9. September 2019

Viva la libertá – die Arroganz der Manipulation

Caroline Sommerfeld / 44 Kommentare

Kürzlich besuchte ich eine konzertante Aufführung von Mozarts „Don Giovanni“ im Wiener Konzerthaus, Dirigent: Teodor Currentzis.

Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.

Meinem kundigen Begleiter war längst bewußt, was sich mir durch Wahrnehmung erst langsam erschloß: Da hat ein Puppenspieler (bis in die wie ein Mitschnacker lockende Fingergeste hinein) sein ihm ergebenes Orchester ganz in der Hand. Don Giovannis Tun und Trachten, welches selber ja überaus manipulativ ist im Ausspielen der Frauen gegeneinander, wurde eine doppelte Ebene untergeschoben. Currentzis flüsterte den Opernsängern buchstäblich ihre Emotionen ein, dicht beugte er sich zu ihnen heran und wisperte vernehmlich, auf daß sie äußern, was der Dirigent bereits Sekunden vorher ausgedrückt hat mit seinem Körper.

Im „Don Giovanni“ gibt es eine Szene, in der ein großes Fest gefeiert wird, zu dem die Schönen des Dorfes maskiert geladen werden. Plötzlich tauchten aus der Kulisse gewöhnlich gekleidete Personen auf, recken die Fäuste kämpferisch empor, skandieren die Arie „Viva la libertá“ und entrollen ein Banner mit dieser Parole. Ein Megaphon kam zum Einsatz, der Dirigent peitschte ein. Zuvor war ganz kurz auf dem Text-Bildschirm die Zeile zu lesen „Mit Köpfchen gegen den Hass“ (in der deutschen Übersetzung des Librettos heißt es eigentlich: „ … wirkt arg verstört. Besser, wir nutzen unsern Verstand“).

Für mich war die Schlinge gelegt und zog sich zu. Der erste Schreck, es handle sich vielleicht um eine SJW- oder Antifa-Störaktion, ging bruchlos über in die Co-Agitation des Dirigenten, worauf geschmeidig Don Giovannis großes Fest der Libertinage folgte und in furiosem Rausch der Musik aufging.

Manipulation gelungen. Bei mir indes wahrscheinlich ganz gegenteilig zu allen anderen Zuschauern im Großen Saal des Konzerthauses.

Der Saal schien komplett in den Bann gezogen, ohne Schreck, ohne Bruch, denn bei ihnen war der „Currentzis-Effekt“ eingetreten, in den ich mich nicht hineingeheimnissen lassen konnte, so getriggert war ich durch das alberne Agitprop-Stückchen. Es lebe die „Freiheit“ – der mindestens drei manipulative Schichten vorgeschaltet sind: Don Giovannis Verführungskunst, Currentzis' Verführungskunst seinem Orchester (der Konzertmeister sprach einmal von einer „Bruderschaft“) sowie seinem Publikum gegenüber, welches seinerseits bereits gut vormanipuliert ist durch die „öffentliche Meinung“ (Walter Lippmann).

Was ist Manipulation? Versuchen wir einmal, drei Aspekte zu unterscheiden:

  1. psychologisch: wenn jemand Lustgefühle dabei erlebt, daß der Manipulierte das, was dieser ihm eingeflößt hat, für seine eigene Entscheidung hält
  2. soziologisch: wenn das Individuelle einer Entscheidung nicht mehr erkennbar ist und der Manipulierte zum Massentypus wird
  3. moralisch: wenn durch unlautere Komplexitätsreduktion (z.B. wir gut – die böse) dem Manipulierten Parteinahme unhinterfragbar gemacht wird

Till Kinzel schreibt in der aktuellen Tumult unter der Überschrift „Fake Morality“:

Das Deutschland der Gegenwart bietet dem wissenschaftlichen Beobachter viele Vorzüge. So läßt sich wie unter Laborbedingungen an unzähligen Beispielen zeigen, welche konkreten Formen die »Indoktrinierbarkeit« des Menschen (Konrad Lorenz) annehmen kann.

Erlebte ich beim „Don Giovanni“ einen gewissermaßen schichtweisen Aufbau meisterhaften Manipulationsgeschehens in einem konzentrierten Augenblick, erstreckt sich mein nächstes Beispiel in der Zeit. Wie verfährt eine über Jahre, Jahrzehnte ausgedehnte Manipulation? Und kommt sie zu einem Schlußpunkt? Irgendwann will ja jeder Manipulateur den Genuß erleben, daß sein Plan aufgegangen ist.

Das Buch Ich und die Anderen. Wie die neue Pluralisierung uns alle verändert (2018) der österreichischen Philosophin Isolde Charim ist ein Paradebeispiel für das, was ich manipulative Mainstreaming-Arroganz nennen will.

Wir leben in einer pluralisierten Gesellschaft. Das ist nicht nur ein relativ neues Faktum. Das ist auch ein unhintergehbares Faktum: es gibt keinen Weg zurück in eine nicht-pluralisierte, in eine homogene Gesellschaft,

beginnt Charim ihren Parforceritt durch alle gesellschaftlichen Bereiche, in denen man noch ewiggestrige Leute antreffen könnte, die diese Lektion noch nicht kapiert haben: Religion, Kultur, Politik, political correctness. Leute, gewöhnt euch dran!

Dieser Haltung, zuerst selber Fakten zu schaffen, und deren Alternativlosigkeit dann denjenigen überheblich lächelnd vorzuhalten, die an die planmäßige Geschaffenheit und Widernatürlichkeit dieser Fakten zu erinnern wagen, begegnete ich zuerst in Helmut Schoecks Schülermanipulation von 1976. Der große konservative Soziologe beschreibt darin die Strategie der linken Pädagogik, selber kräftig an der Zerrüttung der „bürgerlichen Kleinfamilie“ zu arbeiten, und dann „kritisch“ festzustellen, daß mit der Zeit immer mehr Scheidungswaisen und Trennungskinder Bilder von der „heilen Familie“ in Schulbüchern als nicht mehr passend zu ihrer eigenen Lebenswirklichkeit erleben – woraufhin natürlich die Schulbücher geändert werden müssen, weil sie der Realität nicht mehr entsprechen.

Wenn Isolde Charim nun schreibt, „psychopolitisch“ funktioniere heute die Mehrheitsgesellschaft wie eine Minderheit, denn heute müßten sich alle der Diversität, der Vielfalt stellen, und

das heißt, die Vielfalt erhält Einzug in unser Innerstes, in unsere ganz eigene Identität. Ob man das nun will oder nicht“,

dann geht sie genau nach demselben Muster vor. Der Grundton ist, ob Charim das nun will oder nicht, hochgradig aggressiv. Leute, gewöhnt euch dran!

Der Prozeß der „Pluralisierung“ ist natürlich kein Naturgeschehen, sondern Resultat einer jahrzehntelangen „Entstrukturierung“, wie sie Kleine-Hartlage in Die liberale Gesellschaft und ihr Ende nachzeichnet. Wer die Pluralisierung nicht mitmachen will, affektiv-wutbürgerlich oder als konservativer Denker, ist dann eben „Modernisierungsverlierer“, der nicht verstanden hat, daß man die Moderne nur auf dem Boden der Moderne ablehnen kann. Tja, Pech gehabt, ihr kommt da nicht raus!

Die Arroganz der Manipulateure verrät ihre Lustgefühle. Manipulativ daran ist, daß jeder Widerstand gegen die angeblich alternativlose Neuerung zugleich als logisch unmöglich und moralisch böse dargestellt wird, und je länger man dieser Arroganz ausgesetzt ist (nicht bloß beim Lesen dieses Buches, sondern sobald man überhaupt Massenmedien konsumiert oder Bildungseinrichtungen besucht), desto eindrucksvoller und tiefer wirkt das Gaslighting. Eine Realität außerhalb der Pluralität, Diversität und bis in unser Innerstes vordringenden Vielfalt ist schlechterdings irreal. Lachhaft, sich der Wirklichkeit widersetzen zu wollen …

Zum zeitlichen Effekt der Manipulation, den wir auch neudeutsch Mainstreaming nennen können, gehört, daß allmählich niemand mehr übrig ist, der noch Zweifel an der neuen Realität hegen könnte. Mainstreaming bedeutet aus der Manipulateursperspektive, eine zunächst erfundene neue Realität zur mehrheitlich akzeptierten zu machen.

Aus der Manipuliertenperspektive bedeutet es, irgendwann nicht mehr sehen zu können, daß es sich eben zunächst um bewußtes Mainstreaming gehandelt hat: die neue Realität ist dann zum Mainstream geworden, zur überindividuellen Massenmeinung, die zur Parteinahme nötigt bei Strafe des Realitätsverlusts. Mainstreaming lagert außerdem Verantwortung aus: es gibt niemals nur "den" Manipulateur.

Unser Puppenspielerdirigent ist so gesehen nur das Ursprungsbild des "Etwas-in-der Hand-Habens" (lat. manus: Hand und plere: füllen). Die Zahl der Multiplikatoren, der manipulierten Manipulateure, nähert sich im Zuge des Mainstreamings der Bevölkerungszahl.

Manipulationshandeln ist auf dem Zeitstrahl ausgedehnt, Manipulationserleben kondensiert sich auf den Punkt, an dem man bemerkt, manipuliert worden zu sein, bis dahin bleibt sie nämlich unmerklich.

Manipulation ist nicht auf Gewalt angewiesen, um Freiheit zu entziehen. Das Freiheitsversprechen, das Freiheit entzieht, ist ihr Kern. Was aber, wenn manipuliert wird, was das Zeug hält, und am Ende gar kein Freiheitsversprechen mehr geboten wird?

Isolde Charim kann nur noch mit einer vagen „Begegnungszone“ für die Bürger ihrer pluralisierten Gesellschaft aufwarten und allen Ernstes Obama, Macron, Bernie Sanders und Martin Schulz (man bedenke: das Buch ist anderthalb Jahre alt!) als Hoffungsträger aufzählen, wohl wissend, daß sie ephemere Figuren sind. Mit dem alten Zizek muß sie am Ende zugeben, daß das Freiheitsversprechen überhaupt ganz eitel sei:

Der Traum von einer Alternative ist ein Zeichen von theoretischer Feigheit, dient er doch als Fetisch, der uns davon abhält, die Ausweglosigkeit unserer Lage konsequent zu Ende zu denken. Wahrer Mut besteht, kurz gesagt, darin, einzugestehen, dass das Licht am Ende des Tunnels wahrscheinlich die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Zuges sind. (Slavoj Zizek: Der Mut der Hoffnungslosigkeit, 2018)

Eine letzte logische Volte der Manipulation scheint also die zu sein, mit dem kämpferischen Gestus des „Viva la libertá!“ keine Freiheit zu verkünden. Übrig bleibt dann die Arroganz des Verkünders des neuen Realitätsprinzips: es gibt keine Freiheit mehr. Doch sollte dies das Ende der Manipulation sein? Irrtum, für die Geschichtsmanager vom Dienst ist es nur ein neuer Anfang. In der Welt von vorgestern verkündet der Psychoanalytiker final:

Ökologische Bedrohungen machen vor allem eines klar, nämlich, dass die Ära souveräner Nationalstaaten auf ihr Ende zusteuert – stattdessen wird starke globale Handlungsfähigkeit gebraucht, gepaart mit der Macht, die notwendigen Maßnahmen zu koordinieren. Und zeigt das Bedürfnis nach solch einer Handlungsfähigkeit vielleicht auch in Richtung desjenigen, was wir einmal „Kommunismus“ nannten?


Caroline Sommerfeld

Caroline Sommerfeld ist promovierte Philosophin und dreifache Mutter.


Kommentare (44)

W. Wagner
9. September 2019 16:24

Zur Freiheit: Gerade wurde von Facebook komplett CasaPound Italia gelöscht, auch viele einzelne Personen. Vielleicht war die riesige Demo heute in Rom gegen die neue Regierung zu erfolgreich, bei der Matteo Salvini zusammen mit Giorgia Meloni (Fratelli d‘Italia) auftrat und von ilprimatonazionale (CasaPound-nah) interviewt wurde.
Ob ARD und ZDF über Rom berichten werden?

Dieter Rose
9. September 2019 17:48

auch Manipulation?
Maria Clara Groppler, 14 Jahre,
in night wash/Deutsches Zwangsfernsehen,
hat einen Tip gegen braune Sachsen,
nämlich Zitronensaft per Flugzeug drüber, wie bei Avocados. Wenn das nicht hilft:
Napalm.
Da ist der Herr Dirigent doch
ein Waisenknabe dagegen.

Maiordomus
9. September 2019 17:49

@Sommerfeld. Es spricht für Sie, dass Sie Schoeck zitieren, der aber kein "konservativer Pädagoge" war, wie Sie irrtümlich schreiben, sondern einer der bedeutendsten deutschen Soziologen des Jahrhunderts mit dem Standardwerk "Der Neid"; von Bedeutung Freuds "Traumdeutung" in etwa ebenbürtig. Sein von Ihnen zitiertes Buch von 1976, das ich bei Erscheinen mit hoher Zustimmung las, kommt erst in den letzten Jahren zur vollen Erfüllung, bis hin zur Ebene der Hochschulen, wo heute anscheinend als herrschende, zumindest geduldete Lehrmeinung grassiert , dass die Opposition "Scheisse im Kopf" habe: eine Aussage, die mir als Professorenmeinung zur Zeit des Nationalsozialismus auf diesem Niveau mir bis jetzt nicht bekannt geworden ist.

Dabei scheint mir Sommerfelds klischeehafte Bezeichnung "konservativ" für Schoeck im Hinblick auf einen Klassiker nicht passend, auch Max Weber können wir nicht schlicht als "konservativ" abtun, etwa wenn er forderte "Politik gehört nicht in den Hörsaal", zu schweigen von Konrad Lorenz. Oder hat schon mal jemand Gottlob Frege einen "faschistischen Logiker" genannt, wiewohl er im Alter angeblich oder wirklich (habe es selber noch nicht nachgeprüft) in jene Richtung tendiert haben soll. Auch Martin Heideggers Grundlagenwerk "Sein und Zeit" kann weder als "links" noch als "rechts" eingeschätzt werden. Und war Shakespeare als Verfasser des Kaufmanns von Venedig wirklich rechts? Schiller angeblich ein Anhänger der französischen Revolution? Letzterer hat übrigens zur heutigen Lage in Grossbritannien in der 2. Szene des 1. Aktes von Maria Stuart sich bereits aktueller und intelligenter geäussert als irgendein Medium der Gegenwart, ich zitiere:

"Englands Beherrscher brauchen nichts zu scheuen
Als ihr Gewissen und ihr Parlament.
Was die Gerechtigkeit gesprochen, furchtlos,
Vor aller Welt wird es die Macht vollziehen:"

Ich bedaure aufrichtig, dass diese 4 Zeilen als politische und auch metapolitische Aussage bedeutender zu sein scheinen als alles, was zum Beispiel deutsche, österreichische und schweizerische Autoren in den letzten paar Jahren im Bemühen, politisch "Stellung zu nehmen" oder gar "Haltung zu zeigen", abgesondert haben. Ich hatte einst einen Lehrer, der jeweils über dumme Aussagen seufzte: "Sowas lebt, und Schiller musste sterben!"

Auch ein Geist wie Helmut Schoeck, von dem auch noch ein sehr brauchbares Wörterbuch der Soziologie verfasst wurde, fehlt heute an allen Ecken und Enden. Dass Sie indes , Frau Sommerfeld, hier Rekurs nehmen auf den "Don Giovanni", veranlasste mich nicht zuletzt, bei dieser Gelegenheit wieder mal auf Schiller zu verweisen. Begriffe wie "rechts" und "links", auch "universalistisch" als blosses Feindbild, werden angesichts seiner Texte meist obsolet. Was die französische Revolution betrifft, hat der Leser Rousseaus zum Beispiel über die Entwicklung der Revolution in Richtung Tugend-Terror in seinen Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechts meines Erachtens vieles von dem gesagt, was damals als Kritik des Zeitgeistes unbedingt not tat, wiewohl Hegel den totalitären Charakter von dieser Sorte Terror der Gutmenschen dann sogar noch genauer zu beschreiben vermochte.

PS. Dass der Max Webersche Satz "Politik gehört nicht in den Hörsaal" nichts Konservatives an sich hat, sondern die Bedingung der Freiheit der Forschung ist, erklärte 1972 Hermann Lübbe einer Vorlesung für politische Philosophie an der Universität Zürich. Lübbe war damals noch Mitglied der SPD.

Kommentar Sommerfeld: Ich habe es im Text verbessert, danke für die Korrektur. Da ich von Schoeck durch eigene Lektüre bisher nur "Schülermanipulation" und "Kinderverstörung" kenne, beides diagnostisch unglaublich klare Schriften, hatte ich ihn zum schnöden Pädagogen degradiert.

Thomas Martini
9. September 2019 19:18

Besten Dank an Caroline Sommerfeld. Eine tolle Steilvorlage. Nur wieder das übliche Problem, daß man die Dinge selbst völlig anders wahrnimmt. Um nun nicht - wie es allzu oft meine Art war - gleich wieder loszupoltern, und in „grosso modo“ zur Widerrede anzusetzen, die folgenden Fragen. Von hinten nach vorne. Befreit von jeglicher Aggression, Besserwisserei und in Lautstärke „forte ma non troppo“.

I. Warum ist es falsch, den von London ausgehenden Kommunismus als bloße Spielart des westlichen Demokratismus zu verstehen?

II. Wieviele tatsächlich souveräne Nationalstaaten gibt es im Jahre 2019?

ZITAT „Die Kritiker, die meinen, man müsse eine Konkurrenz zwischen allen Politikbereichen haben, die gehen ja in Wahrheit von dem Regelungsmonopol des Nationalstaates aus. Das war die alte Ordnung, die dem Völkerrecht noch zugrunde liegt, mit dem Begriff der Souveränität, die in Europa längst ad absurdum geführt worden ist, spätestens seit den zwei Weltkriegen in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.“ ZITATENDE

III. Warum lag Dr. Wolfgang Schäuble mit dieser Aussage falsch?

IV. Inwiefern droht den Wegbereitern und Profiteuren einer zukünftigen Weltregierung der Entzug ihrer Freiheit?

V. Sollten wir Deutsche uns für „Mainstreaming“ nicht besser ein deutsches Wort ausdenken, statt der Veramerikanisierung unserer Sprache durch ein „neudeutsches“ Wort Vorschub zu leisten?

VI. Wie lässt sich verhindern, daß die von oben aufgezwungene Vielfalt, „Einzug in unser Innerstes, in unsere ganz eigene Identität“ erhält?

VII. Wie sähe der Weg „zurück in eine nicht-pluralisierte, in eine homogene Gesellschaft“ in Wirklichkeit aus?

VIII. Warum hat Mozart die Stelle „Viva la Libertá“ aus der Wiener Aufführung herausgeschnitten?

IX. Wäre es denkbar, daß die Titelfigur aus Mozarts Oper unter „Libertà“ haargenau das Gleiche wie Voltaire, Turgot, Condorcet, Le Chapelier oder der nachgewiesen pädophil-sadistische Prince de Conti versteht?

X. Könnte es sein, daß die von Don Giovanni geforderte Freiheit exakt dem entspricht, wofür in der Französischen Revolution gekämpft wurde und wofür eine breite Schicht von Intellektuellen damals Propaganda trieb?

XI. Ließ Lorenzo da Ponte Anno 1787 den Systemrepräsentanten Don Giovanni vielleicht so handeln, wie das bei den demokratischen Vertretern der heutigen Eliten – Stichwort Jeffrey Epstein – noch immer üblich ist?

XII. Handelt es sich bei Don Ottavio womöglich um eine Vorwegnahme des rückgratlosen und triebgesteuerten Bundesdeutschen des 21. Jahrhunderts?

Kommentar Sommerfeld: Den spielte in der Wiener Aufführung Kenneth Tarver: http://www.kennethtarver.com/?lang=de.

XIII. Gleich nach „Viva la Libertá“ bringt Mozart das kompositorische Kunststück fertig, drei Tänze in einem und gleichzeitig erklingen zu lassen, die jeweils unterschiedlichen sozialen Schichten zugeordnet werden können. Menuett (für die Aristokratie), Contredanse ( für das Bürgertum) und Deutscher/Ländler (für das gemeine Volk). Ist es denkbar, daß es dabei um viel mehr geht, als um eine Szene, bei der „ein großes Fest gefeiert wird, zu dem die Schönen des Dorfes maskiert geladen werden“?

XIV. „Questo è il fin di chi fa mal! E de' perfidi la morte alla vita è sempre ugual!“, heißt es, nachdem der Systemrepräsentant Don Giovanni am Ende der Oper endlich die gerechte Strafe für seine Verbrechen erhält. Was spricht dagegen, Don Giovanni durch Trump, Macron, Merkel oder eine beliebige Figur der westlich-demokratischen Globalismusmafia zu ersetzen?

Franz Bettinger
9. September 2019 21:02

@Maiordomus: Sie erwähnen Shakespeare’s Maria Stuart. Darin soll der zitierte Vierzeiler die Lage des heutigen Englands intelligenter beschreiben als irgendein Medium der Gegenwart. Eine kühne Ansage! Also strengte ich mein Hirn an (was ich nicht gern tue; lieber habe ich’s, wenn andere schon etwas Schönes Rundes Verständliches vorausgedacht haben; egal.)

"Englands Beherrscher brauchen nichts zu scheuen als ihr Gewissen und ihr Parlament." Mit Beherrscher sind wohl die Kings and Queens gemeint. Da diese ihr Gewissen fürchten müssen, sind sie also Schurken. Nach MD also auch Queen Elisabeth. (Durchaus möglich; es müsste halt begründet werden.) "Was die Gerechtigkeit gesprochen, furchtlos, vor aller Welt wird es die Macht vollziehen.“ Sehr verquast und grammatikalsich unverständlich. Vielleicht ist auch nur die Übersetzung dürftig. Kann jemand die Stelle in gute deutsche Prosa fassen? Sie, MD? Mit ‚es‘ kann nur das Parlament gemeint sein.

Ich übersetze es also so: "Das Parlament wird seine Macht ausüben (gegen die Krone, wenn nötig), nachdem es Recht gesprochen hat." Trifft das die Lage Englands heute? Wer hat Recht? Wer setzt sich im Parlament durch? Also ich weiß nicht, was MD uns damit sagen will. Mehr Klarheit, weniger Rausch, Rauch und Nebel bitte! Vielleicht ist es gut, dass Tichy lebt und Schiller starb.

Laurenz
9. September 2019 21:12

Schöner Artikel über die "Manipulation".

Aber ob dieser Dirigent, Herr Currentzis, als passendes Beispiel dienen kann, wage ich zu bezweifeln. Sie, Frau Sommerfeld, haben die Aufführung ja in Wien gesehen, und Wien hätte auch jeden anderen Dirigenten & Orchester einladen können. Um also ein gut bezahltes Engagement an Land ziehen zu können, muß man politisch schon mit dem zahlenden Zeitgeist konform gehen oder zumindest Zugeständnisse machen.

Ich habe mir die Audio-Aufnahmen aus dem Currentzis-Effekt-Artikel alle angehört, leider war nur das Orage-Video visuell verfügbar. Die Orage-Aufnahme ist, auch in Anbetracht, daß es nur auf Youtube mit schlechterer Auflösung als auf einer CD/DVD läuft, top. Und man sieht kein einziges Mikro oder einen Tonabnehmer, das ist absolut retro, 70er Jahre. Wenn also die Mikrophone von den Ton-Technikern geschickt im Raum platziert wurden, wie zu Karajans und Bernsteins Zeiten, entspricht das im Klangerlebnis mehr den Originalen klassischer Musik als alles zeitgenössische, wo jedes Instrument einzeln aufgenommen und erst im Studio bestimmt wird, was auf der Aufnahme tatsächlich zu hören sein wird.
In solch einer Retro-Aufnahme von Herrn Currentzis ist also ein Horn weit vorne zu platzieren, wenn es im Duo/Duett mit der Gesangssolistin zu hören sein soll. Nur dadurch kommen alle die natürlichen Interferenzen auf die Aufnahme, welche auch vom Komponisten beabsichtigt sind. Die Interferenzen sind die Verbindung der einzelnen Aspekte. Nur dadurch wird das Orchester zum Instrument. Und daß bei einer solchen Aufnahmetechnik die Interpreten ab und an tatsächlich ihre Saiten in einem Stück ruinieren müssen, ist doch nachvollziehbar, wenn eine entsprechende Dynamik gelebt werden soll. (Im Studio, habe ich gesehen, zieht Herr Currentzis schon eine direkte Über-Kopf-Mikrophonierung vor, aber auch keine Tonabnehmer.)
Paganini konnte erst dünnere Saiten aufziehen, die schnelles Spiel und Klang-Effekte ermöglichen, als Er eine Violine erhielt, die von Natur aus laut genug war.
Das ist auch alles nichts neues, Herr Currentzis kleidet und frisiert sich wie ein etwas jüngerer Dave Gahan und zieht eben eine rockige Bühnenschau ab, wie Nigel Kennedy. Ich hatte Nigel Kenndy 3x leibhaftig gesehen, 2x in der Alten Oper zu Frankfurt, wo es möglich war, auf jegliche Mikrophonierung zu verzichten. Und bei der aggressiven Spielweise passieren eben auch mal ein Schnitzer oder 2, und?
Hier auf der Aufnahme aus 2005 mit dem polnischen Kammer-Orchester waren die akkustischen Gegebenheiten nicht so optimal, um ohne Ton-Abnehmer und Mikros zu spielen.
https://youtu.be/YuF4oYRktcA (03:27 Sommer presto)
Wenn ich mir Il Prete Rosso mit Seinem Waisen-Mädchen-Orchester vorstelle, kommt das einem Rocker oder Punk wie Herrn Kennedy schon am nächsten. Daß der SWR Herrn Currentzis als neu gedachte Klassik verkauft, ist, mit Verlaub, lächerlich. Im Cross-Over ist das schon seit 1969 normal.
Hier Yngwie Malmsteen mit Paganini https://youtu.be/z6R5wb9iY6I aus 2011.

Ratwolf
9. September 2019 21:23

Mozarts Opern gefallen mir am besten. Kein anderer Opernkomponist hat solch eine nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Don Giovanni mag ein Manipulator gewesen sein, Mozart und Da Ponte waren es nicht. Sie haben beschrieben was Sache ist.

Der Gegenentwurf zum Manipulator ist der Anti-Machiavelli von Friedrich dem II., Kurfürst von Brandenburg und König in Preußen.

Die Verführung ist ein Nachteil der Demokratie. Demokratie bedeutet Lüge und Verrat, wenn nach der Stimmabgabe keine weiteren Einflussmöglichkeiten bestehen
(Wie sie bei germanischen Völkern vor der Christianisierung und dann Amerikanisierung der Demokratie üblich war).

Ratwolf
9. September 2019 21:24

Wer diese Musik nicht kennt oder reflexartig ablehnt, dem entgeht etwas in seinem Leben.

Nemesis
9. September 2019 21:46

Drei Gedanken zur Manipulation:

1. Manipulation erfolgt i.d.R., wenn der tatsächliche nicht dem erwarteten Systemausgang entspricht, also eine Fehlabweichung (im Sinne des Manipulators) auftritt bzw. erwartet wird.
Um diese Fehlabweichung zu kompensieren bedarf es:
a) Energiezufuhr (Kosten, Aufwand) und
b) i.d.R. wird das System zunehmend instabiler (Mitkopplungs- oder Aufschwingeffekte)

Was i.d.R. weitere und größere Manipulationseingriffe notwendig macht…

Wer auf Manipulation setzt wird also:
a) irgendwann die Energie nicht mehr aufbringen können oder
b) feststellen, daß die Fehlabweichungen so groß werden, daß auch ein Manipulationseingriff nichts mehr nützt: Die Fehlabweichungen werden sichtbar.

2. Das grundlegende Problem der Manipulierbarkeit: Abwesenheit einer verläßlichen Referenz.

3.Das Schizophrene am menschlichen Neocortex:
Mitunter können „De-Manipulierte“ ein vergleichbares Niveau wie die ursprünglichen Manipulierer erreichen.

Wie nennt man das dann?
Manipulierte De-Manipulation?

zeitschnur
9. September 2019 23:23

"Diversity" ist ein künstlicher Kontrollbegriff, der tatsächliche Liberalität ablöst. Ich hatte immer ein peinliches Gefühl, wenn einem Leute erklärten, dass "jeder anders" sei, und das ja ach so wichtig und bedenkenswert sei. Mich packte schamgefühl angesichts solcher Labereien.
Inzwischen stellt sich bei mir Brechreiz ein, sobald ich dieses gouvernantenhafte Geschwätz höre.

Warum?

Weil es eigentlich die größte Banalität ist und Gesellschaften, die das dauernd betonen, damit entlarven, dass sie die Berücksichtigung der "Diversität" längst aufgegeben haben!

Die Banalität der Verschiedenheit, in das Korsett moralinstählerner Rezitation gepresst: das kann nur Brechreiz auslösen. Es gibt Dinge, die bleiben nur lebendig, wenn man sie nicht benennt.

Der echte Freiheitliche redet darüber nicht - er praktiziert den Respekt vor dem anderen und nicht nur das: auch vor dem Unabsehbaren. Er liebt stille Schönheit, die Autorität der Originalität. Er ist ein Improvisateur.
Nein, man braucht nicht für jeden Furz ein definiertes Format. Genauso wenig wie man für jede Fortbildung einen neuen Studiengang braucht.

Aber wir laufen uns allmählich tot, denn das Zeitalter der "Apparatschiks" schien doch schon zu Ende, und jetzt geht das schon wieder los.
Die Diversität jenseits der "Diversitiy" ist wie das Überunendliche hinter Georg Cantors Unendlichkeit, ein transzendenter Bereich. Das gibt, so seltsam es klingt, auch Chancen und so etwas wie einen leichten Einstieg ins Eigene im Angesicht Gottes.

links ist wo der daumen rechts ist
10. September 2019 00:07

Kehraus mit den Helden

Ein bißchen ist dieser Artikel für mich eine (ungewollt manipulative) Fortschreibung des jüngsten Bosselmann-Textes. Dort die Feststellung, daß der Wortschatz der Linken („Linksliberale“ wäre korrekter) nur noch aus Sprachhülsen bestehe. Meine Frage: Gilt denn dann der einfache Umkehrschluß nach der Feststellung, der Gegner argumentiere inhaltsleer, die eigenen Parolen seien demnach bedeutungsschwer und gehaltvoll?

Natürlich nicht.

Aber eine Wesensbestimmung der „deutschen Einfalt“ (Böckelmann) vorzunehmen, wie denn das Schwanken zwischen Universalismus und Eigenem, der Wechsel zwischen Eigen- und Fremdverneinung oder das ewige Warten auf das „Triffst du nur das Zauberwort“ zu verstehen sei, nö.
Dann mal lieber in die Wadeln der Gegner verbeissen und die eigenen blinden Flecken nicht sehen.

Aktuelles Beispiel: Rudolf Burger hat zurecht vor bald 20 Jahren die damalige Selbstbeschreibung des „antifaschistischen Karnevals“ zynisch aufgegriffen.
https://www.merkur-zeitschrift.de/2000/05/01/austronomie-oder-der-antifaschistische-karneval/

Natürlich gibt es im linksliberalen Lager diese penetrante Mischung aus nachgeholtem Antifaschismus, übertriebenem Moralismus, Diversity-Geplärre und falschverstandenem Universalismus; das nervt übrigens die echten Linken (ich nenne sie konservative) am meisten. Was soll dann aber ein „völkischer Fasching“ wie der Gedenkumzug zur Abwehr der Türkenbelagerung? Das ist doch Geschichtsklitterung par excellence. Welche Rolle hat das Osmanische Reich tatsächlich gespielt? Die Rache für Lepanto waren die Balkankriege (und in Folge der Erste Weltkrieg), als der osmanische Einfluß zu Ende und dieses Pulverfaß - in guter alter europäischer Tradition der Selbstzerfleischung – hochging. Und was meint der geschätzte Erhart Kästner in seinem Buch „Aufstand der Dinge. Byzantinische Aufzeichnungen“:

„Hätten die Türken, woran doch nur eines Haares Breite gefehlt hat, auch den Sankt Stephans Dom in eine Moschee umgewandelt: die Welt hätte es auch hingenommen. Nach Zeit und Weile würden die Reisenden mit denselben ungenauen Gefühlen, mit denen sie jetzt die Kirche der Hagia Sophia begehen, die Moschee Sankt Stephan betrachten.“

Folgerichtig heißt das letzte Kapitel dann „Vergessen, vergessen“. Wie man ja auch eines der schändlichsten Kapitel der abendländischen Geschichte, die Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer, vollständig vergessen hat. Wie war denn nun die Haltung der Franzosen damals 1683? Wie ist die Haltung der Polen heute? Wer heute Jan Sobieski verherrlicht, schweigt über Jozef Beck und die verhängnisvolle polnische Großherrlichkeit der Zwischenkriegszeit von Amerikas Gnaden

https://www.youtube.com/watch?v=ZnhATUWDef8

verharmlost das historische Unrecht, das den aus den „wiedergewonnenen Gebieten“ (hier sträubt sich meine Schreibhand) vertriebenen Deutschen millionenfach widerfuhr. Aber über die aktuellen Reparationsforderungen Polens meckert der Meckerdeutsche natürlich. Über diesen großen Austausch 1944-47 schweigen die Neurechten. Warum eigentlich? Weil uns als Ersatz die kolonialen Traumata der europäischen Bruderstaaten implantiert wurden.

Bernd Rabehl spricht richtigerweise davon, daß Nordafrika bis Paris und Kalkutta bis London reicht;

https://www.youtube.com/watch?v=_XeiMm309aY

Frankreich und England (und die anderen europäischen Kolonialmächte) kämpfen mit den Wiedergängern des kolonialen Erbes. Deutschland kannte diese Gespenster nicht, kommt jetzt aber auf Umwegen in den Genuß – und spielt dieses Spiel mit. Wie auch die Neurechten das Spiel ihrer Geschichtsklitterung spielen.

Helden von rechts? Vergessen wir also Jan Sobieski. Warum aber beschwört Martin Sellner in seiner Rede vor dem Justizpalast das Erbe der Babenberger herauf? Stolz darauf? Ganz und gar nicht. Österreich hatte seine Mission (sofern es eine hatte) 1918 verspielt – und wurde zweimal nach zwei verlorenen Kriegen im Zuge einer Resteverwertung als „ideologische Mißgeburt“ von den Siegermächten aus der Taufe gehoben. Daß man dann auf eine Loser-Nation in der Schrumpf-Form des mittelalterlichen Babenbergerreiches stolz sein soll, indem ein österr. „Nationalbewußtsein“ von purer Germanenfresserei zerrt, wissen nur Sellner und seine Claqueure. Stolz bin ich als Österreicher allenfalls auf die Bauernkriege.

Helden von links? Eine Göre wie Greta Thunberg oder Katharina Schulze oder Carola Rackete nervt ohne Wenn und Aber. Eine Corinna Miazga gilt aber als Bewahrerin abendländischer Kultur. Die europäische Sozialdemokratie hat mit Schröder, Blair und Klima den Kniefall vor dem Neoliberalismus vollzogen, Lobbying salonfähig gemacht (manche wie der ÖVPler Ernst Strasser konnten nicht wie der Parvenü Gusenbauer anstandshalber bis zum Ende ihrer Politkarriere warten).

Aber wenn ein Bilderbuch-Strizzi wie Strache in eine Honey-Trap plumpst und das ausplaudert, was alle Mächtigen in allen Parteien gerne täten (und tun), gilt er als tragische Siegfried-Figur. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, ermüdet aber allzu sehr. Auf jeden Trottel im linksliberalen Lager folgt ein Depp bei den Rechten; und diese Lebenslügen muß man erst einmal verdauen können.

Also: Bitte keine Halbwahrheiten, Geschichtsklitterungen, taktische Rücksichtnahmen, Feind-Projektionen usw. Stattdessen Kehraus mit halbseidenen Gestalten, falschen Helden und -innen und v.a. keine Kostüm-Kasperliaden mit peinlichen, gestammelten Politiker-Reden.

Ziel sollte sein, ein nationalkonservatives Lager zu konstituieren und sich über das Wesen der Deutschen und der Rolle Deutschlands klar zu werden. Nicht mehr und nicht weniger. Und am Ende meiner Fischpredigt: Leset Sieferles „Konservative Revolution“ und bedenket die „Ideen von 1914“.

Laurenz
10. September 2019 04:06

@Franz ... der Bruch in der britischen Geschichte ist die glorreiche Revolution unter Wilhelm von Oranien. Letzterer gründete 1694 die Bank von England und läutete damit die heutigen Wirtschafts-Modalitäten ein, zB wie Geld aus dem nichts heraus zu erschaffen.
@Ratwolf .... auch wenn Friedrich II von Preußen bei vielen, auch bei mir, äußerst beliebt ist, so sollten wir doch festhalten, daß Ihre Aussage zu weit geht. Ich möchte Sie nur an die Geldknappheit im 7-jährigen Kriege erinnern, da ließ er das Geld im Münzwert manipulieren. Er hatte auch einen Geheimdienst, der Produkt-Diebstahl betrieb. Und der alte Fritz hing genauso mit den Freimaurern (Mozart war auch einer) ab, wie der Rest des europäischen Adels auch. Damit legte man selbst den Grundstein für die Beseitigung jeglicher alten Ordnung, weil man selbst nicht in der Lage war, Ordnung anzupassen, nur den Geist. Das, was der alte Fritz begann, wurde von Seinen Nachfolgern leider nicht fortgeführt.
Und Sie haben natürlich im Falle vom Wolferl Recht, Mozarts Werk ist tatsächlich geiles Zeug, Er war wohl der Größte aller Zeiten in der Musik. Aber Sie erkennen auch an den Inhalten die Schwierigkeiten unseres Volkscharakters. Mozart macht da keine Ausnahme. Mozart ist widersprüchlich, er erlebte beide großen Freimaurer-Revolutionen, die seinesgleichen veranstalteten. Andererseits sind Seine Werke wenig spartanisch, eher ein Spiegel des Feudalen im aufgeklärten Menschenbild.

RMH
10. September 2019 06:49

"Wer diese Musik nicht kennt oder reflexartig ablehnt, dem entgeht etwas in seinem Leben."

@Ratwolf,
Wenn es denn nur reflexartig im Sinne einer Ablehnung auf unvoreingenommener, rein geschmacklicher Basis ohne vorherige Verblöd .. - pardon - Verbildung (oder auch: Einbildung) wäre --- für Leute, die an die freimaurerische Weltverschwörung glauben und daher überall "finstere" Machenschaften am Werk sehen, ist Mozart im Bunde mit seinen meisten Librettisten ungefähr das, was für einen evangelikalen Fundamentalisten aus dem Bible Belt die Rockmusik ist …
es kommt ihnen nicht ins Haus.

Jedem das Seine - für alle anderen ist Musik hingegen eine Bereicherung im Leben.
@Ratwolf (und @all), lassen Sie sich ihre Freude an Mozart daher bitte nicht nehmen ...

Gustav
10. September 2019 07:42

@ Maiordomus

"Englands Beherrscher brauchen nichts zu scheuen
Als ihr Gewissen und ihr Parlament.
Was die Gerechtigkeit gesprochen, furchtlos,
Vor aller Welt wird es die Macht vollziehen:"

Verständlicher ist hier Donoso Cortes:

"Gerade die englische Konstitution ist die einzige in der Welt – so weise sind die Engländer! -, in der die Diktatur nicht unter das Ausnahmerecht gehört, sonder in das gemeine Recht. Die Sache ist klar: das Parlament hat bei allen Gelegenheiten, zu jeder Zeit, wann immer es will, die diktatorische Gewalt; es kennt keine andere Grenze als die, die jeder menschlichen Macht gesetzt ist; es kann alles – und darin liegt die diktatorische Macht -, außer aus einer Frau einen Mann und aus einem Mann eine Frau machen, wie seine Rechtsgelehrten sagen. Es hat die Macht, die Habeas-Corpus-Akte zu suspendieren, es kann mittels einer "Bill of attainder“ ausbürgern; es kann die Konstitution ändern; es kann selbst die Dynastie auswechseln und nicht nur die Dynastie, sondern sogar die Religion; es kann das Gewissen unterdrücken; mit einem Wort: es kann alles! Wer, meine Herren, hat je eine monströsere Diktatur gesehen?" (Rede über die Diktatur)

Der_Juergen
10. September 2019 08:08

Dass auch Mozarts nächst der "Zauberflöte" grossartigste Oper für billigen Agitprop missbraucht wird, verwundert hier wohl die wenigsten. Man ist dergleichen ja gewöhnt. Interessanter fand ich den Hinweis auf die "Philosophin" Isolde Charim. Ich habe mich über diese Dame kundig gemacht und rasch herausgefunden, dass auch ihre engere Umgebung aus den üblichen Verdächtigen besteht.

Alternativlosigkeit - so heisst das Phantom, das die Volksverderber uns vorgaukeln wollen. Es gibt keine Alternative zu Drittweltinvasion, Afrikanisierung und Islamisierung, Schuldkult, Schwulenehe, Gender Mainstreaming, Abtreibung und was der schönen Dinge mehr sind. Der Zug ist abgefahren; nur verbohrte Hinterwäldler wie jene unsäglichen 28% der Sachsen wehren sich noch gegen diese Segnungen, und ihr Kampf ist aussichtslos. Sie haben die Logik der Geschichte gegen sich. Darum werden sie verschwinden, und wenn die Antifa ihrem Verschwinden noch ein wenig nachhilft, dann um so besser.

Dieser perfiden Logik gilt es zu widerstehen. Der Zug ist noch nicht endgültig abgefahren; ein radikaler Wandel ist noch möglich. Freilich gilt: Mit jedem Jahr wird er schwieriger, weil die Gesetze der Demographie nicht ausser Kraft gesetzt werden können, und je länger die Wende hinausgeschoben wird, desto weniger "wohltemperiert" (Peter Sloterdijk) werden die Grausamkeiten sein, die dann zur Rettung des eigenen Volkes nötig sein werden.

Ich danke Caroline Sommerfeld auch für das Zizek-Zitat am Ende Ihres Aufsatzes. Ob der Slowene ein so grosser Denker ist, wie man weithin behauptet, sei dahingestellt, aber er spricht wenigstens Klartext.

zeitschnur
10. September 2019 09:52

@ Franz Bettinger

Das ist nicht Shakespeare, sondern Schiller (Maria Stuart, 1. Akt, 2. Szene) und ist daher auch nicht "dürftig übersetzt", sondern original deutsch, von einem unserer größten Freiheitsdichter, einer unserer Geistesgrößen. Das nennen Sie "verquast" und "grammatikalisch unverständlich"?! Ich verkneife mir hier eine passende Antwort. Bin aber einigermaßen überrascht über so eine Äußerung auf einem Blog wie diesem...
Der Satz ist doch sonnenklar (im Original so gedruckt) für jeden deutschen Muttersprachler, der seine Sprache noch kann:
"Was die Gerechtigkeit gesprochen, furchtlos,
Vor aller Welt wird es die Macht vollziehen.“
Das "es" ist das, was die Gerechtigkeit gesprochen hat. Zusammengefasst kann man sagen: es ist doch nicht schlecht, wenn man sich ein wenig geisteswissenschaftlich bildet.

Atz
10. September 2019 09:54

Wie Gehirnwäsche geht, das haben die amerikanischen Dienste im Koreakrieg von ihrem Gegner gelernt. Der Major William E. Mayer stellte in seinem Untersuchungsbericht fest, dass dafür entgegen öffentlicher Mutmaßungen überhaupt keine physische Folter notwendig war.

Nämlich in der Behandlung von Kriegsgefangenen liegt der Schlüssel. Eine Kultur der Bespitzelung untereinander wird etabliert. Jeder hat schrittweise zuzugestehen, dass die eigene Regierung verbrecherisch ist, das mit den eigenen Werten was nicht stimmt. Man wiederholt das. Man muss es selbst sagen. Bis man es als eigene Auffassung akzeptiert. Dann geht es einen Schritt weiter. Das Ergebnis waren etwa ein Drittel "Turncoats" unter den US Soldaten.

https://www.usa-anti-communist.com/pdf1/Mayer_Brainwashing_Ultimate_Weapon/Brainwashing_The_Ultimate_Weapon-Major_William_E_Mayer-Oct4_1956.pdf

Man lese erst den Bericht von William Mayer und dann betrachte man den Echtzeit Beitrag im Deutschlandradio Kultur vom 7. September 2019 über eine Seminarveranstaltung von einem Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“, den so genannten „Stammtischkämpfer*innen-Workshop“. Was Deutschlandfunk Kultur Journalistin Mandy Schielke da von Martin Reischke über den Workshop erfährt, zeigt klar wie klassisch kommunistische Manipulationsmethoden in der Gegenwart benutzt werden, psychische Seelenmassage zur Selbstverleugnung und Schulung zum Hass auf andere, a priori falsche Meinungen ("Umgang mit Rechten").

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ausdiskutiert-ueben-fuer-den-umgang-mit-rechten.2147.de.html

Der Sender findet auch nichts dabei es gleich parteipolitisch Anti-AfD einzuordnen. Vor 25 Jahren noch wäre direkte Agitation gegen im Bundestag vertretene Parteien bei deutschen Journalisten ganz verpönt gewesen, parteipolitische Tendenzen eine Unsitte für die Journalisten in der Provinz.

Deutschland war einmal DAS Kampffeld psychologischer Nachkriegsführung. Die Art und Weise wie das Land heute immer radikaler wird, beruht auf ähnlichen Mechanismen fortdauernder psychologischer Gruppenmanipulation, quasi als Cargo Cult einstiger gezielter Reeducation. Demokratie ist wenn man nicht mit gewählten Antidemokraten zusammenarbeitet usw. Der Deutschlandfunk hat Teile der früheren allierten Propagandamedien geschluckt. Die Folge ist, dass dieser ÖR-Sender besonders zombiehaft das alte Spiel weiterspielt.

Es ist nicht der Zug, der entgegenkommt. Es ist die Gruppe, die sich ihrer ganzen Mindmassage nicht bewusst ist. Es gibt keinen Zug. Das ist das Erschreckende im Tunnel. Die Unterdrückung und Verleugnung des Eigenen. Die fragile Individualität. Das Mozartstück ist ja nur ein kleiner Baustein einer perfiden Industrie der Manipulation. Und zu der kommt es auch nur, weil der Künstler geschult wurde, so etwas zu machen.

Maiordomus
10. September 2019 10:03

@Thomas Martini. Ihre Anmerkungen betr. Mozart und die damalige Zeit beschlagen Wesentliches. Es fand auch damals wie heute ein epochaler Kulturkampf statt.

@Bettinger. Auf gar keinen Fall kann es darum gehen, dass das Parlament sozusagen "immer recht" hätte, das meint auch der tiefsinnige Schiller nicht. Es ging schon zu absolutistischen Zeiten wie denjenigen von Heinrich VIII. und Elisabeth I. wenn schon um eine Art Dialektik, dasjenige, was Edmund Burke später die "Checks and Balances" genannt hat. Voraussetzung dafür ist, dass das Parlament noch wirklich eine Macht darstellt, was z. B. bei der EU überhaupt nicht der Fall ist, im Deutschen Bundestag ebenfalls nur auf sehr eingeschränkte Weise. Vgl. den ausgezeichneten Blog von gestern Montag zu diesem Thema bei Henrik M. Broder, dazu noch mehr weiter unten. Es geht aber nicht um Blogger, die schon übermorgen kein Gewicht mehr haben, sondern um Friedirch Schiller, einen der grössten dramatischen Meister historischer und politischer Dialektik.

"Maria Stuart" ist von Friedrich Schiller, nicht von Shakespeare. Wer sein Gewissen fürchtet, ist kein Schurke, sondern zum Beispiel ein Gewissensheld wie Thomas Morus, was Reinhold Schneider in seiner Novelle von 1940 "Der Traum des Heiligen" dargestellt hat. Und Englands Beherrscher waren zu Heinrich VIII. Zeiten tatsächlich Könige. Heute ist nun mal der Premier der mächtigste Mann, der aber - wie in England schon Jahrhunderte vor der Französischen Revolution zur Tradition geworden - das Parlament fürchten muss, das im Vergleich zum deutschen Parlament noch am ehesten in Europa Ausdruck einer echten, das heisst freien Debatte ist. Hier spielte und spielt das Gewissen - neben den üblichen Intrigen - seit Thomas Morus je seine Rolle, vgl. auch sogar die familieninternen Konflikte bei der Familie Johnson, wo unter Brüdern wohl keiner einfach als Schuft abgetan werden kann.

Vgl. die neuesten Entwicklungen um den Brexit, auch den berühmten Film über Margaret Thatcher und aktuell das Loblied des britischen Parlaments durch Henryk Broder in seinem neuesten "Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist los in diesem Land?". Klar scheint Tichy eher Ihre Mentalität als Friedrich Schiller, Herr Bettinger. Für mich mit ein Grund, das sogenannt metapolitische Niveau auf dieser Seite nicht zu überschätzen. Es bleibt dabei, dass Schiller von enormer diesbezüglicher Substanz ist, nicht nur für Sie, Herr Bettinger, eine Überforderung; erst recht für das Thalia Theater Hamburg, welches zwar auf youtube eine auf weite Strecken noch saubere Aufführung mit einer überragenden Elisabeth I. bringt, nicht zuletzt mit ausgezeichnet gespielten Männerrollen, aber gegen Schluss lässt ein historischer Idiot von Regisseur das Meisterwerk Schillers mit dem Absingen der Marsaillaise schänden. Die Freiheit in Grossbritannien war und ist nun mal nicht die Freiheit der Dantons, Marats und Robespierres! Solche Entstellungen der Originaltexte in Verbindung mit geistigem Analphabetismus vieler Theaterregisseure und Kulturschaffenden scheint mir mit ein Grund, warum öffentliche Subventionierungen von Theatern ähnlich wie das Zwangsabonnement von öffentlichrechtlichen Propagandasendern eine absolute Zumutung darstellen, mithin eine Menschenrechtsverletzung, die geistige Integrität von Personen und Werken beschlagend. @Bettinger. Immerhin scheint mir Ihr Zitat über Donoso Cortes bemerkenswert, mit dem Unterschied, dass Parlamente heute selbstverständlich, siehe Gendergesetzgebungen, aus einem Mann eine Frau machen können und umgekehrt. Die Rede über die Diktatur von Cortes wurde in der Schweiz von Rechtspolitiker James Schwarzenbach schon vor 50 Jahren in seinem Buch "Dolch oder Degen" zitiert, wobei es da freilich um die Wahl zwischen der "Diktatur der Empörung" und der "Diktatur der Regierung" geht, bei welcher die Diktatur der Regierung lediglich das kleinere Übel darstellt, diese herrschte in der Schweiz u.a. auch während dem 2. Weltkrieg mit den Sondervollmachten der Regierung in Sachen Zensur usw. Donoso Cortes war nun aber nicht gerade ein Theoretiker der Freiheit und auch nicht der beste Kenner des britischen Systems. Wenn schon, wäre hier eher Edmund Burke zu zitieren und zu analysieren. Cortes gehört wie de Maistre und Bonald nun mal zur antidemokratischen Reaktion, der man zugutehalten muss, dass sie vieles leider richtig gesehen hat. Für eine freiheitliche Auffassung von Staatsrecht als Volksrecht wäre es, wenn schon, klüger, sich an den Schweizer Verfassungsvater von 1848, Ignaz Paul Vital Troxler zu halten, wobei dieser gerade als Erzföderalist keineswegs ein Anhänger allgemeiner Gleichmacherei war, sich z.B. durch den Handelsvertrag mit Frankreich nicht mal die Emanzipation der Juden aufdrängen lassen wollte, weil ein solches Gesetz die von ihm noch absolut gesetzte Gemeinde- und Kantonsautonomie untergraben hätte. Was die ausserordentlichen Vollmachten des britischen Parlaments betrifft, die ich freilich in der praktischen Bedeutung nicht unterschätzen würde, so stehen diese, unter Voraussetzung des Ausschlusses von Fraktionszwang, immer noch im Gegensatz zur Tyrannei als nach Platon Ausdruck der Alleinherrschaft eines unbeherrschten Einzelnen. Reinhold Schneider, der wie an anderer Stelle gesagt, das Attentat der ihm nahestehenden Gesinnungsfreund von 1944 ablehnte, setzte Hoffnungen auf die Monarchie, weil sich nach seiner Überzeugung ein Monarch noch am ehesten eine Gewissensentscheidung leisten konnte, was zwar selten genug vorgekommen ist. so noch vor etwa 35 Jahren bei König Baudouin von Belgien, als er ein Abtreibungsgesetz nicht unterschrieb, analog zur noch gegenwärtigen Haltung des Fürsten von Liechtenstein. Ein Schuft, Herr Bettinger, ist einer, der sein Gewissen nicht fürchtet. Wobei freilich, wie Sokrates betonte, das Gewissen uns eher sagen kann, was falsch ist, denn dass es wirklich eine Garantie für die Richtigkeit unserer Entscheidung sein kann. So sah es auch der grosse Humanist Thomas Morus, der für sein blosses Schweigen gegenüber dem Unrecht bei Heinrich VIII. aufs Schafott geführt wurde.

Bei Schillers "Maria Stuart" gibt es überdies noch eine hervorragende Stelle, die zeigt, dass Schiller bzw. die Königin Elisabeth I. ihren Machiavelli genau gelesen hat bzw. nach diesem handelt. Der Königin wäre es lieber gewesen, ihre Rivalein Maria Stuart wäre noch vor der Hinrichtung durch einen Intriganten "gestorben worden", weil sie dann nämlich das Todesurteil nicht hätte unterschreiben müssen. Sie wusste genau, dass sie sich damit bei einem Teil der Untertanen verhasst machen würde. Und obwohl aus ihrer Sicht die Staatsräson (Konfession, Vorrang Englands vor Schottland usw.) die Beseitigung der Schottin unbedingt gebot, wollte sie im Gegensatz zu ihrem Vater die Krone nicht mit Blut bespritzen, betonte gegenüber Leicester, Burleigh und Mortimer, dass es in der Politik wie in der Geschichte nicht auf das Sein ankomme, sondern auf den aufrechterhaltenen Schein. Und dass ohne den richtigen "Schein" niemand an der Macht bleiben könne. Fürwahr, ein Lehrbuch der Politik, was Schiller dann auch mit Don Carlos, Wallenstein und Tell illustriert hat. Das ist in der Tat nicht Tichys, sondern Schillers Einblick! Ein jeder an seinem Ort. Ohne genaue Textkenntnis sollte man das Zitieren eher lassen. Diesen Ansprüchen genügt das gedruckte Heft "Sezession" eher als oftmals die unter dem Strich geführten Debatten.

Thomas Martini
10. September 2019 10:24

Wer Mozart ablehnt, und stattdessen auf amerikanischen Pop oder Rock setzt, der traut sich nur noch nicht vor sich selbst einzugestehen: "Ich habe meine Seele an die USA verkauft."

An Der_Juergen:

"Dieser perfiden Logik gilt es zu widerstehen. Der Zug ist noch nicht endgültig abgefahren; ein radikaler Wandel ist noch möglich." - Der_Juergen

Können Sie bitte in groben Zügen schildern, wie sich dieser "radikale" Wandel in der Realität vollziehen könnte?

An Atz: Was macht sich glauben, daß es sich bei einem amerikanischen Major um eine zuverlässige und glaubwürdige Quelle handelt? Wissen Sie nicht, wie die US-Streitkräfte die deutschen Gefangenen nach dem Krieg behandelt haben? Die Bespitzelung unter Gefangenen einzuführen, haben die Demokraten der USA bestimmt nicht von den Koreanern, bzw. "Kommunisten" gelernt. Das ist eine freche Lüge.

heinrichbrueck
10. September 2019 11:54

„Das "es" ist das, was die Gerechtigkeit gesprochen hat. Zusammengefasst kann man sagen: es ist doch nicht schlecht, wenn man sich ein wenig geisteswissenschaftlich bildet.“

Dann soll aber auch unser Schweizer Historiker, ein Mammutgedächtnis mit Kolossalbildung, Bettingers Frage beantworten: Was hat Schiller mit dem Brexit zu tun? Wäre nah am Thema. „Was die Gerechtigkeit gesprochen“, - die Gerechtigkeit spricht nicht, ist kein Mensch. Was ist real? Wer soll verschaukelt werden?

Laurenz
10. September 2019 12:59

@Der_Juergen .... Da es damals keine Ton-Träger gab, wurden Opern-Schlager vereinfacht als Text-Blätter oder als Klavier-Partituren verkauft. Da die Zauberflöte keinem Mäzenatentum unterlag, lag die Zielgruppe eher im Bürgertum verhaftet, welches sich die Eintrittskarten leisten konnte. Sie können Sich Selbst überlegen, welche üble Königin der Nacht gemeint ist, die sich von einem Großmeister Sarastro/Zarathustra schwängern läßt, um ihn danach vom gemeinsamen Kind umzubringen zu lassen. Darauf muß mal erstmal kommen. Könnte glatt von den Grünen sein.

Franz Bettinger
10. September 2019 14:06

@zeitschnur: Schöner Beitrag! Der Echo-Esel wiehert mal zurück:

Diversity ist ein schaler Kunstbegriff, der die gelebte Freiheit, wie wir sie früher als Kinder im Dorf kannten, abgelöst hat. Peinlich, wenn einem die neu-emanzipierten Herren oder Damen von Grün erklären, dass jeder anders und das so wichtig und bedenkenswert sei. Was für eine gouvernantenhafte Laberei! Warum? Weil Diversität die größte Banalität ist und Leute, die das dauernd betonen, damit entlarven, dass sie den Respekt vor den natürlichen Unterschieden zwischen den Menschen längst aufgegeben haben! Die Banalität von Verschiedenheit, in ein Korsett von p.c. Floskeln gepresst, löst bei mir Brechreiz aus. Es gibt Dinge, die bleiben nur lebendig, wenn man sie nicht benennt. Der Freiheitliche quatscht nicht viel, sondern praktiziert den Respekt vor dem anderen und nicht nur das: Er liebt das Authentische wie das Originelle. Nein, man braucht nicht für jeden Furz ein definiertes Format.

Nath
10. September 2019 14:34

@links ist wo der Daumen rechts ist
"Also: Bitte keine Halbwahrheiten, Geschichtsklitterungen, taktische Rücksichtnahmen, Feind-Projektionen usw. Stattdessen Kehraus mit halbseidenen Gestalten, falschen Helden und -innen und v.a. keine Kostüm-Kasperliaden mit peinlichen, gestammelten Politiker-Reden."

Martin Sellner betont die Wichtigkeit einer solchen Feier wie der am Kahlenberg aufgrund der damals abgewendeten Gefahr eines islamischen Österreichs. Im Sinne einer historisch-politischen Pragmatik ist dies nachvollziehbar. Von den drei abrahamitischen bzw. monotheistischen Religionen ist der Islam sicherlich diejenige, die dem freien Geist, sei er nun spiritualistisch oder materialistisch orientiert, am feindlichsten gegenübersteht. Man braucht sich nur anzusehen, wie man dort mit denjenigen eigenen Traditionslinien umging, dem Sufismus etwa, die mit den Errungenschaften der Neuzeit noch am ehesten kompatibel sind: man hat sie mit Stumpf und Stiel ausgerottet. Jenes Prinzip des "nach der eigenen Fasson" selig werden, hinter das unter keinen Umständen zurückzugehen ist, wird bis auf den heutigen Tag vom Islam mit Füßen getreten. - Dies alleine ist schon ein Grund, seine Ausmerzung zu befürworten (natürlich nicht gewaltsam, sondern durch einen inneren Prozess allmählichen Verendens).
Vor diesem Hintergrund kann man den damaligen Rettern des "christlichen Abendlandes" aufrichtig dankbar sein, dass sie den Einfall jener "schlechtesten aller Religionen" (Schopenhauer) nach Europa verhinderten, wie immer man auch sonst zu ihnen stehen mag. Man hat zu abstrahieren von Ränkespielen der damaligen europäischen Großmächte, ja selbst von all den Leichen, welche auch das christliche Europa und seine klerikalen Protagonisten heute wie damals im Keller haben. Sicherlich, t h e o r e t i s c h wäre es möglich gewesen, dass ein eurpäischer Islam nach 1683 eine ähnliche Entwicklung hin zur Säkularisierung genommen hätte wie das Christentum und wir uns heute Muslima ala Margot Käßmann erfreuen dürften. Faktisch ist dies aber niemals geschehen, und deshalb hat solch ein Gedenktag nicht nur sein Recht, sondern ist im Sinne einer Verteidigung unserer auf das Griechentum zurückgehenden Tradition freien Denkens durchaus zu befürworten.

Ihrer grundsätzlichen Kritik an politischer Phraseologie und ideologischen Einseitigkeiten auf Seiten der Linken WIE AUCH der Rechten ist jedoch völlig zuzustimmen. Noch haben die letzteren den historischen Bonus, Dissidenten zu sein und von einer teils vulgarisierten, teils verkitschten, in jedem Fall geistig erodierenden Linken an den Pranger gestellt zu werden, ohne dass in den wesltlichen Demokratien irgendeine überparteiliche Instanz existierte, welche die Dinge ins Lot bringen könnte. (Vielleicht ist schon der Wunsch nach einer solchen eine historische Naivität sondergleichen und kommt dem nach einem deus ex machina gleich.)
Trotzdem würde die Realitäts-Verzerrung, die mit j e d e m ideologischen Perspektivismus einhergeht, auch bei den Rechten früher oder später offensichtlich werden, würden sie einmal zur Macht gelangen (wie dies historisch ja schon einige Male geschehen ist). Wenn heute durch ein Wunder Le Pen, Lega, AfD und FPÖ oder die Altright in den USA die absolute Mehrheit erreichten, würden zweifellos die schädlichsten Auswirkungen des Links- und Neoliberalismus zurückgedrängt (Masseneinwanderung, Ultra-Feminismus, Klimahysterie, Finanzkapitalismus etc.), und unter günstigsten Umständen könnte das Klima neugewonnener intellektueller Freiheit eine geistige Aufbruchsstimmung mit sich bringen. Doch wer garantiert uns, dass, wäre erst einige Zeit ins Land gegangen, die Neuauflage eines rigiden Autoritarismus (dem Gegenstück des Libertinismus) Einzug in unsere Zivilastion hielte und der Spießrutenlauf, unter welchem heute die Rechten zu leiden haben, dann die emanzipatorische Linke - möglicherweise eine ganz neue Linke - beträfe?
In diesem Zusammenhang ist eine Aussage Kubitscheks bemerkenswert, die Anlass geben kann, im positiven Sinne hellhörig zu werden: Wenn er nämlich sagt, dass eine Rechte, hätte sie politischen Einfluss erlangt, ihren Gegner auf der anderen Seite a u s d r ü c k l i c h
erhalten wissen wolle und wenn wir voraussetzen, dass dies kein billiger Propagandatrick ist, dann lässt das darauf schließen, dass einer die Gefahr sieht, die auch dem eigenen Weltanschauungsperspektivismus notwendig innewohnt und der es frühzeitig - also schon jetzt, vor dem Machtgewinn - durch geeignete Mittel entgegenzusteuern gilt. Noch besser wäre es, wenn die "rechte Raupe" überhaupt aufhörte, eine solche zu sein und sich in einen trans-ideologischen Schmetterling verwandelte. In hundert Jahren vielleicht?

Der_Juergen
10. September 2019 14:41

@Thomas Martini

Zu Ihrer Frage an mich: Ich kann da nur kurz wiederholen, was ich auf diesem Forum schon etliche Male schrieb. Zu einem Umsturz braucht es eine katastrophale Wirtschaftskrise, und die kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Wenn die "Kulturbereicherer" zu plündern beginnen, werden die Karten neu gemischt, und nur noch die Dümmsten der Dummen, die hoffnungslos gehirngewaschenen Esel (vielleicht 25% der Deutschen), werden noch an die Segnungen der Multikultur glauben.

Wenn sich a) Trump bis dann hält oder ein gleichgesinnter Nachfolger im Weissen Haus sitzt, und b) es dann auch in Frankreich gewaltig rumort und Radikale wie die Gelbwesten die Oberhand gewinnen, schmilzt auch die Gefahr einer Intervention von aussen, und eine patriotische Revolution in Deutschland, selbstverständlich ausgehend vom Osten, könnte gelingen.

Wie bei den Lottozahlen gilt auch bei Gedankengängen dieser Art: Ohne Gewähr.

zeitschnur
10. September 2019 15:55

@ heinrichbrueck

Der "Schweizer Historiker, mit Mammutgedächtnis und Kolossalbildung" - wer ist ist das?

Die Gerechtigkeit kann nicht allegorisch aufgefasst werden, nein? So wie in 1. Kor 13 die "Liebe" - "Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. - Haben Sie schon mal eine Liebe gesehen, die alles hofft und verzeiht, wo doch nur Personen das können?! Wie nur, ja, wie konnte man dennoch diese Stelle verstehen seit 2000 Jahren?!

Im selben Sinne bei Schiller die "Gerechtigkeit", sprechen kann...

Was Schiller mit dem Brexit zu tun hat, weiß ich nicht. Aber Kommentatoren oben, die das ins Spiel gebracht hatten, meinten wohl, das Zitat könnte die derzeitige Lage England treffender beschreiben als manche zeitgenössische Äußerung. Vielleicht sind die Herren so freundlich und erklären das erst mal richtig.

Ich jedenfalls finde Maria Stuart sehr schillernd, eine Mörderin und Verschwörerin, bis zum Schluss bleibt irrlichternd, wer sie war.

Ja: was hat diese Geschichte mit dem Brexit zu tun. Das würde mich auch interessieren? Immerhin ist auch das Thema "Manipulation" eine Wirklichkeit in diesem Drama, auch wenn man es damals nicht so benannt hätte.

Franz Bettinger
10. September 2019 16:05

@zeitschnur: Verkneifen Sie sich, was Sie wollen, aber auch aus Ihrem Elaborat werde ich nicht schlauer. Der Vierzeiler bleibt verquast und grammatikalisch falsch - das ist man von Dichtern und 'Geistles-Wissenschaftlern' gewohnt. Um so schlimmer, wenn’s von Schiller ist. Doch das Edle am Autor dieser Weisheit sollte nichts zur Sache tun. Es geht nicht um personam, sondern um rem. Sie tanzen herum. Immer philosophisches Billard! Wenn die vier (!) Zeilen so sonnenklar ist, dann übersetzen Sie diese endlich in ordentliches Deutsch von heute! Bin gespannt, ob das auf dem Blog noch jemand hinbekommt. Ich wette: Nein.

@MD: Danke, Sie haben es wenigstens versucht. Ohne viel Erfolg, aber besser als auf dem hohen Ross rumzureiten. Sie meinen also, der Vierzeiler bedeute, das englische Parlament habe die Macht, nicht die Krone. - Und das ist jetzt eine erstaunliche Weisheit? Man sieht, keiner wird aus dem Zitat wirklich schlau. Warum? Weil es dümmlich ist und darüber hinaus schlecht formuliert. Gut, dass Schiller schon einen Namen hatte, als er das schrieb, denn auf dem Niveau hätte er sich keinen gemacht. Wie bei der Bibel muss man in manchen Klassiker eine Menge hinein dichten, um einigermaßen heil herauszukommen. "Es geht nicht um Blogger, die schon bald kein Gewicht mehr haben, sondern um Friedrich Schiller, den größten dramatischen Meister,“ schreiben Sie. Wenn das keine Verneigung vor dem Kalb, dem goldenen, ist, weiß ich’s auch nicht. Man sieht, auch Meister hauen mal daneben. Und doch mangelt es ihnen nie an Apologeten, die noch das Dümmste als hohe Kunst verteidigen. MD, Sie schreiben ferner "Wer sein Gewissen fürchtet, ist kein Schurke“, begründen das aber nicht außer wie üblich mit dem Verweis auf andere, die es angeblich begründet haben. Ich sage nur: Butter bei die Fisch! Ich habe keine Zeit, ihre Bibliothek durchzulesen. Wieso muss ein guter Mensch sein Gewissen fürchten? - Und was wir von dem so hoch gelobten englischen Parlament zu halten haben, haben wir bereits gesehen und werden wir bald in noch deutlicherer Ausprägung sehen. Es bescheißt das Volk! So simple!

@heinrichbruek: Danke für den Rückenwind!

@alle: Nichts persönlich nehmen! Es geht mir immer nur um die Sache und bisschen Pfeffer in der Suppe. Manche Schriftgelehrten schreiben hier ellenlange Sätze in Latein, ohne sie zu übersetzen. Warum? Um dem Fußvolk Arbeit zu machen? Oder ihm einzureden, dass es nicht mitreden könne? Ich kann solche Wichtigtuer nicht ab.

Thomas Martini
10. September 2019 16:37

"@Thomas Martini. Ihre Anmerkungen betr. Mozart und die damalige Zeit beschlagen Wesentliches. Es fand auch damals wie heute ein epochaler Kulturkampf statt."

An Maiordomus: Der Kulturkampf, der mit der Französischen Revolution begann, strebt meinem Verständnis nach heute seiner Vollendung zu.

Eben deshalb war es mir ein Anliegen, Quervergleiche in die heutige Zeit anzustellen, und viele Opern drängen sich dafür auf. Tosca, Rigoletto, die Così, Aida, um nur einige wenige zu nennen. Diese Werke sind nicht nur musikalisch eine Delikatesse, sondern ebenso von ihrer Handlungssubstanz her tausendfach dem billigen Schund überlegen, der uns heute von Hollywood und anhängigen Kulturproduktionswerkstätten vorgesetzt wird.

Bei Don Giovanni könnte man Charakterstudien bis zum Abwinken erstellen. War jetzt Zufall, daß Caroline Sommerfeld ausgerechnet meine Lieblingsoper behandelt. Jedenfalls: Lorenzo da Ponte war ein herausragender Menschenkenner.

Welche Figuren könnte man zum Beispiel heutzutage in Don Giovannis Handlanger Leporello erkennen, der sich nebenbei als Chronist seines Dienstherrn betätigt?

An Der_Juergen: Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, aber Ihre Antwort befriedigt mich nicht, sondern erinnert mich leider an Tempranillos Beitrag "Wenn die Deutschen wach werden, aber dann..." vom 22.07.2019 im Gelben Forum:

"*Wann wachen die Schlafschafe, die ständig selber ihre eigenen Metzger wählen, endlich auf?*

Nie! Sollte das dennoch geschehen, werden sie etwas vom Endsieg (großem Rückführungsprogramm), Wunderwaffen (Donald Trump ist unser Freund) und Entsatz durch die Armee Wenck (der nächste Kanzler kommt von der AfD) zusammenfaseln."

Achterndiek
10. September 2019 16:38

@ Franz Bettinger

"Weil Diversität die größte Banalität ist und Leute, die das dauernd betonen, damit entlarven, dass sie den Respekt vor den natürlichen Unterschieden zwischen den Menschen längst aufgegeben haben! Die Banalität von Verschiedenheit, in ein Korsett von p.c. Floskeln gepresst, löst bei mir Brechreiz aus."

Vor ein paar Wochen den Darbietungen einer Folkrockband aus dem Rheinland beigewohnt. An der Musik gab es nichts zu nörgeln, ganz vortrefflich. Aber nun kömmt's. Der moderierende Gitarrist verkündete bedeutungsschwanger, daß wir Menschen uns ja insofern alle glichen, daß jeder von uns verschieden sei, das sei unser gemeinsamer Nenner, auf den wir bauen könnten.

Was mußte ich mich vor Schmerz winden. Nein, ich teile das hier nicht aus Sadismus mit, wollte das nur einmal loswerden.

zeitschnur
10. September 2019 16:51

@ Franz Bettinger

Ich nehm inzwischen nichts mehr persönlich, schon gar nicht von Leuten, die ich nicht kenne, behalte aber im Auge, ob noch halbwegs Anstand und Recht gewahrt bleiben. Wenn jemand persönlich wird, darf er sich meiner Verachtung sicher sein, auch unbekannterweise. Und da gibt's hier ein paar wenige Kandidaten. Sie habe ich aber nicht dazu gezählt. Danke übrigens für Ihr lobendes Posting oben - ist ganz ehrlich gemeint!

Also noch mal - Sie mögen es ja "verquast" finden, das ist eh keine präzise oder gar relevante Aussage. Aber was ist grammatikalisch an diesem Satz falsch:

"Was die Gerechtigkeit gesprochen, furchtlos,
Vor aller Welt wird es die Macht vollziehen.“

??

Also bitte genaue Angabe, wo die Fehler sind, und was falsch gemacht wurde.
Ich vermute eher, dass Ihnen diese Sprache einfach zu altertümlich klingt.
An dem Punkt fand ich es aber sehr zutreffend, als mir neulich eine befreundete Schriftstellerin sagte, der Verlust vieler "altertümlicher" Formen habe uns auch einen Verlust an Ausdrückbarem und v.a. den Feinheiten gebracht. Die Feinheiten werden erst gar nicht mehr verstanden. ich finde das persönlich als Deutschsprecher und Deutschliebhaber sehr, sehr schade.
Und falls Sie mich mit den ellenlangen Sätzen auf Latein meinen, dann ist das eine Wahrnehmungsverzerrung: ich schreibe zwar manches auf Latein, aber immer nur kurze Sätze oder Begriffe. Haben Sie übrigens auch gemacht oben. Haben Sie es gemerkt? Sind Sie also auch ein "Wichtigtuer" und können sich gar selbst "nicht ab"?
Nun ist der Kropf also leer, ich nehm es leicht und möchte meine Frage nach dem Zusammenhang mit dem Brexit wiederholen, denn die ist im Gegensatz zum Kropfinhalt interessant. Daher also "Pax", @ Franz Bettinger, oder sagen wir neudeutsch "peace".

Maiordomus
10. September 2019 17:52

@Bettinger. Ich wette meinen Hals, dass nicht Schiller, wie Sie schreiben, sondern wirklich Sie der Dümmere der beiden sind, zumal Sie mit Sicherheit sein Drama nicht gelesen haben und trotzdem urteilen. (Sie verwechselten den Verfasser von "Maria Stuard" mit Shakespeare, was zwar unterdessen gelöscht ist.) Im Sinne der Dialektik gilt: zwischen dem Parlament und dem König (heute an dessen Stelle eher die Regierung mit dem Premier) muss es eine Art Balance geben, was freilich die in Schillers zitiertem Text genannte transzententale Gerechtigkeit nicht schon garantiert, aber als Perspektive und Massstab immerhin nicht ganz ausschliesst. Um es mit Aristoteles zu sagen, dem Theoretiker des regimen mixtum (gemischte Machtausübung, antitotalitär): die Gerechtigkeit kann (durch Regierung wie auch durch das Parlament) auf tausende von Arten verfehlt werden, auf theoretisch nur eine "vollkommene" Art getroffen, in der Praxis aber freilich immer nur annähernd erreicht werden, jedoch kaum durch das Mittel der Alleinherrschaft einer einzigen Instanz. In diesem Sinn darf es bei einer vernünftigen Verfasstheit weder eine Dikatur des Parlaments noch eine solche der Regierung geben, was aus Text und Kontext von Schiller durchaus evident wird. Nicht zu vergessen neben der pragmatischen und legalistischen Legitimatin noch der Faktor des Gewissens, den Schiller ausdrücklich nennt und der zum Beispiel bei Thomas Morus eine glaubwürdigere Rolle spielte als bei Merkel, als sie Homoehe einführte oder die Grenzen öffnete, zumal Morus den maximalen Preis für die Praxis der Gewissensfreiheit bezahlt hat.

Weil nun mal weder Regierung noch Parlament allmächtig sein dürfen, sprach dann Edmund Burke 1790 als britische Antwort auf die Französische Revolution und Verteidigung des britischen Systems von Checks und Balances, was dann dessen Übersetzer Gentz in die deutsche politische Philosophie einzuführen versuchte. Die rechtshistorische Schule um Savigny hat sich darüber Gedanken gemacht. Das war nach der Zeit von Schiller, der aber von den politischen Philosophen Deutschlands in der Regel durchaus ernst genommen wurde. Goebbels blieb es freilich vorbehalten, nach einem Hitlerattentat des Schweizers Maurice Bavaud, Aufführungen von Wilhelm Tell zu untersagen. Ich schätze Schiller als politischen Denker heute noch höher ein, zumal für alles Grundsätzliche, als mir dies etwa gegenüber einem Jürgen Habermas möglich ist.

Kommentar Sommerfeld: Ich glaube, den Maria-Stuart-Brexit-Vergleich haben nun die meisten verstanden. Jetzt zurück zum Ausgangsthema, bitte.

Maiordomus
10. September 2019 18:04

@Gustav. Das kluge demokratiekritische Zitat von Donoso Cortes, das ich weiter oben kommentierte und kritisierte, war nicht von Bettinger zitiert, sondern von Ihnen, da möchte ich mich entschuldigen. Selber habe ich übrigens lateinische Ausdrücke wie "regimen mixtum" und dergleichen durchwegs übersetzt, mache mich also nicht mit dem für europäische Staatsrechtler eigentlich unentbehrlichen Latein wichtig. Wahr scheint indes, dass Originaltexte von Schiller heute schon fast "lateinisch" wirken, zu welcher Abhilfe es bekanntlich heute im Internet allerdings läppische Zusammenfassungen für "Dummies" gibt. z.B. Maria Stuart in 12 Minuten und dergleichen.

Maiordomus
10. September 2019 18:28

@Zeitschnur. Es geht bei Maria Stuart, erster Akt, zweite Szene, um das Verhältnis zwischen Regierung und Parlament, wie eingangs zitiert, was immerhin frappant an die derzeitigen Dilemmata von Boris Johnson erinnert. Bei Verweigerung der Gefolgschaft spielt nun mal, falls man nicht bloss gekauft ist, das Gewissen eine Rolle, ebenfalls ein gewaltiges Thema bei Schiller, Und natürlich jede Menge Intrigen. Immerhin geht es nicht um die konkrete Politik von Elisabeth und Maria, wiewohl auch jene einstige Politik einen Bezug von Grossbritannien zum Kontinent hatte und ebenfalls das Verhältnis England - Schottland mit konstituierete. Metapolitisch bedeutsam ist natürlich die Frage nach der Gerechtigkeit. Freilich ist Schiller, über seinen dramatischen Unterhaltungswert hinaus, nun mal ein philosophischer Kopf mit der grössten in der deutschen Literatur je erreichten staatsrechtlichen Tiefe. Darum würde es gehen. Falls Sie sich überfordert fühlen, stehen Sie in bester Gesellschaft mit der Mehrheit derjenigen, die heute, mit den bekannten Folgen für die geistige Auseinandersetzung, die heutigen Hochschulen übervölkern. Fragen Sie mal Marc Jongen.

Atz
10. September 2019 19:05

Morgen ist ja der Gedenktag von Senta an der Theiß. 11. September 1697. Ich halte es für Unsinn, dass es keinen aufgeklärten Islam gäbe. Vergleichen Sie nur die Hadithen mit dem Sachsenspiegel. Das islamische Ding ist, dass die Tradition so hochwertig war, dass man zu wenig geändert hat, nichts ändern musste. In jedem Fall hat der kulturelle Behauptungswille der Ankömmlinge aus islamischen Ländern nur etwas mit ungebrochener identitärer Stärke zu tun. Die würde ich nicht verachten wollen wie die globalistischen Kulturen- und Nationenfresser. Mo Zart ist international, im besseren Sinne.

zeitschnur
10. September 2019 20:49

@ Maiordomus

Wieso sollte ich mich überfordert fühlen? Und warum gehen Sie ad personam (nicht nur bei mir)? Brauchen Sie das?
Frau Sommerfeld hatte ja inzwischen drum gebeten, das Brexit-Maria Stuart-Thema nicht weiter zu vertiefen. Ich hätte da nämlich eigentlich noch ein paar Fragen, die über den plakativen Bezug hinausgehen, gehabt.

@ Sommerfeld

Was mir noch etwas aufgestoßen ist, ist die Korrelation von Manipulation und Lust in einem hinteren Abschnitt, der so anfängt:

"Die Arroganz der Manipulateure verrät ihre Lustgefühle. Manipulativ daran ist, daß jeder Widerstand gegen die angeblich alternativlose Neuerung zugleich als logisch unmöglich und..."

Was Sie dann ausführen, klärt das für mich nicht wirklich auf. Denken Sie denn wirklich, dass das praktizierte "Gaslighting" hier sadistische Züge annimmt? Ich würde das eher nicht so wahrnehmen, es erscheint mir wie ein Phänomen von Furcht, Panik, Hysterie. Diese Atemlosigkeit, mit der man sofort mundtot gemacht wird, wenn man bestimmte Fragen stellt, das fast hysterische Dagegenkarten, wirkt auf mich zutiefst hysterisch, als ob man es physisch nicht ertragen könnte, wenn endlich mal das Zimmer gelüftet wird.
Ich erlebte so etwas bei der Ida Dehmel-Preises an Monika Maron in der Literarischen Gesellschaft in Karlsruhe 2017 https://www.fischerverlage.de/berichte/preis_maron-2017. Es moderierte u.a. Prof. Dr. Schmidt-Bergmann, seines Zeichens Germanistikprofessor an der inzwischen "Karlsruhe Institut of Technology" (KIT) genannten Universität. Maron las damals aus ihrem kurz drauf erscheinenden (kritischen) Roman "Munin oder Chaos im Kopf", über den sie Wolfgang Herles auf der Frankfurter Buchmesse ein Interview gegeben hat, in dem sie Merkels Migrationspolitik scharf kritisierte https://www.tichyseinblick.de/video/interview/monika-maron-interview-munin-buch/.
Schmidt-Bergmann brachte s fertig, in dieser oben beschriebenen Arrognanz den Zuhörern am Ende mit auf den Weg zu geben, dass sie ja wüssten, was sie bei kurz danach stattfindenden BT-Wahl NICHT wählen sollten, denn die, die man nicht wählen dürfe, würden ja dann die Kulturpolitik zerstören (so sinngemäß). Mir blieb die Spucke weg. Es war eine der absurdesten Situationen, die ich erlebt hatte bis dato. Dieser Mann war tatsächlich dreist, auf derart plumpe, durchschaubare und dumme Art und Weise zu manipulieren, und das angesichts der Preisträgerin, die mit ihm darin sicher nicht "d'accord geht", wie man heute so schön mainstreammedial sagt.

Nur: was das Lust? Oder ist es schlicht die Dummheit der Arroganz, oder die Arroganz der Ignoranz, der Plumpheit und Penetranz, einer Schamlosigkeit, die so sehr Basisgefühl ist, dass sich daran gar nichts anderes mehr knüpfen kann?
Der Mann war bei mir sofort unten durch.

Maiordomus
10. September 2019 20:54

Noch Korr. Es muss natürlich, beim Konflikt zwischen dem Premier und dem Parlament, neben dem Faktor des Gewissens, die pragmatische (aus Sachzwängen sich ergebende) und legalistische (dem Rechtsstaat entsprechende) L e g i t i m a t i o n geben. Auf die Begründung der Legitimation des politischen Handelns kommt es bei der Metapolitik an. Die Sache mit dem Brexit im Zusammenhang mit Maria Stuart (lateinisch Maria Stuarda) ist für mich, @ Sommerfeld, nun abgeschlossen. Man beachte noch bei youtube Folge 30 "Hier kräht der Krah", wirklich guter Kommentar zum Brexit-Dilemma! Er erklärt die Dinge einfacher als ich dazu in der Lage bin, auch klar transparenter und weniger tendenziös als ARD und ZDF.

PS. Die Geschichte betr. Mozart/Don Giovanni wie diejenige mit Schiller sehe ich parallel als Rekurs auf die deutsche Aufklärung. Es war nicht unbedingt eine Themenabschweifung.

Lotta Vorbeck
10. September 2019 20:55

@zeitschnur- 10. September 2019 - 03:55 PM

"Der "Schweizer Historiker, mit Mammutgedächtnis und Kolossalbildung" - wer ist ist das?"

****************************

Der "Hausmeier".

Laurenz
10. September 2019 20:59

@Atz ... das ist ja auch kein Wunder. Christentum, Islam, Marxismus sind mehr oder weniger jüdische Erfindungen, wobei hier das lateinische "Invention" (venire) den Zustand besser beschreibt, als das deutsche "erfinden" oder "einführen". Diese religiösen Gesellschaftssysteme bauen sich historisch nacheinander auf jeweils früher gemachte Erfahrungen auf. Im Islam wurde zB peinlichst darauf geachtet, den "Gottesmord" zu vermeiden und Jesus starb nicht mehr am Kreuze. Trotzdem wurde die Kontrolle über den Islam noch früher verloren als im Christentum. Daher legt der Marxismus auch so viel auf wasserdichte totalitäre Mechanismen wert. Aber auch da verlor man sofort die Kontrolle, in China, wie in der Sowjetunion, weil eben die "Falschen" den Mechanismus nutzten. Und Moz Art ist als Freimaurer ganz sicher kein Vertreter einer demokratisch freien Gesellschaft. Freimaurer sind Neo-Feudalisten, Berufs-Revolutionäre.

Caroline Sommerfeld
10. September 2019 21:07

@zeitschnur: Manipulationsanalyse ist extrem vielschichtig, allein die Hinsichten: Handeln und Erleben, Interaktion und Medialität, individuelle und massensuggestive zu unterscheiden, führt schon ins Uferlose. Ich habe e i n e Zugangsweise die "psychologische" genannt, und hatte im Hinterkopf das Buch von Fritz Breithaupt: Die dunklen Seiten der Empathie, 2017. Das Hysterische hat ja auch einen "suhlenden" Aspekt: der Panikverbreiter genießt die selbstinduzierte Panikstimmung. Angstlust ist geil. In meinem Wir erziehen gehe ich kurz auf ein neu erschienenes Buch von Herbert Renz-Polster ein, der vor der Erziehung kleiner Rechtspopulisten durch autoritäre Kinderstube warnt, und der Verlag preist es mit den Worten an, bei der Lektüre dieser Analyse erlebe der Leser "ein leises Frösteln". Sadismus ist das nicht, aber ein feines Werkzeug aus dem psychologischen Triggerkasten.

Franz Bettinger
10. September 2019 21:32

@Frau Sommerfeld, verzeihen Sie, dass der Seitenstrang so lang wurde, aber ich halte ihn für aufschlussreich und vielleicht sogar für disziplinierend. Dennoch: Machen Sie ruhig den Karton zu. Ich kriege ohnehin keine Übersetzung mehr für den schillernden Schiller. Wie bitter: Unsereins lebt, und Schiller musste sterben.

@Maiordomus: Immer diese Lehrer-Attitüde und diese Sprüche! Mit ihrem Hals, den Sie verwetten wollen, ist mir nicht gedient. Mit ein paar Sach-Argumente schon. Und der Wert einer Theorie (und auch einer Dichtung) verhält sich proportional zu ihrer Schlichtheit. Bei Goethes Faust verstehe ich jedes Wort auf Anhieb. Also sagen Sie, was Sie zu sagen haben nicht mit Aristoteles, sondern sagen Sie es verständlich und im vorliegenden Fall möglichst in vier Zeilen. Ist das zu viel verlangt von einem, der alles weiß? Sie meinen also, Schiller will mit seinem Vier-Zeiler sagen: „Es darf weder eine Diktatur des Parlaments noch eine der Regierung geben. Beide müssen sich kontrollieren.“ Nein, das glaube ich nicht, dass der Gute das gemeint hat. Schon lustig, dass es da studierte Leute gibt, die sich mit Wolllust den Kopf zerbrechen, statt Klartext zu reden. Und was das für Mediziner und "für europäische Staatsrechtler unentbehrliche Latein“ betrifft: Falsch, es ist entbehrlich. Die Franzosen nennen den Musculus Serratus Anterior Le Grand Dentelé (den großen gezähnten Muskel), und ihre Ärzte sind nicht schlechter als unsere.

@Zeitschnur: "Was die Gerechtigkeit gesprochen, vor aller Welt wird es die Macht vollziehen.“ Was für eine Schulnote hätte Ihnen ihr Deutschlehrer für diesen Satz gegeben? So redet keiner! Weil so keiner verstanden wird. Mit viel Hinein -Fühlen lese ich heraus, dass die Macht-Haber (nicht die Macht) sich an das Recht halten. Zusammen mit dem vorausgehenden Satz macht diese Aussage keinen Sinn. ("Englands Beherrscher brauchen nichts zu scheuen als ihr Gewissen und ihr Parlament.“) Beide Sätze zusammen könnten bedeuten: "Die Krone Englands vollzieht, was gerecht ist, muss dabei aber das böse Parlament oder ihr schlechtes Gewissen fürchten.“ Gott oder Zeitschnur, Hilfe! Es wird kein Sinn draus. Da wir so große Denksportler hier an Bord von SiN-City haben, wird einer sicher das Rätsel des großen Schiller noch lösen.

RMH
10. September 2019 21:51

@C. Sommerfeld,

soweit in die aktuelleren Literatur muss man da gar nicht hineingehen - schon in Nietzsches "Menschliches, Allzumenschliches" und dort insbesondere Band I, findet man einiges. Hauptstücke 3, 4, 5, 6, 8 … es wird zu viel, um es jetzt im Detail auszuführen.

Und da bin ich dann auch mal wieder bei M.D. - alles baut auf unseren großen abendländischen Denkern auf bzw. findet man in nuce das, was dann im späten 20. und am Beginn des 21 Jhdt. als große Weisheit verkauft wird. …

Gracchus
10. September 2019 22:00

Ausnahmsweise kann ich Frau Sommerfeld nicht folgen. Currentzis habe ich mit dem SWR-Orchester live erlebt, fand ich stark; stark auch seine Figaro-Einspielung und die von Mahlers 6. Aber darum gehts anscheinend nicht. Ich halte für normal, dass ein Dirigent seine Sänger führt. Bei Entrollen des Banners hätte ich aller Wahrscheinlichkeit nicht an die Antifa gedacht. Was daran manipulativ ist, erschließt sich mir nicht.

Die Aggressivität des Isolde Charims-Zitat erschließt sich mir ebenfalls nicht. Es ist ein gängiges Argumentationsmuster. Wo ich mich einfach frage: Stimmt das? Um aggressiv zu sein, ist das viel zu schwammig. Welche Gesellschaft meint sie? Die deutsche, österreichische, westliche, chinesische? Die Weltgesellschaft? Die Gesellschaft mit begrenzter Haftung? Was meint sie bitte genau mit pluralisiert? In wessen Inneres zieht Vielfalt ein? Name, Adresse? Wie zieht die Vielfalt ein? Wie weiland die Hl. Dreifaltigkeit? Oder wie der Teufel und seine Legionen?

Und Zizek? Redet mal so, mal so. Was er sagt, ist nicht ganz falsch. Ökologische Probleme lassen sich nicht national lösen. Aber: Damit sie sich auf supra- oder internationaler Ebene ggf. lösen lassen, muss die nationale Ebene m. E. intakt sein. Das kann man bis auf die Kleinfamilie runterrechnen, wo ich wieder ganz bei Fr. Sommerfeld bin. Mir kommt das vor, wie wenn jemand sagt: Unser Haus hat kein Dach, reissen wir also erstmal die Wände ein.

zeitschnur
10. September 2019 22:09

@ Sommerfeld

Musste bei Ihrer Beschreibung im Artikel eher an einen Mafiaboss samt seinen Handlangern denken, die den Gegner endlich eingesackt und an einen wackligen Holzstuhl in einem Schuppen gefesselt haben, Knebel im Mund, und ihm genüsslich "reindrücken", was sie gleich zu tun gedenken, das nach außen hin dann aber keiner durchschaut und für dies oder jenes hält... und sich weiden an dessen Angst vor dem Tod, der Not seiner Frau und seinen Kindern und den Schmerzen.

In dem Fall bereitet es Lust, das Opfer in Panik versetzt zu haben, dies aber bei offenen Karten letztendlich: alle wissen, dass die Manipulation Manipulation ist.

Und genau das ist so oft mein Eindruck: Ein Currentzis oder Schmidt-Bergmann sind ja nicht bescheuert... trotz der Plumpheit und Penetranz.
Ich habe meist eine Abneigung, mich allzulange mit Psychologie aufzuhalten (aber klar: ich weiß schon um Bernays und seine Kinder...und vor allem die jesuitischen Vorläufer mit ihren perfekten Illusionserzeugungen... ).
Für mich ist das eine Art krimineller Energie, die sich hier auslebt, aber hinter tausend Tarnungen operiert.

Wie viele der Leute im Publikum bei Ihrem oder meinem Beispiel glaubt den Platzhirschen im Ernst den Mist, den sie erzählen? Die Honoratioren am Redner-/Dirigentenpult empfinden Lust dabei, es allen ihren Gegendenkern mal so richtig zu geben, die sie zahlreich und halbherzig im Publikum vermuten. Es ist weniger die Lust zu manipulieren, sondern die am längeren Hebel zu sitzen.

Warum gehen wir da überhaupt noch hin?

Laurenz
11. September 2019 11:40

@zeitschnur @Caroline Sommerfeld ..... Feindaufklärung

Herr K
12. September 2019 04:33

"Wahrer Mut besteht, kurz gesagt, darin, einzugestehen, dass das Licht am Ende des Tunnels wahrscheinlich die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Zuges sind." -- Und Freiheit ist die Einsicht in das Notwendige. Wo haben wir das bloß schon mal gehört?

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