Sezession
13. November 2018

Der Moralismus der „Vielen“ – Ein Offener Brief von Uwe Tellkamp

Redaktion / 46 Kommentare

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp antwortet auf einen Offenen Brief, der in der Dresdner Kulturzeitschrift Elbhang-Kurier erschienen ist. Worum geht es?

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Anlaß 1: Im Novemberheft des Elbhang-Kuriers, einer seit 1992 bestehenden Kulturzeitschrift aus Dresden, haben Hans-Peter Lühr und Paul Kaiser in einem Offenen Brief an Susanne Dagen Front gemacht »gegen rechts«.

Anlaß 2: Am 9. November wurde in Dresden, Hamburg, Berlin und Düsseldorf eine "Erklärung der Vielen"präsentiert, die den öffentlichen Raum von rechten (rechten?) Gedanken säubern will.

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp hat gegen den Ton und die Absicht beider Attacken Stellung bezogen - in einem Offenen Brief, den wir nun veröffentlichen.

Zuvor aber sind die Lektüren der beiden Angriffe zu absolvieren: Über beide Texte, die als Dokumente einer aus den Fugen rutschenden Zeit verstanden werden können, muß dringend debattiert werden. (Redaktion Sezession)

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1. Offener Brief von Hans-Peter Lühr und Paul Kaiser an Susanne Dagen, Elbhang-Kurier 11/18: Mit Rechten plaudern...

Liebe Susanne,

wir kennen uns lang und wir kennen uns gut, wir haben Dich oft verteidigt. Von Deinen neuesten Allianzen sind wir allerdings schockiert und wollen Dir das öffentlich mitteilen, weil unser Konflikt viele Menschen in dieser Stadt betrifft.

Das BuchHaus Loschwitz hat auf seiner Internetseite seit gut drei Monaten eine neue Kooperation präsentiert, eine Diskussionsreihe mit dem Antaios-Verlag Schnellroda, einem einschlägigen Unternehmen der sogenannten Neuen Rechten – und so heißt auch Deine Reihe, die mit inzwischen drei Folgen auf YouTube zu besichtigen ist: »Aufgeblättert, Zugeschlagen. Mit Rechten lesen«.

Will man dem üblen Image des Verlages nicht ungeprüft folgen (was ist gemeint mit »zugeschlagen«?), muss man sich ein bisschen Mühe geben und z.B. obige Serie und die Internetseiten von Antaios und seiner Zeitschrift Sezession studieren. Außerdem ist auf YouTube diverses Material über den Verleger Götz Kubitschek und seine Frau Ellen Kositza und ihre Verflechtung in die rechte Szene zu besichtigen. Beide sind versierte Denker, die freilich nicht nur Widersprüche der Gesellschaft reflektieren können, sondern offen einer rechten Revolution das Wort reden, einem generellen Umsturz der Verhältnisse, was sie dann folgerichtig an die Seite jener extremen Rechten führt (auch bei Pegida), die nicht mit der Feder, sondern mit Fäusten gegen die pluralistische Gesellschaft argumentieren.

Götz Kubitschek ist vermutlich den meisten Dresdnern durch seinen martialischen Aufruf, den Riss durch die Gesellschaft zu vertiefen, bei der Tellkamp-Grünbein-Diskussion im März im Kulturpalast in Erinnerung. Das alles hat eine düstere Aura.

Mit denen also willst Du reden. O.k., aber worüber? Über die Gründe zunehmend fremdenfeindlicher Stimmungslagen? Über die problematische rechte Theorie, der zufolge der Überlastung der modernen westlichen Gesellschaft nur mit verstärkter Abschottung und ethnischer Säuberung zu begegnen sei? Redet Ihr über den Erhalt der Demokratie oder deren Abschaffung? Redet Ihr über das problematische Verhältnis der rechten Szene zur Gewalt?

Nein, solche dezidierten Themen habt Ihr nicht im Programm, schon gar nicht in kritischer Absicht. Vorerst präsentierst Du mit Ellen Kositza eine heitere Plauderstunde zur Literatur, die nur durch gelegentliche Seitenhiebe gegen die Linken rechtes Gedankengut berührt und insofern auf den ersten Blick fast harmlos daherkommt, ein bisschen wie Frühstücksfernsehen mit dem Sektglas in der Hand.

Unser großes Unbehagen, liebe Susanne Dagen, ist Deine offene Solidarisierung mit dem rechten Spektrum der Gesellschaft. Dieser Prozess einer Radikalisierung hat seit Deinem Engagement für die AFD - dass Dich zum publizistischen Stelldichein mit Alexander Gauland wie zur Übernahme des stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzes bei der parteinahen Desiderius-Erasmus-Stiftung führte - im nun ganz offenen Werben für neurechte Inhalte und Parolen einen kritischen Punkt erreicht. Gemeint sind dabei nicht die kritischen Fragen an den Staat und seine Institutionen - die sind höchst notwendig - gemeint ist ihre Funktionalisierung für massive Ausgrenzung.

Du baust dem Antaios-Verlag eine Dresdner Plattform und stellst Dich ohne jede Distanz in diese »Außenstelle« hinein - die Botschaft ist, Ihr gehört nun zusammen. Das ist in der Demokratie ebenso erlaubt, wie Antaios selbst; die Frage für die Unterzeichner ist keine rechtliche, sondern eine des Wirklichkeitssinnes (man kann auch sagen: eine Frage des Anstands). Kein Wort über die reale Not von Flüchtlingen und über neokoloniale Abhängigkeiten als Fluchtgrund heute, kein Wort über das Rätsel einer Phantomangst vor Überfremdung in einer Landschaft mit drei Prozent Ausländeranteil. Diese ganze kompliziert-komplexe Situation kannst Du einfach beschweigen?

Mit unserer Podiumsreihe »Hanglage« haben wir seit 2006 viele gute gemeinsame Jahre in Deinem engagierten BuchHaus erlebt - das Spektrum Deiner Veranstaltungen war anspruchsvoll und weit gespannt, streitbar und zugleich von einer Offenheit gespeist, die viele Menschen unterschiedlicher Denkungsart und Herkunft produktiv zusammengeführt hat. Diesen liberalen Geist hast Du - wir meinen: ohne Not - aufgegeben. Warum? Wir waren bis ca. vor einem Jahr immer gern bei Dir, dann wurde es langsam unbehaglich - Deine heutige Positionierung ist uns verstörend und rätselhaft zugleich.

Vielleicht sollten wir unser Gespräch öffentlich fortsetzen. Zu den oben genannten Fragen kämen dann selbstverständlich jene Themen hinzu, die mit den Integrationshoffnungen engagierter Flüchtlingshilfe und dem schwierigen Kulturtransfair aus jener »Dritten Welt« verbunden sind, die seit 2015 unser Land massiv in Unruhe setzt. Unsererseits wäre das in Ordnung.

Vielleicht sollten wir Dich auch einmal ins »Café Gustav« in der alten Niederpoyritzer Schule einladen, wo einmal im Monat ein zumeist sehr heiteres Zusammensein von Afghanen, Syrern und Irakern mit Kuchen backenden Bewohnern des Elbhanges stattfindet, und wo man eine andere Variante von »Bedrohung« real studieren kann: Freundlichkeit. Bleiben wir im Gespräch?

Beste Grüße
Paul Kaiser und Hans-Peter Lühr

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2. Dresdner Erklärung der Vielen

Kunst schafft einen Raum zur Veränderung der Welt.

Als Kulturschaffende in Deutschland stehen wir nicht über den Dingen, sondern auf einem Boden, von dem aus die größten Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte begangen wurden. Kunst wurde als „entartet“ diffamiert und Kultur flächendeckend zu Propagandazwecken missbraucht. Millionen Menschen wurden ermordet oder gingen ins Exil, unter ihnen auch viele Kunstschaffende.

Heute begreifen wir die Kunst und ihre Einrichtungen, die Museen, Theater, Ateliers, Clubs, die urbanen und ländlichen Orte der Kultur als offene Räume, die Vielen gehören. Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich oft im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n! Der Boden, auf dem wir gemeinsam stehen, ist das Grundgesetz.

Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteure dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechtspopulistische Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne und ins Programm eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur. Ihr verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Kulturschaffenden, mit Andersdenkenden verrät, wie sie mit der Gesellschaft umzugehen gedenken, sobald sich die Machtverhältnisse zu ihren Gunsten verändern würden.

In unserem Bundesland Sachsen arbeiten Pegida, Identitäre Bewegung und AfD Hand in Hand und polemisieren gegen die demokratische weltoffene Gesellschaft. Dem stellen wir uns entgegen.

Wir als Unterzeichnende der Dresdner Theater, Kunst- und Kultureinrichtungen und ihrer Interessensverbände begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:

• Die unterzeichnenden Kunst- und Kulturinstitutionen führen den offenen und kritischen Dialog über rechtspopulistische Strategien, die demokratische Grundwerte untergraben. Sie gestalten diesen Dialog mit Mitwirkenden und dem Publikum in der Überzeugung, dass die beteiligten Häuser den Auftrag haben, unsere demokratische Gesellschaft fortzuentwickeln.
• Alle Unterzeichnenden fördern im Sinne der Demokratie Debatten, bieten aber keine Foren für Propaganda jeder Art.
• Wir wehren die Versuche der Rechtspopulisten ab, Kulturveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.
• Wir solidarisieren uns mit Menschen, die durch eine rechtspopulistische Politik an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Es geht um uns Alle. Daher: Kunst für Demokratie!

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Redaktioneller Einschub:

Die Listen der "Erstunterzeichner*Innen" für alle vier Städte kann man hier einsehen. Vielleicht macht sich jemand die Mühe und markiert

+ diejenigen Institutionen schwarz, die NICHT auch oder größtenteils von Steuergeldern (also NICHT von den Geldern derer, die vielleicht in Wirklichkeit "die Vielen" sind) leben,

+ diejenigen Institutionen rot, die in der Vergangenheit KEINE Propagandaveranstaltungen von links durchgeführt haben und

+ diejenigen gold, für die beides zutrifft.

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3. Offener Brief Uwe Tellkamps an Hans-Peter Lühr und Paul Kaiser

Den im Elbhangkurier 11/18 veröffentlichten Offenen Brief von Hans-Peter Lühr und Paul Kaiser an Susanne Dagen lese ich als Dokument. Ich äußere mich, da ich namentlich erwähnt werde, als Mitbetroffener, da anscheinend Mitgemeinter.

Die erste Frage, die sich mir stellt, unabhängig vom Inhalt, ist die nach dem Zweck dieser Veröffentlichung. Das Gesprächsangebot soll dieser Zweck sein, behauptet der Brief; für mein Empfinden schwimmt das aber nur auf der Oberfläche der Rede – unter den Floskeln der fast schon seelsorgerischen Bekümmernis meine ich Lust an der Maßregelung, an der Zurechtweisung, an der Strafe für Abweichlertum herauszuhören.

Wie kommen Lühr und Kaiser dazu, welches Recht glauben sie zu haben, von Dagen öffentlich Selbstkritik zu fordern? Sollte ein Gespräch nicht von Angesicht zu Angesicht möglich sein? Das BuchHaus Loschwitz ist ein einladender, ohne Bannungsrituale betretbarer Ort; ich bin bei meinen vielen Besuchen noch nie auf die recht märchenhafte Düsternis gestoßen, die beide Autoren, sonst ausgewiesene Verteidiger der Aufklärungskultur, dort ausgemacht haben wollen.

Ihr Brief steht in langer Tradition. Vielleicht bin ich zu empfindlich und sehe Gespenster, dennoch: Dergleichen ist mir noch wohlvertraut, so – Klassenleitertadel, in Fürsorglichkeit gehüllt –, sprachen Funktionäre des Schriftstellerverbands gegen mißliebige Kollegen, sprachen Briefe gewisser „Werktätiger“ in den gleichgeschalteten Presseorganen längst verblichen geglaubter Zeiten; ich dachte nicht, dergleichen je wieder lesen zu müssen.

Lühr und Kaiser operieren mit Signalworten, deren Gebrauch sich für Intellektuelle eigentlich verbieten sollte. Wer sich öffentlich äußert, müsse Widerspruch vertragen, heißt es. Wohl wahr. Jedoch: Lühr und Kaiser sehen die Verhältnisse als Verhältnis nicht.

Betrachte ich den öffentlichen Diskurs, fällt mir bei bestimmten Themen immer wieder auf, daß Ursache und Wirkung vertauscht werden, erst neulich bei der Dresdner Debatte der Chefredakteure von ARD und ZDF mit Vertretern der AfD. Beide Chefredakteure beklagten sich, daß Journalisten aggressiv begegnet werde und unterstellten, daß diejenigen, die aggressiv gegen Journalisten aufträten, die Demokratie und die freie Presse abschaffen wollten. Nicht erwähnt wurden die vielen journalistischen Fehlleistungen, die vor den Protesten gegen Presse, Funk und Fernsehen lagen und erst zu Wut und Aggressivität geführt haben. Sachsen sind nicht qua Erbanlage presse- und demokratiefeindlich. Genau das wird aber implizite unterstellt, wenn man sich so manches Presse- oder Sendeerzeugnis ansieht. Ich belasse es hier bei dem Stichwort (inzwischen mit makabrem Zweitsinn) Chemnitz.

Wer ist es, der keinen Widerspruch verträgt? Oft habe ich den Eindruck, die politisch sich links oder bei den Grünen verortenden Tonangeber in weiten Teilen unserer Medien und unserer Kulturbranche sind es, nicht die paar rechten oder als rechts verschrienen Einmannunternehmen, die auf kleinen Blogs oder in kleinen Zeitschriften gegen die Wucht des Common sense anschreiben, wie ihn bei Themen wie Migration, Klimawandel, Europa, Trump Spiegel, Spiegel online, ZEIT, Zeit online, Süddeutsche, selbst BILD, vertreten, FAZ und Welt mindestens gespalten, Focus, taz, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Redaktionsnetzwerk Deutschland, das Regionalzeitungen wie HAZ, LVZ und DNN beliefert, Hamburger und Dresdner Morgenpost, Sächsische Zeitung usw., von Talkshows und überhaupt dem ÖRR zu schweigen.

So zu tun, als wären die Kubitschek, Patzelt, Böckelmann, Dagen und Tellkamp die medialen Diskursbeherrscher, denen eine Minderheit aufrechter Demokraten zu widersprechen wagt, geht doch an der Realität völlig vorbei.

Wer grenzt aus? Wohin neigt die Berichterstattung (so es denn eine ist) der meisten Journalisten in den meisten unserer Medien, wenn Themen wie Migration, Heimat, Nation, deutsche Kultur angesprochen werden – nach links und grün oder nach rechts? Das ist keine bloße Ansichtssache, dazu gibt es Untersuchungen, sie zeigen die Schlagseite recht deutlich.

Das Argument, eine solche Sicht der Dinge hebe auf allzu klassische Formen der öffentlichen Kommunikation ab, verkenne die Rolle der Sozialen Medien, in denen es genau anders herum zugehe, verkennt wiederum die sogenannte Gatekeeper- (Torwächter-) Funktion, die die klassischen Medien immer noch haben oder zu haben beanspruchen.

In den Sozialen Medien herrscht, soweit ich das beurteilen kann, eine ausgeglichenere Abbildung der Lage und der Meinungen als in den meisten klassischen Medien. Oft sind die Sozialen Medien ein Ventil für Stimmen, die anderswo keine Chance mehr haben, gehört zu werden. Ob diese Stimmen, was Höflichkeit und Stil betrifft, sich immer angemessen äußern, ist eine andere Frage. Auch die, ob denn die Behauptung stimmt, in den Sozialen Medien sei es genau andersherum, dort dominiere das sogenannte dunkle Deutschland.

Lühr und Kaiser erliegen allzu eilig dem Irrtum, das Attribut „dunkel“ mit einem Denken zu verbinden, das sich der gängigen Einordnung in „Fortschrittlichkeit“ (links, bunt, weltoffen) entzieht. Sind aber sogenannte konservative Positionen wirklich das, was fortschrittlich sein wollende Stimmenfischer damit verbinden? Bedeutet Bekenntnis zur Nation wirklich schon Nationalismus? Ist der, der deutsche Kultur liebt und sich für ihre Bewahrung einsetzt, tatsächlich schon rechts, ein Nazi gar, wie nicht nur Publikationen wie „Bento“, Jugendableger des „Spiegel“, allzuoft nahelegen? Ist Weltoffenheit wirklich immer nur gut? Und der, der das Eigene nicht verachtet, verachtenswert?

War nicht der Zweifel, die Ungewißheit, die Suche nach Wahrheit in der unauslotbaren Ambivalenz der Erscheinungen einmal das Kennzeichen der Intellektuellen?

Lühr und Kaiser behaupten, daß Kubitschek zur offenen Revolte gegen die Demokratie aufruft und legen, da sie Susanne Dagen mit ihm und seiner Frau Ellen Kositza in Verbindung bringen, nahe, daß Dagen dies ebenso will. Zumindest besteht nun der Verdacht, sie habe solche Absichten. Verdacht ist auch bequeme Feindmarkierung, immer mitgerechnet, daß für unkritische Geister selbst nach Zeit und Widerrede genug klebenbleibt, um der oder dem Verdächtigen in Zukunft fernzubleiben.

Da mein Name in diesem Zusammenhang auftaucht, kann auch ich mich jetzt als einer derjenigen verstehen, die zur von Lühr und Kaiser beschworenen Düsternis am Elbhang beitragen. Kubitschek und die Produkte seines Verlags Antaios mag man ablehnen oder nicht – solange er sich an die herrschenden Gesetze hält (und das tut er bislang, soweit mir bekannt ist), sollte es zur Redlichkeit unter differenziert denkenden, an Standpunkten jenseits des Korridors interessierten und also wohl tatsächlich geistig offenen Menschen gehören, ihn nicht aus dem Diskurs hinauszustigmatisieren. Die „roten Linien“ bestimmt immer noch das Strafgesetzbuch und nicht der Kotau vor dem Zeitgeist oder vor Fördermittelquellen.

Ins Phrasenschwein gehören Diskurskopeken wie Abschottung und Ausgrenzung: Gäbe es beides nicht, hätten wir nicht das Privileg, Menschen namens Hans-Peter Lühr und Paul Kaiser begegnen zu können. Sie kamen beide nur mit Ausgrenzung und Abschottung zustande, ebenso ihre Werke. Schon der in einem Titel wie „Dresdner Hefte“ enthaltene Anspruch grenzt aus. Es sind eben keine Trondheimer Hefte. Lösen wir uns von den primitiven, unbedacht verdammenden, eines Diskurses, der in die Tiefe gehen möchte und wirklich an Problemlösungen interessiert ist, unwürdigen Zuschreibungen.

Der Brief behauptet, Susanne Dagen habe ihre frühere Liberalität aufgegeben und lasse sich mit immer dunkleren Gesellen ein. Abgesehen davon, daß schon eine solche Zuschreibung, die ohne Belege auszukommen meint, nur als Flucht vor dem Argument verstanden werden kann – ich sehe und kenne Frau Dagen anders: Sie bietet Positionen einen Ort, die anderweitig kein Podium mehr finden, und zwar nur deshalb nicht mehr finden, weil sie mit Attributen behängt werden, die ein Großteil unserer Kulturschaffenden und -beflissenen als anrüchig empfindet oder glatt ablehnt. Oft nur aus intellektueller Faulheit, Angst vor Liebesentzug, durchaus vorhandener Interessen wegen oder Ranküne. Dagen hat sich entschieden, sich hier nicht billig einzureihen, das empfinde ich ganz im Gegensatz zu Lühr und Kaiser als mutig, als frei, als eigentlich liberal – wie gesagt, die Grenze zu dem, was nicht mehr diskutiert und getan werden darf, zieht immer noch das Strafrecht, nicht die Moral einiger Edelignoranten in Kirche, Kultur, Medien, die glauben, auf den „Pöbel“ herabblicken zu müssen, nur weil er eine andere Meinung über Leben und Welt hat.

Dagen hat sich sehenden Auges, was die Konsequenzen betrifft, dazu entschlossen, den Diskurs offenzuhalten, immer wieder und übrigens in alle Richtungen offenzuhalten. Dafür verdient sie, meine ich, nicht die groteske Kritik, die Lühr und Kaiser für angemessen halten, sondern eine Auszeichnung.

Der Elbhangkurier nun positioniert den Brief zwar auf der Leserbriefseite, läßt aber in verschiedenen Beiträgen – dieses Hefts und vergangener Nummern – seine Sympathie für die von Lühr und Kaiser dargelegte Sicht erkennen. Zur journalistischen Sorgfalt würde es gehören, sich auch mit den Argumenten der so bezeichneten „anderen Seite“ vorurteilsfrei auseinanderzusetzen. Leider kann ich auch nur das Bestreben danach, wenigstens das, nicht erkennen.

Im gleichen Heft äußert sich Prof. Ehninger auf viel Raum aufschlußreich und überraschend inhuman über Gesunde und Kranke in unserer Gesellschaft; der Stil dieser Passagen ähnelt dem gewisser Einweisungsschreiben in sowjetische Psychiatrien. Keine Nachfrage von der Redaktion, kein Kommentar, kein Stutzigwerden beim Wortgebrauch, kein Innehalten, Nachdenken. Man weiß offenbar Bescheid über Gut und Böse und meint, der Gedanke, man könne ein Problem mit Zuwanderung haben, obwohl sie, wie Lühr und Kaiser erwähnen, hier nur etwa drei Prozent betrage, sei der verwirrter Hirne.

Abgesehen davon, daß argumentative Schlüssigkeit solche Prozentangaben nach Alterskohorten differenzieren und so demographische Entwicklungen mitbedenken würde, schauen viele Dresdner dorthin, wo die Zuwanderung nicht mehr drei, sondern dreißig Prozent beträgt. Was sie dort wahrnehmen, erscheint vielen eben nicht als zuträglich für eine Demokratie nach unseren Regeln, die von gegenseitigem Respekt, von der Einhaltung gewisser Sitten, friedlicher Konfliktlösung, vom Recht und eben auch von Grenzen lebt, weil nur Grenzen einen Staat und damit die von ihm zu verteilenden Sozialleistungen erhalten. (No border, no welfare.)

Damit es keine Mißverständnisse gibt: Rassismus darf keinen Platz haben, wer an Leib und Leben bedroht wird, dem muß nach Kräften geholfen werden, im Sinne des Gesetzes und des Mitleids, gerade Deutschland hat hier eine Verantwortung, ja, Pflicht. Zu diskutieren aber muß darüber möglich sein, ob wir in der Lage sind und sein wollen, allem Elend dieser Welt abzuhelfen; ob das Elend dieser Welt tatsächlich nichts als eine Last aus kolonialer Vergangenheit ist, für die Europa in Form von Zuwanderung nun eine Art von Buße tun muß; ob wir nicht nur Flüchtlingen helfen, sondern auch Migranten, die in Deutschland nicht in allererster Linie Zuflucht vor Verfolgung suchen, sondern das Land als Verheißung einer besseren Zukunft sehen, und nicht in dem Sinne bedroht sind, wie es Asylgesetzgebung und Grundgesetz formulieren; ob wir unser Land und unsere Kultur einfach preisgeben wollen. Sie wird aber preisgegeben, wenn sich die Einwanderung in den bisherigen Größenordnungen fortsetzt, und bis jetzt tut sie das, entgegen anderslautender und beschwichtigender „Narrative“.

Jeder Zuwanderer bringt sein Herkommen mit, seine Kultur; die oft beschworene Integration, gar Assimilation ist, blickt man auf die inzwischen etablierten Parallelgesellschaften, mehr Wunschdenken als Realität. Die von Lühr und Kaiser zum Kennenlernen empfohlenen netten Menschen im Café Gustav sind gewiß nicht die, die in Freiburg, Offenburg, Kandel, Köln und Chemnitz Einstellungen zu ihren Gastgebern offenbaren, die viele Menschen nicht von ungefähr empören. Haben #unteilbar und unsere Feministinnen gegen die Vergewaltigungen protestiert? Gegen die inzwischen alltäglich gewordenen Messerstechereien? Ich kann mich nicht erinnern. Und gab es nicht einen Artikel im Elbhangkurier, der davon sprach, daß das Gustavheim wegen Problemen vorübergehend geschlossen werden mußte?

Es ist alles also leider nicht so einfach. Und nur, weil Dagen und ich uns erlauben, nicht mit Scheuklappen durch unsere Wirklichkeit zu gehen, sind wir nicht zum Abschuß freigegeben oder zum „Widerspruch“, der in Wahrheit meist ja keiner im Sinne der so oft beschworenen Gesprächskultur ist, sondern gerne gleich seine extremste Form als Pranger annimmt. Ernstgemeinte Gesprächsangebote, lieber Hans-Peter Lühr und Paul Kaiser, sehen anders aus als Ihr Offener Brief. Sie beginnen nicht mit Tribunalen, auch nicht mit solchen aus Wohlwollen, und nicht mit einer „Handreichung“, die keine ist, sondern vor ein Gesinnungsgericht führt.

Zu anderen Zeiten hieße man all das Binsen. Unsere Zeit aber ist eine, in der die „Erklärung der Vielen“ nicht nur möglich ist, sondern offenbar breiteste Unterstützung bei jenen Medien- und Kulturschaffenden erfährt, die sich einbilden, auf der richtigen, der allein guten Seite zu stehen.

Diese Erklärung, ein weiteres Dokument, für das sich einige der Unterzeichner vielleicht einmal schämen werden, zeigt den viel bestrittenen Gesinnungskorridor ebenso erschütternd wie deutlich. Man wolle diskutieren, Meinungen, die nicht passen, aber kein Forum bieten. Wer zieht die Grenze? Wie will man diskutieren, ohne ein Forum zu bieten? Wer legt fest, welche Position noch diskutabel ist – und welche bereits unter „kein Forum bieten“ fällt? Ist die freie Debatte nicht eine Grundlage der Demokratie, in deren Namen sie von den Unterzeichnern dieser Erklärung behindert, wenn nicht unterbunden werden soll? Kommt man nicht erst in freier Debatte zur Selbstvergewisserung und zu Positionen, die tragen?

Diese Erklärung, nach Aussagen einiger Interviewter bewußt am 9. November veröffentlicht, ist für mich ein Tiefpunkt der Debatten- und Toleranzkultur und zeugt von nichts anderem als dem moralischen und intellektuellen Bankrott der Initiatoren. Was bleibt, ist Hysterie – ein „Wehret den Anfängen“, dem das „Wehret dem Ende“ längst abhanden gekommen ist.

Wie soll ich es verstehen, wenn in meiner Heimatstadt Dresden (aber die Erklärung gilt auch für Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Berlin) nahezu die gesamte öffentliche und öffentlich geförderte Kulturszene sich gegen „rechts“ (oder was man dafür hält), nicht aber gleichzeitig gegen „links“ stellt, man zwar erklärtermaßen dem Extrem auf der einen Seite, nicht aber auch dem auf der anderen eine Absage erteilt? Für wen meinen Staatsoper, Schauspielhaus, Philharmonie, Hochschulen, Museen zu sprechen, sind alle ihre Mitglieder und Mitarbeiter dazu befragt worden? Und von wem? Sieht so wirkliche Liberalität aus?

Eine solche institutionell getragene Intoleranzmaßnahme und –erklärung, ihr Auftritt allerdings mit Rettungs-Goldfolie und im Ton der lautersten Moral und Selbstgerechtigkeit, hat es seit der Biermann-Affäre nicht mehr gegeben. Das sind die Zustände, das ist das Land.


  • Sezession

Kommentare (46)

Ein gebuertiger Hesse
13. November 2018 10:14

Und einmal mehr möchte man es erleben, daß Vertreter dieser gemästeten Kulturbourgeoisie sich mit Dagen, Tellkamp, Kositza, Kubitschek, Böckelmann auf ein Podium hocken und sich auf ein wahrhaftes "Gespräch" tatsächlich einlassen. Vor Publikum. Und Kameras. Das wäre die Veranstaltung des Jahres! Ob auch nur ein einziges Haus dieser "Vielen" hierfür einen Raum bieten würde?

Heinrich Loewe
13. November 2018 10:33

Recht so. Frau Dagen und Herr Tellkamp verdienen unser aller Respekt und Zuspruch und Unterstützung dafür, wie sie sich exponieren und Rückgrat zeigen.
Nur eine Anmerkung: "...gerade Deutschland hat hier eine Verantwortung, ja, Pflicht." Da ist es wieder, das in alle Ewigkeit und ohne Aussicht auf Erlösung verdammte Tätervolk der Weltgeschichte (man lese nochmal Sieferle). Nein!

MartinHimstedt
13. November 2018 12:15

PEGIDA (ich gehe davon aus, dass hiermit in erster Linie PEGIDA Dresden gemeint ist), ist also (auch) die „extreme Rechte“ und „argumentiert mit Fäusten“. Solche Leute stellen mit Sicherheit auch die IB als einen Haufen Schläger hin – das muss gar nicht erst erwähnt werden. Unsereins dagegen schlägt sich tatsächlich nahezu täglich mit Anschlägen durch die Gut- und Bessermenschen herum, welche auf Säuglinge, Kinder, Frauen, Haustiere, den Arbeitsplatz, unschuldige Familienmitglieder, unschuldige Friseure, vollständige Vernichtung der sozialen Existenz und so weiter überhaupt keine Rücksicht nehmen.

Wer also eine derart verzerrte Wahrnehmung der Realität hat, ist intellektuell überhaupt nicht in der Lage einen Dialog auf einem Niveau zu führen, der hier irgendjemanden weiterbringt. „Kein Wort über die reale Not von Flüchtlingen und über neokoloniale Abhängigkeiten als Fluchtgrund heute, kein Wort über das Rätsel einer Phantomangst vor Überfremdung in einer Landschaft mit drei Prozent Ausländeranteil.“ Es ist okay, wenn der Bademeister fordert, diese Lektüre müsse absolviert werden, aber das halte ich nervlich nicht aus, daher Abbruch an dieser Stelle.

Zum zweiten Text:
Ich war kürzlich, nennen wir es Gast, in ein einem der aktuell wichtigsten, europäischen Kulturreferate. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Leute klar Profiteure des Zeitgeistes sind und ihre tonangebende Position ausnutzen, herrscht dort nicht einfach die Meinung „Wir sind der Ansicht, dass man Menschen in Not helfen muss“ (ich habe im übrigen noch keinen Rechten getroffen, der das anders sieht), nein, hier lebt man einen für mich fast schon surrealen Diversity-Kult: Die ganzen Büroräume waren zugepflastert mit Postern zum Thema „Buntheit“, Einwanderung und so weiter. Man hyperventiliert geradezu, wenn man irgendjemanden aus Syrien einstellen kann.

Ansonsten wieder eine ganze Reihe der üblichen linken Verschwörungstheorien im Text. Nahezu alle Einrichtungen, Kulturveranstaltungen und so weiter haben eine linke Ausrichtung. Macht ein patriotischer Laden wie die Mühle auf, oder auch das Haus in Halle, rücken permanent vom Staat finanzierte und geschützte Terrorgruppen an. Es gibt in diesem Raum kaum eine Chance für uns einfach nur zu existieren und die fühlen sich bedroht und sprechen von irrationalen Ängsten. Wer hat sich das ausgedacht?

Die von Tellkamp erwähnte Dresdner Debatte der Chefredakteure von ARD und ZDF mit Vertretern der AfD in der Dresdner Messe muss wirklich jeder gesehen haben, ein Augenöffner! Klonovsky war übrigens auch dabei.

Gustav Grambauer
13. November 2018 14:32

Die werden sich schon etwas dabei gedacht haben, sich "Die Vielen" zu nennen. Welcher Sezessionist denkt bei diesem Topos nicht sofort hieran:

https://de.wikipedia.org/wiki/Legion_(Dämon)

- G. G.

H. M. Richter
13. November 2018 15:34

Der Offene Brief von Lühr und Kaiser bedrückt. Zwar beginnt er mit "Liebe Susanne", aber gerichtet ist er ganz offensichtlich nicht an Susanne Dagen, meint sie gar nicht wirklich, sondern bezweckt anderes, erfüllt eine Funktion. Ein "Gesprächsangebot" ist jedenfalls nicht der "Zweck des Briefes", wie Tellkamp ganz richtig bemerkt.

Als ob man Hermann K. vor Augen hätte, der, gerade aus dem Büro Hager kommend, die alte Anna S. nach einer Sitzung des Schriftstellerverbandes am Arm faßt und ihr zuflüstert: "Du Anna, Du kennst doch die Situation und da wollten wir Dich als erfahrene Genossin bitten, ob Du nicht einen Offenen Brief schreiben könntest. Egal ob für's ND oder für SINN UND FORM, ganz wie Du möchtest. Du weißt doch, die Christa [usw. usf.] Und auch der Heiner und der Volker, die Sara, der Günter, der Jurek, der Franz und der Stefan, daß darf doch jetzt nicht alles [usw. usf.]"

Doch zuviel der Ehre: Der Brief von Lühr und Kaiser erinnert nicht nur an Diktatur, atmet nicht nur den Geist von Diktatur ("Plattform"), sondern ist Ausdruck von Diktatur.

Uwe Tellkamp hat recht, wenn er sagt: "Eine solche institutionell getragene Intoleranzmaßnahme und –erklärung, ihr Auftritt allerdings mit Rettungs-Goldfolie und im Ton der lautersten Moral und Selbstgerechtigkeit, hat es seit der Biermann-Affäre nicht mehr gegeben. Das sind die Zustände, das ist das Land."

Daß zu diesem Land Frauen wie Dagen und Männer wie Tellkamp nebst einer großen Schar Aufrechter gehören wie in den beiden deutschen Diktaturen und allen anderen Zeiten zuvor, ermutiget dagegen und hält am Leben. Sie verkörpern jenen Geist der Freiheit, dem - bei allen Opfern - noch stets die Zukunft gehört hat.

Caroline Sommerfeld
13. November 2018 15:56

So muß geantwortet werden in diesen Tage. Das erfreut mein Herz. Betrübt es aber auch, da wieder einmal klarwird, wo geantwortet werden muß, da es andernorts keine "Plattform" gibt. Der Sektenaussteiger-Sozialarbeiterton der beiden Kollegen von Susanne Dagen ist unangenehmst, dieses Wir-sind-bei-dir-wenn-du-dich-von-der-dunklen-Seite-distanzieren-Willst. Psychonummer, siehe "Mit Linken leben".

Eine einzige "Diskurskopeke" (tolles Wort, kommt in meine Schatzkiste) findet sich übrigens noch im Text, wer sie findet, darf sie bei den Wächtern abgeben, die finanzieren damit dann den nächsten Workshop.

bo73
13. November 2018 18:17

Ich bekomme schon zu viel, wenn ich das linke Märchen von dem angeblichen Ausländeranteil von "nur 3%" in Sachsen höre. Wenn aus unserem Umfeld so argumentiert würde, käme sofort der Vorwurf der "rechten Hetze" und der "Fake News". Diese Zahl stimmt schon seit drei Jahren nicht mehr, aktuell beträgt der (offiziell eingeräumte) Ausländeranteil in Sachsen bereits 5% (Quelle: https://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/Zahl-der-Auslaender-in-Sachsen-hat-sich-binnen-zehn-Jahren-verdoppelt).

Nicht als "Ausländer" erfasst werden Personen, die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben, Personen mit mehreren Staatsangehörigkeiten (sofern eine davon die der Bundesrepublik ist) sowie alle sich illegal in Sachsen aufhaltenden oder zumindest nicht mit dauerhaftem Wohnsitz in Sachsen registrierten Ausländer.

Ende 2015 / Anfang 2016 - also schon nach der Außerkraftsetzung der Einreise- und Ausländergesetze - betrug der Anteil noch 3,9 Prozent (Quelle: https://www.migazin.de/2017/11/29/prozent-auslaender-mehr-haelfte-sachsen/), DAVOR die noch heute immer wieder behaupteten 3 %. Die Tendenz ist nach wie vor zügig steigend. Bei dieser Entwicklung wird der Ausländeranteil in einigen Jahren auch in Sachsen die 10 % - Marke übersteigen.
Hinzu kommt, dass das von jahrelanger Abwanderung junger Menschen und infolge familienfeindlicher Politik durch den "demographischen Wandel" gezeichnete Sachsen überaltert ist. Die Zuwanderer dagegen sind ganz überwiegend jung, zwischen 18 und 35 (Quelle: https://www.statistik.sachsen.de/html/369.htm).

Ach ja, nur zum Vergleich: 2015 (!) betrug der offizielle Ausländeranteil unter sächsischen Strafgefangenen (d.h. ohne Abschiebehaft etc.) bereits 21,6% (Quelle: https://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/Auslaenderanteil-in-Sachsens-Gefaengnissen-gestiegen). Aktuellere Zahlen wurde nicht mehr veröffentlicht (wahrscheinlich weil es viel besser geworden ist, haha). Dieser hohe Anteil ist auch deshalb bemerkenswert, weil viele ausländische Häftlinge in der Praxis gemäß Paragraph 456a StPO nach Verbüßung (nur) der Hälfte ihrer ausgeurteilten Strafzeit abgeschoben werden. Damit ist die Haftzeit oftmals deutlich kürzer als für einen vergleichbaren deutschen Straftäter, was sich auch in der Belegungsstatistik zugunsten eines geringeren Ausländeranteils niederschlägt.

Johannes Poensgen
13. November 2018 18:20

Wettbewerb für alle, die zu viel am Internet hängen: Wer findet einen längeren NPC-Walltext als die Dresdner Erklärung der Vielen? (Parteiprogramme zählen nicht.)
(Bachelorarbeiten auch nicht.)

numerusclausus
13. November 2018 19:17

Diese beiden offenen Briefe sind in keinster Weise Gesprächsangebote, sondern unverhohlen und (erschreckend) wenig subtil eingesetzte Vergeltungsintrumente zum Zwecke der öffentlichen und sozialen Verächtlichmachung der jeweiligen Adressaten.

Hervorgebracht von Menschen, die naiverweise glauben, die Integrationsprobleme und Migrationskriminalität mit Kaffee und Kuchen einfach wegvespern zu können. Es hört einfach nicht auf.

Die Gesinnungs- und Moralargumentation hat trotz Verweisen auf die leider Gottes bestehende Rechtskonformität der dort kritisierten Akteure einen gefährlichen quasi-normativen Charakter. Mit rechten Medien und deren Vertretern in irgendeiner Weise zu kooperieren ist demzufolge zwar nicht unrecht, aus diffusen Gründen aber leider inakzeptabel. Aha...

Toleranz einfordern, aber Intoleranz fördern, Meinungsvielfalt vertreten wollen, aber für Meinungshomogenität schreiben und Rechtskonformität der kritisierten Medien einräumen, aber deren Rechtsbeständigkeit in Abrede stellen, das trägt tatsächlich ernsthafte pathologische Züge.

Monika
13. November 2018 19:37

"Der einzelne hat aufgehört, für sich selbst zu denken. Er ruft nach der Gefangenschaft wie ein Verdurstender nach Wasser."
Hans Sahl, Die Wenigen und die Vielen

Es ist nicht ehrenhaft, zu den Vielen zu gehören.

John Haase
13. November 2018 19:43

Puh, ich fang mal mit Berlin an, aber ich sage Ihnen, nach Stichproben aus allen Vielenlisten wird da nicht viel schwarz bleiben. Rot etwas mehr.

Habe noch niemanden gefunden, der eindeutig keine Mittel aus öffentlichen Quellen bezieht. Bei ein oder zwei von etwa 10 ist es sehr wahrscheinlich, aber nicht 100% sicher. Beispiel: Kino Alabama in Hamburg. Internetauftritt nur als Programmliste. Keine Infos. Gelegen auf dem Kampnagel-Gelände, das jede Menge Staatsknete aus dem Landeshaushalt für "Kulturprojekte" erhält, insofern zumindest mittelbare Förderung (Miete) wahrscheinlich.

Rodericus
13. November 2018 19:57

,,[...] kein Wort über das Rätsel einer Phantomangst vor Überfremdung in einer Landschaft mit drei Prozent Ausländeranteil."

Ich würde die Herren ja gerne mal einladen, eine typische Ruhrgebietsstadt kennenzulernen.
Offiziell hat mein Stadtteil einen Ausländeranteil von 55%... da sind die Eingebürgerten noch gar nicht eingerechnet.

Ach und zum Thema öffentlicher Raum und Grundgesetz: An der Uni gibt es auch viele nette Hauben, die "Nazis" gerne "Auf's Maul" geben!

Naja... der Tyrann ist in ein paar Jahren aus dem Amt, aber seine Demagogen funktionieren weiter.

@Grambauer: Vielen Dank für den Kommentar, ich habe herzlich gelacht!

2Rueckert
13. November 2018 20:07

Lühr/Kaiser sehe ich nach dem, was hier sichtbar wird, in der Masse der "Kontaktgiftverspritzer" auf jene, die erkennbar keine Glückshormone ausschütten, wenn zum begeisterten kollektiven Suizid getrommelt wird.
Sie treten als die tapferen Jediritter auf, wissen sich aber unter den schützenden Flügeln des "Imperiums". Sie posieren wie hohe Priester, die in Schmerz ihr Gewand zerreißen, weil der Angeklagte ihren Himmel gelästert habe. All das, was sie ihren vermeintlichen Gegnern vorwerfen, spiegeln sie vermutlich selbst. Ihr Sinnen ist gar nicht auf intellektuellen Austausch gerichtet. Mit ihnen ist folgerichtig kein Dialog möglich. Dafür drohen Fußangeln und Fallgruben wie im Neandertal.

Yvonne Cremer
13. November 2018 21:25

Als Teilzeitdresdnerin von um die Ecke dort war ich begeistert davon, dass dieses kleine mittlerweile politisch unkorrekte Buchhaus in Loschwitz einfach so weiterexistieren kann, scheinbar unbehelligt in bester Lage. Im Sommer saß ich mal davor auf der Bank und sah Leute aus der Nachbarschaft hineingehen, es schien keine Berührungsängste zu geben. Wahnsinn, dachte ich, hier in Berlin nicht vorstellbar.

Jetzt versuchen sie es also erstmal tadellos "freundlich". Sie beanspruchen dabei, für die Moral zu sprechen (außerhalb derer es wohl gar keinen Diskurs geben darf), aber es ist ihre Spezialmoral, Gesinnungsmoral, gut gemeint und schlecht gemacht.
Interessant ist, dass sie im Text Wirklichkeitssinn in eine Reihe mit Anstand stellen. Typische Linke eben, die das gerade nicht trennen können, die Realität und eine moralische Theorie dazu. Wenn hier einer einen Sinn für die Wirklichkeit hat, dann sind wir das außerdem.

Sie sprechen für viele - in Dresden nicht mal für so viele -, aber seit wann ist Quantität ein Ausdruck von Qualität?
Gerne können sie sich doch im Dialog blamieren, wie jüngst die beiden Herren von ARD/ ZDF. Ich glaube, die hatten am Ende Hass im Herzen.

Wolfsjagd
13. November 2018 22:52

Ich habe selten einen so schmierigen, unverschämten, dümmlichen wie dummen Text gelesen wie diesen Brief der beiden Künstler.

Ich schreibe das nicht gerne, aber, wie auch schon von anderen geschrieben, dieser Text stinkt geradezu nach DDR, bzw. nach einigen ihrer übelsten propagandistischen Anfällen, auch wenn einige Vokabeln ausgetauscht wurden („staatsfeindliche Hetze“ bzw. „staatsfeindliche Elemente“ etc., vulgo: der Feind, heißt jetzt „Riss durch die Gesellschaft“).

Darüber hinaus fehlt diesem Boykottaufruf („... wollen Dir das öffentlich mitteilen, weil unser Konflikt viele Menschen in dieser Stadt betrifft.“) zwar nicht das Bedrohliche, aber alles harte, mannhafte, auch nur ansatzweise entschiedene, (was der oder den Angegriffenen wenigstens die Würde lassen würde, Feind zu sein).

Der Feind ist kein Feind, „wir“ sind alle „gut“ und der Rest wird „befreit“, „betreut“ und „erlöst“.

Die Krönung ist der letzte Absatz ‑ Frau Dagen solle doch bitte eingeladen werden wollen ins „Café Gustav“, damit sich unsere beiden Sozial- und Gewissensarbeiter ‑ in Gegenwart der Einsamkeit und Langeweile von Flüchtlingen & kuchenbackenden Eingeborenen ‑ ihres „unseres“ guten wie kuhwarmen Humanismus' versichern können. Sonst gibts kein „Gespräch“.

--------

Die Strategie der ständigen emotionalen Synchronisation ist eine eher weibliche Strategie, und ich bitte das nicht falsch zu verstehen, ich meine nicht, dass das nur Zickenkrieg wäre, sondern, dass sich die Linke, wie sie sich hier darstellt, von jeder auch nur ansatzweise rationalen Argumentation verabschiedet hat und breitarschig & schulmädchenfromm Versatzstücke aneinanderreiht wie Schlagerverse und herunterträllert ‑ und damit ihre Anhänger mobilisiert wie auch zusammenhält.

Weil sie „es kann“.

Eine ernsthafte Diskussion über den Unsinn dieses Texts ist m.E. nicht möglich und auch nicht gewollt.

RMH
13. November 2018 23:10

"Zwar beginnt er mit "Liebe Susanne""

Mit der Anrede "Liebe/r" beginnen heutzutage fast immer nur noch anmaßende Unverschämtheiten.

Würde mich freuen, mal wieder "Lieber …, wie wär´s mit nem Bier heute Abend um 8 beim …" irgendwo lesen oder hören zu dürfen. Aber das schreibt man dann ja per WhatsApp ohne Anrede oder einfach mit "Hi" (wie Hihihi?).

Demnächst werden im Zuge der Behördenreformen wohl auch die Bußgeldbescheide ähnlich diesem Muster geschrieben:
"Lieber Mustermax,
Du bist leider mit 35 zu schnell durch unsere schöne, verkehrsberuhigte Zone gefahren. Das macht uns sehr betroffen, es hätten ja auch Menschen auf der Straße sein können, die, weil sie noch nicht so lange bei uns sind, unsere Verkehrssitten nicht kennen und von Deiner Fahrweise hätten gefährdet werden können. Wir haben aber an Dich gedacht, 3 km/h abgezogen und berücksichtigt, dass Du immerhin einen Plug-In-Hybriden fährst. Dennoch wäre es sehr nett, wenn Du in den nächsten 4 Monaten bei der Ursula von Deinem Führerscheinamt für gerade einmal 1 Monat Deinen Führerschein vorbeibringst. Deine Einsicht kannst Du durch Überweisung von 184,50 Euro für unsere guten Zwecke zeigen. Du weist ja, wir verwenden die Gelder nur zur Verbesserung des Weltklimas und für die Führerscheinausbildung von Menschen, die erst die deutsche Sprache lernen. Ach ja, Du kannst selbstverständlich auch Einspruch einlegen, was uns aber sehr betroffen machen würde.

LG, Dein bester Freund und Helfer, POM Fritz".

Abschweifung Ende.

Zum Thema:

Daß ein Herr Tellkamp in allen Ehren versucht, bei dieser Art von Niveau-Limbo die Stange wieder höher zu hängen, ist sicher eher vergebene Liebesmüh. Lühr/Kaisers "offener Brief" zeigt vielmehr den Verfall unserer Sitten und unserer liberalen Maßstäbe an und dabei fühlen sich die beiden sicher auch noch gut.

Kahlenberg
14. November 2018 00:20

@ Johannes Poensgen: Witzig, „NPC“ war auch meine erste Assoziation zum Text der „Dresdner Erklärung der Vielen“.
Die Anmutung ist die eines roboterhaften Algorithmus, einer Mischung aus Sektenliturgie, und automatisierter NPC-Funktionsroutine. Man sollte den Text einmal mit einer blechernen Synthie-Roboterstimme, etwa im „Kraftwerk“-Stil der 80er, auf Tonträger aufsprechen, und vielleicht auch mit einem NPC-gif synchronisieren.
Bereits die Vorstellung davon erzeugt in mir erhebliche Heiterkeit !

Ingmar Burghardt
14. November 2018 01:30

„Wir sind mehr!“

Endzeit ist’s. In schmatzendem Getümmel
kriecht feistes Wurmvolk blöd durch sattes Land.
Es wähnt sich klug und bleibt doch im Gewimmel
des wirren Seins in geiler Lust gebannt.

Es zehrt das einstmals stolze Tier zum Aase
und wendet sich alsdann in Ekel von ihm ab.
Daß es bewältigt sei, erfüllt die Meute nach dem Fraße
mit letztem Glück. Dann taumelt sie ins Grab.

Waldgaenger aus Schwaben
14. November 2018 08:12

Die ganze intellektuelle Erbärmlichkeit der Autoren zeigt sich IMHO in diesem Absatz:

Mit denen also willst Du reden. O.k., aber worüber? Über die Gründe zunehmend fremdenfeindlicher Stimmungslagen? Über die problematische rechte Theorie, der zufolge der Überlastung der modernen westlichen Gesellschaft nur mit verstärkter Abschottung und ethnischer Säuberung zu begegnen sei? Redet Ihr über den Erhalt der Demokratie oder deren Abschaffung? Redet Ihr über das problematische Verhältnis der rechten Szene zur Gewalt?
----------

Das sind keine Fragen sondern Vorwürfe in Frageform. Jeder der willens und fähig (!) ist, die Diskussionen in der rechten Szene zu verfolgen, zum Beispiel hier in diesem Forum, kennt bessere Fragen, die die Risse im alternativen Lager zeigen würden.

Der Gehenkte
14. November 2018 10:18

Diese Debatte ist doch äußerst aufschlußreich: sie zeigt gleich mehrere blinde Flecken auf allen Seiten. Wer wirklich an einem Dialog interessiert ist, sollte eine kleine Phasenverschiebung zulassen, um exakt die blinden Flecken - wenigstens schon mal von außen - wahrnehmen zu können.

Dazu gehört zu allererst, das Ansinnen der beiden Autoren ernst zu nehmen und nicht von vornherein Heimtücke zu unterstellen. Es könnte sein: sie meinen, was sie sagen und sie sorgen sich auch ganz genuin um Frau Dagen. Daß sie sich in Selbstwidersprüche und Paradoxa verstricken, ist ihnen nicht bewußt. Man müßte sie darauf aufmerksam machen und das wiederum geht nur im Gespräch und immer nur auf der Höhe des Arguments und der Auffassungsgabe.

Ähnliches gilt für diese totalitaristische Deklaration, die sich selbst als Dokument der Freiheit wahrnimmt. Wir hier sehen darin den Totalitarismus - sie selber aber wollen just diesen bekämpfen. So lange die Begriffe derart fundamental verdreht sind, ist ein inhaltliches Gespräch wenig sinnvoll. Hier muß zuerst ein vorkommunikativer Raum geschaffen werden. Und - once more - dazu müßte der Wille da sein.

Eines der Probleme, die es zu lösen gäbe, wäre die Eigenwahrnehmung durch den anderen zu hinterfragen. Ich selbst kann nur mit dem Kopf schütteln, was die Autoren in "uns", in K&K, in Antaios etc. sehen aber sie sehen es nun mal. Wenn wir davon ausgehen, daß sie ideologisch induziert sehbehindert sind, sollte man dann nicht versuchen, ein anderes Bild abzugeben, eines, das auch dort verstanden werden kann? Ist man dazu nicht bereit, kann man sich das ganze Getue auch sparen.

Umgekehrt gilt es, sich ständig zu hinterfragen und gerade nicht zu bestätigen: Sehe ich etwas nicht oder verkehrt?

Tellkamp hat das in Ansätzen schon begriffen, wie mir scheint. Man müßte freilich noch viel sprach- und kommunikationsanalytischer an die Sache herangehen. Immerhin ist sein Widerspruch schön zu lesen und ein Genuß.

MartinHimstedt
14. November 2018 10:21

Es ist irrelevant, ob der Ausländeranteil in Sachsen 3%, 3.9%, 5,1% oder 0,5% beträgt. Die Sachsen leben ja nicht in einer vollständig isolierten Gegend, sondern bekommen durchaus mit, wie es andernorts aussieht. Dieses ständig vorgebrachte Argument ist so dumm und/oder niederträchtig, dass ich langsam aber sicher die Geduld verliere, überhaupt noch dagegen zu argumentieren.

TUMULT: https://tinyurl.com/yccw2ljp

"Im Jahre 2100 ergibt sich für unser Szenario eine muslimische Bevölkerungsmehrheit in Deutschland:" https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/bevoelkerungsentwicklung-in-deutschland

Ebenso irrelevant ist, ob alles nicht ganz so schlimm ausfallen wird: Wir wollen nämlich weder 50% Muslime in Deutschland, noch 60% – und auch keine 20%.

Ich war bereits in den neunziger Jahren (!) eine Ausnahmeerscheinung als Biodeutscher, sowohl in der Schule, als auch in der Ausbildung. Die Hot-Spots in meiner Stadt, waren schon immer türkisch geprägt, das kenne ich überhaupt nicht anders. Eine Ausnahme bilden dabei Kultureinrichtungen, welche in der Regel nicht von dieser Bevölkerungsgruppe aufgesucht werden. Diese verschwinden aber auch immer mehr: Angebot und Nachfrage.

Durendal
14. November 2018 11:13

Warum arbeitet man sich an diesen geistig völlig sterilen Gestalten ab?
Dietrich Bonhoeffer hat über die Dummheit sinngemäß geschrieben, dass sie häufig eine psychologische Folge der Macht sei. Im Kontakt mit dem Dummen habe man es nicht mit einem denkenden Menschen zu tun, sondern mit den „über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc.“. Versuche, den Dummen zu überzeugen, seien sinnlos, weil er ohnehin nicht zuhöre.
Dass man es hier mit dummen Menschen zu tun hat erkennt man daran, dass sie nicht einmal in der Lage sind, echte Fragen zu stellen bzw. die durch die Entwicklung in Europa aufgeworfenen Fragen überhaupt zu erkennen.
Bonhoeffer sagte sinngemäß auch, dass dem Dummen nur noch Gott helfen könne. Juan Donoso Cortés sagte, dass Gott dies durch Krisen täte, und diese werden wir zum Glück innerhalb der kommenden 20 Jahre in ausreichender Fülle und Intensität bekommen, um auch hartnäckige Fälle von Dummheit sauber auszukurieren.

2Rueckert
14. November 2018 13:54

Durendal: Bonhoeffer würde heute in der EKD wie Adenauer in der CDU sofort in Isolationswatte gepackt. Die christlichen Großkirchen sind ein wesentlicher Teil des Problems. 1918 und 1945 standen sie hinter und zu ihrem Volk. Heute sind sie ihren autochthonen Völkern feindlich. Mein Bischof reicht mir das "Brot des Lebens", aber er hat Mutterkorn eingemahlen und das Antoniusfeuer wäre mir gewiss: Behalte Er sein Brot! Da ist Communio nicht mehr möglich.
Wer es nicht glaubt verfolge domradio.de oder lese die mit Flüchen gegen Europa beladene Wutpredigt von Papst Franz vom Juli 2013 auf Lampedusa. Keine Frage: Franz ist ganz geil auf Marrakesch.
Europa ist nur noch ein Hirschluder von dem andere zehren. Was bleibt ist eine wölfische Steppe. Siehe Burghardt.

Monika
14. November 2018 14:28

@ Der Gehenkte
Auch, wenn man wirklich an einem Dialog interessiert ist, Phasenverschiebungen zulässt, das Ansinnen der Anderen ernst nimmt und keine Heimtücke unterstellt, auch und gerade dann gelangt man oft schmerzhaft an einen Punkt, wo keine Kommunikation mehr möglich ist und jedes weitere Bemühen zu einem sinnlosen K(r)ampf wird. Das muß man erstmal annehmen und ertragen können. Man lässt am besten voneinader ab und geht getrennte Wege, kurze oder lange. Oder man sieht sich nie wieder. Das ist wie in einer zerrütteten Ehe.
Und da es hier um Moral geht, wiegt das alles noch schwerer .
Es braucht m. E. einen Standpunkt außerhalb, wobei wir wieder beim alten Thema wären: "Wir können der Welt nichts geben, wenn wir nichts haben".
Und Dolmetscher, Therapeuten, Mediatoren scheinen mir bei dieser vertrakten Diskussion auch am Ende angekommen.

Der Gehenkte
14. November 2018 15:38

@ Monika

"dann gelangt man oft schmerzhaft an einen Punkt, wo keine Kommunikation mehr möglich ist und jedes weitere Bemühen zu einem sinnlosen K(r)ampf wird. Das muß man erstmal annehmen und ertragen können."

Sie haben recht, auch das muß man annehmen, einsehen können. Aber es ist ein Annehmen auf zweiter Ebene, eines, das erst durch das primäre Scheitern gerechtfertigt ist, und dieses muß wirklich feststehen, da muß man alles vernünftige versucht haben.

Und selbst wenn das scheitert, müssen Haltung und Stil bewahrt werden - damit hätte man bereits etwas (Haltung, Stil, Offenheit, Bereitschaft ...), was man auch geben kann.

Sellner macht das vorbildlich und K&K nicht minder. Tiefschläge werden weggesteckt und man bietet (oft mit einem Lächeln) seine Position weiter an, nebst dem Diskussionsangebot.

Die beiden obigen Herren kann ich nicht in der Riege der der Vernunft vollkommen Verlorenen zurechnen, da kann man was versuchen. Ich erlebe immer wieder Menschen, in denen es gärt, die aber den Weg noch nicht zurückgelegt haben, die Angst haben vor der Einsicht ... die potentiell die Seite wechseln könnten und dann aber beim ersten Schauen vor den Kopf gestoßen werden, weil irgendeiner eine Parole losgelassen hat, die alle Vorurteile zu bestätigen scheint. Verloren!

Die Frage ist doch: Haben wir die besseren Argumente? Ich denke, wir haben sie - sonst wäre ich z.B. nicht hier. Nun muß man sie auch vertreten können. Wird einem die Bühne verwehrt, muß man vor der Außentreppe anfangen ... immer wieder.

Mir gehen die Abbrüche zu schnell! Vor allem, wenn sie von bedachtsamen Menschen (wie Ihnen) kommen.

Der Gehenkte
14. November 2018 16:03

@ Monika

nehmen wir diesen Satz: "Denn, so die Pointe, hätten die Deutschen »Mein Kampf« gelesen, wäre schon damals alles anders gelaufen. Deswegen soll sich Stokowski heute mal nicht so haben, wenn irgendwo der Sieferle und der Kubitschek rumstehen." (Volker Weiß https://jungle.world/blog/jungleblog/2018/11/wenn-das-die-deutschen-wuessten)

Man könnte sagen: sinnlos, mit dem Mann zu reden - würde ich verstehen. Man könnte aber auch eine ganz einfache Frage stellen, etwa: Wo sieht Weiß die Parallele zwischen "Mein Kampf" und Kubitschek oder Sieferle. Das muß er ja erklären können und da es keine rationale Erklärung dafür gibt - das darf ich sagen, nachdem ich alle drei Quellen gelesen habe - sollte man schnell in eine argumentative Gewinnsituation kommen, die vielleicht nicht Weiß selbst gewinnt, aber doch einen Großteil der Zuhörerschaft, die Kubitschek und Sieferle nur in der Weißchen Vor- und Verstellung kennen.

Patriotin
14. November 2018 17:24

Oh, diese Scheinheiligkeit.... Unerträglich.
Oder sind diese Künstler wirklich so lebensfremd in ihrer Welt?

“Wir als Unterzeichnende der Dresdner Theater, Kunst- und Kultureinrichtungen und ihrer Interessensverbände begegnen diesen Versuchen mit einer klaren Haltung:
Wir solidarisieren uns mit Menschen, die durch eine rechtspopulistische Politik an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.”

AHA, UND DIE ANDEREN WERDEN AUSGEGRENZT ODER ERFAHREN KEINE SOLIDARITÄT? SOLIDARISIERT IHR EUCH MIT DEN OPFERN VON SOG. FLÜCHTLINGEN, DIE ERMORDET ODER VERGEWALTIGT ODER BEIDES WURDEN? WENN JA, WIE KONKRET? WENN NEIN, WESHALB NICHT?

“Es geht um uns Alle.” - EBEN NICHT, WIE MAN SIEHT!

“Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung.” – WER SAGT DAS?

“...ins »Café Gustav« in der alten Niederpoyritzer Schule einladen, wo einmal im Monat ein zumeist sehr heiteres Zusammensein von Afghanen, Syrern und Irakern mit Kuchen backenden Bewohnern des Elbhanges stattfindet, und wo man eine andere Variante von »Bedrohung« real studieren kann: Freundlichkeit.”

MIT DEM FRIEDE-FREUDE-(EIER)-KUCHEN-SPIEL IST ES ALLEIN LEIDER NICHT GETAN.

“Redet Ihr über den Erhalt der Demokratie oder deren Abschaffung?”

REDET IHR ÜBER DAS PROBLEMATISCHE VERHÄLTNIS VON MUSLIMISCHEN EINWANDERERN ZUR GEWALT, ZUR DEMOKRATIE, ZUR AUFKLÄRUNG, ZUR SÄKULARITÄT, ZUR GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAU?

Wie blind sind diese Leute doch.

Monika
14. November 2018 17:56

@ Der Gehenkte
ja, wir haben schon die besseren Argumente, aber meistens geht es in den Gesprächen um den emotionalen Hintergrund. Die "Linken" klammern sich an ihrer Moral fest, weil sie keine Argumente haben. Kürzlich ging es im Gespräch bei Nachbarn um die Gruppenvergewaltigung in Freiburg ( ich war kurz vor einer Reise nach Freiburg). Die linksgrün-feministisch verortete Nachbarin:"Ja, wie furchtbar. Aber, ich werde nie die AfD wählen, nie die Glatzen wählen." Das hatte ich überhaupt nicht verlangt ! Und welche Glatzen ?
Ich wollte lediglich auf die neue Qualität der Frauenfeindlichkeit aufmerksam machen. Hysterisch tat sie ihre Angst vor der AfD und einen neuen rechten Gefahr kund. Die Massenvergewaltigung war kein Thema. Bei so viel Realitätsverlust hilft keine vorsichtige Kommunikation. Ich bin es leid. Ich bin mir zu schade dafür. Ich suche mir wohlgesonnene Menschen aus. Punkt. Die kann man finden, man kriegt ein Gespür. Nach drei Sätzen weiß ich inzwischen , ob ich mit dem Gegenüber kann oder nicht.
Das Buch "Mein Kampf" stand übrigens in meiner Realschulklasse in einer Nonnenschule auf dem Bücherbord. Das gab es auch. Ich habe das Buch dann mal mit nach Hause genommen und angefangen zu lesen. " Da steht ja alles drin, was Hitler vorhatte", sagte ich aufgeregt zu meinen Eltern. Die ANtwort: "Kann sein, wie haben den Schinken nie gelesen, der hing bei dem Opa als Klopapier rum...."

Patriotin
14. November 2018 19:22

Bemerkenswert finde ich, dass Lühr ja durchaus auch kritisch sein kann, aber leider nur rückwärts gewandt, wo das Gegen-den-Strom-Schwimmen nicht mehr geahndet wird:

https://www.dnn.de/Dresden/Lokales/Hans-Peter-Luehr-haelt-Vortrag-in-der-Frauenkirche

Thema seines Vortrags ist „Training des aufrechten Ganges – Opposition und neue Bürgerschaftlichkeit (???!!!!) in der Kultur der 1980er Jahre“...

Ich wette, er hatte damals auch keinen A... in der Hose und gehörte nicht zur von ihm beschriebenen Opposition.

ElDuderino
14. November 2018 19:24

Diese beiden Sätze hätten bereits bequem genügt, um die inhärente Faschismus-Affinität – u. a. – der schmierigen Marionettenspieler unserer mitleiderregenden Bahnhofsklatscher auf den Punkt zu bringen:

"Man wolle diskutieren, Meinungen, die nicht passen, aber kein Forum bieten. Wer zieht die Grenze?"

Frei nach Goethe (10 € dem, der mir das korrekte Zitat nachweist): Der Sklave will nicht bloß frei sein. Er will selbst herrschen.

Patriotin
14. November 2018 19:56

"Kein Wort über die reale Not von Flüchtlingen und über neokoloniale Abhängigkeiten als Fluchtgrund heute, kein Wort über das Rätsel einer Phantomangst vor Überfremdung .."

Wieder ein Zeichen von absoluter Blindheit. - Die reale Not hat im Gegenteil abgenommen bei denen, die herkommen. Sonst könnten sie sich die "Flucht" gar nicht leisten. Und neokoloniale Abhängigkeiten werden sie hier in Europa erst recht erleben. Wozu braucht man sie hier, wenn nicht als moderne "Sklaven", so dass man sich den Transfer von Fabriken in Billiglohnländer sparen kann? Genau das ist tatsächlich Neokolonialismus, und den stützen diese Herren Kulturschaffenden!

Und wer von "Phantomangst" spricht bei einer real existierenden Überfremdung (denn diese beginnt eben nicht erst bei 51 %), wer sich mit Statistiken belügen und betrügen lässt und offenbar die eigenen Wurzeln nicht begriffen hat - ich sage nur: Römische Republik - der sollte dieses Buch zum Thema dringend lesen:

https://www.amazon.de/Auf-dem-Weg-ins-Imperium/dp/3944305450

und er wird hoffentlich begreifen, dass wir auf genau demselben Weg sind, ins Imperium und in den Untergang unserer Kultur.

Es nützt allerdings nichts, dass dann in 30 Jahren zu beweinen und Vorträge darüber zu halten, Herr Lühr.

HomoFaber
14. November 2018 20:38

Frau Dagen könnte das “Gesprächsangebot” annehmen und ihre Position offensiv verteidigen.

cnahr
14. November 2018 21:05

“Rassismus darf keinen Platz haben, wer an Leib und Leben bedroht wird, dem muß nach Kräften geholfen werden, im Sinne des Gesetzes und des Mitleids, gerade Deutschland hat hier eine Verantwortung, ja, Pflicht.”

Um Himmels willen. Setzen, sechs, Aufgabe verfehlt, Argumentation der Linken vollständig übernommen. Milliarden (nicht nur Millionen!) Menschen werden weltweit in ihren jeweiligen Trumpschen Drecklöchern an Leib und Seele bedroht. Wer allen denen helfen will, fordert die Abschaffung Deutschlands. Das kann doch nicht so schwer zu kapieren sein. Ganz zu schweigen von der Schuldkult-Argumentation.

Caroline Sommerfeld
14. November 2018 21:20

@cnahr:
Glückwunsch, Diskurskopeke gefunden.

nom de guerre
14. November 2018 23:41

@ cnahr u. Caroline Sommerfeld
Was ist denn an Tellkamps Aussage verkehrt? Ob man sich der These von der besonderen Verantwortung, ja Pflicht Deutschlands anschließen möchte, sei dahingestellt, aber Tellkamp schreibt doch "wer an Leib und Leben bedroht wird, dem muß nach Kräften geholfen werden, im Sinne des Gesetzes und des Mitleids". Die Betonung liegt für mich neben seinem in den heutigen hochmoralischen Zeiten geradezu altmodisch anmutenden Verweis auf die geltenden Gesetze (wonach Leute, die über sichere Drittstaaten nach Deutschland kommen, bekanntlich keinen Anspruch auf Asyl haben und Wirtschaftsmigranten ohnehin nicht) auf der Formulierung "nach Kräften", was im Umkehrschluss bedeutet, dass sich diese Hilfeleistung natürlich nicht auf die Millionen oder sogar Milliarden Hilfsbedürftigen auf dieser Welt beziehen kann, denn das ginge nicht nur über die Kräfte Deutschlands, sondern auch jedes anderen Landes der Welt.

Das schließt aber doch nicht aus, im Rahmen des vernünftigerweise machbaren zu helfen, wobei helfen in Bezug auf tatsächliche Flüchtlinge nebenbei bemerkt nicht bedeutet, sie zwingend nach Deutschland zu holen (dass etwa den wirklichen syrischen Flüchtlingen besser vor Ort zu helfen gewesen wäre, ist inzwischen eine Binse). In dieser Sichtweise kann ich im Übrigen auch nichts spezifisch Linkes erkennen, denn linke Ideologen wollen (von der von ihnen tabuisierten Frage nach der Machbarkeit einmal abgesehen) dem Hilfsbedürftigen nicht deshalb helfen, weil er eben Hilfe braucht, sondern nur dann, wenn es sich um den "richtigen" tatsächlich oder vermeintlich Hilfsbedürftigen handelt.

Der Gehenkte
15. November 2018 09:21

@ Monika

"Ich bin es leid. Ich bin mir zu schade dafür. Ich suche mir wohlgesonnene Menschen aus. Punkt. "

Volles Verständnis für diese Reaktion - irgendwann ist der Akku leer, aus vielerlei Gründen, die es hier nicht zu ergründen gilt. Aber stellen wir diese Resignation doch mal unter die große Prämisse, die hier vermutlich, hoffentlich, alle Foristen vereint: Die Sorge um Deutschland.

Was soll werden, wenn wir nicht mehr mit dem Nachbarn reden (können)? Wozu all die Arbeit, die vor allem hier geleistet wird, wenn nicht auch in der wesentlichen Hoffnung, nach außen zu dringen? Wir haben keine andere Wahl oder aber wir verraten unsere Sorge.

Übrigens scheint mir ein mäeutisches Verfahren in vielen Fällen am besten geeignet. Weg von der Belehrung, diese nur in Form klarer Analysen. Ihr kleiner Dialog hat ja schon alle Ingredienzien. Die Frage "Welche Glatzen", hätte man doch nur stellen brauchen und schon wäre Ihre Gesprächspartnerin in Erklärungspflicht. Und dann fragt man weiter, bis es irgendwann (vielleicht) dämmert.

Tellkamp versucht das ja auch teilweise. Dieser Offene Brief ist bedeutsam! Er wird sich in seine und die Biographie der Sezession einschreiben; nicht nur daß, nicht nur was, sondern auch wo er es geschrieben hat, ist signifikant.

Tellkamp ist ein bedeutender Autor, der das Sprachwerkzeug beherrscht. Er liefert hier z.B. nach, was Klonowsky dringend hätte sagen müssen, als er mit den Intendanten "diskutierte", es aber vorzog, "Kreide zu fressen". Warum und wozu ist noch immer sein Geheimnis.

Dennoch bietet der Brief einige unglückliche Wendungen, die die intendierten Brückenbauten erschweren. Er ist passagenweise in einem Ton des "Du hast angefangen" gehalten. Die Diskurskopeken wiederum kann man auch als stilistisches Mittel zum Brückenbau bewerten. Sätze wie "der Stil dieser Passagen ähnelt dem gewisser Einweisungsschreiben in sowjetische Psychiatrien" sollte man sich verkneifen, sofern sie nur rhetorisch sind.

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/uwe-tellkamp-wendet-sich-gegen-erklaerung-der-vielen-15890531.html

An der Diskurskopeke ist nur das Wort "Rassismus" fehl am Platze, die Hilfsbereitschaft, ja die Notwendigkeit zur Hilfe - wenn sie adäquat ist und diejenigen betrifft, die ein Recht darauf haben - sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Caroline Sommerfelds Aversion gegen alle Form der "Entschuldigung", der Versicherung etc. kann ich argumentativ durchaus verstehen - ich denke aber eher von den Folgen her. Wenn das das entrée billet in eine Diskussion sein sollte, dann wäre mir das Gespräch wichtiger und den Preis sollte man zahlen. Alles andere führt zu Höhlendasein.

Fritz
15. November 2018 09:28

@nom de guerre: Genau so ist es. Die Linken verlangen eben keine Hilfe im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten, sondern absolute Hilfe unter allen Umständen. Nicht: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, sondern liebe ihn mehr als dich selbst bis zur Selbstvernichtung.

Habe mehrfach versucht, auf Twitter u.ä. mit denen zu diskutieren, aber auf die Frage: Wie viele sollen wir denn in unserem kleinen Land aufnehmen? kommt nie eine Antwort, es wird immer ausgewichen. "Die wollen ja garnicht alle kommen", oder "Diese Frage dar man nicht stellen, man muss einfach nur helfen" usw.

Regimekritiker
15. November 2018 10:43

Diese Form der Auseinandersetzung kostet zu viel Lebenszeit. Sie bringt im Endeffekt nur für die Schreiber eine gewisse psychische Entlastung. Alle, die sich beteiligen möchten, an lebendigen Debatten, Austausch und Gesprächen haben keinen Ort und keine Plattformen. Das ist mglw. auch ein gewünschtes Resultat, dieser verschärften gesellschaftlichen Konfliktlagen. Wie wäre es mit der Einberufung von Konferenzen, Versammlungen, Arbeits- und Gesprächskreisen, auf kommunaler und regionaler Ebene?

Es gibt ja nicht nur die Literatur.

Mittlerweile hat sich der globalistische Gesinnungsterror auf ursprüngliche und urtümliche Bereiche der Gesellschaft ausgedehnt. Leute, die sich eigentlich mit landwirtschaftlicher Selbstversorgung, Permakultur, Gartenbau, ökologischer Landschaftsgestaltung, Heilpflanzen, etc. beschäftigen wollen, werden zu okkulten Stellungnahmen veranlasst, die die Handschrift der Amadeo-Antonio-Stiftung tragen.
https://permakultur.de/neuigkeit/permakultur-und-die-oekologische-rechte/

Wer sich einbringen und mitdiskutieren will, kann das auf dem Verteiler des Permakulturvereins tun. Hier sind mehr als 500 der wesentlichen deutschen Akteure vereint. Diese Plattform wird seit 1996 durch den Verein Permakultur Institut e.V. (PKI) ermöglicht. Zum Eintragen in den Verteiler folgenden Link aufrufen: https://ml06.ispgateway.de/mailman/listinfo/pk-liste_permakultur.de

Denn der Riss geht durch die alternativen Szenen, durch Freundschaften und Familien, das ist die neue Qualität. Darum brauchen wir noch andere Formen des Zusammenfindens, der Problembewältigung. So etwas wie "Cafe Schnellroda" kann man überall einrichten.

Monika
15. November 2018 11:26

@Der Gehenkte
Natürlich treibt uns die Sorge um Deutschland um oder zunächst die Sorge um unsere Kinder und Nachkommen. Und die Nachbarin hat keine Kinder.
Es gibt auch Gegenbeispiele. Ein nettes älteres Paar setzt sich an den Tisch in einem Lokal dazu. Sie sind gerade stolze Großeltern geworden. Schnell ist man bei der Politik und mehr als nur auf einer Wellenlänge. Man versteht sich prächtig. Ja, das gibt es natürlich auch. Es ist sehr befreiend, sich nicht ständig erklären zu müssen. Dann bekommt man auch wieder Kraft , die Dummheit der Vielen zu ertragen.

Fluid
15. November 2018 13:48

Hallo ElDuderino,
hier dein gewünschtes Zitat:
„Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.“
―Gabriel Laub
- https://gutezitate.com/zitat/202259
Die Euro 10,00 bitte an Wikipedia spenden!
Vielen Dank
Fluid

heinrichbrueck
15. November 2018 14:43

"Aber es ist ein Annehmen auf zweiter Ebene, eines, das erst durch das primäre Scheitern gerechtfertigt ist, und dieses muß wirklich feststehen, da muß man alles vernünftige versucht haben."

Ich kann diese Position der untersten Ebene verstehen, aber wie will man die nicht Abwählbaren dadurch beeindrucken? Die Wählbaren sind nicht die Mächtigen. Meine Vorstellung sieht die vertikale Hierarchie der Macht sehr gut in einem Hochhaus verbildlicht. Hätte dieses Hochhaus hundert Stockwerke, wären die Wählbaren im untersten Drittel ansässig. Es geht hier nicht nur um die Gegenwart. Auch die richtige Interpretation der vergangenen und nicht enden wollenden Weltkriege.

Andreas Kunze
15. November 2018 18:41

Ich melde mich aus der hands-on Praxis des Migrantenbetreuers - ununterbrochen tätig seit Ende 2014, mit Dank-Urkunde von „Niedersachsen packt an“; meine Herkunftsländer: Albanien, Georgien, Kosovo, Montenegro, Pakistan, Serbien, Syrien, Ukraine. Ich bin Grundgesetzdemokrat. Die Berufung auf das GG, und speziell auf die ersten 3 Artikel, kann nicht dem Programm einer undefinierten „Pluralen Versammlung“ (Dresdner Erklg.) überlassen bleiben.

Mir sind erhebliche Bedenken hinsichtlich der „Flüchtlings“-Anerkennung und damit der Asyl-Berechtigung der Mehrzahl der von mir Betreuten gekommen. Ich betreue nur noch, mit meiner Frau, eine 6köpfige Pakistanifamilie. Das ist Arbeit. Für das in der „Erklärg. der Vielen“ angeführte „heitere Zusammensein mit kuchenbackenden Einheimischen“ ist keine Zeit. Wir essen aber öfters, recht spicy, bei unseren Migranten, zu Hause. Das Bleiben in Dtld wird ihnen verweigert - jetzt, nach 4 Jahren Wartezeit. Alle sprechen fließend Deutsch. Beide Eltern: unbefristete Arbeitsverträge. Kürzlich habe ich ein Bittgesuch an die nds. Härtefallkommission abgesandt. Das ist kein Kuchenbacken.

Was ich, als Pragmatiker, vermisse, seit Jahren, bei nach wie vor verbreiteter „Flüchtlings“-und „Bereicherungs“-Euphorie, ist zunächst einmal: Kenntnis der Gesetze, präzise Terminologie, unsentimentale sachliche Hilfe. Das ist in anderen Bereichen der Sozial-Unterstützung selbstverständlich. Im Bereich der idealisierten „Flüchtenden“ wird „Empathie“ beschworen. Es gibt, meiner Erfahrung nach, eine Idealische und eine Pragmatische Empathie. Letztere lege ich den Verfassern des „Offenen Briefes“ und der „Dresdner Erklärung“ ans Herz. Im Kolonialzeitalter gab es das Bild des „Edlen Wilden“. Heute ist das der Edle Flüchtling.

Die verfehlte „Willkommenskultur“ muss dringend und offiziell - vom Bundstag - beendet werden. Schon an den Grenzen muss strikt und ausnahmslos kontrolliert - und potentiell zurückgewiesen - werden.

Wir haben und brauchen die Grundgesetzkultur. Diese ist nicht - deutlich entgegen der „Dresdner Erklärung“ - „täglich neu“ verhandelbar. Sie ist da. Sie ist, in Deutschland, die eine Kultur, nach der sich alle, die hier leben und leben wollen, zu richten haben. Die „Religion“ Islam ist eine - offensichtlich fragwürdige - (Männer-)Kultur, wie jede andere „Religion“ auch. Die Aussage „Der Islam gehört zu Deutschland“ ist unsinnig. Zu Deutschland gehört, was zum GG passt. Was gibt es da zu „verhandeln“? Wer verhandelt, mit wem?

Es müssen im übrigen, vom GG her, auch die „Christlichen Religionen“ gründlichst befragt werden. Das „Kirchenasyl“ ist eklatant GG-widrig.

Die Begriffe „Flüchtling“ und „Asyl“ (GG Art 16a, AsylG §3) sind eindeutig fixiert. Das ist weithin unbekannt. Sie können nicht beliebig verwendet werden. Für die Zuerkennung des Status „Flüchtling“ (nach Genfer Konvention, 1951) muss man als schwerwiegend und deutlich individuell „Verfolgter“ anerkannt werden. Bei Anerkennung: Status „Asyl„. A-sylia heißt Freiheit von Beraubung - des Lebens. Es gibt fünf Verfolgungsformen: „Verfolgung wegen …Rasse, Religion, Nationalität, politischer Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe“. Das wird vom Elbhang-Kurier und von den „Vielen“ partout nicht wahrgenommen.

Es gibt kein „Recht auf Asyl“. Es gibt, nach der General Declaration of Human Rights“, von 1948, Art. 14, das Recht „ to seek …asylum from persecution“. To seek. Das heißt: Antrag. Und Prüfung.

Ein Beispiel der Idealischen Empathie: die Migrantenpolitik der deutschen amnesty-Leitung. Migranten werden pauschal als „fliehende Frauen, Kinder und Männer“ bezeichnet, die „Schutz vor Gewalt und Vertreibung“ suchen. Es kommen aber nicht „Flüchtlinge“ - neuerdings „Fliehende“. Es kommen Migranten. Und die Ursache der Migration muss ja erst - einzeln - festgestellt werden. Ein Blick in die BAMF-Statistik: auffällig wenige „Fliehende“ werden als Flüchtlinge und damit Asylberechtigte anerkannt.

Die zentrale Ursache des Zuges nach Europa, speziell nach D, ist wirtschaftliche Not sowie eine verbreitete - aber strikt individuell, also asylrelevant, nicht zu fassende - politische Unsicherheit und Bedrängung. Das ist über Aufbauprogramme, in Pragmatischer Einigkeit der Staaten, sowie über ein - allfälliges - deutsches Einwanderungsgesetz anzugehen.

Eins noch: warum muss, in der Migrationsdebatte, wie auch in anderen deutschen Debatten, gespenstisch drohend, sakrosankt, ahistorisch, eisern schuldzuweisend, das “größte Staatsverbrechen der Menschheitsgeschichte” (Dresdner Erklg.) vorgeführt werden? Ich bin Migrantenhelfer - aber nicht, weil ich des Statsverbrechens schuldig, sondern weil ich ein Mensch bin. Das genügt mir. Zusätzlich bin ich gebürtiger Sachse, aus Dipps. Quarkkeulchen esse ich gern. Eierschecke geht auch. Buntgescheckte Heiterkeit geht gar nicht.

ElDuderino
15. November 2018 20:45

Hallo Fluid, danke für den Hinweis. Beim exakten Wortlaut des Zitats bin ich mir wie gesagt nicht sicher ("frei nach..."). Beim Urheber allerdings schon. Laub hat wohl bei Goethe abgekupfert. Hab's 1994 beim Meister gelesen und finde es seither nicht mehr. -.-

Emil D
15. November 2018 23:46

@ElDuderino
bitte mal hier schauen:
https://1000-zitate.de/3492/Der-Sklave-will-nicht-frei-werden.html
falls es das Richtige ist, dann den Zehner bitte in einen Kranz investieren und diesen am 18.11. vor dem nächstgelegenen Kriegsopferdenkmal würdevoll platzieren, danke

Ratwolf
16. November 2018 12:52

„Es kommt nicht mehr drauf an, welche Argumente man hat, sondern es reicht dieser Tage sich auf die eine oder andere Seite zu stellen“. So stand es in einer Zeitung letztens.Warum ist das so?

Es geht um Geld. Man wiederholt formelhaft die vorgegebene Spachregelung wie einst im Ost-Kommunismus, und man kann sich dann sicher sein, das man vom Geld der Steuerzahler mehr oder weniger leistungslos bezahlt wird. Qualität wird dabei tendenzell weniger wichtig. Innovation, Qualität und Wettbewerb haben Menschen wie Herr Tellkamp oder die Buchhändlerin nach vorne gebract.

AlderHorst
16. November 2018 18:10

1. Mich wundert, dass bei den allfälligen Bekundungen von Diskursbereitschaft und Weltoffenheit bei gleichzeitiger Ausschließung von Andersdenkenden durch den linken Meinungshegemon noch niemand auf die Idee gekommen zu sei scheint, einmal bei Habermas die Bedingungen für ein Verfahren zur Herstellung idealer Sprechsituationen im Diskurs nachzulesen. Man müsste die Linken nur an sich selbst messen, um den aktuellen Verblendungszusammenhang deutlich zu machen.
@ Caroline Sommerfeld: Hätten Sie nicht einmal Lust, die Diskursethik in praktischer Absicht einigen Linken um die Ohren zu hauen?
2. Die "Erklärung der Vielen" ist ein Oktroy, wie daselbst nachzulesen ist:
"Mit der Unterzeichnung erklären sich die Leitungspersonen [...] bereit, den Text der Erklärung innerhalb der eigenen Organisation unter Mitarbeiter*innen [...] bekanntzumachen und zur Diskussion zu stellen."
Allein daran zeigt sich ein höchst problematisches Verständnis demokratischer Prozesse. Bei der Erklärung der Viel*innen handelt es sich um ein politisches Statement, das die Leitung im Namen der Institution und folglich auch der Mitarbeiter abgibt. Das Deckmäntelchen Kunstfreiheit ist eindeutig zu kurz geraten, um dies zu verbergen. Sofern sich eine Diskussion tatsächlich anschließen sollte, wird diese sicher nicht unbelastet sein können. Ich weiß konkret von einem Mitarbeiter eines staatlichen Kulturbetriebes, der diese Erklärung als politische und geistige Bevormundung empfindet, sich aus Angst vor Konsequenzen - Zeitvertrag, Störung des Betriebsfriedens - aber nicht mit Widerspruch äußern will.
3. Die Autoren der Erklärung beschränken sich nicht darauf, Freiheit von politischer Einflussnahme einzufordern, um die u-topische Qualität von Kunst als freies Spiel der (Un)Möglichkeiten zu wahren. Statt die Bedeutung von Kunst als Raum der offengehaltenen différance - d.h. als einen Platzhalter für das diskursiv Ausgeschlossene, einem Riß vergleichbar - für die kritische Bewußtseinsbildung in einem demokratischen Gemeinwesen herauszustellen und mit einem ganz gelesenen Adorno darauf zu bestehen, dass sich Kunst nach Auschwitz gerade nicht auf politische Parolen vereidigen lassen dürfe, begeben sich ironischerweise unter dem Leitsatz "Solidarität statt Privilegien" staatlich bestellte und öffentlich alimentierte Funktionseliten vielmehr bereitwillig in die Sphäre des (Partei)Politischen um in "Kampagnen" Front zu machen gegen jene, die man als rechte Populisten stigmatisieren und ausgrenzen möchte. Dass man noch einen Solidaritätsblankoscheck ausstellt, von dem die Unterzeichnenden nur hoffen können, dass dieser nicht eines Tages von linksautonomen "Kulturzentren" eingelöst wird, fällt schon nicht mehr ins Gewicht.

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