Notizen zur Wahl in Brandenburg

Die Sachsenwahl ist in den Medien präsenter als die in Brandenburg, obwohl AfD-Spitzenkandidat Kalbitz im Zentrum medialer Attacken stand.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Auch zu Bran­den­burg zunächst die har­ten Fak­ten zum 1. Sep­tem­ber 2019:

Die SPD gewann mit 26,2 Pro­zent Zweit­stim­men (Ver­gleichs­zahl 2014: 31,9), die AfD folgt mit 23,5 (12,2) vor der CDU mit 15,6 Pro­zent (23,0). Die auch zwi­schen Ucker­mark und Lau­sitz auf den Boden der Tat­sa­chen zurück­ge­hol­ten Grü­nen (mehr dazu hier) lan­den dem vor­läu­fi­gen End­ergeb­nis zufol­ge bei 10,8 Pro­zent­punk­ten (6,2), wäh­rend die Links­par­tei auf 10,7 abstürzt (18,6). Die Bran­den­bur­ger Ver­ei­nig­ten Bürgerbewegungen/Freie Wäh­ler (BVB/FW) gelang­ten mit 5,0 hauch­dünn über die Fünf­pro­zent­hür­de, wäh­rend die FDP mit 4,1 Pro­zent der Stim­men an ihr scheiterte.

In den Wahl­krei­sen setz­te sich bei den Direkt­kan­di­da­ten 25 von 44 mal die SPD durch, vor allem im Wes­ten Bran­den­burgs, die AfD gewann 15 Krei­se vor allem im Osten und Süden des Lan­des, die CDU zwei, BVB/FW und Grü­ne je einen.

In Man­da­ten aus­ge­drückt ver­tei­len sich die 88 Plät­ze im Pots­da­mer Land­tag auf 25 Sozi­al­de­mo­kra­ten (2014: 30), 23 Alter­na­ti­ve (11), 15 Christ­de­mo­kra­ten (21), 10 Grü­ne (6) und 10 Lin­ke (17) sowie 5 Man­dats­trä­ger von BVB/FW (3).

Ergeb­nis­se ande­rer Rechts­par­tei­en sind nicht zu ver­mel­den. In Bran­den­burg trat kei­ne ein­zi­ge wei­te­re an. Die Frei­en Wäh­ler ste­hen dort zudem im inhalt­li­chen Umfeld der SPD, und gel­ten nicht, wie in Sach­sen oder Bay­ern, als libe­ral­kon­ser­va­ti­ves Adden­dum der Uni­on. Die ein­zi­ge nen­nens­wer­te sons­ti­ge For­ma­ti­on ist die Tier­schutz­par­tei, die immer­hin 2,6 Pro­zent der Stim­men errei­chen konnte.

Die Wahl­be­tei­li­gung lag bei 61,3 Pro­zent (2014: 47,9), also deut­lich unter der säch­si­schen. Aber wie im Nach­bar­land war die AfD pri­mä­rer Demo­kra­tie­mo­tor. 115.000 der 2014er Nicht­wäh­ler, und das ist für ein ein­woh­ner­schwa­ches Flä­chen­land eine stol­ze Zahl, optier­ten blau, die SPD folgt mit ledig­lich 65.000 erreich­ten Wahl­ver­wei­ge­rern, CDU, Grü­ne und Co. sind unter fer­ner lie­fen zu ver­bu­chen, wobei her­vor­zu­he­ben wäre, daß der rela­ti­ve Wahl­er­folg der Grü­nen vor allem auch dank »Zuge­zo­ge­ner« kon­kret wur­de; 23,3 Pro­zent aller von 2014–2019 nach Bran­den­burg zuge­zo­ge­ner Men­schen wähl­ten Grün, der Löwen­an­teil von ihnen dürf­te aus der Haupt­stadt ins Bran­den­bur­gi­sche aus­ge­wi­chen sein, also raus aus dem Schla­mas­sel in den lebens­wer­ten Speckgürtel.

Die AfD gewann unter­des­sen ins­ge­samt 177.000 Stim­men dazu, den größ­ten Anteil der Neu­al­ter­na­ti­ven stell­ten dem­zu­fol­ge ein­mal mehr die Nicht­wäh­ler. Von Rot-Rot-Grün hol­te man 25.000 Stim­men, von der CDU 28.000. Wäh­rend das Maxi­mum an Flieh­kräf­ten der Kar­tell­par­tei­en damit fürs ers­te erreicht wor­den sein dürf­te, bleibt für die AfD ein gewal­ti­ges Poten­ti­al an Nicht­wäh­lern übrig: 38,7 Pro­zent der Wahl­be­rech­tig­ten, und das sind über 800.000 Men­schen, gin­gen auch dies­mal nicht zur Wahl.

Wie in Sach­sen ist dies ist das ent­schei­den­de Reser­voir von man­nig­fal­tig Unzu­frie­de­nen, fun­da­men­tal Ent­täusch­ten und poli­tisch Abge­wand­ten für die AfD, das es ab sofort Tag für Tag, bis zum nächs­ten Wahl­gang und dar­über hin­aus, zu errei­chen gilt. Der Fokus der Bemü­hun­gen ist folg­lich nicht auf den Kern hart­ge­sot­te­ner Kar­tell­par­tei­en-Über­zeu­gungs-Wäh­ler zu richten.

In bezug auf die sozia­le Her­kunft der AfD-Wäh­ler wird unter­des­sen ein­mal mehr deut­lich, daß die Par­tei ein­deu­tig die füh­ren­de Ver­tre­te­rin der pre­kä­ren Klas­sen sowie der unte­ren Mit­tel­schicht ist. Arbei­ter bei­spiels­wei­se haben mit 35 Pro­zent für die AfD gestimmt (Sach­sen: 35) und auch bei Selb­stän­di­gen wur­de man mit 24 Pro­zent stärks­te Kraft (Sach­sen: 30); den Lan­des­schnitt der Alter­na­ti­ve hin­ge­gen senk­ten deut­lich – wie in Sach­sen – Rent­ner und Beamte.

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Die SPD ver­liert also auch in Bran­den­burg die Wand­lun­gen unter­lie­gen­de Arbei­ter­klas­se, aber darf sich, trotz Ver­lus­ten, als Wahl­sie­ger füh­len. Sie pro­fi­tier­te ein­deu­tig vom Amts­in­ha­ber­bo­nus des Minis­ter­prä­si­den­ten Diet­mar Woid­ke, der trotz eini­ger Skan­da­le als nüch­ter­ner, unauf­ge­reg­ter und lan­des­weit bekann­ter Poli­ti­ker gilt und wohl auch daher sei­nen Wahl­kreis knapp gewin­nen konn­te. Woid­ke, das zeig­ten kri­ti­sche Recher­chen, ist dabei kein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Lan­des­va­ter; er för­dert direkt extrem lin­ke Strukturen.

Kon­kret heißt es im (noch) rot-rot geführ­ten Bran­den­burg, daß über die »Anti­ras­sis­mus-Novel­le« jeder Teil des staat­li­chen »Bünd­nis­ses gegen rechts« wer­den kann, unge­ach­tet des­sen, ob die Part­ner expli­zit links­ex­trem sind oder nicht. Die ent­spre­chen­de Ana­ly­se soll­te man selbst gele­sen haben; es wird nicht mal mehr der Ver­such der Ver­schleie­rung der Anti­fa-För­de­rung unternommen.

Ohne­hin, der Kampf gegen rechts, Woid­kes Ste­cken­pferd. Bei der AfD ver­gaß er sich ein ums ande­re mal. Deren Spit­zen­kan­di­dat Andre­as Kal­bitz griff er in Zusam­men­spiel mit den Medi­en des Estab­lish­ments fron­tal an. Es ist in die­sem Kon­text aller­dings erstaun­lich, wie wir­kungs­los die orches­trier­ten Sala­mi-Tak­tik-Ent­hül­lun­gen über Kal­bitz’ poli­ti­sche Vita ver­puff­ten. 2019 ist nicht 2009 oder 2014.

Bei der Euro­pa­wahl im Mai des Jah­res wur­de die AfD im übri­gen stärks­te Kraft mit 19,9 Pro­zent der Stim­men; dies­mal erreich­te sie fast 4 Pro­zent­punk­te mehr. Das lag an einem enga­gier­ten Wahl­kampf in einem tra­di­tio­nell roten bis dun­kel­ro­ten Bun­des­land, das mit dem Pots­da­mer Bio­na­de­bür­ger­tum sogar grü­ne Fle­cken bekam. 23,5 Pro­zent für die AfD sind in Bran­den­burg objek­tiv schwie­ri­ger zu erzie­len als 27,5 Pro­zent in Sach­sen; das muß man sich zum bes­se­ren Ver­ständ­nis vergegenwärtigen.

Die Grü­nen konn­ten in Pots­dam und dem Ber­li­ner Speck­gür­tel zule­gen, ansons­ten blei­ben sie aber, wie in Sach­sen, auf dem fla­chen Land eine Split­ter­par­tei. Ingo Senf­t­le­ben von der CDU, der pro­fil­lo­se mär­ki­sche Mer­kel-Ver­tre­ter, führ­te sei­ne Par­tei zu Ver­lus­ten von acht Pro­zent­punk­ten; 15 Pro­zent für die Uni­on sind eine regel­rech­te Schmach, wenn man bedenkt, daß Senf­t­le­ben vom Minis­ter­prä­si­den­ten­amt raunte.

Er selbst gewann sei­nen Wahl­kreis nur, weil die AfD dort an inter­nen Kon­flik­ten schei­ter­te – feh­len­de Unter­schrif­ten für die Wahl des Kan­di­da­ten im Kreis­ver­band sorg­ten für die Til­gung der Blau­en vom Wahl­zet­tel. Senf­t­le­ben dank­te und zog ohne nen­nens­wer­ten Geg­ner ein. Die Nach­bar­wahl­krei­se gin­gen der­weil (bis auf einen roten) an die AfD.

Und auch die Links­par­tei kann in ihrem Regie­rungs­land Bran­den­burg nicht mehr reüs­sie­ren. Selbst mit den Grü­nen zusam­men­ge­rech­net bleibt man schwä­cher als die AfD; und das hat, ähn­lich wie bei den Genos­sen in Sach­sen, sowohl demo­gra­phi­sche als auch inhalt­li­che Grün­de: Vie­le älte­re SED-sozia­li­sier­te Sym­pa­thi­san­ten verster­ben, vie­le mit­tel­al­te PDS-sozia­li­sier­te Sym­pa­thi­san­ten kön­nen nichts mit dem Anti-Wagen­knecht-Kurs anfan­gen, vie­le jün­ge­re poten­ti­el­le Sym­pa­thi­san­ten ent­schei­den sich dann doch lie­ber für die ver­meint­lich hip­pe grü­ne Vari­an­te einer Linkspartei.

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Die Regie­rungs­be­tei­li­gung wird, ver­gleich­bar mit Sach­sen, weni­ger bun­des­weit bearg­wöhn­te Dis­kus­sio­nen aus­lö­sen. Der Land­tag kon­sti­tu­iert sich Ende Sep­tem­ber, dann sind drei Mona­te Zeit gege­ben, eine trag­fä­hi­ge Koali­ti­on auf­zu­stel­len. Die SPD kann sich ein Drei­er­bünd­nis aus­su­chen: ent­we­der mit CDU und Grü­nen (Kenia) oder mit Lin­ken und Grü­nen (R2G).

R2G hat nur eine Stim­me Mehr­heit, wäre also latent insta­bil. Kenia ver­fügt unter­des­sen über eine kom­for­ta­ble 6‑Sit­ze-Mehr­heit. Die für Uni­ons­ver­hält­nis­se rela­tiv kon­ser­va­ti­ve Saskia Lud­wig, die in ihrem Wahl­kreis kra­chend schei­ter­te, rebel­liert aber gegen CDU-Lan­des­chef Senf­t­le­ben und die Wahl zum Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den wur­de wohl auch aus die­sem Grund verschoben.

Wenn man davon aus­geht, daß etwa ein Drit­tel der neu­en CDU-Frak­ti­on Wer­te­Uni­on- bzw. Lud­wig-nahe ist, und sich damit kri­tisch zur Annä­he­rung an Sozi­al­de­mo­kra­ten und Grü­ne posi­tio­niert, wären das fünf bis sechs Sit­ze – und die Mehr­heit für Kenia sähe sich wie­der bedroht. Die AfD wird im neu­en Land­tag – so oder so – Oppo­si­ti­ons­füh­re­rin und dürf­te bei­den Vari­an­ten forsch entgegentreten.

Das kann man des­halb so selbst­si­cher ver­kün­den, weil die Bran­den­bur­ger AfD – neben Kal­bitz und ande­ren – auch Chris­toph Berndt in ihren Rei­hen hat. Der Cott­bu­ser Wahl­sie­ger des süd­bran­den­bur­gi­schen Ver­eins Zukunft Hei­mat e.V. (samt »Wohn­zim­mer« der Bür­ger­be­we­gun­gen namens »Müh­le«) ist das Mus­ter­bei­spiel eines »orga­ni­schen Poli­ti­kers«. Er hat das pro­duk­ti­ve und unver­zicht­ba­re Zusam­men­spiel des arbeits­tei­li­gen »Mosa­iks« in sei­ner gan­zen Trag­wei­te begrif­fen und ver­fügt über ein poli­tik­theo­re­ti­sches Grund­ge­rüst, das für einen Par­la­men­ta­ri­er in heu­ti­gen Zei­ten sel­ten gewor­den ist.

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Die AfD wird künf­tig vom Rücken­wind einer wach­sen­den und eini­ger­ma­ßen ent­schlos­se­nen Wäh­ler­schaft getra­gen. Bene­dict Neef führt in der NZZ vom 3. Sep­tem­ber eine Umfra­ge an, wonach 99 Pro­zent der AfD-Wäh­ler in Bran­den­burg über­zeugt sind, daß ihre Par­tei das aus­spricht, was für ande­re Par­tei­en tabu erscheint. 50 Pro­zent der Wäh­ler der ande­ren Par­tei­en tei­len die­se Ansicht im übri­gen; eine respek­ta­ble Zahl.

Für den Deutsch­land­kor­re­spon­den­ten Neef, der die AfD in sei­ner Bericht­erstat­tung seit län­ge­rem über­durch­schnitt­lich kri­tisch kom­men­tiert und in der NZZ vom 5. Sep­tem­ber gar eine gan­ze Sei­te für Kal­bitz-Bashing opfert, ist die­se Tabu­bre­cher­funk­ti­on »Schlüs­sel zum Erfolg« der AfD. Wür­de man sei­tens SPD und CDU, so mut­maßt Neef wei­ter, den Men­schen das Gefühl zurück­ge­ben, daß sie selbst Pro­ble­me unver­hoh­len anspre­chen, wäre dies ein Schritt »zu ihrer Bekämpfung«.

Die AfD kann dem gelas­sen ent­ge­gen­se­hen. Einer­seits ist nicht davon aus­zu­ge­hen, daß die eins­ti­gen Volks­par­tei­en ihre bis­he­ri­ge inte­gra­le – ideel­le wie struk­tu­rel­le – Blo­cka­de­po­li­tik auf­ge­ben wer­den, und ande­rer­seits wäre eine Öff­nung eben­je­ner Poli­tik ein Erfolg für die AfD – man hät­te bewie­sen, daß man als ver­meint­li­che klei­ne Par­tei die »Gro­ßen« beein­flus­sen und vor sich her trei­ben kann. So oder so: eine Situa­ti­on, die hof­fen läßt.

– – –

NZZ-Chef­re­dak­teur Eric Gujer sieht die Din­ge der­weil kla­rer, über­ge­ord­ne­ter. Am 31. August schrieb er in sei­nem Leitartikel:

Die Reak­ti­on der Ost­deut­schen auf so viel Igno­ranz ist antrai­niert. Die Dik­ta­tur erzwang Schi­zo­phre­nie im Den­ken und Reden: Was man öffent­lich sag­te, stimm­te nicht mit den pri­va­ten Äus­se­run­gen über­ein. Man schuf sich sei­nen Schutz­raum in der Fami­lie und mit Freun­den. Heu­te gilt Mei­nungs­frei­heit; jeder kann im Rah­men der Geset­ze sagen, was er will. Die Bun­des­re­pu­blik lässt sich nicht mit der DDR ver­glei­chen. Aller­dings fin­det die Mei­nungs­frei­heit unter den Bedin­gun­gen eines als über­mäch­tig emp­fun­de­nen west­deut­schen Dis­kur­ses statt. Das bringt wie­der man­chen zum Verstummen.

Weil die­ser »west­deut­sche Dis­kurs« ein grü­ner und hyper­mo­ra­li­scher ist, und »west­deutsch« hier eher als Chif­fre für bei­des und nicht ledig­lich als geo­gra­phi­sche Stand­ort­be­schrei­bung zu gel­ten hat, bleibt die AfD das Ven­til die­ser Verstummten.

Als Par­tei der Unzu­frie­de­nen, Abge­wand­ten, Zum-Schwei­gen-Gebrach­ten ist sie daher die pri­mä­re Pro­test­par­tei des Vol­kes, und muß nun, in Bran­den­burg und anders­wo, die­sen popu­la­ren Ver­trau­ens­vor­schuß in über­zeu­gen­de und bin­den­de Inhal­te transferieren.

Ansons­ten droht die Gefahr, daß die Wahr­neh­mung der AfD durch vie­le Men­schen als grund­sätz­li­che, authen­ti­sche und muti­ge Oppo­si­ti­on eines Tages so abhan­den­kommt wie der all­mäh­lich ver­bli­che­ne Ost­nim­bus einer libe­ra­lis­tisch und kos­mo­po­li­tisch depra­vier­ten Linkspartei.

Die AfD hin­ge­gen hat anders als die dar­ben­de Lin­ke – und wie­der­um: in Bran­den­burg und anders­wo – das Poten­ti­al, nicht nur Par­tei des Ostens, nicht nur Par­tei einer bestimm­ten Schicht oder Klas­se zu sein, son­dern jene oppo­si­tio­nel­le Kraft, die tat­säch­li­che und ver­meint­li­che Gegen­sät­ze ver­eint und aus­ba­lan­ciert: West und Ost, »links« und »rechts«, oben und unten, Stadt und Land – Soli­da­ri­tät und Identität.

Das ist die vor­erst abschlie­ßend Posi­tiv­no­tiz zum Wahl­tag des 1. Sep­tem­ber. Am 27. Okto­ber wird dann in Thü­rin­gen gewählt; der wich­ti­ge Wahl­kampf – es geht zunächst um 20 Pro­zent plus x für die AfD und um ein ver­dien­tes Ende von Rot-Rot-Grün – hat bereits begon­nen.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

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Kommentare (14)

Niekisch

6. September 2019 10:23

"bleibt die AfD das Ventil dieser Verstummten."

Perfekt wäre es, brächte die AfD nicht selber hin und wieder und in inzwischen erklecklicher Zahl gute Leute zum Verstummen...

Laurenz

6. September 2019 12:04

Ja, sieht gut aus.

@Herrn Kaiser .... existiert nicht auch die Option R2GF ? Das würde dem Hilfs-Mielke Woidke doch ermöglichen, die Merkelisten auf Nummer sicher auszubooten. Das wäre auch günstiger für uns.

@Niekisch ..... Wenn Sie Sich auf die letzten Artikel Herrn Kubitscheks zurückbesinnen, forderte Dieser dazu auf, der Klugheit zu frönen.

Die Michels sind ängstlich und sagen nicht mehr Ihre Meinung und das quer durch die ehemalige Parteien-Landschaft, die es ja so gar nicht mehr gibt, wenn man Frau Schwan glauben darf. Es gibt ja nur noch AfD- und nicht-AfD-Wähler. Die Angst des Michels verstärkt sich noch dadurch, daß gute Leute unklug ihre Meinung äußern.

Der Unterschied zwischen der DDR und der heutigen BRD ist kleiner als Herr Kaiser es noch wohlwollend darstellte. Und auch in der DDR wußte jeder genau, was sagbar war und was nicht. Die Spaltung der Gesellschaft ist im Grunde auch nicht links und rechts, sondern, wie (in der DDR und) in vielen anderen europäischen Staaten auch, zwischen oben und unten, materiell und ideologisch. Rechts befinden sich nur Diejenigen, die Verantwortung für alle empfinden. Und wir schreiben hier doch genau deswegen, um auszuloten, was sagbar ist (Wessels). Die Wahlen haben auch nicht dazu geführt, daß die Gegen-AfD-Koalition sich selbst besinnt. Nein, sie agitiert noch mehr im Panik-Modus, der existentielle Druck pfeift noch lauter durchs Ventil. Und wie man sieht, steht auch die Führung der Parteien SED/Die Linke vor dem Dilemma, sich selbst austauschen zu müssen, was, zum Glück, nicht passieren wird. Das wird die SED/Die Linke weiter in die Bedeutungslosigkeit führen. Bei der SPD ist ein Austausch der Führung schon bedeutungslos. An diesem Phänomen der Gegen-AfD-Koalition sich mit selbst zertörender, veröffentlichter Partei-Politik immer kleiner zu machen, erkennen Sie, Niekisch, mutmaßlich genau das, was Herr Kubitschek mit klug (oder diametral, unklug) meinte. Im Grunde brauchen wir doch nur mit einem guten alternativen Angebot zu warten, bis die Nationale Einheitsfront das nun vereinte Deutschland vollends wieder in die Kloake reitet.

Niekisch

7. September 2019 13:34

@ Laurenz: Haben Sie meine Aussage verstanden? Oder mißverstehe ich Sie? Ich will sagen, die AfD kann nur Ventil der "Verstummten" sein, wenn sie selber damit aufhört, Leute in ihren eigenen Reihen zum Verstummen zu bringen, z.B. Frau v. Sayn-Wittgenstein.

Laurenz

8. September 2019 03:12

@Niekisch ..... Ich habe nichts persönlich gegen Fürstin von Sayn-Wittgenstein, weil ich Sie persönlich auch nicht kenne.´Ich habe bisher nur Reden gehört. Aber mal ganz im Ernst, werter Niekisch, so einfach, mir nichts Dir nichts, wird niemand gefeuert.
Natürlich brauchen wir einerseits die Provokation um mediale Aufmerksamkeit zu erhalten, anderseits muß jemand den Rahmen der sagbaren Provokation festlegen. Das kann nicht einfach jeder selbst bestimmen, vor allem dann nicht, wenn er ein Parteiamt innehat. Jeder von uns persönlich kann gerne immer eine von der Partei abweichende Meinung kundtun, solange er dies kenntlich macht und diese im Rahmen des Rechts der BRD verbleibt. Daß hier unterschiedliche Maßstäbe gelten, ist doch nur menschlich. Das war noch nie anders. Wir sind hier weder auf einem Kindergeburtstag noch beim Sonntags-Wunschkonzert. Hier geht es immer um alles über den eigenen Tod hinaus.

Wo wir beide grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sind, ist nicht irgendeine historische Deutung. Wir beide können uns liebend gerne historische Fakten hier um die Ohren schlagen, solange die SiN -Redaktion dies als zweckdienlich ansieht. Aber, mit Verlaub, erstens, wie viel % unseres Volkes interessiert das? Zweitens warum wollen Sie bei der justiziablen Deutungshoheit unserer politischen Gegner Recht bekommen und behalten? Wie viele Wähler wählen uns wegen einer solchen historischen Debatte, wie viele Wähler wählen uns deswegen nicht?
Sie können dann eine alternative Geschichtsschreibung veröffentlichen, wenn Sie die Deutungs-Hoheit innehaben. Aber wie wollen Sie die erhalten, wenn Sie nicht an der Regierung sind, die öffentlich-rechtlichen Medien bestimmen und das Bundes-Kartell-Amt hoheitlich anweisen können, private staatsfeindliche Medien-Konzerne zu zerschlagen?

Jetzt sollten wir vordergründig dafür sorgen, daß wir die seltenen Medienauftritte nutzen, um unsere politischen Gegner ins verbale Messer laufen zu lassen um deren Themen zerlegen. Und wenn wir die Historie bemühen, dann doch lieber die Historie unserer politischen Gegner, denn diese ist bis jetzt nicht als verfassungsfeindlich verfolgt, aber angreifbar bis zum Anschlag.

Ihre Themen, werter Niekisch, machen uns, verstehen Sie, "uns" (heißt nicht "die anderen"), immer angreifbar. Sie haben es doch uns doch selbst von Ihrem Schicksal oft genug erzählt. Aber Sie scheinen daraus eben auch die falschen Schlüsse gezogen zu haben. Sie haben es bei meinen Beiträgen doch oft genug gelesen, was macht es für einen Sinn im Schützengraben zu liegen, und der gegnerischen Artillerie-Beobachtung mit einer Flagge zuzuwinken? Diese Frage haben mir bisher weder Sie noch sonstwer beantwortet. Das hat fast masochistische Züge. Mancher von Ihresgleichen tut hier so, als hätte man erst nach 15 Jahren Gulag-Haft das Recht, hier seine Meinung kund zu tun.
Lassen Sie doch lieber die gegenüberliegenden Gegner winken. Und das tun die Vollpfosten doch auch permanent.
Während der letzten Wochen wurden von der SiN-Redaktion relativ viele Artikel rausgehauen, eben weil das Thema "Wahlen" elementar, ja existenziell ist. Die Artikel waren bis ins letzte Detail sehr durchdacht, und was die Linke dazu schrieb, bleibt doch, wie immer, nur der Versuch der persönlichen Diskreditierung, nichts Sachliches, weil es sachlich dagegen auch nicht wirklich etwas zu sagen/schreiben gibt.
Ich mutmaße, daß ich die Artikel der Herren Kaiser, Bosselmann, Kubitschek, Kleine-Hartlage und Schick weitestgehend verstanden habe und ich bin erschrocken darüber, wie viele hervorragend gebildete, intelligente Mitforisten die Essenz dieser Artikel nicht verstanden zu haben scheinen und weiterhin in Ihrer kleinen Welt des Verschmäht-, Verkannt- oder Nicht-Gehuldigt-Seins verbleiben wollen....

Nochmal, werter Niekisch, hier geht es nicht um uns und unsere Befindlichkeiten. Es geht, wie Herr Kaiser es klar definiert hat, um die Befindlichkeiten unserer potenziellen Wähler.

Was gibt es daran nicht zu begreifen? Ich bin nicht in der Lage, einen Goethe oder Schiller auferstehen zu lassen, damit einer von beiden eine große Zahl von SiN-Foristen aus ihrer Diamant-hart-schichtigen Blase holt.

Ich bin gerne bereit, mich mit Ihnen darüber telefonisch auseinanderzusetzen. Wenn Sie das wünschen, schreiben Sie der Redaktion.

Niekisch

8. September 2019 18:08

"Es geht, wie Herr Kaiser es klar definiert hat, um die Befindlichkeiten unserer potenziellen Wähler."

@ Laurenz 8.9. 12:04: Nun ja, werter Laurenz, ich bin halt bisher davon ausgegangen, daß SiN metapolitisch arbeitet, also auf a l l e n Gebieten avantgardistisch vorgeht.

Laurenz

8. September 2019 23:45

@Niekisch .... also der Antaios-Verlag bietet jetzt wirklich für jeden, den das interessiert, genügend Material an. Und was nutzt die Metapolitik, wenn sie real keine Ergebnisse zeigt? Leser, die sich einen theoretischen Unterbau zulegen wollen, um für die Debatte Unterstützung zu suchen, müssen auch verstehen, was damit gemeint ist. Wenn Sie in einen Lesezirkel eintreten wollen, hält Sie niemand davon ab. Her Kaiser hat hier eine Wahl-Analyse zur Wahl in Brandburg hingelegt, die nicht von Pappe ist. Ich empfinde Ihre Antwort als ziemlich schwach.

Atz

9. September 2019 08:21

Wenn sich ein derart exponierter Spitzenkandidat zur Wahl stellt, ist allerdings etwas Neues. Jetzt wurde nach der Wahl die Kartell-Propaganda noch ein wenig mehr aufgedreht. Der magische Ort wird nach der Wahl Thüringen sein und dort gegen den erfolgreichen Kümmerkurs der herrschenden Linken zu bestehen. Alles was jetzt passiert preist den Wahlkampf Thüringen nicht ein. Wir werden sehen, was gegen den dortigen Spitzenkandidat noch in der Schublade liegt. Das Wahlprogramm ist jedenfalls exzellent.

Wennn man sich überlegt welche Hetztiraden der Ministerpräsident einst gegen den Bundespräsidenten Gauck rausgehauen hat. War ja selbst vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Antifa will sowieso den Verfassungsschutz abschaffen, seine Fleischtöpfe für "Demokratiearbeit" ausgeben und für die Zerschlagung von Kampfsportclubs eintreten.

https://soundcloud.com/aufstehen-gegen-rassismus/sets/agr-aktivenkonferenz-erfurt

Thomas Martini

9. September 2019 09:49

@Laurenz

"Die Rettung des weißen Europa erfordert es, die von den Siegern 1945 errichteten Mythen umzustürzen; denn diese Mythen paralysieren unsere Völker, indem sie den Antirassismus aufzwingen." - Vincent Reynouard

Laurenz

10. September 2019 13:12

@Thomas Martini .... Die von Ihnen benannten Mythen relativieren sich für einen Ungläubigen rein an den Fakten. Aber es gibt eben so wenige Ungläubige. Ich weise auch Sie, Thomas Martini, darauf hin, daß es keinen Sinn macht, gegen eine Übermacht propagandistisch anstinken zu wollen. 70 Jahre diesbezüglicher Mißerfolg und inhaftierte Dissidenten sollten auch Ihre Augen öffnen. Es bleibt auch Ihnen nicht erspart, sich an die Regeln zu halten und Wahlen zu gewinnen. Ohne Weisungsbefugnis an die Staatsgewalt ändert sich gar nichts. Mir fallen auch keine Worte mehr ein, wie ich Ihre nicht vorhandene Logik beschreiben soll. Ich bin kein Dichter. Lesen Sie einfach die Artikel von Herrn Kubitschek. Da steht alles drin, was zu tun ist. Aber seien Sie Sich gewiß, niemand schreibt Helden-Epen für Idioten.

Niekisch

10. September 2019 17:11

"Ich empfinde Ihre Antwort als ziemlich schwach."

@ Laurenz 8.9. 23:45: Macht nichts, werter Laurenz.

@ Thomas Martini 9.9. 9:49: Sehr gut! Damit fühle ich mich auch gegenüber Laurenz bestätigt. A l l e Mythen müssen gestürzt werden, wollen wir Europäer atmen können. Wahlen sind nur ein - wenn auch wichtiger- Teilaspekt.

Thomas Martini

10. September 2019 18:42

An Laurenz:

"Die von Ihnen benannten Mythen relativieren sich für einen Ungläubigen rein an den Fakten."

Heiße ich Vincent Reynouard?

ZITAT "Aber es gibt eben so wenige Ungläubige." ZITATENDE

Den unverbildeten, uninformierten Michel, bekommt man in wenigen Minuten von einer Revision überzeugt. Die hängen nicht, wie hier manch einer, an der Feindpropaganda. So zumindest meine Erfahrung in der Praxis.

ZITAT "Ich weise auch Sie, Thomas Martini, darauf hin, daß es keinen Sinn macht, gegen eine Übermacht propagandistisch anstinken zu wollen." ZITATENDE

Danke für den Hinweis. Reynouard wird es sicher dennoch weiter versuchen.

ZITAT "70 Jahre diesbezüglicher Mißerfolg und inhaftierte Dissidenten sollten auch Ihre Augen öffnen." ZITATENDE

Warum spricht es für einen "Mißerfolg", wenn sich eine Obrigkeit nur noch durch Verhaften und Wegsperren von Gedankenverbrechern zu helfen weiß? Den Blick nach Frankreich richten: Die Erfolge des Revisionismus' überwiegen die Mißerfolge bei weitem!

ZITAT "Es bleibt auch Ihnen nicht erspart, sich an die Regeln zu halten und Wahlen zu gewinnen." ZITATENDE

Der Schlachtruf des wahren Helden.

ZITAT "Mir fallen auch keine Worte mehr ein, wie ich Ihre nicht vorhandene Logik beschreiben soll." ZITATENDE

Dafür fällt mir folgendes ein: Wir hätten heute noch Papst und Kaiser als höchste und nicht zu hinterfragende Instanz, wären die Linken so integre, vorschriftsversessene Saubermänner gewesen, wie die heutigen "Rechten" in der BRD.

Die DDR bestünde vielleicht nach wie vor, hätte man sich Anno 1989 nur auf Geduld, Geduld und nochmals Geduld verlassen.

Im Grunde würden wir immer noch im feudalen Absolutismus leben, wenn man sich immer nur "an die Regeln" gehalten hätte.

ZITAT "Lesen Sie einfach die Artikel von Herrn Kubitschek. Da steht alles drin, was zu tun ist." ZITATENDE

Herr Kubitschek wirkt, sicherlich nicht ohne einen gewissen Stolz, mittlerweile als "ausgleichender Faktor zwischen den National-Neoliberalen und Leuten wie Höcke". Gut, und es steht mir gar nicht an, das zu bewerten. Aber was soll ich damit anfangen? Wieviele ausgleichende Faktoren zwischen diesen Lagern braucht es denn?

ZITAT "Aber seien Sie Sich gewiß, niemand schreibt Helden-Epen für Idioten." ZITATENDE

Meinen Sie "Idioten" wie Thomas Müntzer, Theodor Körner, Jeanne d'Arc oder Martin Luther King?

Thomas Martini

10. September 2019 19:48

Von Generalmajor a. D. Gerd Schultze-Rhonhof erhielt ich heute eine "Erinnerung an das, was vor und beim deutschen Angriff auf Polen vor 80 Jahren tatsächlich geschah". Na sowas!

Gut möglich, daß Meister Laurenz "Idioten" wie ihn meint? 🤔

Laurenz

11. September 2019 01:00

@Thomas Martini .... Herr General-Major a.D. Schultze-Rhonhof hatte für Seine Bücher sehr aufwendig recherchiert. Durch Seine Quellen-Nachweise ist er nicht wirklich angreifbar. Er vermeidet ja auch Aussagen wider eine göttliche Offensichtlichkeit im Grundgesetz.
Ordentliche Geschichtsschreibung ist für ungläubige Menschen das richtige. Wenn Sie, Thomas Martini, heute anfangen über 10 Jahre jeden Tag 2 Menschen vom Glauben abfallen zu lassen, haben Sie in gut 7.000 ins Ketzertum verfrachtet. Wie viele Michels erreicht das Spieglein mit seinen historischen Schund-Artikeln?

Laurenz

11. September 2019 01:02

@Niekisch ... Sie und Thomas Martini lesen aktuell außerordentlich schlecht. Ich vertrete keine andere Meinung als Sie auch. Nur in der Reihenfolge des politischen Handelns liegen sie 70 Jahre daneben, und ich leider richtig.

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