Sezession
29. April 2019

Netzfundstücke (8) – Erziehen, Non-Konformität, Bildersturm

Gastbeitrag / 6 Kommentare

Gastbeitrag von Jonas Schick – Die allerersten Grenzen des Lebens zeigt uns die Erziehung auf – verzogen ist, wer keine Grenzen kennt.

 Gastbeitrag

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Es bedarf der Autorität, um Freiheit herzustellen.

Über das letzte Jahrhundert ist dieses organische Leitbild zur menschlichen Einhegung in West- und Mitteleuropa von linker Seite zunehmend unter Beschuß geraten und befindet sich Anfang des 21. Jahrhunderts endgültig in der Defensive.

Die Philosophin und Sezession-Autorin Caroline Sommerfeld stellt dieser Entwicklung mit ihrem zweiten im Verlag Antaios erschienenen Buch Wir erziehen nun zehn Grundsätze entgegen: im Bildungskontext in Verruf geratene Größen wie Führung, Gemeinschaft, Askese und Anstrengungsbereitschaft mindern nicht die Selbstständigkeit, Selbstbewußtsein und Widerstandsfähigkeit des Menschen, sondern fördern sie.

Der liebevoll gestaltete Band kann hier direkt bei der größten konservativen Verlagsbuchhandlung, bei Antaios, bestellt werden.

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Was zu tun ist, wenn das Fundament erst einmal richtig gegossen wurde, arbeitete bereits die konservative Koryphäe Gerd-Klaus Kaltenbrunner in dem Mitte der 1980er erschienenem Bändchen Elite – Erziehung für den Ernstfall heraus.

Als kaplaken neuaufgelegt, bricht dieser Klassiker der politischen Elitenbildung eine Lanze – er ist ein Aufruf gegen das Mittelmaß und Plädoyer für eine stratifizierte Demokratie. Der 1939 in Wien geborene und 2011 in Lörrach verstorbene Meisterdenker wäre dieses Jahr achtzig geworden.

Aus Anlaß dieses Jubiläums und zum Gedenken hat der Grazer Ares-Verlag bereits im Februar eine verdienstvolle Neuausgabe der zwei "Sahnestücke" aus dem von 1987 bis 1992 erschienenen Monumentalwerk Vom Geist Europas vorgelegt. Band I kann hier und Band II hier bestellt werden.

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Ein weiterer Protagonist prononcierter konservativer Bildungskritik ist der im Ruhestand befindliche Gymnasiallehrer und ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus.

Unter dem Titel Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt prangert er die uneinheitliche und teils unsinnige Struktur des bundesdeutschen Bildungssystems, die (fehlenden) Inhalte der Lehrpläne und das Problemfeld „Sprache“ schonungslos an.

In der Bibliothek des Konservativismus in Berlin hatte er die Gelegenheit seine Thesen vor Publikum darzulegen – wenn auch etwas älter, haben sie nicht an Aktualität verloren:

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Wie unter Führung etablierte Freiheit und konzentrierte Anstrengungsbereitschaft sich niederschlagen können, zeigt sich in den letzten Wochen auf dem Jungeuropa Blog. Hier wurde der Raum für junge Autoren mit unkonventionellen Ideen weit aufgestoßen. Experimentelles kann hier gewagt, formuliert, diskutiert werden.

Daher findet Kontroverses, das im Dickicht neben den konservativen Hauptpfaden beheimatet ist, in dem avantgardistischen Netztagebuch um Philip Stein seinen Platz – rechte Nonkonformität zwischen Robotern, sozialer Frage und Arkologie.

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Zu guter Letzt noch ein Veranstaltungshinweis:

Das patriotische Hausprojekt „Flamberg“ lädt am 11. Mai ab 12 Uhr zur zweiten Auflage seiner Kunstausstellung „Bilderstürmer“. Bei den Künstlern geben sich die Die Kohorte, East PMS, Wolf PMS, Jan Fibiger (Fiba) und Ostpack die Ehre.

Außerdem wird es eine Gedichtlesung des Lyrikers und Folk-Musikers Uwe Nolte mit Klavierbegleitung des Schubert-Liebhabers Kemal Cem Yilmaz geben.

Es verspricht ein gelungener Tag zu werden. Vorbeikommen lohnt sich!


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Kommentare (6)

Laurenz
29. April 2019 12:15

Werter Herr Schick, die meisten Lehrer und Sozialarbeiter in unserem Lande sind doch weitestgehend links zu verorten. Oder täusche ich mich da? Diese Lehrer bezahlen doch gerade ihre eigene Haltung. Wer wird denn mit Gewalt bedroht oder durch permanenten Ordnungs-losen Umgang der unerzogenen Schüler krank? Man schreibt zwar viel über die Symptome, und nur wenig über die Ursachen. Aber im Grunde trifft es doch die richtigen.

Thomas Martini
29. April 2019 14:11

Nach der Bilderstürmerei der Reformation, brach in den Niederlanden auch in der Malerei das Goldene Zeitalter an.

„Es war nicht ungewöhnlich, wenn 1643 ein Leidener Tuchfärber 64 Gemälde besaß und zwei andere Färber in den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts 96 bzw. 103 Gemälde ihr eigen nannten.“ - Michael North, Geschichte der Niederlande

Das Moritzhaus in Den Haag

Den Haag, Welthauptstadt der Gerichtsbarkeit, außerdem königliche Stadt, und Wahrzeichen von “de Gouden Eeuw”, des Goldenen Zeitalters der Niederlande. Dort wo bis heute das politische Herz der Niederlande schlägt, und das Königshaus der Familie Oranien-Nassau ihren offiziellen Amtssitz hat, befindet es sich in unmittelbarer Nähe. Das prächtige Mauritshuis Musuem...hier weiterlesen

https://coriolan.in/rom/das-moritzhaus-in-den-haag/

Stil-Bluete
29. April 2019 14:30

Josef Kraus (Konservative Bibliothek) ein unbedingtes Muss für alle Eltern, Lehrer, Erzieher und (Bildungs-)Politiker. Auch sonst ist die dortige Veranstaltungsreihe von größter Solidität.

Gustav Grambauer
29. April 2019 19:02

"Wir erziehen. Zehn Grundsätze"

Aeeecht jetzt? Zehn Grundsätze? Ausgerechnet zehn (!) Grundsätze? Bin baß erstaunt.

https://books.google.ch/books?id=uk5wAQAAQBAJ&pg=PA16&lpg=PA16&dq=ddr+10+grundsätze+sozialistischen+jugendpolitik&source=bl&ots=htyiTr1C4c&sig=ACfU3U2qvNWCjiPV2r3h9GIgPS99KH1DpA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiRw7ee7_XhAhVo1-AKHYIxARgQ6AEwA3oECAcQAQ#v=snippet&q=%2210%20grundsätze%22&f=false

https://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote_der_sozialistischen_Moral_und_Ethik

https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/lebensstationen/3_45.htm

Lt. Dienstanweisung des Chefs der Deutschen Volkspolizei von 1954, übrigens in natürlicher Person der Vater von Monika Maron, hatte später der Hinrichtungskandidat einen letzten Wunsch frei, "eine besondere Speise", eine Zigarette und sogar Bohnenkaffee, "sofern der Wert der Waren den Wert von DM 10 je Verurteilten nicht übersteigt“.

"Die Menschheit braucht auf das Zehnersystem, das heute das Vorherrschende ist, nicht besonders stolz zu sein. Jedes Zahlensystem wird von bestimmten Geistern in die Welt gebracht, und ein jedes hat die Neigung, gewisse Tatsachen und Zusammenhänge von Tatsachen klarer zu zeigen und andere zu verdunkeln, zurücktreten zu lassen. In dem Zehnersystem wirken nun sehr stark die ahrimanischen Impulse. ..." - Steiner, GA 284 (1994), Seite 167 (sehr lesenswert in anderer Hinsicht: über die Amplituden der Jahrtausendwenden anhand der Architekturgeschichte)

"... wir sollten zugeben, dass wir Zunftordnungen wieder in Kraft setzen und das teuflische metrische System abschaffen, dass jemand der bei Bachs Weihnachtsoratorium nicht ergriffen ist, ausgepeitscht gehört, das Fernsehen abgeschaltet wird und wir keine Ahnung haben, wohin all die Journalisten verschwunden sind ..." - Raskolnikow, 26. August 2013, 09:19 / https://sezession.de/40484/alternative-fuer-deutschland-mit-mimikry-ins-establishment

Macht alles nichts, Buch wird subito bestellt, warte schon lange darauf!

- G. G.

Andreas Walter
29. April 2019 22:04

Wahnsinn. Nicht 330, auch nicht 3.300, sondern nur 33 rechte Gefährder in ganz Deutschland nach Meinung des Verfassungsschutz. 33 unter 82 Millionen (82.000.000) Menschen!

https://peymani.de/der-herbeigeredete-buergerkrieg-im-kampf-gegen-rechts-wird-gefaehrlich-gezuendelt/

Deutschland hat darum echt ein Problem, aber sicher nicht durch Nazis. Eher Eines mit seiner Selbstwahrnehmung, mit kollektiver kognitiver Dissonanz. 33. Die Zahl muss ich mir darum merken. 33 ist das neue 88. Haue ich jetzt jedem vor den Koffer, der mir noch etwas von Nazis erzählen will. Armes Volk. Weiß nicht mal, wie verrückt es tatsächlich ist, gemacht wird und gemacht wurde. Allein durch jahrelange Propaganda, die vollkommen jeder Wahrheit entbehrt. Potemkinsche Dörfer, aufblasbare Panzer, für deren Abwehr in den letzten 70 Jahren Millionen, wenn nicht sogar Milliarden ausgegeben wurden. Für nix. 15 Millionen mal 70 Jahre sind ja bereits eine Milliarde. Unfassbar.

Simplicius Teutsch
1. Mai 2019 12:06

@ Andreas Walter.
Danke für den Hinweis. Und sorry, dass ich Ihnen die ungeheure Zahl nicht gleich glauben wollte: "33".

Habe dann nachgegoogelt. Aber tatsächlich, Sie haben recht. Nicht nur der SPIEGEL warnt vor der unaufhörlich steigenden faschistischen Gefahr. Dann muss es stimmen. - Wahnsinn!

Seit Ende 2016 eine Steigerung um 50%!

Furchtbar. Dagegen muss was getan werden. - Ein Alptraum. Jede neue Zählung und Studie aus dem Hause BKA, Verfassungsschutz und Bertelsmann & Co. beweist es. Man könnte panisch werden vor Angst. Wann endlich findet diese seit Jahrzehnten immer mehr steigende Zunahme rechter Gefahr (und Gesinnung) ein Ende?

Spiegel online: „Terrorismus. BKA zählt immer mehr rechtsextreme Gefährder. Die Zahl der als besonders gefährlich geltenden Rechtsextremisten hat in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Laut einem internen Bericht des Bundesinnenministeriums führt das Bundeskriminalamt (BKA) aktuell 33 Personen als rechte "Gefährder". Ihnen werden politisch motivierte Gewalttaten bis hin zu Terroranschlägen zugetraut. Ende 2016 lag diese Zahl noch bei 22.“

Eine rechtsextremistische Steigerung von Schnapszahl ("22") zu Schnapszahl ("33"). - Fast schon teuflisch. - Bin gespannt, wann wir bei - o Gott, darf ich es schreiben, ohne diesen Blog in Gefahr zu bringen? - wann wir bei „88“ ankommen. Was folgt dann? - Ich höre jetzt lieber auf mit meinen panischen Assoziationen.

Aber keine Sorge: Wer so genau zählt, hat alles im Blick (und im Griff).