13. August 2019

Sezession 91 – Heft und Video

Benedikt Kaiser / 6 Kommentare

Nach der fast vergriffenen Sachsen-Ausgabe (Heft 90, Juni 2019) folgt nun mit Nummer 91 ein offenes Heft mit interessanten Themenfeldern.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

+ Das Editorial von Götz Kubitschek eröffnet die Augustausgabe mit einer Betrachtung zu Peter Sloterdijk und seinen klugen Ausführungen in der Neuen Zürcher Zeitung über das »zynische Bewußtsein zu Beginn des 21. Jahrhunderts«.

Anhand jener Gedanken über die Lüge und den Zynismus in der Politik unserer Tage wird überraschend deutlich, was wir unter jenem Riß verstehen, von dem wir meinen, daß er noch breiter werden müsse – nicht zuletzt den zahllosen Sekundär- und Tertiärdenkern ist dieser Text zur Lektüre anempfohlen, weil es weniger Gegenstände gibt, die von ihnen falscher verstanden werden als die Riß-Metapher Kubitscheks.

+ Ellen Kositza widmet sich der Musikband Rammstein, deren provokatives Gehabe zu Umsatzrekorden führt. Warum Kositza nun "Fan" der Gruppe ist, sollte man ihrer gewohnt süffisanten "Bild und Text"-Kolumne entnehmen.

+ Ich selbst bin mit einem Autorenporträt zu Antoine de Saint-Exupéry vertreten. Das ritterliche Leben Saint-Exupérys vor Augen geführt, erscheint der Autor des Weltbestsellers Der kleine Prinz nicht nur als Schöpfer ebendieses intelligenten und geistreichen Kinderbuches, sondern ebenso als Denker der Kameradschaft, der Kühnheit, der Treue, der gegenseitigen Solidarität und der freien, starken Persönlichkeit.

+ Kubitschek folgt im Anschluß: "In Klausur" kann als Appetitmacher auf Nummer 91 hier abgerufen werden.

+ Gemäß Émile Durkheim kommt es in Gesellschaften, in denen Dynamiken der Unordnung einbrechen, zu jäh steigenden Selbstmordraten, sei es Unordnung aufgrund von Prosperität oder von Niedergang (Ausnahme: Krieg). Unser Autor Michael Kehlberg beleuchtet daher den Suizid als den unzugänglichsten Akt des Menschen.

+ Es ist Kositza vorbehalten, in ihrem sehr informativen, sehr persönlichen, sehr erhellenden Beitrag "Wir ’89er" einen Rückblick auf eine Zeit voller Hoffnung und ohne Partei darzulegen. Von Dieter Stein bis Manuel Ochsenreiter – in der Nachwendezeit gab es eine kleine lebendige Szene konservativer Publizisten, die mutig auf Risiko setzten, als es noch keine sichernden Futtertröge gab.

+ Identitätspolitik ist in der westlichen Welt zu einem maßgeblichen Hebel innerhalb der Machtverhältnisse geworden. Das beleuchtet Seyed Alireza Mousavi anhand einer fruchtbringenden Carl Schmitt-Lektüre.

+ Siegfried Gerlich führt anschließend zwei bedeutsame politische Stränge zusammen: Einerseits analysiert er – mit Depenheuer und Vosgerau – die "Herrschaft des Unrechts" von 2015ff., andererseits bringt er die Karlsruher Ebene mit ein, die Thor v. Waldstein sezierte.

+ Ein tiefgründiger Beitrag folgt aus der Feder Caroline Sommerfelds. Die europäische Aufklärungsüberlegenheit, so die Philosophin, operiere gegenwärtig mit drei Begriffen, die sie am Angelpunkt des Dreiecks aufhängen will, um zu retten, was zu retten sein soll: a) Laizismus, b) Zentrismus und c) "Demokratie" als Lösungen der Aporie des "religiösen Bürgerkriegs". Wohin die Reise geht – Sommerfeld gibt mit Iwan Iljin und Ernst Jünger Andeutungen.

+ Der Terminus der Künstlichen Intelligenz (KI) ist in Medien, Wirtschaft und Politik zum Dauerthema geworden. Mit der immer rascher voranschreitenden Entwicklung von Technologien, die in der Lage sind, "intelligente" Leistungen zu vollbringen, die bislang dem Menschen vorbehalten waren, scheint sich die Realisierung eines alten Menschheitstraumes abzuzeichnen. Michael Wiesberg zeigt, wie nah Traum und Alptraum zusammenhängen.

+ Historisch wird es im Beitrag von Stefan Scheil. Der Experte für den Ersten und Zweiten Weltkrieg nimmt sich 80 Jahre nach dem 1. September 1939 die damalige Lage in und um Polen vor. Er kann hierbei auf seine wegweisende Arbeit Polen 1939 aufbauen.

+ Der große Gelehrte des Konservatismus, Gerd-Klaus Kaltenbrunner, wird dann in Form seines Thesenbeitrages wieder lebendig. Der Artikel steht unter folgender Maxime:

Ich glaube, daß heute und in absehbarer Zukunft eine konservative Erneuerung not tut, und daß eine Kultur, ein Staat oder sonst ein großes Gemeinwesen um so fortschrittlicher (im Sinne von: reicher an Offenheit, an Vielfalt, an Chancen, an Erkenntnis-, Orientierungs- und Korrekturmöglichkeiten) sind, je mehr konservative Elemente sie aufweisen, sofern sie auch die großen Errungenschaften des durch Antike und Christentum in Gang gesetzten okzidentalen Emanzipationsprozesses zu sichern verstehen.

+ Beiträge über Stauffenberg und Rolf-Peter Sieferles Meilensteine runden ein thematisch vielfältige Ausgabe 91 ab, die darüber hinaus über einen gewohnt stattlichen Besprechungsteil verfügt. Hervorzuhebende Titel sind Virginia, Zwei Jahre Nacht und Ernst Jüngers Gespräche im Weltstaat.

+ Über die Mehrzahl der Beiträge und über einige weitere Themen unterhalte ich mich in unserem mittlerweile bewährten Format der Video-Heftpräsentation mit Chefredakteur Götz Kubitschek.

Abschließend unsere Empfehlungen:

1. Kaufen Sie das Heft 91 als Einzelausgabe hier.

2. Für die ganze Vielfalt des rechtsintellektuellen Blicks auf die Wirklichkeit empfiehlt sich natürlich das Abonnement der Sezession. 6 x im Jahr 72 Seiten, 6 x Grundlagen, Debatten, Rezensionen. 6 x ein einmaliges Typenprojekt!

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Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (6)

Der_Juergen
13. August 2019 13:06

Wie schon die vorige Ausgabe von "Sezession" ist auch die neue ganz hervorragend. Lauter bemerkenswerte Beiträge; Abstriche nehme ich nur bei dem Artikel von Siegfried Gerlich vor, der unverständlicherweise mit Mythen wie dem vom "NSU" hausiert und der Politcorrectness noch andere Konzessionen macht. Aber solche Schwächen fallen neben dem vielen Positiven kaum ins Gewicht. Also Dank und Gratulation an die Autoren!

RMH
13. August 2019 13:20

Das Heft wird neben anderen, noch nicht gelesenen Ausgaben, Teil meiner Urlaubslektüre werden - freu mich schon darauf (also auf die Lektüre, nicht nur auf den Urlaub).

Brettenbacher
13. August 2019 23:07

@RMH
"... neben anderen, noch nicht gelesenen Ausgaben" -.
Mein lieber Herr Gesangverein! Da können wir nur hoffen, daß der Bademeister im Urlaub ist.

Ruewald
16. August 2019 19:01

Auf den Beitrag zu Antoine de Saint-Exupéry bin ich gespannt: Erfinder, Abenteurer, Flugpionier, Dichter mit philosophischer und menschlicher Tiefe – unübertroffen, wie er die Erfahrung der Wüste in poetische Prosa gefaßt hat.

Ruewald
16. August 2019 19:04

Zum Beitrag über das existenziell zutiefst bewegende Thema Suizid:
Das beste und philosophisch gründlichste mir bekannte Buch ist von dem Philosophen Héctor Wittwer: "Selbsttötung als philosophisches Problem. Über die Rationalität und Moralität des Suizids", Paderborn (Mentis), 2003, (419 S.) – Wittwer führt durch die Philosophiegeschichte von der Antike bis in die Gegenwart am Leitfaden des Suizidthemas und nimmt die wichtigsten Argumentionsstränge mit analytischer Schärfe unter die Lupe.

Friedhelm Decher hat in "Die Signatur der Freiheit. Ethik des Suizids in der abendländischen Philosophie" (1999) ein ganzes Kapitel Durkheim gewidmet (S, 147-157). Bemerkenswert ist, daß Durkheim den Suizid aus moralischen Gründen als "Attentat auf die Person" ablehnt, wobei er "Person" als den letztgültigen Wert in den modernen Gesellschaften ansieht.

Das Wort "Selbstmord" ist aus folgenden Gründen begrifflich abzulehnen – das Verbrechen "Mord" auch auf die Selbsttötung auszudehnen, dieser semantiche Trick geht auf Augustinus zurück.

These: Selbstmord ist Mord. Mord ist ein Verbrechen. Folglich ist Selbstmord ein Verbrechen und verboten.
Widerlegungen:
1. Es handelt sich um einen definitorischen Zirkelschluß, petitio principii. Wenn "Mord" bereits in die Definition in "Selbstmord" hineingenommen wird, dann wird bereits vorausgesetzt, was erst zu beweisen wäre.
2. Mord ist gekennzeichnet als eine Gewalttat, die aus bösen Motiven (Habgier, Rache, etc.) heimtückisch gegen den Willen des Opfers verübt wird. Schließt man Geisteskrankheit aus, dann ist es der Wille des Suizidenten und offen in vollem Bewußtsein, sein Leben zu beenden.

MARCEL
18. August 2019 17:02

Autor Marcel Kehlberg hätte noch etwas mehr auf den Suizid als Protestform im kommunistischen Osten eingehen müssen, z. B. Selbstverbrennungen von Jan Palach, Oskar Brüsewitz oder von Ryszard Siwiec in Warschau.

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