 2017 -- Die Nibelungen sind so sehr unser Stoff! Ach, es würde den Rahmen dieser heiteren Kolumne sprengen, wie sehr! Und nun Fühmann, der Herzensgute, der Verblendete, der Reine, der Drecksack, der zugleich wahrer Poet und Kitschkünstler war…

Ich selbst stamme aus einem ganz und gar unakademischem Haushalt, aber die väterlichen Erzählungen von den Nibelungen haben meine Kindheit durchzogen, viel mehr als alles  von den Grimms.

Als wir anno 2002 in dieses verfallene Rittergut eingezogen sind, gab es folgende Episode: Im Juli rollten wir mit einem Umzugstransporter auf dem Hof. Drei kleine Kinder waren an Bord. Ich war deutlich schwanger und trug, weil‘s ein schmutziger Tag war, ein schmutziges T-Shirt einer bekloppten Trash-Metal-Band („Torment“).

Vom Haus gegenüber (das mochte annodazumal ein Gesindehaus des alten Guts gewesen sein) beobachteten einige gescheitelte Kerle unseren Einzug mit Argusaugen. Bald wurden stramme Parolen rübergerufen: „Sie betreten doitsches Gebiet!“  Usw., usf., - entsprechend doitsche Musik schallte bald rüber. Es war klar, daß wir die Feinde aus dem Westen waren, die Öko-Punks oder so.

Kubitschek war noch am selben Abend rübergegangen, um Hallo zu sagen. Fazit: „Kräftige Kerle, ohne Maßstab, auf dem völlig falschen Dampfer." Aber bestimmt nicht unrettbar! In den folgenden Monaten nahm er sich die Jungs von Gegenüber regelmäßig zur Brust. Das waren keine Rechtsradikale, das war haltloser patriotischer Bodensatz!

Kubitschek fand, dort müsse man nicht mit Geschichtsstunden beginnen, sondern mit ganz einfachen Grundlagen. Er wählte die Nibelungen, schlichteste Nacherzählung. Drei der vier Jungs erwiesen sich als mehr oder weniger gut bildbar. Der vierte nicht. Es stellte ich bald  heraus, daß Ronny Herz (der eigentlich anders heißt) glatter Analphabet ist. Er konnte Kubitscheks sehr simple „Hausaufgaben“ schlicht nicht lesen! Für uns war das damals ein Schock.

Die WG von gegenüber hatte sich nach wenigen Jahren aufgelöst. Einer der vier Jungs hatte sich totgefahren. Ein weiterer ist ein guter Kunde von Antaios.de. Vor zwei Jahren lernte ich eine beeindruckende Frau kennen, die sich nach anregendem Gespräch als Freundin von X. vorstellte. Von „Ronny“ aber: kaum eine Spur.

Und nun das: Nach Weihnachten waren eine Menge Bestellungen im Verlag angelaufen. Das Vertriebsbüro war schmal besetzt, deshalb half ich beim Schreiben der Rechnungen. Ausgerechnet einmal „Sieferle, Finis Germania“, ging an Ronny Herz. (Auch sein echter Name ist nicht gerade Massenware. Er muß es also sein.)

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1. Januar 2018 -- Du liebe Güte: Im Bestand der Potsdamer Stadtbibliothek finden sich angeblich „auch rund 20 umstrittene Bücher - mit neurechter Ideologie und Verschwörungstheorien. Sie heißen Finis Germania, Die Asyl-Industrie oder Kontrollverlust.“

Die „umstrittenen“ Autoren Udo Ulfkotte (ehemaliger FAZ-Redakteur) und Rolf-Peter Sieferle (ordentlicher Professor der Geschichtswissenschaften) dürften im Grabe rotieren angesichts der Etikettierung;  Schulte; sechsundzwanzig Jahre lang mehr oder weniger prominentes CDU-Mitglied und rechtschaffener Unternehmer, dürfte wenigstens mit den Augen rollen.

Bei den „Potsdamer Neueste Nachrichten“ ist man aber alarmiert. PNN-Redakteur Henri Kramer äußert in altväterlichen Ton:

Es sind einige solcher Schriften zu viel. Es lässt sich nämlich trefflich argumentieren, dass in Zeiten, in denen im Internet jede noch so absurde Verschwörungstheorie und rechte Hetze jedweder Art als normale Meinungsäußerung durchgehen, solche Inhalte nicht noch in öffentlichen und von Steuergeldern bezahlten Bibliotheken angeboten werden müssen.

Geh ich auf die Netzseite der PNN, erhalte ich dort sofort und prominent eine „kostenlose Spieleinladung“ zum militaristischen Computerspiel „Call of War“. Geh ich auf die Netzseite der Potsdamer Stadtbücherei, finde ich dort im Katalog eine unglaubliche Menge an Verschwörungstheroriebüchern aus der Feder frei flottierender Stimmungsmacher.

Kurze Stippvisite: Volker Weißens Die autoritäre Revolte, linke Hetze und Angstmache vom Feinsten: entleihbar! Ganze fünf Bücher der umstrittenen linksradikalen Autorin Andrea Röpke: entleihbar! Majakowskis bolschewistische Revolutionslyrik, Lenins Ergüsse: entleihbar! Mit Steuergeldern! Usw., uvm.

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2. Januar 2018 -- Vermutlich kommen nur Hausfrauen meines Typs von wesentlichen Fragen auf hausgemachte und vice versa. Der Beitrag von Thor Kunkel hat ja für ein hübsches nachträgliches Feuerwerk gesorgt.

Die einen klagen, „meine Güte, wie plump“, die anderen freuen sich: „Endlich sagt`s mal einer!“

Unser hochgelahrter Disputant maiordomus hat dazu (und zu Beatrix von Storchens inkriminiertem Tweet) befunden:

Das ist, wie ich betonen möchte, keine Stilfrage oder Frage des guten Geschmacks, sondern eine Textsortenfrage. Desgleichen Thor Kunkel. In einem Forum, in dem es um politische Theorie geht und um die Vertiefung des langfristigen politischen Bewusstseins, passt die Propagandasprache nun mal nicht.

Nun zum Eingemachten: Wir sind ein photoapparatfreier Haushalt. Das ist keine Ideologie, sondern Neigung.

Wir haben nie ein Neugeborenes, nie einen Schulanfänger, nie eine Abiturientin etc. aus unserem Hause abgelichtet. Es existieren auch keine Urlaubsphotos. Vielleicht ist das schade - aber ist so. Gelegentlich kommen Photos auf uns, die Freunde oder Verwandte zu besonderen Anlässen geknipst haben: schön, freut uns!

Nun hatten unsere Kinder uns zu Silvester ein kleines Überraschungspaket serviert: kurze Gelegenheitsvideos aus dem vergangenen Jahrzehnt, irgendwie heimlich aufgenommen. Ach, war das herzig!

Auf dem Schnipsel, wo eine (heute längst große) Tochter durch die Gegend krabbelt, sehen wir einen einsamen Socken unter einem Schrank liegen. Ich, spontan: „Kenn ich! Der liegt immer noch dort!“ (Es stellte sich als Fehlbehauptung heraus. An gleicher Stelle lag nun ein anderer Singlesocken.)

Will sagen: Bei uns ist es nicht so steril. Ich sage gern: Wir sind Anti-Hygieniker. Immerhin hat keines unser Kinder Allergien oder leidet unter Gesichtsblässe- das wäre doch mal ein schöner Nebeneffekt.

Mein Motto als liederliche Hausfrau ist: Was echter Dreck ist oder in ästhetischer Hinsicht stört (Plastekram), muß weg, sofort. Alles andere kann man auch mal stehen- oder liegenlassen.

Der maiordomussche Hinweis auf die Textsorten ist zweifellos klug. Nichts gegen Reinheit, wenn es um echt pathogene Keime geht. Und doch, einem großen Haus steht ein wenig Drunterunddrüber ganz gut. Wir sind ja kein Museum. Nichts als das! Es lebe Thor, es lebe der Hausmeier!

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Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (15)

Franz Bettinger
4. Januar 2018 11:41

Nicht, dass es wichtig wäre, aber fragen Sie mal die Kleine, welche 3 Länder sich der äußeren Form nach sehr ähneln? - Ich glaube, das weiß sie nur, wenn sie selbst mal Europa und die Welt auf Karton gemalt und dann die Länder mit der Schere ausgeschnitten hat, um eine Art Puzzel zu machen.

Antwort: Schweiz, Irland, Mongolei.

Der Gehenkte
4. Januar 2018 12:19

 Die Fühmannschen Nibelungen waren auch unser Stoff und zwar in der Hörbuchvariante. Haben wir im Auto hoch und runter gehört und die Kinder konnten es fast auswendig! Wird auch in der Schule als Lesestoff noch behandelt; dort macht man immer wieder die Erfahrung, daß dieses Buch wirkt, Herzen öffnen kann.

Leider sind die Kassetten abhanden gekommen - weiß jemand, wo und wie man das Hörbuch bekommen kann?

Fühmann selber ist ein Großer! - aber im zu kleinen Kontext.

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Glückwunsch an Ronny! Schöne Geschichte.

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Kunkelei: "die anderen freuen sich: „Endlich sagt`s mal einer!“"

Nicht daß, sondern wie ... aber geschenkt. Und was nun "echter Dreck" ist und was nicht - das weiß jeder Ehemann -, darüber kann man streiten. Vermutlich habe ich meine eigene "Allergie" hier zum Maßstab genommen. Vielleicht trifft man sich ja mal auf ein Bier.

Herr K.
4. Januar 2018 12:57

Unheimlich beruhigend, wenn immerhin Sie begriffen haben wie man nicht spaltet...so soll's sein!

Lotta Vorbeck
4. Januar 2018 13:02

@Kositza: "Es lebe Thor, es lebe der Hausmeier!"

Sollte sie sich vertippt und Hausmeister gemeint haben?

Frisch ans Werk - einfach mal den Großen Gockel fragen!

Gleich der erste Suchtreffer überracht den Nichtlateiner ...

"Das Amt des Hausmeiers (oder Majordomus bzw. maior domus, aus lateinisch maior „der Verwalter" und domus „das Haus", also des „Verwalters des Hauses") zählte zu den Ämtern des frühmittelalterlichen Hofes. Im Merowingerreich gewannen die Hausmeier großen Einfluss und bestimmten maßgeblich die Politik des Reiches."

Wer hätte das gedacht? - Der gute Pirmin aus dem alpinen Lande der Eidgenossen ist also Haus-Meier ... äh Verwalter ...

Es lebe der Thor und es lebe der Pirmin!

H. M. Richter
4. Januar 2018 13:30

"Die Tochter streichelt beschwichtigend meine Hand: „ Mama, Entschuldigung bitte. Eigentlich sind nicht die Flüsse das Problem. Manchmal verwechsel ich einfach Deutschland und Sudan.“

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Wunderbar. Welche Geschichten doch das Leben schreibt …

Und doch, ich sehe sie nun vor mir, die Textpassage, die nun unausweichlich wird: 

„Während er sich in Militärstiefeln und in einer feldgrauen Jacke, die einem Uniformteil gleicht, um die Ziegen kümmert, läßt sie ihre jüngste Tochter, die, was niemanden verwundern kann, einen germanischen Namen und sorfältig geflochtene, blonde Zöpfe trägt, das Nibelungenlied auswendig lernen. Wieder und wieder schallen die Verse rhythmisch durch die Küche. Fehler werden nicht geduldet. Das Ziel dabei ist nicht zuletzt ein neo-koloniales. Inzwischen spricht das blauäugige Kind vom Sudan bereits ganz so, als ob es sich dabei niemals um eine britische Kolonie gehandelt hätte, sondern um einen deutschen Sehnsuchtsort, in dessen Mitte der Nibelungenschatz liegt. Man muß kein Prophet sein, um sich vorzustellen, wie man im neurechten Rittergut darüber denkt, an diesen Schatz zu gelangen": 

https://www.sterntours.de/aegypten-reisen/nilkreuzfahrt/nilschiff-ss-sudan

Caroline Sommerfeld
4. Januar 2018 13:42

Sogleich den Fühmann um 5 Euro bestellt und nach Schnellroda schicken lassen (sonst ist das Porto nach Österreich teurer als das Buch, und wir sehen uns bei der Winterakademie). Das wird beiden Burschen gewiß taugen. Wir haben bisher eine (allerdings schön gezeichnete) Bilderbuchversion.

Was übrigens auch gefällt und gruselt (das ist oft ein und dasselbe im Kindergemüt) ist Otfried Preußlers heuer neu erschienene Sammlung alter deutscher Regionalsagen unter dem Titel "Zwölfe hat's geschlagen".

Der Kleinste hatte länger zu Knabbern an einer Sage von der böhmisch-schlesischen Grenze, in der eine Mutter ihr Baby in einer Schatzhöhle zurückläßt, weil sie von den Schätzen geblendet alles an sich rafft und keine Hand und keinen Sinn mehr für ihr Kind hat.

Lotta Vorbeck
4. Januar 2018 14:34

 

@H. M. Richter - 04. Januar 2018 - 12:30 PM

Werter @H. M. Richter falls Sie am Donnerstag, dem 10. Mai 2018 für den diesjährigen Himmelfahrtstag noch nichts besseres vorhaben, könnten wir ja - das Mineralwasser an Bord gibt's gratis - eine Herrentagstour auf dem Nilkreuzfahrtdampfschiff SS-Sudan buchen ...

 

 

 

 

 

Marodeur
4. Januar 2018 19:12

"haltloser patriotischer Bodensatz"

Danke für die schöne Formulierung. Ein wenig Struktur hätte ich mir als junger haltloser Patriot auch gewünscht. In der DDR-Bibliothek gab es damals leider keine hilfreichen "Verschwörungstheorien", dafür aber jede Menge interessante militärhistorische Werke. Daraus entstand ein eigentümliches Gesinnungsgemenge. Gut, dass es heute wieder auf(rechte) Menschen gibt, die einem Halt geben.

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Kunkels Beitrag und die nachfolgende Diskussion waren ganz wunderbar. Die 50 Kommentare konnte man ohne Ermüdungserscheinungen abarbeiten. Die kritischen Beiträge waren lesenswert und die Befürworter haben viele wichtige Ergänzungen hinzugesteuert. Bedauerlich war allein der Einwand, dass man dann aber bitte bei theoretischen Beiträgen keine Einwände bzgl. Praxisferne oder brotloser Fachsimplei haben möchte. In einem Blog wie diesem, muss Theorie vor Publikum bestehen. Als Wissenschaftler habe ich vor Jahren lernen müssen, dass ein hohes Niveau nicht einfach durch Verzicht auf Abstraktion entsteht. Wenn eine Erkenntnis sich durchsetzen soll, dann ist eine gewisse Bereitschaft zum Erzählen gefragt. Mehr ist doch meist garnicht gefordert, oder?

Maiordomus
4. Januar 2018 23:33

@Betrifft: Hausmeier und Hausmeister. Korrekturprogramme korrigieren oft zugunsten des häufigeren Gebrauchs, also Hausmeister statt Hausmeier. Und die Pippins als merowingische Hausmeier dürfen natürlich nicht mit subalternen Hausbeamten verwechselt werden. Die Vorkarolinger bildeten bei all ihrer Brutalität eine Morgendämmerung des Abendlandes, nicht zu vergessen Muslimenbezwinger Karl Martell, der freilich mal einer Frau die Schulter ausgerenkt haben soll. Für die Kinder ist es wohl am besten, dass man ihnen das Nibelungenlied mündlich erzählt, die Neuübersetzungen befriedigen nicht richtig. Es wäre höchst wünschenswert und das gebotene Minimum an Gymnasialbildung und zumal germanistischer Ausbildung, dass man wieder Gotisch, Althochdeutsch, Altsächsisch, Altenglisch, Altnordisch verstehen lernt, weil alte Sprachen wohl dasjenige sind, was man nicht einfach Googeln kann und hier wirklich noch in der Schule was zu lernen ist, z.B. im klassischen Gymnasium, dem die grössten Wissenschaftler Europas entstammen, da lernte man dank formaler Bildung nach dem Rezept von Goethe-Freund Wilhelm von Humboldt fast nur unnütze Sachen, und sodann: je unnützer, desto weniger rein ideologische Manipulation, wie häufig im geisteswissenschaftlichen Unterricht. Kommt dazu, dass das Althochdeutsche zum Beispiel in seinen diversen Vaterunserversionen sowie das Mittelhochdeutsche des Nibelungenliedes, von dem eine Originalhandschrift in St. Gallen aufzusuchen sich lohnt, als wunderschöne Sprachen erklingen. Da könnte einem die Schule sogar wieder Freude machen!

Fritz
5. Januar 2018 09:14

Fand die Nibelungen immer ziemlich öde; die griechische Mythologie hat mich schon als kleiner Junge viel mehr fasziniert.

Caroline Sommerfeld
5. Januar 2018 10:52

@Marodeur:

Bedauerlich war allein der Einwand, dass man dann aber bitte bei theoretischen Beiträgen keine Einwände bzgl. Praxisferne oder brotloser Fachsimplei haben möchte. In einem Blog wie diesem, muss Theorie vor Publikum bestehen.

Ihr letzter Satz ist vollkommen richtig. Nur ist es für Theoretiker ernüchternd, wenn nicht die Art und Weise, w i e  sie Theorie zu vermitteln imstande sind, sondern die schiere Tatsache, daß es Theorie ist, verabscheut wird.

Dasselbe gilt auch für Beiträge, die sich mit linken Ansätzen oder Autoren beschäftigen und sie auseinanderpflücken. Da heißt es regelmäßig, das wäre doch müßig und vertane Liebesmüh', die Linken hätten sowieso verloren.

Man muß ja auch auf SiN nicht alles lesen. Es gibt Menschen, die können mit Theorie nichts anfangen, es gibt Menschen, die können mit Moral nichts anfangen, es gibt Menschen, die können mit Satire nichts anfangen, es gibt Menschen, die können mit "Sexualgrotesken" (Max Goldt) nichts anfangen.

Unser Haus hat viele Wohnungen. Unser Binnenpluralismus überbietet den der Linken bei weitem. Ich finde das hocherfreulich!

 

Maiordomus
5. Januar 2018 11:37

@Fritz. Lesen Sie mal die Trilogie "Die Nibelungen" von Friedrich Hebbel, wurde vor Jahren leider noch arg gekürzt in St. Gallen und anderswo aufgeführt. Als Lesedrama meines Erachtens jedoch sackstark. Natürlich lohnt es sich, die Orestie etwa in der Übersetzung des kongenialen Kurt Steinmann zu lesen, welche letztes Jahr in Darmstadt von Regissuer Rueb genial - mit Stanley Kubrick als Modell-Vorbild -  in Szene gesetzt wurde, als Opernfassung auch in Basel. Da in den letzten zehn Jahren meines Erachtens in der deutschen Literatur, wohl aufgrund des geistigen Klimas der Zeit, trotz der zum Beispiel noch guten Bücher von Arnold Stadler (die Psalmen sind indes das Beste)  nie etwas wirklich Grosses und mutmasslich überzeitlich Weiterwirkendes erschienen ist, lohnt es sich durchaus, auf Vorgestriges zu rekurrieren, zumal es heute leichter zugänglich ist als noch gestern und zumal auch die Preise etwa für antiquarische Literatur, siehe www.abebooks.de, in den letzten Jahren dank des Rückgangs gebildeter Leser stark gesunken sind. 

Ein gebürtiger Hesse
5. Januar 2018 11:51

@ Fritz

So kann's gehen. Manchmal braucht es eine Weile, um zu erkennen, was das vor ewiger Zeit Gewesene mit dem heutigen Eigenen zu tun hat. Lesen Sie einmal, was Günter Scholdt in der bei Antaios erschienen "Literarischen Musterung" zum Nibelungen-Urtext zu sagen hat, dann sehen Sie womöglich neues Land.

Klaus D.
5. Januar 2018 13:28

@Lotta VorbecK

"...Mineralwasser an Bord ... Herrentagstour auf dem Nil ..."

Herrentagstour mit Frauen? Naja, die neue Zeit macht´s möglich. Und dann mit Mineralwasser? Oje, aber an der Stelle aufgepaßt - nur aus noch fest verschlossenen Flaschen trinken! Dies hätte ich bei meiner Nilkreuzfahrt beherzigen sollen, habe die Tour wegen einer heftigen Magen-/Darmverstimmung in unguter Erinnerung. Das Nilpanorama sowie Teile der Tempel- und Grabanlagen sind natürlich großartig, ansonsten viel Staub und Gewühle (ständig 2-3 Schiffe in Sichtweite).

Fräulein von Trense
5. Januar 2018 18:53

Auch wenn ich nun von der Hausherrin und ihren Gästen hier Prügel kriegen mag: Fritz hat recht. Im Vergleich zu zB. Gustav Schwabs "Schönsten Sagen des klassischen Altertums" sind die Nibelungen in jeder mir bekannten Version einfach nur - nett, mehr nicht.

Die alten Griechen waren nun einmal so einzigartig an Vorstellungskraft, Phantasie, Geistesschärfe und Intelligenz, daß sich dieses Eigenschaftengemenge selbst auf das Niveau solcher Volkskunst wie es die Sagenwelt darstellt, auswirkt.

Wie flach und blaß sind dagegen die Römer mit ihrem Staatsheldentum oder eben die Germanen mit ihren, sagen wir, rustikalen und handfesten Heroen. Siegen, Schmausen und viel in der Hütte Haben - darauf läßt sich das Ideal des  vormodernen Epos reduzieren, aber während meinen gewiß laienhaften Kenntnissen nach es sich mit dieser beseligenden Trias bei allen Nichtgriechen dann auch hat, tritt einem schon seit Homer auch anderes, ganz anderes in der griechischen Sagenwelt entgegen.

Bildlich ausgedrückt, bringen normale Völker mit ihren Heldensagen zweidimensionale  Prachtgemälde zustande (ist ja auch eindrucksvoll und schön), die Griechen aber machen ein mindestens dreidimensionales Riesenpanorama, so weit und groß wie das ganze Leben, daraus (das ist dann eben doch eine andere Kategorie).

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