29. Juni 2009

Wie weiter? (VII): Die Mündigen

von Götz Kubitschek / 42 Kommentare

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

an alleWir müssen -- in der Theorie -- unser Verhältnis zu unserem Volk klären, das wie jedes Volk heute vor allem eine Masse ist. In der Praxis klärt jeder tagtäglich sein Verhältnis zum Volk -- ob als Vater unter Eltern, ob als Nachbar am Zaun, ob als Besucher eines Ausflugsziels unter all den anderen, die an diesem Tag dasselbe Ziel hatten.

Es gibt viele, die sich innerhalb der theoretischen Auseinandersetzung mit dem massenhaften Volk verbrüdern und von seiner Mündigkeit und seinem Wert sprechen, und die in der praktischen Alltagsbegegnung mit dem Einzel-Gesicht aus dieser Masse nicht zurecht kommen und auch gar keine Begegnung oder Gemeinsamkeit wünschen, weil sie sich für etwas Besseres halten.

Es gibt daneben jene, die an der Masse verzweifeln (ebenfalls genährt aus dem Bewußtsein, etliches besser zu wissen), jedoch im täglichen Umgang ein gutes, manchmal sogar förderndes Auskommen mit dem Nachbarn im Haus, an der Supermarkt-Kasse und auf dem Fest-Platz finden.

Ich gestehe: Ich gehöre zur zweiten Sorte, und ich kann aus meiner geballten Erfahrung noch immer und gegen jede Theorie nicht begreifen, warum man Quantitäten über Qualitäten entscheiden läßt, kurz: warum man diejenigen über staatspolitische Fragen mitentscheiden läßt, die über ihr Dorf und ihre Region hinaus nicht viel mehr zu begreifen willens und in der Lage sind.

Ein Beispiel: Auch im Gemeindeverbund des Dorfes Schnellroda gibt es HartzIV-Dynastien, gibt es also Familien, denen das Leben auf Kosten der Allgemeinheit so gut gefällt, daß sie ihren Kinder denselben Lebensweg nahelegen. Wer nun mit den Trägern der dörflichen Ordnung über solche Existenzen ins Gespräch kommt, erlebt konkrete Gewaltphantasien: "diese Leute hochtreiben", "kein Geld mehr, harte Arbeit", "Hunger kennenlernen, schau Dir an, wie fett die sind", "Gesindel"!

Aber: Dieselben Leute, die eben im Angesicht des konkreten Falls zur sozialen Kontrolle rieten und vom Parasiten sprachen, wählen morgen jene Parteien, die den HartzIV-Satz erhöhen und den Fleiß bestrafen wollen. Und jene, die ungläubig durch Offenbach gehen und nach der deutschen Stadt suchen, wählen morgen den, der ihnen erzählt, daß sie ihren Augen nicht trauen sollen und daß in Offenbach eigentlich alles so ist wie vor vierzig Jahren -- nur ein bißchen spannender.

Wie nun? Wer ist mündig? Und wann ist er es? Ziemlich unisono waren sich die Kommentatoren nach der Europawahl einig, daß der "Rechtsruck" unter Wilders oder Strache ein Zeugnis für Unreife, für die falsche Wahl sei. Gibt es plötzlich doch einen Maßstab für Mündigkeit? Er kann mit dem erreichten Lebensalter nichts zu tun haben, nach diesem wiederum quantitativen Parameter (über 18) wird ja die Wahl-Mündigkeit erteilt. Wer "rechts" wählte, bewies dadurch also plötzlich, daß es doch so etwas wie eine qualitative Reife gebe: eine Einsicht in die Gefährlichkeit der Abweichung in der Wahlkabine. Der Waldgang dämmert herauf ...

Wenn die Masse im qualitativen Sinne nicht reif ist: Kommt es dann innerhalb unseres politischen Systems nicht doch darauf an, daß man Massenpolitik treibt? Ich behaupte, daß die Massenpolitik unserer Zeit echte Mimikry ist, eine durch zuckersüße Worte verdeckte Verachtung der Masse, gespeist aus der Genugtuung, diese Masse als Karriere-Sprungbrett genutzt zu haben, kurz: die Ochlokratie verstanden und persönlich genutzt zu haben. Ich hörte nie verächtlicher über die Masse des Volkes sprechen als in den Gängen des Stuttgarter Landtags. Und ich vernehme in meinem Schädel auch Verächtliches, weil doch der große Teil der Masse (also: des ziemlich zur Masse verkommenen Volkes) mit dem Strom schwimmt und noch nicht einmal auf dem Stimmzettel widerständig ist.

Herrscht, wer am geschicktesten steuert, am suggstivsten Bilder aufbaut? Wie sähe sie aus, eine konservative, rechte Massenpolitik? Sie muß ja, das ist doch die Voraussetzung, von Zuneigung zum eigenen Volk genährt sein, sonst bricht jede Theorie zusammen, die das Nationale, also: den politisch eigen-artigen Ausdruck des Volkes betont und ihn -- je nach Radikalität -- verteidigen oder erst zur Geltung bringen will. Und diese Zuneigung: Sie vertrüge sich nicht mit Mimikry, mit der Vorspiegelung einer Augenhöhe mit der Masse also, von der ja im Ernst keine Rede sein kann.

Ich halte diese Frage also tatsächlich für nicht gelöst in unseren Reihen, und empfehle zur Beschäftigung mit dieser Frage aus dem Masse-Heft der Sezession den Beitrag von Karlheinz Weißmann zur Massenpolitik, den von Daniel Bigalke über Masse und Mündigkeit und den von Felix Menzel über den Kampf um Aufmerksamkeit.

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (42)

Sugus
30. Juni 2009 01:13
Die Sezession täte gut daran, von der Elitenhuberei runterzukommen. Der HartzIV-Empfänger ist nicht das Problem, auch nicht die "Masse"; die "Eliten" selbst sind es (denen man doch so gerne angehören möchte oder als deren Teil man sich auch sieht), die die Dinge sich zum heutigen Stand haben entwickeln lassen.
Weiter: runterkommen vom Ethos der Askese. Massen wie Eliten lockt man nur mit Pfründen. Das ist nicht verwerflich; Frage ist nur, wem man warum wieviel gibt.
Tommy S.
30. Juni 2009 08:59
In der Tat sind sich rechte Demokratieverächter hier erstaunlich widersprüchlich, und oft schwanken dieselben Personen innerhalb kurzer Frist zwischen Populismus und Elitenseligkeit hin und her: Da wird einerseits unter dem Signunm "mehr Demokratie" die Zulassung von Volksabstimmungen eingefordert, weil man glaubt, dadurch mehr politischen Einfluss zu gewinnen zu können als durch Wahlen. Andererseits wird "das Volk" als verführbare Masse verdummter Idioten apostrophiert, das von einer "Elite" geführt werden muss. Also was denn nun ??

Letzlich geht es doch auch hier im Kern um die Auswahl und Legitimation der Eliten, weniger um ihre Funktion oder ihre politische Ausrichtung. Hier liegt gewiss manches im Argen, aber zur demokratischen Auswahl von Eliten aus dem gesamten Volk (und nicht aus einer bestimmten, von Geburt, Reichtum definierten Schicht sowie der Rückbindung von Eliten an das Volk durch Wahlen und Abstimmungen gibt es kaum eine vernünftige Alternative - was passiert, wenn die Eliten anfangen, sich abzuschotten und aus sich selbst zu reproduzieren und so den Kontakt zum Volk und zur Realität zu verlieren, können wir in unserer Geschichte und der heutigen Situation vieler Länder bewundern - und ein Stück weit hat auch die Bundesrepublik diesen Weg eingeschlagen.

Meiner Ansicht nach ist eher an diesem Punkt anzusetzen, als an der Frage nach einer - wie auch immer verbrämten - Entmündigung des ganzen Volkes. Und dann wird man sich wohl oder übel mal auf den Weg in die pratkische Politik machen müssen, um seine Vorstellungen zu Gehör zu bringen - wovor allzu viele rechte Salonintellktuelle in ihrer elitären Arroganz offenbar eine größere Scheu haben als Dracula vorm Knoblauch.
Freedy
30. Juni 2009 09:17
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Bloße Mündigkeit, womöglich gesteigert zu parlamentarischem Maulheldentum, legitimiert nicht zur Macht.

Auch die Masse schaut nicht zu Maulhelden auf, sondern zu Männern der Tat. Daher auch ihr Herabschauen auf konkrete Müßiggänger. Im System Demokratie spielen die Männer der Tat aber keine wesentliche Rolle. Es ist Teil des Instrumentariums der Macht der Demokraten, sie auf die ökonomische Spielwiese zu verweisen, was diese in anbetracht begrenzter Lebenszeit und der so erreichbaren Freiheiten gern annehmen. Nicht umsonst verlassen sie heute, da ihre Spielwiese zusehends vermint wird, in Scharen die BRD. Die hierzulande installierte Parteienherrschaft mitsamt Verfassungsschutz dient zugleich als das Zwangskorsett für jeden, der demokratisch-systemkonform nach Veränderung strebt.

Es mag aber helfen, noch viele Rittergüter zu schaffen.
Hesperiolus
30. Juni 2009 09:18
Wäre Masse nicht Nach-Volk? Abbaustufe von Volk, denn auch die zur heroischen formierbare Masse ist doch schon unwiederbringbar Geschichte. Tendenziell zu immer liquiderer Konsistenz, zum fellachischen Völkerbrei, bleiben nur panem et circenses. Und Masse gegenüber Elite scheint kein gegensätzliches, sondern ein komplementäres Verfallsverhältnis zu zeigen. Symptomatisch sind beide das Problem oder vielmehr die hoffnungslose Diagnose! Shopping Mall-Physiognomien mit Lendvai-Dircksen-Gesichtern vergleichen! Stünde sezedierende Ambition vor der trostlosen Alternative ästhetischer Anachorese oder Atembläserei an Zombies?
Hohenstaufer
30. Juni 2009 09:20
Grundsätzlich hegen "rechte" Denker und auch Politiker ad definitum eine reservierte Haltung gegenüber der Masse und vor allem deren Herrschaft. Dies begriffs- und ideengeschichtlich an dieser Stelle zu skizzieren, spränge den vorgegebenen Rahmen, doch sei kurz auf den elitär- aristokratischen Charakter des klassischen Konservativismus hingewiesen. Die geistesgeschichtlichen Wandlungen nach 1918 veränderten auch die rechten Denkens inhärenten Grundelemente und evozierten erstmalig die Verbindung von Konservatismus und Revolution. An diesem Punkt war die in der Betrachtung der heutigen Generation verwerfliche Verbindung von NS und einzelnen Flügel innerhalb der KR angelegt, die bis in unsere Tage zu einer pauschalisierenden Verdammung aller Ansätze konservativ- rechten Staatsdenkens implizierte.

Nun aber zum Kern der Sache: ein elementarer Beweggrund für die Abkehr nationalbewußter Intellektueller von der in Deutschland lebenden Masse (nicht: "deutschen Masse") stellt deren mentale Verfaßtheit im Sinne aktiv betriebener Amerikanisierung, Liberalisierung usw. dar, die in Verbindung mit der subproletarischen "Migrationsmasse" den an preußisch- deutschen Staatsidealen verhafteten "Rechten" leider immer mehr zu Resignation und Aufgabe (räumlich, politisch) veranlaßt.

Gleichsam gehe ich mit Herrn Kubitscheks Ausführungen insofern konform, als daß politische Schnittmengen mit dem "gemeinen" Mann auf lokaler, vereinzelt auch kommunaler Ebene konstatierbar sind, doch fehlt eben der Masse dezidiert ein Verantwortungsbewußtsein für das "Ganze", das Nationale, den Staat, unser Deutschland!

Aber was tun?
Thorsten
30. Juni 2009 09:40
Ich bezweifle, dass die Masse in der "Demokratie" eine Mitentscheidsmöglichkeit hat, die über Detailfragen der durch Eliten (des Systems) bereits beschlossenen und verplanten Gestaltung hinausgeht.

Wir haben ein Problem, welches sich nicht dadurch beheben läßt, dass man die Dümmeren und Ungebildeteren von Wahlen fernhält. Ganz im Gegenteil: Das Problem ist nicht die Dummheit der Masse, sondern die Manipulationsmöglichkeit der Masse, welche die halb- und einseitige Bildung nutzt, für die das System selbst sorgt, und weiter an der Manipulationspflicht derer, die an den Futtertrog des Systems gelangen möchten.

Dummheit ist immer auch manipulationsresistente Sturheit. Das Problem besteht daher nicht im HartzIV-Empfänger, der wählt schon gar nicht mehr, sei es aus Faulheit oder aus instinktivem Begreifen des Unsinns. Das Problem besteht heute in der manipulierten Masse eines einseitig gebildeten, neuen BRD-(Klein-)Bürgertums. Diese kleingeistigen Nutznießer des Systems wählen tatsächlich aus Überzeugung. Da gibt es Parallelen zur DDR.

„Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden.“ (Römer 1,22)
Timotheus
30. Juni 2009 09:57
Der Gedanke, es würde bei einer Wahl um die Zustimmung zu Inhalten gehen, ist bereits völlig absurd. Die Bürger fordern mehr Leistungen und weniger Steuern und wollen mit dieser Erwartungshaltung, anscheinend, unbedingt betrogen werden. Die Politik entspricht diesen Wünschen, vielleicht notgedrungen, vielleicht mit Freude und Elan.

Tatsächlich ist diese Wahlsituation von derart vielen Imperfektionen geprägt, man denke hier nur an die natürlich leeren Versprechungen der Politik vor den Wahlen, die sich mit idiotischen Anspruchshaltungen der Wähler willig paaren. Alles, was diese Form der Politik zu Wege bringt, ist eine sehr diffuse Legitimierung irgendetwas ebenfalls sehr undefinierbarem. Mir würde der Verlust dieses Spektakels, in aller Offenheit, wohl verschmerzbar erscheinen.

Ob wir nun auf bundesdeutscher Ebene die Katze im Sack wählen, oder auf europäischer Eben einen Debattierclub legitimieren... Wo ist da der Unterschied?

Für mich ist die Konsequenz klar. Als Rechte muß eben unser Wahlversprechen sein, die klassischen Werte des Bürgertums zu reanimieren, was, ehrlich gesprochen, Politik nur sehr bedingt leisten kann. Das wäre eben die rechte Art Populismus zu betreiben...
Anna
30. Juni 2009 09:59
Zur Frage, warum hierzulande „niemand“ rechts wählt: Schaue ich mir die Frauen (allesamt studiert) in meinem Bekanntenkreis an, liest kaum eine Zeitung. In der Folge ist auch nur das im Bewusstsein, was durch Schlagzeilen auf der Email-Homepage zu lesen ist, bzw. auf den ÖPNV-„Nachrichten“. Gewählt wird dann das, was der Mann empfiehlt oder was mit der Freundin abgesprochen wird. Mit Logik oder Statistik braucht man nicht anzufangen, eher mit Emotion. Solange nur „Stigmatisierte“ auf die Leiden deutscher Kinder hinweisen, ist das eher kontraproduktiv. Fazit: 1. Ich sehe (leider) keine Möglichkeit zur Änderung vom Rand her. 2. Die Masse der Bevölkerung war von jeher „unpolitisch“.

Zu HartzIV: Die systematische „Runterqualifizierung“ der psychologischen Konstitution der Arbeitslosen lässt jeglichen Kampfeswillen in der Bevölkerung erlahmen. Bei uns gibt es nur noch zu verlieren, bei den anderen kann politisch noch viel an Macht und politischer Mitsprache hinzugewonnen werden.

Außerdem: Bei Betrachtung der 32/33er Wahlen, wurden die Wahlen wohl auch Wahlversprechen ökonomischer Art gewonnen (die ja dann durch Vollbeschäftigung drei Jahre später eingelöst worden waren) – unter der Prämisse, dass damals „rechts“ gewählt wurde.
Rudolf
30. Juni 2009 12:18
Und jene, die ungläubig durch Offenbach gehen und nach der deutschen Stadt suchen, wählen morgen den, der ihnen erzählt, daß sie ihren Augen nicht trauen sollen und daß in Offenbach eigentlich alles so ist wie vor vierzig Jahren – nur ein bißchen spannender.


In anderen Ländern wird aufgrund ähnlicher Beobachtungen FPÖ, SVP, Lega Nord, Wilders etc. gewählt.

Vielleicht liegt es ja weniger an unterschiedlichen Reifegraden der "Massen", sondern doch an Weichestellungen der sog. "Eliten".
Friedrich
30. Juni 2009 12:27
1. Was in den Landesparlamenten und im Bundestag sitzt, ist keine Elite, sondern eine Negativauswahl, die durch Seilschaften, Mitläufertum und Anpassung hochgelangt ist. Diese Herrschaften können so lange schlecht über andere reden, wie die Zunge reicht ist, es wäre eher eine Auszeichnung.
2. Eliten sind bisweilen in der Wirtschaft, aber auch im kulturellen wie wissenschaftlichen Bereich zu finden.
3. Zur Elite gehört einer durch Bewußtsein, zur Masse durch Abschalten, Herunterdimmen eben dieses.
4. Warum sollte ein halbwegs intelligenter Mensch sich für diesen Staat einsetzen, der so offensichtlich korrumpiert ist – von Parteien, Wirtschaftsinteressen, EU?
5. Kampfeswillen gibt es hier fast überhaupt nicht mehr: Durchkommen gilt als Devise, die nächsten Jahre überstehen, bis zum Tod, bis zur Verrentung, bis zum noch schlechteren Fernsehprogramm, oder solange Hartz4 reicht.
6. Durchaus intelligente Deutsche haben resigniert, sich zurückgezogen, schlängeln sich grad noch so durch, gleich ob mit Arbeit oder Hartz4.
7. Will irgendjemand ernsthaft hier sagen, all jene verwöhnten, verfetteten, überalterten Schlaffies in Deutschland – sprich: was sich wie Masse gebärdet – hätten irgendeine Zukunft? Was müßte ihnen alles fortgenommen werden, damit sie aufwachten?
Corvusacerbus
30. Juni 2009 15:13
Das ist eine spannende Debatte, die sich hier um Volk, Masse und Nachbarschaften bzw. Demos, Plebs und Lebenswelten dreht. Und das ist auch bedrängend, finde ich, gerade weil das alles ja nichts Neues ist: Volk ist tümlich, Masse neigt zur Nivellierung von Klasse, damit aber auch zu Gemütlichkeit und Vergemeinschaftung (da wo gesungen wird, nicht, wo kluggescheißert wird, da laß dich ruhig nieder und da geht es auch heute noch gelegentlich richtig völkisch-zünftig her, wenn einer das entsprechende Wort führt ... aber das muß schon: ohne Wortführer geht nix und ging noch nie was!). Und machmal triffst du bauernschlaue Typen im Alltag und solche, die richtig was drauf haben und super Jobs machen. Manchmal hat man's mit echten Dummschwätzern zu tun, die sich mittelmäßig und den Bedürfnissen ihrer Klienten und Klienteln angepasst, durch die Postmoderne mogeln ("Dienstleister"). Diese Sorte begegnet einem auch vorzugsweise als wenig allgemein gebildete Betriebswirte und Juristen in Politik, Wirtschaft und Elite. Aber gerade die agieren systemkonform, weil sie nämlich die Chance, sich und ihre Stake- und Shareholder zu bereichern, nutzen und insofern zur Geldelite gehören und das ist auch ok so, kann einem passen oder nicht: wer die Regeln erkennt und zu nutzen in der Lage ist, handelt funktional, richtig und damit letztlich auch zurecht. Es ist, lange Rede, kurzer Sinn, im Alltag einerseits alles ziemlich unübersichtlich in unseren zugleich globalisierten Zeiten und lebensweltlich und mental beschränkten Räumen, während es andererseits soziologisch eigentlich nix wirklich Neues unter der Sonne gibt, seit die Industrialisierung den Kapitalismus zum herrschenden System gemacht hat, der letztlich immer wieder funktional ist und Wege aus den Krisen weist und ermöglicht. Das Mittelmaß ist dabei Maß der Dinge, aber das ist nicht nur schlecht, sondern eben gerade die Grundlage dafür, Masse und Elite in einem System mitzunehmen, ohne daß es sich zu sehr beißt. Und wem das alles nicht paßt, der muß vielleicht einfach seine Außenseiterposition akzeptieren, denn die ist ja im real existierenden libertären Kapitalismus möglich zu leben, nur eben am Rande von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Wen's ins Zentrum zieht - nicht ins lebensweltliche, das geht schon, sondern ins politisch-gesellschaftliche - der muß die Gesetze der Postmoderne, der Mediendemokratie, der globalisierten Machtvernetzung und -verteilung mindestens verstehen, aber ich vermute, er muß sie auch tätig akzeptieren und also ein wenig seine Finger schmutzig machen und seine Grundsätze, sagen wir vernachlässigen. Das kann man gerne - und wäre damit nicht allein in der kompletten politischen Bandbreit von links bis rechts - in der Form tun, daß man sie so hoch hängt, damit man gut drunter durchmarschieren kann. Mein lebensweltliches Fazit mit Hermann Hesse: Eigensinn macht Spaß. Nutzen der Widersprüche des libertär-kapitalistischen Systems nach den eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Ansonsten gelten die üblichen Regeln des management by muddling through (dt. Durchwurstelns): Schaumermal, paßt scho', erstens kommt es anders, zweitens als man denkt und: et hett no' immer joot jejonge. Wem das zu läppisch ist: Ganz ohne Korrumpieren, Mimikry und Lüge klappt schon die Vergemeinschaftung in den alltäglichen Lebenswelten meisstens nicht. Zur umfassenderen und systematischen Vergesellschaftung des eigenen Ich's - von mir aus des eigenen Wir - gehören sie, in diesen Zeiten, Räumen und unter diesen Bedingungen, unweigerlich und unausweichlich dazu. People make choices. Clemens Wergin erinnert heute seine WELT-Leser an dieses Urmotto des liberalen Kapitalismus und auch die deutsche Rechte muß sich endlich daran gewöhnen, ihre Wahl zu treffen und die real existierenden kapitalistisch-liberalen Bedingungen, unter denen sie, wie wir alle, zu wählen haben, inkl. der Ver-Haftung für die Konsequenzen, die damit verbunden sind, als Ausgangbedingung zu akzeptieren. Die deutsche Rechte muß mit dem im Westen und in der Moderne angekommenen deutschen Volk hier und heute seinen Frieden machen und erkennen, was es heißt, in einem geistig und materiell so verfassten Volk, mit einem links-libertär-postmodernen und global vernetzten Mainstreamum um die politische Macht zu kämpfen. Vielleicht bleibt man da vorerst lieber beim lebensweltlich Läppischen, debattiert noch ein wenig und hofft, daß einem manchens in den Schoß fällt, was zu erzwingen kaum möglich scheint. Am Ende hat man dann, ganz ohne Siege der deutschen Rechten (oder gerade deswegen ... psst!), vielleicht ein ziemlich deutsches Europa, einen DM-ähnlichen Euro und einen verfassungsgerichtsanalogen EuGH und muß sich im Gegenzug evtl. damit abfinden, daß Deutschland, an manchem Ort mehr ("Offenbach"), an anderem weniger ("Schnellroda"), europäisch statt deutsch aussieht. The times they are'a changin'... Make your choices, German right ... und locker bleiben! Das Leben will gelebt, nicht nur debattiert werden.
Thomas Fink
30. Juni 2009 15:57
Die politische Klasse in der westlichen Welt ist Elite in dem Warholschen Sinne, das jeder mal für 15 Minuten Superstar sein darf. Sie ist Teil der Masse und kümmert sich einen Dreck um die Realität. Für sie kommt der Strom aus der Steckdose und das Geld aus dem Bankautomaten. Dabei verabschiedet sie Gesetze die real dazu führen müssten, das das Licht in absehbarer Zeit ausgeht und mehr oder weniger wertloses Papier aus den Bankautomaten quillt, in ihrer Vorstellung aber in ein windradbetriebenes, co2 freies Rousseausches Paradies gleich um die Ecke münden. Ob die Lichter aber nun ausgehen oder nicht hängt weder von den Massen ab noch von den lächerlichen Narzissten, die sich die sich aus ihren Mitte ins Rampenlicht quälen. Das ist der kleine Unterschied zu allen Zeiten vorher. Früher waren die glorreichen Massen nicht nur die Konsumenten sondern auch die Produzenten. Noch bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts waren über 90% der Bevölkerung in harter Arbeit auf dem Land tätig. Heute schaffen ca. 2% der Bevölkerung die Nahrungsproduktion für sich und den Rest. Die Bauern und Landarbeiter wurden vom industriellen Proletariat als neuem Wohlstandsproduzenten abgelöst. Und heute geht die Industriearbeiterschaft den Weg, den die Bauern und Landarbeiter schon gegangen sind. Die Massen und ihre Eliten sind obsolet geworden. Die Gestalt dieser Welt vergeht.
Sugus
30. Juni 2009 17:14
Diesen Satz von Corvusacerbus kann ich nur unterstreichen:
"Die deutsche Rechte muß mit dem im Westen und in der Moderne angekommenen deutschen Volk hier und heute seinen Frieden machen und erkennen, was es heißt, in einem geistig und materiell so verfassten Volk, mit einem links-libertär-postmodernen und global vernetzten Mainstreamum um die politische Macht zu kämpfen."

Die Rechte belustigt sich gerne über die Linken von früher, die den "Neuen Menschen" schaffen woll(t)en. Gleichzeitig jammert sie über das (Menschen-)Material, das zur Verfügung steht, und wünscht sich besseres, am besten ideales. Was soll der Quatsch? Es gäbe genügend Ansatzpunkte für rechte Mehrheiten. Man muß dann aber auch eingestehen, daß Deutschland sich verändert hat, daß die Masse des Volkes eben nicht von der Oder-Neiße-Grenze (und vielen anderen rechten Themen) tangiert wird, weil es tatsächlich für sie völlig belanglos ist. Dabei könnte man woanders fruchtbare Acker bestellen: ich sag nur mal "Moscheebau"...
Nihil
30. Juni 2009 17:29
Was mich an dieser Debatte stört:

1) Man ist scheinbar immer noch nicht bereit, die Grundlagen des westlichen Systemes zu verwerfen. Kubitschek fragt wenigstens: "Wie nun? Wer ist mündig? Und wann ist er es?".
Der Liberalismus hat eine klare Antwort darauf: jeder (fast ausnahmslos).
Auch das linksliberale Establishment hat eine Antwort: "jeder - aber sicher nicht der 'rechtspopulistische' Wähler" - und damit haben sie in gewisser Hinsicht recht, denn dieser Wähler ist zumeist nicht durch die höheren Stufen des Bildungssystems gewandert. Sonst würde er ja höchstwahrscheinlich gar nicht "rechts" wählen.

Ad Rechtsruck: nach meinem "Rechtsverständnis" liegt hier kein "Rechtsruck" vor, es handelt sich bloß um Personen die mit rechten Akzenten das westlich-liberalistische System zu retten versuchen.

2) "Rechte" Politik kann nie aus der Masse entstehen. Das einst deutsche Volk, nunmehr "Masse", ist - wie auf der ganzen Welt - gs. politisch apathisch. Die Deutschen - das ist meine Auffassung - sind darin nur eine Spur konsequenter (wie auch in vielen anderen Lebensbereichen).
"Rechte" Politik kann vielleicht für das Volk sein, aber nie durch das Volk.

3) Elite ist wichtig. Elite ist aber nicht am Reißbrett zu konstruieren.
Und weil es hier immer wieder auftaucht: wir brauchen keine ökonomische oder intellektuelle Elite, wir brauchen eine charakterliche Elite.
Ich möchte nicht von irgendwelchen weltfremden Nerds regiert werden, die zwar Kubikwurzeln im Kopf ziehen können, aber praktisch völlig unfähig sind. Genauso verhält es sich mit dem Krämergeist, der ist a priori apolitisch.
Eine politische Elite muß vor allem eines auszeichnen: Weisheit. Das ist etwas völlig anderes als Intelligenz.
Frau P.
30. Juni 2009 21:27
Hängt und würgt die Rechte aber nicht auch, weil sie einen Hang zum Überlieferten hat? Selbiges in allen Ehren, aber die Welt ist vielleicht doch mittlerweile zu anders. Der Blick auf die anderen, die Masse, die Rivalen ist ja gut und schön, aber wer übersetzt rechte Überzeugungen und Werte in das Heutige, gegen das man nicht auf Dauer wird überzeugen können.

Solange viele Rechte (und vor allem die angerechteten Massensegmente) es als Kapitulation empfinden, einzusehen dass Deutschland 2009 durchaus auch in der steuerzahlenden, tragenden "Mitte" teilweise türkischstämmig, liberal, schwul, öko oder patchwork ist, wird es schwer fallen, mit dem zu arbeiten was ist. Weil das alles ja nach klassischem Verständnis "der Feind" ist.

Vielleicht gibt es die erträumte Rekrutierungsbasis von Anno Oma nicht mehr in dieser Form. Wer aber diejenigen ansprechen will die HEUTE was zu verlieren (=zu verteidigen) und Energie einzubringen haben, muss vielleicht mal etwas breiter denken.
Flash
01. Juli 2009 00:02
Wenn die Zeit reif ist, geht es von alleine, wenn die Zeit nicht reif ist, geht es gar nicht.
Druide
01. Juli 2009 00:09
Hängt und würgt die Rechte aber nicht auch, weil sie einen Hang zum Überlieferten hat? Selbiges in allen Ehren, aber die Welt ist vielleicht doch mittlerweile zu anders. Der Blick auf die anderen, die Masse, die Rivalen ist ja gut und schön, aber wer übersetzt rechte Überzeugungen und Werte in das Heutige, gegen das man nicht auf Dauer wird überzeugen können.


Mein Gott, rechte Werte sind doch gerade die Wertsetzung des Individuums aufgrund der Erkenntnis der ewigenGesetzmäßigkeiten des Lebens. Bezüglich der Freiheit bleibt zu sagen, dass sie letztlich nur durch Selbstbindung ermöglicht wird. Kant definierte Freiheit bereits als Einsicht in die Notwendigkeit. Die Ehe bspw. ist ausschließlich wertvoll, weil sie die einzig sittliche Gemeinschaft ist, die das Geschlechtsleben schöpferisch werden lässt und damit in die Zukunft gerichtet ist. Letztlich das Leben erhält. Heute wird die Ehe vom Staat zum Vertrag zweier Individuen degradiert, die sich gegenseitig versprechen, die Rechnungen zu begleichen und das Bett zu teilen. Ohne Kinder ist die Ehe sinnlos. In diesem Sinne gilt es die Freiheit zu wählen(!) Hält sich eine Gemeinschaft nicht an diese uralten Einsichten der Gemeinschaftsorganisation, muss sie zerfallen. Und die Entwicklung heute bestätigt alle wesentlichen Erkenntnisse in dieser Richtung aus der Zeit vor Hitler. Wir Deutschen erfüllen unseren Sinn als Deutsche im Volk. Geben wir dieses Ziel auf, so werden wir vielleicht noch dem Namen, aber nicht mehr dem Wesen nach, Deutsche sein.

Provokant formuliert könnte man sagen, dass mündig nur der ist, der bei sich die innere Verantwortung für die Ganzheit noch empfindet und dem Einsicht in die ewigen Gesetze der Menschheit gewährt ist. Dezisionistisch gesagt, könnte man es auch bewusste Anmaßung nennen.
Joschka
01. Juli 2009 00:13
Liebe Leute!

Eine "moderne" Rechte könnte sich verstärkt dem Minderheitenschutz zuwenden. In einer sog. globalisierten Welt ist Homo sapiens mit den Eigenschaften blond, blauäugig und intelligent eindeutig gefährdet. Eine aussterbende Spezies, die im göttlichen Plan dafür gedacht war(ist) mit seinen Innovationen dem "Rest" das Leben etwas angenehmer zu gestalten. Bei den Zeugungsraten in der Welt werden die geistigen Kapazitäten des "weissen" Mannes noch nötig sein, ganz sicher!!


Also bitte Artenschutz betreiben...türkischer "Mittelstand" (!) wird schon von den GrünInnen betreut. :)
Hesperiolus
01. Juli 2009 00:47
Gesinnung zeitgeiskonformiert "pretranslated"? "türkischstämmig, liberal, schwul, öko oder patchwork" ? Na, dann gute Nacht hier!
derherold
01. Juli 2009 01:46
Da ich ja ein Liberaler bin und dadurch ein wenig Distanz habe, ist mein "Senf" vielleicht auch irgendwie nützlich:

Vor rd. 15 Jahren sagte ich einem NPD-Funktionär, daß seine Bemühungen um "das Volk" ziemlich ineffektiv sei, da diejenigen, die - außerhalb von Großkapital und ähnlichen Einflußträgern - etwas ändern, gestalten, provozieren könnten, auf den Universitäten säßen bzw. von dort kämen.

Kein "Volk" wird hierzulande auf absehbare Zeit irgendetwas von Bedeutung entscheiden können. Einzig und allein wichtig ist, wie sich die "2.Reihe-Eliten" in Redaktionsstuben, Lehrerzimmern oder Steuerberatungsbüros verhalten. Bisher haben "Segregation", d.h. das "Fernhalten" der real existierenden multikulturellen Gesellschaften aus den eigenen näheren Lebensumständen sowie die Ruhigstellung durch Konsum ganz gut funktioniert. So gut, daß sich lt. FAZ selbst "Linke" wie Prantl u.a. als liberal oder gar "konservativ" beschreiben. ;-)

Allerdings darf man fragen, wie der polit. Kern aussehen soll, damit rechte Politiker oder eine rechte Partei türkischstämmige, schwule patchwork-Grün-Wähler bekommt ... zumal in einigen Fragen der Wind des Zeitgeistes eher in die andere Richtung bläst.
Rudolf
01. Juli 2009 01:54
Weil das alles ja nach klassischem Verständnis „der Feind“ ist.
(Frau P.)


Die Frage ist: Was will man eigentlich und bekommt man dies auch von einem schwul-türkischen Angehörigen einer Öko-Patchworkfamilie?

Wenn ja, ist alles in bester Ordnung...

Aber Sie haben einen wichtigen Punkt angesprochen: Die Mitte und die Gebildeten sind nicht rechts und schon gar nicht klassisch rechts.
Das ist es ja erst, was GK ins Dilemma stürzt: Seine potentiellen Anhänger sind nicht gutverdienende, akademische Yuppies, sondern mehr die Bauerntrampel vom Land, auf die dementsprechend herabgeblickt wird.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass GK und Co. selbst nicht genau wissen, was sie wollen und insbesondere noch nicht wirklich erkannt haben, wo sie heutzutage in der Gesellschaft mit ihren Ansichten stehen.

Es drängt sich das Bild des "Ewiggestrigen" auf, der nicht erkannt hat, dass manche Dinge nicht wiederkommen werden. Dass die Zeit einiger Dinge schlicht abgelaufen ist.

Ich will vermutlich auf dasselbe hinaus, wie Sie:

Schminken wir uns ab, dass wir die Masse von altdeutschen Ideen und Traditionen begeistern können. Schminken wir uns ab, dass die verbliebene deutsche Masse sich von unseren Vorstellungen aus ihrer Lethargie reißen lässt.

Stattdessen setzen wir auf die Themen, die für eine breitere Masse attraktiv sind: Leistung, Selbstverantworung, meinetwegen "law and order" und versuchen wir, uns die Freiräume zu schaffen, in denen wir selbst nach den Prinzipien leben können, die "die Masse" hinter dem Ofen nicht mehr vorlocken kann.
Thorsten
01. Juli 2009 11:01
Unmündig sind immer die anderen ;-)

"türkischstämmig, liberal, schwul, öko oder patchwork" - wo wäre das Problem für uns? Solange dies nicht Programm ist, was schon (und besser) die GrünInnen machen, wären Ausnahmen akzeptabel. Das Problem ist doch aber, dass diese Gruppen eher eines mit uns haben.

Unser Klientel ist der Teil der Masse, über die hier einige herziehen: Der Dorftrottel, der Bauerntölpel, der HarzIV-Abhängige. Diese Leute sind übrigens politisch intelligenter als der SPD/CDU-wählende Kleinbürger. Instinktiv liegen diese vom System vernachlässigten Teile der Masse richtig, sie haben nur aus verschiedensten Gründen mit dem System abgeschlossen, und sind selbst auch Opfer in jeder Beziehung. Im persönlichen Gespräch verlangt dort fast jeder nach Ordnung und Sicherheit, und weiß auch dass das persönliche Konsequenzen hätte. Sicherheit nicht vorrangig in finanzieller Form, sondern in Form von Verlässlichkeit, in der Form dass die Menschen Wert in einer Gemeinschaft sein möchten, dass die Welt verstanden werden kann und auch ihnen Sinn gibt. Playstation spielen und Biersaufen sind einerseits die Betäubung der Ohnmacht und Ausweglosigkeit und andererseits unvermeidliches, gewolltes Ergebnis der Umerziehung (wir sind alle auch Opfer und kennen selbst unsere Mängel nur zu gut, auch die, die erkannt haben was schief läuft). Klar werden wir, wenn es soweit ist, mit gutem Willen und gut Zureden unser Klientel nicht ändern können. Das wird nur durch erneute Umerziehung und harte Maßregelung möglich sein.

Solange wir unser Klientel ebenso verachten, wie die derzeit Mächtigen, solange wird das nichts werden.
Druide
01. Juli 2009 11:33
setzen wir auf die Themen, die für eine breitere Masse attraktiv sind


Irgendwie scheint mir bei den Liberalen und den "Modernisierern" immer wieder Parteimentalität durchzusickern und damit logisch das Gefühl der "Ewiggestrigkeit". Solange das Gerücht alle Menschen oder auch nur alle Deutschen seien gleich (mündig) selbst hier kursiert, kommt immer wieder tendenzielle Wahlrechtsgläubigkeit und der Drang zur Stimmenfängerei auf.
Diese Diskussion ist verfehlt, weil sie die Akzeptanz der herrschenden Zustände in sich trägt.

Was will man eigentlich und bekommt man dies auch von einem schwul-türkischen Angehörigen einer Öko-Patchworkfamilie?


Eben ich will von denen NICHTS. Deshalb bleiben sie außerhalb der Betrachtung. Ich beschäftige mich doch nicht permanent mit den armen, gebeutelten, geschlagenen, transsexuellen, zwergwüchsigen, allergischen, mißhandelten, u.ä., Gestalten. Das hieße die Ausnahme zur Regel machen zu wollen. Man sollte sich schon Vorbilder suchen, die einem nachahmenswert erscheinen.

Im Prinzip geht es doch darum, dass schlussendlich deutsche Familien aus der Anonymität treten und sich gegenseitig darin unterstützen, wieder ein vernünftiges Leben zu führen. Wenn die metapolitische Arbeit es nicht schafft die Keimzellen des Volkes - also organische Gemeinschaften wie Familie, Bünde, usw. - zumindest in Ansätzen anzuregen, dann ist alles sinnlos. Es kann heute nicht die Aufgabe sein, um den Staat zu konkurrieren. Wir kämpfen um unser Volk, um aus diesem wieder die Fähigsten an die Spitze zu setzen. Das ist viel umfassender.

Wer immernoch im Staat sein persönliches Heil zu finden glaubt, hat das moderne Grundproblem des Nationalstaates nicht begriffen.
Wolfs
01. Juli 2009 12:11
Hallo,

schon sehr unterschiedlich, wie schon hier Meinungen Meinung "bildet".
Und im Vergößerungsglas reduziert sich Politik auf einen Versorgungsfaktor, und, natürlich, auf eine irgendwie liebevolle Integrationsstufe. Wenn jemand sein Land als Land bezeichnet, nicht als Deutschland, seine Heimat mit gelebter Historie negiert, im Mainstream häufiger seine Meinung wechselt als seine Unterhose, dann, ja dann sind wir schon fast im Jetzt. In der Festlegung unserer Meinung/ was ist das? - werden wir uns täglich Bestätigung suchen bei Freunden, in Gruppen usw. Auch Gott werden wir bemühen in seinen vielfältig modernen Erscheinungsformen. Nützen wird das wenig. Dabei sind Wissenschaft und Bauer in ihrer Darstellungsform aus einem Holz geschnitzt: man formuliert nach Bedarf altbekannte Allgemeinplätze um, dann "kaufen" wir gerne.
Also, warum so kompliziert? Der Weg zurück kann ohne Gesichtsverlust ablaufen. Traditionsbewahrung wird in diesen turbulenten Zeiten auch Überleben eines Volkes - darf man das noch so sagen? - bedeuten.

Gruß
Wolfs
Fabian Flecken
01. Juli 2009 12:19
Bei allem was vorher geschrieben wurde, letztlich darf nicht die Bedeutung der ,,charismatischen Persönlichkeit`` unterschätzt werden, die es sich auch schon mal leisten kann zu fordern statt gefallen zu wollen. Obwohl aus rechter Sicht zur Zeit sicherlich genug massenkompatibles vorzubringen ist. Gerade die Rechte ist jedoch abhängiger von einer konkreten Manifestation einer Idee durch eine Person, oder besser einen Kern an Personen, als die Linke in ihrer elementaren Abstraktheit.
Was im direkten Umfeld durch Authentizität, Strukturen und Konkretes geleistet werden kann ist wichtig, aber der große mediale Apparat ist neben der eigenen Theoriearbeit unumgänglich. Wenn bestimmte Positionen beispielsweise im TV-Alltag der Masse angekommen sind, auch auf kultureller Ebene ( Film, Literatur), wird einiges von alleine geschehen. Gut finde ich, daß dabei die Bedeutung von Bildern und Ikonen zuletzt verstärkt in den Fokus gerückt wurden, wie in Felix Menzels Abhandlung geschehen. Zudem wird sich die Lebenswirklichkeit in Deutschland für weite Kreise zuspitzen, wie im Rhein-Main Gebiet und anderswo anschaulich zu erleben. Dann wird man verstärkt nach Antworten suchen, mag man sich auch persönlich behaupten oder arrangieren können.
Ein weiterer entscheidender Faktor praktischer Natur, ist eine ausreichende und starke finanzielle Basis. Viel bis sehr viel Geld in den, aus unserer Sicht, richtigen Händen würde einiges bewirken.
Timotheus
01. Juli 2009 13:29
Ich stimme Fabian Flecken voll zu. Jörd Haider hat es doch eindrucksvoll gezeigt, daß es grauer Theorie und hehrer Ideale nur am Rande bedarf. Was ihn, und nebenbei viele andere Rechte in Europa groß gemacht hat, war eine Mischung aus schierem Populismus, Haider etwa soll sogar Fußballer für den örtlichen Verein in Klagenfurt zu Lasten der Landesregierung unter Vertrag genommen haben, und Charisma.

Dem Haider Jörg hat man's halt nachgesehen, was auch immer er den Medien zufolge schon wieder angestellt haben soll, weil er so ein netter Typ mit einem spitzbübischen Grinsen war. Scheint mehr zu wiegen als 20 Kubikmeter Sezession...
Harry
01. Juli 2009 22:12
Kennt noch jemand die wunderbaren Abschiedsartikel von Jürgen Hatzenbichler und Angelika Willig aus der JF, September oder Oktober 1998? Zwei ganz hervorragende Autoren. Beide waren damals gefrustet und haben sich aus der Szene verabschiedet (Frau Willig kam ja kurz wieder mal zurück und hat dann noch einen Hüpfer in den braunen Sumpf gemacht, aber als intelligenter und neugieriger Mensch muss man wohl in orientierungslosen Zeiten Rollenspieler sein). Jedenfalls kann ich den Hintergrund der Artikel immer noch sehr gut verstehen. Alles was rechts ist in Deutschland hat auf x Jahr hinaus keine Chance, an der politischen Macht teilzuhaben. Bei mir in der Region gibt es nichts, aber auch gar nichts an rechter Organisation als Anlaufpunkt. Und niemand kann sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen, das gilt für das Individuum wie für die Szene. Was bleibt ist nur Sezession... und Sandkastenspiele, was würden wir tun wenn...?

Ja, was überhaupt. Sehr subjektiv gesprochen: Bei der christlichen Rechten formt sich meine Hand zur Pommesgabel, bei der völkischen winkt sie müde ab. Ethnische Substanz des deutschen Volkes? Bei der alten Frau, die am Montag im Schwimmbecken neben mir freudig ihre Brüste freigelegt hat, wurden diese (falls jemals vorhanden) im Fett ertränkt. Und der asoziale reinrassige Deutsche, der mich vor einiger Zeit verprügeln wollte, hatte definitiv nie etwas von Qualität. Was bleibt?

Ich gehe in Klausur. Sezession, ja. Nicht nur vom Mainstream, von der Lizenzpresse und dem Parteienklüngel, sondern auch von der Masse dessen, was in D rechts ist. Deutschlands rechte Gruppen haben meist eine spezielle Note, die mir nicht schmeckt.

Und eine Bewegung der Form, eines starken Staates, frei von ideologischen Haarspaltereien - man nenne es gerne Faschismus, natürlich ohne diesen antisemitischen oder chauvinistischen Blödsinn - wird es in D nicht geben. Wegen der Antifa nicht und wegen der deutschen Rechten nicht, die ist wie sie ist.

Was bleibt also? Sezession, aber total, nicht wahr?
Fritz
01. Juli 2009 22:54
"Wer allein ist, ist auch im Geheimnis,
immer steht er in der Bilder Flut,
ihrer Zeugung, ihrer Keimnis,
selbst die Schatten tragen ihre Glut."

(Gottfried Benn, Wer allein ist)

Das deutsche Volk ist müde, sehr müde, und für noch längere Zeit ohne jede politische Kraft. Andere Völker in Europa schlafen zwar auch, aber da sind noch Kräfte vorhanden, die eines Tages aktiv werden. Das Schachbrett heißt Europa. Auf dieser Bühne wird die nächsten Jahrzehnte so manches "historische" Ereignis stattfinden und Schicksalsgeschichte der einzelnen europäischen Länder - auch für Deutschland - schreiben. Der Ausgang des europäischen Abenteuers ist völlig offen! Wie lange hält ein europäischer Zentralstaat? 1000 Jahre?

Hierzu ein Gedicht von Jorge Luís Borges - "Ajedrez (Schach)":
"Magische Zwänge gleißen in den Formen der Züge:
homerischer Turm, behender Springer,
gewappnete Dame, versetzter König,
schräger Läufer und Angriffsbauern.
Wenn einst die Spieler gegangen sein werden,
wenn die Zeit sie vernichtet hat,
wird der Ritus wahrhaftig noch nicht beendet sein.
Schwächlicher König, schräger Läufer, grimme Dame,
zielstrebiger Turm und schlauer Bauer
suchen und liefern auf Schwarz und Weiss des Weges
ihre waffenreiche Schlacht.
Sie wissen nicht, daß ihr Geschick beherrscht ist
durch die angewiesene Hand des Spielers,
sie wissen nicht, daß diamantene Strenge
ihr Werk und ihre Willensfreiheit beugt.
Auch der Spieler ist ein Gefangener
(Der Urteilsspruch ist von Omar *) des andren Bretts
aus schwarzen Nächten und weißen Tagen.
Gott rückt den Spieler, dieser die Figur.
Welcher Gott jenseits Gottes eröffnet
das Spiel aus Staub, Zeit, Traum und Agonien?"

(* Erklärung: Omar Khayahan war persischer Dichter und Humanist von 1048 – 1122).

Europa, Kultur, Politik und Herrschaft. Man wird sehen was alles passiert. Dieser politischen Arena sollte jedenfalls große Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Auf drei aktuelle Kommentare möchte ich in diesem Kontext hinweisen.
1. Willfähriges Parlament (FAZ) http://www.faz.net/s/RubAB001F8C99BB43319228DCC26EF52B47/Doc~E385605BCC37D4546A9DCCA89E3F76DA4~ATpl~Ecommon~Scontent.html
2. Der neue EU-Staat: "Nicht in unserem Namen!" (MMnews) http://www.mmnews.de/index.php/200906303204/MM-News/Der-neue-EU-Staat-NICHT-in-unserem-Namen.html
3. Herkulesaufgaben für Europa (eigentümlich frei), Kommentar von EEkat http://ef-magazin.de/2009/06/30/1315-herkulesaufgaben-fuer-europa-das-bundesverfassungsgericht-hat-zu-lissabon-gesprochen#c12964
Martin
01. Juli 2009 23:02
Jörg Haider hätte es in Deutschland wesentlich schwerer gehabt ...

ich kann mich noch gut daran erinnern, als er vor einigen Jahren (10 oder mehr ?) rein rhetorisch in einer Talk-show den links-intellektuellen Talkmaster, der meinte, den führen wir mal vor, so richtig platt gemacht hat .... danach hat man den J.H. nicht mehr so eine "Bühne" im deutschen TV gegeben ...

so wars auch bei den Reps am Anfang ... Schönhuber war medial gewandt, also hat man ihn nicht in die Medien gelassen und das wars dann ...

Nein, das soll kein Gejammere sein, aber die rechten bekommen keine große Plattform mehr, dass wissen "interessierten Kreise" zu verhindern ... um so wichtiger sind Gegenöffentlichkeiten, wie sie bspw. hier geboten werden...

eine rechte Partei muss voll auf Wege der Propaganda außerhalb von Zeitungen und Fernsehen setzen ... die Piratenpartei zeigt, dass man mit den neuen Medien zumindest einen gewisse Beachtung erzielen kann ... (wo es hinführt werden wir sehen - aber das soll jetzt nicht das Thema sein)

und ja: eine neue rechte Partei muss auch populistisch sein, ich gebe Thorsten recht, auch Hartz IV Bezieher, Leute, die sich von einem Mac job zum anderen hangeln, etc. müssen angesprochen werden ...

klar, mit Geschwafel von Elite, schöngeistigen Essays etc. kann man eher alte Herren beindrucken, die dann mal die Geldbörse aufmachen - jeder braucht ja seine ökologische Nische ... aber wirklich weiter bringen wird einen das nicht ... Elite bildet sich in normalen Umfeldern immer von Alleine, muss also nicht unbedingt gefördert oder diskutiert werden ... es ist schlicht das falsche Thema ...

Logisch: Der plumpe SA-Imitatsversuch der NPD muss es nun wirklich nicht sein, aber in dieser Gesellschaft gibt es für den Normalbürger eine solche Vielzahl von alltäglichen Demütigungen, auf die geordnete, politische Vorstellungen, wie sie eben auch "rechts" verortet werden können, plausible Antworten geben kann ...

auch müssen eigene Netzwerke aufgebaut werden, in denen sich "rechte" konsequent gegenseitig protegieren, helfen und Aufträge etc. gegenseitig zuschieben - nur so bekommt man eine echte eigene Machtbasis, die dann wiederum die Attraktivität des Ganzen fördert ...
Thomas
02. Juli 2009 01:05
Wenn ich mir als Sympathisant der Sezession die Kommentare hier und auch die zu anderen Themen so anschaue, dann geht es doch um die zunächst einmal recht schlichte Frage: Wie bringe ich rechte Ideen an den Mann von heute? Pardon: Natürlich auch an die moderne Frau. Und das alles unter den Rahmenbedingungen der heutigen Medien- und Konsumwelt?

Mit anderen Worten soll das Produkt „rechte Politik“ zum Kunden/Wähler gebracht werden. Diese prinzipielle Vergleichbarkeit darf in unserer real existierenden Konsumgesellschaft nicht vernachlässigt werden. Wie überzeuge ich also meinen potenziellen Kunden davon, mein Produkt zu kaufen und nicht das andere? Wie bringe ich die Leute dazu, über mein Produkt, über meine Ideen zu reden? Ein paar unsortierte nächtliche Gedanken:

Vereinfachen. Am Populismus führt kein Weg vorbei, wenn die im ständigen „Alltagskampf“ befindliche Masse erreichen will. Theoretische Grundlagen (z.B. die Arbeit von IfS und Sezession) müssen auf grundsätzlich massenkompatible und einfache Kernbotschaften eingedampft werden.

Themen besetzen. Es müssen geeignete Kernbotschaften ausgewählt werden, um Themen zu besetzen. Dazu gehören hier bereits genannte Themen wie innere Sicherheit, Demographie, Islam, Europa, Parteienstaat, DDR-Unrecht, Identität aber auch soziale Themen wie Mindestlöhne, Zukunft des Sozialsystems usw. Damit ist zur Zeit einfach kein Blumentopf zu gewinnen Wichtige rechte Themen wie Geschichtspolitik, Volk, Nation sollten ausgeblendet werden, d.h. Mimikry ist notwendiges Übel für den Erfolg.

Vermarktung/Kommunikation. Zeitung, Internet und KSA sind schön und gut, werden aber nicht ausreichen, um die Masse zu erreichen. Warum nicht mal auf anderen Kanälen senden? Litfaßsäulen und Plakatwände nutzen? In größerem Stil Aufkleber produzieren und an jeden in Reichweite stehenden Laternen- und Ampelpfahl kleben? Die FDP unterwandern? Bei der Union ist aus meiner Sicht Hopfen und Malz verloren..... Überhaupt zur KSA: Die Idee ist super, insbesondere die Grass-Aktion in Hamburg! Erreicht wird damit zur Zeit aber nur der „Bildungsbürger“, der entsprechende Zeitungsmeldungen zur Kenntnis nimmt. Etwas weniger elitär wäre an dieser Stelle mehr, denke ich.

Persönlichkeit(en).
Es muss eine „Rampensau“ her. Gern auch mit einer Gruppe von Ferkeln im Gefolge. Ohne ein charismatisches Zugpferd mit Integrationspotential ist Populismus nicht zu machen. Beispiele gibt es in Europa zur Genüge. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Die Eigenschaft der Integrationsfähigkeit wird langfristig einer der wichtigsten sein, um die unsägliche Zersplitterung des konservativen/rechten Lagers zumindest einzudämmen.

Das alles kostet Geld, geht nicht von heute auf morgen. Aber es ist machbar, wie man in anderen europäischen Ländern sieht. Auch dort gibt es massenhaft Konsumschweinchen und mehr als 30 TV-Programme für jeden. Dennoch wählen Massen dieser Konsumenten Wilders und Co. Das ist auch in Deutschland möglich.
derherold
02. Juli 2009 13:35
Die Diskussion scheint ein wenig abzudriften.

Völlig korrekt: Es gibt verschiedene einflußreiche Gruppierungen, die kein Interesse daran haben, irgendetwas "rechts von der CDU" erfolgreich werden zu lassen. Ob DVU, NPD oder DVUNPD oder irgendein "Bund nationaler Bürger": Es gibt genügend Maßnahmen, die man ergreifen kann.

Wenn man bedenkt, wie weit der Journalimus heruntergekommen ist, daß er seit 2000 - d.h. seit nunmehr fast 10 Jahren - eine "Reichtsagsbrandkampgane" nach der anderen fährt, kann man sich auch vorstellen, daß "Themen" besetzen oder eine "Rampensau" nicht funktionieren werden.

Es kann nur eine "kulturelle Strategie" greifen: Die Grünen oder die Linken sich auch nur deshalb integriert und "mitbestimmend", weil ihre Unterstützer, Wähler aus akadem. Umfeld kommen und ein "Stolperstein" sein könnten- diesen(!) Wählerkreisen muß man etwas anbieten. Wenn(!) zunehmend das "akademische Proletariat" für "rechte Politklösungen" votiert, wird auch eine rechte Partei erfolgreich sein und wenn das nicht passiert, dann eben nicht. ;-)

Welches Potential in "Wählerwechselstimmungen" liegt, haben in vergangene Jahren die "Stattpartei" und der Politclown Schill gezeigt.
Thomas
02. Juli 2009 16:27
Viele Kommentare zeugen von Pessimismus oder gar Resignation. Das muß aber nicht sein.
Sicherlich, es gibt mehr als genug Indizien, an der Masse zu verzweifeln. Ich habe ähnliche Beobachtungen gemacht wie Götz Kubitschek: Konservative, die beim Ausfüllen eines "Wahl-O-Mats" feststellten, daß sie zu 90% mit den Republikanern übereinstimmen und erschreckt sagten, diese "ultrarechte" Partei würden sie nie wählen. Überzeugte Katholiken, die selbst dann CDU wählen werden, wenn Frau Merkel dem Papst öffentlich mit einem Teppichklopfer den Hintern versohlen und Lady Bitch Ray zur Familienministerin machen würde.

Dennoch. "Die Wirklichkeit ist immer rechts", wie Joachim Fest sagte. Und immer mehr Menschen (und damit auch ein immer größerer Teil der Masse) werden mit der Wirklichkeit konfrontiert. Beruhigungspillen, wie soziale Zuwendungen werden nicht endlos verteilt werden können.
Die Sehnsucht, nach nationaler Normalität, nach Freude an der und mit der nationalen Gemeinschaft, der Wunsch nach gemeinsamen Symbolen ist groß und wird größer, das haben Fußball-WM und -EM gezeigt. Die Linke weiß das. Sie weiß, daß ein beträchtlicher Teil ihrer Wählerschaft im Grunde rechts denkt und fühlt. Und sie wird daher mit Zähnen und Klauen ihr Monopol auf die Massenbeeinflussung verteidigen.

Eine erste Aufgabe für alle Rechten ist es deswegen, dieses Meinungsmonopol zu knacken. Da kann man getrost getrennt marschieren und vereint schlagen. Ob Publikationen wie "Junge Freiheit", "Sezession", oder "Blaue Narzisse", ob Aktionen wie die KSA oder der Aufbau eines neurechten Millieus an Schulen und Unis - alles was dazu beiträgt, eine rechte Gegenöffentlichkeit zu etablieren, soll versucht werden. Mittel- und Langfristig wird es wirken.

Größere Erfolge bei den Massen, v.a. Wahlerfolge, werden aber neben charismatischen Persönlichkeiten auch die Bereitschaft zum Kompromiß benötigen. Und da hapert es bei der derzeitigen Rechten ganz gewaltig. Rechtskonservative, Rechtsliberale, rechte Christen sind sich ja nicht einmal untereinander einig, geschweige denn, daß sie sich zusammenschließen wollten. Das wird aber nötig sein. Mit der reinen Lehre gewinnt man keine Massen. Je eher in rechten Politikprojekten Pragmatiker die Oberhand gewinnen, je mehr die Betreffenden auch mal bereit sind, einige Kröten zu schlucken und einige Abstriche an der eigenen Weltanschauung zu machen, desto größer die Erfolgsaussichten.
Frau P.
02. Juli 2009 18:56
Die Frage ist: Was will man eigentlich


(Rudolf)

Eben. Solange aber zentraler zu sein scheint, WIE man etwas will (und in der Praxis endet all dies "das ewiggültige" und "die Ausnahme kann nicht zu uns gehören" nicht selten in modalen Fragen statt inhaltlichen) wird man auch keinen Brückenschlag in die heutige Gesellschaft finden.

Natürlich kann es nicht darum gehen, die Basis auf komplett andere Füsse zu stellen, aber solange man Potential nicht erkennen will, weil es ja "die Ausnahme" ist, "das andere", wird man sich wohl mit Nische abfinden müssen.

Um konkreter zu werden: die Türken mit denen ich persönlich zu tun habe sind mit Ausnahme der Einwanderungsfrage politisch durchaus rechtslastig. Die Schwulen die ich kenne sind keinesfalls alles Paradenackedeis die sich von Claudia Roth angemessen vertreten fühlen. Die eigenständigen, berufstätigen Frauen meines Freundeskreises führen keinen Anti-Männerfeldzug. Viele Menschen die hier grosse Freiheiten geniessen, haben entsprechend viel zu verlieren und wären im Fall des Falles mobilisierbar. All dies sind nicht zuletzt Mediatoren in Richtung breite Basis, denn das Volk scheint sich heute einfach inklusiver zu denken als früher. Wer zuviel Abgrenzung zur Ausnahme betreibt, wird auch für die Regel unattraktiv.

Vielleicht unterscheidet das Objekt der Begierde, der gemeine nicht-resignierte Deutsche nämlich, ja differenzierter als ihm unterstellt wird - zwischen Ali dem Gemüsemann und Mehmet dem Terrorkid, zwischen Praunheim und dem schwulen Zahnarzt nebenan, zwischen Biogemüse und Trittin.

Da die Rechte das aber an der Basis eben nicht tut, sondern von einer Homogenität träumt die so nicht mehr wiederkehren wird, verschenkt sie mal eben mögliche Andockstellen.

Und ja, dass solche Überlegungen den Völkischen hier natürlich nichts als dummes Gewäsch sind ist so vorhersehbar wie deren gesamtes Programm.

Die Spaltung in völkische und inklusiv-inhaltliche Rechte lässt sich hier ja gerade sehr schön beobachten.
netzwerkrecherche
03. Juli 2009 10:35
„Wenn die Masse im qualitativen Sinne nicht reif ist: Kommt es dann innerhalb unseres politischen Systems nicht doch darauf an, daß man Massenpolitik treibt?“


Die Frage ist dann eben wieder: Wofür? Um selbst oben zu schwimmen, die Masse zu dirigieren und zu unterhalten? Je nach Geschmack die Biomacht oder die Psychomacht zu ihrer Kontrolle einzusetzen?

Ja, die Masse ist Nach-Volk, sie ist auch Post-Rasse, Post-Stamm, Post-Familie; Masse ist ein beliebiges Sammelsurium bindungsbefreiter Individuen.

Natürlich sind „Schnittmengen mit dem gemeinen Mann... konstatierbar“, schließlich leben wir nicht alle losgelöst im luftleeren Raum, sondern nebeneinander.

Die Masse ist unumkehrbar, in sie zu tauchen, das ist für Kulturfähige vertane Zeit. Es empfehlen sich: Sammlung, Absprung und Neuordnung – und ein Überlassen der Masse und ihrer ideologischen Lenker sich selbst.

++++++++++++++

Wir griffen in unserer dieswöchigen Trilogie „Bilanz der Verblödung“, „Abgesang der Spaßgeneration“ und „Homo metropolis“ einige Momente der Massengesellschaft auf.
Fabian Flecken
03. Juli 2009 12:54
Mal eine Anmerkung zu diversen Vorschlägen, man möge sich doch verstärkt der ein oder anderen Minderheit zuwenden bzw. anbiedern. In diesem Zusammenhang werden alle möglichen durch Lobbyverbände subventionierten und sowieso bis zum erbrechen vertretenen Gruppierungen genannt, doch zu den Millionen von Russlanddeutschen im Land kein Wort.
Hier liegt , bei allen Problemen, ein unglaubliches Potential gerade für eine rechte Bewegung. Auch wenn die Enttäuschung über die Zustände im heutigen Deutschland und persönliche Entwicklungen zum Teil zu einer starken Identifikation mit den Geburtsländern, wie Russland und Kasachstan geführt haben, ist trotz allem in diesen Kreisen der Wille zur Selbstbehauptung intakt. Da die Aussiedler aber in einen Topf mit Asylanten und Gastarbeitern gweorfen wurden ( ich weiß nicht wie oft ich irritierten Freunden und Bekannten erklären musste, warum die meisten RUsslandeutschen keine ,,normalen`` Russen sind) und die Schwäche der in Deutschland geborenen Deutschen wahrnahmen, kam es sicher zu einer gewissen Abgrenzung, die aber bei den meisten nicht unüberbrückbarer Natur ist.
Und nicht zuletzt sind die Russlanddeutschen diejenigen, die schon heute gegenüber türkisch-arabischen Machtansprüchen eher mental und im Alltag zur Durchsetzung unserer Interessen in der Lage sind.
Tiberius
03. Juli 2009 20:34
Oje,

wie glauben eigentlich sich die Macher von Sezession von den vielkritisierten 68-ern zu unterscheiden ?

Eitle Selbstbespiegelung, Abscheu vor dem dumpfen Alltag wie er für viele die nicht das Glück haben fern von "sozialen Brennpunkten" wohnen zu müssen und tönerne Dikussionen im Elfenbeinturm ?
Nihil
05. Juli 2009 12:24
1) Ich finde es immer wieder amüsant wie man sich hier um potenzielle Wähler sorgt, glücklicherweise bin ich keine Partei. Sollte doch hier jemand der maroden Idee einer Parteiengründung anhängen ist doch völlig sonnenklar: der westliche Liberalismus, mit seiner marktförmig organisierten "Demokratie", macht die populistische Strategie zur Pflicht. Die Fragestellung ist also weit vorher anzusiedeln. Sollte man zum Ergebnis kommen, daß man "mitmischen" möchte muß man Populist sein. Ich bin es nicht, weil ich die Menschen kenne.

2) Der Liberalismus ist derzeit am Höhepunkt und damit folglich im Abstieg begriffen. In ein paar Jahrzehnten wird er die uninteressanteste Theorie sein, die man sich vorstellen kann. Fällt Europa einer neuen Vermittelalterlichung anheim (Gangkultur, Warlords) wird dies nichts mit dem westlichen Modell zu tun haben, ebenso wenn es den Europäern gelingen sollte sich zu reorganisieren.
Franschi
06. Juli 2009 11:48
Ist die Nation nicht vergleichbar mit einem Blumenbeet. Auf ihm gedeiht allerhand, von Unkraut bis hin zu guter Frucht. Natürlich braucht man sich nicht über alles zu freuen, was dort so wächst. Aber selbst wenn das Unkraut überall in die Höhe schießt, weil der Gärtner seine Arbeit vernachlässigt, so wächst dort nach wie vor manch edles Gewächs. Braucht man als Gärtner Liebe zu seinem Blumenbeet, trotz Brennesseln und Knöterich? Vermutlich schon. Denn solange dort noch etwas Gutes wächst, lohnt sich die Liebe und die Arbeit.

Was macht ein guter Gärtner um erfolgreich zu sein? Er hackt die unerwünschten Gewächse aus, und düngt und pflegt die erwünschten, damit sie gedeihen. So geht seine Saat auf, und er fährt die entsprechende Ernte dafür ein. Und was macht eigentlich der "rechte" Gärtner? Kümmert er sich wirklich um seine Pflanzen? Oder ist er hauptsächlich mit sich selbst und seinem Elitedünkel beschäftigt? Zuerst einmal muß er selbst kleine Pflänzchen säen (rechte Projekte im vorpolitischen Raum), dann muß er diese gießen und pflegen (anstrengende Aufbauarbeit), und er muß das Unkraut bekämpfen (linke Hegemonie und Meinungshohheit zurückdrängen).

Es ist seltsam, daß von Rechts immer wieder Wunder erwartet werden. Man kann die Realität nicht überlisten. Man muß stattdessen den steinigen Weg gehen. Die Pflanzen haben sich schon immer jedem Gärtner bedingungslos ausgeliefert, der vorgibt sich zu kümmern. Und sie werden es auch in Zukunft tun. Es bleibt ihnen aufgrund fehlender eigener Kapazitäten auch gar keine andere Wahl.
Hohenstaufer
06. Juli 2009 13:17
Wunderbarer Rückgriff auf die Metaphernebene - und inhaltlich absolut korrekt!
Corvusacerbus
13. Juli 2009 17:20
Zu Fabian Flecken "Rußlanddeutsche": Habe erst gerade, beim Nachlesen der Diskussion, Ihre Position zu diesem Thema entdeckt. Völlig d'accord! Ich lebe in einer Stadt mit vielen Migranten aus diversen Länder und Kulturkreisen. Integrationsprobleme gibt es mit den Türken und anderen Moslems, gibt es, weil Erdogan und seine 5. Kolonne von der DITIB hier in der Innepolitik herumfuhrwerken und in Deutschland mitregieren (Herr Laschet und sein Adlatus Kufen in NRW sind ohne vorherige DITIB-Beratung kann nicht auskunftsfähig in der Öffentlichkeit, wenn es um Migration geht). Sogenannte Integrationsreferate sind eigentlich immer zu 95% Türken- und Islamreferate und niemand stört sich daran und debattiert, warum die anderen Gruppen keine staatliche Affimative Action brauchen und bekommen. Die Deutschrussen haben auch ihre Probleme und es gibt einige, vor allem junge Leute, die frustiert sind. Aber sie sind auch frustiert, weil Deutschland sich so schlapp und feige aufstellt und demütigen läßt von den Verbandsvertretern der Türken. Man verzeihe mir die holzschnittartige Sprache, aber die ist der vox populi. die täglich hinter vorgehaltener Hand oder im privaten Rahmen auch laut und deutlich gesprochen wird, nah. Die Leute, auch und gerade die nicht-muslimischen Migranten, haben die Schnauze voll von der Muslimbevorzugung in Deutschland. Es wird allerhöchste Zeit, daß aus der Zivilgesellschaft (wir müssen als Rechte diesen Soziologenschnickschnack sprachlich und substantiell benutzen, zu dem die Zivilgesellschaft gehört) eine Integrationskonferenz organisiert wird, als Gegenentwurf zu Schäubles Islamisierungskonferenz. Vor meinem geistigen Auge sehe ich kroatisch-, italienisch-, spanisch-, portugisisch-, japanisch-, griechisch- russisch- und etc-stämmige Deutsche und Afrika-Christen, die eine große Veranstaltung organisieren. Tenor: "Wir leben hier und sind zufrieden - Wer sich nicht anpasst und seine Bretter vor und Kopftücher auf dem Kopf nicht ablegen mag oder kann, mag Deutschland bzw. Europa bitte verlassen." Und die auch ihrem Frust über die Bevorzugung der Türken Luft machen und so ganz nebenbei Dinge aussprechen, für die unsereiner politisch, gesellschaftlich und strafrechtlich verfolgt wird heutzutage von der Antifa-Einheitsfront in Staat und Gesellschaft.
Fritz
13. Juli 2009 20:03
"Wie weiter?", fragte Götz Kubitschek am 29. Juni. Schön, dass von den "Mündigen" auch der Philosoph Peter Sloterdijk zu unserem Diskurs etwas verspätet (12. Juli 09) einen Beitrag in Form eines Interviews liefert. Aktuell in Welt-Online nachzulesen: der Denker, die Zeit-Genossen und das "mythologische Marschgepäck" oder "Aus Steueruntertanen müssen Bürger werden" http://www.welt.de/wams_print/article4104674/Aus-Steueruntertanen-muessen-Buerger-werden.html

Ein Auszug von Sloterdijks Statements:
"Es gibt tatsächlich bis heute eine Art von bundesrepublikanischer Minimalfrömmigkeit, die weitgehend identisch ist mit den Wirkungen der einstigen Frankfurter Schule. Allerdings war die deutsche religion civile von Anfang an mit einem schweren Kategorienfehler belastet - es kann nicht gut gehen, wenn man eine Moral in eine Gesellschaftstheorie einkleidet, da es das Schicksal jeder Theorie ist zu veralten."
juliusevola
19. Juli 2009 16:54
Der millionenfache Verlust der Besten in 2 Weltkriegen, die umerziehungstherapeutische Massenbehandlung bis heute, die weitergereichten Kriegstraumata, die Selbstzensur, die Holocaustreligion, die Negativeliten in der Politik, das hamsterhafte Arbeitsleben, die Massenkolonisation Fremder, das Abtreiben des Nachwuchses, der Hedonismus, die Kinderfurcht und Kinderfaulheit....

Da muß man Aufklärungs - und Widerstandsinseln bilden und ganz von unten und ganz von vorn anfangen..

Meine Feststellung: Treue und Opferbereitschaft liegen am ehesten noch in den "einfachen", arbeitenden und Kinder versorgenden Mitmenschen und so wenige sind das garnicht.. Man sieht und hört sie nur nicht..

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