9. Mai 2019

„Das Heerlager der Heiligen“ in Recklinghausen

Martin Lichtmesz / 69 Kommentare

Am Montag sah ich in Recklinghausen die Bühneninterpretation von Raspails "Heerlager der Heiligen" unter der Regie von Hermann Schmidt-Rahmer.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Ich hatte mich auf zähe zwei Stunden gefaßt gemacht, war doch angesichts von Schmidt-Rahmers bisherigen Arbeiten zu erwarten, daß es sich um eine saftig "dekonstruktivistische" Bearbeitung der Vorlage handeln würde. Dies war in der Tat der Fall, allerdings fiel das Ergebnis zumindest nicht langweilig, mitunter geradezu fesselnd aus.

Abgesehen von ein paar Einsprengseln und Veränderungen, war der Text etwa zu 95% direkt von Jean Raspail übernommen, wobei sich Schmidt-Rahmer und seine Mitarbeiterin Marion Tiedkte reichlich bei meiner Übersetzung bedient haben. Als Übersetzer, der das Buch bis in den kleinsten Winkel kennt, war es reizvoll zu sehen, wie die einzelnen Passagen montiert und arrangiert wurden. Erzählende Abschnitte, die sich auch kaum auf der Bühne darstellen lassen, wurden in den Mund der Figuren gelegt.

In der anschließenden Publikumsdiskussion erwies sich, daß kaum einer der Besucher den Roman gelesen hatte, und selbst aus unserer Besuchertruppe - Kubitschek und Kositza waren ebenfalls anwesend - hatten etliche Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen oder die einzelnen Figuren zu unterscheiden. Sechs Hauptdarsteller, vier Männer und zwei Frauen (die zwischendurch reichlich Fleisch zeigten), übernahmen im fließenden Übergang verschiedene Rollen, deren Namen und Funktion nicht immer ganz klar waren. Auch das Programmheft bietet diesbezüglich keinerlei Orientierungshilfe.

Als Zuschauer bin ich hier befangen und kann mir schwer vorstellen, wie die durch den Fleischwolf der Regie gedrehten Versatzstücke des Romanes auf ein Publikum wirken, das ihnen zum ersten Mal begegnet und das Mühe hat, sie einzuordnen. Durch ihre Entkoppelung von einer klar identifizierbaren Handlung und klar identifizierbaren Charakteren geht eine Menge an Bedeutung und dramatischer Zuspitzung verloren. Was bleibt, sind herumfliegende Sätze und Textbrocken, die wohl etliche Besucher geschockt und verstört haben.

Das Bühnenbild zeigte das in Kerzenlicht getauchte Eßzimmer des alten Professors Calguès, der in seinem 1673 erbauten Haus die Landung der "Armada der letzten Chance" per Fernrohr und Radioübertragung verfolgt, und der sich noch einmal, ehe das Abendland untergeht, ein üppiges, gegen hypermoralische Schuldgefühle immunes Abschiedsmahl gönnt. Hinter dem antiken Kamin war eine Leinwand installiert, auf der blutrote Meereswellen rauschten.

Das Zimmer wird in der Folge zu einer Art geschlossenen Anstalt, in der die Schauspieler in Stummfilmschminke den Text Raspails in ein zunehmend regressives Psychodrama und einen makabren Fiebertraum verwandeln. Schmidt-Rahmer hat das Personenensemble des Romans auf einige "rechte" Charaktere (etwa Calguès, Machefer, Dragasès) heruntergedampft, wodurch die Zielscheiben von Raspails Satire weitgehend entfallen: die Journalisten, Politiker, Medienmacher, Entertainer, Kirchenmänner, Linksradikalen, Utopisten, "Gutmenschen" (bien-pensants) und so weiter, die der Autor als heuchlerisch, verblendet, eitel, naiv, wahnhaft oder ressentimentgeladen zeichnet.

Selbst wenn diese Figuren auftauchen, wie etwa "der Zorro des Mikrophons" Albert Durfort oder der Baader- oder Guevara-Verschnitt "Panama-Ranger", dann in indirekter, gespenstischer Form, als wären sie der Phantasie der bleichen Reaktionäre entsprungen. Der linke, gemischtrassige Journalist Clément Dio, der im Roman eine zentrale und destruktive Rolle spielt, wird nur am Rande erwähnt, als "Lügenpresse!" beschimpft, während sein grausames Schicksal und das seiner euraischen Geliebten Iris Nan-Chan unerwähnt bleibt. Denn bei Raspail sind es die linken Einpeitscher, naiven Gutmenschen (wie der Friseur Poupas, Schöpfer des Slogans "Es gibt keine Hindus mehr, es gibt keine Franzosen mehr, es gibt nur noch den Menschen, und er allein zählt!") und professionellen Moralprediger, die ironischerweise zu den ersten Opfern der Invasion, der Geister, die sie riefen, zählen.

Andere, wie der namenlose "Präsident der Republik", der nach außen Merkel spielt und im tiefsten Inneren lieber Salvini wäre, treten in gedimmter Form auf. Fast völlig entfallen sind auch die zentralen religiösen Motive des Buches: Raspail schildert den parabelhaft verdichteten "Untergang des Abendlandes" als eine satanische Parodie der Heilsgeschichte, als Geschichte eines messianischen Massenwahns (auf der Seite der Inder ebenso wie der Franzosen).

Hätte Schmidt-Rahmer die Satire Raspails ernstgenommen und ihre linksgerichteten Zielscheiben ebenso provokativ und grell in Szene gesetzt wie deren Widersacher, hätte er sich wohl rasch den Stempel des "Rechtspopulisten" erworben und aus dem Kulturbetrieb verabschieden müssen. Damit ist auch freilich die ganze Komik aus dem Stoff entfernt worden. Die Bühnenversion von "Heerlager der Heiligen" ist beklemmend, surreal und todernst.  Der Roman ist auch all dies, zugleich aber eine tiefschwarze Komödie, bei der einem freilich oft das Lachen im Hals stecken bleibt.

Bei dem Publikumsgespräch stellte mir der Schauspieler Daniel Christensen eine anspruchsvolle Frage: Wie ich denn das Ganze inszeniert hätte, damit es auch komisch ist? Bei den Proben hätte das Ensemble versucht, komische oder komödiantische Aspekte hervorzukitzeln, aber Versuche dieser Art hätten sich als unpassend erwiesen und wären regelmäßig in "ein Bashing des Romans" gemündet (ich nehme an, daß er damit eine "Verarschung" des Romanes meinte). Dabei beteuerte er, daß es keineswegs darum gegangen wäre, das Buch zu veräppeln oder ins Lächerliche zu ziehen, sondern in der Tat auch darum, es zumindest ein Stück weit ernstzunehmen, die Legitimität seiner Fragestellungen und Analysen zu überprüfen und zu durchdenken.

Meine Antwort lautete, daß sich die Macher ja auch jene Teile des Buches herausgepickt haben, die nicht komisch sind. Seine Komik liegt eben vor allem dort, wo das hypermoralische Spektakel in all seiner Hysterie und Infantilität karikiert wird und wo auf den Kitsch der Utopie und Menschheitsverbrüderung das Grauen der Realität folgt. Das herauszustreichen habe ich einmal selbst in einer Lesung versucht. Der Punkt ist, daß man all dies - die schwarzhumorigen Antennen vorausgesetzt - wohl nur dann witzig findet, wenn man Raspails Blick auf die Dinge teilt, seine Satire und Kritik für zutreffend hält.

Es ist also verständlich, wenn etwa Schmidt-Rahmer (so nehme ich einmal an) darüber nicht so doll lachen kann wie unsereiner, denn er gehört exakt zu jener Kulturschaffenden-Kaste, die Raspail in seinem Roman attackiert. Insofern ist seine Inszenierung auch eine Art Rache oder Gegenschlag. Er zählt allerdings zu den schlaueren Vertretern dieser Elite, die kapiert haben, daß sie es hier mit einem Angriff zu tun haben, dessen Argumente sich nicht so leicht vom Tisch wischen lassen. Was tut der Linke, wenn ihm dämmert, daß der Rechte womöglich recht hat? Seine Bearbeitung des "Heerlagers" findet in einem Abwehr- und Immunisierungsmodus statt. Hier soll etwas zerkaut, bewältigt, in eine künstlerische Quarantäne gestellt werden.

Mit anderen Worten ist man hier wieder bei meiner Polarisierungsformel angelangt, die da lautet: "Ich seh etwas, was du nicht siehst". Und: "Weil du nicht siehst, was für mich ganz offensichtlich ist, bis du vermutlich dumm, verblendet, geisteskrank oder hast böse Absichten". Und dieses Motiv des Verleugnens und Ausblendens, der gezielten Lüge oder der verzweifelten Illusionsbereitschaft und der unbewußten Apperzeptionsverweigerung, zieht sich wie ein roter Faden durch Raspails Roman, in dem der Autor unmißverständlich Partei ergreift.

Im Publikumsgespräch äußerte sich ein Zuschauer verblüfft, wie sehr ein Roman aus den siebziger Jahren die heutigen Themen und Slogans der "Rechtspopulisten" vorweggenommen habe. Wie das wohl kommt? Was mag inzwischen passiert sein, insbesondere seit 2015? Der "Rechtspopulist" liest dasselbe Buch, und wundert sich, wie trefflich ein Roman aus den siebziger Jahren den humanitären Willkommenskulturkitsch der heutigen Zeit vorweggenommen hat und wie unheimlich die "Flüchtlingskrise" dieser wahrlich prophetischen Erzählung ähnelt. Entsprechend sahen 2015 die einen Goldstücke anrollen und die anderen Tartarenhorden einfallen (um es in beide Richtungen überspitzt zu sagen), und die einen erklärten sich zu den Hellen und Guten und die anderen zu den Dunklen und Bösen. Diese aber sahen in den selbsternannten Hellen und Guten Naivlinge, Kleinkinder, Mitläufer eines Massenwahns, blind für die Kollateralschäden ihres Tuns.

Im Foyer des Theaters hing ein Zeitungsausschnitt mit einem Interview mit Schmidt-Rahmer, das ich leider nicht im Netz finden konnte. Überschrift etwa folgendes Zitat: "Rechtes Denken ist wenig an der Wirklichkeit interessiert". Das scheint mir wiederum ein Paradebeispiel für das "Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz" der linken Projektion zu sein, denn das ist exakt, was die Rechten über die Linken denken: Daß diese mit der konkreten Wirklichkeit, der Realität schlechthin auf Kriegsfuß stehen, und sich mit ideologischen Mauern, Schleiern und Scheuklappen, mit "Pseudologien" und "fauxels" gegen sie abgeschottet haben.

Folgerichtig - und hier muß ich ein wenig spoilern - mündet die Bühnenproduktion "Das Heerlager der Heiligen" in die Offenbarung, daß es gar keine Flotte gibt, gleich den Barbaren aus dem berühmten Gedicht von Kavafis. War also alles nur ein Fiebertraum von Calguès? Der gebiert nun in einer surrealen Szene einen Haufen (weißer) Plastikpuppen, gefolgt von einer Flut von weiteren (weißen) Plastikpuppen, die in Eimern angeschleppt und von den Schauspielern über die Bühne ergossen werden, als Sinnbild der Menschenflut aus dem Orient.

Schon zuvor gab es kein einziges Schiff, keinen einzigen "Flüchtling" oder Migranten zu sehen. Lediglich zwei stumme Dienerinnen tauchten auf, eine Asiatin und eine Muslima, die wie selbstverständlich den weißen Herren das Essen servierten.  Das Meer auf der Leinwand war blutrot, aber leer. Während im Roman das letzte dreckige Dutzend des Abendlandes mit Galgenhumor auf dem verlorenen Posten kämpft und schließlich von der französischen Armee (die plötzlich wieder imstande ist, zu töten) in Grund und Boden gebombt wird, ballern die Figuren des Stücks mit Gewehren blindwütig in alle Himmelsrichtungen, auf unsichtbare und wohl imaginäre Feinde, von denen sie sich umzingelt glauben.

Nicht nur kämpfen sie gegen ihre eigenen Hirngespinste: Sie haben ihren Untergang offenbar auch verdient. Calguès, im Roman ein Sympathieträger, und eines der etlichen Sprachrohre des Autors, erscheint im Stück weniger als heiter-melancholischer "letzter Franzose" denn als steifer, satter Bildungsbürger, dessen Haltung etwa gegenüber den hochtrabenden Reden Durforts eher als Zeichen von selbstgefälliger, verstockter Mitleidlosigkeit und Arroganz denn als ironische Luzidität erscheint.

Das ethische Dilemma, das sich bei Raspail auf die Ernstfall-Frage "Schießen oder Teilen?" zuspitzt und verengt, verliert durch diese Gewichtungen und Auslassungen seine Schärfe. Stattdessen affirmiert das Stück die von Raspail karikierte und hinterfragte Vorstellung, der Westen lebe allein auf Kosten anderer in seinem widerlichen Wohlstand und habe seine Schuldkomplexe und den drohenden Zahltag im Grunde redlich verdient. Zu diesem Zweck hat der Regisseur einen (leicht veränderten) Satz aus Heiner Müllers "Hamletmaschine" in den Text montiert, der leitmotivartig wiederholt wird: "Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich leben kann in meiner Scheiße."

Das ist wohl mehr oder weniger der entscheidende Standpunkt, von dem aus der Regisseur und sein Ensemble auf den Roman blicken: Auch in der anschließenden Publikumsdiskussion mit einigen Schauspielern und dem (um eine faire Diskussion einigermaßen redlich bemühten) Intendanten Olaf Kröck zeigte sich, daß die Ausbeutung der Dritten Welt, die kollektive Schuld (und nicht bloß die "Schuldgefühle") der Europäer, sowohl von den Darstellern als auch von etlichen Zuschauern, als unhinterfragbares, moralisch verpflichtendes Paradigma hingenommen wurde.

Aber stimmt dies alles auch? Tatsache ist, daß der koloniale Drang der Europäer, nicht allein mit "Ausbeutung" (Zugang zu Ressourcen, Arbeitskräften, Expansion, "Lebensraum"...) zu tun hatte, sondern auch stets andere Gesichter und Aspekte aufwies: Bis heute hegt der Europäer oder Westler den Wunsch und guten Willen, zu missionieren und zivilisieren, zu erziehen und zu "retten", ob es nun Seelen oder Körper sind, ob nun zum Christentum oder zur "Demokratie" bekehrt werden soll.

Kolonialisten haben Kriege um Land und Rohstoffe geführt, aber auch die Sklaverei und andere Barbareien bekämpft und abgeschafft, Infrastrukturen ausgebaut, wissenschaftlichen Fortschritt ermöglicht, medizinische Versorgung, Krankenhäuser, Technik, Gesetz und Ordnung, Menschenrechte und "Entwicklungshilfe" gebracht. In der Tat sind heute häufig gerade jene nord- und schwarzafrikanischen Länder in einem umso besseren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustand, je länger und gründlicher sie kolonisiert waren. Und es mag durchaus so sein, daß es gerade die allzu große und allzu fehlgeleitete Fürsorge der westlichen Menschen war, die die Bevölkerungsexplosion mitverursacht hat, die ihnen nun auf den Kopf fällt.

Und schließlich geht es uns selbst nicht "so gut", bloß weil "wir" andere Völker "ausbeuten", sondern weil wir die Fähigkeit haben, eine Zivilisation wie die unsere zu erschaffen, eine Zivilisation, die auf Völker, die das nicht können, eine unwiderstehliche Anziehungskraft hat. Und wir sind keineswegs "Rassisten", die hinter Mauern unter sich bleiben wollen, sondern vielmehr dem Eifer verfallen, unsere Zivilisation und ihre Errungenschaften der ganzen Welt zu öffnen, in dem Glauben, daß an ihr und unserem Gutsein die ganze Welt genesen könne (und die Kehrseite dieses doch recht größenwahnsinnigen Glaubens ist die Vorstellung, daß "wir" auch an allem Übel der Welt schuld und für es "verantwortlich" seien).

"Wir leben in Saus und Braus, auf der Kosten der Afrikaner, die wir ausbeuten, und haben darum ihnen gegenüber eine Verantwortung", hörte ich am nächsten Tag von einem sehr gutmenschlichen Priester, der indes in der Massenmigration auch keine Lösung sah. Er hielt es allerdings für unchristlich und "nationalsozialistisch", sich zu wünschen, daß die Europäer mehr Kinder bekämen und die Afrikaner weniger. Gleichzeitig leugnete er vehement, daß es auf diesem Planeten soetwas wie Überbevölkerung oder Bevölkerungsexplosionen gebe.

Gegenüber solchen Vereinfachungen, die am Ende folgenlos bleiben und vor allem den eigenen Moralismus aufblasen wie einen Signalluftballon, ist der Blick Raspails auf den Kolonialismus und den Neokolonialismus des Imports billiger Arbeitskräfte in den Westen weitaus vielschichtiger und ambivalenter. Niemand, der den Roman wirklich gelesen hat, kann ihm unterstellen, daß er es sich hier leicht gemacht hätte, und unfähig sei, die andere Seite der Medaille zu sehen. Da er kein Moralist ist, weiß er um den Preis, den jede Zivilisation erfordert, und zugleich um ihre Fragilität und die Korrumpierbarkeit gerade der "zivilisierten" Völker.

Vermutlich versteht er, der Weltreisende und Liebhaber der kleinen Völker, besser als jeder universalismusbesoffene Gutmensch, daß der Andere wirklich anders ist. Wo sich von hehren Idealen erfüllte Priester jeglicher Couleur farbenblind stellen und Massen von bedürftigen "Mitmenschen" auf uns zukommen sehen, erblicken nichteuropäische, tribal denkende Menschen womöglich nur selbsterklärte, vom schlechten Gewissen geplagte fette Ausbeuter, die er zur fetten Beute machen kann. Raspail führt den Leser  in eine Spannungszone, die wenige ertragen, weshalb sie lieber die Flucht in kosten- und folgenlose Bekenntnisse und Deklamationen ergreifen. Auch das ist ein durchgehendes Thema des Romans.

Nun macht es sich auch Schmidt-Rahmer nicht allzu einfach, und läßt sowohl in der Inszenierung als auch im Programmheft erkennen, daß er Jean Raspail und ähnlich denkenden "Rechten" zubilligt, daß ihre Sicht der Dinge und ihre Analysen zumindest teilweise durchaus berechtigt und zutreffend seien, wenn auch, wie Daniel Christensen betonte, ihre "Schlußfolgerungen" (was auch immer diese sein mögen) ganz und gar "falsch" seien.

Aber was für "Schlußfolgerungen" sind hier gemeint? Raspail schrieb im Vorwort zu dritten Auflage (1985):

Ich bin Romanschriftsteller. Ich habe weder eine Theorie noch ein System noch eine Ideologie vorzuschlagen oder zu verteidigen. Es scheint mir jedoch, daß sich uns nur eine Alternative bietet: den schicksalsergebenen Mut aufzubringen, arm zu sein, oder den entschlossenen Mut wiederzufinden, reich zu sein. In beiden Fällen wird sich die sogenannte christliche Nächstenliebe als ohnmächtig erweisen. Diese kommenden Zeiten werden grausam sein.

Das klingt nicht gerade nach "einfachen Antworten auf komplexe Fragen", und deutet die ganze Spannweite der Tragödie und des moralischen Dilemmas an, das Raspail in seinem Roman zu schildern versucht. Er ist hier wesentlich weiter und ehrlicher als jene, die denken, es genüge, "uns" einseitig die Schuld zuzuschieben - was wie gesagt selten über dick aufgetragenes "virtue signalling" hinausgeht -, oder jene die glauben, daß die Massen, die nach Europa strömen, vor Brüderlichkeit, Friedfertigkeit und Dankbarkeit nur so aus den Nähten platzen werden, wenn wir ihnen das (vermeintliche) Paradies (noch weiter) öffnen.

Konzessionen dieser Art genügen jedenfalls nicht, um eine ernsthafte Auseinandersetzung zu beginnen. Sie haben wohl sogar eher den Zweck, sie zu beenden. Indem der Regisseur die Flotte verschwinden läßt, die ätzende Kritik Raspails an der Linken und dem hypertrophen Humanitarismus weitgehend ausspart und sich auf eine Demontage und Psychoanalyse der "Reaktionäre" k0nzentriert, folgt er einer üblichen Methode: Eine konkrete Lage wird zu einem "Diskurs" verdünnt, isoliert, bespielt und zerlegt, und dieses Manöver als "Entlarvung" und ähnliches verkauft.

Nach diesem Muster haben auch etliche Rezensenten das Stück und seine Intentionen interpretiert. Etwa hier:

Wie macht man aus einem rassistischen Roman eine anti-rassistische Theateraufführung? Die Aufgabe ist schwer, weil doppelt: die politische Tendenz umkehren und die Erzählung in ein Bühnengeschehen verwandeln. Die Lösung kann nur sein, das eine mit dem anderen zu erreichen. Die ästhetische Form muss den politischen Inhalt verkehren.

Ebenso Deutschlandfunk Kultur:

Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer und Dramaturgin Maron Tiedtke konzentrieren sich auf die Frage, wie rechtsradikale Gedankenwelten entstehen. (...) Der Roman „Das Heerlager der Heiligen“ ist keine realitätsnahe Satire, sondern eine triebgesteuerte Fantasie, politisch unkorrekt und oft geschmacklos. Mit rationalen Argumenten oder Fakten haben diese Leute nichts zu tun. Schmidt-Rahmers Inszenierung zeigt klar und analytisch, warum Diskussionen mit Rechtspopulisten so schwierig sind.

Weniger von klaren Analysen erleuchtet sah sich hingegen der Rezensent vom wa.de:

Man quält sich fast zwei Stunden lang ohne aufklärerischen Mehrwert.

In der Rezension des DLF wird jedenfalls klar ausgesprochen, wie die "Message" des Stücks von den wohl meisten Rezipienten verstanden wird und vielleicht auch verstanden werden soll: "Rechtsradikale Gedankenwelten entstehen" aus pathologischen, subjektiven Quellen, haben jedoch nichts mit realen Problemlagen oder gar dem Verhalten und der Ideologie der Linken zu tun. Die Methode ist einmal mehr das Gaslichtern: Ihr spinnt, da ist nichts, ihr leidet unter Wahnvorstellungen, Neurosen, Phobien und Körperpanzerproblemen. Das ist die Antwort auf jene, die das Buch ganz im Gegenteil als Augenöffner und seine Lektüre geradezu als Erweckungserlebnis preisen.

So fällt auch "Das Heerlager der Heiligen" wie schon "Volksfeind/Volksverräter", der Kinofilm "Kleine Germanen" oder der durchgeknallte Schnellrodaploitaton-Roman "Zornfried" und andere Produkte in das momentan florierende Genre der linken Phantasieproduktionen über Rechte, die man, wenn boshaft genug wäre, auch trefflich psychoanalysieren und theweleitisieren könnte. Ich sehe in Ihnen vor allem Abwehrbildungen und Projektionen, die aus der eigenen kognitiven Dissonanz entstanden sind. Dann verhielte es sich genau umgekehrt: Raspails "Heerlager" wäre ein realitätsnahe Satire, Schmidt-Rahmers "Heerlager" eine "triebgesteuerte Fantasie" über Raspails "Heerlager".

So ist auch das Recklinghausener/Frankfurter "Heerlager der Heiligen" eher ein dramatisierter Kommentar zu Raspail, eine Phantasie oder Meta-Phantasie über den Roman und seine Motive, die durchaus ihre starken und einprägsamen Momente hat:  Michael Schütz, ein exzellenter Sprecher, erfüllt den Text von Calguès mit Leben und Bedeutung; Daniel Christensen brilliert insbesondere in einer Szene als Kommandant de Poudis, der dem Präsidenten der Republik mit Erschütterung berichtet, was er auf den Booten der Flotte aus nächster Nähe gesehen hat. Der "Panama Ranger" tritt am Ende mit einem antiken Helm als fehlgeleiteter Kriegersproß des Abendlandes auf, als unheimlicher Zwilling des "Faschisten" Dragasès, in rotes Licht getaucht, links und rechts eine revolutionäre Gespielin im Arm, während auf einem Bildschirm Notre Dame de Paris abbrennt.

Von "Klarheit" oder "Analyse" kann insgesamt allerdings keine Rede sein; eher wird hier verdreht und vernebelt und ins Anno Theweleit geflüchtet, damit sich am Ende faule Rezensenten und Theaterbesucher in dem bestätigt fühlen dürfen, was sie ohnehin schon denken und zu wissen glauben. Im Publikumsgespräch verkündeten etliche Besucher geradezu stolz, daß sie das Buch nun auch nicht mehr lesen würden und bräuchten. Damit kann man aufatmen, die Diskussion ist erledigt, der politische "Andere" mal wieder entlarvt und dekonstruiert, und man hat zusätzlich das Alibi, daß man all diese kontroversen Themen doch furchtlos behandelt, und nicht etwa verschwiegen und tabuisiert hätte, wie die Rechten immer behaupten, die sich dauernd "zum Opfer stilisieren" (blubb).

Für einen Raspail-Leser einigermaßen witzig und ironisch war der Verlauf des Publikumsgesprächs. Als sich Kubitschek zu Wort meldete, und die Tatsache ansprach, daß mit der Flüchtlingswelle auch etliche Terroristen und Kriegsverbrecher nach Europa gelangt seien, erhob sich von allen Seiten ein gereiztes Gezische und Geschrei: Was fiele ihm ein, hier rechtsradikale Propaganda zu verbreiten?? Die mentalen Abwehrkörperchen reagierten reflexartig und aggressiv auf diese Grenzüberschreitung.

Auch ich bin nicht weit gekommen, als ich ansetzte, eine etwas komplizierte Frage zu beantworten, nämlich nach der Komik des Stoffes. Als ich hervorhob, daß Raspail seine Geschichte als parodistische Heilsgeschichte, als "religiöse" Geschichte erzähle, unterbrach mich Olaf Kröck, ebenfalls etwas gereizt, und insistierte, es handele sich doch vielmehr um eine "rassistische" Geschichte, sei doch andauernd, oh huch und Schreck, von "Rassen" die Rede, die bekanntlich ebensowenig existieren wie die Flotte im Stück.

Da mußte ich an den anonymen Erzähler denken, der am Ende des Romans bemerkt, daß sich schon zu seinen Lebzeiten die Definition des Wortes "Rasse" erheblich verändert habe:

Was für mich nur eine simple Feststellung war, nämlich daß die verschiedenen Rassen inkompatibel sind, wenn sie im selben Raum leben müssen,
wurde vom Großteil meiner Zeitgenossen als Aufruf zum Rassenhaß und als Verbrechen gegen die Menschenwürde ausgelegt.

Kröck versuchte es also mit "Derailing", und danach hatte ich kaum mehr Zeit, meinen Argumentationsbogen zu Ende zu führen. Dieses argumentative Haxlstellen sehe ich symptomatisch: Wenn man "uns" Rechte einmal reden läßt, dann tut man meistens nur so, als höre man zu, und wartet die nächstbeste Gelegenheit ab, hineinzugrätschen. Man wird auch schnell nervös, wenn Rechte andere Dinge sagen, als man von ihnen erwartet.

Anschließend setzte eine Art Moralolympiade ein, in der jeder versuchte, eine ergreifendere und betroffenere Arie als der Vorgänger zu singen: wie schrecklich, daß so viele Menschen elendig ersaufen, wie mitschuldig wir wohlstandsverwöhnte Ausbeuter doch an ihrem Schicksal seien, wie lächerlich wenige Menschen doch eine Million sind, wie furchtbar es sei, über Schießbefehle auch nur nachzudenken, was für großartige Menschen man unter Asylanten kennengelernt habe. Es war mit anderen Worten wie eine weitere Szene aus dem Roman. Dazu paßt auch, daß Recklinghausen in einem stark "umgevolkten" Teil Deutschlands liegt, während das Publikum eklatant undivers ausfiel.

Eine freundliche, wohltätig gesinnte Dame fragte mich, was denn meine Lösung für die Flüchtlingskrise sei. "Bißchen konkreter, bitte", antwortete ich, "was meinen Sie denn genau mit 'Flüchtlingskrise'?" - "Also für mich gibt es gar keine Flüchtlingskrise!" - "Dann weiß ich leider auch nicht, wofür ich Ihnen eine Lösung anbieten soll."

Um die Rezensenten des Deutschlandfunks zu zitieren: Mit rationalen Argumenten oder Fakten haben diese Leute nichts zu tun.

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Das Heerlager der Heiligen bei Antaios hier einsehen und bestellen.

Aufführungen in Frankfurt: Termine hier einsehen.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (69)

Laurenz
9. Mai 2019 13:38

@Herrn Lichtmesz ... zugegeben, Ihr Bericht stammt aus einer Welt, die nicht meine ist (ich hatte mal in der Schule "Die Nashörner" (Rhinocéros) von Ionesco in der Theater AG gespielt). Bin eher den Werken von Chester Nimitz & Co. (auch die brauchten Übersetzer), oder Helmut Pemsel zugeneigt, aber, auch zugegeben, Ihr Besuchs-Bericht war nicht langweilig zu lesen.
Vor allem bei "Ihrem" "Aufruf zum Rassenhaß und als Verbrechen gegen die Menschenwürde ausgelegt"en Äußerungen wird es dann doch noch richtig spannend.
Hier könnte man den Eindruck gewinnen, die Rechte (in diesem Falle Sie und Herr Kubitschek) seien zu lieb und nett. Ich kann mich dieser Wahrnehmung jedenfalls nicht entziehen. Jeder, der mal auf einem AfD-Wahlkampfstand gestanden hat, weiß um dieses Dummgelaber eines ethnisch selektierten Betroffenheits-Publikums in Mitteleuropa. Meine Antworten darauf waren bisher pragmatischer, als Ihre dargelegte Debatten-Kultur.
Rassen? Wieso sollten wir den Berggorilla retten, wenn es der Berberaffe in Gibraltar auch tut? Zoos? Artenvielfalt?Abschaffen, rassistischer Mummenschanz. Tierschutz-Umweltschutz sind reine Reminiszenzen an die Nationalsozialisten (Da klingt Hermann Göring wie ein Ur-Grüner, Zitat- "Wer Tiere quält, verletzt das deutsche Volksempfinden." oder
"Wir werden jene in Konzentrationslager einliefern, die denken, sie können Tiere wie leblose Dinge behandeln." - Zitatende). Und wer sich Flüchtlinge ins Land holt, ist doch nur zu faul, seinen persönlichen Sahib-Imperialismus in die Welt zu tragen, weil die indigene Putze zu teuer ist. Nichts anderes als Denk-Kolonialismus inklusive best-menschlicher Mission stellt die Situation, in der wir leben, dar. Und ein kleiner Seitenhieb, die anwesende Linke und deren Zweifel am Schießbefehl an der Mauer zu Gaza, als Anti-Semiten bloß zu stellen, schadet nie.
Und ist es nicht umgekehrt? Wer sind denn die Andreas-Baader-Che-Guevara-Panama-Ranger? Nichts als kleine Möchtegern-Adolfs, deren machtpolitische Männlichkeit zu kurz geraten war. Und als letzter rechter Haken geht immer ....
„Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Nein, er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus.“

Niekisch
9. Mai 2019 14:20

"Irgendwo werden Leiber zerbrochen, damit ich leben kann in meiner Scheiße"....ist dieser Satz vielleicht nicht nur auf den gefühl- und mitleidlosen Westen, sondern auch auf die Rechten" hinsichtlich der "outlaws" des eigenen Lagers anzuwenden, hinsichtlich derer inzwischen fast jedes Mittel recht ist, um sich von ihnen zu distanzieren wie von Aussätzigen?

Imagine
9. Mai 2019 15:48

Als die Kolonialisten und Okkupanten in Amerika zu wenige Arbeitskräfte besaßen, importierten sie Sklaven aus Afrika. Sklavenhändler kauften sie den einheimischen Sklavenjägern ab und deportierten – geschätzt 12 Millionen Sklaven – auf Schiffen nach Amerika, wobei die Hälfte von ihnen starb. Auf Sklavenmärkten mussten die Sklavenhalter die Sklaven für teures Geld kaufen. Die Frage war, ob diese Sklaven tatsächlich die Investition wert waren. Zudem mussten diese noch ernährt werden, wenn sie aufgrund von Krankheit oder Alter arbeitsunfähig wurden.

Wie man sieht, war das aus der Perspektive der Gewinnmaximierung kein optimales ökonomisches Vorgehen.

Zudem hatten die Sklavenhalter immer Angst vor Sklavenaufständen. Wer schon einmal in Trinidad (Kuba) war, hat noch die vergitterten Fenster und Türen sehen können an den Häusern, in denen die Sklavenhalter lebten.

Die Angst vor dem Aufstand der modernen Sklaven – der Lohnarbeitssklaven – ist auch heute noch gegenwärtig. Deshalb werden immer neuere Techniken der Überwachung, Repression, Gedankenkontrolle, der Kommunikationszensur etc. entwickelt.

Der Roman von Jean Raspail „Das Heerlager der Heiligen“ konstruiert ein fiktives Szenario, nämlich eine Invasion durch die verelendeten Opfer des Kolonialismus.

Natürlich spielt Raspail mit der Paranoia der Imperialisten und Kolonialisten.

Das ist das Komische daran. So wie Lichtmesz schreibt:
„Seine Komik liegt eben vor allem dort, wo das hypermoralische Spektakel in all seiner Hysterie und Infantilität karikiert wird und wo auf den Kitsch der Utopie und Menschheitsverbrüderung das Grauen der Realität folgt.“

Der Witz hierbei ist, dass es keine Invasion von Armen und Verelendeten gibt.

Denn die Massenimmigration durch „Flüchtlinge“ stellt genau das Gegenteil dar, nämlich Neokolonialismus.

Das Ganze ist äußerst raffiniert inszeniert. Die modernen Sklavenhalter greifen Länder mit dem Potential von sehr vielen jungen und gesunden Arbeitssklaven mit ihrer NATO-Kriegsmaschinerie an: Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien …

Sie machen das Leben dort zur Hölle, sowohl in den Kriegsgebieten wie in den Flüchtlingslagern. Dadurch wird ein Druck zur Emigration zum wohlhabenden Europa erzeugt. Millionen von Menschen machen sich auf den Weg.

Das ist wirtschaftlich viel effizienter und effektiver als damals, wo man die Sklaven einfangen musste und mit Gewalt und hohem Aufwand deportieren musste. Heute kommen die von ganz alleine. Natürlich werden sie zugleich psychologisch hergelockt mit Illusionen und Erwartungen der Partizipation am Wohlstand Europas, ihnen wird beim Weg übers Meer geholfen und ihnen werden die Grenzen geöffnet.

Wie dies gemacht wurde, hat Friederike Beck in ihrem Buch. „Die geheime Migrationsagenda“ erstklassig recherchiert.

Die Immigranten träumen von einem guten Job, von Autos und eigenem Haus. Sie glauben durch die „Welcomer-Inszenierung“, dass sie willkommen sind. Und die Mutti der Nation heuchelt Humanismus.

Die Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt frohlockte: „Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt".

Nun ist die Realität in Deutschland jedoch eine ganz andere, als es sich die Flüchtlinge vorstellten. Gerade die jungen Männer ohne Frauen und Familie werden dadurch frustriert und aggressiv. Es entsteht eine zunehmende Welle von Aggressionsdelikten sowie Armutskriminalität.

Für die Sklavenhalter sind dies Kollateralschäden und Einzelfälle. Sie sorgen dafür, dass nicht allzu viel an die mediale Öffentlichkeit dringt.

Die Profiteure des Ganzen sind von den negativen Folgen der Massenimmigration nicht betroffen und verfahren nach dem Motto: „„Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren!“

Man bekommt billige Arbeitskräfte, die Mieten steigen. Es entsteht eine profitable Asylindustrie.

Der Neokolonialismus verkleidet sich in Humanismus. Viele „Linke“ mit humanistischer Einstellung fallen darauf hinein.

Sie begreifen nicht, dass es sich hier um eine extreme raffinierte Strategie des Neokolonialismus handelt, wo man die Arbeitssklaven nicht mit Gewalt deportiert, sondern anlockt.

Aber auch viele „rechte“ Gegner der Massenimmigration durchschauen die neokolonialistische Strategie nicht, sondern betreiben eine illusionäre und völlig ineffektive Politik dagegen.

Anstatt aufzuzeigen, welche Interessen und Kräfte hinter der Massenimmigration stehen, erzeugen sie Angst und Aggressionen gegen die Immigranten.

Waldgaenger aus Schwaben
9. Mai 2019 16:25

Im Vorwort des Buches, oder in einer Rezension, habe ich gelesen, dass Raspail in seinem Roman das Genre der Zombie-Filme vorweg nimmt.
Die Einwanderer der "Flotte der letzten Hoffnung" sind eine gesichtslose Zombie-Horde, die plündernd in Südfrankreich einfallen und von dort aus das Abendland überrennen.

Damit hätte selbst ein mittelmäßiger Regisseur, der den Roman als Stück "gegen Rechts" auf die Bühne bringen will, etwas anfangen können.
Irre Rechte, die gegen Zombies ankämpfen.

Damit wäre zwar die Aussage des Romans in das schiere Gegenteil verkehrt, aber es wäre ein Skandal, über den berichtet würde.

Entweder fehlte dem Regisseur sogar dazu das Talent, oder er hatte nicht den Mut Einwanderer als Zombies darzustellen.
Vielleicht ist das eine Erklärung.

Aber so scheint das Stück gar nichts zu bewirken, ausser das vielleicht ein paar Zuschauer das Buch kaufen und lesen, was nicht schlecht wäre.

Augustinus
9. Mai 2019 17:33

Martin Lichtmesz ist ein kluger Mann. Fast alles was er sagt ist richtig. Ausgenommen was 9/11 anbelangt, da irrt er meiner Meinung nach. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die alles, was in den Medien verbreitet wird, glauben. Bei 9/11 denke ich aber, dass die offizielle Darstellung stimmt. Vielleicht sollte Martin Lichtmesz seine Meinung über 9/11 nochmals überprüfen?

Gotlandfahrer
9. Mai 2019 17:34

Hochverehrter Herr Lichtmesz,
Wie schaffen Sie es nur immer wieder, sich dem Dialog mit diesem Klientel auszusetzen? Ich habe dies längst aufgegeben und mich stattdessen einer Art Laienstudium der Kognition und Gruppendynamik zugewandt, allein um nicht wahnsinnig zu werden an diesem... Zeitgenossenpool. Mehr und mehr drängt sich mir der Eindruck auf, dass das Ich eine Steuerungsillusion der Evolution ist, die in einem - womöglich - zufälligen Wimpernschlag die Fähigkeit zur Faustkeilherstellung hervorgebracht hat. In dem Bruchteil eines Wimpernschlages haben nun einige besonders gewiefte Individuen weitere geistige Einzelhöchstleistungen erbracht, die in der europäischen Antike und Aufklärung mündeten. Nun basierten diese Einzelleistungen zwar auf einem abstraktionsfähigen Genpool, dennoch blieb alles, was wir als Fortschritt ansehen, wie Buchdruck, Dampfmaschine, Anti-Babypille und Internet, Ergebnis von Ausreisserleistungen. Der gemeine westliche Mensch wird nun Opfer seiner Ich-Illusion und Abstraktionsleistung, ohne aber intelligent genug zu sein, im Zeitalter der Autorität-durch-Kraft-Schleifung Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können. Aus Sicht der Evolution eine logische Sekunde zum Verwurf des Experiments.

Laurenz
9. Mai 2019 19:04

@Augustinus .... 09/11 ... ich weiß nicht, wie Sie auf Ihre Haltung kommen, aber man darf ja fragen, haben Sie denn eine entsprechende berufliche Qualifikation, um den Sachverhalt weitergehend zu beurteilen? Denn us amerikanische Ingenieure & Architekten sehen das ganz anders als Sie. https://www.ae911truth.org/
Von daher wäre die Prüfung einer Revision Ihrer Haltung dieser bedürftiger.

sokrates399
9. Mai 2019 19:53

Ohne die Aufführung gesehen zu haben: Dank an Martin Lichtmesz für seine wie immer fundierten Eindrücke.
Allerdings kommen die Reaktionen vieler Presseorgane (soweit sie nicht hinter den Bezahlschranken verborgen sind) etwas zu kurz. Sie eint – meine Beispiele sind nur Bruchstücke – der Haß nicht gegen die Inszenierung, sondern gegen Raspail selbst, und gibt die wohlbekannten Reflexe und Textbausteine wieder. „Interessant“, wie sich die monomanischen Zuschreibungen bis in die Wortwahl ähneln; daß Raspail vorgeworfen wird, er erniedrige die „Flüchtlinge“ auf ihre triebhafte und koprophage Sexualität; auch fehlt in fast keiner der Kritiken, daß Heerlager ein „Kultbuch der Neuen Rechten“ sei und deshalb der Text einen "faschistoiden Kern“ (sz) habe.
Deshalb hier einige Ergänzungen der illustren Presseorgane. Man bilde sich also selbst ein Urteil, daß die Qualitätspresse das Buch selbst nicht gelesen hat.
„Immerhin“ zitiert die Zeitung mit dem klugen Kopf die zustimmenden Äußerungen von Bannon, LePen, Huntington und Houellebecq.

Ohne einen Verweis auf soziale Fragen verweigert Raspails wilder Rassismus den Flüchtenden jeden individualistischen Zug, dichtet ihnen triebhafte Sexualität, Schamfreiheit und infernalischen Kot-Gestank an.
https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/endzeit-zombies

In Raspails rassistischer Diktion wird daraus eine entindividualisierte, triebhafte, kotstinkende Masse. Und er kombiniert sie mit einer sprachlos machenden nietzscheanischen Mitleidsverachtung und abstrusen Feier der »weißen Rasse«. Die Haltung der Inszenierung verengt Raspails rassistisches Machwerk auf eine Psychopathologie der Rechten
https://www.jungewelt.de/artikel/354318.theater-da-reicht-es-nicht.html

Einen schwierigen, abstoßenden und streckenweise menschenverachtenden Text […]
Fiktionen, die dazu dienen, die Bürger nationalistischen Parteien in die Arme zu treiben, um eine rigorose Abschottungspolitik zu legitimieren.
https://www.revierpassagen.de/94880/erst-kommt-das-fressen-dann-fehlt-die-moral-das-heerlager-der-heiligen-bei-den-ruhrfestspielen/20190508_1822

Seit 2015 wurde der lange vergessene, literarisch bedeutungslose Roman, der vor allem aus ellenlangen Tiraden schablonenhafter Charaktere besteht, zum Kultbuch der neuen Rechten, zur Veranschaulichung der rechten Verschwörungstheorie vom Plan des "Bevölkerungsaustauschs" (Renaud Camus) Europas.
https://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=16725:das-heerlager-der-heiligen-ruhrfestspiele-recklinghausen-hermann-schmidt-rahmer-zerfasert-jean-raspails-xenophobische-dystopie&catid=38&Itemid=40

links ist wo der daumen rechts ist
9. Mai 2019 20:16

Und doch behaupte ich weiterhin, daß Monsieur Raspail in erster Linie DAS nationale Trauma der Franzosen thematisiert: Algerien.
Aber immerhin, er thematisiert es , während DAS nationale Trauma der Deutschen, der Große Austausch 1944-1947 mit ein paar Millionen Toten gerade auch auf diesen Seiten nichteinmal mehr als Phantomschmerz wahrgenommen wird.
Nationalmasochismus?

Nemo Obligatur
9. Mai 2019 20:22

Der Bericht klingt, als sei das Theaterstück samt der Publikumsdiskussion eine Art Fortsetzung des Romans von Raspail: Linke empören sich über Rechte und verschließen ihre Augen ganz fest vor der Wirklichkeit. Es könnte auch ein "Stück im Stück" sein, wie die Theatertruppe im "Hamlet". Müsste man doch irgendwie künstlerisch verarbeiten können. Ich glaube aber auch, Spurenelemente eines Umdenkens in der Theatertruppe gelesen zu haben. Höhlt der stete Tropfen doch den Stein? Könnte mir vorstellen, dass man in und um Recklinghausen selbst als Mitglied eines Schauspielensemble unliebsamen Kontakt mit der Wirklichkeit hat. So etwas soll ja heilsam sein.

PS: Ich sehe grad ihren Dialog mit Herrn Sellner. Zum Inhalt hier nichts, aber wie Sie Ihre Pfeife rauchen oder vielmehr nuckeln, tut schon fast körperlich weh. Tipp: Vor dem Anzünden ruhig mal den Tabak mit dem Pfeifenstopfer leicht(!) zusammendrücken und dann mit der Flamme des Feuerzeugs kräftig ziehen - dann klappts auch mit dem Rauch wieder...

Christus Rex
9. Mai 2019 20:45

Es gibt also keine Überbevölkerung, meint der Priester? Aber das war doch _das_ Thema in den 80/90er Jahren. Und man war sich einig, daß sich gefälligst die erste Welt, damit vor allem die weißen Europäer, sich einzuschränken hätten. Nun aber müßen wir aufgrund des demographischen Wandels die halbe Welt ins Land lassen.

Vox Day, auch Stefan Molyneux haben das schon öfter bemerkt: erst hieß es, man müße sich einschränken in bezug auf die Kinderzahl, nun heißt es, es wären ja zu wenige geboren worden -- Fachkräfte müßen daher importiert werden, mit Einwanderern aus sub-85-IQ-Populationen ist die Rente schließlich sicher. Und wer's nicht glaubt ist Nazi.

Noch einmal zum Priester, der ja dann wohl katholisch ist. Da antworte ich mit einigen Sprengsätzen des wohl größten Katholiken des 20. Jahrhunderts --

Nicolás Gómez Dávila dixit:

"Kein Nutznießer von Sklaven ist Befürworter der Geburtenkontrolle."

"Die Eugenik entsetzt diejenigen, die ihr Urteil fürchten."

"Die zwei Hauptprobleme der gegenwärtigen Welt: demographische Expansion und genetische Degeneration sind heute unlösbar.
Liberale Prinzipien verhindern die Lösung des ersten, egalitäre die des zweiten."

"Der Rassist täuscht sich, wenn er glaubt, es gebe reine Rassen, der Antirassist, wenn er glaubt, die Zutaten eines Getränks seien nicht von Belang."

"Obgleich es den Angelismus des Demokraten kränkt: eine Zivilisation kann man nicht mit miserablem biologischen Material errichten."

Ist alles wahr und christlich, denn die Bibel lehrt ohnehin den ledigen Stand -- daß es besser ist, nicht zu heiraten. Siehe 1. Kor. 7. Da geht auch der verheiratete Christ Vox Day mit. Anders sah es die alte Kirche auch nicht, man lese die Kirchenväter usw. usf.

Ich sehe auch nicht, wie es christlich ist, soviele Kinder zu zeugen, die man gar nicht versorgen kann. Siehe 1. Timotheus 5:8.

Kubitschek sprach den Terror und die Gewalt an, die man importiert. Das ist wohl auch der einzige Punkt, mit dem man bei solchen Leuten überhaupt nur den Hauch einer Chance hat, über das Thema der Einwanderung zu reden -- auch wenn wir natürlich vor allem die Überfremdung, den Großen Austausch betonen. Da es ja am Ende egal ist, ob wir nun von 80-IQ-Populationen aus Nahost, oder durch 105-IQ-Populationen aus Nordostasien ersetzt werden. Das Ergebnis bleibt ja gleich: ein Volk verschwindet dann einfach durch Ersetzung und Vermischung. Aber das ist wieder Nationalismus und damit nazi.

Aropos Durchrassung: auf Vox Days Blog gefunden, und sicherlich nützlich in der einen oder anderen Dikussion:

https://voxday.blogspot.com/2019/04/mailvox-what-about-meeeee.html

Das Paper:

https://www.researchgate.net/publication/271754360_Sleeping_with_the_enemy_An_essay_on_mixed_identity_in_the_context_of_violent_conflict

Folgendes ist auch interessant (sehr lang, aber gehaltreich):

https://thosewhocansee.blogspot.com/2015/09/why-re-colonization-commonweal.html

Doch das wird wohl abgetan mit Sätzen à la "Rassistisch! Rasse gibt es nicht! Basta! Ich schrei' sonst!" So ist dann auch keinerlei Gespräch möglich. Es handelt sich um Lektürerückstände, die die Linke aufzuholen hätte.

Am Ende wird wohl leider nur das kommende Chaos aufrütteln.

Wie Spengler (sinngemäß) schrieb: Es ist keine Lust, heute zu leben.*

* Aus seinen privaten Aufzeichnungen "Eis Heauton", veröffentlicht unter dem Titel "Ich beneide jeden, der lebt."

Old Linkerhand
9. Mai 2019 20:46

Wer hätte das gedacht, das Heerlager der Heiligen als Theateraufführung und dann auch noch Deutschland. Rechtes Denken auf der Couch des linken Kulturestablishment, oder so ähnlich. So ein Theaterstück lebt aber auch von der Schauspielkunst, der Inszenierung und Bildsprache, und daher freut es mich, daß unsere 3 Musketiere so gut unterhalten wurden. Leider hat Meister Lichtmesz den eigentlichen Clou schon gespoilert: Das Publikum und die Theatermenschen als leibhaftige Fortsetzung der Bobogesellschaft im Roman. Die ganze Misere dieser Leute in zwei Sätzen. Was ist die Lösung der Flüchtlingskrise? Es gibt keine Flüchtlingskrise!
Eine Melange aus Naivität, Boshaftigkeit und Duckmäusertum.

Kallewirsch
9. Mai 2019 21:13

Liebe/ r Imagine,

da melde ich mich doch sogar an, um Ihnen meinen Respekt für Ihre m.E. zutreffende Analyse auf diesem Wege auszusprechen.

Chapeau

Monika
9. Mai 2019 21:26

Wann stürmen die Identitären die Theatervorstellung?

ML: Nur in den feuchten Träumen mancher Theaterregisseure!

Laurenz
10. Mai 2019 01:14

@Imagine ... wieder mal ein hohler Kommentar über ein Thema, das auf SiN längst debattiert wurde, und bei dem, abgesehen von Ihnen, Imagine, die Leser weitestgehend auf dem aktuellen Stand sind.
Hier geht es nicht um die Sicht auf eine Wertigkeit von Migranten, sondern um die illegale Zuwanderung in ein völlig übervölkertes Land, Deutschland, auch wenn, wie schweizer Zahlen belegen, die ost-asiatischen Zuwanderer um 90% produktiver sind, als orientalische. Deswegen sind bei uns solche Zahlen ja auch verboten.
Hier auf SiN, habe ich noch keinen Foristen oder gar Redakteur wahrgenommen, der sich für Sklaverei ausspricht, vielmehr werden die meisten hier auf Friedrich den Großen stolz sein, welcher die Leibeigenschaft als erster feudaler Herrscher Europas weltweit, nach dem 7-jährigen Krieg, zumindest auf den königlich preußischen Staatsgütern abschaffte. Der russische Adel provozierte weitergehende existentielle Probleme mit einer Beibehaltung der Leibeigenschaft. Es waren die post-revolutionären Franzosen mit Liberté, Égalité, Stupidité, welche mit Sklavenaufständen in den westindischen Kolonien und einer schlecht geführten Flotte umgehen mußten.

Sie verdrängen schlicht, daß es auch in Europa bis zur französischen Revolution Sklaverei der Normalzustand war, im süd-europäischen Raum seit den Römern, und im germanischen Europa seit der endgültigen Etablierung des katholischen Christentums. Der Deutsch-Ritterorden lud den Adel ganz Europas ein, um im Osten Europas Sklavenjagd auf Heiden zu machen. Ebenso verschweigen Sie, daß es vor allem im mediterranen Raum und in den Niederlanden im wesentlichen jüdische Kaufleute waren, die groß im Sklaven-Geschäft aktiv waren. 1807 kam im britischen Parlament der Slave Trade Act, der allerdings nur den Sklavenhandel abschaffte, erst 1833 kam Slavery Abolition Act. Dieser galt allerdings nicht für alle Teile des britischen Empire. Besitzungen der Britischen Ostindien-Kompanie, Ceylon und St. Helena waren vom Gesetz ausgenommen. Als Ersatz für die ausbleibenden Erträge aus dem Sklavenhandel wurde der Opiumhandel aufgenommen, durch die Opium-Kriege durchgesetzt und halb China süchtig gemacht. Da gingen noch mehr als 12 Mio. Menschen drauf. Brasilien schaffte als letzter Staat 1888 formal die Sklaverei ab. Sie ignorieren weiter die Tradition der Sklavenwirtschaft im arabisch islamischen Raum, um den Ihre Pseudo-Debatte doch wohl geht. Es wurden von den Arabern seit dem Mittelalter mehr als 1 Mio. Europäer versklavt. Bis heute werden wir von Moslems als Dhimmis, also Menschen niederen Wertes (Schutzbefohlene) angesehen. Für denjenigen, der den tribut-pflichtigen Dhimma-Vertrag mit islamischen Eroberern nicht abschließt, dem bleibt nur der Tod.
Wieder ein Imagine-Beitrag unter aller "state of the cloven hoofed animal". Da hilft auch keine Lobhudelei eines sub-terranen Feudalherrschers aus dem faschistoiden Kinderprogramm des Hessischen Rundfunks.

Hartwig aus LG8
10. Mai 2019 08:06

@ Imagine

Man könnte Ihnen in vielen Dingen widersprechen, aber ich greife mal das Einfachste heraus: Ich sehe keine nennenswerte Masse von billigen Arbeitskräften im einwandernden Asylstrom seit 2015. Von Ausnahmen abgewesen kommen da weder belastbare Schwerarbeiter noch gut ausgebildete Fachleute (wobei natürlich auch diese zurückzuweisen wären ...) . Das einzige, was kommt, sind massenweise neue Konsumenten.
In unserem völlig verqueren Wirtschaftssystem mag ja auch das ein "erwünschter" Faktor sein, aber Ihr Ausflug in die Sklavenhaltergesellschaft und die Ziehung von Parallelen ins Hier und Heute geht total ins Leere.

Monika
10. Mai 2019 08:07

Zum Thema
„Die Ausbeutung der Dritten Welt, die kollektive Schuld der Europäer werden als unhinterfragbares, moralisch verpflichtendes Paradigma hingenommen.“ Und:
„Bis heute hegt der Europäer/Westler den Wunsch zu missionieren, erziehen und zu retten.“ ( =kolonialer Drang).
Alice Schwarzer hat in einem anderen Zusammenhang ( Kopftuchdebatte) Ähnliches gesagt:
„Wir haben ein postkoloniales schlechtes Gewissen, deshalb behandeln wir Fremde wie Unmündige“.
D.h. Wir nehmen den Fremden nicht mit seinen negativen und positiven Eigenschaften war. Sein Anderssein sehen wir als Makel. Das Negative wird ignoriert ( ihr seid gar nicht so schlimm) , das Positive überhöht.
Die verordnete Fremdenliebe ist im Grunde die Gegenseite des Fremdenhasses. Wir wollen die Anderen zu den unsrigen machen. Das könnte man auch einen postkolonialen Übergriff nennen.

Maiordomus
10. Mai 2019 09:05

@Laurenz. Als notorischer historischer maximal quellenunkundiger ideologischer Halbwisser fehlen Ihnen mit der Verwechslung der historischen zentraleuropäischen Leibeigenschaft mit Sklaverei rechtsgeschichtliche Grundkenntnisse. Leibeigenschaft war zwar durchaus ein Karriere-Makel, wie das Leben von Theophrastus Paracelsus (1493 - 1541) zeigt, lebenslänglich Leibeigener des Abtes von Einsiedeln.

Leibeigenschaft war vor allem ein Status, mit dem schon in früheren Jahrhunderten das heute berüchtigte Delikt der Steuerflucht möglichst stark eingeschränkt werden sollte, insofern steht die Geschichte der Leibeigenschaft im Zusammenhang mit der Ordnung der Steuern und Abgaben in einem sehr komplizierten System von Landesherrschaft und Grundherrschaft, wobei die Leibeigenschaft mit der Grundherrschaft im Zusammenhang steht.

De facto war die Leibeigenschaft also vor allem ein Steuerstatus, indem nun mal Leibeigene zum Beispiel Erbschaftssteuer bezahlen mussten, im Gegensatz zu den Freien, den sog. Todfall, dieser war bei Paracelsus ein silberner Kelch mit Löwenköpfen, der dann in Einsiedeln leider eingeschmolzen wurde. Auch beim Heiraten und je nachdem beim Wohnsitz hatten sie Einschränkungen, es sei denn, sie haben den Leibherrn entsprechend entschädigt. Nicht ausgeschlossen war jedoch der Aufstieg von Leibeigenen, übrigens selbst in Russland, in den Status des Unternehmers, wobei es aber im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation mit Sicherheit mehr Steuerschlupflöcher gab als heute in Deutschland oder in der Europäischen Union.

Erfolgreiche Bürger müssen in Deutschland einen höheren Anteil ihres Einkommens dem Fiskus abgeben als es Leibeigene etwa der Johanniter und Deutschritter mussten, und natürlich war es schwierig und lange für viele unmöglich, dem Status des Leibeigenen etwa durch Freikauf zu entgehen, wiewohl etwa die Stadtbürgerschaft ("Stadtluft macht frei") ein Ausweg sein konnte. In Strassburg konnten sich Leibeigene übrigens, was nicht in jeder Stadt der Fall war, immerhin in Zünfte einkaufen, z.B. in die Zunft zur Luzerne, wo die Müller, Kornhändler und Stärkefabrikanten eingeschrieben waren. Sodann war das berüchtigte, mehr in Sagen als in der Rechtsgeschichte praktizierte "Ius primae noctis", die sexuelle Verfügung über die Leibeigenen, in der Praxis am Ende oft lediglich ein Eingriff in die Heiratsrechte der Leibeigenen, die man natürlich nicht an andere Leibherren verlieren wollte. Sie sollten sich wirklich nicht über die Leibeigenschaft im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation äussern, wenn Sie von Rechtsgeschichte etwa so viel Ahnung haben wie von Grundlagen der Theologie, zu schweigen von Ihren gravierend dilettierenden Vorstellungen von frühem Christentum als angeblichem Bolschewismus, sowie Ihrer Unkenntnis der Freiheitsgeschichte der Schweiz oder Rousseau, womit Sie bei einem Teil der deutschen Rechten noch in recht "guter" inkompetenter Gesellschaft sind.

Zur Komplexität des Status des Leibeigenen gehört, dass der Leibeigene einerseits Untertan des Landesherrn war, was zum Beispiel nach dem Augsburger Religionsfrieden bedeutete, dass der Landesherr, nicht der Leibherr über die Religion bestimmen konnte.

Noch interessant bleibt, dass Leibeigene etwa der Äbte von St. Gallen, St. Urban, Einsiedeln, Wettingen und auch süddeutscher Klöster zwar zum Protestantismus übertreten konnten, wenn dies ein übergeordneter Landesherr zu fördern wusste, aber in Sachen Heiraten, Erben und Steuern ihrem Leibherrn weiter Gebühren zahlen mussten, was natürlich die Leibherren regelmässig verhasst machte. Klosteraufhebungen und Säkularisierungen sind in diesem Zusammenhang oft auch deshalb "populistische" Massnahmen von Potentaten gewesen, welche dem Abbau des Leibeigenenstatus förderlich waren. Die Leibeigenen der Klöster neigten generell stark zum Protestantismus. Die rechtsgeschichtliche Gesamtsituation ist indes höchst komplex, und man sollte sich eigentlich nur darüber äussern, wenn man in die Materie einigermassen eingearbeitet ist. Im Allgemeinen fehlt hier minimales Grundwissen.

PS. Manche ehrlichen wohlhabenden Steuerzahler von heute würden besser fahren, wenn sie im mittelalterlichen Sinn Leibeigene geblieben wären. Von der Leibeigenschaft konnte man sich vielfach immer noch bequemer freikaufen als von heutigen Steuerpflichten im EU-System. Selber habe ich übrigens immer mich gegen die Erbschaftssteuer verwahrt, weil diese ein absolut charakteristisches Merkmal der Leibeigenschaft ist und eines freien Menschen gewiss unwürdig. Wenn es in Deutschland legal wäre und als gesund gälte, sich die Ohren kupieren zu lassen, würde man ja, wie Joseph Victor von Scheffel einst schrieb, auch dies als braver deutscher Michel über sich ergehen lassen.

RMH
10. Mai 2019 09:35

In einer der gedruckten Ausgaben der Sezession gab es einmal ein Zitat (ich erinnere mich nicht mehr, von wem), wonach man die Sklaverei niemals abgeschafft hätte, wenn sie wirklich effizient gewesen wäre.

Dem möchte ich mich durchaus anschließen, die formale Abschaffung der Sklaverei ändert nichts an der Tatsache, dass sie eigentlich nur den Namen und einige Tempi und Modi gewandelt hat und nach wie vor Alltag für uns alle ist (oder zumindest die meisten. Marilyn Mansons sang in seiner "Irresponsible Hate Anthem" einmal: "Everybody's someone else's nigger; I know you are so am I" - recht hat er).

Zur Sklaverei gehört, wie wir spätestens seit Nietzsche wissen, immer auch eine eigene Moral und das ist die Moral, dass die Arbeitsleistung den Wert des Menschen bestimmt (herrschende Meinung in Deutschland) und man den "Freien", der nicht arbeiten muss, verabscheut, dass man aus Sicht des Ausgebeuteten natürlich eine Moral wie die Christliche bevorzugt, da diese einem Vorteile oder zumindest auch die Aussicht auf ein besseres Leben (wenn auch u.U. erst im Jenseits) gewährt etc. (brauche ich hier im Forum, glaube ich, nicht weiter zu vertiefen - Nietzsche-Kenntnisse sind ja durchaus verbreitet).

Untrennbar mit der Diskussion um das Thema Sklaverei verbunden ist immer die Frage der Freiheit (s.o. - wurde auch von Nietzsche in diesem Kontext behandelt) und hier ist es recht klar, dass in unserer bisherigen Menschheitsgeschichte größere Freiheit immer nur sehr wenige Individuen hatten und das wir heutzutage im Großen und Ganzen doch eher in einer groß angelegten bloßen Simulation von Freiheit leben - und damit haben gerade Rechte oftmals (leider) kein Problem.

Zum Thema des Artikels: Was dabei herauskommen wird, wenn das linke Theater sich eines solchen Stoffes annimmt, war absehbar. Ich kann nur jedem empfehlen, sich das Buch einfach einmal selber durch zu lesen und sich eine eigene Meinung dazu zu bilden. Ich persönlich fand, es war zu lang und so richtig "klick" hat es bei mir auch nicht gemacht, da einfach auch zu viele Klischees gedroschen wurden und vieles zu langatmig war (die romanische Eigenart, zu schwafeln, wurde ausgelebt - gut, was diesen Punkt angeht, bin ich wohl auch "Romane" ;) ). Richtig originell hingegen war eben in erster Linie der Ausgangsplot, dass sich auf einmal all die Leute auf den Weg machen, die wir sonst gerne verdrängen bzw. von denen wir nur eine romantisierte Vorstellung über irgendeine Art der Exotik pflegten. Aber bereits jeder, der einmal Fernreisen außerhalb geführter Gruppen unternommen hat, ist normalerweise davon ein Stück weit kuriert.

Die "Bunten" jammern übrigens mittlerweile auch schon darüber, dass bspw. in Afrika ein großer "Kulturverlust" durch die Globalisierung eintritt, quasi eine "afrikanische Dämmerung":

https://www.africafestival.org/fotoausstellung/

Über den bei uns stattfindenden Kulturverlust gibt es aber nur unter der Hand oder im subkulturellen Bereich Ausstellungen etc. bzw. jammert da kaum einer.

PS: @Identitäre, so eine Ausstellung wäre doch auch einmal netter ein Anlass, für den "Ethnopluralismus" zu werben.

Fritz
10. Mai 2019 09:47

RMH: Ja das ist bemerkenswert. Alle Kulturen sind erhaltungswürdig und müssen geschützt werden, nur die der Europäer nicht, deren Existenz sogar bestritten wird. Europa ist nur da, damit die ganze Welt darauf Zugriff haben kann.

Douglas Murray hat das in seinem Buch sehr gut beschrieben.

Old Linkerhand
10. Mai 2019 10:32

@imagine
Wer in Afrikaner und Araber billige Arbeitskräfte für den Westen sieht, ist kaum noch zu helfen.

@Laurenz
Die Opiumkriege entstanden nach dem Abbau und der Erschöpfung der australischen Silberminen. Die chinesischen Händler an der Pazifikküste, geschäftstüchtig wie eh und je, haben sich ihre Waren nur in Silber bezahlen lassen, allerdings akzeptierten sie später auch Opium, welches sich gut im Inland zu Geld machen ließ. Die begehrteste Ware der Briten war Tee, den es damals nur in China gab. Die Ausfuhr von Teepflanzen wurde mit dem Tode bestraft und China achtete akribisch darauf, sein Monopol nicht zu verlieren. Ein schottischer Botaniker und Agent der companies schmuggelte als bald diverse Teesorten außer Landes und veränderte damit die Spielregeln. Seitdem kommt der Tee auch aus Indien. Im Europa jener Zeit gehörte die gepflegte Opiumpfeife zum guten Ton und nicht wenige verarmte Aristokratensöhnchen hatten ein vergoldetes Heroinbesteck als Statussymbol - heute vergleichbar mit dem neuesten iPhone.
Die chinesische Mär von der Vergiftung des chinesischen Volkes durch den Westen wirkt eben bis heute. Die britische Kanonenbootpolitik endete mit den ersten Teeplantagen im Darjeeling. Später sollte dann Deutschland noch zweimal Bekanntschaft mit dem britischen Fairplay machen, das ist aber eine andere Geschichte.

Laurenz
10. Mai 2019 11:12

@Maiordomus .... Natürlich unterscheidet sich die Leibeigenschaft von der Sklaverei, aber es gab auch europäische Sklaven im arabischen Raum, die gesellschaftlich aufstiegen. Derfflinger war ein Bauernjunge und wurde Trommeljunge, stieg dann zum General auf, aber was beweist das schon? Die Leibeigenschaft wurde erst während der Kreuzzüge eminent, als viele freie Bauern sich entschlossen ihr Waffenrecht abzulegen, und zuhause zu bleiben, unter Aufgabe des Status eines Freien. Natürlich gab es auch Verpflichtungen eines Lehensherrn, wie der Schutz des Leibeigenen, aber das lag, wie beim Sklavenhalter auch, in seinem ureigensten Interesse. Sie, Maiordomus, erwähnten selbst die Landflucht ins Bürgertum der Städte. Auch letztere hatten von der Willkür der feudalen Schicht, egal, ob noch im alten germanischen Recht oder dem im 16. Jahrhundert etablierten römischen Kirchenrecht, die Nase gestrichen voll. Oder was meinen Sie, warum unsere Vorfahren 1525 die Bauernkriege erlebten und Luther in Gewissenskonflikte brachten? Eine Verbesserung der Lebenssituation von Leibeigenen in Europa wurde von ihrer Befreiung nur durch die größte Katastrophe erzielt, die Pest. Nach dem Verlust jedes dritten Einwohners, manchmal auch jedes 2ten -, waren Arbeitskräfte Mangelware und wurden ob brachliegender Felder umworben. Sie, Maiordomus, haben einfach keine Ahnung über die historischen Lebensumstände von Leibeigenen und überschätzen, wie üblich, die jeweilige Rechtslage. Recht ist bis heute äußerst biegsam.

@RMH .... natürlich ist die Abschaffung der Sklaverei ein reiner Formalismus. Es spielt tatsächlich keine Rolle, ob man im Süden der USA auf einem Tabakfeld malochte oder 12 Stunden täglich in einer Manufaktur/Industriewerk in Chikago. Die eigentliche Frage nach Freiheit verbleibt im wirtschaftlichen Spektrum. Hier hatte Marx ausnahmsweise in der Analyse Recht. Wie wird der vorhandene Kuchen verteilt? Nur durch handelspolitische Rechtssicherheit, im urbanen Umfeld entstanden, und in territoriale staatliche Einheiten übernommen, konnte überhaupt erst ein Kuchen erschafft werden, der über die Versorgung einer kleinen feudalen Schicht hinaus ging. Von daher ist die Frage nach staatlicher Stabilität bis heute aktuell.
Wie Monika beschreibt, ist unser Verhältnis zu anderen Kulturen immer noch neo-kolonial, gerade bei der Linken. Man geht schlicht davon aus, daß wir Erdenbürger alle gleich seien, und schließt vorab kategorisch in imperliasistischer Manier aus, daß dies anders sein könnte. Gerade das Abwerben von Arbeitskräften aus Schwellenländern, destabilisiert diese weiter und sorgt für eine weitere Feudalisierung dortiger Strukturen. Wir sollte man sonst eine Abwanderung wichtiger Stützen der Gesellschaft verhindern? Freiheit entsteht nur durch materielle Unabhängigkeit und Substanz.

Franz Bettinger
10. Mai 2019 12:00

@Maiordomus:
Wie schön für die Leibeigenen, nur aus steuerlichen Gründen ihre Freiheit und - Sie deuten es an - das 'jus primae noctis' verloren zu haben. Zaphold Beeblebrox - da Sie jeden kennen, kennen Sie den Ganoven sicher auch - musste einmal für drei Jahren sterben, aus steuerlichen Gründen. Charmant! Ach, ist das alles so erfrischend. Ich wüsste gar nicht, wo ich ohne Ihre Leitplanken hinsteuern würde, MD, wahrscheinlich directamente ins Maul dieses Monsters Laurenz. Nochmals nachgefragt: Womit haben Sie @Laurenz eigentlich an den Karren gefahren? Mit der sensationellen Ansage: Sklaventum und Leibeigenschaft seien nicht dasselbe? Dass es unter beidem ein ganzes Pottpüree an Staffelungen der Unfreiheit gab, dürfte auf SiN bekannt sein. Was sollen also diese Naseweisheiten? Verzichten Sie wenigstens auf dieses unsägliche Noten- Geben und die üblichen Beleidigungen! Langsam hab ich genug von Philosophasten, die sich hier als Revierförster ausgeben, aber den Wald vor Bäumen nicht erkennen. Ich dreh den Spieß mal um: "Thema verfehlt, MD, aber wegen des Fleißes: gerade noch 4. Nee, nicht setzen, sondern ab in die Berge!"

Lotta Vorbeck
10. Mai 2019 12:08

@Laurenz - 10. Mai 2019 - 01:14 AM

"... Da hilft auch keine Lobhudelei eines sub-terranen Feudalherrschers aus dem faschistoiden Kinderprogramm des Hessischen Rundfunks."

**************************************

Beim originalen, in einer Augsburger Kiste während der frühen 1970er Jahre an deutlich sichtbaren Fäden geführten, sub-terranen Feudalherrscher handelte es sich um eine Marionette.

Der im hiesigen Kommentariat, unter dem Namen eben jener Marionette, neu angemeldete Lobhudler könnte durchaus das Zeug für eine "Sockenpuppe" im Tornister haben.

Lotta Vorbeck
10. Mai 2019 12:18

@Maiordomus - 10. Mai 2019 - 09:05 AM

"... Wenn es in Deutschland legal wäre und als gesund gälte, sich die Ohren kupieren zu lassen, würde man ja, wie Joseph Victor von Scheffel einst schrieb, auch dies als braver deutscher Michel über sich ergehen lassen."

*********************************************

Damit, werter Maiordomus treffen sie auf den Punkt genau, exactamente jene Stelle, an der der Hund und Hase gepfeffert in der Pfanne begraben liegen.

Imagine
10. Mai 2019 12:21

@Hartwig aus LG8 10. Mai 2019 08:06
„Man könnte Ihnen in vielen Dingen widersprechen, aber ich greife mal das Einfachste heraus: Ich sehe keine nennenswerte Masse von billigen Arbeitskräften im einwandernden Asylstrom seit 2015. Von Ausnahmen abgewesen kommen da weder belastbare Schwerarbeiter noch gut ausgebildete Fachleute (wobei natürlich auch diese zurückzuweisen wären ...) .“

Dem könnte ich entgegnen, dass Sie offensichtlich nicht verstehen, wie Marktwirtschaft und Kapitalismus funktionieren und zugleich dem „Dunning-Kruger-Effekt“ unterliegen.

Eigentlich brauchte man in Deutschland angesichts der Millionen von einheimischen Arbeitslosen keine Arbeitskräfte importieren, denn es gibt mehr als benötigt eigene Arbeitskräfte.

Der Grund, Arbeitskräfte zu importieren, ist nicht deren Mangel im Inland. Das wird nur in den Medien behauptet.

Ziel des Imports ist allein Lohndumping. Man braucht Menschen, die bereit sind, für extrem niedrige Löhne zu arbeiten.

Denn in einer Marktwirtschaft bestimmt – bei gleicher Qualität – der Preis die Nachfrage und damit das allgemeine Preisniveau. So ist es auch beim Preis der Ware Arbeitskraft.

Dazu einige Beispiele aus Aufenthalten in Deutschland.

Letztlich war ich in Hamburg. Im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) bestand das Personal des Hol- und Bringediensts fast ausschließlich aus dunkelhäutigen Migranten.
Das Gleiche, die Abdeckung des Hol- und Bringediensts und des Putzdienstes bis hin zu Pflegepersonal und Ärzten durch Migranten, scheint bei vielen Kliniken zur Normalität geworden zu sein.

Ich wohnte in einem Hotel mit türkischem Eigentümer. Der Familie gehören mehrere Hotels. Der Frühstücksservice wurde von Frauen aus der Verwandtschaft gemacht. Den Roomservice und den Putzdienst machten Schwarze.

In Heilbronn sind die meisten Verkäuferinnen Ausländerinnen, zum erheblichen Teil Muslima. Die Gastronomie ist nahezu völlig in der Hand von Migranten.

Generell ist festzuhalten: Aus Profitgründen werden in den Betrieben und den Privathaushalten die billigsten Arbeitskräfte beschäftigrt. Und diese drücken auf das gesamte Lohnniveau.

Auch wenn nur 10% der Millionen von neuen Migranten als Arbeitskräfte brauchbar wären, so drückt es die gesamte Lohnstruktur hinunter. Angeblich sollen bereits 25% der Flüchtlinge einen Job haben.
https://www.tagesschau.de/inland/fluechtling-arbeitsmarkt-103.html

„Der Niedriglohnanteil der Ausländer fällt mit 35,2 % deutlich höher aus als jener der Deutschen mit 16,7 %. Bei Personen mit Migrationshintergrund erster Generation liegt der Niedriglohnanteil mit 35,8 % im Vergleich zu Personen ohne Migrationshintergrund mit 15,9 % auf einem deutlich höheren Niveau.“
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp39-migranten-im-niedriglohnsektor.pdf%3F__blob%3DpublicationFile

„Jede zweite Firma beschäftigt Einwanderer“
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/migration-jede-zweite-firma-beschaeftigt-einwanderer/19472358.html?ticket=ST-3095-r32SzI4WoOZWZDO5ClGM-ap1

„Migranten am Arbeitsmarkt: Immer mehr Beschäftigte – und immer mehr Hartz-IV-Bezieher“
http://www.o-ton-arbeitsmarkt.de/o-ton-news/migranten-am-arbeitsmarkt-immer-mehr-beschaeftigte-und-immer-mehr-hartz-iv-bezieher

Die Profiteure des Ganzen sind von den negativen Folgen der Massenimmigration nicht betroffen und verfahren nach dem Motto: „„Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren!“

Kapitalistische Marktwirtschaft ist Betriebswirtschaft mit dem Ziel der Gewinnoptimierung für die Eigentümer bzw. Shareholder und KEINE gemeinwohlorientierte Volkswirtschaft.

Tom
10. Mai 2019 13:07

Natürlich habe ich das "Heerlager" auch gelesen. Vor meinem geistigen Auge sind während der Lektüre aber dramatische Filmszenen mit Menschenmassen abgelaufen. Das macht die Stimmung dieses Roman aus, macht ihn so prägnant, zeitweise so beängstigend. Sowas geht im Theater ganz einfach nicht. Wer diesem Stoff gerecht werden will, muß aufwändige Massenszenen auf die Leinwand bringen, riesige, überladene Schiffe, Elend, Horror, ja auch Gewalt, den Kontrast zu den feinen Regierungsgebäuden der überforderten Gutmenschen. Ein solcher Film, wenn er denn gelingen sollte, wäre richtig teuer. Er wäre aber sicher auch ein viel diskutierter Kassenschlager, wenn er richtig gemacht wäre. Für einen politisch nicht korrekten Film dieser Art ist die Zeit aber noch nicht reif, fürchte ich.

heinrichbrueck
10. Mai 2019 13:38

Warum müssen alle Staaten der Welt Schulden machen?

"... Wenn es in Deutschland legal wäre und als gesund gälte, sich die Ohren kupieren zu lassen, würde man ja, wie Joseph Victor von Scheffel einst schrieb, auch dies als braver deutscher Michel über sich ergehen lassen."

Auch wenn der Hund den Hasen in der Pfanne brät, es bleibt größter Schwachsinn. Warum der brave Michel das System verstehen muß, wenngleich die meisten Kommentatoren daran scheitern, müßte einmal erklärt werden. Und eine Quellenangabe (Zitat) wäre auch nicht schlecht.

Lotta Vorbeck
10. Mai 2019 13:57

@Tom - 10. Mai 2019 - 01:07 PM

"... Er wäre aber sicher auch ein viel diskutierter Kassenschlager, wenn er richtig gemacht wäre. Für einen politisch nicht korrekten Film dieser Art ist die Zeit aber noch nicht reif, fürchte ich."

*********************************

Aktuell hätte ein solches Spielfilmepos, technisch verfeinert, aber im Grunde ähnlich aufgemacht wie weiland "Der Raubzug der Wikinger", gewiß das Zeug zum nunmehr "Blockbuster" oder "A-Movie" genannten Kassenschlager ... aber eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als das ...

... und wenn die Zeit dann reif ist, braucht's den Film nicht mehr, weil das, was der Film auf die Kinoleinwand transportiert hätte, sich ohne "Happy End", im "Real Life" abspielen wird.

Maiordomus
10. Mai 2019 14:58

@ Laurenz. Die historischen Rechtsumstände der Leibeigenen von Klöstern und anderen geistlichen Grundherren im süddeutsch-schweizerischen Raum habe ich in mehreren historischen Aufsätzen direkt und indirekt dargestellt und kenne Sie im Gegensatz zu Ihnen, der Sie hier wie auf den meisten anderen Gebieten, wo Sie sich äussern, ganz frei von wissenschaftlichem Leistungsausweis sind, nachgewiesenermassen, bis hin zu den verschiedenen Most-, Korn- und Schweinezehnten und den Bedingungen, wenn den Leibeigenen z.B. wegen der Wetterlage die gebotenen Abgaben ausnahmsweise erlassen werden konnten. In Deutschland sind mir vor allem die Verhältnisse der Johanniter um Heitersheim bekannt, dem ehemaligen Reichsfürstentum, wo ich zweimal zum Thema referiert habe. Unentbehrlich scheint mir, die schlechten Erntejahrgänge einschliesslich der Weinqualität z.B. zwischen 1450 bis 1550 zu kennen, es wird alles für die Alltagsgeschichte der Leibeigenen ergiebig. Ausserdem war mir für eine Diplomlektion von mir als Gymnasiallehrer die Aufgabe gestellt, die Lage der Leibeigenen in Russland, die ich unterdessen durch Gogol-Forschungen vor Ort erarbeitet habe, zum Thema gestellt. Ferner beschäftigte ich mich mit den Abgaben der Leibeigenen der Klöster St. Urban, Wettingen, Muri, Beuron und Beromünster zwischen 1036 so genau wie kein noch lebender Historiker, und zwar direkt aus den Akten., auch was deren Rechtslage, Ernährung usw, ihre Heiratsmöglichkeiten, häusliche Gewalt und sonstige Sitten betrifft. Es liegt aber am Tage, dass solche Kenntnisse gegenüber von Ideologien bereits "vorinformierten" Bornierten nichts nützen. Es hilft einem auch nichts, Wetter und Klima im Alpenraum zwischen 800 und 1963, dem Datum der Gefrornis des Bodensees, für jede Generation präsent zu haben, weil natürlich die Generation Greta auf diese Details nicht angewiesen ist. Es ist ferner klar, dass man, aus der Schule von Fernand Braudel, diese Gesichtspunkte präsent haben muss, genau so wie den russischen Winter für das Verständnis des Kriegsverlaufes des 2. Weltkrieges. Sie kommen mir ein bisschen vor wie Greta, die sich ja unmöglich auf der Grundlage von erarbeiteter Faktenüberprüfung eigenständig auf methodisch-kritischer Grundlage mit dem Klima befasst haben kann, was mehrere Jahre Arbeit incl. Quellenkenntnis erfordert, und trotzdem und erst recht gemäss der öffentlichen Trendmeinung ideologisch recht hat, weil es auf die Gesinnung ankommt, nicht die positive Faktenhuberei, die ja auch Ihnen, wie Sie Ihrerseits schon ein paarmal bekannt haben, den A, runtergeht. In diesem Punkt gilt das von Jacques Maritain einmal formulierte Erhaltungsgesetz der Dummheit sowohl für rechte wie linke Ideologen, wiewohl in den letzten Jahrzehnten die zweite Sorte Dominanzpositionen errungen hat.

ML: Danke für den Exkurs, und jetzt wieder beim Thema bleiben bitte!

Halenberg
10. Mai 2019 15:15

@ Fr Bettinger
Wer, wie der Herr Laurenz, kräftig austeilt, wird auch einstecken kõnnen. Herr Maiordomus belehrt gerne, aber das tut so manch einer hier auf SiN, nur leider oft sehr angestrengt und nicht so vergnüglich zu lesen. Ein bewundernswerter Schatz an abseitigem Wissen. Kraftmenschen und Wildwasserkajakfahrer können ja überspringen.

Maiordomus
10. Mai 2019 15:31

@Bettinger. Die Feststellung, dass es Laurenz wie anderen auch an historischem Grundwissen fehlt und er erst noch glaubt, das sei ein Vorteil, ist keine Beleidigung, und das mit der Geschichte der Steuern hat natürlich grundlegend mit der Geschichte der Freiheit zu tun. Es war auch keine Herabsetzung von Greta, als ich vor Monatsfrist bei der Würdigung des soeben verstorbenen besten Schweizer Atomphysikers, von dem die Weltwoche nicht mal einen Nachruf brachte, erklärte, dass dessen Wissen um Wärme und Kälte (er beriet mich regelmässig bei entsprechenden Forschungen) das Mehrhundertfache des Wissens von Greta betrug, auch wenn nun mal die klügsten Zeitgenossen immer und immer wieder von den Medien aussen vor gelassen werden.

Im Hinblick auf Leibeigene und Freiheit, aber auch Versuchungen. Die eindrücklichste Erzählung über unterdrückte Leibeigene, denen aber das Gewissen und die Freiheit nichtsdestotrotz ein Anliegen sind, scheint mir die Erzählung "Die schwarze Spinne" zu sein. Desgleichen in der russischen Literatur die bewegende Geschichte "Der Mantel" von Gogol, dessen Protagonist ein freigelassener, aber immer noch im Elend befindlicher Leibeigener ist. Aber weder die Leibeigenen Gotthelfs noch Gogols Akaschi waren Sklaven, und diese historischen Hintergründe sind, auch wenn Sie es nicht erfasst haben, keine Themaverfehlung, im Gegenteil, der Geschichtsanalphabetismus gehört natürlich zur deutschen Bildungskatastrophe. Ich versichere Ihnen aber, dass ich mich bis auf weiteres hier, wie ich es mir eigentlich vorgenommen hatte, nicht mehr zu melden. Hingegen schliesse ich mal einen kritischen Artikel über Giftprodukte der deutschen Rechten, allenfalls in der "Schweizerzeit", nicht aus. @ML. Ihre Ausführungen betr. das Heerlager halte ich in der Tat für bedeutend, eher weniger das geschwätzige Gespräch gestern mit Sellner auf YouTube. Ich bin mit Ihnen der Meinung, dass wir uns tatsächlich auf Ihrem besten Niveau, wie auch demjenigen von Frau Kositza, mit der geistigen Lage der Zeit auseinandersetzen sollten.

Franz Bettinger
10. Mai 2019 16:51

Ein Hieb sei mir noch gestattet!
@Maiordomus: "Unentbehrlich scheint mir, die schlechten Erntejahrgänge einschliesslich der Weinqualität zwischen 1450 bis 1550 zu kennen." So schreibt der letzte Polyhistor der untergehenden Abendlandes. Das ist schon Kabarett. Über all dem Wissen zu brüten, muss richtig weh tun und sich anfühlen, als sitze man auf einem Sack Falschgeld, den man niemandem mehr andrehen kann. - Lieber MD, man fragt auf SiN nicht nach den bei Ihnen so beliebten "Leistungsausweisen", man fragt nach Leistung. Auf Ihren Lorbeeren können Sie sich ausruhen, aber sonst taugen sie zu nichts mehr. Hic Rhodos! Aber Ihre Sprünge enden leider fast immer im Burggraben.

Tobinambur
10. Mai 2019 20:56

@ imagine et al (+Widerredner): die Analyse ist "im Grunde" richtig, nur geht es heute nicht mehr um Pro-duktion, sondern um Kon-sumtion. Warum? Die Produktion bedarf heute keiner menschlichen Sklaven, da sie weitgehend und immer mehr von Robotern ausgeführt wird. Was die Roboter aber bis jetzt noch nicht leisten ist die VERNICHTUNG der hergestellten Waren. Um den Produktionskreislauf aufrecht zu erhalten, brauchen wir also immer mehr Warenvernichter. Das Schlüsselwort ist schon lange nicht mehr Produktion, sondern Konsumtion, nicht Sklaven, sondern Maden.

RMH
10. Mai 2019 21:47

"Das Schlüsselwort ist schon lange nicht mehr Produktion, sondern Konsumtion, nicht Sklaven, sondern Maden."

@Tobinambur
guter Hinweis - erklärt auch, warum die Zuwanderung in erster Linie in die Sozialsysteme erfolgt und die Leute eben zu einem hohen Maße sich nicht als billige Arbeitskräfte verdingen sondern als Sozial-Spesen-Ritter mit "einem bisschen was geht immer nebenbei …"

Imagine
10. Mai 2019 21:48

Die stärkste Waffe der Opposition besteht in der Delegitimierung der herrschenden Politik.

Dabei spielt die Analyse der politischen Ökonomie eine entscheidende Rolle, weil diese die Grundlage für die Identifizierung der Motive und Strategien der herrschenden politischen und wirtschaftlichen Akteure ist.

Die linke antikapitalistische Systemopposition ist marginalisiert. Sie leistet zum Teil exzellente theoretische Arbeit. Aber sie ist aus dem öffentlichen Diskurs weitgehend exkludiert.

Die rechte Opposition besteht zum erheblichen Teil aus deutschtümelnden Romantikern und Nostalgikern. Das ist eine völkische Opposition „aus dem Bauch“, deren Systemkritik auf der Symptomebene verbleibt. Ihr politischer Aktivismus zielt auf die Massen, nicht auf die Intelligenzschichten. Im Vordergrund ihres Aktivismus stehen Demonstrationen, symbolische Aktionen sowie Agitation im Internet. Wirklich fortschrittliche theoretische Arbeit leisten sie kaum. Auch wenn sich nicht wenige als Intellektuelle fühlen. Der Dunning-Kruger-Effekt ist weit verbreitet.

Die meisten der heutigen Rechten sind nicht willens oder nicht in der Lage, den herrschenden politischen und wirtschaftlichen Akteuren die humanitäre Maske vom Gesicht zu reißen und ihre wirklichen Motive aufzudecken und so deren Politik zu delegitimieren.

Der Blick der meisten Rechten ist nach hinten gerichtet, auf vergangene Zeiten, wo es noch keine globale Ökonomie mit globaler Arbeitsteilung gab.

Heute ist es für die Oberschicht und die oberen Mittelschichten völlig normal geworden, ständig mit Ausländern – auch aus anderen Kulturen – auf wechselnden Arbeitsplätzen und an wechselnden Orten zu kooperieren.

Für Heimatduselei und Deutschtümelei ist in einem derartigen Arbeitsleben kein Platz. Aber selbstverständlich wollen auch diese Menschen ihren Nationalstaat und ihre Kultur erhalten. Daher ist auch in diesen Schichten die große Mehrheit gegen die muslimische Massenimmigration. Weil sie begreifen, dass damit ihr Wohlstand, ihr Rechts- und Sozialstaat, ihre Altersversorgung sowie die Zukunft ihrer Kinder beeinträchtigt wird.

Wenn die Muslime in absehbarer Zeit Deutschland dominieren werden, dann werden die Deutschen in ihrem Herkunftsland und Staat kulturell heimatlos sein.

Auch Europa wird als Heimat weitegend zerstört werden, denn die herrschenden Eliten wollen nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa mit kulturfremden Flüchtlingen fluten.

Zeichnete sich früher eine bürgerliche Persönlichkeit durch charakterliche Kontinuität und Festigkeit hinsichtlich Normen und Werten aus, so ist der heutige Sozialisationstyp, der flexible Mensch, das Gegenteil davon. Um wirtschaftlich unter kapitalistischen Arbeitsmarktbedingungen erfolgreich zu sein, muss er opportunistisch sein, jederzeit bereit, seine moralischen Überzeugungen zu verraten und im Dienste seiner Arbeitgeber und Auftraggeber zu lügen und zu betrügen.

Niemand, der darauf angewiesen ist, Geld zu verdienen, kann sich diesen Marktmechanismen entziehen.

Wenn er sich bewusstseinsmäßig nicht dieser Realität stellt, dann muss er sich eine Scheinrealität konstruieren und im Zustand kognitiver Dissonanz leben.

Die linken und rechten Konstrukte der flexiblen Menschen unterscheiden sich. So werfen sich die Linken und Rechten gegenseitig Realitätsferne vor und bekämpfen einander.

Die Gesellschaft ist in Lager und Sekten zersplittert. Das Gleiche gilt für die Opposition. Diese ist unfähig und unwillig, ihre Kräfte zu bündeln. Sie unternehmen diesbezüglich auch keine Anstrengungen, weil ihnen das wichtigste ihre eigene Identitätspflege ist.

Elsässer et al. wollten eine „Volksinitiative“ gegen die herrschende Politik entwickeln. Das ist anfänglich auch gelungen. Man kann dies „Querfront“ nennen. Aber Querfront ist ein historisch vorbelasteter Begriff, der ein Zusammengehen mit den Nazis beinhaltet, und ist daher abzulehnen.

„Patriotische Sammlungsbewegung“ wäre ein zutreffender Begriff, der linke und rechte Patrioten mit einschließt.

Natürlich gibt es auch heute noch jene Nazi-Sympathisanten, Holocaust-Leugner, rassistische „Alt-Right“-Anhänger etc. Peter Scholl-Latour hat diese als „Vollidioten“ bezeichnet.

Wer mit diesen gemeinsame Sache macht, wird mit diesen identifiziert und gesellschaftlich exkludiert.

So wie die Situation aussieht, scheint eine „patriotische Sammlungsbewegung“ von linken und rechten Patrioten in ferner Zukunft zu liegen, wenn es diese jemals überhaupt zustande kommen sollte.

Kaiza
10. Mai 2019 22:17

Maiordomus ist nur beleidigt, weil Laurenz das Christentum zerlegt hat.
Ein paar andere SiN Kommentatoren sind auch ziemlich angefressen und haben sehr aggressiv reagiert.

Ich möchte mich aber zur Wortmeldung von Imagine äußern:

Sie glauben mit Ihrer KEN-FM "Analyse" den großen Wurf gemacht zu haben.
Das ist, wenn überhaupt, nur die halbe Wahrheit.
Die NATO ist doch für Sie das Schwert der westlichen Welt. Und das ist falsch.
Sie betreiben den gleichen Schuldkomplex wie es alle Linken tun. Letztendlich kommen die Menschen nicht in den Westen weil dieser die Heimat zerbombt hat, sondern aus Bequemlichkeit. Hier ist es einfach schöner und besser. Punkt. Und wenn es bei denen schlechter ist, dann ist die Schuld nicht beim Westen zu suchen.
Viele kommen nach Deutschland, die nie einen Krieg erlebt haben.

Die Entsendender finden das prima. Werden sie so die Versager los.
Der Strom aus Neugeborenen füllt die Lücke schnell wieder auf. Neues Spiel, neues Glück.

So denken die. Nicht anders.

Ich habe beruflich mit Flüchtlingen und allgemein Ausländern zu tun.
Krieg finden die super - eine willkommene Ausrede um in Deutschland zu bleiben.
Selbst die nach deutschem Standard hoch Qualifizierten, ruhen sich lieber auf Transferleistungen aus. Das ist Fakt. Ich erlebe es täglich.

Also verschonen Sie mich mit Ihrem oberflächlichem Ken-FM Intellekt.
Es gibt die großen Sozialingenieure und die kleinen Opportunisten die in Deutschland die Melkkuh sehen. Die gehören beide zusammen.

FrankaFrey
10. Mai 2019 22:48

@[email protected] Majordomus und @Franz Bettinger. Danke an alle Darsteller!
Ich habe mich selten so gut amüsiert wie heute im SIN-Blog. Laurenz hat mir das zuckerfreie Frühstück heute morgen mit seiner „Holzfällerei“ (Th. Bernhard) versüßt und Majordomus bietet tatsächlich das reine Kabarett vor allem im Zusammenspiel mit Franz Bettinger. Vielleicht wäre es doch schade, ihn in die Berge zu schicken.
Mir schmerzt jedenfalls das Zwerchfell wie zuletzt bei den Szenen aus „Life of Brian“ auf schwäbisch.
Insgesamt doch ein erfreulicher weil erheiternder Thread nach den wieder einmal exzellenten aber doch deprimierenden Analysen von Martin Lichtmesz.

Laurenz
11. Mai 2019 00:23

@Imagine .... schreiben mehrere Leute unter Ihrem Logo? Das liest sich fast wie eine gespaltene Persönlichkeit.
Frau Weidel ist für den modernen neo-kolonialistischen Sklavenhandel verantwortlich, egal ob im Fußball-Arena-Geschäft oder der Reinigungs-Branche? Freizügigkeit im Personenverkehr heißt das Feigenblatt, daß den Sklavenhandel beschönigt. Ich kann nicht feststellen, daß die AfD diese Vorgehensweise propagiert hätte. Nur ein relativ geschlossener Arbeitsmarkt sorgt automatisch für einen echten Markt um Arbeitskräfte. Wer billigere Arbeitskräfte sucht, soll ins Ausland gehen, dort ist mehr Platz als bei uns. Und schon ist dann auch die Fremdenfreundlichkeit oder -feindlichkeit ins Ausland verlagert. In den Amerikas gibt es genügend multi-ethnische Staaten. Wer so leben will, wird hier nicht aufgehalten.

Laurenz
11. Mai 2019 00:33

@Old Linkerhand .... lesen Sie doch einfach den historischen (und militärischen) Umgang des Westens mit dem kaiserlichen China. Wenn Sie den in China leugnen würden, kommt es wie bei uns, nicht mal zu einer Beweisaufnahme, weil offensichtlich. Spannend ist auch das Lesen der jeweiligen Gazette (oft im Netz als Scan vorhanden) oder die Geschichte der Sassoons & Co. Niemand verlangt, daß Sie die Buchungs-Belege von John Company durchstöbern. Aber natürlich können Sie auch die französische Vertreibung des chinesischen Kaiserhauses aus Indochina als Befreiung feiern, so wie man bei uns die Befreiung des polnischen Volkes von einer üblen Militär-Diktatur im Jahre 1939 hochleben läßt.

Achterndiek
11. Mai 2019 06:19

@ Maiordomus

"@ML. Ihre Ausführungen betr. das Heerlager halte ich in der Tat für bedeutend, eher weniger das geschwätzige Gespräch gestern mit Sellner auf YouTube. Ich bin mit Ihnen der Meinung, dass wir uns tatsächlich auf Ihrem besten Niveau, wie auch demjenigen von Frau Kositza, mit der geistigen Lage der Zeit auseinandersetzen sollten."

Autismus ist durchaus ein - wenn auch nicht zentrales - so doch interessantes Thema, paßt allerdings ganz und gar nicht in diesem Strang.
Die Milde und Engelsgeduld des Herrn Lichtmesz ist bewunderswert. Ich brächte sie nicht auf.

H. M. Richter
11. Mai 2019 06:32

@ Franz Bettinger
"Ein Hieb sei mir noch gestattet! @Maiordomus: "Unentbehrlich scheint mir, die schlechten Erntejahrgänge einschliesslich der Weinqualität zwischen 1450 bis 1550 zu kennen.""
_____________________________________

Der Zusammenhang zwischen Mißernten, damit verbundenen Erhöhungen der Abgabenlasten, Preissteigerungen bei Lebensmitteln bzw. sog. Brotnot u.a. läßt sich nicht nur beim Ausbruch der Französischen Revolution studieren, sondern besteht ganz allgemein. Nicht zuletzt und gerade auch im Umfeld der Aufstände im 16. Jahrhundert.

Auch 'Wein', Branntwein bzw. die Verfügbarkeit und Qualität alkoholischer Getränke spielen keine unwesentliche Rolle.
Interessant dazu jedoch folgende Beobachtung: Als im August 1980 in Danzig die Arbeiter der Lenin-Werft zu streiken begonnen hatten, erkundigte ich mich bei einem dortigen Wirt, warum in der Stadt mehr und mehr Geschäfte und Gaststätten dazu übergingen, keine alkoholischen Getränke mehr zu verkaufen oder auszuschänken. "In Polen", sagte er, "braucht die Revolution einen klaren Kopf."
__________________________________

Zu Martin Lichtmesz:
"Als sich Kubitschek zu Wort meldete, und die Tatsache ansprach, daß mit der Flüchtlingswelle auch etliche Terroristen und Kriegsverbrecher nach Europa gelangt seien, erhob sich von allen Seiten ein gereiztes Gezische und Geschrei."

Auch dies ein überzeugendes Beispiel für allerorten zu beobachtendes wahnhaftes Verhalten. Wenn einfachste Tatsachen nicht mehr ungestört und unwidersprochen ausgesprochen werden können - beispielsweise daß zwischen dem Zuzug von Millionen von Menschen, der Verknappung von Wohnraum und steigenden Mieten ein 'gewisser Zusammenhang' besteht -, dann befindet sich eine Gesellschaft nicht nur in gefährlicher Schieflage, sondern längst in einer noch weitaus gefährlicheren Wahnwelt.

Niekisch
11. Mai 2019 14:24

"Die stärkste Waffe der Opposition besteht in der Delegitimierung der herrschenden Politik."...schreibt @Imagine am 10.5.21:48, andererseits auch "Natürlich gibt es auch heute noch jene Nazi-Sympathisanten, Holocaust-Leugner, rassistische „Alt-Right“-Anhänger etc. Peter Scholl-Latour hat diese als „Vollidioten“ bezeichnet" und stimmt insoweit aus weislich seiner bisherigen Beiträge mit Scholl-Latour überein. @ Imagine muß sich fragen lassen, in welcher Kernfrage der deutschen Politik und Gesellschaft die wirksamste, wenn auch am schwersten zu erreichende Delegitimierung zu erzielen ist. Und wieso genau diese Delegitimierer als die größten Volliditoten an den Pranger gestellt oder bei Renitenz eingelocht werden.

Achterndiek
11. Mai 2019 14:36

@ Imagine

"Die rechte Opposition besteht zum erheblichen Teil aus deutschtümelnden Romantikern und Nostalgikern. Das ist eine völkische Opposition „aus dem Bauch“, deren Systemkritik auf der Symptomebene verbleibt. Ihr politischer Aktivismus zielt auf die Massen, nicht auf die Intelligenzschichten."

Kann mich da einfach nicht wehren, wenn ich die beliebtesten Gassenhauer und Tränenzieher der einschlägigen Globaltümler höre, bekomme ich jedes Mal sofort einen fiesen Hautausschlag: "Imätschin", "Wie ahr sä wörlt, wie fiet sä tschiltren". Dann tümel ich doch lieber deutsch weiter.

Apropos Intelligenz, kürzlich eine interessante Dokumentation gesehen, über Rudi Dutschke (in Berlin). Kommentar seines Weggefährten Rabehl: Der hat gar nicht mitbekommen, in welcher Stadt er war und welche Leute dort leben, ständig, auch bei jeder kurzen Straßenbahnfahrt, ein Buch vor der Nase.

"Wer mit diesen gemeinsame Sache macht, wird mit diesen identifiziert und gesellschaftlich exkludiert."

Hoch leben die Kontaktschuld und die Scharnierfunktion.

Maxx
11. Mai 2019 14:48

Die genüsslich in linken Kreisen nacherzählte Legende von den nach Europa gelockten billigen Arbeitssklaven für die "kapitalistische Wirtschaft" ist so falsch und unsinnig, dass man's doch schon bei jedem beiläufigen Blick auf die Straße, in Trams, Züge, Kaufhäuser, Fitnessstudios, Ämter, Rettungswagen usw. erkennt. So taub und blind kann man doch gar nicht sein. Wer verrichtet da niedere Tätigkeiten, und wer lässt sich (selbstverständlich oder gar triumphierend) bedienen? Da diese uns geschenkten Menschen (im Gegensatz zum gemeinen Hartz-Deutschen) keinem Arbeitszwang unterliegen, können sie offensichtlich keine Sklaven sein - von den nicht vorhandenen Arbeitsplätzen für derlei Klientel ganz zu schweigen. Im Gegenteil, die Master-Servant-Rollen sind genau umgekehrt verteilt: Die neuen Menschen sollen/werden unsere neuen Herrscher und die Deutschen ihre servilen Dienstleister sein.
Unter rationalen Erwägungen besteht der einzige vorstellbare Nutzen dieser Menschen, wie hier vorerwähnt, darin, den Konsum zu befeuern, Wohnraum zu verteuern, Steuern hochzutreiben und eine unterschwellige Droh-, Angst- bzw. Verdrängungskulisse für deutsche Oppositionelle zu schaffen. Von links besteht u.U. die Hoffnung, da strömte ein edles, frisches Ersatzlumpenproletariat ins Land, das man vereinnahmen könne - feuchte Klassenkampfträume kommen hoch ...

Bezüglich der Heerlager-Bühneninterpretation möchte ich darauf verweisen, dass Houellebecqs "Unterwerfung" ebenfalls als Theaterstück inszeniert wurde. Ich sah es selbst nicht, aber las darüber im letzten Jahr und empfand die Handlung als sinnentstellend. Aber ist halt immer das Problem mit linkspopulistischen Interpretationen ...

Imagine
11. Mai 2019 15:20

@Tobinambur 10. Mai 2019 20:56
„… nur geht es heute nicht mehr um Produktion, sondern um Konsumtion. Warum? Die Produktion bedarf heute keiner menschlichen Sklaven, da sie weitgehend und immer mehr von Robotern ausgeführt wird.“

Nach wie vor geht es realwirtschaftlich ganz zentral um Produktion. Denn die Menschen brauchen diese Produkte (Nahrungsmittel, Energie, Wohnraum, Haushaltsgeräte etc.) zum Leben. Dazu braucht es Produktionsmittel, Rohstoffe, höchstqualifizierte Menschen, arbeitsteilige Organisation, gesellschaftliche Infrastruktur etc.

Was von Robotern ersetzt werden kann, sind vor allem einfache, repetitive Tätigkeiten und Teile von stereotypen Organisations- und Verwaltungstätigkeiten.

Es wird Massenentlassungen aufgrund von Rationalisierungsprozessen und globalen Unternehmensfusionen geben. Davon wird jetzt jeden Tag berichtet.

Das ist der normale Prozess von Konzentration und Zentralisation unter marktwirtschaftlich-kapitalistischen Bedingungen. Die Großen fressen die Kleinen und irgendwann bleiben nur noch ein paar Große übrig.

Es kommt zu einer Allokation von Vermögen im Privateigentum von wenigen Menschen.

„Die Vermögen der Milliardäre sind im vergangenen Jahr um zwölf Prozent (durchschnittlich 2,5 Milliarden US-Dollar pro Tag) gestiegen, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung Einbußen von 11 Prozent (durchschnittlich 500 Millionen US-Dollar pro Tag) erlitten hat. …
In den zehn Jahren seit der Finanzkrise hat sich die Zahl der Milliardär*innen weltweit nahezu verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr ist ihr Vermögen um rund 900 Milliarden US-Dollar gewachsen …“
https://www.oxfam.de/presse/pressemitteilungen/2019-01-21-superreiche-gewinnen-25-milliarden-dollar-pro-tag-haelfte

„26 Superreiche haben so viel wie die halbe Welt“
https://www.bild.de/politik/ausland/politik-ausland/gerecht-26-superreiche-haben-laut-oxfam-so-viel-wie-die-halbe-welt-59669348.bild.html

Irgendwann wird wenigen Superreichen fast der gesamte Reichtum der Welt gehören: Boden, Bodenschätze, Industrieanlagen, Infrastruktur, Energie, Wasser, Versorgungsunternehmen, Immobilien etc.

Natürlich wird auch in Zukunft noch produziert werden, aber der Zugang zu den Produkten wird reguliert werden durch die Zahlungsfähigkeit, ähnlich wie heute in der Dritten Welt.

Die gesellschaftliche Spaltung in wenige Reiche und viele Arme wird sich ständig vertiefen.

Es wird eine veränderte Infrastruktur (Bildungs- Gesundheitswesen etc.) geben, wobei der Zugang zu guten Kliniken, Schulen etc. aber nur für diejenigen möglich ist, die entsprechend zahlen können.

Das wird in Zukunft jene Minderheit sein, die noch über gutbezahlte Jobs verfügt.

Schon heute sind über die Hälfte aller Jobs Bullshit-Jobs, unsichere Arbeitsverhältnisse, niedrig bezahlt, eintönig und unkreativ. Die typischen Hamsterräder. Viele Jobs sind volkswirtschaftlich überflüssig, weil vom Gebrauchswertaspekt unproduktiv. Und am Ende eines zunehmend länger werdenden Arbeitslebens als Lohnarbeitssklave steht die Altersarmut.

Die Hauptproduktion von Alltagsprodukten geschieht heute in China. Aber die Chinesen werden in Zukunft ihre Produkte nicht an die Massen der Armen in den kapitalistischen Ländern verschenken.

Die Leistungen des Sozialstaats werden weiterhin abgebaut werden (müssen), weil die Zahl der Alimentierten ständig steigt und das Steueraufkommen sinkt.

In diese Zukunft geht unsere gesellschaftliche Entwicklung, zwar nicht von heute auf morgen, aber in absehbarer Zeit.

Welche Partei thematisiert diese Zukunftsperspektive? Öffentlich keine.

Die Linken stellen andere Themen in den Vordergrund: Feminismus, Genderismus, Diversity etc. Die Rechten sorgen sich um die genetische Homogenität und den Rassenkampf der Weißen.

Das sind die linken und rechten Herzensanliegen.

Und die Grünen pflegen ihr Öko-Katastrophen-Szenario.

Inzwischen schmelzen die Sparvermögen und Rentenansprüche aufgrund der EZB-Politik der gezielten Inflationierung durch Geldschwemme in Kombination mit Null-Zins schneller ab als die Eisberge in der Antarktis.

Viele Menschen diskutieren nicht mehr, sondern handeln. Wenn sie es finanziell können, schicken Sie ihre Kinder auf internationale Privatschulen. Sie verschaffen ihnen Studienstipendien und Auslandsstudien. Staatliches Geld dafür ist genügend vorhanden, nur eben nicht für die Masse der Studenten. Und daher braucht man Beziehungen, um daran zu kommen.

Hundertausende emigrieren pro Jahr aus Deutschland. Die stimmen mit den Füßen ab.

Die 68-er Linken hatten bald begriffen, dass sie eine totale Niederlage erlitten haben und nicht die Kraft entwickeln können, die Gesellschaft zu verändern. Denn die traditionelle Arbeiterbewegung war untergegangen. Der „Abschied vom Proletariat“ (A. Gorz) wurde theoretisch reflektiert.

Nur in einigen wenigen ML-Sekten glaubte man noch an die proletarische Revolution und an eine sozialistische Zukunft.

Die „Realos“ hingegen wechselten die Seiten und machten Karriere.

Heute bezeichnen „rechts“ und „links“ – so meine These – nur noch unterschiedliche subkulturelle und letztendlich unpolitische Milieus, deren Hauptaktivität die Pflege der eigenen Identität ist. Sie sind politisch impotent und haben keinen wirklichen Einfluss auf die herrschende Politik und die Gestaltung der Zukunft. Interessanterweise sind beide – sowohl Rechte wie Linke – mehrheitlich anti-sozialistisch eingestellt und thematisieren nicht die Systemfrage.

Die Linken verteufeln die Rechten, so als ob diese eine wirkliche Bedrohung darstellen würden. Die Rechten wiederum tun so, als die Linken die Macht hätten, die Narrative in den Medien zu bestimmen. So bestätigen sie sich gegenseitig eine politische Relevanz, die rein fiktiv ist.

Lotta Vorbeck
11. Mai 2019 17:17

@Imagine

"Wer mit diesen gemeinsame Sache macht, wird mit diesen identifiziert und gesellschaftlich exkludiert."

**************************

Mal ganz unter uns Pastorentöchtern: In diese Art von Gesellschaft inkludiert zu sein, das muß dem Vernehmen nach, die Hölle sein.

Niekisch
11. Mai 2019 18:27

@ Imagine: selbst wenn Sie hier eine ganz bestimmte Aufgabe erfüllen: es wäre nunmehr von mir jedenfalls unredlich, nicht zwischen Aufgabe und Aussage zu trennen. Denn es ist jetzt ein Stadium erreicht, wo Ihre Aussagen sich doch als produktiv für die weitere Arbeit erweisen und nicht abgewertet werden dürfen. Niemand hier wird zumindest zum Text 15:20 substantielle Einwände erheben können. Das gilt auch für die "rechts"/"links"-These, die meinen eigenen Überlegungen und Absichten weitgehend entspricht.

Welche Durchschlagskraft entstünde, verbänden sich wissenschaftlich begründete Kapitalismuskritik mit wissenschaftlich begründetem Identitätstreben, gewaltlos, außerparlamentarisch unter dem programmatisch unverfänglichen Begriff "die Gewaltfreien" oder modernistisch "Nonviolents", wie ich ihn in dem Heft von Nikolaus Koch, Die moderne Revolution - Gedanken der gewaltfreien Selbsthilfe des deutschen Volkes, von 1951 fand.

heinrichbrueck
11. Mai 2019 19:14

Es geht nicht um die Menschen, ein solcher Idealismus lügt, es geht um Deutschland. Deutsche Menschen produzieren mehr als genug, auch für diejenigen ausreichend, die nicht allzu produktiv arbeiten. Die Arbeitszeit könnte ohnehin halbiert werden. Alle hätten genug zu essen, und für den Luxusrest wäre auch gesorgt. Diese Gemeinschaftsorientierung ginge nur völkisch, ein für mich positives Wort, Natur und Kultur zusammendenkend. Die Asylindustrie könnte bezahlt werden, gleichzeitig Urlaub machen, weil sie nicht produktiv nützlich unterwegs ist, sondern schädlich.
Wenn der Kapitalismus fällt, holt die Demokratie auch der Teufel. Marx wollte zur Linken des Teufels sitzen, nicht zur Rechten Gottes, und alle werden ihm folgen, die darauf hereinfallen. Wenn etwas nicht funktionieren kann, dann soll es auch nicht funktionieren; wird es dennoch gemacht, wird im Ergebnis auch die Absicht sichtbar. Stellt die Rechte jetzt die Systemfrage, ohne eine Antwort parat zu haben, diskreditiert sie sich selbst.
Konservative lassen sich idealistisch entmachten, beschweren sich anschließend, weil die Macht böse und die Bedingungen unfair. Jetzt ist man im eigenen Haus ein Rassist, wenn die eigene Hausordnung eingefordert wird. Als Gesamtanalyse nicht überzeugend, ist doch die Zukunftsrichtung nicht realistisch. Es war schon immer die idealistische Verbrämung intellektueller Scheinheiligkeit, die nicht laut tötet, worauf historisch meistens Konservative hereinfallen, die dafür intelligent genug sind.

Laurenz
11. Mai 2019 19:22

@Imagine ... Die Produktion (und ihr Wachstum) läßt sich nicht so einfach steigern. Das unternehmerische Risiko bremst. In erster Linie profitieren aktuell diejenigen, Vermieter, Ärzte, Pharma-Industrie, Versorger, Entsorger durch kalkulierbare staatliche Garantien bei der Versorgung der Zuwanderer zulasten der Steuerzahler oder Krankenversicherten, ähnlich dem Türkeivertrag oder der EU. Hier zeigt sich, daß der Zugewinn an Reichtum zulasten des Steuerzahlers oder seiner Kreditwürdigkeit abläuft. Die heutigen Renditewünsche Ihrer Milliardäre müssen natürlich durch Arbeitnehmer/Arbeiter erwirtschaftet oder von deren Substanz bezahlt werden. Dazu tragen 19/20 Ihrer Goldstücke und Menschengeschenke laut Frau Nahles nichts bei. Selbst, wenn Sie einen auf "Kevin allein zuhaus'" machen und den Milliardären das Geld wegnehmen, passiert nichts außer Inflation, denn niemand produziert für die Halde. Was unsere Medien angeht, so hier ein informatives Video mit den Herren Tichy, Matussek & Kepplinger. https://youtu.be/ocWAvLjbTww

@H. M. Richter ... daß wir von ca. 1500 - 1850 eine kleine Eiszeit hatten, wissen, in der Regel, die meisten SiN-Leser, (während die Römer mit nackten Füßen in Sandalen und Röckchen durch Germanien marschierten). Aber auch die o.g. Kälte hielt die Royal Navy nicht davon ab, europäische Küsten zu blockieren. Denn den nötigen Rum importierte man von den Zuckerrohr-Plantagen der Karibik.
Bis zum Zusammenbruch der Warschauer-Pakts gehörte die polnische Wodka-Industrie zu den 500 größten Betrieben Polens und war unter diesen quasi der größte.

@FrankaFrey ... schön, daß die Debatte Sie erheitert. Das Lachen ist die einzige Waffe, die einen die leichte Melancholie im Universum ertragen läßt.

@Kaiza ... es ist nicht allzu schwer, einen primitiven, uns artfremden, manipulierenden Hirtenkult aus der Wüste zu "zerlegen".
Die Aggressionen gegen den "Ketzer" liegen, meines Erachtens, rein in den persönlichen Charakteranlagen der Protagonisten begründet, weniger in irgendeiner sachlichen Auseinandersetzung, vor allem dann, wenn der Ketzer die göttliche Sendung der hiesigen Inquisition in Frage stellt. Das ist in etwa so, als wolle man die unbefleckte Empfängnis oder den menschen-gemachten Klimawandel leugnen, ein Sakrileg.
SiN ist in der Anlage ein Blog/Zeitung/Medium, welche/r/s sich mit den gesellschaftlichen und politischen Aspekten des Zeitgeistes neben einer philosophischen Sicht, die politische Debatte aus den Blickwinkeln einer Bildungsschicht führt. Hier zeigen sich natürlich auch vehement die Belastungen der Bildung und des Wissens, welche häufig vom wesentlichen und der Problemlösung, der geistigen Innovation, ablenken.
Die Linke kennt solche Schwierigkeiten in der Debatte nicht, weil sie sich ihre Realität selbst erschafft und die Abweichler eliminiert werden.

Monika
11. Mai 2019 19:23

Interessant, dass das „Heerlager der Heiligen“ überhaupt zu einem Bühnenstück wurde. Wie kam es dazu ?
Jedenfalls ist ein Anfang gemacht und weitere Neuinterpretationen, angeregt durch neurechte Foren, sind denkbar. Etwa:
Beim Nobelfranzosen ( warum gibt es eigentlich nur Nobelitaliener ?) „Le wampe des Saintes“ geben sich Kardinal Karl de Fressangus und Bischof Henri weg vom Meer einem opulenten 5-Gänge- Menue hin. Sie unterhalten sich über die schlechten Erntejahrgänge einschließlich der Weinqualität zwischen 1450 - 1550 und entscheiden sich dann doch lieber für einen finessenreichen 2011er Sancerre, den Lieblingswein von Michel Houellebecq. Gleich diesem schimmert er in einem leuchtenden Gelbgrünton.
Abgetrennt durch ein raffiniert drapiertes Plastikmeer sieht man die Restaurantküche im selben Bühnenbild. Zahlreiche Geflüchtete leisten unter dem strengen Kommando von Madame Le Wampe Schwerstarbeit zu Niedriglöhnen. Sie streiten lautstark darüber, ob sie nun Sklaven oder Leibeigene seien. Derweil räumt eine wohlgerundete Schwarze laut singend die Spülmaschine aus. Im Speisesaal sinnieren die merkwürdigen Herren vor Betroffenheit triefend über das Elend der Elenden. Plötzlich stürzen junge Mönner mit südländischem Erscheinungsbild in das Restaurant. Sie entreißen den beiden Kirchenmännern die hochkarätigen Brustkreuze. ( Wir sind ja nicht auf dem Tempelberg).
Unter lautem Getöse stürmen Identitäre in das Theater ein und tauschen die noblen einheimischen Gäste mit dem fremdländischen Küchenpersonal aus. Nun müssen die Bischöfe in der Küche schuften. Die Geflüchteten und die Männer mit südländischem Aussehen schnippen nur so mit den Fingern und lassen sich im Speisesaal bedienen. Heia, das ist ein Fest. Am Schluss liegen alle unter dem Tisch, die Bischöfe unter dem Küchentisch. Ein riesige Plastikplane bedeckt in Wellenbewegungen die Schlussszene.
Und wenn sie nicht gestorben sind, erscheinen die Foristen auch nach Drohgebärden immer wieder...

Franz Bettinger
11. Mai 2019 20:53

@Monika: Köstlich!

Joha
11. Mai 2019 20:57

@Monika 19:23
Sehr geehrte Monika, ich habe mich köstlich amüsiert. Diese Zusammenfassung der Debatte ist einfach gut.

Nemesis
11. Mai 2019 22:47

@H. M. Richter
"Als sich Kubitschek zu Wort meldete, und die Tatsache ansprach, daß mit der Flüchtlingswelle auch etliche Terroristen und Kriegsverbrecher nach Europa gelangt seien, erhob sich von allen Seiten ein gereiztes Gezische und Geschrei."

"Auch dies ein überzeugendes Beispiel für allerorten zu beobachtendes wahnhaftes Verhalten."

Nein, das ist es nicht. Das ist es ganz und gar nicht.
Es ist auf einer grundlegenden Ebene rational. Sogar sehr rational.
Wer geht denn ins Theater? Gesetzt, daß es eine gewisse (Bildungs)schicht ist. Diese weiß sehr wohl, was ihr Brötchengeber erwartet. Wenn die herrschende Doktrin um 180° Grad phasenverschoben wäre, würde sich das Gezische und Geschrei bei einer gegenteiligen Aussage von Hr. Kubitschek genauso erheben.
Wes' Brot ich ess, dess' Lied ich sing.

@Laurenz
"@Imagine .... schreiben mehrere Leute unter Ihrem Logo? Das liest sich fast wie eine gespaltene Persönlichkeit."

Das kann ich nicht bestätigen. Für mich sind die Beiträge durchgängig konsistent.

@Imagine
Ich hatte an anderer Stelle schon geschrieben, daß ich mit Ihren Analysen in vielen Teilen übereinstimme. Für mich ergeben sich diesbezüglich zwei Fragen an Sie:

1. Wenn ich Sie richtig verstehe, lehnen Sie das kapitalistische System komplett ab, da diesem inhärent zu sein scheint, daß sich hieraus Staats/Monopolkapitalismus (cronycapitalism) automatisch entwickelt. Welches Gesellschaftssystem würden Sie denn präferieren? Wie würde dann hier die Ordnungsstruktur durchgesetzt?

2. Sie schrieben an anderer Stelle, daß Ihnen die europäische Kultur (oder eigentlich genauer: europäische Kulturen) am Herzen liegt und Sie sie gerne erhalten gesehen hätten. Denken Sie, daß dies möglich wäre und wenn ja, wie könnte dies aus Ihrer Sicht erreicht werden?

Imagine
12. Mai 2019 00:47

@Maxx 11. Mai 2019 14:48
„Die genüsslich in linken Kreisen nacherzählte Legende von den nach Europa gelockten billigen Arbeitssklaven für die "kapitalistische Wirtschaft" ist so falsch und unsinnig, dass man's doch schon bei jedem beiläufigen Blick auf die Straße, in Trams, Züge, Kaufhäuser, Fitnessstudios, Ämter, Rettungswagen usw. erkennt. So taub und blind kann man doch gar nicht sein. Wer verrichtet da niedere Tätigkeiten, und wer lässt sich (selbstverständlich oder gar triumphierend) bedienen? Da diese uns geschenkten Menschen (im Gegensatz zum gemeinen Hartz-Deutschen) keinem Arbeitszwang unterliegen, können sie offensichtlich keine Sklaven sein - von den nicht vorhandenen Arbeitsplätzen für derlei Klientel ganz zu schweigen. Im Gegenteil, die Master-Servant-Rollen sind genau umgekehrt verteilt: Die neuen Menschen sollen/werden unsere neuen Herrscher und die Deutschen ihre servilen Dienstleister sein.“

Wenn Freibier angeboten wird, dann kommen viele zum Saufen.

Diese Gleiche geschieht bei den Immigranten. Die staatsalimentierten Immigranten erhalten leistungslose Einkommen. Das ist wie beim Freibier.

Nur sollte man ein Stück weiter denken. Die Immigranten machen nicht die Gesetze, die ihnen ermöglichen, am deutschen Sozialstaat zu parasitieren.

Diese Gesetze machen andere. Wer mit dem Geld anderer Leute zum Freibier einlädt, ist ein Dieb, Betrüger oder Veruntreuer. Hier geht es um das Geld der Steuerzahler. Nur richten sich bei vielen die verständlichen Aggressionen nicht gegen die Gangster an der Spitze, sondern jene, die ganz legal das Freibier konsumieren.

Ich kenne viele Menschen im Dienste des Staates, welche diese Zusammenhänge durchschauen und total frustriert. Darunter sind Polizisten, Sozialarbeiter, Kommunalbeamte, im Gesundheitswesen Beschäftigte etc.

Nicht wenige lassen sich vorzeitig pensionieren, weil sie diese Situation nicht mehr ertragen wollen oder können.

Weil sie durchblicken, richten sie ihre Aggressionen nicht primär gegen die Migranten, sondern gegen die Betrüger und Schmarotzer an der Spitze, die mit ihrer Gesetzgebung und der Medienmanipulation solche Rahmenbedingungen schaffen.

@Maxx, Sie sollten versuchen, ein Stück weiter zu denken. Dann erkennen Sie die größeren Zusammenhänge und wer die tatsächlichen Herren sind und bleiben. Und schreiben nicht derartigen Unsinn.

Franz Bettinger
12. Mai 2019 08:31

@imagine: Ich lade Sie herzlich ein zu einem Bummel durch Ludwigshafen. Vielleicht ergänzt sich da ihr Weltbild noch um eine Ecke - bzgl. des edlen Wilden.
@FrankaFrey: Ihre witzigen Retour-Kutschen ("Fachfrau für Erbsenzähler...") wirken wie ein Antidepressivum bzw. Potter's Felix Felicis.
@Tombinambur: Danke für ihre immer nüchternen, guten Kommentare!
@Laurenz: Hoho! "Und nun schauen Sie erstaunt wie mein Hund, als seine Dissertation in Astrophysik abgelehnt wurde." Wie erholsam, nach dem ewigen Philosophen-Ge- Quabbel und langweiligen Sud der Schriftgelehrten einen Kommentator wie Sie zu lesen, der die Essenz von Politik kennt.

H. M. Richter
12. Mai 2019 09:20

@Nemesis
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"@H. M. Richter
'Als sich Kubitschek zu Wort meldete, und die Tatsache ansprach, daß mit der Flüchtlingswelle auch etliche Terroristen und Kriegsverbrecher nach Europa gelangt seien, erhob sich von allen Seiten ein gereiztes Gezische und Geschrei.'

"Auch dies ein überzeugendes Beispiel für allerorten zu beobachtendes wahnhaftes Verhalten.""
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"Nein, das ist es nicht. Das ist es ganz und gar nicht. Es ist auf einer grundlegenden Ebene rational. Sogar sehr rational. Wer geht denn ins Theater? Gesetzt, daß es eine gewisse (Bildungs)schicht ist. Diese weiß sehr wohl, was ihr Brötchengeber erwartet. Wenn die herrschende Doktrin um 180° Grad phasenverschoben wäre, würde sich das Gezische und Geschrei bei einer gegenteiligen Aussage von Hr. Kubitschek genauso erheben. Wes' Brot ich ess, dess' Lied ich sing."
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Letzteres gilt immer und läßt sich somit derzeit selbstverständlich ebenfalls allerorten beobachten. Wahnhafte Ideen, wie sie gegenwärtig anzutreffen sind, treten dagegen nicht durchgängig auf. Friedrich Reck-Malleczewens 'Bockelson - Geschichte eines Massenwahns', unlängst bei Antaios zur Freude vieler neu verlegt, zeigt dies eindrücklich. Eine Greta Thunberg läßt erahnen, was heutzutage alles möglich ist.

Im Zusammenhang mit der Migrationsbewegung nach Deutschland sind m.E. deutliche Anzeichen eines kollektiven Wahns feststellbar, der mit unerschütterlicher Überzeugung zutage tritt, und dies trotz der Unvereinbarkeit mit der Wirklichkeit und - wie bei Wahnvorstellungen gemeinhin üblich - auch angesichts von gegenteiligen Beweisen.

Mit anderen Worten: Ich bin davon überzeugt, daß das "Gezische und Geschrei", welches GK auf seine Bemerkungen hin im Recklinghausener Theater entgegenschlug, von Leuten stammte, die vom Wahrheitsgehalt ihrer Meinung tief überzeugt sind und diese nicht etwa nur deshalb äußern, weil sie von ihren 'Brötchengebern' erwartet und verlangt wird wie einst in der DDR.

Dabei möchte ich nicht bestreiten, daß die Gruppe jener tagtäglich größer wird, die begreifen, auf welch' verhängnsivollen Weg sich Deutschland und Europa befinden, und dies aus ganz verschiedenen - stets aber mit Angst verbundenen - Gründen dennoch nicht zu äußern wagen. Es ist bekanntlich jene Gruppe, die sich nach Machtwechseln stets mit als erste am Blutgerüst einzufinden pflegt und lautstark nach Hinrichtungen verlangt.

Jan
12. Mai 2019 10:17

@Imagine

Ich stimme Ihnen in den meisten Punkten zu: der Migranten-Import dient vor allem dem Lohndumping, also den Interessen der Arbeitgeber und der Industrie. Was immer untergeht: bei den Hintergrundgesprächen zum Migrationspakt saß Merkel mit Leuten von Siemens mit am Tisch. Wenn in 15-20 Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, steht die Wirtschaft vor einem Arbeitskräftemangel (so meint man), den man durch Migrantenimport ausgleichen will.

Die Politik weiß, dass eine zweite Gastarbeiterzeit dem Wähler nicht zu verkaufen ist. Also macht man die Migranten zu "Flüchtlingen" und streut den Zuckerguss des Humanismus drüber, damit es jeder frisst, vor allem die Linken. Und die schlucken es, ohne zu merken, was sie da eigentlich fressen.

Eigentlich muss der Politik klar sein, dass dieser Migrantenimport zu schwersten sozialen und kulturellen Konflikten führen wird, welcher langfristig auch die politischen Verhältnisse ins Rutschen bringt. Anscheinend war das jedoch nicht der Fall. In einer Sitzung der CDU-Bundestagsfraktion zur Analyse der Bundestagswahl 2017 sagte der damalige Fraktionschef Kauder hinsichtlich des Wahlerfolgs der AfD, man habe die Auswirkungen der Flüchtlingskrise gewaltig unterschätzt. Darüber kann ich nur lachen. Wie arglos und naiv kann man sein, zu meinen, es würde politisch keine spürbaren Wirkungen haben, wenn man innerhalb von wenigen Jahren Millionen Asyl-Migranten weitestgehend unkontrolliert über die Grenze lässt?

Ich glaube, wir überschätzen "die da oben" auch ein bißchen. Wir denken immer, da oben säße eine Clique mit einem bösartigen Masterplan, welche als Puppenspieler die Strippen zieht. In Wirklichkeit kann keiner da oben alleine den Kurs wirklich steuern, weil es eine Vielzahl von Akteuren gibt, die auch unabhängig von einander interagieren und dann treibt das Schiff halt irgendwo hin. Es ist wie ein Schiff, wo nicht ein einziger Kapitän das Steuerrad in der Hand hält, sondern etliche Passagiere ins Lenkrad zu greifen. Und manche wissen auch nicht, was sie tun und unterschätzen die Auswirkungen ihres Handelns ungemein.

Mittlerweile sind wir in unserem Land an einem Punkt, wo die Politik teilweise völlig die Kontrolle verloren hat. Wenn in Berlin im Görlitzer Park die Dealer in einer gekennzeichneten Zone ihre illegalen Geschäfte abwickeln dürfen, dann sicherlich nicht, weil die Politik das irgendwie gut findet, sondern weil man mit dem Problem Migrantenkriminalität zahlenmäßig nicht mehr fertig wird. Der Kontrollverlust, deutlicher ausgedrückt: die politische Impotenz, soll mit dieser falschen Toleranz verschleiert werden.

Sie haben das ganze Ding nicht mehr im Griff, können ohne Gesichtsverlust auch nicht mehr die Kontrolle zurückgewinnen und deswegen wird ihnen das irgendwann um die Ohren fliegen. Es ist ein Irrtum zu meinen, das wären jetzt nur ein paar Turbulenzen, die bald ausgestanden sind und irgendwann wird es wieder so sein wie früher, ohne Rechtspopulisten und mit voller Deutungshoheit der Altparteien. Nein, es wird nie mehr werden wie früher. Weder für Rechts und schon gar nicht für Links.

Robert
12. Mai 2019 10:47

Einiges lehrt uns wieder dieser geschilderte Vorfall:

Rechte Kulturleistungen in Sachen Literatur, in politischer und psychologischer Analyse, Aktivismus, Konzeptionen, usw., können die Linken nicht ruhen lassen; sie müssen eingefangen, neutralisiert, umgedeutet bzw. neu „ge-framed“ werden – sie sind geradezu verdammt, - davon angezogen, wie die Motten vom Licht.

Um eines aus meiner Sicht klarzustellen: Von unserer Gesamt-Europäischen Krise aus gesehen braucht die Rechte die Linke nicht – aber dafür umgekehrt. Allein diese allgemeine bio-existentielle und geistig-kulturelle Not ist es, die die Rechte zwingt, politisch auf den Plan zu treten.

Das eben zur offiziellen, vor allem bürgerlich-liberalen Mär – die auch schon von einigen „Rechten“ (oder sich auch dafür ausgeben oder halten!?) geäußert wurde –, daß sich links und rechts als Reibebaum brauchen würden, und daraus quasi ihre Existenzberechtigung ableiten würden und damit gleich kritisch zu betrachten wären, usw..
Die Linke verkörpert aber geradezu diese Krise, sie gibt ihr ad personam ein Gesicht.
(Zur Terminologie: Ich halte mich mit den Begriffen „rechts“ und „links“ weitgehend an die von CS und ML in ihrem Buch versuchte Kategorisierung!)

Für die Linke als Verteidiger dieser Zeit, dieses Zeitgeistes, ist die Rechte ihr natürlicher Feind. Unsere Zeit, mit ihren Verwerfungen und Katastrophen stellen gemeinsam mit der Linken eine gegnerische Einheit dar. Insofern ist diese permanent mit der Bekämpfung von „rechts“ beschäftigt und wird damit auch zum unfreiwilligen und „kostenlosen“ PR-Vehikel für ihre Gegner.

Aus dieser Perspektive ist es müßig, sich darüber zu echauffieren daß diese uns keinen Millimeter Anerkennung zuteilwerden lassen, das wird auch kein rechter Realist i. d. Regel erwarten. Man kann nur sagen: Das ist eine dem Ganzen unentrinnbare, intrinsische strukturelle Logik, der keiner, ob rechts oder links, entfliehen kann!

Insofern ist m. E. jede Hoffnung auf ein Umdenken bei unseren grundsätzlichen Gegnern trügerisch – mag für Einzelne graduell zwar zutreffen, ändert aber nichts am großen Hiatus:
@Nemo Obligatur, 9. Mai 2019 20:22: „… Ich glaube aber auch, Spurenelemente eines Umdenkens in der Theatertruppe gelesen zu haben. Höhlt der stete Tropfen doch den Stein? Könnte mir vorstellen, dass man in und um Recklinghausen selbst als Mitglied eines Schauspielensemble unliebsamen Kontakt mit der Wirklichkeit hat. So etwas soll ja heilsam sein.“

Dem Rechten Intellektuellen bleibt in Reaktion darauf, die Aufgabe – was auch durchaus mit einem intellektuellen Vergnügen verbunden sein kann – den Wahn, die geistige Armut, das kulturelle Elend unserer Gegner zu analysieren, zu sortieren – quasi den aktuellen Istzustand ihres Verfalls abschätzen zu lernen – und das ist das Entscheidendste: unser Verhalten und den Stil daraufhin zu adaptieren, und damit noch besser zu werden.
Darin sehe ich übrigens den Sinn solcher Essays.

Erst wenn man Illusionen falscher Hoffnungen (die links Abgedrifteten kämen doch zur Besinnung und Ä.) als solche erkennt, wird man frei und bekommt für die eigenen Möglichkeiten einen klareren Blick.
(@FrankaFrey, 10. Mai 2019 22:48: „… doch deprimierenden Analysen von Martin Lichtmesz“:
Im von mir dargestellten Sinne kann man das eben dann durchaus anders sehen!)

Das unterschiedliche „moralische Framing“ zwischen beiden Lagern/Welten
(„genau das was Du für schlecht hälts, halten wir für moralisch hochstehend - und umgekehrt“ = „konträre Wert- und Weltsicht“!) Ist der eigentliche Hintergrund für die kognitive Dissonanz.
Denn nichts wirkt stärker als die tiefliegende moralische Grundierung, die immer auch den Charakter einer religiösen hat oder sich dazu auswächst.

Es ist praktisch unmöglich, gerade diejenigen Menschen mit Vernunftargumenten zu beeindrucken, die die „moralischsten“ sind. Der echte, eingefleischte Moralist ist per se Fanatiker, ergo vernunft-blind – unter der für uns selbstverständlichen Annahme, daß unsere Sicht die „vernünftige“ ist (besser: die der Lebens-Wirklichkeit am Nächststehende).

Das mögliche Korrektiv eines anderen Wissens/Erkenntnis, - auch das ist wieder ein Befund der Kognitionswissenschaften -, unterliegt zunächst immer dem Filter eines allem zugrundeliegenden moralischen und weltanschaulichen Settings und kann nur sehr schwer von diesem – also der Ratio – durchbrochen werden.

Das Motto unserer politischen Arbeit: Retten der Noch-Rettbaren, Verabschiedung der geistig rettungslos Gestrandeten in gebührender Trauer – man kann sie schließlich auch als Nachkriegsopfer betrachten.

RMH
12. Mai 2019 11:24

"Bezüglich der Heerlager-Bühneninterpretation möchte ich darauf verweisen, dass Houellebecqs "Unterwerfung" ebenfalls als Theaterstück inszeniert wurde. Ich sah es selbst nicht, aber las darüber im letzten Jahr und empfand die Handlung als sinnentstellend. Aber ist halt immer das Problem mit linkspopulistischen Interpretationen "

@Maxx,
Aus dieser Theaterinszenierung wurde auch eine Verfilmung gemacht, die im ÖR-Fernsehen lief, dabei wurden Teile des Theaterstücks aufgenommen und mit dazu neu gefilmten Szenen zusammengeschnitten. Das war gar nicht schlecht gemacht und beileibe keine komplette Dekonstruktion, wie sie offenbar mit dem "Heerlager" für das hier rezensierte Bühnenstück gemacht wurde - vermutlich war das auch der Grund, weshalb Houellebecq sogar einen kleinen Kurzauftritt am Ende des Films gegeben hat. Hier hat der Autor offenbar noch über seinen Stoff wachen können. Die Verfilmung von "Unterwerfung" kann man sich daher auf jeden Fall ansehen - ebenso wie die Verfilmung von "Ausweitung der Kampfzone".

Imagine
12. Mai 2019 12:05

@Jan…12. Mai 2019 10:17
„Ich stimme Ihnen in den meisten Punkten zu: der Migranten-Import dient vor allem dem Lohndumping, also den Interessen der Arbeitgeber und der Industrie. Was immer untergeht: bei den Hintergrundgesprächen zum Migrationspakt saß Merkel mit Leuten von Siemens mit am Tisch. Wenn in 15-20 Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, steht die Wirtschaft vor einem Arbeitskräftemangel (so meint man), den man durch Migrantenimport ausgleichen will.“

Bei der staatlich geförderten Massenimmigration ist es – so meine These – wichtig, kurzfristige und langfristige Ziele auseinanderzuhalten.
Kurzfristige Ziele sind Lohndumping und Eröffnung neuer Felder profitabler Kapitalakkumulation, in der Spreche des Kapitals als „Wachstumsförderung“ bezeichnet (s. Asylindustrie etc.).

Langfristig sind damit viel weitergehende Ziele, und zwar globale, verbunden.

Siemens ist ein „Global Player“ und die Zukunft Deutschlands ist hierbei von untergeordnetem Interesse. Hier geht es um Größeres, nämlich um die Zukunft unserer Welt.

Was die globalen Top-Eliten mit der Massenemigration intendieren, übersteigt m.E. die kognitive Kompetenz von 99% der Normalbürger. Man kann diese Ziele zwar bei Manfred Pohl nachlesen. Macht aber keiner von den linken und rechten Aktivisten, weil es nicht deren Welt ist und sie in einer Milieu-Blase leben. Deshalb können sie auch nicht begreifen, worum es dabei langfristig geht.

Es ist davon auszugehen, dass ein Yascha Mounk weiß, was das langfristige Ziel bei dem „Experiment“ der Massenimmigration ist. Bei Martin Sellner ist dies fraglich.

heinrichbrueck
12. Mai 2019 12:25

@ Jan
Habe ich bei Dieter Stein auch so ähnlich gelesen. https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2019/streit-ist-ueberfaellig/ Der Liberalkonservative: „Dieser Weg wird denen jedoch am schwersten fallen, denen bewußt ist, wie sehr sie damit ihre Macht zur Disposition stellen. Nichts anderes bedeutet aber Demokratie.“ -
Die Realität spielt keine Rolle. Aus Herrschersicht ein gutes Argument - für die Demokratie. Und die sogenannten populistischen Parteien werden diejenigen sein, die einen Schuldigen für die Geschichtsbücher präsentieren.

Imagine
12. Mai 2019 13:37

@Nemesis 11. Mai 2019 22:47
„Ich hatte an anderer Stelle schon geschrieben, daß ich mit Ihren Analysen in vielen Teilen übereinstimme. Für mich ergeben sich diesbezüglich zwei Fragen an Sie:
1. Wenn ich Sie richtig verstehe, lehnen Sie das kapitalistische System komplett ab, da diesem inhärent zu sein scheint, daß sich hieraus Staats/Monopolkapitalismus (cronycapitalism) automatisch entwickelt. Welches Gesellschaftssystem würden Sie denn präferieren? Wie würde dann hier die Ordnungsstruktur durchgesetzt?
2. Sie schrieben an anderer Stelle, daß Ihnen die europäische Kultur (oder eigentlich genauer: europäische Kulturen) am Herzen liegt und Sie sie gerne erhalten gesehen hätten. Denken Sie, daß dies möglich wäre und wenn ja, wie könnte dies aus Ihrer Sicht erreicht werden?“

Zu1: Keine komplette Ablehnung des Kapitalismus meinerseits. Denn er ist hervorragend zur industriellen Entwicklung von ökonomischen Mangelgesellschaften geeignet. Seine Stärke ist die Entwicklung der Produktivität, welche zugleich zu seinem Problem wird. Der Grund ist die ungesteuerte Gesamtentwicklung, die immer wieder zu Überproduktionskrisen, Faschismen, Kriegen etc. führt.

Die Profitlogik der kapitalistischen Marktwirtschaft führt zu einem krebsartigen Wachstum, das alle gesellschaftlichen Bereiche durchdringt und die Gesellschaften und die Natur zerstört.

Die Hoffnung, den Kapitalismus mittels eines starken Staates zähmen zu können, wie es die Sozialdemokraten, der katholische Sozialismus, die Ordoliberalen etc. wollten, hat sich als realitätsferne Illusion herausgestellt. Eben weil die Reichen mit ihrer Korruptions- und Medienmacht Politik und Staat beherrschen und für kurzfristige Ziele der profitablen Vermehrung ihres(!) Privatvermögens instrumentalisieren, während ihnen das Gemeinwohl am A…. vorbeigeht.

M.E ist das kapitalistische System inzwischen „out of control“. Ich sehe jedoch keinen Weg, wie der Kapitalismus „von innen heraus“ unter Kontrolle gebracht und transformiert werden könnte.

Gegenwärtig scheint allein China in der Lage zu sein, eine neue historische Formation hervorzubringen, die eine menschliche Zukunft jenseits des Kapitalismus mit seinen Selbstzerstörungstendenzen eröffnet.

Zu 2: Unter europäischer Kultur verstehe ich jene Sozialphilosophie, welche ein friedliches Zusammenleben der Menschen in Freiheit und Wohlstand erreichen will. Sie ist mit Namen wie Kant, Rousseau, Marx et al. verbunden.

Diese Sozialphilosophie eines humanistischen und freiheitlichen Gemeinschaftslebens besitzt in China einen sehr starken Einfluss, während diese Ideen in Europa weitgehend der Verdrängung und dem Vergessen anheimgefallen sind. Aber sie sind noch nicht gänzlich tot. Das zeigen z.B. die starken emotionalen Reaktionen auf die Äußerungen von Kevin Kühnert.

Laurenz
12. Mai 2019 13:58

@Nemesis .... ich lese im Prinzip alle Beiträge von "Imagine". Manche Beiträge beinhalten durchaus plausible Analysen, wenn auch meist keine Lösung angeboten wird. Aber bei diesen Beiträgen sehe ich dann auch keine Notwendigkeit, diese zu kommentieren. Es gibt aber auch recht häufig ganz andere Kommentare, die entweder sinngemäß aus dem Parteiprogramm der Linken oder der Verfassung einer Asta-Kampfgruppe abgeschrieben sind, häufig völlig banal oder auch aberwitzig. Neuestes Beispiel Frau Weidel.....man muß Frau Weidel nicht mögen, aber die Dame vorab als Teufel zu stilisieren läßt uns zu Imagine als "Berando Gui" zurückfallen. Helmut Qualtinger (kurz vor seinem tatsächlichen Tode) sieht zwar nicht ganz so gut aus, wie die Co-Fraktionsvorsitzende der AfD, aber sonst gibt es sich nichts. https://youtu.be/1iFSTUnf8xQ
Es lassen sich bei den Imagine-Beiträgen eben völlig unterschiedliche Haltungen und Hintergründe feststellen. Mit dieser Feststellung bin ich auch nicht alleine.

@H. M. Richter .... wenn Sie "Sozialarbeiter" von Beruf sind, und, Dank der heute üblichen Zertifizierung als einziger für die Jobs in der Sozial-Mafia zugelassen sind, bisher aber schlecht bezahlt bei der Behinderten-Hilfe der Diakonie oder des echten älteren IB, dem Internationalen Bund, Ihr Dasein fristen mußten, dann ist die Abwerbung durch die Flüchtlings-Hilfe mit wesentlich besseren Bezügen sinnhaft, sonst hätte Sie nie Sozial-Pädagogik studiert. Die meisten Menschen nehmen das, was sie beruflich tun, ernst.
Ich arbeitete früher im Kapitalmarkt, das war spannend, wenn auch aufreibend. Aber von daher weiß ich eben, daß Volkswirtschaften Kapitalmärkte so, wie sie bisher existierten, nicht brauchen. Diesen gedanklichen Schritt gegen die Interessen der eigenen Existenz, gehen aber nur wenige.
Hier geht es nebenbei auch noch um ein religiöses Selbstbild, die meisten möchten zu den Guten, zu den Barmherzigen gehören. Daß diese Haltung meist auf Kosten anderer stattfindet, bigottes Links reden und Rechts leben, ist doch nur allzu menschlich. Eine weitere Gruppe dieser Haltungsgeschädigten ist einfach auch nur blöd, und fällt, ohne es zu merken, in den Abgrund der Dummheit.

@Jan .... ich stimme Ihnen zu, die da oben, gibt es in der Form nicht. Aber wenn die UNO den großen Austausch in Europa propagiert, anstatt wie früher, Auswanderung aus Europa in die Schwellenländer zu propagieren, dann ist das rassistisch ideologisch begründet und wider besserem ökonomischen und ökologischen Wissens.
Herr Kauder wurde deswegen von der CDU-Bundestagsfraktion abgestraft, weil er erstens nicht in der Lage war, die Migranten-Politik der Bevölkerung besser zu verkaufen, 6 Mio. Wähler waren zu klug für "wir schaffen das", und andererseits, weil über Jahre die CDU-Bundestagsfraktion nur zum abnicken gegenwärtig sein durfte.

@Robert .... Ihr Beitrag wirkt teils etwas widersprüchlich. Natürlich wäre die Linke ohne eine Rechte nichts, da die Linke historisch komplett bis heute versagte und nur uns zur Daseinsberechtigung hat. Die Linke ist ein gescheitertes gedankliches Produkt, daß von den Machern deswegen konzipiert wurde, um eine zu verblödende Masse, den sozialistischen Menschen oder besser Viech, leichter steuern zu können. Das kommt auch im Konflikt, präsentiert durch Herrn Dr. Straub im Video des neuesten SiN-Beitrags, historisch zum tragen, wo auf den Konflikt zwischen der französischen Revolution und dem dichterischen deutschen Freigeist abgestellt wird.
Das ging in der Bonner - und Berliner Republik über Jahrzehnte so weit, daß Verfassungsschutz-Ämter selbst eine Blödel-Rechte erschufen, um die Rechtfertigung der eigenen Existenz zu gewährleisten.
Überdenkenswert sind rechte Themen, wie Zuwanderung und Identität. Es mag für eine Minderheit, wie uns, angebracht sein, ein politisches Zuhause anzubieten, aber zur Beschaffung von Mehrheiten, brauchen wir mehr Aggression gegen linke Themen, um die Motten ins linke Licht fliegen zu lassen. Das wird schon teils probiert, aber das wirkt immer so, als würde man sich nicht trauen. Rechte Reichweite ist schon sehr erfolgreich in Anbetracht der Mittel, die zur Verfügung stehen. Es hat mit unserem Volks-Charakter zu tun, daß wir Geld nur als Mittel zum Zweck ansehen, und ihm sonst keine Bedeutung beimessen.

@RMH .... das Buch "Ausweitung der Kampfzone" ist um Längen besser als der Film, auch unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Medien.

@Imagine .... man kann von Willy Wimmer halten, was man will. Aber von Militär hat er Ahnung. In vielen Vorträgen legt Er peinlichst genau dar, daß vor jeder militärischen Großoperation zu erwartende Fluchtbewegungen bereits eingeplant -, und entsprechende Korridore eingerichtet werden. Von daher handelt es sich um Märchen aus 1001 Nacht, wenn plötzlich in Ungarn 1,5 Mio. Flüchtlinge vom Himmel gefallen sind. Schon unter den Bushs, Clinton, Obama war ein Krieg in Europa, bis auf den Balkan, zu Europas Destabilisierung nicht mehr anzuzetteln. Das haben wir nicht, wie propagiert, der EU zu verdanken, sondern einem bitteren und offensichtlichen Lernprozeß bei unseren anti-deutschen Nachbarn, Frankreich & Britannien. Daher machen die Darlegungen des US Generals Wesley Clark auch Sinn. Die Geo-Strategie der USA basiert ausweichend auf der aktuellen Destabilisierung Nordafrikas und des Nahen Ostens, um mit den entsprechenden Fluchtkorridoren Europa nachhaltig zu destabilisieren. Es ist unsere Linke, gefolgt von den christlichen Organisationen, die den Massenmörder Obama nachwievor als Heilsbringer und Erlöser anbeten und die von General Clark angeprangerte US-Politik befördern. Die Kirchen mögen auf mehr Zuspruch durch Verarmung hoffen, und die Linke wünscht nach dem Versagen gegenüber Stalin, und einer gescheiterten Weltrevolution Trotzkis, endlich den totalitären Sack zumachen zu können. Und das geht eben nur über eine weitergehende Destabilisierung. Hier sind auch die übergreifenden Anfeindungen gegenüber Herrn Trump leicht zu ergründen. Der sagt schlicht, daß er ein ökonomisch weniger aggressives Europa braucht, damit er seine Militär-Strategie ändern kann. Aber Trump nimmt uns eh nicht mehr für voll, sondern der Hauptgegner ist China.

Gracchus
12. Mai 2019 14:16

@Laurenz: Wenn jemand Jesus als Terroristen bezeichnet oder jetzt in einem neuerlichen Anfall intellektueller Präpotenz von primitiven Hirtenkult spricht, kann ich darin keine sachliche Auseinanderdetzung oder eine Einladung hierzu sehen, sondern blankes Ressentiment.

Niekisch
12. Mai 2019 16:25

"Könnte mir vorstellen, dass man in und um Recklinghausen selbst als Mitglied eines Schauspielensemble unliebsamen Kontakt mit der Wirklichkeit hat. So etwas soll ja heilsam sein.“

@ Robert 12.5. 10:47: die Schauspieler Christine Sommer und Martin Brambach wohnen in Recklinghausen und sind in der Innenstadt von 50% fremdländischen Menschen umgeben. Man weiß zwar nie, welche Gesinnung sich nach dem 3. Glas Bier offenbart, aber bei denen scheint ein Gesinnungswandel bisher nicht eingetreten zu sein. Eine Vielzahl anderer Künstler gastiert im Barbarossa (!)-Hotel in unmittelbarer Nähe des Palais Vest, einem Haupttreffpunkt der Völker der Welt. Es mag sein, daß Künstler der Ruhrfestspiele irgendwie beeindruckt sind, aber heilsamer Kontakt? Eher gar kein Kontakt, der mangels gemeinsamer Sprache auch nicht möglich ist. Sollte ich das Zusammenleben in dieser Stadt beschreiben, so definierte ich es als Segregation bei zeitgleicher, teilnahmsloser Anwesenheit von Menschen aus mehr als 100 Nationen. Es wird in überschaubarer Zeit auf eine türkisch-arabische Totaldominanz hinauslaufen.

Vor Ort ist abwehrende Parteipolitik sinnlos. Nur eine eng vernetzte Hilfsorganisation der Deutschen mag da noch etwas bewirken, vergleichbar den "Nestern" Codreanus.

Robert
12. Mai 2019 19:50

@Laurenz, 12. Mai 2019 13:58 „… Die Linke ist ein gescheitertes gedankliches Produkt, daß von den Machern deswegen konzipiert wurde“.

So einfach geht es leider nicht, aber ohne weiter ausholen zu können: Hinter dem, was wir hier verkürzt und personalisierend als „Die Linke“ bezeichnen, steckt natürlich eine ganze Ideologie, ein Welt- und Menschenbild, verbunden mit ihrer Ideengeschichte dahinter, das sich sogar über viele Jahrhunderte zurückverfolgen läßt. Also: Wenn man die Linke sagt, ist das pars pro toto dafür gemeint - und genau auf das habe ich ja sogar kurz aufmerksam gemacht! (@Robert „Die Linke verkörpert aber geradezu diese Krise, sie gibt ihr ad personam ein Gesicht!“). Die große Krise beinhaltet und in ihr manifestiert sich heute nur das , was wir „Die Linke“ nennen, hat aber als ideologisches Phänomen, wie gesagt, einen langen historischen Weg. Nur, wo zeigt sich meine Widersprüchlichkeit, wo ist das Problem (@Laurenz .... Ihr Beitrag wirkt teils etwas widersprüchlich)??
Solche Prozesse werden doch nicht von irgendwelchen „Machern“ am Reißbrett erfunden, wie Sie zum Ausdruck bringen!
Und: Mit Ihren Bemerkungen “ …daß Verfassungsschutz-Ämter selbst eine Blödel-Rechte erschufen, um die Rechtfertigung der eigenen Existenz zu gewährleisten“ muß ich mich in meiner These („Die Linke braucht uns und nicht wir sie“) doch wohl bestärkt fühlen, oder??

@Niekisch, 11. Mai 2019 18:27 „Welche Durchschlagskraft entstünde, verbänden sich wissenschaftlich begründete Kapitalismuskritik mit wissenschaftlich begründetem Identitätstreben …“

@heinrichbrueck, 11. Mai 2019 19:14, „…Diese Gemeinschaftsorientierung ginge nur völkisch, ein für mich positives Wort, Natur und Kultur zusammendenkend.“

Man könnte es als „suitable-word-signalling“ nennen, wenn entscheidende und zusammenpassende Begriffe beim Empfänger, wenn auch die Botschaft nur kurz gehalten ist, ein in sich konsistentes, positives Bild bzw. volle Zustimmung auslösen.
Ich darf es daher in meinen Worten so ausdrücken, gewissermaßen auch nur paraphrasierend:

Es sieht so aus, daß bei der Rechten, die sich in diesem Umfeld gern Neu-Rechte oder Mosaik-Rechte nennt, leider noch immer ein gewisses Bruchstückdenken vorherrscht – i. d. S. trifft es der Begriff „Mosaik-Rechte“ doch ganz gut.

So geht es aber letztlich um die Art des Denkens, will sagen, woher es seine große Linie, seine Impulse und intellektuelle Rechtfertigung bekommt – kurz gesagt, seine philosophische Untergründung.
Und hier sind wesentliche Stichworte gefallen:

1. Wissenschaftlichkeit:
Die grundsätzliche Akzeptanz der Wissenschaftlichkeit ist gerade für eine ernstzunehmende Rechte unabdingbar – abgesehen davon, dass sie Teil von Kultur und ein signifikantes Merkmal fortgeschrittener Zivilisation ist.

Wissenschaft muß also für den intellektuell-rationalen Diskurs eine Erkenntnisquelle ersten Ranges sein.
Insofern ist das dichotomische Auseinanderdriften in Geistes- und Naturwissenschaften, die sich philosophisch in der dualistischen Trennung von Geist/Seele und Körper/Leib widerspiegelt das große philosophische Verhängnis unserer Zeit und ihrer Zivilisation (siehe z. B. Rupert Riedl: „Die Spaltung des Weltbildes“).
Heute findet aber zum großen Glück der große Paradigmenwechsel statt, sprich: Die Vereinheitlichung bzw. Synthese vermittels einer an der Evolutionstheorie ausgerichteten Philosophie. Verpaßt und erfaßt und die sog. Neue Rechte dies geistig-epochale Entwicklung nicht, wird sie bereits mittelfristig scheitern.
Wir feiern 500 Jahre Leonardo da Vinci. Wer glaubt, daß rund 500 Jahre naturwissenschaftliche Prägung der sogenannten Neuzeit mit ihrer geradezu exponentiellen Dynamik keinen genauso wirkmächtigen und verändernden Niederschlag in unser Ideen- und Begriffswelt gefunden hat, muß sich als Erkenntnis-ignorant bzw. dogmatisch bezeichnen lassen, auch wenn er sich mit der Zeit gehend wähnt oder sich als Neu-Rechts bezeichnet.

2. Zusammenhang von „Natur und Kultur“.
Auch die philos.-ideologische Trennung von Kultur und Natur (nicht nur, aber vor allem im genealogischem Sinne) ist aus heutiger Sicht unwissenschaftlich, wie die von Geist und Körper. Deswegen müßte es auch für die Rechte ein großes metapolitisches Desiderat sein, den Begriff der ethno-kulturellen Identität, das dort fast zum Schlagwort verkommen ist, einer natur-bzw. humanwissenschaftlichen Revision zu unterziehen.

Ebenso darf sie die Total-Überforderung und Übermächtigung des Menschen durch eine Überbordung der Technisierung und der Zerstörung natürlicher Lebens- und Rückzugsräume nicht übersehen und müsste sie in ein metapolitisches Konzept einbauen. Ein neuer Naturalismus – kulturell wie philosophisch – wäre dafür die Aufgabe unserer Zeit.

3. „wissenschaftlich begründete Kapitalismuskritik“:
Hier bräuchte die Rechte nicht eine „ideologische Leiche“ exhumieren bzw. ihr eine irgendwie sachliche Rechtfertigung angedeihen lassen, die – Karl Marx – absolut nicht gebührt:
Eine moderne Kapitalismuskritik müsste nicht ideologisch, sondern im ersten Schritt von der sachlich-technischen Seite her geführt werden.
Dies deswegen, weil die marxistisch geführte Kritik am Kapitalismus schon längst in die historische Mottenkiste gehört – also ideologisch und philosophisch schon längst erledigt ist – und mit ihren verheerenden wirtschaftlich-sozialen Folgen dies auch praktisch bewiesen hat. Sie war letztlich eine Pseudo-Kritik am Kapitalismus. Die Rechte bräuchte nur zu erkennen, was den Kapitalismus im Wesentlichen ausmacht, und bereits im Namen sichtbar ist: Die Herrschaft des Kapitals, und zwar des Geld-Kapitals. Hier könnte auf die Unzahl von neuesten Analysen, Arbeitskreisen, Denkern, die sogar selbst aus der Finanzwelt stammen (z. B. ein Dirk Müller, Rico Albrecht (Systemtheorie), usw.) zurückgreifen. Diese sind meistens völlig ideologiefrei – ihre Ergebnisse und Kritikpunkte laufen aber genau aber das hinaus, was sich ein völkisch und sozial eingestellter Rechter auch so sehen kann:

Es wäre ein sozial gerechtes, ein den ethno-kulturellen Entitäten und letztlich an die natürlichen und ökologisch Notwendigkeiten angepasstes Geld- und Finanzsystem.
Um insgesamt den oben Genannten nochmals recht zu geben: Wenn die Rechte ohne eine neue, am heutigen Wissen orientierte Gesamt-Konzeption antritt, ist der reine Appell an die Bevölkerung, den Wahnsinn und die Bedrohung zu erkennen, um dann politisch mit zu gehen, zwar richtig, aber zu wenig. Aus dem vielen Mosaikstücken müsste für sie ein kraftvolles, überzeugendes und zukunftsverheißendes Gesamt-Bild sichtbar werden.

Monika
12. Mai 2019 20:24

@Franz Bettinger
Danke, aber ein Bummel durch Ludwigshafen ist deprimierend, besonders durch die Innenstadt. Wie man liest, soll Ludwigshafen eine junge, aufstrebende Stadt sein. Es werden zahlreiche Kita Plätze benötigt.
Deshalb entstehen ab 2020 450 - 550 Wohneinheiten für bis zu 1500 Menschen auf einer Fläche von 15 Hektar Ackerland, welches der katholischen Kirchengemeinde Ludwigshafen gehört. Ein Viertel der Wohnungen sollen an Menschen in prekären Lebenslagen vermietet werden: Alleinerziehende, Großfamilien, Behinderte oder Flüchtlinge. So ist es zu lesen. ( man beachte die Mischung)
https://www.rheinpfalz.de/lokal/ludwigshafen/artikel/ludwigshafen-politik-unterstuetzt-plaene-fuer-heinrich-pesch-siedlung/
P.S. Heinrich Pesch war ein Jesuit und Sozialökonom, Lehrer von Oswald von Nell-Breuning.

Nemesis
12. Mai 2019 20:31

@Imagine
"Gegenwärtig scheint allein China in der Lage zu sein, eine neue historische Formation hervorzubringen, die eine menschliche Zukunft jenseits des Kapitalismus mit seinen Selbstzerstörungstendenzen eröffnet."

Zunächst vielen Dank für Ihr Eingehen auf meine Fragen.
Was China anbelangt, so kenne ich mich in dessen Gesellschaftsmodell nicht aus, außerdem dürfte es für einen Außenstehenden auch sehr schwer sein, dies wirklich zu durchdringen.
Von außen betrachtet nehme ich eine sehr starke, um nicht zu sagen alles dominierende CCP wahr.
Für mich ist nicht ersichtlich, wie dieses Gesellschaftsmodell eine menschliche Zukunft jenseits des Kapitalismus mit seinen Selbstzerstörungstendenzen eröffnen könnte, denn dies würde voraussetzen, daß diejenigen, die an der Macht sind, unkorrumpierbar sein müßten. Es mag zwar durchaus hin und wieder Menschen geben, die das in einem gewissen Maße sein mögen, auf längere Sicht jedoch
unterliegt, so jedenfalls meine Vermutung, auch dieses System den gleichen Zersetzungsmechanismen wie z.B. die Regierungen im westlichen Modell.
Haben Sie da mehr Einblick oder andersherum gefragt: Was läßt Sie annehmen, daß das chinesische Modell dem Westlichen überlegen sein könnte?

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