Sezession
12. April 2019

Netzfundstücke (6) – Mieten, Beckamp, Sezession

Gastbeitrag / 7 Kommentare

Gastbeitrag von Jonas Schick — Es rumort im urbanen Deutschland. Seit Jahren steigen die Mieten. Wohnen wird im städtischen Raum zum Luxusgut.

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Das Thema treibt die (vornehmlich linken) Leute auf die Straße. Der Ruf nach „Enteignung“ als Lösung der Problematik wird immer lauter.

In der jüngeren Vergangenheit hat man wie zum Beispiel in Berlin die staatlichen Wohnungsgesellschaften nur zu gerne an private Großkonzerne verkauft. Es winkte schnelles Geld für die klammen Staatskassen und der neoliberale Zeitgeist versprach, daß es der „freie“ Markt für alle zum Besseren richten werde.

Welche Konsequenzen die Aufgabe kommunaler Wohnungsgesellschaften zugunsten privater Mietgiganten allerdings zeitigte, veranschaulicht diese konzise Reportage des NDR – die sich insbesondere auch der ansehen sollte, der die Wohnfrage nicht als soziale Frage der Gegenwart und Zukunft versteht, sondern als aufgebauschtes Problem verwirft:

Leidtragende dieser Globalisierung und Oligopolisierung deutschen Wohnens sind mitnichten nur Szene-Kiez Bewohner mit eintätowiertem Fairtrade-Siegel auf der Stirn, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil auch der Durschnittsdeutsche im unteren Einkommenssegment.

Daß die Wohnkrise aus multiplen Faktoren resultiert, hat Benedikt Kaiser hier auf Sezession im Netz luzide dargelegt. Und so hat auch der marktliberale Teil am Rande unseres Spektrums nicht Unrecht, wenn er auf die Verteuerung des urbanen Wohnens durch in die Städte drängende (anerkannte) Asylbewerberu nd die generelle bevölkerungsstrukturelle Schieflage zwischen Land und Metropole hinweist – Angebot und Nachfrage als Indikator für ein politisches Versäumnis.

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Im Gegensatz zur Linken beschränken wir uns auf der Rechten nicht durch monokausale Scheuklappen die Sicht auf komplexe Zusammenhänge. Einer, der am eigenen Leib erfahren mußte, daß bei den Mietdemos hauptsächlich klassisch antifaschistische Feindbilder gepflegt werden, war der AfD-Abgeordnete des Landtages von Nordrhein-Westfalen Roger Beckamp, der mit den Demonstranten über die Gründe des Mietenanstiegs sprechen wollte:

Am Ende geht es der linken Resterampe eben nicht um soziale Fragen oder die Lebensrealität der Deutschen – sondern um den Kampf gegen Rechts!

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Währenddessen gibt es auf dem kanal schnellroda ein neues empfehlenswertes Format für das videoaffine Publikum.

Gemeinsam mit seinem Redakteur Benedikt Kaiser stellt Götz Kubitschek ab sofort in regelmäßigen Abständen die Printausgaben der Sezession vor – Vermessung und Klärung des Inhalts aus erster Hand in leicht zugänglicher Form.

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Damit auch das gedruckte Buch in dieser Ausgabe der Netzfundstücke nicht zu kurz kommt, hier noch ein nachdrückliche Veranstaltungsempfehlung:

Am Montag, den 20. Mai, liest der langjährige Feuilleton-Redakteur der FAZ und heutige Essayist der Sezession Dr. Eberhard Straub im Buchhaus Loschwitz in Dresden aus seinem neusten Werk Zur Tyrannei der Werte, das am 1. Mai diesen Jahres im Jungeuropa Verlag erscheint – und bei der größten konservativen Verlagsbuchhandlung, bei Antaios, bestellt werden kann.

Die Vorstellung dieser »scharfzüngigen Polemik gegen die subtile Totalökonomisierung aller Lebensbereiche« verspricht ein gelungener Abend zu werden, bei dem man die Möglichkeit hat, direkt mit dem Autor über den Hauptgegner einer »konservativ-revolutionären« Position ins Gespräch zu kommen.


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Kommentare (7)

Niekisch
13. April 2019 11:11

"der Durschnittsdeutsche im unteren Einkommenssegment."

(Konservativ).- revolutionär werden heißt auch angemessene, richtig geschriebene, Begriffe für die betroffenen eigenen Landsleute finden:

"Entrechtete und benachteiligte deutsche Landsleute"

Rheinpreusse
13. April 2019 16:35

Ist die Sperr-Meldung auf dem NDR-Link so zu verstehen, das der NDR den direkten Aufruf seiner Inhalte von der Sezessions-Webseite gesperrt hat?

Niekisch
14. April 2019 11:04

@ Rheinpreusse 13.4. 16:35:

Was sonst?

Imagine
14. April 2019 16:33

Das Video mit dem Gespräch zum Thema „Volk“ fand ich interessant.

Es wurde eine romantische Beziehung zum deutschen Volk deutlich.

Heute findet sich dieser gefühlmäßige und identitäre Bezug zum deutschen Volk m. E. nur noch bei einem kleinen Teil der Deutschen, bei der Landbevölkerung häufiger als in der Stadt sowie eher „unten“ und ganz wenig „oben“.

Es gibt nur noch wenig volksgemeinschaftlichen Gemeinsinn in Deutschland. Wenn es darum geht, Verantwortung und Pflichten oder gar Opfer fürs Volksganze zu übernehmen, finden sich nur wenige. Es gibt auch nur wenig Solidarität für die Armen und Schwachen.

Insgesamt ist Deutschland eine „Geiz-ist-geil-Gesellschaft“ geworden.

Die Zeiten von „Gold gab ich für Eisen“ sind definitiv vorbei. Zu häufig wurden die Deutschen von ihrer Führung und vom ihrem Staat betrogen und verraten.

Insbesondere den Rechten traut man aufgrund historischer Erfahrung nicht. Zumal man nicht weiß, wohin diese in Wahrheit wollen. So gibt es heute bei rechten Demonstrationen meist zehnmal so viele Gegendemonstranten.

Ratwolf
14. April 2019 17:32

Schon lächerlich: Die Regierungen der EU-Staaten lassen sich mit sozialistischen Wahlversprechungen verschulden und herunterwirtschaften, so dass der Euro fast in den Negativzins geht, und wenn dann Investoren das lockere Geld der Zentralbanken in Betongold investieren wird dagegen demonstriert.

Lotta Vorbeck
15. April 2019 08:11

@Imagine - 14. April 2019 - 04:33 PM

"... Die Zeiten von „Gold gab ich für Eisen“ sind definitiv vorbei. Zu häufig wurden die Deutschen von ihrer Führung und vom ihrem Staat betrogen und verraten. ..."

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... wobei es die übergroße Mehrheit dieser Deutschen nicht sonderlich zu jucken scheint, wenn sie betrogen und verraten wird.

Montesquieu
15. April 2019 11:52

"konzise Reportage des NDR"

Wie wird man eigentlich mittels einer typisch "konzisen" NDR-Reportage "komplexen Zusammenhängen" gerecht?

Nun gut.

In Bezug auf die Wohnungsproblematik sehe ich ein zuviel und nicht ein zuwenig staatlicher Intervention als Grundübel.

Von daher wäre eine "Verstaatlichung" (besser: "Rückverstaatlichung") von Wohnungen der Versuch, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.

Eine adäquate Analyse des Themas "Wohnungsbau" aus rechter Perspektive ist mir bislang noch nicht untergekommen. Diese müsste unter anderem auch die demographischen Folgen dessen berücksichtigen, was Nyborg unter "Double relaxed Darwinian Selection" verstand und dessen Folgen bei uns in Deutschland in zunehmender Dynamik zu bewundern sind: in den Bildungs- und Sozialsystemen, auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, in Bezug auf die Innere Sicherheit.

Der Pappkamerad der kapitalistischen Menschenfresser greift da viel zu kurz.

Zum Feindbild der "Deutsche Wohnen":

"Die durchschnittlichen Mieten der Deutsche Wohnen stiegen nach eigenen Angaben seit 2010 von 5,38 auf 6,55 Euro kalt je Quadratmeter im dritten Quartal 2018. ....
Bei den Bestandsmieten liegt die Deutsche Wohnen in Berlin nach eigenen Angaben nur wenige Cent über dem Berliner Durchschnitt. Bei den Neuvermietungen liegt das Unternehmen deutlich unter dem Gesamt-Berliner Durchschnitt. 2017 zahlten Neumieter in der Bundeshauptstadt durchschnittlich 9,79 Euro kalt je Quadratmeter...."

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