8. April 2019

Kurzfristig: Café Schnellroda mit Lichtmesz

Götz Kubitschek / 7 Kommentare

Am kommenden Samstag veranstalten wir in Schnellroda ein Café. Gast: Lichtmesz, der zu den Ereignissen in Österreich und zur Causa Sellner vortragen wird.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Diese Ereignisse sind ja zweifelsohne dramatisch:

  • Die ÖVP unter Bundeskanzler Kurz nutzt seit zwei Wochen die Kontakte der FPÖ mit österreichischen Identitären, um den Koalitionspartner zu Distanzierungen vom rechtsaktivistischen und rechtsintellektuellen Vorfeld zu zwingen.
  • Dies ist möglich geworden, weil sich die Assoziationskette Christchurch-Verbindung-Spende-Identitäre-Sellner aufspannen und zuletzt noch durch die Begriffe Synagoge-Hakenkreuz erweitern ließ.
  • Regierung und Presse schrecken dabei nicht einmal vor rechtswidrigen und gravierenden Verletzungen des Datenschutzes zurück. Sie Personalie Sellner wird von der einen Seite ständig neu aufgeladen, während auf der anderen Seite der Distanzierungsdruck immer größer wird.
  • Diese Konstellation war der Auslöser für die Einladung zum Sender ServusTV, die ich in der vergangenen Woche wahrnahm. Es ging um die Frage, wie gefährlich die Neue Rechte sei. Natürlich aber war die Debatte um Sellner und die Identitären der entscheidende Punkt. Man kann sich die Sendung mittlerweile hier ansehen.
  • Ich verglich in dieser Talk-Runde Sellners Rolle mit der einer weißen Billardkugel, die man anstoßen könne, um damit die eigentlich wichtgen Kugeln in den Löchern des Tischs zu versenken. Meiner Meinung nach wäre der FPÖ dann geholfen, wenn sie diese Kugel vom Tisch nähme und sagte: Das ist keine Kugel, das ist Martin Sellner - ein Mann mit ein paar Jugendsünden und einer großartigen rechtsaktivistischen Karriere, der seine Parteiferne immer betont hat und sich ganz und gar auf sein Aktionsfeld konzentriert. Wir haben keine Veranlassung, und von ihm zu distanzieren.
  • Aber die FPÖ verhält sich anders, verhält sich falsch, und sie liefert damit eine gruselige Vorlage für das, was der AfD ganz sicher auch noch blüht.

Darüber ist zu reden. Wer wäre ein besserer Gesprächspartner als Martin Lichtmesz, Wiener Urgestein und Freund Sellners? Lichtmesz wird also im Rahmen des Cafés in Schnellroda am kommenden Samstag zum Thema vortragen und mit unseren Gästen diskutieren.

Für alle, die noch nie dabei waren:

  • Das Café Schnellroda ist eine Einrichtung, die wir etwa alle sechs Wochen an einem Samstag anbieten.
  • Wir öffnen um 13 Uhr den Verlag und schließen ihn um 18 Uhr wieder zu.
  • Man kann im Buchangebot stöbern, untereinander ins Gespräch kommen, Kaffee und Kuchen, Bier und Brötchen zu sich nehmen, für eine Stunde oder für fünf anwesend sein.
  • Man kann seine Ostereinkäufe erledigen!

Lichtmesz wird gegen 15.30 Uhr vortragen. Das Café ist öffentlich, aber wir bitten um kurze Nachricht unter anmeldung(at)schnellroda.de, damit wir unseren Einkauf ein wenig planen können.


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (7)

deutscheridentitaerer
8. April 2019 18:36

"Ich verglich in dieser Talk-Runde Sellners Rolle mit der einer weißen Billardkugel, die man anstoßen könne, um damit die eigentlich wichtgen Kugeln in den Löchern des Tischs zu versenken."

Das sehe ich ganz anders. Aus unserer Perspektive ist die eigentlich wichtige Kugel sicher nicht die FPÖ. Natürlich ist Kurz die IBÖ völlig egal, also mag es sich aus seiner Perspektive so darstellen.

Wir dagegen haben nun endgültig den Beleg dafür, wie sinnlos Parteipolitik ohne einen umfassenden flankierenden metapolitischen Raumgewinn ist. Und ein solcher kann nur von einem Sellner, niemals von einem Strache geleistet werden.

Frika Wies
8. April 2019 20:33

Wieder ein Beweis dafür, daß es in der Politik keine Freundschaften gibt, sondern nur Interessen.
Auch zu einem Lobbyisten fehlen Herrn Sellner die finanzkräftigen Unternehmen im Hintergrund. Sein einziges Kapital ist die stillschweigende inhaltliche Zustimmung der Wählermehrheit zu seinen Forderungen. Aber das reicht im Kapitalismus nicht aus um wirkkräftig Druck auf die Politik ausüben zu können.

LotNemez
9. April 2019 08:55

These 1: Kurz ist in dieser Causa einfach ein Getriebener, und zwar sowohl von den den Medien als auch von Sellner selbst. Ein Forist hatte darauf hingewiesen, dass es zunächst Sellner selbst war, der die Hausdurchsuchung öffentlich machte, und die österrr. Regierung mit dieser haltlosen Repression konfrontierte. Darauf musste Kurz reagieren. Ein Staat darf sich schlecht von einem Aktivisten vorführen lassen. Gleichzeitig ist Sellner und die IB schon ein zu großer Player, um sie zu ignorieren. Er musste also angreifen. Daher diese Rede von "Verbot" und "widerlich".

These 2: Beiden Parteien kommt diese Konstellation aber auch zugute. Sellner hat sofort die Chance gesehen, hier eine größere Öffentlichkeit für die Fordrungen der IB zu erreichen. Kurz und Strache sind, eingedenk der verfolgten Ziele in der Migrationspolitik, auf einen deutlich größeren Diskursraum angewiesen, als er ihnen bisher zur Verfügung steht. Gleichzeitig können sie diesen nicht selbst erzeugen, ohne sich der medialen Empörung auszusetzen, gerade vor der Europawahl ein zu hohes Risiko. Die Causa Sellner bietet ihnen eine Möglichkeit, für die Ideen hinter Schlagworten wie 'Ethnopluralismus' und 'Großer Austausch' mehr Öffentlichkeit zu erzeugen. Natürlich ist dies zunächst negativ konnotiert, aber Sellner, Kubitschek und andere erhalten im Zuge der Ereignisse die Möglichkeit, mit Pressearbeit und Auftritten im TV für ein größeres Forum. Davon profitiert letztlich auch die Politik eines Sebastian Kurz. Folglich wird dieser kein Interesse haben, die die IB zu verbieten, da er damit auch die transportierten Ideen Ethnopluralismus, Überfremdung, Festung Europa usw. beerdigen oder doch deutlich schwächen würde. Die Entrüstung der Regierung ist also vorgetäuscht, zumal sie weiß, dass eine rechtliche Handhabe für ein Verbot nicht gegeben ist. Sie zielt mit einer Schreckschusspistole auf die IB, was dieser Gelegenheit gibt, sich zu erklären.

Ich würde mich freuen, wenn diese Gedanken im Rahmen des Cafès erörtert werden könnten. Und sei es nur, um diese Möglichkeit auszuschließen. Ich bin nicht anwesend aber vllt. erfährt man auf die eine oder andere Art von den Ergebnissen. Viel Erfolg und Gute Unterhaltung.

heinrichbrueck
9. April 2019 10:23

@ LotNemez
Willy Wilcke und Max Christian Priester machten ein Photo des Reichskanzlers Otto von Bismarck nach seinem Tod, der Förster und Ortsvorsteher Louis Spörcke, der mit einem Reitknecht die Totenwache hielt, ließ die beiden ins Sterbezimmer; alle drei kamen ins Gefängnis. Der Unterschied, gegenwärtig zu beobachten: Nicht die Politiker benutzen die Medien, es ist umgekehrt.
Diesem Kommentariat war noch nie klar, was Macht ist. Die Schöpfer der Politik haben Macht, sie sind auch die einzigen, deren Kenntnisse nicht auf den Vorstellungen beruhen, die über die Auswirkungen der Politik gedacht werden.
Die Schöpfer der Politik heißen nicht Kurz und Strache, auch nicht ihre Nachfolger werden es sein, jedenfalls nicht in diesem System. Die Lage zu erkennen, sie innerhalb des Systems zugunsten eigener Sittlichkeit zu beseitigen, scheint mir ein Paradoxon zu sein. Deshalb kann auch eine Politik, die von der Masse in eine positiv wahrgenommene Richtung führt, die Masse an den Abgrund führen.

Mario Schulze
9. April 2019 13:02

Schon Klonovsky hat sinngemäß vorhergesagt, dass die Linken immer aggressiver werden würden, je mehr sie an politischem Einfluss verlieren. So ist es auch gekommen. Na und? Was haben die Linken davon? Die „Rechten“ werden trotzdem immer stärker. In der Umfrage, die auf Sellners Twitteraccount gepostet wurde, waren erst 81, dann 85 % gegen ein Verbot der IB. Wenn man die Bürger mit zu viel Hetze füttert, fangen sie an, sie wieder auszukotzen und das Fressen neuer Hetze zu verweigern. Das ist eine Erfahrung, die man in der DDR machen konnte. Diese miesen, verlogenen Aktionen sind ein Zeichen dafür, dass der Untergang der Linken immer näher rückt, und das ist vielen Linken wohl bewußt. Sie sind für alle Betroffenen unangenehm, aber mehr nicht. In früheren Zeiten haben viele für ihre Meinung viel Schlimmeres als ein paar böse, verleumderische Worte erleiden müssen. Sicher, Sie haben allen Grund und alles Recht, sich und Ihre Mitkämpfer zu bemitleiden und sich zu beklagen. Dann aber machen Sie es wie Sellner: Machen Sie einfach weiter! Das ärgert Ihre Gegner am meisten.

LotNemez
9. April 2019 13:38

@heinrichbrueck

Naja. Ich denke schon, dass ich die Macht der Medien richtig einschätze. Aber so wie es die ungestüme Welle gibt, gibt es auch den waghalsigen Wellenreiter, der sie surft. Dagegen kann sich die Welle nicht wehren, so mächtig sie auch sein mag. Der erste Hawaiianer der das erkannt hat, war ein Held. Und Metapolitik bedeutet eben die Nutzbarmachung dieser Urgewalten, dieses Surfen der Welle. Sellner hat mehrfach bewiesen, dass er zum Wellenreiten taugt.

Niekisch
9. April 2019 17:53

@ LotNemez & heinrichbrueck:

Mit Julius Evola: cavalcare la tigre - den Tiger reiten, sich nicht abschütteln lassen und ihm den tödlichen Stoß in die Flanke versetzen...

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