Europa und Kommunal – Wahlanalyse (2)

Im ersten Teil der kursorischen Wahlanalyse untersuchte ich die Europawahl mit Fokus auf AfD und Grüne; nun folgen die Kommunalwahlen.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

II. AfD zu den Kommunalwahlen

Vor­be­mer­kung: Eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung aller vor­ges­tern abge­hal­te­nen Kom­mu­nal­wah­len ist an die­ser Stel­le und zu die­sem Zeit­punkt nicht mög­lich. Und doch sind ers­te Rück­schlüs­se möglich.

1. Bran­den­burg

Bran­den­burg geht mit gro­ßem Selbst­ver­trau­en in den Wahl­kampf zur Land­tags­wahl vom 1. Sep­tem­ber. Zur Euro­pa­wahl erziel­te man zwi­schen der Ucker­mark und dem Spree­wald 19,9 Pro­zent. Und zu den Kom­mu­nal­wah­len wur­de erst­mals fast flä­chen­de­ckend, und dies mit einem pro­non­cier­ten Rechts­kurs, reüssiert:

Dabei kann die AfD nicht nur in allen 14 Land­krei­sen punk­ten, auch in den vier kreis­frei­en Städ­ten legt sie in der Wäh­ler­gunst stark zu. Am deut­lichs­ten zeigt sich das in Cott­bus: Mit 22,3 Pro­zent der Stim­men wird die AfD hier stärks­te Kraft – mit gro­ßem Abstand zur CDU (17,2). In Brandenburg/Havel und Frank­furt (Oder) ist sie jeweils an drit­ter Stelle.

Trotz feh­len­der Unter­stüt­zung durch den west­lich domi­nier­ten Bun­des­vor­stand (das vom BuVo erstat­te­te bran­den­bur­gi­sche Wahl­kampf­bud­get 2019 ist nied­ri­ger ange­setzt als das von nun­meh­ri­gen Split­ter­par­tei­en!) dürf­te im Sep­tem­ber die 20-Pro­zent-Mar­ke über­wun­den werden.

Das liegt u. a. an Hoch­bur­gen wie in Süd­bran­den­burg, kon­kret gewiß an Cott­bus und sei­nem Umland. Chris­toph Berndt wird in den Land­tag als Mus­ter­bei­spiel für aus­sichts­rei­che Vor-Ort-Arbeit als Lis­ten­platz 2 der Lan­des-AfD ein­zie­hen und bürgt als Garant für die arbeits­tei­li­ge, auf Nach­hal­tig­keit abzie­len­de Stra­te­gie der Mosa­ik-Rech­ten jen­seits natio­nal­li­be­ra­ler Klientel-Selbstbeschränkung.

Die 100 000-Ein­woh­ner­stadt Cott­bus beweist, daß das, was im klei­nen Bedeu­tung hat, eben­so für das gro­ße Gan­ze Rele­vanz besitzt: Es gibt einen unauf­lös­ba­ren Zusam­men­hang zwi­schen Ver­trau­ens­ni­veau und einer rela­ti­ven Homo­ge­ni­tät. Soli­da­ri­tät kann dort grei­fen, wo das Zutrau­en zuein­an­der groß ist. Nun hat die AfD in Cott­bus bei der Stadt­rats­wahl gesiegt und damit bewie­sen, daß eine inte­grie­ren­de Rechts­par­tei mit sozia­ler Aus­rich­tung und grund­sätz­li­chem Ton auch “Städ­te kann”.

Ein­zig in Pots­dam erziel­te man unter 5 Pro­zent­punk­te Zuge­win­ne; in der Lan­des­haupt­stadt mit sei­ner rot­grü­nen Bour­geoi­sie hält sich das R2G-Lager standhaft.

2. Thü­rin­gen

Was für Bran­den­burg Pots­dam, ist für Thü­rin­gen Jena: ein Bio­top links­grü­ner Lebens­wel­ten. Die AfD konn­te dem­entspre­chend in der Stu­den­ten­stadt ledig­lich 10,2 Pro­zent der Stim­men abräu­men. Es ist gleich­wohl ein Ergeb­nis, das in Ber­lin-West, Mainz oder Bonn – und zwar mit Recht – für Jubel­ari­en sor­gen würde.

Jena unge­ach­tet konn­te die AfD in Thü­rin­gen einen gran­dio­sen Wahl­er­folg ver­zeich­nen – und man müß­te die Her­ren Pazder­ski und Han­sel nun nach Erfurt oder aufs Thü­rin­ger Land ein­la­den, damit sie sehen kön­nen, was sie in ihrer Ber­li­ner Bla­se alles falsch machen, um dann dröh­nend zu ver­kün­den, daß das Pro­blem, wes­halb man als AfD nicht repu­ta­bel sei, “Höcke” und des­sen soli­da­risch-patrio­ti­scher Kurs sei.

Wäh­rend eini­ge Wahl­er­geb­nis­se in Thü­rin­gen jeden­falls noch nicht fest­ste­hen, ist bereits klar, daß das Stamm­land des soli­da­ri­schen Patrio­tis­mus der AfD wei­ter blau ein­ge­färbt wird. Der MDR ver­mel­det von allen Wahl­or­ten, bei denen die AfD Kan­di­da­ten ins Ren­nen schick­te, Erfol­ge. Her­vor­zu­he­ben ist bei­spiels­wei­se Gera.

In Thü­rin­gens dritt­größ­ter Stadt hol­te die AfD aus dem Stand 28,8 Pro­zent und gewinnt zwölf Sit­ze. CDU (12,9) und Links­par­tei (18,3), die klas­si­schen Platz­hir­sche, ver­lie­ren mas­siv. In den meis­ten ande­ren Städ­ten und Gemein­den waren CDU und AfD an der Spit­ze, ein­zel­ne Hoch­bur­gen der Sozi­al­de­mo­kra­tie (Gotha) und Links­par­tei (Eisen­ach) konn­ten sich aller­dings halten.

Die Grü­nen spie­len nur in den links­bür­ger­lich gepräg­ten Städ­ten Wei­mar und Jena eine erheb­li­che Rolle.

3. Sach­sen-Anhalt

Auch in Sach­sen-Anhalt, wo sich eine klei­ne Grup­pe um André Pog­gen­burg von der AfD abspal­te­te, kann die soli­da­risch-patrio­ti­sche Alter­na­ti­ve wei­ter­hin unbe­ein­druckt von Zer­falls­ge­rau­ne punk­ten. 24,6 Pro­zent haben zwar immer noch für die CDU votiert, doch ent­spricht dies Ver­lus­ten von fast 10 Pro­zent­punk­ten; eine Zahl, die SPD (nur noch 13,7) und Links­par­tei (nur noch 15 Pro­zent) eben­falls zusam­men­ge­rech­net abge­ben muß­ten. Die AfD konn­te 16,4 Pro­zent der Stim­men erzie­len; ein Zuwachs von 14,1 Pro­zent bedeu­tet den größ­ten Gewinn.

Her­vor­he­bens­wert ist u. a. das Bemü­hen Dani­el Rois in und um Bit­ter­feld. Ihm gelang es, über 120 Kan­di­da­ten für die Gemein­de­rä­te zum Wahl­an­tritt zu moti­vie­ren. Das zeigt, daß es sehr wohl mög­lich ist, in jedem Dorf Mit­strei­ter zu fin­den, wenn man die Rele­vanz der kom­mu­na­len Arbeit rich­tig ein­ord­net und ent­spre­chen­de Schlüs­se zieht.

Für Freun­de Schnell­ro­das interessant:

Die AfD gewinnt im Saa­le­kreis über 20 Pro­zent­punk­te dazu und kommt auf 21,7 Pro­zent der Stim­men. Die CDU gewinnt mit 27,3 Pro­zent. In Quer­furt geht die SPD auf­grund eines star­ken und lager­über­grei­fend aner­kann­ten Spit­zen­kan­di­da­ten als Sie­ger aus dem Ren­nen: 31,9 Pro­zent wähl­ten rot, das bedeu­tet 16,2 Pro­zent Zuwachs. Die AfD erzielt dort knapp unter 17 Pro­zent. Bei der Euro­pa­wahl wur­de Quer­furt blau.

In der Flam­berg-Stadt Halle/Saale konn­te die AfD immer­hin 14 Pro­zent erzie­len; ein Zuwachs um 9,4 Pro­zent der Stim­men. Die Lin­ke ver­lor trotz auf­wen­di­gem Wahl­kampf und Unter­stüt­zung durch extrem lin­ke Krei­se statt­li­che 7,3 Pro­zent, kommt aber nach wie vor als stärks­te Kraft durchs Ziel (17,8 Pro­zent). Für den Osten unty­pisch ist der Hal­le­sche Erfolg der Grü­nen: 16,3 Pro­zent heißt 6,2 Pro­zent dazugewonnen.

Im Land­kreis Mans­feld-Süd­harz, einer tra­di­ti­ons­rei­chen Arbei­ter­re­gi­on mit dem sozi­al­pa­trio­ti­schen Aus­hän­ge­schild Robert Far­le, wird die AfD mit 19,3 Pro­zent der Stim­men stärks­te Kraft. CDU (19,0) und Lin­ke (15,9) ver­lie­ren 9,2 bzw. 11 Pro­zent. Die AfD gewinnt von bei­den die Stim­men dazu – das “fran­zö­si­sche” Rezept ist ein­mal mehr erfolgsbestätigt.

4. Sach­sen

Sach­sen hat, je nach Stand­punkt wie erhofft bzw. wie befürch­tet, sein blau­es Wun­der der Bun­des­tags­wahl 2017 wie­der­holt. Bei der Euro­pa­wahl ist die AfD mit 25,3 Stim­men stärks­te Kraft. Auch die Kom­mu­nal­wah­len waren, und das ist bemer­kens­wert, ein Erfolg. Aller­dings domi­niert bei den Kreis­tags­wah­len nicht blau, son­dern schwarz.

In acht Land­krei­sen erziel­te die Uni­on die meis­ten Stim­men, die AfD gewann in Ostsach­sen die Krei­se Gör­litz und Säch­si­sche Schweiz-Osterz­ge­bir­ge. In Leip­zig kommt Rot-Rot-Grün trotz Ver­lus­ten von SPD und Links­par­tei zu einem mehr als nur soli­den Wahl­sieg, und aus­ge­rech­net in Dres­den wird Grün stärks­te Par­tei (knapp über 20 Prozent).

Die ein­zel­nen Ergeb­nis­se der Stadt‑, Gemein­de- und Ort­schafts­rats­wah­len kann man und eben­so ver­fol­gen wie die (nicht immer voll­stän­dig aus­ge­zähl­ten) Kreis­tags­wah­len, fer­ner Bürgermeister/Oberbürgermeisterwahlen. Ange­sichts der Viel­ge­stal­tig­keit der Wah­len beschrän­ke ich mich auf ein­zel­ne mar­kan­te Ergebnisse:

Gör­litz: Hier wird eine Neu­wahl des Ober­bür­ger­meis­ters erfor­der­lich. Sebas­ti­an Wip­pel (AfD) kommt auf über 36 Pro­zent und kann damit ers­ter AfD-OB wer­den. Aller­dings ist anzu­neh­men, daß die ande­ren drei Kan­di­da­ten (Links­par­tei, Grü­ne, CDU) sich auf einen Anti-rechts-Ein­heits­kan­di­da­ten eini­gen wer­den, damit dies ver­hin­dert wird.

Chem­nitz: End­lich kann in der west­säch­si­schen Metro­po­le die Mehr­heit des rot­rot­grü­nen Lagers als ver­lo­ren gewer­tet wer­den. Lin­ke, SPD und Grü­ne kom­men “nur” noch auf 16,7, 11,7 und 11,5 Pro­zent, wäh­rend AfD und die Bür­ger­be­we­gung Pro Chemnitz.DSU auf 17,9 und 7,7 Pro­zent­punk­te zule­gen kön­nen. Die CDU gewinnt die Stadt­rats­wahl mit 19,9 Pro­zent. Die anti­fa­schis­ti­sche Grup­pie­rung “Chem­nitz für alle”, bekannt vom “Wir sind mehr”-Fetisch, erzielt ledig­lich 2 Pro­zent. Man darf bereits jetzt auf ein Beben 2020 hof­fen, wenn die amtie­ren­de Ober­bür­ger­meis­te­rin Bar­ba­ra Lud­wig (SPD) durch den mög­li­chen AfD-Kan­di­da­ten Nico Köh­ler her­aus­ge­for­dert wird.

Dres­den: Auch hier kann die Stadt­ge­sell­schaft – in kras­sem Gegen­satz zu Leip­zig – auf­at­men: Rot-Rot-Grün ist Geschich­te. Die Lin­ke ver­lor 4 Pro­zent, die SPD fast 5, die Grü­nen gewan­nen aber gleich­zei­tig nur 4,7 dazu. Die SPD ist mit 8,8 Pro­zent erst­mals einstellig.

Der Erfolg der säch­si­schen AfD ist ein Grund zur Freu­de. Den­noch müs­sen eini­ge Beden­ken geäu­ßert wer­den. Daß die AfD auch in Regio­nen ohne Wahl­kampf und ohne jede Prä­senz zwei­stärks­te Kraft wur­de, darf nicht dar­über hin­weg­täu­schen, daß die­se Moment­auf­nah­me in eini­gen Jah­ren revi­diert wer­den könn­te, wenn kei­ne kom­mu­na­le Ver­wur­ze­lung erfolgt. Die­se ist bis dato – trotz beein­dru­cken­den Zah­len an man­chen Orten – nicht gege­ben. Sie muß nach­ge­holt werden.

Man trat als AfD näm­lich ledig­lich in einem guten Drit­tel (!) der Kom­mu­nen Sach­sens über­haupt mit eige­nen Kan­di­da­ten an. Erst­mals seit vie­len Jah­ren konn­te man Kilo­me­ter um Kilo­me­ter durch ver­schie­de­ne säch­si­sche Land­stri­che fah­ren ohne auf ein ein­zi­ges AfD-Pla­kat zu sto­ßen. Das ist bemer­kens­wert, weil die Euro­pa­wahl ja unge­ach­tet feh­len­der kom­mu­na­ler Betei­li­gun­gen statt­fand. Daß man den­noch lan­des­weit stärks­te Kraft zur Euro­pa­wahl wur­de und kom­mu­nal über­all, wo man antrat, durch­aus absahn­te, ist beein­dru­ckend und deu­tet an, was erst mög­lich wäre, wenn man tat­säch­lich von Plau­en bis Zit­tau flä­chen­de­ckend in die Offen­si­ve ginge.

Denn in etli­chen Klein- und Mit­tel­städ­ten, in über 60 Pro­zent der Fäl­len also, kan­di­dier­te man dies­mal (noch?) nicht. In Kom­mu­nen, in denen zur Bun­des­tags­wahl 2017 cir­ca 30 Pro­zent AfD wähl­ten und zur Euro­pa­wahl 2019 wie­der 20 bis 30 Pro­zent gewann, stand die Par­tei zu Kom­mu­nal­wah­len damit gar nicht auf dem Zet­tel – mög­li­che Kärr­ner­ar­beit vor Ort fand in den letz­ten Jah­ren vie­ler­orts schlicht nicht statt; das lag natur­ge­mäß dar­an, daß man nicht für jedes Amt über­haupt Kan­di­da­ten fin­den kann, zum Teil aber auch an fal­schem Stre­ben in die ver­meint­lich pres­ti­ge­träch­ti­ge­ren Par­la­men­te. Krei­se wie Gör­litz und das Erz­ge­bir­ge sind die posi­ti­ve Aus­nah­me, Leip­zig samt Umge­bung ein ver­steh­ba­rer, aber ärger­li­cher Sonderfall.

Andern­orts nahe­lie­gen­de Grün­de (gesell­schaft­li­che Iso­la­ti­on) kön­nen in Städ­ten und Gemein­den nicht her­an­ge­zo­gen wer­den, in denen fast ein Drit­tel der Bür­ger für die AfD votiert. Viel­mehr ist bei eini­gen ein Stre­ben in die Lan­des­me­tro­po­len und „Haupt­par­la­men­te“ zu ver­mer­ken, das ein Enga­ge­ment auf ver­meint­lich sub­al­ter­ner Ebe­ne obso­let erschei­nen läßt.

Dabei ist Dres­den für einen Vogt­län­der fern, nicht aber der unmit­tel­ba­re Orts­bei­rat oder das nächs­te Stadt­par­la­ment. Es fin­det rechts der Mit­te noch zu sel­ten eine alter­na­ti­ve Nach­bar­schafts­po­li­tik statt, die frei­lich die unver­zicht­ba­re Grund­la­ge einer jeden basis­na­hen Bewe­gung dar­stellt. Fal­len über­re­gio­nal mobi­li­sier­fä­hi­ge The­men weg, kann eine Land­tags­frak­ti­on ver­lo­ren wer­den; loka­le Ver­an­ke­rung und nach­hal­ti­ge Mosa­ik-Struk­tu­ren hin­ge­gen blie­ben, ver­sieg­ten auch einst die Geld­flüs­se in der Landeshauptstadt.

Hier fehlt es – einst­wei­len – an einer stu­fen­ar­ti­gen Pla­nung aus Nah- und Fern­ziel zur Umwand­lung bestehen­der Ver­hält­nis­se, was „orga­ni­sche“ Poli­ti­ker, die aus einem kon­kre­ten Umfeld in die Lan­des­po­li­tik „empor“ stei­gen, ohne ihre Her­kunft ange­sichts neu­er Lebens­mög­lich­kei­ten dank Man­dats­ver­gü­tung zu ver­leug­nen, über­dies erschwert.

Ohne Zwei­fel: Die­se Kri­tik erfolgt auf sehr hohem, eben säch­si­schem Niveau, aber kon­struk­ti­ve Kri­tik ist nötig, damit die Fall­hö­he bei even­tu­ell ver­sie­gen­den Kri­sen­mo­men­ten der geg­ne­ri­schen Poli­tik nicht zu hoch wer­den kann. Der Erfolg muß dazu anspor­nen, jetzt noch mehr in die loka­le und regio­na­le Offen­si­ve zu gehen, damit Sach­sen dau­er­haft eine soli­da­risch-patrio­ti­sche Volks­par­tei als stärks­te Kraft ver­zeich­nen kann und damit Vor­bild für Deutsch­land ist. Das funk­tio­niert am bes­ten durch gras­wur­zel­ar­ti­ge Bewe­gung, durch eine flä­chen­de­cken­de Vor-Ort-Prä­senz, sofern dies Per­so­nal und loka­le Gege­ben­hei­ten zulassen.

– – –

III. Sons­ti­ge Rechts­par­tei­en zu den Kom­mu­nal­wah­len im Osten

Auch jen­seits der AfD gibt es wei­ter­hin kon­ser­va­ti­ve, rech­te und radi­kal rech­te Par­tei­en. Zur Euro­pa­wahl spiel­ten sie alle­samt kei­ner­lei Rol­le; selbst die NPD unter Spit­zen­kan­di­dat Udo Voigt fiel auf 0,3 Pro­zent und muß damit das letz­te über­re­gio­na­le Man­dat – das­je­ni­ge in Brüs­sel – abge­ben. Ande­re Rechts­par­tei­en blie­ben im 0,0- und 0,1‑Bereich. 

Kom­mu­nal sieht das anders aus, wir notie­ren ledig­lich eini­ge Besonderheiten:

In Thü­rin­gen sticht nur Eisen­ach als Son­der­fall der Links-Rechts-Pola­ri­sie­rung her­vor: Die Lin­ke ist stärks­te Kraft im Stadt­rat mit 21,7 Pro­zent der Stim­men. Die AfD kommt auf 11,7, die NPD auf 10,1 Pro­zent. Auch der MLPD-nahe Eisen­acher Auf­bruch behält sei­nen Sitz.

In Sach­sen-Anhalt ist die AfD-Abspal­tung “Auf­bruch Deut­scher Patrio­ten” um André Pog­gen­burg rascher am Ende als gedacht. Pog­gen­burg erziel­te in sei­ner Hei­mat, dem durch­aus rechts­af­fi­nen Bur­gen­land­kreis, ledig­lich 0,2 Pro­zent der Stim­men. Ein Plus von über 13 Pro­zent­punk­ten erzielt dort hin­ge­gen die AfD ohne ihn: 17,3 Prozent.

Nur einen Land­kreis wei­ter, im Saa­le­kreis, hal­biert die kon­ser­va­ti­ve STATT-Par­tei ihre Stim­men von 10 Pro­zent auf 5 Pro­zent, was wesent­lich auch am star­ken Abschnei­den des Till­schnei­der-Kreis­ver­ban­des der AfD lag.

In der säch­si­schen Lan­des­haupt­stadt sorg­ten die dort durch­aus rechts­kon­ser­va­tiv zu ver­or­ten­den Frei­en Wäh­ler dafür, daß nicht AfD, son­dern Grü­ne stärks­te Kraft Dres­dens wur­den. Denn die über­aus respek­ta­blen 5,3 Pro­zent der FW um Susan­ne Dagen hiel­ten die AfD bei 17,1 Pro­zent gefan­gen, wäh­rend die Grü­nen auf 20,4 Pro­zent kamen. Die NPD fällt erneut und kommt in der säch­si­schen Lan­des­haupt­stadt nur noch auf 0,6 Prozent.

Ohne­hin fan­den die Natio­nal­de­mo­kra­ten neben Sach­sen-Anhalt, Thü­rin­gen und Bran­den­burg auch im Stamm­land der Par­tei, Sach­sen, kaum noch statt. In der eins­ti­gen Hoch­burg Rie­sa konn­ten zwar knapp über 3 Pro­zent­punk­te erzielt wer­den, in Eilen­burg und Oschatz ver­lor man die Man­da­te indes eben­so wie in fast allen ande­ren Kom­mu­nen, wo man über­haupt noch antrat. Ledig­lich in klei­ne­ren Ort­schaf­ten der Säch­si­schen Schweiz erziel­te man ver­ein­zelt bis zu 20 Pro­zent, und in Aue-Bad Schle­ma reüs­sier­te der vor Ort ver­wur­zel­te Kreis um Ste­fan Har­tung mit über 8 Pro­zent­punk­ten. Bei der Ober­bür­ger­meis­ter­wahl erreich­te Har­tung als Ein­zel­kan­di­dat fast 20 Prozent.

Freie Lis­ten rechts der AfD erziel­ten vor allem in Westsach­sen Ach­tungs­er­fol­ge, kon­kret in den Klein­städ­ten Geit­hain (über 15 Pro­zent), Löß­nitz (fast 15 Pro­zent), Nie­der­dorf (26 Pro­zent) und Jahns­dorf (18 Pro­zent), wo man die AfD, sofern sie antrat, jeweils distan­zier­te, aber auch in der Groß­stadt Chem­nitz (fast 8 Pro­zent für Pro Chem­nitz). Die radi­kals­te Rechts­par­tei, Der III. Weg, zieht in Plau­en in den Stadt­rat ein (3,8 Pro­zent), außer­dem in den Kreis­tag des Vogt­lands. Vie­ler­orts wird zudem noch aus­ge­zählt (Stand: 27. Mai, 17.30 Uhr), so daß eini­ge wei­te­re pro­non­ciert rech­te Lis­ten mit Man­da­ten rech­nen kön­nen – von Schwar­zen­berg bis Wurzen.

Fest steht ins­ge­samt: Sach­sen rückt wei­ter nach rechts – gegen den grü­nen Bundestrend.

Ergän­zun­gen zu allen Punk­ten I.–III. sind aus­drück­lich erwünscht!

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (48)

RMH

28. Mai 2019 06:38

"Die 100 000-Einwohnerstadt Cottbus beweist, daß das, was im kleinen Bedeutung hat, ebenso für das große Ganze Relevanz besitzt: Es gibt einen unauflösbaren Zusammenhang zwischen Vertrauensniveau und einer relativen Homogenität. Solidarität kann dort greifen, wo das Zutrauen zueinander groß ist."

Ok, wenn man sich ansieht, dass die Wahlbeteiligung in Cottbus bei 57,5% lag - was für eine Kommunalwahl (!) eigentlich erbärmlich niedrig ist, aber man im Grunde schon froh über diese Zahl sein darf - und man auch noch nachschaut, dass die Grünen dort, wenn auch deutlich geringer, ebenfalls offenbar gut ihre Wähler mobilisieren kann und es dann auf ordentliche 9,1% gebracht haben, dann sehe ich jetzt nicht so viel von großem Zutrauen. Der deutliche "Wahlgewinner" war auch in dieser Stadt die Fraktion der Nichtwähler mit 42,5%.

https://www.niederlausitz-aktuell.de/cottbus/77884/kommunalwahl-2019-afd-in-cottbus-staerkste-kraft-cdu-auf-platz-2.html

Und dabei belasse ich es erst einmal und melde mich, wenn andere Kommentare frei geschaltet wurden, sicher noch einmal zu Wort.

andreia

28. Mai 2019 07:24

Ich vermisse Mecklenburg-Vorpommern. :\

Antwort Benedikt Kaiser:
Ja, pardon, auch Bremen blieb unberücksichtigt. Aber so ist das mit spontante, auch noch kursorischen Analysen, alles paßt nicht rein.

Herrmann

28. Mai 2019 08:54

Eine gute Analyse.

Was jedoch nicht gefällt, ist die ständige Stichelei gegen "Nationalliberale". Wir sind alle freiheitliche Patrioten. Manche befürworten einen stärkeren Sozialstaat, andere mehr Eigenverantwortung. Das war schon zu Zeiten der Deutschen Nationalbewegung, deren natürliche Fortsetzung wir sind, der Fall.

Das ist aber nicht weiter schlimm, und in Anbetracht der Gesamtlage, in der sich das Deutsche Vaterland heute befindet, schon fast eine sozialpolitische Detailfrage. In Zeiten wie diesen müsse alle Patrioten zusammenstehen. Sonst gibt es bald überhaupt keinen funktionierenden Sozialstaat mehr, über dessen Ausprägung man dann noch streiten könnte.

Stil-Bluete

28. Mai 2019 09:11

Beide Wahlanalysen lassen den Hintergrundwissen ausgeblendet.

Beispiel: Strippenzieher Soros, wie allen bekannt, einer der größten lebenden Spekulanten mit Sitz in Berlin, hat schon vor längerer Zeit öffentlich ausgerechnet die Grünen favorisiert.

Und wenn er das öffentlich äußert, dann taucht nicht ganz so öffentlich gesponserte Einflussnahme über junge Menschen (z. B. blauhaariger Heißsporn) auf.

t.gygax

28. Mai 2019 09:52

Kommunalwahl in BW /"Westdeutschland"
Nüchterne Erkenntnis: es ist für einen Bürger in abhängiger Beschäftigung ( dies nicht nur im Öffentlichen Dienst) nicht mehr möglich, sich in der AFD zu engagieren.
Da geht es schon längst nicht mehr um Phänomene wie "soziale Ausgrenzung " etc. Nein, die Existenz wird vernichtet. Es sind in meinem Umfeld weitgehend Rentner ( alte weiße Männer...) , die sich für die AFD engagieren. Andere -vor allem Leute mit Kindern- können das überhaupt nicht, selbst wenn sie wollten.
Die Herrschenden halten mit dieser totaliären Form die Leute unten.Das ist mit Sicherheit in den mitteldeutschen Bundesländern anders, aber das hängt auch mit dem dortigen kritischen Bewußtsein gegenüber Macht- und Herrschaftsverhältnissen zusammen.
Würde die AFD so behandelt wie jede andere Partei, wären das bei mir hier weit über 30 %. Dazu reicht es, ganz normalen Menschen zuzuhören und es herrscht überall eine ungeheure Angst, etwas zu sagen...das hat sich in den letzten drei Jahren exponentiell verstärkt und führt bei der deutschen Mentalität zum Rückzug, zur Resignation, zur Lähmung des Willens. In anderen europäischen Ländern würde es den Widerstand geradezu anstacheln, und der wird dann nicht mehr auf der den Herrschenden genehmen parlamentarischen Bühne abgehandelt.
Elsässer hat schon Recht: Der Westen ist verloren.

andreia

28. Mai 2019 09:58

»Ja, pardon, auch Bremen blieb unberücksichtigt. Aber so ist das mit spontante, auch noch kursorischen Analysen, alles paßt nicht rein.«

Ja, so ist das wohl. Es ist mein Geburtsland, da bin ich sentimental. Ansonsten: Vielen Dank! Das ist alles sehr interessant, was Sie da schreiben.

Laurenz

28. Mai 2019 10:11

@Stil-Bluete ... Soros & Konsorten können Sie erst ausblenden, wenn Sie, wie in Ungarn, mehr als 50% haben. Bis dahin werden Sie mit deren Mitteln, soweit sie greifen, leben müssen. Was soll uns also Ihr Beitrag bringen? Nur tatsächliche Macht beeindruckt und begrenzt den politischen Gegner.

Zu Herrn Kaiser:
Vielen Dank für die übersichtliche Analyse. Für mich zeigt sich an den Wahlergebnissen die jeweilige Aufteilung des öffentlichen Kuchens. Die AfD ist im Osten bei jenen stark, welche sehr wenig Brotkrumen linker subventionierter Projekte abkriegen.
Die Produktivität ist in den Neuen Ländern einfach schlechter, viele Regionen sind, im Vergleich, dünn besiedelt. Von der AfD wird im Osten mittelfristig eine Erhöhung der Produktivität und damit eine des Lebensstandards erwartet werden. Da das nicht so einfach aus dem Hut gezaubert werden kann, ist die von Herrn Sellner geforderte Solidarität innerhalb der AfD vonnöten. Denn, um entsprechende Leute in die von der AfD schlecht reflektierten Gemeinden Sachsens (am besten aus den Neuen Ländern) zu senden, braucht man Geld.
Um werbewirksame Bürger-freundliche Infrastruktur in den jeweiligen Kommunen zu entwickeln, fehlt oft das Geld. Hier könnte eine Stabsabteilung der AfD den Streitern vor Ort unter die Arme greifen. In der Heimatgemeinde meiner Eltern hatte ein gechaßter Regionalleiter der Deutschen Bank den Tennisverein aus EU-Mitteln inklusive der Infrastruktur saniert und bei der Antragstellung eine Woche lang die 140 Mitarbeiter der Gemeinde ausgelastet. Aber dieser Ex-Banker, welcher sich in den Wirren der EU-Fördermittel zurecht fand, wurde natürlich vor Ort von der CDU abgegriffen. Solche Arbeit geht über die Möglichkeiten der meisten Menschen hinaus, sollte aber von uns genutzt werden.

RMH

28. Mai 2019 10:15

@t.gygax,
wenn man einer Wortmeldung im vorherigen Debatten-Strang glauben darf, dann konnte die AfD wohl auch in Mitteldeutschland nicht flächendeckend mit vollzähligen Listen antreten. Das Problem scheint dort also auch vorhanden zu sein, wenn auch evtl. geringer. Im Übrigen haben Sie recht, es ist offenbar ganz schwer, Leute zu finden, die für ein normales, "popeliges" Komunalmandat kandidieren. Schafft man hingegen den Sprung in ein "richtiges" Parlament, hat man für die Risiken auch eine gewisse finanzielle Kompensation (was man deshalb auch nicht immer gleich in Bausch und Bogen verdammen sollte).

Aus dem Ganzen aber jetzt fast schon pathetisch zu schließen "Der Westen ist verloren" ist dann aber doch zu einfach. Es gibt auch in der Alt-BRD so viele Gemeinden, Kluster, Straßenzüge, wo die AfD eigentlich nur "abholen" muss, aber eben das Problem hat, dass zu wenige Gesicht zeigen können/wollen. Man denke hier auch an die Zuzügler aus Osteuropa (Russen/Polen etc.). Bei denen hat die Partei durchweg einen guten Stand und hier findet man sicher auch welche, die eher bereit sind, zu kandidieren - da muss man dann eben auch einmal ein bisschen raus aus seinem deutschen Dünkeln (ich geb´s zu - fällt mir persönlich auch schwer, zumal ich mit der osteuropäischen Art nicht immer klar komme).

Laurenz

28. Mai 2019 10:15

@t.gygax
Klar, um punkten zu können, braucht es Rentner und Geld. Unter diesem Gesichtspunkt ist das Ibiza-Video gar nicht mehr so weit hergeholt. Leute unter 45 Jahren, die einer geregelten Arbeit nachgehen, haben sowieso keine Zeit mehr um sich in einer nicht vorhandenen Freizeit zu engagieren.

H. M. Richter

28. Mai 2019 10:53

@t.gygax

"Nüchterne Erkenntnis: es ist für einen Bürger in abhängiger Beschäftigung ( dies nicht nur im Öffentlichen Dienst) nicht mehr möglich, sich in der AFD zu engagieren.
Da geht es schon längst nicht mehr um Phänomene wie "soziale Ausgrenzung" etc. Nein, die Existenz wird vernichtet."
___________________________________

So ist es.
(Um so höher ist der Mut derer einzuschätzen, die gegenwärtig in Stadt und Land buchstäblich ihren Kopf hinhalten ...!)

Hinzu kommt, worauf ich bereits heute Morgen im Wahlanalyse(1)-Strang hinwies, daß
auch der Einfluß linksextremer Gewalt und Gewaltandrohung erheblich ist. Insofern würden die Wahlergebnisse selbstverständlich, wie andernorts bereits erwähnt, für die AfD noch deutlich höher - selbst im Osten des Landes (!) - ausfallen, wenn nicht über und hinter jeder AfD-Bekundung drohend das Schwert - bzw. das neumodische und sich blutig bewährt habende "Kantholz" - der linksextremen Gewalttäter schweben würde.

Faßt man nun beide Punkte zusammen - Vernichtung bürgerlicher Existenzen sowie linksextreme Gewalt und Gewaltandrohung - so läßt sich gegenwärtig nur erahnen, wie hoch das Potential einer Partei wie der AfD tatsächlich ist.

Beide Punkte sollten von den parlamentarischen Vertretern der AfD noch viel stärker, deutlicher und öfter benannt und angeprangert werden. Vorläufig könnten die Abgeordneten der AfD in sämtlichen Parlamenten - flächendeckend von den einzelnen Stadträten bis hinein in den Bundestag - ja vorab jeweils ca. 7 Sekunden Redezeit für den letzten Satz ihrer jeweiligen Rede einplanen: "Im übrigen bin ich der Meinung, daß die sogenannte Antifa aufgrund ihrer Gewalttaten unverzüglich zu verbieten ist!"

Gelddrucker

28. Mai 2019 11:10

t.gygax
Einerseits schreiben sie, das Potential läge bei 30%, andererseits schreiben sie den Westen AB.
Wegen der "deutschen Mentalität". Was ist das? In Bayern und Hessen sind die Menschen viel lebendiger als im eher gemächlichen Niedersachsen. Und meinen Sie, diese 30% würden sich auf ewig "unterdrücken" lassen?

Ich würde das Potential ähnlich einschätzen, bei Änderung der Metapolitik, die leider Zeit braucht, noch höher.

Außerdem bin ich nach wie vor der Meinung, und das habe ich hier bereits mehrmals geschrieben, dass die große Mehrheit unseres Volkes lediglich die Gegenwart beurteilt aber nicht weiß, was sie da eigentlich anrichtet. Bitte fragen Sie ihren linken Bekanntenkreis (falls Sie einen haben), wer denn möchte, ob Nichteuropäer die demographische MEhrheit in Europa stellen.

Imagine

28. Mai 2019 11:32

@H. M. Richter + @t.gygax

Wer sich mit der AfD oder den Identitären öffentlich einlässt, wird außerhalb des „rechten Lagers“ zum Paria.

Dazu eine kleine Anekdote. Letztes Jahr haben wir im Auslandsurlaub als Tischnachbarn ein Ehepaar als Deutschland kennengelernt. Freundliche Leute, im Mittelstand etabliert, eher sozialdemokratisch ausgerichtet. Sie fanden es schlimm, dass bei der Bundestagswahl 2017 so viele noch Merkel gewählt haben. Ihnen wäre es auch lieber gewesen, die SPD wäre nicht wieder eine Groko eingegangen. Soweit gab es Konsens.

Als ich meinte, man hätte aus taktischen Gründen doch auch die AfD wählen können und so Merkel abwählen können und dass ich dies getan habe, war es das letzte Mal, dass diese Menschen sich an unseren Tisch gesetzt und mit uns gesprochen haben.

Wobei ich durchaus verstehen kann, dass und warum für einen weltoffenen, politisch kultivierten und prosozial eingestellten Menschen die AfD „no go“ ist.

Fritz

28. Mai 2019 13:43

So ist es halt. Kürzlich sprach mich in der Bahn ein Herr an; er hatte das Bucht, das ich grade las gesehen (Gilles Kepel, Der Bruch. Frankreichs gespaltene Gesellschaft) und fragte mich, was ich davon hielte. Wir kamen dann ins Gespräch und wurden uns unserer gemeinsamen Bedenken wg. Islamisierung bewusst. Hätte er mich nicht angesprochen, wäre das nie zur Sprache gekommen.

Auf einem Treffen mit befreundeten Ehepaaren in einem Restaurant äußerte ich die Auffassung, dass man eigentlich AfD wählen müsste, wenn es da nicht so viele Spinner gäbe. Blankes Entsetzen! Das Thema wurde umgehend fallen gelassen, schließlich wollte man sich unter Freunden nicht streiten.

Unter meinen Kollegen sind viele meiner Meinung, aber das kann man auch nur ansprechen, wenn man zu zweit ist, in größeren Gruppen keine Chance.

Ich denke es gibt mehr Rechte (bzw. Leute, die gewissen rechten Ideen anhängen. ich selber bin eigentlich auch eher ein Linker) als man öffentlich wahrnimmt.

Gotlandfahrer

28. Mai 2019 14:03

Danke für die Daten und Interpretationen.

Aus meiner Sicht bitte nicht zu viele Gedanken darüber machen: Wer sich über Prozentfragen, Medieneinfluss und Wählermobilisierung den Kopf zerbricht, so sehr ich das als Übung schätze, verkennt, dass es bei dem Existenzproblem, dem sich unsere westliche Zivilisation heute gegenübersieht, um eines handelt, das eben nicht mit den Mitteln beherrschbar ist, die es verursacht haben. Wir bewegen uns in der gleichen semantischen Logosphäre wie unsere „Gegner“, wenn wir Proporz beklagen, unfaire Kampagnen und den asymmetrischen Einsatz von Macht und Mitteln herausarbeiten.

Analytik, also auf Aufklärung, Erkenntnistheorie und wissenschaftlichen Diskurs basierendes Argumentierenwollen, ist angesichts der Beschränktheit des heute ausschlaggebenden Mittelmaßes nur ein den Prozess der Selbstauslöschung weitertreibendes, weil im "Kampf" (ich beziehe mich auf unseren BuP...) fehlgehendes, geistiges Reinheitsgebot. Aufgrund der lediglich habituellen und nicht sinngemäßen Nachahmung der Aufklärung muss sie in jedem mediokren Umfeld missverstanden und missbraucht werden. Aufklärung ist nicht bereits in Teildosen heilend, sondern nur vollständig verstanden. Ansonsten unheilstiftend.

Nun gut, es gibt einen Unterschied in den AfD-Wahlergebnissen zwischen Ost und West. Wir haben hier und andernorts viel Kluges dazu gelesen, warum das so ist. Na und?

Wir müssen konstatieren: Überall dort, wo die „Ko-Evolution“ eine Tiefenprägung des Menschen geschaffen hat, die ihn anfällig macht für ein Gefühl der Unzulässigkeit selbstverschuldeter, eigener Überforderung („Du zu Recht aus dem Paradies vertriebener, der Du nicht einfach heulend um Wiedereinlass bettelst, sondern den Anspruch erhebst, aufgrund Deiner Fähigkeiten keinen Herrn mehr dulden zu müssen, wirst zur Rechenschaft gezogen werden für Deine Unfähigkeit nicht selber stets das Richtige erkennen und tun zu können – Du kannst Dich natürlich davon freikaufen, und sei es, indem Du andere zahlen lässt“), jedenfalls überall dort, wo der geniale Geist vereinzelter Größen und Erfinder den Konsumenten und Medienschaffenden zum Fraß geworden ist, überall dort muss der Humanismus in seinem für sich selbst gehaltenen Gegenteil verenden.

Nur die Not macht bereit, die Pose der neunmalklugscheißenden Selbstgefälligkeit aufzugeben. Man höre diesen Sprechapparaten zu, diesen wiederkäuenden Erben und fokussierten Karrieristen, diesen tumben Schändern Europas auf C-Level, diesen zur Multiplikation negativselektierten Taugenichtsen und man ist beruhigt: Sie mögen Grün oder CDU wählen, aber das wird ihnen nichts nützen. Die Not wird kommen, und das ist gut so. Über ein paar Prozente mehr oder weniger ist daran nichts zu ändern.

Was man tun kann, ist, für die Zeit der Not die Zeit nach der Not vorzubereiten und dazu beizutragen, dass zukünftig nie wieder der ein Wort zur großgesellschaftlichen Mitgestaltung erheben darf, der sich nicht über nachgewiesene Kenntnisse des Selbstzweifels qualifiziert hat. Wehrhafte Demut wird das übernächste Leitmotiv sein. Neue kontemplative Ritterlichkeit. Huch… Ritter? Gut.

2019Sachsen

28. Mai 2019 15:45

Erst mal vielen Dank für die Analyse.
Ich freue mich natürlich über das Ergebnis der AfD (vor allem in Sachsen). Aber hier ist noch deutlich Luft nach oben. Zu sehr herrschen immer noch Kleingeist und persönliche Befindlichkeiten Einzelner vor. Das hat man nicht zuletzt bei der Nominierung der Listenkandidaten gesehen. Da war Teilen der Partei regionaler Proporz am Ende wichtiger als Kompetenz, Vorzeigbarkeit und letztlich auch Kampagnefähigkeit der Kandidaten. Da frage ich mich, was eigentlich das Ziel der Kandidatur ist: Zugang zu den Fleischtöpfen und Wellness oder knallharter politischer Kampf mit allen (demokratischen) Mitteln?
Einige KVs sind immer noch sehr schwach aufgestellt und so konnten tatsächlich bei der Kommunalwahl nicht überall ausreichend Kandidaten aufgestellt werden. Hier muss noch viel Arbeit geleistet werden. Aber ich bin da sehr zuversichtlich. Die Wahl sind eine Zäsur in der Entwicklung der Partei. Sie werden neue Gesichter nach vorn bringen, die sich dann entsprechend bewähren können. In den nächsten fünf Jahren wird sich über den Katalysator der Parlamente Regierungsfähigkeit erlangt werden und strukturelle Defizite können überwunden werden.
Leider haben immer noch viele fähige Personen Angst, sich in der Öffentlichkeit zur AfD zu bekennen - hier funktioniert die soziale Hygiene des linksliberalen Meinungskartells immer noch. Mit zunehmenden Wahlerfolgen wird es aber immer schwerer werden, AfDler auszugrenzen. Es sind mittlerweile einfach zu viele.

Niekisch

28. Mai 2019 15:49

Der Kabarettist und Propagandist Wilfried Schmickler bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen: "Weidel, Gauland und Konsorten seien neofaschistisch und unbarmherzig, eine "Scheißpartei, eine richtig unappetitliche Scheißpartei". "Jawoll" schallt es aus dem Publikum." (RZ, 28.5.2019)

Ja, ja der Schmickler….

Imagine

28. Mai 2019 17:37

@Niekisch 28. Mai 2019 15:49
„eine "Scheißpartei, eine richtig unappetitliche Scheißpartei"

Klar, die AfD saugt wie ein Schwamm alles auf, was mit den bestehenden Parteien unzufrieden ist, sich aber parteipolitisch betätigen will oder eine politische Karriere machen will.

Da gibt es Menschen, die kommen von den Systemlinken, wie Guido Reil, der jetzt als EU-Abgeordneter so viel verdient, wie noch nie in seinem Leben zuvor, und nun zur Spitzengruppe der staatlich Alimentierten gehört.

Und auch der rechte Rand – gebildet von Rechtsextremisten und Neo-Nazis – wird aufgesaugt, was die AfD so unappetitlich macht. Dazu kommen noch jede Menge manifest Bekloppte. Die sind allerdings in allen Parteien.

Die AfD saugt „Scheiße“ auf. Das wird von den Massenmedien und staatlich alimentierten Ideologen und Influenzern, angefangen von TV-ModeratorInnen über Comedians und Kabarettisten bis hin zu Wissenschaftlern, genutzt, um in der Öffentlichkeit das Bild einer „Scheißpartei" darzustellen. Natürlich gehören die staatlich oder privat für den „Kampf gegen Rechts“ finanziell unterstützten Vereine, Projekte, NGOs etc. auch dazu.

Diese Schwammfunktion der AfD gegenüber dem rechten Rand hat für die Gesellschaft eine positive Funktion, denn hier wirkt die AfD zugleich wie ein Bindemittel.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bindemittel

Denn die AfD sorgt dafür, dass ihre Mitglieder und Anhängerschaft im legalen Rahmen politisch operieren. Politische Gewalttaten und illegale Waffen, rechter Terror und Morde sind absolut tabu.

So beschränken sich auch die Identitären, welche in Deutschland die AfD und in Austria die FPÖ als ihre Parteien ansehen, auf politischen Aktionismus im Rahmen der Produktion von Internetvideos sowie auf Symbolpolitik auf der Straße. Einige sind besonders aktiv im Lesen antiquarischer Bücher. Im „Infokrieg“ sind die Effekte und Erfolge eher begrenzt.

Lotta Vorbeck

28. Mai 2019 18:17

@Benedikt Kaiser:
"Vielmehr ist bei einigen ein Streben in die Landesmetropolen und „Hauptparlamente“ zu vermerken, das ein Engagement auf vermeintlich subalterner Ebene obsolet erscheinen läßt."

@2019Sachsen - 28. Mai 2019 - 03:45 PM

"... Zu sehr herrschen immer noch Kleingeist und persönliche Befindlichkeiten Einzelner vor. Das hat man nicht zuletzt bei der Nominierung der Listenkandidaten gesehen. Da war Teilen der Partei regionaler Proporz am Ende wichtiger als Kompetenz, Vorzeigbarkeit und letztlich auch Kampagnefähigkeit der Kandidaten. Da frage ich mich, was eigentlich das Ziel der Kandidatur ist: Zugang zu den Fleischtöpfen und Wellness oder knallharter politischer Kampf mit allen (demokratischen) Mitteln? ..."

***********************************

"... Ja. Angst davor, daß sie mich nach Kriegsende erschießen, wegen dieser Uniform. Und ebensoviel Angst davor, daß sie es nicht tun. Ich weiß nicht, ob Du das verstehst. Aber das ist nicht nötig. Nur eins ist nötig: Du mußt begreifen, daß wir eine Generation von Jawohlsagern sind, die sie langsam zu Dünger verarbeiten. Unsere einzige Chance ist es, es zu überstehen. Dann werden wir das Maul aufmachen können. Vielleicht. Aber das ist nicht gewiß ..." ..."

Läßt Harry Thürk in "Die Stunde der toten Augen" auf Seite 312 oben den Fallschirmjäger Zado zu seinem Kameraden Bindig sagen.

Die Kriegslage im Winter 1944 muß an dieser Stelle nicht weiter erörtert werden.

Der die kampferprobte Fallschirmjägereinheit kommandierende Oberst und ein mit jenem Oberst verwandter Leutnant dieser Einheit, brechen zu einem Urlaub in St. Georgen im Schwarzwald auf. Im verschneiten, gut geheizten Schwarzwaldhotel gibt's um diese Zeit neben anderen Annehmlichkeiten sogar noch Zitronen. Der Leutnant vergnügt sich mit einer blonden, langhaarigen Tochter eines Kölner Bankiers (die im Winter 1943 in Begleitung eines Offiziers der Waffen-SS bereits in selbigem Hotel logierte). Während die Großstädte im Reich Tag und Nacht von Bomberflotten heimgesucht und verheert werden, erinnert im nach wie vor perfekten Schwarzwaldidyll lediglich das Holzbein des kriegsversehrten Barmixers an die Realität des Krieges.

Total besoffen, die Bankierstochter neben sich im Bett, repetiert der Leutnant Geschichten vom Töten, die er selbst nur vom Hörensagen kennt, während in Ostpreussen zur gleichen Zeit die bereits durch Wlassow-Soldaten verstärkten Fallschirmjäger seiner Einheit bei einem mißglückten Einsatz im Hinterland des Feindes vollständig aufgerieben werden.

Die AfD-internen Querelen um die von einigen AfD-Abgeordneten unlängst organisierte Konferenz alternativer Medien, auf der man außerhalb des offiziellen Programmes dem wasserstoffblondierten, einstigen Steve-Bannon-Angestellten Milo Yiannopoulos zu Füßen lag, als sei er die Reinkarnation des Messias, sind noch in frischer Erinnerung.

Hagen Grell sprach im Nachgang davon, diese Medienkonferenz "sei immer schön am Thema vorbei in Szene gesetzt worden", nach seinem [Hagen Grells] Gefühl würden die AfD-Granden die AfD-nahe Bloggerszene herablassend als, Zitat Grell, ihre "Fußsoldaten" betrachten.

Die Art & Weise, wie man, gedeckt vom AfD-Bundesvorstand, versuchte Doris von Sayn-Wittgenstein abzuservieren, läßt ebenfalls tief blicken.

Die AfD mag nicht viel zu verteilen haben, aber sie hat inzwischen durchaus etwas zu verteilen. Und es gibt offensichtlich Leute, die zunächst noch am ihnen zugewiesenen Katzentischchen sitzend, vom süßen, auf der Party servierten Gift kosteten und von dessen betörendem Geschmack derart fasziniert sind, daß sie diese Party nun nicht etwa zu beenden trachten, sondern anscheinend geradezu versessen darauf sind, endlich im Kreise derer mitfeiern zu dürfen, die seit Jahrzehnten das Büffet umlagern.

Götz Kubitschek prägte vor geraumer Zeit die Metapher "vom sowieso gefrierenden Wasser".

Ohne eine Patentrezept dafür liefern zu können: Schaftt es die AfD nicht, ihrer sich sachte anbahnenden Verbonzung glaubwürdig Einhalt zu gebieten, wird sie "die letzte evolutionäre Chance zur Rettung Deutschlands" [Björn Höcke] grandios vergeigen.

Laurenz

28. Mai 2019 18:51

@Imagine ... wer eine Partei wählt, die eine Bundestagsvizepräsidentin ins Amt hebt, welche auf Demos den Genozid am Deuten Volk fordert, ist dann was? Da gehöre ich doch lieber zur Minderheit Ihrer Parias.

Hier für alle ein aktuelles RT-Video mit Dr. Adam. Ich bin nicht in jedem Seiner Punkte einer Meinung mit Ihm. Aber interessant ist das Interview trotzdem und paßt meines Erachtens hier ganz gut in die Debatte rein.
https://youtu.be/FZ2Hd105D7o

sven31699

28. Mai 2019 19:17

Zur Ergämzung:

Ich habe im Westen (Niedersachsen und OWL) den Wahlampf der AFD erlebt, oder besser nicht erlebt.

Plakatierung unterirdisch was die Menge und was die Zeit anbelangte.
Das erste Plakat an einem Laternenmast nach 1 Monat. Der gleiche Zeitpunkt und dann auch noch unvollständig an den Plakatstellwänden der Gemeinden.
Seit Gründung der AFD noch nie einen Flyer im Postkasten gehabt. Infostände? keine erlebt und so weiter und so weiter.

Während ich in der Anfangsphase der AFD mir noch gesagt habe: Gut es sind Anfänger, die lernen das noch und wenn erst Erfolge da sind füllen sich auch die Kassen, so kann ich jetzt nur sagen ... Dilletanten

Kein professioneller Wahlkampfleiter
Keine professionellen Plakate (aus bekannten Gründen müssen AFD-Plakate nun mal etwas höher gehängt werden... Zum Ausgleich macht man sie dafür kleiner, damit man als Autofahrer bloß nicht gleich erkennt was da steht)
Chaotisches Europa-Programm (Was ist denn nun die Alternative???)

Und grundsätzlich möchte ich auch mal die Frage stellen:
Wo sind denn überhaupt die ganzen Wahlkreisbüros der Landtags- und Bundestagsabgeordneten???
Ich möchte jetzt hier keine Namen nennen, aber im eigen Haus sporadisch auf dem Papier ein Büro einzurichten ist nicht das was ich erwarte.

Ein Großteil der AFDler im Westen haben überhaupt nicht begriffen was es heißt Politik zu machen... von Wahlkampf ganz zu schweigen, denn da steckt das Wort Kampf drin... für die aber ist einfach nur eine Wahl.

Lotta Vorbeck

28. Mai 2019 19:53

„Junge Alternative“ goes Greta: AfD soll sich zur „menschgemachten Klimaaussage“ bekennen

von PP-Redaktion - 28. Mai 2019

Die JA Berlin verlangt in einem Schreiben an den Vorstand der Partei, dass dieser sich stärker dem Thema Umweltschutz und Klimawandel zuwenden müsse. Zudem sollen Mandats- und Funktionsträger der Partei von der „schwer nachvollziehbaren Aussage“ Abstand nehmen, der Mensch würde das Klima nicht beeinflussen, heißt es in einem Schreiben der JA Berlin.

NUR NOCH „WÄHLERTAUGLICHE POLITIKER“

Von den AfD-Fraktionen in Landtagen, dem Bundestag und dem EU-Parlament müssten zudem konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Klimaschutzes kommen.
Weniger grün-getrieben ein weiterer Kritikpunkt der JA: Die Außendarstellung der AfD. Um die Sympathiewerte zu erhöhen, sollten die Vorstände mittels „Umfragen AfD-Politiker identifizieren, die als besonders wählertauglich einzuordnen“ seien und diese entsprechend aufbauen.
Ebenfalls als wichtig wird von der JA die Einbindung jüngerer Parteimitglieder angesehen. Hierbei schielt die Alternative Jugend ebenfalls zu den Grünen. Dies hatten bei Wählern unter 30 Jahren besonders viel Zuspruch.

KURSKORREKTUR HÄNGE VON MANDATSTRÄGERN AB

Laut der JF habe der Landesvorstand der Berliner AfD bereits angekündigt, über die Vorschläge während einer Vorstandssitzung zu diskutieren. Gerade in Berlin seien die Grünen, die in der Bundeshauptstadt 27 Prozent bei der EU-Wahl eingefahren haben, eine besondere Herausforderung, meint der JA-Landesvorsitzende von Berlin gegenüber der Zeitung. (SB)

Quelle: https://philosophia-perennis.com/2019/05/28/junge-alternative-goes-greta-afd-soll-sich-zur-menschgemachten-klimaaussage-bekennen/

Laurenz

28. Mai 2019 20:01

@sven31699 .... wenn Sie wissen, wie es geht, warum machen Sie es dann nicht?

Freki

28. Mai 2019 20:14

Liebe Leute!
Vielleicht hat sich durch u. a. konsequente rechtspopulistische "Lückenpresse" das Thema NPD und damit markante und überaus fleißige
Arbeit (Voigt im EP) zugunsten der Reputierlichkeit, ja bald ganz erledigt.
Die Nichtbeachtung der bunt-linken, militant antifaschistischen, ansonsten aber gewollt "unsinnigen" DIE Partei halte ich für ignorant.
Sie hat ihr Ergebnis zur EU-Wahl VERDREIFACHT und die Abgeordnetenzahl verdoppelt und steht bei den Erstwählern nach Grünen und CDU an dritter
Stelle.
Ihr Markenzeichen ist der faulste EP-Abgeordnete überhaupt, im Gegensatz zum sogar bei "Ausreissern" der Systempresse, als einer der fleissigsten gewürdigten APF/NPD-Abgeordneten Voigt.
Wahlrecht für geistig behinderte und Minderjährige macht doch bei Wahlen das Leben bunt.
Ich warte jetzt noch auf die AFRSF........
die Antifaschistisch Rot-Schlümpfe Front gg.
blaue Schlümpfe und klimal- & wetterleugnende Heteros....

Asenpriester

28. Mai 2019 21:35

Ergänzung zum Punkt III
...rechte Listen von Schwarzenberg bis Wurzen...
z.B. Wurzen war mal vor 15 Jahren NPD-Hochburg (Leipziger Land), was durch Gelder im Kampf gegen Rechts nach und nach zerstört wurde. Zur letzten Bundestagswahl erreicht die AfD dort über 35 %. Zusätzlich zur jetzigen Kommunalwahl trat rechts zur AfD das neu gegründete NEUE FORUM an, welches gegen Bevölkerungsaustausch agiert und sich gegen die weitere Finanzierung der behördlich angesiedelte Antifa stark macht:
Neues Forum Wurzen : 11 % 3 Sitze
AFD ________________ 15,7 % 4 Sitze (Zusammen wären das fast
27 %) Nicht weit weg, in der Muldenstadt Trebsen, erzielte die NPD nochmals ein Mandat (9,9 %), welches durchgehend seit 2004 besetzt ist (da dort die AfD nicht angetreten ist).
Auch in den links dominierenden Städten, wie z.B. Naunhof, ist die AfD mit nur 15,8 % führend. Zeckenhochburgen wie Markkleeberg sind inzwischen rot entfärbt. Die AfD hat leider in vielen Gemeinden zu wenig Kandidaten aufgestellt, deren Sitze sie nicht besetzen können (Brandis 2 Kandidaten 20,6 %, entspricht aber 5 Sitze). Spitzenreiter zur Gemeindewahl im Leipziger Land, welches nur durchschnittlich liegt, ist die Gemeinde Parthenstein (AfD
23,9 %, NPD 1,6 %)
Eine Betrachtung aus der ländlichen Region unweit des Krebsgeschwüres Leipzig, einer unlebenswerten Stadt.
https://www.wahlen.sachsen.de/Ergebnisse_GR19.php?landkreis=14729&detailed=true&gemeinde=14729340&_ptabs=%7B%22%23tab-sitzverteilung%22%3A1%7D

Venator

28. Mai 2019 22:25

>>Da geht es schon längst nicht mehr um Phänomene wie "soziale Ausgrenzung " etc. Nein, die Existenz wird vernichtet. Es sind in meinem Umfeld weitgehend Rentner ( alte weiße Männer...) , die sich für die AFD engagieren. Andere -vor allem Leute mit Kindern- können das überhaupt nicht, selbst wenn sie wollten.<<

Also muß man auch mal ganz klar konstatieren: Gewalt wirkt und ist äußerst erfolgreich! Linke Gewalt jedenfalls. Das hat ja hier, z.B bei M. Sellner, auch schon mal ganz anders geklungen, nach dem Motto: die rote Gewalt ist nur das letzte Zucken, der untergehenden Linken.
Jetzt ist es aber so, sie beeindruckt die eigenen Sympathisanten, beeinträchtigt den Gegner und verängstigt das potentielle AfD Personal. Der politisch-mediale Komplex, der auch ständig von Neo Nazis und Rechtsextremisten faselt, wie das hier, in der Kommentarspalte, inzwischen ja auch eingezogen ist, wird nicht fair berichten. Die Verfolgungsbehörden werden sich nicht besonders anstrengen, beim ermitteln. Also dafür muß eine Lösung gefunden werden, sonst bleibt die dünne Personaldecke, wo sich auch nicht gerade die Spitzenleute tummeln, so wie heute und die Prozente werden wieder gegen 5% wandern.

Hartwig aus LG8

29. Mai 2019 08:47

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die europäischen Volkswirtschaften, und insbesondere die Deutsche, sturmreif geschossen werden. Vielleicht ist es Steve Bannon zu verdanken, dass Trump wenige Tage vor der EU-Wahl die Verhängung von Zöllen auf europäische Autos noch einmal verschoben hat (um die Munition gegen die Rechte ala „da seht ihr, was passiert, wenn Populisten ans Ruder kommen“ zu entschärfen). Aber über kurz oder lang werden diese Importzölle „fällig“. Nebenbei schiesst Terminator Schwarzenegger gemeinsam mit Greta gegen Volkswagen. Und die Frage, wer Bayer das oberfaule Ei Monsanto ins Nest gelegt hat, interessiert mich brennend. Das Narrenschiff Deutschland dreht voll auf Grün; alle wollen auf den Hype aufspringen, sogar die AfD-Jugend. Nach den mitteldeutschen Landtagswahlen im Herbst wird AKK kaum mehr zu halten sein, jedenfalls wird sich Friedrich Merz als Kanzlerkandidat warmlaufen. Und dann? Während Vizekanzler Habeck den Automobilverkehr in Deutschland stillzulegen beginnt, steht Globalist Merz für die Verfeuerung der freiwerdenden CO2-Kontingente durch anlandende fernöstliche Containerschiffe und Frachtflugzeuge um ein mehrfaches. Unser gouvernantenhafter Bevormundungsstaat wird sinnvoll durch das chinesische „social credit system“ ergänzt. Claudia Roth wird auf ihre alten Tage Ausnahmeregelungen für die moslemischen Kohorten fordern; vergeblich. Die ökonomische und soziale Lage wird so fragil sein, dass die Zügel straff gehalten werden müssen. Und ich werde dann deutlich über 60 sein. Und es wird sich die Frage stellen, ob man genüsslich die eine oder andere Weinflasche leert, … um sie dann mit den restlichen Beständen an Benzin wieder aufzufüllen …

Imagine

29. Mai 2019 11:33

Sellners aktuelles Video befasst sich mit einem Phänomen, dass er als „ethnische Wahl“ bezeichnet. https://www.youtube.com/watch?v=ZH-Q3zu-YYI

Gegenstand ist der Einfluss von wahlberechtigen muslimischen Immigranten auf die Wahlergebnisse.

Logischerweise besitzen die muslimischen Immigranten einen zunehmenden Einfluss bei den Wahlen und mit jeder neuen Wahl wird er stärker. Weil der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe umso größer, je jünger die Alterskohorte ist.

Alle Parteien in der BRD wollen aus diesem Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund Stimmen generieren. Auch die AfD hat Vorzeige-Immigranten.

In der „Wahlanalyse(1)“ habe ich bereits darauf hingewiesen, dass die Migranten die Grünen als jene Partei angesehen, die am besten ihre Interessen vertritt. Deshalb wählen viele muslimische Immigranten mit doppelter Staatsbürgerschaft hier in Deutschland die Grünen, während sie als türkische Staatsbürger zu 80% Erdogan wählen.

Mit anderen Worten: Viele muslimische Türken wählen aus taktischen Gründen eine Partei, welche sie kulturell völlig ablehnen, die jedoch ihrer Bevölkerungsgruppe Vorteile verschafft.

So ein taktisches Wahlverhalten ist für einen Normalwähler äußerst ungewöhnlich, denn er wählt die Partei, mit der er sich am meisten identifiziert.

Das Wahlverhalten der Muslime wird sich – so meine Prognose - in jenem Moment völlig ändern, wenn es in Zukunft eine muslimische Partei geben wird.

Die politischen Strategen im Hintergrund werden das Projekt einer muslimischen Partei jedoch erst dann starten, wenn der muslimische Wähleranteil so groß sein wird, dass sich für eine muslimische Partei die Möglichkeit einer politischen Machtausübung konkret stellt.

Wann wird dies der Fall sein?

Das kann anhand der demographischen Daten ausgerechnet werden.
Wann werden die Immigranten bei den Jungwählern in der BRD die Mehrheit stellen? Mangels Daten sind für mich nur Schätzungen möglich. Zum Beispiel in Offenbach oder in Städten mit ähnlicher Bevölkerungszusammensetzung wird dies schon in ein paar Jahren der Fall sein, spätestens bei der übernächsten Bundestagswahl.

Die jungen, wahlberechtigten Staatsbürger mit Migrationshintergrund nehmen nicht linear zu, sondern exponentiell. Auf der anderen Seite wird in zwei bis drei Jahrzehnten der Großteil der 50+ Älteren weggestorben sein, also jener Bevölkerungsanteil, der der vor 1965 geboren ist und die geburtenstarken Jahrgänge der sogenannten Baby-Boomer bildet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Baby-Boomer#/media/File:Bevoelkerungsentwicklung_deutschland.png

Warum sind die muslimische Türken anders als Otto Normalo in der Lage, taktisch zu wählen?

Weil sie intelligenzmäßig der deutschen Bevölkerung überlegen sind? Weil sie tribalistisch denken und wählen?
Das mag zum Teil eine Rolle spielen, aber ist m.E. nicht der Hauptgrund.
Sondern Muslime wählen das, was der Iman vorgibt.

So wie in Deutschland früher die Katholiken die CDU/CSU wählten, weil dies die Kirche vorgab.
„Katholische Priester auf der Kanzel – das waren die YouTuber der CDU/CSU.“
https://www.nachdenkseiten.de/?p=52137

Die Älteren kennen noch die Zeiten, als die Kirchenbesucher am Sonntag nach dem Gottesdienst von der Kirche mit Bussen abgeholt wurden und zu den Wahllokalen gefahren wurden.

Wenn Sellner das Wahlverhalten von Immigranten als „ethnische Wahl“ deutet, dann ist dies m. E. Ausdruck seiner Wahrnehmungs- und Denkstruktur. Sellner hat biographisch einen Nazi-Hintergrund, den er nicht verschweigt. Er ist entsprechend ideologisch konditioniert worden. Als 17-jähriger Gymnasiast hat er Hakenkreuze an eine Synagoge geklebt.

Diese biographische Konditionierung merkt man Sellner noch heute an. Obwohl er dies negiert, ist für einen kritischen Beobachter deutlich, dass S. noch rassistisch denkt. Daher auch seine Affinität zu Alt-Right.

Tatsächlich ist das Wahlverhalten der Muslime – so meine These – kulturell zu erklären. Es ist das Wahlverhalten von religiösen Menschen, welches zivilisatorisch und nicht genetisch bestimmt ist.
So wie es der Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ausführte. https://www.youtube.com/watch?v=sj2iG3gOolw

Der „Clash of Civilizations“ wird kommen, aber er ist nicht vorrangig ethnisch begründet. Das begreifen die völkischen Rechten aber offensichtlich nicht.

Auch in ethnisch weitgehend homogenen Gesellschaft, wie z.B. in Polen, gibt es diesen „Clash of Civilizations“. Ein weiteres Beispiel ist die Türkei. Da trifft in(!) der türkischen Bevölkerung eine mittelalterliche Kultur auf eine moderne.

Der Kampf zwischen „links“ und „rechts“ ist heute stark geprägt durch unterschiedliche kulturelle Milieus, weniger durch polit-ökonomische Kontroversen, wie dies in der Vergangenheit der Fall war.

Wer wird den Kampf beim „Clash of Civilizations“ gewinnen?

Die muslimischen Retros? Die rassistischen Retros? Die postmodernen Neoliberalen?

So wie es aussieht, wird der Sieger die Plutokratie sein. Also diejenigen, welche die Macht und Herrschaft innehaben.

Die plutokratische Herrschaft wird im Rahmen der fortschreitenden Krise des Kapitalismus – so die These – zu immer totalitärer werdenden gesellschaftlichen Verhältnissen führen. Diese werden sich werden sich regional auf der Ebene des sozio-kulturellen „Überbaus“ unterscheiden. In Polen werden sie katholisch, in der Türkei muslimisch geprägt sein.

Wie wird es im zukünftigen Deutschland aussehen? Auf jeden Fall faschistoider und totalitärer. Viel Überwachung, viel Indoktrination, viel Repression. Eine Dystopie wie Orwells „1984“.

Sorry, ich würde lieber ein „Happy End“ prognostizieren, aber der wissenschaftliche Verstand sagt Nein.

RMH

29. Mai 2019 13:01

"So wie es aussieht, wird der Sieger die Plutokratie sein. Also diejenigen, welche die Macht und Herrschaft innehaben."

Gut, dann bleibt ja alles quasi beim alten und man braucht sich keine Sorgen um eine "Islamisierung" oder einen "Geburten-Jihad" machen.

Und die Mehrheit lebt immer ganz gerne unter der Knute der Plutokratie, solange die Plutokratie dafür sorgt, dass die Knute halbwegs gleichmäßig angewendet wird und es nicht zu viele gibt, die offen erkennbar mit ihren Extra-Würsten herumlaufen können. Sie, die "Mehrheit", bevorzugt - ganz konservativ und ständisch geprägt - übrigens lieber "die da oben" und die "Plutokratie", auf die man dann auch mal schimpfen kann, als selbstgerechte Oberlehrer und Jakobiner, von daher wird es mit einer sozialistischen Gerechtigkeit auf Erden nie etwas werden. Die anthropologischen Konstanten sind nun einmal so und das ist eigentlich auch ganz gut so. Lieber Sklave unter einem Herren, der noch weiß, wie man Herr ist, als vermeintlich Freier, der aber bei jeder Gelegenheit an die Leine gelegt wird. Die "Ent-Täuschung" über jegliche Demokratie und jeglichen Sozialismus tritt doch wie ein naturgesetzlicher Automatismus immer dann ein, wenn die hochtrabenden Verheißungen sich am Ende als noch mehr Arbeit, noch mehr Frohn, noch mehr Unfreiheit herausstellen.
Wenn Sklaverei effizient gewesen wäre, hätte man sie nie abgeschafft (stammt nicht von mir, dieser Satz, kann mich aber an den Urheber gerade nicht erinnern).

Gelddrucker

29. Mai 2019 13:19

In Frankfurt am Main sind aktuell ca. 65% der Wählerschaft noch ethnische Deutsche, was pro Jahr um ca. 3% abnimmt, nimmt man die Werte der letzten Jahre zur Hand.

Bei der 2025er-Wahl wird also das Verhältniss ca. 50:50 betragen. Dass dort auch viele Italiener, Kroaten, Polen dabei sind, die eventuell auch, oder sogar mit höherer Wahrscheinlichkeit AfD-Wähler sind als die nazigestörten Deutschen, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zeit drängt.

In Offenbach kenne ich die Zahlen nicht genau, aber die Aussichten sind dort noch düsterer. Dort wird 2025 der Wählerblock der ethnischen Deutschen sicher bereits Minderheit sein.

KlausD.

29. Mai 2019 14:56

"Uebrigens hab´ ich doch auch heute wieder gesehn, daß alle ernsten Leute, die nach Zuverlässigkeit, Treue, Charakter, meinetwegen auch ein bischen nach Fanatismus und Verbissenheit aussehn, Conservative sind; - das andre ist doch der reine Triebsand, der durch die Strömung, wie sie gerade geht, mal hierhin mal dorthin geworfen wird."
... schrieb Theodor Fontane am 19.11.1861 in einem Brief an seinen Verleger Wilhelm Hertz, nachdem er am selben Tage als Beisitzer und Stimmenzähler an der Urwahl zum Abgeordnetenhaus teilgenommen hatte (woran er diese Leute erkannte ist leider nicht vermerkt).

Tiuri

29. Mai 2019 14:58

Ein weiterer Kritikpunkt bzw. Verbesserungsvorschlag, der leicht zu beheben wäre:
Was denken Sie ist das reichtweitenstärkste Medium der rechten Gegenöffentlichkeit? JF, pi, SiN, Sellners Kanal?
Weit gefehlt, es ist die Facebook Seite der AfD mit rund 560.000 Abonennten. Dieser Resonanzraum bleibt nahezu völlig ungenutzt, die Inhalte sind nahezu ausschließlich die immergleichen Kamellen in einem sprachlich unerträglichen Stil ergänzt um unästhetische Grafiken.
Man könnte stattdessen:
- Artikel rechter Medien verlinken um diese zu popularisieren.
- Jungen Rechten die Fähigkeiten in den Bereichen Grafikdesign, Soziale Medien, Memes usf. haben, gut bezahlte Jobs und eine deutlich größere Reichweite verschaffen.
- Auf Verhaltensänderungen in der eigenen Kernklientel hinwirken, anstatt diesen immer nur affirmative Textschnipsel zu präsentieren.

Was möglich wäre zeigen etwa die Facebook Seiten von Strache und Salvini (3,6 Millionen Abonennten) eindrücklich.

Lotta Vorbeck

29. Mai 2019 15:13

@Hartwig aus LG8 - 29. Mai 2019 - 08:47 AM

"... Und ich werde dann deutlich über 60 sein. Und es wird sich die Frage stellen, ob man genüsslich die eine oder andere Weinflasche leert, … um sie dann mit den restlichen Beständen an Benzin wieder aufzufüllen …"

****************************************************

Das im Baumarkt in Kleinstmengen abgepackt erhältliche ASPEN-Benzin ist lagerfähig.

Mit Ethanol und Palmölerzeugnissen gepanschtes Tankstellenbezin verdirbt binnen weniger Monate, indem es seine Zündfähigkeit verliert.

Auch Diesel von der Tankstelle ist nicht mehr lange lagerfähig. Weil dem Dieselkraftstoff ebenfalls seltsame Zusätze beigemengt sind, auf das er "umweltfreundlicher" werde, befällt gelagerten Dieselkraftstoff nunmehr sogenannter "Dieselkrebs".

Einzig das klassische Heizöl ist momentan (anscheinend) noch langzeitlagerfähig.

Imagine

29. Mai 2019 15:45

Offizielle Zahlen der Stadtverwaltung Offenbach:
„Der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund im Stadtgebiet Offenbach betrug am 31.12.2013 57,1%.
Insgesamt 80,5% aller Offenbacher Kinder unter drei Jahren besaßen am Stichtag 31.12.2012 einen Migrationshintergrund .“
https://www.offenbach.de/medien/bindata/of/integration-und-zuwanderung/10_Jahre_Integrationskonzept_OF_2015_06_10.pdf

Diese Zahlen zeigen die ethnische Zusammensetzung. Davon zu differenzieren ist die politisch-kulturelle. Letztere ist die entscheidende für die Zukunft von Deutschland und Europa.

Daher ist die entscheidende Frage ist, wann die Muslime über so viel Macht verfügen werden, dass sie die Gesetzgebung bestimmen und islamisches Recht zum herrschenden Recht machen können.

Dann ist es aus mit Liberalismus und Multikulturalismus, mit Feminismus und sexueller Freizügigkeit.

Für die plutokratische Herrschaft ist entscheidend die Eigentumsordnung. Die Herrschaft der Vermögenseigentümer wird durch das islamische Recht nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil, die reichen Männer können so frei leben wie im Mittelalter.

Der Islamismus gefährdet daher nicht die plutokratische Herrschaft. Im Gegenteil.

„[Osama] Bin Ladens Vater Muhammad stammte aus dem Jemen. Er stieg in Saudi-Arabien seit den 1950er Jahren mit seinem Familienunternehmen „Saudi Binladin Group“ zum führenden Bauunternehmer und Multimillionär auf, der die wichtigsten Moscheen des Islam renovieren ließ und ein ehrenamtliches Ministeramt erhielt. []
Bin Ladens Mutter Alia Ghanem [..]* 1934) stammt aus einer sunnitischen Familie in Latakia (Syrien) []
Muhammad bin Laden lernte Alia Ghanem 1956 in Latakia auf einer Geschäftsreise kennen, heiratete sie dort und zog mit ihr dann nach Dschidda in Saudi-Arabien, wo er sich 1931 niedergelassen hatte. Sie war damals nach einigen Quellen erst 14, nach anderen über 20 Jahre alt.
Sie war die zehnte von insgesamt mindestens 22 Frauen ihres Mannes, der sich aber von vielen scheiden ließ und gemäß islamischem Recht immer nur vier Ehefrauen gleichzeitig hatte. Sie soll eher eine Konkubine als eine Ehefrau für ihn gewesen sein. Sie soll kosmopolitischer als Muhammads erste drei saudischen wahhabitischen Ehefrauen eingestellt sein, zeigte sich aber dennoch nach saudischem Brauch öffentlich nur mit Hidschab. Der Familienkreis könnte sie als „Sklavenfrau“ bezeichnet haben, wie es in Haushalten polygamer Muslime für die vierte Ehefrau üblich war.
Von bis zu 57 Kindern, die sein Vater gezeugt haben soll, war Osama das siebzehnte Kind und das einzige von Alia Ghanem. Er wurde zwischen März 1957 und Februar 1958 geboren.“ (Wikipedia)

Nun kann man einwenden, dass es sich bei diesem Beispiel um Saudi-Arabien handelt und dass diese Art von islamischem Recht nicht in Europa verwirklicht werden wird.

Das ist zutreffend. Aber ist der Islam in der Türkei, in Nordafrika, in Afghanistan etc. soviel besser? Denn dies sind die Heimatländer der muslimischen Immigranten.

Wer möchte unter den dortigen rechtlichen und kulturellen Verhältnissen leben?

Es wird den „Clash of Civilizations“ geben, denn er ist eine logische Folge der muslimischen Massenimmigration.

Warum stellt sich die europäische Bevölkerung nicht diesem Kulturkampf?

Warum gibt es keine Youtuber mit einer Qualität wie Rezo, die sich mit europäisch-emanzipatorischen Zielsetzungen diesem Kulturkampf stellen?

Es ist doch klar, dass die rechten Retros den Kulturkampf nie gewinnen werden, weil diese Rechten nicht das moderne Europa repräsentieren und daher deren Propaganda nur eine kleine Minderheit der heutigen Jugend erreicht.

Hartwig aus LG8

29. Mai 2019 16:06

@ Lotta

Wir sollten zwar nicht gänzlich ins Absurde abgleiten, aber mit Ihrer Phantasie ist's wohl nicht weit her. Wo schrieb ich denn was von "lagern" ??

Lotta Vorbeck

29. Mai 2019 16:50

@Tiuri - 29. Mai 2019 - 02:58 PM

"... die Facebook Seite der AfD mit rund 560.000 Abonennten. Dieser Resonanzraum bleibt nahezu völlig ungenutzt, die Inhalte sind nahezu ausschließlich die immergleichen Kamellen in einem sprachlich unerträglichen Stil ergänzt um unästhetische Grafiken.
Man könnte stattdessen:
- Artikel rechter Medien verlinken um diese zu popularisieren.
- Jungen Rechten die Fähigkeiten in den Bereichen Grafikdesign, Soziale Medien, Memes usf. haben, gut bezahlte Jobs und eine deutlich größere Reichweite verschaffen.
- Auf Verhaltensänderungen in der eigenen Kernklientel hinwirken, anstatt diesen immer nur affirmative Textschnipsel zu präsentieren.

Was möglich wäre zeigen etwa die Facebook Seiten von Strache und Salvini (3,6 Millionen Abonennten) eindrücklich."

***********************************

Ja, verehrter @Turi, Sie sprechen einen eminent wichtigen Punkt an!

Woran es hapert notierte @Thomas Martini im Nachbarstrang, Eintrag vom 29. Mai 2019, 02:56 PM:

"Das liegt vor allem daran, daß viele Vertreter der AfD für die alte BRD stehen, aber leider nicht für das Alte Europa."

Ein Großteil der AfDisten hat keinerlei Interesse an wirklicher Veränderung.
Die wollen die Party nicht beenden, betteln darum, endlich mitfeiern zu dürfen.
Diese Leute sind absolut lernresistent, wanzen sich immer wieder an die Systemmedien ran, liefern diesen den Strick, mit dem man sie anschließend genüßlich aufknüpft.
Wie zuletzt bei der AfD-Medienkonferenz: Während der Vorbereitungsphase war eigentlich Stillschweigen vereinbart ... eigentlich ... tatsächlich wurde jedes Detail quasi in Echtzeit zu den Systemmedien durchgestochen.

Wenn die eine Fahrkarte für einen Nachtzug lösen könnten, der sie im Schlafwagen dösend in die BRD der 1980er zurückbringt, wären die restlos zufrieden gestellt.
Doch an dem Bahnsteig wo sie glauben nur lange genug ausharren zu müssen, wird nie wieder ein Zug abfahren.

Thomas Martini

29. Mai 2019 17:07

"Es wird den „Clash of Civilizations“ geben, denn er ist eine logische Folge der muslimischen Massenimmigration.

Warum stellt sich die europäische Bevölkerung nicht diesem Kulturkampf?"

So wie es ausschaut, ist die westdeutsche Bevölkerung die einzige, die sich diesem Kulturkampf weitgehend entziehen will. In Italien, Frankreich, von den Visegrád-Staaten ganz zu schweigen, sind die Dinge anders gelagert.

Als Gedächtnisstütze für zukünftige Beiträge: In Ungarn hat der "Retro-Rechte" Orbán mit diesem für sein Land noch gar nichts so bedrohlichen Kulturkampf mal wieder haushoch die Wahl gewonnen. Währendessen wird in der BRD das Ergebnis einer weit von einer Mehrheit entfernten Partei als "großer Sieg" eingeschätzt. Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig wäre; bestätigten solche Beurteilungen doch einmal mehr die Vorbehalte eines Dr. Thor von Waldstein über die politische Reife der BRDlinge.

"Es ist doch klar, dass die rechten Retros den Kulturkampf nie gewinnen werden, weil diese Rechten nicht das moderne Europa repräsentieren und daher deren Propaganda nur eine kleine Minderheit der heutigen Jugend erreicht."

Können Sie mal bitte ein einziges Beispiel nennen, wo ein geschundener und getretener Mann aus dem Volke schwört, an den Machthabern, im Klartext der Hochfinanz und ihren demokratischen Handlangern blutige Rache zu nehmen, wie der Hofnarr Rigoletto?

Unter Selbsthader leidend, heuert er mit Sparafucile sogar einen Bravo, also einen Auftragsmörder an

Wie nennt man so etwas in unseren Zeiten?

Was Männer wie Verdi, Mozart, Rossini, Wagner et al. in ihren Opern vertonten, nennt man in unserer Zeit Haßreden und Terrorismus, man spricht von geistiger Brandstiftung oder gar von Aufwiegelung zur Gewalt, oder zum Rassenhaß und so weiter. In unserem "modernen" [haha!] Europa stehen einem dafür saftige Geld- und Gefängnisstrafen ins Haus.

Wäre es möglich, daß wie im Beispiel Rigoletto, ein 1851 in Venedig uraufgeführtes Stück hundertmal moderner und brisanter ist als der ganze Hollywood- und Spielbergdreck, mit der wir in Deutschland seit Jahrzehnten geflutet werden?

"Warum gibt es keine Youtuber mit einer Qualität wie Rezo, die sich mit europäisch-emanzipatorischen Zielsetzungen diesem Kulturkampf stellen?"

Rezos Qualität besteht in der Adaption eines amerikanischen "Lifestyles", dem unter der Oberfläche jegliche Substanz fehlt. Aus denen Videos, in denen es nicht um Politik geht, sticht die geistige Flachheit dieses Menschen noch schärfer heraus. Rezo ist ein deutsch sprechender Amerikaner. Somit erfüllt er genau die Rolle, die ihm in dieser Weltordnung zugedacht ist. Das ist wie früher bei Afrikanern, die das Verhalten ihrer Kolonialherren nachäfften. Verstehen Sie?

"Es ist doch klar, dass die rechten Retros den Kulturkampf nie gewinnen werden, weil diese Rechten nicht das moderne Europa repräsentieren und daher deren Propaganda nur eine kleine Minderheit der heutigen Jugend erreicht."

Noch eine kleine Gedächtnisstütze: Jordan Bardella, der für den RN in Frankreich den Wahlsieg bei der Europawahl klarmachte, ist sogar noch ein paar Jährchen jünger als Rezo ja lol ey. Gerade bei der jungen Generation ist die Partei der Le Pens traditionell stark.

Das PR-Video von Rezo sprach dagegen auch viele ältere, deutschsprechende Amerikaner an, und erfuhr genau aus diesem Grund so unglaublich viel Aufmerksamkeit.

Auf Europa bezogen, ist die - übrigens entlarvende - Voraussage, daß die "rechten Retros" den "Kulturkampf nie gewinnen" werden, daher eine äußerst pessimistische Prognose.

Niekisch

29. Mai 2019 18:37

"Diese Zahlen zeigen die ethnische Zusammensetzung. Davon zu differenzieren ist die politisch-kulturelle. Letztere ist die entscheidende für die Zukunft von Deutschland und Europa."

@ Imagine 29.5. 15:45: Wieso genau bitte ist die politisch-kulturelle Zusammensetzung die entscheidende Zusammensetzung? Wieso ist sie von der ethnischen zu differenzieren, d.h. wörtlich zu 100% zu differenzieren?

Lotta Vorbeck

29. Mai 2019 21:01

@Hartwig aus LG8 - 29. Mai 2019 - 04:06 PM

"Wir sollten zwar nicht gänzlich ins Absurde abgleiten, aber mit Ihrer Phantasie ist's wohl nicht weit her. Wo schrieb ich denn was von "lagern" ??"

************************************

Lieber @Hartwig,

ja, von "lagern" schrieben Sie tatsächlich nix.

Dachte zunächst, Sie würden sich in den leeren Weinflaschen einen Benzinvorrat für Ihr hauseigenes Notstromaggregat anlegen wollen.

Da Sie auch nix von "Lumpenstreifen" oder "Scheuerlappen" schrieben, wäre es natürlich durchaus denkbar, daß Sie just beabsichtigten, mit dem Benzin aus den Weinflaschen Ihre "Molotov 72" zu betanken.

Molotov 72
http://www.nva-fahrzeuge.de/m72.htm

Imagine

29. Mai 2019 21:55

@Niekisch 29. Mai 2019 18:37
„Wieso genau bitte ist die politisch-kulturelle Zusammensetzung die entscheidende Zusammensetzung? Wieso ist sie von der ethnischen zu differenzieren, d.h. wörtlich zu 100% zu differenzieren?“

Das beantwortet Helmut Schmidt im zitierten Video.

Eine zentrale Säule der Kultur ist das Recht. Wer die europäische Kultur bewahren will, muss das europäische Rechtsverständnis bewahren. Die Verfassung ist das oberste Recht.

Dem Verfassungspatriotismus geht es um die Bewahrung der freiheitlich-demokratischen europäischen Kultur.

Dies verstehen und wollen rassistische Rechte jedoch nicht. Insofern kommen sie als Bündnispartner im Kulturkampf nicht in Frage.

Der Kulturkampf gegen die Islamisierung in Deutschland und Europa kann nur im Bündnis mit jenen Immigranten gewonnen werden, die Anhänger der europäischen Rechtskultur sind, denn alleine können es die indigenen Deutschen nicht schaffen.

Niekisch

30. Mai 2019 17:54

@ Imagine 29.5. 21:55:

Auch Helmut Schmidt erklärt nicht die angebliche Notwendigkeit des Differenzierens zwischen Ethnischem und Kultur/Recht. Sie können auch nicht die Bündnisfähigkeit von "rassistischen Rechten" im Kulturkampf in Abrede stellen, wenn die Ethnie in diesem Zusammenhang von der Kultur geschieden sein soll. Ihre Einordnung des Rechts ist fern jeder Sachkompetenz angesiedelt. Wie kann es einen europäischen Verfassungspatriotismus (Was ist das?) geben, wenn es bis heute keine europäische Verfassung gibt, nur einen Grundrechtskatalog?
Auch Immigranten können aus diesem Grund keine solchen Verfassungspatrioten sein.

Ein Blick ins deutsche und europäische Recht erleichtert die Argumentation.

Atz

31. Mai 2019 00:14

Die wichtigen Termine sind:
1. September Brandenburg, Sachsen Landtag
27. Oktober Thüringen Landtag

Ich fände es wichtig als Strategie und Vorverständnis, dass diejenigen, die nun Mandatsträger in dem einen Bundesland geworden sind, auch den Wahlkampf in den Ländern tatkräftig unterstützen, wo die Wahl ansteht, und alle überregionalen Veranstaltungen in genau diese Länder legen.

Zudem wird ein wenig mehr Gelassenheit im Auftreten erforderlich sein.

Man kann sich sicher sein, dass die anderen Parteien schon etwas planen, was sie aus dem Hut ziehen werden. Und sei es, was aus dem Privatleben.

Das absurde Hypen des Klimawandelthemas in Deutschland ist gerade eine Chiffre für die mediale Mobilmachung gegen die AfD, weil die zum Thema nicht viel zu sagen hat. Dabei braucht es eher einen "politischen Klimawandels", eine Wiederherstellung demokratischen Selbstverständnisses ohne Diskriminierung von rechts.

heinrichbrueck

31. Mai 2019 09:18

„Dem Verfassungspatriotismus geht es um die Bewahrung der freiheitlich-demokratischen europäischen Kultur.“

So langsam wird es wieder witzig. Neulich wurde das GG gefeiert. War irgendwo zu Besuch, die Glotze war an. Gezeigt wurde eine feiernde Schulklasse, Mehrheit Ausländerschüler. Wir mußten beide losprusten.

Imagine

1. Juni 2019 07:46

@Niekisch 30. Mai 2019 17:54
„Auch Helmut Schmidt erklärt nicht die angebliche Notwendigkeit des Differenzierens zwischen Ethnischem und Kultur/Recht.“

Es erscheint als aussichtslos, zu vermitteln, warum diese Differenzierung sinnvoll und notwendig ist. Wie ich schon schrieb, diese Zusammenhänge können offensichtlich "rassistische Rechte" nicht verstehen und sie bemühen sich darum auch nicht.

Nirgendwo schrieb ich, dass eine europäische Verfassung existiert. Es gibt auch keine europäische Staatsbürgerschaft, keine europäische Demokratie, nur ein Fake-Parlament, das kein Parlament ist, weil es über keine Gesetzgebungskompetenz verfügt und auch keine demokratische Legitimität besitzt.

Es gibt für die EU einen Lissabon-Vertrag, den Schachtschneider als eine „Diktatur-Verfassung“ bezeichnet.

Deshalb schrieb ich vom „europäischen Rechtsverständnis“, das Ausdruck einer geistig-kulturellen Verfassung der breiten Mehrheit ist.

Zumindest für West-Europa gehe ich davon aus, dass einen breiten Rechtskonsens bezüglich der individuellen Freiheitsrechte, des bürgerlichen Rechts, der Menschenrechte etc. gibt.

In Ost-Europa – auch in Ostdeutschland – scheint es anders zu sein. Die Mehrzahl der Menschen ist in Diktaturen sozialisiert, welche sich als sozialistische Volksbeglückungsregierung darstellten.

Polen, Ungarn etc. driften in Richtung Faschismus. In Ostdeutschland war die SED-Nachfolgepartei stark. Es scheint, als bestehe dort ein starker Wunsch nach einem autoritären Versorgungsstaat, deshalb wird jetzt vermehrt die AFD gewählt, mit völkischen Populisten an der Spitze, die einen nationalen Sozialismus propagieren.

Herr Niekisch, Sie verstehen Helmut Schmidt nicht, so wie die viele Deutschen die Schweiz nicht verstehen. Weil sie in ihrer sozio-kulturellen Rückständigkeit noch tribalistisch fühlen und denken und dies für „natürlich“ halten.

Vermutlich ist dies auch durch ein Defizit in logischem Denken begründet.

Es gibt multi-ethnische Gesellschaften mit einem mit einem breiten Rechts- und Verfassungskonsens. Ein Beispiel ist die Schweiz, ein Vielvölkerstaat mit unterschiedlichen alltagskulturellen Traditionen und Sprachregionen.

Auf der anderen Seite gibt es Staaten mit ethnischer Homogenität und gleicher Sprache, bei denen es keinen Rechts- und Verfassungskonsens gibt, sondern eine bürgerkriegsähnliche Konstellation hinsichtlich Recht und Kultur. Beispiele sind Polen und die Türkei. Das sind Diktaturen, die in Richtung Faschismus gehen bzw. schon ein faschistisches Stadium erreicht haben.

Logisches Fazit:

1. Ethnische Homogenität ist keine Voraussetzung für einen kulturellen Konsens, sondern kann auch mit kultureller Inkompatibilität einhergehen.

2. Ethnische Heterogenität schließt einen kulturellen Verfassungs- und Rechtskonsens und einen starken Patriotismus nicht aus.

Mein genereller Eindruck ist, dass sich zwar ein „rechtes Lager“ herausgebildet hat, welches jedoch kognitiv konfus und widersprüchlich ist, also keine geistig-kulturelle und politische Einheit bildet.

Wer politisch handeln und Ziele erreichen will, der muss wissen, wer der Hauptfeind ist.

Aber diesbezüglich scheint es überhaupt keinen Konsens bei den Rechten zu geben.

So sind z.B. für Sellner und dessen Anhängerschaft „die Linken“ der Hauptfeind.

Welches ist das Hauptziel der nationalen Rechten?

Aus meiner Sicht scheint der Grundkonsens zu sein, als Hauptziel das Erreichen der nationalen Souveränität von Deutschland anzustreben.

Wie soll die erreicht werden? Offensichtlich durch „Sezession“.

Sezession wovon? Bei rationaler Analyse ist völlig klar: Eine Sezession vom US-NATO-Imperium, wo Deutschland ein Vasallenstaat bzw. eine „Bananenrepublik“ ist. Wovon denn sonst?

Wer verhindert die Sezession? Diejenigen, die das Imperium beherrschen, also die USA.

Werden sie den Versuch einer Sezession gewaltsam und militärisch unterdrücken?

Selbstverständlich. So wie bislang immer in der Geschichte, wie z.B. im Fall von Chile oder Grenada.

Logischerweise sind daher die USA der reale Hauptfeind.

Aber ist dies im Bewusstsein der Rechten? Bei Sellner und seiner Anhängerschaft offensichtlich nicht.

Oben schreibt Thomas Martini (29. Mai 2019 17:07) zu Rezo:
„Rezos Qualität besteht in der Adaption eines amerikanischen "Lifestyles", dem unter der Oberfläche jegliche Substanz fehlt. Aus denen Videos, in denen es nicht um Politik geht, sticht die geistige Flachheit dieses Menschen noch schärfer heraus. Rezo ist ein deutsch sprechender Amerikaner. Somit erfüllt er genau die Rolle, die ihm in dieser Weltordnung zugedacht ist. Das ist wie früher bei Afrikanern, die das Verhalten ihrer Kolonialherren nachäfften. Verstehen Sie?“

Ja, verstehe ich. Und auch, dass ein Sellner völlig „amerikanisiert“ ist. Das ist ein Transatlantiker auf der „Alt-Right“-Linie. Der nicht thematisiert, dass die USA einen Wirtschaftskrieg gegen Deutschland und die EU führen.
Die US-amerikanischen „Alt-Right“-Anhänger sind Parteigänger des US-Imperialismus, für sie gilt „America first“. Sie sehen sich als Herren der Welt.

Die imperialistische Dominanz der USA und den Wirtschaftskrieg gegen die Vasallenstaaten gab es bereits vor Trump. Zum Beispiel schadeten die Sanktionen gegen Iran und Russland vor allem der deutschen Wirtschaft. Jetzt wird diese Politik deutlicher, durch die Politik der Zölle, die Schädigung von deutschen Großunternehmen, die Belastung durch erhöhte Militärausgaben, neue Sanktionen etc. Neu ist vor allem, dass Trump offen ausspricht: „America first!“

Sellner produziert ein Video nach dem anderen und sieht sich als „Info-Krieger“. Wogegen führt er einen Info-Krieg. Gegen den US-Imperialismus? Wird dieser überhaupt bei Sellner zum Thema gemacht?

Nein, bei Sellner vermisst man jeglichen soziologischen und polit-ökonomischen Tiefgang, der über die reale Weltkonstellation aufklärt. Vor allem sehen wir einen monothematische gegen „die Linken“ gerichtete Propaganda und politisch pubertären Aktionismus, der vor politischen Infantilismen wie: „Linke quälen – Strache wählen!“ nicht haltmacht.

Damit disqualifizieren er und seine Anhängerschaft sich als Bündnispartner im System- und Kulturkampf. Ein derartiger Aktionismus ohne klare Analyse, Ziele und Strategie basiert auf politischer Irrationalität.

Ruewald

1. Juni 2019 18:58

Zur psychologischen Erfolgs-Marketingstrategie der Grünen ein interessanter Beitrag vom 30.5. auf der Website Publico von Alexander Wendt.
(habe ich auch im vorigen Strang Wahlanalyse (1) abgesetzt)

https://www.publicomag.com/2019/05/publico-dossier-die-psychologie-des-gruenen-erfolgs/
Die Grünen und ihr organisatorische wie mediales Umfeld bedienen seit etwa einem Jahr dreier Instrumente in Perfektion, während die anderen Parteien die Praxis noch nicht einmal begreifen:
1. Astroturfing (orchestrierte Schein-Graswurzelbewegung),
2. Framing (Bestimmung des Deutungsrahmens, Meinungslenkung durch suggestive Wortwahl) ,
3. gezielte Beeinflussung des Overton Windows.
4. (kann auch als spezielles Framing gesehen werden) Panikmache: Leading the Public into Emergency Mode, The psychological foundation of The Climate Mobilization's strategy and approach By Margaret Klein Salamon: https://www.theclimatemobilization.org/emergency-mode

Niekisch

1. Juni 2019 19:03

@ Imagine 1.6. 7:46: Zwischen uns ist ein wirklicher Diskurs nicht möglich, weil Sie, wenn Sie nicht weiterwissen, bewußt vom Geschriebenen bzw. ganz offensichtlich Gemeinten abweichen, um daran Unterstellungen anzuknüpfen. Im übrigen komme ich gegen Ihr verfassungsrechtliches und europarechtliches Expertenwissen nicht annähernd heran. Wo lehren Sie? Ich komme und geniesse Ihre Vorlesungen.

Ganz nebenbei halte ich selber mich für einen "Linken". Denn ich bin gegen jedes private Eigentum an Grund und Boden, für systemische Änderungen der Wirtschafts- und Finanzordnung, gegen jede Form von Imperialismus und Kolonisierung.

Search4M

2. Juni 2019 08:14

@Imagine, 1. Juni 2019 07:46
"Damit disqualifizieren er und seine Anhängerschaft sich als Bündnispartner im System- und Kulturkampf. Ein derartiger Aktionismus ohne klare Analyse, Ziele und Strategie basiert auf politischer Irrationalität."

Bam! Ohne auf einzelne Punkte des Gesamtkommentars einzugehen, in Summe haut das den Bolzen in den Balken.

Venator

2. Juni 2019 14:07

Polen, Ungarn etc. driften in Richtung Faschismus.

Wahnsinn, was man hier inzwischen für einen Schwachsinn postulieren darf...

Imagine

2. Juni 2019 14:21

Das sog. „rechte Lager“ weist einen Mangel an kollektiver, rational begründeter Identität auf und ist eher eine polit-religöse „Gefühlsgemeinschaft“ mit gemeinsamer Sehnsucht nach „Volksgemeinschaft“.

So gibt es keine gemeinsame Identität hinsichtlich der Bestimmung des Hauptfeinds, der Deutschland beherrscht, unterdrückt und ausbeutet. Es wird ignoriert, dass der Hauptfeind einen Wirtschaftskrieg gegen Deutschland führt. Stattdessen wird der Präsident des Hauptfeindes idealisiert und als Bündnispartner angesehen und potentielle Kooperations- und Bündnispartner, wie Russland und China, werden als Feinde behandelt.

Es gibt keine klaren und konkreten Ziele, weder hinsichtlich der Wirtschafts- und Eigentumsordnung noch hinsichtlich der politischen Organisationsform (Demokratie vs. Diktatur/Faschismus).

So wird häufig nicht klar zwischen Wirtschaftsliberalismus und jenem Liberalismus, der zum Ziel freie Individuen hat, unterschieden. Sondern es gibt „rechts“ einen diffusen Anti-Liberalismus.

Die Identitätsdiffusion und –konfusion findet sich in der gesamten Gesellschaft, also auch links und in der Mitte.

Im gesellschaftlichen „Überbau“ finden die unterschiedlichsten „Kulturkämpfe“ statt:
-Feministen gegen Anti-Feministen
- Schwule gegen Heterosexuelle
- Ökofanatiker gegen Normalkonsumenten
- Veganer vs. Fleischesser
- Muslime gegen Nicht-Muslime
usw. usf.

Hier haben sich Glaubensgesellschaften gebildet als Ausdruck von gesamtgesellschaftlicher Irrationalität in kapitalistischen Gesellschaften.

Die großen Fragen, wie Wirtschaftssystem, Eigentumsordnung, politische Organisationsform etc. bleiben häufig ausgeklammert, weil von großen Teilen die Gesellschaftsordnung völlig enthistorisiert als unveränderbar angesehen wird, also als Quasi-Natur. Rechte und Linke sind sich diesbezüglich ähnlicher, als sie glauben.

Divide et impera!

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