Sezession
15. April 2019

Mythos und Gegenwart: Einwanderung

Gastbeitrag / 12 Kommentare

von Heino Bosselmann -- Insofern der Mythos Grundmuster menschlicher Charaktere und ihres Handelns verwebt, ist große Literatur stets mythisch.

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Und der Mythos bleibt literarisch reproduzierbar, schöpft die Literatur mit ihm doch aus den Quellen. Die Griechen und Shakespeare können noch heute auf die Bühne gebracht oder verfilmt werden, weil in den Geschichten und Gestalten das Mythische pulst, weil also der Mensch in Konflikten gezeigt wird, in denen er immer stand, mit sich selbst wie mit den anderen.

Franz Fühmann hat die Rolle des Mythischen in der Literatur in einem seiner besten, heute leider völlig vergessenen Essays beschreiben: „Das mythische Element in der Literatur“. Selbst in modernen Trivialwerken, ja sogar in „Games of Thrones“ und allerlei sonstigen Adaptionen, webt und lebt der Mythos fort.

Gerade letzten Sonnabend brachte die altbewährte F.A.Z.-Reihe „Frankfurter Anthologie“ Konstantin Kavafis‘ Gedicht „Troer“ – in der Übertragung von Helmut von Steinen und mit einer gehaltvollen Besprechung durch Hans Christoph Buch.

Läse man das Kavafis-Gedicht mit Geduld, entdeckte man im wiederbelebten homerischen Ilias-Mythos die Relevanz für unsere Gegenwart und die Situation unseres Landes. Selbstverständlich erschließt sich dies nie direkt, denn Kavafis‘ Intention hat freilich wenig bis nichts mit unserem konkreten Dilemma zu tun. Aber dennoch mag Hans Christoph Buch etwas vom mythischen Kraftfeld gespürt haben, denn hätte er sonst ein Kavafis-Zitat als beredte Überschrift gesetzt: „Was soll ohne Barbaren aus uns werden!“? – Für Kavafis galt: „Diese Menschen (die „Barbaren“ – H. B.) waren eine Art Lösung.“

Welche Lösung wird es für uns geben?

Unsere politische und kulturelle Gegenwart ist von den Geschehnissen und Folgen des Jahres 2015 geprägt, obwohl bereits lange davor ein Prozeß im Gange war, der vor vier Jahren kulminierte. Mit all den dramatischen politischen Folgen, die von jedem von uns eine Positionierung erfordern.

Konstantin Kavafis (1863 – 1933) schrieb: „Unsere Bemühungen sind wie jene der Troer/Kühn gedenken wir, mit Entschluß und Wagmut/Fallenden Schlag des Geschicks zu ändern./Und wir stellen uns draußen auf zum Kampfe.//Aber sobald die große Entscheidung nahkommt,/Geht uns der Wagmut und der Entschluß verloren,/Unsere Seele erbebt, fühlt Lähmung,/Und in vollem Kreis um die Mauern laufen wir,/Durch die Flucht zu entrinnen bestrebt.//Dennoch ist unser Fall gewiß. Dort oben/Auf den Mauern begann schon die Totenklage./Unsrer Tage Erinnerungen weinen, Gefühle weinen./Priamos bitter um uns und Hekabe weinen.“

Man muß das nicht, aber man kann es auf unsere Situation beziehen, etwa so, wie es in anderer, konkreterer Weise jüngst Michael Kirchberg hier tat.

Zudem ruft Hans Christian Buch in seiner Kavafis-Besprechung eine düstere Erzählung Franz Kafkas, „Ein altes Blatt“, auf, die ich selbst gerade in den letzten Jahren wieder und wieder las, seit 2015 dann dringlich empfahl und der ich in einem mittlerweile nicht durch mich gelöschten Beitrag für die „Identitäre Bewegung“ eine Deutungsvariante für unsere Gegenwart zuwies, was sogleich den Germanisten Gerhard Rieck mir gegenüber zu einem Belehrungsversuch veranlasste, unter dem schönen Titel „Kafka in der Löwengrube“.

An linkem Ort schrieb ich: „Ist Franz Kafkas aufschlussreiche Parabel ‚Ein altes Blatt‘ schon nie in Lesewerke aufgenommen worden, so könnte sie vielleicht in Sozialkundelehrbüchern als Diskussionsgrundlage dienen. Eine ganz gefährliche Sache. So gefährlich wie der aktuelle Verlauf. Manche Gedanken werden erst im Zuge intellektueller Provokation klar.“

Die zwar allgegenwärtigen, jedoch beinahe nirgendwo differenzierte Formel von der „Toleranz“ ist nicht die einzige Reaktion auf das, was uns so blühen mag. Mut und Selbstbehauptung, kritische Vergewisserung des Eigenen, Abgrenzung und couragiertes „Nein!“ gegenüber dem drohenden oder eher längst erfolgten Verlust von Maß und Vernunft sind andere und eben solche, die „Wagemut und Entschluß“ (Kavafis) doch noch ermöglichen könnten, obwohl die Chancen dazu zu schwinden drohen. Mag ja sein, wir scheitern, mag sogar sein, „uns“ gibt es in der Form üblicher Identifikation als Volk oder als Sprach- und Kulturraum schon kaum mehr.

In der Maßlosigkeit, mit der wir uns verschwendeten, unsere Ressourcen für profanen Gewinn an Komfort preisgaben oder verbilligten, so, wie wir uns angewöhnten, mit dem Elementarsten zu aasen, mit dem Wasser, dem Grün, den Mitgeschöpfen, ja selbst der Luft, so verloren wir uns selbst zwangsläufig – an den Genuß, an den Markt, an den simplen Hedonismus und damit an einen wohlfeilen Universalismus.

Sich auf sich zu besinnen und die Kraft zu erneuern heißt mitnichten, sich gegen den anderen zu wenden, sondern bedeutet nur, sich der eigenen Kultur sowie des Herkommens und Ursprungs endlich wieder bewußt zu sein und damit wieder wahrgenommen werden zu können.

Das ist legitim!

Wir aber lieferten uns innerhalb der letzten Jahrzehnte aus. Und zwar ohne Not. Es geschah, weil der Wert des Eigenen kaum mehr geschätzt werden konnte. Wir verstanden es nicht mehr, uns zu beschränken, was übrigens von jeher Grundlage aller Moral war. Wir verloren das Maß, was wiederum als Ursachen jeden Unglücks gilt. Ohne Not gaben wir uns preis.

Mag sein, in der Not finden wir uns wieder.


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Kommentare (12)

Laurenz
16. April 2019 04:19

In der Analyse liegt Herr Bosselmann falsch, im Résumé richtig. Wenn Goethe im Tasso noch nur dem Fürsten und seinem Gefolge als gepriesener Unterhalter dient, und damit hadert, so lehnt Kafka jeglichen Bezug auf irgendeinen Konsumenten der Kunst im Hungerkünstler ab, völlig absurd. Romantiker bringen uns, in ihrem Hang zur Selbstzerstörung, aktuell nicht weiter, ich hätte Kafka auch gelöscht. Wenn die heutige, staatlich finanzierte Wissenschaft (Archäologie und Historie) aus politischen Gründen die Dorischen Wanderungen ablehnen, weil sie ebenso, wie die Seevölker, von den Nationalsozialisten vereinnahmt wurden, und Germanen grundsätzlich zu blöd waren, irgendetwas zu reißen, ändert es grundsätzlich nichts am ewigen Konflikt zwischen Seßhaften und Nomaden. Es sind die orientalischen Trojaner, die heute bei uns einfallen.

Hartwig aus LG8
16. April 2019 10:10

Wie so oft eine Kafka-Figur (hier der Schuster), die sich Zuständen ausgesetzt sieht, gegen die sie nichts zu unternehmen vermag. Man neigt dazu, mit Kafkas Figuren (oft nur als K oder als F bezeichnet) zu sympathisieren, ggf. mitzuleiden oder zumindest auf ihrer Seite zu stehen, weil sie sich ihrer Schwäche bewusst sind. Aus Schwäche heraus haben sie die Zumutungen der Anderen (oder eines Systems, eines Apparates) zu erdulden. Am Ende steht meist ein "sich abfinden", ein "akzeptieren".
Was bei den Kafka-Figuren allerdings nicht vorkommt, ist der widerliche Selbstbetrug, der die eigene Schwäche als Zeichen der Toleranz (zur Stärke umgedeutet) verklärt; der die Zumutungen willkommen heisst, um eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Das ist die Geisteshaltung, die man bei Zeitgenossen nicht selten antrifft.
Man wünscht sich, es doch wenigstens mit K oder F zu tun zu haben.

Niekisch
16. April 2019 17:28

Gibt es denn auch einen deutschen Opfermythos? Wenn ja, können wir ohne ihn anderer Mythen überhaupt bewußt werden?

"Lasset die Kindlein zu mir kommen.- Als die erste Bombe fiel, schleuderte der Luftdruck die toten Kinder gegen die Mauer. Sie waren vorgestern in einem Keller erstickt. Man hatte sie auf den Friedhof gelegt, weil ihre Väter an der Front kämpften und man ihre Mütter erst suchen mußte. Man fand nur noch eine. Aber die war unter den Trümmern zerquetscht. So sah die Vergeltung aus.
Ein kleiner Schuh flog mit der Bombenfontäne in die Luft. Das machte nichts. Er war schon zerrissen. Als die emporgeschleuderte Erde wieder herunterprasselte, begann das Geheul der Sirenen. Es klang, als beginne ein Orkan. Hunderttausend Menschen spürten ihr Herz. Die Stadt brannte seit drei Tagen, und seitdem heulten die Sirenen regelmäßig zu spät. Es war, als würden sie absichtlich so in Betrieb gesetzt, denn zwischen dem Zerbomben brauchte man Zeit zum Leben.
Zwei Frauen auf der anderen Seite der Friedhofsmauer ließen den Handwagen los und rannten über die Straße. Sie dachten, die Friedhofsmauer sei sicher. Darin hatten sie sich geirrt. In der Luft dröhnten plötzlich Motoren. Ein Pfeilregen von Magnesiumstäben bohrte sich zischend in den Asphalt. In der nächsten Sekunde platzten sie auseinander. Wo eben noch Asphalt war, prasselten Flammen. Der Handwagen wurde von der Luftwelle umgeworfen. Die Deichsel flog in den Himmel, aus einer Decke entrollt sich ein Kind. Die Mutter an der Mauer schrie nicht. Sie hatte keine Zeit dazu. Hier war kein Spielplatz für Kinder.
Neben der Mutter stand eine Frau und brannte wie eine Fackel. Sie schrie. Die Mutter blickte sie hilflos an, dann brannte sie selbst. Von den Beinen herauf über die Unterschenkel bis zum Leib. Das spürte sie noch, dann schrumpfte sie zusammen".

(Ledig, Gert, Vergeltung, Roman, Suhrkamp, 1999, S. 9f.)

Der_Juergen
17. April 2019 08:26

Meiner Meinung nach der beste Beitrag von Heino Bosselmann seit geraumer Zeit.

@Niekisch
Die Erschaffung eines deutschen "Opfermythos" wäre keine gute Idee, da damit impliziert wurde, dass die in Ihrem Text beschriebene Greuel ein "Mythos" und damit keine historische Tatsache sind. Eben das sind sie jedoch leider.

Laurenz
17. April 2019 09:02

@Niekisch .... Mein Herr Vater, mittlerweile ein gutes Stück über die 80 Jahre, ist bis heute traumatisiert. Die verkohlten Bombentoten im Rheinland, die Flak-Granaten-Stücke, die um ihn einschlugen, und die us amerikanischen Jagdbomber, die ihn, nach der Evakuierung, im Main-Tal mit Bordkanonen jagten. Und das ist nur ein geringer Teil dessen, was Kinder aushalten mußten.
Wobei ich Ihnen, Niekisch, gestehe, daß es mir nicht möglich war, Dwinger durchgängig zu lesen. Das tat einfach zu weh. Ein deutscher Mythos ist vielleicht Luther, weniger der Kuttenbiesler, eher der sprachliche Lenker. Auch, wenn Luther sicher nicht perfekt war, aber er setzte sich für die Deutschen gegen die römische Mafia ein. Der Befreier Germaniens, Herrmann, ist ein Mythos. Ein juristischer Mythos ist Götz von Berlichingen, gegen die Juristen, auch wenn das den meisten nicht bewußt ist, so fühlen sie es. Adolf Hitler ist ein Mythos. Fast jeden Tag erwecken ihn seine Gegner in einer Art Haßliebe aus dem Reich des Bösen. Die deutsche industrielle Revolution ist quasi die industrielle Revolution des Planeten.

Niekisch
17. April 2019 10:58

Der_Juergen 17.4. 8:26: Da muß ich jetzt etwas ausholen: vom Erschaffen eines Opfermythos habe ich nicht gesprochen, vielmehr nach seinem Vorhandensein gefragt und die weitere Frage angeschlossen, ob wir uns - sein Vorhandensein unterstellt- anderer Opfermythen bewußt werden können. Mythos und entlehnt Mythe aus dem griech/lat. Ursprung hergeleitet bedeutet nicht nur Erzählung, Wort, Rede, Sage, Fabel ohne Tatsachenhintergrund, sondern auch mit einem solchen, selbst Tatsachen und Fiktion miteinander vermischt.

Metapolitisch gesehen scheidet Mythe aus, weil der Verwender des Begriffs in die Falle des § 130 Abs. 3 StGB zu rennen Gefahr läuft.

Wird der Begriff Mythos verwendet, so liegt Vermischung mit nicht auf Tatsachen Beruhendem nahe, sogar vollständiges Verweisen in den Bereich des Fabelhaften. Oder eben auf rein Tatsächliches. Strafrechtlich läßt der Begriff dem Verwender immer eine Hintertür offen. Wollen wir also im Zusammenhang mit anderen Ofermythen das eigene Opfer erzählen und uns somit anderer Opfer wegen des zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs bewußt werden, dann können wir unter dem Begriff Mythos ungefährdet alle Formen des Berichtens verwenden.

Warum das Gehampele? Weil der Impetus, ja der Furor zum Weitermachen bei genügender Selbstkontrolle gerade auch daran wächst, daß wir endlich einmal unser Auge auf die Entbehrungen und Leiden derjenigen richten, die uns vorangegangen sind.

Zooey
17. April 2019 22:20

Ein guter, zum Nachdenken anregender Beitrag. Wie der Zufall will, lese ich gerade wieder Kafka, die "Drucke zu Lebzeiten", eigentlich lese ich "immer" Kafka, weil mich seine Sachen nie loslassen. Also habe ich mir "Ein altes Blatt" vorgenommen. Einer Deutung enthalte ich mich. Gestolpert bin ich darüber, dass die Nomaden wie Dohlen reden, da Kafka Dohle bedeutet; dann dass sie Fleisch verzehren - Kafka war Vegetarier. Allerdings muss man Kafkas Texte nicht unbedingt auf die Person Kafka hin lesen; gilt nicht vielmehr der Satz Prousts: Lesen heisst sich selber lesen? Daran leidet auch die Interpretation des Germanisten Riecks - umso mehr würde mich Ihre, Herr Bosselmanns, "identitäre" Deutung interessieren, zumal m. E. die moderne Identitätsproblematik das ganze Werk Kafkas durchzieht - und wie ein Prager Jude, der mit das schönste, das klarste Deutsch schreibt, ins identitäre Konzept passt.

Interessant wäre auch ein Essay über fiktionale Literatur zum "Barbaren"-Thema - mir fallen auf Anhieb Julien Gracq "Das Ufer der Syrten" oder J. M. Coetzees "Warten auf die Barbaren" ein ...

Zooey
17. April 2019 22:46

@Niekisch:
Gert Ledig wollte/will ich immer schon lesen. Ihren letzten Halbsatz aufgreifend (der Hauptsatz davor bleibt mir unklar):

"daß wir endlich einmal unser Auge auf die Entbehrungen und Leiden derjenigen richten, die uns vorangegangen sind",

denke ich, dass darin die Ursache liegt für das, was Bosselmann beklagt. Ich denke dabei an den Befund des wohl politisch linken W. G. Sebald, dass der Luftkrieg in der deutschen Literatur kaum vorkomme, und ich glaube, dass die Verdrängung des eigenen Leids bis heute nachwirkt. Es scheint ein dunkler Zusammenhang dazu zu bestehen, wie die Gewalt von Migranten gegen Einheimische heruntergespielt wird. Ich meine damit nicht statistische Befunde, ich meine damit Ereignisse wie an Silvester auf der Kölner Domplatte und die - mich schockierenden - Reaktionen darauf, so, als fehle jedwede Empathie für sich selbst, mit dem Eigenen und den Eigenen. Man gehorcht dem Narrativ (oder Imperativ), dass Deutsche immer nur Täter sein können, wenn sie auf Fremde treffen - und wenn sie, weil nicht zu leugnen, faktisch doch zu Opfern werden, dies eben "verdient" haben ...

Laurenz
18. April 2019 13:00

@Zooey ... Luftkrieg ist doch nur ein Teil dessen. Ich bin beim Dokus schauen, zwischen dem Lachen und Heulen quasi immer hin- und hergerissen. Die generelle Kriegsschuldfrage immer den Deutschen anzuhängen, ist der 2. größte Bluff seit Dschingis Khan. Wenn sich fast täglich Franzosen, Griechen, Polen oder Briten in TV-Produktionen über ehemalige deutsche Besatzung oder Angriffe deutscher Militärs beschweren, oder ihre Opfer beklagen, kommt keiner auf die Idee sich darüber zu wundern, daß sie selbst ihren Teil zum Ausbruch der letzten beiden Kriege angefangen haben. Unsere politisch korrekte Betrachtung der Historie läßt die Sonne im Westen aufgehen, und keinem will es auffallen. Falls einer doch die Sonne im Osten aufgehen läßt, wird er zum Revisionisten gestempelt Das reicht bei den ganzen recht schön kostümierten 08/15-Produktionen bis in die Antike zurück. BBC-Produktionen sind leicht neutraler, aber nur subtil.

Was im deutschen Blog-Wesen fehlt, ist eine Doku-Seite, wo grundsätzlich alle Dokus auf historische Wahrheit und Sachlichkeit überprüft werden, ruhig mit Forum. Aber dazu braucht man wohl ein Millionen-Budget, das wird keiner leisten können, echt schade.

Niekisch
18. April 2019 15:54

@ Zooey 17.4. 22:46: Gerd Ledig bitte unbedingt lesen. Es lohnt. Es gibt zwei Elemente: das Verdrängen eigenen Leids, bestimmt schon wegen Versuchs, die Traumata zu überwinden und wegen der lügnerischen Behauptungen, das Leid sei selbst verschuldet, zum anderen durch die Überlagerung des eigenen Leids durch induzierte Täterrolle und quasireligiöse Schuldrituale. In Extremfällen ist sogar eine verdrängende Lust an der Schuld entstanden, die sich an der Täterrolle weidet.

@ Laurenz 18.4. 13.00: Danke für den Vorschlag zu Geschichtsfragen. Es gibt solche Blogs, die aber unter der Regie der Behörden stehen. Bei unbequemen Beiträgen wird man sofort gesperrt, wie es mir schon mehrfach passiert ist. Gerne präzisiere ich Ihre Idee: Gerade habe ich das kleine Werk: Hitler, Die 101 wichtigsten Fragen, für 10,95.- Euro, C.H. Beck, 2019, 160 Seiten mit Register und einem gefälschten Foto gekauft und gelesen. Hier haben wir in Kurzform die aktuelle Propagandaschrift des mainstream zur Person Hitlers, aber auch zu Kriegsschuld, Antisemitismus usw. in kurzen Kapiteln. Leicht könnten wir in den Diskurs gehen, historisch beschlagene Leute gibt es hier auf SiN sicher genug.

Ohne Historisierung der Historie bekommen wir keinen klaren Blick auf Gegenwart und Zukunft.

Niekisch
18. April 2019 16:03

Noch @ Zooey 17.4.22:46: Den Hauptsatz wollten Sie noch erläutert haben. Gerne: Ich habe mich etwas kryptisch ausgedrückt, wollte aussagen, das kontrollierter Widerstandswille eben auch die Beschäftigung mit eigenem Leid voraussetzt. Sehe ich immer nur das Leid der anderen Menschen oder Gruppen, dann kann das lähmen und mich falsche Schlüsse ziehen lassen.

Fredy
18. April 2019 21:33

Kafka hat mich schon als Kind fasziniert. Kafka ist Deutsch. Oder ich bin's nicht.