Sezession
23. Juli 2018

Nachtgedanken (5): angeschwollener Bocksgesang

Götz Kubitschek / 69 Kommentare

War der vor gut 25 Jahren veröffentlichte "Anschwellende Bocksgesang" von Botho Strauß wirkungslos? Verpuffte er? Fand er kein Publikum?

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Marc Felix Serrao beantwortet in einem Text vom vergangenen Sonntag in der Neuen Zürcher Zeitung alle drei Fragen implizit mit "Ja" und weitet dieses Urteil auf den Sammelband Die selbstbewußte Nation (1994) aus, in dem der "Anschwellende Bocksgesang" als zentraler Text einen konservativ-revolutionären Ansatz einleitete.

Man fragt sich: Mit welcher Begründung urteilt Serrao eigentlich und warum gerade jetzt? Denn wer sich ausführlich mit der Widerlegung der Wichtigkeit einer Äußerung beschäftigt, bestätigt zuallererst ihre Bedeutung oder sieht sich zumindest genötigt, den Korken nochmals tiefer in den Flaschenhals zu drücken.

Serrao sieht in dem Ansatz von 1993-1995 (den man auch als den einer "Neuen demokratischen Rechten" beschreiben kann) vor allem die Schwächen einer zu breiten Anlage der Revolte. Er notiert:

Der Rechte, wie Strauss ihn definiert, steht teilnahmslos im Abseits. Von dort spottet und klagt er. Die Mitstreiter des Sammelbandes tickten anders; sie wollten politisieren. Aber sie tickten nicht im Takt. Das war die zweite Schwäche des Projekts, zumindest wenn man dessen selbsterklärten Anspruch berücksichtigt, ein «Manifest der konservativen Intelligenz in Deutschland» zu sein. Zu den Autoren zählten Transatlantiker wie der Historiker Michael Wolffsohn ebenso wie der neurechte Vordenker Karlheinz Weissmann. Beide Herren mögen nicht links sein, aber sie trennt viel mehr, als sie eint. Für den einen sind Liberalismus und Westbindung Grundpfeiler der Bundesrepublik, der andere sieht in ihnen Hürden auf dem Weg zur Formung einer neutralen Grossmacht.

Serrao schließt daraus auf ein Mißverständnis beim Blick auf die mögliche Leserschaft der "Selbstbewußten Nation" im Allgemeinen und des "Bocksgesangs" im Besonderen:

Fragt man jüngere Deutsche, die politisch interessiert sind, nach relevanten rechten Denkern, dann bekommt man als Antwort ein paar Tote und vielleicht den einen oder anderen Ausländer genannt.

Botho Strauss und seine Bewunderer sind für diesen Zustand mitverantwortlich. So besorgt Deutschlands Linke vor einem Vierteljahrhundert um das Milieu herumgesprungen sein mag, so egal war es allen anderen. Das liegt an den genannten Schwächen. Die offene Ablehnung der Massengesellschaft mag ein Gefühl der Überlegenheit vermitteln, aber sie verhindert, dass sich je eine kritische Masse angesprochen fühlt. Gleiches gilt für den Kampf gegen den westlichen Lebensstil. Der wird von einer grossen Mehrheit nicht als Verteidigung, sondern als Bedrohung des Eigenen wahrgenommen. Und schliesslich der Ton. Wer sich als Konservativer oder Liberaler heute kritisch über bestimmte politische Zustände äussert, hat sofort Claqueure am Hals, die «Merkel muss weg» brüllen oder der «Lügenpresse» den Kampf erklären. Für diesen geistfeindlichen Jargon (der links auf eine andere Weise wuchert) hat der Sammelband mit seinem Gerede von Denk- und Sprechverboten eine erste Saat gelegt.

Dies alles ist ein bißchen richtig vermutet, insgesamt aber gründlich falsch. Serrao hat keine Ahnung davon, wie "wir" lasen und lesen, und er übersieht seltsamerweise, daß gerade solche Lektüren uns davor feien, "geistfeindlichen Jargon" zu verbreiten. Serrao hat kein Gespür dafür, warum manche Texte Wirkungstexte, Auslösertexte sind und andere nicht. Seltsam ist, daß er in dieser Frage in Karlheinz Weißmann einen Bruder des Mißverstehens im Geiste gefunden hat.

Ich war neben Weißmann und Dieter Stein im Februar diesen Jahres in Kopenhagen Referent auf einem Tagesseminar, das sich ausschließlich um "25 Jahre Anschwellender Bocksgesang" drehte. Nachdem ein schwedischer Literaturwissenschaftler großartig über den Platz des "Bocksgesangs" im Werk von Botho Strauß gesprochen hatte, kamen die Deutschen an die Reihe.

Dieter Stein erzählte wie immer von seiner Wochenzeitung. Karlheinz Weißmann berichtete, daß ihn das Aufkommen der AfD von der Wirkungslosigkeit von Schreibmühen und Analysen innerhalb einer "Kulturrevolution von rechts" ohne politischem Arm überzeugt habe, und er sei sich darin mit Alain de Benoist einig. 

Ich sah und sehe dies fundamental anders und war, ehrlich, ziemlich erschüttert über diese Verkennung der Wirkung von Strauß und anderen, und ich frage mich, wie jemand, der nur schreibt, auf so etwas verfallen kann.

Aber diese Verkennung ist ja folgerichtig, Lucke war auch so einer. A-musische Menschen können zu keinem anderen Schluß kommen, sie wissen nichts vom "tiefen Deutschland", über das Strauß schrieb und dessen Versinken er bis heute betrauert, dessen Versinken auch wir betrauern, wobei wir trauernd das tun, was jeder Baum auch tut: Die Wurzeln dem absinkenden Grundwasser hinterhertreiben. Es ist wohl diese Fähigkeit, die man aus der Strauß-Lektüre lernen konnte, und diejenigen, die sich so belehren ließen, bilden eines jener unterirdischen Geflechte, die heute wirksamer sind denn je.

Ich war in Kopenhagen jedenfalls sehr froh, daß ich musisch kontern, daß ich anders vorlegen konnte. Seither war mir im Schweinsgalopp des Verlegerseins mein Vortrag aus dem Sinn gerutscht. Anläßlich der Sommerlektüre Serraos kann ich ihn nun denen entgegenhalten, die nicht wissen, was ein Text vermag. (Hier ist der Vortrag als pdf verfügbar.)

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»Anschwellender Bocksgesang« - ein Auslösertext

Vortrag vom 15. II. 2018, Kopenhagen.

1.

Es gibt Schriftsteller, deren gesamtes Werk durch einen einzigen Text eine starke Färbung erfährt. In der Deutung der Gegner ist diese Einfärbung eine Kontamination, die nach hinten das bereits Geschriebene und nach vorn das noch zu Sagende beschmutzt. Die Sympathiesanten hingegen (und leider nicht nur die lese- und urteilsfähigen) nutzen den Markierungstext als Lesehilfe für alle anderen Texte aus der Feder des einmal Vereinnahmten.

Botho Strauß ist auf seinen Essay »Anschwellender Bocksgesang« festgelegt, der am 8. Februar 1993 im Spiegel erschien. Strauß hatte mit diesem Fanfarenstoß dem Reiz einer Gegen-Aufklärung von rechts einen hallenden Ton gegeben und war schlagartig ins Zentrum der politischen Wahrnehmung gerückt. Die Aufnahme seines Textes in den Sammelband Die selbstbewußte Nation (1994) räumte letzte Zweifel an einem Mißverständnis aus: Hier deutete einer die Lage aus rechter Sicht, und die Panik vor dieser Perspektive lenkte den fassungslosen Weggefährten von links den Blick ab von der Ambivalenz des Textes. Denn immerhin stellte Strauß den Deutschen im »Bocksgesang« ein schlechtes Zeugnis aus: 

Nach der Würde meines deformierten, vergnügungslärmigen Landsmannes in der Gesamtheit seiner Anspruchsunverschämtheit muß ich lange, wenn nicht vergeblich suchen. 

Die intellektuelle Rechte las bis auf wenige Ausnahmen vernutzend und nicht gründlich: Hier begrüßte man einen im eigenen Denklager, den keiner auf der Rechnung gehabt hatte. Denn unter uns gab es nur wenige, die das Werk von Strauß bereits vor diesem Werk-Bruch als literarisches Ereignis verfolgt hatten. Wer kannte schon den Roman Der junge Mann, wer den Aufstand gegen die sekundäre Welt, den philosophischen Schlüsseltext Beginnlosigkeit oder auch nur eines der Theaterstücke? Vieles jedenfalls, das von da an nachholend gelesen und diskutiert wurde, nahm den Charakter einer Beschäftigung mit einem Braten an, von dem man mit 

einem am »Bocksgesang« geschliffenen Messer die passenden Stücke heruntersäbeln konnte. Derlei wird Botho Strauß nicht gerecht, aber auch mein Verlag und die von mir verantwortete Zeitschrift Sezession handelten insofern festlegend, daß bisher kein Beitrag über Strauß ohne einen Verweis auf den »Anschwellenden Bocksgesang« auskam, ja daß auf diesen Grundpfeiler unserer Selbstvergewisserung als Rechtsintellektuelle Balken und Streben und Sparren aufgesetzt wurden, die ohne ihn bloß einen weit minder soliden Halt gefunden hätten. 

Es war auch zu verlockend, aus dem »Anschwellenden Bocksgesang« Textstellen zu schneiden, die wie Parolen klangen und uns die schwierige und mißachtete Lage unseres Denkmilieus erträglicher machten oder dieser Lage würdige Namen gaben: 

Was sich stärken muß, ist das Gesonderte. oder: So viel Stoff, um ein Einzelgänger zu werden! und: Das einzige, was man braucht, ist Mut zur Sezession! 

Es stammt von dort her der Name unserer Zeitschrift: Sezession. Woher kommt bei Botho Strauß der Mut zur Absonderung? (Und damit ist nicht sein zurückgezogenes Leben in der südlichen Uckermark gemeint, sondern seine Medienhygiene, seine geistige Hermetik und die Disziplin, einsam weiterzudenken und vor allem: weiterzuleben). Aus seiner Kindheit und Jugend in Bad Ems? Oder aus dem Vorbild seines Vaters, der in Naumburg nach dem Krieg alles zurückließ, um seine Freiheit zu behalten und im Westen weit unter Niveau sich verdingte. In seinem jüngst erschienen, autobiographischen Buch Herkunft schreibt Strauß:

Immer formt Schicksal eine tiefere Einsicht, als die Intelligenten, die seine Macht nie zu spüren bekamen, sie für sich in Anspruch nehmen dürfen.

Nimmt Strauß für sich ein »Schicksal« in Anspruch? Oder ist sein Satz eine Verbeugung? Oder gar eine Beschwörung? Denn was, wenn wir in einer Zeit lebten, die das Schicksal ausgehebelt hat? Der »Anschwellenden Bocksgesang« muß als mittlerweile bereits historischer Text gelesen werden, als Arbeit nämlich, die unter dem Eindruck der Diskussion über das »Ende der Geschichte« entstand. »Delta« nennt Peter Sloterdijk diesen Zustand, in dem kaum mehr etwas rauscht, sondern alles sich absetzt, sedimentiert, in die Breite zerfließt - eine horizontale Bewegung, ein Tümpeln, Versickern, Dümpeln, aufs Politische übertragen: ein Aussitzen, ein verantwortungsloser Zustand.

Der »Bocksgesang«: ambivalent in dieser Frage, und dennoch wischte Strauß diese Erlösungshoffnung mit einigen der kräftigsten Sätze seines Textes beiseite:

Zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens wird es Krieg geben. ... Da die Geschichte nicht aufgehört hat, ihre tragischen Dispositionen zu treffen, ann niemand voraussehen, ob unsere Gewaltlosigkeit den Krieg nicht bloß auf unsere Kinder verschleppt. 

Rückgewinnung der Bewegung nennen wir den Versuch, die Zukunft offenzuhalten, aus dem Delta zu entkommen, Verantwortung zu übernehmen und den Krieg nicht auf unsere Kinder zu verschleppen. Selbsterregung und Romantisierung sind vor allem in Deutschland die zu diesem Zweck erprobten Methoden.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (69)

Maiordomus
23. Juli 2018 22:50

Starker Text: "A-musische Menschen können zu keinem anderen Schluß kommen, sie wissen nichts vom 'tiefen Deutschland', über das Strauß schrieb und dessen Versinken er bis heute betrauert, dessen Versinken auch wir betrauern, wobei wir trauernd das tun, was jeder Baum auch tut: Die Wurzeln dem absinkenden Grundwasser hinterhertreiben." Dieses Grundieren nach Wurzeln kann sich natürlich nicht darauf beschränken, dass es in der Marxschen Analyse hoffentlich auch ein paar richtige Elemente und Momente geben könnte. Selbst das Nationale überzeugt als letzter und tiefster Wert nicht, auch wenn man sich gegen dessen Denunzierung verwahrt.

Aber: Botho Strauss hatte nun mal doch nicht das Zeug, ein deutscher Solschenizyn oder Sacharov oder Andrei Amalrik oder gar ein deutscher Orwell zu werden, fast glücklicherweise auch kein rechter Grass oder Böll. Objektiv hat er es wohl nicht zu den 100 bedeutsamsten Autoren der deutschen Literatur von sagen wir mal seit 1830 geschafft. Er hat sich aber doch zu einem wichtigen Zeitpunkt der neueren Geistesgeschichte mit der Andeutung einer Wende an ein ziemlich elitäres Publikum gewandt. Ich hatte aber in den letzten 25 Jahren nie einen Schüler, der mit einfachen Worten seinen Mitschülern hätte erklären können, was eigentlich der Autor mit diesem anschwellenden Bocksgesang sagen wollte. Da lob ich mir direkt das kommunistische Manifest oder "J'accuse" von Emile Zola.

Franz Bettinger
24. Juli 2018 01:10

@Maiordomus: Was Botho Strauß (BS) sagt? Dies:

Die Demokratie ist entartet, die Wirtschaft wird über- und das nationale und kulturelle Zusammengehörigkeits-Gefühl wird unter-schätzt. Alles Traditierte in Deutschland immer wieder abzuwürgen, war der größter Fehler der Nachkriegszeit. Er wird sich rächen. BS verhöhnt das Linke und Falsche und die alliierten Gesetze, die uns zur Güte, Lüge sowie zur Feindes- und Fremdenliebe verpflichten. Alles sei Berechnung. Das vom Staat und seinen (!) Medien vordergründig missbilligte Rechte wird ja von ihnen selbst großgezogen, gepäppelt, bisweilen sogar eingekauft (die V-Leute der NPD und des NSU) und ausgehalten (Antifa). Nie waren Nazis wertvoller als heute. Man braucht sie. Wozu? Na, wie immer: Um die größten Sauereien durch das (manipulierte) Volk gegen das (verdummte) Volk durchzusetzen. Welche Sauereien? Unsere Entwaffnung, ergänzt durch die schon stattfindende allumfassende Ausspähung (NSA) und die ins Haus stehende, auf Knopfdruck funktionierende, finanzielle Fessel des Plastikgeldes und der Kontensperrungen. Das werde, so BS prophetisch, zur Paralyse des widerständigen Bürgers führen. Auf den vier Säulen (Spionage, Propaganda, keine Waffen, kein Geld) versucht deep state, den großen Versklavungs-Plan der Weltbevölkerung aufzubauen. Wir sind (heute) nur noch einen Schritt von diesem Zustand der größtmöglichen Ohnmacht entfernt. Der Staat wird uns freiwillig nichts zurückgeben. Wir müssen es uns aktiv holen, vermutlich mit Gewalt. Feige Spießer kann man dabei nicht brauchen.

Der Rechte hofft auf einen tiefgreifenden und unter den Gefahren geborenen Wechsel der Mentalität und auf die endgültige Verabschiedung des 70-jährigen Selbstbetrugs, der unser Denken mit Spott und Frivolitäten (wie Gay und Gender) bevölkert und eine bigotte Gläubigkeit an das Politisch Korrekte geschaffen hat.

BS sieht, dass die Gesellschaft immer mehr in die Hände eines Schatten-Staates fällt. Dass hinter den schwachen Drahtziehern (Merkel, Junker) dann stärkere Drahtzieher (Soros und Draghi) auftauchen und die Neue Welt an die Kandare legen. BS sieht schon 1993, wie schnell der Feuerball der Narreteien wächst. Die Propaganda- und Lügenpresse braucht keine Köpfe mehr rollen zu lassen, heute sind die Gutmeinenden gemeiner als jeder Blödsinn eines Böhmermanns.

Dabei sei Widerstand gar nicht so schwer, glaubt Botho Strauß. Dabei fällt mir Schnellroda ein. Das einzige, was man brauche, sei der Mut zur Sezession, zur Abkehr vom Mainstream. Ein versprengtes Häuflein inspirierter Nicht-Einverstandenen reicht aus für den Erhalt unseres Wesens. Missachtung tut Not. Es ist völlig gleichgültig, was auf den TV-Kanälen ausgestrahlt wird, wenn einmal die Stränge dahin gekappt sind. Die Sinne lassen sich nur betäuben, nicht abtöten. Irgendwann wird es zu einem gewaltigen Ausbruch gegen den Sinnen-Betrug kommen.

Und dann wird Botho Strauß ganz aktuell: Eines Tages werden die Mainstream-Medien allesamt ihren Einfluss verlieren. Zwar werden noch unglaubliche Anstrengungen unternommen, um das Publikum wieder einzufangen, es erneut zu illusionieren und einzupegeln, doch sie werden vom Puplikum nicht mehr goutiert. Das mediale Lügen- und Gunstgewerbe wirkt auf einmal wie ein verstaubter Zirkus und hat auf einen Schlag alle suggestive, realitäts-zersplitternde Macht verloren. In den TV-Kästen werben sie noch mit todes-ängstlicher Anstrengung, doch das Volk lächelt unerbittlich; es glaubt nichts mehr davon. Ha, was einmal die dumpfe Masse gewesen war, wird bald schon die aufgeklärte Masse sein. - So Botho Strauß.

Ist das nur Pfeiffen im Wald? Vielleicht. Vielleicht kommt das Pfeiffen auch einfach zu spät. Ich weiß es nicht.

Maiordomus
24. Juli 2018 11:06

@Bettinger. Instruktive Perspektiven, auch der Artikel von Kubitschek scheint mir tiefsinnig; noch interessant der Bezug auf einen literarischen Salon im Zusammenhang mit Autorensohn Simon Strauss. Gewinnt aber sicher nicht das Gewicht des einstigen George-Kreises. Ein Vergleich der Georgeschen Gedichte "Das Neue Reich" mit dem Bocksgesang würde natürlich arg hinken, ausser dass das Ganze ziemlich esoterisch verblieben ist. Dieser mein Einwand konnte nicht entkräftet werden, hat sich noch verstärkt. Mutmasslich weniger als 1 Promille der Bevölkerung können mit dem "anschwellenden Bocksgesang" etwas anfangen. Mit Bettingers Kommentar immerhin alle, die ihn gleich hier zur Kenntnis nehmen.

Franz Bettinger
24. Juli 2018 11:42

Hier ein kürzerer Versuch zum Bocksgesang:

B. Strauß liefert eine mehr-perspektivische, scharfe und kluge Lage-Beurteilung und Zukunftsprognose der brd von Rechts, eine - wie ich finde (denn sonst hätte der Spiegel den Bocksgesang gar nicht abgedruckt) - überparteiliche Einschätzung, die 1993 auch Linke aufhorchen ließ. Mit Appellen wie "Kehrt dem System den Rücken!" "Sabotiert, was euch kaputt macht!" und "Werdet rechte Hippies!" habe ich für mich den Bocksgesang zu einem Kampfschrei kondensiert. Für meine Welt hat das funktioniert. Klar, ich weiß auch, dass solche Parolen überrissen und verkürzt sind, aber so sind nun einmal Schreie; nichtsdestoweniger erfüllen sie einen Zweck. Man kann natürlich auch brav, von Rechts her dem Schweine-System weiter in die Hände arbeiten. Ego non!

G.K. Chesterton, den Matthias Matussek dankenswerter Weise in seinem brillanten Buch White Rabbit (eine Perle im Schrott der Zeit) für uns wiederbelebt hat, der famose Chesterton also sagt über die Tradition, der ja auch Botho Strauß nachtrauert: "Sie lässt sich als erweitertes Stimmrecht fassen. Tradition bedeutet, dass man der am meisten im Abseits stehenden Klasse, unseren Vorfahren, Stimmrecht verleiht. Tradition ist Demokratie für die Toten. Sie ist die Weigerung, der kleinen anmaßenden Oligarchie (FB: der Modernisten), die zufällig gerade auf der Erde wandeln, das Feld zu überlassen." Bravo, schön gesagt! Das könnte auch von Botho Strauß stammen.

Maiordomus
24. Juli 2018 11:50

Die Gemeinschaft der Lebenden und der Toten ist etwa beim Ahnherrn des angelsächsischen Konservatismus, Edmund Burke, ein durchaus tragender Gedanke. Er findet sich auch beim süddeutschen jüdischen Heimatschriftsteller Jakob Picard, der auf dem Friedhof von Wangen/Hoeri beigesetzt ist, auch wie Leopold Ziegler, Friedrich Georg Jünger, Martin Walser, Bruno Epple und Arnold Stadler Bodenseeliteraturpreisträger der Stadt Überlingen

Michael B.
24. Juli 2018 12:21

> weniger als 1 Promille der Bevölkerung können mit dem "anschwellenden Bocksgesang" etwas anfangen.

Ich persoenlich habe ueberhaupt kein Problem damit. Ich kannte den Namen des Textes, hatte ihn aber nie gelesen.
Ironischerweise war war ein mir als unangenehm wahrgenommener Elitarismus in Kubitscheks Artikel der Anlass dafuer, das zu tun und das Gegenteil zu finden:
Ist gar nicht elitaer, der Text selbst ist auch nicht 'esoterisch', im Gegenteil ist er voellig klar. Diese Klarheit ist aber die Besondere und Seltene des eigenstaendigen Gedankens.

Ich bin in der Lage, die allermeisten Texte als Matrix zu lesen. D.h., ich erfasse einen Block an Zeilen oder einen Absatz, ohne auf diese Zeilen selbst, Saetze oder gar Worte zurueckfallen zu muessen. Das geht mir auch bei vielen Drechseleien in den Artikeln und Kommentaren hier so, weil sie eben nicht originaer, sondern sehr erwartbar sind - egal wieviel Gebildetheit die Verfasser darbieten meint zu muessen. Der Wunsch nach Darbietung ist nicht uebersehbar und entwertet. Oder besser, nach seinem Abzug bleibt nur ein sehr uebersichtlicher Kern.

Strauss' Text dagegen erfuellt etwas, was Musil einmal als Prinzip des maximalen Gehalts (oder aehnlich) bezeichnet hat. Er selbst hat danach seinen "Mann ohne Eigenschaften" bis zum Erbrechen um- und umgeschrieben und den gewuenschten Effekt trotzdem nur punktuell erreicht, vielleicht weil er sich so bemueht hat.

Manchmal aber gibt es Texte - und ein solcher ist der von Strauss - die das scheinbar aufwandlos sofort schaffen. Fast jede Formulierung ist 'dicht' und 'maximal' und verursacht Neugier. Diese Art Texte sind selbstlos (s.o.) und auf eine tief begruendete Art vertrauenerweckend.

Maiordomus
24. Juli 2018 13:14

Unbestrittenermassen gibt es im Bocksgesang prophetische Stellen, die man heute noch besser versteht als vor 25 Jahren, ändert aber nichts, dass der Text als Ganzes etwas in sich Geschlossenes und Abgeschlossenes, eben Esoterisches hat. Programmatisch aber natürlich die folgende Stelle:

"Wir warnen etwas zu selbstgefällig vor den nationalistischen Strömungen in den osteuropäischen und mittelasiatischen Neu-Staaten. Daß jemand in Tadschikistan es als politischen Auftrag begreift, seine Sprache zu erhalten, wie wir unsere Gewässer, das verstehen wir nicht mehr. Daß ein Volk sein Sittengesetz gegen andere behaupten will und dafür bereit ist, Blutopfer zu bringen, das verstehen wir nicht mehr und halten es in unserer liberal-libertären Selbstbezogenheit für falsch und verwerflich.
Es ziehen aber Konflikte herauf, die sich nicht mehr ökonomisch befrieden lassen; bei denen es eine nachteilige Rolle spielen könnte, daß der reiche Westeuropäer sozusagen auch sittlich über seine Verhältnisse gelebt hat, da hier das "Machbare" am wenigsten an eine Grenze stieß. Es ist gleichgültig, wie wir es bewerten, es wird schwer zu bekämpfen sein: daß die alten Dinge nicht einfach überlebt und tot sind, daß der Mensch, der einzelne wie der Volkszugehörige, nicht einfach nur von heute ist. Zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens wird es Krieg geben.
Wir kämpfen nur nach innen um das Unsere. Wir werden nicht zum Kampf herausgefordert durch feindliche Eroberer. Wir werden herausgefordert, uns Heerscharen von Vertriebenen und heimatlos Gewordenen gegenüber mitleidvoll und hilfsbereit zu verhalten, wir sind per Gesetz zur Güte verpflichtet. Um dieses Gebot bis in die Seele der Menschen (nicht nur der Wähler und Wählerinnen) zu versenken, bedürfte es nachgerade einer Rechristianisierung unseres modernen egoistischen Heidentums. Da die Geschichte nicht aufgehört hat, ihre tragischen Dispositionen zu treffen, kann niemand voraussehen, ob unsere Gewaltlosigkeit den Krieg nicht bloß auf unsere Kinder verschleppt. "

Sandstein
24. Juli 2018 14:15

@ Michael B.

Es geht ja aber nicht darum, wie "dicht" oder "klar" der Text Strauß`ist, sondern wie dicht und klar noch diese Bevölkerung ist.

Der Verrat der CDU ist nicht wieder gut zu machen, die AfD wird, aus diversen Gründen die allen geläufig sein sollten, in absehbarer Zeit das auch nicht auffangen können.

Als ich neulich was von Zukunft in Sibirien faselte wurde das als Spinnerei abgetan.
Spinnerei ist es für mich, zu glauben, dass wir nochmal Zugriff auf die BRD bekommen.

Die Ausgangslage ist ja, dass diese BRD nie für "uns" aufgezogen wurde. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen, und es gibt keine deutsche Zukunft in einem Land, dass genau diese Zukunft auf allen Ebenen abkappt.

Auf achgut. erschien heute ein Artikel, der darlegt wie der "deep state" sich dem politischen Überbau immer unterordnet. Wenn ich mir die letzten BTW-Ergebnisse angucke, dann sehe ich aber nicht, dass wir in 10-20 Jahren diesen Überbau maßgeblich mitprägen.

Und dann wird der Drops gelutscht sein, und wir können uns alle freuen, den Bockgesang gelesen zu haben. Insofern verstehe ich absolut nicht, was Sie unter "vertrauenerweckend" und "maximal" verstehen. Aussagen fallen immer auf den Verfasser zurück, polemisch: als Kern Ihrer Aussage bleibt, dass Sie den Bockgesang jetzt gelesen haben und für gut befinden.

Hätten Sie unter Beachtung Ihrer Prinzipien in einem 2 Zeiler schreiben können. Haben Sie aber nicht.

Michael B.
24. Juli 2018 14:59

> Es geht ja aber nicht darum, wie "dicht" oder "klar" der Text Strauß`ist,

Mir schon, das muessen Sie mir schon lassen.

> Insofern verstehe ich absolut nicht, was Sie unter "vertrauenerweckend" und "maximal" verstehen.

Das kann ich Ihnen vielleicht erklaeren. Es gibt Texte, die den Kern einer Realitaet beschreiben. In den passenden Worten. Die sind wie gesagt selten. Eines der Kriterien dafuer ist Ehrlichkeit des Verfassers. Als Mathematiker - nicht hinreichend, aber notwendig. Nichts Pompoeses, voellige Zuruecknahme der Person, deutlich erkennbares verarbeitetes Wissen aber kein Rueckgriff auf Autoritaeten (ich muesste jetzt nachsehen, aber in dem gesamten Text faellt kein Personenname - Hitler aussen vor - zumindest nicht als Bestaetigung eigener Gedanken).
Immer noch nicht hinreichend, aber schon stark in der Naehe sind Punkte die eigenes Denken triggern und beruehren, obwohl die Formulierung voellig andersartig ist. Mein konkretes Vokabular ist ziemlich verschieden von dem von Strauss, die unterliegenden Gedanken trifft er aber und loest andere voellig natuerlich aus. Und diese Gedanken sind nicht singulaer und haben Beruehrungspunkte mit jeder Bevoelkerungsschicht mit ganz unterschiedlichem intellektuellen Niveau und Ausdrucksvermoegen. Das betrifft uebrigens nicht nur die 'dafuer', sondern auch die 'dagegen'. Die Ehrlichkeit schafft das besagte Vertrauen, denn es versucht nicht zu manipulieren. Die Beruehrung - kein Wahlverhalten oder aehnliche politische Aussagen machen das hinfaellig - zeigen das Allgemeine, Verbindende im Sinne des dieses Volk Angehende.

Zu 'maximal' oder 'dicht' kann ich nicht viel mehr sagen als schon geschrieben.

> Hätten Sie unter Beachtung Ihrer Prinzipien in einem 2 Zeiler schreiben können.
Haben Sie aber nicht.

Ich wollte auch kein wesentliches Werk verfassen, sondern ein solches nur kommentieren. Dazu muss ich mich natuerlich in Sprache und Form bei Bedarf auf das Niveau widerstrebender Leser buecken :)

Sandstein
24. Juli 2018 15:21

@ Michael B.

"Mir schon, das muessen Sie mir schon lassen."

Ich lasse das Ihnen auch, versuchte nur klar zu machen, dass es schon ziemlich schmerzbefreit auf mich wirkt, einen Text als Selbstzweck zu betrachten. Eben darum kann es ja nicht gehen.

Was das Niveau angeht ziehen Sie jetzt aber das allerletzte Register, um zu verdecken, dass Sie natürlich dem eigenen Anspruch nach Bescheidenheit nicht gerecht werden.

Das ist unredlich.
Im übrigen bin ich kein "widerstrebender Leser", sondern einfach aufmerksam.

Dass Sie sich nach Ihrem Selbstverständnis bücken müssen, quasi aus Ihrer Matrix heraus, konterkariert ja alles was Sie an Strauß` Text so vertrauenerweckend finden.

Sie können unsere kleine Debatte in der Debatte jetzt gerne schließen, lassen Sie uns die anderen Leser nicht langweilen. Habe auch alles gesagt nun.

Gruß.

Michael B.
24. Juli 2018 15:31

@sandstein,

Ich stelle noch einen smiley dick dazu, aber den wollen Sie mit Gealt nicht sehen, oder? Vielleicht sollten wir mal ein Bier trinken. Bei Ihrem nick durchaus moeglich, Sandstein gibt es jede Menge hier unmittelbar stromaufwaerts.

Sandstein
24. Juli 2018 15:53

@ Michael B.

Jetzt wollte ich Ihnen einen starken Schluss überlassen, und Sie beginnen und enden mit einer Frage. Super ;)

Den Smiley habe ich tatsächlich nicht wahrgenommen, die Einladung zum Bier hingegen jederzeit gerne. Dafür müssten Sie aber nach Berlin oder Potsdam kommen.

Gruß

Fritz
24. Juli 2018 17:21

Übrigens Herr Kubitschek: Glückwunsch zum Interview in "El País":

https://elpais.com/internacional/2018/07/20/actualidad/1532101868_328857.html

Die linksliberale Tendenz des Blattes kommt natürlich durch, sie relativieren natürlich den Holocaust und appellieren an Ängste usw.

Die Kommentare machen aber deutlich, dass die spanischen Leser viele Sympathien für ihre Position haben.

Michael B.
24. Juli 2018 17:50

Gut, dass das aus der Welt ist @Sandstein. Forenkommunikation hat ihre Tuecken.

In dem Zusammenhang eine Frage an die Betreiber:

Ich hatte heute bei Tichy einen Artikel von D. Wegner kommentiert und u.a. auf den Beitrag hier verwiesen (noch nicht einmal verlinkt). Ich habe mich in dem Zusammenhang auch gewundert, dass "Sezession" nicht in der Liste "Freier Denker" von Wegner auftaucht. Der gesamte Anteil wurde aus meinem posting gestrichen und das Ganze verkuerzt veroeffentlicht. Nachfrage mit Verweis auf Tichys eigene Kommentarregeln: keine Antwort, keine Aenderung. Gibt es dahingehend Probleme, die man kennen sollte?

Stresemann
24. Juli 2018 18:12

@ Sandstein: Zur Zweckhaftigkeit: M.E. haben Sie Recht und Unrecht gleichermaßen. Texte, auch Musik, andere kulturelle Artefakte sind dann hochwirksam, wenn sie als etwas Zweckfreies in der Welt sind. Sie können dann etwas entfachen, was auch hochwirksam wird - im Alltag, in der Politk,... . Mehr Romantik wagen! (ich meine ganz sicher nicht Kitsch). Meine Erfahrung ist - ich bin immer wieder mal quer durch Deutschland unterwegs - , dass es viel Menschen gibt, die täglich Widerstand leisten gegen den Ausverkauf unseres Landes. Ich weiß auch nicht, wie zuversichtlich ich sein soll, aber verloren geben kann ich meine Heimat deshalb auch nicht.

Andreas Walter
24. Juli 2018 21:58

@Kubitschek

Was wollen Sie von dem Troll? Ihn studieren, rausfinden, wer das ist, wer das sein könnte? Sie wissen doch wohl, wie man mit solchen Leuten umgeht, oder? Ich will nur wissen, ob Sie es schon bemerkt haben. Denn nur ein Angeber ist er nicht, das könnte man dem Wicht dann ja noch verzeihen.

frage kubitschek: wen meien Sie mit troll?

RMH
24. Juli 2018 22:17

Ich habe damals, bei der Erstveröffentlichung, noch Spiegel gelesen und habe den Text von Botho Strauß damals Wort für Wort, Zeile für Zeile gelesen, vermutlich weil ich zu blöde für eine "Matrixlesung" war (evtl. ja zum Glück, denn bei Strauß kommt es, wie bei den meisten Autoren mit großem Deutungsvolumen, zu nicht unerheblichen Teil auf jedes Wort an). Ich war damals positiv überrascht und angetan, aber dieser Erleuchtungseffekt, wie er hier beschrieben wurde, blieb bei mir aus. Ich habe mir dann später noch den Text in einem kleinen Bändchen gekauft, da der Spiegel längst im Altpapier lag (wo er auch hin gehört), aber zu meinen "Hausheiligen" wurde B.S. nie und der anschwellende Bocksgesang (der Titel für sich genommen/betrachtet ist m.M.n. eine Vorwegnahme auf die Thymos-Theorie des Sloterdijk-Schülers Jongen) schon gleich gar nicht. Von der einstmals veröffentlichten "Division Antaios",

https://sezession.de/13903/wer-ist-wer-in-der-division-antaios

bei der als Bock selbstredend auch Herr Strauß seine Aufnahme fand, wurden jedenfalls andere deutlich mehr in mein Brevier aufgenommen (kleiner Tipp für alle, die sich erst seit Kurzem hier eingefunden haben oder mitlesen: Nehmt diese Aufstellung der Division Antaios ernst und lest von den dort genannten Autoren! Arg viel mehr braucht man fast nicht tun, um den hiesigen Geist ein Stück weit fangen zu können - und lasst die Finger von den Sekundärliteraten!).

Um es kurz zu machen: Der Text hatte einen großen Leserkreis und sicher hatten einige dadurch auch eine Art von Damaskuserlebnis - ich gehörte und gehöre nicht dazu. Ein Text wie Fahrenheit 451 (Montag ist Teil der Division Antaios) und auch noch vieles mehr, was keine Aufnahme in die "Division" gefunden hat, haben mich bspw. mehr berührt und geprägt. Beim Jahre später veröffentlichten Text "Lichter des Toren: Der Idiot und seine Zeit" von B.S. bin ich dann sogar irgendwann mal ausgestiegen, da er mir zu verstiegen war - bzw. bekam der Autor von mir deswegen sogar das Prädikat "überbewertet". Aber das war jetzt natürlich subjektiv. Bei Strauß vermisste ich die Hoffnung.

0002
24. Juli 2018 23:01

Vielleicht bin ich auch a-musisch. Jedenfalls habe ich mehrfach versucht den Bocksgesang vollständig zu lesen und zu verstehen. Beim letzten Versuch habe ich es sogar fast geschafft.

Andreas Walter
25. Juli 2018 05:00

Ich denke das Problem ist dass die meisten ... - verschiedene Gruppen das Erwachen auch der Deutschen fürchten.

Was ich verstehen kann, denn auch ich war wahnsinnig entsetz, tief betroffen und sehr verletzt durch das was ich erfahren habe. Wie so etwas sogar auf nationaler und auch internationaler Ebene vor allem emotional gehandhabt werden könnte, ohne dadurch eventuell eine Katastrophe auszulösen ... kann ich derzeit auch nicht beantworten.

Das Dilemma ist eine Catch-22 Situation, die, wenn bis zu Ende gedacht und nicht gelöst wird, sogar für alle Weissen langfristig die Vernichtung bedeutet.

Zum Bock gemacht wurden ja nach 1945 nicht nur die Deutschen, sondern ab 1500 auch alle Europäer, weiter zurück braucht man aktuell eigentlich nicht zu blicken.

Bockgesang ist ein Begriff aus der jüdischen Kultur und könnte wohl am besten mit Klagelied gleichgesetzt werden. Mit dem Bock ist der Sündenbock gemeint, als der sich die Juden schon seit Jahrtausende sehen, ritualisiert im Judentum auch als Asasel bekannt.

Nach 1945 wurde jedoch eine andere Gruppe zum Dämon erklärt, für alles verantwortlich gemacht, was in den 12 Jahren davor passiert ist, einschließlich auch der Zeit und Ereignisse und der Wegbereiter ab 1871, die angeblich nur dazu geführt haben. Was aber eben nur die halbe Wahrheit ist, oder sogar nur ein Teil davon, bei so vielen Mitspielern.

Die wahre Geschichte ist jedoch viel komplizierter und beschreibt eigentlich eine Tragödie, der sich fast kein Mensch im Leben zu entziehen vermag. Weil es niemand gibt, fast niemand auf der Welt, der ohne Sünde, ohne Schuld ist, wenn man allen Dingen auf den Grund geht. Es liegt sozusagen in unserer Natur, und das nicht nur in unserer Psychischen, sondern auch in der Physischen, die auch sehr wirkmächtig ist.

Darum werde ich mich bei niemand entschuldigen, dass auch ich um mein Recht zu Sein, um mein Existenzrecht kämpfe, um meine Freiheit und um mein Wohlbefinden, auch wenn ich Deutscher bin. Ich bin nicht euer neuer Sündenbock für gar nichts, was vor 1965 passiert ist. Ich protestiere auch seit dem ich mit 16 nach Deutschland kam gegen den Schwachsinn, der mit den Deutschen gemacht wird. Damals noch ohne genau zu wissen, was hier überhaupt los ist und warum. Lange Zeit dachte ich sogar, es würde an mir liegen, weil ich in mehreren Kulturen aufgewachsen bin. Heute weiss ich, dass weite Teile der Welt bewusst programmiert, indoktriniert worden sind, nur auf eine bestimmte Art und Weise zu denken. Nicht nur im Osten, bei den Kommunisten, sondern auch im Westen, bei den Kapitalisten, was man auch gerne mit links und rechts bezeichnet, was aber auch nur eine infantile Vereinfachung ist, so wie gut und böse, was es aber beides isoliert so nicht gibt, in der Wirklichkeit, wie es auch Schatten nicht ohne Licht geben kann, oder Nacht nicht ohne Tag.

Darum wehre ich mich, gegen die Dämonisierung meiner Person, gegen die Dämonisierung meines Volkes, die Dämonisierung der mir Ähnlichen und die Dämonisierung meiner Vorfahren. Gegen die ständige Propaganda seit 70 Jahren, die immer nur die halbe Wahrheit erzählt, mir aber mit Gefängnis und Strafe droht, wenn ich die andere Hälfte erzähle, oder sogar nur Teile davon. Gegen politische Gefangene, die genau aus dem Grund jetzt gerade im Gefängnis sitzen. Weil sie auch die Schnauze voll haben von halben Wahrheiten, die mittlerweile in Folge sogar die Existenz unseres Volkes als eigenständige, unverwechselbare Kultur und sogar Ethnie bedrohen, als Weisse. Ich fordere das, was auch Spanier von den Muslimen gefordert haben, oder Polen und der Völkerbund von Russen, Deutschen und Österreich-Ungarn. Was Juden von den Briten gefordert haben, später auch von den Palästinensern. Eine Heimstätte für Deutsche, in der sie auch als Deutsche leben können, nach ihrem Glauben, ihren Vorstellungen und ihren Werten. Ohne ständig von Marxisten, Globalisten, Imperialisten oder sonst was für Gruppen bedroht und gestört, genervt zu werden.

Bekommt man nicht geschenkt? Dann verurteilt nicht unseren Kampf.

Das war jetzt ein (vorwurfsvoller) anschwellender Bockgesang. Geweint habe ich schon, als ich die Wahrheit erfahren habe. Um meinen Opa, dem ich unrecht getan habe, aus Unwissenheit. Das tut mir am meisten weh.

P.S.: Aus dem Grund können auch die '68 ihren Fehler nicht einsehen, der sogar ihre Väter und Mütter betrifft. Sie würden den Schmerz nicht aushalten. Über das Unrecht, was sie sogar ihren eigenen Eltern angetan haben.

Andreas Walter
25. Juli 2018 06:02

"Die Flüchtlingskrise wird bei Strauß zu einem veritablen Endkampf zwischen einer aussterbenden Kulturnation (die gänzlich ohne das Zutun fremder Einflüsse von außen die eigene Identität vergessen hat) und den jungen vitalen "Entwurzelten"."

Eine Frage an die Experten:

Der Satz in der Klammer, beschreibt das Botho Strauß so, oder ist das eine Ergänzung der Autorin für den Freitag Marlen Hobrack?

Der_Juergen
25. Juli 2018 08:24

Ich habe den "Bocksgesang" seit vielen Jahren wieder gelesen und war überrascht über seine brennende Aktualität. Ein wichtiger Text, wenngleich nicht ohne Fehler, darunter einen schweren.

@Andreas Walter

Glückwünsch zu Ihrer Wortmeldung von 05.00. Manchmal hat Morgenstund in der Tat Gold im Mund, oder wenigstens in der Feder.

Maiordomus
25. Juli 2018 08:43

@Andreas Walter. Ihr Beitrag hat Substanz, man sieht besser als auch schon, worauf Sie hinauswollen. Das mit dem Bock als Bestandteil der jüdischen Kultur ist aber nur das eine, um Botho Strauss zu verstehen. Es geht auch nicht nur um den Sündenbock.

Nicht vergessen darf man, dass das griechische Wort "Tragödie" eigentlich "Bocksgesang" bedeutet, insofern habe ich den Text von Strauss, den ich damals bei seinem Erscheinen auch bereits zur Kenntnis nahm, ohne ihn zu überschätzen, als Erneuerung dessen gedeutet, was der spanische Philosoph Miguel de Unoamuno, der Erwecker Reinhold Schneiders (über den in einem der neuesten Sezession-Hefte ein Artikel steht und Freund von Jochen Klepper, Lieblingsautor von Kubitschek), was also der spanische Philosoph am Vorabend des Bürgerkrieges "el sentimiento tragico de la vida" nannte, das tragische Lebensgefühl. Jenseits des Sinnes für das Tragische scheint mir grosse Literatur kaum mehr möglich, wobei freilich heute das Tragische unentwirrbar mit dem Grotesken verquickt ist, weswegen ich dazu neige, in meinem Landsmann Friedrich Dürrenmatt den wohl bedeutendsten deutschsprachigen Autor der letzten 65 Jahre zu sehen. Botho Strauss ist es bis heute jedoch noch nicht gelungen, ein wirklich bleibendes und Massstäbe setzendes Werk der deutschen Literatur zu schaffen, also sagen wir mal mit Brecht und Dürrenmatt gleich zu sehen, wobei Botho Strauss' Freund Thomas Hürlimann das immerhin versuchte, wiewohl es ihm andeutungsweise vielleicht nur mit dem Stück "Der Gesandte" gelungen ist. Wir sind uns aber durchaus einig, dass der "Anschwellende Bocksgesang" ein hochbedeutsamer Text bleibt, der wie wenige Texte der letzten 50 Jahre noch Jahrzehnte nach seinem Erscheinen an Bedeutung dazugewonnen hat. Aber sagen wir mal nicht weitreichender als Dürrenmatts späte Erzählung "Der Versuch", wo aus der Perspektive des Jahres 10 000 aus Mutmassungen von Archäologen die Situation um das Jahr 2000 geschildert wird. So nebenbei wird erwähnt, dass die Weissen in Europa etwa ums Jahr 2500 verschwunden seien, was als Prophezeiung ähnlich naiv daherkommt wie vieles, was man in Orwells "1984" nachlesen kann. Zumal eher negative Utopien gehen in der Regel schneller in Erfüllung als ihre Verfasser es sich hätten vorstellen können.

Persönlich bedaure ich, trotz täglicher Lektüre eines Buches, dass in den letzten 25 Jahren in deutscher Sprache nur sehr wenige Werke von nennenswertem literarischem Rang gedruckt worden sind, umgekehrt proportional angesichts des masslosen Publizierens. Nur schon einige Seiten Fontane belehren einen jeweils über diesen Befund, wobei ich zumal dessen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" nicht unterschätzen würde. Es ist dort u.a. von der Einwanderung von Berner Bauern nach dem dreissigjährigen Krieg die Rede, welche übrigens mindestens vorübergehend ihre Gemeinderechte in die Mark mitnehmen durften. Eine Sorte Einwanderung, die in vielem das krasseste Gegenteil dessen darstellt, was heute geschieht. Auch als skeptischer Schilderer des Kulturwandels scheint mir Fontane unübertroffen. Es ist schon wertvoll, wenn gute Autoren von heute 5% Fontane hinkriegen. Dabei müssen wir uns aber nicht in bildungsbürgerlichen Geschmäcklereien ergehen, für die ein Reich-Ranicki bei aller arroganten Parteilichkeit immerhin noch Sinn bekundete. Um auf den "Bocksgesang" zurückzukommen: den Sinn für das Tragische wiederzugewinnen wäre für eine neue Generation eine nicht unbedeutende Aufgabe, auch mit metapolitisch vielleicht fruchtbar zu machenden Folgen.

Zu den Autoren und Autorinnen, bei welchen wir uns ins Exil begeben könnten, gehören wohl auch Arthur Schopenhauer und die skeptische Christin Annette von Droste-Hülshoff. Ihre Erzähltechnik bei der "Judenbuche" ist in Sachen Modernität wohl bis heute nicht übertroffen, zu schweigen von ihrer Vision in der Elegie "Die ächzende Kreatur", welche man sich vor dem Fürstenhäusle oberhalb Meersburg vergegenwärtigen sollte. Das war und ist ein "Bocksgesang", mit dem auch ein Botho Strauss nun mal nicht mithalten kann, die Klage über "die Schuld des Mordes an der Erde Lieblichkeit und Huld", im weitesten Sinn auch eine grandiose Heimatdichtung. Will man sich über den Tag hinaus über deutsche Literatur und Geschichte orientieren, wäre es wohl wertvoll, die Literaturgeschichte von Eichendorff zu lesen, ausserdem auch all dies, was er über den deutschen Osten schreibt unter dem Stichwort "Grösse, Schuld und Busse". Er war, um die tragischen Proportionen zu sehen, auf keine Holocaust-Ideologie angewiesen.

Im Ganzen finde ich es aber gut, dass man sich vom "Anschwellenden Bocksgesang" wieder mal anregen lässt, hoffentlich nicht nur zu kurzfristigen politischen Parolen, wiewohl Widerstand im Alltag gewiss mehr und mehr zu einer Haltung wird, die not tut.

Michael B.
25. Juli 2018 08:52

Zum Troll: Obwohl ich es nicht erklaeren kann, habe ich das dunkle Gefuehl, gemeint zu sein. Unabhaengig davon koennte sich der Schreiber im Sinn der schon gestellten Frage einmal zu seinem Vorwurf aeussern, auch wenn ich nicht das Objekt der Begierde sein sollte. Das sollte man schon klarstellen.

"Matrixlesung": Ich wollte die hier nicht einfach mal so heraushaengen lassen, das ist zuerst einmal ein persoenliches Kriterium in Bezug auf die Guete von Texten (*), weil - das stand nicht explizit da - ich den Strauss eben auch nicht so lesen kann, das laesst er nicht zu. Das ist sehr selten und dann irgendwie auch sehr angenehm. Ich finde weiterhin, dass der Text eine grosse Einfachheit hat wenn man sich auf ihn einlaesst, aber die ueberhaupt nicht im Sinn von simpel.

(*) Ich glaube, es ist eher der kleine Seitenhieb auf Teile der Artikel und Kommentare hier, der manchem sauer aufstoesst. Das ist OK, damit kann ich leben. Zentral ist das inhaltlich nicht.

Maiordomus
25. Juli 2018 08:59

Zu Botho Strauss: Gemeint war mit dem Satz im oberen Abschnitt gemeint: Es sei ihm leider bis anhin nicht gelungen, mit einem wirklich grossen und wennmöglich bleibenden Werk der deutschen Literatur mit Brecht und Dürrenmatt g l e i c h z u z i e h e n. Natürlich geht es nicht geschmäcklerisch und bloss kulinarisch um Gleichziehen, aber ohne ganz grosse Dichtung ist ein Volk dem geistigen Hungertod ausgeliefert. Das Grosse kann freilich ganz unscheinbar daherkommen, etwa wie bei Stifter oder bei Goethes unglaublich aktuellen "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter", welches Werk für Werner Bergengruen die wichtigste Erzählung Goethes war.

Maiordomus
25. Juli 2018 09:03

@Michael B. Die Frage nach dem literarischen Rang und überhaupt mehr literarische Diskussionen scheinen das zu sein, was Ihnen bei einem Teil der Debatte hier "sauer" aufstösst, habe mich oben dazu im Zusammenhang mit Geschmäcklerischem und Kulinarischem geäussert. Die Frage ist bei Botho Strauss sicher nicht die Hauptfrage, kann aber trotzdem nicht ausgeklammert ist. Unbestritten bleibt er einer der bedeutendsten Autoren unserer Zeit, kein Vergleich etwa zu gewissen neueren deutschsprachigen Nobelpreisträgerinnen.

Maiordomus
25. Juli 2018 09:16

Korr. kann aber doch nicht ausgeklammert werden. (Nämlich die Frage nach dem literarischen Rang)

Franz Bettinger
25. Juli 2018 10:04

@Andreas Walter:
Den Catch 22 (Un-Schuld durch Sühne) zu Ende gedacht:

Nur mal so eine Vorstellung: Wenn vor deinem Haus ein Dutzend Geflüchtete gegen die Tür hämmerten, würdest du öffnen und sie willkommen heißen? Sie bei dir wohnen lassen? Und sie versorgen? Und ihre Familien nachkommen lassen und ihnen die Hälfte deiner Rente abgeben? Anders gefragt: Würdest du dich belasten, um jene zu entlasten? Ja? Und warum tust du es nicht? Wie das gehen soll? Na, die Hälfte deines Kontos in den Kongo überweisen. Das wäre nur ein Tropfen auf einen heißen Stein? Na dann: Überweise dein ganzes Konto nach Afrika, dann sind es schon zwei Tropfen auf den heißen Stein; das kühlt. Reicht immer noch nicht? Dann verkaufe dein Haus und alles, und enterbe deine Kinder. Schick den ganzen Erlös nach Afrika. Noch nicht zufrieden? Dann fahre runter, und arbeite für sie, gutes Merkel, dummes Kind! Ja, ja, human sein, kann weh tun. - Nicht missverstehen! Sie, verehrter AW, sind nicht gemeint!

Michael B.
25. Juli 2018 11:32

@Michael B. Die Frage nach dem literarischen Rang und überhaupt mehr literarische Diskussionen scheinen das zu sein, was Ihnen bei einem Teil der Debatte hier "sauer" aufstösst

Eine bestimmte Form davon (aber dafuer gibt es ja die Matrix). Kuerzlich von einem Kommentator zu einem anderen Artikel hier so charakterisiert:

"Sprach's [...] und fuhr fort, aus seinem Zettelkasten vorzutragen."

Ganz anders zum hier besprochenen Artikel z.B. der Bettinger in seiner Interpretation, bleibt beim Inhalt, egal wer dieser Strauss nun noch war, nicht war, sein koennte, oder welchen Rang seine Person auf der kulinarischen (passt schon das Wort, wenn wohl auch nicht wie von Ihnen gewuenscht) Richterskala er einnimmt und was auch immer noch.

Sandstein
25. Juli 2018 11:57

@ Stresemann

hmm, interessante Gedanken.
Ich möchte nicht defätistisch wirken, aber ich lebe nun mal in Berlin und sehe, wie wir wegrationalisiert werden.
Als noch junger Mann gebe ich dieses Land auch nicht preis, und ich engagiere mich, an der Uni, wie im Beruf.

Romantik? Also mich nennen Nachbarn liebevoll (das ist ernst gemeint) "Deutscher" oder "blonder Kanacke". Weil Sie ja selber merken, dass ich im Straßenzug einer der letzten Autochthonen bin.

Das ist meine Romantik...

Andreas Walter
25. Juli 2018 12:09

Der literarische Rang einer Information ist mir Schnuppe.

Sui generis entscheide ich selbst, was mich unterhält, mir glaubhaft erscheint oder ich als wertvoll, interessant oder einer Betrachtung oder sogar Analyse wert erachte.

In Zeiten, in denen der Holocaust sogar bereits per Comic vermittelt wird, mit einem Vorwort von Ana Carbajosa, erscheint mir dieser Weg heutzutage am sinnvollsten.

Zumindest kennt man Herrn Kubitschek deshalb jetzt schon auch auf der Iberischen Halbinsel und in ganz Iberoamerika.

Waren allerdings Bezeichnungen wie Rechtsextremist und Ultranationalist vorher abgesprochen, Herr Kubitschek?

@Michael B.

Dann lassen Sie sich auch von dunklen Gefühlen nicht täuschen, sondern analysieren Sie nur Ihre Selbstzweifel. Ich bewundere Sie sogar, für eine Fähigkeit, die ich (noch) nicht besitze.

Maiordomus
25. Juli 2018 12:29

@Sandstein. Bei der Betrachtung eines Textes geht es nie darum, diesen als Selbstzweck zu betrachten. Es ist aber klar, dass der "Anschwellende Bocksgesang" nie als bloss journalistische Leistung oder auch nur ausschliesslich als politische Rhetorik gemeint war. Das ist auch der Grund, warum er 25 Jahre nach seinem Erscheinen an Bedeutung eher gewinnt. Sie selber wirken bei Beschreibung Ihres Erscheinungsbildes in Berlin und bei Ihrem Begriff von "Romantik" weder auf Zeilenkommentare auf Fichtes Reden an die deutsche Nation noch an solche betreffend den "Anschwellenden Bocksgesang" angewiesen. Bei Ihrer Einschätzung war es wohl nicht nötig, dass Sie auf diesen Text gewartet haben und Sie haben wohl mit demselben auch nicht gelebt. Es gibt aber durchaus deutsche Intellektuelle, für die ein solcher Befund im existentiellen Sinn durchaus zutrifft, eben dass es sich um einen Erweckungstext handelte.

Stefanie
25. Juli 2018 12:31

Das, was den "Bocksgesang" in den Augen der 99% zu "Geraune" macht, ist das Spiel mit Andeutungen, Allegorien und anderen leicht daneben gesetzten Vergleichen, die einen zwingen, das Gemeinte aus dem eigenem Fundus der Erfahrungswerte , quasi wie in einen Lückentext einzusetzen. (Z.B. "der faule Befreiungszauber und subversiver Gemütskitsch mit endloser Prolongation und technischer Wiederaufbereitung") Man braucht schon einen gewissen Hintergrund, um das sinnvoll tun zu können. Sonst bleibt er unverständlich bzw. uninterpretierbar oder wird für einen, der es mit umgekehrten Vorzeichen denkt zu "Hetze und Relativierung" (So wie auch bei Sieferle der "Gründungsmythos" )
Vor ein paar Jahren sorgte mal eine Abiturientin für einen medialen Sturm im Wasserglas, weil sie statt Gedichtinterpretationen lieber gelernt hätte Mietverträge etc. zu deuten. Doch wenn man mit schon mit ein paar poetischen Stilmitteln überfordert ist, wie soll man da mit den Spitzfindigkeiten der Juristerei zurechtkommen-geschweige denn selbst einen Text lesen und interpretieren, den einem ein wohlmeinender Journalist gerade zerpflückt hat?
Deshalb auch Dank an @Franz Bettinger für Ihren Interpretationsansatz. Vielleicht hilft er ja manch einem auf die Sprünge.
Eben dieser Stil führt aber auch dazu, daß der Text zeitlos bleibt: ein jeder setzt seine eigenen aktuellen Erfahrungen damit in Bezug. ("Der Waldgang" lebt von einem ganz ähnlichen Ansatz und ist wahrscheinlich auch Vorbild für diesen Text gewesen.) Damit bleibt er über Jahre und Jahrzehnte aktuell - wie das wirklich guter Literatur so eigen ist. Dazu würde ich den "Anschwellenden Bocksgesang"schon zählen , auch wenn ich von Botho Strauß auch sonst nichts kenne.

Michael B.
25. Juli 2018 13:15

> Dann lassen Sie sich auch von dunklen Gefühlen nicht täuschen, sondern analysieren Sie nur Ihre Selbstzweifel. Ich bewundere Sie sogar, für eine Fähigkeit, die ich (noch) nicht besitze.

Ehrlich gesagt verstehe an diesen Saetzen nur, dass ich der gemeinte Troll sein soll.
Ich bin nun seit ca. 1990 in diesem Netz unterwegs, ich habe recht umfangreiche Erfahrungen mit diesem Typus. Was er nie macht, ist der Versuch, seine Position zu erklaeren und/oder zu versuchen, Dinge geradezuruecken - zumindest partiell, man muss ja nicht mit jedermann voellig uebereinstimmen.
Ein Troll dagegen wirft ein paar mehr oder weniger geschickte Brocken hin und geniesst die Show. Insofern, noch mal ueberpruefen, was Sie eigentlich so stoert.

Andreas Walter
25. Juli 2018 13:54

@Franz Bettinger

Eben. Wer zuviel hat und darunter leidet, der darf es auch gerne mir heimlich zukommen lassen. Wobei auch mir bis etwa 200 Euro im Monat sogar ohne Abzüge zusätzlich zugestanden wird. Dann könnte ich sogar Bücher kaufen.

Ist zwar ein anderes Dilemma, als jenes an das ich dachte, doch das was Sie beschreiben ist auch richtig.

In der jetzigen Situation wäre es sogar globaler Selbstmord, weil dann die bereits jetzt noch (schon) existierenden Strukturen zum erliegen kommen würden. Es würde dann genau das passieren, was auch den Sowjets und kurze Zeit später den Chinesen passiert ist. Nur dann eben in globalen Dimensionen. Millionen Hungertote, ich vermute mal dreistellig. Eine Weltwirtschaftskrise heute noch globaler als die von 1928 hätte allerdings den gleichen Effekt. Allein darum ist Nationalismus und ein möglichst hohes Mass an Autarkie allen anderen Systemen vorzuziehen. Zumindest bei der Grundversorgung, also Wasser, Nahrung, Energie (Kondome, Suchtmittel, Medikamente, Pfefferspray Gel und Waffen).

Kleiner Scherz.

Durch ihr Lügen, Geheimhaltung und Angeberei habe die Sowjets dadurch im Grunde die Chinesen sogar ins offene Messer laufen lassen. Ist mir gerade noch aufgefallen.

Was die Marxisten daher auch alles verbockt(!) haben darf man auch nicht aufrechnen. Halten sich aber immer noch für die Größten.

Maiordomus
25. Juli 2018 14:37

@Stefanie. Jenseits dessen, was einige vielleicht als literarische Klugscheisserei missverstehen könnten, verweisen Sie in vorzüglich geglückter Vereinfachung auf das Wesentliche einer Textgestalt, wie sie BS geschaffen hat. Inhalt und Form können bei einem Text dieser Art letztinstanzlich nicht getrennt werden. In diesem Sinn muss man denn vor allzu vordergründiger Beanspruchung warnen.

Andrenio
25. Juli 2018 14:40

Wie war es beim ersten Mal?
Ich erinnere mich, dass mir bei der Erstlektüre der Blutdruck plötzlich anstieg, ich meinen Herzschlag hören konnte.

Wie konnte ein Mann wie BS eine tief empfundene Realität so meisterhaft in Worte fassen? Auch bei der nochmaligen Lektüre ließ das elektrisierende Gefühl nicht nach.

Nach dem glanzlosen Verschwinden von Criticón, leider noch zu Lebzeiten seines Gründers, war ich ähnlich hoch beglückt, als ich das erste Exemplar von Sezession in der Hand hielt. So hatte der Ursprungstext doch seine konkrete Auswirkung!

Mein Sohn berichtete mir von einem neugewonnenen Freund, wohl unter 30, der den anschwellenden Bocksgesang komplett auswendig gelernt hat - so wichtig erschien ihm dieser Text.

@Andreas Walter

Ich singe dieselbe Eloge auf Ihren frühmorgentlichen Text! Wo Sie wohl aufgewachsen sind?

Nath
25. Juli 2018 15:45

Vorab eine persönliche Bemerkung: Bei keinem anderen zeitgenössichen Text hat sich mir jemals zuvor das "de te fabula narratur" mit jener Intensität bekundet wie seinerzeit beim "Anschwellenden Bocksgesang". Bis dahin war es immer das lesende Zwiegespräch mit "Toten" gewesen, das mir neue Horizonte eröffnete.
Dies vorausgeschickt, scheint mir die eigentliche Bedeutung von Strauss im Bereich der Essayistik zu liegen, einem Genre, welches in Deutschland nie jenes Ausmaß an Tiefenschärfe erreichte wie es in Frankreich der Fall war. Ich glaube daher, dass erst der "späte" Strauss das ihm gemäße literarische Element gefunden hat, und hier mag eine zukünftige geschichtliche Betrachtung seine eigentliche Größe entdecken, die dem Dramatiker Strauss vielleicht nicht zugesprochen werden kann. Ich möchte daher denjenigen, welchen die auf den "Bocksgesang" folgenden essayistischen Texte nicht ohnehin geläüfig sind (z.B. "Die Fehler des Kopisten), diese besondes ans Herz legen.
Sicherlich, ein grundsätzliches Unbehagen an Straussens Überhöhung des Rück-wärtigen kann derjenige nicht verhehlen, der verstanden zu haben glaubt, dass "die ekstatische Zeit aus der Zukunft her geschieht." ("Sein und Zeit"), beispielsweise wenn jener Zuflucht nimmt zu rhetorischen Figuren wie der positiven Begriffsumkehrung des "Reaktionärs" und mit einer solchen semantischen Ambivalenz ästhetisch spielt, oder wenn er dem verhassten Moderierungs-Zeitgeist schroffe Kirchenväterzitate entgegenschleudert.
Oft habe ich, ein Gespäch mit Strauss imaginierend, Fragen an ihn formuliert, wie etwa diejenige, ob derartiges Renegaten-Pathos eines ehemaligen Linken mit solchen Rückgriffen auf das vermeintlich Ewig-Wahre nicht der Gefahr unterliegt, die eigene Sehnsucht wie die des Lesers auf falsche Fährten zu locken, damit (unbewusst?) der arglistigen Empfehlung Nietzsches folgend, ein moderner Frommer müsse es verstehen, die Zeitgenossen mit soteriologischem Gedankengut zu verführen, statt zu ermahnen.
Doch solche und andere Einwände relativieren sich letztlich, wenn man sich darauf besinnt, dass die Art von Gestimmtheit, an welcher der Leser hier teilzunehmen Gelegenheit hat, nur möglich ist, weil der Schreibende dem Zu-Erinnernden auf der Spur ist.

Andreas Walter
25. Juli 2018 15:58

@Michael B.

OK, bevor Sie mir noch verrückt werden oder sich weiter das Hirn zermarterten muss ich Sie da rausholen:

Sie waren nicht gemeint.

Ich habe keine Ahnung, was oder wodurch ich ausgerechnet Sie getriggert habe, oder warum Sie sich angesprochen fühlen, gefühlt haben.

Das Missverständnis war aber eine gute Demonstration dafür, wie schnell solche bei Metakommunikation oder beim schreiben in Symbolen oder indirekter oder diffuser Ausdrucksweise zustande kommen können. Woraus man übrigens auch eine Kunst machen kann, wenn man sich darauf versteht. Die man allerdings ebenso auch missbrauchen kann, wie zum Beispiel in der Politik oder Werbung, also Propaganda (oder entsprechend Antiganda). In der man ja bewusst möglichst viele Menschen ansprechen, triggern will, damit sie sich in eine bestimmte Richtung bewegen, oder bestimmte Dinge tun oder kaufen, glauben oder daran zweifeln, meiden oder sogar bekriegen.

Lotta Vorbeck
25. Juli 2018 17:06

@Andreas Walter - 25. Juli 2018 - 03:58 PM
an @Michael B.:

Sie waren nicht gemeint.

___________________________

Glaube zu wissen, wen Sie meinen.
Mich nervt er ebenfalls ungemein.
Er scheint nahezu unbegrenzt über nicht ausgefüllte FReizeit zu verfügen und schreibt (neuerdings wieder) nahezu jeden SiN-Kommentarsstrang mit nahezu substanzloser Bildungsprahlerei richtiggehend kaputt.

Michael B.
25. Juli 2018 17:12

@Andreas Walter

> muss ich Sie da rausholen

Danke. Noch einmal langsam gelesen, steht da auch nicht, was ich zu sehen meinte. Wohl doch zu heiss heute. Bitte um Nachsicht und gegebenenfalls um Entschuldigung.

RMH
25. Juli 2018 20:10

@Lotta Vorbeck,
mich nervt es nicht - hab auch schon die eine oder andere gute Lektüre-Anregung dadurch erhalten.

nom de guerre
25. Juli 2018 21:57

@ Lotta Vorbeck
Wie schreibt man denn einen Kommentarstrang kaputt? Ich meine, es ist doch nicht so, dass Sie oder andere Foristen durch die Kommentare der Person, die Sie vermutlich meinen (deren Beiträge ich selber übrigens meist ganz interessant finde), daran gehindert würden, weiterzudiskutieren - zumindest solange die Moderation es mitmacht. Wen etwas nervt (und mich nervt auch so manches), der braucht es ja nicht zu lesen.

Fredy
25. Juli 2018 22:21

Ich empfehle bei Texten des Hausmeiers die "Matrixlesung".

Cacatum non est pictum
25. Juli 2018 23:04

@Andreas Walter

"... Aus dem Grund können auch die '68 ihren Fehler nicht einsehen, der sogar ihre Väter und Mütter betrifft. Sie würden den Schmerz nicht aushalten. Über das Unrecht, was sie sogar ihren eigenen Eltern angetan haben."

Wo Sie das gerade erwähnen, fällt mir ein, daß mein Vater sich neulich in dieser Richtung geäußert hat. Er sagte mir, daß er heute - im fortgeschrittenen Alter - zuweilen bedauert, welch massive Vorwürfe er seiner verstorbenen Mutter zu Lebzeiten gemacht hat. Ihr, die sie im Krieg und danach viele Jahre auf ihren Ehemann verzichten mußte, bevor er nach langjähriger Gefangenschaft in die Heimat zurückkam; die später als leider junge Witwe unsagbare Anstrengungen auf sich genommen hat, um ihre zahlreichen Kinder großzuziehen.

Den 68ern wurde Gold in die Wiege gelegt. Sie konnten sich nähren am Wirtschaftswunder und an den Segnungen des neuen Wohlstands. Zukunftssorgen kannten sie nicht. Ihnen hatte man noch keine Millionen von orientalischen Einwanderern ins Land geschickt, von denen sie kulturell und politisch unter Druck gesetzt worden wären. Und dennoch: Eines Tages wird man zurückblicken und feststellen, daß genau diese Generation die Pforten zur Hölle aufgerissen hat. Die Nibelungentreue der Vorväter zu einem autokratischen Reichskanzler wird dann nicht mehr der Rede wert sein.

Fredy
25. Juli 2018 23:31

@Cacatum non est pictum

Exakt die Generation ist es, die heutigen Rentner. 60 bis 75. Totengräber. Wohlhabend, überheblich, moralisierend, schwach, denkfaul. Aber es gab auch Ausnahmen, wie meine Eltern.

Lotta Vorbeck
25. Juli 2018 23:36

@nom de guerre - 25. Juli 2018 - 09:57 PM

@ Lotta Vorbeck
Wie schreibt man denn einen Kommentarstrang kaputt? Ich meine, es ist doch nicht so, dass Sie oder andere Foristen durch die Kommentare der Person, die Sie vermutlich meinen (deren Beiträge ich selber übrigens meist ganz interessant finde), daran gehindert würden, weiterzudiskutieren - zumindest solange die Moderation es mitmacht. ...

______________________

Es mag zwei bis drei Jahre zurückliegen, als "die Person die ich vermutlich meine" hier vom SiN-Bademeister schon mal mit einer zeitweiligen Schreibpause belegt worden ist ...

Cacatum non est pictum
25. Juli 2018 23:54

@RMH

"mich nervt es nicht - hab auch schon die eine oder andere gute Lektüre-Anregung dadurch erhalten."

Dito. Bei allem Oberlehrerzungenschlag in den Wortmeldungen unseres wandelnden Zettelkastens - seine Beiträge sind nie ohne Substanz. Und sie haben mich manchesmal zur Literaturrecherche angeregt. Ferner glaube ich, daß dieser Gelehrtentypus bald aussterben wird. Professoren und Lehrer mit einer derartigen Bandbreite an klassischem Bildungswissen wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Ein unverstellter Blick in unsere Bildungsanstalten läßt keine Zweifel daran aufkommen. Ich lasse mich von diesem Wissen gern inspirieren, auch wenn ich nicht selten anderer Meinung bin als Maiordomus.

0002
26. Juli 2018 01:12

Fundstück:

https://sezession.de/40096/20-jahre-anschwellender-bocksgesang

Caroline Sommerfeld
26. Juli 2018 08:10

Ich bin auch eine Infizierte, aber mit äußerst verlängerter Latenzzeit. 1993 bekam ich den "Anschwellenden Bocksgesang" in der Schule zu lesen, da war ich 18. Das kam so: in meinem Heimatort, der zu den berühmt-berüchtigten der "Ausländerfeindlichkeit" der 90er zählt, bildete sich bald am nächstgelegenen Gymnasium eine "AG Miteinander Leben", aus der irgendwann eine "Literatur-AG Miteinander Leben" hervorging, wo wir unsägliche Produktionen von Migranten lasen, ich erinnere mich nur mehr an Rafik Schami. Irgendwann gab es Schüler, die das zu langweilig fanden, und wir baten den jungen Lehrer, ob er auch mal "was ganz anderes" bringen könnte. Ja, und das war Botho Strauß. Ich hab ganze Passagen in mein Tagebuch abgepinselt, das existiert noch. Klar war ich gemeint, eine Einzelne, Massenfeindliche, Durchblickerin und an einen langen geschichtlichen Strom Gleichgesinnter Angeschlossene. Danach brachte der Lehrer noch Enzensbergers "Die Große Wanderung", auch so ein prophetischer Text, es lohnt sich, ihn noch mal zu lesen, 25 Jahre später.
Und warum ich nicht bei Strauß blieb? Nicht vergessen, da war ich 18 und da sind die Gründe simpel: Weil der nächste kluge Mann, in den mich verliebte, gründlich links war und mir anderes zu lesen gab, den halben Merve- und Wagenbachverlag.

Der Gehenkte
26. Juli 2018 10:14

@ Fritz

Vielen Dank für den Link zu El País! Das ist ein wirklich starker Artikel, der auch zeigt, wie man in die linke Presse und damit an die Massen heran kommt. Natürlich nicht durch den journalistischen Text, sondern durch die wörtlichen Wiedergaben. Kubitschek ist hier mit einigen klaren, direkten, ehrlichen und jedermann einsichtigen Aussagen wiedergegeben, die den Erklärtext - für den, der lesen kann - obsolet machen. Die Leute, die sensibel sind, werden das begreifen, zumal die Differenz zwischen der dargestellten Person, die als gefestigt und intelligent erscheint und der Erklärerei offensichtlich ist.

Hier über Botho Strauß nachdenken, im kleinen Kreis, und dort mit griffigen Ideen auf die Menge einwirken. Das sind zwei der wichtigsten Wege.

RMH
26. Juli 2018 10:25

Um es jetzt einmal polemisch auszudrücken:

B.S. spricht eine Elite an - aber eine, die zu den Verlierern gehört und mittlerweile (anno 93 waren zumindest noch Reste davon da) schon länger keine echte Elite im Staate mehr bildet (eine Elite des Geistes, die aber nichts zu melden hat, ok, dass gibt es in geringem Maße noch - aus diesem Grund mag der Text heute sogar noch wichtiger sein als damals, anno 93). Das Ansprechen von Verlierern einer gesellschaftlichen Veränderung bzw. von Menschen, die zumindest befürchten, Verlierer zu werden, ist spätestens seit dem kommunistischen Manifest ein alter, aber äußerst wirkungsvoller Hut. Das kommunistische Manifest verwendet aber eine deutlich klarere und logischere, verschwurbelungsfreie Sprache und konnte daher auch deutliche größere Kreise ansprechen. Aber B.S. schreibt ja offenbar nicht für "deutlich größere Kreise". Das mich persönlich der "Bocksgesang" und auch weitere Texte von B.S. nicht so besonders ansprachen, erklärt sich für mich persönlich damit, dass ich offenbar eine zu kleinbürgerliche Herkunft habe, um mich je zu "denen da oben" oder gar zur Elite (gleich welcher Art) zu zählen und ich zu dem keine Verlustängste brauche, um kritisch zu denken oder mich politisch motivieren zu müssen. Ich brauche auch keine besonders komplexe oder verdichtete Sprache, um einen mir damit mitgeteilten Inhalt gut, besonders oder gar überragend zu halten (da schlägt wohl ein kleinbürgerliches Ressentiment bei mir durch). Ich bevorzuge einen anderen Schreibstil.

Unterm Strich: Wichtiger Text mit eben seinem ganz eigenen Stil, keine Frage, aber ganz so hoch braucht man ihn nun auch nicht aufzuhängen.

Brettenbacher
26. Juli 2018 10:33

@
Caroline Sommerfeld u.v.a.
(mit forciertem Schmunzeln geschrieben): dann seid ihr es also doch- mobile qual piume al vento?!

im Vollernst:
Es wäre Botho Strauß vielleicht doch länger als ein Sommer Ihr Gast gewesen, wäre Ihnen das hiermit angespielte Gedicht in das Blickfeld geraten, nämlich " Diese Erinnerung an einen, der nur einen Tag zu Gast war ".
Innig.Bewegt.Schön. (Und die Flipper tillten.)
Und es wäre dieser Text durchaus als ein Intermezzo * im "Bocksgesang" zu hören.

*Foristen, denen Musik intelligibel ist, mögen einen glücklicheren Ausdruck setzen.

0002
26. Juli 2018 11:16

Bzgl. Schullektüre: Max Frisch hat ja den Typ Mensch, der einen erschwerten Zugang zu Werken wie dem „Bocksgesang“ haben dürfte, mal in seinem Roman „Homo Faber“, den wir in der Schule lesen mußten, kritisch beschrieben. Ich erinnere mich noch daran, daß mir die Figur des Walter Faber nicht ganz unsympathisch war.

Maiordomus
26. Juli 2018 13:10

Wer statt über Literarisches und Geschmäcklerisches einschliesslich auch persönliche Rempeleien im SiN-Lager wieder lieber über konkret Politisches diskutieren möchte, sollte sich allenfalls in Lichtmesz zwar einige Tage zurückliegenden und glücklicherweise noch nicht geschlossenen Blog betr. den Prozess gegen die Identitären in Österreich einklinken, der weitestgehend mit Freisprüchen endete und insofern meine dort geäusserte Befürchtung über den Tiefpunkt des Rechtsstaates etwas relativierte. Es gibt dort aber gewiss noch Konkreteres zu diskutieren als hier, wo die Sache abgesehen von Sommerfelds Bemerkung und dem Hinweis auf Max Frisch sich etwas totgelaufen zu haben scheint.

simple
26. Juli 2018 17:38

@Maiordomus
Für jemand, der sich für Texte wie den von Botho Strauß, als “Anschwellender Bocksgesang” ganz trefflich überschrieben, interessiert und keine Gelegenheit auslassen möchte, um zu demonstrieren, auf welche Weise er in der Lage war, diesen Text zu lesen und zu verstehen, kurz, für jemand, der es vermag, innezuhalten und ein paar Zeilen eines Autors zur Kenntnis zu nehmen und sogar über diese nachzudenken, ist es kein Wunder, nur leider eben nicht der Rede wert, wie dieser Autor mit seinem kurzen Text zum Spielball verschiedener, ich sage einmal lapidar, Leute, geworden ist. Allein der Vorwurf (egal, wie man es nennt), Botho Strauß hätte sich damit als rechts offenbart, illustriert das Lächerliche sehr gut.
Ich weiß nicht, wer den Begriff der einfältigen Kommunardenkreise geprägt hat, aber ich verwende ihn gerne, wenn ich zu einer Gruppe spreche, die damit leicht ironisch und keineswegs abwertend gemeint sein könnte. Ich will auf Propaganda und Agitation hinaus und auf real existierende Tabus in Diskussionen, von denen mir die Leugnung (wovon auch immer) am unwichtigsten geworden ist. Dazu ein paar Fragen:
Erstens: Trifft es zu, daß versucht wird, uns (oder wen auch immer) propagandistisch und agitatorisch zu beeinflussen (in welche Richtung auch immer)?
Zweitens: Seit wann gibt es Agitation und Propaganda? Seit 33, seit 1917, seit Marx, seit Sokrates? Seit wann?
Drittens: Wie effektiv sind Agitation und Propaganda heute und wie effektiv waren Agitprop womöglich früher? Soll heißen: Was ist wahr von dem, was erzählt wurde, was erzählt wird?
Viertens: Sind die Einteilung politischer Haltungen, Meinungen, Aktionen und Reaktionen in links und rechts nicht auch ein Werk der Propaganda, auch wenn es witzig mit der Sitzordnung im Parlament erklärt sein soll?
Für mich habe ich einige Fragen beantwortet, ohne dabei in die Tiefe gegangen zu sein. Ich gehe davon aus, daß weit vor dem ersten Weltkrieg in großem Stile auf diese Manipulationsmethoden zurückgegriffen wurde. Demzufolge müßten besonders wichtige und die heutige Zeit prägende historische Ereignisse respektive die Geschichtsschreibung zumindest kritischer gesehen werden als es geschieht. Es wird kein einzelner Akt gewesen sein, in dem der Gegenspieler Gottes (oder wer auch immer) seine Diener, die Wahrnehmungsschwäche und die Verführung, um nur zwei zu nennen, auf die Erde warf. Bis zum heutigen Tage sind sie mächtig und erfolgreich. Sie erfassen nur denjenigen nicht, der sich strikt an Gottes Wort hält und nicht einer durchs Dorf getriebenen Sau nachrennt. Es kann durchaus Freude bereiten, einen guten Text zu lesen und ihn für sich einzuordnen. Einer Vereinnahmung (durch wen auch immer) entziehen sich aber gute Schriften, wie an der Bibel einmal anschaulich zu demonstrieren wäre, in der Regel.

Im Falle vom alternden und weiseren Botho Strauß sehe ich, daß es für eine passende Klientel sinnvoll sein kann, zu versuchen, sich zu separieren, obwohl es vielleicht für einen Autoren auch aus Gründen der natürlichen Eitelkeit etwas kompliziert werden dürfte, diesem Eindruck konstant Glauben zu verleihen. “Wir sind in die Beständigkeit des sich selbst korrigierenden Systems eingelaufen.”, schreibt Botho Strauß gleich zu Beginn. Aus meiner Sicht irrt er sich hier folgenlos zum ersten Male aus oben genannten Gründen. Wie dem auch sei. Ein Franz Bettinger jedenfalls sollte in das Autorenkollektiv der Sezession aufgenommen werden. Seine Fähigkeit, mit Herz, Gefühl und Abstraktionsvermögen die Dinge aus seiner Sicht zu beschreiben, ist sicher nicht nur für mich ein Gewinn.

Michael B.
26. Juli 2018 22:35

@RMH

Nicht so bescheiden. Meine Mutter entstammt einer Arbeiterfamilie, mein Vater einer von Gebirgsbauern. Ich selbst habe 7 Jahre in einem bodenstaendigen Beruf verbracht, bevor ich studiert habe. Alles kein Grund, den Strauss nicht zu verstehen. Und wie gesagt, verschwurbelt ist zumindest an diesem Text m.E. gar nichts - im Gegenteil.

Maiordomus
26. Juli 2018 23:04

@ simple. In der Tat, so sollte man die Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Text führen. Auch das Kompliment an Bettinger ist verdient.

0002
27. Juli 2018 00:00

Für mich die bisher sinnfälligste Interpretation. Strauss wollte den alten Organismus BRD, den er nach eigenem Bekunden bewunderte und zu dem er zweifellos auch selbst gehörte, retten:

„Zurückblickend taucht das Bild eines Luftschiffs auf. Einer geistigen Elite in ihrem postnationalen, posthistorischen Traum. Einer laborreinen Aufklärung, gesäubert von allen Spurenelementen älterer Schichten. Das Schiff schwebt. Es hat die Leinen gekappt. Einer aber hängt halb über Bord und versucht verzweifelt, Anker zu werfen, zu erden, zu wecken: Wacht auf, wir kentern.“

https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article113162774/Was-vom-anschwellenden-Bocksgesang-uebrig-blieb.html

0002
27. Juli 2018 00:10

Und deswegen konnte der Text auch im Spiegel erscheinen.

Maiordomus
27. Juli 2018 08:37

0002. Gut, machen Sie auf das erstmalige Erscheinen im SPIEGEL aufmerksam. Ohne diesen Befund hätte der Text nicht 5% seiner Aufmerksamkeit gefunden und nicht wie eine Bombe einschlagen können. Vgl. die obigen durchaus nicht unbegründeten Debatten über das hochliterarisch Esoterische bei Botho Strauss, nunmal wirklich von der Diktion her weder ein kommunistisches Manifest noch ein J'accuse. Der Spiegel würde unter Jakob Augstein so was nicht mehr bringen.

0002
27. Juli 2018 10:28

@Maiordomus
Der Bocksgesang mußte im Spiegel erscheinen (wegen der Aufmerksamkeit).
Der Bocksgesang konnte im Spiegel erscheinen (um das Luftschiff zu stabilisieren).

Das paßt doch hervorragend zusammen. Auch der bisweilen überhebliche, bzw. abgehobene Ton (um im Bild zu bleiben) des Textes paßt sehr schön zum Spiegel.

heinrichbrueck
27. Juli 2018 11:57

Der "Bocksgesang" ist ein interessanter Text, aber er bleibt unbefriedigend. Warum der Westen nicht zu retten ist, haben die Russen in angenehmeren Formen analysiert. Die "Welt"-Lügen sind Müll.

Die Deutschen würden diese Form von Demokratie niemals angenommen haben, hätte man ihnen nicht die Schuld einer totalen Niederlage aufgezwungen.

0002
27. Juli 2018 13:10

Durch die Luftschiff-Interpretation ergeben folgende Punkte zusammen ein sinnvolles Bild:

- Die Sozialisation des Autors
- Die Wahl des Mediums
- Die Kooperation des Mediums
- Die ausgesprochene Bewunderung
- Das Vernehmen des Knirschens
- Die Analyse des Knirschens
- Die Kritik am Kappen der Seile
- Die Warnung vor dem Kentern
- Das weitere Verhalten des Autors bis heute: Ein desillusionierter Linker, der gemerkt hat, daß an den rechten Analysen was dran ist und sich bockig zurückzieht .

Maiordomus
27. Juli 2018 18:15

0002. Mag Ihre Interpretation auch einseitig sein, was Sie sehen, sehen Sie zweifellos perspektivisch richtig. Das Luftschiff-Motiv ist interessanterweise in der grossen deutschen Literatur vor über 200 Jahren von Jean Paul am eindrücklichsten Literatur geworden, und zwar als Weltschau. Geht doch auf! Im Jahre 1968 im Herbst las ich "Des Luftschiffers Gianozzo Seebuch" vom genialen Autor aus Wunsidel, Schwarzenbach an der Saale und Bayreuth. Die dortigen Jean-Paul.Museen sind jederzeit eine Reise wert!

Maiordomus
29. Juli 2018 10:07

Es ist wichtig, wie diese Debatte zeigt, dass es schöngeistige Rechtsintellektuelle gibt, wobei es sich bei der Auseinandersetzung mit Literatur keineswegs um einen Luxus handelt. Dichter sind, wie Clemens Brentano betonte, solche, die den Katarakt aus der Ferne hören. Mit andere Worten: Sie sind ein unentbehrlicher Bestandteil im geistigen Haushalt einer Nation und eines Volkes.

Hier in der Sezessionsgesprächsrunde gibt es jedoch einige, längst nicht alle, die lieber über konkrete politische Fragen Erörterungen machen und das dann mit Funden aus dem Internet anreichern. Mit einem rechtsintellektuellen Diskurs hätte dies noch nicht viel zu tun. A propos Rechtsintellekuelle, welche weniger von der schöngeistigen Seite kommen: als einen solchen schätzte und schätze ich Dr. Bruno Bandulet ein, Verfasser eines soeben erschienenen nicht unbedeutenden Aufsatzes in der Jungen Freiheit über die CSU, mit dem ich mich im Frühherbst 1967 als Student in brieflichem Austausch befand. Was Bandulet dieser Tage über Bayern schreibt, ist eine in der Tat kenntnisreiche vernünftige realpolitische Analyse, wobei er in der Kritik an der CSU von heute unhysterisch- behutsam bleibt, wiewohl zwischen Zeilen alles Wichtige und schmerzvoll zur Kenntnis zu Nehmende durchscheint.

In Sachen politischer Erfahrung und Knowhow und Augenmass ist Bandulet, der sich als äusserst gut informierter und in den Sachwissenschaften (incl. Finanzwesen usw.) gelehrter Rechtskonservativer über all die Jahrzehnte nie verbogen hat, von einem Format, das den Tüchtigsten unter den jungen Rechtsintellektuellen bei Sezession vielleicht in 20 bis 30 Jahren zuzutrauen wäre. Natürlich stellt sich mit Recht die Frage, ob wie überhaupt noch so viel Zeit haben. Wiewohl es immer falsch ist, den nahen Untergang Deutschlands vorauszusetzen, den seinerzeit auch Adenauer und auch der Kalte-Kriegs-Publizist bei Springer, William S. Schlamm, immer wieder mal befürchtet haben.

PS. Clemens Brentano gehört für mich in der deutschen Literatur ähnlich wie Grillparzer zu den Autoren aus der Zeit von Klassik und Romantik, aus denen ein enormer metapolitischer Gehalt zu "destillieren" wäre. Das meine ich nicht als Relativierung von Botho Strauss.

Teufel
30. Juli 2018 12:50

Botho Strauss kann nicht schreiben. Der Text erinnert mich an die ersten, unbeholfenen Versuche, dem inneren Gefuehl Ausdruck zu verleihen. Bevor man in der Lage ist, die Dinge klar zu sehen und als solche zu formulieren. Wenn man auf dieser Stufe stehenbleibt, dann ergoetzt man sich an der schwebenden Ambivalenz des Verfassten - denn es haelt ja den Raum offen fuer wirklich hoeheres - und kann das gleichzeitig dazu benutzen, jeder Kritik mit Hinweis auf die angebliche Andersgemeintheit des Textes zu entgegnen. Ernst Juenger hatte einen aehnlichen "Stil". Solcherart Texte bedeuten alles und nichts und das ist auch der Grund, warum er in dieser Zeitung erscheinen konnte. Es ist bequem, wenn jeder alles in diese Aussagen hineininterpretieren kann, ueber verneinte Verneinung, dann erreicht man alle, man wird von allen gesehen, aber der kleine Junge spuckt diesen Kieselstein nach einigem Umrunden am Ende doch wieder aus. Der Text bleibt nackt. Am Ende eine Kapitulation vor dem unzureichend reflektierten Selbst. "Ich weiss nicht, wer ich bin und was ich will." Go hohm Bodo.

Maiordomus
30. Juli 2018 13:22

Ob w i r überhaupt noch so viel Zeit haben, ist in der Tat eine berechtigte Frage. Und zwar jenseits von Naherwartungsneurosen vom Untergang Deutschlands. Auch die Schweiz ist daran, so wie war, sich sachte aufzulösen, lebt stärker denn je von immerhin noch vorhandenen geistigen und natürlich auch ökonomischen Reserven. Die direkte Demokratie wird aber immer mehr zur Folklore herabgestuft, wir können gerade noch über die Frage, ob Kühe Hörner tragen sollen, abstimmen und noch darüber, wie wir die Kehrichtsäcke entsorgen wollen, föderalistische Vielfalt pflegen.

0002
30. Juli 2018 15:18

„Ernst Juenger hatte einen aehnlichen ’Stil’.“

Das empfinde ich (teilweise) auch so. Es ist ein bißchen wie mit moderner Kunst. Sie kann ganz nett sein, wird aber oft maßlos überschätzt. Oft nach dem Motto: Schwer verständlich, also muß es etwas ganz Großes sein.
Einen Vorteil hat dieser Stil aber schon. Der Leser kann durch den Verarbeitungsprozeß u.U. dazu angeregt werden, selbst hergeleitete „Aha-Erlebnisse“ zu haben. Ob das dann die „richtigen“ bzw. gewünschten Erkenntnisse sind ist allerdings eine andere Frage.

Maiordomus
30. Juli 2018 21:13

@Teufel. "Ernst Jünger hatte einen ähnlichen Stil." Beachten Sie die Genauigkeit von dessen phänomenologischen Beschreibungen etwa in der 2. Fassung von "Das abenteuerliche Herz", so zum Beispiel "Das Entsetzen" oder "Das Rotschwänzchen". Seine Käfer- und Pflanzenbeschreibungen haben Sie wohl, wenn Sie schon so urteilen, wohl kaum gelesen, sonst könnten Sie keinen solchen Unsinn von sich geben. Kommt dazu, dass von Jünger im 2. Pariser Tagebuch die wohl konkreteste und wirklich entsetzlich genaueste Beschreibung einer Erschiessung im 2. Weltkrieg nachzulesen ist, das wird man im Gegensatz zu Botho Strauss auch in 500 Jahren noch lesen. Diese unheimliche Stelle berührte Heinrich Böll genau so stark wie zum Beispiel den Schweizer Schriftsteller Jürg Federspiel. Ich gehe davon aus, dass Sie die Klettsche Gesamtausgabe der Jüngerschen Werke, die ich in der Schweiz schon vor 30 Jahren rezensierte, als Lektüre eher noch vor sich haben. Natürlich gibt es von Jünger auch etwas schwächere, eher raunende Texte. Aber in Sachen Exaktheit von phänomenologischen Beschreibungen, zum Beispiel auch Drogenerfahrungen betreffend, macht es Jünger eigentlich kein neuerer deutschsprachiger Autor nach. Ausserdem ist er ein meisterhafter Aphoristiker und auch Lehrer von Autoren, vergleiche sein Buch "Autor und Autorschaft". Sowieso ist Ihre Formulierung "Botho Strauss kann nicht schreiben", eher unter aller Kanone. Sie etwas würde ich auch nicht mal über den auf diesem Blog von mir mehrmals ziemlich stark kritisierten Deutschtürken Feridun Zaimoglu absondern. Es ist aber gut, dass Ihr Beitrag geschaltet wurde, weil es natürlich für jeden Gesprächsteilnehmer von Bedeutung bleibt, dass er sein Verhältnis oder Nichtverhältnis zur Literatur dartun kann. Es gab auch Leute, die sinngemäss und sogar mit literaturtheoretischen Begründungen behaupteten: "Adalbert Stifter kann nicht schreiben."

Noch für die Schweizer oder vielleicht Schillerfreunde hier im Blog. Empfehle morgen Dienstag den Kauf der Basler Zeitung mit einer ganzen Seite über die Hintergründe einer Gestalt wie Wilhelm Tell. Übermorgen feiert die Alpenrepublik bekanntlich ihren Nationalfeiertag. Die Geschichte vom Tell bleibt eine Magna Charta der Freiheit.

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