Sonntagsheld (53) – Ästhetische Mobilmachung

Wenn Stil und Form für ein paar Minuten Einzug halten im Bundestag...

 Gastbeitrag

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…dann kann Dr. Gott­fried Curio nicht weit sein. Einen klei­nen Gast­auf­tritt hat­te er bereits hier, jetzt bekommt er sei­nen eige­nen Sonn­tags­hel­den. Ver­dient hat Curio sich das mit einer spek­ta­ku­lä­ren Rede, die er am ver­gan­ge­nen Frei­tag im Bun­des­tag hielt.
Gleich vor­ab: Ich erspa­re mir chir­ur­gi­sche Zita­tio­nen, die fünf Minu­ten sich das unten ver­link­te Video anzu­se­hen kann sich jeder Leser nehmen.

Wer bereits seit Jah­ren in unse­rem Milieu unter­wegs ist, der wird bei der von Curio auf­ge­stell­ten For­de­rung die deut­schen Staats­gren­zen zu schlie­ßen wahr­schein­lich eher müde lächeln als in Begeis­te­rungs­strö­me aus­zu­bre­chen; aber der Sonn­tag ist nicht umsonst als frei­er Tag eine Zeit der Beschau­ung, des Ein­keh­rens und des Nach­den­kens. Und das reicht manch­mal schon, um ein wenig gedank­li­chen Abstand zum täg­li­chen Trei­ben, Her­um­krit­teln, Meckern und Zwei­feln zu neh­men, mit ruhi­ger Mie­ne die Früch­te der eige­nen Arbeit zu kos­ten und viel­leicht auch ein biss­chen zu träumen.

Man stel­le sich vor: Wir schrei­ben das Jahr 2018. Mit bemes­sen-ener­gi­schem Schritt, bis auf den wei­ßen Hemd­kra­gen voll­stän­dig in schwarz geklei­det tritt ein Mann ans Red­ner­pult des Bun­des­ta­ges. In sei­nem Gesicht, das unge­trüb­te, im bes­ten Sinn her­ri­sche Züge trägt, blitzt schon die Kamp­fes­lust; nach einem kur­zen Schluck Was­ser setzt er an: Was folgt ist eine Rede aus einem Guss, durch­or­ches­triert wie eine Sym­pho­nie, vor­ge­tra­gen mit einer lako­ni­schen Über­le­gen­heit, die ein flüch­ti­ger Beob­ach­ter viel­leicht für unge­deck­te Arro­ganz hal­ten wür­de. Die Geschwin­dig­keit des Red­ners ver­wun­dert, jeder­zeit erwar­tet man bei die­sem Rede­tem­po einen Feh­ler, eine Unge­nau­ig­keit, eine Unsi­cher­heit in der For­mu­lie­rung; doch der Takt ist frei­wil­lig gewählt, offen­sicht­lich möch­te der Vor­tra­gen­de so wenig Zeit wie mög­lich mit der Ein­for­de­rung von Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten ver­brin­gen. Der Herr, er ist als Natur­wis­sen­schaft­ler an prä­zi­ses Arbei­ten gewöhnt, braucht kei­ne sechs Minu­ten um sein Stück im Viva­ce vor­zu­tra­gen. Die weni­gen Pau­sen sind gesetzt wie fei­ne Schnit­te, wenn er von sei­nem Manu­skript auf­schaut, ist sein Blick ernst, distan­ziert, fal­ken­haft ohne sich zur Abschät­zig­keit zu erniedrigen.

Sei­ne Wor­te ver­ur­sa­chen Unmut im Publi­kum, doch das Zwi­schen­ge­ät­ze lässt ihn kalt. Kei­nen Moment legt sich sei­ne Stirn in zögern­de Fal­ten. Zu die­sem Zeit­punkt ist sein Spre­chen längst ver­ste­tigt, mit der sanf­ten und uner­bitt­li­chen Auto­ri­tät des Diri­gen­ten, der er ist, erfasst der Vor­tra­gen­de sei­ne Zuhö­rer, lässt sie in einem Augen­blick rum­pel­stilz­chen­haf­te Pirou­et­ten dre­hen, um Ihnen kurz dar­auf mit läs­si­ger Stren­ge das Wort zu entziehen.
Plötz­lich eine rüde Unter­bre­chung: “Herr Kol­le­ge Curio gestat­ten Sie eine Zwi­schen­fra­ge?” Nein, Gott­fried Curio gestat­tet kei­ne Zwi­schen­fra­ge, statt­des­sen fährt er, sich unbe­irrt dem gro­ßen Fina­le sei­nes Stü­ckes nähernd, fort.

Immer schär­fer knal­len die Sät­ze, die Zwi­schen­ru­fer haben längst auf­ge­ge­ben, in ihren Gesich­ter spie­gelt sich ein nei­di­scher Ekel, ein ange­wi­der­tes Unver­ständ­nis und ein unsi­che­rer Trotz, wie man ihn von halb­star­ken Aso­zia­len kennt, die zum ers­ten Mal einem Sym­pho­nie­kon­zert bei­woh­nen. Mit ziel­si­che­ren Schrit­ten nähert sich Curio der­weil dem gro­ßen Schluss­ak­kord: In die­sem Moment, als er for­dert Ange­la Mer­kel für die Ver­bre­chen an ihrem Volk vor Gericht zu stel­len, ist es die Wut, die ihn regiert. San­gui­nisch schlägt er sei­ne Vor­trags­map­pe zu , bevor er sich sei­ne Ruhe mit einem küh­len Atem­zug zurück­holt, wäh­rend ein Drit­tel des Saa­les in don­nern­den Applaus ausbricht.

Das schö­ne dar­an: Das alles hat genau­so statt­ge­fun­den. Wer das nicht glaubt, der kann sich hier davon überzeugen.

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Kommentare (26)

Monika

18. März 2018 18:30

Till-Lucas Wessels hat eine flotte Schreibe. Kompliment. Das muß auch einmal gesagt werden.

Blue Angel

18. März 2018 18:40

Eine wirkliche grandiose Rede von Dr. Curio und eine gute Wahl zum 53. Sonntagshelden.

quarz

18. März 2018 20:15

Curio hat Klasse. Und das wittern auch seine Gegner, werden nervös und lassen sich zu entblößenden Reaktionen hinreißen.

silberzunge

18. März 2018 21:07

Curio ist ein ausgezeichneter Redner, ein absoluter Gewinn für die gute Sache.

H. M. Richter

18. März 2018 21:19

Fragt man sich, wieso die grandiose Rede Gottfried Curios in den Medien nicht ähnlich skandalisiert wird wie unlängst einige an sich weit harmlosere Sätze Alexander Gaulands, kommt man nicht umhin anzunehmen, es könnte daran liegen, daß ansonsten das Für und Wider der Merkel-auf-die-Anklagebank-Forderung diskutiert werden würde.

So groß also scheint die Angst mittlerweile zu sein ...

Thomas

18. März 2018 21:59

Der Bote der Götter Mercurio heißt,
doch besser gefällt mir Herr Curio meist.

H. M. Richter

19. März 2018 08:00

^ @Thomas
____________

Curio, wie reich ist dein Geist! Das kann man nun erst empfinden,
Hört man, wie fad' und wie leer die Red' der anderen ist.

Franz Bettinger

19. März 2018 08:56

'Keinen Moment legte sich seine Stirn in Falten'. Vielleicht ahnte Dr. Curio, dass seine Rede eine historische war und einmal in allen Schulbüchern abgedruckt stehen wird. Er ist unser bester Mann im Bundestag, und das will was heißen, da wir viele Sehr Guten (Frauen und Männer) dort haben.

starhemberg

19. März 2018 11:23

Tja, man kann auch Doktor der Physik sein ohne sein Volk zu verraten. Hervorragender Auftritt, hervorragende Rede, echte Emotion, echte Politik. Hurra!

Immer noch S.J.

19. März 2018 12:53

Eine gute Wahl für den "Sonntagshelden", eine exzellente Rede von Dr. Curio. Zwingend die Formulierung, wer dem Antrag auf Grenzschließung und Grenzkontrolle nicht befürworte, der wolle genau das Gegenteil, sprich: den ungestörten Ablauf des sog. Großen Austausches. Und so ist es ja auch.

W. Wagner

19. März 2018 13:10

DAS Interessante an der Sache ist doch auch - und Kubitschek sprach es in Cottbus an -, dass man sich nunmehr Reden aus dem Bundestag auf youtube ansieht. Ich kenne niemanden (mich eingeschlossen), der dies vor 2017 tat, ich kenne nun unzählige, die es seit dem Einzug der AfD tun und sich dabei nicht nur die oft glänzenden Reden aus den Reihen der AfD anhören. Das sollte doch all jene, die ständig von Demokratie und mündigen Bürgern sprechen, freuen.
Die AfD sollte alles dransetzen, ihre Internetpräsenz auszubauen und diese Reden weit zu verbreiten, damit wird sie weitere Bürger für sich gewinnen. Es stehen wieder Wahlen an!

Der Starost

19. März 2018 13:40

… wunderbar anzuschauen, wie er sich als Surfer auf der ansteigenden Welle von Adrenalin durch energisches Umschlage seines Manuskripts neu erdet und bis zum furiosen Höhepunkt wieder selbst einfängt. Was für ein Rhetor!

Der_Juergen

19. März 2018 19:24

Melde mich nach mehrwöchiger krankheitsbedingter Abwesenheit gehorsamst zurück. Auf die Lektüre der seit dem 14. Februar versäumten Artikel freue ich mich sehr.

Zu Dr. Curio: Er ist ein Gegenbeweis gegen den immer noch von vielen Rechten gehegten Verdacht, die AFD sei ein systemgesteuertes Schwindelunternehmen. Ja, Opportunisten gibt es in dieser Partei natürlich zu Hauf, aber es gibt auch glaubwürdige Oppositionelle, an deren Patriotismus kein Zweifel statthaft ist. Dr. Curio ist einer davon. Er ist ein würdiger Sonntagsheld.

Lotta Vorbeck

19. März 2018 19:47

@Der_Juergen - 19. März 2018 - 07:24 PM

Schön, daß Sie wieder mit an Bord sind!

Waldgaenger aus Schwaben

19. März 2018 20:39

In die allgemeine Begeisterung kann ich nicht einstimmen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die AfD, ähnlich wie die FPÖ in Österreich, in einer Koalition mit einer gewandelten CDU, oder einer bundesweiten CSU, innerhalb des bestehenden parlamentarischen Systems etwas zum Besseren wenden kann, ist nicht Null.

Solche Reden verringern ohne Not diese Wahrscheinlichkeit.
Auf der anderen Seite, werden sie weitere Zustimmung der AfD nicht bringen. Die Kosten/Nutzen-Abwägung ist klar negativ.

Warum Patrioten so was tun, verstehe ich nicht. Warum soll die AfD auf eine eine mögliche Alternative für Deutschland verzichten?

In einer Koalition mit der CDU/CSU hätten die AfD-Falken allerdings keine persönliche Perspektive.

Vielleicht ist das eine Erklärung?

RMH

19. März 2018 21:01

Dass der Herr Curio hier gut ankommt, ist meiner Meinung nach nicht überraschend.

Ich denke aber, für den Durchschnitt liefert der Herr Curio erst einmal viel zu viel "Content" in geschliffenster Form in der knappen Redezeit, die einem BT-Abgeordneten eben zusteht, dass die Masse damit total überfordert ist. Und mit Masse meine ich hier nicht den berühmten Otto-Normal-Bundesbürger, sondern die Masse der BT-Abgeordneten. Herrlich, endlich einmal so Jemanden nach solchen intellektuellen Lichtern wie bspw. D. Bär im BT sehen und hören zu dürfen.

CURIOsity kills the MPs ...

Blue Angel

19. März 2018 23:17

@Waldgaenger aus Schwaben:

"..Solche Reden verringern ohne Not diese Wahrscheinlichkeit.
Auf der anderen Seite, werden sie weitere Zustimmung der AfD nicht bringen. Die Kosten/Nutzen-Abwägung ist klar negativ..."

Auf welche Wunder hoffen Sie bei den Duracell-Häschen der CDU?
Und warum glauben Sie, die vereinigten Sedierungsmedien würden es "honorieren", wenn die AfD auf Klartext verzichtete?

Die BTW liegt fast sechs Monate zurück, seitdem hat sich einiges getan. U. a. sind Glaubwürdigkeit und Zustimmungswerte der GroKo-Parteien noch weiter gesunken, die Deutungshoheit der Regierungsmedien existiert nicht mehr, drei Viertel der Bevölkerung meinen, daß der Islam nicht zu Deutschland gehört und ähnlich hohe Prozentzahlen stimmen weiteren AfD-Positionen zu.

Diese Entwicklungen werden sich nochmal verstärken, wenn es wirtschaftliche Einbrüche gibt, was sehr wahrscheinlich ist.

Die Mehrzahl der Leute hat genug von substanzlosem Gerede, wie sie es tagtäglich von der Merkel-Einheitspartei serviert bekommt.

Nur nackte Gewalt (durch die "Antifa" genannte Merkel-SA) und Angst vor Arbeitsplatzverlust hält diese Mehrzahl noch davon ab, ebenfalls auf die Straße zu gehen.
Keine "zu radikalen" AfD-Reden im BT.

Die von Herrn Matussek heute in Hamburg war wesentlich "radikaler" als die von Herrn Curio. - Und sie wurde bejubelt.

@RMH:
Danke, daß Sie herausstellen, daß die Masse der Einheitsparteien-Abgeordneten des deutschen Bundestags intellektuell weniger leistungsfähig ("überforderter") ist als der normale Bürger! - Das kann gar nicht oft genug gesagt werden, denn es ist die Wahrheit.

eike

19. März 2018 23:37

Na ja, ist schon etwas euphorisch dramatisierend, wie Herr Wessels die Curio-Rede beschreibt. Und die Untertitel sind auch leicht an den Haaren herbeigezogen: ein schwarzer Anzug ist noch keine "ästhetische Mobilisierug" und "Stil und Form" zeigen andere Redner meist auch, Inhalte weniger.

Nein, das Beeindruckende war, daß dieses Sprechblasenparlament sich wieder mit Grundsatzfragen der Nation konfrontiert sieht, mit schonungslosen Beschreibungen der Einwanderungkatastrophe, mit Forderungen wie Grenzschließung und Rechenschaft für illegales, volksschädigendes Verhalten.

Diesen Rhythmus der Fundamentalopposition der AfD können die Blockparteien nicht lange ignorieren, Reden im Bundestag haben einen anderen Stellenwert als auf Parteitagen.

quarz

20. März 2018 06:55

@Waldgänger

Jetzt ist nicht die Zeit für pragmatische Verwässerungen zum Zweck der strategischen Annäherung an andere Parteien. Jetzt ist die Zeit, die Leute an Klartext zu gewöhnen, der ihnen so lange zugunsten machtkosmetischer Rhetorik vorenthalten wurde. Gerade der Vergleich mit Österreich zeigt, dass sich dann eher die bürgerliche Mitte nach dem frischen Wind orientiert als dass eine Isolierung der Rechten stattfände.

H. M. Richter

20. März 2018 08:24

@Waldgaenger aus Schwaben
________________________________

Eine CDU, die eines Tages eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht mehr scheute, was immerhin nicht gänzlich auszuschließen ist, wäre keinesfalls mehr mit der jetzigen, bis zur Unkenntlichkeit entstellten Merkel/Laschet/usw.-CDU vergleichbar, sondern müßte bis dahin mindestens einenWeg gegangen sein, wie ihn einst die SED über die PDS hin zu DIE LINKE ging.

Insofern ist eine schonungslose Abrechnung mit der Merkel-Politik durch die AfD keinesfalls schädlich, sondern beschleunigt eine Entwicklung.

DIE LINKE ist zwar, was einige gerne ausblenden, bis heute rechtsidentisch [!] mit der SED, dennoch zeigt ihr Weg, daß es manchmal 'sehr schnell gehen kann'.

Am 9. Oktober 1989 gab es in der DDR die erste Massendemonstration gegen die dortige Regierungspolitik.

Und bereits am 8. Dezember desselben Jahres mußte die Aktuelle Kamera vermelden: "Der Generalstaatsanwalt hat Ermittlungsverfahren gegen Erich Honecker, Erich Mielke, Willi Stoph, Günther Kleiber, Werner Krolikowski und Hermann Axen eingeleitet."

Der Vorwurf gegen den ersten Mann im Staate lautete damals in erster Linie "Amtsmißbrauch".

Diese Ereignisse haben sich tief ins Bewußtsein der ehemaligen DDR-Bürger eingebrannt.

Sie wissen mehr als andere, daß es manchmal 'sehr schnell gehen kann', - sehr schnell ...

Waldgaenger aus Schwaben

21. März 2018 07:14

Mich störte vor allem die letzte Aussage in der Rede, dass diejenigen, die für die Grenzöffnung verantwortlich sind, auf die Anklagebank gehören und nicht auf die Regierungbank.

Welcher CDU/CSU Abgeordneter wird einer Regierung mit AfD-Beteiligung zustimmen, wenn er fürchten muss, nach einem Regierungswechsel angeklagt zu werden?

Das herrschende System lebt, wie jenes System, davon dass es unzählige Unterstützer auf allen Ebenen gibt:
Hinterbänkler in den Parlamenten, Beamte auf allen Ebenen, auch hier mitlesende Verfassungsschutzmitarbeiter, Parteifunktionäre, Manager, die die Politik unterstützen.

Wenn die "winds of change" stärker werden, werden die um so früher umfallen, um so weniger sie bei einem Wechsel zu befürchten haben. In Zeiten des Umbruchs schauen die meisten doch zuerst auf ihren persönlichen Vorteil und auf den der Familie.

So gern ich Merkel &co auf der Anklagebank sähe. Die politische Vernunft gebietet, dass die AfD auf scharfe Rhetorik verzichtet und deutlich macht, das nach einem Machtwechsel niemand für sein Abstimmungsverhalten oder das Ausführen von Anweisung oder das Fällen von Entscheidungen, zur Rechenschaft gezogen wird.
Und selbstverständlich muss die AfD sich dann auch daran halten. Ein Nürnberg2.0 sollte es nicht geben.

quarz

21. März 2018 10:58

@Waldgänger

"das nach einem Machtwechsel niemand für sein Abstimmungsverhalten oder das Ausführen von Anweisung oder das Fällen von Entscheidungen, zur Rechenschaft gezogen wird."

Abstimmungsverhalten gab es ohnehin keines, da Merkel die Grenzöffnung am Parlament vorbei beschlossen hat. Ein Anklagepunkt ihr gegenüber wäre also eher, dass eben nicht abgestimmt wurde.

Lotta Vorbeck

21. März 2018 12:42

@Waldgaenger aus Schwaben - 21. März 2018 - 07:14 AM
"... Die politische Vernunft gebietet, dass die AfD auf scharfe Rhetorik verzichtet und deutlich macht, das nach einem Machtwechsel niemand für sein Abstimmungsverhalten oder das Ausführen von Anweisung oder das Fällen von Entscheidungen, zur Rechenschaft gezogen wird.
Und selbstverständlich muss die AfD sich dann auch daran halten. Ein Nürnberg 2.0 sollte es nicht geben."

________________________

Zwei Fragen dazu:

1.) Wer definiert, was "poltische Vernunft" ist.

2.) Wieso eigentlich sollte es kein Nürnberg 2.0 geben dürfen?

Irgendwie riecht's bei Ihrer Argumentation aus sämtlichen Knopflöchern Zeilen nach Ablaßhandel ...

Hartwig aus LG8

21. März 2018 19:07

@ Waldgänger aus Schwaben
Ich schätze Ihre Beiträge im Allgemeinen. Aber diesmal liegen Sie dermaßen daneben; im Übrigen weiss ich nicht, wo Sie Ihren Optimismus hernehmen, ein "Nürnberg 2.0" veranstaltet zu sehen.
Nein, lieber Schwabe, wenn die AfD überhaupt massenwirksam auftreten will, so vor allem über die Provokation, die Übertreibung und das bewusste "über das Ziel hinausschießen". Ich habe vor einigen Wochen hier geschrieben, wie es die "Grünen" seit 40 Jahren machen. Das Erfolgsgeheimnis war die Maßlosigkeit der Forderungen und nicht das Anbiedern an mehrheitsbringende Wählerschichten. Und wie gesagt: Die Grünen waren im Bundestag nie stärker, als es die AfD jetzt ist, waren also immer kleiner 12 Prozent. Wie Sie aber feststellen können, reicht das völlig aus, um in der BRD die Agenda zu bestimmen.
Jeder Vergleich hinkt, so auch dieser. Was ich aber sagen will: Rücksicht auf "breite Wählerschichten" oder gar potentielle Koalitionspartner ist völlig fehl am Platz.

Waldgaenger aus Schwaben

22. März 2018 06:02

Ich mache es kurz, weil ich bald zur Arbeit muss.

Abstimmungsverhalten:
Die Abgeordneten hätten 2015 die Pflicht und das Recht gehabt eine Schliessung der Grenzen zu fordern und im Fall, dass Merkel sich weigert, sie mit einem konstruktiven Misstrauensvotum abzusetzen. Es ist ein historisches Versagen, dass sie dazu nicht den Mut hatten. Aber meiner Ansicht nach sollte dafür niemand bestraft werden.

Curio-Rede:
Diese ging einer namentlichen(!) Abstimmung über die Grenzschliessung voraus. Und Dr. Curio forderte, dass diejenigen die für die Grenzöffnung verantwortlich sind, auf die Anklagebank gehören. Das erleichert nicht unbedingt eine AfD-Regierungsbeteiligung unterhalb einer (utopischen) absoluten AfD-Mehrheit.

Grüne:
Die hatten und haben eine Menge durchgeknallter Forderungen, aber nie mit so scharfer Rhetorik das System angegriffen. Als sie eine Regierungsbeteiligung erreicht hatten, setzten Sie so ziemlich das Gegenteil ihrer Forderungen um: Erste kriegerische Auslandseinsätze der Bundeswehr, Hartz 4 und in der Umweltpolitik tat sich auch nicht so viel.
Ihre Wähler haben es den Grünen verziehen. Ich denke die AfD wäre bei so einem Verhalten weg vom Fenster.
Die Grünen haben nur ausgesprochen was der rot-grüne Zeitgeist fordert(e).

Ablasshandel:
Warum nicht?
Martin Lichtmesz widmet in seinem Buch "Kann nur ein Gott uns retten?" ein Kapitel dem Verhältnis von Politik und Moral.

Um als Politiker moralisch handeln zu können, Gutes zu tun und Böses zu unterlassen, braucht man Macht. Macht aber erringt und erhält der Politiker nur mit unmoralischem Verhalten.
Das ist ein weites Feld.

Heimatliebe

22. März 2018 07:25

Mir erging es beim Anschauen von Herrn Dr. Curios Rede ebenso wie dem Autor; ich empfand sie als ein rhythmisches Meisterwerk mit gekonnten Volten und vollzog intuitiv nach, warum er keine Zwischenfragen duldete- damit der Fluß der Partitur nicht gestört wird. Daher ist Till-Lucas Wessels‘ Vergleich mit einem Dirigenten auch stimmig. Im Übrigen greift der Autor mit seinem Schreibstil auch wunderbar das musikalische Thema auf, ein Lesegenuß.