“Anständiger Punk” – ein Dokument

Dieser Gastbeitrag von Heino Bosselmann sollte zunächst bei den Kollegen vom Blättchen erscheinen.

Die mitt­ler­wei­le als Online-Zeit­schrift fir­mie­ren­de, indi­rek­te Nach­fol­ge­rin der links­in­tel­lek­tu­el­len Welt­büh­ne war Bos­sel­manns publi­zis­ti­sche Hei­mat, seit er 2013 die Sezes­si­on ver­las­sen hatte.

Zuvor hat­te sich Bos­sel­mann an ver­schie­de­nen Pro­jek­ten ver­sucht – etwa einen Lyrik­ver­lag gegrün­det und unter Pseud­onym für die Links­par­tei-nahe Tages­zei­tung neu­es deutsch­land geschrie­ben.

Der an den Ver­hält­nis­sen lei­den­de Kul­tur­kri­ti­ker und poli­ti­sche Grenz­gän­ger ist genau dies bis heu­te geblie­ben: ein Autor jen­seits der Schub­la­den – nur daß »links« der Mit­te gra­du­el­le oder gar sub­stan­ti­el­le Abwei­chun­gen längst mit dem Aus­schluß beant­wor­tet wer­den, wäh­rend sie »rechts« mit der einer plu­ra­len Debat­te ange­mes­se­nen Neu­gier­de beob­ach­tet werden. 

Nicht zuletzt aus die­sem Grund folgt nun Bos­sel­manns »Anstän­di­ger Punk« zur Dokumentation. 

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Eine The­se vor­weg: Die Übun­gen und Ritua­li­sie­run­gen sowie die immer glei­chen For­meln zur fort­wäh­ren­den „Bewäl­ti­gung der Ver­gan­gen­heit“, ins­be­son­de­re jener des Natio­nal­so­zia­lis­mus, mögen einen Auf­stieg der Rech­ten eher her­auf­be­schwö­ren, als dass dies ver­hin­dert würde.

Die bestän­dig beschwo­re­nen Tabus schei­nen in der Wei­se einer neu­ro­ti­schen Reak­ti­on auf das hin­zu­deu­ten, was eben ver­än­dert wer­den wird, obwohl man täg­lich betont, genau dies dür­fe nicht gesche­hen. Was man sich als unhin­ter­geh­bar vehe­ment ver­spricht, wird es nicht gera­de wegen der per­ma­nen­ten Beschwö­run­gen hintergangen?

Falls eine „Bewäl­ti­gung der Ver­gan­gen­heit“ über­haupt je mög­lich war oder ist, kann dies sicher nicht in erstarr­ten Lit­ur­gien gesche­hen. Aller­dings geschieht es genau so. Ver­mut­lich ist das, wenn man es schon wünscht, kaum anders mög­lich, inso­fern Erin­ne­run­gen, eben­so aber fun­dier­te geschicht­li­che Kennt­nis­se wegbrechen.

Zeit­zeu­gen ster­ben lei­der, wäh­rend die Schu­le zwar auf poli­ti­sche Kam­pa­gnen, aber zu wenig auf ein über­grei­fen­de Zusam­men­hän­ge auf­zei­gen­des Geschichts­bild setzt. Sie betreibt all­zu oft wie­der poli­tisch kor­rek­ten Staatsbürgerkundeunterricht.

Man fra­ge bei guter Gele­gen­heit Her­an­wach­sen­de etwa danach, was denn Juden eigent­lich sei­en, was deren Schick­sal aus­ma­che und wie sich Schü­ler, gar Abitu­ri­en­ten Kon­flik­te erklä­ren, in denen der Staat Isra­el bis­lang cou­ra­giert und streit­bar besteht.

Oder man suche das Gespräch dar­über, was Zuschrei­bun­gen wie „rechts“ und „links“ nun genau aus­sa­gen, wer genau „die Nazis“ gewe­sen sei­en und vor wel­chem Hin­ter­grund sie die deut­sche Geschich­te mit Gräu­el und Schuld belu­den. Im Gegen­satz zu dem, was die Funk­tio­nä­re für poli­ti­sche Bil­dung sich dies­be­züg­lich erwar­ten, wird man wenig Sub­stan­ti­el­les, aber, wenn über­haupt, eine Men­ge Unkla­res und Emo­tio­na­les hören.

Ein Pro­blem dabei: Es geht – nicht nur in der Schu­le – wie­der mal viel mehr um Bekennt­nis­se als um Erkennt­nis­se. Bekennt­nis­se wer­den von Auto­ri­tä­ten ein­ge­for­dert, Erkennt­nis­se in gut abzu­si­chern­der und ernst­haf­ter Lern­ar­beit und durch gründ­li­ches Stu­di­um errungen.

Dies allein ermög­licht genaue Posi­tio­nie­run­gen und so qua­li­fi­zier­te wie dif­fe­ren­zier­te Urtei­le. Gegen­wär­tig wird zu viel geur­teilt bei zu wenig Kennt­nis. Gym­na­si­as­ten wis­sen gegen­wär­tig eher, was der Leh­rer hören will, als dass sie dar­zu­stel­len ver­stün­den, wie es sich damit nun geschicht­lich und gar phi­lo­so­phisch genau verhält.

Eben­so wie im DDR-Bil­dungs­sys­tem reicht es für die sehr gute Note meist aus, poli­tisch Ange­pass­tes zu for­mu­lie­ren. Glau­ben ist nicht Wis­sen, aber Bekennt­nis­se fal­len leich­ter als Erkenntnisse.

Wer ist eigent­lich der „auf­rech­te Demo­krat“, von dem immer­fort die Rede ist, wer und was ist „welt­of­fen“, „tole­rant“, „soli­da­risch“? Auch dies­be­züg­lich geht es eher um gedan­ken­ar­me Zustim­mung als um eine bewuss­te Leis­tung im Sin­ne eines ver­nünf­tig geprüf­ten guten Handelns.

Wer „gegen rechts“ ist, weiß hin­ter sich „die Mit­te“, „die Anstän­di­gen“, die gesam­te Exe­ku­ti­ve, Judi­ka­ti­ve und den aller­größ­ten Teil der Legis­la­ti­ve ver­sam­melt, abge­se­hen von der mit viel Thea­ter geschmäh­ten AfD-Fraktion.

Was gibt es da noch für einen Mut zu bewei­sen, wenn von der Anti­fa bis Frau Mer­kel und Herrn See­ho­fer alle „gegen Rechts“ Front machen und all­zu infan­til beto­nen „Wir sind mehr!“? Nein, dazu bedarf es eben kei­nes Mutes!

Dass sie von den fei­gen Schlä­gern und Inter­net-Denun­zi­an­ten der Anti­fa bis hin zur CSU wie­der mal in einer Ein­heits­front ver­sam­melt ist, irri­tiert nament­lich die Lin­ke. Sie woll­te zwar nie ihren Frie­den mit dem Kapi­ta­lis­mus machen, tat es aber nun doch, indem sie ihn als Demo­kra­tie hoch­hält, selbst ganz gern gut ver­dient, schön shop­pen geht und dabei ahnt, dass die­se Demo­kra­tie nichts ande­res ist als der simp­le Uti­li­ta­ris­mus einer auf Kos­ten glo­ba­li­sier­ter Aus­beu­tung recht gut funk­tio­nie­ren­den Versorgungsgemeinschaft.

Weil man von die­ser schi­cke Form der Aus­beu­tung von Men­schen und Res­sour­cen zum Nut­ze des eige­nen Hedo­nis­mus völ­lig kor­rum­piert ist und nun glück­li­cher­wei­se kei­ne anstren­gen­de oder gar opfer­rei­che Revo­lu­ti­on mehr nötig hat, bedarf es umso mehr der Legen­de, ganz akut von Nazis bedroht zu sein, damit der eige­nen feis­ten Daseins­be­quem­lich­keit doch noch eine heroi­sche Wei­he und die Attri­bu­te des Kamp­fes zukommen.

Dazu scheint es mitt­ler­wei­le aus­zu­rei­chen, wenn man vor der Büh­ne von „Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let“ zu Mon­chis Auf­trit­ten abzap­pelt. Das ist dann ja wohl „gegen Rechts“. Wie armselig!

Eine rand­stän­di­ge vor­pom­mer­sche Com­bo von musi­ka­lisch dilet­tie­ren­den Möch­te­gern-Punks, die nicht mal in der Punk-Sze­ne eine ech­te Num­mer ist, weil sich Punks nach urei­gens­tem Selbst­ver­ständ­nis nun mal nicht staat­lich ver­ein­nah­men und pro­pa­gan­dis­tisch vor den Kar­ren span­nen und poli­tisch aus­schlach­ten las­sen, wird zum Sym­bol des selbst­er­klärt auf­rech­ten, welt­of­fe­nen, tole­ran­ten und mit der Welt soli­da­ri­schen Demo­kra­ten, mit­hin zum Kult­ob­jekt des Neu-Bour­geois‘, der sich für eine Kon­zert­län­ge mal als revo­luz­zen­der Citoy­en gerie­ren darf – mög­lichst vor der Kulis­se sol­cher Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen wie dem Bau­haus Des­sau, das sich zur Recht gegen sei­ne Ver­ein­nah­mung wehr­te, wodurch es sich sofort und unwei­ger­lich des Vor­wur­fes aus­ge­setzt sah, „gegen Rechts ein­ge­knickt“ zu sein.

Sogleich erbot sich das GEZ-finan­zier­te ZDF, den Auf­tritt der Gröl­fat­ze ganz groß auf­zu­zie­hen und zu mode­rie­ren, was dann sogar auf 3sat aus­ge­strahlt wur­de, mit­hin über einen Sen­der, der mal als Adres­se hohen kul­tu­rel­len Anspruchs­ni­veaus gel­ten konnte.

Statt  Opern- oder Thea­ter-Abfil­mun­gen, statt intel­lek­tu­el­ler Essay­is­tik jetzt also „Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let“. Mit Mon­chi. Weil das ja Zei­chen setzt. Gegen Rechts! Klar. Weil die sich sonst eben schlecht set­zen las­sen. Mehr braucht Hal­tung gera­de nicht. Des­we­gen machen recht bequem recht vie­le mit.

Und das soll Cou­ra­ge sein? Was ris­kiert man denn? Über­haupt nichts. Man ris­kiert aber bereits etwas, wenn man nur dar­über nach­denkt und Vor­be­hal­te äußert. Das „Mär­chen von des Kai­sers neu­en Klei­dern“ ist wirk­lich ein Mythos, der nicht zuletzt für Lebens­lü­gen im Poli­ti­schen ste­hen mag.

Wir lau­fen auf der kai­ser­li­chen Pro­zes­si­on gegen Rechts dem Moment ent­ge­gen, an dem das Kind laut aus­spricht, dass der Kai­ser doch gar nichts an hat, dass er nackt ist.

Die­ser Augen­blick ist frei­lich scho­ckie­rend, aber ermög­licht die ent­kramp­fen­de Erlö­sung und die Ori­en­tie­rung auf das, was wirk­lich gebo­ten ist, etwa die intel­li­gen­te Kri­tik poli­ti­schen Zei­chen- und Sprachgebrauchs.

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Kommentare (15)

Andreas Walter

14. Januar 2019 10:35

Bis auf einen Satz ein klasse Beitrag.

RMH

14. Januar 2019 10:45

In aller Kürze:

1.
Ich begrüße es sehr, dass hier wieder einmal ein Text von Herrn Bosselmann erscheint. Ich würde mich über mehr von ihm sehr freuen und denke, ganz so humorlos und Selbstironiebefreit geht es hier dann doch nicht zu - gut, es gibt so ein paar Themen ... ;) :)

2.
"weil sich Punks nach ureigenstem Selbstverständnis nun mal nicht staatlich vereinnahmen und propagandistisch vor den Karren spannen und politisch ausschlachten lassen,"

100% Zustimmung, auch die "böhsen Onkelz" sahen sich eigentlich als Punkband an und waren auch eine solche, bis sie dann zum Symbol des "Böhsen" und in seltsame Schubladen namens "Oi" oder "Deutschrock" gesteckt wurden (und damit natürlich prächtig verdienen).

3.
Courage kann man m.M.n. nicht alleine durch das damit verbundene Eingehen eines wie auch immer gearteten "Risikos" definieren, aber es ist eine richtige Beobachtung, dass das Fehlen jeglichen Risikos, ein starkes Indiz dafür ist, dass das gezeigte Verhalten, die geäußerte Meinung eben gerade nicht couragiert ist.

Der_Juergen

14. Januar 2019 11:01

Sofern sich Heino Bosselmann weiterhin als "Linker" versteht, ist er der seltene Fall eines Linken, mit dem man vernünftig diskutieren kann. Was er schreibt, mag zwar nicht sonderlich neu sein, ist aber dennoch eine recht prägnante Zusammenfassung des geistigen Elends, in dem Deutschland steckt. Leider zeigen einige Sätze, dass auch er noch in den propagandistischen Klischees der offiziellen Ideologie verhaftet ist.

Gustav Grambauer

14. Januar 2019 11:30

Habe neulich schon darauf verwiesen, leider nur kostenpflichtig lesbar, aber das Heft liegt zur Feindaufklärung an den Kiosken:

http://www.melodieundrhythmus.com/mr-1-2019/rocken-fuer-die-staatsraeson/

---

Herr Bosselmann, Sie schreiben: "Falls eine 'Bewältigung der Vergangenheit' überhaupt je möglich war oder ist, kann dies sicher nicht in erstarrten Liturgien geschehen."
...

"Weil man von dieser schicken Form der Ausbeutung von Menschen und Ressourcen zum Nutze des eigenen Hedonismus völlig korrumpiert ist und nun glücklicherweise keine anstrengende oder gar opferreiche Revolution mehr nötig hat, bedarf es umso mehr der Legende, ganz akut von Nazis bedroht zu sein, damit der eigenen feisten Daseinsbequemlichkeit doch noch eine heroische Weihe und die Attribute des Kampfes zukommen."

Nein, das ist zu oberflächlich betrachtet, das geht viel, viel tiefer herunter - falls wir uns einig sind, daß 60 bis 70 % der Deutschen wissentlich oder unwissentlich zur sozialistischen Ideologie neigen und mindestens ebensoviele Deutsche heute Liebknecht und Luxemburg mehr oder weniger stark verehren - und weil sich morgen der 15. Januar 1919 zum hundertsten Male jährt und das Blättchen sehr stark in der Tradition des auf ihn aufbauenden Kultes steht:

Das uns 1992 oder 1993 elektrisierende Interview Alexander Kluges mit Heiner Müller bei Spiegel TV zu seinem Lebensrésumé "Erinnerungen an einen Staat", in dem Müller den Sozialismus als "Ausdrucksform der Nekrophilie" bzw. als "aufdoktriniertem Totenkult" charakterisiert und wobei er den "Die-Toten-Mahnen-Uns"-Granit auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde als den Nekro-Zentraltempel ansieht, finde ich nicht, aber - wozu gibt`s Google - hier eine Zusammenfassung mit zusätzlichen köstlichen Betrachtungen zum Sexus (auf die man aber auch ohne Gender- und Kommunikationskarriere käme):

http://www.polar-zeitschrift.de/polar_10.php?id=479

Angesichts der ebensostarken Sympathien der Deutschen für den Islam möchte ich auch das islamaffine Element dieses Nekro-Kultes noch betonen: die Pilger auf ihrer Hadsch

https://www.youtube.com/watch?v=ra391wtekv0

umkreisen den Stein wie die Kaaba, sogar in der korrekten Drehrichtung, genau wie in Mekka einmal im Jahr an der Tagen ihrer "Propheten" Liebknecht & Luxemburg.

Steiner sagt zum Islam: "Es gibt nur einen Gott, Allah, und nichts, was neben ihm ist, und Mohammed ist sein Prophet. – Von diesem Gesichtspunkt aus ist die mohammedanische Lehre die stärkste Polarität zum Christentum, denn sie hat den Willen zum Beseitigen aller Freiheit für alle Zukunft, den Willen zum Determinismus, wie es nicht anders sein kann, wenn man die Welt nur im Sinne des Vatergottes vorstellt.Und der Apokalyptiker empfindet: Da kann der Mensch sich nicht selber finden. Da kann der Mensch nicht durchchristet werden." - GA 365 (1996), Seite 108

In diesem Furor der Ausrottung jedweder Freiheit amalgamieren Islam und Sozialismus. Hier die dies offenlegenden, gegenüber dem Christentum rotzfrechen letzten öffentlichen Worte von Karl Liebknecht vor seinem Tode (die Großschreibung der beiden unmißverständlichen Worte zur Hervorhebung der satanisch-deterministischen Machination von mir):

"Noch ist der Golgathaweg der deutschen Arbeiterklasse nicht beendet -­ aber der Tag der Erlösung naht. Der Tag des Gerichts für die Ebert-Scheidemann-Noske und für die kapitalistischen Machthaber, die sich noch heute hinter ihnen verstecken. Himmelhoch schlagen die Wogen der Ereignisse . Wir sind es gewohnt, vom Gipfel in die Tiefe geschleudert zu werden. Aber unser Schiff zieht seinen geraden Kurs fest und stolz dahin bis zum Ziel.

Und ob wir dann noch leben werden, wenn es erreicht wird ­- leben wird unser PROGRAMM; es wird die Welt der erlösten Menschheit BEHERRSCHEN. Trotz alledem! - Liebknecht, in : Die Rote Fahne, 15. Januar 1919

... und dieses Beherrschtwerden ist der Kerker, in dem so viele drinsitzen und es nicht mal bemerken. Die meisten würden die Farce nicht mal beim Lesen dieser ungeheurlichen Worte bemerken!

- G. G.

Hesperiolus

14. Januar 2019 12:36

Dem komparativen "eher" zwischen Nationalsozialismus und Rechter in der Vorwegthese sei widersprochen.
Der 13. und 14. Absatz des Textes zur Linken trifft es aber.
Eine beispielhaft bourgeoise Kosmopolitin irgendwo zwischen Blankenese und der Provence, eine Weizsäcker-Adeptin wie Karin Prien meint zeitgleich, "kritische Kunst" wie jene von Feine Sahne Fischfilet vor einer "Verrohung der öffentlichen Debatte" in Schutz nehmen zu müssen, ausgerechnet. Den ihr in anderem Zusammenhang gemachten Vorwurf der "Food-Pornographie" bestätigt sie damit buchstäblich.
http://www.taz.de/CDU-Politikerin-ueber-linke-Punkband/!5564703/

heinrichbrueck

14. Januar 2019 12:46

Der Verstand muß zuerst erkennen, bevor der Wille in Aktion treten kann. Bekenntnisse steuern den Willen, als Voraussetzung und Durchführungsplan. Dadurch die geistige Demontage eines Volkes den Überwindungswillen handlungsgelähmt hält.
Wählten 80 % der Leute den Selbstmord, man würde es nicht Demokratie nennen. Gegen die eigenen Interessen zu wählen, es ist erlaubt. Also ein langfristig zu begehender Selbstmord, wird Demokratie genannt.
Kann eine Demokratie jemals so funktionieren, wie man es sich vorstellt?

Stil-Bluete

14. Januar 2019 12:53

Ihnen, Herr Bosselmann auf dieser Seite wieder zu begegnen, ist eine schöne Überraschung. Glückwunsch zu diesem Schritt in beide Richtungen, dem Absender und der Schaltstelle. Alls Empfänger freue mich über Ihre Gegenwärtigkeit.

Singularität, Eimaligkeit der Erinnerung gilt, für jeden einsichtig, der eigenen Person. Darüber hinaus kann das sog. kollektive Gedächtnis gemeinsam Erlebtes nur in überschaubaren Gruppen (Klasse, Kompanie, Freundeskreis, Brigade, Widerstandsgruppe, Verwandtschaft) in Form von Briefen, Fotos, Tagebüchern, Anekdoten am Familientisch, Überlieferung wahr-genommen werden.

Der jüdische Nobelpreisträger Elias Canetti hat der Versuchung widerstanden, das Totalitäre allein als Phänomene bolschewistischer /kommunistischer sowie nationalsozialistischer/faschistischer Herrschaftssysteme zu identifizieren. In 'Masse und Macht' geht er weit zurück und vor allem weit darüber hinaus, was eine Analyse der Vergangenheit, eine sog. objektive Vergangenheitsbewältigung sein könnte - Zuordnung in (Arche-)Typen.

Er hat C. G. Jungs Archetypen, die er in allen Gesellschaftsformationen von Anbeginn der menschlichen Existenz ausmachen konnte, prinzipiell weiterentwickelt.
- Masse, auch als (Natur-)Geister, Gespenster, Engel Segen oder Bedrohung massenhaft in Stammeskulturen, Religionen
- die Symbole der geordneten einheitlichen Masse als Fahnen, Wind, Korn, militärische Formation
- die Horde, Meute, Bande
- die Vermehrung als Machtanspruch: Berge von Leichen, Schätze, Menschen, Abfall, Sklaven - wir erleben es gerade mit dem Schnee -
- der Befehl, der fundamentale Auftrag, die Verlängerung im Speer, im Gewehr - als 'Stachel' - heute würde man 'Trauma sagen'-, loswerden will, indem man ihn, im Moment gerade mit den Messern, weitergibt.

Bekenntnis: Das Höchste - am besten nur einmal im Leben.
erkennen: schönster Beleg in der Bibel über Mann&Frau: 'Und sie erkannten sich'
Erkenntnisse: geistige und körperliche Arbeit
Kenntnis haben: von einer Sache ist mehr als etwas/viel kennen
Kenntnisse: lehren, lernen

@ Andreas Walter
Welcher Satz ist das?

W. Wagner

14. Januar 2019 14:00

Hervorragend!!!! Sollte auch in die Druckausgabe, damit der Text nicht verschwindet!
Passend dazu empfehle ich die Bücher von Renzo De Felice, findet man schon für Groschen, vor allem sein Interview zum Faschismus.

Nemo Obligatur

14. Januar 2019 20:19

Ein echter Bosselmann sozusagen. Habe ich immer gerne gelesen. Links oder rechts ist ja in vielen Fällen der Lebensführung egal und eigentlich nur in einem bestimmten politischen Kontext von Bedeutung. Man könnte auch sagen: Die Gesäßgeographie ersetzt nicht echte Haltung, Anstand oder Takt, ja nicht einmal Geschmack.

Waldgaenger aus Schwaben

14. Januar 2019 20:44

Es fehlt an Jugend.
Hätten wir junge Männer, die ihren Platz und damit Weibchen erkämpfen müssen indem sie alte Silberrücken verdrängen , wären sie heute der Rebellion wegen rechts.

Aber für zwei Alte, die wegsterben steht ein Junger bereit. Warum also sich nicht angepasst geben und warten bis ein Platz frei wird?

Andreas Walter

14. Januar 2019 23:30

@Stil-Bluete

"Dass sie von den feigen Schlägern und Internet-Denunzianten der Antifa bis hin zur CSU wieder mal in einer Einheitsfront versammelt ist, irritiert namentlich die Linke."

Diesen Satz halte ich für unwahr, beziehungsweise falsch. Die Linke ist ebenso ein Teil dieser Einheitsfront und das waren sie schon immer. Der Grund dafür ist auch schnell erklärt. Grenzen sind sowohl den Kapitalisten wie auch Marxisten ein Dorn im Auge. Patrioten, Nationalisten und "Nazis" wollen dagegen Grenzen, vor allem aber Eingangskontrolle und Unabhängigkeit (Souveränität).

Diese Dreiteilung spiegelt sich sogar (Zufall?) in den drei klassischen Produktionsfaktoren wider: Arbeit, Boden, Kapital.

Der Boden aber (und seine Rohstoffe) lässt sich nicht beliebig vermehren, Arbeiter und das (Finanz)-"Kapital" sind dagegen in den letzten Jahrzehnten förmlich explodiert.

Beide Probleme (Ungleichgewichte) lösen sich aber von selbst. Das Eine durch Inflation, das Andere durch den Tod - Chaos, Hunger, Mord und Totschlag, Krieg, Massenmord, Seuchen.

Einziger Ausweg: Kernfusion, da E=mc2 (weil m ganz viel E ist, vereinfacht ausgedrückt).

Veganismus, Selbstmord oder realer Marxismus (also totalitär) sind dagegen keine Problemlöser, sondern verschaffen höchstens einen Zeitgewinn. Wobei alleine auch schon eine Preiserhöhung der Energie (Produktionsaufwand) zu den gleichen Problemen führt, nur dann eben nicht im selben Ausmaß wie bei Totalausfall. Einen kurzen Vorgeschmack darauf gab es in der Dritten Welt und auch in Schwellenländern bereits 2008, und derzeit in Frankreich.

larus

15. Januar 2019 12:18

Nur für die Registratur - in der aktuellen Ausgabe besagten "Blättchens" fand sich auch dies: https://das-blaettchen.de/2019/01/mastermind-kubitschek-46809.html

Stil-Bluete

15. Januar 2019 12:52

@ Andreas Walter

'Dass sie von den feigen Schlägern und Internet-Denunzianten der Antifa bis hin zur CSU wieder mal in einer Einheitsfront versammelt ist, irritiert namentlich die Linke."

Das ist kein Zitat von mir. Bitte richtigstellen. Danke.

Stil-Bluete

15. Januar 2019 13:01

@ Andreas Walter

Danke für den 'Satz' auf Grund meiner Anfrage vom 14. 1. 12:53.

(Da der Bezug zu Herrn Bosselmann auf Grund unzureichender Kommentarfunktionen kaum herzustellen ist, könnte man bei Ihrer Antwort leider darauf kommen, daß ich den Satz geschrieben hätte.)

Sara Tempel

15. Januar 2019 16:06

Ich freue mich hier wieder etwas von Ihnen zu lesen, Herr Bosselmann! - Wundert es Sie, daß unter unserem Merkel-Regime Schüler mit systemkonformen Bekenntnissen erzogen werden? Wie lange könnten die linken Pokitiker mit manipulativen Lügen, verbreitet durch Staatssender und Mainstreampresse, die Wahlen noch lenken, wenn unsere Kinder lernten ihren eigenen Verstand zu benutzen? Wer möchte schon, daß wir, Deutschen, Erkenntnisse aus unserer Geschichte gewinnen?