Sezession
27. Juni 2018

Mit Rechten reden – mit Linken leben

Ellen Kositza / 26 Kommentare

Vor ziemlich genau neun Monaten wurde ein Vorhaben gezeugt oder besser: manifestiert, nämlich in Buchform:

Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Man könnte doch mal "mit Rechten reden". Ein weißes, sehr deutsches Männertrio hatte ein launiges, esoterisches Büchlein in die Welt (d.h. in die Welt des Feuilletons) geworfen, und der Titel wurde zu dem Schlagwort des Herbstes, des Winters, des Frühjahrs wurde: Mit Rechten reden gilt als die derzeit am schlausten ausgetüftelte Verhaltenslehre gegen rechts.

Nun ist Sommer, wir steuern auf den Jahrestag zu, und immer noch ist unklar ist, wie die Frage zu lauten hätte: Darf man mit Rechten reden? Will man? Muß man? Und so ist es kaum verwunderlich, daß noch keine Antwort erfolgt ist. Natürlich gibt es in einer Demokratie kein Gremium, das darüber entscheiden könnte, wer warum mit wem über was zu reden hätte. Dennoch die Frage: Ist man weitergekommen?

Das heißt: Gibt es Annäherungen in Form von a) sachlichen Gesprächen b)„auf Augenhöhe“ c) coram publico? Nein. Eines vorweggenommen: Ist das schlimm, für uns, also genau jene „Rechten“, um die es dem Männertrio bis in die Nebensätze ging? Nein. Die Themen, unsere Themen, bleiben ja virulent. Es ist nur blamabel für die, die immer noch eiern.

Grob unterteilt gibt es drei (journalistische) Antwortvarianten auf die Frage, ob mit Rechten geredet werden sollte/dürfte/müßte:

  1. Nein. - Wir dürfen denen keine Bühne bieten, keine Fußbreite überlassen!  Wie haben unsere Spezialisten/Experten (ungesagt: aus dem Antifa-Milieu) zu all diesen Themen. (Um diese Klientel wird es im weiteren nicht gehen, sie haben sich durch Diskursverweigerung freiwillig abgehängt und ins Abseits geschossen.)
  2. Ja! - Im Privaten sowieso (Motto: „Der Fußbaltrainermeines Sohnes ist AfD-Wähler, warum sollte ich als toleranter Mensch mit dem jetzt nicht mehr über die Mannschaftsaufstellung fachsimpeln?“), ansonsten, also „zur Sache“, im Geheimen gern, sehr gern. Das, dieses „Neue Rechte“, ist ja alles so interessant, so streitbar, so sehr „das eigentlich Andere“! Das Faszinierende, das Schillernde, ja, natürlich, das Kritisierbare, aber doch das wohl Kommende! Laßt uns reden! Nicht grad in Mitte oder Prenzlauer Berg… Sie mögen doch auch lieber Dorfkneipen….? Sie verstehen schon, daß es taktisch unklug wäre, wenn uns jemand sehen würde…? Öffentlichkeit? Naja, im Grunde schon, wahnsinnig gern sogar, aber Sie müssen wissen…, komm, Sie wissen doch, wie es läuft. Wissen Sie eigentlich, welches Opfer ich in meiner Redaktion/meinem Umfeld gebracht habe, weil ich äußerte, man müsse mal reden mit den Rechten? Diese Art Ausgrenzung können Sie sich gar nicht vorstellen!
  3. Ja - gern, öffentlich/veröffentlicht, wir wollen schon gern reden mit diesen Rechten, aber die wollen nicht! Sie suhlen sich in ihrer Opferposition, aber sind niemals gesprächsbereit. Die tun eh nur so zivilisiert. Jeder Gesprächsversuch mit denen ist vergebens, man kann sich noch solche Mühe geben, da kommt nichts bei raus. Das sind Hasser, die gar kein Gespräch führen wollen. Die schieben das nur vor!

Hier endet die Feigheit und beginnt die Lüge. Die schieben das nur vor. Eine unvollständige Chronologie:

Abschnitt 1: Ein erster Auge-in-Auge-Kontakt (schriftlich gab es hier und da schon ein marginales Hin &Her) mit Per Leo und Daniel Zorn, zweien der Autoren von Mit Rechten reden, fand zur Herbstbuchmesse in Frankfurt statt. Man stand und saß mehrmals zusammen, sprach vernünftig (wir waren ja auch der wichtigste Stand auf dieser Messe!), Martin Lichmesz hat über diese Phase vor ein paar Monaten ziemlich wütend ausgepackt.

Zuletzt saßen Leo, Zorn, Kubitschek, Lichtmesz, Sommerfeld und ich länger am Klett-Cotta-Stand, wo gerade ein Verlagsempfang gegeben wurde. Die nicht wenigen Gäste, die ihr Smartphone zückten, um das Liveerlebnis „Mit Rechten reden“ festzuhalten, wurden gebeten, die Aufnahmen bitte nicht (in sozialen Netzen oder sonstwo) zu veröffentlichen. Diese Bitte kam nicht von uns. Ja, hieß es am Tisch, man müsse demnächst länger und gründlicher reden. Dringend!

Ich darf es vorwegnehmen: Nach der Messe schlug Leo zunächst Dezember, dann Februar vor. Dann verlief die Sache völlig im Sand. Wir, die Rechten (also die, die sich angeblich „stets als Opfer inszenieren“), könnten uns nicht vorstellen, wie hart ihnen von Leuten des eigenes Milieus zugesetzt würde. Daß etliche Freundschaften darüber zerbrochen seien, nur weil man „mit Rechten reden“ wolle, sei nur die private Seite des furchtbaren Dilemmas.

Abschnitt 2: Svenja Flaßpöhler, damals DLF-Redakteurin, heute wieder beim Philosophie Magazin angestellt, hatte im Radio rund um die Buchmesse zwei Kommentare veröffentlicht, die nicht sympathisierend, aber ziemlich objektiv den bekannten Tumult wiedergaben. Sie schilderte unter anderem, wie Kubitschek versucht hatte, mit dem Wortführer der Linksextremen zu reden, der habe aber nur zurückgerufen: "Mit Dir rede ich nicht,Kubitschek hau ab."

Flaßpöhler fand das bestürzend: Ein Dialog sei „aktuell besonders wichtig“. Daraufhin bekam auch sie ordentlich Schelte von links. In einem weiteren Beitrag rechtfertigte Flaßpöhler sich:

Extrem war das Verhalten der Linken aus folgendem Grund: Sie haben systematisch einen hermeneutischen Prozeß unterbrochen, ja, ihn gar nicht erst zustande kommen lassen. Dieses Verhindern interessierter Zuwendung verbindet sie mit all jenen, die in Bitterfeld und anderswo Angela Merkel 'Hau ab!' entgegenbrüllten und ihr jedes Zuhören, jedes Verstehen verweigerten.

Klingt klug. Ist aber billige Münze: Flaßpöhler markiert das Entgegenkommen nur und hat kein Interesse an einem Dialog.

Ähnlich ging es mit zahlreichen anderen Debattenverhinderern von den Großmedien: Zur Messe waren sie wild nach O-Tönen und bekräftigten ein „Gründlichredenmüssen“, das dann (oft nach anregenden Mailwechseln) stets leider doch nicht zustandekommen konnte – nie durch ein Zurückziehen unsererseits. Daß „die Sache“ (also wir) plötzlich uninteressant geworden wäre, ist ausgeschlossen. Der Slogan „Mit Rechten reden“ füllt bis heute Sendungen. Nur, daß ohne uns über uns gesprochen wird.

Abschnitt 3: Als die Leipziger Buchmesse 2018 bevorstand, schickte ich eine Mail zum Deutschlandradio, weil es mich irritierte, daß in drei Sendungen (eines einzigen Formats!) mit „Experten“ über uns geredet wurde, aber nie auch nur eine Frage an uns gestellt wurde. Ja, schon beschied man mir, ich möge mal bitte ein paar Bücher (Wunschliste wurde angegeben) zuschicken. Ich packte ein Päckchen, daran sollte es nicht scheitern. Wochen später folgte ein Meinungsbeitrag unter der Überschrift: "Rechte Verlage auf der Leipziger Buchmesse. Kann man dieses Spiel gewinnen?" (Spiel? Gewinnen? E.K):

Die Frage, ob die Leipziger Buchmesse "rechtsextremen" Verlagen einen Stand überlassen sollte – also Verlagen, die mit ihren Publikationen nicht mehr auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen – die ist doch eigentlich leicht zu beantworten.

Natürlich nicht.

Einfach mal vorher schon vom "Hausrecht" Gebrauch machen, einfach mal Nein sagen – und zwei, drei Quadratmeter Messefläche nicht an rechts vermieten. Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung wird damit in Deutschland ganz sicher nicht beschnitten.

Dies im öffentlich-rechtlichen, einer ausgewogenen Berichterstattung verpflichteten Zwangsgebührensendern wohlgemerkt.

Abschnitt 4: Der große Rest der Meinungsinhaber mit Mikrophonplatz oder Zugang zu Leitmedien hingegen bleibt bei einem einem entschiedenen Ja bis Jein zur dauervirulenten Frage, ob mit Rechten zu reden sei. Einige prominente Blitzlichter:

Marlene Streeruwitz, Schrifstellerin, im Deutschlandfunk-Interview:

Reden selbstverständlich. Ausreden immer. Größte Korrektheit ist angebracht. (…) Und wenn es korrekt abgeht, kann ja auch korrekt gesprochen werden.

Horst Meier, Journalist und Fachmann für Rechtes, im NDR:

Mit Rechten reden? Ja, was denn sonst? Die allererste Bedingung einer offenen Debatte ist es, niemanden nur daher auszuschließen, weil er die falsche Gesinnung hat oder „unerträgliche“ Meinungen äußert. Der Streit lebt von Gegensätzen, sie sind das Salz in der Suppe.

Auch die deutsche Schriftstellervereinigung PEN (die auf der Buchmesse noch unter dem Slogan „Verlage gegen rechts“ Stimmung gegen uns gemacht hatte) ist bei ihrer Jahresversammlung (und im Rahmen einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Neue Rechte“) vor ein paar Wochen zu dem Schluß gekommen, man müsse miteinander reden.

Abschnitt 5: Zwei linksextreme, aber wohletablierte Grenzwächter haben gerade versucht, den so toleranzbeschwingten (wie folgenlosen) Dauerdiskurs einzufangen.

Zum einen hat der einschlägige Volker Weiß in der aktuellen Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik noch mal alles zusammengefaßt, was er in den vergangenen Jahren aufgeschrieben hat:

Das intellektuelle Zentrum der Neuen Rechten, das Milieu des von Kubitschek geleiteten Antaios-Verlages, hat gar kein Interesse an einer Annäherung durch inhaltliche Auseinandersetzung, sondern verachtet die Debatte grundsätzlich (…). Rechten durch den Nachweis ihrer Unlogik beizukommen, läuft daher ins Leere, da sie nicht an einer kohärenten Argumentation interessiert sind.

Und weiter:

Jede Aufnahme einer Debatte durch diese Rechte ist somit rein instrumenteller Natur. In der Antaios-Zeitschrift Sezession ist nachzulesen, wie sehr man sich historisch den Verfechtern der Diktatur verpflichtet fühlt. Statt der Debatte und des Austauschs von Argumenten pflegt man einen autoritären Kult um Tat und Entscheidung.

Es ist eine Weltanschauung, die von der Ungleichwertigkeit von Menschengruppen ausgeht und sie in der Gesellschaft zementiert wissen will. Diese Rechte lebt auch keineswegs ausschließlich von ihren Gegnern, sondern verfügt über eine ganz genaue Vorstellung, wie die Welt einzurichten ist, sollte man ihnen jemals die Gelegenheit dazu geben. Sie jedenfalls werden dann nicht mehr mit ihren Gegnern „reden“.

Für Weiss, der einmal auf einer Veranstaltung (Lesung aus seinem Buch Die autoritäre Revolte) für ein paar Minuten Zielscheibe unseres Spotts geworden war, gelten mildernde Umstände, er scheint traumatisiert:

Wenn keine Kamera in der Nähe ist, neigt auch Kubitschek zu Wutausbrüchen. Der von tiefer Sorge um Deutschland getriebene, grüblerische Verleger entpuppt sich als Poser. (….) Aus diesem Grund sind alle gescheitert, die die Kubitscheks dieses Landes mit dem Gestus des Drachentöters in den Diskurs integrieren wollten. Der Münchner Soziologe Armin Nassehi, der Kubitschek für einen Konservativen hielt und ihm den ersten großen Auftritt bescherte, zog sich schnell wieder zurück. Und auch die Autorengruppe um Per Leo, die Rechte im Gespräch widerlegen will, kam nicht weit. Die ernsthafte Suche nach einem Austausch wurde ihnen allen schlecht gedankt. Sowohl Nassehi als auch Leo wurden nach den Gesprächen von den Antaios-Autoren ins Lächerliche gezogen.

Wie bitte? Wo bitte?

Ein anderer berüchtigter Linksausleger, Jörg Sundermeier, Betreiber des Verbrecher Verlags, geht in einem Langaufsatz im Börsenblatt des deutschen Buchhandels (6/2018) auf folgendes Problem ein: Immer häufiger würden Stadtbibliotheken und Buchhandlungen mit Kunden konfrontiert, die „gezielt“ („ohne sich auch nur kurz im Geschäft umzuschauen“) nach Büchern rechter Verlage fragen. Sundermeier ist sich sicher, daß es keine Beschneidung des Meinungsfreiheit ist, wenn Bibliotheken derart schlechte Bücher nicht führen“ und wenn Buchhändler diese „schlecht gemachte Hau-Drauf-Bücher“ nicht vorrätig halten.

Soviel zum Stand der Debatte. Wir gucken mal weiter zu. Und wenn, wie so oft, mal wieder ein Medienmensch vorbeikommt und „sprechen“ will, um sich danach über Ziegenkacke und Kreuz-an-der-Wand-Inszenierung lustig machen will – immer gern. Die Kluft zwischen hier und dort wird immer größer, nur ist der lesende und hörende Bürger längst nicht mehr ein so einfach zu manipulierbarer Idiot.

Apropos Idiot: Man versucht es ja immer wieder, konkret, nicht abstrakt – ich für meinen Teil zuletzt vor ein paar Tagen in Schnellroda. Mit Linken reden? Geht nicht.


Ellen Kositza

Ellen Kositza ist Literatur-Redakteurin und Mutter von sieben Kindern.

Kommentare (26)

Der_Juergen
27. Juni 2018 10:36

Ich habe es hier schon ein- oder zweimal gesagt, aber manchmal darf man sich ja wiederholen: Eine Debatte mit Linken ist nicht möglich. Sie wollen Deutschland, Europa, die weisse Menschheit zerstören, wir wollen sie erhalten. Sie wollen bewährte gewachsene Strukturen auflösen, wir wollen sie bewahren. Sie wollen die Atomisierung der Gesellschaft, ihren Zerfall in zahllose ethnisch und weltanschaulich verschiedene und oft verfeindete Gruppen, wir wollen eine harmonische Volksgemeinschaft. Wie lässt sich dieser Abgrund überbrücken? Gar nicht.

Die Linken können trefflich miteinander reden und sich gegenseitig in ihren Überzeugungen bestärken. Gegenüber jemanden, der ihre Götzen abklopft und rasch feststellt, dass sie hohl sind, sind sie hilflos. Deshalb hat der Antifa-Affe in dem Video aus seiner Sicht das einzig Richtige getan, indem er Ellen Kositza den Dialog konsequent verweigerte.

Eines Tages wird man mit diesen Leuten in einer Sprache reden, die sie verstehen, aber im Moment haben wir ihnen nichts zu sagen. Wenn es unter ihnen noch den einen oder anderen Saulus gibt, der sich mit etwelcher Verspätung noch zum Paulus mausert und in unser Lager übergeht, wird man ihn dort willkommen heissen. Allzu viele werden es nicht mehr sein.

(Ich spreche hier natürlich von den feuerspeienden Ideologen und nicht von einfachen SPD- oder Linkspartei-Wählern, die ihre Stimme im Moment noch der Linken geben, weil sie entgegen aller Evidenz immer noch glauben, diese vertrete die Interessen deutscher Arbeiter und Unterprivilegierter. Aus den Reihen dieser Menschen ist schon bald eine Massendesertion zu erwarten.)

Seemann
27. Juni 2018 11:19

mit linken Reden, tja das hat schon in den 80 iger Jahren nicht funktioniert. Es hat sich nicht viel geändert, zu sehr fürchten sie das Argument. Ihre Verweigerungshaltung ist ja legendär und entlarvt sie als das was sie sind, Heuchler.

Der Gehenkte
27. Juni 2018 12:22

Man muß es immer wieder versuchen und darf nicht vergessen: diese Menschen sind auch Opfer der Gesellschaft!

RMH
27. Juni 2018 12:25

Die heutige Linke in den Feuilletons, der Politik, der Verwaltung, dem Management etc. ist zumeist die Generation, die von der Herkunft her oftmals von Arbeitern, Kleinbürgern und Spießern (ja oftmals in der Tat von Nazis) abstammt und durch die sozialdemokratischen Bildungsreformen, BAföG & Co. zu irgendwelchen akademischen Würden gekommen sind, die sie sich durch ihre spießerische und kleinbürgerliche Grundattitude der Selbstqual erarbeitet haben. Sie setzen sich jetzt irgendwelche Lorbeeren vom Weltbürgerturm und andere Narreteien auf und sind im Grunde genommen genau das, was ihre Eltern und Ahnen schon immer waren, Unfreie, Sklaven mit Sklavenmoral, Kleinbürger und Spießer durch und durch. Leute, wie sie eben nach der großen Gleichmacherei, die auch dem Niederen seine Standeswürde und sein Klassenbewusstsein nahm, übrig bleiben. Mit solchen Menschen über etwas anderes, als Materielles oder Erbsenzählen, über etwas, was nicht in ihr Kleinbürgerhirn passt, zu reden, ist daher nicht möglich. Die echte Größe alten Adels, auch Adel des Geldes oder aber auch (wie bereits erwähnt) die Standeswürde und das Klassenbewusstsein der niederen Stände, geht ihnen ab - echte Muße, Otium, wie der Lateiner sagt, und Freiheit in seiner echten Form ist ihnen gänzlich fremd. Von daher ist alles Große und Erhabene - wie es bspw. eine Nation oder ein Volk oder eine Religion sein kann - für sie per se verdächtig und muss zwingend zumindest banalisiert, der Lächerlichkeit anheim gegeben werden und manchmal auch kriminalisiert werden. Das jemand nur von Geburt an irgendwelche Rechte oder gar Privilegien gegenüber anderen hat, ist ihnen, die sie von Geburt an eigentlich aus dem Nichts der Sklavenmasse kommen, das Schlimmste, was es geben kann und so ist jeder, der von Rechten das Privileg zugesprochen bekommt, Du bist deutsch, Du bist Volksgenosse, in den Dreck zu ziehen und im Zweifelsfall hat man sich als guter BRD-Bürger und Linker selber in den Dreck zu ziehen, damit der andere nur durch Kontakt auch schmutzig werden kann. Und wie sagt der Volksmund? Wer sich nur im Dreck wälzt, der kann nicht sauber werden. Die Linke ist der institutionalisierte Pöbel, ein von jeder Standeswürde befreiter Pöbel, der nur herunterziehen und verächtlich machen kann und nichts Großes und Erhabenes und auch keine echte Würde dem Einzelnen anzubieten hat. Stattdessen münzt er in inflationärer Art eben die falsche Münze der Menschenwürde.

Hüten wir uns davor, allzu leichtfertig mit ihm, dem Pöbel-Linken, ins Bett zu steigen - wir können damit nicht sauber bleiben!

Utz
27. Juni 2018 13:29

@ RMH
Das sind nun schon ein bißchen arg viele Vorurteile. Warum müssen wir Rechte die Institution Bafög diffamieren? Was spricht gegen den Leistungsgedanken? Ich selbst hätte ohne Bafög weder eine weiterführende Schule, noch ein Studium absolvieren können. Wurde ich links, weil ich nicht auf eine wie auch immer geartete adlige Ahnenreihe zurückblicken konnte? Nein! Die vielen Linken, die überall entstanden sind, und deren Vorhandensein Sie zu recht beklagen, kamen doch nicht daher, daß "Spießer" ihren Kindern Bildung ermöglichen konnten. Die übliche Konstellation war, daß Kinder, deren Eltern rechts wählten, selbst links wählten. Die allgemeine Aufbruchstimmung gaukelte vielen jungen Menschen vor, daß sie die Auserwählten seien, eine neues Zeitalter (Wassermann) zu gestalten, und daß es in diesen so völlig neuen Zeiten gänzlich falsch wäre, sich an vorangegangen Generationen zu orientieren.

Aber egal was man glaubt, wie es kam, daß es so wurde wie es derzeit ist. Tatsache ist, daß wir das nicht zurückdrehen können. Wir können nur schauen, daß wir dadurch, daß wir uns untadelig benehmen, Leute überzeugen. Das geht langsam. Aber wir haben ja Hilfe in den Migranten. Jeder Einzelfall zieht Leute auf unsere Seite.

Zum Video: Meine Hochachtung vor Frau Kositza, die immer wieder solche Anläufe macht. Vielleicht ist das weniger wichtig für unbeteiligte Zuseher, die ihre Einstellung zu uns ändern könnten, als für uns selbst.

Caroline Sommerfeld
27. Juni 2018 13:51

"Man muß es immer wieder versuchen und darf nicht vergessen: diese Menschen sind auch Opfer der Gesellschaft!"

Zustimmung! Das Aber kommt weiter unten.

Ich habe im Laufe des letzten Jahres gelernt (durch Schreiben, Leben und Reden), daß die objektive (oder generalisierende, historisierende, politische) und die subjektive Perspektive voneinander geschieden werden müssen.

Was tu ich sonst mit einer grantigen Lesbe, die mich auf einer Demo angeht? Was tu ich mit einer Negermama in der Kirche, die vom Islam konvertiert ist zu uns? Was tu ich mit Leuten, die lieber nicht wollen, daß mein Kind mit ihrem spielt "wegen der Ideologie"? Was tu ich mit der Türkin mit Baby im Wagen und Kleinkind an der Hand, die im Bus einen Platz braucht und ich sitze auf einem? Was tu ich mit einer früheren Freundin, die jetzt bei "Verlage gegen rechts" mitmacht? Um von dem Gatten jetzt einmal zu schweigen und ihm Ruhe zu gönnen.

Ich kann sie nicht hassen. Warum sollte ich auch? Ich bin des Pathologisierens der Einzelsubjekte überdrüssig, ich bin ein höfliches Wesen und mit dem Fluch des Philosophierens geschlagen.

Also gehe ich voll aufs Objektive. Die Lesbe, die Negerin, die Moslemin, die tolerante Tante und die Gegenrechtsschnuddelsuse - mit dem Gehenkten gesprochen alle "Opfer der Gesellschaft".

Der Systemfehler sind nicht die Subjekte. Um den geht es mir, die Subjekte sind Produkte kontingenter Umstände. Martin Sellner sagt immer, das ist der Grund, weshalb wir nicht vor Flüchtlingsheimen demonstrieren, sondern vor der Parteizentrale der Grünen oder bei Frau Kahane.

In einem weit abstrahierenden Beobachterblick sind auch die Grünen, Merkel, Kahane oder die Antifanten bloß Subjekte (sub-iectus, unterworfen) und Opfer, die Geschichte hat sie hervorgebracht.

Doch wenn ich etwas näher heranzoome, kann ich bei diesen Gestalten etwas zurechnen, was ich bei den erstgenannten nicht kann oder nur partiell: sie vertreten bewußt, mit Rationalitätsanspruch und öffentlich eine Agenda. Sie wollen etwas. Sie wollen etwas gegen uns tun.
Die Demonstrationsteilnehmerin, die Versagerin gegen Rechts. die Ideologin, die sind doch zurechnungsfähig - als Subjekte.

Und genau den Aspekt greife ich heraus, daran muß ich sie packen und schütteln. Und da geb ich auch nicht auf und versuch's immer mal wieder: mit Linken zu reden.

bb
27. Juni 2018 14:08

@RMH
Ein grandioser Kommentar!

Der_Juergen
27. Juni 2018 14:18

@ Der Gehenkte

"Diese Menschen sind auch Opfer der Gesellschaft." So kann man nur argumentieren, wenn man konsequenter Determinist ist, für den jeder Mensch durch seine Umwelt und/oder seine Gene hundertprozentig geprägt ist und keinerlei Willens- und Entscheidungsfreiheit besitzt. Ich will die Deterministen keineswegs verurteilen, zumal ich, vor allem unter dem Einfluss Schopenhauers, selber rund zweieinhalb Jahrzehnte zu ihnen zählte. Glücklicherweise bin ich von der Vorstellung, wir seien alle nur Marionetten, die ihre vorgegebene Rolle spielen und den ihnen einprogrammierten Text herunterleiern, vor geraumer Zeit abgekommen.

Für das Verhalten, das Personen wie die Antifa-Leute in diesem Kurzvideo an den Tag legen, mag man mildernde Umstände ins Feld führen - die Gehirnwäsche beispielsweise, der sie in der Schule sowie durch die Medien unterzogen worden sind. Da diese Personen aber nicht klinisch schwachsinnig und somit auch nicht schuldunfähig sind, müssen sie den grössten Teil der Verantwortung für ihr Zerstörungswerk jedoch selber übernehmen. Je höher die Position und je stärker die Einflussmöglichkeiten eines solchen Zerstörers sind, desto schwerer ist die Verantwortung, die er trägt. Diese Leute hinterlassen einen Trümmerhaufen, der bestenfalls mit immensen jahrzehntelangen Anstrengungen und unter grossen Opfern und Hörten, schlimmstenfalls überhaupt nie zu beseitigen sein wird.

Und man kann ihnen noch nicht einmal subjektive Ehrlichkeit zubilligen, denn besässen sie diese, würden sie ja darauf brennen, die Überlegenheit ihrer Argumente in einer offenen Debatte mit ihren Gegnern zu beweisen.

Heinrich Loewe
27. Juni 2018 15:25

Off topic: Martin Sellner und seine Kameraden hatten unter außerordentlich hohem persönlichen Einsatz die tollkühne Aktion "Defend Europe" im Mittelmeer.
Heute die Meldung: Die "Mission Lifeline" wird beschlagnahmt und Seehofer will die Crew strafrechtlich belangen. Das ist unser Narrativ.
Ein absoluter Meilenstein! Laßt uns diese großartigen Erfolge anerkennen, würdigen, feiern.

Maxx
27. Juni 2018 15:32

"Man muß es immer wieder versuchen und darf nicht vergessen: diese Menschen sind auch Opfer der Gesellschaft!"
Mag sein. Gefährlich sind die dennoch! Mit Pöbel-Linken und deren geistigen Anstifter(n)/-innen können Sie nicht reden (wie sich immer beweist), denn diese "Opfer der Gesellschaft" ziehen Ihnen als Argument schnell mal eins mit der Eisenstange über die Rübe. Die hören Ihnen nicht zu. Wollen Sie sterben? Wenn statt Frau Kositza ein einzelner (schwächlicher) Mann da aufgetaucht wäre, hätten die ihm sicher eins auf die Fresse gegeben.
Mit diesen Linken kann man nicht mehr reden, da muss ich den Foristen Juergen u. RMH leider aus eigener (früherer linker) Erfahrung beipflichten ... Linke leben nur von ihrem Feindbild: ... der Klassenfeind, Reaktionär, Nazi, Rassist, der zu vernichten ist! Wer sich vor Linken nicht aktiv schützt, ist ziemlich blauäugig ... Vor Linken muss man sich schützen.

frosch
27. Juni 2018 18:09

Werde gerade Ellen-Kositza-Fan. Ein wunderbarer Auftritt.

RMH
27. Juni 2018 19:03

@Utz,
ich komme selber aus kleinbürgerlichen und Arbeiterverhältnissen und habe mit teilweiser BAföG-Unterstützung mein Studium absolviert. An BAföG oder Leistung ist per se natürlich erst einmal nichts Schlimmes oder Falsches - das ist nun wahrlich nicht mein Kritikpunkt. Fast meine ganze Cousinen und Cousin-Verwandtschaft nebst meinen eigenen Geschwistern hat seit 1970 diesen sozialdemokratischen "Traum des Aufstiegs" wie so viele andere auch gelebt, die Uni besucht und ist jetzt in vermeintlich guten Positionen, doch unterm Strich, mal wirklich Hand aufs Herz, sind wir alle (damit meine ich jetzt nicht nur meine Verwandtschaft, sondern alle) nur akademisches Proletariat und unfrei, einfach nur elaborierter wurde unsere Lohnfrohn, that´s all und bei Manchem ging darüber die Demut und der Anstand verloren. Ich wurde in einer Arbeiterstadt groß, habe in den Fabriken meiner Stadt regelmäßig und oft gearbeitet und mir so den überwiegenden Teil des Studiums finanziert. Damals gab es noch nicht die klinisch sterilen Produktionsanlagen, wo man in den Fabriken fast vom Boden essen kann, wie heute, damals war Fabrikarbeit noch sehr oft hart, schmutzig und die Dusche nach der Schicht war ein Segen. Es gab zwei Arten von Arbeitern, die einen hatten eine echte, eigene und auch spezielle Würde ihres Standes und die anderen waren einfach nur versoffene, sich bei jeder Gelegenheit drückende und Vorteile um jeden Preis suchende A…. Das war das, was von der vermeintlichen "Oberschicht" dann verächtlich "Proleten" genannt wurden. Aber ich schweife ab, worum es mir in meinem Kommentar ging, war auszudrücken, dass die geistigen Kümmerlinge, die sich jetzt Linke nennen, meilenweit vom Arbeiter- Klassenstolz, den ich noch wahrnehmen durfte, den ich auch bei manch altem Bauern kennen lernen durfte, der nie auf die Idee gekommen wäre, sich "Landwirt" zu nennen, entfernt haben - sie denken, sie wären etwas, nur weil sie sich in Haupt- und Nebensatzkonstruktionen ausdrücken können und/oder einen Dr.- Grad erworben haben, aber sie sind schlicht - Nichts. Wer nur Materie kennt, nichts Großes, nichts Heiliges hat, nicht weiß, wo das Schicksal ihn hingestellt hat, der nur Sex aber keine Liebe und keinen Eros kennt, der kann eben nicht auf dem Niveau diskutieren, wie ein Rechter, ein Konservativer. Es fehlt hier schon an Übereinstimmungen in der Vorstellungswelt, so dass bei der Kommunikation zwei Sprachen aufeinander treffen, die mit den selben Begriffen Unterschiedliches meinen können, wobei der Linke immer das Zeckenhafte, das Niedermachende, das übersteigerte eigene Ego, eine Egozentrik ungeahnten Maßes in seiner Kommunikation innehält. Einem anderen einfach mal Recht geben, ihn anzuerkennen wie er ist, einen Oberen als "Ober", einen Unteren als "Unter" zu nehmen, ist in deren Welt nicht möglich, da ja auch Begriffe wie Demut und Wahrheit nicht existieren. Alles nagt an ihnen in ihrer Eitelkeit und von Neid zerfressenen Person, die nur sich und seine eigene, erbärmliche und endliche Existenz (einen Himmel kennen sie ja nicht) als Maßstab kennt. Wahrheit ist für sie relativ, ein Rechter hingegen kann anerkennen und auch sagen, dass ist richtig, selbst wenn es mal von einem Linken gesagt wird oder, das ist ein "Held", auch wenn er das "falsche" Parteibuch hat. Für mich sind die Linken daher intellektuelle Proleten - statt Bier gibt's dann eben ab und an einen "Super-Tuscan", bspw. von Tignanello (der faktisch tatsächlich ein guter Wein ist - Perlen vor die Säue. Wobei, wenn ich mir es jetzt so recht überlege, für einen echten Tignanello sind die meisten Linken dann doch zu geizig, den trinken sie nur, wenn er ausgegeben wird).

Ich hoffe, jetzt können Sie meinen sehr spontan geschriebenen und nicht durchkomponierten Kommentar von heute Mittag besser einordnen - obwohl auch dieser Kommentar jetzt nicht bis zum Letzten durchdacht ist.

nom de guerre
27. Juni 2018 19:14

@ RMH
Zu Ihrem Kommentar fällt mir spontan Folgendes ein: Eine der windbeuteligsten Existenzen, die dieses unser System in den letzten Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten hervorgebracht hat, stammt aus einem sehr alten fränkischen Adelsgeschlecht und hat garantiert ohne Bafög studiert.

Stefanie
27. Juni 2018 19:55

Die junge Frau hinter dem mittleren Plakat, die so verschämt lacht, liest ihre Bücher bestimmt heimlich unter der Bettdecke. Wahrscheinlich kommt sie demnächst mit hochgeschlagenem Mantelkragen an ihrem Stand oder so vorbei. Mit Linken (Plural) reden , scheint mir z.Zt. nicht allzu erfolgsversprechend , mit einzelnen Linken kann es produktiv sein. Aber Sie schreiben ja selbst, dass sie aus dieser Richtung keinen Mangel an Gesprächspartnern haben. Ob man diese, sich langsam aus ihrem Meinungskorsett sich herausschälenden dabei noch "links" nennen kann, ist aber fraglich. Wenn tatsächlich mal ein Gruppe von Linken herantreten sollte, dann Vorsicht : das ist bestimmt eine Anordnung die Ihnen ein unmoralisches Angebot machen will.

marodeur
27. Juni 2018 20:01

Abseits der großen Gefechte ist das Reden mit Rechten im Moment wirklich keine Freude. Kaum entpuppt sich ein Gesprächspartner als Gleichgesinnter, dann wird das Herz ausgeschüttet. Das kann dann schnell mal in endlose politische Logorrhö übergehen. Ich bin da eher bei Mishima, der seinen Nationalismus mit einer abstrakten Idee / Kultur verbindet. Eine pauschale Sympathie für das Volk will nicht so recht aufkommen. Auch wenn hier viele anders denken - die Kommunikationsverweigerung der Gegenseite ist kein gesunder Zustand und macht uns nicht automatisch zur Elite. Eine gewisse Unlust auf Diskussionen mit humorlosen gekränkten Faktenmaschinen ist menschlich nachvollziehbar. Darum bewundere ich die Autoren der Sezession, die ständig kleine Brücken zur Gegenseite bauen. Auch wenn nichts davon fruchtet, bleibt der Geist stets offen und kämpferisch. So muss das sein.

Der Gehenkte
27. Juni 2018 20:03

Bitte um Entschuldigung - hatte nicht bedacht, daß das hier eine ironiefreie Zone ist.

@Der_Jürgen

""Diese Menschen sind auch Opfer der Gesellschaft." So kann man nur argumentieren, wenn man konsequenter Determinist ist ..."

So kann man nur schließen, wenn man hinter einer lapidaren Aussage ganze Philosophien vermutet und man sich vor apodiktischen Urteilen im Schnellverfahren nicht fürchtet.

Zur Determination gab's grade was bei "ef" ("Zwanghafte Flucht") - dem stehe ich näher als Ihrer Ableitung.

RMH
27. Juni 2018 20:18

Nochmal: Es braucht sich jetzt kein ehemaliger BAföG-Empfänger irgendwie auf den Schlips getreten fühlen - alles ist eitel!

Lotta Vorbeck
27. Juni 2018 20:35

@frosch - 27. Juni 2018 - 06:09 PM

"Werde gerade Ellen-Kositza-Fan. Ein wunderbarer Auftritt."

_________________________________

Bin schon länger Ellen-Kositza-Fan, bewundere Frau Kositza für die Brillianz ihrer Beobachtungen, Gedanken und ihre einzigartige Gabe zur jeweils stringenten Conclusion, wäre allerdings überhaupt nicht dazu in der Lage, gegenüber den in Schnellroda zum wiederholten Male herumdemonstrierenden, besser gesagt herumprovozierenden Antifanten-Bubis dieselbe Contenance wie Ellen Kositza zu bewahren.

Man schaue sich den Himmel über Schnellroda an, so wie er sich dem Betrachter der Szenerie am Freitag, dem 22. Juni 2018 dar bot. Sollte dieser (Gewitter-)Himmel gar als Metapher zu verstehen sein?

Mauerbluemchen
27. Juni 2018 20:40

@RMH 12:25

Sehr treffend beobachtet, Kompliment!

Während meiner Dostojewskijlektüre in den Teenagerjahren habe ich in meiner Naivität nie begriffen, weshalb Fjodor Michailowitsch Lakaien und das Lakaientum so sehr verabscheut (oder eben Heimito von Doderer die Hausmeister samt Hausmeistewesen).

Mittlerweile weiß man, welchen verkommenen Menschentypus er damit gemeint hat ... ein Glück, daß er heute nicht mehr lebt; die derzeitige Herrschaft der Lakaien würde ihn umbringen.

bb
27. Juni 2018 20:47

@RMH
Schade, daß sie ihren ersten Kommentar relativiert haben. Dadurch wurde er leider stark abgewertet. Geistiger Adel rechtfertigt sich grundsätzlich nicht vor dem gemeinen Volk.

„Man darf dem Pöbel nicht zu viel pfeifen, er wird sonst gern toll. Es ist billiger, ihm zehn Ellen abzubrechen, als ihm in einem solchen Falle eine Handbreit, ja die Breite eines Fingers einzuräumen.“

Tony
27. Juni 2018 21:18

@Caroline Sommerfeld
@Der Gehenkte

Passend zu der Feststellung, daß Menschen auch Opfer der Gesellschaft, oder ihre Produkte, seien, möchte ich an dieser Stelle von Geschehnissen, aus meinem direkten Umfeld, berichten.

Meine Tochter im Übertrittsalter - stets hilfsbereit und pflichtbewußt - übernahm verantwortungsvoll den Würstchenverkaufsstand bei einem Sommerfest einer Kinderbetreuungseinrichtung.
Stolz berichtete sie mir, daß sie drei Töpfe voll verkauft hatte. Als sie ihre Freundin darauf ansprach, warum denn hier so viele syrische Kinder wären, bekam sie als Antwort, "Wir sind eben ein guter Kindergarten! Und was Du da sagst ist ziemlich gemein!" Die Freundin ist übrigens im Grundschulalter.

Zur Zeit der Bundestagswahlen war das Thema "Wahlen" natürlich auch in der Grundschule aktuell. Die recht junge Lehrerin stellte alle Parteien und ihre Programme in BRD-kindgerechterweise vor (die Guten, die Menschen helfen wollen, die die alles besser machen wollen für alle Menschen usw.) Nachdem sie alle Plagen durch hatte, fragte meine Tochter, "Es gibt doch auch noch die AfD. Was ist denn mit denen?" Meine Tochter beichtete mir abends am Bett, daß sie nur so tat, als kenne sie sich nicht aus und würde lediglich aus Neugier fragen. Die Antwort der Lehrerin kam prompt, "Die sind schlecht für unser Land. Die musst Du nicht kennen."

Neulich gab es eine Führung durch unser (häßliches) Rathaus. Die Führung sollte eigentlich als Überraschung für die Kinder gedacht sein, diese empfanden es aber wohl nicht ganz so. Natürlich wurden auch alle Büros der üblichen Übel vorgestellt, bis auf eines nicht, das natürlich nicht vor Ort war. Auch hier stellte meine Kleine (ganz Große) wieder die eine unbequeme Frage. Die Bürgermeisterin meinte, wohl etwas angefressen, "Die mußt Du nicht kennen, die zerstören, was wir aufgebaut haben!"
Im Anschluss wurde der Klasse (!) ein Film vorgeführt, bei dem ärmlich hausende und verelendete Afrikaner gezeigt wurden, die, von ihrem Leid erlöst, von deutschen Helfern gerettet und einige per Schiff nach Deutschland gebracht wurden.

Martin Sellner hat recht, wenn er von kontingenten Umständen redet. Wird die Freundin meiner Tochter auch irgendwann in Schnellroda stehen und sich verschämt hinter einem Plakat verstecken?

Die Freundin ist übrigens immer noch eine Freundin. Wir sind gar nicht so...

Gustav Grambauer
27. Juni 2018 23:27

RMH

Oh ja, mein Herz ist bei Ihnen. Gebe aber zu bedenken, daß bereits die Geschichte des 20. Jahrhunderts lehrt, daß Standeswürde und Klassenbewußtsein immer, immer, immer politisch und ideologisch mißbraucht werden (gerade auch bürgerliche(s): gerade der Bürger ist es, der schon bei dem Wort "Holo" zusammenzuckt, und dann braucht man ihn nur noch sachte auf seine "Bürgerehre" anzusprechen ...). Gebe weiter zu bedenken, daß es im 21. Jahrhundert das in Frage kommende Trägersubjekt gar nicht mehr gibt, so daß der Arbeiter-Klassenstolz - außer bei einigen wenigen Ich-starken Ausnahmen - mangels Substanz nur noch in seine Perversion kippen kann.

Selbst als es die Arbeiterklasse noch gab war war ein zentrales Motiv im 1989er Tagebuch von Vera Wollenberger-Lengsfeld das Unverständnis gegenüber der Bockigkeit deren organisierten Teils, das mit Eintrag vom 2. Dezember 1898 im Aufnehmen des Topos "Armenstolz" von Kempowski kulminiert:

"Walter Kempowski wundert sich und ist genervt, dass die 'da drüben die Wiedervereinigung nicht wollen'. Ob es sich wohl um 'Armenstolz' handele, fragt er sich."

Diesen in den Armenstolz "gekippten" Klassenstolz in einer explosiven Mischung mit dem notorisch-aufdringlichen Suhlen in der Opferrolle hat die SED-PDS schnell zu ihrem Markenkern gemacht und auf dieser Klaviatur meisterhaft gespielt. Entzündet an einem der vielen - als solchen schon hysterischen - Hungerstreiks aufgrund eines selbstinduzierten Dramas um eine Steuereinschätzung heißt es von der damaligen Vermögenskommission: "eine gewaltige Inszenierung einer Mitleidskampagne, die ohne Hand und Fuß war", "ein Initiationsritus, von dem die Partei noch heute zehrt". So wurden Massen von denen, die einst den Stolz der niederen Klassen / Schichten hatten, zu, wie Sie treffend sagen, Pöbel-Linken umtransformiert. Diese Strategie ging damals maßgeblich von Gysi aus, was im Nachinein in dieser Doku-Sendung besonders plastisch nachvollziehbar wird (z. B. ab 26:22 bis 27:19 und 36:33 bis 38:54):

https://www.youtube.com/watch?v=6q-hNqmS6Es

Habe damals junge, vitale Leute gekannt, die an den entscheidenden Weichenstellungen ihres Lebens im Sog solcher Massenkampagnen, die weit über die SED-PDS hinaus und in unzähligen weiteren Varianten inszeniert wurden, den Armenstolz zum Leitmotiv ihres Lebens gemacht haben, teilweise bis hin zu einer allumfassenden Opferhaltung - und die damit niemals glücklich wurden und werden.

Bin mir der Zweischneidigkeit bewußt und leite zum Gehenkten über. Der Rahmen der Ungerechtigkeiten war (und ist) real, habe hier ja oft meinen Finger in diese Wunden gelegt. Daß die - nicht nur dahingehend freche - Anna Seghers die Bibel aufgegriffen hat, ändert auch nichts an deren Wucht: "Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." - Kor. 2 / 12,9

- G. G.

Braunschweiger
28. Juni 2018 06:52

Was mir gefehlt hat, nach den wiederholten Aufforderungen des Antifanten "die Veranstaltung zu verlassen", ist ein Hinweis von Frau Kositza, das sie als Einwohnerin Schnellrodas sich jederzeit nach Belieben im öffentlichen Raum des Dorfs aufzuhalten gedenkt. Vielleicht noch verbunden mit dem Ratschlag, die Veranstaltung doch ans Kap Deschnjew zu verlegen, wenn davon keine Notiz genommen werden soll ...

Gotlandfahrer
28. Juni 2018 12:51

"Because beliefs are designed to enhance our ability to survive, they are biologically designed to be strongly resistant to change. "

Gregory W. Lester

Oder: Recht haben und Recht bekommen sind allein schon evolutorisch bedingt zwei völlig verschiedene Dinge.

Was Sie so bewundernswert und humorvoll unternehmen, ist kognitionspsychologisch (mein Lieblingswort seit 2015) ein aussichtsloses Unterfangen, jedenfalls sofern man damit erwarten würde, in Form eines offenen Gespräches zueinander zu finden. Ihr Vorgehen ist trotzdem höchst fruchtbar und notwendig, da es allen freien Geistern das Muster der Unfreien beschreiben und zu verstehen hilft.

Im Marketing spricht man auch von den "Early Adoptern", das sind die ca. 16% unter der Verteilungskurve mit einer natürlichen Präferenz für das Unübliche. Es kommt dem AfD-Wahlergebnis erstaunlich - oder auch nicht erstaunlich - nahe. Die Adaption des Nützlichen wird kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Genauso, wie sich das Mobiltelefon verbreitet hat (1990: Das ist was für Spinner!, 2000: Kann ja ganz hilfreich sein, 2010: Ich will die Flatrate, 2018: Nur Spinner haben kein Whatsapp)

oneiros
29. Juni 2018 12:41

Mit Linken reden ist wie mit einem bockigen, verhätscheltem Kind reden, dass an der Ladenkasse nicht den Lolli bekommt, den es will und sich daher auf dem Boden wälzt.
Ein Beweis erzieherischen Vesagens an alle umstehenden Beobachter.

Dabei bilden sich die meisten auch noch ein, nur weil sie irgendwas schöngeistiges studiert haben, sie wären Intellektuelle. Das Gegenteil ist der Fall. Wer zulange die Schulbank drückt und dann noch studiert, den indoktriniert der Staat und macht ihn zum denkunfähigen, willenlosen Subjekt.

Die Einsicht sein Leben lang belogen worden zu sein, kann das eigene Jahrzehntelang gefestigte Weltbild zerstören. Psyschiche Schäden sind vorpogrammiert. Daher der natürliche Selbstschutzmechanismus, der sich in mangelnder Kommunikationsfähigkeit und den immer wieder gleichen Geplärre äußert: "N***** raus"

Es sind eher Roboter auf denen ein Programm abläuft als wirklich freie Wesen.

Gerade für ältere Menschen ist es nahezu unmöglich die Kurve zur Vernunft noch zu bekommen. Es braucht schon eine gewisse mentale Stärke einen Fehler einzugestehen.

starhemberg
29. Juni 2018 14:40

Verehrte Frau Kositza, wie immer vom Feinsten. Wenn auch beim Lesen die Zornesader schnell anschwillt. Doch wie Sie so schön feststellen, der manipulierbare Idiot ist quantitativ im Zurückweichen begriffen. Ich kann das auch ganz gut als Stammleser der WELT beurteilen (wo ich eben wieder für drei Wochen "gesperrt" bin), viele Leserkommentare dort sind mittlerweile von großer Härte und äußerstem Zynismus geprägt. Und dabei kommen die wirklich heftigen Sachen gar nicht durch. Hier tut sich in der Tat viel. Daher ist das gelassene Abwarten im Wissen, die Zukunft auf der eigenen Seite zu haben, sicherlich der richtige Weg. Dann noch das wunderbare Video mit den paar dummdreisten Milchbubis da, sehr lustig. Hätte dazu auch gerne einen launigen Kommentar auf you tube geschrieben, aber siehe da, bei mir zumindest funktioniert die Kommentar-Spalte nicht. Ein Schelm.... Beste Grüße in den Wilden Osten.

Kositza: Danke für den Zuspruch! Daß die Kommentarspalte "nicht funktioniert", habe ich (mit Bildschirmphotos als Beleg) nun schon einige Male gehört.

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