Der Moralismus der “Vielen” – Ein Offener Brief von Uwe Tellkamp

PDF der Druckfassung aus Sezession 87/Dezember 2018

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp antwortet auf einen Offenen Brief, der in der Dresdner Kulturzeitschrift Elbhang-Kurier erschienen ist. Worum geht es?

Anlaß 1: Im Novem­ber­heft des Elb­hang-Kuriers, einer seit 1992 bestehen­den Kul­tur­zeit­schrift aus Dres­den, haben Hans-Peter Lühr und Paul Kai­ser in einem Offe­nen Brief an Susan­ne Dagen Front gemacht »gegen rechts«.

Anlaß 2: Am 9. Novem­ber wur­de in Dres­den, Ham­burg, Ber­lin und Düs­sel­dorf eine “Erklä­rung der Vielen“präsentiert, die den öffent­li­chen Raum von rech­ten (rech­ten?) Gedan­ken säu­bern will.

Der Schrift­stel­ler Uwe Tell­kamp hat gegen den Ton und die Absicht bei­der Atta­cken Stel­lung bezo­gen – in einem Offe­nen Brief, den wir nun veröffentlichen.

Zuvor aber sind die Lek­tü­ren der bei­den Angrif­fe zu absol­vie­ren: Über bei­de Tex­te, die als Doku­men­te einer aus den Fugen rut­schen­den Zeit ver­stan­den wer­den kön­nen, muß drin­gend debat­tiert wer­den. (Redak­ti­on Sezes­si­on)

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1. Offe­ner Brief von Hans-Peter Lühr und Paul Kai­ser an Susan­ne Dagen, Elb­hang-Kurier 11/18: Mit Rech­ten plaudern…

Lie­be Susanne,

wir ken­nen uns lang und wir ken­nen uns gut, wir haben Dich oft ver­tei­digt. Von Dei­nen neu­es­ten Alli­an­zen sind wir aller­dings scho­ckiert und wol­len Dir das öffent­lich mit­tei­len, weil unser Kon­flikt vie­le Men­schen in die­ser Stadt betrifft.

Das Buch­Haus Losch­witz hat auf sei­ner Inter­net­sei­te seit gut drei Mona­ten eine neue Koope­ra­ti­on prä­sen­tiert, eine Dis­kus­si­ons­rei­he mit dem Antai­os-Ver­lag Schnell­ro­da, einem ein­schlä­gi­gen Unter­neh­men der soge­nann­ten Neu­en Rech­ten – und so heißt auch Dei­ne Rei­he, die mit inzwi­schen drei Fol­gen auf You­Tube zu besich­ti­gen ist: »Auf­ge­blät­tert, Zuge­schla­gen. Mit Rech­ten lesen«.

Will man dem üblen Image des Ver­la­ges nicht unge­prüft fol­gen (was ist gemeint mit »zuge­schla­gen«?), muss man sich ein biss­chen Mühe geben und z.B. obi­ge Serie und die Inter­net­sei­ten von Antai­os und sei­ner Zeit­schrift Sezes­si­on stu­die­ren. Außer­dem ist auf You­Tube diver­ses Mate­ri­al über den Ver­le­ger Götz Kubit­schek und sei­ne Frau Ellen Kositza und ihre Ver­flech­tung in die rech­te Sze­ne zu besichtigen.

Bei­de sind ver­sier­te Den­ker, die frei­lich nicht nur Wider­sprü­che der Gesell­schaft reflek­tie­ren kön­nen, son­dern offen einer rech­ten Revo­lu­ti­on das Wort reden, einem gene­rel­len Umsturz der Ver­hält­nis­se, was sie dann fol­ge­rich­tig an die Sei­te jener extre­men Rech­ten führt (auch bei Pegi­da), die nicht mit der Feder, son­dern mit Fäus­ten gegen die plu­ra­lis­ti­sche Gesell­schaft argumentieren.

Götz Kubit­schek ist ver­mut­lich den meis­ten Dresd­nern durch sei­nen mar­tia­li­schen Auf­ruf, den Riss durch die Gesell­schaft zu ver­tie­fen, bei der Tell­kamp-Grün­bein-Dis­kus­si­on im März im Kul­tur­pa­last in Erin­ne­rung. Das alles hat eine düs­te­re Aura.

Mit denen also willst Du reden. O.k., aber wor­über? Über die Grün­de zuneh­mend frem­den­feind­li­cher Stim­mungs­la­gen? Über die pro­ble­ma­ti­sche rech­te Theo­rie, der zufol­ge der Über­las­tung der moder­nen west­li­chen Gesell­schaft nur mit ver­stärk­ter Abschot­tung und eth­ni­scher Säu­be­rung zu begeg­nen sei?

Redet Ihr über den Erhalt der Demo­kra­tie oder deren Abschaf­fung? Redet Ihr über das pro­ble­ma­ti­sche Ver­hält­nis der rech­ten Sze­ne zur Gewalt? Nein, sol­che dezi­dier­ten The­men habt Ihr nicht im Pro­gramm, schon gar nicht in kri­ti­scher Absicht.

Vor­erst prä­sen­tierst Du mit Ellen Kositza eine hei­te­re Plau­der­stun­de zur Lite­ra­tur, die nur durch gele­gent­li­che Sei­ten­hie­be gegen die Lin­ken rech­tes Gedan­ken­gut berührt und inso­fern auf den ers­ten Blick fast harm­los daher­kommt, ein biss­chen wie Früh­stücks­fern­se­hen mit dem Sekt­glas in der Hand.

Unser gro­ßes Unbe­ha­gen, lie­be Susan­ne Dagen, ist Dei­ne offe­ne Soli­da­ri­sie­rung mit dem rech­ten Spek­trum der Gesell­schaft. Die­ser Pro­zess einer Radi­ka­li­sie­rung hat seit Dei­nem Enga­ge­ment für die AFD – dass Dich zum publi­zis­ti­schen Stell­dich­ein mit Alex­an­der Gau­land wie zur Über­nah­me des stell­ver­tre­ten­den Kura­to­ri­ums­vor­sit­zes bei der par­tei­na­hen Desi­de­ri­us-Eras­mus-Stif­tung führ­te – im nun ganz offe­nen Wer­ben für neu­rech­te Inhal­te und Paro­len einen kri­ti­schen Punkt erreicht.

Gemeint sind dabei nicht die kri­ti­schen Fra­gen an den Staat und sei­ne Insti­tu­tio­nen – die sind höchst not­wen­dig – gemeint ist ihre Funk­tio­na­li­sie­rung für mas­si­ve Aus­gren­zung. Du baust dem Antai­os-Ver­lag eine Dresd­ner Platt­form und stellst Dich ohne jede Distanz in die­se »Außen­stel­le« hin­ein – die Bot­schaft ist, Ihr gehört nun zusammen.

Das ist in der Demo­kra­tie eben­so erlaubt, wie Antai­os selbst; die Fra­ge für die Unter­zeich­ner ist kei­ne recht­li­che, son­dern eine des Wirk­lich­keits­sin­nes (man kann auch sagen: eine Fra­ge des Anstands). Kein Wort über die rea­le Not von Flücht­lin­gen und über neo­ko­lo­nia­le Abhän­gig­kei­ten als Flucht­grund heu­te, kein Wort über das Rät­sel einer Phan­tom­angst vor Über­frem­dung in einer Land­schaft mit drei Pro­zent Aus­län­der­an­teil. Die­se gan­ze kom­pli­ziert-kom­ple­xe Situa­ti­on kannst Du ein­fach beschweigen?

Mit unse­rer Podi­um­s­rei­he »Hang­la­ge« haben wir seit 2006 vie­le gute gemein­sa­me Jah­re in Dei­nem enga­gier­ten Buch­Haus erlebt – das Spek­trum Dei­ner Ver­an­stal­tun­gen war anspruchs­voll und weit gespannt, streit­bar und zugleich von einer Offen­heit gespeist, die vie­le Men­schen unter­schied­li­cher Den­kungs­art und Her­kunft pro­duk­tiv zusam­men­ge­führt hat.

Die­sen libe­ra­len Geist hast Du – wir mei­nen: ohne Not – auf­ge­ge­ben. War­um? Wir waren bis ca. vor einem Jahr immer gern bei Dir, dann wur­de es lang­sam unbe­hag­lich – Dei­ne heu­ti­ge Posi­tio­nie­rung ist uns ver­stö­rend und rät­sel­haft zugleich.

Viel­leicht soll­ten wir unser Gespräch öffent­lich fort­set­zen. Zu den oben genann­ten Fra­gen kämen dann selbst­ver­ständ­lich jene The­men hin­zu, die mit den Inte­gra­ti­ons­hoff­nun­gen enga­gier­ter Flücht­lings­hil­fe und dem schwie­ri­gen Kul­tur­trans­fair aus jener »Drit­ten Welt« ver­bun­den sind, die seit 2015 unser Land mas­siv in Unru­he setzt. Unse­rer­seits wäre das in Ordnung.

Viel­leicht soll­ten wir Dich auch ein­mal ins »Café Gus­tav« in der alten Nie­der­poy­rit­zer Schu­le ein­la­den, wo ein­mal im Monat ein zumeist sehr hei­te­res Zusam­men­sein von Afgha­nen, Syrern und Ira­kern mit Kuchen backen­den Bewoh­nern des Elb­han­ges statt­fin­det, und wo man eine ande­re Vari­an­te von »Bedro­hung« real stu­die­ren kann: Freund­lich­keit. Blei­ben wir im Gespräch?

Bes­te Grüße
Paul Kai­ser und Hans-Peter Lühr

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2. Dresd­ner Erklä­rung der Vielen

Kunst schafft einen Raum zur Ver­än­de­rung der Welt.

Als Kul­tur­schaf­fen­de in Deutsch­land ste­hen wir nicht über den Din­gen, son­dern auf einem Boden, von dem aus die größ­ten Staats­ver­bre­chen der Mensch­heits­ge­schich­te began­gen wur­den. Kunst wur­de als „ent­ar­tet“ dif­fa­miert und Kul­tur flä­chen­de­ckend zu Pro­pa­gan­da­zwe­cken missbraucht.

Mil­lio­nen Men­schen wur­den ermor­det oder gin­gen ins Exil, unter ihnen auch vie­le Kunst­schaf­fen­de. Heu­te begrei­fen wir die Kunst und ihre Ein­rich­tun­gen, die Muse­en, Thea­ter, Ate­liers, Clubs, die urba­nen und länd­li­chen Orte der Kul­tur als offe­ne Räu­me, die Vie­len gehören.

Unse­re Gesell­schaft ist eine plu­ra­le Ver­samm­lung. Vie­le unter­schied­li­che Inter­es­sen tref­fen auf­ein­an­der und fin­den sich oft im Dazwi­schen. Demo­kra­tie muss täg­lich neu ver­han­delt wer­den – aber immer unter einer Vor­aus­set­zung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n! Der Boden, auf dem wir gemein­sam ste­hen, ist das Grundgesetz.

Der rech­te Popu­lis­mus, der die Kul­tur­ein­rich­tun­gen als Akteu­re die­ser gesell­schaft­li­chen Visi­on angreift, steht der Kunst der Vie­len feind­se­lig gegen­über. Rechts­po­pu­lis­ti­sche Grup­pie­run­gen und Par­tei­en stö­ren Ver­an­stal­tun­gen, wol­len in Spiel­plä­ne und ins Pro­gramm ein­grei­fen, pole­mi­sie­ren gegen die Frei­heit der Kunst und arbei­ten an einer Rena­tio­na­li­sie­rung der Kultur.

Ihr ver­ächt­li­cher Umgang mit Men­schen auf der Flucht, mit enga­gier­ten Kul­tur­schaf­fen­den, mit Anders­den­ken­den ver­rät, wie sie mit der Gesell­schaft umzu­ge­hen geden­ken, sobald sich die Macht­ver­hält­nis­se zu ihren Guns­ten ver­än­dern würden.

In unse­rem Bun­des­land Sach­sen arbei­ten Pegi­da, Iden­ti­tä­re Bewe­gung und AfD Hand in Hand und pole­mi­sie­ren gegen die demo­kra­ti­sche welt­of­fe­ne Gesell­schaft. Dem stel­len wir uns ent­ge­gen. Wir als Unter­zeich­nen­de der Dresd­ner Thea­ter, Kunst- und Kul­tur­ein­rich­tun­gen und ihrer Inter­es­sens­ver­bän­de begeg­nen die­sen Ver­su­chen mit einer kla­ren Haltung:

  • Die unter­zeich­nen­den Kunst- und Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen füh­ren den offe­nen und kri­ti­schen Dia­log über rechts­po­pu­lis­ti­sche Stra­te­gien, die demo­kra­ti­sche Grund­wer­te unter­gra­ben. Sie gestal­ten die­sen Dia­log mit Mit­wir­ken­den und dem Publi­kum in der Über­zeu­gung, dass die betei­lig­ten Häu­ser den Auf­trag haben, unse­re demo­kra­ti­sche Gesell­schaft fortzuentwickeln.
  • Alle Unter­zeich­nen­den för­dern im Sin­ne der Demo­kra­tie Debat­ten, bie­ten aber kei­ne Foren für Pro­pa­gan­da jeder Art.
  • Wir weh­ren die Ver­su­che der Rechts­po­pu­lis­ten ab, Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen für ihre Zwe­cke zu instrumentalisieren.
  • Wir soli­da­ri­sie­ren uns mit Men­schen, die durch eine rechts­po­pu­lis­ti­sche Poli­tik an den Rand der Gesell­schaft gedrängt werden.

Es geht um uns Alle. Daher: Kunst für Demokratie!

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Redak­tio­nel­ler Einschub:

Die Lis­ten der “Erstunterzeichner*Innen” für alle vier Städ­te kann man ein­se­hen. Viel­leicht macht sich jemand die Mühe und markiert

+ die­je­ni­gen Insti­tu­tio­nen schwarz, die NICHT auch oder größ­ten­teils von Steu­er­gel­dern (also NICHT von den Gel­dern derer, die viel­leicht in Wirk­lich­keit “die Vie­len” sind) leben,

+ die­je­ni­gen Insti­tu­tio­nen rot, die in der Ver­gan­gen­heit KEINE Pro­pa­gan­da­ver­an­stal­tun­gen von links durch­ge­führt haben und

+ die­je­ni­gen gold, für die bei­des zutrifft.

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3. Offe­ner Brief Uwe Tell­kamps an Hans-Peter Lühr und Paul Kaiser

Den im Elb­hang­ku­rier 11/18 ver­öf­fent­lich­ten Offe­nen Brief von Hans-Peter Lühr und Paul Kai­ser an Susan­ne Dagen lese ich als Doku­ment. Ich äuße­re mich, da ich nament­lich erwähnt wer­de, als Mit­be­trof­fe­ner, da anschei­nend Mitgemeinter.

Die ers­te Fra­ge, die sich mir stellt, unab­hän­gig vom Inhalt, ist die nach dem Zweck die­ser Ver­öf­fent­li­chung. Das Gesprächs­an­ge­bot soll die­ser Zweck sein, behaup­tet der Brief; für mein Emp­fin­den schwimmt das aber nur auf der Ober­flä­che der Rede – unter den Flos­keln der fast schon seel­sor­ge­ri­schen Beküm­mer­nis mei­ne ich Lust an der Maß­re­ge­lung, an der Zurecht­wei­sung, an der Stra­fe für Abweich­ler­tum herauszuhören.

Wie kom­men Lühr und Kai­ser dazu, wel­ches Recht glau­ben sie zu haben, von Dagen öffent­lich Selbst­kri­tik zu for­dern? Soll­te ein Gespräch nicht von Ange­sicht zu Ange­sicht mög­lich sein? Das Buch­Haus Losch­witz ist ein ein­la­den­der, ohne Ban­nungs­ri­tua­le betret­ba­rer Ort; ich bin bei mei­nen vie­len Besu­chen noch nie auf die recht mär­chen­haf­te Düs­ter­nis gesto­ßen, die bei­de Autoren, sonst aus­ge­wie­se­ne Ver­tei­di­ger der Auf­klä­rungs­kul­tur, dort aus­ge­macht haben wollen.

Ihr Brief steht in lan­ger Tra­di­ti­on. Viel­leicht bin ich zu emp­find­lich und sehe Gespens­ter, den­noch: Der­glei­chen ist mir noch wohl­ver­traut, so – Klas­sen­lei­ter­tadel, in Für­sorg­lich­keit gehüllt –, spra­chen Funk­tio­nä­re des Schrift­stel­ler­ver­bands gegen miß­lie­bi­ge Kol­le­gen, spra­chen Brie­fe gewis­ser „Werk­tä­ti­ger“ in den gleich­ge­schal­te­ten Pres­se­or­ga­nen längst ver­bli­chen geglaub­ter Zei­ten; ich dach­te nicht, der­glei­chen je wie­der lesen zu müssen.

Lühr und Kai­ser ope­rie­ren mit Signal­wor­ten, deren Gebrauch sich für Intel­lek­tu­el­le eigent­lich ver­bie­ten soll­te. Wer sich öffent­lich äußert, müs­se Wider­spruch ver­tra­gen, heißt es. Wohl wahr. Jedoch: Lühr und Kai­ser sehen die Ver­hält­nis­se als Ver­hält­nis nicht.

Betrach­te ich den öffent­li­chen Dis­kurs, fällt mir bei bestimm­ten The­men immer wie­der auf, daß Ursa­che und Wir­kung ver­tauscht wer­den, erst neu­lich bei der Dresd­ner Debat­te der Chef­re­dak­teu­re von ARD und ZDF mit Ver­tre­tern der AfD.

Bei­de Chef­re­dak­teu­re beklag­ten sich, daß Jour­na­lis­ten aggres­siv begeg­net wer­de und unter­stell­ten, daß die­je­ni­gen, die aggres­siv gegen Jour­na­lis­ten auf­trä­ten, die Demo­kra­tie und die freie Pres­se abschaf­fen woll­ten. Nicht erwähnt wur­den die vie­len jour­na­lis­ti­schen Fehl­leis­tun­gen, die vor den Pro­tes­ten gegen Pres­se, Funk und Fern­se­hen lagen und erst zu Wut und Aggres­si­vi­tät geführt haben.

Sach­sen sind nicht qua Erb­an­la­ge pres­se- und demo­kra­tie­feind­lich. Genau das wird aber impli­zi­te unter­stellt, wenn man sich so man­ches Pres­se- oder Sen­de­er­zeug­nis ansieht. Ich belas­se es hier bei dem Stich­wort (inzwi­schen mit maka­brem Zweit­sinn) Chemnitz.

Wer ist es, der kei­nen Wider­spruch ver­trägt? Oft habe ich den Ein­druck, die poli­tisch sich links oder bei den Grü­nen ver­or­ten­den Ton­an­ge­ber in wei­ten Tei­len unse­rer Medi­en und unse­rer Kul­tur­bran­che sind es, nicht die paar rech­ten oder als rechts ver­schrie­nen Ein­mann­un­ter­neh­men, die auf klei­nen Blogs oder in klei­nen Zeit­schrif­ten gegen die Wucht des Com­mon sen­se anschrei­ben, wie ihn bei The­men wie Migra­ti­on, Kli­ma­wan­del, Euro­pa, Trump Spie­gel, Spie­gel online, ZEIT, Zeit online, Süd­deut­sche, selbst BILD, ver­tre­ten, FAZ und Welt min­des­tens gespal­ten, Focus, taz, Tages­spie­gel, Ber­li­ner Zei­tung, Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land, das Regio­nal­zei­tun­gen wie HAZ, LVZ und DNN belie­fert, Ham­bur­ger und Dresd­ner Mor­gen­post, Säch­si­sche Zei­tung usw., von Talk­shows und über­haupt dem ÖRR zu schweigen.

So zu tun, als wären die Kubit­schek, Pat­z­elt, Böckel­mann, Dagen und Tell­kamp die media­len Dis­kurs­be­herr­scher, denen eine Min­der­heit auf­rech­ter Demo­kra­ten zu wider­spre­chen wagt, geht doch an der Rea­li­tät völ­lig vorbei.

Wer grenzt aus? Wohin neigt die Bericht­erstat­tung (so es denn eine ist) der meis­ten Jour­na­lis­ten in den meis­ten unse­rer Medi­en, wenn The­men wie Migra­ti­on, Hei­mat, Nati­on, deut­sche Kul­tur ange­spro­chen wer­den – nach links und grün oder nach rechts?

Das ist kei­ne blo­ße Ansichts­sa­che, dazu gibt es Unter­su­chun­gen, sie zei­gen die Schlag­sei­te recht deut­lich. Das Argu­ment, eine sol­che Sicht der Din­ge hebe auf all­zu klas­si­sche For­men der öffent­li­chen Kom­mu­ni­ka­ti­on ab, ver­ken­ne die Rol­le der Sozia­len Medi­en, in denen es genau anders her­um zuge­he, ver­kennt wie­der­um die soge­nann­te Gate­kee­per- (Tor­wäch­ter-) Funk­ti­on, die die klas­si­schen Medi­en immer noch haben oder zu haben beanspruchen.

In den Sozia­len Medi­en herrscht, soweit ich das beur­tei­len kann, eine aus­ge­gli­che­ne­re Abbil­dung der Lage und der Mei­nun­gen als in den meis­ten klas­si­schen Medi­en. Oft sind die Sozia­len Medi­en ein Ven­til für Stim­men, die anders­wo kei­ne Chan­ce mehr haben, gehört zu werden.

Ob die­se Stim­men, was Höf­lich­keit und Stil betrifft, sich immer ange­mes­sen äußern, ist eine ande­re Fra­ge. Auch die, ob denn die Behaup­tung stimmt, in den Sozia­len Medi­en sei es genau anders­her­um, dort domi­nie­re das soge­nann­te dunk­le Deutschland.

Lühr und Kai­ser erlie­gen all­zu eilig dem Irr­tum, das Attri­but „dun­kel“ mit einem Den­ken zu ver­bin­den, das sich der gän­gi­gen Ein­ord­nung in „Fort­schritt­lich­keit“ (links, bunt, welt­of­fen) ent­zieht. Sind aber soge­nann­te kon­ser­va­ti­ve Posi­tio­nen wirk­lich das, was fort­schritt­lich sein wol­len­de Stim­men­fi­scher damit verbinden?

Bedeu­tet Bekennt­nis zur Nati­on wirk­lich schon Natio­na­lis­mus? Ist der, der deut­sche Kul­tur liebt und sich für ihre Bewah­rung ein­setzt, tat­säch­lich schon rechts, ein Nazi gar, wie nicht nur Publi­ka­tio­nen wie „Ben­to“, Jugend­a­b­le­ger des „Spie­gel“, all­zu­oft nahelegen?

Ist Welt­of­fen­heit wirk­lich immer nur gut? Und der, der das Eige­ne nicht ver­ach­tet, ver­ach­tens­wert? War nicht der Zwei­fel, die Unge­wiß­heit, die Suche nach Wahr­heit in der unaus­lot­ba­ren Ambi­va­lenz der Erschei­nun­gen ein­mal das Kenn­zei­chen der Intellektuellen?

Lühr und Kai­ser behaup­ten, daß Kubit­schek zur offe­nen Revol­te gegen die Demo­kra­tie auf­ruft und legen, da sie Susan­ne Dagen mit ihm und sei­ner Frau Ellen Kositza in Ver­bin­dung brin­gen, nahe, daß Dagen dies eben­so will. Zumin­dest besteht nun der Ver­dacht, sie habe sol­che Absichten.

Ver­dacht ist auch beque­me Feind­mar­kie­rung, immer mit­ge­rech­net, daß für unkri­ti­sche Geis­ter selbst nach Zeit und Wider­re­de genug kle­ben­bleibt, um der oder dem Ver­däch­ti­gen in Zukunft fern­zu­blei­ben. Da mein Name in die­sem Zusam­men­hang auf­taucht, kann auch ich mich jetzt als einer der­je­ni­gen ver­ste­hen, die zur von Lühr und Kai­ser beschwo­re­nen Düs­ter­nis am Elb­hang beitragen.

Kubit­schek und die Pro­duk­te sei­nes Ver­lags Antai­os mag man ableh­nen oder nicht – solan­ge er sich an die herr­schen­den Geset­ze hält (und das tut er bis­lang, soweit mir bekannt ist), soll­te es zur Red­lich­keit unter dif­fe­ren­ziert den­ken­den, an Stand­punk­ten jen­seits des Kor­ri­dors inter­es­sier­ten und also wohl tat­säch­lich geis­tig offe­nen Men­schen gehö­ren, ihn nicht aus dem Dis­kurs hinauszustigmatisieren.

Die „roten Lini­en“ bestimmt immer noch das Straf­ge­setz­buch und nicht der Kotau vor dem Zeit­geist oder vor För­der­mit­tel­quel­len. Ins Phra­sen­schwein gehö­ren Dis­kursko­pe­ken wie Abschot­tung und Aus­gren­zung: Gäbe es bei­des nicht, hät­ten wir nicht das Pri­vi­leg, Men­schen namens Hans-Peter Lühr und Paul Kai­ser begeg­nen zu können.

Sie kamen bei­de nur mit Aus­gren­zung und Abschot­tung zustan­de, eben­so ihre Wer­ke. Schon der in einem Titel wie „Dresd­ner Hef­te“ ent­hal­te­ne Anspruch grenzt aus. Es sind eben kei­ne Trond­hei­mer Hef­te. Lösen wir uns von den pri­mi­ti­ven, unbe­dacht ver­dam­men­den, eines Dis­kur­ses, der in die Tie­fe gehen möch­te und wirk­lich an Pro­blem­lö­sun­gen inter­es­siert ist, unwür­di­gen Zuschreibungen.

Der Brief behaup­tet, Susan­ne Dagen habe ihre frü­he­re Libe­ra­li­tät auf­ge­ge­ben und las­se sich mit immer dunk­le­ren Gesel­len ein. Abge­se­hen davon, daß schon eine sol­che Zuschrei­bung, die ohne Bele­ge aus­zu­kom­men meint, nur als Flucht vor dem Argu­ment ver­stan­den wer­den kann – ich sehe und ken­ne Frau Dagen anders: Sie bie­tet Posi­tio­nen einen Ort, die ander­wei­tig kein Podi­um mehr fin­den, und zwar nur des­halb nicht mehr fin­den, weil sie mit Attri­bu­ten behängt wer­den, die ein Groß­teil unse­rer Kul­tur­schaf­fen­den und ‑beflis­se­nen als anrü­chig emp­fin­det oder glatt ablehnt.

Oft nur aus intel­lek­tu­el­ler Faul­heit, Angst vor Lie­bes­ent­zug, durch­aus vor­han­de­ner Inter­es­sen wegen oder Ran­kü­ne. Dagen hat sich ent­schie­den, sich hier nicht bil­lig ein­zu­rei­hen, das emp­fin­de ich ganz im Gegen­satz zu Lühr und Kai­ser als mutig, als frei, als eigent­lich libe­ral – wie gesagt, die Gren­ze zu dem, was nicht mehr dis­ku­tiert und getan wer­den darf, zieht immer noch das Straf­recht, nicht die Moral eini­ger Ede­li­gno­ran­ten in Kir­che, Kul­tur, Medi­en, die glau­ben, auf den „Pöbel“ her­ab­bli­cken zu müs­sen, nur weil er eine ande­re Mei­nung über Leben und Welt hat.

Dagen hat sich sehen­den Auges, was die Kon­se­quen­zen betrifft, dazu ent­schlos­sen, den Dis­kurs offen­zu­hal­ten, immer wie­der und übri­gens in alle Rich­tun­gen offen­zu­hal­ten. Dafür ver­dient sie, mei­ne ich, nicht die gro­tes­ke Kri­tik, die Lühr und Kai­ser für ange­mes­sen hal­ten, son­dern eine Auszeichnung.

Der Elb­hang­ku­rier nun posi­tio­niert den Brief zwar auf der Leser­brief­sei­te, läßt aber in ver­schie­de­nen Bei­trä­gen – die­ses Hefts und ver­gan­ge­ner Num­mern – sei­ne Sym­pa­thie für die von Lühr und Kai­ser dar­ge­leg­te Sicht erken­nen. Zur jour­na­lis­ti­schen Sorg­falt wür­de es gehö­ren, sich auch mit den Argu­men­ten der so bezeich­ne­ten „ande­ren Sei­te“ vor­ur­teils­frei auseinanderzusetzen.

Lei­der kann ich auch nur das Bestre­ben danach, wenigs­tens das, nicht erken­nen. Im glei­chen Heft äußert sich Prof. Ehn­in­ger auf viel Raum auf­schluß­reich und über­ra­schend inhu­man über Gesun­de und Kran­ke in unse­rer Gesell­schaft; der Stil die­ser Pas­sa­gen ähnelt dem gewis­ser Ein­wei­sungs­schrei­ben in sowje­ti­sche Psychiatrien.

Kei­ne Nach­fra­ge von der Redak­ti­on, kein Kom­men­tar, kein Stut­zig­wer­den beim Wort­ge­brauch, kein Inne­hal­ten, Nach­den­ken. Man weiß offen­bar Bescheid über Gut und Böse und meint, der Gedan­ke, man kön­ne ein Pro­blem mit Zuwan­de­rung haben, obwohl sie, wie Lühr und Kai­ser erwäh­nen, hier nur etwa drei Pro­zent betra­ge, sei der ver­wirr­ter Hirne.

Abge­se­hen davon, daß argu­men­ta­ti­ve Schlüs­sig­keit sol­che Pro­zent­an­ga­ben nach Alters­ko­hor­ten dif­fe­ren­zie­ren und so demo­gra­phi­sche Ent­wick­lun­gen mit­be­den­ken wür­de, schau­en vie­le Dresd­ner dort­hin, wo die Zuwan­de­rung nicht mehr drei, son­dern drei­ßig Pro­zent beträgt.

Was sie dort wahr­neh­men, erscheint vie­len eben nicht als zuträg­lich für eine Demo­kra­tie nach unse­ren Regeln, die von gegen­sei­ti­gem Respekt, von der Ein­hal­tung gewis­ser Sit­ten, fried­li­cher Kon­flikt­lö­sung, vom Recht und eben auch von Gren­zen lebt, weil nur Gren­zen einen Staat und damit die von ihm zu ver­tei­len­den Sozi­al­leis­tun­gen erhal­ten. (No bor­der, no welfare.)

Damit es kei­ne Miß­ver­ständ­nis­se gibt: Ras­sis­mus darf kei­nen Platz haben, wer an Leib und Leben bedroht wird, dem muß nach Kräf­ten gehol­fen wer­den, im Sin­ne des Geset­zes und des Mit­leids, gera­de Deutsch­land hat hier eine Ver­ant­wor­tung, ja, Pflicht.

Zu dis­ku­tie­ren aber muß dar­über mög­lich sein, ob wir in der Lage sind und sein wol­len, allem Elend die­ser Welt abzu­hel­fen; ob das Elend die­ser Welt tat­säch­lich nichts als eine Last aus kolo­nia­ler Ver­gan­gen­heit ist, für die Euro­pa in Form von Zuwan­de­rung nun eine Art von Buße tun muß; ob wir nicht nur Flücht­lin­gen hel­fen, son­dern auch Migran­ten, die in Deutsch­land nicht in aller­ers­ter Linie Zuflucht vor Ver­fol­gung suchen, son­dern das Land als Ver­hei­ßung einer bes­se­ren Zukunft sehen, und nicht in dem Sin­ne bedroht sind, wie es Asyl­ge­setz­ge­bung und Grund­ge­setz for­mu­lie­ren; ob wir unser Land und unse­re Kul­tur ein­fach preis­ge­ben wollen.

Sie wird aber preis­ge­ge­ben, wenn sich die Ein­wan­de­rung in den bis­he­ri­gen Grö­ßen­ord­nun­gen fort­setzt, und bis jetzt tut sie das, ent­ge­gen anders­lau­ten­der und beschwich­ti­gen­der „Nar­ra­ti­ve“. Jeder Zuwan­de­rer bringt sein Her­kom­men mit, sei­ne Kul­tur; die oft beschwo­re­ne Inte­gra­ti­on, gar Assi­mi­la­ti­on ist, blickt man auf die inzwi­schen eta­blier­ten Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten, mehr Wunsch­den­ken als Realität.

Die von Lühr und Kai­ser zum Ken­nen­ler­nen emp­foh­le­nen net­ten Men­schen im Café Gus­tav sind gewiß nicht die, die in Frei­burg, Offen­burg, Kan­del, Köln und Chem­nitz Ein­stel­lun­gen zu ihren Gast­ge­bern offen­ba­ren, die vie­le Men­schen nicht von unge­fähr empören.

Haben #unteil­bar und unse­re Femi­nis­tin­nen gegen die Ver­ge­wal­ti­gun­gen pro­tes­tiert? Gegen die inzwi­schen all­täg­lich gewor­de­nen Mes­ser­ste­che­rei­en? Ich kann mich nicht erin­nern. Und gab es nicht einen Arti­kel im Elb­hang­ku­rier, der davon sprach, daß das Gus­tav­heim wegen Pro­ble­men vor­über­ge­hend geschlos­sen wer­den mußte?

Es ist alles also lei­der nicht so ein­fach. Und nur, weil Dagen und ich uns erlau­ben, nicht mit Scheu­klap­pen durch unse­re Wirk­lich­keit zu gehen, sind wir nicht zum Abschuß frei­ge­ge­ben oder zum „Wider­spruch“, der in Wahr­heit meist ja kei­ner im Sin­ne der so oft beschwo­re­nen Gesprächs­kul­tur ist, son­dern ger­ne gleich sei­ne extrems­te Form als Pran­ger annimmt.

Ernst­ge­mein­te Gesprächs­an­ge­bo­te, lie­ber Hans-Peter Lühr und Paul Kai­ser, sehen anders aus als Ihr Offe­ner Brief. Sie begin­nen nicht mit Tri­bu­na­len, auch nicht mit sol­chen aus Wohl­wol­len, und nicht mit einer „Hand­rei­chung“, die kei­ne ist, son­dern vor ein Gesin­nungs­ge­richt führt.

Zu ande­ren Zei­ten hie­ße man all das Bin­sen. Unse­re Zeit aber ist eine, in der die „Erklä­rung der Vie­len“ nicht nur mög­lich ist, son­dern offen­bar brei­tes­te Unter­stüt­zung bei jenen Medi­en- und Kul­tur­schaf­fen­den erfährt, die sich ein­bil­den, auf der rich­ti­gen, der allein guten Sei­te zu stehen.

Die­se Erklä­rung, ein wei­te­res Doku­ment, für das sich eini­ge der Unter­zeich­ner viel­leicht ein­mal schä­men wer­den, zeigt den viel bestrit­te­nen Gesin­nungs­kor­ri­dor eben­so erschüt­ternd wie deut­lich. Man wol­le dis­ku­tie­ren, Mei­nun­gen, die nicht pas­sen, aber kein Forum bieten.

Wer zieht die Gren­ze? Wie will man dis­ku­tie­ren, ohne ein Forum zu bie­ten? Wer legt fest, wel­che Posi­ti­on noch dis­ku­ta­bel ist – und wel­che bereits unter „kein Forum bie­ten“ fällt? Ist die freie Debat­te nicht eine Grund­la­ge der Demo­kra­tie, in deren Namen sie von den Unter­zeich­nern die­ser Erklä­rung behin­dert, wenn nicht unter­bun­den wer­den soll? Kommt man nicht erst in frei­er Debat­te zur Selbst­ver­ge­wis­se­rung und zu Posi­tio­nen, die tragen?

Die­se Erklä­rung, nach Aus­sa­gen eini­ger Inter­view­ter bewußt am 9. Novem­ber ver­öf­fent­licht, ist für mich ein Tief­punkt der Debat­ten- und Tole­ranz­kul­tur und zeugt von nichts ande­rem als dem mora­li­schen und intel­lek­tu­el­len Bank­rott der Initiatoren.

Was bleibt, ist Hys­te­rie – ein „Weh­ret den Anfän­gen“, dem das „Weh­ret dem Ende“ längst abhan­den gekom­men ist. Wie soll ich es ver­ste­hen, wenn in mei­ner Hei­mat­stadt Dres­den (aber die Erklä­rung gilt auch für Ham­burg, Nord­rhein-West­fa­len und Ber­lin) nahe­zu die gesam­te öffent­li­che und öffent­lich geför­der­te Kul­tur­sze­ne sich gegen „rechts“ (oder was man dafür hält), nicht aber gleich­zei­tig gegen „links“ stellt, man zwar erklär­ter­ma­ßen dem Extrem auf der einen Sei­te, nicht aber auch dem auf der ande­ren eine Absa­ge erteilt?

Für wen mei­nen Staats­oper, Schau­spiel­haus, Phil­har­mo­nie, Hoch­schu­len, Muse­en zu spre­chen, sind alle ihre Mit­glie­der und Mit­ar­bei­ter dazu befragt wor­den? Und von wem? Sieht so wirk­li­che Libe­ra­li­tät aus?

Eine sol­che insti­tu­tio­nell getra­ge­ne Into­le­ranz­maß­nah­me und –erklä­rung, ihr Auf­tritt aller­dings mit Ret­tungs-Gold­fo­lie und im Ton der lau­ters­ten Moral und Selbst­ge­rech­tig­keit, hat es seit der Bier­mann-Affä­re nicht mehr gege­ben. Das sind die Zustän­de, das ist das Land.

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Kommentare (46)

Ein gebuertiger Hesse

13. November 2018 10:14

Und einmal mehr möchte man es erleben, daß Vertreter dieser gemästeten Kulturbourgeoisie sich mit Dagen, Tellkamp, Kositza, Kubitschek, Böckelmann auf ein Podium hocken und sich auf ein wahrhaftes "Gespräch" tatsächlich einlassen. Vor Publikum. Und Kameras. Das wäre die Veranstaltung des Jahres! Ob auch nur ein einziges Haus dieser "Vielen" hierfür einen Raum bieten würde?

Heinrich Loewe

13. November 2018 10:33

Recht so. Frau Dagen und Herr Tellkamp verdienen unser aller Respekt und Zuspruch und Unterstützung dafür, wie sie sich exponieren und Rückgrat zeigen.
Nur eine Anmerkung: "...gerade Deutschland hat hier eine Verantwortung, ja, Pflicht." Da ist es wieder, das in alle Ewigkeit und ohne Aussicht auf Erlösung verdammte Tätervolk der Weltgeschichte (man lese nochmal Sieferle). Nein!

MartinHimstedt

13. November 2018 12:15

PEGIDA (ich gehe davon aus, dass hiermit in erster Linie PEGIDA Dresden gemeint ist), ist also (auch) die „extreme Rechte“ und „argumentiert mit Fäusten“. Solche Leute stellen mit Sicherheit auch die IB als einen Haufen Schläger hin – das muss gar nicht erst erwähnt werden. Unsereins dagegen schlägt sich tatsächlich nahezu täglich mit Anschlägen durch die Gut- und Bessermenschen herum, welche auf Säuglinge, Kinder, Frauen, Haustiere, den Arbeitsplatz, unschuldige Familienmitglieder, unschuldige Friseure, vollständige Vernichtung der sozialen Existenz und so weiter überhaupt keine Rücksicht nehmen.

Wer also eine derart verzerrte Wahrnehmung der Realität hat, ist intellektuell überhaupt nicht in der Lage einen Dialog auf einem Niveau zu führen, der hier irgendjemanden weiterbringt. „Kein Wort über die reale Not von Flüchtlingen und über neokoloniale Abhängigkeiten als Fluchtgrund heute, kein Wort über das Rätsel einer Phantomangst vor Überfremdung in einer Landschaft mit drei Prozent Ausländeranteil.“ Es ist okay, wenn der Bademeister fordert, diese Lektüre müsse absolviert werden, aber das halte ich nervlich nicht aus, daher Abbruch an dieser Stelle.

Zum zweiten Text:
Ich war kürzlich, nennen wir es Gast, in ein einem der aktuell wichtigsten, europäischen Kulturreferate. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Leute klar Profiteure des Zeitgeistes sind und ihre tonangebende Position ausnutzen, herrscht dort nicht einfach die Meinung „Wir sind der Ansicht, dass man Menschen in Not helfen muss“ (ich habe im übrigen noch keinen Rechten getroffen, der das anders sieht), nein, hier lebt man einen für mich fast schon surrealen Diversity-Kult: Die ganzen Büroräume waren zugepflastert mit Postern zum Thema „Buntheit“, Einwanderung und so weiter. Man hyperventiliert geradezu, wenn man irgendjemanden aus Syrien einstellen kann.

Ansonsten wieder eine ganze Reihe der üblichen linken Verschwörungstheorien im Text. Nahezu alle Einrichtungen, Kulturveranstaltungen und so weiter haben eine linke Ausrichtung. Macht ein patriotischer Laden wie die Mühle auf, oder auch das Haus in Halle, rücken permanent vom Staat finanzierte und geschützte Terrorgruppen an. Es gibt in diesem Raum kaum eine Chance für uns einfach nur zu existieren und die fühlen sich bedroht und sprechen von irrationalen Ängsten. Wer hat sich das ausgedacht?

Die von Tellkamp erwähnte Dresdner Debatte der Chefredakteure von ARD und ZDF mit Vertretern der AfD in der Dresdner Messe muss wirklich jeder gesehen haben, ein Augenöffner! Klonovsky war übrigens auch dabei.

Gustav Grambauer

13. November 2018 14:32

Die werden sich schon etwas dabei gedacht haben, sich "Die Vielen" zu nennen. Welcher Sezessionist denkt bei diesem Topos nicht sofort hieran:

https://de.wikipedia.org/wiki/Legion_(Dämon)

- G. G.

H. M. Richter

13. November 2018 15:34

Der Offene Brief von Lühr und Kaiser bedrückt. Zwar beginnt er mit "Liebe Susanne", aber gerichtet ist er ganz offensichtlich nicht an Susanne Dagen, meint sie gar nicht wirklich, sondern bezweckt anderes, erfüllt eine Funktion. Ein "Gesprächsangebot" ist jedenfalls nicht der "Zweck des Briefes", wie Tellkamp ganz richtig bemerkt.

Als ob man Hermann K. vor Augen hätte, der, gerade aus dem Büro Hager kommend, die alte Anna S. nach einer Sitzung des Schriftstellerverbandes am Arm faßt und ihr zuflüstert: "Du Anna, Du kennst doch die Situation und da wollten wir Dich als erfahrene Genossin bitten, ob Du nicht einen Offenen Brief schreiben könntest. Egal ob für's ND oder für SINN UND FORM, ganz wie Du möchtest. Du weißt doch, die Christa [usw. usf.] Und auch der Heiner und der Volker, die Sara, der Günter, der Jurek, der Franz und der Stefan, daß darf doch jetzt nicht alles [usw. usf.]"

Doch zuviel der Ehre: Der Brief von Lühr und Kaiser erinnert nicht nur an Diktatur, atmet nicht nur den Geist von Diktatur ("Plattform"), sondern ist Ausdruck von Diktatur.

Uwe Tellkamp hat recht, wenn er sagt: "Eine solche institutionell getragene Intoleranzmaßnahme und –erklärung, ihr Auftritt allerdings mit Rettungs-Goldfolie und im Ton der lautersten Moral und Selbstgerechtigkeit, hat es seit der Biermann-Affäre nicht mehr gegeben. Das sind die Zustände, das ist das Land."

Daß zu diesem Land Frauen wie Dagen und Männer wie Tellkamp nebst einer großen Schar Aufrechter gehören wie in den beiden deutschen Diktaturen und allen anderen Zeiten zuvor, ermutiget dagegen und hält am Leben. Sie verkörpern jenen Geist der Freiheit, dem - bei allen Opfern - noch stets die Zukunft gehört hat.

Caroline Sommerfeld

13. November 2018 15:56

So muß geantwortet werden in diesen Tage. Das erfreut mein Herz. Betrübt es aber auch, da wieder einmal klarwird, wo geantwortet werden muß, da es andernorts keine "Plattform" gibt. Der Sektenaussteiger-Sozialarbeiterton der beiden Kollegen von Susanne Dagen ist unangenehmst, dieses Wir-sind-bei-dir-wenn-du-dich-von-der-dunklen-Seite-distanzieren-Willst. Psychonummer, siehe "Mit Linken leben".

Eine einzige "Diskurskopeke" (tolles Wort, kommt in meine Schatzkiste) findet sich übrigens noch im Text, wer sie findet, darf sie bei den Wächtern abgeben, die finanzieren damit dann den nächsten Workshop.

bo73

13. November 2018 18:17

Ich bekomme schon zu viel, wenn ich das linke Märchen von dem angeblichen Ausländeranteil von "nur 3%" in Sachsen höre. Wenn aus unserem Umfeld so argumentiert würde, käme sofort der Vorwurf der "rechten Hetze" und der "Fake News". Diese Zahl stimmt schon seit drei Jahren nicht mehr, aktuell beträgt der (offiziell eingeräumte) Ausländeranteil in Sachsen bereits 5% (Quelle: https://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/Zahl-der-Auslaender-in-Sachsen-hat-sich-binnen-zehn-Jahren-verdoppelt).

Nicht als "Ausländer" erfasst werden Personen, die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben, Personen mit mehreren Staatsangehörigkeiten (sofern eine davon die der Bundesrepublik ist) sowie alle sich illegal in Sachsen aufhaltenden oder zumindest nicht mit dauerhaftem Wohnsitz in Sachsen registrierten Ausländer.

Ende 2015 / Anfang 2016 - also schon nach der Außerkraftsetzung der Einreise- und Ausländergesetze - betrug der Anteil noch 3,9 Prozent (Quelle: https://www.migazin.de/2017/11/29/prozent-auslaender-mehr-haelfte-sachsen/), DAVOR die noch heute immer wieder behaupteten 3 %. Die Tendenz ist nach wie vor zügig steigend. Bei dieser Entwicklung wird der Ausländeranteil in einigen Jahren auch in Sachsen die 10 % - Marke übersteigen.
Hinzu kommt, dass das von jahrelanger Abwanderung junger Menschen und infolge familienfeindlicher Politik durch den "demographischen Wandel" gezeichnete Sachsen überaltert ist. Die Zuwanderer dagegen sind ganz überwiegend jung, zwischen 18 und 35 (Quelle: https://www.statistik.sachsen.de/html/369.htm).

Ach ja, nur zum Vergleich: 2015 (!) betrug der offizielle Ausländeranteil unter sächsischen Strafgefangenen (d.h. ohne Abschiebehaft etc.) bereits 21,6% (Quelle: https://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/Auslaenderanteil-in-Sachsens-Gefaengnissen-gestiegen). Aktuellere Zahlen wurde nicht mehr veröffentlicht (wahrscheinlich weil es viel besser geworden ist, haha). Dieser hohe Anteil ist auch deshalb bemerkenswert, weil viele ausländische Häftlinge in der Praxis gemäß Paragraph 456a StPO nach Verbüßung (nur) der Hälfte ihrer ausgeurteilten Strafzeit abgeschoben werden. Damit ist die Haftzeit oftmals deutlich kürzer als für einen vergleichbaren deutschen Straftäter, was sich auch in der Belegungsstatistik zugunsten eines geringeren Ausländeranteils niederschlägt.

Johannes Poensgen

13. November 2018 18:20

Wettbewerb für alle, die zu viel am Internet hängen: Wer findet einen längeren NPC-Walltext als die Dresdner Erklärung der Vielen? (Parteiprogramme zählen nicht.)
(Bachelorarbeiten auch nicht.)

numerusclausus

13. November 2018 19:17

Diese beiden offenen Briefe sind in keinster Weise Gesprächsangebote, sondern unverhohlen und (erschreckend) wenig subtil eingesetzte Vergeltungsintrumente zum Zwecke der öffentlichen und sozialen Verächtlichmachung der jeweiligen Adressaten.

Hervorgebracht von Menschen, die naiverweise glauben, die Integrationsprobleme und Migrationskriminalität mit Kaffee und Kuchen einfach wegvespern zu können. Es hört einfach nicht auf.

Die Gesinnungs- und Moralargumentation hat trotz Verweisen auf die leider Gottes bestehende Rechtskonformität der dort kritisierten Akteure einen gefährlichen quasi-normativen Charakter. Mit rechten Medien und deren Vertretern in irgendeiner Weise zu kooperieren ist demzufolge zwar nicht unrecht, aus diffusen Gründen aber leider inakzeptabel. Aha...

Toleranz einfordern, aber Intoleranz fördern, Meinungsvielfalt vertreten wollen, aber für Meinungshomogenität schreiben und Rechtskonformität der kritisierten Medien einräumen, aber deren Rechtsbeständigkeit in Abrede stellen, das trägt tatsächlich ernsthafte pathologische Züge.

Monika

13. November 2018 19:37

"Der einzelne hat aufgehört, für sich selbst zu denken. Er ruft nach der Gefangenschaft wie ein Verdurstender nach Wasser."
Hans Sahl, Die Wenigen und die Vielen

Es ist nicht ehrenhaft, zu den Vielen zu gehören.

John Haase

13. November 2018 19:43

Puh, ich fang mal mit Berlin an, aber ich sage Ihnen, nach Stichproben aus allen Vielenlisten wird da nicht viel schwarz bleiben. Rot etwas mehr.

Habe noch niemanden gefunden, der eindeutig keine Mittel aus öffentlichen Quellen bezieht. Bei ein oder zwei von etwa 10 ist es sehr wahrscheinlich, aber nicht 100% sicher. Beispiel: Kino Alabama in Hamburg. Internetauftritt nur als Programmliste. Keine Infos. Gelegen auf dem Kampnagel-Gelände, das jede Menge Staatsknete aus dem Landeshaushalt für "Kulturprojekte" erhält, insofern zumindest mittelbare Förderung (Miete) wahrscheinlich.

Rodericus

13. November 2018 19:57

,,[...] kein Wort über das Rätsel einer Phantomangst vor Überfremdung in einer Landschaft mit drei Prozent Ausländeranteil."

Ich würde die Herren ja gerne mal einladen, eine typische Ruhrgebietsstadt kennenzulernen.
Offiziell hat mein Stadtteil einen Ausländeranteil von 55%... da sind die Eingebürgerten noch gar nicht eingerechnet.

Ach und zum Thema öffentlicher Raum und Grundgesetz: An der Uni gibt es auch viele nette Hauben, die "Nazis" gerne "Auf's Maul" geben!

Naja... der Tyrann ist in ein paar Jahren aus dem Amt, aber seine Demagogen funktionieren weiter.

@Grambauer: Vielen Dank für den Kommentar, ich habe herzlich gelacht!

2Rueckert

13. November 2018 20:07

Lühr/Kaiser sehe ich nach dem, was hier sichtbar wird, in der Masse der "Kontaktgiftverspritzer" auf jene, die erkennbar keine Glückshormone ausschütten, wenn zum begeisterten kollektiven Suizid getrommelt wird.
Sie treten als die tapferen Jediritter auf, wissen sich aber unter den schützenden Flügeln des "Imperiums". Sie posieren wie hohe Priester, die in Schmerz ihr Gewand zerreißen, weil der Angeklagte ihren Himmel gelästert habe. All das, was sie ihren vermeintlichen Gegnern vorwerfen, spiegeln sie vermutlich selbst. Ihr Sinnen ist gar nicht auf intellektuellen Austausch gerichtet. Mit ihnen ist folgerichtig kein Dialog möglich. Dafür drohen Fußangeln und Fallgruben wie im Neandertal.

Yvonne Cremer

13. November 2018 21:25

Als Teilzeitdresdnerin von um die Ecke dort war ich begeistert davon, dass dieses kleine mittlerweile politisch unkorrekte Buchhaus in Loschwitz einfach so weiterexistieren kann, scheinbar unbehelligt in bester Lage. Im Sommer saß ich mal davor auf der Bank und sah Leute aus der Nachbarschaft hineingehen, es schien keine Berührungsängste zu geben. Wahnsinn, dachte ich, hier in Berlin nicht vorstellbar.

Jetzt versuchen sie es also erstmal tadellos "freundlich". Sie beanspruchen dabei, für die Moral zu sprechen (außerhalb derer es wohl gar keinen Diskurs geben darf), aber es ist ihre Spezialmoral, Gesinnungsmoral, gut gemeint und schlecht gemacht.
Interessant ist, dass sie im Text Wirklichkeitssinn in eine Reihe mit Anstand stellen. Typische Linke eben, die das gerade nicht trennen können, die Realität und eine moralische Theorie dazu. Wenn hier einer einen Sinn für die Wirklichkeit hat, dann sind wir das außerdem.

Sie sprechen für viele - in Dresden nicht mal für so viele -, aber seit wann ist Quantität ein Ausdruck von Qualität?
Gerne können sie sich doch im Dialog blamieren, wie jüngst die beiden Herren von ARD/ ZDF. Ich glaube, die hatten am Ende Hass im Herzen.

Wolfsjagd

13. November 2018 22:52

Ich habe selten einen so schmierigen, unverschämten, dümmlichen wie dummen Text gelesen wie diesen Brief der beiden Künstler.

Ich schreibe das nicht gerne, aber, wie auch schon von anderen geschrieben, dieser Text stinkt geradezu nach DDR, bzw. nach einigen ihrer übelsten propagandistischen Anfällen, auch wenn einige Vokabeln ausgetauscht wurden („staatsfeindliche Hetze“ bzw. „staatsfeindliche Elemente“ etc., vulgo: der Feind, heißt jetzt „Riss durch die Gesellschaft“).

Darüber hinaus fehlt diesem Boykottaufruf („... wollen Dir das öffentlich mitteilen, weil unser Konflikt viele Menschen in dieser Stadt betrifft.“) zwar nicht das Bedrohliche, aber alles harte, mannhafte, auch nur ansatzweise entschiedene, (was der oder den Angegriffenen wenigstens die Würde lassen würde, Feind zu sein).

Der Feind ist kein Feind, „wir“ sind alle „gut“ und der Rest wird „befreit“, „betreut“ und „erlöst“.

Die Krönung ist der letzte Absatz ‑ Frau Dagen solle doch bitte eingeladen werden wollen ins „Café Gustav“, damit sich unsere beiden Sozial- und Gewissensarbeiter ‑ in Gegenwart der Einsamkeit und Langeweile von Flüchtlingen & kuchenbackenden Eingeborenen ‑ ihres „unseres“ guten wie kuhwarmen Humanismus' versichern können. Sonst gibts kein „Gespräch“.

--------

Die Strategie der ständigen emotionalen Synchronisation ist eine eher weibliche Strategie, und ich bitte das nicht falsch zu verstehen, ich meine nicht, dass das nur Zickenkrieg wäre, sondern, dass sich die Linke, wie sie sich hier darstellt, von jeder auch nur ansatzweise rationalen Argumentation verabschiedet hat und breitarschig & schulmädchenfromm Versatzstücke aneinanderreiht wie Schlagerverse und herunterträllert ‑ und damit ihre Anhänger mobilisiert wie auch zusammenhält.

Weil sie „es kann“.

Eine ernsthafte Diskussion über den Unsinn dieses Texts ist m.E. nicht möglich und auch nicht gewollt.

RMH

13. November 2018 23:10

"Zwar beginnt er mit "Liebe Susanne""

Mit der Anrede "Liebe/r" beginnen heutzutage fast immer nur noch anmaßende Unverschämtheiten.

Würde mich freuen, mal wieder "Lieber …, wie wär´s mit nem Bier heute Abend um 8 beim …" irgendwo lesen oder hören zu dürfen. Aber das schreibt man dann ja per WhatsApp ohne Anrede oder einfach mit "Hi" (wie Hihihi?).

Demnächst werden im Zuge der Behördenreformen wohl auch die Bußgeldbescheide ähnlich diesem Muster geschrieben:
"Lieber Mustermax,
Du bist leider mit 35 zu schnell durch unsere schöne, verkehrsberuhigte Zone gefahren. Das macht uns sehr betroffen, es hätten ja auch Menschen auf der Straße sein können, die, weil sie noch nicht so lange bei uns sind, unsere Verkehrssitten nicht kennen und von Deiner Fahrweise hätten gefährdet werden können. Wir haben aber an Dich gedacht, 3 km/h abgezogen und berücksichtigt, dass Du immerhin einen Plug-In-Hybriden fährst. Dennoch wäre es sehr nett, wenn Du in den nächsten 4 Monaten bei der Ursula von Deinem Führerscheinamt für gerade einmal 1 Monat Deinen Führerschein vorbeibringst. Deine Einsicht kannst Du durch Überweisung von 184,50 Euro für unsere guten Zwecke zeigen. Du weist ja, wir verwenden die Gelder nur zur Verbesserung des Weltklimas und für die Führerscheinausbildung von Menschen, die erst die deutsche Sprache lernen. Ach ja, Du kannst selbstverständlich auch Einspruch einlegen, was uns aber sehr betroffen machen würde.

LG, Dein bester Freund und Helfer, POM Fritz".

Abschweifung Ende.

Zum Thema:

Daß ein Herr Tellkamp in allen Ehren versucht, bei dieser Art von Niveau-Limbo die Stange wieder höher zu hängen, ist sicher eher vergebene Liebesmüh. Lühr/Kaisers "offener Brief" zeigt vielmehr den Verfall unserer Sitten und unserer liberalen Maßstäbe an und dabei fühlen sich die beiden sicher auch noch gut.

Kahlenberg

14. November 2018 00:20

@ Johannes Poensgen: Witzig, „NPC“ war auch meine erste Assoziation zum Text der „Dresdner Erklärung der Vielen“.
Die Anmutung ist die eines roboterhaften Algorithmus, einer Mischung aus Sektenliturgie, und automatisierter NPC-Funktionsroutine. Man sollte den Text einmal mit einer blechernen Synthie-Roboterstimme, etwa im „Kraftwerk“-Stil der 80er, auf Tonträger aufsprechen, und vielleicht auch mit einem NPC-gif synchronisieren.
Bereits die Vorstellung davon erzeugt in mir erhebliche Heiterkeit !

Ingmar Burghardt

14. November 2018 01:30

„Wir sind mehr!“

Endzeit ist’s. In schmatzendem Getümmel
kriecht feistes Wurmvolk blöd durch sattes Land.
Es wähnt sich klug und bleibt doch im Gewimmel
des wirren Seins in geiler Lust gebannt.

Es zehrt das einstmals stolze Tier zum Aase
und wendet sich alsdann in Ekel von ihm ab.
Daß es bewältigt sei, erfüllt die Meute nach dem Fraße
mit letztem Glück. Dann taumelt sie ins Grab.

Waldgaenger aus Schwaben

14. November 2018 08:12

Die ganze intellektuelle Erbärmlichkeit der Autoren zeigt sich IMHO in diesem Absatz:

Mit denen also willst Du reden. O.k., aber worüber? Über die Gründe zunehmend fremdenfeindlicher Stimmungslagen? Über die problematische rechte Theorie, der zufolge der Überlastung der modernen westlichen Gesellschaft nur mit verstärkter Abschottung und ethnischer Säuberung zu begegnen sei? Redet Ihr über den Erhalt der Demokratie oder deren Abschaffung? Redet Ihr über das problematische Verhältnis der rechten Szene zur Gewalt?
----------

Das sind keine Fragen sondern Vorwürfe in Frageform. Jeder der willens und fähig (!) ist, die Diskussionen in der rechten Szene zu verfolgen, zum Beispiel hier in diesem Forum, kennt bessere Fragen, die die Risse im alternativen Lager zeigen würden.

Der Gehenkte

14. November 2018 10:18

Diese Debatte ist doch äußerst aufschlußreich: sie zeigt gleich mehrere blinde Flecken auf allen Seiten. Wer wirklich an einem Dialog interessiert ist, sollte eine kleine Phasenverschiebung zulassen, um exakt die blinden Flecken - wenigstens schon mal von außen - wahrnehmen zu können.

Dazu gehört zu allererst, das Ansinnen der beiden Autoren ernst zu nehmen und nicht von vornherein Heimtücke zu unterstellen. Es könnte sein: sie meinen, was sie sagen und sie sorgen sich auch ganz genuin um Frau Dagen. Daß sie sich in Selbstwidersprüche und Paradoxa verstricken, ist ihnen nicht bewußt. Man müßte sie darauf aufmerksam machen und das wiederum geht nur im Gespräch und immer nur auf der Höhe des Arguments und der Auffassungsgabe.

Ähnliches gilt für diese totalitaristische Deklaration, die sich selbst als Dokument der Freiheit wahrnimmt. Wir hier sehen darin den Totalitarismus - sie selber aber wollen just diesen bekämpfen. So lange die Begriffe derart fundamental verdreht sind, ist ein inhaltliches Gespräch wenig sinnvoll. Hier muß zuerst ein vorkommunikativer Raum geschaffen werden. Und - once more - dazu müßte der Wille da sein.

Eines der Probleme, die es zu lösen gäbe, wäre die Eigenwahrnehmung durch den anderen zu hinterfragen. Ich selbst kann nur mit dem Kopf schütteln, was die Autoren in "uns", in K&K, in Antaios etc. sehen aber sie sehen es nun mal. Wenn wir davon ausgehen, daß sie ideologisch induziert sehbehindert sind, sollte man dann nicht versuchen, ein anderes Bild abzugeben, eines, das auch dort verstanden werden kann? Ist man dazu nicht bereit, kann man sich das ganze Getue auch sparen.

Umgekehrt gilt es, sich ständig zu hinterfragen und gerade nicht zu bestätigen: Sehe ich etwas nicht oder verkehrt?

Tellkamp hat das in Ansätzen schon begriffen, wie mir scheint. Man müßte freilich noch viel sprach- und kommunikationsanalytischer an die Sache herangehen. Immerhin ist sein Widerspruch schön zu lesen und ein Genuß.

MartinHimstedt

14. November 2018 10:21

Es ist irrelevant, ob der Ausländeranteil in Sachsen 3%, 3.9%, 5,1% oder 0,5% beträgt. Die Sachsen leben ja nicht in einer vollständig isolierten Gegend, sondern bekommen durchaus mit, wie es andernorts aussieht. Dieses ständig vorgebrachte Argument ist so dumm und/oder niederträchtig, dass ich langsam aber sicher die Geduld verliere, überhaupt noch dagegen zu argumentieren.

TUMULT: https://tinyurl.com/yccw2ljp

"Im Jahre 2100 ergibt sich für unser Szenario eine muslimische Bevölkerungsmehrheit in Deutschland:" https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/bevoelkerungsentwicklung-in-deutschland

Ebenso irrelevant ist, ob alles nicht ganz so schlimm ausfallen wird: Wir wollen nämlich weder 50% Muslime in Deutschland, noch 60% – und auch keine 20%.

Ich war bereits in den neunziger Jahren (!) eine Ausnahmeerscheinung als Biodeutscher, sowohl in der Schule, als auch in der Ausbildung. Die Hot-Spots in meiner Stadt, waren schon immer türkisch geprägt, das kenne ich überhaupt nicht anders. Eine Ausnahme bilden dabei Kultureinrichtungen, welche in der Regel nicht von dieser Bevölkerungsgruppe aufgesucht werden. Diese verschwinden aber auch immer mehr: Angebot und Nachfrage.

Durendal

14. November 2018 11:13

Warum arbeitet man sich an diesen geistig völlig sterilen Gestalten ab?
Dietrich Bonhoeffer hat über die Dummheit sinngemäß geschrieben, dass sie häufig eine psychologische Folge der Macht sei. Im Kontakt mit dem Dummen habe man es nicht mit einem denkenden Menschen zu tun, sondern mit den „über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc.“. Versuche, den Dummen zu überzeugen, seien sinnlos, weil er ohnehin nicht zuhöre.
Dass man es hier mit dummen Menschen zu tun hat erkennt man daran, dass sie nicht einmal in der Lage sind, echte Fragen zu stellen bzw. die durch die Entwicklung in Europa aufgeworfenen Fragen überhaupt zu erkennen.
Bonhoeffer sagte sinngemäß auch, dass dem Dummen nur noch Gott helfen könne. Juan Donoso Cortés sagte, dass Gott dies durch Krisen täte, und diese werden wir zum Glück innerhalb der kommenden 20 Jahre in ausreichender Fülle und Intensität bekommen, um auch hartnäckige Fälle von Dummheit sauber auszukurieren.

2Rueckert

14. November 2018 13:54

Durendal: Bonhoeffer würde heute in der EKD wie Adenauer in der CDU sofort in Isolationswatte gepackt. Die christlichen Großkirchen sind ein wesentlicher Teil des Problems. 1918 und 1945 standen sie hinter und zu ihrem Volk. Heute sind sie ihren autochthonen Völkern feindlich. Mein Bischof reicht mir das "Brot des Lebens", aber er hat Mutterkorn eingemahlen und das Antoniusfeuer wäre mir gewiss: Behalte Er sein Brot! Da ist Communio nicht mehr möglich.
Wer es nicht glaubt verfolge domradio.de oder lese die mit Flüchen gegen Europa beladene Wutpredigt von Papst Franz vom Juli 2013 auf Lampedusa. Keine Frage: Franz ist ganz geil auf Marrakesch.
Europa ist nur noch ein Hirschluder von dem andere zehren. Was bleibt ist eine wölfische Steppe. Siehe Burghardt.

Monika

14. November 2018 14:28

@ Der Gehenkte
Auch, wenn man wirklich an einem Dialog interessiert ist, Phasenverschiebungen zulässt, das Ansinnen der Anderen ernst nimmt und keine Heimtücke unterstellt, auch und gerade dann gelangt man oft schmerzhaft an einen Punkt, wo keine Kommunikation mehr möglich ist und jedes weitere Bemühen zu einem sinnlosen K(r)ampf wird. Das muß man erstmal annehmen und ertragen können. Man lässt am besten voneinader ab und geht getrennte Wege, kurze oder lange. Oder man sieht sich nie wieder. Das ist wie in einer zerrütteten Ehe.
Und da es hier um Moral geht, wiegt das alles noch schwerer .
Es braucht m. E. einen Standpunkt außerhalb, wobei wir wieder beim alten Thema wären: "Wir können der Welt nichts geben, wenn wir nichts haben".
Und Dolmetscher, Therapeuten, Mediatoren scheinen mir bei dieser vertrakten Diskussion auch am Ende angekommen.

Der Gehenkte

14. November 2018 15:38

@ Monika

"dann gelangt man oft schmerzhaft an einen Punkt, wo keine Kommunikation mehr möglich ist und jedes weitere Bemühen zu einem sinnlosen K(r)ampf wird. Das muß man erstmal annehmen und ertragen können."

Sie haben recht, auch das muß man annehmen, einsehen können. Aber es ist ein Annehmen auf zweiter Ebene, eines, das erst durch das primäre Scheitern gerechtfertigt ist, und dieses muß wirklich feststehen, da muß man alles vernünftige versucht haben.

Und selbst wenn das scheitert, müssen Haltung und Stil bewahrt werden - damit hätte man bereits etwas (Haltung, Stil, Offenheit, Bereitschaft ...), was man auch geben kann.

Sellner macht das vorbildlich und K&K nicht minder. Tiefschläge werden weggesteckt und man bietet (oft mit einem Lächeln) seine Position weiter an, nebst dem Diskussionsangebot.

Die beiden obigen Herren kann ich nicht in der Riege der der Vernunft vollkommen Verlorenen zurechnen, da kann man was versuchen. Ich erlebe immer wieder Menschen, in denen es gärt, die aber den Weg noch nicht zurückgelegt haben, die Angst haben vor der Einsicht ... die potentiell die Seite wechseln könnten und dann aber beim ersten Schauen vor den Kopf gestoßen werden, weil irgendeiner eine Parole losgelassen hat, die alle Vorurteile zu bestätigen scheint. Verloren!

Die Frage ist doch: Haben wir die besseren Argumente? Ich denke, wir haben sie - sonst wäre ich z.B. nicht hier. Nun muß man sie auch vertreten können. Wird einem die Bühne verwehrt, muß man vor der Außentreppe anfangen ... immer wieder.

Mir gehen die Abbrüche zu schnell! Vor allem, wenn sie von bedachtsamen Menschen (wie Ihnen) kommen.

Der Gehenkte

14. November 2018 16:03

@ Monika

nehmen wir diesen Satz: "Denn, so die Pointe, hätten die Deutschen »Mein Kampf« gelesen, wäre schon damals alles anders gelaufen. Deswegen soll sich Stokowski heute mal nicht so haben, wenn irgendwo der Sieferle und der Kubitschek rumstehen." (Volker Weiß https://jungle.world/blog/jungleblog/2018/11/wenn-das-die-deutschen-wuessten)

Man könnte sagen: sinnlos, mit dem Mann zu reden - würde ich verstehen. Man könnte aber auch eine ganz einfache Frage stellen, etwa: Wo sieht Weiß die Parallele zwischen "Mein Kampf" und Kubitschek oder Sieferle. Das muß er ja erklären können und da es keine rationale Erklärung dafür gibt - das darf ich sagen, nachdem ich alle drei Quellen gelesen habe - sollte man schnell in eine argumentative Gewinnsituation kommen, die vielleicht nicht Weiß selbst gewinnt, aber doch einen Großteil der Zuhörerschaft, die Kubitschek und Sieferle nur in der Weißchen Vor- und Verstellung kennen.

Patriotin

14. November 2018 17:24

Oh, diese Scheinheiligkeit.... Unerträglich.
Oder sind diese Künstler wirklich so lebensfremd in ihrer Welt?

“Wir als Unterzeichnende der Dresdner Theater, Kunst- und Kultureinrichtungen und ihrer Interessensverbände begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:
Wir solidarisieren uns mit Menschen, die durch eine rechtspopulistische Politik an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.”

AHA, UND DIE ANDEREN WERDEN AUSGEGRENZT ODER ERFAHREN KEINE SOLIDARITÄT? SOLIDARISIERT IHR EUCH MIT DEN OPFERN VON SOG. FLÜCHTLINGEN, DIE ERMORDET ODER VERGEWALTIGT ODER BEIDES WURDEN? WENN JA, WIE KONKRET? WENN NEIN, WESHALB NICHT?

“Es geht um uns Alle.” - EBEN NICHT, WIE MAN SIEHT!

“Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung.” – WER SAGT DAS?

“...ins »Café Gustav« in der alten Niederpoyritzer Schule einladen, wo einmal im Monat ein zumeist sehr heiteres Zusammensein von Afghanen, Syrern und Irakern mit Kuchen backenden Bewohnern des Elbhanges stattfindet, und wo man eine andere Variante von »Bedrohung« real studieren kann: Freundlichkeit.”

MIT DEM FRIEDE-FREUDE-(EIER)-KUCHEN-SPIEL IST ES ALLEIN LEIDER NICHT GETAN.

“Redet Ihr über den Erhalt der Demokratie oder deren Abschaffung?”

REDET IHR ÜBER DAS PROBLEMATISCHE VERHÄLTNIS VON MUSLIMISCHEN EINWANDERERN ZUR GEWALT, ZUR DEMOKRATIE, ZUR AUFKLÄRUNG, ZUR SÄKULARITÄT, ZUR GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAU?

Wie blind sind diese Leute doch.

Monika

14. November 2018 17:56

@ Der Gehenkte
ja, wir haben schon die besseren Argumente, aber meistens geht es in den Gesprächen um den emotionalen Hintergrund. Die "Linken" klammern sich an ihrer Moral fest, weil sie keine Argumente haben. Kürzlich ging es im Gespräch bei Nachbarn um die Gruppenvergewaltigung in Freiburg ( ich war kurz vor einer Reise nach Freiburg). Die linksgrün-feministisch verortete Nachbarin:"Ja, wie furchtbar. Aber, ich werde nie die AfD wählen, nie die Glatzen wählen." Das hatte ich überhaupt nicht verlangt ! Und welche Glatzen ?
Ich wollte lediglich auf die neue Qualität der Frauenfeindlichkeit aufmerksam machen. Hysterisch tat sie ihre Angst vor der AfD und einen neuen rechten Gefahr kund. Die Massenvergewaltigung war kein Thema. Bei so viel Realitätsverlust hilft keine vorsichtige Kommunikation. Ich bin es leid. Ich bin mir zu schade dafür. Ich suche mir wohlgesonnene Menschen aus. Punkt. Die kann man finden, man kriegt ein Gespür. Nach drei Sätzen weiß ich inzwischen , ob ich mit dem Gegenüber kann oder nicht.
Das Buch "Mein Kampf" stand übrigens in meiner Realschulklasse in einer Nonnenschule auf dem Bücherbord. Das gab es auch. Ich habe das Buch dann mal mit nach Hause genommen und angefangen zu lesen. " Da steht ja alles drin, was Hitler vorhatte", sagte ich aufgeregt zu meinen Eltern. Die ANtwort: "Kann sein, wie haben den Schinken nie gelesen, der hing bei dem Opa als Klopapier rum...."

Patriotin

14. November 2018 19:22

Bemerkenswert finde ich, dass Lühr ja durchaus auch kritisch sein kann, aber leider nur rückwärts gewandt, wo das Gegen-den-Strom-Schwimmen nicht mehr geahndet wird:

https://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Hans-Peter-Luehr-haelt-Vortrag-in-der-Frauenkirche

Thema seines Vortrags ist „Training des aufrechten Ganges – Opposition und neue Bürgerschaftlichkeit (???!!!!) in der Kultur der 1980er Jahre“...

Ich wette, er hatte damals auch keinen A... in der Hose und gehörte nicht zur von ihm beschriebenen Opposition.

ElDuderino

14. November 2018 19:24

Diese beiden Sätze hätten bereits bequem genügt, um die inhärente Faschismus-Affinität – u. a. – der schmierigen Marionettenspieler unserer mitleiderregenden Bahnhofsklatscher auf den Punkt zu bringen:

"Man wolle diskutieren, Meinungen, die nicht passen, aber kein Forum bieten. Wer zieht die Grenze?"

Frei nach Goethe (10 € dem, der mir das korrekte Zitat nachweist): Der Sklave will nicht bloß frei sein. Er will selbst herrschen.

Patriotin

14. November 2018 19:56

"Kein Wort über die reale Not von Flüchtlingen und über neokoloniale Abhängigkeiten als Fluchtgrund heute, kein Wort über das Rätsel einer Phantomangst vor Überfremdung .."

Wieder ein Zeichen von absoluter Blindheit. - Die reale Not hat im Gegenteil abgenommen bei denen, die herkommen. Sonst könnten sie sich die "Flucht" gar nicht leisten. Und neokoloniale Abhängigkeiten werden sie hier in Europa erst recht erleben. Wozu braucht man sie hier, wenn nicht als moderne "Sklaven", so dass man sich den Transfer von Fabriken in Billiglohnländer sparen kann? Genau das ist tatsächlich Neokolonialismus, und den stützen diese Herren Kulturschaffenden!

Und wer von "Phantomangst" spricht bei einer real existierenden Überfremdung (denn diese beginnt eben nicht erst bei 51 %), wer sich mit Statistiken belügen und betrügen lässt und offenbar die eigenen Wurzeln nicht begriffen hat - ich sage nur: Römische Republik - der sollte dieses Buch zum Thema dringend lesen:

https://www.amazon.de/Auf-dem-Weg-ins-Imperium/dp/3944305450

und er wird hoffentlich begreifen, dass wir auf genau demselben Weg sind, ins Imperium und in den Untergang unserer Kultur.

Es nützt allerdings nichts, dass dann in 30 Jahren zu beweinen und Vorträge darüber zu halten, Herr Lühr.

HomoFaber

14. November 2018 20:38

Frau Dagen könnte das “Gesprächsangebot” annehmen und ihre Position offensiv verteidigen.

cnahr

14. November 2018 21:05

“Rassismus darf keinen Platz haben, wer an Leib und Leben bedroht wird, dem muß nach Kräften geholfen werden, im Sinne des Gesetzes und des Mitleids, gerade Deutschland hat hier eine Verantwortung, ja, Pflicht.”

Um Himmels willen. Setzen, sechs, Aufgabe verfehlt, Argumentation der Linken vollständig übernommen. Milliarden (nicht nur Millionen!) Menschen werden weltweit in ihren jeweiligen Trumpschen Drecklöchern an Leib und Seele bedroht. Wer allen denen helfen will, fordert die Abschaffung Deutschlands. Das kann doch nicht so schwer zu kapieren sein. Ganz zu schweigen von der Schuldkult-Argumentation.

Caroline Sommerfeld

14. November 2018 21:20

@cnahr:
Glückwunsch, Diskurskopeke gefunden.

nom de guerre

14. November 2018 23:41

@ cnahr u. Caroline Sommerfeld
Was ist denn an Tellkamps Aussage verkehrt? Ob man sich der These von der besonderen Verantwortung, ja Pflicht Deutschlands anschließen möchte, sei dahingestellt, aber Tellkamp schreibt doch "wer an Leib und Leben bedroht wird, dem muß nach Kräften geholfen werden, im Sinne des Gesetzes und des Mitleids". Die Betonung liegt für mich neben seinem in den heutigen hochmoralischen Zeiten geradezu altmodisch anmutenden Verweis auf die geltenden Gesetze (wonach Leute, die über sichere Drittstaaten nach Deutschland kommen, bekanntlich keinen Anspruch auf Asyl haben und Wirtschaftsmigranten ohnehin nicht) auf der Formulierung "nach Kräften", was im Umkehrschluss bedeutet, dass sich diese Hilfeleistung natürlich nicht auf die Millionen oder sogar Milliarden Hilfsbedürftigen auf dieser Welt beziehen kann, denn das ginge nicht nur über die Kräfte Deutschlands, sondern auch jedes anderen Landes der Welt.

Das schließt aber doch nicht aus, im Rahmen des vernünftigerweise machbaren zu helfen, wobei helfen in Bezug auf tatsächliche Flüchtlinge nebenbei bemerkt nicht bedeutet, sie zwingend nach Deutschland zu holen (dass etwa den wirklichen syrischen Flüchtlingen besser vor Ort zu helfen gewesen wäre, ist inzwischen eine Binse). In dieser Sichtweise kann ich im Übrigen auch nichts spezifisch Linkes erkennen, denn linke Ideologen wollen (von der von ihnen tabuisierten Frage nach der Machbarkeit einmal abgesehen) dem Hilfsbedürftigen nicht deshalb helfen, weil er eben Hilfe braucht, sondern nur dann, wenn es sich um den "richtigen" tatsächlich oder vermeintlich Hilfsbedürftigen handelt.

Der Gehenkte

15. November 2018 09:21

@ Monika

"Ich bin es leid. Ich bin mir zu schade dafür. Ich suche mir wohlgesonnene Menschen aus. Punkt. "

Volles Verständnis für diese Reaktion - irgendwann ist der Akku leer, aus vielerlei Gründen, die es hier nicht zu ergründen gilt. Aber stellen wir diese Resignation doch mal unter die große Prämisse, die hier vermutlich, hoffentlich, alle Foristen vereint: Die Sorge um Deutschland.

Was soll werden, wenn wir nicht mehr mit dem Nachbarn reden (können)? Wozu all die Arbeit, die vor allem hier geleistet wird, wenn nicht auch in der wesentlichen Hoffnung, nach außen zu dringen? Wir haben keine andere Wahl oder aber wir verraten unsere Sorge.

Übrigens scheint mir ein mäeutisches Verfahren in vielen Fällen am besten geeignet. Weg von der Belehrung, diese nur in Form klarer Analysen. Ihr kleiner Dialog hat ja schon alle Ingredienzien. Die Frage "Welche Glatzen", hätte man doch nur stellen brauchen und schon wäre Ihre Gesprächspartnerin in Erklärungspflicht. Und dann fragt man weiter, bis es irgendwann (vielleicht) dämmert.

Tellkamp versucht das ja auch teilweise. Dieser Offene Brief ist bedeutsam! Er wird sich in seine und die Biographie der Sezession einschreiben; nicht nur daß, nicht nur was, sondern auch wo er es geschrieben hat, ist signifikant.

Tellkamp ist ein bedeutender Autor, der das Sprachwerkzeug beherrscht. Er liefert hier z.B. nach, was Klonowsky dringend hätte sagen müssen, als er mit den Intendanten "diskutierte", es aber vorzog, "Kreide zu fressen". Warum und wozu ist noch immer sein Geheimnis.

Dennoch bietet der Brief einige unglückliche Wendungen, die die intendierten Brückenbauten erschweren. Er ist passagenweise in einem Ton des "Du hast angefangen" gehalten. Die Diskurskopeken wiederum kann man auch als stilistisches Mittel zum Brückenbau bewerten. Sätze wie "der Stil dieser Passagen ähnelt dem gewisser Einweisungsschreiben in sowjetische Psychiatrien" sollte man sich verkneifen, sofern sie nur rhetorisch sind.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/uwe-tellkamp-wendet-sich-gegen-erklaerung-der-vielen-15890531.html

An der Diskurskopeke ist nur das Wort "Rassismus" fehl am Platze, die Hilfsbereitschaft, ja die Notwendigkeit zur Hilfe - wenn sie adäquat ist und diejenigen betrifft, die ein Recht darauf haben - sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Caroline Sommerfelds Aversion gegen alle Form der "Entschuldigung", der Versicherung etc. kann ich argumentativ durchaus verstehen - ich denke aber eher von den Folgen her. Wenn das das entrée billet in eine Diskussion sein sollte, dann wäre mir das Gespräch wichtiger und den Preis sollte man zahlen. Alles andere führt zu Höhlendasein.

Fritz

15. November 2018 09:28

@nom de guerre: Genau so ist es. Die Linken verlangen eben keine Hilfe im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, sondern absolute Hilfe unter allen Umständen. Nicht: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, sondern liebe ihn mehr als dich selbst bis zur Selbstvernichtung.

Habe mehrfach versucht, auf Twitter u.ä. mit denen zu diskutieren, aber auf die Frage: Wie viele sollen wir denn in unserem kleinen Land aufnehmen? kommt nie eine Antwort, es wird immer ausgewichen. "Die wollen ja garnicht alle kommen", oder "Diese Frage dar man nicht stellen, man muss einfach nur helfen" usw.

Regimekritiker

15. November 2018 10:43

Diese Form der Auseinandersetzung kostet zu viel Lebenszeit. Sie bringt im Endeffekt nur für die Schreiber eine gewisse psychische Entlastung. Alle, die sich beteiligen möchten, an lebendigen Debatten, Austausch und Gesprächen haben keinen Ort und keine Plattformen. Das ist mglw. auch ein gewünschtes Resultat, dieser verschärften gesellschaftlichen Konfliktlagen. Wie wäre es mit der Einberufung von Konferenzen, Versammlungen, Arbeits- und Gesprächskreisen, auf kommunaler und regionaler Ebene?

Es gibt ja nicht nur die Literatur.

Mittlerweile hat sich der globalistische Gesinnungsterror auf ursprüngliche und urtümliche Bereiche der Gesellschaft ausgedehnt. Leute, die sich eigentlich mit landwirtschaftlicher Selbstversorgung, Permakultur, Gartenbau, ökologischer Landschaftsgestaltung, Heilpflanzen, etc. beschäftigen wollen, werden zu okkulten Stellungnahmen veranlasst, die die Handschrift der Amadeo-Antonio-Stiftung tragen.
https://permakultur.de/neuigkeit/permakultur-und-die-oekologische-rechte/

Wer sich einbringen und mitdiskutieren will, kann das auf dem Verteiler des Permakulturvereins tun. Hier sind mehr als 500 der wesentlichen deutschen Akteure vereint. Diese Plattform wird seit 1996 durch den Verein Permakultur Institut e.V. (PKI) ermöglicht. Zum Eintragen in den Verteiler folgenden Link aufrufen: https://ml06.ispgateway.de/mailman/listinfo/pk-liste_permakultur.de

Denn der Riss geht durch die alternativen Szenen, durch Freundschaften und Familien, das ist die neue Qualität. Darum brauchen wir noch andere Formen des Zusammenfindens, der Problembewältigung. So etwas wie "Cafe Schnellroda" kann man überall einrichten.

Monika

15. November 2018 11:26

@Der Gehenkte
Natürlich treibt uns die Sorge um Deutschland um oder zunächst die Sorge um unsere Kinder und Nachkommen. Und die Nachbarin hat keine Kinder.
Es gibt auch Gegenbeispiele. Ein nettes älteres Paar setzt sich an den Tisch in einem Lokal dazu. Sie sind gerade stolze Großeltern geworden. Schnell ist man bei der Politik und mehr als nur auf einer Wellenlänge. Man versteht sich prächtig. Ja, das gibt es natürlich auch. Es ist sehr befreiend, sich nicht ständig erklären zu müssen. Dann bekommt man auch wieder Kraft , die Dummheit der Vielen zu ertragen.

Fluid

15. November 2018 13:48

Hallo ElDuderino,
hier dein gewünschtes Zitat:
„Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.“
―Gabriel Laub
- https://gutezitate.com/zitat/202259
Die Euro 10,00 bitte an Wikipedia spenden!
Vielen Dank
Fluid

heinrichbrueck

15. November 2018 14:43

"Aber es ist ein Annehmen auf zweiter Ebene, eines, das erst durch das primäre Scheitern gerechtfertigt ist, und dieses muß wirklich feststehen, da muß man alles vernünftige versucht haben."

Ich kann diese Position der untersten Ebene verstehen, aber wie will man die nicht Abwählbaren dadurch beeindrucken? Die Wählbaren sind nicht die Mächtigen. Meine Vorstellung sieht die vertikale Hierarchie der Macht sehr gut in einem Hochhaus verbildlicht. Hätte dieses Hochhaus hundert Stockwerke, wären die Wählbaren im untersten Drittel ansässig. Es geht hier nicht nur um die Gegenwart. Auch die richtige Interpretation der vergangenen und nicht enden wollenden Weltkriege.

Andreas Kunze

15. November 2018 18:41

Ich melde mich aus der hands-on Praxis des Migrantenbetreuers - ununterbrochen tätig seit Ende 2014, mit Dank-Urkunde von „Niedersachsen packt an“; meine Herkunftsländer: Albanien, Georgien, Kosovo, Montenegro, Pakistan, Serbien, Syrien, Ukraine. Ich bin Grundgesetzdemokrat. Die Berufung auf das GG, und speziell auf die ersten 3 Artikel, kann nicht dem Programm einer undefinierten „Pluralen Versammlung“ (Dresdner Erklg.) überlassen bleiben.

Mir sind erhebliche Bedenken hinsichtlich der „Flüchtlings“-Anerkennung und damit der Asyl-Berechtigung der Mehrzahl der von mir Betreuten gekommen. Ich betreue nur noch, mit meiner Frau, eine 6köpfige Pakistanifamilie. Das ist Arbeit. Für das in der „Erklärg. der Vielen“ angeführte „heitere Zusammensein mit kuchenbackenden Einheimischen“ ist keine Zeit. Wir essen aber öfters, recht spicy, bei unseren Migranten, zu Hause. Das Bleiben in Dtld wird ihnen verweigert - jetzt, nach 4 Jahren Wartezeit. Alle sprechen fließend Deutsch. Beide Eltern: unbefristete Arbeitsverträge. Kürzlich habe ich ein Bittgesuch an die nds. Härtefallkommission abgesandt. Das ist kein Kuchenbacken.

Was ich, als Pragmatiker, vermisse, seit Jahren, bei nach wie vor verbreiteter „Flüchtlings“-und „Bereicherungs“-Euphorie, ist zunächst einmal: Kenntnis der Gesetze, präzise Terminologie, unsentimentale sachliche Hilfe. Das ist in anderen Bereichen der Sozial-Unterstützung selbstverständlich. Im Bereich der idealisierten „Flüchtenden“ wird „Empathie“ beschworen. Es gibt, meiner Erfahrung nach, eine Idealische und eine Pragmatische Empathie. Letztere lege ich den Verfassern des „Offenen Briefes“ und der „Dresdner Erklärung“ ans Herz. Im Kolonialzeitalter gab es das Bild des „Edlen Wilden“. Heute ist das der Edle Flüchtling.

Die verfehlte „Willkommenskultur“ muss dringend und offiziell - vom Bundstag - beendet werden. Schon an den Grenzen muss strikt und ausnahmslos kontrolliert - und potentiell zurückgewiesen - werden.

Wir haben und brauchen die Grundgesetzkultur. Diese ist nicht - deutlich entgegen der „Dresdner Erklärung“ - „täglich neu“ verhandelbar. Sie ist da. Sie ist, in Deutschland, die eine Kultur, nach der sich alle, die hier leben und leben wollen, zu richten haben. Die „Religion“ Islam ist eine - offensichtlich fragwürdige - (Männer-)Kultur, wie jede andere „Religion“ auch. Die Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“ ist unsinnig. Zu Deutschland gehört, was zum GG passt. Was gibt es da zu „verhandeln“? Wer verhandelt, mit wem?

Es müssen im übrigen, vom GG her, auch die „Christlichen Religionen“ gründlichst befragt werden. Das „Kirchenasyl“ ist eklatant GG-widrig.

Die Begriffe „Flüchtling“ und „Asyl“ (GG Art 16a, AsylG §3) sind eindeutig fixiert. Das ist weithin unbekannt. Sie können nicht beliebig verwendet werden. Für die Zuerkennung des Status „Flüchtling“ (nach Genfer Konvention, 1951) muss man als schwerwiegend und deutlich individuell „Verfolgter“ anerkannt werden. Bei Anerkennung: Status „Asyl„. A-sylia heißt Freiheit von Beraubung - des Lebens. Es gibt fünf Verfolgungsformen: „Verfolgung wegen …Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe“. Das wird vom Elbhang-Kurier und von den „Vielen“ partout nicht wahrgenommen.

Es gibt kein „Recht auf Asyl“. Es gibt, nach der General Declaration of Human Rights“, von 1948, Art. 14, das Recht „ to seek …asylum from persecution“. To seek. Das heißt: Antrag. Und Prüfung.

Ein Beispiel der Idealischen Empathie: die Migrantenpolitik der deutschen amnesty-Leitung. Migranten werden pauschal als „fliehende Frauen, Kinder und Männer“ bezeichnet, die „Schutz vor Gewalt und Vertreibung“ suchen. Es kommen aber nicht „Flüchtlinge“ - neuerdings „Fliehende“. Es kommen Migranten. Und die Ursache der Migration muss ja erst - einzeln - festgestellt werden. Ein Blick in die BAMF-Statistik: auffällig wenige „Fliehende“ werden als Flüchtlinge und damit Asylberechtigte anerkannt.

Die zentrale Ursache des Zuges nach Europa, speziell nach D, ist wirtschaftliche Not sowie eine verbreitete - aber strikt individuell, also asylrelevant, nicht zu fassende - politische Unsicherheit und Bedrängung. Das ist über Aufbauprogramme, in Pragmatischer Einigkeit der Staaten, sowie über ein - allfälliges - deutsches Einwanderungsgesetz anzugehen.

Eins noch: warum muss, in der Migrationsdebatte, wie auch in anderen deutschen Debatten, gespenstisch drohend, sakrosankt, ahistorisch, eisern schuldzuweisend, das “größte Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte” (Dresdner Erklg.) vorgeführt werden? Ich bin Migrantenhelfer - aber nicht, weil ich des Statsverbrechens schuldig, sondern weil ich ein Mensch bin. Das genügt mir. Zusätzlich bin ich gebürtiger Sachse, aus Dipps. Quarkkeulchen esse ich gern. Eierschecke geht auch. Buntgescheckte Heiterkeit geht gar nicht.

ElDuderino

15. November 2018 20:45

Hallo Fluid, danke für den Hinweis. Beim exakten Wortlaut des Zitats bin ich mir wie gesagt nicht sicher ("frei nach..."). Beim Urheber allerdings schon. Laub hat wohl bei Goethe abgekupfert. Hab's 1994 beim Meister gelesen und finde es seither nicht mehr. -.-

Emil D

15. November 2018 23:46

@ElDuderino
bitte mal hier schauen:
https://1000-zitate.de/3492/Der-Sklave-will-nicht-frei-werden.html
falls es das Richtige ist, dann den Zehner bitte in einen Kranz investieren und diesen am 18.11. vor dem nächstgelegenen Kriegsopferdenkmal würdevoll platzieren, danke

Ratwolf

16. November 2018 12:52

„Es kommt nicht mehr drauf an, welche Argumente man hat, sondern es reicht dieser Tage sich auf die eine oder andere Seite zu stellen“. So stand es in einer Zeitung letztens.Warum ist das so?

Es geht um Geld. Man wiederholt formelhaft die vorgegebene Spachregelung wie einst im Ost-Kommunismus, und man kann sich dann sicher sein, das man vom Geld der Steuerzahler mehr oder weniger leistungslos bezahlt wird. Qualität wird dabei tendenzell weniger wichtig. Innovation, Qualität und Wettbewerb haben Menschen wie Herr Tellkamp oder die Buchhändlerin nach vorne gebract.

AlderHorst

16. November 2018 18:10

1. Mich wundert, dass bei den allfälligen Bekundungen von Diskursbereitschaft und Weltoffenheit bei gleichzeitiger Ausschließung von Andersdenkenden durch den linken Meinungshegemon noch niemand auf die Idee gekommen zu sei scheint, einmal bei Habermas die Bedingungen für ein Verfahren zur Herstellung idealer Sprechsituationen im Diskurs nachzulesen. Man müsste die Linken nur an sich selbst messen, um den aktuellen Verblendungszusammenhang deutlich zu machen.
@ Caroline Sommerfeld: Hätten Sie nicht einmal Lust, die Diskursethik in praktischer Absicht einigen Linken um die Ohren zu hauen?
2. Die "Erklärung der Vielen" ist ein Oktroy, wie daselbst nachzulesen ist:
"Mit der Unterzeichnung erklären sich die Leitungspersonen [...] bereit, den Text der Erklärung innerhalb der eigenen Organisation unter Mitarbeiter*innen [...] bekanntzumachen und zur Diskussion zu stellen."
Allein daran zeigt sich ein höchst problematisches Verständnis demokratischer Prozesse. Bei der Erklärung der Viel*innen handelt es sich um ein politisches Statement, das die Leitung im Namen der Institution und folglich auch der Mitarbeiter abgibt. Das Deckmäntelchen Kunstfreiheit ist eindeutig zu kurz geraten, um dies zu verbergen. Sofern sich eine Diskussion tatsächlich anschließen sollte, wird diese sicher nicht unbelastet sein können. Ich weiß konkret von einem Mitarbeiter eines staatlichen Kulturbetriebes, der diese Erklärung als politische und geistige Bevormundung empfindet, sich aus Angst vor Konsequenzen - Zeitvertrag, Störung des Betriebsfriedens - aber nicht mit Widerspruch äußern will.
3. Die Autoren der Erklärung beschränken sich nicht darauf, Freiheit von politischer Einflussnahme einzufordern, um die u-topische Qualität von Kunst als freies Spiel der (Un)Möglichkeiten zu wahren. Statt die Bedeutung von Kunst als Raum der offengehaltenen différance - d.h. als einen Platzhalter für das diskursiv Ausgeschlossene, einem Riß vergleichbar - für die kritische Bewußtseinsbildung in einem demokratischen Gemeinwesen herauszustellen und mit einem ganz gelesenen Adorno darauf zu bestehen, dass sich Kunst nach Auschwitz gerade nicht auf politische Parolen vereidigen lassen dürfe, begeben sich ironischerweise unter dem Leitsatz "Solidarität statt Privilegien" staatlich bestellte und öffentlich alimentierte Funktionseliten vielmehr bereitwillig in die Sphäre des (Partei)Politischen um in "Kampagnen" Front zu machen gegen jene, die man als rechte Populisten stigmatisieren und ausgrenzen möchte. Dass man noch einen Solidaritätsblankoscheck ausstellt, von dem die Unterzeichnenden nur hoffen können, dass dieser nicht eines Tages von linksautonomen "Kulturzentren" eingelöst wird, fällt schon nicht mehr ins Gewicht.

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