13. Dezember 2018

Weihnachtsempfehlungen (V): Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz / 10 Kommentare

Geschenkempfehlungen in Buchform – wie jedes Jahr aus unserer Redaktion. Teil V: Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Schönes

Martin Mosebach: Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer,  272 S., gebunden, 20 €

Keine Belletristik, aber unverkennbar das Werk eines großen Romanciers. "Keiner vermag über das junge Christentum zu sprechen, der die koptische Kirche nicht kennt", schreibt Martin Mosebach in seiner großen Studie über die ägyptischen Christen, die sich seit weit über einem Jahrtausend als Minderheit unter muslimischer Herrschaft behaupten. Dieser Satz gilt nicht nur für das "junge", also das historisch früheste Christentum der Apostel, das auf einzigartige Weise in der koptischen Kirche fortlebt, sondern wohl auch für das Verständnis der gesamten Christenheit überhaupt. Der dezidierte Römer Mosebach hat aus der Begegnung mit der archaischen Frömmigkeit der Kopten viel gelernt: "Was die lateinische Welt in den Jahrhunderten ihrer freien Entfaltung gewonnen und was sie schließlich wieder verloren hat - es wirkt seltsam blaß, wenn man auf die Kopten sieht, die geblieben sind, was sie waren, und die deshalb den Ausgangspunkt der christlichen Religion immer im Blick behalten haben."

Zu dieser Frömmigkeit gehört auch die im Westen unvorstellbar gewordene Bereitschaft, sich für seinen Glauben töten zu lassen.  Mosebachs eigener Ausgangspunkt ist das Martyrium, das 21 vorwiegend junge Männer, 20 Kopten und ein Ghanese, im Januar oder Februar 2015  in Libyen erlitten haben. Milizen des "Islamischen Staates" enthaupteten die Männer vor laufender Kamera, gestalteten den Ritualmord zu einem perversen Kunstwerk. Doch nicht die Täter, sondern die Martyrer und ihr weiteres Umfeld stehen im Mittelpunkt des Buches. "Die 21" werden heute von der koptischen Gemeinde als wundertätige Heilige verehrt; auf naiv anmutenden, mit billigen Bildbearbeitungsprogrammen hergestellten Heiligenbildchen werden sie mit Kronen an der Seite Christi dargestellt. In den Erzählungen der Angehörigen haben sie fast jede Individualität hinter sich gelassen, was Mosebach zum Anlaß nimmt, in 21 Kapiteln immer tiefer in die Welt der Kopten einzutauchen, die ein Stück vormoderner Religiosität bewahrt hat wie eine kostbare Perle. Ein Buch, das den Leser fesselt, aufsagt und verwandelt, wie wenig andere es können. - Buch hier bestellen.

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Wahres

Marcantonio Colonna (Henry Sire): Der Diktatorpapst, 265 S., Klappenbroschur, 16 €

Wem der amtierende Papst Franziskus in all seiner irritierenden Doppeldeutigkeit und Mediengefälligkeit immer schon suspekt war, der findet in diesem Buch reichlich Material, um seinen Verdacht zu bestätigen. Hinter dem Autorenpseudonym verbirgt sich der britische Historiker und Vatikan-Insider Henry Sire, der wegen dieses Buches von der Mitgliedschaft im Malteserorden suspendiert wurde. Er zeichnet Jorge Mario Bergoglio als Machtmenschen, der die lächelnde Persona des gütigen Papst Franziskus aus purem Kalkül adaptiert habe. "Sobald die Kameras der Öffentlichkeit nicht mehr auf ihn gerichtet sind", verwandle er sich "in eine ganz andere Gestalt: arrogant, den Menschen gegenüber geringschätzig, verschwenderisch mit Schimpfwörtern und berüchtigt für seine wüsten Wutausbrüche, von denen jeder zu kosten bekommt, vom Kardinal bis hin zum Chauffeur." Vor allem aber sei Bergoglio der Wunschkandidat und Agent der korrupten, liberal-progressiven "Mafia" innerhalb der Kirche, die den Vatikan bereits erheblich unterwandert habe - und die augenscheinlich eng mit der berüchtigten innerkirchlichen "Homosexuellen-Lobby" verknüpft ist (man müßte untersuchen, in welchem Ausmaß diese für die jüngst bekannt gewordenen, zahllosen Mißbrauchsfälle verantwortlich ist). Sires detailierte Anklage liest sich wie Kriminalroman und läßt die linksglobalistische Verve des amtierenden Papstes und seinen laufenden Verrat an den Gläubigen in einem neuen, klaren Licht erscheinen. - Buch hier bestellen.

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Gutes

Dominique Venner: Das rebellische Herz, 188 S., gebunden, Halbleinen, 20 €

Am 21. Mai 2013 erschoß sich Dominique Venner vor dem Altar der Kathedrale Notre Dame de Paris, um ein Fanal gegen die Zerstörung seines "französischen und europäischen Vaterlandes" zu setzen. Damals teilte sich die rechte Szene in zwei Lager: diejenigen, die auf Anhieb verstanden, was hier vollzogen worden war, und diejenigen, die dieser Tat verständnislos und kopfschüttelnd gegenüberstanden. Letztere werden wohl auch wenig mit diesem im französischen Original 1994 erschienen Buch anfangen können, in dem Venner Rechenschaft über seine stürmische Jugend ablegt, als französischer Ernst Jünger oder Ernst von Salomon, als Soldat in Algerien, militanter Nationalist und schließlich Mitglied der berüchtigten Organisation de l'armée secrète (OAS), mithin als Parteigänger verlorener Sachen, die heute in keinem guten Ruf stehen. Venners Bericht versenkt den Leser in eine komplett entgegengesetzte Perspektive, folgt den Motiven und Antrieben, dem "Thymos" der jungen Nationalisten in ihre tiefsten Wurzeln und feinsten Verästelungen hinein. Der Kampf um Algerien erschien den jungen Streitern seiner Generation als gerechter Krieg um das "Schicksal" und die "Würde" ihrer Nation, wobei Venner im Rückblick die Tragik anerkennt, daß auch der algerische Feind um dieselbe Sache und Würde kämpfte. Gleichzeitig sahen sie sich mit einem umfassenden Verrat im eigenen Land konfrontiert. Die Dekolonisation, die Niederlage der eigenen Soldaten, die Vertreibung der "pieds noirs" wurde von linken Intellektuellen ebenso bejubelt wie vom gutmenschlich-kosmopolitischen Bürgertum; diese Schicksalsjahre leiteten den Niedergang Frankreichs und Europas ein, der inzwischen ein kritisches Stadium erreicht hat. "Ein Buch von glühender Schönheit" (Alain de Benoist), das ebensogut in der Kategorie "Schönes" Platz fände, und wie Mosebachs Buch ein Hybrid ist: Autobiographie, Dichtung, kontemplative Geschichtsschreibung, wie auch ein leidenschaftlicher Aufruf zur Rebellion im Namen der Tradition. "Die Tradition ist eine Wahl, ein Murmeln der Vergangenheit und der Zukunft. Sie sagt mir, wer ich bin. Ich bin aus dem Land, in dem man das tut, was man tun muß, weil man es sich selbst schuldig ist. Deshalb bin ich ein rebellisches Herz. Rebellisch aus Treue." (Dominique Venner). - Buch hier bestellen.

 

 

 


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (10)

MartinHimstedt
13. Dezember 2018 11:44

„Das rebellische Herz“ sprach mich nicht zuletzt aufgrund von Titel und Aufmachung sofort an. Ich habe es im Sommer zügig gelesen. Die Verpackung täuscht etwas darüber hinweg, dass man es hier mit einem relativ schwer zu lesendem Werk zu tun hat: Insbesondere dann, wenn historische Kenntnisse (noch) fehlen. Gefühlt kommen auf jeder Seite zwei Jahreszahlen vor. Es wird auch munter zwischen den Jahren hin- und her gesprungen. Dazu viele französische Begriffe (beispielsweise der diversen „Organisationen“) und historische Figuren, die man nicht kennen muss – und sich trotzdem nicht schämen braucht. Nichts für Einsteiger, trotz der gefälligen äußeren Erscheinung.

Maiordomus
13. Dezember 2018 12:56

Wo Lichtmesz formuliert, ist in der Regel der Hauptkriegsschauplatz nicht fern: geistig, politisch, religiös, immer aber mit Bezug zur Aktualität. "Keiner vermag über das junge Christentum zu sprechen, der die koptische Kirche nicht kennt." Märtyrergeschichten machen zwar wohl bei vielen hier nur bedingt Eindruck, weil in Sachen Martyrium, wozu vielfach ein gewisser Fanatismus gehört, die durchschnittliche Bereitschaft derzeit bei den Muslimen höher zu veranschlagen ist. Dabei ist ein Martyrium wie dasjenige des katholischen Altpriesters Jacques Hamel von St. Etienne de Rouvray bei Rouen (2016) wohl sogar noch als bedenkenswerter einzuschätzen als herkömmliche Blutzeugnisse; Papst Franziskus wird sich hüten, den Mann in nächster Zeit selig zu sprechen.

Für die bekannte Konstellation der Religiosen und Antireligiosen in diesem Blog hätte ich indes noch einen konstruktiven Vorschlag, welcher durchaus im Geist des oben formulierten Zitates von Mosebach betr. die nötige Kenntnis des ägyptischen Christentums erfolgt: Die Apophthegmata Patrum, bekannt auch als "Weisung der Väter", die Urquellen zu den ägyptischen Einsiedlern der vorislamischen Zeit. Für mich ein Buch von unsäglich höherem ethischen, philosophischen, religiösen und erzählerischem Gehalt als zum Beispiel der Koran und wohl auch einige als esoterisch oder gar paranoid anmutende Teile der Bibel; die "Weisung der Väter" bildet die Basis des morgenländischen und abendländischen asketischen und mystischen Lebens, u.a. gaben sie Modelle her für den seinerseits erschreckend anmutenden Isenheimer Altar. Es bleibt aber dabei, dass "Die Weisung der Väter" über die Apokryphen und die Aufzeichnungen von "Pseudo"-Dionysios Areopagita hinaus, auch über Augustinus hinaus, ein massgebender weisheitsfördernder Text der christlichen Spätantike ist, für den heutigen Leser wohl geniessbarer als jeder sogenannte Kirchenvater. Vor 32 Jahren machte mich Elias Canetti auf dieses Buch, das er von christlicher Literatur am meisten schätzte, aufmerksam, und ich bin ihm heute noch dankbar dafür.

Dieses ägyptisch-christliche antike Geistesleben wurde jedoch durch den Islam ausgerottet, lebt aber hauptsächlich durch dieses Buch weiter, welches mit dem Vorteil, als Bibel der Weltabgeschiedenheit geschrieben zu sein, kein aber auch gar kein politisches System rechtfertigen oder gar legitimieren muss. Von einer vertieften Kenntnis des Christentums, etwa wenn man dasselbe mit dem Buddhismus vergleichen will, kann ohne regelmässige Lektüre dieses massgeblichen Werkes ägyptisch-christlicher Geistigkeit kaum die Rede sein.

Was beim Buch von Altmalteser Henry Sire über Franziskus, den Jesuitenpapst, betreffend seine Charaktereigenschaften referiert wird, überrascht einige vielleicht insofern, als der Argentinier erfrischenderweise nicht den Vorstellungen entspricht, die man sich von einem "Gutmenschen" machen müsste. Kommt dazu, dass er sich bereits in seinem ersten Amtsjahr öffentlich über die genannte Schwulenlobby lustig gemacht hat, ein Tabubruch. Was es aber mit diesen homosexuellen Vernetzungen wirklich für eine Bewandtnis habe, dafür fehlt uns bis auf weiteres der Durchblick. Bemerkenswert bleiben Auslassungen des Papstes über die Abtreibung, welche in der Schweiz 6 erboste Linkskatholikinnen, darunter feministische Theologinnen und die ehemalige Chefredaktorin des religiös-sozialistischen Magazins "Neue Wege", kürzlich zum Kirchenaustritt veranlassten.

Als katholischer Autor bleibt Mosebach ein Aussenseiter seines Lagers, ein Querschläger, weil das, was in seinem Buch steht, für den angeblich friedensfördernden Dialog der Weltreligionen nicht zu instrumentalisieren ist. Der massgebende und angesehenste Autor in dieser Richtung ist der Tübinger Theologe und Literaturwissenschaftler Karl-Josef Kuschel, dessen neuestes durchaus informatives Buch "Die Bibel im Koran" vielleicht, in theologisch-exegetischer Hinsicht (nicht gerade die Stärke von Thilo S.), zu dessen islamkritischer Neuerscheinung vielleicht dazugenommen werden muss. Wenig bekannt ist, das erlaube ich mir noch als Seitenhieb an Papst Franziskus zu ergänzen, dass die berüchtigte Forderung in der Regel von Jesuitengründer St. Ignatius von Loyola, der "Kadavergehorsam" gegenüber dem Papst, offenbar als Bildvergleich einer muslimischen Quelle, dem "Livre de ses appuis", von Scheich Si-Snoussi, entnommen ist: "Gehorche deinem Scheich... Du wirst unter den Händen deines Scheichs gleich einem Leichnam in der Hand des Totenwächters sein." Insofern gibt es zwischen Katholizismus und Islam eine nicht unbedeutende, in einem gegenaufklärerischen Sinn zivilisationskritische "Oekumene". Diesen polemischen Vergleich, dem wohl noch quellenkritisch nachgegangen werden muss, liess sich Alfred Rosenberg in seinem Pamphlet "Der Mythos des 20. Jahrhunderts" (45, Auflage 1935, S. 176) , einer radikalen, Karl Heinz Deschner vorwegnehmenden Abrechnung mit dem Christentum, auf antisemitischer Basis, nicht nehmen.

Kierkegaard
14. Dezember 2018 10:34

Wer ist Christ? Der, welcher Christus als Herrn und Erlöser bekennt, die Bibel als Wort Gottes sieht und versucht, nach dieser zu leben, wie Vox Day treffend bemerkte.

Wie kann man zudem den christlichen Märtyrer mit dem moslemischen vergleichen? Wo ähneln sich diese bitte?

ML: Und das hat nun genau wer gemacht?

Heinrich Loewe
14. Dezember 2018 11:50

Es freut mich ganz außerordentlich, daß Meister Lichtmesz, dem der Antaios-Verlag mein ganz persönliches Kronjuwel verdankt, hier „christliche Literatur“ empfiehlt. Europa wird keine Zukunft haben ohne eine Benedikt-Option, eine wie immer geartete Neu-Evangilisierung und somit eine radikale Abkehr vom Liberalismus.
@Maiordomus
Zu erwähnen wären bei der Väter-Literatur auch insbesondere die Collationes Patrum von Johannes Cassian, sowie auch die Schriften des Evagrius. Was für eine feine Wahrnehmung bzw. subtiles Verständnis der menschlichen Seele die Wüstenväter schon hatten… Inclusive "Reinigungsübungen". Da ist durch die moderne Psychologie eigentlich nichts Wesentliches hinzugekommen.

Wahrheitssucher
14. Dezember 2018 13:26

Die einzigen Buch-Empfehlungen bisher, die etwas taugten:
Spricht für den Empfehler...

Maiordomus
14. Dezember 2018 18:03

Es sind in der Tat ansprechende Buchempfehlungen. Den Vorwurf von @Kierkegaard muss Lichtmesz tatsächlich nicht einstecken; dabei möchte ich unbedingt das terroristische Martyrium auf keinen Fall mit dem Martyrium des Opfers verwechselt haben. Wahr ist indessen, dass vor dem Martyrium generell eher gewarnt werden müsste. Es darf auf keinen Fall gesucht werden. Aber selbstverständlich hat jede Religion und jede Ideologie ihre Märtyrer, man sollte dies nicht auf das Christentum beschränken.

Nath
14. Dezember 2018 20:27

@Kierkegaard
Sie ähneln sich insofern, als beide, wo sie nicht das Marytyrium ausdrücklich s u c h e n, es doch, wie manche frühchristliche Beispiele und natürlich erst recht das islamische Gotteskämpfertum bezeugen, als wünschenswert und als besondere Auszeichnung erachten. Freilich ist auch der Unterschied nicht zu unterschlagen: Das islamische Märtyrertum ist agressiv und martialisch, schließt ausdrücklich die Tötung der ungläubigen Feinde mit ein, während das christliche Märtyrerideal passiv-erduldend ist und sich auf das eigene Leiden für Christus bezieht.
Grundsätzlich lassen sich, vielleicht mit Ausnahme des Taoismus, in allen Religionen historische Beispiele für Märtyrertum finden, wenn auch die Definitionen und theologischen/philosophischen Begründungen dafür unterschiedlich sind. Zumeist gilt: Je größer die Betonung des affektiven Aspekts in einer Religion, je mehr bei ihr das pathos in den Vordergrund tritt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, Fälle praktizierten Märtyrertums anzutreffen. (Zeugnis für die Glaubensstärke ablegen.) Allerdings kann zuweilen auch das umgekehrte Phänomen auftreten: der Grad an Gelassenheit, Einsicht und von Empfindungen ungetrübter Gemütsklarheit wird durch das Erdulden körperlicher Qualen auf die Probe gestellt, was mehr dem stoischen oder buddhistischen Ideal entspricht.

Kierkegaard
15. Dezember 2018 07:25

Noch zu Mosebach. In einem scheußlichen Interview mit dem nicht weniger scheußlichen Navid Kermani (oder wie er heißt), mit dem er, weiß der Geier warum, befreundet ist, hat er behauptet, Moslems und Christen beteten zum selben Gott. Das kann ja schon deshalb nicht sein, weil Christus Gott ist, und der Koran das leugnet, damit eine Häresie darstellt. Und Hilaire Belloc hat ja auch in seinem Buch "The Great Heresies" den Islam, den er Mohammedanismus nennt, unter die Häresien gerechnet. Es würde wohl die Freundschaft gefährden ... Apostelgeschichte 5:29.

In Irland gab es wohl einen katholischen Priester, der von Allah als Moloch oder Baal sprach, und wir nicht zum selben beteten. Man fragt sich auch, wozu überhaupt die Mission? Und warum werden Christen im Orient enthauptet und brutal geschlachtet? Wie können dann noch Taufe und Abendmahl Sinn ergeben? Das Blut trinken und Fleisch essen eines bloßen Menschen? Auf einen Menschen taufen? Wie C. S. Lewis sinngemäß schreibt (im Klassiker "Mere Christianity"): ist Jesus nicht Gott, dann ist er eigentlich ein Irrer, ein Wahnsinniger, gemessen daran, was er sagt.

Das ist also Quatsch. Auch wollte Mosebach hinsichtlich der vielen Moslems im Land das Blasphemiegesetz wieder einführen. Aber das ist doch eigentlich Unsinn, da doch der Moslem ständig dieses verletzen würde, schließlich macht ja sein "heiliges" Buch aus Christus und seinen Aposteln und Evangelisten Lügner. (Das gilt allerdings auch fürs Judentum, dort ist der Hass auf Christus sogar noch größer.) Ohne Jesus als Christus ist der Glaube jedenfalls hinfällig (1 Kor. 15).

Mosebach nennt Luther ironischerweise einen Häretiker, doch in seinem Sermon zur "Vermahnung zum Gebet wider den Türken" hat Luther genau das am Islam angeführt (und auch an den Juden). Immerhin war Luthers Glaube an Christus echt, und lebte in Furcht und Zittern, was nicht von vielen gesagt werden kann.

Hieran darf nicht gerüttelt werden, das geht auch nicht, da ich mir sonst den Hals aufschneiden müßte (die Konsequenz des Atheismus hat Philipp Mainländer am brillantesten und ehrlichsten gezogen). Und es war ja unser Glaube in Europa für gute 1500 Jahre.

Um wieder Vox Day zu zitieren: Entweder der Westen wird wieder christlich, oder wir werden von Dämonen regiert werden. Einen Plan B gibt es nicht.

Wie der große Kolombianer und Katholik, den Mosebach ja mindestens zweimal besuchte, schrieb:

"An Gott glauben, auf Christus vertrauen und -- mit Argwohn um sich schauen." -- Nicolás Gómez Dávila

Andrenio
15. Dezember 2018 09:07

Hatte alle Bücher schon gelesen und kann mich der Empfehlung nur anschließen.

Martin sei Dank auch für eine hier nicht aufgeführte, in einem Gespräch mit Martin Sellner aber erwähnte Empfehlung: Hanns Sassmann „Das Reich der Träumer“.
Ich lese diese Geschichte der Österreicher gerade mit zunehmendem Genuss.

Maiordomus
15. Dezember 2018 17:31

Kierkegaard. Was Sie schreiben über die oberflächliche Behauptung, sie "beten zum selben Gott" scheint mir völlig zutreffend zu sein. So formulierte etwa Klaus von Flüe " Ihr sollt das Leiden Gottes (Jesu) alle Zeit in euren Herzen tragen, denn es ist des Menschen höchster Trost an seinem letzten Ende". Allah kann nicht leiden. Wenn von Flüe und andere Mystiker (zwar nicht Eckhart) Gott sagten, meinten sie fast immer Jesus (zumal in den Schriften von Seuse), wiewohl auch nach Eckhart die Vereinigung der Seele mit Gott ohne den jesuanischen Bezug nicht denkbar ist; für den Muslim ohnehin undenkbar, da können auch die mystischen Schulen einander nicht treffen.

Sie sprechen eine Thematik an, welcher der von mir genannte katholische Theologe Kuschel dem sogenannten Dialog der Weltreligionen zuliebe konsequent aussen vor lässt. Die Bibel ist zwar ein partieller Erklärungsfaktor des Koran, aber nun mal nicht umgekehrt. Vielleicht erklären Sie mal, warum Sie das Pseudonym Kierkegaard gewählt haben. Selber lese ich dieses Wochenende anstelle eines Gottesdienstes das Buch "Der Römerbrief", 2. Fassung von 1922, von Karl Barth. Dies schliesst nicht aus, dass ich mindestens einen Titel der oben von Lichtmesz empfohlenen Bücher bestellen werde.