6. September 2019

Notizen zur Wahl in Brandenburg

Benedikt Kaiser / 14 Kommentare

Die Sachsenwahl ist in den Medien präsenter als die in Brandenburg, obwohl AfD-Spitzenkandidat Kalbitz im Zentrum medialer Attacken stand.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Auch zu Brandenburg zunächst die harten Fakten zum 1. September 2019:

Die SPD gewann mit 26,2 Prozent Zweitstimmen (Vergleichszahl 2014: 31,9), die AfD folgt mit 23,5 (12,2) vor der CDU mit 15,6 Prozent (23,0). Die auch zwischen Uckermark und Lausitz auf den Boden der Tatsachen zurückgeholten Grünen (mehr dazu hier) landen dem vorläufigen Endergebnis zufolge bei 10,8 Prozentpunkten (6,2), während die Linkspartei auf 10,7 abstürzt (18,6). Die Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen/Freie Wähler (BVB/FW) gelangten mit 5,0 hauchdünn über die Fünfprozenthürde, während die FDP mit 4,1 Prozent der Stimmen an ihr scheiterte.

In den Wahlkreisen setzte sich bei den Direktkandidaten 25 von 44 mal die SPD durch, vor allem im Westen Brandenburgs, die AfD gewann 15 Kreise vor allem im Osten und Süden des Landes, die CDU zwei, BVB/FW und Grüne je einen.

In Mandaten ausgedrückt verteilen sich die 88 Plätze im Potsdamer Landtag auf 25 Sozialdemokraten (2014: 30), 23 Alternative (11), 15 Christdemokraten (21), 10 Grüne (6) und 10 Linke (17) sowie 5 Mandatsträger von BVB/FW (3).

Ergebnisse anderer Rechtsparteien sind nicht zu vermelden. In Brandenburg trat keine einzige weitere an. Die Freien Wähler stehen dort zudem im inhaltlichen Umfeld der SPD, und gelten nicht, wie in Sachsen oder Bayern, als liberalkonservatives Addendum der Union. Die einzige nennenswerte sonstige Formation ist die Tierschutzpartei, die immerhin 2,6 Prozent der Stimmen erreichen konnte.

Die Wahlbeteiligung lag bei 61,3 Prozent (2014: 47,9), also deutlich unter der sächsischen. Aber wie im Nachbarland war die AfD primärer Demokratiemotor. 115.000 der 2014er Nichtwähler, und das ist für ein einwohnerschwaches Flächenland eine stolze Zahl, optierten blau, die SPD folgt mit lediglich 65.000 erreichten Wahlverweigerern, CDU, Grüne und Co. sind unter ferner liefen zu verbuchen, wobei hervorzuheben wäre, daß der relative Wahlerfolg der Grünen vor allem auch dank »Zugezogener« konkret wurde; 23,3 Prozent aller von 2014–2019 nach Brandenburg zugezogener Menschen wählten Grün, der Löwenanteil von ihnen dürfte aus der Hauptstadt ins Brandenburgische ausgewichen sein, also raus aus dem Schlamassel in den lebenswerten Speckgürtel.

Die AfD gewann unterdessen insgesamt 177.000 Stimmen dazu, den größten Anteil der Neualternativen stellten demzufolge einmal mehr die Nichtwähler. Von Rot-Rot-Grün holte man 25.000 Stimmen, von der CDU 28.000. Während das Maximum an Fliehkräften der Kartellparteien damit fürs erste erreicht worden sein dürfte, bleibt für die AfD ein gewaltiges Potential an Nichtwählern übrig: 38,7 Prozent der Wahlberechtigten, und das sind über 800.000 Menschen, gingen auch diesmal nicht zur Wahl.

Wie in Sachsen ist dies ist das entscheidende Reservoir von mannigfaltig Unzufriedenen, fundamental Enttäuschten und politisch Abgewandten für die AfD, das es ab sofort Tag für Tag, bis zum nächsten Wahlgang und darüber hinaus, zu erreichen gilt. Der Fokus der Bemühungen ist folglich nicht auf den Kern hartgesottener Kartellparteien-Überzeugungs-Wähler zu richten.

In bezug auf die soziale Herkunft der AfD-Wähler wird unterdessen einmal mehr deutlich, daß die Partei eindeutig die führende Vertreterin der prekären Klassen sowie der unteren Mittelschicht ist. Arbeiter beispielsweise haben mit 35 Prozent für die AfD gestimmt (Sachsen: 35) und auch bei Selbständigen wurde man mit 24 Prozent stärkste Kraft (Sachsen: 30); den Landesschnitt der Alternative hingegen senkten deutlich – wie in Sachsen – Rentner und Beamte.

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Die SPD verliert also auch in Brandenburg die Wandlungen unterliegende Arbeiterklasse, aber darf sich, trotz Verlusten, als Wahlsieger fühlen. Sie profitierte eindeutig vom Amtsinhaberbonus des Ministerpräsidenten Dietmar Woidke, der trotz einiger Skandale als nüchterner, unaufgeregter und landesweit bekannter Politiker gilt und wohl auch daher seinen Wahlkreis knapp gewinnen konnte. Woidke, das zeigten kritische Recherchen, ist dabei kein verantwortungsvoller Landesvater; er fördert direkt extrem linke Strukturen.

Konkret heißt es im (noch) rot-rot geführten Brandenburg, daß über die »Antirassismus-Novelle« jeder Teil des staatlichen »Bündnisses gegen rechts« werden kann, ungeachtet dessen, ob die Partner explizit linksextrem sind oder nicht. Die entsprechende Analyse sollte man selbst gelesen haben; es wird nicht mal mehr der Versuch der Verschleierung der Antifa-Förderung unternommen.

Ohnehin, der Kampf gegen rechts, Woidkes Steckenpferd. Bei der AfD vergaß er sich ein ums andere mal. Deren Spitzenkandidat Andreas Kalbitz griff er in Zusammenspiel mit den Medien des Establishments frontal an. Es ist in diesem Kontext allerdings erstaunlich, wie wirkungslos die orchestrierten Salami-Taktik-Enthüllungen über Kalbitz' politische Vita verpufften. 2019 ist nicht 2009 oder 2014.

Bei der Europawahl im Mai des Jahres wurde die AfD im übrigen stärkste Kraft mit 19,9 Prozent der Stimmen; diesmal erreichte sie fast 4 Prozentpunkte mehr. Das lag an einem engagierten Wahlkampf in einem traditionell roten bis dunkelroten Bundesland, das mit dem Potsdamer Bionadebürgertum sogar grüne Flecken bekam. 23,5 Prozent für die AfD sind in Brandenburg objektiv schwieriger zu erzielen als 27,5 Prozent in Sachsen; das muß man sich zum besseren Verständnis vergegenwärtigen.

Die Grünen konnten in Potsdam und dem Berliner Speckgürtel zulegen, ansonsten bleiben sie aber, wie in Sachsen, auf dem flachen Land eine Splitterpartei. Ingo Senftleben von der CDU, der profillose märkische Merkel-Vertreter, führte seine Partei zu Verlusten von acht Prozentpunkten; 15 Prozent für die Union sind eine regelrechte Schmach, wenn man bedenkt, daß Senftleben vom Ministerpräsidentenamt raunte.

Er selbst gewann seinen Wahlkreis nur, weil die AfD dort an internen Konflikten scheiterte – fehlende Unterschriften für die Wahl des Kandidaten im Kreisverband sorgten für die Tilgung der Blauen vom Wahlzettel. Senftleben dankte und zog ohne nennenswerten Gegner ein. Die Nachbarwahlkreise gingen derweil (bis auf einen roten) an die AfD.

Und auch die Linkspartei kann in ihrem Regierungsland Brandenburg nicht mehr reüssieren. Selbst mit den Grünen zusammengerechnet bleibt man schwächer als die AfD; und das hat, ähnlich wie bei den Genossen in Sachsen, sowohl demographische als auch inhaltliche Gründe: Viele ältere SED-sozialisierte Sympathisanten versterben, viele mittelalte PDS-sozialisierte Sympathisanten können nichts mit dem Anti-Wagenknecht-Kurs anfangen, viele jüngere potentielle Sympathisanten entscheiden sich dann doch lieber für die vermeintlich hippe grüne Variante einer Linkspartei.

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Die Regierungsbeteiligung wird, vergleichbar mit Sachsen, weniger bundesweit beargwöhnte Diskussionen auslösen. Der Landtag konstituiert sich Ende September, dann sind drei Monate Zeit gegeben, eine tragfähige Koalition aufzustellen. Die SPD kann sich ein Dreierbündnis aussuchen: entweder mit CDU und Grünen (Kenia) oder mit Linken und Grünen (R2G).

R2G hat nur eine Stimme Mehrheit, wäre also latent instabil. Kenia verfügt unterdessen über eine komfortable 6-Sitze-Mehrheit. Die für Unionsverhältnisse relativ konservative Saskia Ludwig, die in ihrem Wahlkreis krachend scheiterte, rebelliert aber gegen CDU-Landeschef Senftleben und die Wahl zum Fraktionsvorsitzenden wurde wohl auch aus diesem Grund verschoben.

Wenn man davon ausgeht, daß etwa ein Drittel der neuen CDU-Fraktion WerteUnion- bzw. Ludwig-nahe ist, und sich damit kritisch zur Annäherung an Sozialdemokraten und Grüne positioniert, wären das fünf bis sechs Sitze – und die Mehrheit für Kenia sähe sich wieder bedroht. Die AfD wird im neuen Landtag – so oder so – Oppositionsführerin und dürfte beiden Varianten forsch entgegentreten.

Das kann man deshalb so selbstsicher verkünden, weil die Brandenburger AfD – neben Kalbitz und anderen – auch Christoph Berndt in ihren Reihen hat. Der Cottbuser Wahlsieger des südbrandenburgischen Vereins Zukunft Heimat e.V. (samt »Wohnzimmer« der Bürgerbewegungen namens »Mühle«) ist das Musterbeispiel eines »organischen Politikers«. Er hat das produktive und unverzichtbare Zusammenspiel des arbeitsteiligen »Mosaiks« in seiner ganzen Tragweite begriffen und verfügt über ein politiktheoretisches Grundgerüst, das für einen Parlamentarier in heutigen Zeiten selten geworden ist.

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Die AfD wird künftig vom Rückenwind einer wachsenden und einigermaßen entschlossenen Wählerschaft getragen. Benedict Neef führt in der NZZ vom 3. September eine Umfrage an, wonach 99 Prozent der AfD-Wähler in Brandenburg überzeugt sind, daß ihre Partei das ausspricht, was für andere Parteien tabu erscheint. 50 Prozent der Wähler der anderen Parteien teilen diese Ansicht im übrigen; eine respektable Zahl.

Für den Deutschlandkorrespondenten Neef, der die AfD in seiner Berichterstattung seit längerem überdurchschnittlich kritisch kommentiert und in der NZZ vom 5. September gar eine ganze Seite für Kalbitz-Bashing opfert, ist diese Tabubrecherfunktion »Schlüssel zum Erfolg« der AfD. Würde man seitens SPD und CDU, so mutmaßt Neef weiter, den Menschen das Gefühl zurückgeben, daß sie selbst Probleme unverhohlen ansprechen, wäre dies ein Schritt »zu ihrer Bekämpfung«.

Die AfD kann dem gelassen entgegensehen. Einerseits ist nicht davon auszugehen, daß die einstigen Volksparteien ihre bisherige integrale – ideelle wie strukturelle – Blockadepolitik aufgeben werden, und andererseits wäre eine Öffnung ebenjener Politik ein Erfolg für die AfD – man hätte bewiesen, daß man als vermeintliche kleine Partei die »Großen« beeinflussen und vor sich her treiben kann. So oder so: eine Situation, die hoffen läßt.

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NZZ-Chefredakteur Eric Gujer sieht die Dinge derweil klarer, übergeordneter. Am 31. August schrieb er in seinem Leitartikel:

Die Reaktion der Ostdeutschen auf so viel Ignoranz ist antrainiert. Die Diktatur erzwang Schizophrenie im Denken und Reden: Was man öffentlich sagte, stimmte nicht mit den privaten Äusserungen überein. Man schuf sich seinen Schutzraum in der Familie und mit Freunden. Heute gilt Meinungsfreiheit; jeder kann im Rahmen der Gesetze sagen, was er will. Die Bundesrepublik lässt sich nicht mit der DDR vergleichen. Allerdings findet die Meinungsfreiheit unter den Bedingungen eines als übermächtig empfundenen westdeutschen Diskurses statt. Das bringt wieder manchen zum Verstummen.

Weil dieser »westdeutsche Diskurs« ein grüner und hypermoralischer ist, und »westdeutsch« hier eher als Chiffre für beides und nicht lediglich als geographische Standortbeschreibung zu gelten hat, bleibt die AfD das Ventil dieser Verstummten.

Als Partei der Unzufriedenen, Abgewandten, Zum-Schweigen-Gebrachten ist sie daher die primäre Protestpartei des Volkes, und muß nun, in Brandenburg und anderswo, diesen popularen Vertrauensvorschuß in überzeugende und bindende Inhalte transferieren.

Ansonsten droht die Gefahr, daß die Wahrnehmung der AfD durch viele Menschen als grundsätzliche, authentische und mutige Opposition eines Tages so abhandenkommt wie der allmählich verblichene Ostnimbus einer liberalistisch und kosmopolitisch depravierten Linkspartei.

Die AfD hingegen hat anders als die darbende Linke – und wiederum: in Brandenburg und anderswo – das Potential, nicht nur Partei des Ostens, nicht nur Partei einer bestimmten Schicht oder Klasse zu sein, sondern jene oppositionelle Kraft, die tatsächliche und vermeintliche Gegensätze vereint und ausbalanciert: West und Ost, »links« und »rechts«, oben und unten, Stadt und Land – Solidarität und Identität.

Das ist die vorerst abschließend Positivnotiz zum Wahltag des 1. September. Am 27. Oktober wird dann in Thüringen gewählt; der wichtige Wahlkampf – es geht zunächst um 20 Prozent plus x für die AfD und um ein verdientes Ende von Rot-Rot-Grün – hat bereits begonnen.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (14)

Niekisch
6. September 2019 10:23

"bleibt die AfD das Ventil dieser Verstummten."

Perfekt wäre es, brächte die AfD nicht selber hin und wieder und in inzwischen erklecklicher Zahl gute Leute zum Verstummen...

Laurenz
6. September 2019 12:04

Ja, sieht gut aus.

@Herrn Kaiser .... existiert nicht auch die Option R2GF ? Das würde dem Hilfs-Mielke Woidke doch ermöglichen, die Merkelisten auf Nummer sicher auszubooten. Das wäre auch günstiger für uns.

@Niekisch ..... Wenn Sie Sich auf die letzten Artikel Herrn Kubitscheks zurückbesinnen, forderte Dieser dazu auf, der Klugheit zu frönen.

Die Michels sind ängstlich und sagen nicht mehr Ihre Meinung und das quer durch die ehemalige Parteien-Landschaft, die es ja so gar nicht mehr gibt, wenn man Frau Schwan glauben darf. Es gibt ja nur noch AfD- und nicht-AfD-Wähler. Die Angst des Michels verstärkt sich noch dadurch, daß gute Leute unklug ihre Meinung äußern.

Der Unterschied zwischen der DDR und der heutigen BRD ist kleiner als Herr Kaiser es noch wohlwollend darstellte. Und auch in der DDR wußte jeder genau, was sagbar war und was nicht. Die Spaltung der Gesellschaft ist im Grunde auch nicht links und rechts, sondern, wie (in der DDR und) in vielen anderen europäischen Staaten auch, zwischen oben und unten, materiell und ideologisch. Rechts befinden sich nur Diejenigen, die Verantwortung für alle empfinden. Und wir schreiben hier doch genau deswegen, um auszuloten, was sagbar ist (Wessels). Die Wahlen haben auch nicht dazu geführt, daß die Gegen-AfD-Koalition sich selbst besinnt. Nein, sie agitiert noch mehr im Panik-Modus, der existentielle Druck pfeift noch lauter durchs Ventil. Und wie man sieht, steht auch die Führung der Parteien SED/Die Linke vor dem Dilemma, sich selbst austauschen zu müssen, was, zum Glück, nicht passieren wird. Das wird die SED/Die Linke weiter in die Bedeutungslosigkeit führen. Bei der SPD ist ein Austausch der Führung schon bedeutungslos. An diesem Phänomen der Gegen-AfD-Koalition sich mit selbst zertörender, veröffentlichter Partei-Politik immer kleiner zu machen, erkennen Sie, Niekisch, mutmaßlich genau das, was Herr Kubitschek mit klug (oder diametral, unklug) meinte. Im Grunde brauchen wir doch nur mit einem guten alternativen Angebot zu warten, bis die Nationale Einheitsfront das nun vereinte Deutschland vollends wieder in die Kloake reitet.

Niekisch
7. September 2019 13:34

@ Laurenz: Haben Sie meine Aussage verstanden? Oder mißverstehe ich Sie? Ich will sagen, die AfD kann nur Ventil der "Verstummten" sein, wenn sie selber damit aufhört, Leute in ihren eigenen Reihen zum Verstummen zu bringen, z.B. Frau v. Sayn-Wittgenstein.

Laurenz
8. September 2019 03:12

@Niekisch ..... Ich habe nichts persönlich gegen Fürstin von Sayn-Wittgenstein, weil ich Sie persönlich auch nicht kenne.´Ich habe bisher nur Reden gehört. Aber mal ganz im Ernst, werter Niekisch, so einfach, mir nichts Dir nichts, wird niemand gefeuert.
Natürlich brauchen wir einerseits die Provokation um mediale Aufmerksamkeit zu erhalten, anderseits muß jemand den Rahmen der sagbaren Provokation festlegen. Das kann nicht einfach jeder selbst bestimmen, vor allem dann nicht, wenn er ein Parteiamt innehat. Jeder von uns persönlich kann gerne immer eine von der Partei abweichende Meinung kundtun, solange er dies kenntlich macht und diese im Rahmen des Rechts der BRD verbleibt. Daß hier unterschiedliche Maßstäbe gelten, ist doch nur menschlich. Das war noch nie anders. Wir sind hier weder auf einem Kindergeburtstag noch beim Sonntags-Wunschkonzert. Hier geht es immer um alles über den eigenen Tod hinaus.

Wo wir beide grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sind, ist nicht irgendeine historische Deutung. Wir beide können uns liebend gerne historische Fakten hier um die Ohren schlagen, solange die SiN -Redaktion dies als zweckdienlich ansieht. Aber, mit Verlaub, erstens, wie viel % unseres Volkes interessiert das? Zweitens warum wollen Sie bei der justiziablen Deutungshoheit unserer politischen Gegner Recht bekommen und behalten? Wie viele Wähler wählen uns wegen einer solchen historischen Debatte, wie viele Wähler wählen uns deswegen nicht?
Sie können dann eine alternative Geschichtsschreibung veröffentlichen, wenn Sie die Deutungs-Hoheit innehaben. Aber wie wollen Sie die erhalten, wenn Sie nicht an der Regierung sind, die öffentlich-rechtlichen Medien bestimmen und das Bundes-Kartell-Amt hoheitlich anweisen können, private staatsfeindliche Medien-Konzerne zu zerschlagen?

Jetzt sollten wir vordergründig dafür sorgen, daß wir die seltenen Medienauftritte nutzen, um unsere politischen Gegner ins verbale Messer laufen zu lassen um deren Themen zerlegen. Und wenn wir die Historie bemühen, dann doch lieber die Historie unserer politischen Gegner, denn diese ist bis jetzt nicht als verfassungsfeindlich verfolgt, aber angreifbar bis zum Anschlag.

Ihre Themen, werter Niekisch, machen uns, verstehen Sie, "uns" (heißt nicht "die anderen"), immer angreifbar. Sie haben es doch uns doch selbst von Ihrem Schicksal oft genug erzählt. Aber Sie scheinen daraus eben auch die falschen Schlüsse gezogen zu haben. Sie haben es bei meinen Beiträgen doch oft genug gelesen, was macht es für einen Sinn im Schützengraben zu liegen, und der gegnerischen Artillerie-Beobachtung mit einer Flagge zuzuwinken? Diese Frage haben mir bisher weder Sie noch sonstwer beantwortet. Das hat fast masochistische Züge. Mancher von Ihresgleichen tut hier so, als hätte man erst nach 15 Jahren Gulag-Haft das Recht, hier seine Meinung kund zu tun.
Lassen Sie doch lieber die gegenüberliegenden Gegner winken. Und das tun die Vollpfosten doch auch permanent.
Während der letzten Wochen wurden von der SiN-Redaktion relativ viele Artikel rausgehauen, eben weil das Thema "Wahlen" elementar, ja existenziell ist. Die Artikel waren bis ins letzte Detail sehr durchdacht, und was die Linke dazu schrieb, bleibt doch, wie immer, nur der Versuch der persönlichen Diskreditierung, nichts Sachliches, weil es sachlich dagegen auch nicht wirklich etwas zu sagen/schreiben gibt.
Ich mutmaße, daß ich die Artikel der Herren Kaiser, Bosselmann, Kubitschek, Kleine-Hartlage und Schick weitestgehend verstanden habe und ich bin erschrocken darüber, wie viele hervorragend gebildete, intelligente Mitforisten die Essenz dieser Artikel nicht verstanden zu haben scheinen und weiterhin in Ihrer kleinen Welt des Verschmäht-, Verkannt- oder Nicht-Gehuldigt-Seins verbleiben wollen....

Nochmal, werter Niekisch, hier geht es nicht um uns und unsere Befindlichkeiten. Es geht, wie Herr Kaiser es klar definiert hat, um die Befindlichkeiten unserer potenziellen Wähler.

Was gibt es daran nicht zu begreifen? Ich bin nicht in der Lage, einen Goethe oder Schiller auferstehen zu lassen, damit einer von beiden eine große Zahl von SiN-Foristen aus ihrer Diamant-hart-schichtigen Blase holt.

Ich bin gerne bereit, mich mit Ihnen darüber telefonisch auseinanderzusetzen. Wenn Sie das wünschen, schreiben Sie der Redaktion.

Niekisch
8. September 2019 18:08

"Es geht, wie Herr Kaiser es klar definiert hat, um die Befindlichkeiten unserer potenziellen Wähler."

@ Laurenz 8.9. 12:04: Nun ja, werter Laurenz, ich bin halt bisher davon ausgegangen, daß SiN metapolitisch arbeitet, also auf a l l e n Gebieten avantgardistisch vorgeht.

Laurenz
8. September 2019 23:45

@Niekisch .... also der Antaios-Verlag bietet jetzt wirklich für jeden, den das interessiert, genügend Material an. Und was nutzt die Metapolitik, wenn sie real keine Ergebnisse zeigt? Leser, die sich einen theoretischen Unterbau zulegen wollen, um für die Debatte Unterstützung zu suchen, müssen auch verstehen, was damit gemeint ist. Wenn Sie in einen Lesezirkel eintreten wollen, hält Sie niemand davon ab. Her Kaiser hat hier eine Wahl-Analyse zur Wahl in Brandburg hingelegt, die nicht von Pappe ist. Ich empfinde Ihre Antwort als ziemlich schwach.

Atz
9. September 2019 08:21

Wenn sich ein derart exponierter Spitzenkandidat zur Wahl stellt, ist allerdings etwas Neues. Jetzt wurde nach der Wahl die Kartell-Propaganda noch ein wenig mehr aufgedreht. Der magische Ort wird nach der Wahl Thüringen sein und dort gegen den erfolgreichen Kümmerkurs der herrschenden Linken zu bestehen. Alles was jetzt passiert preist den Wahlkampf Thüringen nicht ein. Wir werden sehen, was gegen den dortigen Spitzenkandidat noch in der Schublade liegt. Das Wahlprogramm ist jedenfalls exzellent.

Wennn man sich überlegt welche Hetztiraden der Ministerpräsident einst gegen den Bundespräsidenten Gauck rausgehauen hat. War ja selbst vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Antifa will sowieso den Verfassungsschutz abschaffen, seine Fleischtöpfe für "Demokratiearbeit" ausgeben und für die Zerschlagung von Kampfsportclubs eintreten.

https://soundcloud.com/aufstehen-gegen-rassismus/sets/agr-aktivenkonferenz-erfurt

Thomas Martini
9. September 2019 09:49

@Laurenz

"Die Rettung des weißen Europa erfordert es, die von den Siegern 1945 errichteten Mythen umzustürzen; denn diese Mythen paralysieren unsere Völker, indem sie den Antirassismus aufzwingen." - Vincent Reynouard

Laurenz
10. September 2019 13:12

@Thomas Martini .... Die von Ihnen benannten Mythen relativieren sich für einen Ungläubigen rein an den Fakten. Aber es gibt eben so wenige Ungläubige. Ich weise auch Sie, Thomas Martini, darauf hin, daß es keinen Sinn macht, gegen eine Übermacht propagandistisch anstinken zu wollen. 70 Jahre diesbezüglicher Mißerfolg und inhaftierte Dissidenten sollten auch Ihre Augen öffnen. Es bleibt auch Ihnen nicht erspart, sich an die Regeln zu halten und Wahlen zu gewinnen. Ohne Weisungsbefugnis an die Staatsgewalt ändert sich gar nichts. Mir fallen auch keine Worte mehr ein, wie ich Ihre nicht vorhandene Logik beschreiben soll. Ich bin kein Dichter. Lesen Sie einfach die Artikel von Herrn Kubitschek. Da steht alles drin, was zu tun ist. Aber seien Sie Sich gewiß, niemand schreibt Helden-Epen für Idioten.

Niekisch
10. September 2019 17:11

"Ich empfinde Ihre Antwort als ziemlich schwach."

@ Laurenz 8.9. 23:45: Macht nichts, werter Laurenz.

@ Thomas Martini 9.9. 9:49: Sehr gut! Damit fühle ich mich auch gegenüber Laurenz bestätigt. A l l e Mythen müssen gestürzt werden, wollen wir Europäer atmen können. Wahlen sind nur ein - wenn auch wichtiger- Teilaspekt.

Thomas Martini
10. September 2019 18:42

An Laurenz:

"Die von Ihnen benannten Mythen relativieren sich für einen Ungläubigen rein an den Fakten."

Heiße ich Vincent Reynouard?

ZITAT "Aber es gibt eben so wenige Ungläubige." ZITATENDE

Den unverbildeten, uninformierten Michel, bekommt man in wenigen Minuten von einer Revision überzeugt. Die hängen nicht, wie hier manch einer, an der Feindpropaganda. So zumindest meine Erfahrung in der Praxis.

ZITAT "Ich weise auch Sie, Thomas Martini, darauf hin, daß es keinen Sinn macht, gegen eine Übermacht propagandistisch anstinken zu wollen." ZITATENDE

Danke für den Hinweis. Reynouard wird es sicher dennoch weiter versuchen.

ZITAT "70 Jahre diesbezüglicher Mißerfolg und inhaftierte Dissidenten sollten auch Ihre Augen öffnen." ZITATENDE

Warum spricht es für einen "Mißerfolg", wenn sich eine Obrigkeit nur noch durch Verhaften und Wegsperren von Gedankenverbrechern zu helfen weiß? Den Blick nach Frankreich richten: Die Erfolge des Revisionismus' überwiegen die Mißerfolge bei weitem!

ZITAT "Es bleibt auch Ihnen nicht erspart, sich an die Regeln zu halten und Wahlen zu gewinnen." ZITATENDE

Der Schlachtruf des wahren Helden.

ZITAT "Mir fallen auch keine Worte mehr ein, wie ich Ihre nicht vorhandene Logik beschreiben soll." ZITATENDE

Dafür fällt mir folgendes ein: Wir hätten heute noch Papst und Kaiser als höchste und nicht zu hinterfragende Instanz, wären die Linken so integre, vorschriftsversessene Saubermänner gewesen, wie die heutigen "Rechten" in der BRD.

Die DDR bestünde vielleicht nach wie vor, hätte man sich Anno 1989 nur auf Geduld, Geduld und nochmals Geduld verlassen.

Im Grunde würden wir immer noch im feudalen Absolutismus leben, wenn man sich immer nur "an die Regeln" gehalten hätte.

ZITAT "Lesen Sie einfach die Artikel von Herrn Kubitschek. Da steht alles drin, was zu tun ist." ZITATENDE

Herr Kubitschek wirkt, sicherlich nicht ohne einen gewissen Stolz, mittlerweile als "ausgleichender Faktor zwischen den National-Neoliberalen und Leuten wie Höcke". Gut, und es steht mir gar nicht an, das zu bewerten. Aber was soll ich damit anfangen? Wieviele ausgleichende Faktoren zwischen diesen Lagern braucht es denn?

ZITAT "Aber seien Sie Sich gewiß, niemand schreibt Helden-Epen für Idioten." ZITATENDE

Meinen Sie "Idioten" wie Thomas Müntzer, Theodor Körner, Jeanne d'Arc oder Martin Luther King?

Thomas Martini
10. September 2019 19:48

Von Generalmajor a. D. Gerd Schultze-Rhonhof erhielt ich heute eine "Erinnerung an das, was vor und beim deutschen Angriff auf Polen vor 80 Jahren tatsächlich geschah". Na sowas!

Gut möglich, daß Meister Laurenz "Idioten" wie ihn meint? 🤔

Laurenz
11. September 2019 01:00

@Thomas Martini .... Herr General-Major a.D. Schultze-Rhonhof hatte für Seine Bücher sehr aufwendig recherchiert. Durch Seine Quellen-Nachweise ist er nicht wirklich angreifbar. Er vermeidet ja auch Aussagen wider eine göttliche Offensichtlichkeit im Grundgesetz.
Ordentliche Geschichtsschreibung ist für ungläubige Menschen das richtige. Wenn Sie, Thomas Martini, heute anfangen über 10 Jahre jeden Tag 2 Menschen vom Glauben abfallen zu lassen, haben Sie in gut 7.000 ins Ketzertum verfrachtet. Wie viele Michels erreicht das Spieglein mit seinen historischen Schund-Artikeln?

Laurenz
11. September 2019 01:02

@Niekisch ... Sie und Thomas Martini lesen aktuell außerordentlich schlecht. Ich vertrete keine andere Meinung als Sie auch. Nur in der Reihenfolge des politischen Handelns liegen sie 70 Jahre daneben, und ich leider richtig.

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