Wagenknecht, die »soziale Frage« und wir (2)

Im letzten Beitrag habe ich eine erste Vermessung des #fairland-Wagenknecht-Geländes vorgenommen. Nun zu den Vorbildern.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Im rich­tungs­wei­sen­den NZZ-Inter­view aus der ver­gan­ge­nen Woche bezog sich Sah­ra Wagen­knecht gleich zwei­mal auf die Wahl­for­ma­ti­on »Unbeugsames/Aufsässiges Frank­reich«, hin­ter der Jean-Luc Mélen­chon und sein Front de Gau­che (Links­front) stehen.

Bereits das Jahr 2018 lei­te­te der natio­nal­staat­lich-rea­lis­ti­sche ori­en­tier­te Flü­gel der Links­par­tei mit dem »Star­gast« Mélen­chon ein, der frei­lich inner­halb wei­ter Tei­le der deut­schen Lin­ken mit Skep­sis beäugt wird, weil er anti­fa­schis­tisch ver­däch­ti­ge Begrif­fe wie »Volk«, »Nati­on« und »Wir« mit sozi­al­po­pu­lis­ti­scher Pro­gram­ma­tik koppelt.

Da man davon aus­ge­hen kann, daß weder Mélen­chon noch sein Wahl­re­sul­tat (knapp 20 Pro­zent der Stim­men bei der Prä­si­dent­schafts­wahl) all­zu bekannt sind, und da es für »Neue Rech­te« in Deutsch­land min­des­tens ver­blüf­fend erschei­nen muß, daß mit Alain de Benoist der Vor­den­ker der gesamt­eu­ro­päi­schen Neu­en Rech­ten eine Wahl­emp­feh­lung für Mélen­chon statt für Le Pen abgab, bie­tet es sich nun an, sich einen ers­ten Über­blick über die »links­po­pu­lis­ti­sche« Erfolgs­ge­schich­te zu ver­schaf­fen, um Moti­ve und erwart­ba­re Inhal­te des Pro­jekts der deut­schen »lin­ken Samm­lungs­be­we­gung« im Herbst 2018 kennenzulernen.

Denn so, wie das bemüht volks­na­he und sozi­al­pa­trio­ti­sche Vor­ge­hen Mélen­chons nicht ohne die vor­her­ge­hen­den Erfol­ge des Front Natio­nal (FN) denk­bar war, müs­sen eben auch die Bemü­hun­gen Wagen­knechts um eine rea­lis­ti­sche Zuwan­de­rungs­po­li­tik, um die Sor­gen des »klei­nen Man­nes«, um eine sozi­al­re­for­ma­to­ri­sche Samm­lungs­be­we­gung von links als eine direk­te Reak­ti­on auf die Erfol­ge des sozia­len Flü­gels der AfD und ihres ent­spre­chend aus­ge­rich­te­ten meta­po­li­ti­schen Umfelds gedeu­tet werden.

Was hat es also mit Mélen­chons Bewe­gung auf sich?

Ein star­ker lin­ker Popu­lis­mus, der sich in direk­ter geo­gra­phi­scher Nähe zu einem star­ken rech­ten Popu­lis­mus ent­fal­tet, ent­wi­ckel­te sich nicht ohne Logik zual­ler­erst in Frank­reich, wo die »Wert­schät­zung des Kon­flikts« (Stef­fen Vogel) einen ganz ande­ren Stel­len­wert als anders­wo besitzt.

Um einen »star­ken« Links­po­pu­lis­mus han­delt es sich schon des­halb, weil Mélen­chon als Spit­zen­kan­di­dat des Wahl­bünd­nis­ses La Fran­ce inso­u­mi­se, deren Kern durch die Links­front gestellt wur­de, respek­ta­ble 19,58 Pro­zent erreich­te und somit nicht nur die Sozi­al­de­mo­kra­ten weit hin­ter sich ließ, wenn­gleich es auf­grund Le Pens Stär­ke nicht für die Stich­wahl gegen Emma­nu­el Macron reichte.

Ähn­lich wie beim Front Natio­nal liegt bei beim Front de Gau­che eine Welt­an­schau­ung zugrun­de, für deren Ver­brei­tung man einer­seits »popu­lar« im Sin­ne von volks­nah auf­tritt und ande­rer­seits einen bis­wei­len popu­lis­ti­schen Stil der Aus­ein­an­der­set­zung mit den poli­ti­schen Geg­nern wählt.

Mélen­chon als Kopf der Links­front, deren jün­ge­re und stu­den­ti­sche Strö­mun­gen sich bis­wei­len an sei­nem zu stark zur Schau gestell­ten Popu­lis­mus rei­ben, for­dert dabei seit Jah­ren eine »Bür­ger­re­vo­lu­ti­on«, die weit mehr dar­stel­len sol­le als nur eine »Bür­ger­par­ti­zi­pa­ti­on«.

2010 for­der­te er bereits »Platz dem Volk! Über­nehmt die Macht« und agi­tier­te direkt gegen die »Olig­ar­chen« und, im wei­te­ren Sin­ne, das poli­ti­sche und media­le Estab­lish­ment. Er bestä­tig­te, daß er Popu­list sei, ruder­te aber auf par­tei­in­ter­ne Kri­tik hin zurück und sag­te, er sei volks­ver­bun­den (popu­lai­re), nicht aber populistisch.

Jen­seits die­ser Begriffs­de­bat­te kann fest­ge­stellt wer­den, was an Mélen­chons Han­deln »popu­lis­tisch« ist. Zunächst ist die Anru­fung eines all­ge­mei­nen Wil­lens zu nen­nen, des Gemein­wohls, das von der herr­schen­den Eli­te igno­riert würde.

Emo­tio­na­le Schlag­wör­ter sind ein wei­te­rer Aspekt, vor allem aber die Beto­nung eines »Wir« gegen die »Ande­ren«, wobei – ähn­lich zu Le Pen – die Ande­ren durch die Macht des Gel­des, die Macht Brüs­sels, die Macht »der da oben« ver­kör­pert wird.

Auch ein wei­te­rer Aspekt, der ursprüng­lich bei Mari­ne Le Pen bzw. klas­si­schen Rechts­po­pu­lis­ten zuhau­se war und ist, kann bei Mélen­chon beob­ach­tet wer­den: die Ten­denz zur Fort­schritts­skep­sis, das The­ma des Ver­falls und Nie­der­gangs von Wer­ten und Sit­ten, Sicher­heit und Arbeitsmarktstabilität.

Daß Mélen­chon mit For­meln wie »Es lebe das fran­zö­si­sche Volk!« oder »Das Volk will die Macht« warb, kommt als wei­te­re Begriffs­ähn­lich­keit hinzu.

Bei soviel The­men- und Begriffs­kon­gru­enz zwi­schen Rechts- und Links­po­pu­lis­ten in Frank­reich, die zusam­men ja immer­hin 40 Pro­zent der Stim­men in der ers­ten Run­de der Prä­si­dent­schafts­wahl 2017 gewan­nen – mit den unte­ren und mitt­le­ren Schich­ten als Gerüst (den »popu­la­ren« Klas­sen) –, liegt es nahe, daß Per­sön­lich­kei­ten aus dem Estab­lish­ment selbst, das sich nun von zwei Sei­ten bedroht sieht, Kri­tik üben.

Didier Eri­bon etwa monier­te in einem Essay, wie gefähr­lich der Dis­kurs à la Mélen­chon ist, eben weil er so nahe an dem­je­ni­gen Le Pens sei. Eri­bon warn­te vor der popu­lis­ti­schen Front­stel­lung »Volk« gegen »Eli­te«; man brin­ge »damit Begrif­fe oder, bes­ser, Affek­te in Umlauf, die man nur mit größ­ter Vor­sicht ver­wen­den soll­te, weil sie sich ganz schnell mit Bedeu­tun­gen auf­la­den las­sen, die man ver­mei­den wollte«.

Auch das neue natio­nal­sou­ve­rä­nis­ti­sche Ele­ment, das Mélen­chon auf­bot (und das teil­wei­se mit anti­deut­schen Ste­reo­ty­pen spielt, die man eher aus der alten fran­zö­si­schen Rech­ten kennt), macht eta­blier­ten Links­li­be­ra­len Angst.

Wenn ich höre, wie Jean-Luc Mélen­chon auf Ver­an­stal­tun­gen, bei denen die fran­zö­si­sche Fah­ne geschwenkt wird, die Nati­on ver­klärt und von einem ‚gro­ßen mäch­ti­gen Land’ spricht, das ‚sei­nen Platz in der Welt’ wie­der fin­den soll, dann wird mir ziem­lich unwohl. Das sind gefähr­li­che Phan­tas­men, mit denen man die natio­na­lis­ti­schen Lei­den­schaf­ten eher befeu­ert, als sie zu bekämp­fen. Die­se Art des Links­po­pu­lis­mus muss man unbe­dingt zurückweisen,

meint Eri­bon spür­bar erregt.

Der Fall Mélen­chon zeigt, daß Alain de Benoist zuzu­stim­men ist: In die­sen spe­zi­fi­schen zeit­ge­nös­si­schen Kon­stel­la­tio­nen endet die klas­si­sche poli­ti­sche »Gesäß­geo­gra­phie«, zumin­dest hier heißt es: rechts und links, das war ein­mal.

Denn die von Benoist dia­gnos­ti­zier­te Revol­te des Vol­kes gegen die herr­schen­de poli­ti­sche Klas­se, als Revol­te der Gemein­schafts­be­für­wor­ter gegen die libe­ra­le Hege­mo­nie und ihre indi­vi­dua­lis­ti­sche Para­dig­men, als Revol­te der Glo­ba­li­sie­rungs­kri­ti­ker gegen die »Glo­ba­lis­ten« jeder Cou­leur – sie fin­det sich bei Le Pen und bei Mélen­chon, beim Front Natio­nal und beim Front de Gauche.

Die­se Gemein­sam­kei­ten sind eher den Links- als den Rechts­po­pu­lis­ten unan­ge­nehm. Als Le Pen in die Stich­wahl gegen Macron zog, appel­lier­te sie an die Wäh­ler Mélen­chons und druck­te eigens für sie Flug­blät­ter mit dem Titel »Die gemein­sa­me Zukunft ist mit Marine«.

Auf­ge­lis­tet wur­den sie­ben ent­schei­den­de Wahl­zie­le Mélen­chons, die Le Pen ver­sprach, in sei­nem Sin­ne anzu­ge­hen, »dar­un­ter die Ren­te mit 60, ein Aus­stieg aus der Nato, eine Rück­nah­me der Arbeits­rechts­re­form der sozia­lis­ti­schen Arbeits­mi­nis­te­rin El Khom­ri sowie ein Leiharbeiter-Verbot«.

Trotz die­ser rich­ti­gen und wich­ti­gen Gemein­sam­kei­ten kön­nen in Frank­reich, im Fall Front de Gau­che und Front Natio­nal, wie auch in Deutsch­land, im Fall der »lin­ken Samm­lungs­be­we­gung« ohne Namen und der AfD, ent­schei­den­de Unter­schie­de dia­gnos­ti­ziert wer­den, von denen einer ekla­tant ist.

Die­ser läßt sich plas­tisch anhand zwei­er intel­lek­tu­el­ler Köp­fe zei­gen, und zwar an der Theo­re­ti­ke­rin des Links­po­pu­lis­mus Chan­tal Mouf­fe und am neu­rech­ten Den­ker Alain de Benoist (wobei, wie ange­deu­tet, Mouf­fe offen Mélen­chon, Benoist indes nicht Le Pen berät).

Alain de Benoists Popu­lis­mus-Theo­rie (ein­füh­rend vor­lie­gen­der Arti­kel) ist zwar mit Mouf­fe ideen­po­li­tisch weit­ge­hend kon­gru­ent, obwohl die genann­ten Den­ker aus ver­schie­de­nen Lagern und geis­tes­ge­schicht­li­chen Milieus stammen.

Doch der ent­schei­den­de Unter­schied zwi­schen Benoist und links­ori­en­tier­ten Popu­lis­ten ist, daß Benoist davon aus­geht, daß das »rechts­po­pu­lis­ti­sche« Modell der direk­te­ren Demo­kra­tie (anstel­le der jet­zi­gen, reprä­sen­ta­tiv-libe­ra­len) a prio­ri vor­aus­set­ze, was Mouf­fe und Mélen­chon leug­nen: die »Exis­tenz eines rela­tiv homo­ge­nen Vol­kes«, »das sich des­sen bewußt ist, was es eigent­lich ist« (Demo­kra­tie. Das Pro­blem).

Mouf­fe und Mélen­chon wol­len ein »Volk« kon­stru­ie­ren, das sich in gemein­sa­men gesell­schaft­li­chen Kämp­fen (z. B. gegen eine volks­fer­ne Eli­te) aus sozia­len Grup­pen und Ein­zel­per­so­nen brei­ter Schich­ten konstituiert.

Benoist dem­ge­gen­über weist dar­auf hin, daß es von Geburt an ein »Schon-Vor­han­de­nes« gebe, »einen Hin­ter­grund, der den Rah­men bil­det für die Kon­struk­ti­on des Selbst« (Wir und die ande­ren) – eben ein Volk nicht nur im Sin­ne von demos, son­dern auch (aber wie­der­um nicht aus­schließ­lich!) im Sin­ne von eth­nos.

Das trifft einen Kern der Unter­schei­dung zwi­schen poten­ti­el­len »Sozi­al-Patrio­ten« oder, defen­si­ver, Natio­nal­staats­be­für­wor­tern von links und rechts: Die Lin­ke, auch ihre popu­lis­ti­sche Aus­prä­gung von Mélen­chon bis Wagen­knecht, dürf­te an ihrem Anspruch schei­tern, eine posi­ti­ve (Gegen-)Erzählung zum wirk­mäch­ti­gen Prin­zip des Neo­li­be­ra­lis­mus auf die Bei­ne zu stel­len, weil sie bereits damit zu kämp­fen hat, sich gewiß zu wer­den, was ein »Volk« über­haupt aus­macht, für wen also die Gro­ße Erzäh­lung zu ent­wick­len ist.

»Links« bleibt es dem­nach nebu­lös, wer das Sub­jekt sein könn­te, das gegen »die Eli­te«, »den  Main­stream«, das »polit­me­dia­le Estab­lish­ment« oder gegen die »olig­ar­chi­sche« Füh­rung kon­tras­tiert wird, und für wel­ches man unterm Strich eine inte­gra­le Zukunfts­per­spek­ti­ve über­haupt erar­bei­ten könnte.

Sind vie­le Aus­län­der nun, wie bei­spiels­wei­se Alex­an­der Neu (MdB, Die Lin­ke) andeu­te­te, »migrie­ren­de Bil­lig­ar­bei­ter fürs Kapi­tal«, sind sie also ledig­lich fremd­ge­steu­er­te Objek­te der glo­ba­li­sier­ten kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­ons­wei­se, die sie als Ver­schie­be­mas­se ver­bucht, oder sind sie doch das neue revo­lu­tio­nä­re Sub­jekt, mit denen gemein­sam die auto­chtho­nen unte­ren Klas­sen ein neu­es »Volk« gegen »die da oben« bil­den wer­den, im Kampf gegen Kapi­tal und Ausbeutung?

Die­se Unklar­heit läßt sich nicht durch aka­de­mi­sche Debat­ten oder geis­ti­ge Kon­struk­tio­nen gemein­sam kämp­fen­der »sub­al­ter­ner« Klas­sen lösen; zudem wird der lin­ke Popu­lis­mus durch die lin­ken Anti-Popu­lis­ten, Anti­fa­schis­ten jeder Schat­tie­rung, an sei­ner poten­ti­el­len Ent­fal­tung gehin­dert, indem er wahl­wei­se in die »Querfront«-Ecke gestellt wird oder direkt als ver­kappt rech­te Strö­mung dif­fa­miert wird (– man sehe sich die­sen bezeich­nen­den Aus­schnitt des Lin­ke-Bun­des­par­tei­tags an, um einen ers­ten Ein­druck zu bekom­men, mit was für Elend sich Wagen­knecht in ihrer Par­tei kon­fron­tiert sieht.)

Die­se ver­schie­de­nen Blo­cka­den für einen lin­ken Popu­lis­mus, die spe­zi­ell in Deutsch­land zu ver­zeich­nen sind, und die an Wucht zuneh­men wer­den, wenn das Wagen­knecht-Pro­jekt im Herbst an den Start gehen soll­te, ändern nichts an der Tat­sa­che, daß eini­ge the­ma­ti­sche Anlie­gen der Mélen­chon-Wagen­knecht-Links­po­pu­lis­ten berech­tigt erschei­nen, etwa

  • der Kampf gegen die enor­me Macht­kon­zen­tra­ti­on (wirt­schaft­li­cher und poli­ti­scher Natur) olig­ar­chi­scher Struk­tu­ren auch in Westeuropa;
  • die Bean­stan­dung neo­li­be­ra­ler Total­durch­drin­gung aller gesell­schaft­li­chen Teilbereiche;
  • die prin­zi­pi­el­le Geg­ner­schaft zu einem indi­vi­dua­lis­ti­schen Regime, in dem jede Per­son nur noch als »Unter­neh­mer sei­ner selbst« (Michel Fou­cault) ver­stan­den wird;
  • schließ­lich die Ableh­nung der pen­sée uni­que, der alter­na­tiv­lo­sen Logik des Mark­tes und sei­nen poli­tisch folg­sa­men Akteu­ren der gro­ßen »Mitte«-Parteien, ob sie nun christ‑, libe­ral- oder sozi­al­de­mo­kra­tisch auftreten.

Die­se Anlie­gen kön­nen sei­tens der deutsch­spra­chi­gen kon­ser­va­ti­ven Intel­li­genz schad­los und ohne wirk­mäch­ti­ge Kon­kur­renz adap­tiert wer­den, da die hie­si­ge »ver­welt­bür­ger­lich­te Lin­ke« (Wolf­gang Stre­eck) die Stun­de des Popu­lis­mus aus ideo­lo­gi­schen wie mora­li­schen Moti­ven her­aus unbe­ach­tet ver­strei­chen las­sen dürf­te; Wagen­knecht, Lafon­tai­ne und Co. wer­den, so mei­ne Pro­gno­se, von der abso­lu­ten Mehr­heit ihres Milieu aus vol­ler Über­zeu­gung im Stich gelas­sen werden.

Die Stun­de des Popu­lis­mus, und zwar eines sol­chen, der »iden­ti­tär« rück­ge­bun­den ist an Para­dig­men wie Sozi­al­staat­lich­keit, Gemein­schaft und Soli­da­ri­tät, ist aber schon allei­ne des­halb gege­ben, weil sich sozia­le, gesell­schaft­li­che und natio­na­le Kri­sen­ele­men­te in naher Zukunft zuspit­zen werden.

Weder die Kri­se des Finanz­markt­ka­pi­ta­lis­mus ist über­wun­den, noch die­je­ni­ge des Euro als Gemein­schafts­wäh­rung, noch die der Migra­ti­on. Die Chan­ce jeder volks­na­hen Poli­tik, unter­stützt durch kon­ser­va­ti­ve Publi­zis­tik und Denk­fa­bri­ken, wächst im sel­ben Moment, in dem die wich­tigs­ten Akteu­re des media­len, poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Estab­lish­ments des Lan­des, kul­mi­nie­rend im öffent­lich-recht­li­chen Milieu, zur per­ma­nen­ten Kri­sen­leug­nung über­ge­hen und die Dif­fa­mie­rung all jener fort­set­zen, die zu inter­ve­nie­ren wagen.

Wenn die Popu­lis­mus-For­sche­rin Karin Pries­ter recht hat, daß sich die gras­sie­ren­de »popu­lis­ti­sche Revol­te« (und daß sie gras­siert, bestä­tigt expli­zit das Auf­kom­men der Wagen­knecht­be­we­gung links der Mit­te) vor allem gegen einen Nomen­kla­tu­ra-Kom­plex des Staa­tes rich­tet, »der sich hin­ter einem Wall ver­schanzt hat«, dann wer­den es rech­te Akteu­re sein müs­sen, die die­sen Wall niederreißen.

Die Lin­ke hat­te ihre Chan­ce, c’est fini.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (20)

Der_Juergen

21. Juni 2018 08:54

Wieder einmal ein sehr profunder Artikel von Kaiser.

Dass Alain de Benoist den "Linkspopulisten" Melenchon unterstützt, der, wie ich in meiner Wortmeldung zum ersten Kaiser-Artikel erwähnte, die "Vermischung" für die "einzige Chance" Frankreichs hält und meint, ohne Araber und Berber komme dieses nie und nimmer über die Runden, bestätigt meinen Verdacht gegen diesen hochkarätigen Vertreter der "Nouvelle Droite". Dieser hat sich schon mehrfach klar dafür ausgesprochen, riesige muslimische Parallelgesellschaften zu dulden. Was daran "rechts" sein soll, ist mir schleierhaft.

Nachdem auch Marine Le Pen ihre Kapitulation endgültig vollzogen hat, sieht es in Frankreich düster aus. Diesem Land kann, um einen bekannten Sezessionisten zu paraphrasieren, "nur ein Gott noch helfen".

Sandstein

21. Juni 2018 09:20

»Es lebe das französische Volk!«

Nun, auch die DDR-Bonzen waren nicht müde, zu jeder Gelegenheit von den Salbungen des Sozialismus für das gemeine Volk zu sprechen.

Und auch die heutigen Vertreter, egal ob Links oder Rechts, sprechen regelmäßig vom Volk.

Aber ist denn das wirklich die Frage, um die es sich dreht?

Vielmehr muss es doch um die Frage gehen, wer das Volk regiert. Tatsächlich ist dies nach meinem Empfinden die einzige, tatsächliche "politische Frage".

Es geht also um das Spannungsfeld Ideologie und Herrschaft. Schauen wir genauer:
Bei den Neocons sind es die Marktregeln, vereinfacht "die Großkonzerne" , die die Politik bestimmen(demokratischer Kapitalismus).

Bei Linken und Grünen sind es genau jene Regeln und Vorstellungen, die versprechen, den Kapitalismus für alle nutzbar zu machen (sozialer Kapitalismus).
Machen wir uns nichts vor, heutigen Linken ist das Wirtschaftssystem im Grunde egal, sie wollen Zugriff auf die Gewinne.

Konservative sind nun die einzigen Akteure aus dieser Gruppe, deren politisches Handeln durch Regeln bestimmt wird, denen keine Ideologie oder Weltanschauung zu Grunde liegt, sondern die Verbundenheit zu einer spezifischen kulturellen Entität. Ganz schlicht.
Und aus diesem Gefühl der Zugehörigkeit zu dieser Entität heraus allein speist sich der Antrieb des Konservativen, ihre "Völker", "Reiche" und "Nationen" zu erhalten. Aus diesem Grund empfinden Konservative eine tiefe Verantwortung für ihre jeweiligen Gemeinwesen.

Der Versuch der Linken jetzt das Spielfeld "Volk" zu beackern ist folglich ein Blendwerk und zeigt die Nutzung von Ideologie zur Herrschaft. Die Linken haben und werden schon immer, sobald an der Macht, das "Volk" wieder vergessen: weil es eben nicht Grundlage ihrer Bemühungen ist und sein kann.

Hartwig aus LG8

21. Juni 2018 09:38

Erstens: Sehr informativer Beitrag von B. Kaiser.
Zweitens: Wird sich die Rechte um den Begriff der Volksgemeinschaft herummogeln können?
Drittens: Die Tatsache, dass sich der deutsche Sozialstaat von der Volksgemeinschaft abwendet, muss mit populären Mitteln bekannt gemacht werden. Es folgt, dass Solidarität, in kleinen Schritten, aber in zunehmendem Maße, "privatisiert" werden muss - man könnte auch ganz unpopulär von Liberalisierung sprechen. Gemeint ist die Gründung solidarischer Strukturen außerhalb staatlicher Reglementierung und staatlicher Umverteilung zu Lasten des deutschen Volkes.

Fritz

21. Juni 2018 09:41

"Populismus" ist meinem Verständnis nach ein Apell an bestimmte moralische Intuitionen, die prinzipiell alle Menschen teilen (und die sich auch schon bei anderen Primaten finden).

Zu nennen ist in erster Linie der Wunsch nach Gleichbehandlung, nicht benachteiligt zu werden gegenüber anderen; man könnte auch von "Gerechtigkeit" sprechen.

Linkspopulismus apelliert an diesen Wunsch gegenüber der immer mehr zunehmenden materiellen Ungleichheit und beschuldigt Kapitalisten, Neoliberalismus usw., konstruiert aber gewissermaßen ein Kollektivsubjekt dieses Wunsches, das aus allen Menschen bestehen soll, unabhängig von Sprache, Kultur und ethnischer Zugehörigkeit. Eine neue. gerechtere Weltordnung für alle wird angestrebt.

Inzwischen ist unübersehbar, wie illusorisch diese Vorstellung ist, die überhaupt nur auf der Basis spezifisch europäischer, abstrakter Theorien entstehen konnte.

Valjean72

22. Juni 2018 08:12

@Der_Juergen:
“Dass Alain de Benoist den "Linkspopulisten" Melenchon unterstützt, der, wie ich in meiner Wortmeldung zum ersten Kaiser-Artikel erwähnte, die "Vermischung" für die "einzige Chance" Frankreichs hält und meint, ohne Araber und Berber komme dieses nie und nimmer über die Runden, bestätigt meinen Verdacht gegen diesen hochkarätigen Vertreter der "Nouvelle Droite".“
---

Keinem von beiden traue ich über den Weg, wie überhaupt diesen politischen Spiegelfechtereien.

Auszug aus dem Artikel:

“Auch das neue nationalsouveränistische Element, das Mélenchon aufbot (und das teilweise mit antideutschen Stereotypen spielt, …) "

In diesem Zusammenhang ein Zitat von Jean-Luc Mélenchon aus dem Jahr 2015 zur sogenannten von der Bundesregierung angeschobenen, mit durchgesetzten „Euro-Rettungs“-, bzw. Austeritätspolitk:

“Bereits zum dritten Mal in der Geschichte Europas, ist die Starrsinnigkeit einer deutschen Regierung dabei Europa zu zerstören.“

(Quellewww.lci.fr; 12.07.2015)

Allein dass eine Figur wie Macron (u.a. Investmentbanker für Rothschild & Cie. und Wirtschaftsminister einer sozialistischen Regierung) mit einer aus dem Nichts entstandenen politischen Bewegung binnen Jahresfrist französischer Präsident werden konnte, verdeutlicht meines Erachtens, dass das politische System in Frankreich noch mehr ein inszeniertes Schauspiel ist als hierzulande.

Ronny Licht

22. Juni 2018 08:17

@ Benedikt Kaiser
Sieht der Autor eine Vereinbarkeit zwischen dem angeführten Primat des Demo-/Ethnos-Volksbegriffs von Benoist für eine direktere (oder auch nur einer funktionierenden repräsentativen) Demokratie und real existierenden "Vielvölkerstaaten" wie Russland?
In Russland leben laut Wikipedia etwa 80% "Russen"(worunter auch Kosaken und Pomoren gezählt werden).
Der Rest der 145 Mio. Bürger besteht aus weit über hundert ethnischen Gruppen, deren kulturelle Prägung und religiöse Ausrichtungen äußerst heterogen sind (30 Mio.).
Kann diese Zusammensetzung in den Augen der Rechten überhaupt als relativ homogen bezeichnet werden? Sollte es in Zukunft das Ziel der Regierenden in Russland sein, sich der 80% vorzugsweise anzunhemen?
Oder bringt am Ende der zwanghafte Versuch der Übereinstimmung von geopolitischen Grenzen und dem Volksbegriff (erinnert sei an Frau Melanie Schmitz,die im Interview innerhalb der niederländischen Dokumentation "Rechte Vorhut" etwa bei Minute 27:00 meinte, der Islam können gern in seinem Land [sic! ] existieren) eher Probleme als das er Lösung verspricht?

Martin Lichtmesz

22. Juni 2018 09:01

@Ronny Licht

Schon mal auf die Karte geschaut, wie groß Rußland ist, und wie weit es sich geographisch erstreckt?

Ronny Licht

22. Juni 2018 09:28

@ M.L.
"Schon mal auf die Karte geschaut, wie groß Rußland ist, und wie weit es sich geographisch erstreckt?"

Die außergewöhnliche Dimension Russlands und die geringe Bevölkerungsdichte sind mir durchaus bewusst.
Da stellt sich mir doch gleich die Frage, wie sich der oben behandelte Begriff der Homogenität und die Fläche eines Landes auf die Realisierbarkeit direkterer Demokratie auswirken, wenn politischer Konsens so sehr mit der ethnischen Zusammensetzung einer Bevölkerungen innerhalb dieser geopolitischem Grenzen zusammenhängen sollen?

Der_Juergen

22. Juni 2018 09:45

@Ronny Licht

Mit den nichtislamischen, oft winzig kleinen Minderheiten hat Russland überhaupt keine Probleme. Solche existieren einzig und allein mit den muslimischen Volksgruppen, insbesondere den Nordkaukasiern. Als russische Bürger geniessen diese innerhalb des Landes Freizügigkeit und können sich überall niederlassen, wobei sie natürlich mit Vorliebe in die grossen Städte wie Moskau und Petersburg abwandern.

Dazu kommen teils legale, teils illegale Einwanderer aus den nach dem Zerfall der UdSSR selbständig gewordenen Staaten wie Aserbeidschan, Usbekistan und Tadschikistan. Diese könnte Russland dem Gesetz nach abschieben, tut es aber nicht, u. a. weil vor allem die Zentralasiaten als billige Arbeitskräfte benötigt werden.

Aufgrund ihrer höheren Geburtsraten, der überdurchschnittlich hohen Kriminalität unter ihnen sowie des wachsenden Einflusses islamischer Extremisten stellen die Muslime in Russland eine Zeitbombe dar. Putin versucht vor allem die Tschetschenen durch grosszügige finanzielle Zuwendungen ruhig zu halten, was vorderhand klappt, nicht zuletzt dank seinem Statthalter Kadyrew, der Tschetschenien de facto als Diktator mit straffer Hand regiert. Wie lange das noch gut gehen wird, weiss niemand.

Das Relikt

22. Juni 2018 11:58

@ Ronny Licht

Die Russische Föderation und ihre Vorläufer waren nie Nationalstaaten im europäischen Sinne, sondern immer Herrschaftsräume von zunehmend multi-ethnischen Eliten, in denen die vielfältigen Ethnien in unzähligen Konflikten und Ausbeutungsverhältnissen verstrickt sind. Keineswegs immer zugunsten der Mehrheitsbevölkerung ethnischer Russen.

Weder taugt dieses asiatische Reich als Beispiel für eine funktionierende multikulturelle Gesellschaft, noch für eine ethnopluralistische, als die manche romantische Neu-Rechte sie idealisieren. Sofern man unter Funktionieren mehr versteht als die bloße Verwaltbarkeit.

Ein geographisch eingedampfter Ethno-Staat Russland wäre selbstverständlich denkbar, umsetzbar aber nur gegen den Willen der Eliten der russischen Föderation, die sich ihre Herde nicht ausdünnen lassen wollen. Das wird mit Putin nicht geschehen und der dumpf-patriotische Russe würde dass auch nicht als Chance für seinen absterbenden Stamm, sondern Affront gegen seine Weltgeltung begreifen.

Insofern stellen sie hier belanglose Fragen, deren Gegenstand keinen Bezug zu der Problematik des Nationalstaats BRD heute hat.

Ronny Licht

22. Juni 2018 18:49

@Das Relikt
"Insofern stellen sie hier belanglose Fragen, deren Gegenstand keinen Bezug zu der Problematik des Nationalstaats BRD heute hat"

A) Danke für Ihre Einschätzung zu Russland.
B) Ich seh Sie schon allein aus einer logisch dialektischen Sicht nicht in der Lage zu entscheiden, welche Fragen belanglos sind oder eben nicht. Wenn man Benedikt Kaiser Benoists Postulate von ethnischer Homogenität und Demokratie widergibt, ist es dem Rezipienten unbenommen fern Ihrer eigenen BRD bezogenen Deutungsansätze, diese Theorien an anderen Nationen zu überprüfen. Oder es mit mit den Worten von Niklas Luhmann zusagen: Ihr Konsens ist nicht mein Konsens.
Denn während eine Grundidee der "neuen" Rechten eher auf der Vernetztung unter den "Völkern" abzielt und man in Russland einen Verbündeten - bis hin zu neuen Lebemsraum für den "bedrohten christlichen weißen Mann" - sieht, stellt Ihre Fixierung auf die Nation BRD "das Relikt" innerhalb der Erneuerung dar.

Waldgaenger aus Schwaben

22. Juni 2018 21:36

"Es lebe das französische Volk!"

Meine Französisch-Kenntnisse reichen leider nicht aus, um Original-Quellen zu lesen. Aber ich vermute, dass Melenchon und die Adressaten seiner Reden und Schriften bereits das Ius soli (Franzose ist, wer in Frankreich geboren ist) vollständig verinnerlicht haben.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo jeder, auch der linkeste Linke, das Deutsche Volk über das Ius sanguinis (Abstammungsprinzip ) definiert.

Deshalb schwölle jedem Linken die Zornesader bei
"Es lebe das deutsche Volk!"

Wenn ich Recht habe mit meiner Vermutung, dann kann man nicht die Erkenntnisse und Aussagen aus der französischen Politik eins zu eins übernehmen. Der Autor sollte deshalb einleitend kurz den Begriff Volk im Deutschen und Französischen darstellen.

Cacatum non est pictum

22. Juni 2018 22:31

@Ronny Licht

Ihnen, der Sie sich ja seit neuestem hier regelmäßig zu Wort melden, ist deutlich das Bemühen anzumerken, die Kommentarschreiber ideologisch zu stellen. Dabei kommen Sie nicht ohne Kategorien aus, die Sie dann dem einzelnen jeweils unterschieben, um sie dann dogmatisch mit dem Gesagten abzugleichen ("Die Neue Rechte sagt dies und das, aber was Sie da äußern, paßt nicht dazu und ist ergo in sich widersprüchlich!"). In diesem Kommentarstrang tritt das besonders deutlich hervor.

Gehen Sie einfach davon aus, daß die Bandbreite der hier Schreibenden relativ groß ist; daß nicht jeder sich streng einer politischen oder weltanschaulichen Gruppe zugehörig fühlt; und daß selbst derjenige, der sich meinethalben für einen Teil der Neuen Rechten hält, im Detail abweichende Ansichten haben kann. Wenn Sie diese Grundregeln verinnerlicht haben, klappt es vielleicht auch mit einer Sachdebatte.

quarz

23. Juni 2018 07:50

@Relikt
"Ein geographisch eingedampfter Ethno-Staat Russland wäre selbstverständlich denkbar, umsetzbar aber nur gegen den Willen der Eliten der russischen Föderation, die sich ihre Herde nicht ausdünnen lassen wollen."

An dieser politischen Gier ist ja auch das Habsburgerimperium zugrunde gegangen. 1848 hätte die Chance zu einer ethnischen Homogenisierung bestanden. Sie wurde der Hausmacht geopfert. Die Folgen führten ein paar Jahrzehnte später in die Katastrophe.

Ronny Licht

23. Juni 2018 08:11

@Cacatum non est pictum

A) stelle ich Fragen und bisweilen Behauptungen in den Raum solange mich die Redaktion (seit neuestem) lässt

B) befinde ich mich hier in einem überschaubaren Gedankenmikrokosmos eines dezidiert rechten Publikums, dessen Bandbreite sich von rechts-konservativ (im Eigenverständnis vielleicht konservativ) bis mitunter rechtsextrem erstreckt;
die Kategorien für den "Abgleich" bleiben auch schon deshalb überschaubar, weil der Personenkreis der hier aktiven Autoren und Kommentatoren relativ klein ist.
Gleichwohl die Dychotomie rechts/links unübersehbar aufgeweicht ist, wird das ("wahre, gute, schöne") Rechte von Autoren wie au ch von den Kommentoren gleichermaßen wie eine Monstranz in den öffentlichen Diskurs vorgetragen.

C) will ich nicht leugnen, dass ich hier zwar den öffenentlichen, nicht aber den unbedingten offenen Diskurs suche.
Meine Intentionen sind einfach auf den Punkt gebracht:
- Rechte Gedanken, Ziele, Narrative verstehen (meist als stiller Mitleser)
- Deren Theorien hier diskutieren

Nun ist es aber an jedem einzelen der Kommentatoren, eine Sachedebatte daraus zu machen. Und interessant ist es allemal, wer sich in welcher Weise zu Wort meldet, wenn sich die sachlich eröffnete Debatte explizit an den Autor (der "Linke" unter den Rechten in Schnellroda/KK16? ;) ) richtet.
Aber egal was bei rumkommt: Es ist ein Lernprozess.

Lotta Vorbeck

23. Juni 2018 08:21

@Der_Juergen - 22. Juni 2018 - 09:45 AM

Zum Oskar Matzerath mit seiner "Dommel", welcher hier auf SiN neuerdings als @Ronny Licht seinen Wiedergänger gefunden zu haben scheint, ist von @Cacatum non est pictum mit seinem vom 22. Juni 2018 - 10:31 PM datierten Eintrag alles gesagt.

Zur Situation in Russland sei bei dieser Gelegenheit noch nachgetragen:

Auf dem Portal RUSSIA BEYOND THE HeADLINES -Russische Nachrichten findet sich das hier:

# Ramsan Kadyrow: „Ich bin der friedlichste Mensch der Welt“ - von OLEG JEGOROW - veröffentlicht am 29. November 2016

https://de.rbth.com/politik/2016/11/29/ramsan-kadyrow-ich-bin-der-friedlichste-mensch-der-welt_651895

Vom selben Ramsan Kadyrow ist als Zitat überliefert: "Alle die, die er habe umbringen müssen, seien bereits tot."

Truppen aus Kadyrows Tschetschenien trugen im Sommer 2008 die Hauptlast bei den Kämpfen zur Vertreibung der Georgischen Armee aus Südossetien und deren anschließend herbeigeführten, totalen Niederlage im Kernland Georgiens.

Bevor es gelang Ramsan Kadyrow als putintreuen Statthalter in Grosny zu installieren, äußerte Wladimir Putin 1999, als er im Cockpit eines Kampfflugzeuges nach Tschetschenien gekommen war im Hinblick auf die beiden Terroristenanführer Bassajew und Chattab: „Notfalls werden wir Bassajew und Chattab auch im Pissoir erschießen“.

Der Terrorfürst Schamil Bassajew - 2004 war er noch führend an der Geiselnahme von Beslan beteiligt - konnte im Sommer 2006 in Inguschetien liquidiert werden.

Bereits im Frühling 2002 war es gelungen, den aus Saudi Arabien stammenden Emir Ibn al-Chattab zu paralysieren.

Zu Sowjetzeiten stellte der Islam innerhalb der UdSSR keine existenzbedrohende Gefahr für den Fortbestand der Union dar. Gleichwohl erkannte man in Moskau, daß sich die Gemengelage, welche sich während der späten 1970er Jahre unter dem nach einem Putsch in Kabul an die Macht gelangten Hafizullah Amin in Afghanistan herausbildete, sehr wohl zu einer Existenzbedrohung für die UdSSR auszuwachsen begann.

Rückschauend ist kaum zweifelhaft, daß die zur Bereinigung der Situation in Afghanistan gestartete, sowjetrussische Intervention zugleich den Anfang vom Ende der UdSSR markiert.

Aus den seinerzeit vom "freien Westen" in Afghanistan gepäppelten und militärisch ausgerüsteten, vermeintlich antirussischen Muhajeddin ging der islamische Terrorismus hervor, welcher sich binnen weniger Jahre gegen seine einstigen Schöpfer und Förderer zu wenden begann.

Die Brandherde an Russlands Südflanke - einerseits im Kaukasus und Aserbaidschan, andererseits in Zentralasien - werden - In wessen Interesse wohl? - über die Türkei und/oder Saudi Arabien ebenso stetig wie zuverlässig mit weiterem "Brennstoff" versorgt.

RMH

23. Juni 2018 10:50

Die aktuelle "Soziale Frage" ist doch nicht, was eine Internationalistin wie Wagenknecht aus purem Machtopportunismus denkt und/oder fordert oder was irgendwelche welschen Agitatoren in ihr vollkommen dekadentes, heruntergekommenes Land hinaus blasen, die soziale Frage aus einem deutschen, rechten, widerständigem Blickwinkel heraus ist doch die, wie wir uns von unserem verkommenen Staats- und Beamtenapparat vorübergehend ein Stück weit heraus lösen können, eigene Strukturen, "Charities", Service-Clubs, "Zünfte", Kammern und Unterstützungen organisieren. Wie wir Unternehmer in diesem Umfeld erfolgreich sein können (ohne das einem gleich mal das Geschäftskonto gekündigt wird), wie wir uns die jobs gegenseitig zuschanzen können, wie wir in Not geratene Landsleute und Familien unterstützen können ohne dabei einen auf den Deckel zu bekommen etc. und wie wir - das ist das wichtige! - dabei exkludieren und diskriminieren (im wahren Sinne des Wortes: Unterscheiden!) können und wollen (wo und bei wem ziehen WIR dann eigentlich die Grenzen?). Das ist ein großes soziales Thema der neuen Rechten, der widerständig konservativen Kreise. Nur so viel einmal vorab: Darauf, dass wir unsere Vereine und Organisationen irgendwie in unser System hineinpfropfen können und Vorteile wie "Gemeinnützigkeit" abgreifen können, darauf darf niemand mehr spekulieren! Nur als Beispiel, wohin hier die Reise geht:

https://www.welt.de/wirtschaft/article167500020/Dieses-Urteil-erschuettert-die-deutsche-Vereinskultur.html

Und dieses Urteil ist nur ein zaghafter Anfang - das kann noch deutlich weiter getrieben werden und ich bin mir sicher, dass die Behörden zukünftig bei entsprechenden "Weisungen" von oben sehr genau hinsehen werden und dabei sehr kreativ sein werden und den längeren Atem haben sie auch (wer - außer dem Staat! - kann es sich schon leisten, eine Sache auch einmal ein paar Jahre lang gerichtlich durchzufechten?).

Ergo: Wer bspw. als Deutscher Deutschen solidarisch mit Geld helfen will, der sollte nicht damit rechnen, es auch noch von der Steuer absetzen zu können. "Unsere" Strukturen müssen daher völlig frei von Überlegungen des Ausnutzens staatlicher Möglichkeiten sein.

Solution

23. Juni 2018 21:24

Guter Artikel. Vom völkischen Standpunkt sind beide Seiten nicht akzeptabel, da sie den Großen Austausch nur mehr oder weniger verzögern.

Benedikt Kaiser

25. Juni 2018 08:41

@Ronny Licht:

C) will ich nicht leugnen, dass ich hier zwar den öffenentlichen, nicht aber den unbedingten offenen Diskurs suche.

Und genau deshalb steige ich nicht in den »Diskurs« mit Ihnen ein, der im strengen Sinne just dann keiner mehr ist, wenn er nicht gänzlich oder teilweise ergebnisoffen gestaltet wird (bzw. wenn von vornherein ein solches – wenigstens ehrliches – Statement erfolgt).

links ist wo der daumen rechts ist

27. Juni 2018 18:21

Schöne Menschen und Glaubwürdigkeit

Vielen Dank v.a. für den Hinweis auf den Parteitag der Linken.
Ja, wirklich erschreckend, wie da manche Wesen (Mann oder Frau?) aussehen wie das Produkt 200jähriger deutscher Inzucht:
https://medien.metropolico.org/img/a1b2mu?l=de
Ein bißchen Durchmischung könnte da doch nicht schaden, wie wär's, neben iranisch-deutsch, z.B. mit algerisch-deutsch:
https://theredlist.com/wiki-2-24-525-526-657-view-1980s-2-profile-isabelle-adjani.html

Aber im Ernst:
Es gibt von Sahra Wagenknecht keinen einzigen Text bzw. Vortrag, in dem sie nicht die soziale Frage mit der nationalen verknüpft hätte; im Gegenteil: gerade von diesem Ausgangspunkt aus ist doch ihr Kampf gegen transnationale Auswüchse erst glaubwürdig.
Die Mehrheitssozialisten (das wirft sie der SPD ja ständig vor) haben den Kniefall vor dem "Globalismus" schon längst vollzogen.

Und wie verhält es sich mit den Mehrheitskonservativen?
Blicken wir nach Österreich: eine rein neoliberale Agenda wird eiskalt durchgezogen, das "Ausländerthema" galt halt der Stimmenmaximierung, und die Steigbügel-FPÖ dackelt brav mit.
Von "sozialer Frage" weit und breit nichts zu sehen, eher Klassenkampf von oben.

Sollte die AfD die "soziale Frage" (mit einer Investmentbankerin in atypischen Familienverhältnissen an vorderster Front) doch noch für sich entdecken, bitte mich umgehend zu informieren.
(Und diese kleine Spitze ad personam nur, da man z.B. Macron immer wieder auf seine Rolle als Banker festlegt oder die Kinderlosigkeit bestimmter Politiker glaubt thematisieren zu müssen.)