Sezession
30. Oktober 2018

Café Schnellroda und Prozeßverläufe

Götz Kubitschek / 10 Kommentare

Ja, wir haben die Klopfzeichen vernommen und laden hiermit ein zum Café Schnellroda am 10. November ab 13 Uhr. Was erwartet unsere Gäste?

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Fünf Stunden Gespräche bei Würstchen und Bier, Kaffee und Kuchen, Brot, Käse und Wein, dazu eine Nach-Erzählung zur Frankfurter Buchmesse 2018 samt ein bißchen Loci-Verlag-Devotionalien und Brainstorming für die Buchmesse 2019 ...

Im Mittelpunkt stehen aber natürlich die Bücher unseres Verlags, ausgewählte Titel anderer Verlage, und weil wir unser Lager dann bereits mit dem Weihnachts- und Wintersortiment aufgefüllt haben, könnte der ein oder andere vor Ort bereits seine Weihnachtseinkäufe erledigen. Wir schlagen die Bücher sehr gern in Geschenkpapier ein, damit auch das schon erledigt ist.

Also: Samstag, 10. November, 13 bis 18 Uhr, Café Schnellroda, bitte kurz das Kommen ankündigen, damit wir planen können: anmeldung(at)schnellroda.de

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Kurz wollen wir berichten von zwei Prozessen, die wir anstrengen mußten. Da ist erstens die Auseinandersetzung um eine Gegendarstellung, die wir in der Mitteldeutschen Zeitung abgedruckt sehen wollten, und zwar schon im April, denn nach diesem gegen uns gerichteten, unsäglichen Punk-Konzert ohne Zuhörer in Schnellroda (ich schrieb darüber), erschien in der Mitteldeutschen Zeitung ein aus vier Falschaussagen zusammengeklebter Beitrag über unsere Verankerung im Ort.

Ich will diese Falschaussagen nicht auflisten, sie sind sozusagen nur von lokalem Interesse, waren aber so sehr gelogen, daß am Tage des Erscheinens ein Dutzend Nachbarn mit der Zeitung vor unserer Tür standen und sich über die Unverfrorenheit dieser Berichterstattung empörten. Zwei maßgebliche Köpfe der örtlichen Vereinsstrukturen wandten sich telefonisch und per Mail an die Journalistin und stellten die Lügen richtig - man händigte uns danach die lapidaren Antworten der Zeitung aus, mit der Erlaubnis, dies vor Gericht zu verwenden.

Denn zu diesem Zeitpunkt war bereits klar: Die Mitteldeutsche Zeitung würde die Gegendarstellung trotz Offensichtlichkeit der Falschaussagen nicht abdrucken.

Der Rest ist rasch erzählt: Wir gewannen vor dem Landgericht Halle, und die Richterin war reichlich empört darüber, daß eine solch offensichtlich eindeutige Angelegenheit vor Gericht getragen würde. Die Mitteldeutsche Zeitung ging dennoch in Berufung, heute erhielten wir das schriftliche Urteil: Wir haben wieder gewonnen, die Zeitung muß nun endlich die Gegendarstellung abdrucken und alle Kosten des Verfahrens tragen: Eine erneute Berufung ist nicht möglich.

Wir freuen uns und wir freuen uns nicht: Wir freuen uns, weil wir gewonnen haben. Kositza und die Kinder wurden nach Erscheinen des Artikels doch recht oft angesprochen in der naheliegenden Stadt und in den Vereinen - ob wir wegziehen würden, da uns das Dorf ja quasi nur noch mit dem Hintern anschauen würde und wir völlig isoliert dort vor uns hin lebten.

Wir freuen uns andererseits nicht recht und sind ziemlich gleichgültig, weil die Gegendarstellung natürlich sofort nach Erscheinen des Artikels hätte gebracht werden müssen und weil die Richterin der ersten Instanz in Halle schon recht hatte mit ihrer Empörung: Wie gut wäre es, wenn in einem Fall solcher Offensichtlichkeit eine Journalistin und eine Redaktion einfach einmal sofort gravierende Fehler einräumen, die eigene Rechercheschlampigkeit korrigieren und die Lügen zurechtrücken würden.

Aber nein: sechs Monate Verfahrensdauer, zwei Gerichtstermine, Schnee von gestern. Hier die Gegendarstellung in voller Länge, sie muß in den kommenden drei Wochen in der Mitteldeutschen Zeitung exakt in diesem Wortlaut erscheinen:

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Gegendarstellung

In ihrer Druckausgabe vom 23. April 2018 hat die Mitteldeutsche Zeitung, namentlich: die Redakteurin Undine Freyberg, in dem Beitrag „Laut und fröhlich gegen neue Rechte“ auf Seite 9 des Teils »Neuer Landbote« Behauptungen über mich aufgestellt oder zitiert, die unwahr sind.

1. In dem Artikel wird eine nicht namentlich genannte Frau zitiert, die behauptet, ich hätte „versucht, im Traditionsverein des Ortes mitzumachen. Die hätten ihn rausgeworfen.“ Diese Aussage ist unrichtig. Ich bin etwa im Jahr 2005 in den Verein eingetreten und seitdem nicht „rausgeworfen“ worden.

2. In dem Artikel wird dieselbe nicht namentlich genannte Frau mit der Behauptung zitiert, auch mein „Versuch, im Kirchenchor mitzumachen, sei gescheitert.“ Diese Aussage ist unrichtig. In Schnellroda oder einem angrenzenden Ort gab und gibt es keinen Kirchenchor. Es gab tatsächlich einen Männerchor, der etwa 2007 von mir gegründet, geleitet und 2011 wieder aufgelöst wurde.

3. In dem Artikel wird dieselbe nicht namentlich genannte Frau mit der Behauptung zitiert, die „Pfingstburschen wollten nichts mit ihm zu tun haben“. Diese Aussage ist unrichtig. Von den Pfingstburschen werde ich jedes Jahr zu Pfingsten besucht und bin bei deren Veranstaltungen willkommen.

4. In dem Artikel wird dieselbe nicht namentlich genannte Frau mit der Behauptung zitiert, „die Gemeinde bereue längst, dass sie ihm Haus und Grundstück verkauft habe.“ Diese Aussage ist unrichtig. Das Haus und Grundstück wurden von der Gemeinde nicht verkauft, sondern von meiner Frau im Rahmen einer öffentlichen Versteigerung in Berlin durch Zuschlag erworben. Auch hat die Gemeinde zu keinem Zeitpunkt ihren Willen zum Ausdruck gebracht, diesen Erwerb durch meine Frau zu bereuen.

Schnellroda, den 23. April 2018

- Götz Kubitschek, Verleger - 

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Wen wundert es übrigens, daß vom Ausgang dieses Verfahrens nirgends auch nur eine Zeile erschien, wo doch sonst jede halbe Äußerung beispielsweise einer Franziska Schreiber (AfD-Aussteigerin nach gescheiterter AfD-Karriere) breitgelatscht wird wie eine Sensation?

Schreiber hat ja samt Verlag vor dem Landgericht in Halle ebenfalls komplett verloren - und nun kommts: Die ziehen jetzt auch vor das Oberlandgericht in Naumburg, gegen drei eidesstattliche Versicherungen und gegen die eigene, vorauseilende Änderung der beklagten Passage ab der 3. Auflage.

Ich kann mir diese Berufungswut nur moralistisch erklären: Solche Leute sind in ihren Augen immer der Sieger, weil gegen uns Drecksgegner jedes Mittel, jeder Verdacht, jede Schlampigkeit und jede Lüge erlaubt sei.

Aber noch gibt es Gerichte.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Kommentare (10)

Der_Juergen
30. Oktober 2018 14:43

Gratulation zu diesem Erfolg, auch wenn ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Im Fall nachweislicher Falschbehauptungen hat man vor Gericht offenbar noch eine relativ gute Chance gegen Verleumder.

H. M. Richter
30. Oktober 2018 15:19

Dennoch: Glückwunsch!
Derartiges hat ja stets auch mit Hygiene zu tun.

Vor etlichen Jahren mußte ein guter Bekannter von mir einen ähnlichen Klageweg beschreiten, bis er dann - nach vergleichbar langer Verfahrensdauer - schließlich, wie von Anfang an erwartbar, am Ende gewann. Damals durfte die unterlegene Zeitung unterhalb der Gegendarstellung den Satz unterbringen, daß sie "unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Gegendarstellung" gezwungen sei, diese abzudrucken. Dies wiederum führte zu Zweifeln an der Richtigkeit der Gegendarstellung. Wenn ich es recht sehe, ist dieser Zusatz wohl auch heute noch möglich: "So soll erreicht werden," ist zu lesen, "dass das Publikum alsbald erfährt, dass der Betroffene die Wahrheit der in dem Medium verbreiteten Behauptung bestreitet. Zum Ausgleich dafür hat das Medium das Recht, im Anschluss an die Gegendarstellung darauf hinweisen, dass es zur Verbreitung der Gegendarstellung unabhängig von deren Wahrheitsgehalt verpflichtet ist."

Siehe: http://journalistikon.de/gegendarstellung/

Und wieder einmal ist also das angeblich angestrebte "alsbald" schamlos auf der Strecke geblieben.

Nimmt man das Ganze dennoch etwas humorvoll, was in der Regel nie ganz falsch sein soll, dann ist die eigentliche Nachricht jetzt wohl die: "Singen scheint dieser K. - neben allem andern - wohl auch noch zu können."

Was bei der Leitung einer ganz bestimmten Buchmesse wiederum die Alarmglocken schrillen lassen dürfte. Mit Sicherheit wird sie nun die Anmeldung neu gegründeter Hörbuch-Verlage ganz besonders unter die Lupe nehmen ...

cubist
30. Oktober 2018 15:21

Moral hin oder her, mir erscheinen derlei juristischen Tabubrüche durchaus kalkuliert (ich glaube, Sie haben das ja hier auch schon öfter erwähnt): Sie zermürben den Kläger, weil finanziell jede Klage ein Risiko darstellt; und unterliegt der Gegner dann doch, so kommt eine Gegendarstellung viele Wochen oder Monate nach der Diffamierung, da ist das Gift den Verleumdung bereits gesickert, und die Anwaltskosten werden aus der Portokasse, des DuMont-Verlages in diesem Fall, gezahlt.
Schauen Sie, die FR, in ihrem Anti-AfD-Feldzug vor der hess. Landtagswahl macht es doch auch so, wenn auch stilistisch geschickter (indirekte Rede), und serviert die G-Reden-Geschichte von Fr. Schreiber brühwarm dem sich gruselnden Leser, kein Wort von dem laufenden Verfahren -- das ist klassische Lügenpresse: http://www.fr.de/kultur/franziska-schreiber-die-afd-ist-so-radikal-wie-die-npd-aber-schlauer-a-1607322

Stil-Bluete
30. Oktober 2018 16:21

Ob ich zu Kaffee&Kuchen (K&K) und Würstchen und Bierund kommen kann, ist ungewiss, wünsche aber im Voraus viel Erfolg.
Darüber hinaus wünschte ich mir, ich hätte folgende drei Wünsche frei:
- die Bücher vom Antaios nicht mehr einschweißen (lassen)
- die Bücher mit Geschenkpapier einschlagen, welches ausschließlich schön und wiederverwendbar ist
- das Geschenkpapier ohne Tesa-Streifen, nur mit Geschicklichkeit einschlagen. Eine Stunde Übung bringt es. Es ist leicht und beim Tun und Zuschauen Meditation. Dasselbe gilt für die Schleife ohne Knoten, sondern Daumen drauf, festhalten und Schleife binden. So kann man das Band wunderbar aufziehen und der Raum unter der Krippe und dem Weihnachtsbaum wird kein Müllplatz.

'Aber noch gibt es G e r i c h t e '. Gericht: Ein wunderbares Teekesselchen für Kinder auf langer Autofahrt.

Gustav Grambauer
30. Oktober 2018 17:56

"Ich kann mir diese Berufungswut nur moralistisch erklären: Solche Leute sind in ihren Augen immer der Sieger ..."

Das dürfte tief dem Glaubenssystem der materialistischen Meta-Geschichtsauffassung ausgehend von einem "gesetzmäßigen Prozeß"

https://www2.klett.de/sixcms/media.php/229/DOOL_3-12-006139_q7xc53_PP5_Kap3_S044.pdf

entsteigen, das es den pfiffigsten der deutschen Streber schon mal ermöglicht hat, inmitten der noch qualmenden Ruinen nach zwei verlorenen Weltkriegen rotzfrech Hymnen auf "Den Ruhm unserer Siege" abzusingen, und das sich mit einer kleinen Modifikation des Revolutionären Subjekts auch heute noch als unerschütterbar gegen die Wirklichkeit erweist. Einen tiefen Einblick in das Gemüts- und Empfindungsleben der dialektisch-historisch-materialistischen Sekte gewährend auch die Liedzeile eines anderen Liedes:

"Fror auch die Welt /
Uns war warm."

- G. G.

Naturrecht
30. Oktober 2018 20:00

Sie schrieben:
"Ich kann mir diese Berufungswut nur moralistisch erklären: Solche Leute sind in ihren Augen immer der Sieger..."

Da liegen Sie genau richtig. Diese Leute glauben von sich selbst, sie seinen, über jeden Zweifel erhaben, die wahren Guten und ermächtigen sich deshalb selbst, jedes Mittel anzuwenden, um das vermeintlich Gute zum Sieg zu führen. Diese Denkweise ist uralt und wird in diesem Beitrag: -Die Paganistische Revolution- sehr gut beschrieben:

https://www.dijg.de/homosexualitaet/kirche/abkehr-juedisch-christliches-menschenbild/

Noch gibt es Gerichte, aber wie lange noch?

Der Gehenkte
30. Oktober 2018 22:35

Gut und richtig, sich zu wehren. Aber der Hydra wachsen immer neue Köpfe nach:

https://jungle.world/artikel/2018/43/eine-luege-zu-viel?fbclid=IwAR14t8is5kOPHmvSNplJ8h-0bkTMHKkfXx2L5UncGRnOI7QN8_YEItEss6g

Thomas63
30. Oktober 2018 22:40

Schade; ich schließe mein Geschäft um 14 Uhr, dann 4 Stunden Fahrt...wird wohl zu spät. Aber es wird, nein es muss bald mal klappen, bin schon seit langem neugierig auf Antaios in "natura". Bis dahin, Grüße aus dem Grenzgebiet Schwabenland/Franken!

H. M. Richter
31. Oktober 2018 08:56

@ Der Gehenkte

Ihrem konkreten Hinweis auf die auch in diesen Tagen nachwachsenden Köpfe der Hydra bin ich nachgegangen.

In meinem Leben mußte ich mich mit Texten aus der Stalin-Zeit, viel auch mit Stasi-Unterlagen u.ä. beschäftigen. Oftmals gleicht sich in diesen der Tonfall, ähnelt die Zielrichtung, liest man das beschworene Fallbeil heraus.

Besonderns bedrückend deshalb die Lektüre des von Ihnen erwähnten Textes.

Andererseits: Wird von der Hydra gesprochen, wird zugleich auch Herakles erwähnt.

oernmaster
31. Oktober 2018 11:31

@ Thomas63

Das Geschäft geht vor. Ich werde versuchen meine Sekretärin einzusetzen.
Falls noch jemand Interesse hat mit zu kommen, bitte über anmeldung(at)schnellroda.de Kontakt herstellen lassen. Ich werde dann Kontakt aufnehmen. (Münsterland/Westfalen)

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