13. Juli 2019

Netzfundstücke (18) – Podcast, Wir selbst, Gespräch

Jonas Schick / 10 Kommentare

Qualitative, in die Tiefe gehende konservative, rechte Podcasts gibt es wenige.

Um so erfreulicher ist es, daß der vom Jungverleger Philip Stein 2016 ins Leben gerufene Podcast „Von rechts gelesen“ seinen „Sendebetrieb“ wieder aufgenommen hat und regelmäßig neue Folgen veröffentlichen wird. Den Auftakt zur „Neuauflage“ machte Sendung Nr. 6 „Die Reformation der politischen Rechten“, in der Stein seinen Vortrag „5 Thesen zur Reformation der politischen Rechten“ vom Jungeuropa-Forum 2018 vertonte. Dieser Redebeitrag soll „die erste Diskussionsgrundlage für die intellektuelle, programmatische und strategische Neuausrichtung der (jungen) »Neuen Rechten« bilden“.

Nun ist die neuste Aufnahme im (Ton-)Kasten: diesmal im Zwiegespräch mit Sezession-Redakteur Benedikt Kaiser – es sind sogar 90 Minuten geworden. Themen sind: die Soziale Frage, die Aktualität von Klassenpolitik, Marx von Rechts, Zukunftsvisionen. die zweifelhafte Martin Renner-Umfrage in der AfD-Bundestagsfraktion und das Spannungsverhältnis „Ost-West AfD“:

„Von rechts gelesen – Revolutionäre Realpolitik, »Soziale Frage« und ein bisschen AfD – Im Gespräch mit Benedikt Kaiser

In gedruckten Lettern findet man die angesprochenen Themen in Kaisers beiden kaplaken „Blick nach links oder: Die konformistische Rebellion“ und „Querfront“, die beide beim größten konservativen Versandbuchandel, Antaios, bestellt werden können.

Das „Podcasten“ war zuallererst ein englisches respektive US-amerikanisches Phänomen und so verwundert es nicht, daß dieses Radioformat sich speziell bei der Rechten in der Anglosphäre reger Beliebtheit erfreut. Hervorzuheben ist hier der Podcast des Arktos Verlags „Interregnum“.

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Mit ein Anliegen dieser Beitragsserie ist es, Aspekte konservativen Denkens wieder hervorzuholen oder besser zurück ins Gedächtnis zu rufen, die heute als verschüttet gelten können oder nur noch in verkümmerter Weise im rechten Diskurs vorkommen. Mancher Streit wurde schon längst klärend geführt und manch „neue“ Theoriegenese ist ein alter Hut, der schon längst durchdacht und ausformuliert wurde.

Viele derartiger Aspekte finden sich in der von Siegfried Bublies gegründeten Zeitschrift wir selbst: eine Publikation der damals noch jungen „Neuen Rechten“, die es verstand, Themen kontrovers anzupacken und dabei eine explizit ökologische Ausrichtung verfolgte. Eminent wichtige Autoren wie Henning Eichberg, Günter Maschke und Gerd-Klaus Kaltenbrunner publizierten in dem nationalrevolutionären Organ. Hier läßt sich Substanzielles und Grundlegendes finden, wo heute programmatische Leerstellen klaffen.

Glücklicherweise sind alle Ausgabe im Netz archiviert und hier frei verfügbar. Außerdem noch interessant im Kontext "wir selbst": das Interview (hier archiviert), das die Sezession mit Friedrich Baunack – langjähriger Autor für wir selbst und treibende Kraft hinter dem Nachfolgemagazin Volkslust – 2013 in der Ausgabe Nr. 52 geführt hat.

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Indessen zieht Dr. Alice Weidels Gastvortrag auf der kommenden Sommerakademie des IfS in Schnellroda vom 20-22. September (Programm und Anmeldeformular gibt es hier: Anmeldungen sind auch noch möglich – 13 Plätze sind noch frei, zugreifen!) weiter seine Kreise.

So kam es zum erneuten Interview (das erste kann man hier nachlesen) zwischen dem für Tichys Einblick schreibenden Publizisten Alexander Wallasch und Götz Kubitschek. Einer der Dreh- und Angelpunkte des Gesprächs stellte ebenjener anberaumte Vortrag von Frau Weidel dar. Auf die Frage von Wallasch, ob der Auftritt der Co-Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion eine Solidaritätserklärung sei, antwortete Kubitschek unaufgeregt:

Das ist keine Solidaritätserklärung, sondern das Ergebnis der Professionalität einer Frau, die Verantwortung für eine Partei übernommen hat. Da sie erkannte, welche Bedeutung unsere Arbeit für das Vorfeld und für Teile ihrer Partei hat, suchte sie das Gespräch. Und es kam, wie es fast immer kommt: Im persönlichen Austausch löst sich das schlechte Bild, das die Berichterstattung des Mainstreams von jedem von uns zeichnete, in Luft auf. (…)

Das ganze Interview gibt es hier zu lesen.

Der Abschluß des Interviews soll auch hier den Schlußpfiff markieren:

Alexander Wallasch: Noch einmal: Warum sollte sich die AfD nicht einfach von Höcke trennen?
Götz Kubitschek: Warum hacken Sie sich nicht ein Bein ab?



Kommentare (10)

W. Wagner
13. Juli 2019 20:16

Wunderbar - das Interview! Ich bedauere wirklich, dass manche auch das nicht verstehen werden.

Andreas Walter
13. Juli 2019 20:46

Weder der Herr Höcke noch die 108 sind die zwei Beine der AfD.

Die AfD sind die über 33.000 Mitglieder dieser Partei und mehrere Millionen Wähler aber auch Sympathisanten auf der ganzen Welt.

Wir stehen daher auf mindestens 12 Millionen Beinen allein in Deutschland.

Laurenz
14. Juli 2019 03:46

@Herrn Schick ..... also ich muß schon sagen, "Marx von rechts" ist ein ziemlich geiler, und vor allem kostengünstiger Werbe-Slogan, auch wenn Marx für den Allerwertesten ist, aber das brauchen wir ja keinem zu sagen.
Ich hatte das Interview Herrn Wallaschs mit Herrn Kubitschek bereits bei Tichys gelesen, was meine Prognose, wann denn Tichys wieder über das Thema aus Herrn Kubitscheks letztem Artikel berichten wird, leicht früher eintreten ließ :-) halt schon einen Tag später....quasi.

Die letzte Antwort Herrn Kubitscheks war wortgewaltig und schlagend. Eine coolere Gegenfrage hat es wohl nie, oder wenn, nur selten gegeben. Das tut dem stilvollen Zynismus unseres guten Alexanders mal ganz gut

@Andreas Walter ... wenn Sie den letzten Artikel Herrn Kubitscheks, das Wallasch-Interview gelesen -, oder sich die Rede Herrn Höckes auf dem Kyffhäuser angehört hätten, wüßten Sie, daß das genau der Punkt ist. Herr Höcke besitzt 2 Ihrer 12 Mio. Beine. Und wenn ich das korrekt verstanden haben, wollen weder Herr Höcke, noch Herr Kubitschek auch nur ein einziges Ihrer 12 Mio. Beine abhacken. Das ist die Essenz der letzten Antwort für Herrn Wallasch. Was Herr Höcke in Seiner Rede den Beinabhackern angeboten hatte, ist, sich selbst ein Bein abzuhacken. Auf einem Bein zu stehen, prädestiniert hervorragend für die Mitgliedschaft in der Lindner-Partei.

Der Rechte
14. Juli 2019 08:31

@Andreas Walter: Björn Höcke ist ein Bein der AfD. Gelingt es den Cuckservatives, sich Höcke zu entledigen, dann war es das mit der AfD. Viele Mitglieder, wie auch ich selbst, verlassen dann die AfD. Und wir sind die Aktivisten. Plakate aufhängen - das übernehmen dann bezahlte Plakateaufhänger - wie bei den Kartellparteien. Und dieser Weg ist dann für die AfD vorgezeichnet: ab in den wohligen Schoß der Kartellparteien.

Lotta Vorbeck
14. Juli 2019 10:44

@Andreas Walter - 13. Juli 2019 - 08:46 AM

Freudig erregt schauen wir dem Tag entgegen, an dem die "über 33.000 Mitglieder dieser Partei und mehrere Millionen Wähler aber auch Sympathisanten auf der ganzen Welt," auf "mindestens 12 Millionen Beinen allein in Deutschland stehend", dafür sorgen, daß das am Reichstagsgebäude verewigte "Dem deutschen Volke" das Motto der in diesem Gebäude gemachten Politik sein wird.

Gramci99
14. Juli 2019 21:44

Werden die restlichen Folgen zu dem Vertrag „5 Thesen zur Reformation der politischen Rechten“ im JungEuropa-Verlag-Podcast demnächst erscheinen?

Niekisch
15. Juli 2019 12:24

"Wir selbst" - Ausgaben liegen bei mir verstaubt im Keller. Ich habe noch mal durchgeblättert: fast alles Heutige ist schon dagewesen und wird manchmal so behandelt, als sei es nie denkbar, sichtbar, sagbar gewesen. Die Begriffsbildung schließt Türen zu: "Neue Rechte, Alte Rechte"....was soll das? Es gibt Deutschland liebende Menschen vieler Schattierungen. Genügt das nicht?

Niekisch
15. Juli 2019 14:52

https://www.deutschlandfunkkultur.de/soziologin-cornelia-koppetsch-wer-waehlt-afd-und-warum.990.de.html?dram:article_id=453189

Das müßte für die Netzfundstücke brauchbar sein.

Atz
16. Juli 2019 08:40

@Niekisch Diese Fundstelle ist Gold. Erst ausgrenzen vom Diskurs, dann mit Soziologengeschwurbel abwertend zu "Verlierern" stempeln. Auf andere Weise aber einen Kult um die Unterprivilegierten und Ausgegrenzten zu machen. Cornelia Koppetsch liefert dem DLF mal wieder genau, was die hören wollen.

Der entthronte Patriarch: "Wir haben enttäuschte Familienernährer, die ...die sich in ihren Leitbildern des Familienernährers und den selbstverständlichen Erwartungen an die Privilegien, die daraus erwachsen, enttäuscht sehen"

Göttlich! Vor allem weil im Osten beide ja früher, vor 30+ Jahren, gearbeitet haben.

Der "humanistisch Gelehrte, die im Zuge der Bologna-Reform nicht mehr zum Zuge kommen" wird bemüht um Unterstützung von Akademikern zu erklären, die sich nicht einschüchtern lassen. Als sei der Karriereweg vor Bologna durchlässiger gewesen.

"Dabei bilden sich [durch Merkelgäste] verschiedene Parallelkulturen heraus – könnte man fast sagen-, die für die Kosmopoliten kein Problem sind, wohl aber für andere gesellschaftliche Gruppen, die sich in ihrer einstigen kulturellen Hegemonie zurück gesetzt fühlen."

Tja, diese blöden Opfer, die sich Verdrängung ihrer Kultur nicht gefallen lassen wollen. Dabei ist die Kulturverdrängung ja bekanntlich ein Naturgesetz und Auftrag eines demokratischen Gemeinwesens. Das eigene Volk verdrängen und fremde Kulturen zuführen, bekanntlich politischer Auftrag des Grundgesetzes. Steht zwar noch nicht "Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, die zu uns wollen," in der Präambel aber wir praktizieren das schon mal. Dumm für die, welche die Zeiten der Zeit einfach nicht erkennen wollen.

Fredy
16. Juli 2019 23:03

@Der Rechte

Brauchen Sie unbedingt einen Führer? Sie können alles selbst: Denken, Reden, Machen. Und wenn das jeder tut muss niemand irgendjemand folgen, der es auch nicht besser weiß, aber schlicht behauptet.

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