Sezession
29. Oktober 2018

Schicksalsfrage Identität – ein Gespräch

Redaktion / 22 Kommentare

Identität, also: das stabile und stabilisierende Bei-sich-Sein, ist nicht nur für das Ich, sondern auch für das Wir eine Schicksalsfrage.

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Die Psychologin Gabriele Bensberg (sie leitete von 2011 bis 2017 die Psychologische Beratngsstelle des Studierendenwerks Mannheim) befaßt sich in ihrem kaplaken-Bändchen mit der Identität und gibt im folgenden Gespräch Antworten darauf, warum die Frage nach der Identität eine Schicksalsfrage ist.

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SEZESSION: Sehr geehrte Frau Dr. Bensberg, Sie ziehen in Ihrem Buch historische Vergleiche zu Völkern, die sich in einer existenziellen Bedrohungslage befanden und darüber der gemeinsamen, übergeordneten Identität bewußt wurden, weil sie dabei half, sich zu behaupten. Betrachten wir die Situation heute, befinden wir uns in einer ähnlichen existenzbedrohenden Lage. Dennoch bleibt der sprichwörtliche "große Befreiungsschlag“ des identitätsbewußten Revivals aus. Woran liegt das?

BENSBERG: Das liegt daran, daß in Deutschland das sogenannte kosmopolitische Weltbild die Deutungshoheit erlangt hat und wir seit Jahrzehnten, um Professor Meuthen zu zitieren, in einer „links-rot-grün versifften“ Republik leben. Dieser Wertewandel hat sich sehr radikal vollzogen und wird von den Altparteien und vor allem den Medien vertreten. Das kosmopolitische Weltbild postuliert die Gleichheit aller Menschen, so daß es angeblich bedeutungslos ist, wo jemand geboren wurde und welche Lebensformen er nach welchen Werten praktiziert. Dieses Weltbild hat 2015 für die diskussionslose Aufnahme von jedem „Flüchtling“, der bei uns anklopfte, gesorgt, ohne daß man sich für dessen Identität groß interessiert hätte.

SEZESSION: Wie sähe ein Weltbild aus, das der Infragestellung und Bedrohung des Eigenen nicht masochistisch entgegenträte?

BENSBERG: Das entgegengesetzte Welt- und Gesellschaftsverständnis ist » kommunitaristisch«. Es begreift den Einzelmenschen nicht nur als Individuum, sondern auch als Teil seiner Familie und einer größeren Gemeinschaft, eines Volkes, einer Nation, deren Traditionen und Werte ihn geprägt haben. Dabei wird angenommen, daß die Werte und das Menschenbild anderer Kulturen nicht unbedingt schlechter, aber eben anders sind, und daß ein friedliches und sozial gerechtes Miteinander nur innerhalb einer möglichst homogenen Gesellschaft funktionieren kann, deren Angehörige eine ähnliche Geschichte teilen und ähnliche Standards des Zusammenlebens entwickelt haben.

Daß man „wir“ sagt, hat nichts mit der Anerkennung irgendwelcher Gesetzesparagraphen zu tun, sondern mit der Einbindung in eine gemeinsame Geschichte und eine bestimmte Kultur. Geschichtliche Ereignisse gehen in das kulturelle Gedächtnis ein, rufen ein Zusammengehörigkeitsgefühl hervor und unterscheiden Kulturen notwendigerweise voneinander. Vertritt man jedoch in Deutschland diese Position und äußert grundsätzliche Bedenken gegenüber einer „bunten“ Gesellschaft, gilt man schon als faschistoid und riskiert im Extremfall, seine Wohnung und seinen Job zu verlieren.

SEZESSION: Sie schreiben davon, daß es Kulturdimensionen gäbe, welche die diversen Volksidentitäten voneinander scheiden. So schreiben Sie den Mitteleuropäern und insbesondere den Deutschen zu, daß sie im Vergleich zu anderen Völkern eher femininer Prägung oder Tendenz seien. Woran machen Sie das fest? Und: Ist dies eine jüngere Entwicklung oder bereits seit längerem im Wesenszug der Deutschen verankert?

BENSBERG: Das weiß man aufgrund wissenschaftlicher Studien, in denen repräsentative Befragungen zu Werten und Haltungen in einzelnen Ländern durchgeführt wurden. Schweden steht übrigens an der Spitze der feminin geprägten Nationen. Deutschland mischt weit vorne mit, und das ist absolut kein historischer Wesenszug der Deutschen, sondern hat mit der jüngeren Geschichte zu tun. Zur Zeit des dritten Reiches wurden maskuline Tugenden massiv mißbraucht und gerieten nach dem Krieg daher in Mißkredit, wobei man das Kind mit dem Bade ausschüttete. Dazu beigetragen haben auch Schriften wie Adornos „Studien zum autoritären Charakter“. Adorno sah in dem angeblich autoritären Charakter der Deutschen eine wesentliche Verursachungsquelle für den Aufstieg der Nationalsozialisten. In der Folge gerieten alle Eigenschaften, die als traditionell maskulin gelten, in Generalverdacht. Man versuchte, sich von diesen Eigenschaften zu distanzieren und seine Kinder in genau entgegengesetzter Richtung zu erziehen.

Massiven Einfluß nahmen dann die Achtundsechziger, deren Ideen in den meisten westlichen Ländern Fuß faßten und deren Epigonen sich in Deutschland in der Partei „Die Grünen“ sammelten. Sie schafften den Marsch durch die Institutionen und veränderten entscheidend das gesellschaftliche Wertespektrum. Maskuline Tugenden wie Disziplin, Selbstkontrolle, Anerkennung von Autoritäten, Mut, Tapferkeit und die Bereitschaft, in einer existenziell bedrohlichen Situation das eigene Land notfalls mit dem Einsatz von Waffen zu verteidigen, wurden von ihnen verdammt. Statt dessen organisierten sie sich in der Friedensbewegung, riefen zur Wehrdienstverweigerung auf und proklamierten die antiautoritäre Erziehung in Kindergären, Schulen und Familien. Die Kinderladenbewegung war nicht nur ein Phänomen linker Studentengruppen, sondern drang weit in bürgerliche Kreise ein.

Die letzte Blüte, die auf diesem Boden erwuchs, ist der Genderismus, dessen bizarre Vertreter biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern schlichtweg leugnen und Unterschiede zwischen Mann und Frau nur als Folge gesellschaftlicher Einflüsse verstehen – eine Absurdität, deren Unsinn jeder Abiturient mit LK Biologie problemlos nachweisen kann.

SEZESSION: Diese Angehörigen einer »neuen Gesellschaft« könnten - das ist die Hoffnung unserer Zeit - gerade das Emanzipiertsein von einer belastenden Geschichte und von jeder Festlegung überhaupt als große Gemeinsamkeit ansehen. Ist das nicht ein wirkmächtiges Konzept?

BENSBERG: Wenn Sie mit den Angehörigen einer „neuen Gesellschaft“ die „progressiven“ Kräfte im Land meinen, die aus den von mir genannten Bewegungen entstanden sind wie zum Beispiel die Grünen, so schlagen diese ja gerade den umgekehrten Weg ein.

Der Kulturwissenschaftler Professor Jan Assmann nennt als wesentlichen Stützpfeiler der Identität einer Großgruppe den sog. Gründungsmythos. Dieser Mythos muss historisch nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen, aber er sollte, um zu tragen, positiv besetzt sein wie etwa der Auszug aus Ägypten oder der Rütlischwur. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich jedoch mit Auschwitz einen äußerst problematischen negativen Gründungsmythos geschaffen.

Und es sind gerade die links-liberalen „progressiven“ Kräfte, die diesen Mythos kultivieren, indem sie unablässig vor dem Abgleiten in nationale Denkmuster warnen und beständig Offenheit, Vielfalt und Interkulturalität predigen. Die 12 Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft wirken also immer noch wie ein engmaschiges Korsett. Nur auf diesem Hintergrund ist die hypertrophe deutsche Willkommenskultur der vorangegangenen Jahre überhaupt zu verstehen, über die man ja nicht nur in Osteuropa, sondern auch in einigen westlichen Nachbarländern, in denen Nationalsozialisten nie an der Macht waren, verständnislos den Kopf geschüttelt hat. Der niederländische Telegraaf nannte uns damals ein Volk von opferbereiten Naivlingen und die Dänen schotteten sich schon 2015 gegenüber den Flüchtlingen ab und betonten, dass sie dänisch bleiben wollten. Sagt man in Deutschland, man wolle deutsch bleiben, hat man angeblich aus der Geschichte nichts gelernt und mit Geschichte ist dann vor allem die nationalsozialistische Diktatur gemeint.

SEZESSION: Sie sprachen über persönliche, familiäre, berufliche und nationale Identität. Gibt es aus Ihrer Sicht so etwas wie eine zivilisatorische Identitätsebene? Wie wichtig ist Europa als Raum gemeinsamen Schicksals, gemeinsamer Geschichte, gemeinsamer Identität?

BENSBERG: Selbstverständlich ist Europa immens wichtig, denn uns Europäer verbindet eine lange Geschichte, eine gemeinsam Kultur und Errungenschaften, um die uns die Welt beneidet hat. Die großen Denker der griechischen und römischen Antike, die jüdisch-christliche Basis, die Errungenschaften der französischen Revolution, innovative Erfindungen, die dann die industrielle Revolution ermöglichten und vieles andere mehr, gehören dazu.

Auch die Frau hatte bei den Europäern seit jeher eine viel stärkere Stellung als in vielen außereuropäischen Kulturen, auch wenn es lange gedauert hat, bis die volle Gleichberechtigung erreicht war. Eine hochgebildete Äbtissin wie etwa Hildegard von Bingen, die selbst Friedrich Barbarossa Ratschläge erteilte, kennt der Islam nicht. Dieser Unterschied in Bezug auf die Stellung der Frau existierte schon vor der Christianisierung. So verwunderte sich der arabische Händler aṭ-Ṭarṭûschî, der das wikingische und damals noch heidnisch geprägte Handelszentrum Haithabu im Jahr 965 besuchte, über die Freiheiten, die Frauen eingeräumt wurden, u.a. das Recht, sich aus eigenem Entschluß heraus von seinem Ehemann zu scheiden.

Europa ist im übrigen nicht gleichbedeutend mit der EU. Diejenigen Bürger, die bei „Pulse of Europe“ demonstrieren, segeln unter falscher Flagge. Sie demonstrieren eigentlich für die EU und nicht für Europa. Die EU betreibt durch ihre Politik der „Gleichmacherei“ die Zerstörung des alten Europas, das jenseits der obengenannten Gemeinsamkeiten aus unterschiedlichen Völkern mit einer jeweils unterschiedlichen Historie bestand, die sich gegenseitig u.a. durch den Austausch von Ideen befruchteten, so daß sich ein faszinierendes Mosaik ergab. Wer aber versucht, die bunten Steine eines Mosaiks in eine einzige Farbe umzufärben, zerstört das Mosaik und nimmt ihm seine Strahlkraft.

SEZESSION: Den einseitigen Umgang mit unserer Geschichte, die stetige Konfrontation mit der zugeschriebenen historischen Schuld wird von Ihnen als schwere Identitätsstörung betrachtet. Gleichzeitig verweisen Sie darauf, daß diesbezüglich eine Reizüberflutung stattgefunden habe. Können Sie sich vorstellen, daß die Schuldfrage für künftige Generationen eine immer unbedeutendere Rolle spielt und dadurch eine Normalisierungsprozeß stattfindet?

BENSBERG: Die Schuldfrage wird in der Tat mit zunehmendem Abstand zu diesen zwölf Jahren eine unbedeutendere Rolle spielen, zumal absehbar ist, wann die letzten Zeitzeugen verstorben sein werden. Es gibt dann in den Familien junger Leute keine noch lebenden Vorfahren mehr, die an den damaligen Geschehnissen beteiligt waren.

SEZESSION: Das ändert doch aber nichts an der Tatsache, daß die historische Erzählung ganz und gar durch den Drehpunkt »Drittes Reich« bestimmt wird: Den Anlauf dorthin bildet der fatale deutsche Sonderweg, dann kommen die zwölf schlechthin bösen Jahre, und erst durch die totale Niederlage ist eine befreite, also gute deutsche Geschichte möglich geworden. Um dies zu erzählen, brauchen Sie keine Zeitzeugen.

BENSBERG: Die individuell empfundene oder unbewußt wirkende Schuldfrage ist etwas, das sich mit zunehmendem Abstand zum Ereignis abschwächen könnte. Sie ist deshalb aus meiner Sicht nicht allein dafür verantwortlich, daß das Nationalgefühl in Deutschland am schwächsten ausgeprägt ist, wie etwa der von mir zitierte Psychologieprofessor Schmidt-Denter und sein Team von der Kölner Universität in einem europaweiten Vergleich nachgewiesen haben. Dazu tragen die Schulen und die entsprechenden Curricula, die Leitmedien sowie die regierenden Altparteien erheblich bei. Zum Teil stellt ja schon die Bezeichnung „national“ eine Art verdammungswürdiges Schimpfwort dar, und wo sonst wird eine Integrationsministerin berufen, die leugnet, daß es außerhalb der Sprache überhaupt so etwas wie eine deutsche Kultur gibt.

Andere Nationen haben diesen masochistischen Zug nicht. Die USA hätten allen Grund, sich ihres erbarmungslosen Umgangs mit den indianischen Ureinwohnern zu schämen. Es sei daran erinnert, daß die Indianer Amerikas von den Siedlern gezielt verfolgt und fast ausgerottet wurden. Im ausgehenden 17. Jahrhundert setzte etwa das Gericht von Massachusetts offiziell ein Kopfgeld in unterschiedlicher Höhe je nach Mann, Frau oder Kind für jeden getöteten Indianer aus, und noch am Ende des 19. Jahrhunderts befleißigte sich der Bundesstaat Minnesota derselben Praxis, indem Prämien für getötete Indianer gezahlt wurden.

Die US-Amerikaner plazieren aber im Unterschied zu uns kein Mahnmal, das ihre eigenen Schandtaten in Stein oder Stahl gießt, in ihrer Hauptstadt oder stellen es sich vor das Weiße Haus, sondern sie betonen statt dessen die positiven Aspekte ihrer Geschichte und Nation.

SEZESSION: Wird es eine Wiederentdeckung der eigenen Identität im großen Umfang geben? Wenn ja: Wie könnte sich dies äußern, vollziehen?

BENSBERG: Nun, ich bin keine Prophetin, und in unserer schnellebigen Zeit lassen sich solche Vorhersagen nur unter großen Vorbehalten treffen. Ich glaube, das Wiederentdecken der eigenen kulturellen Identität als etwas Wertvollem, das es zu verteidigen gilt, kann sich auf verschiedenen Wegen vollziehen: Einmal indem die Probleme, die die Zuwanderung mit sich bringt, eskalieren, zum Beispiel indem Migranten, wie in Ceuta nun schon wiederholt geschehen, unter Anwendung von massiver Gewalt versuchen, in das europäische Land ihrer Wahl zu gelangen, zum anderen indem Kriminalität und Vandalismus in von Migranten dominierten Stadtteilen und Städten wie z.B. im schwedischen Malmö weiter zunehmen. Auch die Erfahrung, daß immer mehr Städte und Regionen „kippen“, indem sie islamisiert oder afrikanisiert werden, kann dazu beitragen, sich auf das eigene kulturelle Erbe zu besinnen. So nennt ein italienischer Politikwissenschaftler Neapel mittlerweile „die nördlichste afrikanische Stadt“, worauf Professor Werner J. Patzelt von der TU Dresden in seinem Vortrag “Europa für alle? Aspekte der neuen Völkerwanderung“ hingewiesen hat. Hier hat sich nicht nur Italien bereits abgeschafft, nein, hier hat sich Europa abgeschafft. Auch die ständig vorhandene Terrorgefahr kann willkommensaspirierte Naivlinge zu einer realistischeren Sicht auf die Zuwanderung bewegen. So hätte der in Köln geplante islamistische Anschlag mit dem extrem gefährlichen Gift Rizin im Ernstfall Tausende Menschen das Leben kosten können und wäre dann als der verheerendste Terrorakt in ganz Europa in die Geschichte eingegangen.

Diese Phänomene können dazu führen, daß Menschen politisch umdenken. Daß das möglich ist, zeigt Schweden. Das Land galt über viele Jahrzehnte geradezu als Tempel der Multikulturalität, das Flüchtlingen und Wirtschaftsmigranten Tür und Tor weit geöffnet hat. Seitdem jedoch ungelöste Integrationsprobleme dilatieren und mehr als die Hälfte der Sozialleistungen von Migranten in Anspruch genommen werden, hat sich die Stimmung deutlich geändert. Immer mehr Schweden haben die Faxen dicke, und das schlägt sich auch politisch nieder. Auch Deutschland kann sich wandeln, und Deutschland ist schon dabei, sich zu wandeln.


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Kommentare (22)

Maiordomus
29. Oktober 2018 13:57

Man stelle sich ein Völkermord-Denkmal als Entschuldigung für das Verschwinden der Ureinwohner vor, sagen wir mal vor dem Kapitol in Washington? Da sieht Bensberg sicher einiges richtig, wiewohl man als Staatsphilosoph darauf hinweisen muss, dass "Identität" zwar ein notwendiger Bestandteil des Volksbegriffs ist, aber noch längst nicht der Kern dessen, was man in der Tradition von Aristoteles und Pufendorf in der Staatsphilosophie das Allgemeinwohl genannt hat.

Ruewald
29. Oktober 2018 15:52

Zum Gründungsmythos:
Der Soziologe Jost Bauch schreibt in dem 2014 erschienenen Buch: "Mythos und Entzauberung. Politische Mythen der Moderne", daß
ein Gründungsmythos begründet, warum eine Nation, ein Volk, eine Institution oder eine Dynastie ein Existenzrecht hat. Der Holocaust sei als "eigentlicher Gründungsmythos der BRD" (Joschka Fischer et al.) aber unmöglich. Der Holocaust kann von sich aus kein Existenzrecht legitimieren, im Gegenteil: er vermittelt eine "negative Identität", wonach sich Deutschland eigentlich selbst abschaffen müßte, statt das Weiterexistieren zu legitimieren.

Ruewald
29. Oktober 2018 15:57

Weitgehend einverstanden mit den Ausführungen von Fr. Dr. Bensberg, jedoch das am Schluß so begrüßte bloße "Umdenken" kommt zu spät und geht zu langsam, wird von den gesteuerten Ereignissen (nun noch potenziert durch den UN-Migrationspakt) überrollt.

Aber mit folgender Aussage bin ich nicht einverstanden:
"Die Schuldfrage wird in der Tat mit zunehmendem Abstand zu diesen zwölf Jahren eine unbedeutendere Rolle spielen, zumal absehbar ist, wann die letzten Zeitzeugen verstorben sein werden. Es gibt dann in den Familien junger Leute keine noch lebenden Vorfahren mehr, die an den damaligen Geschehnissen beteiligt waren."
Meine Eindruck ist ein anderer. Zeitzeugen (außer KZ-Überlebenden) sind immer mehr aussterbende Korrektive gegen eine verfälschende Geschichtsschreibung. Historiker wie Diwald, Fest, Nolte u.a. waren noch aus der Erlebensgeneration und bemühten sich um Objektivität. Die heutigen Historiker, erst nach den 1950er Jahren geboren und der Reeducation-Generation zugehörig, bilden sich ein, sie wüßten alles besser. Der kürzliche Historikertag war eine Bankrotterklärung der Geschichte als Wissenschaft. Meine Mutter, Jg. 1921, und die meisten der noch Lebenden ihrer Generation beklagen die in den letzten Jahrzehnten zunehmende einseitige Verzerrung der Geschichte in den Medien. Den jungen Menschen wird durch Schulbücher, Hollywood-Filme, Zeitungen, Fernsehen, Politiker etc. unentwegt ein bestimmtes Weltbild und Geschichtsbild eingehämmert, und wenn ausgestorbene Zeitzeugen kein Korrektiv mehr bilden können, dann wird dieses Schuldgeschichtsbild tief in die Köpfe und die Seelen eingraviert. Und die Angst vor Denunziation sorgt dazu für freiwillige Selbstzensur, wenn ja einmal geringe Zweifel aufkommen.
Ich machte 1962 Abitur. Obwohl mein Deutsch- und Geschichtslehrer Prof. Hermann Glaser ein prominenter Promotor der Reeducation war, konnten wir damals noch sehr frei über alles diskutieren und es gab bei weitem nicht diese Penetranz und Maulkorbeinschüchterung.

quarz
29. Oktober 2018 19:33

1) Die Fokussierung auf die NS-Zeit als ursächliche Determinante des aktuellen neurotischen Selbstverständnisses der Deutschen greift zu kurz. Viele von den beschriebenen Symptomen beobachten wir ja auch in anderen Ländern, denen die NS-Vergangenheit fehlt und die sich als Siegermächte sogar in der Rolle des Drachentöters gefallen könnten. Der angesprochene Mangel an Mut, Tapferkeit und Mannhaftigkeit ist derzeit unter jungen US-Amerikanern, der sogenannten "Snowflake-Generation" in noch stärkerem Maße zu beobachten als hierzulande. Es scheint, als sei die gesamte westliche Zivilisation an einem Ichschwäche-Virus erkrankt, welche Erkrankung sich in jeweils regionalspezifischen Formen eines Schuldkultes (NS, Kolonialismus, Sklaverei) zum Ausdruck bringt.

2) "Maskuline Tugenden wie Disziplin, Selbstkontrolle"

Interessanterweise werden selbstbewusst und aggressiv auftretende Immigranten vielfach als männlicher Kontrast zu ihren hiesigen Waschlappen-Geschlechtsgenossen wahrgenommen, obwohl ihnen Disziplin und Selbstkontrolle, diese beiden formgebenden Aspekte gelungener Virilität in auffallendem Maße fehlen. Ein Großteil der Probleme, die wir mit ihnen haben, entspringt ja gerade dem Mangel an Affektkontrolle, der das Verhalten vieler Angehöriger nahöstlicher und afrikanischer Kulturzonen prägt.

Maiordomus
29. Oktober 2018 20:25

@Ruewald. Glasers Literaturgeschichte habe ich vor rund 55 Jahren als erste Literaturgeschichte überhaupt zur Kenntnis genommen, wurde dort u.a. auf die Autoren der Gruppe 47 aufmerksam gemacht, die ich dann der Reihe nach mit Interesse gelesen habe. Am stärksten beeindruckte mich mit der Zeit Enzensberger. Immerhin existierten für Glaser noch Autoren wie Ernst Wiechert (ein Lieblingsautor des jungen Ratzinger), Werner Bergengruen, Reinhold Schneider, Edzard Schaper, Alfred Andersch und andere. Im Vergleich zu hochkitschigem Geschichts-Schrott wie Schlink waren so gut wie alle Autoren, die wie Böll noch selber Kriegserfahrungen gemacht hatten, noch nicht im Sinn einer Gehirnwäsche "antifaschistisch", sondern auf Grund konkreter, von ihnen noch benennbarer Erfahrungen. Kein Wunder realisierten dannzumal Alfred Andersch und Ernst Jünger, dass sie eigentlich im gleichen Boot sitzen. Dass Heinrich Böll am 30. April 1945 über den bekanntesten Toten jenes Tages noch ins Tagebuch schreiben konnte "Gott sei seiner Seele gnädig", kann man sich heute etwa so vorstellen wie allenfalls das "Gebet": "Lieber Gott, lass doch auch den Teufel in den Himmel kommen!" Jedenfalls steht dieses faktische Gebet für einen Verstorbenen jenseits von allem, was für die Kirchen von heute noch fürbittefähig wäre. Trotzdem und erst recht war und blieb Böll ein authentischer Katholik.

Der_Juergen
29. Oktober 2018 21:29

@Ruewald

Sie sprechen mir aus der Seele. Im allgemeinen kann man Frau Bensbergs Ausführungen sicherlich zustimmen, aber ihre Ansicht, wonach die "Schuldfrage" eine zusehends weniger wichtige Rolle spiele, entspricht nicht den Fakten.

Je länger der Zweite Weltkrieg zurückliegt, desto hysterischer und lügenhafter wird die Berichterstattung darüber, und desto intensiver wird seine offizielle Darstellung als Rechtfertigung für die Zerstörung Deutschlands benutzt.

Solange das Eitergeschwür der amtlichen Lügen über die deutsche Vergangenheit nicht aufgestochen wird, ist an eine seelische Genesung Deutschlands nicht zu denken. Jene Rechten, die meinen, man dürfe den offiziellen Diskurs um Gottes willen nicht in Frage stellen, um nicht als "rechtsradikal" und "nazistisch" beschimpft zu werden, lügen sich selbst in die Tasche. Wer dem Feind seine schärfste und tödlichste Waffe kampflos überlässt, darf sich nicht wundern, wenn er immerfort den Kürzeren zieht.

Kroeslin
29. Oktober 2018 22:01

Das übliche Nichtsbegreifende, das sich über "Bizarres", das schöne "Damals", die "Verdrängung" der "Schuld" anderer, allgemeine Ungerechtigkeit, über "Identität" (also das völlig leere "Ich bin ich" oder halbleere "Ich will ich sein"), Denkmäler , diverse Phänomene und "Möglichkeiten" nett oder kopfschüttelnd unterhält.

Ein deutsches Volk wird es nur (wieder) geben, wenn es notwendig ist, ansonsten ist sein geschichtliches Pulver verbraucht. Identität ist immer auch der Unterschied, eine wesentliche Existenz geht nur daraus hervor, wenn Etwas nicht nur als bloß verschieden von anderem dahinscheidet, sondern sich etwas anderem entgegensetzt und damit sich als (geschichtliches) Zeichen setzt. Davon scheinen wir weit entfernt - oder sollte der große Selbstmord dies Zeichen sein?

Wahrheit ist die Vermittlung durch die Extreme. Nach dem Extremismus des "Blut und Boden" müssen wir nun das Zurückschlagen des Relativismus und die Vollverwertung der Welt überleben. Besser aber wäre das Begreifen all des scheinbar Irren als Ausdruck menschlicher Freiheit. Voraus ginge die unaufgeregte Klärung der Begriffe, denn allein am Begriff Volk verläuft doch schon die Bürgerkriegshauptkampflinie.

Ruewald
30. Oktober 2018 00:03

@Maiordomus
Es freut mich, daß Sie Hermann Glaser würdigen, der im Sommer kurz vor seinem 90. starb. Er war, wie Sie, ein enzyklopädischer Geist mit bis zuletzt phänomenalem Gedächtnis. Als Lehrer im Gymnasium sehr anregend, auch im Hinblick auf kritisches Denken. Er wurde danach einflußreicher Kulturpolitiker, von ihm stammt der Begriff "Soziokultur", und ist Autor von über 50 Büchern. -
Leider vertrat er, im Lauf der Zeit immer mehr, ein ideologisch fixiertes Geschichtsbild im Sinne der Siegermächte und der Umerziehung. Vor einigen Jahren schickte ich ihm dazu meine Kritik auf metaideologischer und wissenschaftstheoretischer Basis. Er nahm mir das nicht übel und kam zum Schluß, daß unsere Standpunkte wohl unvereinbar sind, und schlug – das ehrt ihn – auf feine englische Art nach dem Motto "honesty is the best policy" bei gegenseitigem Respekt vor, "to agree that we disagree".

bb
30. Oktober 2018 02:31

Äußerst verzwickte Lage, in der wir da stecken. Einerseits gilt es verlorene Kultur wieder zu entdecken. Dies ist an sich schon schwierig genug, da wie beschrieben die Zeitzeugen fehlen und das typisch deutsche in der BRD nur rudimentär weitergegeben wurde.

Andererseits müssen wir, sollten wir Teile unserer verschütteten Kultur wieder ausgraben, diese nicht nur rezipieren, sondern sie mit neuem Leben füllen und obendrein die Brücke zur Moderne schlagen.

Schlussendlich gilt es, in einer Art Renaissance auf dem Gewesenen etwas Neues aufzubauen.

Dies alles scheint mir aufgrund unserer gegenwärtigen Situation schlicht ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Der restliche, versprengte Haufen dieses Volkes will mit selbigem lieber nichts zu tun haben. Den meisten BRD Bewohnern sind solche Fragen nicht einmal präsent.

Vielleicht ist ein Abschied vom Herumstochern in den Überresten unserer Ahnen ein Weg? Ein Nationalismus der Moderne, der sich grob am Gewesenen orientiert, jedoch eine neue Identität herausbildet? Gemeinsame Urerfahrungen, die in einem primitiven Zusammenhalt münden, statt Anschluss an aus der Zeit entrissene Dichter und Denker zu suchen, die wir verstandesmäßig fassen mögen, jedoch kaum mit dem Herzen?

Zugegebenermaßen keine konservative Sicht der Dinge, doch vielleicht realistischer und lebensbejahender als Benediktiner zu werden mit sehr ungewissen Erfolgschancen…

H. M. Richter
30. Oktober 2018 09:19

^ @bb
"Vielleicht ist ein Abschied vom Herumstochern in den Überresten unserer Ahnen ein Weg? Ein Nationalismus der Moderne, der sich grob am Gewesenen orientiert, jedoch eine neue Identität herausbildet? Gemeinsame Urerfahrungen, die in einem primitiven Zusammenhalt münden, statt Anschluss an aus der Zeit entrissene Dichter und Denker zu suchen, die wir verstandesmäßig fassen mögen, jedoch kaum mit dem Herzen?"
______________________________

Gewiß wäre dies ein Weg, doch würde er unweigerlich ins Verderben führen.

Und wenn Sie schreiben: "Der restliche, versprengte Haufen dieses Volkes will mit selbigem lieber nichts zu tun haben. Den meisten BRD Bewohnern sind solche Fragen nicht einmal präsent", erweckt es zumindest den Anschein, Sie lebten auf dem Gebiet der sog. alten Bundesrepublik.

Im anderen Teil des Landes ist dies, glauben Sie mir, noch anders. Ganz anders.

Maiordomus
30. Oktober 2018 11:50

@Ruewald. Das vielleicht einflussreichste Buch von Hermann Glaser, "Weg der deutschen Literatur", zuerst erschienen 1961/62, noch verfasst mit zwei Mitautoren, wird schon fast typischerweise bei Wikipedia nicht mal genannt, es gab noch spätere erweiterte Auflagen bis in die Siebzigerjahre, ich selber konsultierte das Buch erstmals 1962, hatte es in der Buchhandlung Doppler in Baden im Aargau gekauft aus dem Erlös von Spielgewinnen, weil ich noch anderes lesen wollte als Gottfried Keller, Alfred Huggenberger, Fontane und Lessing, was bei uns Klassenlektüre war. Unterdessen sehe ich durchaus, dass aber das Alte Wahre meist besser blieb, zumal Keller, dessen Novelle "Kleider machen Leute" mir erst aufging, als ich dann über Gogol und andere das Mantelmotiv und überhaupt die Textilgeschichte in der Literatur zu studieren anfing,

Es scheint so zu sein, dass Hermann Glaser ähnlich wie der beste Kenner der Bodenseeliteratur, Manfred Bosch, seinerzeit durch Franz Josef Strauss, der damals mindestens so verhasst war wie Trump, über den man aber in Deutschland trotzdem noch konkretes Wissen hatte und an ihm sich durchaus auch noch orientieren konnte, wenn man mit den linken Perspektiven nicht einverstanden war. Ich erinnere mich an einen Vortrag von Strauss an der Zürcher Börse um 1969, wo er von Mitstudenten von mir mit dem Sprechchor "Sauhund, Sauhund" begrüsst wurde, das galt damals als kritisches Denken. Zur fast gleichen Zeit, d.h. 1968, als er in Paris war, notierte Elias Canetti, einer der drei besten Kenner der Phänomenologie der Masse überhaupt, dass formal bei den damaligen 68ern die gleichen Massengesetze galten wie bei Faschismus und Nationalsozialismus, das habe ich soeben der allerdings noch trotz beträchtlichem Umfang noch ziemlich rudimentären Briefausgabe von Canetti entnommen, die diesen Herbst erschienen ist. Es bleibt aber dabei, dass Sie bei einem Lehrer wie Hermann Glaser viel lernen konnten. Gerne hoffe ich, dass dies auf meine Schüler und Schülerinnen ebenfalls zutrifft.

Politischstabil
30. Oktober 2018 16:11

Tief sinnierend und in der Auseinandersetzung mit den Aussagen des vorliegenden Interviews vertieft, versuche ich eine Adaption des Gesagten auf die pragmatische Ebene vorzunehmen. An welchen Stellen zeichnet sich die vermeintliche Feminisierung der deutschen Bevölkerung ab. Ich bin zu der Auffassung gelangt, dass der Grad an Verweichlichung in nahezu allen gesellschaftspolitischen Bereichen diffundiert und somit messbar geworden ist. Wehrlose deutsche Opfer, die von ihrem ausländischen Gegenüber (Migrant, Flüchtling, Umvolkungsdeutscher) ohne Gegenwehr abgezogen und verprügelt werden, die aktuelle Erfolgswelle der Grünen (Partei der Grünen als Ausdruck sowie Projektionsfläche von nationaler Selbstverleugnung, Innenländerfeindlichkeit, Schuld und Schwäche) und der heuchlerischen künstlichen Überhöhung fremder Kulturen bei gleichzeitiger Herabwürdigung der deutschen Kultur als Voraussetzung des Multikulturalismus. Es ließen sich endlose Beispiele fortführen. Gleichwohl meine ich in Teilen der deutschen Bevölkerung den Drang bzw. den Durst nach einer Renaissance urmännlicher Identifikationsmerkmale ausgemacht zu haben. Ausdruck dessen ist u.a. die zunehmende Beliebtheit von Kampfsport-Angeboten (auch unter Deutschen) oder auch der ungebrochene Zustrom vornehmlich junger Menschen in die Ultra- oder auch Hooliganstrukturen (sind in der Regel mehrhreitlich mit Abstammungsdeutschen besetzt) von Fußballclubs. All dies kann doch im positiven Sinne dahingehend gedeutet werden, dass junge "Deutsche" erstens keine Opfer sein wollen und zweitens händeringend auf der Suche sind, sich, ihre Männlichkeit und Kameradschaft zu erfahren. Leider Gottes sind einige Fußballclubs derartig linkextremistisch unterwandert, dass selbst ihre Ultragruppierungen im Sumpf diversitärer Bestrebungen eher dem Genderzeitgeist fröhnen, als sich dem Ideal im Kleinen (Solidarität, Selbsterfahrung, Stärke) zuzuwenden. Ein (kleiner) Baustein auf dem Weg aus dem Nihilismus ist sicherlich in der Wiederauferstehung der Männlichkeit zu finden. Der Gründungsmythos der Deutschen liegt nicht im Jahr 1949 begründet, sondern hat seine Wurzeln z.B. im Jahr 955. Männlichkeit, Fleiß, Disziplin aber auch der Militarismus sind elementare Bestandteile der deutschen Seele. Es wurde verlernt, kann aber auch wieder erlernt werden. Anpacken

Marc_Aurel
30. Oktober 2018 16:48

Ganz so hoffnungslos, wie die Lage hier einigen vielleicht erscheinen mag, ist sie nun auch nicht.

Ich wage die Behauptung aufzustellen, dass der Grad der Verinnerlichung, die Tiefe des Hinabreichens und die Unabänderlichkeit des links-grünen Weltbildes der ewigen Schuld und Selbstleugnung in den Köpfen der Menschen hier zu lande, deutlich überschätzt wird.

Auch wenn das jetzt hart und meinethalben auch etwas abwertend klingen mag, aber so tiefgründig ist der „Otto Normalverbraucher“ nicht. Die Zahl derer, die sich über ein doch ziemlich oberflächliches Interesse hinaus, für die großen Fragen unserer Zeit ernsthaft interessieren, ist erstaunlich gering. Ja, man beschäftigt sich mit ganz konkreten Einzelheiten des Ganzen, die einen unmittelbar betreffen, aber darüber hinaus…

Was ich damit sagen will: meiner Ansicht nach ist es wohl so, dass ganz offensichtlich täglich ein ungeheurer propagandistischer Aufwand betrieben werden muss und ständiges tausendfaches wiederholen erforderlich ist, um das Weltbild der Masse auf Kurs zu halten.

Vom Kinderkanal angefangen, über das Promiklatschblatt für die Hausfrau, über Fernseh- und Filmproduktionen, Radiosendungen bis hin zum pseudokritischen Politmagazin für das „Bildungsbürgertum“, nicht zu vergessen Universitäten und Schulen – das Ganze muss für jede Gruppe der Gesellschaft immer wieder mundgerecht und ansprechend aufbereitet und ständig aufgefrischt werden.

Das heißt nun, zum einen, dass der Mechanismus störanfällig und angreifbar ist, weil künstlich, unnatürlich und aufwendig und vor allen Dingen heißt es auch, das eine echte Nachhaltigkeit der Lehre, die er verbreitet nicht wirklich gegeben ist, denn man stelle sie einmal vor, die Medienmaschine würde aus irgendwelchen Gründen umgepolt und würde jeden Tag das genaue Gegenteil von dem Verkünden, was sie jetzt täglich ausspeit. Gut wir wollen ja nicht von einem Extrem ins andere verfallen, sagen wir es würde in allen Details ein realistisches, ehrliches und schonungsloses Bild gezeichnet, natürlich mit einer gewissen Übergangsphase, damit die Reibungshitze nicht zu groß wird.

Nach nur kurzer Zeit würde das aktuell propagierte Weltbild kollabieren und nach nur wenigen Jahren würden sich jeder schämen, der dieses Weltbild jemals öffentlich vertreten hat.

Ich will damit nur sagen: verloren oder unumkehrbar ist hier gar nichts.

Ergon
30. Oktober 2018 18:08

Die pessimistische und teilweise in antideutsche Tiraden übergehende Lagebeschreibung in den Kommentaren teile ich nicht, und zwar deshalb, weil die Situation labil ist, eine hohe Dynamik aufweist, für die der Aufstieg der AfD im gleichen Maße wie der neuerliche Zuspruch für die Grünen einen Aufweis darstellt. Gestützt wird die Einschätzung dadurch, dass in den Mainstreammedien Artikel zu finden sind, in denen gleich eine ganze Reihe von Tabus gebrochen werden, z.B. in Christian Hacke, Eine Nuklearmacht Deutschland stärkt die Sicherheit des Westens, in der Welt.

Der Politikwissenschaftler stellt die sicherheitspolitische Situation des zum persönlichen Lieblingsfeindes des US-Präsidenten avancierten Deutschlands dar und thematisiert insbesondere den wahrscheinlichen Verlust des amerikanischen Nuklearschilds. Moralische Arroganz und Selbstgerechtigkeit als Antwort auf die Trumpschen Angriffe hält er für ebenso naiv und unpolitisch wie das Ansinnen, die pazifistische und zunehmend antiamerikanische Stimmung im Volk auch noch zu befeuern. Auf Grundlage der Einschätzung, dass die Idealisierung der europäischen Integration und die Dämonisierung nationaler Interessen die EU in eine Sackgasse und tiefe Krise geführt habe, fordert er einen offen Diskurs über die deutsche Sicherheitspolitik, der im Ergebnis zum Aufbau eines eigenen nuklearen Potentials führen kann.

@quarz
Auch wenn Länderspezifisches wie die Sklaverei in den USA oder die Kolonialvergangenheit in GB oder Frankreich eine Rolle spielen, der NS-Bezug und allgemeiner der Zweite Weltkrieg spielt in den internen politischen Auseinandersetzungen der deutschen Kriegsgegner weiterhin eine und häufig die zentrale Rolle. Anfang September gab der ehemalige Amtsinhaber Obama an der University of Illinois eine Rede, in der er, auf Donald Trumps Haltung zu der eskalierten Demonstration in Charlottesville anspielend, kundtat:

"We are Americans. We're supposed to stand up to bullies. Not follow them. We're supposed to stand up to discrimination, and we're sure as heck supposed to stand up clearly and unequivocally to Nazi sympathizers... how hard can that be, to say that Nazis are bad?!"

Der amerikanische Präsident konterte daraufhin auf Twitter mit einem Video, das einen gemeinsamen Auftritt Obama mit dem Führer der Nation of Islam zeigt und die Frage "How hard can that be, to say that Nazis are bad?" wiederholte. Anscheinend haben sich die Alliierten selbst im Netz ihrer eigenen Erzählungen über den Zweiten Weltkrieg verfangen.

Ruewald
31. Oktober 2018 00:14

@Maiordomus (30.10.18, 12:52 im Forum zum Sellner-Beitrag)
Da die Diskussion inzwischen geschlossen wurde, versuche ich es nun hier in der Hoffnung auf die Freigabe durch die Hausmeister.

Leider haben Sie allzu recht. Die Qualität des Studiums verkommt durch Verschulung und Spezialisierung, Bildung wird kaum mehr vermittelt.

Sehr bedauerlich, daß die "sozialwissenschaftliche Relevanz" die naturwissenschaftliche im "allgemeinwissenschaftlichen Diskurs" weitgehend verdrängt hat – wobei einer gewissen Richtung von Sozial"wissenschaftlern" dringend zu raten wäre, sich erst einmal eingehend mit "der Natur des Menschen" zu befassen, anstatt sich in utopischen Vorstellungen zu ergehen und diese aggressiv politisch wirkungsmächtig durchzusetzen.

Große Naturwissenschaftler, die gleichzeitig zu philosophischer Vertiefung und Zusammenschau fähig sind, wie Heisenberg, Schrödinger, Planck, C.F. von Weizsäcker, Friedrich Hundt, Konrad Lorenz, Rupert Riedl, u.a. sind immer rarer geworden. –
Umgekehrt möchte ich unter den Philosophen besonders F.J. Wetz hervorheben, der versucht hat, das desillusionierende naturwissenschaftliche Weltbild in die Philosophie zu integrieren und daraus eine existenziell lebbare "Lebensphilosophie" zu entwickeln (F.J.W., Lebenswelt und Weltall. Hermeneutik der unabweislichen Fragen).

Zu meiner Zeit in den 1960ern legte der Mathematikprofessor Konrad Jacobs in Erlangen noch Wert auf Wissenschaftsgeschichte, zudem gab es überdisziplinäre Seminare zu Mathematik und Wirtschaftstheorie, Math. und Biologie, Math. und Musik (er war auch ein guter Cello-Spieler). Erlangen hat eine lange Math.Tradition (Felix Klein: "Erlanger Programm"; Emmy Noether, ...). Der Gründer der Erlanger Schule der Philosophie (zus. mit Wilhelm Kamlah) Paul Lorenzen war gleichzeitig prominenter Metamathematiker.

Der Beitrag des Foristen @Durendal (im Sellner-Forum 30.10.18, 0:34) verdient auch eine Antwort; wegen Schließung der Diskussion warte ich darauf, daß sich @Durendal an anderer Stelle meldet.

Valjean72
31. Oktober 2018 10:06

@Ruewald:
“Der Holocaust kann von sich aus kein Existenzrecht legitimieren, im Gegenteil: er vermittelt eine "negative Identität", wonach sich Deutschland eigentlich selbst abschaffen müßte,“
---
Das ist nach meinem Verständnis auch des Pudels Kern der allgegenwärtigen Holocausterzählung.
Ein Schuldgefühl in den Seelen der Deutschen zu verankern, um schließlich in den deutschen Menschen eine Bereitschaft (Sehnsucht) zur Erlösung durch Selbstauflösung zu generieren.

“Dieses sündenbeladene Volk, das sich dieser Schuld niemals entledigen kann, „die Vergangenheit nicht entsorgen darf“, fällt nun wie zu erwarten, in die Hände der Priester. Ihre Aufgabe ist es zu mahnen, zu erinnern und den Mythos wachzuhalten.“

(Quelle: Rolf Peter Sieferle: „FINIS GERMANIA„; Verlag Antaios; S. 71)

“Die Deutschen, die ihre gnadenlose Schuld anerkennen, müssen dagegen von der Bildfläche verschwinden, müssen zum immerwährenden Mythos werden, um ihre Schuld zu sühnen. Der ewige Nazi wird als Wiedergänger seiner Verbrechen noch lange die Trivialmythologie einer postreligiösen Welt zieren. Die Erde aber wird von diesem Schandfleck erst dann gereinigt werden, wenn die Deutschen vollständig verschwunden, d.h. zu abstrakten „Menschen“ geworden sind.“

(Quelle: Rolf Peter Sieferle: „FINIS GERMANIA„; Verlag Antaios; S. 69)

Maiordomus
31. Oktober 2018 12:02

@Ruewald. Ihr Beitrag ist als Bestandteil einer notwendigen Debatte hoffentlich nicht nur bei mir angekommen. Mein Respekt auch vor heutigen Naturwissenschaftlern ist nach wie vor vorhanden, aber es bleibt dabei, dass wegen der Spezialisierung und der offensichtlichen Verschlechterung des Gymnasiums, wo es um Chancengleichheit bei der Karriere geht, nicht um Bildung, die allgemeinen Grundlagen oft fehlen. Es ist nun mal so, dass Sie mit über 95 Prozent der heutigen Hochschulabsolventen nicht bloss nicht über den 2. Hauptsatz der Thermodynamik Erörterungen machen könnten, was vielleicht aber zu speziell ist. Als Gymnasiallehrer glaube ich sagen zu können, dass nie mehr als 5 Schüler pro Jahrgang, meistens weniger, in die Lage kommen, die transzendentale Erkenntnistheorie von Kant in ihrem Bezug zu den Naturwissenschaften zu verstehen, was gerade für die von Ihnen angesprochenen Themenkreise grundlegend wäre, auch für Naturwissenschaftler, wenn sie nicht bloss arbeiten, sondern noch dazu "denken" wollen, d.h. verstehen, unter welchen Bedingungen das gilt, was sie machen. Heute bildet man sich sogar ein, über bloss empirische Daten der Hirnforschung herauszufinden, was "denken" sei. Letztere Daten können zwar durchaus weiterführen, erklären aber das "Denken" für sich allein nie und nimmer.

Aber zurück zu Ihrer Hauptthese betr. heutige "sozialwissenschaftliche" Orientierungen. An einer entsprechenden Tagung auf der Reichenau habe ich vernommen, dass in Sachen Beurteilung des Atomausstieges Kindergärtnerinnen höhere ethische Kompetenz haben könnten als Atomingenieure, deren Fachwissen unter den Verdacht der Fachidiotie gestellt wurde. Unter solchen Voraussetzungen ist guter Rat in der Tat teuer. (Womit ich der Kindergärtnerin keineswegs die politische Verantwortungsfähigkeit abspreche, so wenig wie etwa den Wählern von Trump in den am dünnsten besiedelten Gebieten der Vereinigten Staaten, wo ihr Anteil besonders hoch ist, im Gegensatz zur Bronx in New York,) Wie ich schon an anderer Stelle ausführte, ist es in der Demokratie durchaus leicht und es funktioniert auch mit einiger Wahrscheinlichkeit, sie zu benützen und zu nutzen. Ein System aber zu verstehen und zu erklären, vgl. Kant, ist viel schwieriger, als z.B. einfach nachzuplappern, was über einen Philosophen oder über ein Thema in den Schulbüchern steht.

Ruewald
31. Oktober 2018 17:02

@Maiordomus
Über Kants Erkentnistheorie aus der Kritik der Reinen Vernunft durfte ich in der Prima unter meinem Lehrer Hermann Glaser vortragen. Die "Entdeckung" der transzendentalen Aprioris als Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung überhaupt war für mich ein wahres Erleuchtungserlebnis. – Einige Jahre später erfuhr ich eine zweite, sozusagen eine Meta-Erleuchtung durch Konrad Lorenz' "Rückseite des Spiegels" und seinen Aufsatz "Kants Lehre vom Apriorischen im Lichte gegenwärtiger Biologie" (1941), wonach "das 'Apriorische' auf stammesgeschichtlich gewordenen, erblichen Differenzierungen des Zentralnervensystem beruht, die eben gattungsmäßig erworben sind und die erblichen Dispositionen, in gewissen Formen zu denken, bestimmen." Damit wird das transzendentale Apriori zum phylogenetischen Aposteriori und quasi wieder "naturalisiert". - C. Fr. von Weizsäcker hat dies später noch weitergedacht, ich habe das aber jetzt nicht mehr parat, etwa im Sinne einer Rückseite der Rückseite des Spiegels...

Ergon
1. November 2018 19:17

@Ruewald Auch wenn es deutlich vom Thema des Artikels abweicht: Es entspringt einem grundsätzlichen Missverständnis, erkenntnistheoretische Fragstellungen, im Fall von Kant die (transzendentale) Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis, rein biologisch oder allgemein mithilfe von Kausalerklärungen beantworten zu wollen. Wesentlich für erkenntnistheoretisches und wissenschaftstheoretisches Fragen ist die Geltungsfrage, z.B. die Frage, auf welcher Grundlage bestimmte wissenschaftliche Theorien, auf die sich auch gerade Lorenz stützt, gerechtfertigt oder wahr sind - wobei die Begriffe selbst explikationsbedürftig sind. Allzu einfache Naturalisierungsversuche wie im Radikalen Konstruktivismus oder der Evolutionären Erkenntnistheorie führen zu logischen Zirkeln und Selbstanwendungsparadoxa.

Ruewald
2. November 2018 00:07

@Ergon
Es liegt mir fern, irgendeine Theorie als "wahr" anzusehen. Theorien sind Groß-Hypothesen, die Validierungsverfahren und Falsifikationstests unterliegen und stets ergebnisoffen sind, gegebenenfalls korrigiert oder verworfen werden müssen. Eine Theorie hat – pragmatisch gesehen – solange Geltung, solange sie nicht falsifiziert ist.
Die Wissenschaftstheorie hat die grundlegende Funktion, den Geltungsanspruch zu präzisieren und zu limitieren. Sie kann aber nicht neue Theorien kreieren.

Eine neue Theorie zu entwickeln, ist eine höchst kreative Angelegenheit. Wir laufen gewöhnlich mit Scheuklappen herum und sehen die Welt nur in der gewohnten Perspektive. Scheuklappen zu öffnen und die Welt in einer neuen Perspektive zu sehen, ist eine revolutionäre Tat und nur wenigen Genies vorbehalten. Revolutionäre Perspektivenänderungen verbinden wir z.B. mit den Namen Kopernikus, Darwin, und auch Lorenz ist dazu zu zählen. Die Scheuklappenöffnung, die Welt plötzlich mit neuen Augen zu sehen, das meinte ich mit "Erleuchtungserlebnis". Vermutlich werden in Zukunft noch manche Scheuklappen geöffnet werden müssen.

Dem Vorwurf der Zirkularität der Evolutionären Erkenntnsitheorie hat der Wissenschaftsphilosoph Gerhard Vollmer mit der Unterscheidung zwischen vitiösem und virtuosem Zirkel entgegnet – man müßte das nachlesen, ich kann es jetzt nicht rekapitulieren. Zum Einwand der Naturalisierung der Erkenntnistheorie erwähnte ich C.F. v. Weizsäcker mit dem Stichwort Rückseite der Rückseite des Spiegels (ob das in "Einheit der Natur" oder "Im Garten des Menschlichen" zu finden ist, kann ich mich nicht mehr erinnern).

Letztlich scheitern wir mit den Versuchen zu Letztbegründungen, auch in der Erkenntnistheorie, am Münchhausen-Trilemma (unendlicher Regress, Zirkel, oder Abbrechen der Begründungskette).
Der Erkenntnisprozess schreitet trotzdem weiter. Absolute "Wahrheit" werden wir niemals erreichen.

Ergon
2. November 2018 11:27

@Ruewald Sie werden mir nachsehen, wenn ich auf die üblicherweise als Glaubensbekenntnis vorgetragenden Spruchweisheiten des Kritischen Rationalismus nicht ausführlich eingehe, zumal für eine ernsthaftere Diskussion dieser Fragen eine andere Grundlage, z.B. Wolgang Balzer, Die Wissenschaft und ihre Methoden, Grundsätze der Wissenschaftstheorie, Freiburg 2009, mit einer Einfühung in das strukturalisitische Theorienkonzept, vonnöten wäre. Vielleicht nur so soviel: Das von Popper propagierte normative Modell einer wissenschaftlichen Methode, angeblich die einzige begründbare, ist weit entfernt von der Wissenschaftspraxis. Wenn er recht hätte, gäbe es keine Wissenschaften. Zudem sind wiss. Theorien zumindest nicht im Popperschen Sinne falsifizierbar, und zwar wegen der Existenz theoretischer Begriffe, oder präziser T-theoretischer Begriffe realativ zu einer Theorie T, die eine Ableitung "einfacher", "überprüfbarer" Sätze wie Protokoll-oder Basissatze aus einer Theorie verunmöglichen.

Zu den erkenntnistheoretischen Naturalisierungsversuchen: Den notwendig damit einhergehenden Zirkel halte ich nicht in jedem Fall für problematisch, poblematischer sind Selbstanwendungsparadoxa. Ein solches stellt z.B. das Münchhausen-Trilemma dar. Wenn es wahr wäre, wäre es selbst nicht begründbar, da jeglicher Begründungversuch des Trilemmas in einem infiniten Regress, einem Circulus vitiosus oder einem Abbruch endete.

Ruewald
2. November 2018 17:09

@Ergon
Mein wissenschaftstheoretischer Kenntnisstand endet bei Stegmüller, weitere Entwicklungen habe ich nicht mehr verfolgt. Ihre Kritik an Popper ist richtig. Nichtsdestotrotz hat er fruchtbare Anstöße gegeben. Von bleibender Bedeutung dürfte im Rahmen der empirischen Wissenschaften als ein wichtiges Abgrenzungskriterium das der prinzipiellen Widerlegungsmöglichkeit sein, wodurch gegen Kritik immune Theorien als "unwissenschaftlich" (bzw. als "Ideologien") anzusehen sind. Leider gibt es auch innerhalb der Naturwissenschaften solche Auswüchse, etwa in dem Dogmatismus der aktuellen "Klimadebatte".
Auch erfüllte die Freudsche Psychoanalyse nicht die Kriterien der Wissenschaftlichkeit (Popper bzw. vernichtende Kritiken des Psychologen H.J. Eysenck und des Wissenschaftsphilosophen Adolf Grünbaum).

Daß Wissenschaftler den Geltungsbereich ihrer Entdeckungen oft überschreiten und zu sehr verallgemeinern (Lorenz war da keine Ausnahme) – sei es aus Begeisterung oder sei es, um ein neues Paradigma provozierend ins Gespräch zu bringen –, ist einmal mehr Existenzberechtigung für Wissenschafttheoretiker.

Hinsichtlich Letztbegründungen bin ich skeptisch, ohne das begründen zu können. Allerdings, da haben Sie recht, taugt dafür das Münchhausen-Trilemma nicht.
Dieses kann man aber als analytisch wahren - und empirisch zutreffenden - Satz interpretieren, da er alle möglichen (oder habe ich etwas vergessen?) Begründungsketten abdeckt. Daher bedarf es weder einer Selbstanwendung , noch tritt ein Paradox auf.
Im Spezialfall der Mathematik endet z.B. die Begründung eines Theorems mit dem Beweis q.e.d., womit die Begründungskette, notwendig und nicht willkürlich, abbricht.

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