5. März 2019

Filmkritik und Ideologie

Martin Lichtmesz / 19 Kommentare

"Hollywood taucht in die Ideologie ab", schrieb Nico Hoppe in der NZZ vom 23. 2. anläßlich der Oscar-Verleihung.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

"Manche der diesjährigen Oscar-Favoriten befeuern hinter der Fassade von Fortschrittlichkeit die Regression", so Hoppe weiter, und an der Wortwahl erkennen wir unschwer, daß sich der Autor in einem linken Koordinanten- und Wertungssystem bewegt (unabhängig davon, wie Hoppe, der auch für die Jungle World schreibt, sich selbst sehen mag. Er ist offenbar pro-zionistisch, islamkritisch, zum "Antideutschen" neigend und skeptisch gegenüber US-linker Standardware.)

"Regressiv" ist für Hoppe vor allem die Hinwendung mancher Hollywoodfilme zur "Identitätspolitik", auch wenn er diesen Begriff nicht benutzt. Dabei hat er insbesondere das Afro-Superheldenspektakel "Black Panther" und den Oscar-Gewinner "Green Book" vor Augen, aber auch an dem mexikanischen Kritikerliebling "Roma" hat er etwas auszusetzen.

Zu Beginn seines Artikels beschwört Hoppe den Schutzpatron der filmischen Ideologiekritik, Siegfried Kracauer. Dessen bekanntestes Werk ist die Studie von "Von Caligari zu Hitler", in der er das Kino der Weimarer Republik  als eine Art Schlangenei zeichnete, in dem bereits die Konturen des heraufziehenden Faschismus erkennbar  gewesen seien. Filme, auch und gerade die populären, sind demzufolge "Träume der Gesellschaft", die man gleichsam psychoanalytisch entschlüsseln könne. So sah Kracauer in den tyrannischen Monstren des deutschen Stummfilms, etwa den Doktoren Caligari und Mabuse, Nosferatu und Algol, Vorwegnahmen Hitlers.

Kracauers Buch hat auch meinen Erstling "Besetzes Gelände" nicht unerheblich beeinflußt. Wer sich mit dem deutschen Film der Zwischenkriegszeit beschäftigt, kommt nicht daran vorbei. Es übt bis heute einen gewissen Reiz aus, obwohl es von Filmhistorikern wie Thomas Elsässer mehr oder weniger in Stücke zerlegt wurde und beträchtlich an Nimbus verloren hat. Die Crux an Kracauers Betrachtung ist, dass er seine Erkenntnisse nicht nur rückblickend (1947) gewonnen hat, sondern selbst eine dicke, freudianisch-marxistische Brille trug.

Das Lesen im Kaffeesatz der Popkultur gerät auf diese Weise rasch zum "Ideologie-Scannen": Was nicht in die eigenen Vorstellungen (etwa von "Fortschrittlichkeit") paßt, wird verworfen, anderes so lange gebogen und umgedeutet, bis es die eigenen Thesen bestätigt. Man schaltet mit anderen Worten in den "Entlarvungs"-Modus um, der viele linke Kunstbetrachtungen so öde bis gemeingefährlich macht. Hans-Dietrich Sander nannte dies die "Tribunalstruktur" der marxistischen Kritik.

Ein "Scannen" dieser Art betreibt auch Hoppe, und daran ist an sich nichts auszusetzen. Als ich noch Filmkritiken für die Junge Freiheit schrieb, habe ich stets darauf geachtet, was aus einem Film an rechten oder konservativen Tendenzen, Motiven, Berührungsflächen oder Anknüpfungspunkten herauszuholen ist. So geht Metapolitik, und so betreibt es auch die Linke mindestens seit Kracauers Zeiten. Gewiß gibt es an dieser Stelle die Gefahr, daß man sich seine ästhetische Urteilskraft allzu sehr mit politischen Filtern vernagelt, und Kracauer ist ein mitunter ziemlich abschreckendes Beispiel für eine fast schon gewaltsam ideologisierende Filmkritik.

Hoppe jedenfalls folgt einer, nennen wir es, "altlinken" Betrachtungsweise, die angesichts der Exzesse der "Social Justice Warriors" ein erhebliches Unbehagen verspürt. Ähnliches findet sich bei dem Filmanalyseschnösel Wolfgang M. Schmitt, der schon letzten August im Freitag meine Besprechung von "Black Panther" kommentierte:

Es ist daher folgerichtig, dass die Neuen Rechten ausgerechnet die Marvel-Comicverfilmung »Black Panther« für ihre »identitäre Message« feiern, wie es Martin Lichtmesz im »Sezession«-Blog tut. Hieran zeigt sich das Dilemma der gegenwärtigen Filmkritik, die höchstens noch pseudo-ideologiekritisch denkt, wenn sie die identitätspolitisch korrekte Repräsentation von schwarzen Superhelden beklatscht. Gewiss, bislang machte Marvel um schwarze Figuren einen großen Bogen, doch die Ideologie von »Black Panther« ist geradezu anti-emanzipatorisch, sie ist identitär und ethnopluralistisch. (...)

Lichtmesz hat deshalb recht, wenn er sagt, »Black Panther« sei »vielleicht der erste Altright-Film«. Unter dem Gewand der von Marvel intendierten linksliberalen Identitätspolitik steckt nichts anderes als eine rechte Identitätspolitik. Diese zu entlarven, wäre die Aufgabe von Filmkritikern.

Schmitt fürchtet sich übrigens vor Superheldenfilmen, weil er darin das Gespenst eines "neuen Autoritarismus" herumspuken sieht (was auch immer er sich darunter vorstellt), vielleicht wie weiland Kracauer den Faschismus in Dr. Mabuse. Das begründet er so:

Und zu fragen wäre auch, ob nicht die das Mainstreamkino dominierenden Superheldenfilme gut in die Zeit eines neuen Autoritarismus passen. Die Bürger kommen in diesen Werken bloß noch als Claqueure vor, die Geschicke der Welt liegen in den Händen von T’Challa, Thanos, Thor und anderen Übermenschen.

Hoppes NZZ-Beitrag ist im Grunde nur ein Aufguß von Schmitts Artikel, und auch ihm dient meine "Lobpreisung" des Wakanda-Epos als Beweis für seine reaktionäre Tendenz. Beiden scheint entgangen zu sein, daß meine Besprechung absichtlich ironisch-überspitzt formuliert, weitgehend "tongue in cheek" war; "Black Panther" als "ersten Altright-Film" zu bezeichnen, war eher boshaft gemeint, und Schmitt wie Hoppe blenden meinen Zusatz "in einem verqueren Sinn" aus. Sie erwähnen auch beide nicht, daß der Film am Ende die Kurve hin zum Universalistisch-Globalistischen kratzt: Als eine Art Epilog tauchen die Wakandier bei den Vereinten Nationen in Wien auf, um ihre "Abschottung" zu beenden und die Welt mit ihrer überlegenen Technologie zu beglücken.

Schmitt irrt sich übrigens, wenn er "Killmonger", den Widersacher von König T'Challa, als "antikolonialistischen und internationalistischen Revolutionär" charakterisiert. Killmonger ist vielmehr ein "schwarzer Nationalist", der den Rassenkrieg globalisieren will, während T'Challa an einer friedlichen, selbstgenügsamen Politik des "Wakanda First!" festhalten will. (Wakanda ist den europäischen Nationen nämlich auch moralisch überlegen: Niemals hat es seine Superwaffen benutzt, um andere Länder und Völker anzugreifen, zu erobern oder gar zu"kolonisieren".)

Solche Fehlleistungen scheinen mir bezeichnend zu sein. Schmitt benebelt sich hier selbst ein wenig, müßte er doch an diesem Punkt mehr oder weniger rechtes Gelände betreten, wenn er die Ideologiekritik ernsthaft durchhalten will.

Das Amüsante und Bemerkenswerte ist für mich eher, daß an "Black Panther" und seiner Rezeption (vor allem im schwarzen Publikum) die doppelten Standards der "Identitätspolitik" gut sichtbar werden. Was bei Weißen als tabu, "rassistisch" und "faschistisch" gilt, nämlich die bewußte Feier der eigenen ethnokulturellen Identität, wird von den Kritikern des linksliberalen Mainstreams über den grünen Klee gepriesen und wie eine Mondlandung behandelt, wenn es sich dabei um Schwarze handelt.

Dies geschieht allerdings in Form einer "Black Supremacy"-Phantasie über Afrikaner, die unbehelligt vom Hemmschuh des weißen Kolonialismus eine überlegene Technologie entwickelt haben, wie sie bislang nur Europäer und Ostasiaten hervorgebracht haben. Der Film ist ein auf zwei Stunden ausgedehntes "We wuz Kangz"-Mem. Diese Parodie trifft es auf ziemlich lustige Weise:

We invented everything ahead of you
Peanut butter, traffic lights, open heart surgery too
WHEN WE WUZ KANGZ DOWN IN AFRICA
But then the white man came and took civilization away

Black Panther movie's woke as fuck
Vibranium's almost as powerful as melanin!
Wakanda's what Africa'd be like
If those bastard colonizers had just left us alone
A Star Trek Mali Empire
The flying saucer's a-whisking you away...

Damit fördert "Black Panther" eine Vorstellung, die unter Schwarzen erhebliches Ressentiment gebiert, nämlich daß ihre technologische Unterlegenheit und ihre gesellschaftlichen Probleme auf weiße Unterdrückung und Ausbeutung zurückzuführen wären (Chuck Palahniuk hat sich darüber in seinem neuen Roman "Adjustement Day" lustig gemacht). In der Tat hat "Black Panther" eine unterschwellige antiweiße Tendenz.

Hoppe nimmt nun an, "Black Panther" gefiele mir deswegen so gut, weil er "das neurechte Konzept des Ethnopluralismus zu bedienen scheint." Dieses gibt er so wieder:

Laut diesem sind alle Kulturen in ihrer Gegebenheit zu erhalten, da ihnen ein Wert an sich zukomme. Eine Vermischung verschiedener Ethnien, von denen unabhängig keine einzelnen Individuen gedacht werden könnten, sei zu verhindern, um einzelne Kulturen rein zu halten. Authentische Völker sind das Ziel dieser Ideologie, die ihre Verwandtschaft zum herkömmlichen Rassismus nur schwer verbergen kann.

Ich würde das anders formulieren, lasse es aber einmal so stehen. In meinem dieses Jahr erscheinenden Buch "Ethnopluralismus" werde ich näher auf das linke Framing der ethnopluralistischen Konzepte eingehen (es gibt ihn nicht als einheitliche Doktrin, sondern nur in der Mehrzahl).

Hoppe hat nun womöglich seinen Egon Flaig gelesen, und sieht auch auf der Linken das Übel des "Ethnopluralismus" am Werk:

"Black Panther" führt damit nur eine bereits verbreitete gesellschaftliche Entwicklung fort. In weiten Teilen der antirassistischen Linken hält man universalistische Ideale für eurozentrische Anmassungen und stellt nun in postmoderner Manier beliebig Kulturen unter Naturschutz. So gilt es in Teilen der amerikanischen Linken, die sich dem Konzept der "kulturellen Aneignung" verschrieben hat, bereits als rassistisch, wenn Weisse Musik, Mode oder Symbole adaptieren, die als Produkt einer genuin "schwarzen" Kultur wahrgenommen werden.

Dem geselle sich ein Kulturrelativismus bei, der etwa Zwangsverschleierung oder Genitalverstümmelung "als integraler Teil einer fremden Kultur verklärt - in die man sich nicht einzumischen habe." Er sieht eine Konvergenz zwischen Antirassismus und Rassismus:

Einzelne sind nur noch als Abkömmlinge ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer Nation zu sehen. Und diese seien als Teil der Identität vor jeder Kritik in Schutz nehmen.

Hoppe übersieht hier einen wesentlichen Punkt, daß dieses Gebot nämlich ausschließlich für "People of Color" gilt. Bei Weißen wird schon jeder gefühlte Ansatz eines weißen Selbstbewußtseins dämonisiert und im Keim erstickt. Der in diesen Kreisen übliche Vorwurf des "weißen Privilegs" dient nichts anderem als einer Entmachtung der Weißen und einer Selbstprivilegierung und Selbstimmunisierung der eigenen Gruppe (siehe hier ein buntdeutsches Beispiel).

Es werden von der antirassistischen Linken eben nicht "beliebig" Kulturen "unter Naturschutz gestellt", sondern es handelt sich hier um eine gezielte Frontenbildung gegen die weiße Mehrheitsgesellschaft, personifiziert im Feindbild "heterosexueller weißer Mann" (mehr darüber in meinem Kaplaken "Rassismus - Ein amerikanischer Alptraum").

Das Paradoxe ist, daß Aufklärung und Universalismus tatsächlich europäische, also "weiße" Kinder sind. Es gilt Huntingtons Diktum:

What is universalism to the West, is imperialism to the rest.

Diese Form des "Antirassismus" ist eine Art rassischer, um nicht zu sagen: rassistischer, antiweißer Neomarxismus. Den "Weißen" wird die Rolle der globalen Expropriateure zugesprochen, während die "People of Color" die Expropriierten darstellen und damit das neue revolutionäre Subjekt sollen. Wie gesagt finden sich auch in "Black Panther" Spurenelemente dieser Vorstellung, die ihre Wurzeln im Antikolonialismus Fanon'scher Façon hat.

Hier könnte man auch ein ideologiekritisches Augenmerk auf die antiweißen Tendenzen zahlloser Hollywood-Filme jüngeren Datums werfen. "Twelve Years a Slave", "Django Unchained", "Birth of a Nation", "Selma" oder "The Help", die die Grausamkeiten der Sklaverei und der Rassensegregation frisch ins kollektive Gedächtnis holen, aber auch Filme wie  "Get Out" oder die "The Purge"-Serie haben etliches dazu beigetragen, um Rassenhaß auf das traditionelle weiße Amerika, ja auf Weiße schlechthin zu schüren.

Ich wundere mich immer wieder über die verblüffende Blindheit der weißen Wohlmeiner, was diese Tatsache betrifft. Sie selbst werden sich diese Filme vielleicht mit ethnomasochistischem Behagen ansehen und sich nachher wie bessere, aufgeklärte Menschen fühlen; ein schwarzes Publikum wird sich schlicht und einfach in seinem Ressentiment gegen Weiße bestärkt fühlen, vor allem emotional. Zorn und Haß sind die Folge. Man kann leicht in den sozialen Medien überprüfen, daß dies in der Tat die Folge ist. Auch "Bird Box", "BlacKKKlansman" oder der berüchtigte Gillette-Spot gegen "toxische  Maskulinität" (nicht der erste seiner Art) fallen in diese Kategorie.

Insofern ist es geradezu putzig, wenn Hoppe das Haar in der Suppe eines Films wie "Green Book" (der in der Tradition von "antirassistischen" Oscar-Siegern wie "In der Hitze der Nacht", "Driving Miss Daisy" oder "Twelve Years a Slave") ausgerechnet darin findet, daß er

an einigen Stellen unterschwellig den Umstand skandalisiert, dass der schwarze Pianist sich nicht stärker in seiner "eigentlichen" Musik, dem Jazz, engagiert. Die Verquickung eines Individuums mit seiner mutmasslichen "kulturellen Identität" ist der Höhepunkt, auf den der Film zusteuern soll.

"Green Book" propagiere daher "Diversität im schlechtesten Sinne", als "Toleranz gegenüber angeblich unveränderlich Kollektiven". Warum? Weil der Film einen schwarzen Musiker zeigt, der sich im Jazz am meisten zuhause fühlt, dies aber verleugnet? Da ich den Film nicht gesehen habe, kann ich kein Urteil über dieses Urteil abgeben, aber es scheint mir ein wenig arg rigoros auszufallen.

(Es erinnert mich nebenbei ein wenig an eine Szene, die ausgerechnet Oswald Mosley in seiner Autobiographie berichtet. 1940 wurde er als NS-Sympathisant und damit potenzieller Landesverräter inhaftiert und in eine Zelle mit einem Schwarzen gesteckt. Mosley fragte ihn, was er denn verzapft habe, und dieser teilte ihm mit, daß er verdächtigt werde, ein deutscher Spion zu sein, weil er zuvor Musiker in Berlin war. Darauf Mosley: "Oh, ich mag Jazz!" - "Ich war bei den Berliner Philharmonikern", erwiderte sein Zellengenosse.)

An "Roma" wiederum stört Hoppe, daß er den Klassenstandpunkt ungenügend herausstreicht:

Dem Film fällt kein einziges Mal ein, das gezeigte Abhängigkeitsverhältnis zwischen Angestellter und arbeitgebender Familie zu hinterfragen. Zudem gibt er nie Antwort auf die Frage, was an einem einfachen Leben, geprägt von unangenehmer Plackerei so bewunderswert sein soll. - Letzteres suggerieren die zweifellos perfekt durchkomponierten Bilder ständig.

Das ist genau die Falle, von der ich anfangs sprach: Aus einem Film den Zeitgeist herauslesen, den er womöglich widerspiegelt, ist eine Sache, ihn einem ideologischen Tribunal zu unterziehen eine andere. Beanstandet wird dann weniger, daß z.B. "Hollywood" oder sonstjemand in "die Ideologie abtaucht", sondern daß es eben die falsche Ideologie, das falsche Bewußtsein ist. Ideologien, mit denen man einverstanden ist, werden häufig weder als solche wahrgenommen noch beanstandet.

Wenn z.B. Schmitt schreibt:

Heute liegt über den dämlichsten Superheldenfilmen Hollywoods schon das Getöse des neuen Autoritarismus. Wenn die Filmkritiker nicht langsam aufwachen, wird nicht nur das Kino bald ein sehr unbequemer Ort sein.

Well, dann kann ich nur antworten, dass für uns schlechte Rechte das Mainstream-Kino schon lange ein "unbequemer Ort" ist, nämlich der "soften", aber penetranten Indoktrination, Gehirnwäsche und Lüge (freilich: diesen Vorwurf, ein "Markt der schönen Lügen" zu sein, wie Brecht schrieb, hat man dem Kino immer schon gemacht), und das nicht gerade mit "neurechter" Tendenz.

Schmitt findet Superhelden nicht bürgernahe und basisdemokratisch genug, was nicht ganz verkehrt ist (vor allem, was ihren "vigilantischen" Zug betrifft; Alan Moore hat ihn in seinen "Watchmen" bis zur Persiflage überspitzt), mir fällt eher auf, daß sie fast ausnahmlos amerikanische Liberale sind, die sich einem egalitären Humanismus und der Rettung der Menschheit verpflichtet haben (mit Ausnahme vielleicht von Batman), während die Schurken in der Regel "rechte", elitäre, faschistoide Züge tragen.

An den Beispielen Hoppe und Schmitt kann man ablesen, daß es für linke Kulturkritiker immer schwieriger wird, die laufende Popkulturproduktion links zu überholen. Im Grunde läuft es immer darauf hinaus, an linken Filmen zu bekritteln, was an ihnen immer noch nicht links genug ist.  Dazu gehört mitunter erhebliche Gehirnakrobatik.

Hier ein Beispiel von Christian Baron: Der als "feministisch" angepriesene Film "Battle of the Sexes" etwa "bagatellisiert" in Wahrheit "die Diskriminierung von Frauen", und auch er vernachlässigt sträflich den Klassenstandpunkt:

Dieser Film schien etwas auszulösen: In erstaunlich dichter Folge starten seit anderthalb Jahren feministisch vermarktete Leinwandwerke in den Kinos, die starke Frauenfiguren in den Mittelpunkt rücken. Deren Lebensziel ist die Selbstverwirklichung. Dabei fällt auf, dass es in den meisten Fällen um Menschen aus der gehobenen Mittelklasse oder sogar der Oberklasse geht. Selten zu sehen sind Geschichten von Frauen, die in Armut und Perspektivlosigkeit leben müssen und sich dort herauskämpfen wollen.

Als Beispiel nennt er das "We wuz Astronauts"-Epos "Hidden Figures" und andere "Starke Frauen"-Filme:

«Hidden Figures» begleitet afroamerikanische Mathematikerinnen auf ihrem Weg in Führungspositionen der Wissenschaft. «Jackie» zeigt das Leben der privilegierten Präsidentengattin Jacqueline Kennedy, «The Post» porträtiert eine schwerreiche Medienmanagerin, die sich mit der amerikanischen Regierung anlegt, «On the Basis of Sex» glorifiziert eine Harvard-Absolventin aus den fünfziger Jahren, in «The Children Act» bangt eine beherzte Spitzenrichterin wegen eines heiklen Falls um ihre Reputation, und «The Wife» inszeniert eine Ehe, in der die Frau früher eine vielversprechende Autorin war, ihre Karriere jedoch für den notorisch untreuen und zu Weltruhm gelangten Ehemann an den Nagel hängt.

Und er kommt zu dem Schluß:

Den Frauen droht in Hollywood das, was der Stalinismus der Arbeiterklasse angetan hat: Eine privilegierte Gruppe vereinnahmt sie, macht sich mit ihnen gemein. Und sie überhöht die Frauen als Trägerinnen des zuvor männlich konnotierten Strebens nach Macht und Karriere, bis nur noch ein Zerrbild übrig ist, hinter dem Probleme wie die fehlende materielle Anerkennung häuslicher Betreuungsarbeit verschwinden.

Glenn Close, deren Vermögen auf 275 Millionen US-Dollar beziffert wird, schwingt sich zur Sprecherin aller Frauen auf. Sie erfindet ein «Wir», das die Frauen über jede Grenze sozialer Klassen hinweg als homogene Masse begreift. So kommt niemand auf die Idee, ungerechte Vermögens- und Eigentumsverhältnisse infrage zu stellen. Es ist die meritokratische Entsprechung des Stalinismus, der die Vielfalt der proletarischen Lebens-, Arbeits- und Leidenswelt leugnete, um eine gleichartige Volksfront zu konstruieren.

Gut, aber warum spricht auch Baron dann von "den Frauen", als wären sie eine eigene homogene Klasse mit eigenen Klasseninteressen? Davon abgesehen ist er zu Recht einem wichtigen Punkt auf der Spur: Das "Linke" der Mainstreamfilme ist in der Tat auf ein Publikum zugeschneidert, das die Werte der "globalistischen Klasse" teilt oder bis zu einem gewissen Grad an ihr teilhat oder teilhaben will. Es sind "emanzipatorische", "feministische", "antirassistische" Feelgood-Filme für ein urbanes Publikum.

Persönlich glaube ich nicht, daß es einen "ideologiefreien" Film geben kann. Hollywood "taucht" nicht erst jetzt in "die Ideologie" ab.  Jeder Film hat einen Standpunkt, eine Perspektive. Irgendwo muß die Kamera aufgestellt werden.

Das von Hoppe und Schmitt angesprochene Problem der eskalierenden Identitätspolitik hat sich in den USA jedenfalls derart zugespitzt, daß sich nun auch Francis Fukuyama in einem Buch mit dem Titel "Identität" damit beschäftigt hat. Er gehört zu der wachsenden Zahl der Liberalen ("Neokonservative" sind im Kern Liberale) die erkannt haben, dass die "Identitätspolitik" der Linken den Bogen überspannt hat, was eine Hauptursache für den Rechtsruck in der westlichen Welt ist, manifestiert etwa in der Wahl Trumps, im Brexit, im "Rechtspopulismus", im "weißen Nationalismus" und ähnlichen Strömungen. Sie sehen es als ihre Aufgabe, "zentristisch" dagegenzusteuern, um das Projekt der "liberalen, marktwirtschaftlichen Demokratie" zu retten - also eben jenes Ziel oder "Ende" der Geschichte, das Fukuyama in seinem bekanntesten Werk behandelt hat (auch Jordan Peterson zählt zu dieser Gruppe.)

Fukuyamas Buch handelt von der Tatsache, dass auch in liberalen Demokratien die universale "Anerkennung" des bloßen Menschseins den Immer-noch-nicht-letzten-Menschen offenbar nicht genügt, ihren unausrottbaren "Thymos" nicht ausreichend befriedigt. Sie wollen nicht bloß ihre Menschenwürde anerkannt haben, sondern auch ihre partielle und kollektiv-individuelle Würde als, z.B., Männer, Frauen, Juden, Muslime, Schwarze, Weiße, Gelbe, Transsexuelle, Migranten, Schwule, Lesben, Genderfluide, usw.,  als Angehörige einer Nation, Religion, Sekte, Rasse oder Ethnie.

Die "Bedrohung" durch "Identitätspolitik" ist die Quittung für einen egalitären Rechenfehler in Bauplan der modernen "liberalen Demokratie" (oder auch im "historisch einzigartigen Experiment" nach Yascha Mounk). Man hat unterschätzt, daß sie nur bei einem ausreichenden Maß an Homogenität funktionieren kann. Indem man sie als inhärent multikulturalistisch (oder multirassisch, multiethnisch) konzipierte, indem man sie mit der Ideologie der "Diversität" amalgamieren wollte (wohl, um mit ihrem Universalismus und Egalitarismus radikaler "ernstmachen" zu können), hat man ihre Selbstzerstörung quasi vorprogrammiert.

Altlinke (rechnen wir mal Hoppe und Schmitt hinzu, so genau kenne ich ihre Positionen nicht) und Liberale (Fukuyama, Egon Flaig) sehen diese Entwicklungen als "Regression" (ein Begriff, der freudianisch-psychoanalytische Konnotationen hat), und den linken Multikulturalismus und den rechten Ethnopluralismus als zwei Enden eines regressiven Hufeisens. Sie haben Differenzen, wie die "Progression" aussehen soll, aber sie sind sich im Grunde einig, dass der Universalismus die Antwort und nicht das Übel oder die Ursache ist, daß er dem Wesen der Vernunft selbst entspricht, während in der Identitätspolitik die irrationale, tribale Natur des Menschen wieder ihr gezähmt geglaubtes Haupt erhebt.

Aber der Staatsbürgernationalismus auf der Basis der sogenannten "westlichen Werte", wie ihn Fukuyama und andere Liberale und Konservative propagieren, kann die immer heterogener werdenden westlichen Nationen und Gesellschaften schon jetzt kaum zusammenhalten. Es genügt ein dummer Superheldenfilm, der explizit "identitäre" Sentiments anspricht, und schon sind alle diesbezüglichen Illusionen weggefegt, insbesondere, was den Thymos der "People of Color" angeht, die in (noch-)weißen Gesellschaften leben. Das war der eigentliche Punkt meiner Rezension.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (19)

Der_Juergen
5. März 2019 16:51

Ich habe "The Green Book" kürzlich gesehen und empfand den Streifen als amüsant, obgleich er natürlich stark propagandistischen Charakter trägt. Der schwarze Musiker Donald Shirley, im Film zum Jahrhundertpianisten hochstilisiert, wird um der Political Correctness willen als Schwuler vorgestellt, der dabei erwischt wird, wie er es mit einem weissen Mann treibt, obgleich der (2013 verstorbene) historische Shirley heterosexuell und verheiratet war. Zum Verständnis der heutigen totalen Ideologisierung von Hollywood ist der Streifen zweifellos sehr wichtig.

solitude
5. März 2019 17:36

Ich bin sehr froh, dass sich Lichtmesz nun mit Wolfang M. Schmitt auseinandersetzt. Dieser gibt sich bürgerlich, geheimnisvoll und gebildet. Seine Filmanalysen scheinen fundiert und erfrischend anders zu sein. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich im ersten Moment auf seine Masche der "ideologiekritischen" Rezension hereingefallen bin, bis ich bemerkte, wie ideologisch er selbst ist. Mittlerweile gelten mir seine Analysen auf Youtube, bei denen ein Zitat Slavoj Žižeks beinahe obligatorisch ist, als unterhaltsame Feindbetrachtung. Wer schon immer wissen wollte, warum Disneys König der Löwen ein Wegbereiter des Faschismus´ ist (!), überzeuge sich selbst. ;-)

Unbedingt empfehlenswert ist vor diesem Hintergrund die gelungene Parodie Gunnar Kaisers: https://www.youtube.com/watch?v=dk0nEs8VkHc.

Wolfgang M. Schmitt ist überdies leider ein gutes Beispiel für den herrschenden linken Zeitgeist, weil er bei seinen Auftritten im Netz, beispielsweise bei Rocket Beans TV (Jüngere werden es evtl. kennen), als unbefangener, neutraler Filmkritiker in einem unpolitischen Milieu wahrgenommen wird. Ihm wird indes sehr wohl bewusst sein, dass er linke Metapolitik betreibt.

Gustav Grambauer
5. März 2019 19:03

"daß er den Klassenstandpunkt ungenügend herausstreicht"

Na, Klassenstandpunkt, Klassenerziehung, Klassenkampf kommen ja jetzt auch in unseren Kreisen schwer in Mode,

"In Erwägung,
daß wir hungrig bleiben
wenn wir dulden,
daß ihr uns bestehlt
wollen wir mal feststell`n,
daß nur Fensterscheiben uns vom Brote trennen,
das uns fehlt."

noch dazu in der unvergleichlichen Oktoberklub-Attitude. Bitte mit dem Seitensucher auf "naiser" gehen

https://www.youtube.com/watch?v=7oYdwqSTii0

- und staunen!

- G. G.

richard4
5. März 2019 21:03

@Der_Juergen
>>Der schwarze Musiker Donald Shirley, im Film zum Jahrhundertpianisten hochstilisiert, wird um der Political Correctness willen als Schwuler vorgestellt, der dabei erwischt wird, wie er es mit einem weissen Mann treibt, obgleich der (2013 verstorbene) historische Shirley heterosexuell und verheiratet war.<<
Genau deswegen, schaue ich mir Hollywood Filme sehr selten an.
Man bekommt dort immer die selben Themen - unterschwellig bis penetrant - aufgetischt: Benachteiligte Frauen, Schwule und immer wieder den Rassismus.
Offensichtlich stört das das breite Publikum nicht oder es fällt ihnen gar nicht auf?

FrankaFrey
5. März 2019 21:10

Diese doppelten Standards was die rassische, ethnische und nationale Identität betrifft, sind gerade bei den „Antideutschen“, die permanent Lanzen sowohl für die Nation Israel als auch für das jüdische Volk brechen, und auf der anderen Seite das Deutsche abschaffen wollen, so schlecht bis gar nicht versteckt, dass man davon ausgehen muss, dass es sich um einen bewussten Vernichtungswillen handelt. Man braucht Ihnen keinen Denkfehler nachweisen. Es gibt ihn nicht. Schon ihre Eigenbezeichnung enthält die unterschiedliche Wertung und wird ganz stringent und folgerichtig gehandhabt. In ihren Augen haben nicht alle Identitäten das gleiche Existenzrecht. Sie sind das Pendant zum Antisemiten und damit genauso zu bewerten.

LotNemez
5. März 2019 23:24

@richard4: "Genau deswegen, schaue ich mir Hollywood Filme sehr selten an.Man bekommt dort immer die selben Themen - unterschwellig bis penetrant - aufgetischt: Benachteiligte Frauen, Schwule und immer wieder den Rassismus.Offensichtlich stört das das breite Publikum nicht oder es fällt ihnen gar nicht auf?"

Ich als breites Publikum muss sagen, es kommt darauf an, mit welchem Blick man schaut. Ich bin zwar politisch, nicht aber sozial für Sezession. Man setze sich dem Mainstream wohldosiert aus, schule seinen analytischen Blick und stähle seine Nerven. Bezahlen würde ich für den Schund nicht, aber man versteht den Gegner besser, wenn man seine Helden kennt.

Allgemein schreibt man hier leider zu oft verallgemeinernd von "den Linken". Es gibt aber eben einen Unterschied zwischen Helmut Lethen und Yascha Mounk. Ich frage mich, wie wir volksnahen Rechten auf Dauer ohne fundamentale Kapitalismuskritik auskommen sollen?

Lichtmesz macht zum Glück nicht diesen Fehler, dem altlinken Gegner grundsätzlich und aus Prinzip zu widersprechen. Das Hollywood bei aller multikulti Litanei dem Narrativ des american dream verhaftet bleibt, ist nur zu offensichtlich.

Unsere Dresdner Soziologieprofessorin hatte einmal eine Kollegin aus den Staaten eingeladen. Die stellte uns Studenten ihre Forschungen zur Vermögensentwicklung von schwarzen, asiatische, hispanischen und kaukasischen (weißen) Familien des Mittelstandes!!! vor. Ihr Befund: das Vermögen kaukasischer Familin entwickelte sich über einen 10Jahreszeitraum deutlich besser als das der Minderheiten.

Auf meine Frage, was denn für das Heer der Obdachlosen gewonnen wäre, wenn die Vermögen der Mittelständler gleich verteilt sind, sagte sie, dass sie für ein Forschungsvorhaben, dass auch klassenspezifische Unterschiede in den Blick nimmt, in den USA niemals Geld geben würde.

Der ganze Gleichberechtigungshokuspokus ist eine große Tarn-und-Täusch-Aktion des um seinen Klassenerhalt besorgten Geldadels. Wenn das die Altlinken zu erkennen beginnen, ist das nur zu begrüßen. Leider konnten sie sich bloß noch nicht final dazu durchringen, das behagliche Nest der sie beherrbergenden neoliberalen Eliten zu verlassen. Die hohe Warte der Moral verleitet leicht dazu, sich bietende Mitnahmeeffekte möglichst lange auszukosten.

Laurenz
5. März 2019 23:59

Also, was Herr Lichtmesz von Herrn Hoppe berichtet, ist schon ein kleiner Paradigmen-Wechsel. Bisher waren Sioux am Standing Rock als ethnische Bewegung auch bei der Linken akzeptiert, da sie ja das Opfer der Weißen und der Obamas sind. Und da diese ohnmächtigen Ethnien ja schon immer von Weißen unterdrückt waren, konnten sie ja linken Bewegungen nie gefährlich werden, aber sie galten schon immer als legales Hilfsmittel um linke Kader an die Macht über Weiße zu bringen. Daß danach Minderheiten quasi ausgerottet wurden, galt dann als notwendiges Opfer vergeblicher Gleichschaltungsbemühungen. Der heutige Linke redet nur noch ungern über Südafrika, wo eine schwarz-schwarze Apartheid die weiß-schwarze - ersetzt hat. Der einzige bekannte Weltstern und bekennende Sozialist, der Seiner Lebenslüge bekanntermaßen "erlag", war George Orwell. Dessen linkes Dasein wird aber gerade von der Linken von Herzen ignoriert. Daß selbst ernannte Anti-Rassisten anti-weiße Rassisten sind, ist doch im Westen nichts Neues.
@FrankaFrey .... ich bin ganz sicher kein Linker, fühle eindeutig deutsch, aber ich breche auch eine Lanze für Israel, was aber mit dem jüdischen Volk nur sehr bedingt zu hat. Man sollte mit dem diametralen Zustand vielleicht etwas differenzierter in der Argumentation sein.

Atz
6. März 2019 01:36

"Man hat unterschätzt, daß sie nur bei einem ausreichenden Maß an Homogenität funktionieren kann. Indem man sie als inhärent multikulturalistisch (oder multirassisch, multiethnisch) konzipierte, indem man sie mit der Ideologie der "Diversität" amalgamieren wollte (wohl, um mit ihrem Universalismus und Egalitarismus radikaler "ernstmachen" zu können), hat man ihre Selbstzerstörung quasi vorprogrammiert. "

Wie aber will man das messen? Bei Ländern wie Italien und Spanien bekomm ich gesellschaftlich das Gefühl "semper talis", vom technologischen Wandel mal abgesehen, macht die Länder sehr langweilig im Zeitgenössischen. Ich versteh schon, je nach landschaftlichen Hintergrund, wie ein Mensch dazu kommt, in das Horn der Vielfalt zu stossen. Wir sind ja auf der Rechten nicht so dumm, uns belehren lassen zu müssen, welche Anregungen von außen unsere Kulturen erfahren haben. Trotzdem stimmt genau, was Du schreibst. Wie in einem Gravitationsfeld.

Gibt es da eine Formel, die optimale Homogenität berechnet, vielleicht nach Art eines gravitationssozialen Modells frei Newton?

Also F = λ * m1*m2/r²

II. Der PoC hat Alibifunktion. Es gibt ein linkes Interesse an allem, was gespaltene Identität hat. Etwa an Transgender-Personen, eine verschwindend kleine Minderheit voller Einzelfälle ohne kollektive Organisation und supraindividuelle gemeinsame Interessen. Diese ganzen Alibifälle sind für die Linke rein instrumentell, es geht nie um die Betreffenden als solche und ihre echten sozialen Anliegen, sondern um ihre Instrumentalisierung zur Kontrolle der Mehrheit, oftmals mittels regressiver Moral und Sprachverbot. Der PoC und Transgender, das sind Elefantenmenschen der Linken.

Jordan Peterson sehe ich als unangenehm apodiktischen liberalen Akademiker, der durch die grobklotzenden Angriffe auf seine Person politisch erweckt wurde und jetzt seine Rolle spielt. Die Maschen ggü. den Opfer der "Linken" ist psychischer Terror und die nachrationalisierte Feigheit von Akademikern gegenüber einschüchternden Mobs als das Schlimmste. Mobs vom Kampus zu vertreiben erfordert eine unakademische Sicherheit in die eigene Position und Bereitschaft sich bespucken zu lassen oder am Ende schlecht auszusehen.

Antideutsche: der notorische Philosemitismus und die altherrige Frauenverachtung beiseite gewischt, kommen die meisten über kurz oder lang "postlinks" an. Siehe etwa die Entwicklung bei Bahamas Magazin. Pünjer: "Dabei überdeckt das ständige Gerede von der Pluralisierung der Lebenswelten, dass... eine massenkulturelle Monotonie vorherrscht, die nicht zur Emanzipation aller Individuen geführt hat, sondern zu deren Überflüssigkeit." und weiter "Je mehr Überflüssigkeit aber..., desto höher das... identitäre Bedürfnis, sich von seinen Mitmenschen unbedingt zu unterscheiden – sei es als queer, muslimisch, people of colour oder antideutsch usw. usf. Nur folgerichtig versteht man sich so als Teil der Wir-sind-Mehr- oder Unteilbar-Masse gegen ein nebulöses Rechts."

Schlau erkannt wie der Kampf gegen das nebulöse Rechts zur Einigungsideologie der linksliberalen Volksgemeinschaft nach 89, durchaus wie bei Orwell als Hassübung gegen einen imaginierten Feind, in der Nachwendelinken, nunmehr nur noch der "Anständigen", wurde.

quarz
6. März 2019 09:18

@Atz

"Wie aber will man das messen?"

In der einschlägigen Sozialwissenschaft gibt es verschiedene Maßindizes zur Erfassung des (In-)Homogenitätsgrades. Einer der bekanntesten ist der ELF (ethno-linguistic fractionalization). Er ist definiert als 1 minus die Summe der Quadrate der Bevölkerungsanteile der ethnolinguistischen Gruppen einer Gesellschaft. Einfacher ausgedrückt ist das die Wahrscheinlichkeit, dass zwei zufällig ausgewählte Personen der Gesellschaft unterschiedlichen ethnolinguistischen Gruppen angehören.
Dieser Index berücksichtigt allerdings noch nicht die territoriale Aufteilung, die für Multikulturalisierung ja auch wichtig ist (ob also Diversität auf gleichem lokalem Gebiet gegeben ist oder ob die Gruppen eigene Territorien wie in der Schweiz haben).

Jedenfalls gibt es tonnenweise empirische Belege dafür, dass so oder ähnlich gemessene ethnische Inhomogenität mit einer Reihe von gesellschaftsschädigenden Phänomenen korreliert. Diese bemerkenswerten Zusammenhänge werden aus naheliegenden Motiven vom Mainstreamjournalismus nie thematisiert.

FrankaFrey
6. März 2019 10:14

@laurenz
Ich habe rassische, ethnische und nationale Identität getrennt genannt und bin mir der Unterschiede bewusst. Die Antideutschen bekämpfen uns nicht nur als Nation sondern auch im Bezug auf unsere ethnische Identität „Nie wieder Deutschland“ bezieht sich auf beides und im Bezug auf Israel unterstützen Sie beides, sonst würden Juden wie Gilad Atzmon oder Dr. Guiseppe Zambon von ihnen nicht als „jüdische Selbsthasser“ oder „antisemitische Juden“ bezeichnet; sonst würden sie nicht jeden Kritiker israelischer Politik als Antisemiten bezeichnen. Es ist klar, dass ein Antizionist kein Antijudaist sein muss. Im Bezug auf die Haltung der Antideutschen scheint mir meine Bewertung aber richtig. Sie trennen sowohl bezüglich Deutschlands als auch Israels diese beiden Identitätsbezüge nicht. Wie gesagt, es geht Ihnen gar nicht um Differenzierung. Es ist ein Kampf und es werden Kampfbegriffe gebildet.

Laurenz
6. März 2019 12:07

@FrankaFrey ... ja in Ordnung. Wobei es sich feststellen läßt, daß die Linke von CSU bis KBW äußerst zwiespältig agiert. Man lehnt Israel als Ethnokratie grundsätzlich ab, von verschiedensten Modellen bis zur 2-Staatenlösung, existieren recht unterschiedliche Lösungsideen, die nicht wirklich welche sind. Ich mag das Saxophon-Spiel von Gilad Atzmon lieber als seine politischen Ideen, denn im Gegensatz zu seinem Instrument, hat Er sonst wenig Empathie zB für Brauchtum, wie dem Rezept einer jüdischen Nudelsuppe (Sein eigener Wortlaut). Wenn wir Israel miteinbeziehen, stehen sich auch im Judentum die Positionen so diametral gegenüber, daß dies auch Wellen bis Deutschland oder vermehrt in Frankreich schlägt. Wenn man historisch den Termin der israelischen Staatsgründung betrachtet, waren die Zionisten, durch Kollaboration mit den perfiden Briten, fast genauso blöd, wie die sogenannten Palästinenser, was nur wenige Israelis wider besseren Wissens zugeben würden. Hätten sich die Zionisten für den letzten deutschen Kaiser entschieden, wäre eine Existenzgründung Israels wesentlich früher möglich gewesen. Die Balfour-Deklaration wurde wohl nur deshalb, wie üblich gelogen, in Aussicht gestellt, weil Wilhelm II ca. ein 3/4 Jahr vorher einen Gründung Israels konkret in Aussicht stellte.

Maxx
6. März 2019 15:00

Apropos Film: Ein Hollywood-Blockbuster, den ich kürzlich im Kino sah, vermittelte m. E. nicht nur unterschwellig eine deutliche antilinke und antiglobalistische Botschaft. Ich meine den Film "Glass", der ebenfalls in die Kategorie Superhelden-Filme gehört.
Kurz geschildert, was ich meine: Vordergründig geht es um einen Showdown zwischen einem positiven und negativ geladenen Superhelden, organisiert und eingefädelt von einem kriminellen Superhirn - dies der dritte Protagonist mit einer übermenschlichen Inselbegabung. Jeder dieser Helden hat eine anders geartete Schwachstelle bzw. Achillesferse, durch die er verletztlich ist.
Da gibt's nun, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt eine (globalistische) Geheimorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Superhelden weltweit, also auch jene, die das Böse bekämpfen, zu eliminieren oder unschädlich zu machen, d.h. notfalls zu töten. Das Ziel dieser elitären mächtigen Organisation besteht somit in der Schwächung und Nivellierung der Fähigkeiten der Menschen auf niedrigem Niveau. Superhelden, d.h. Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, insbesondere auch jene, die selbstlos für das Gute eintreten und die Kriminalität bekämpfen, wie es David Dunn (gespielt von Bruce Willis) tut, stören die Kreise dieser Geheimorganisation, die seit tausenden Jahren auf der ganzen Welt Superhelden aufspürt und tötet bzw. neutralisiert und sich somit dem (links zu verortenden) Ziel einer universellen Gleichmacherei der Menschheit verschrieben hat ... Außergewöhnlich begabte Menschen sollen ihrer individuellen Superfähigkeiten beraubt werden (um mutmaßlich von Vertretern dieser ominösen Geheimorganisation "demokratisch" beherrscht werden zu können).
Neben dem Gott des globalistischen Finanzkapitals soll es keine Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten geben, die den Menschen Hoffnung einflößen und sie im Kampf gegen das Böse (bzw. gegen Kriminalität) anführen und unterstützen könnten. Der Film vermittelt unterschwellig diese Botschaft: Gleichmacherei der Gesellschaft bedeutet Schwächung der selbigen - das teuflische Ziel linker Globalisten. Es gibt (immer wieder mal neue) Übermenschen. Sie sind unter uns und müssen sich ihrer Fähigkeiten nur bewusst werden. Elitäre globalistische Kreise, die die Menschen unter der Knute des Kapitals halten wollen, möchten die Bewusstseinsbildung des starken, wehrhaften, (in seiner lokalen Umgebung verwurzelten) Menschen verhindern ...
So habe ich den Grundgedanken des Films interpretiert. Schaut's euch mal an, Kameraden ... ;-)

Gotlandfahrer
6. März 2019 16:51

Danke für die Analyse.

Damit wird eine fundamentale Trennlinie zwischen Altlinken und postmodernen Globalisten immer sichtbarer, die noch für großes Kino sorgen wird: Während die Altlinken zwar ebenfalls Chaos, die Abräumung des Bürgertums und die Herrschaft ersatzreligiöser Wächterräte zur Durchsetzung bizarrer und perverser Ordnung anstreben, sind sie doch insoweit klassische Imperialisten, da für sie außer Frage steht, dass dieses Prinzip als weltweiter Standard herrschen soll. Der Herrschaftsanspruch ist gegen alle gerichtet, es ist somit ein aktives Herrschen- und Gestalten-Wollen. So irrwitzig das Prinzip auch in sich selbst veranlagt ist, enthält es den Wunsch nach Sein.

Unsere kleinkarierten Bobo-Witzfiguren, die Indianerspielen verbieten, ist der Gedanke an Erschaffendes, Strukturgebendes völlig zuwider. Nicht grundlos gibt es für diese Nichtseinwoller kein manifestes "Kapital" als Strukturvorgabe, sondern nur weinerliches Gewäsch, das auf sich selbst bezogen ist und die eigene Psychose auf seine Nächsten projiziert. Bobos scheren sich einen Dreck um Schwarze oder Moslems. Ich behaupte mehr gute muslimische Bekannte zu haben, als die meisten dieser grünen Bettnässer.

Sie sehen sich als „links“ insoweit, als dass dessen Vernichtungswille einfach gut zum eigenen Wunsch passt, nicht Verantwortung tragen zu müssen. Solange es etwas in der eigenen Gesellschaft zu schleifen gibt, man als Grüner also nicht zum Bericht über seine Leistung als Heger und Pfleger herangezogen werden muss, weil es Wichtigeres gab, herrscht hier Übereinstimmung zwischen den Laktoseintoleranten und der Tscheka.

Die Altlinken wollen die Welt schleifen, um den Kommunismus allen aufzuzwingen. Die Bobos wollen nur ihr eigene Lebensumgebung schleifen, weil sie ihr eigenes Sein nicht ertragen.

Bobos käme es nicht in den Sinn, anderen als weißen Männern (und damit im Ergebnis auch weißen Frauen, also allen, also „sich selbst“) Einschränkungen aufzuerlegen, also einen Herrschaftsanspruch auch nach "außen" durchzusetzen. Denn der Nichtweiße darf und soll alles, der Weiße darf nichts und soll nichts. Es ist ein innerhäuslicher Konflikt, basierend auf Konflikten im westlichen Menschen und zwischen westlichen Menschen, den die Bobos ausdrücken. Die Fremden sind nur die Vase, die auf den Boden geschmettert wird. Bobos führen Rosenkrieg, Altlinke wollen die Weltrevolution.

Altlinken hingegen käme es nicht in den Sinn, Nichtweiße nicht dem Kommunismus zu unterwerfen. Altlinke sind Marodeure, Gangs mit eigenem Ethos der sie ihre Verbrechen als Heldentaten sehen lässt. Eine Camorra, der es wurscht ist, wen sie umlegt. Altlinke sind zwar, wie Diebesbanden im Wald, arbeitsfaul, aber weder dumm noch desinteressiert an Lebensfreude. Bobos hingegen arbeiten sich wund aber haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie Rotwein saufen.

Ein typischer Bobo-Film ist z.B. Mary Queen of Scots

(https://www.artechock.de/film/text/kritik/m/mastko.htm),

ein von einer hässlichen weißen Frau gemachter „Historien“-Streifen, in dem massenweise schwarze Adlige und Bauern sowie asiatische Hofdamen das Schottland des 16. Jahrhunderts bevölkern und ihre sexuellen Identitätskrisen ausleben. Er ist reine Provokation, die an den weißen Mann gerichtet ist mit der Aufforderung nicht nur in der Gegenwart, sondern sogar aus der Vergangenheit zu verschwinden. Ansonsten hält er außer der Entwirklichung der weißen Völker nichts bereit, was für alle Ethnien mehr sein könnte, als die Einladung, sich der Immobilien der Weißen zu bedienen (zack, die Vase!).

Black Panther ist offenbar ein Film, der zur Aneignung der Immobilie schon gar nicht mehr auffordert, sie gehört bereits den Schwarzen, man ist hier bereits weiter: Hier herrscht der starke Schwarze nach seinen Regeln.

Das muss den Altlinken irritieren: Die Regeln sollten schon die kommunistischen sein, hey, so war das nicht gemeint! Denk an den Schwur im Wald!

Für die Bobos ist das hingegen die Verwirklichung ihres Traums: Von starken Männern geführt werden, die sich nicht durch dämliche Phrasendrescherei ins Bockshorn und in die Küche jagen lassen.

Beide, blutsaufende Altlinke und sterbegeile Bobos können nur ihre stinkenden Fressen aufmachen, weil der Herrschaftsrahmen im Westen den starken weißen Mann als Weltübeltäter ständig sterben lassen muss, um die Auslöschung des Deutschen Reiches rechtfertigen zu können, denn Deutsches Reich = weißer Mann und seine Familie. Das ist die Urkatastrophe: "Schatz, Du hast mich in die Scheiße geritten, jetzt muss ich Karriere machen und keiner beschützt mich mehr."

MartinHimstedt
6. März 2019 17:33

Ob Wolfgang M. Schmitt unterschwellig linke Metapolitik oder gar Propaganda betreibt, weiß ich nicht:

ML: Eher oberschwellig, würde ich sagen.

Aber es gibt eine ausführliche Besprechung von „12 Rules for Life: An Antidote to Chaos“ bei den RocketBeans, die sicher weiteren Aufschluss über die Person Wolfgang M. Schmitt gibt: https://www.youtube.com/watch?v=RL5AmMcPH3k

Laurenz
6. März 2019 17:54

@Maxx .... ist es nicht spannender, den Erfolg der Serie "Game of Thrones" zu betrachten? Handwerklich (auf die Produktion bezogen) vergleichsweise hervorragend gestaltet. Kann das alleine den Erfolg erklären? Hier wird dem Konsumenten ja nicht wirklich Demokratie verkauft und Daenerys Targaryen ist mit der Befreiung von der Sklaverei nicht sonderlich erfolgreich. Ist es nicht vielmehr so, daß die Machtkämpfe unzähliger feudaler Häuser auf relativ begrenztem Raum, unserer westlichen Historie entspricht, also geprägt ist, und wir uns quasi bis heute noch kein Stück davon entfernt haben?

Maxx
6. März 2019 19:45

@Laurenz, ja, finde ich auch. "Game of Thrones" hätte sicherlich (wie einige andere Serien auch) eine genauere Betrachtung verdient; z.B. "The Walking Dead"); könnte man ja in einem separaten Blog abhandeln. Ich wollte aber nicht zu weit vom Thema "Hollywoods Superhelden im Kinofilm" abschweifen; ich fand das Thema daher unter den o.g. Aspekten interessant.

heinrichbrueck
6. März 2019 22:28

Wäre ich ein Schwarzer, ich käme mir ziemlich veräppelt vor, nach so einem Kinoabend. Oder vielleicht auch nicht. 'Black Panther' ist eigentlich ein Film für erwachsene Kinder. Über den Meteoriteneinschlag, durch den Wakanda erst möglich wird, redet kein Mensch. Stattdessen denken sie Filmmöglichkeiten, die ohne Kolonisation Realität, möglicherweise, hätten werden müssen, als Wunschvorstellungen. Ergebnis: Weißer Mann unterdrückt Schwarze, siehe Kolonisation, also kein Wakanda. Ich frage mich, wie oft intelligentere Schwarze, Wakanda, während der Filmvorführung, weiß sahen. Ein paar Korrekturen, besonders in spiritueller Hinsicht, kein Meteoriteneinschlag, und der Film wäre weiß.

ratatoskr
7. März 2019 14:14

Die Comic-Superhelden wurden fast alle von Menschen erfunden, die einer ganz bestimmten Gruppe angehör(t)en.
Die Menschen die zum grössten Teil in Hollywood das Sagen haben, gehören ebenfalls zu dieser Gruppe.

Ich bin (eher war) ein grosser Comicfan, jedoch konnte und kann ich mit den Superhelden noch nie was anfangen.
Die Franko-Belgische, sowie die japanische Comickultur liegt mir da eher.

Es gibt zwei gute Artikel zum Superhelden-Comic-Thema von Ted Sallis, welche auf Counter-Currents veröffentlicht wurden:

1. Marvel Comics, Ethnicity and Race
2. From Krakau to Krypton

Es existieren davon auch deutsche Übersetzungen, einfach mal googeln.
Sollten diese Infos hier fehl am Platze sein, bitte meinen Post einfach löschen.

links ist wo der daumen rechts ist
11. März 2019 20:17

Na dann noch schnell vor Badeschluß:

Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß Siegfried Kracauer mit seiner "Theorie des Films" (im Original englisch) – als Seitenstück zu seinem posthum veröffentlichten „Geschichte“-Buch - tatsächlich auch ein relativ ideologiefreies Buch schreiben konnte.

Und der Clou am Rande:
Auf den letzten Seiten des erwähnten Werkes setzt er sich mit der sagenumwobenen Ausstellung „The Family of Man“ auseinander – unter Einbeziehung eines Zitats aus Erich Auerbachs „Mimesis“.

Speziell diese beiden Werke empfehle ich zur Lektüre, wenn es um den Problembereich Univeralismus – Weltgesellschaft – Heimat – Exil geht; denn so einfach (hier die echte Identität, dort Universalismus und die falsche, i.e. selbstzerstörerische Konsequenz der „Linken“ bzw. Liberalen daraus) liegen die Dinge wirklich nicht.

Zu Kracauer aktuell:
Sabine Biebl, Helmut Lethen, Johannes von Moltke (Hg.), Siegfried Kracauers Grenzgänge. Zur Rettung des Realen. Campus 2019.

Ich belasse es bei diesen Apercus (wie es Lichtmesz‘ Kollege von der anderen Feldpostnummer, Drehli Robnik, formulieren würde) – auch und v.a. angesichts der enormen Überlänge mancher Beiträge in letzter Zeit.