Sezession
2. November 2018

Ein amerikanischer Alptraum (2) – Auf dem Weg zum Bürgerkrieg?

Martin Lichtmesz / 54 Kommentare

"Der Anschlag von Pittsburgh und die Serie von Paketbomben" seien "für alle Politiker in den USA eine Mahnung, rhetorisch abzurüsten".

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Das meint Roland Nelles im Spiegel. "Sonst könnte die Lage außer Kontrolle geraten".

In Pittsburgh hat offenbar ein "weißer Nationalist" elf Juden in einer Synagoge erschossen, allesamt unbescholtene, alte Menschen zwischen 59 und 97 (!) Jahren; die "verhältnismäßig amateurhaften" Paketbomben waren unter anderem an George Soros, Hillary Clinton und Barack Obama addressiert, allesamt Leute, die garantiert eigenhändig ihre Post aus dem Briefkasten fischen.

Der 56jährige Absender Cesar Sayoc war ein mehrfach vorbestrafter, ziemlich schräger Vogel, ein ehemaliger männlicher Stripper, halb philippinischer, halb italienischer Abstammung, der sich zeitweise als Indianer ausgab und sein Auto mit Ku-Klux-Klan und Trump-Stickern gepflastert hatte. Angeblich war er von 1980-2016 als Mitglied der Demokratischen Partei registriert.

Der Attentäter von Pittsburgh, ein 46jähriger Weißer namens Robert Bowers, der sich momentan im Krankenhaus befindet, war Berichten zufolge ein unauffälliger, isolierter Eigenbrödler, der 21 registrierte Waffen gehortet hatte, und sich in den letzten Monaten auf der alternativen, zensurfreien Plattform gab.ai zunehmend einwanderungs- und judenfeindlich geäußert hatte. Deren Betreiber Andrew Torba wird deshalb heftig attackiert und der Mitschuld an dem Massaker bezichtigt; seine Netzseite mußte aufgrund von massivem Druck ihre Aktivität einstellen.

Bowers war, wohlgemerkt, kein Trump-Anhänger, nicht zuletzt wegen des stark pro-zionistischen Engagements des Präsidenten. In seinen Postings auf Twitter und Gab schrieb er:

Trump ist ein Globalist, kein Nationalist. Es wird kein #MAGA ("Make America Great Again") geben, so lange es eine Juden-Verseuchung gibt (kike infestation). (...) Trump hat in Charlottesville Amerikaner betrogen, indem er sie mit einem gewalttätigen Mob verglich. (...) Ich habe ihn nicht gewählt, noch habe ich jemals eine MAGA-Mütze besessen, getragen oder auch nur angefaßt.

Einen besonderen Zorn hegte Bowers auf die jüdische Pro-Flüchtlings-Organisation HIAS:

Es sind die dreckigen, bösartigen Juden, die dreckige, bösartige Muslime in das Land bringen! Stoppt die Juden und dann kümmert euch um die Muslime. (...) HIAS bringt gerne Invasoren herein, die unsere Leute töten. Ich kann nicht ruhig sitzen bleiben und zusehen, wie meine Leute abgeschlachtet werden.

Der Anschlag in Pittsburgh erinnert natürlich an das Massaker, das der damals 21jährige, ebenfalls von Rassenhaß getriebene Dylann Roof an schwarzen Kirchenbesuchern in Charleston im Juni 2015 (also noch unter der Obama-Regierung) verübte. Vergleichbare Taten fanden 2012 in Wisconsin  und 2017 in Quebec statt.

Allerdings gibt es auch in den USA eine "Hierarchie der Opfer", die nach  von "weißen Suprematisten" giert und vergleichbare Taten von Schwarzen an Weißen verschweigt oder deren rassischen Hintergrund herunterspielt.

Vom Rassenhaß getriebene Angriffe wie die Ermordung von fünf Polizisten durch einen schwarzen Heckenschützen in Dallas, Texas (2016), der ausdrücklich erklärte, er wollte »möglichst viele weiße Polizisten töten oder verletzen«, der Anschlag auf Polizisten durch einen »schwarzen Separatisten« in Baton Rouge, Louisiana (2016), der Amoklauf eines »Black Muslim« in Fresno, Kalifornien (2017) oder der Anschlag auf eine vorwiegend weiße Kirchengemeinde in der Nähe von Nashville, Tennessee (2017) durch einen Sudanesen, der Rache für das Massaker in Charleston nehmen wollte, bekamen deutlich weniger Medienaufmerksamkeit.

Von Polizisten getötete schwarze Kriminelle werden zu Märtyrern und Opfern eines "systemischen Rassismus" ernannt, während vergleichbare Fälle, in denen Weiße zu Opfern werden, kaum mediale Aufmerksamkeit bekommen.  Ebensowenig die zahllosen weißen Opfer von schwarzen Kriminellen (die Rate ist in absoluten und relativen Zahlen eklatant höher als umgekehrt) oder von antiweißem Rassenhaß, wobei ein großer Teil davon in den Statistiken nicht als "Haßverbrechen" verzeichnet wird - von denen wiederum etliche unter Schwindel oder Falschmeldungen zu verbuchen sind. (Allerdings mußte selbst CNN Ende 2017 berichten, daß antiweiße "hate crimes" rasant ansteigen.)

Ebenso werden die Opfer von illegalen Einwanderern bagatellisiert, wie im Fall Mollie Tibbets, der in der deutschen Presse nur am Rande erwähnt wurde, und wenn, dann nur um seine "Instrumentalisierung" durch Donald Trump anzuprangern. Ein Muster, das man nur zu gut auch in Deutschland (oder aktuell: Italien) kennt.

Und schließlich ist es kaum ein Jahr her, daß ein Amokläufer in Texas eine Baptistenkirche stürmte und 26 Menschen tötete. Die Opfer waren überwiegend Weiße, das Tatmotiv ist bis heute nicht geklärt, aber es gibt Hinweise, daß es sich um einen militanten Atheisten handelte. Sogenannte "mass shootings", aus welchen Motiven auch immer, sind in den USA nicht gerade eine Seltenheit. Wikipedia führt allein für das Jahr 2018 14 Einträge, diese Seite nennt noch etliche mehr.

Und nicht zuletzt sollte der Fall des 19jährigen Michael Ron David Kadar erwähnt werden, der sowohl einen israelischen als auch einen US-amerikanischen Paß besitzt. Er  verfaßte im Januar 2017 "dutzende" von rund 2,000 Bombendrohungen gegen jüdische Gemeinschaftszentren (JCC) in mehreren Staaten (darunter USA, Großbritannien, Australien), die von der zionistischen Anti-Defamation-League (ADL) ohne Beweis "rechten Christen" in die Schuhe geschoben wurden; andere Kommentatoren machten "Trump-Anhänger" dafür verantwortlich. Ein zweiter Täter, der im Zusammenhang mit diesen Drohungen gefaßt wurde, ist der schwarze Journalist Juan Thompson.  Was die beiden damit bezwecken wollten, bleibt unklar (Thompson wollte sich offenbar an einer Ex-Freundin rächen).


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Kommentare (54)

Maiordomus
2. November 2018 10:46

Diesen Beitrag werde ich in kopierter Form einem jüdischen Weggefährten schicken, dem nicht bekannt ist, dass ich mich auch in diesem rechten Portal zum Wort melde, weil hier nach meiner Auffassung und Überzeugung qualifizierte geistig-politische Debatten stattfinden und man durchaus noch auf einander "hört" und sich nach meinem Eindruck als im Prinzip lernfähig erweist. Gilt sogar hoffentlich für mich selber als alten Schulmeister.

Lichtmesz scheint mir als Analytiker und Publizist so gut, wie eigentlich jeder, der hier schreibt, sein müsste, wobei es aber zur logischen Verfasstheit des Begriffs "überdurchschnittlich" gehört, dass nicht jeder dieses Niveau erreicht.

ede
2. November 2018 13:13

Sie sind ein Solitär Herr Lichtmesz. Hervorragender Beitrag, danke dafür.

John Haase
2. November 2018 15:31

Zum Thema Juden vs. andere Juden schrieb vor ein paar Tagen der sehr lesenswerte amerikanische Blogger Z-Man.

http://thezman.com/wordpress/?p=15433

Solution
2. November 2018 18:50

Absolut treffender Überblick. Es steht dabei zu erwarten, daß nicht alle Weißen tatenlos zuschauen werden, wie sie zur Minderheit werden. Man kann nur hoffen, daß die kommenden Auseinandersetzungen nicht zu extrem werden. In dieser Situation wirkt Greg Johnsons neuestes Buch "The White Nationalist Manifesto" wie Öl ins Feuer und Tom Kawczynski nennt sein neustes Buch unverbümt "The Coming Civil War".

B. Breckert
2. November 2018 19:05

Irgendwo habe ich vor Monaten die Aussage gelesen, Rassismus wäre ein Menschenrecht.
So kurios sich das im ersten Augenblick anhört, so fundiert und menschengeschichtlich belegt ist es wohl aber dann doch.

"Gleich und gleich gesellt sich gern" oder "Gleiches zu Gleichem" hat wohl jeder einmal benutzt.
Letzten Endes ist der Kitt jeder Gesellschaft die Gleichheit bei Meinung und Aussehen der Individuen und gleichzeitiger Abgrenzung gegen Personen, die anders sind.
Völlig ohne Wertung und ungeachtet der jeweiligen Religionszugehörigkeit und Hautfarbe.
Man kann nur "drin" sein, wenn es ein "draußen" gibt.
Eine Gesellschaft ohne Grenze ist keine Gesellschaft, sondern eine amorphe Ansammlung von Personen, die sich gegenseitig zu nichts verpflichtet sind und oft nicht einmal die gleiche Sprache sprechen.

Herrn Lichtmesz' Ausführungen unterstreichen das, wenn er Tucker Carlson zitiert:
"In dem Maße, in dem Amerika rassisch immer vielfältiger wird, wird es unvermeidlich zu Brüchen zwischen weiteren Gruppen kommen. In einem tribalen System wird sich jede Gruppe im Krieg mit jeder anderen Gruppe wiederfinden. Es ist die vollkommene Pervertierung des amerikanischen Ideals: "Aus vielen, eines" wird zu "Aus einem, viele". Das ist die unglückliche, blutgetränkte Geschichte zahlloser Zivilisationen auf dem Erdball. "

Das Vermischen von Wasser und Öl führt, genau wie bei Ethnien, immer nur zu einer wenig langzeitstabilen Emulsion mit starker Tendenz zum Entmischen und ist kein freiwillig eingenommener Zustand der Elemente.
Daraus folgt, daß der linke Traum von der Einheitsmenschheit vielleicht par ordre du mufti durchgedrückt werden könnte, aber in gleichem Maße und auch gleichzeitig sich auf untergeordneten Ebenen Sekundärgesellschaften bilden würden.
Sekundärgesellschaften, die weitaus schärfere Grenzen und kulturelle Andersartigkeiten besäßen, als zwischen der heutigen Mainstreamkultur und den Parallelgesellschaften wie z.B. in Duisburg/Marxloh oder Köln/Kalk aktuell existieren.
Und das alles auf wesentlich tribalistischerem Niveau und entsprechender Gewaltbereitschaft.
Zustände, wie sie im deutschen Raum von den Germanenstämmen zur Römerzeit bekannt waren

Hadmut Danisch hat vor einiger Zeit einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Aussage tätigte, daß Staaten unter und über einer bestimmten Größe nicht funktionieren.
Das hat meiner Meinung nach viel mit Homogenität der Ethnien zu tun.
Amerika hat so lange funktioniert, wie es eine kulturell eindeutige Ausprägung und die Dominanz der Weißen hatte.
Jetzt beginnen die Verteilungskämpfe um den Leib des Leviathans.

Danke für den Beitrag, Herr Lichtmesz.

Der_Juergen
2. November 2018 22:09

Ich darf von mir behaupten, die politische Lage in den USA und insbesondere das hier debattierte Thema recht gut zu kennen. Besser, als es Martin Lichtmesz in diesem Beitrag tut, kann man die Problematik wohl kaum umreissen. Lichtmesz sei also ein weiteres Mal gratuliert.

Eine Bemerkung zu den europäischen Trump-Fans, für die ja auch Steve Bannon eine Art Mini-Messias ist. Es versteht sich von selbst, dass es zwischen amerikanischen und europäischen Nationalisten viele Berührungspunkte gibt (die radikale Ablehnung der Drittweltinvasion ist der sicherlich wichtigste), doch bestehen auch tiefgreifende Unterschiede. Trump ist und bleibt ein amerikanischer Imperialist, dessen Programm nicht deckungsgleich mit dem unseren sein kann. Weder haben wir einen Grund, für die Nato und die fortgesetzte Stationierung amerikanischer Besatzungstruppen in Deutschland zu sein, noch besteht für uns auch nur der geringste Anlass, Trumps und Bannons fanatische Unterstützung für Israel und ihre Feindschaft gegen den Iran zu kopieren. Der Iran hat uns nie etwas Böses getan; von schiitischen Terroranschlägen auf europäischem Boden hat man meines Wissens niemals gehört.

Und wer, wie die Leute von PI, wähnt, deutsche Patrioten fänden in Israel und dem Judentum Bundesgenossen, weil ja beide Seiten gegen den islamischen Extremismus seien, ist gründlich auf dem Holzweg. Wenn sich eine israelische Regierung oder eine jüdische Organisation zu innenpolitischen deutschen Fragen äussert, dann praktisch immer nur, um deutsche Patrioten mit Schmutz zu übergiessen und über "Rechtsextremismus" und "Neonazismus" zu plärren. Nach den letzten Bundestagswahlen forderte der Chef des Jüdischen Weltkongresses ein Verbot der AFD. Dass diese sich stramm proisraelisch gebärdet, nützt ihr kein bisschen, so wenig wie sein Scharwenzeln vor Israel Trump nützt: Drei Viertel der amerikanischen Juden sind gegen ihn.

Cacatum non est pictum
2. November 2018 23:21

"...

Beinart zieht jedenfalls eine radikale Schlußfolgerung:

Robert Bowers beschuldigte Juden, Muslime und Flüchtlinge in die Vereinigten Staaten zu 'bringen'. Ihm und all den anderen weißen Nationalisten, die Trump ermutigt hat, sollten wir antworten: Verdammt richtig. Wir werden eine humane Politik für Menschen fordern, die Zuflucht in den Vereinigten Staaten suchen, und wir werden jene Einwanderer verteidigen, die bereits hier sind, egal welcher Rasse oder welchen Glauben.

Das werden wir nicht nur tun, weil wir einst Fremde waren, sondern weil wir wissen, daß wir auf einer bestimmten Ebene, wie Lot [in Sodom], immer Fremde bleiben werden. Statt einen separaten Frieden mit Trump zu suchen, werden wir nach Verbündeten unter den Verachteten und Mißhandelten suchen. Und auf diese Weise werden wir nicht nur jüdische Ethik, sondern jüdisches Leben verteidigen ..."

Diese jüdische - nennen wir sie mal - Inklusionsstrategie ist ein Garant für fortdauernden Antijudaismus, der ja (unter der irreführenden Bezeichnung "Antisemitismus") pausenlos beklagt wird. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Eine Gruppe, die sich gegen die Mehrheitsgesellschaft abgrenzt und sich als ethnische Minderheit definiert, will die Majorität schwächen, indem sie die Einwanderung Fremder in deren Staatsgebiet forciert. Damit schwächt sie den Einfluß der Autochthonen und stärkt die eigene Position.

Diese Haltung ist nicht der geringste Grund dafür, daß ich dem jüdischen Volk keine besonderen Sympathien entgegenbringe (was früher durchaus anders war). Und man zeihe mich nicht der unzulässigen Verallgemeinerung, denn Lichtmesz hat nicht als erster herausgearbeitet, daß beträchtliche Teile des Judentums in der Einwanderungsfrage eben genau so denken. Das spiegelt sich auch in den Verlautbarungen der großen jüdischen Verbände wider, die Patriotismus ein ums andere Mal öffentlich rügen. Von den vielen jüdischen Prominenten, deren Aussagen die gleiche Stoßrichtung verfolgen - Friedman, Mounk und Konsorten - will ich gar nicht erst anfangen.

Auch in den Zionisten Israels, die sich radikal gegen Einwanderung wenden, erblicke ich keine Verbündeten per se. Denn ihre (legitimen) Anliegen beschränken sich eben auf den eigenen Staat, der historisch bedingt mit ganz spezifischen Problemen zu kämpfen hat und zudem in einer weit entfernten Region liegt.

"...

In dem Maße, in dem Amerika rassisch immer vielfältiger wird, wird es unvermeidlich zu Brüchen zwischen weiteren Gruppen kommen. In einem tribalen System wird sich jede Gruppe im Krieg mit jeder anderen Gruppe wiederfinden. Es ist die vollkommene Pervertierung des amerikanischen Ideals: 'Aus vielen, eines' wird zu 'Aus einem, viele'. Das ist die unglückliche, blutgetränkte Geschichte zahlloser Zivilisationen auf dem Erdball ..."

Diese Geschichte wird von den linksliberalen Nihilisten leider beharrlich geleugnet - auf daß sie ihre Bürgerkriegsexperimente ungestört fortführen können! Man bedenke, wie blutig das ehemalige Jugoslawien auseinandergebrochen ist, nachdem Titos eiserne Faust die einzelnen Volksgruppen nicht mehr zusammenzwang. Dabei waren die ethnisch-kulturellen Differenzen zwischen ihnen viel geringer, als es etwa jene zwischen den Stammeuropäern und den einwandernden Arabern und Afrikanern heute sind. Für die Zukunft verheißt das nichts Gutes.

Sandstein
2. November 2018 23:57

Habe jetzt paarmal gelesen wie sich hier jemand blendend mit den USA kennt, und dann im nächsten Satz schlussfolgert, es komme der Bürgerkrieg, ersatzweise wird ein anderes Horrorszenario heraufbeschworen.
Nichts davon wird passieren.
In den USA gab es 1919 Rassenunruhen in mehr als zwei Dutzend Städten, dann 1964 in New York, dann Watts, wenig später in Detroit. Martin Luther King wurde erschossen, Kennedy wurde erschossen. Was genau ist passiert? Gar nichts.

In den USA sterben jährlich knapp 30.000 Menschen durch Schusswaffengewalt. In den Ghettos bekriegen sich Afro-Gangs, in die jetzt Chicanos einbrechen und die Afros bekriegen und wenn sie Zeit finden auch noch sich selber. Die Maras sind hochaggressiv, kennen den Bürgerkrieg aus El Salvador und für die dürfte so ein Drive-By Shooting entspannt wie ein Kinobesuch sein.

Und was passiert in den USA? Gar nichts passiert.

Die USA sind praktisch seit 1945 und mit dem Erlangen der Weltherrschaft nach Zusammenbruch des Warschauer Paktes im Dauerkrisenmodus. Das war das Weströmische Reich aber auch für knappe 400 Jahre, bis es dann endgültig zerfallen ist.

Kann diese Bürgerkriegsanbetung nicht mehr hören. Auch Deutschland wird nicht in einen Bürgerkrieg gleiten. Das Leben hier wird halt deutlich unentspannter werden als wir es kennen, aber der Mensch passt sich an. Haben sich doch heute schon alle daran gewöhnt wie fast täglich Vergewaltigungen und Messerattacken gemeldet werden, juckt doch keinen mehr, jedenfalls sehe ich keine Massenbewegung.
Und es ist normal geworden, dass die Polizei immer häufiger die Schusswaffe einsetzt, in meiner Kindheit in den 90igern war das eine absolute Sensationsmeldung in den Nachrichten.

Natürlich verheißt die Zukunft nichts Gutes, und mich ätzt es genauso an. Nur wird der Durchschnittsmensch sich damit arrangieren und Wege finden, hat er schon immer getan. In Mexiko tobt seit Jahren ein wirklich abartig grausamer Drogenkrieg, da sterben mehr Menschen als im Irak. Und trotzdem leben die Mexikaner weiter, nur halt anders.

Ich sehe nicht, dass die USA in den nächsten 50 Jahren den Löffel abgeben, das kommt, aber das wird länger dauern. Also eher 100 Jahre. Dafür ist der technologische Vorsprung und die Perfidie ihrer Außenpolitik und Geostrategie zu perfekt.
Sind ja nicht ohne Grund dort wo sie sind.

Scheinen manche zu vergessen, dass diese Nation nach wie vor in allen wichtigen, ich betone, in allen wichtigen Technologien und Wirtschaften führend ist.
Die im Pentagon juckt doch nicht, ob irgendwo in Compton ein Crip einen Blood erschießt, oder die Mara Salvatrucha in paar Blocks Schutzgeld einsammelt. Das große Ganze läuft weiter.
Wie bei uns...

Franz Bettinger
3. November 2018 03:42

@Jürgen: Ihr Beitrag ist wie immer eine Bereicherung!
@Breckert: Einverstanden! Mit vielem, was Sie sagen. Ein Recht auf Rassismus? Kommt drauf an, wie man den Begriff definiert. Rassen erkennen und anerkennen? Nichts leichter als das! Sie bewerten? Das macht jeder, z.B in: "Schwarze kriegen seltener einen Sonnenbrand." Dass sich Rassen gegenseitig pauschal abwerten? Davon halte ich nichts. Jede Rasse hat biologische und kulturelle Vor- und Nachteile. Linke können nicht mehr mit Worten umgehen. Ihre wenig geprüften, Waschbrett-harten Hirne kennen nur letztere Definition. Daher kann man mit ihnen nicht reden. Sorry für den knappen Populismus.

@Sandstein: interessanter Blickwinkel und eine vielleicht wahre Prognose. Seltsam, wie sich nach dem Bürgerkrieg gesehnt wird! Aber wenn er dann mal da ist? Dann laufen sie davon. - Bürgerkrieg? Das sind immer die anderen. Die holen uns die Kartoffel aus dem Feuer. Echt? - Deep state weiß längst, wer ihm wirklich gefährlich werden könnte und hat vorgesorgt. Stauffenbergs würden es sehr sehr schwer haben.

@ Majordomus: Lernfähig? Da Sie im Noten-Geben und Kleinwerten so groß sind, erklären Sie mal, was ein Vulgär-Wissenschaftler ist. (Das warfen Sie mir gestern vor.) So etwas wie ein Populist? Einer, der die Dinge verständlich auf den Punkt bringt? Dann bin ich gern einer. Der verehrte Joachim Fernau war / ist in Ihrer Diktion dann ein Vulgär-Hostoriker? - Der Rest ist off topic, aber es kitzelt mich:

Sie schrieben ferner: "Damals hielt ich irrtümlicherweise das Dasein Gottes für beweisbar". Voilà, heute wissen Sie es besser, wenigstens was Gott betrifft. - Worin soll der Fortschritt der Philosophie seit Platon denn liegen? Es gibt keinen. Ein Populär- oder (wie Sie sagen würden) Vulgär-Wissenschaftler fand, eine einleuchtende Verknüpfung zur Welt der Computer. Der Neurologe und Psychiater Prof. Hoimar von Ditfurth, der sich immer gegen Aberglauben, Kreationismus und Anthropo-Morphismus stark machte, schrieb sinngemäß: Stellt man einem Computer, der nur addieren und subtrahieren kann, eine Aufgabe, die nur mit Wurzelziehen zu lösen wäre, findet die Maschine nicht nur die Lösung nicht; sie sieht auch nicht ein, dass es für sie keine Lösung gibt, und rechnet ewig weiter, bis man ihr den Stecker zieht. Und so begreift auch der Mensch nicht, dass er über seinen Kern und Rahmen, die ihn ausmachen und zusammenhalten, nichts weiß, nichts wissen, nichts finden und nie etwas erfahren kann. Höchstens (wie es bei Schwarzen Löchern ist) durch indirekte Nachweise. Kurz: H. v. Ditfurth hielt wie Platon die Erkenntnis der Wahrheit für unmöglich. Der große Mann bemerkte angesichts des Anwachsens der Weltbevölkerung auch, dass jeder, der nur die Hungernden sättigen, jedoch keine Geburtenkontrolle will (darunter Abtreibung, ja, meine Damen und Herren), die Leichenberge von morgen nur weiter anwachsen lässt. Ditfurth war für mein Leben so wichtig wie Nietzsche und Joachim Fernau. Ich empfehle wissensdurstigen jungen Menschen, lieber Aristoteles und Co. links liegen zu lassen und sich stattdessen mit diesen Populär-Wissenschaftlern intensiv zu beschäftigen. Habe die Ehre!

Benno
3. November 2018 14:48

Äusserst interessanter und lehrreicher Artikel von Martin Lichtmesz. Ein zwei Anmerkungen seien erlaubt. Wenn Tenenbom die amerikanischen Juden als „vorwiegend linksliberal und vorwiegend pro-palästinensisch eingestellt, dem Staat Israel eher kritisch bis ablehnend gegenüberstehend“ beschreibt, dann liest sich das fast so, wie wenn nur Juden mit republikanischen Neigungen vorbehaltlos hinter Israel stünden, was natürlich nicht der Realität entspricht, weil die amerikanische Unterstützung für Israel dann beinahe zwangsläufig unter jeder demokratischen Legislaturperiode zusammenbrechen würde, was, wie mir scheint, nicht der Fall ist. Natürlich gibt es auch unter linksliberalen amerikanischen Juden massive Israel Unterstützer. Ein Prominentes Beispiel wäre der auch in Deutschland nicht unbekannte Haim Saban. Er unterstützt die Demokratische Partei schon seit Jahren und insbesondere die Clintons mit Millionen von Dollars. Er bezeichnet sich selbst als links, was ihn aber nicht davon abhält, überzeugter Zionist zu sein und obwohl ihm auch die israelische Rechte nicht immer sonderlich sympathisch ist, gibt er zu, dass er, wenn es um die Sicherheit Israels ginge, mittlerweile manchmal sogar den rechten israelischen Politiker Avigdor Lieberman rechts überholt.

Das amerikanische Judentum ist, wie das weltweite Judentum, kein monolithischer Block, ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass sich die Spaltung „scharf manifestiert“, zumindest nicht so scharf, wie das bei uns der Fall ist. Lichtmesz schreibt richtigerweise von Grauzonen, Überschneidungen usw., allerdings frage ich mich schon, wie stark die Gegensätze wirklich sind, wenn dann pars pro toto Soros und Adelson für die Gallionsfiguren beider Lager genannt werden. Soros ist ein knallharter Internationalist, Adelson aber kein knallharter Nationalist (oder zumindest kein amerikanischer Nationalist), denn er ist für die Amnestie der 11 Millionen Illegalen, wenn auch *nur" aus realpolitischen Überlegungen, wie er sagt. Interessant ist aber, dass er genauso wie die Linke mit dem Lazarus Zitat auf der Freiheitsstatue argumentiert, welches Lichtmesz im obigen Artikel zitiert hat und die Motivation der Illegalen eigentlich lobt: „Most of the immigrants who are here illegally came for the same reason as those who are here legally—a chance to make a better life for themselves and their families. […]Let’s start by instituting a process in which all undocumented immigrants receive permits to legally work here.“ (Sheldon Adelson) Das unterscheidet sich in meinen Augen nur um Nuancen von Soros Politik. Letzter gäbe ihnen wohl gleich die Staatsbürgerschaft.

Viele linke amerikanische Juden schätzen Trump offenbar völlig falsch ein. Wäre er wirklich Ethnonationalist, wie einige behaupten, dann würde die Unterstützung für ihn von sogenannt rechten Juden dahinschmelzen wie der Schnee in diesem Sommer.

Maiordomus
3. November 2018 15:38

@Benno. Ohne die Unterstützung von rechten Juden könnte sich Trump wohl fast unmöglich an der Macht halten; das ist keine irrationale Theorie über die Macht der Juden in den Vereinigten Staaten, auf welche Adenauer zwar bereits 1952 am deutschen Fernsehen als unvermeidliche reale Basis für Wiedergutmachung aufmerksam machte, sondern schlicht ein Hinweis darauf, dass noch kein Präsident in der Geschichte der USA vergleichbar gegen so mächtige Medien der Weltmeinung regieren musste wie Trump und sich bisher trotzdem einigermassen an der Macht halten konnte; was ohne einige zuverlässige Verbündete nicht möglich werden konnte; fragt sich nur, noch wie lange. Erstaunlich ist, dass er nicht schon ermordet wurde. Zu seinen faktisch mächtigsten Verbündeten gehört aber die republikanische Israel-Lobby, die sogar auch Bestandteil seiner Familie ist. Auf eine ähnliche Lobby setzt auch der neue brasilianische Präsident, der bereits angekündigt hat, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen.

Benno
3. November 2018 17:32

@Maiordomus Da widerspreche ich Ihnen nicht und Ihre Aussage widerspricht auch nicht meiner Feststellung. Natürlich stützt sich Trump nicht auf eine "irrationale These über die Macht der Juden" in den USA, sondern auf die real existierende Macht jüdischer Kreise in den USA.

Ruewald
3. November 2018 17:47

@Benno, @Maiordomus, et al.
The jewish stategy: "think tribal - speak universal"
(G. Atzmon, The wandering Who?). -
Um die vielen, oft widerstreitenden Strömungen unter einen Nenner zu bringen, worauf hier nicht näher eingegangen werden kann, aufschlußreich von demselben Autor: Being in Time - a post-political manifesto, pp. 187 ff, The final piece in the jigsaw.

heinrichbrueck
3. November 2018 18:21

"Medien der Weltmeinung" / @ Maiordomus

Trump wäre ohne Hilfe der Medien nicht Präsident geworden. Er war der gesetzte Kandidat, nicht seine Kontrahentin. Die Medien fuhren zwar polarisierende Hetze, aber keine vernichtende. Kurz vor der Wahl wurde der Unterschied deutlich, als gegen Clinton ein Kinderschänderskandal die Runde machte, danach sehr schnell in der Versenkung verschwand. Außerdem war Clinton nicht die gesündeste Kandidatin, in einigen Videos läßt sich sogar auf eine Gehirnschädigung schlußfolgern. Trump ist kein veritabler Charakter. Da sind bestimmt einige Erpressungsmöglichkeiten in der Schublade, wie bei jedem Politiker in seiner Position. Was mit Trump geplant ist, wird sich zeigen. Wofür Trump steht, könnte in einer Art und Weise diskreditiert werden, daß der gesamten Anhängerschaft, die zumeist weiß ist, das Genick leichter gebrochen werden kann.

Nath
3. November 2018 22:28

Vorbemerkung:
Da mein Beitrag sich als zu lang erweist, habe ich ihn aufgeteilt. Beide Teile sind aufeinander bezogen, können aber auch für sich gelesen werden.
1
Herrn Lichtmesz' Artikel über die Situation in den USA gibt mir Gelegenheit, einen Gedankengang wieder aufzugreifen, den ich vor etlichen Monaten bereits einmal hier vorstellte, vor allem angesichts der Tatsache, dass die prekäre "Sache des weißen Mannes" in Amerika gleichsam pars pro toto für die gesamte westliche Menschheit steht.
Der Triumph der USA als Weltmacht Nummer 1 kann mit Recht auch als finaler Triumph der imperialen Bestrebungen eben jenes weißen Mannes betrachtet werden, der jetzt in Gestalt von Trump-Wählern und Neurechten seine Felle davonschwimmern sieht. Bevor man die äußerst virulente Frage behandelt, ob und inwiefern der "US-Imperialismus" der Nachkriegszeit eine folgerichtige und wirkungsvollere Fortsetzung der voherigen kolonialistischen Politik der europäischen Führungsmächte darstellt, sollte man zunächst auf den heiklen Anfangspunkt der Inbesitznahme durch die Weißen und der anschließenden Staatsgründung in diesem Weltteil zu sprechen kommen. Um einmal - noch diesseits aller möglichen apologetsichen Reflexion stehend - mit der empfindungsmäßigen Frage anzuheben: Was hatten "wir" (die Weißen) dort zu suchen? - Nichts.
Wir beklagen das pöbelhaft-unverschämte Verhalten heutiger außereuropäische Einwanderer in die USA oder nach Europa und stellen nicht zu Unrecht fest: Dies kommt faktisch einer Invasion gleich. Wie würde denn aber, entsprechend unseres vermeintlichen zivilisatorischen Vorsprungs, der ja auch damals bereits behauptet wurde, ein angemessenes Verhalten gegenüber den "schon länger dort Lebenden" (den Indianern) ausgesehen haben? Nun vielleicht so (und wünschten sich nicht viele moderne Identitäre, so wäre es tatsächlich gewesen?):
Man kommt dort an, man stellt fest, es sind Einheimische da, betrachtet sich ihnen gegenüber zuallererst als Gast und verhält sich demenstprechend. Man sucht vielleicht Kontakt zu den Häuptlingen der verschiedenen Indianerstämme, bringt Geschenke mit und fragt um Erlaubnis, sich dort anzusiedeln. Man fragt nach, ob und in welchem Ausmaß es möglich sei, bestimmte Gebiete des riesigen Landes zwecks einer späteren Staatsgründung zu besiedeln, versichtert sich des Einverständnisses der Autochtonen und stellt diesen in Aussicht, sie im Gegenzug an den kulturellen Errungenschaften des Westens teilhaben zu lassen, getreu dem alten Motto, "do, ut des". All dies vollzieht sich, was die Weißen anbetrifft, in einer grundsätzlichen stimmungsmäßigen Haltung der Dankbarkeit Es kommt schließlich zu irgendeiner Art von Einigung zwichen den Roten und Weißen, worauf sich in den nächsten Jahrhunderten ein kulturell-ökonomischer Austausch vollzieht, von welchem beide Seiten profitieren...

Hätte es sich so oder so ähnlich abgespielt, wäre es um das "moralische Selbstwertgefühl" des weißen Mannes besser bestellt als es ist, von der geistig-moralisch-technischen Überlegenheit gegenüber "vorzivilisatorischen" Kulturen ganz zu schweigen.
Die Tatsache, dass es anders kam, mag nun manche, (nicht nur die, welche möglicherweise einen nietzscheanischen Lachkrampf kaum unterdrücken können) dazu veranlassen, die imperialen Grundtendenzen geschichtsbildender Kulturen post factum anzuerkennen und ihre wichtige Bedeutung innerhalb eines kontinuierlichen humanen Fortschritts in den Vordergrund zu stellen. Die Frage ist jedoch, was für uns Heutige daraus folgt. Vor allem aber darf, um auf Nord- und Südamerika zurückzukommen, die Tatsache nicht unberücksichtigt bleiben, dass hier die Agression der Usurpatoren eine neue historische Stufe erreichte. Die großen Imperatoren, welche etwa Indien (Ashoka), Mazedonien (Alexander) und Rom (Caesar) hervorbrachten, waren in ihren Eroberungsfeldzügen zum Teil grausam vorgegangen, und auch ihre Nachfolger zeigten in der Folge wenig Milde, wenn es darum ging, etwaigen Widerstand brutal zu unterdrücken (z.B. die Zerstörung Jerusalems), doch wären die unter ihrer Führung zur Vorherrschaft gelangten Völker nie auf die Idee gekommen, sich selbst in so großer Zahl in Kleinasien, Ägypten, Gallien oder Germanien anzusiedeln und den dort lebenden Völkern ihr Lebens - und Existenzrecht streitig zu machen, wie es später in Nord - und Südamerika mit den Indianern tatsächlich geschah. (Dass dies natürlich veränderte historische Bedingungen zur Voraussetzung hatte, ist klar, ändert aber an der Tatsache nichts.) Wichtig ist festzustellen, das eigentliche Skandalon begab sich lange vor der Verbringung afrikanischer Negersklaven in die "neue Welt". (Schon letztere Bezeichnung verrät eine ungeheurliche Missachtung der bloßen Existenz eines anderen Volkes: neue Welt für wen?) Die faktische Ausrottung der Indianer (ein vesprengter Haufen von ihnen lebt ja noch heute) war ein Kollateralschaden, den die Europäer mehr volens als nolens billigend in Kauf nahmen. Dass es während dieser ganzen Periode nicht an rechtstheoretischen, teilweise sogar philosophischen Rechtfertigungsversuchen gefehlt hat hat (z.B bei Hegel), vermag nur denjenigen zu verwundern und zu bestürzen, welcher den blinden Fleck selbst bei den gößten Geistern nicht mit "auf Rechnung" hat. (In Südamerika waren bei den naturrechlichen Begründungen der Landnahme besonders die jesuitischen Rechtsgelehrten äußerst eifrig, was nebenbei ein besonderes Licht auf die katholische Naturrechtslehre wirft.)
Was bei der Neu-Besiedelung Amerikas geschah, war also in der Tat eine besondere Eskalationsstufe innerhalb der Historie der Grausamkeiten, welche Völker einander zufügen. Sie ließ die Verwerfungen, zu denen es bei anderen Kolonisierungen kam, weit hinter sich. Eine in diesem Forum kürzlich zu lesende Aussage, wonach in Washington bereits vor langer eigentlich ein "Denkmal der Schande" hätte errichtet werden müssen, zur Erinnerung an das Unsägliche, was den Indianern von den Weißen angetan wurde, ist daher sehr nachdenkens- und begrüßenswert.

Simplicius Teutsch
3. November 2018 22:41

@Lichtmesz. Eine tiefgründige Darstellung der politischen Situation in Amerika, der ich als entfernter Zuschauer (z.B. CNN) nur zustimmen kann. Aber wer bzw. wie viele sonst in Deutschland haben dieses Hintergrundwissen? Ein Prozent?

Zwei Jahre ist Donald Trump nun schon im Amt als Präsident der USA. Und man hat ihn immer noch nicht umgelegt (@maiordomus). Damals gleich nach der Wahl habe ich mich diebisch gefreut, dass er es den Demokraten, CNN (Clinton Network News) und dem Merkelregime in Deutschland gezeigt hat. Aber zu einer moralisch empörten Kollegin, die nicht fassen konnte, wie die Amerikaner diesen dummen, rassistischen, sexistischen, frauenfeindlichen Klimaleugner, Wallstreetvertreter und Steuerhinterzieher Trump wählen konnten, habe ich entschärfend gesagt, dass Trump halt ein „eitler Prahlhans“ und „Aufschneider“ ist, man dürfe das alles nicht so ernst nehmen, was er so locker von sich gibt, und der nur gewinnen konnte, weil er die arrogante, für viele unerträgliche Hillary Clinton mit ihrem vergreisten Gatten als Gegenkandidatin gegen sich hatte.

Mittlerweile ist trotz oder wegen meinem beiläufigen CNN-Konsum (= permanentes Trump-Bashing around the clock) meine Achtung für diesen Mann (und seine Ehefrau und seine Tochter) sehr gestiegen. Ich bewundere mittlerweile, wie er es bei der geballten, hasserfüllten Gegnerschaft und den ständigen Intrigen gegen ihn zustande bringt, sich bisher so tapfer an der Macht zu halten. Er gibt einfach nicht klein bei, er ist unglaublich aktiv, und er scheint sogar stärker zu werden. Seine eigenartige Gestik zu sprechen und ständig im Wahlkampf-Modus aufzutreten, nervt mich überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil. Ich weiß, dass er all seine Feinde damit zur Weißglut treibt. Und seine Anhänger wissen das auch, wenn sie ihm frenetisch zujubeln.

CNN inklusive seiner ausgewählten Interviewpartner, Reporter und Analysten ist ein Hetzsender gegen den US-Präsidenten Trump, eine Giftschlangengrube von scheinbar das Gute wollenden Bessermenschen, die in New York ganz oben auf dem hohen moralischen Ross sitzen, Trump täglich und stündlich als den schlimmsten, lächerlichsten und gefährlichsten Lügner aller Zeiten hinstellen und es nicht fassen können, dass Trump sie ebenso verächtlich behandelt, wie sie ihn behandeln und die daher ihren eigenen Hass auf Trump und seine Anhänger reziprok jenen (zurecht) unterstellen. Der Hass ist ohne Frage auf beiden Seiten sehr tief sitzend und ansteigend.

Die Trump-Wähler und seine Anhänger sind nicht dumm, sie durchschauen grundsätzlich das verlogene politische Spiel. Es geht um die Macht. Und wenn es auch noch so dreckig ist, sie wollen jedenfalls die Demokraten und einen durch und durch einseitigen, also verlogenen Nachrichtensender, wie z.B. CNN, nicht gewinnen lassen. Wer weiß, wie es ausgeht?

@heinrichbrueck: „Trump wäre ohne Hilfe der Medien nicht Präsident geworden.“
Natürlich braucht Trump mediale Unterstützung, Twitter Tweets alleine reichen nicht, helfen ihm aber enorm. Es sind direkte Verlautbarungen des Präsidenten, an denen niemand vorbeikommt. Doch anders als bei uns in Deutschland gibt es in Amerika offensichtlich einen relativ großen medialen Resonanzraum (z.B. Fox News), der nicht durch die linken Mainstreammedien beherrschbar ist.

Fredy
3. November 2018 23:06

Lichtmesz ist das Beste was Sezession zu bieten hat. Sehr gute, differenzierte Analyse. Allein mit dem Bürgerkrieg halte ich es wie @Sandstein. Es wird ihn nie geben

Cacatum non est pictum
3. November 2018 23:08

@Sandstein

"Habe jetzt paarmal gelesen wie sich hier jemand blendend mit den USA kennt, und dann im nächsten Satz schlussfolgert, es komme der Bürgerkrieg, ersatzweise wird ein anderes Horrorszenario heraufbeschworen ...

...

Kann diese Bürgerkriegsanbetung nicht mehr hören. Auch Deutschland wird nicht in einen Bürgerkrieg gleiten ..."

Wo beginnt der Bürgerkrieg, wo endet das dysfunktional-gewaltaffine Gemeinwesen? Sind das zwei Zustandsbeschreibungen, die zwingend aufeinanderfolgen und sich also abstufen lassen? Oder kann man beides voneinander trennen? Ist es möglich, daß ein niedrigschwelliger Bürgerkrieg weniger grausam ist als das Leben in einem gescheiterten Staat, dessen Überreste sich die skrupellosesten und gewalttätigsten Mafiagruppen einverleiben? (Sie führten ja das Beispiel Mexiko an; ich würde auch Brasilien nicht unerwähnt lassen, wo die Gewaltkriminalität ein Ausmaß erreicht zu haben scheint, das über die Vorstellungskraft des gemeinen Europäers weit hinausreicht; beide Staaten befinden sich nach offizieller Lesart seit Jahrzehnten nicht mehr im Bürgerkriegszustand, obgleich die Schwelle dazu in bestimmten Regionen zu gewissen Zeiten wahrscheinlich überschritten worden ist.)

Ich frage nicht als Besserwisser und weiß selber keine sichere Antwort zu geben. Aber gelegentlich denke ich über diese Fragen nach. Ich meine, daß die Zutaten für Bürgerkriege vielerorts vorhanden sind. Ohne die geht es nicht. Aber erst recht wird kein Bürgerkrieg ausbrechen, wenn nicht im Hintergrund jemand ist, der die Zutaten gekonnt zusammenmischt. Ich nenne mal Stichworte: geopolitische Interessen, nachrichtendienstliche Infiltrierungen (wenn nicht gar Gründungen), Waffenlieferungen an potentielle Kriegsparteien (ganz wichtig in jedem bewaffneten Konflikt: die Rüstungsindustrie als Profiteur!), Berichterstattung der Massenmedien.

Kurz gesagt: Der Ausbruch eines Bürgerkrieges hängt meines Erachtens viel weniger an der Bereitschaft der Konfliktparteien als an der Frage, ob eine solche Eskalation von interessierten Kreisen gewollt ist. Ein Weg, zwei oder mehr miteinander verfeindete Gruppen aufeinanderzuhetzen, wird sich immer finden. Daraus folgt, daß manche Staaten eben jahrzehntelang im Chaosmodus vor sich hin dümpeln (Brasilien), während andere Pulverfässer bürgerkriegsartig explodieren (Jugoslawien, wo nicht nur die Zutaten vorhanden waren, sondern raumfremde Mächte aus strategischem Interesse ein tödliches Gemisch anrührten).

Verstehen Sie dieses Gedankenkonvolut nicht als Welterklärungsversuch, sondern als Anregung für eine Debatte. Und ob unser Vaterland in einen Bürgerkrieg stürzt oder vom Siechtum der fortschreitenden Dysfunktionalität erfaßt wird - beide Aussichten sind alles andere als rosig.

Michael B.
4. November 2018 10:52

> Trump wäre ohne Hilfe der Medien nicht Präsident geworden.

Das ist mir weder zu diesem Zeitpunkt noch danach aufgefallen, ausser in Form eines gewissen Streisandeffekts. Im Gegenteil:

https://www.youtube.com/watch?v=3kDHYkeMIm4

Benno
4. November 2018 13:14

@Nath
" Eine in diesem Forum kürzlich zu lesende Aussage, wonach in Washington bereits vor langer eigentlich ein "Denkmal der Schande" hätte errichtet werden müssen, zur Erinnerung an das Unsägliche, was den Indianern von den Weißen angetan wurde, ist daher sehr nachdenkens- und begrüßenswert."

Ein Satz wie ihn wohl (fast) nur ein Deutscher in die Tastatur hauen kann.

ML: Ich finde das auch sehr kurzsichtig.

Im Übrigen gebe ich Ihnen den Rat, Geschichte aus der Zeit heraus verstehen zu wollen, ansonsten kann man sie nämlich gar nicht verstehen. Es ist auf alle Fälle wenig zielführend, die Besiedlung der USA, respektive der Neuen Welt, "USA" ist in dem Fall ja ein Anachronismus, da dieser Staat erst durch Europäer geschaffen und gegründet wurde, mit der ethnopluralistischen Linse der Identitären betrachten zu wollen.
Übrigens haben bspw. die Türken sich selbst in grosser Zahl in Kleinasien niedergelassen, wie schon die Griechen ihre Kolonien an der kleinasisatischen Küste gegründet haben. Was folgt daraus für die Türken? Sollen die nun ein "Denkmal der Schande" in Ankara aufstellen? Ihr Beitrag strotzt nur so vor falschen Schlüssen und Vergleichen. Sei es, dass sie schon bei den ersten Siedlern eine spätere Staatsgründung vorwegnehmen, die keinesfalls geplant war, oder dass sie die Kolonisierung und Eroberung der Neuen Welt mit der Einwanderung ethnisch- und kulturell Fremder in unsere Sozialsysteme vergleichen.
Die Besiedlung Amerikas lässt sich nun wirklich nicht mehr rückgängig machen, das einzige was Sie tun ist das moralische Recht der Weissen zu untergraben, das Land zu verteidigen, welches sie geschaffen haben.

RMH
4. November 2018 13:28

Einen offenen Bürgerkrieg mit Straßenbarrikaden und dem Einsatz regulärer Truppen im großen Stil gegen Insurgenten wird es meiner Meinung nach in den USA nicht geben - darauf haben hier ja auch andere schon zu recht hingewiesen. Es wird eben anders laufen, mit anderen Mitteln und Methoden, die weniger offensichtlich und weniger spektakulär sind, im Ergebnis aber ist es eine ähnliche Situation wie in einem Bürgerkrieg.

Einen Lustgewinn an dem derzeitigen Entstehen eines solchen Szenarios kann ich übrigens weder beim Verfasser des Artikels noch an den Debattenteilnehmern hier erkennen, aber welches andere Wort sollte man für diese Zustände verwenden als Bürgerkrieg?
Mikrobürgerkrieg? Herausbildung von reservat-artigen Anarcho-Clustern, wie sie regelmäßig auch in Dystopien beschrieben werden (Brave New World - die "Wilden", Fahrenheit 451 - die Dissidenten Auswendiglerner im Wald, im Film bspw. "Die Klapperschlange" von J. Carpenter - Manhattan als einziger, großer Knast )?

Richtige, militärisch erkennbare Bürgerkriege, wie bspw. in den arabischen Ländern (Libyen, Syrien, Jemen) finden offenbar immer dann statt, wenn Mächte außerhalb dieser Länder sich dazu entschieden haben, Gruppen, Rebellen etc. - und wie im Falle Syriens auch den bisherigen Machthaber - zu unterstützen. Das sehe ich für die USA nicht, da deren militärisch industrieller Komplex nach außen und auch nach innen zu stark ist und im inneren regelt sich zudem gerade auch durch die Bewaffnung von fast allen vieles von alleine bzw. gibt es hier eine Art von Gleichgewicht (was aber auch nicht gerade friedlich ist - könnte man diesen Zustand als "kalter Bürgerkrieg" mir vereinzelten "heißen" Ausbrüchen beschreiben?).

Wie sieht es aber in Deutschland aus? Vergessen wir nicht, dass die USA nach wie vor eine Art von Avantgarde in vielen Bereichen darstellt und gesellschaftliche Entwicklungen dort in aller Regelmäßigkeit sich auch bei uns, wenn auch manchmal mit etwas zeitlicher Verzögerung, sich früher oder später auch einstellen werden. Aus diesem Grund ist der Blick nach USA immer richtig und wichtig.

Wir hier in Deutschland sollten es nicht als komplett abwegig halten, dass anders als in den USA, ein richtig heißer Bürgerkrieg bei uns passieren könnte. Es müsste sich nur ein Staat (oder Staaten) finden, der Interesse daran hat und der die geheimdienstlichen und militärischen Mittel hat, hier Gruppen auszustatten und zu unterstützen und schon könnte es in Teilen dieses Landes recht hart zur Sache gehen. Der zivilisatorische Kitt ist dünner, als mancher evtl. meint und gerade unsere deutsche Geschichte zeigt, dass man sehr gerne auf unserem Territorium Kriege führt (warum sollte das heute groß anders sein?). Das ist jetzt natürlich reine Spekulation, da ich kein Land kenne, welches derzeit auch nur einen "pommerschen Grenadier" für Deutschland einsetzen würde, geschweige denn, Waffen in das Land einsickern zu lassen. Sollte das aber jemals der Fall sein, werden wir erleben, dass unser Staat in seiner derzeitigen Verfasstheit erstaunlich lange brauchen würde, um hier überhaupt etwas dagegen setzen zu können. Anders als die USA haben wir keine Nationalgarde (deren schlechtere Ausrüstung für inländische Auseinandersetzungen allemal langt) und keine starke Armee sondern nur kaputt gesparte Einheiten und frustrierte Polizisten. Wie auch immer, dass sollte nur ein Gedankenanstoß sein, mehr nicht.

Das mit Minderheiten bzw. den verschiedenen Teilen und Ethnien unserer Bevölkerung politisch gerechnet und "gespielt" wird, ist auch in Deutschland eine offenkundige Tatsache und keinerlei "Verschwörung". Die Migrationslobby in Deutschland ist richtiggehend scharf darauf, dass die Mehrheitsverhältnisses bei uns endlich kippen, wie sich bspw. an dem aktuellen Artikel zu Hessenwahl der Migrationslobbyistin Foroutan zeigt, in dem sie am Ende triumphierend schreibt:

"Aber die gute Nachricht ist: Die Entwicklung lässt sich nicht zurückdrehen. Man kann nichts daran ändern, dass 37 Prozent aller Schulkinder heute einen Migrationshintergrund haben. In spätestens zwölf Jahren gehen diese Kinder wählen."

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutschland-wie-waehlen-menschen-mit-migrationshintergrund-a-1235914.html

Dazu ist anzumerken, dass bereits Sarrazin offenbar zu Recht zu dieser Dame anmerkte, dass sie nicht so richtig mit Zahlen kann. Denn wenn man ihren Ausführungen konsequent folgt, wird die von ihr gehasste AFD deswegen nicht weniger Stimmen bekommen (sondern eher mehr), da ja die von ihr in ihrem Artikel en passant pauschal als rassistisch diffamierten Russlanddeutschen und Osteuropäer, die nach dem Artikel im hohen Maße AfD gewählt haben sollen, ja auch einen recht hohen Anteil unter den von ihr genannten 37% der Schulkinder mit Migrationsanteil stellen (in meiner bayerischen Heimatgemeinde stellen diese Kinder sogar die Mehrheit in den Grundschulklassen, denn diese Kreise gründen noch Familien und bekommen Kinder).

PS: Bitte das leichte Abschweifen zu entschuldigen.

Andrenio
4. November 2018 15:55

Das Ende des Landfriedens kann schneller kommen, als einem lieb ist. Man braucht nur ein paar Scharfschützen, die sowohl Ordnungskräfte, als auch Demonstranten erschiessen, dann stürzen auch gewählte Regierungen sehr schnell (siehe Maidan).

Wenn kein Bürgerkrieg in den USA droht, warum rüstet die Polizei militärähnlich auf?

Wenn kein Bürger mehr dem anderen traut, wo ist dann die zivilgesellschaftliche Barriere, die verhindert, dass das Recht des Stärkeren sich rasch durchsetzt?

Ergon
4. November 2018 16:45

@Benno Ob es sich bei Nath (Kurzform von Nathan?) um einen Deutschen handelt sei dahingestellt, zeitgenössische Kritik u.a. an der Besiedlung Amerikas von einem Deutschen gab es immerhin, nämlich von Kant, der in seiner Schrift "Zum ewigen Frieden" (1796) folgendes notierte:

"Vergleicht man hiemit das inhospitale Betragen der gesitteten, vornehmlich handeltreibenden Staaten unseres Weltteils, so geht die Ungerechtigkeit, die sie in dem Besuche fremder Länder und Völker (welches
ihnen mit dem Erobern derselben für einerlei gilt) beweisen, bis zum Erschrecken weit. Amerika, die Negerländer, die Gewürzinseln, das Kap etc. waren, bei ihrer Entdeckung, für sie Länder, die keinem angehörten; denn die Einwohner rechneten sie für nichts. In Ostindien (Hindustan) brachten sie, unter dem Vorwande bloß beabsichtigter Handelsniederlagen, fremde Kriegesvölker hinein, mit ihnen aber Unterdrückung der Eingebornen, Aufwiegelung der verschiedenen Staaten desselben zu weit ausgebreiteten Kriegen, Hungersnot, Aufruhr, Treulosigkeit, und wie die Litanei aller Übel, die das menschliche Geschlecht drücken, weiter lauten mag."

Die Ratlosigkeit des amerikanischen Judentums in der Bewertung Donald Trumps, die sich im Spannungsverhältnis von hysterisch ausgelebter Feindschaft bis hin zu offenen Sympathiebekundungen zeigt, ist für mich nicht überraschend, auf mich wirkt er ebenfalls schillernd und enigmatisch, auch in seinem einer Hassliebe gleichenden Verhältnis zu Deutschland, und reziprok dem gestörten Verhältnis vieler Deutscher zu ihm. Folgt man der Interpretation der Welt, die in einem Artikel über den Transatlantiker Michael Stürmer meinte, Trump ermögliche das Ausleben des stets unter der Oberfläche gärenden deutschen Antiamerikanismus, so spiegelt das Verhältnis zu ihm das deutsche Verhältnis zu Amerika insgesamt wieder. Der Artikel ist auch ein Beleg dafür, dass sich die einigermaßen pathologischen Verhältnisse in den USA, von denen ich auch nicht glaube, dass sie sich in einem offenen Bürgerkrieg entladen, deutlich von denen in Deutschland unterscheiden. Z.B. gibt es hier keine einflussreiche und zahlenmäßig große pro-isrealische Lobby, die sich in den USA nicht nur aus jüdischen, sondern auch aus christlichen, vorrangig evangelikalen Gruppierungen konstituiert.

Der_Juergen
4. November 2018 16:56

@RMH

Ich stimme Ihren Wortmeldungen nicht immer zu, aber sie sind stets gut fundiert und geschliffen formuliert. Im vorliegenden Fall gebe ich Ihnen vollkommen recht. Bezüglich der Lage in den USA gilt: Solange Trump, oder ein potentieller, radikalerer Nachfolger, der Hydra nicht die Köpfe abhaut, indem er dem Deep State mit einem wuchtigen Schlag den Garaus macht und die Medien unter seine Kontrolle nimmt (was nur mit Unterstützung zumindest eines Teils der Streitkräfte gelingen kann; man vergesse nicht, dass vor den Wahlen 88 Generäle und Admirale offen für Trump eintraten), ist an einen klassischen Bürgerkrieg nach dem Muster desjenigen von 1861-1865 nicht zu denken, weil das liberal-globalistische System zu gut bewaffnet und seine Kontrolle über die Justiz, die Medien und das Geld zu total ist, als dass man es in einer offenen Feldschlacht besiegen könnte.

Denkbar wäre hingegen das Szenarium, das Dr. William Pierce, Begründer der "National Alliance", in seinem Roman "The Turnier Diaries" schildert. Für Sezessionisten einschliesslich meiner selbst ist Pierces Weltanschauung zu radikal, aber das sollte uns nicht daran hindern, diesen Roman zu lesen.

Sollte Trump ermordet oder durch ein Impeachment zum Rücktritt gezwungen werden, werden radikale weisse Nationalisten zum Schluss kommen, dass ein Wandel auf demokratischem Wege nicht möglich ist, und sie werden zu den Waffen greifen. Natürlich wird dies dem System einen Grund für die Ausrufung des Notstandes und die Errichtung einer offenen Diktatur liefern.

Sie, werter RMH, vermögen weder bei Lichtmesz noch bei den Foristen einen "Lustgewinn an dem Entstehen eines solchen Szenarios" zu erkennen. Einen "Lustgewinn" bereitet mir der Gedanke an die Hekatomben unschuldiger Opfer, die es fordern würde, auch nicht, aber wenn die USA voll mit sich selbst beschäftigt sind, wachsen die Chancen Deutschlands schlagartig, die Bevormundung durch Uncle Sam abzuschütteln. Dass es hierzu einer ganz anderen Regierung bedürfen wird als der heutigen, bedarf keiner Erwähnung.

Solution
4. November 2018 18:13

Wenn die Zentralmacht - aus welchen Gründen auch immer - schwach wird oder gar kollabiert, besteht irgendwann in der Zukunft die Gefahr eines Bürgerkrieges. Niemand behauptet, daß dies auch wirklich so kommen muß.

Ich glaube schon, daß er kommt. Es spricht vieles dafür, daß sich der Bürgerkrieg in Form der Aufspaltung und Abspaltung ethnisch definierter Gebiete vollziehen wird.

Warum sollte zudem nicht eines fernen Tages China seinen im Entstehen befindlichen Kolonien an der Westküste (Kanada und USA) nicht zu Hilfe kommen wollen? Dort gibt es schon Städte mit deutlichen zweistelligen chinesischen Einwohnerzahlen. Es ist ja, geopolitisch gesprochen, die Gegenküste Asiens.

Wir sollten nicht in Jahrzehnten denken, sondern nach oben hin offen.

Nath
4. November 2018 21:43

@Benno
Selbstverständlich lässt sich die Besiedelung Amerikas durch die Weißen nicht mehr rückgängig machen, das erwartet und verlangt auch niemand, nicht einmal die Indianer selbst. Doch ist es eines, die historischen Fakten, die man selbst geschaffen hat, zu akzeptieren u n d e b e n f a l l s dafür Verantwortung zu übernehmen, ein anderes aber, mit einem Achselzucken darüber hinwegzugehen. Diejenigen, welche die Karte der historischen Relativierung spielen ("man muss das alles aus der Moral der jeweiligen Zeit verstehen"), sind oft diejenigen, die gleichzeitig die Maßstäbe i h r e r Zeit absolut setzen. Je t z t, wo es um die eigenen I n t e r e s s en geht - die ja genauso der historischen Relativität unterliegen wir die vormaligen Interessen anderer - sieht man "sein Rechtsempfinden verletzt", wenn Arme und Ungebildete in die amerikanischen (oder europäischen) Sozialsysteme einwandern, aber damals war es gerecht, den Indianern nicht nur ihr Land wegzunehmen, sondern sie auch zu Abertausenden zu massakrieren? Sie machen es sich ein wenig zu einfach. Es wird Sie vielleicht interessieren zu erfahren, dass selbst der Vertreter der amerikanischen Altright Richard Spencer, welcher einen weißen Ethnostaat für die Zukunft anvisiert, es für angemessen hält, den Indianern ein eigenes Staatsgebiet innerhalb der USA anzubieten (z.B im Nordwesten), um eine historische Schuld spät, aber nicht zu spät, zu begleichen. Es wäre vergleichbar mit dem Verhalten eines anständigen Geschäftsmanns, der für den Schaden, welchen seine Verwandten einst angerichtet haben, aufzukommen gedenkt. Ungeschehen machen vermag man es ohnehin nicht, aber man kann zeigen, dass einiges am Verhalten der "Vorväter" moralisch und völkerrechtlich, gelinde gesagt, höchst fragwürdig war.
Und ein Denkmal gehört allemal nach Washington, ebenso wie nach Sao Paulo, Buenos Aires, Ankara oder Berlin. Ansonsten ist das ganze Pathos von wegen "Stolz auf die eigene weiße Kultur und Tradition" unglaubwürdig und heuchlerisch. Ich bin nicht der Auffassung, dass eine solche Haltung identitären Prinzipien in irgendeiner Hinsicht zuwiderläuft.

RMH
4. November 2018 23:26

"... aber wenn die USA voll mit sich selbst beschäftigt sind, wachsen die Chancen Deutschlands schlagartig, die Bevormundung durch Uncle Sam abzuschütteln."

@Der_Juergen,

ich befürchte eher, dass für den Fall, dass sich das Auge Saurons, um einmal dieses Bild zu verwenden, von Europa und Deutschland abwendet, unsere werten Nachbarn das machen werden, was sie schon immer mit Deutschland gemacht haben - und zwar unabhängig davon, welche Regierung wir dann haben werden. Sie werden alles tun, damit Deutschland nicht souverän wird und wenn es Krieg in Europa deswegen geben soll, dann auf dem Boden Deutschlands (es war ja bekanntermaßen das deutsche Ur-Trauma des 30-jährigen Krieges, welches alles weitere deutsche Bemühen dahin gehen lies, dass nie mehr Krieg auf deutschem Boden sein soll. Auch das Ende des ersten Weltkrieges ist von diesem Bemühen, Kampfhandlungen in Deutschland zu vermeiden, geprägt). Bislang dulden sie, unsere europäischen "Freunde", Deutschlands Sperenzchen widerwillig, denn sie wissen, im Ernstfall ist da noch wer und bislang zahlt Deutschland ja auch eifrig und willig die bestellte Musik. Wenn dieser jene aber mit sich selber beschäftigt ist und Deutschland womöglich nicht mehr zahlt, sondern "frech" auch Rechnungen stellt, dann wird Deutschland wieder einmal ganz schnell allein gegen den Rest von Europa, den Rest der Welt stehen. Es gibt niemanden im Europa, der Deutschland ernsthaft zu schätzen weiß und Deutschland eine echte Eigenständigkeit gönnen würde. Frankreich versucht jetzt schon, Deutschland an die ganz enge Finanzkette zu nehmen, um es dadurch beherrschen zu können. Italien ist bspw. nur an sich selber interessiert und hätte nichts dagegen, wenn es crasht, denn sie haben ihren Wohlstand nicht an den Euro gekettet - daran ändert auch nichts die z.T. auch hier mit Sympathien begleitete neue "populistische" Regierung Italiens. UK kettet sich mit dem Brexit an die USA - welches Souveränität wird dieses Land zukünftig überhaupt haben? Wer bleibt übrig? Russland? Mit Sicherheit nicht, im Zweifel ist Russland außenpolitisch über das Niveau des Zarenreiches leider nicht hinaus und hat kein Interesse an einem starken Deutschland inmitten von Europa. Man könnte das jetzt mit jedem einzelnen Land Europas durchdeklinieren, aber am Ende stellt man fest, dass sich seit dem ersten Weltkrieg leider recht wenig genändert hat, nur das Deutschland noch nicht einmal annähernd die Größe und Stärke des Kaiserreiches hat und zudem innerlich seit langem ausgehöhlt wird. Evtl. könnte Deutschland es schaffen, Österreich und ehem. K.u.K.-Länder enger an sich zu binden, aber das hat ja schon früher nicht ausgereicht. Polen wäre ein interessanter Partner, da es sich ja auch eingekreist sieht - aber dort wird mit der antideutschen Münze nach wie vor jede Wahl gewonnen und es werden trotz massiver Gebietsgewinne von Deutschland frech Reparationen gefordert, so dass dies mehr als unwahrscheinlich ist. Wir stehen defacto vor einem Trümmerhaufen Europas. Jahrzehnte des Versuchs, sich in Europa "beliebt" zu machen, sich Freundschaften zur Not mit Geld zu kaufen, ja sogar durch Selbstauflösung in Europa endlich Anerkennung zu erlangen, können als gescheitert angesehen werden, da die anderen eben kein echtes Interesse haben, sich auch selber in Europa aufzulösen. Das System Merkel hat das alles klar offen gelegt und irgendwie muss man ihr schon fast - auch wenn das zynisch ist - dankbar sein, denn dank ihres Versuchs einer Eurokratur hat es sich offenbart, dass alle europäischen Bekenntnisse nur Lippenbekenntnisse sind und das jedes Land jedem anderem europäischen Land mehr gönnt als Deutschland und das man nach wie Deutschland als große Gefahr in Europa sieht und es am liebsten sähe, wenn Deutschland wieder in einen Flickenteppich unterschiedlicher kleiner Provinzländer zerfiele (das wird von manchem "Rechten" sogar auch noch aktuell befürwortet). Das Regime Merkel wirkte hier wie ein Katalysator oder ein Leuterungs- bzw. Klärungsmittel.

Worauf ich hinaus will: Alleine die Existenz der USA in ihrer bisherigen Form sorgt für Stabilität in Europa - ob man das jetzt gut oder schlecht findet, ist bei dieser Beurteilung erst einmal egal. Scheiden die USA aus, wird es eine unangenehme Kettenreaktion in Europa geben.

Kein guten Aussichten … mir wäre lieber, es wäre anders und Deutschland wäre in den letzten 20 Jahren besser aufgestellt worden.

Franz Bettinger
5. November 2018 00:03

@RMH, Sie fragen, welches Wort außer Bürgerkrieg man denn für diese Zustände verwenden soll.

Nun, einen Molekularen Bürgerkrieg nennt H. M. Enzensberger die Entwicklung der westlichen Welt nach Ende des Kalten Krieges. Zu den Orten, an denen dieser kleine anarchische Krieg innerhalb der 'pazifizierten' Welt 1994 stattfand, zählte Enzensberger die Städte Paris, Berlin, Detroit, Birmingham, Mailand und Hamburg. Jetzt sind wir weiter. Heute drängt die Anarchie in die Dörfer und aufs flache Land. Müll an den Straßenrändern; Spritzen, zerbrochene Bierflaschen, Urin- und Fäkalien-Gestank in den Parks; Graffiti nicht nur an den verwahrlosten Schulen, sondern überall. Wie es weitergeht, wissen wir seit Merkels Grenzöffnung auch schon. Wo es enden wird, kann man sich denken. Bestenfalls in einem Apartheit-Staat. Und schlechtesten Falls? Wer schuld ist? Die Toleranz! Schuld ist das 'laisser faire laisser aller' einer geschichts- und selbstvergessenen, wurzel- und wehrlos gemachten Wohlstands-Gesellschaft. Das Verbrechen? Es wurde orwellianisch aus der Welt definiert. Täter? Es gibt sie nicht mehr. Nur noch Patienten. Es gibt keine Strafen mehr, nur noch Fürsorge. Es ist still geworden im Land. Man schweigt oder lügt. Es ist die Stille der Resignation. Wehe dem, der morgen keine Waffe besitzt! Wo ist heute die Stimme Enzensbergers?

heinrichbrueck
5. November 2018 02:50

@ Michael B.

Ja, die Medien mußten nur das Gegenteil tun. Massenmanipulation ist Aufgabe der Medien. Trump sollte Präsident werden, seine Wähler ihn wählen. Die Wähler waren das Ziel, nicht Trump. Und wenn der Wähler die Wahl zwischen einem Drecksack und einem Oberdrecksack hat, fällt seine demokratische Entscheidung immer in Richtung Drecksack. Ab einer gewissen Ebene spielt der ganze Wahlzirkus ohnehin keine Rolle, dort wird die Macht vererbt, Demokraten und Republikaner sind bedeutungslos. Macht enthält eine Gemeinschaftskomponente; Wahlzeremonien setzen keine Macht durch.

RMH
5. November 2018 09:12

@Nath,
Sie bewerten es moralisch meiner Meinung nach falsch (unabhängig davon, dass sie eine historische Verkürzung damit vornehmen - aber es geht ja auch nicht um Historie).

Es ist das gute Recht eines jeden Menschen zu versuchen, zu emigrieren. Daran ist nichts Verwerfliches. Es ist aber das gleiche gute Recht jeden Landes bzw. seiner Einwohner zu entscheiden, die Immigration zu regeln oder zu verweigern. Beide Positionen sind gleich und wenn es keine höhere Stelle gibt, die rechtmäßig entscheiden kann, werden derartige gleiche Positionen im Ernstfall und bei Uneinsichtigkeit von zumindest einer Partei mit Gewalt geklärt. Und damit predigt man noch lange keinen Sozialdarwinismus und kein plattes Recht des Stärkeren, denn in Normalfall des Aufeinandertreffens gleicher Rechte mit unterschiedlicher Zielrichtung kommt es eben zu einem Unentschieden, was im konkreten Fall des Versuchs der Immigration bedeutet: Der Immigrant muss sich eben ein anderes Ziel suchen und es dort probieren, wenn er weiterhin legal und gewaltfrei sein Ziel verfolgen will.

Eine andere Frage: Wo sollen denn noch überall "Denkmäler" aufgestellt werden? Es lässt sich kaum noch nachvollziehen, welcher "Indianerstamm" einen anderen halb ausgerottet hat und umgekehrt. Soll dafür auch jedes Mal ein Denkmal errichtet werden? Oder soll etwa den Amalekitern auch eines errichtet werden? Die Liste lässt sich beliebig verlängern und am Ende bleibt: Misanthropie. Denn es ist rasseunabhängig, dass es zu solchen Vorgängen kam oder kommt. Die weißen Völker sind aber vermutlich die ersten, die darüber ernsthaft reflektiert haben, die versuchen, derartige Dinge historisch zu erforschen und sich deswegen schlecht fühlen. Und mit dieser These betreibt man keine "Relativierung".

Lichtmesz weißt zudem seit langem (so auch in diesem Beitrag) zu Recht darauf hin, dass hier eben gerade keine seriöse historische Wissenschaft betrieben wird sondern ein Narrativ gebildet wird, welches letztlich zu bürgerkriegsartigen Vorgängen in den ehem. "weißen" Ländern führen kann (und vermutlich auch wird).

"Gleichheit" ist meiner Meinung nach übrigens erst dann vorstellbar (aber faktisch ist sie nie erreichbar), wenn keiner mehr einen Rasse-, Herkunfts- oder Geschlechtsjoker ziehen kann oder sich auf einem solchen Ausruhen kann. Die sog. "Antidiskriminierungspolitik" ist faktisch eine Diskriminierungspolitik.

PS: Literaturtipp: "Der unvermeidliche weiße Mann" von Jack London (findet man in manchen Ausgaben der "Südseegeschichten")

ullrich
5. November 2018 09:27

Danke Herr Lichtmesz für den guten Artikel. Trotz Allem, niemand ist mit den Juden so gut umgegangen, wie die weisse Mehrheitsgesellschaft der USA. Diese Abkoppelungs- und Distanzierungsversuche gab es immer schon in den USA. Die einzige effektive und bewiesen wirksame Möglichkeit sich Abzukoppeln und jüdische Identität zu erhalten ist die jüdische Orthodoxie. Die linken Juden, die in den USA die Mehrheit stellen, lehnen dies aber ab und sind dabei in der Mehrheitsbevölkerung aufzugehen. Viele von ihnen würden in einer orthodoxen Synagoge nicht mehr akzeptiert werden, weil sie nicht mehr halachisch als jüdisch gelten. Nun reden sie von Halacha und beziehen sich auf das Judentum um damit eine Durchmischung der Bevölkerung zu rechtfertigen. Wie sie in Amerika ihre Identität verloren haben, soll es auch allen anderen gehen. Ich denke darin steckt viel Trauer und Hass. Genau die Gleichen Muster findet man besonders bei vielen weissen Protestanten in den USA.

Maiordomus
5. November 2018 09:50

@Benno/Nath/Lichtmesz. Falls Sie im Ernst glauben, meine Ausführungen betr. "Denkmal der Schande" für die Indianer in Washington seien als Postulat von mir gemeint gewesen, dann haben Sie nicht gelesen, was ich schrieb. Es war nur ein Vergleich mit den Verhältnissen in Berlin, und dass es in den Vereinigten Staaten eben niemandem von beiden Seiten des Establishments einfallen würde, so was zu tun. Ich glaube auch nicht, dass jemand anders hier ein solches amerikanisches Denkmal der Schande gefordert hätte.

@heinrichbrueck. Mit Drecksack und Oberdrecksack wird nun mal keine politische Auseinandersetzung geleistet. Das ist ganz gewöhnlicher Hass-Speach und keine Analyse. Trump war oder ist in seinem Privatleben z.B. sicher nicht mehr Drecksack als Kennedy und Johnson und Willy Brandt es waren, aber auch bei ihnen wären solche Qualifikationen keine politischen Analysen gewesen. Dass indes Trump jetzt die Sanktionen gegen den Iran verschärft hat, scheint mir eine Konzession an seine einzig wirklich mächtigen Verbündeten zu sein, siehe oben.

@Bettinger. Ich würde sehr zwischen Vulgär-Wissenschaft und Popularwissenschaft unterscheiden, einige Ihrer Äusserungen vom früheren Strang schienen mir stark von der ersten Sorte zu sein, zumal über den Platonismus und dessen tatsächlich nicht geringfügigen Folgen wie auch über die realen Fortschritte in der Geschichte der Philosophie seit Platon, zumal im Zusammenhang mit dem Nominalismus und der Geschichte der Logik, scheinen Sie nicht gerade im Bilde zu sein. Sage ich Ihnen in guten Treuen als jemand, der diese Sachen in der Schule 33 Jahre lang unterrichtete und jeweils an Abitur noch prüfen musste.

Noch etwas: ein Politikprofessor namens Otto Nolte hat in der Neuen Zürcher Zeitung von heute die Grünen als den heutigen Anker des Liberalismus bezeichnet sowie auf die angeblich nationalsozialistischen Bestandteile der AfD verwiesen, wobei ich vermute, dass der damit allfällige Bezüge der Sezession zur AfD gemeint haben könnte, was zwar nicht sicher ersichtlich war und auch nicht ausdrücklich gesagt wurde. Klar scheint indes, dass jeder, der bei Sezession schreibt, an der FU ein absolutes Verbot für politische Vorlesungen hätte, auch nicht für Gastvorlesungen, was nun mal in Deutschland als "Anker des Liberalismus" zu gelten scheint. Desgleichen die bei Kositza im Nachbarstrang angesprochenen politischen Mieter-Klauseln; das ist nun halt offenbar "liberal" und sogar "moralisch", so wie Nolte die Moral als Hauptmerkmal im Unterschied der Grünen zur CDU betonte. Diese Absurditäten ändern nichts daran, dass auf diesem Strang auch über Irrtümer und Verirrungen bei den deutschen Rechten diskutiert werden dürfte und sollte, was meines Erachtens immer wieder durchaus der Fall ist. Es bleibt dabei, dass verschiedene Mitglieder und Aktivisten der Grünen sowie auch Leute im Hochschulbereich bis hin zu Rednern an der Frankfurter Paulskirche sich bei weitem eher in ihrer Biographie und auch in Äusserungen und Verhalten sich als real-extremistisch erwiesen haben als man dies etwa Kositza und anderen führenden Repräsentanten von Session oder dieser Plattform nahe stehenden Politikern vorwerfen könnte; die wenigsten von diesen für die Neue Zürcher Zeitung als "liberal" bezeichneten Polit-Existenz würden bei einem Gespräch etwa mit Lichtmesz oder Kositza noch im Eindruck liberaler Retter der Demokratie gegen den "Rechtsextremismus" bestehen.

Michael B.
5. November 2018 10:26

@heinrichbrueck

> Ja, die Medien mußten nur das Gegenteil tun.

Nach dieser Logik gaebe es z.B. kein Hochschreiben (die gegenteilige Taktik). Auch koennte man Trump ja jetzt in Ruhe lassen. Dazu wuerden Sie jetzt wahrscheinlich sagen: Brot und Spiele, dieselbe Masche haelt ihn auch im Amt. Woanders braucht man eben Hochschreiben, in den USA i.M. gerade nicht.
Aber was ist in anderen Laendern? Dasselbe (!) Vorgehen der Verteufelung in Dtl. z.B. wirkt eher direkt und nicht im von Ihnen fuer die USA gesetzten Sinn des 'jetzt gerade dagegen', politisch ganz andere Kraefte als Trumpanaloga werden hochgespuelt. Sagen Sie dann auch: Alles Teil des Masterplans., der universelle deep state Meister moechte USA hie und Europa da (zerplittert und schwach)?

Das muessen Sie belegen, omnipotente allwissende Kraefte im Hintergrund sind immer suspekt. Letztlich gibt immer Eigendynamiken, die nicht gesteuert werden (koennen). Und manchmal ist halt eine Zigarre nur eine Zigarre. Das alleinige Raunen im Wald laehmt, auch wenn man damit vorgeblich Zusammenhaenge sucht.

Der_Juergen
5. November 2018 11:35

@nath

Widerspruch. Wenn die Juden, die Armenier, die Indianer oder andere Volksgruppen, die unter Verfolgungen zu leiden hatten, für ihre Opfer Denkmäler bauen und Gedenktage für sie einführen wollen, dann bitte sehr. Das ist ihr gutes Recht. Unter keinen Umständen bin ich jedoch dafür, dass Staaten solche Mahnmale errichten und solche Gedenktage begehen. Dies dient lediglich dem Schuldkult.

Bezüglich der amerikanischen Ureinwohner gilt auf eine Tatsache hinzuweisen, die @RMH in seiner Antwort an Sie kurz streift: Die Indianer hatten zwar furchtbares Unrecht seitens der weissen Kolonisten zu erleiden, bekämpften sich gegenseitig aber häufig bis aufs Messer und unter schlimmsten Grausamkeiten. In der Mitte des 17. Jahrhunderts haben die Irokesen das stammverwandte Volk der Huronen fast ausgerottet. Die Komantschen waren der Schreck ihrer Nachbarstämme und brachten ihre Gefangenen unter scheusslichen Martern zu Tode.

Dementsprechend wäre in Erinnerung zu rufen, dass die schwarzen Sklaven, die nach Amerika verfrachtet wurden, mitnichten von weissen Sklavenjägern eingefangen worden waren. Sie wurden letzteren von Stammeshäuptlingen überantwortet, die sowohl Kriegsgefangene von verfeindeten Stämmen als auch Angehörige ihrer eigenen Stämme für Schnaps, Glasperlen, Messer etc. verkauften.

Von welchem Standpunkt man den Schuldkult auch betrachtet, er beruht auf einer Kette schamloser Lügen. Dass diese weithin geglaubt werden, liegt daran, dass man den abendländischen Völkern eine grob verzerrte Version ihrer Geschichte präsentiert. Doch wer will, kann sich im Zeitalter des Internets ja sehr leicht informieren.

Und wenn wir schon beim Thema Mahnmäler sind, möchte ich, obwohl ich dies schon letztes Jahr einmal tat, ein Kurzgedicht des nicaraguanischen Poeten Ernesto Cardinal zitieren; ich gebe es aus dem Gedächtnis wieder. Sein Titel lautet "Somoza enthüllt die Somoza-Statue im Somoza-Stadion".

Nicht, dass ich mir einbildete, das Volk stifte mir dieses Denkmal
Schliesslich weiss ich selbst am besten, wer den Befehl dazu gab.
Nicht, dass ich glaubte, nach meinem Tod in ihm weiterzuleben
Schliesslich weiss ich genau, dass ihr es dann zerstören werdet
Nein, ich setze mir dieses Denkmal
Weil ich weiss, dass ihr es hasst.

Anastasio Somoza war der erzkorrupte Tyrann Nicaraguas, der 1979 von den Sandinisten gestürzt wurde. Man ersetze "Somoza-Denkmal" durch "Holocaust-Denkmal", und es wird alles klar.

Maiordomus
5. November 2018 12:22

Es geht mir um "Polit-Existenzen", die sich für "aufgeklärt" halten und für "nichtextremistisch" und "liberal", unabhängig davon, wie sie sich im Einzelfall schon aufgeführt haben, nicht nur Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit. Aber im vollen Ernst: Die Frau Bednarz sollte mal öffentlich in direkter Konfrontation zum Beispiel mit Frau Kositza zu erklären versuchen, warum sie eine Demokratin sei, und Frau Kositza eine Extremistin, vor deren Einfluss Deutschland geschützt werden müsse, sofern man keine zweite Machtergreifung in der Art von 1934 wünsche; ich sage übrigens aus rechtshistorischen -Gründen bewusst 1934 und nicht 1933, wiewohl man eigentlich schon das Ermächtigungsgesetz als die eigentliche Machtergreifung kennzeichnen kann. Es bleibt auch schwerlich zu bestreiten, dass es unter der Bedingung von Denkverboten keine rationale historische und politologische Debatte geben kann, welche den Anspruch erheben kann, wissenschaftlich zu sein.

Ergon
5. November 2018 13:45

@RMH Die schon von Poensgen in seinem Artikel verbreitete Erzählung, die amerikanischen Truppen dienten dem Schutz Deutschlands vor seinen europäischen Nachbarn, ist an Komik und Absurdität kaum zu übertreffen, und zwar nicht nur, weil schon im Ersten Weltkrieg die Triple Entente ohne die von Anfang an vorhandene ökonomische Unterstützung durch die USA chancenlos gewesen wäre, und nicht nur, weil derzeit in Europa eher umgekehrt die Rede von einer angeblichen deutschen Dominanz ist - siehe etwa das Gespräch mit David Engels in der aktuellen Sezession -, sondern weil die im Umfeld der Ereignisse 1989/90 veröffentlichten Dokumente auch einige der Motive der USA für ihre weitere Truppenpräsenz in Europa offenlegten, z.B. in Kiessler/Elbe, Ein runder Tisch mit scharfen Ecken, Der diplomatische Weg zur deutschen Einheit. Der Mitautor Frank Elbe war zu der Zeit Leiter des Ministerbüros im Auswärtigen Amt und gehörte der Bonner Verhandlungsdelegation bei den "Zwei-plus-Vier"-Gesprächen an, die, so das Vorwort, zum Vertrag der Deutschen mit ihren einstigen Kriegsgegnern führten.

Das Interesse an der weiteren Westbindung Deutschlands, nach den Autoren eine Conditio sine qua non für die amerikanische Unterstützung, wurde deutlich und öffentlich von amerikanischer Seite ausgesprochen. Z.B. forderte der amerikanische Außenminister Baker am 12. Dezember 1989 vor dem Presseclub in Berlin, dass die "Wiederherstellung der Einheit im Rahmen der anhaltenden Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der NATO und einer zunehmend integrierten Europäischen Gemeinschaft und unter Berücksichtigung der Rechte und Pflfichten der allierten Mächte erfolgen sollte." Zum Motiv der US-Truppenpräsenz schreiben sie:

"Starken Einfluß auf den Prozeß der deutschen Einheit hat die Supermacht Amerika aber auch wegen ihrer einzigartigen Beziehung zur damals noch existierenden Sowjetunion genommen. So versicherte Bush seinem Partner Gorbatschow, die sowjetischen Sicherheitsinteressen sollten auf keinen Fall durch die Umwälzungen in Europa beinträchtigt werden. Damit aber wurde den anderen europäischen Partnern - vor allem Großbritannien und Frankreich - signalisiert, daß sich die USA mit ihren auf dem Kontinent verbleibenden Truppen sehr wohl als Gegengewicht zu einem erstarkenden Deutschland verstehen würden. Dieses strategische Interesse ist unmißverständlich ausgesprochen worden."

Erwähnt werden sollte, dass das Narrativ von der amerikanischen Schutzmacht anderswo in Europa mit vertauschten Rollen erzählt wird. Die amerikanischen Truppen, so wird dort erzählt, dienten dem Schutz Europas vor Deutschland.

B. Breckert
5. November 2018 15:37

"Die amerikanischen Truppen, so wird dort erzählt, dienten dem Schutz Europas vor Deutschland."

Wobei die Truppen sukzessiv einer zunehmenden Bemächtigung der deutschen Innenpolitik durch die Besatzer, die Erlangung der Meinungshoheit durch die Transatlantiker in den ÖR samt Printmedien sowie die einsetzende Zerstörung des Nationalgedankens und des daraus resultierenden schwindenden inneren Zusammenhaltes verringert werden konnten.

Die Schere sitzt jetzt im Kopf und nicht mehr mit der Waffe auf der Straße.

Und nicht umsonst müssen Identitäre oder auch Reichsbürger als Popanz herhalten, wenn ein Bild eines neuen dritten Reiches an die Wand gemalt werden soll, mit dem man immer neue, weitergehende Knebelungsmaßnahmen rechtfertigen will.

RMH
5. November 2018 15:47

@Ergon,
Sie missverstehen oder missinterpretieren meine Ausführungen, wenn Sie meinen, ich würde damit eine US-Truppenstationierung rechtfertigen. Eigentlich genau das Gegenteil wollte ich zum Ausdruck bringen: Es kommt für meine These, dass die USA ein Eckpfeiler im strategischen "Friedenshaus" Europa sind, in Bezug auf Deutschland überhaupt nicht darauf an, ob US- Truppen in Deutschland stationiert sind oder nicht. Es kommt nur darauf an, ob eine zu weltweiter militärischer Operation fähige und auch wirtschaftlich bedeutende Macht außerhalb von Europa bei den europäischen Angelegenheiten mitreden KANN und will oder nicht. Mitreden in diesem Sinne kann derzeit nur die USA, Russland ist selber europäische Macht und China kann noch (!) nicht mitreden (wirtschaftlich aber schon - gerade in Bezug auf Deutschland, hier gibt es erhebliche Verflechtungen und Abhängigkeiten). Im Übrigen habe ich deutlich zum Ausdruck gebracht, dass man Äpfel mit Birnen vergleicht, wenn man die Stärke und Stellung des Kaiserreiches mit der Stärke oder besser Schwäche der Bundesrepublik vergleichen will. Zumal innereuropäisch Deutschland mit Frankreich, UK und Russland mindestens gleich 3 veritable Atommächte gegenüber stehen und wir aktuell hauptsächlich und überwiegend nicht einsatzfähiges Großgerät in den Hallen und Hangars stehen haben. Mit Verlaub, aber sich darauf zu berufen, dass Deutschland in der Vergangenheit die Entente an die Wand gespielt hätte, wenn nicht die USA eingegriffen hätte, ist an Absurdität nicht zu überbieten, um einmal ihre Formulierungen zu verwenden. Man beachte die hunderttausenden von Toten und Verwundeten des WK I, die es auch ganz ohne USA-Hilfe und Mitwirkung alleine im ersten Kriegsjahr in Europa gegeben hat. So etwas überhaupt bei seinen Überlegungen mit einzukalkulieren, dass ist wahrhaft neben der Spur und tendenziell Größenwahnsinnig. Im Übrigen wäre Deutschland schon nur bei einem Crash des Euro - also bereits ganz ohne militärische Aktionen - die am stärksten betroffene Macht in Europa. Die anderen Euro-"Partner" schütteln sich, machen vorübergehend ein paar Suppenküchen auf und beginnen eben mit dem Drucken von neuem, eigenen Geld (sehr salopp formuliert). In Deutschland wären es ganz andere Folgen. Ernst gemeinter Rat: Man überschätze die Stärke Deutschlands bitte nicht - zumal es bekanntermaßen kein echtes deutsches Deutschland (wie es das Kaiserreich war) mehr ist. Deutschland ist ein wirtschaftlicher Riese auf sehr langen, tönernen Füßen. Die Fallhöhe ist groß und die Einsturzgefahr ebenso. Gut, wenn man selber nichts zu verlieren hat, außer vielleicht das eigene Leben, dann mag man entsprechendes evtl. in Erwägung ziehen.

Th.R.
5. November 2018 16:11

Eine sehr beeindruckende und inhaltlich irgendwie auch verstörende Zusammentragung von Zitaten.

Kann das denn sein? Meinen die das wirklich ernst?

Tatsächlich! Worte sind wahrlich die mächtigsten Waffen:
Worte, die in einer entsprechend-zweckmäßigen episch-mythischen Kompilation ein identitätsstiftendes Narrativ ergeben, das zudem einen die zentralen Lebensfragen des Individuums beantwortenden Lebenssinnzusammenhang bietet.

Soll heissen: Es ist das Narrativ von der jüdischen Identität und der jüdischen Auserwähltheit, durch das die Juden auf die Welt schauen wie durch ein Prisma und durch das sie die Welt und die Realität folgerichtig in einer eigenwillig-jüdischen Wahrnehmung auffassen, annehmen und mit ihr verfahren.

Ob wir, die "Weissen", es schaffen, uns endlich ein vergleichbares Narrativ zu geben? Um gleichzuziehen. Mindestens.

Sara Tempel
5. November 2018 16:18

Auch ich möchte mich bei Ihnen, Herr Lichtmesz, für diese erhellende Analyse bedanken! - Wer die Motive seiner Feinde richtig deuten kann, der hat schon fast gesiegt. Ich stimme den fundierten Kommentaren zu, die davon ausgehen, daß wir, Deutsche, kaum Freunde, aber jede Menge Feinde haben, die an uns den Völkermord mit der Migrationswaffe gerne vollenden möchten. Doch tröstet mich die alte Erkenntnis des Anaximander, die man so übersetzen kann: "Woher die Dinge ihre Entstehung haben, dahin müssen sie auch zu Grunde gehen, gemäß der Notwendigkeit, denn sie schaffen einander Ausgleich und zahlen Buße für ihre Ungerechtigkeit gemäß der Ordnung der Zeit.“ - Die US-Amerikaner büßen demnach gerade für ihren Völkermord an den Indianern, auch der an den Deutschen schreit schon jetzt nach Buße!

heinrichbrueck
5. November 2018 16:39

@ Michael B.

Der Große Austausch läuft nicht in der Verborgenheit ab, sondern in der Realität. Dazu wird das einzige Zahlungsmittel der Macht gebraucht, also sehr viel Geld, welches in diesem Zusammenhang keine vergehende Rolle spielt. Nicht die Weltbevölkerung regiert die Welt, sieben oder mehr Milliarden, sondern ein paar hundert Familien setzten ihre Ziele finanzpolitisch durch. Diese Richtung wird sich verstärken; und es geht hier nicht um allwissende Kräfte. Die Medien werden sich auch zu Trumps Nachfolger verhalten müssen. Der Große Austausch bedarf der Demokratie als steuerbares Herrschaftssystem. Ein Trump wäre in Deutschland schon deshalb undenkbar, weil sein Gehabe die höhere Volksintelligenz nicht ansprechen könnte. Außerdem ist das Militär auf Trumps Seite, was auch keine Kleinigkeit ist, war es doch davor offen putschverdächtig. Den weißen Mann wird man nicht in Ruhe lassen, noch nicht. Es sei denn, er sorgt dafür. Was mit Trump geplant ist, Obama hatte auch seine Rolle, wird sich zeigen.

Michael B.
5. November 2018 18:03

> ein paar hundert Familien setzten ihre Ziele finanzpolitisch durch

A nah! Die Freimaurer, die Juden, Geheimloge xyz, Familien. Sicher gibt es altes Geld, welches steuert. Aber das ist keine Konstante ueber die Jahrhunderte. Die Zusammensetzung ist und war immer variabel. Sie wurde und wird auch gegen deren Willen geaendert. Oder wer von diesen ominoesen Gottgleichen steuert gerade China? Keiner! China beeinflusst aber die USA z.B. allein dadurch, dass sie sich mit der Rolle der Werkbank nicht zufriedengegeben haben, aber soviel Produktivkraft auch und gerade aus den USA abgezogen haben, dass u.a. eine ausreichende Menge Verlierer entstand, die den Donald gewaehlt haben. Man kann eben die Gier ueberspannen.
Der erfreulicherweise wieder aktive Loewenblog hat gerade einen Artikel veroeffentlicht (http://www.marcogallina.de/2018/11/05/mid-term/), der wiederum eine Auflistung von Trumps bisherigen Leistungen anfuehrt (https://www.washingtonexaminer.com/washington-secrets/trumps-list-289-accomplishments-in-just-20-months-relentless-promise-keeping).

Dass er das kann, bestaetigt nur auf den ersten Blick Ihre These - koennte ja durchaus sein, dass altes US-Geld das in die Wege leitete. Aber die haben eben auf nagelneue Kraefte reagieren muessen, die es so vorher einfach nicht gab. Das ist keine freie Entscheidung und bereitet dadurch einigen Vertretern wie schon angefuehrt weiterhin echte und keine vorgespielten Schmerzen. Dazu kommt ganz nebenbei , dass eine Kultur wie China auf ganz anderen Machtkonstruktionen beruht, wie ein paar reichen Familien. Das ist weder nach Ort und schon gar nicht in der Zeit ein weltweit gueltiges Konstrukt.

Ergon
5. November 2018 18:42

@RMH Um die historische Frage vorab zu klären: Es geht mir nicht, oder nicht nur, um den späteren offiziellen Kriegeintritt der USA, sondern viel entscheidender um die massiven Versorgungslieferungen über den Nordatlantik - einschließlich Waffen - an die Triple Entente, die von Beginn an erfolgte. Warum glauben Sie wohl erklärte das Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg und warum ging anschließend die amerikanische Kriegserklärung in Berlin ein? Die Rivalität zu Großbritannien mag vor 1914 stärker gewesen sein, vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet gab es aber eine ausgeprägte Rivalität zu den USA, die einen protektionistischen Schutzwall vor deutschen Industrieerzeugnissen aufbaute. Und diese Rivalität besteht, wenn auch asymmetrisch und auf den ökonomischen Bereich beschränkt, weiterhin, belegbar etwa mit dem Zitat aus Kiessler/Elbe in Bezug auf das strategische Interesse der amerikanischen Truppen in Europa, als Gegengewicht zu einem erstarkenden Deutschland, oder mit Hinweis auf die aktuelle wirtschaftspolitsche Auseinandersetzung mit Trump, die den Hintergrund für seine Äußerung "the Germans are bad, very bad" bilden.

Die Ihnen diagnostizierte Schwäche der Bundesrepublik ist dann auch eher illusorisch: Sie ist weiterhin eine der größten Wirtschaftsmächte der Welt, und in Bezug auf die Größe der Handelsbilanz, die im Zentrum der Auseinandersetzung steht, hat sie derzeit weltweit die größten Überschüsse. Abgesehen davon, dass ich nicht sehe, warum sich die ehemaligen Mitglieder der Triple Entente überhaupt gegen Deutschland verbünden sollten, ist der relative wirtschaftliche Status dieser Länder in Bezug auf Deutschland heute schwächer als vor 1914: Großbritannien ist weiterhin die zweitstärkste Volkswirtschaft in der EU, ist aber weit abgehängt, Frankreich hängt ökonomisch in den Seilen und Russland ist immer noch ein Schwellenland. Auf militärischer Ebene ist Deutschland natürlich weiterhin neutralisiert, auch gerade wegen der von den USA betriebenen vollständigen Einbindung der Bundeswehr in NATO-Strukuren. Wenn aber die kursierenden Zahlen über die Kosten der amerikanischen Truppenpräsenz halbwegs zutreffen, könnte man sich bei Abzug der Amerikaner ohne größere Anstrengungen das zweit- oder dritthöchste Verteidigungsbudget der Welt leisten.

Bezüglich der Gemeinschaftswährung: durch die Garantieübernahme gäbe es sicherlich bei einem Zusammenbruch des Euro erhebliche Verluste, die sich in der Größenordnung der Transferleistungen in den Osten Deutschlands nach 1990 bewegen, Südeuropa einschließlich Frankreich wäre aber insolvent. In Anbetracht der vor der deutschen Garantieübernahme immer wieder auflodernden Spekulationswellen wäre es wahrscheinlich ausreichend, wenn aus der Bundesregierung skeptische Stimmen in Bezug auf die Zukunftsfähigkeit des Euro zu vernehmen wären um wieder heftige spekulative Angriffe von Hedgefonds auf die schwächeren Mitglieder des Währungsraums auszulösen.

Franz Bettinger
5. November 2018 21:47

@Maiordomus
"Wer recht behalten will und hat nur eine Zunge, behält's gewiss." Auch wenn ich Sie ermüde, verehrter MD, stellen Sie doch bitte nicht immer nur Ihre Autorität heraus und Namen und Behauptungen in den Raum. Formulieren Sie zu unser aller Erbauung und Gewinn doch bitte einmal Quintessenzen - kurz und bündig, falls möglich. Was also Wesentliches wissen die Philosophen von heute, was Platon nicht auch schon wusste? Worin liegt der Logik Fortschritt? Ludwig von Wittgenstein (BT, S. 424), er immerhin sah keinen. Haben Sie Ihre Abiturienten nicht auch zu Gottesbeweisen geprüft? Und beweist diese Tatsache denn Gott? Wer heute kein Wissenschaftler ist, kann auch kein Philosoph sein! Anders gesagt: Es reicht nicht hundert Knoten zu kennen, sie müssen auch klettern können. Rein die Felswand! Butter bei die Fisch! Wo ist der Nutzen ihrer Erkenntnisse? Wenn es keinen gibt, sind Sie im Elfenbeinturm echt besser aufgehoben als draußen in der Wildnis. Die Philosophie hat über die Jahrhunderte neue Erklärungs- und Erkenntnis-Modelle hervorgebracht, aber keine neuen Erkenntnisse. Und sie hat sich immer nur widerwillig mit ihren "Antworten" den Erkenntnissen der Sach-Wissenschaften angepasst.

Benno
5. November 2018 22:36

„Falls Sie im Ernst glauben, meine Ausführungen betr. "Denkmal der Schande" für die Indianer in Washington seien als Postulat von mir gemeint gewesen, dann haben Sie nicht gelesen, was ich schrieb.“
Ich habe tatsächlich nicht gelesen, was Sie geschrieben haben. Ich habe mich bei meinen Ausführungen auf Nath bezogen und noch nicht einmal gewusst, dass die Aussage auf die er rekurriert, von Ihnen ist. Ergo bezieht sich meine Antwort auch nicht auf Sie.

@Nath Der Jürgen und andere haben ja schon viel Richtiges auf Ihre Einlassungen geantwortet.

„Diejenigen, welche die Karte der historischen Relativierung spielen ("man muss das alles aus der Moral der jeweiligen Zeit verstehen"), sind oft diejenigen, die gleichzeitig die Maßstäbe i h r e r Zeit absolut setzen. Je t z t, wo es um die eigenen I n t e r e s s en geht - die ja genauso der historischen Relativität unterliegen wir die vormaligen Interessen anderer - sieht man "sein Rechtsempfinden verletzt", wenn Arme und Ungebildete in die amerikanischen (oder europäischen) Sozialsysteme einwandern, aber damals war es gerecht, den Indianern nicht nur ihr Land wegzunehmen, sondern sie auch zu Abertausenden zu massakrieren?“

Erstens geht es nicht um eine historische Relativierung, sondern um eine historische Einordnung und ein historisches Verständnis. Zweitens geht es nicht in erster Linie um Moral, sondern darum, dass die „Einwanderung“ nach Amerika durch die Europäer einfach technisch schon etwas gänzlich anderes war als die Einwanderung von Nicht-Europäern nach Europa. Die Europäer gingen nach Amerika und haben sich dort nicht in den Tippis, Lehm- und Zweighütten der Indianer niedergelassen, von ihrer Jagdbeute gelebt und Forderungen nach gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe gestellt. Sie sind als Eroberer und Kolonisatoren gegangen und haben auf amerikanischem Boden etwas gänzlich Neues geschaffen, was es dort zuvor nicht gab. Sie haben sich ihre eigenen Städte gebaut, ihr eigenes Rechtssystem geschaffen, Boden meist selbst urbar gemacht und am Ende einen europäischen Staat gegründet. Und kommen Sie mir nun nicht damit, dass sie auch Handel getrieben haben usw. Eine Eroberung diesen Ausmasses verläuft nie linear.
Ich habe nirgends den indianischen Stämmen das Recht auf Verteidigung abgesprochen. Es ist das Normalste der Welt, dass man sich gegen eroberungslustige Fremde zur Wehr setzt, wie es eben zu der Zeit Commonsense war, dass man Fremde Völker erobern kann. Es wäre für uns in der Tat auch einfacher, wenn die Araber und Neger versuchten, mit Sturmgewehren Europa zu erobern.

„Sie machen es sich ein wenig zu einfach. Es wird Sie vielleicht interessieren zu erfahren, dass selbst der Vertreter der amerikanischen Altright Richard Spencer, welcher einen weißen Ethnostaat für die Zukunft anvisiert, es für angemessen hält, den Indianern ein eigenes Staatsgebiet innerhalb der USA anzubieten (z.B im Nordwesten), um eine historische Schuld spät, aber nicht zu spät, zu begleichen.“

Einmal abgesehen davon, dass Richard Spencer, von all den Köpfen die in den USA unter AltRight firmieren, etwa der ist, für den ich am wenigsten übrig habe, ist es ein himmelweiter Unterschied, den Ureinwohnern in einer neugeordneten USA einen eigenen Staat zuzugestehen, oder an den Anfang eines solchen Staates ein „Denkmal der Schande“ zu stellen. Kein funktionierender Staat bezieht sich auf einen negativen Gründungsmythos.

„Und ein Denkmal gehört allemal nach Washington, ebenso wie nach Sao Paulo, Buenos Aires, Ankara oder Berlin. Ansonsten ist das ganze Pathos von wegen "Stolz auf die eigene weiße Kultur und Tradition" unglaubwürdig und heuchlerisch.“

Wieso sie hier die Türken als zur weissen (sprich; europäischen) Kultur und Tradition zählen , wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Warum erwähnen sie nicht gleich noch Tel Aviv, oder von mir aus, wie es sich abzuzeichnen scheint, Jerusalem. Was denken sie, warum die Juden in ihrem Staat kein offizielles Denkmal für die ermordeten und vertriebenen Palästinenser erstellen?
Und wieso das „Pathos“ unglaubwürdig und heuchlerisch sein soll, erklärt sich mir auch nicht. Haben sie das Gefühl, das hänge vom Errichten von Denkmälern für besiegte Gegner ab? Haben sie ernsthaft das Gefühl, weil die Europäer ihren eigenen Massstäben nicht immer gerecht werden, hätten sie keinen Grund stolz auf ihre Kultur zu sein? Denken sie, ein Sioux-Indianer verlöre den Stolz
auf seine Kultur, nur weil seine Vorfahren in einem der letzten innerindianischen Kriege 200 Männer, Frauen und Kinder ihrer Gegner töteten, die es gewagt haben, in ihren Jagdgründen auf Beutefang zu gehen?
Irgendwann landen wir dann bei Ansichten wie jenen von Sara Tempel: „Die US-Amerikaner büßen demnach gerade für ihren Völkermord an den Indianern, auch der an den Deutschen schreit schon jetzt nach Buße!“ Wie wenn es einen Weltgeist gäbe, der Völker für ihre vergangenen Missetaten bestraft. So gesehen könnte man die Spanier und Engländer als die die Racheengel des Weltgeistes betrachten, welche die Inkas, Azteken, Sioux, Commanchen und wie all die indigenen Unterdrücker und Vernichter ihrer Nachbarstämme auch heissen, zur Rechenschaft zogen. Nur, wenn man die Weltgeschichte so betrachtet, dann bleibt kein Volk auf diesem Planeten mehr übrig.

„Es wäre vergleichbar mit dem Verhalten eines anständigen Geschäftsmanns, der für den Schaden, welchen seine Verwandten einst angerichtet haben, aufzukommen gedenkt. Ungeschehen machen vermag man es ohnehin nicht, aber man kann zeigen, dass einiges am Verhalten der "Vorväter" moralisch und völkerrechtlich, gelinde gesagt, höchst fragwürdig war.“

Das ordnen sie hier entweder absichtlich oder aus Unkenntnis falsch ein. Es geht nämlich gar nicht darum, das der Geschäftsmann Unrecht anerkennt und dann weiter seinen Geschäften nachgeht, sondern darum, wegen vergangener Taten, die nach heutigen Standards als Unrecht erscheinen, die ganze Firma für die Übernahme sturmreif zu schiessen.

RMH schrieb richtigerweise: „Die weißen Völker sind aber vermutlich die ersten, die darüber ernsthaft reflektiert haben, die versuchen, derartige Dinge historisch zu erforschen und sich deswegen schlecht fühlen.“ Was wir heute erleben, ist, dass genau auf dieser eigentlich lobenswerten Eigenschaft heute wie auf einem Piano gespielt wird, um uns mit moralischen Klängen einzulullen und uns das Recht auf Verteidigung gegen selbst erfahrenes Unrecht abzusprechen.

Viel schwerer wiegt doch, in Bezug auf Martin Lichtmesz Text, für die weissen US-Amerikaner, die aktuell in ihrem eigenen Land zu einer Minderheit herabgedrückt werden, dass in ihrem Land heute offenbar keine Politik mehr vorbei an Demokraten wie Haim Saban („Ich bin ein Ein-Themen Typ, und dieses Thema ist Israel“) und Republikanern wie Sheldon Adelson („Die Uniform die ich im Militär trug war, unglücklicherweise, nicht eine israelische Uniform. Es war die amerikanische Uniform…“) möglich ist. Wie soll da eine Trendwende eingeläutet werden? Da sind irgendwelche Debatten über vergangenes Unrecht an den Indianern erst einmal tertiär.

Maiordomus
5. November 2018 23:44

@Bettinger. Habe Ihnen Ihre Frage schon mal beantwortet, wurde aber nicht geschaltet. Wittgenstein war in der Geschichte der Logik nicht Spitze, da hat Bochenski nachweisbar weit umfassenderen Aufwand betrieben; die Leute, deren bekanntere Namen auch Sie nachplappern, sind da oft überschätzt. Im Hinblick auf blosse Autoritätsbeweise haben Sie recht. Ich kann für die von Ihnen geforderten konkreten Fortschritte hier nur schon auf die Entdeckung der Supposition im Mittelalter verweisen, davon hatte nicht mal Aristoteles eine Ahnung; und natürlich Leibniz, Bolzano, Frege, Quine, und ohne die Standardwerke von Bochenski, Menne, Tarski und andere können wir hier schwerlich weiterkommen; um es aber ganz einfach zu sagen: Die Logik von Port-Royal (Blaise Pascal) postulierte als vermeintlichen Fortschritt die Inhalt-Umfangregel, die noch zu meiner Zeit jeder Gymnasialschüler an der Prüfung kennen musste; dabei hat Bolzano diese Regel schon im 19. Jahrhundert falsifiziert, was dann wieder einen bedeutenden Fortschritt in der Logik darstellte. Auch mein schon genannter Schüler hat sich mit Problemen befasst, von denen Wittgenstein geschweige denn Sie noch keine Ahnung hatte. Das sind keine Autoritätsbeweise. Autoritäten gelten nicht, Logik war zum Beispiel nicht die Stärke von Kant und Hegel, schon gar nicht von Schopenhauer. Wenn Sie es jedoch noch einfach und leicht verständlich haben wollen, empfehle ich Ihnen durchaus das DDR-Lexikon "Logik", das für den Schulgebrauch sehr nützlich ist, genau so wie die "Logische Propädeutik" von Kamlah-Lorenzen, über die man geprüft sein musste, wenn man im logischen Seminar mitmachen wollte. Zu den Logik-Prüfungen, die ich noch selber habe schreiben lassen, gehörte das Aufspüren von logischen Fehlern z.B. in der Farbenlehre von Goethe. Wobei natürlich klar ist, dass ein einziger logischer Fehler jeweils eine Theorie falsch macht. Siehe noch Logik der Forschung von Popper, über die ich bessere Schüler geprüft habe, z.B. einen schweizweit bekannten theoretischen Physiker. Es bleibt dabei, dass die Scholastiker und auch ein paar mittelalterliche Muslime von Logik bereits mehr verstanden als Platon; dabei bedaure ich jedoch, dass die grossen muslimischen Denker etwa im heutigen Iran wegen ihrer gefährlichen Aufgeklärtheit nach meinen bisherigen Diskurs-Erfahrungen mit muslimischen Gelehrten über wenig Ansehen verfügen; es stimmt, dass bei den Muslimen der Autoritätsbeweis wichtiger ist als die Beweisführung im logischen Prozess. Auch Muslime neigen aufgrund ideologischer Voraussetzungen dazu, ihre eigenen Meister nicht zu studieren, wohl um im Sinn ihres Schriftverständnisses aufklärungsresistent zu bleiben.

Ich halte den aus meiner Sicht erbringbaren Nachweis, dass wohl 95% der Hochschulabsolventen nie auf die Stufe theoretischen Denkens kommen, auch im Sinne des Heideggerschen Satzes "Die Wissenschaft denkt nicht", für bildungsgeschichtlich und bildungspolitisch durchaus von nützlichem Orientierungswert, auch wenn es sich bloss um eine Schätzung handelt. Überhaupt braucht es enorm viel, intensivste wissenschaftliche Studien, ein Leben lang, bis man endlich weiss, dass man nichts weiss, wie es vielleicht Sokrates gemeint hat.

Der Nutzen der Erkenntnisse, den Sie ansprechen, ist der, dass Dutzende von Errungenschaften der mittelalterlichen Logik erst nach der Erfindung der elektronischen Datenverarbeitung nützlich gemacht werden konnten, wie Menne etwa 50 Jahre nach Wittgensteins Tod ganz konkret gezeigt hat. Noch heute gibt es aber Ignoranten, welche die Errungenschaften der Scholastik auf die Debatte, wieviele Engel in einem Stecknadelknopf Platz hätten, rduzieren zu können glauben.

Es ist absolut imponierend, wie z.B. allein aufgrund logischer Erörterungen im 19. Jahrhundert die Notwendigkeit weiterer Planeten postuliert wurde, was dann 1846 zur Entdeckung des Neptun führte. Auch die Erklärung von Pluto zum Planeten und dessen neuere Wiederaberkennung des Planetenstatus hängt mit logischen Erörterungen zusammen. Ein vergleichsweise sehr starker Logiker war Johannes Kepler, für die Geschichte der Wissenschaft sicher viel wichtiger als Wittgenstein und überdies wie Newton gegenüber differenzierenden metaphysischen Überlegungen zugänglich. Über Kepler und seine Beeinflussung durch den Neuplatonismus werde ich nächstes Jahr referieren, aber sicher nicht hier im Blog! Es bleibt aber schon dabei, um Ihnen zum Schluss etwas recht zu geben, dass die öffentliche Relevanz naturwissenschaftlicher Gesichtspunkte bei Weltbild-Debatten in der heute von sog. Sozialwissenschaften beherrschten "Feuilleton-Wissenschaften" sehr am Abnehmen ist, was schon Lübbe vor etwa 25 Jahren bei seiner Abschiedsvorlesung in Zürich mit schneidend exakten Argumenten vortrug. Eduard Kaeser, Physiker und Philosoph, sprach vor Monatsfrist bei seiner Vorlesung zu eben diesem Thema von "wissenschaftlichem Halbwissen".

Maiordomus
6. November 2018 01:22

PS. Zum Nutzen philosophischen Studiums: die Theorie von Geschichtsgesetzen, aufgrund derer ein Oswald Spengler glaubte, er könne die Geschichte voraussagen, beruht auf unhaltbaren, für jeden brauchbaren Gymnasiasten durchschaubaren Analogieschlüssen; schon jeder Vergleich des "Subjekts" von Geschichten mit sog. Dingen der Natur ist eine metaphorische Analogie, also nicht im univoken Sinne schlussfähig; der Wert des Buches von Spengler muss dementsprechend auf den eines bedeutenden und suggestiv wirksamen faszinierenden Romans reduziert werden. Einige Voraussagen stimmten, was man ja auch bei diversen Prophezeiungen von Nostradamus und Paracelsus sagen kann. Es war schon krass ignorant, dass Spengler schrieb, in seinem Buch würde zum ersten Mal der Versuch gemacht, Geschichte (wissenschaftlich) vorauszusagen. ¨Die Versuche von Marx und Engels dies zu tun, sind wenigstens rein logisch unter dem Niveau von Hexenprozessen, welche zum Teil noch von recht starken Logikern freilich aufgrund absurder Voraussetzungen im Einzelfall recht konsequent durchdacht waren; das durchschnittliche Niveau war sicher nicht geringer als bei heutigen Rechtsgelehrten. Ich finde, dass ich mich dank der Erarbeitung von solchen Grundlagen im Einzelfall auch für politische Kritik eigne, wiewohl ich mich zugegebenermassen schon oft getäuscht habe. Zu den aber nicht unbedeutenden Denkern, die den Nachweis der Absurdität von Rechtsdogmatiken auf hohem Niveau erörtert haben, etwa im "Monstervortrag über die Gerechtigkeit", gehört noch Friedrich Dürrenmatt. Bei aller achtbaren Nützlichkeit der Gewaltentrennung, für die es Gründe der praktischen Vernunft gibt, ist der Glaube, juristische Problemlösungen seien per se besonders rational, eine Folge von mangelnder wissenschaftstheoretischer Basis-Bildung.

Michael B.
6. November 2018 02:37

> wie z.B. allein aufgrund logischer Erörterungen im 19. Jahrhundert die Notwendigkeit weiterer Planeten postuliert wurde, was dann 1846 zur Entdeckung des Neptun führte.

Die Entdeckung von Neptun beruhte auf beobachteten Abweichungen der Bahn des schon entdeckten Uranus von seiner erwarteten Bewegung nach den Keplerschen Gesetzen. Man vermutete eine Gravitationsstoerung durch einen unbekannten Koerper und berechnete erfolgreich dessen Position. Das ist beste Kombination von Naturwissenschaft und Mathematik. Logik spielt hier ausser in ihrer ueblichen elementaren Rolle im praktischem Schliessen der Mathematik ueberhaupt keine Rolle.

> Auch die Erklärung von Pluto zum Planeten und dessen neuere Wiederaberkennung des Planetenstatus hängt mit logischen Erörterungen zusammen.

Die Aberkennung war eine sicherlich nicht durch Logik getriebene Entscheidung. Eine simple Quelle wie ein Wikipedia-Eintrag zu Pluto liefert dahingehend mehr als genug an Erklaerung zu den im Gegenteil technisch getriebenen Erkenntnissen zum Kuiperguertel, die neue Definitionen des Begriffs Planet nahelegten, wenn man nicht Krethi und Plethi so bezeichnen wollte.

Wie komme ich jetzt wieder zu Amerika? Keine Ahnung :-)

Ich kann mich aber dem Bettinger nur anschliessen: Hoeren Sie doch bitte einmal auf hier Noten zu verteilen, Herr Hausmeier. Ein paar der hier schreibenden Leute "gehen schon ein paar Jahre allein aufs Klo", um es mal taktlos mit einem Haupthelden aus Raymond Chandlers Romanen zu sagen. Und um im Bild zu bleiben - da sind Toiletten dabei, die koennen Sie sich gar nicht vorstellen. Ihr Wissen ist durchaus limitiert und die von FB angekreidete Schwaeche des nicht in der Sache sondern ueber Autoritaeten Argumentierens, faellt nicht nur ihm auf. Dabei geht es dann ganz selten - und wie die oben kritisierten Ausfluege in die Realitaet zeigen, nur sehr unvollkommen - ueber mehr als Nennung von Namen hinaus. Danach kommt noch ein "beschaeftigte sich tiefer als", "ist bedeutend umfassender" etc. ad nauseam. Verbunden noch oefters mit nachtretender Arroganz der Art "wovon Sie keine Ahnung haben".
Skizzieren Sie die 'Tiefe' und das 'Umfassender' inhaltlich und mit eigenen Worten. Ist doch eigentlich eine Grundforderung, die gerade jeder Lehrer stellt.

quarz
6. November 2018 10:39

@Bettinger

"Worin liegt der Logik Fortschritt?"

In dem Umstande, dass wir in der Lage sind, die Gültigkeit bzw. Ungültigkeit vieler Argumente nachzuweisen, deren Gültigkeit bzw. Ungültigkeit wir zu einem früheren Entwicklungszeitpunkt der Logik bestenfalls intuitiv erahnen konnten.

Dieser Nutzen betrifft zunächst einmal die Bewertung von alltäglichen Argumentationen, die ja notorisch gespickt sind mit logischen Fehlern. Durchaus aber auch, wenn Sie's schon ansprechen, "letzte Fragen" wie die nach der Existenz Gottes. Manch ein sich informiert Dünkender glaubt ja z.B., dass sich der ontologische Gottesbeweis seit Kant erledigt hat. Dank neueren Entwicklungen in der Logik erlebt er aber in den letzten paar Jahrzehnten eine bemerkenswerte Renaissance. Aber das nur Nebenbei.

Die Relevanz der Logik in Zusammenhang mit der empirischen Wissenschaft zeigt sich z.B. bei der Frage, welche Teile einer Theorie man bei widersprechendem empirischem Befund opfern soll. Entgegen einer allzu naiven Ansicht stellen sich ja nicht isolierte Aussagen einer empirischen Prüfung, die man im Widerlegungsfall einfach durch ihre Negation austauschen und den theoretischen Rahmen drumherum nachjustieren kann. Jede Beobachtung ist theoriebelastet und es ist eine Frage der logischen Stellung der betroffenen Aussage im Theorieverbund, wo in der Theorie und eventuell wo bei der Beobachtung man den Korrekturstift ansetzen muss.

heinrichbrueck
6. November 2018 13:17

@ Michael B.

Die Staatsverschuldung war noch nie variabel, sie steigt in jedem Land. Langfristig wird alles Produktive abgesaugt, wie von einer Heuschreckenplage kahlgefressen. Alle Lösungen innerhalb des Problems sind Augenwischerei.
Nettes Video: https://www.youtube.com/watch?v=gn6JcdL2RQ8
Die Verlierer haben mit Trump das System nicht geändert. Es gibt Ressourcen und Produktivkräfte auf dieser Welt. Die Ressourcen sind endlich, werden also bei einer Überbevölkerung nicht ausreichen. Die Kontrolle über die Ressourcen, deren Verbrauch zu organisieren, auch mittels Globalisierung, setzt eine Planung voraus.
Die Juden gibt es eigentlich nicht, aber das Judentum als Ideologie schon; und von der Wüstenwanderung bis zu Baron Rothschild, keine ominösen Gottgleichen, aber eine Gruppe mit Plan. Wozu werden die Freimaurer, Geheimlogen, Bilderberger und wie sie alle heißen, die vielen NGOs, gebraucht? Trump mag für die Welt eine positive Wahl gewesen sein, für die weißen Amerikaner wird er nicht der Heilsbringer sein. Die Weißen haben gegen die antiweiße Dezimierungspolitik keinen langfristigen Plan. Außer Gott ist tot plus Pseudochristentum keine eigene Priesterkaste im Widerstreit zugunsten des Eigenen. In den modernen Gesellschaften ist der Wertkonservative ein toter Mann.

Johannes Poensgen
6. November 2018 14:53

Ad Maiordomum: Textverständnis sechs. Setzen!

"Der Untergang des Abendlandes" behandelt, wie von Spengler ausdrücklich geschrieben, die grundlegende Methodenfrage der Geschichtswissenschaft.

Der Titel hat mit der Entstehungsgeschichte des Werkes zu tun. Spengler ist bei einer Abhandlung über die politische Gefahrenlage seiner Zeit das Material unter den Händen explodiert.

Es geht Spengler darum, auf welche Weise wir geschichtliche und politische Zusammenhänge erkennen. Deshalb stellt er auch die Frage, ob Geschichte wissenschaftlich behandelt werden kann. Er verneint diese Frage mit dem Verweis auf Kants Aussage, daß die Wissenschaft im strengen Sinne nur so weit reicht, wie die mathematische Methode.

Spengler unterscheidet dann die Arten des Erkennens zwischen Logik und Takt. Das geschichtliche Denken gehört in den Bereich des Taktes, das heißt, daß man gar nicht geschichtlich denken kann, ohne die selbstverständliche und unbewußte Vertrautheit mit den Gegenständen historischen Denkens. Das ist das Gegenteil logischen Denkens, welches von einer Handvoll Axiomen ausgeht.

Deshalb: Wenn jemand von den "Geschichtsgesetzen" Oswald Spenglers redet, ist das ein sicheres Zeichen dafür, daß er nicht verstanden hat, worum es überhaupt geht.

B. Breckert
6. November 2018 17:21

Ich finde es schade, daß der interessante Artikel von Martin Lichtmesz nicht aus praktischer Sicht kommentiert wird, sondern im ideologischen und besserwisserischem Gezänk endet.

Mitleser
12. November 2018 01:17

@Sandstein
"In den USA gab es 1919 Rassenunruhen in mehr als zwei Dutzend Städten, dann 1964 in New York, dann Watts, wenig später in Detroit. Martin Luther King wurde erschossen, Kennedy wurde erschossen. Was genau ist passiert? Gar nichts."

Damals war die Dominanz der anglo-amerikanische Leitkultur noch ungebrochen und die große Mehrheit der Bevölkerung weiß/europäischer Abstammung.
Das wird in der Zukunft nicht der Fall sein, daher sehe ich bürgerkriegsähnliche Zustände in der amerikanischen Union nicht als etwas das man ausschließen sollte.

Ruewald
12. November 2018 09:23

@Lichtmesz: hervorragende Analyse .

Man entschuldige bitte, wenn ich nochmals auf Abwegiges zu sprechen komme.
@Maiordomus, @Bettinger, @Michael B., @quarz
Logik und Mathematik sind formale (!) Wissenschaften, die per se nichts über die Welt aussagen. Das kommt erst mit einer semantischen Interpretation zum Tragen. Dies hat @MichaelB. recht klar dargestellt.
Eine physikalische Theorie ist immer ein mathematischer Formalismus zusammen mit einer physikalischen Interpretation (die meist auch den Gültigkeitsbereich math. Lösungen einschränkt)

Mit Logik allein kann man weder die Existenz von Planeten, noch die eines Gottes beweisen.
Logische Gottesbeweise, auch z.B. der von Kurt Gödel stammende ontologische, sind grob gesprochen Taschenspielertricks, die keinerlei "reale" Existenz beweisen und auf die weder Theologen noch Gläubige sich stützen können.

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