Sezession
7. März 2019

Der Schuldkult ist nicht postmodern

Martin Sellner / 37 Kommentare

Zu Unrecht wird der heutige linke Mainstream als „postmodern“ bezeichnet. Ungerecht ist es der Philosophie der Postmoderne gegenüber.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Denn die infantile Schuldmetaphysik der Linken von Anti-imps über Antideutsche bis hin zu intersektionellen Sekten hat nichts, aber auch gar nichts, mit einer Kritik des modernen Denkens zu tun.

Es gibt unzählige Annäherungen an die Postmoderne und Definitionsversuche dazu. Unlängst schoben sie sich, wie Lichtmesz zu berichten weiß, Libertäre und Neocons gegenseitig als schwarzen Peter zu. Auch kämpferische Neoliberale und antideutsche Ideologiekritiker scheinen sich jüngst in „fortschrittlicher“ Eintracht gegen „Identitäre von links und rechts“ zu verbünden.

Tatsächlich haben die kulturmarxistischen „Identity politics“ wenig bis gar nichts mit einer konservativen Identitätspolitik zu tun. Ebensowenig hat die neue Linke die philosophische Herausforderung der Postmoderne jemals ernst genommen. Was ist überhaupt diese ominöse „Postmoderne“? Auch ich will hier einen Annäherungsversuch aus identitärer Sicht unternehmen.

Ich verstehe die Postmoderne als eine Epoche der Destabilisierung, Verflüssigung und des radikalen Zweifels. Zweifel woran? Die Postmoderne richtet sich in der Tradition der Aufklärung gegen diese selbst. Sie bezweifelt die autonome Stellung des Subjekts, die Dominanz des Bewußtseins und des rationalen Denkens, die Hegemonie einer szientistischen Welterklärung, das Bestehen einer einheitlichen Metaerzählung und damit einer konvergenten linearen Weltgeschichte.

Kurz gesagt: die Postmoderne ist antiuniversalistisch. Sie kritisiert die Annahme eines akulturellen überzeitlichen „Sprechorts“, also einer außenstehenden Position, von der aus eine umfassende Kritik und Definition erst möglich wäre.

Alle Kehrtwenden, vom lingustischen über den narrativen bis hin zum kulturellen „turn“ sind Abwendungen von der Idee eines abstrakten Bewußtseins, das sich durch ebenso abstrakte Denkakte seiner Existenz vergewissert, und darauf ein „reines“ Denken aufbaut. Die Geschichtlichkeit, Kulturalität und damit „Ethnizität“ allen Denkens wird wiederentdeckt.

Die Postmoderne steht damit in der Tradition der deutschen Romantik und ihrer Aufklärungskritik - sowie im Gefolge von Kierkegaard, Schopenhauer, Nietzsche, der deutschen Weltanschauungsphilosophie, französischen Lebensphilosophie und letztlich aller kontinentalen Denkströmungen, die sich gegen den „Imperialismus der Vernunft“ richteten.

Die postmoderne Philosophie bringt die Frage nach Körperlichkeit, Sprache, Emotion, Herkunft und Geschichte wieder ins Spiel, indem sie nicht nur über sie nachdenkt, sondern ihre unhintergehbare Prägung des Denkens nachvollzieht. Sie wird in vielen Bereichen performativ und treibt die Methodenkritik auf die Spitze - und darüber hinaus.

Denn sie steht selbst in ein einer spezifischen Grundstimmung und denkt im Schatten eines Schocks. Das Scheitern der optimistischen, kraftmeierischen Fortschrittserzählungen der Moderne sitzt ihr in den Knochen. Ihre Grundstimmung ist ein Mix aus Langeweile, kleinlicher Zerstörungslust und Zynismus.

Die epochale Aufbruchsstimmung der Manifestphilosophie von Marx bis zu den Jünger-Brüdern können wir gar nicht mehr nachvollziehen. Daß sie von einem ähnlichen Menschen-, Welt- und Wahrheitsbild ausgingen, also eine Ontologie der Machbarkeit und des neuzeitlichen Subjektivismus teilten, gerät heute oft in Vergessenheit. War die Postmoderne eine „identitäre, neurechte Wende“?

Nur dann, wenn man neurechtes Denken als bloßen Tribalismus oder antiaufklärerischen Vektor versteht. Natürlich gibt es im Lager der Ethnopluralisten veritable Postmoderne (meiner Ansicht nach etwa Henning Eichberg, der diesen Begriff prägte). Doch die notwendige Kritik an der klassischen Aufklärung, der Bewußtseinsphilosophie und ihrer politischen Theorien kann nicht in Relativismus und Tribalisierung des Denkens stehen bleiben.

Auch in der konservativen Denkströmung der Zwischenkriegsjahre, die sich unter anderem gegen den Neukantianismus richtete, bleibt von Dilthey über Hussserl, Scheler, Jaspers und Spengler, bis hin zu Heidegger das Bemühen um Wissenschaftlichkeit und Wahrheit bestehen. Der Letztgenannte richtet sich selbst scharf gegen die französischen Denkmoden, die aus seinem frühen Denken nur das Kritische, aus seinem späten Denken nur das Mystische entnahmen.

Doch die Frage nach der Postmodernität der Neuen Rechten ist zu umfangreich, um sie hier zu stellen. Die Frage danach, wie es der linke Mainstream mit der Postmoderne hält, ist hingegen leicht zu beantworten. Sie sind Heuchler, Betrüger und Fake-Postmoderne, die sich in Wahrheit in eine neue „große Erzählung“ geflüchtet haben, deren Primitivität ihresgleichen sucht.

Während Roland Barthes den „Tod des Autors“ verkündet und Denker wie Foucault das Augenmerk weg von festen Objekten auf Strukturen und Dynamiken lenkten, sind die neuen Linken verzweifelt auf der Suche nach einem benennbaren Urheber aller Umstände.

Während Lyotard das „Ende der Großen Erzählungen“ verkündet, wartet die kulturmarxistische Denkelite mit einem universalen Schuldnarrativ auf, das wie ein heiliger Fixstern den Kosmos der Sozialwissenschaften ordnet und stabilisiert. Anders als im klassischen Marxismus geht es nicht mehr darum, ein revolutionäres Subjekt auszumachen, das von der Geschichte befähigt und ermächtigt ist, die Verhältnisse umzustürzen.

Das neue linke Denken tastet unbewußt im postmodernen Nebel nach dem einzig Greifbaren: dem schuldigen Spalter! Er verhindert durch seine nackte Existenz wie ein epochaler Pfropfen den Ausbruch der befreiten Gesellschaft. Ihre simple Weltformel liest sich in etwa wie folgt: Die ganze Weltgeschichte ist eine Abfolge von Unterdrückungen und falschen Verblendungen durch Religionen, Kulturen, Sprache und Staaten.

Deren Grundübel ist am Ende ihr Pluralismus, der die ursprünglich, egalitäre und friedliche Menschheit „sinnlos gegeneinander aufhetzt“. Sie „spalten“, das was logisch zusammengehört mit einem „falschen Bewußtsein." Ihre Vertreter schüren dieses „populistische“ Falschbewußtsein, weil sie verblendet oder bösartig sind.

Der Urspalter ist niemand geringerer als Hitler, der als Achse der Weltgeschichte fungiert. Dieser deus malignus ist die Essenz der Exkursion, des Krieges, des Leidens und der Gemeinheit. Alles „Böse“ in der Geschichte, von Platos Staat über Fichtes Nationalismus bis hin zu Pipi Langstrumpfs „Rassismus“ waren Hinleitungen und Vorformen zu ihm.

Alles „Böse“ nach ihm, von Sarrazin über Höcke bis hin zu Pepe dem Frosch sind Emanationen dieses dunklen Lords des Bösen. Seine Repräsentanten auf der Erde sind die heterosexuellen weißen Männer, die dämonischen „masters of the universe“, die täglich neu alle repressiven Strukturen und diskriminierenden Milieus perpetuieren.

Alle anderen sind immer und ausnahmslos Opfer dieser Umstände und Getriebene im neoliberal-kapitalfaschistischen Hauen und Stechen, das der weiße Mann orchestriert. Die einzige ethisch richtige Tat und die neue revolutionäre Mission in diesem Narrativ der Schuldmetapyhsik ist es, diese Urheber des Bösen zu entlarven und auszuschalten.

Ähnlich wie im Vernichtungsantisemitismus des NS entsteht ein Vernichtungsantifaschismus, der seine Erlösung darin sucht, den unsichtbaren und dadurch omnipräsenten Nazi ausfindig und unschädlich zu machen. Gerade, weil sich keiner mehr offen zum Faschismus und NS bekennt, vermutet der fanatische Antifaschist eine Gestalt zwischen Savonarola, Robespierre und Berija.

Der falsche Schein des Populismus, Konservativismus und Liberalismus sind nur Abschattungen des metaphysischen Hitlers. Von Mordanschlägen auf die Populisten (Magnitz) bishin zur feierlich verkündeten Souveränitätsaufgabe („No borders"), und dem ersehnten Ethnozid („Deutschland verrecke“), folgt alles politische Handeln der neuen Linken dieser völkischen Schuldmetaphysik.

Alles hat seinen festen Platz, im stabilen, ganz und gar nicht postmodernen linken Weltbild. Alles ist erklär- und reduzierbar. Alles was schief läuft, von Ertrunkenen im Mittelmeer über Dürreperioden in Angola, dem eigenen Scheitern in der „lookistischen" Datingkultur und dem „kapitalistischen“ Berufsleben, kann der Struktur des Bösen und ihrem esoterisch-hitleristischem Demiurgen zugeschrieben werden.

Weil alles so klar und fraglos ist und die hartnäckige Bosheit des Feindes so offensichtlich, darf man sich auch wieder etwas Pathos, Gewalt und Haß erlauben, richtet der sich doch gegen den essentiellen Haß selbst.

Daß alles „kackscheisze“ und die Welt noch kein befreites, kommunistisches Paradies und man selbst eine Elendsgestalt ist - an allem muß irgendwas schuld sein.

„Warum sollten wir Millionen Fremde in unser Sozialsysteme einwandern lassen?“
„Sie flüchten vor den Bomben, die wir exportieren. Es ist unsere Schuld.“

„Die Migranten, die hier her kommen, sind keine Flüchtlinge. Sie sind Wirtschaftsmigranten.“
„Sie fliehen vor Armut und Hunger, weil wir sie ausbeuten.“

„Wir beuten gar niemanden aus - daß Afrika wirtschaftlich unterentwickelt ist, ist nicht unsere Schuld.“
„Aber wir sind schuld daran, daß wir Ihnen nicht helfen. Wenn wir es nicht schaffen. in ihren Ländern Bedingungen herzustellen, die lebenswert sind, brauchen wir uns nicht beschweren, wenn sie kommen. Außerdem fliehen sie vor dem Klimawandel und der ist auch unsere Schuld.“

„Die Migranten hier passen sich nicht an unsere Wertvorstellungen an.“
„Ja, weil wir zuwenig Willkommenskultur haben und zuwenig Geld in die Integration stecken. Was sind überhaupt diese Werte? Gerade wir als Deutsche sollen hier lieber still sein.“

„Überproportional viele Migranten hier belästigen Frauen und sind anderweitig kriminell.“
„Erstens ist das falsch, weil Deutsche das auch tun, und selbst wenn es so wäre - ja, warum glaubst du denn, dass sie so sind? Weil sie keine anderen Perspektiven haben und durch die Chancenlosigkeit in unserer Gesellschaft da hineingedrängt werden. Ihre Gewalt ist unser Versagen. Außerdem sind sie vom Kolonialismus und den Kriegen, an denen wir schuld sind, traumatisiert."

„Die Islamisierung bedroht unsere Gesellschaft, wir haben uns Terror importiert.“
„Wir haben uns gar nichts importiert. Diese jungen Leute sind unsere Jugend, junge Europäer mit Migrationshintergrund, die wir durch Ausschlußerfahrungen in die Radikalität gedrängt haben. Wir sind schuld und haben unsere Terroristen selbst erschaffen.“

Diese Liste ist beliebig weiterzuführen. An jedem Mißstand sind wir durch unser Tun oder Unterlassen schuld. Schuld ist nur der nicht, der sich zu dieser Schuld und seinem „Privileg“ bekennt und die Wurzel der Schuld, den weißen westlichen Übervater, also Hitler und seine Vasallen, bekämpft.

Die Schuldfrage hat die Gottesfrage und die Seinsfrage abgelöst. Der Erzspalter und seine repressive Diskriminierungsstruktur stehen in dieser Schuldscholastik gleichsam für summum esse und summum essentia, die Allgemeinheit des Seienden und des am höchsten Seienden. In den Elfenbeintürmen der neulinken Unis bricht ein neues Mittelalter an, dem jede Wahrheit und Schönheit abgeht.

Wie damals neue Essenzen, werden nun ständig neue Identitäten und Geschlechter „entdeckt“, deren Sein sich am Ende aus der unbezweifelbaren und gesetzlich dogmatisierten Schuldontologie ableitet. Die Vertreter dieses Kultes rasieren sich das Haupthaar und ernähren sich karg. Sie tragen seltsame Gewänder, geben sich neue Pronomen und wispern in einer sakralen Sprache, die kein Uneingeweihter mehr versteht.

Zornig fordern sie von der Gesellschaft ihren Respekt (und den Steuerzehent) ein und erwarten, dass sich die weltlichen Herrscher vor ihren neuen PC-Sprachregeln und Diversityquoten in den Staub werfen. Als „Experten“ klären sie das einfache Volk über seine Schuld auf und genießen ihre Rolle als Staatskult in vollen Zügen. In alle Betriebe und Amtsstuben schwärmen ihre Diversityoffiziere aus.

Kein Politiker kommt umhin, ihren Siegelring zu küssen und auf die „bunte, offene Gesellschaft“ zu schwören. Sie singen das Hohelied der Vielfalt mit Vorliebe vor Kindern, deren unschuldige Seelen noch nicht von den bösen Strukturen deformiert sind. Heilige Kinderpropheten wie Greta Thunberg oder Märtyrer der offenen Grenzen wie Aylan Kurdi werden kultisch verehrt, denn das Ende ist nahe.

Trotz all dieser Pracht ist die ganze Welt gegen sie. Ihre Ideen sind großartig, aber die Zeit ist noch nicht reif. Deutschland ist scheiße und das System ist gegen sie, denn die Welt ist in den Händen des bösen Demiurgen. Das macht sie, obwohl alle relevanten metapolitischen, medialen, digitalen und finanziellen Machtmittel in ihren Händen liegen, immer noch zu „mutigen Rebellen“ gegen den metaphysischen „man in the high castle“ und seiner dunklen Weltherrschaft.

Die tonangebende Linke ist nicht postmodern. Erst recht hat sie mit den geistigen Gipfeln des aufklärerischen Denkens, mit Voltaire, Kant, Hegel und Schelling, nichts zu tun. Sogar der philosophische Hügel der marxistischen Politphilosophie liegt weit hinter ihr.

Die Linke ist zu einer gnostischen Schuldsekte geworden, die in hypermoralischer Dauerempörung einen chiliastischen Endkampf gegen den imaginären Todfeind führt. Dabei zertrampelt sie die Grundbestände der Demokratie, der Republik, der ethnokulturellen Identität und des Rechtsstaats.

Sie hat keinerlei Impulskraft mehr und hat sich, wie der sozialistische Verleger Hannes Hofbauer richtig feststellt, mit dem Status quo abgefunden.

Nach ihrer kompletten Niederlage in der wirtschaftlichen Arena darf die Linke nun die dominante gesellschaftliche Doktrin definieren, die auf den Konzepten Multikulturalismus, Sorge um Minderheiten und Antirassimus basiert. (Hannes Hofbauer, Kritik der Migration, S. 235 – ein ganz ausgezeichnetes Buch, sollte man hier bestellen!)

Die Schuldmetaphysik der Linken wird todeslangweilig, wenn man sie erst einmal durchschaut hat. Jeder Text ist vorhersehbar, jede emotionale Überreaktion berechen- und triggerbar. Die Prominenten dieses Denkens sind in der Regel traurige, verstörte und unglückliche Existenzen.

Sie brauchen wohl keinen weiteren „Butler-Lektürekurs“, sondern eine Psychotheraphie. 
Solange sie sich ihres Ethnomasochismus und metaphysischen Schuldkults nicht bewußt wird, ist die neue Linke philosophisch nicht ernstzunehmen.

Sie war nicht mutig genug, sich der Frage nach Sinn und Wahrheit, die postmoderne Denker neu aufwarfen, ernsthaft zu stellen. Stattdessen flüchtet sie sich in eine neue „große Erzählung“, die sie mit tyrannischer Moral gegen jede Kritik immunisiert.

Die neue Linke entehrt, indem sie diese Moral über die Wahrheit stellt, jeden ehrlichen Denker auf den sie sich beruft. Man muß sogar die Postmoderne vor ihr in Schutz nehmen.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (37)

Niekisch
7. März 2019 12:57

Ganz spontan nach erstem Überfliegen: einfach nur geil..dieser kopfrevolutionäre Schwung, diese weltanschauliche Wurzelresektion, dieses treffsichere Legen des Balls auf den Elfmeterpunkt...los jetzt, rein, voll zwischen die Pfosten der Vollpfosten. Und wenn es dem gegnerischen Tor(en)wart die diversierten Eier wegreißt...Drin!!!!!!!!!!! Ein Aufschrei im weiten Rund: Sieg, Sieg, Sieg!

quarz
7. März 2019 13:38

Abgesehen von der allzu freundlichen Nachsicht gegenüber der Postmoderne und den allzu hastig placierten Kommata:
Eine großartige Predigt, fulminant und voller barocker Pracht. Ganz in der Tradition eines Abraham a Sancta Clara. Und inhaltlich ein Volltreffer, was die große, düstere Sage vom bösen weißen Mann betrifft, den die Hohepriester des Schuldkultes opfern wollen. Diese ist in der Tat nicht das Aquarell eines sich zurück nehmenden postmodernen Beobachters, sondern könnte eher einem Bild von Hieronymus Bosch entsprungen sein: fanatisch zielgerichtet und bar jeder skeptischen Selbstreflexion.

Ergänzend möchte ich auf ein interessantes Detail hinweisen: im großen Epos von Schuld und Untergang des weißen Mannes gibt es - anders als in dieser literarischen Gattung üblich - keinen Helden, der die Unterdrückten, Erniedrigten und Beleidigten in die strahlend bunte Zukunft führt, sondern es ist eine Art positive Borg-Herde (siehe: Star Trek), der es aufgetragen ist, dieses Erlösungswerk zu vollbringen. In Parteien und auf Kirchentagen, in Redaktionsstuben und Schulen wirken die Borg termitenhaft und unermüdlich das große Gemeinschaftswerk.

Carsten
7. März 2019 14:57

Endlich! Der Text ist eine Weiterentwicklung und ein großer Schritt nach vorne.
Ich glaube schon lange, dass die Aufklärungs-/Universalismus-/Liberalismus-/Nihilismus-Kritik der neuen Rechten oft zu kurz greift. Dabei hat man die philosophischen „Bösewichte“ schön bequem als Feindbild aufbereitet und begnügt sich dabei auf sie einzuprügeln. Das führt aber schnell zu einem geistigen Stillstand. Dass die Begriffe aber oft schwammig sind und sehr vielfältige Konzepte dahinter stehen können, geht dabei verloren. Gerade weil man meint die Probleme erkannt zu haben, verliert die genaue Beobachtung der aktuellen politischen Situation an Schärfe. Dabei werden Phänomene und Fehlentwicklungen vorschnell in eine Schublade (z.B. Liberalismus oder Nihilismus) gesteckt.
Es ist eine fundamental wichtige Erkenntnis, dass es sich bei den linken Selbstbeschreibungen um Lügen handelt. Das Problem sind also nicht die philosophischen Strömungen, sondern was die moderne Linke daraus macht. Und genau dies ist ein primitives Schema basierend auf Tätern, Opfern und Schuld. Genau dies wurde hier vorzüglich entlarvt. Dabei handelt es sich auch eher um ein psychologisches Massenphänomen als um ein ausgeklügeltes, philosophisches System.
In diesem Kontext könnte man in Zukunft noch genauer herausarbeiten, wie das Verhältnis zwischen Schuld und Scham ist. Es ist ja nicht nur ein Schuldkult, sondern auch ein Schamkult. Man soll sich für die Vergangenheit und die eigenen Privilegien schämen.

andreia
7. März 2019 15:34

Für meinen Geschmack zu viel Jargon. Ich versuche es später noch einmal.

Der_Juergen
7. März 2019 15:47

Ein wirklich grossartiger Text, auch stilistisch ein Vollgenuss. Hut ab!

Friedrich Lagerfeld
7. März 2019 15:59

Die Postmoderne ist die Depression der Aufklärung vor dem Scherbenhaufen der Projekte "Transformation" und "Aufhebung".

Mit anti-westlich "vergesellschafteter" Schuldmetaphysik verdrängt die Linke ihr Versagen vor ihren eigenen Maßstäben, bzw. das Versagen dieser Maßstäbe an der Wirklichkeit.

Als (gefühlt) ultimativ aufgeklärter, Über-schlauer und mithin Letzter Sachwalter eines „Imperialismus der Vernunft“ huschte das Gespenst des Kommunismus von Improvisation zu Improvisation.

Vom Großen Sprung "nach vorne" von bolschewistischer Hungersnot bis zur Evakuierung der Städte durch Pol Pot fällt ein Schatten von Schock, den man immer mehr mit Langeweile, Zerstörungslust und Zynismus verdrängt.

Die neue (hyper-fluide) Große Erzählung umrahmt ein philo-primitives Trommeln zu einem Großen Abgang von allem vormals lieb-gehabtem.

Ein buntes Allerlei von sog. grievances soll allen ursprünglichen Ziehkindern und Bambule-Berechtigten des Progressivismus den Garaus machen.

Die Auflistung in der Textmitte legt ein schizoid-paradox/paranoides Muster in der Bündelung dieses Buntheiten-Allerlei offen. Resultierend mehr noch in allgemeiner Immunschwäche als in konkretem Krebs.

Laurenz
7. März 2019 16:09

Im Westen nichts Neues, aber gut zusammen gefaßt und auf den Punkt gebracht. Nur in einem Gedanken mag ich widersprechen. Zitat- Die Schuldfrage hat die Gottesfrage und die Seinsfrage abgelöst - Zitatende. Dem ist nicht so. Die Schuldfrage, die Einführung der Sünde, ist der Sand, auf dem abrahamitische Religionen, inklusive des Marxismus-Leninismus, grundlegend basieren, dieser Psycho-Müll ist also ca. 3.000 Jahre alt, nix postmodern. Ist es da nicht günstig, wenn man da den Job des Absolutionators innehat? Virtus officii mei, Te absolvem, o Frater Martinus.
Der vorchristliche Heide kannte weder gut noch böse, keine Schuld, nur den jeweiligen Standpunkt des Betrachters. Als Wert galt die Makellosigkeit, die Lauterkeit. Als Wieland, der Schmied, einem Bauern seinen Schatz stahl, kam ihm seine Feigheit als Makel zu Bewußtsein, nur ein gemeiner Dieb zu sein. Daher ging er den Schritt zur Makellosigkeit und erschlug den Bauern in einem fairen 2kampf. Auch Homer hatte überhaupt keine Hemmung den erlegten Gegner als Fischfutter zu spenden. War Homer deswegen ohne Kultur? Mitnichten. Er erkannte den universalen Habitus des Menschen und gestand diesen, rechtschaffen, jedem zu, der das Göttliche Heil auf seiner Seite suchte, gewann oder das Leben verlor. Man konnte die göttliche Entscheidung auch vermeiden, zum Preis der Unfreiheit.

Der Unterschied zur abrahmitischen Linken ist, daß bei denen nur die Geläuterten Gewalt nutzen dürfen. So lynchte man trickreich das Römische Reich. Gegengewalt ist faschistisch, sündhaft. Linke Legitimation basiert nur auf dem geschriebenen Wort, welches nie göttlich, immer nur menschlich ist, auch wenn die Wahhabiten zwangsläufig immer noch was anderes behaupten. Die Linke löst daher auch nur verbal Religionen ab, faktisch aber nicht. Man wird weder modern, noch postmodern, nur weil man es postuliert, ähnlich, wenn Marcus Allen auf Seinen Veranstaltungen Mondgestein "verkauft", welches dadurch zum Mondgestein wird, weil Mondgestein drauf steht. Wenn sich der gute arme Satan dem bösen Jesus stellt, bleiben Attribute immer nur eine Frage des Standpunkts, haben keinerlei Bedeutung und dienen nur jenen als Orientierung, welche beati pauperes spiritu sunt. Würden uns Homers Leser aus Seinen Lebzeiten heute sehen können, wären Sie wohl über unseren degenerierten Verstand erschüttert. Aber auch die Spartaner konnten den Prozeß der Verdummung durch Geld nicht aufhalten und an Platon hält sich beim Zeugen neuer Menschen keiner, auch die SiN-Redaktion nicht. Wenn wir Herrn Sellners Beobachtung der Linken folgen, und uns die linke Betrachtung Hitlers näher ansehen, müssen wir feststellen, daß es die Linke ist (und nicht die Rechte), welche Hitler entmenschlicht und ihm quasi einen göttlichen Status verschafft. Hitler als zeitgeistiger Satan wird zum gefallenen Engel. Die zugewiesene Kriegsschuld Hitlers implementiert die unausgesprochene (aber doch absurde) Schlußfolgerung, daß es unter einer bürgerlichen Reichsregierung keinen Krieg gegeben hätte. Diese Ignoranz gegenüber den Großmächten ist vollkommen lächerlich, deswegen war die Scheuklappen-Produktion noch nie so erfolgreich wie heute. Von daher ist es unmöglich, die Linken zu erlösen, sie müssen ewiglich in ihrer selbst erschaffenen Hölle braten, oder wie George Orwell, desillusioniert, sich selbst spiegelnd, verzweifeln.

Niekisch
7. März 2019 18:33

Wenn wir jetzt noch gemeinsam klären, wer wann und unter welchen Umständen das Einimpfen von Schuldgefühlen schon im Kriege als Nachkriegswaffe speziell gegen die Deutschen einsatzreif gemacht hat, erreichen wir die Quelle des Flusses, den Martin Sellner schon ein ganzes Stück mit seinem tollen Artikel gegen die Strömung zurückgelegt hat. Die "Linken" sind nur ein heutiges Werkzeug der damaligen Seelenwäscher und arbeiten insbesondere daran mit, die jungen Menschen in Deutschland zu Meßdienern der neuen, allgemeingültigen Zivilreligion zu machen.

Mein Enkel kürzlich: "Hitler war ein böser Mann und im Sommer fahren wir mit der Klasse - auf eigene Kosten- nach Majdanek".

Laurenz
7. März 2019 22:31

@Niekisch ..... da hilft nur wohl nur eine Gegenfrage an den Enkel: "Ob Er denn einen seinerzeitigen Staatsmann nennen könnte, der nicht böse war?"

Frika Wies
7. März 2019 23:12

Außerordentlich gut analysiert.
Es haut eben nicht hin, alles auf Nullen und Einsen runterzubrechen.
Da gibt es noch ein paar Dinge, die größer sind als wir, aber der moderne linke atheistische wurzellose Mensch fühlt sich von dieser Vorstellung beleidigt.
Also wird die Welt jeden Tag aufs Neue zurechtgelogen, damit sie wieder zur eigenen Ideologie, die längst Identität ist, paßt.
Bis eines Tages der Schmerz, den die Lüge verursacht, hoffentlich größer ist als der Eingeständnis, sich geirrt zu haben.

Zooey
7. März 2019 23:34

Die Mainstream-Linke denkt nicht, sie plappert (wie die Heiden) nach oder käut wieder und wieder: deshalb ist das so breiig. Dieser Topos vom "alten weissen Mann" ist natürlich ... da fehlen mir die Worte.

Diese Schuldzuschreibung, weil eine metaphysische Kategorie, passt natürlich nicht in einen flachen Rationalismus, der dafür gar keine Kategorien hat. Offen gestanden kamen mir solche Gedanken wie, dass die Allierten Deutschen hätten abschaffen sollen, ganz spontan, als ich erstmals von Auschwitz hörte - weshalb ich vermute, dass Schuld und Scham tief im kollektiven Unbewussten verankert sind. Dass das von aussen eingeimpft wurde, glaube ich indes nicht; ich glaube eher, dass Schuld und Scham weitergetragen werden von Generation zu Generation, sofern sie ungesühnt und unbearbeitet bleibt. Auch Traumata sollen ja intergenerationell vererbt werden (es gibt Bücher darüber, die ich zwar nicht gelesen habe, die Idee halte ich aber für sehr plausibel). Auch dadurch wird ein volkhafter Zusammenhang gestiftet - und wenn das Erbe nur aus Schulden besteht, schlägt man es aus. Zivilrechtlich ist das ja auch möglich. So erkläre ich mir jedenfalls dieses infantile "Deutschland Verrecke"-Getue. Indirekt bestätigt damit die Linke aber die metaphysische Existenz eines Volks bzw des deutschen Volkes. Ein Fortschritt wäre, wenn man sich diese metaphysischen Restbestände eingestehen würde. Ebenso diese für jeden nur etwas distanzierten Beobachter leicht durchschaubaren "Nazi-Jäger-Mentalität", kurzum: die Mainstream-Linke braucht Selbstreflexion. Warum ist ihr das nicht möglich?

Niekisch
8. März 2019 11:11

@ Laurenz 7.3. 22:31: Ich werde ihn fragen, ob er überhaupt einen anderen Staatsmann damaliger Zeit kennt.

"Dass das von aussen eingeimpft wurde, glaube ich indes nicht"
@ Zooey 7.3. 23:34: Vielleicht kommen Sie zum Wissen, wenn Sie gezielt nach den Macy - Konferenzen googlen oder MetaGer einsetzen. Sie finden dann den Kreis um Margret Mead, den Kollegen Talbot, Erik Eriksson und viele andere, die die Pläne zur (Um) Erziehung der Deutschen für den Fall des Sieges der Alliierten schon zu Anfang der 40iger Jahre in den USA bis in alle Einzelheiten entwarfen und spruchreif machten. An der Uni-Heidelberg gab es dazu vor ein paar Jahren sogar ein spezielles Forschungsprojekt. Ein instruktives Werk ist Grunenberg, Antonia, Die Lust an der Schuld-Von der Macht der Vergangenheit über die Gegenwart-, Rowohlt, 2001, das sich u.a. mit dem Weitergang kollektiver Traumata und deren Verarbeitung durch positive, heilende Narrative beschäftigt, der "Lust an der Schuld" eine bedeutende Stellung innerhalb des "Schuldkults" zuweist.

heinrichbrueck
8. März 2019 12:00

Was die Marxisten wissen glauben sie auch und umgekehrt. Überzeugt von ihrem Sieg, auch wenn er in der Zukunft liegt, wird ihre Agenda durchgezogen. Ihre Lügen sind denen Mittel zum Zweck. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Naivität sich das Vorstellungsvermögen weigert, die böse Absicht akzeptieren zu können.
Sellner möchte im Prinzip nur, daß die Demokratie in seinem Sinne funktioniert.
Man schlägt sich in Wahlkämpfen gegenseitig rational den Schädel ein, wählt danach richtig, schließlich konnten sich die besseren Argumente durchsetzen. Hier fällt mir Schäuble ein, der erst kürzlich einen Witz machte: „Die AfD ist Teil der Politik. Und ihre Wähler sind genauso ernst zu nehmen wie alle anderen Wähler.“ Er sagte die Wahrheit, weiß natürlich auch Bescheid: hat die ganze Wählerei doch null Einfluß auf die gemachte Politik. Er kennt seine Position, seine Rolle auf der politischen Bühne, das Zusammenspiel und das Drehbuch. Ein Demokrat versteht diesen Witz ganz anders.
Die Mächtigen brauchen keine Selbstreflexion, und die Linke ist nicht mächtig. In welchen Machtstrukturen die Funktionsweise des Herrschaftssystems gesehen werden, darauf kommt es an. Der Hochmut der Wichtigtuer, die ihre Stimme in eine Urne werfen, stützt die gottlose Lüge und den Vernichtungswillen der übergeordneten Macht. Die Nachdenklichen vertrauen den Institutionen, und nicht ihren Landsleuten, denn dazu wurden sie erzogen. Die Erziehung gegen den NS sitzt sehr tief. In der gesamten Weltgeschichte war noch keinem Volk einzureden möglich gewesen, daß die Sieger - nach einem Krieg - die Befreier hätten sein können. Habe erst vor ein paar Tagen antiquarisch ein Buch gekauft, Grabert Verlag (Die Frau im Dritten Reich), weil mich eine Stimme aus der erlebten Zeit interessierte; die Frau an der Kasse den Titel überflog, und mir das Wechselgeld falsch rausgeben wollte, was bestimmt nicht an ihren fehlenden Rechenkünsten lag. Wie über vermintes Gelände sprechen, wenn die Erziehung in Gegenrichtung programmiert wurde?
Bei den Nationalsozialisten waren die Juden Feinde und draußen, über die rassische Unvereinbarkeit gab es keine Diskussion. Den Nationalsozialisten Antisemitismus vorzuwerfen, den Marxisten aber keine Deutsch- und Völkerfeindlichkeit, ist gelungene Propaganda für anständige Naivlinge. Im demokratischen Herschaftssystem scheinen aber die Europäer ein Problem zu haben; fragt sich nur warum sie ein Problem haben. An Hitler kann es nicht liegen, der ist tot.

Niekisch
8. März 2019 13:11

@ Heinrichbrueck 8.3. 12:00:

Antonia Grunenberg schildert die Climax der Erziehung so: "Über Generationen ist Deutschland von der Überlagerung der politischen Sphäre durch ein kollektives schlechtes Gewissen, das Politik durch Gesinnung und Opportunismus ersetzt, geprägt worden. Inzwischen hat sich das schlechte Gewissen mehr und mehr von seiner Ursache gelöst, es kreist um sich selbst. Wir sind wie fasziniert von der Schuld, denn wir sind darin die Einzigen, die "Besten". Selbst noch in der Sühne für das Verbrechen sind wir die Besten. Wir stellen eine Lust an der Schuld zur Schau". (S. 207)

Hier kann nur noch eine psychiatrische Behandlung ansetzen, die einbezieht, daß Hitler eben nicht tot ist. Als Herostrat des Bösen begleitet er nämlich unser Schuldgefühl, gibt uns den inneren Befehl, jede Sekunde das Gegenteil davon zu denken und zu tun, was er dachte und tat. Das garantiert ihm Unsterblichkeit und seinem Volk, das sich zu schwach erwies, wenigstens die Stärke der Umkehr.

Wer kennt dafür eine passende, kollektive Therapie?

Andreas Walter
8. März 2019 15:19

Frage mich gerade, ob Herr Sellner lediglich mal zum Spass die linken Intellektuellen mit seinem Artikel parodieren wollte. Solche sprachlichen Ungetüme bestehend aus endloser Aneinanderreihung von Fremdworten sind doch eher die Spezialität linker Ideologen, Philosophen und verkopfter Frankfurter Hochschüler (Streber) und Professoren (Agitatoren). Die genau darum auch so gerne vollkommen sinnlose Begriffe kreieren wie auch das Wort "Faschismus" oder eben "Die Postmoderne".

Denn was bitte soll die Postmoderne denn sein, wenn modern doch immer nur die aktuelle Gegenwart markiert. Also das Jetzt. Die Zukunft? Welche Zukunft? Wessen Zukunft? Die der Welt? Die der Deutschen? Die der Juden, Chinesen, Russen, Mexikaner? Vor oder nachdem alle Fossilen Rohstoffe verbraucht sind? Mit oder ohne bis dahin Nutzbarmachung der Kernfusion? Denn dazu gibt es eben keine Alternative, mit 10 Milliarden Menschen, wenn es auch dazu noch überhaupt kommt. Nichtmal mit 7,5 Milliarden.

Post modern? Modern also als Überbegriff für das in meinen Augen Industriezeitalter, welches mit der vermehrten Nutzung der Kohle begann? Nach dem regenerativen (nachwachsenden) Werk- und Brennstoff Holz? So um 1750? Mit der Erfindung der Dampfmaschine? Oder beginnt die moderne erst mit der Er-Findung des Generators und damit auch des elektrischen Stroms? War auch ein Meilenstein in der Geschichte. Oder ist die Moderne erst das Atomzeitalter? Welches auch den Sieg über den (nämlich ineffizienten) Marxismus eingeleitet hat. Denn der Nationalsozialismus ist ja noch nicht besiegt, wie China gerade eindrucksvoll beweist. Ein Flugzeugträger aber ist noch lange keine Stadt der VSA, sondern lediglich ein maritimes Militärfahrzeug mit Soldaten und Waffen an Bord. Auch moralisch betrachtet. Was also hat auch Herr Zuckerberg sich dabei gedacht, ausgerechnet eine Chinesin zu heiraten? War es wirklich nur Liebe? Liebe zu was? Was ist Liebe, wie entsteht Liebe?

Kings and queens of the stone age. Girl likes boy and the beat goes on. Umpf umpf umpf umpf. Alles ist daher immer im Gleichgewicht, nur die Technik (Energieverfügbarkeit, -menge) verändert sich. Leben aber braucht/verbraucht Energie. Menschen sind Leben, lebendige Wesen. Wie lange brauchen 7 Milliarden Tote bis sie verrotten? Was wissen wir daher schon von der Zukunft und wie "modern" sie sein wird. Den was bitte ist auch modern. Der Schuldkult aber könnte gerade seine nächste Stufe erklimmen:

https://youtu.be/Dkw15LkZ_Kw

Theorie und Praxis, Anspruch und Wirklichkeit, Hochmut und Verrat, Stolz und Vorurteil. Alles so zeitlos. Doch was will die Evolution? Einfalt? Harmonie? Ja und nein. Sie will beides. Auch Vielfalt und Krieg darum. Alles im Gleichgewicht. Doch das eben kennt nur Gott, sie selbst. Wir dagegen machen nur, Experimente, und wissen aber gar nicht, was wir tun. Vergebt euch.

mielia
8. März 2019 16:31

Kürzlich sagte Jemand zu mir kritisch entgegnend: ‘Wir leben längst in der Hypermoderne, die die Postmoderne ablöste.’
Ähnlich wie wir bei der Vierten Welle des Feminismus angelangt sind, jedoch dessen sich nicht Gewahr, viele Kritiker immer noch auf die Dritte Welle einhauen.
Gestrige.

Was hier anklingt, klingt ebenso in Sellners Text an: Der Abschnitt nach der Moderne ist keine Gegenmoderne, keine Gegenbewegung (Romantik vs. Aufklärung), sondern eine Fortschreibung, eine zunehmende, schneller werdende Deformation.

Ich bin nicht vom Fach und zum Thema nicht belesen, daher kann ich keine rechte Beurteilung und Kritik zum Kernthema der Einschätzung der Postmoderne liefern.

Dass ich Lücken in Geschichtskenntnissen habe, fällt an dieser Stelle auf:
„bricht ein neues Mittelalter an, dem jede Wahrheit und Schönheit abgeht.
Wie damals neue Essenzen, werden nun ständig neue Identitäten und Geschlechter [Anm.: und "Menschenrechte"] „entdeckt““
Ich kann nur erahnen, um welche Proliferation von Essenzen es sich gehandelt haben mag.

Der Essentialismus gehört zu den Dingen, die tot sind. Es gibt kein Wesen, keine Natur der Dinge mehr. Das von Wissenschaftlichkeit geprägte Weltbild ist das eines Behaviorismus mit Update.
Statt Stimulus - schwarzer Box=Kopf - Reaktion ist es nun
Stimulus - Box gefüllt mit Computerprogrammen - Reaktion.
Nicht nur Gott ist tot, die Seele ist tot.

Womit ich noch hadere, ist das Eindampfen auf den Schuldkult. Den Versuch auf nur eines herunterzubrechen, wie sonst gerne beim Liberalismus. Die Kürze solcher Texte und die Überschrift sind dem entgegen zu halten.

Eines möchte ich trotzdem ergänzen.

Es gibt nicht nur das Schuldnarrativ, bei dem sich der Verantwortung entzogen wird, sondern auch die Erzählung, bei der sich zur Verantwortung berufen gefühlt wird.
Da, wo es heißt, ‘wären doch nur alle so’. ‘Wären sie doch nur so friedlich und tolerant wie wir.’ ‘Gäbe es doch nur keine Religionen.’ Sängen doch nur alle Hand in Hand kumbaya. (Und die Neocons schreien diesem Weltbild sich anschließend: Wir müssen Demokratie bringen.)
Da, wo Reschke ganz selbstverständlich davon spricht, dass ihr und ihrer Kollegen Auftrag Aufklärung, Erziehung ist.
Dasselbe konnte beim twitter Vorsitzenden und seinen Kumpanen beobachtet werden (JRE 1258). Den Willen umerziehen zu wollen, den Willen dazu den sich nicht humanistisch-menschenfreundlich Gesinnten zunächst sanft, dann aber bestimmt und totalitär zu einem guten Menschen umerziehen (bestrafen) zu wollen. Einen guten Menschen wie sie selbst einer sind.
Dort besteht keinerlei Selbstzweifel. Es ist, wenn man so will, imperialistisch oder eben der Wille einen Universalismus des ‘alle Menschen sind gleich’ erzwingen zu wollen.

Anders gesagt, für mich ist eben nicht mit der ‘Schuldmetaphysik alles erklär- und reduzierbar’. Ich sehe das ‘linke Weltbild nicht als so stabil an, wo alles seinen festen Platz hat’.
Es ist für mich zum Teil ein Amalgamat, zum Teil verschiedene Strömungen.
Von der Essenz her ist es jedoch westlich.

Laurenz
8. März 2019 16:38

@Zooey ... es gibt mehrheitlich auch Möchtegern-Heiden, die glauben, vielleicht auch nachplappern, aber die Heiden-Kommentatoren auf SiN bleiben doch recht sparsam mit Edda-Zitaten und legen dabei auch keinen Wert auf Exklusivität in der komplexen eddischen Schöpfungsgeschichte. Ich kenne auch keine Heiden, die regelmäßig "Oh, Du Lamm Gottes, nimm hinweg die Sünden der Welt" nachplappern. (Soweit kommt's noch). Ich wünschen Ihnen einfach mehr Heidenspaß, und hoffe, daß Ihnen die historisch reale Heidenangst erspart bleibt.

Niekisch
8. März 2019 17:55

@ Zooey @ Laurenz: damit es zwischen Euch nicht zum Streit kommt, ein kleines Goethewort, auf dessen Inhalt wir uns alle einigen können müßten:

Was Euch nicht angehört,
müsset Ihr meiden,
was Euch das Inn`re stört,
dürft Ihr nicht leiden".

Zooey
8. März 2019 19:06

@Niekisch: Ungeachtet der Umerziehung lässt sich doch nicht bestreiten, dass es reale Schuld gab. Ich empfinde natürlich keine persönliche Schuld für die NS-Verbrechen, Scham durchaus, die aus der Zugehörigkeit zum deutschen Volk resultiert.

Damit rede ich dem "Schuldkult" nicht das Wort, und ich stelle auch nicht in Abrede, dass die Umerziehungs-Pläne dafür mitursächlich sind. Dem Grunenberg-Zitat, das Sie gebracht haben, gebührt meine volle Zustimmung. Es sind aber die Deutschen, die diesen Schuldkult betreiben oder dabei mitmachen oder sich das gefallen lassen (kollektive Zuschreibungen sind immer schwierig) - und zu sagen, dass seien die anderen, gehört für mich zur deutschen Malaise.

Richtig ist auch, dass das "Finde den Nazi-"Spiel den Blick auf die gegenwärtigen Problemlagen verhindert. Richtig ist auch, dass aus dieser Umerziehungs-Propaganda eine gestörtes Demokratieverständnis resultiert: Man war ja post 45 der Meinung, dass deutsche Volk müsse erst demokratietauglich gemacht werden, sprich zu einem "demokratischen Volk" gemacht werden - weshalb es dann zu so eigentümlichen Aussagen von z. B. SPD-Politikern kommt, die demokratischen Parteien müssten gegen die AfD zusammenstehen.

Zooey
8. März 2019 19:17

@Laurenz: Den kleinen Seitenhieb konnte ich mir leider nicht verkneifen. Ihre Sicht auf Christen- und Judentum finde ich einfach abstrus . Dabei lese ich ansonsten Ihre Beiträge stets mit grossem Interesse. Ihr Hinweis auf die Edda neulich hat mich sogar neugierig gemacht, so dass die Edda-Lektüre vorgemerkt ist.

Niekisch
8. März 2019 19:57

@ Zooey:
Woraus schließen Sie, daß ich jegliche Schuld auf deutscher Seite bestreite? Natürlich gab es die. Solange aber nicht einmal ernsthaft der Versuch gemacht wird, vor allem von den Kriegsgegnern, unter wissenschaftlicher Begleitung a l l e Kriegs- und Menschheitsverbrechen kriminologisch einwandfrei wie bzgl. Katyn aufzuklären, verweigere ich mich sogar der Scham und schweige.

Laurenz
8. März 2019 20:01

@Niekisch ..... wie viele Heidenmissionen kennen Sie? Ein kleiner Hinweis, wenn Sie "heidnische Mission" in der Suchmaschine eingeben, kommt nix. Wenn Sie allerdings nur Mission eingeben, kommen wohl hunderte Kulturschänder- und -Mißbrauchs-Seiten. Und wenn unser Mitforist Zooey säkularisierte Mitbürger als Heiden bezeichnet, ist das schlicht und einfach falsch. Außerdem formuliert das wortlos die Schlußfolgerung, Abrahamiten würden das nicht tun, was einen Antagonismus der wesentlichen Inhalte abrahamitischer Religionen darstellt. Man verzeihe mir den Komparativ, aber falscher geht's nicht. Da gibt es weder etwas zu debattieren, noch zu streiten oder gar zu schlichten. Und wenn doch, wäre das wie, "mit Linken reden".

heinrichbrueck
8. März 2019 21:00

"Ungeachtet der Umerziehung lässt sich doch nicht bestreiten, dass es reale Schuld gab."

Wer bestreitet es? Wie die Schuld verteilt wird, darauf kommt es aber auch an. Und das Dritte Reich hatte eine Vorgeschichte.

"Es sind aber die Deutschen, die diesen Schuldkult betreiben oder dabei mitmachen oder sich das gefallen lassen (kollektive Zuschreibungen sind immer schwierig) - und zu sagen, dass seien die anderen, gehört für mich zur deutschen Malaise."

"Zugehörigkeit zum deutschen Volk" - "die Deutschen"? Wir Deutsche also? Ich schäme mich nicht. Was sollen "die Deutschen" denn machen?

"Richtig ist auch, dass aus dieser Umerziehungs-Propaganda eine gestörtes Demokratieverständnis resultiert."

Nein. Das Aufwachen wird erschwert, weil die Musterdemokraten immer ihren Nazi zur Verfügung haben, mehr nicht. Demokratietauglich kann fast jedes Volk gemacht werden, zumindest der Versuch kann unternommen werden, gehören die Länder zur Achse des Bösen. Kann die Demokratie nicht ohne Hitler gedacht werden? Was käme dabei heraus?

Zooey
8. März 2019 23:49

@Niekisch
Woraus Sie jetzt wiederum schliessen, ich hätte Ihnen dergleichen unterstellt? Ich habe absichtlich "lässt sich nicht bestreiten" statt z. B. "können Sie nicht ..." formuliert. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, was Ausgangspunkt für meinen Beitrag war, nämliche die reale Schuld und ihre Auswirkungen auf gegenwärtige Generationen. Wenn ich ein unverkrampftes Verhältnis zu meiner Herkunft gewinnen will, kann ich nicht warten, bis alle Verbrechen der Menschheitsgeschichte aufgeklärt sind. Ehrlich gesagt, verstehe ich den Rest Ihres Beitrags nicht ganz, und Sie können das natürlich anders als ich empfinden.

Andreas Walter
9. März 2019 01:28

Wie jetzt? Doch nicht alle out of Wakanda?

https://www.telegraph.co.uk/science/2017/05/22/europe-birthplace-mankind-not-africa-scientists-find/

Das werden die kings and queens of the stone age jetzt aber gar nicht gerne hören. R1b soll ja auch afrikanischen Ursprungs sein, R1a aber von wo anders her, nämlich aus dem Osten. So wie vielleicht auch die Neandertaler und der Moderne Mensch. Der ewige Krieg um die Deutungs-Herrschaft geht also weiter. Selber Schuld, wer das Spiel darum nicht durchschaut. Das gilt auch für die Deutschen. Die Einen werden darum überleben, wo und wie auch immer, die Anderen einfach aussterben (zumindest die Männchen). So wie es sein soll. Grosse, starke, manchmal darum auch brutale Männchen, lieben deshalb die Weibchen. Bis heute ist das so und so war das schon immer. Ausser bei den Gestörten, doch das ist eine andere, eine kompliziertere Geschichte.

EDOUARDMCADAM
9. März 2019 05:08

Die interessante Frage die ich mir stelle ist, ob sich hier die "Neuen Rechten" wirklich als Postmodern verstehen. Das begreifen und prägen von Begriffen ist eine der grossen Herausforderungen der Zukunft. Ich zweifle einfach daran ob es genügt abstrakte Denkweisen heranzuziehen um den nötigen Impuls zu setzen. Es werden sich leider sehr wenige Menschen mit all den notwendigen Werken auseinandersetzen können um hier den Durchblick zu haben und Kritik zu üben. In meinem konservativen Verständnis ist es aber entscheidend auf den vergangenen Ideen aufzubauen. Zu Versuchen eine Synthese aus philosophisch und religiösen Gedanken aufzubauen, die sich aber nicht notwendigerweise gegenseitig auszuschliessen haben. Wir erschaffen das "Neue" durch eine Verstrebung des "Alten" mit dem "Neuen"...Denn das Rad muss ja nicht neu erfunden werden. Ich möchte einfach kurz bemerken, dass das Göttliche mir ein wenig zu kurz kommt. Es gibt eine kosmische göttliche Ordnung die über allem steht. So wie es Shakespeare und auch Newton begriffen haben. Die Renaissance war mit ihren Denkern (Marsilio Ficino, Pico della Mirandola etc. vielen Vorläufern und Nachfolgern überlegen. Die Seele der Antike (Platon) verbunden mit der Wissenschaft der Zeit. Einzigartig! Die Denker der Aufklärung, die das religiöse Denken später abgelöst hatten kippten auf eine Seite (die rationalisitische) . Diese rationalistische Sichtweise wurde überbetont und die Metaphysische fast aufgegeben. Die Romantik holte sich das Mittelalter und die Mystik zurück als Gegenbewegung zur Aufklärung. Wir müssen die Ratio als Werkzeug begreifen. Das Bewusstsein wird nicht aus der Vernunft erschaffen sondern als Prägung des Lichtfunken (In deo lucem) Gottes erfasst . Und somit verstehe ich diese zukünftige Zeit eher als kosmisches Zeitalter.

Robert
9. März 2019 11:13

Fragen, über Fragen! Der Artikel ist übersät mit Schlagworten, wie „Kritik des modernen Denkens“, „radikaler Zweifel“, „Ethnizität des Denkens“, usw.; ja, was ist die Postmoderne (PM), von der es – je nach Gusto und politischer Orientierung – jede Menge an Definitionen gibt; wo schon der Begriff der Moderne im Streit steht und demnach seine jeweiligen Überwindungs-Varianten durch ein „post“ sich demnach aufmultiplizierten.
Also, ein heilloses, an den scholastischen Geist gemahnendes Durcheinander, Beliebigkeit und empirieloser Sterilität ist die Folge.

Aber darauf weist ja der Autor gleich anfangs z. T. selbst hin, bleibt aber im Weiteren dabei, um aber trotzdem unverdrossen für den Alleinvertretungsanspruch auf die PM zum Nutzen der Neuen Rechten zu ringen. Und überhaupt: Kann man bei der PM von Philosophie im eigentlichen Sinn sprechen, und nicht eher von einer gewissen intellektuellen Grundhaltung? Diese und andere Aufzählungen gemahnen doch eher an eine in sich teils inkonsistente Ansammlung von ideologischen Versatzstücken, die auch teils dezidiert rechten Grundsätzen entgegenstehen. Die PM ist allenfalls eine buntschillernde Epochenmarkierung.

War nicht z. B. der „radikaler Zweifel“ an Ordnung, Gesellschaft und Natur geradezu das zentrale Ideologem der Linken, ohne das sich keine „kritische Theorie“ oder der „radikale Konstruktivismus“ hätten entwickeln können, die doch wohl eher nicht zu unserer Nomenklatur gehören? Und exakt dieses Versatzstück reklamiert der Autor für sich und seine Bewegung?

Nicht, daß gerade in diesen Zeiten für uns als widerständige Menschen der Zweifel nicht not-wendig wäre, aber soll er deswegen zentral philosophisch konstitutiv werden? Soll er sich z. B. auch auf Kultur und wissenschaftliche Erkenntnis und Wissen als solche beziehen?

Weiter: Welcher Sinn bestünde für uns „Rechte“ (ob alt oder neu, durch eine „Kantenschere“ fassoniert oder nicht) ad infinitum die Psycho- und Ideo-Pathologien der „Linken“ für uns zu ordnen, zerlegen, entlarven, usw. Und zu welchem Ende? Hätten wir dann eine klarere Sicht über uns selbst – sprich die uns eignende weltanschauliche, geistige, erkenntnistheoretische Verortung? Sollte es nicht in erster Linie zunächst darum gehen?
Nämlich auch deswegen, um erst von dieser Plattform aus erst Falsches von Wahren, Nützliches vom Unnützen trennen zu können?

Was spielt es für eine Rolle, ob „wir“ uns postmodern oder doch modern, auf- oder anti-aufklärerisch sehen, wo doch diese Etikettierungen keine überdauernden philosophisch-weltanschaulichen Inhalte, Verankerungen transportieren, sondern eher ephemere, dem Zeitgeist unterworfene Zuschreibungen sind, um die man sich wahrlich nicht mit den Linken raufen sollte?
(Die Trennungslinien zwischen Links und Rechts und ihre Definitionen haben Sommerfeld und Lichtmeß in ihrem Buch m. E. anhand ihrer Kriterien sehr gut dargestellt, wo man sich eher an Fragen eines tragfähigen Realitätsbegriffs, dem gesunden Menschenverstand, der psychologischen und kognitiven Verfaßtheit des Menschen (mitsamt den kollektiven Psycho-Pathologien), an lebenstauglichen Tugenden, usw., orientierte.)

Ganz anders verhält es sich mit viel substanzielleren geistigen Verankerungen, Pfählen, die einzuschlagen wären, zu denen einmal ganz eindeutig Stellung genommen werden sollte, auch auf die Gefahr hin, Kontroversen zu entfachen, was nicht unbedingt für eine, wie gesagt wird, sich noch im „mosaikhaften“ Zustande befindlichen Rechte, das Schlechteste wäre:

Ganz grundsätzlich also:
Was sind in der heutigen Zeit (um das angebliche Unwort „modern“ zu vermeiden), also in unserer Epoche (vor allem die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute) jene Erkenntnisquellen bzw. -Sphären, die das Wissen, Denken und Bewußtsein über den Menschen und Natur – bis hin zu den praktischen Auswirkungen über die Technik – am prägendsten beeinflußten?
Wer meint, daß diese Frage oder Antwort für uns Rechte ohne Relevanz seien, weil er meint, sie seien „materialistisch, szientistisch, reduktionistisch“, usw., der vergibt sich auch die Möglichkeit, ja Legitimation auch über Kultur, Politik, Philosophie Wesentliches beizutragen. Denn der angebliche Hiatus zwischen Natur und Geist war, wie wir heute wissen, ein durch die Macht vor allem der kirchlichen Institutionen und von der noch nach Kant nachwirkenden Spaltung von Philosophie und Naturwissenschaft ein künstlich aufrecht gehaltener. Heute sind wir uns schon längst über die Unhaltbarkeit eines dualistischen Weltbildes im Klaren. Und noch nie in der Menschheitsgeschichte ist Philosophie und Weltbild von neuen Erkenntnissen und neuem Wissen unverändert geblieben, sondern hat sich dynamisch-koevolutiv weiterentwickelt.

Wenn in diesem Aufsatz z. B. die Herrschaft der reinen Ratio (grundsätzlich) zu Recht kritisiert wird (@Sellner: „Imperialismus der Vernunft“), so sollte der Autor sich dessen bewußt sein, daß genau dies ein Erbe der „Spaltung unseres Weltbildes“ (Rupert Riedl), also von Materie und Geist, Natur und Mensch, von Natur- und Geisteswissenschaft, usw., ist. Er sollte vor allem wissen, daß es „common sense“ in den Naturwissenschaften (Ethologie, Hirn- und Kognitionsforschung) ist, daß die Ratio nur einen sehr kleinen Sektor in unserem Verhalten ausmacht, ja letztlich ohne den irrationalen „Untergrund“ (K. Lorenz: „Vor-ratiomorpher Apparat“) überhaupt nicht existent wäre; also kurz: Die Ratio (sprich Wissenschaft!) erkennt ihre irrationale Bedingtheit selbst! Man kann sagen: Die Ratio ist vermittels der Naturwissenschaft auch selbstreflexiv!
Ebenso werden Kulturelles, Philosophisches, Religiöses von ihr nichtwegrationalisiert oder wegreduziert, sondern im Gegenteil in ihrer elementaren Bedeutung für die „conditio humana“ festgestellt und als etwas qualitativ völlig Neues, aber halt eben nicht als vom Himmel Gefallenes, sondern als naturhaft (evolutiv Entstandenes) erkannt.

Oder: Gerade die modernere Version der Ethologie, die Soziobiologie, erkennt die Instrumentalisierbarkeit von Ethik und Moral - also als Herrschaftsinstrument und nicht nur im positiven Sinne verstanden als ordnendes und stabilisierendes Momentum innerhalb von Sozietäten. Sehen wir also die „Schuldfrage“ (@Sellner) zunächst ganz akademisch-nüchtern, unaufgeregt unter dem Aspekt der Machtausübungen von Gruppen über Gruppen und dämpfen etwas unsere Vorwurfs-Rhetorik und bemächtigen wir uns dementsprechend mit substantiell Eigenem. Der Gegner besitzt das Moral-Monopol, stellen wir dem zunächst das Wissens- und Weltanschauungs-Monopol gegenüber – dadurch ergibt sich das moralische wie von selbst.

Die Selbstbemächtigung ergibt sich nicht nur aus der Analyse und Dekonstruktion des Gegners, sie darf hier nicht stehenbleiben, sondern kommt letztlich nur aus dem großen Gegenentwurf. Denn wir wissen: Der Gegner ist klein, elend, siechend – in seinem Nihilismus will er letztlich selbst zugrunde gehen (meint er mit seinem Haß in „Deutschland verrecke“ nicht sich letztlich ad personam selbst?); jetzt es gilt nur, sich von seinem Sterbenwollen nicht noch mitreißen zu lassen.
Wiewohl unsere Entlarvungs- und Abwehr-Rhetorik gegenüber dem Feind weiter notwendiger Teil unserer Psycho-Hygiene sein muss, unser Selbstbewußtsein kurze Zeit heben mag, allein all dieses erhöht nicht real unsere (zunächst: geistige!) Macht.
Diese psychologische Grundsituation zivilisatorisch-weltanschaulicher „Geisterkriege“ hat offensichtlich auch Nietzsche klar vor Augen, wenn er warnt: "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." (F. Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse).

Laurenz
9. März 2019 15:34

@Zooey ... ich bin kein Intellektueller, eher sowas ähnliches, wie ein Autodidakt, aber natürlich nicht in der eigentlichen Definition. Ich leite meine Kommentare rein aus dem geschriebenen Wort und der, wenn möglich, jeweils zeitgeistigen Plausibilität her. Das kann jeder, aber dazu muß man bereit sein, sich in die ganz profanen Umstände einer Ära hineinzufühlen. Man kann dies auch mit Hilfe eines Films, wie zB "das Leben des Brian", welcher den Zeitgeist besser trifft, als jeder Hollywood-Schinken. Das Lachen ist ein spiritueller Beweis für Wahrheit, gut thematisiert von dem Linken Umberto Eco. Wenn ich Artikel von Herrn Kubitschek & Co. lese, interessiert mich weder die Bildung noch der soziale Status der Verfasser. Mich interessiert, was geschrieben wird, vornehmlich inhaltlich. Die Kunst des trefflich geschrieben Wortes ist nur deshalb vonnöten, weil der Schreibkunst, welche vom Wesen her imperial ist, es an vielen menschlichen Kommunikationsmitteln ermangelt. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, nehmen Sie, wie Volker Pispers es den Katholiken vorwirft, Ihre Religion zu wenig ernst. Man muß schlicht nur lesen, was da geschrieben steht, genau wie auf SiN, und wenn man dazu in der Lage ist, das in den jeweiligen historischen Kontext stellen. Entscheidend ist bei letzterem das militärische Vorgehen, denn es zeigt direkt, die jeweiligen Interessenlagen.
@mielia ... ich möchte die letzte Jan Fleischhauer-Kolumne empfehlen, ganz schnörkellos "Der Quoten-Feminismus ist reaktionär."
Desweiteren zu ihrem Kommentar bezüglich Dialektik und Begriffsdefinitionen sind die ersten 100 Seiten aus "Der Name der Rose" von Eco, meines Erachtens, interessant. Es sind nun 30 Jahre vergangen, als ich das Buch las, aber wenn ich mich recht erinnere, notierte ich mehr als 100 christliche Sektierergruppen, die alle zerschlagen wurden. Dasselbe finden Sie überall, ob nun Linke oder Rechte, Reichsbürger, Geschlechtsfokussierte, Natürschützer.....wie auch ehemalige deutschtümelnde Romantiker. Alle Sektierer wurden und werden jeweils gezwungen, sich einer übergeordneten Macht unterzuordnen. Und die jeweilige Macht stellt keinen Anspruch auf Selbsterfüllung des offiziellen Plans. Sie nutzt den Plan nur im Anspruch auf die Beherrschten.
@Schuldkult-Foristen ... persönliche Schuld ist ein Thema für sich, was sich aber in unserem römischen-Kirchenstrafrecht nie wirklich für die Seelen von Opfern & Tätern lösen läßt. Massenschuld ist absurd. Erkenntlich daran, daß die Linke einerseits im unangenehmen Falle auf Einzelfall abstellt und in anderem Falle die Kollektivschuld zuweist und kollektiv bestraft. Kollektive Strafen sind sehr effizient.
Wenn man, bis auf David Irving, Briten befragt, wo denn "das" faschistische Imperium (in der Moderne in StarWars wiederbelebt) lokalisiert war, antworten die meisten "Hitlerdeutschland". Wenn ich dann antworte, daß Herr Gandhi und um die 3.000 Inder in Dünkirchen das ganz anders sahen, kriegen die meisten große Augen. Schuldkult ist das probate Mittel, eine Tributleistung zu erzwingen, die Schwächung einer Nation als Macht, nicht mehr und nicht weniger. Dem sehen sich alle Staaten ausgesetzt, die über keine militärische Option verfügen, dem Herkunftsland des Schuldkultes Paroli zu bieten. Von daher bleibt nur die Möglichkeit, in diesem Herkunftsland des Schurken-Schuldkultes das Christentum, Kommunismus und den Islam zu fördern, was mittelfristig eine weitere Degeneration veranlaßt, oder die eigene militärische Basis auf ein Niveau zu heben, welches geo-strategische Macht verleiht.

@EDOUARDMCADAM ... ich stimme Ihnen zu, der Verstand wurde und wird überbewertet. Ebenso stimme ich Ihnen zu, daß die metaphysische oder spirituelle Wahrnehmung zu kurz kommt. Um ein Beispiel zu geben, Unendlichkeit ist selbst für Physiker schwer zu denken, aber es ist bei sternklarer Nacht mit einem Blick gen Himmel, den wohl jeder kennt, ein leichtes, die Unendlichkeit zu fühlen. Diese Wahrnehmung wurde uns aberzogen, und das nicht ohne gewollte Absicht. Widersprechen möchte ich Ihnen bezüglich des Göttlichen. Das Göttliche hat mit uns weiter nichts zu tun, es existiert ohne uns. Wir sind maximal ein Test, ein Versuchsballon. Und es gibt keine göttliche Hemmung, uns über die Klinge springen zu lassen, wie schon viele Lebensformen auf unserem Planeten zuvor. Hier hilft der Vergleich des Menschen als Sinnbild eines kleinen Parallel-Universums. Dem göttlichen Autor sind die sterblichen namenlosen Fingerkuppenzellen beim Schreiben egal, sie werden ja regelmäßig ersetzt.

Niekisch
9. März 2019 19:33

@ Zooey: Na, ja, ich habe Ihren Einwurf jedenfalls so verstanden, als unterstellten Sie mir Bestreiten. Aber: Wenn Sie einverstanden sind: Schwamm drüber.
Ein unverkrampftes Verhältnis zur Herkunft bzw. der Geschichte setzt m.E. Aufhören mit dem Krampf einer Siegergeschichte voraus, egal wie lange der Aufklärungsprozeß andauert.

@ Andreas Walter: an der bisher gängigen Theorie hatte ich schon Ende der 60iger Jahre Zweifel: damals hieß es noch, im Bereich der Olduvai-Schlucht seien Primaten von den Bäumen herab zum Fressen in die Steppe gegangen, Lucy sei unsere Vorfahrin usw. Wenn andere Tierarten unter vergleichbaren Bedingungen an mehreren Stellen gleichzeitig entstehen, wieso sollte das nicht auch beim Menschen so gewesen sein?

EDOUARDMCADAM
9. März 2019 22:48

@Laurenz Genau das macht mich sehr nachdenklich wenn Sie das Göttliche (das Licht!!) trennen vom Menschen. Gott gab Ihnen den freien Willen genau dies zu tun. Sie sind ein freier Mensch und ich sicher kein Missionar. Auch wenn ich in meiner Notiz keinen direkten Bezug herstelle zur sogenannten Schuld um die es hier im weitesten Sinne geht. Wir müssen unser ganzes Leben in einen viel grösseren Zusammenhang stellen. Eben den kosmischen....es hilft nicht weiter sein eigenes und meistens aus atheistischer Sicht "erbärmliches" kurzes Leben klein zu reden. In der falschen Sprache der Physiker zu lamentieren wir seien so klein und unbedeutend wenn man den Sternenhimmel betrachtet. Da wird sich der grosse Feind die Hände reiben. Doch ich werde heftig Widersprechen. Die bolschewistische Evolutionstheorie wird heute vor allem verbreitet um den göttlichen Menschen zu verunglimpfen, ihn lächerlich zu machen und klein zu halten. Der arme Affe kann halt auch nix dafür, dass er uns ähnlich sieht und 98% der Gene teilt. Nur hat der Mensch mit dem Affen null und nix zu tun. Es gibt keine Ueberlieferung von Altvorderen die behaupten der Mensch stamme von einem Tier ab. Dieser falsche Mythos muss raus aus den Köpfen ! Es sind die Atheisten und Rationalisten (ich nenne sie Begrenzer) die die Helden egal welchen Zeitalters oft als tierische Karikatur lächerlich gemacht haben. Heute seltsamer Weise sagt man...ach genau der Karikaturist hat recht so sehe ich wirklich aus. Die heldischen Skulpturen respektive die Architektur der Griechen oder Römer die wiederum das 2. Kaiserreich und später das Dritte Reich inspiriert haben, holen den Menschen in seinem inneren göttlichen Wahrnehmen ab. Es war ja kein Wunder das die Kommunisten die Kirchen zerstört haben und auch die Reformation die katholisch orthodoxen Sinnbilder (Bildersturm) vernichteten. Kommunismus bedeutet eine Absage an das natürlich göttliche empfinden des gewachsenen Geistes der sich dieses göttlichen Bewusstseins gewahr ist. Der die göttliche Aesthetik in der Kunst nicht nur begreift sondern innerlich erschüttert ist durch die Berührung der Schönheit des Ausdruckes in der tiefe seiner Seele. Es ist auffallend, dass es leider auch in der sogenannten Konservativen Ecke viele Kameraden gibt die nicht den Anti AFD Reflex haben wie die Mainstream Medien sondern einen Anti Gott Reflex! Oh Gott die Kirche behüte...Nur hat Gott die Kirche ja nicht erschaffen sondern die Menschen. Und genau diese Menschen haben auch viel Unsinn gemacht im Namen eben dieses Gottes. Das reine Gewissen eines Menschen hat auch mit seinem Verständnis von Gott zu tun! Gott bedeutet auch Demut vor der Natur und Respekt vor seinen Mitmenschen zu haben. Doch jederzeit hat der aufrichtige Mensch das Recht sich zu verteidigen. Seine Heimat und sein Volk zu beschützen ist oberste Pflicht jedes Gottesbewussten Bürgers. Wenn in der Vergangenheit Soldaten dies taten und allen voran die deutschen so sind sie frei von jeglicher Schuld und müssen nur für das grade stehen was sie nicht gemacht haben. Der Tod ist der Anfang für ein neues Leben auch wieder auf DIESER ERDE wenn es sein muss. Auch das wissen nicht alle... Solange bis die letzte Gottespflicht getan wurde.

Zooey
9. März 2019 23:48

@Laurenz: Keine Ahnung, wie ich jetzt bei Ihnen den Eindruck hervorgerufen habe, ich würde "meine" Religion zu wenig ernst nehmen. Für mich ist Religion etwas Existentielles, mein Zugang ist der über Mystik, letztlich also Offenbarung + Erfahrung.

Amos
10. März 2019 00:47

Der universalistische Humanismus ist keine Erfindung der Postmoderne. Arnold Gehlen findet seine Spuren im antiken Griechentum, zur Zeit des Niedergangs der Polis, zur Zeit des Aufstieg der Großreiche und des Hellenismus. Dort stellte er eine Klammer, einen kleinsten gemeinsamen Nenner für das Vielvölkerbabylon dar. Die Idee der Entkoppelung des Menschen von Familie, Volk, Traditionen und Bürgerpflichten hin zum "Weltbürger" gab es schon dort. Es ist Ideologie des Imperiums, die uns hier als Ethik der Nächstenliebe verkauft wird, wie unsschwer an der Selbstverpflichtung ihrer Protagonisten zu erkennen ist. Die Allianz von Globalismus und no-border-Linken ist deshalb nicht paradox, sondern folgerichtig.
Einem Heer von Entwurzelten und Unterworfenen aber muss die Welt, zu der es keine Verbindung mehr hat, fragmentiert erscheinen, unwirklich und zusammenhanglos. Die Postmoderne, eine Disziplin der Schwätzer und Wortverdreher, ist deshalb vielleicht Ursache, nicht Wirkung dieser Heimatlosigkeit im Sein.

Die neurotische Fixierung Linker wie Rechter auf die 12 Jahre zwischen 33 und 45 beantwortet keine Fragen mehr, sondern verstellt einen vielleicht nützlichen Blick auf größere geschichtliche Zeiträumen und Zusammenhänge. Eine in der Weise des universalistischen Humanitarismus entgrenzte und radikalisierte Ethik generiert außerdem zwangsläufig Konflikte auf ethischer wie auf rationaler Ebene. Diese Konflikte und Widersprüche werden mit Aggression kompensiert, der Konflikt wird ausgeklammert und der "Feind" als sein Verursacher identifiziert (Auch, in etwa, Gehlen). Der Blick zurück ist dem linken Lager hier nur dienlich, um Vernichutngswünsche zu rechtfertigen, der "Nazi" dient ihm nur als Vorwand für den erlaubten Hass ("Inglorious Bastards"). Dass diese Aggression nicht auf ein paar Anitifadorftrottel begrenzt ist zeigt der Umgang mit der AFD, Chemnitz, Maaßen, die Causa "Prüffall" oder ein Söder, der innerhalb eines halben Jahres vom Hoffungsträger der Vernunft zum "Nazijäger" und Wasserträger der Linken und Grünen wurde.

Franz Bettinger
10. März 2019 07:24

@Laurenz
"Wenn man, bis auf David Irving, Briten befragt, wo das faschistische Imperium lokalisiert war, antworten die meisten: Hitler-Deutschland." Laurenz, Sie beginnen für mich immer interessanter zu werden! David Irving war für mich ein großer eye-opener gewesen. Leider habe ich keinen in der Bekanntschaft, der Irving gelesen hätte und mit dem ich über dessen Ein- und Ansichten diskutieren könnte. Irving war bzw. ist ein ganz großer - und natürlich total verkannt bzw. auf Orwellsche Weise verdreht ud denunziert worden.

Niekisch
10. März 2019 20:14

@ Franz Bettinger 10.3. 7:24:

Einige Titel habe ich im eigenen Bestand, auch gelesen. Allerdings kann ich mir schlechterdings nicht vorstellen, daß D.I. hier diskutiert werden kann und sollte. Sie können sich aber gerne meine Mail - Adresse von der Red. geben lassen.

Zooey
10. März 2019 23:16

@EDOUARDMCADAM: Amen. Die Seele ist ein Kosmos-Pilot. Und ist Heimat dort, wo sich ein Stück Himmel widerspiegelt? Und geht es - statt um rechts/links - nicht um Seele oder nicht? Ist das nicht ein elementarer Mangel in einer Gesellschaft, die sich gegen alles Transzendente und Seelische abschottet, ja überhaupt keinen Sensus dafür hat? Natürlich gibt es Einzelne, genug, aber hat dies irgendeine Wirkung auf die sozialen Systeme? Ich vermag auch nicht zu sehen, dass postmodernes Denken dafür empfänglich wäre.

links ist wo der daumen rechts ist
11. März 2019 20:47

Ein bißchen sehe ich diesen Sellner-Text als Seitenstück zum aktuellen Lichtmesz-Beitrag.

Dort das angebliche Dilemma der „Altlinken“ und Liberalen, den eigenen universalistischen Anspruch durch die gleichzeitige Forderung nach falscher Identität (Diversity etc.) zu zerstören. Hier das ähnliche Problem einer ehedem postmodernen Linken, die in das verzweifelte Narrativ eines „ewigen Schuldkults“ flüchten muß. In beiden Fällen schrammt man also an einer notwendigen Re-Substantialisierung haarscharf vorbei.

Ach, die arme Linke.

Und ich dachte immer, das Hauptproblem des neurechten Diskurses sei gegenwärtig die Wiederetablierung einer relativ widerspruchsfreien „großen Erzählung“ - sowohl im vorpolitisch-metapolitischen Umfeld als auch im tagespolitischen Geschäft; also z.B. „christliches Abendland“, ethnische Homogenität usw.

Davon merke ich aber nichts. Im Gegenteil. Der Haufen wird so gärig bleiben wie er war und – tagespolitisch – spätestens an der sozialen Frage scheitern; siehe die Entwicklung der FPÖ 2000-2006 (Abspaltung eines „linken“ Flügels) und seit 2017 (Steigbügelhalter für einen neoliberalen „Klassenkampf von oben“).

Ach, die arme Rechte.

Na dann lese ich doch lieber wieder das Gespräch der beiden deutschen Romantiker Franz Schönhuber und Horst Mahler.

EDOUARDMCADAM
11. März 2019 22:24

@Zooey Genau das sollte die Heimat sein...ein Stück vom Himmel auch wenn es auf den ersten Blick ganz anders aussieht. Die wunderschönen Täler und die von Schnee glänzenden Bergspitzen. Herrliche satte Wiesen mit den fernen Kuhglocken. Die tiefen Wälder und dann die Fachwerkbauten und von Fachhand gezimmerte Bauernhäuser. Was das jetzt mit der Postmoderne zu tun hat? Eigentlich nichts....aber wofür lohnt es sich zu kämpfen? Für eine abstrakte Idee die 89% der Bevölkerung nie verstehen wird oder für das wofür das Herz schlägt und die Seele schmachtet...!

Ich empfehle als Einstiegslektüre Adalbert Stifters "Bergkristall"! Heute vergessen und verpönt hat dieser geniale österreichische Schriftsteller es verstanden, das malerische Empfinden des Herzens anzuklingen. Deswegen ist die Frage berechtigt: Wo klingt es den bei der Postmoderne? Wo sind die Bilder, die seelisch mystische Verbindung mit der Natur? Das Problem des sozialen Systems kann nicht abstrakt gelöst werden. Der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein. Ausserdem gibt es noch immer das starke Stadt - Land Gefälle. Diese werden nie die gleichen sozialen Probleme haben. Die Stadt gilt ja als modern. Die Stadt soll ja dem Land was voraushaben und anders sein. Die meisten Politiker haben sich ja gerade auf die Städte eingeschossen. Dort wird gebaut und angepasst. Unendlich Kitaplätze geschaffen, um endlich den sozialistischen Traum zu verwirklichen nämlich, dass die Familie als Grundeinheit zerstört wird. Hochhäuser wie in Amerika gebaut. In den 50er Jahren waren extra Deutsche Architekten und Ingenieure nach den USA gereist um sich das Wissen vor Ort aus Erster Hand zu geben. Das habe ich in einer Industrie Zeitung aus der Zeit gelesen. Dann hat die BRD auch Investoren bekommen und Geldspritzen von den USA ohne die das Weltwirtschaftswunder undenkbar gewesen wäre. Dann hat man von Deutschland verlangt sich nach amerikanischem Vorbild weiterzuentwickeln. Sprich Umerziehung (Schule Bildung), mehr demokratische Rechte (was immer das heisst!!) etc.
Ich frage mich abschliessend ob geborene Stadt (politisch eher rechtsdenkende) Menschen neuerdings eher empfänglich sind für sozialistische Kopfspielchen und Ideen als konservative vom Land bei denen noch eher das Ideal von Familie und Heimat fortbesteht. Die Postmoderne fasse ich als Bekenntnis auf zur Modernen Architektur und im Einklang mit dem heutigen Empfinden für Aesthetik. Nur ist das wirklich konservativ oder doch eher progressiv...? Wird hier Geschichte umgeschrieben?

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