10. Oktober 2019

Was der Anschlag von Halle bedeutet

Martin Lichtmesz / 73 Kommentare

Sortieren wir, was am Mittwoch in Halle passiert ist, und was es bedeutet.

Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.

Ein aus Sachsen-Anhalt stammender 27jähriger Mann mit dem Namen "Stephan B.", ausgerüstet mit einer Phantasieuniform, einem Helm und selbstgebastelten Waffen versuchte am Jom-Kippur-Tag in eine Synagoge einzudringen, um dort ein Blutbad anzurichten. Drinnen hielten sich 70-80 Menschen auf. Hier sieht man einige von ihnen ausgelassen feiern, daß sie dem Todesengel entronnen sind.

Als es dem Täter nicht gelang, die Synagogentür aufzubrechen, tötete er aus blankem Frust eine zufällig vorbeikommende Passantin mit einem Schuß in den Rücken; anschließend den Besucher einer Döner-Bude, der sich hinter einem Kühlschrank versteckte und um Gnade flehte. Beide Opfer waren offenbar Deutsche ohne Migrationshintergrund.

Da seine Do-it-yourself-Waffen ständig Ladehemmungen hatten, kamen etliche potenzielle Opfer mit dem Leben davon. Drei Menschen wurden schwer verletzt. Nach einer Verfolgungsjagd quer durch Sachsen-Anhalt gelang es der Polizei schließlich, ihn zu fassen.

Nach dem Vorbild von Brenton Tarrant (siehe hier und hier) filmte er seine Taten und übertrug sie per Livestream ins Internet. Ein Bekannter schrieb mir, es sehe aus, als hätten Mel Brooks oder die Coen-Brüder eine böse Slapstick-Parodie auf das Christchurch-Video gedreht. Die permanenten Pleiten und Pannen, die Selbstbezichtigungen des stümperhaften, offenbar erzdummen Täters als "Loser", all das entfalte eine gewisse makabre Komik.

In Wahrheit gibt es hier nichts zu lachen. Was geschah, ist grauenhaft und niederschmetternd. Zwei wehrlose, unschuldige Menschen, die das Pech hatten, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, sind anlaßlos und feige ermordet worden, wurden Opfer des Ego-Shooter-Wahns einer lemurenhaften Gestalt, deren Erbärmlichkeit und Niedertracht schier unfaßbar sind. Und hätte dieses (vermutlich psychisch schwer gestörte) Wesen sich nicht so amateurhaft angestellt, wären es noch viele Opfer mehr geworden.

Ausschnitte gibt es hier, das gesamte Video ist mit einigem Geschick schnell in den Untiefen des Internets zu finden. Wer es sich ersparen will (so wie ich), kann zum Beispiel hier eine Zusammenfassung nachlesen. 

Angeblich ist, wie üblich in solchen Fällen, ein Manifest aufgetaucht, in dem der Täter ankündigt, "Anti-Weiße“ umbringen zu wollen, „bevorzugt“ Juden. Ich konnte das Original bislang nicht im Netz entdecken. Aber die paar kolportierten Zitate verweisen auf eine Inspiration aus den dunkleren Nischen der "Alt-Right" und des "White Nationalism" US-amerikanischer Provenienz.

Dabei fallen folgende Punkte auf:

1. Dieser Anschlag ist der erste seiner Art in Deutschland und kopiert ein nordamerikanisches Phänomen, das ich hier ausführlich beschrieben habe (Vorgeschichte hier). Das Prinzip ist (zumeist) der Angriff auf das religiöse Zentrum (Moschee, Kirche, Synagoge) einer verhaßten Minderheit, wobei möglichst viele Menschen getötet werden sollen. Die Täter sind in der Regel "einsame Wölfe", verschrobene Einzelgänger ohne Anbindung an politische Gruppen außerhalb des Internets.

Sekundiert wird dies durch kräftige Markierungen im Internet: Manifeste, markige Abschiedspostings, schriftlich oder als Video, und seit Christchurch auch via Livestream. Auch "Fälle" wie der selbsternannte "supreme Gentleman" Eliott Rodger, der aus sexueller Frustration "Rache an der Menschheit" nehmen wollte, gehören in diesen Zusammenhang.

Beliebte Plattformen für diese Offenbarungen und Ankündigungen sind die Portale 4chan, 8chan oder Reddit, die ein berüchtigtes, weitgehend unzensiertes Sammelbecken für Internetsubkulturen aller Art sind und als wildwuchernder geistiger Giftsumpf gelten. Aus Verachtung für "politische Korrektheit" und Lust am Tabubruch kann hier rasch nihilistische Abstumpfung und Radikalisierung werden. (In dieser Hinsicht lohnt es vielleicht, sich das ausgezeichnete Video des "Schattenmachers" zu Christchurch nochmal anzusehen.)

Bei "geglückter" Tat steigen die Gewächse dieser Subkultursümpfe in das Walhalla des schwarzen Internet-Metahumors auf und werden durch zynische Meme "ironisch" (und am Ende oft: eben doch nicht ironisch) verherrlicht - was wiederum Nachahmer auf den Plan ruft.

Stephan B. ist offensichtlich trotz seines provinziellen Ossi-Hintergrundes ein Kind genau dieser Subkultur. Wie Brenton Tarrant spielt er den "coole" Sprüche klopfenden Live-Action-Player eines selbst inszenierten Computerspiels, in dem andere Menschen nur Staffagen sind, deren Abschuß Punkte und "Lulz" bringt.

"Denkt dran, Jungens, abonniert PewDiePie", sagte Tarrant, bevor er zur Tat schritt, auf den krpytorechten Ruf des schwedischen Gamers und Provokateurs anspielend; "Nobody expects the Internet SS", so "witzelte" Stephan B. in Anlehnung an einen klassischen Monty Python-Sketch. Überhaupt trat B. als eine dümmere, weniger "intellektuelle", unprofessionellere, und damit auch (etwas) weniger gefährlichere Version von Tarrant auf.

B. spricht sein Publikum bezeichnenderweise vorwiegend auf Englisch an, mit einem dicken Akzent. Zu Beginn des Videos stellt er sich so vor:

Hi, my name is Anon. I think the Holocaust never happened. Feminism is the cause of the decline of the West which acts as a scapegoat for mass immigration. And the root of all these problems is the Jew. Would you like to be friends?

Dies ist ein klarer Verweis: "Anon" ist der übliche Username auf den Foren von 4chan und 8chan. Dort ist die peer-group, bei der er Ruhm und "Likes" abstauben will. Er will ein Mem werden, wie Rodger und Tarrant.

Jedenfalls ist dieses Statement momentan so ziemlich das einzige, was wir über seine Weltanschauung wissen. An allen Problemen des untergehenden Abendlandes ist "der Jude" schuld, und darum sei es nun irgendwie geboten, ein paar zufällig angetroffene Juden zu erschießen. Also mithin exakt das, was AfD oder Identitäre Tag für Tag vermitteln und predigen (Ironie aus).

2. Abgesehen von dem mißglückenden Versuch, sich als fleischgewordenes 4chan-Mem zu inszenieren, entspricht Stephan B. optisch genau dem Bild, das man sich hierzulande vom tumben und "dumpfen" Naziskinhead macht. Er ist zwar gefährlich genug, Menschen zu töten, aber er ist keine trainierte, effektive Killermaschine à la Breivik.

Daß er am Ende wahllos um sich ballerte, und killte, wen er gerade vor die Flinte bekam, scheint ziemlich bezeichnend für seine eigentliche Geistesverfassung jenseits aller ideologischen Hülsen zu sein. Er entspricht dem Bild des Extremisten, dessen Haß keine rationale Basis hat und sich genauso gut an anderen, beliebigen Objekten austoben könnte.

B.'s Vater äußerte gegenüber der Presse:

Sein Sohn sei ein Eigenbrötler gewesen, sagt der Vater: „Er war weder mit sich noch mit der Welt im Reinen, gab immer allen anderen die Schuld“, sagte er gegenüber der „Bild“. Der Killer Stephan B. habe kaum Freunde gehabt. Zudem habe er nur vor dem Computer gesessen.

Offenbar war B. auch ein Scheidungskind, das bei seiner Mutter lebte. Mithin erfüllt er das Bild des frustradikalisierten "Incels", nach einer männlichen, vorwiegend weißen Subkultur, die in linken Medien als angeblich besonders terrorschwangerer Buhmann beliebt ist (was offenbar den Joacquin-Phoenix-Film "Joker" beeinflußt hat, zumindest, wenn man der Exegese mancher Kritiker glaubt.)

3. Mein erster Gedanke, als ich die Nachricht hörte, war, daß es sich womöglich um eine "False Flag"- bzw."Deep State"-Aktion handelt, passenderweise kurz vor den Landtagswahlen im "blauen" Thüringen, und nicht zuletzt wegen des Standorts Halle, wo sich auch das umstrittene identitäre Barprojekt "Flamberg" befindet. Wie verlockend wäre es für die Freunde vom Staatsschutz, hier eine Verbindung konstruieren zu können!

An dem Narrativ von der Bedrohung der Republik "von rechts", quintessentiell personifiziert durch militante Neonazis, wird jedenfalls schon lange gebastelt. Hier werden gezielt Angst und Hysterie geschürt.

Just am Tag des Anschlags fand eine großangelegte Razzia in der NS-Szene statt. 

Im September berichtete der Tagesspiegel vom Anstieg der Kampfsportbegeisterung zum Zwecke der Aufrüstung für den "Tag X" in der rechtsextremen Szene.

Auch das Gespenst der "Terrorzelle" in spe namens "Revolution Chemnitz", die den "Umsturz des demokratischen Rechtsstaats" geplant haben soll (wie sie das vollbringen wollten, möchte mal wissen) spukte in letzter Zeit wieder gehäuft durch die Medien.

Gleichzeitig ist es um den im Juli hemmungslos aufgebauschten "Mordfall Lübcke" ziemlich still geworden. Es war wieder neues Heizmaterial nötig. Im Gegensatz zu Lübcke und zum "NSU"-Phantom handelt es sich bei Halle jedoch vermutlich um einen genuinen Fall von Rechtsterrorismus, wofür wohl auch die Stümperhaftigkeit der Durchführung spricht (dennoch sind "Anstoßer" im Hintergrund keineswegs ausgeschlossen; und andererseits erweist sich die Operation auch ohne viele Tote als sehr effektiv, was den Alarmierungs- und Schockeffekt betrifft).

Damit hätte sich diese Gestalt zum "nützlichen Idioten" der herrschenden Klasse gemacht, die endlich ihr bislang eher nur mühsam beschworenes "Nazi"-Gespenst in seiner häßlichsten und klischiertesten Form materialisiert sieht. Das vereinfacht die Lage erheblich!

4. Wie eine gutgeölte Maschine setzen nun wieder die altbekannten "Gleichsetzungsdelirien" ein. Es wird das etablierte Narrativ aktiviert, wonach die häßlichste Manifestation der Rechten ihr eigentlicher Kern sei, der nur durch Camouflage und Mimikry verdeckt werde. Die Fratze des Stephan B. sei das wahre Gesicht der Rechten, ob sie nun Gauland, Höcke, Sellner oder Kubitschek heißen.

Inzwischen haben zahlreiche Politiker, wie das Amen im Gebet, reflexartig, ohne jegliche rationale Begründung, allein durch Geraune, Assoziationsketten und Anpatzerei "die AfD" für den Anschlag in Halle "verantwortlich" oder "mitverantwortlich" gemacht (etwa hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier), und dies obwohl die meisten ihrer Vertreter dezidiert philosemitisch (und israelfreundlich) auftreten. Und natürlich wird auch gleich wieder Schnellroda in den Topf der angeblich Mitschuldigen gerührt, und sei es nur durch die geographische Nähe zu Halle.  Über die Infamie dieser Manöver muß man wohl kein weiteres Wort verlieren.

Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Es ist brutales politisches Spiel. Die "Mitschuld" oder "Mitverantwortung" wird einfach so behauptet und gedreckschleudert, um die politische Opposition zu dämonisieren und weitere Repressionen zu rechtfertigen. Wenn irgendetwas den Namen "Hetze" verdient, dann dies.

Die Reaktionen laufen also erneut nach einem altbekannten Schema ab: Während die Untat rechts einhellig verdammt und das zweier- oder dreierlei Maß beklagt wird, mit dem die Medien rechten, linken und islamischen Terror beurteilen, oder "False Flag"- und "Strategie der Spannung"-Manipulationen vermutet werden, wird links unterstellt, daß Rechts insgeheim doch von genau solchen Untaten träume und sie indirekt "ermutige" und füttere. Rechts Demoralisierung durch Ohnmacht und Verleumdung, links Radikalisierung durch Zorn, Angst und wohl auch lizensierten Blutdurst.

5. Noch ein anderes Phantom hat sich in Halle manifestiert, eines, auf das das Establishment schon lange gewartet hat. Fast stelle ich mir sein perverses, insgeheim erleichtertes Aufatmen vor.

Seit langem wird in Deutschland eine heuchlerische Debatte über den Anstieg des Antisemitismus geführt, und nahezu jeder möchte sich mit diesem schier unangreifbaren Schild panzern (und gelegentlich hinter ihm auf andere eindreschen), ob links oder rechts. Daß dieser ohne Zweifel wachsende Antisemitismus vorwiegend mit der ohne Zweifel wachsenden Präsenz gewisser importierter Bevölkerungsgruppen zu tun hat, ist zwar schon durchgesickert, wird aber immer wieder vertuscht, verwischt, vernebelt und relativiert.

Das gilt übrigens auch für etliche jüdische Organisationen und Vertreter, die offenbar insgesamt mehr Angst vor der AfD als vor dem Islam haben. Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, äußerte über Halle, "die Brutalität des Angriffs übersteige alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre (...)." Tatsächlich, auch den Anschlag vom Breitscheidplatz, bei dem immerhin 12 Menschen umkamen, darunter eine israelische Staatsbürgerin?

Es war nun ausgerechnet die AfD, die am beharrlichsten den Finger in die Wunde gelegt hat, was das Problem des "importierten" muslimischen Antisemitismus angeht - dieselbe AfD, die nun mirnixdirnix für Halle verantwortlich gemacht wird.

Mit dem Anschlag von Halle und dem hausgemachten Bilderbuch-Rechtsextremisten scheint die Welt für viele ideologisch wieder ins Lot gekommen zu sein.  Dies ist allerdings eine Illusion, die nicht lange halten wird.

Die "gewaltige Radikalisierung und Spaltung der gesamten Gesellschaft, der Staat eingeschlossen" (so ein Leser von Michael Klonovsky) steht wohl unglücklicherweise erst am Anfang, und sie wird exakt von denselben Leuten am vehementesten vorangetrieben, die glauben, in Halle eine Keule gegen die Gesamtrechte gefunden zu haben - aus dem einfachen Grund, daß sie sich über die Ursachen der Radikalisierung und Spaltung täuschen, vor allem, was ihre eigene Rolle betrifft.


Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz ist freier Publizist und Übersetzer.


Kommentare (73)

Simplicius Teutsch
10. Oktober 2019 22:39

O je! Das hätte nicht passieren dürfen. Die Linken dürsten ... - Kann Höcke die Hetze überleben?

Andreas Walter
10. Oktober 2019 22:46

„Deutschland trägt Davidstern“ - Berliner Juden fordern ein Zeichen

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, hat nach dem Anschlag die Gesellschaft zu einem dauerhaften Zeichen der Solidarität mit den Juden aufgefordert. „Deutschland trägt Davidstern“ – eine solche Aktion, bei der möglichst viele Bürger das Symbol des Judentums tagtäglich offen an einer Kette tragen, wäre ein deutliches Signal gegen den Antisemitismus.

https://www.welt.de/politik/deutschland/live201652842/Anschlag-in-Halle-Polizei-stellt-Spuren-des-mutmasslichen-Taeters-sicher.html

Steht da wirklich so, 14:42.

Ist der noch ganz bei Trost?

Ist das keine Inquisition? Das Gleiche verlangen die Muslime übrigens auch, ein Bekenntnis zum Islam (die werden erst später fordern, wobei Erdogan ja bereits mächtig Gas gibt).

Nee, Leute, nötigen lasse ich mich nicht. Weder von Juden noch von Muslimen noch von Linken oder Grünen noch von irgendjemand sonst.

Thomas Martini
10. Oktober 2019 23:35

Was der Anschlag von Halle bedeutet: Veramerikanisierung. Nicht mehr, nicht weniger.

Das ganze Schauspiel ist einmal mehr ein Musterbeispiel dafür, daß es sich bei allem Übel, worunter Deutschland und Europa leidet, um einen Export der anglo-amerikanischen Unkultur handelt. Sprichwörtlich bringen die USA die Pest in ihrem Gefolge wie früher die Ratten.

Laurenz
11. Oktober 2019 00:16

Also ganz abgesehen davon, daß es mir vollkommen egal ist, was die Juden gerade feiern, wie es mir gleichermaßen egal ist, ob die Spaghetti-Monster-Kirche gerade den Käse-Sauce-Erlösungs-Tag feiert, fragt man sich doch, ob das tatsächlich ernst gemeint ist?
Das ganze Ding ist doch eine lächerliche Nummer. Im gesamten Frankfurter Westend, dem lieb gewordenen Wohnort vieler unserer jüdischen Mitbürger in meiner Region, wimmelt nur so von Bullerei. In demselben Viertel hält der türkische Konsul Hof, dort stehen immer 2 Mannschaftswagen vor der Tür. Und hier sollen 80 jüdische Mitbürger Yom Kipur feiern und keine Polizei ist da? Da ist etwas faul im Staate 4zonesien. Und zuletzt immer wieder "cui bono"? Ja sicher, dem Spieglein, dem Bundespräser, der jüdischen Gemeinde, für die sich im Grunde doch kein Schwein interessiert. Warum auch? Das Video ist genauso suspekt, wie die widersprüchlichen "Vous etes Charlie"-Videos. Was meint eigentlich Ganser dazu?

ConservativePunk
11. Oktober 2019 00:25

Bei sowas fällt es mir schwer einen Zufall nicht auszuschließen.

AlexSedlmayr
11. Oktober 2019 00:35

Einen sehr zentralen Punkt der medialen Nachbereitung vermisse ich hier im Artikel, gerade im Hinblick auf die "Hierarchie der Opfer". Merkel rannte noch am Abend um sich demonstrativ vor eine Synagoge zu stellen (während andere Taten entweder keine Reaktion bekamen oder mit einem Tweet von Steffen Seibert im Auftrag abgefertigt wurden). Es wird gefragt nach der Beziehung zu den Juden oder Israel die neujustiert werden müssen (Tichys Einblick) oder Schluss mit Nie wieder es müsse gehandelt werden, wegen des Antismeitismus (Welt) während man die üblichen Schuldkultpriester allen voran diese heuchlerischen Witzfiguren vom Zentralrat der Juden, die sonst seltsam schweigsam sind, wenn unsere jüdischen Freunde ermordert oder drangsaliert werden, wenn die Täter nicht ins Eingeübte medial Verwertbare Schuldkultschema passen, dürfen jetzt wieder groß Interviews geben.

Wir haben einen Täter, dem es am Ende egal wen er erschoss, das ist nachweisbar, der einfach nur töten wollte. Und am Ende bekam man den Eindruck es wären ihm nicht zwei arglose Deutsche als völlige Zufallsopfer zum Opfer gefallen sondern als wären hier zwei Juden erschossen worden. Ja viel mehr wurden sie zu einer Zahl anonymisiert und damit nur zur einer Projektionsfläche hinsichtlich der intendierten Opfer, an die Täter ob seiner Unfähigkeit glücklicherweise nicht herankam.

Nicht nur sind tote deutsche offenkundig weniger wert als jüdische Opfer, sie sind sogar offenbar weniger bemerkenswert als potenzielle, völlig unverletzte und offenbar froh und munter feiernde jüdische Opfer in der medialen Berichterstattung, sie werden in der Betrachtung völlig unsichtbar gemacht. Gerade weil es diese anderen Opfer sind, die dem Narrativ wir hätten es hier mit einer kühl geplanten und kalkuliert vollzogenen durchweg ideologischen Tat im Stile eines Breiviks zu tun statt mit einem am Ende nur sinnlos nihilistischen Blutrausch, der ideologisch für mehr Bedeutung oder allein wegen mehr Aufmerksamkeit veredelt wurde.

In jedem Fall würde die auffällige Verschiebung, der Missbrauch hin zu Opfern, die es nicht gab, augenfällig werden.

Was1NiceSeite
11. Oktober 2019 02:46

ML: Ich schalte das mal frei, als Beispiel für die stupende Dummheit und Unfähigkeit zum sinnentnehmenden Lesen, mit der manche Zeitgenossen unsere Kommentare durchforsten.

Eine Stilblüte rechten Pseudo-Journalismus'.

„Die Reaktionen laufen also erneut nach einem altbekannten Schema ab“
- dem schließe ich mich an:

Während die Junge Freiheit über die „Stunde der Scheinheiligen“ schreibt und damit bewusst die Aufmerksamkeit weit weg von dieser, hin zu einer ins ideologische Weltbild passenden, islamistischen Tat zu lenken versucht, endet Tichys Einblick mit einem ebenfalls ernstgemeinten Brand-Appell, dass es nicht sein könne, „dass wie in Berlin versuchter Terrorismus nicht strafrechtlich verfolgt, und der Betreffende nicht umgehend abgeschoben wird“.

Im gleichen Tenor des klugen Patrioten Jürgen Elsässer: „Der Erfolg kluger patriotischer Arbeit – Trump, die AfD – wird bedroht durch im Internet gezüchtete Nazi-Monster, die mit ihrem irren Hass auf Juden und Minderheiten, nur zu oft auch auf Frauen ihre eigenen Minderwertigkeitskomplexe kompensieren und die Gesellschaft nicht vor der Islamisierung retten, sondern vielmehr selbst zu deren Untergang beitragen wollen.“ Und nun reiht sich auch die Sezession in den Boulevard-Populismus ein, indem sie mit dem Finger in Richtung Ausländer zeigt.

Ein deutscher Bilderbuch-Rechtsextremist versucht im Jahr 2019 so viele Juden* zu ermorden, wie ihm möglich, und die rechte Regenbogenpresse schaut einheitlich zur Seite und mault im Unisono: „Die Muslime sind die EIGENTLICHE Gefahr!“

Darauf kommt prompt scharfe Kritik von Außen – über die sich dann aber selbst maßlos empört wird: „Wir dürfen auch gar nichts mehr sagen … Meinungsfreiheit retten! … mimimi … Zensur … Lügenpresse … mimimi … WIR sind die WAHREN Opfer …“

Anstelle davon, sich vernünftig mit dem eigentlichen Thema auseinanderzusetzen und in die Selbstreflexion zu gehen oder sogar Mal über mögliche Abgrenzungschwierigkeiten im eigenen ideologischen Umfeld nachzudenken, werden die Kanonen präventiv gegen einen eigens herauf beschworenen Gegner abgefeuert, sodass letztendlich nur noch festzuhalten bleibt:

Ein Deutscher, antisemitischer Rechtsextremist erschießt in Deutschland 2019 zwei Menschen und der rechtsintellektuelle Martin Lichtmesz schreibt „daß [sic!] dieser ohne Zweifel wachsende Antisemitismus vorwiegend mit der ohne Zweifel wachsenden Präsenz gewisser importierter Bevölkerungsgruppen zu tun hat.“

Und dann noch maulen, man würde ins Rechte eck GEDRÄNGT werden, während die Maulerei doch dort bereits angefangen hat.
#Stillos

qvc1753
11. Oktober 2019 07:42

Die Frage, die sich immer nach solchen Ereignissen stellt ist die nach dem „Warum“. Und da der Täter offenbar rechtsextremer Antisemit ist wird mit einer gewissen Logik im rechten Spektrum angesiedelt.

Nun ist es selten hilfreich, so finde ich, ständig im Alarmmodus zu arbeiten. Wer an der Abwehr tatsächlicher oder vermeintlicher Welt- und Zivilisationsuntergänge arbeitet, der läuft Gefahr -aus „Notwehr“ so zu sagen - Dinge ausserhalb der Rechtsordnung zu tun.

Man muss da aber auch unterscheiden. Nicht alles was die Bundesanwaltschaft als Terrorismus anklagt ist eine Provinzposse. Und nicht jeder Wirrkopf ist ein Wurmfortsatz der politischen Rechten.

Es sollte nur eines klar sein: im Land aus dem heraus die Shoa verursacht wurde hat eine solche Tat eine ganz andere Bedeutung.
Und deswegen zucke ich dann auch, wenn ich in einem Kommentar der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters lese. So etwas kann ich nur als degradierende Bezeichnung verstehen.

H. M. Richter
11. Oktober 2019 08:22

Die letzten Jahre haben verdeutlicht, wie unterschiedlich seitens der Medien mit Terrorakten umgegangen wird. Die Widersprüche sind derart eklatant, daß auf einen Vergleich verzichtet werden kann.

Oder in Kurzform: Limburg 8. Oktober - Halle 9. Oktober.

Bzw.: Einzelfall, psychisch gestört, keinesfalls zu verallgemeinern, Instrumentalisierung verboten gegenüber 'und-Schuld-allein-hat-nur-die-Afd' ...

Daß angesichts der unfaßbaren Wahnsinnstat in Halle sowie der bisher bekannten Begleitumstände (Videoauswertung u.a.) nicht einmal öffentlicht gefragt wird, inwieweit der Täter psychisch gestört sein könnte, währenddessen bei anderen Taten innerhalb von Minuten das 'Einzelfall-und-psychsich-gestört-Mantra' abgespult wird, bedarf keiner Kommentierung.

Der AfD ist allerdings in der entstandenen Situation dringend anzuraten, diesbezüglich in die Offensive zu gehen, die bestehenden Widersprüche klar und unmißverständlich zu benennen, beispielsweise indem nachdrücklich auf die Einschätzung des Chefredakteurs der Jüdischen Rundschau, Rafael Korenzecher, hingewiesen wird: "Allerdings müssen sich Juden nicht wegen der AfD verkleiden. Auch hat die AfD nicht einen einzigen Juden umgebracht oder auch nur geschlagen. Alle in Europa begangenen Morde an Juden wurden im 21. Jahrhundert von Muslimen verübt, von der nahezu täglichen Gewalt ganz zu schweigen. Die AfD hat auch keine jüdischen Schüler von einer deutschen Schule geprügelt. Das haben die Muslime völlig ohne Hilfe der AfD fertiggebracht."*
______________________________________

*
https://www.achgut.com/artikel/wir_haben_nichts_gegen_juden_wir_sind_nur_blind

drieu
11. Oktober 2019 08:57

Ich finde die Einlassungen von Was1NiceSeite durchaus berechtigt, den kursiven Einleitungssatz zu dessen Beitrag allerdings peinlich.

Ich habe mir schon gedacht, daß es wieder diverse Burschen hier geben wird, die die universell nützlichen Worte "false flag" "Cui Bono" aus dem Hut zaubern, die, qvc1753 deutet es richtig, eindeutig antisemitischen Kram absondern. Es ist ein Trauerspiel.
Natürlich - haben Täter und Tat nichts mit der AFD, nichts mit den Identitären, nichts mit Schnellroda zu tun - aber es scheint doch vielen hier tatsächlich ein Zacken aus der Krone zu brechen, wenn sie einmal schweigen oder klare Worte finden sollen.
"Kann Höcke die Hetze überleben?" Wenn das die einzigste Sorge ist, bin ich raus.

Waldgaenger aus Schwaben
11. Oktober 2019 09:01

Zunächst mal mein Lob, dafür dass Lichtmesz es in so kurzer Zeit geschafft hat, einen gut rechercherierten Artikel mit einer guten Analyse zu schreiben.

Ich möchte den Fokus auf die Konsequenzen für die deutsche Rechte lenken.
"Mit dem Maß, mit ihr messt, werdet ihr gemessen!", hat mal einer gesagt.

Welcher AfD-Anhänger , welches AfD-Mitglied oder welcher AfD-Politiker unterscheidet bei islamisch motivierten Terror-Akten zwischen Sunniten, Schiiten, Wahabiten, Salafisten? Wen interessiert es, ob der Täter konvertierter Eniheimischer (wie in Frankreich), Türke, Araber, Kurde, Nord-Afrikaner oder Somalier ist?
Wen interessiert die schwere Kindheit oder die kranke Psyche des Täters?

Genauso wenig wird ausserhalb der deutschen Rechten diffenziert. Der Anschlag wird ihr zugerechnet. Und damit muss die deutsche Rechte leben. Und ich befürchte es wird nicht letzte gewesen sein. In unruhigen Zeiten setzen Psychopathen ihre Gewaltfantasien eher um und sie docken halt irgenwo an, um eine Rechtfertigung zu haben.

Was die deutsche Rechte präventiv tun kann, ist erstens eine andere Sprache zu pflegen. Statt bedrohlich klingender Schlagworte wie Bevölkerungsaustausch, Invasoren, etc. besser positive Formulierungen verwenden:
Liebe zur Heimat, Bewahrung der Identität, Stolz auf die zahlreichen Glanzpunkte deutscher Geschichte. Kurz: Einen positiven Patriotismus pflegen.

Und zweitens muss die deutsche Rechte vor allem nach innen, aber auch nach aussen signalisieren, dass sie mit den Sicherheitsbehörden das gemeinsame Interesse hat, solche Anschläge in Zukunft zu verhindern, und dass gemeinsames Interesse punktuelle Zusammenarbeit bedeutet. Auffällige Personen und Straftaten werden konsequent gemeldet.

MARCEL
11. Oktober 2019 09:15

Ein ausgezeichneter Artikel, der den Sachverhalt und den richtigen Ton trifft. Eigentlich erübrigen sich Kommentare.
Vielleicht dennoch dieser Gedanke, der mir nach Empörung und Wut gekommen ist: Was bedeutet das für unsere konkrete Arbeit? Welche Konsequenzen werden gezogen werden müssen (Eigensicherung, Schutz von Identitäten)? Welchen Illusionen hat man sich auch bei uns hingegeben (Bekenntnislust, Gesicht zeigen)?
Klar, ich renne da offene Türen ein...
Wir können uns unsere Gegner nicht aussuchen, sie handeln gemäß ihrer Logik u. Verblendung. Wie reagieren wir darauf?
Klar auch, die Realität ist auf unserer Seite, aber wer noch?
Ein gewagte Gedanke zum Schluss: Was wäre eigentlich, wenn G. Kubitschek und M. Sellner im Kreml empfangen würden, ähnlich, wie sich unser Regime der Hongkong Oppositionellen annimmt? Devise:
"Sich mit dem Geist eines Riesen den Körper eines Riesen suchen" (Alphonse de Chateaubriant)

Marc_Aurel
11. Oktober 2019 10:13

Vielleicht lehne ich mich jetzt etwas weit aus dem Fenster, aber langsam häufen sich die seltsamen Zufälle, die natürlich auch rein zufällig immer genau zum richtigen Zeitpunkt auftreten.

Zuerst der Christchurch-Heini, der natürlich vorher noch großzügig der IB spenden musste, über die Hitler-Grüßauguste in Chemnitz die es kaum erwarten konnten endlich gefilmt zu werden, über das Ibiza-Video das lange auf Eis gelegt wurde für den richtigen Moment, dann die Polizeiboot rammende Soros-Rakete und jetzt Halle, um nur mal die wichtigsten Punkte zu nennen.

Das kommt mir so vor, als arbeitet hier jemand eine Agenda ab, deren Ziel es offensichtlich ist mit ausreichend Vorlauf die Bürger vor wichtigen Wahlen durch das gut getaktete platzieren entsprechender Ereignisse permanent auf einem hysterischen „Oh weh, der rechte Terror bzw. die rechte Gefahr ist im Aufwind“ Ausflug zu schicken und nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen, bis die Wahlen vorüber sind.

Ich wette fast darauf, dass dieser Terror, der bis vor kurzem eigenartigerweise kaum existent war, abgesehen von der reichlich ominösen Dönermordgeschichte, sich nach den Wahlen ganz schnell wieder verflüchtigen wird, um dann zum richtigen Zeitpunkt plötzlich wieder in hoher Intensität aus der Kiste zu springen.

quarz
11. Oktober 2019 10:53

@Waldgänger

Der Vergleich hinkt. Es gibt einen für alle Spielarten des Islam verbindlichen religiösen Text, in dem den Gläubigen vorgeschrieben wird (explizit: wenn es anders nicht geht, mit Gewalt!), dazu beizutragen, dass die gesamte Menschheit dem islamischen Normensystem (der Scharia) unterworfen wird.

Hingegen gibt es kein kanonisches Fundament aller Rechten, keinen "heiligen rechten Text", der eine solche Klammer zwischen allen Menschen darstellt, die sich auf ihn berufen. Folglich ergibt sich nicht in gleicher Weise ein Rechtfertigungskonnex zwischen einem rechten Attentäter und rechts stehenden Menschen, die Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele ablehnen.

Hartwig aus LG8
11. Oktober 2019 11:06

Ich schließe mich dem einordnenden Beitrag von Martin Lichtmesz an, insbesondere bzgl. der Bewertung des Täters.
Dies als Vorbemerkung, um nicht falsch verstanden zu werden ... denn mich überrascht eigentlich nur, dass solche Exzesse wie in Halle nicht öfter, ... viel öfter passieren. Die weitestgehende Ruhe und Ordnung im Lande ist doch das eigentlich Verwunderliche, nach allem, was im ablaufenden Jahrzehnt geschehen ist.

RMH
11. Oktober 2019 11:14

Ja, ein guter Artikel und ich bin Herrn Lichtmesz dafür dankbar, dass er auf Seiten von SiN jedesmal seit Breivik die Bürde auf sich nimmt und versucht, solche Vorfälle einzuordnen. Denn dass der politische Gegner sich insgeheim bis offen sogar darüber freut, dass hier einer Munition im Kampf gegen Rechts geliefert hat, ist offensichtlich (die Opfer sind diesen Heuchlern doch ernsthaft sch... egal - zum Glück waren es ja nur ein paar Ossis, sinnlos umgebracht von einem Muttersöhnchen- Ossi, damit lässt sich auf Seiten des Establishments gut leben und man denkt sich, danke für die Propaganda, useful idiot). Von daher macht es auch für Sezession Sinn, statt alternativ zu schweigen (was immer eine überlegenswerte und oft auch eine sehr gute Option ist), einen Kommentar zu veröffentlichen.

Wie aus einem meiner Kommentare zum Artikel von B.K. davor ersichtlich ist, ging auch ich in dem Moment, als die ersten Pressemeldungen online gingen und dabei von mehreren Tätern die Rede war, instinktiv von einer nicht koscheren Sache aus (darf man "koscher" in dem Zusammenhang überhaupt verwenden? Mir fällt gerade kein besseres Wort ein). Ich schließe mich nunmehr in diesem Punkt der Beurteilung von M.L. an, dass war keine false-flag- etc. Aktion.

Worüber man sich aber meiner Meinung nach keine falschen Gedanken machen darf ist der Umstand, dass dieser Täter massiv online aktiv war und sicher seine Signale schon lange vor der Tat gesendet hatte und daher auf dem Schirm von irgendeinem Dienst irgendeiner Behörde war - gleich ob inländisch oder ausländisch - und das jetzt bestimmt irgendwo, irgendwer seine Festplatte putzt und in irgendeiner Amtsstube vorsorglich Akten und Spuren dieser Beobachtung geschreddert werden. Als minimaler Rest des anfänglichen "Verschwörungszweifels" bleibt m.M.n. mithin ein "let it happen" durch einen in- oder ausländischen Dienst, wenn vielleicht auch nur grob fahrlässig.

Und das bringt mich zum entscheidenden Punkt, denn M.L. hat ja eigentlich bereits alles Wesentliche gesagt:

Auch wir werden mitgelesen, auch unsere IP-Adressen gesammelt, zugeordnet etc. Unsere Pseudonyme halten nur oberflächlich irgendwelche Antifa-Buben davon ab, uns zu identifizieren (aber auch an die können unsere Daten bei Bedarf jederzeit durchgestochen werden). Tun wir also nicht so, als sei dies ein Ort der freien und unbeobachteten Debatte. Von daher mahne ich Teile der hier Schreibenden zur innerlichen Einkehr und möchte - im Sinne des Erhalts dieses Forums und auch zum Schutz der Forenbetreiber - dazu aufrufen, dass doch jeder kurz in sich geht und überlegt, ob man manche Themen, manche Fragen hier einfach besser nicht diskutiert, manche Pointen, manche Ironie nicht bringt etc., ob das Internet überhaupt noch der richtige Raum und Ort ist, für diese Themen und Fragen. Denn eines ist klar, bei Leuten mit Tunnelblick oder schweren psychischen Störungen (ich halte den Täter für nicht politikfähig und psychisch schwer krank, der ganze pseudo ideologisch-politische Schwachfug, den er verbreitet hat, ist nur Wahn, Schutzmauer und Sublimation einer schwer gestörten Persönlichkeit) ist selektives Lesen Teil ihrer Symptome und da ist der Schritt, sich in irgendeinem Wahn durch eine kritisches Bemerkung, die man im Internet findet, unter kompletter Ausblendung deren Kontexts, bestätigt zu sehen, schnell gemacht. Und daraus werden dann die berühmten Zusammenhänge konstruiert, welche dann als Wasser auf die politischen Agitations- und Repressionsmühlen gelenkt werden, obwohl nur wahrlich niemand jemals irgendwie zur Gewalt aufgerufen hat oder irgendwie auch nur in Verbindung mit solchen Leuten gebracht werden möchte.

Dies ist jetzt kein Aufruf zu einem vorauseilendem Gehorsam oder Selbstzensur. Es ist nur der Aufruf zum Nachdenken, wo die Orte für manche Themen sind und wo nicht - auch zum Schutz der jeweiligen Seitenbetreiber und der damit in Verbindung zu bringenden Partei.

Denn eines ist klar: Wir werden jetzt echte Repression und Hetze erleben, die alles bisherige in den Schatten stellen wird - da können wir auch nicht mehr groß dagegen anschreiben und sagen, Unverschämtheit, damit haben wir nichts zu tun etc.

Wir müssen uns strategisch darauf einstellen und entsprechende taktische Verhaltensweisen einüben und an den Tag legen. Dazu gehört auch, dass hier der Seitenbetreiber stärker durchgreift, auch wenn ich persönlich das schade finde, da ich auch Meinungen lese und einordnen kann, die ich nicht teile oder die ich ablehne, aber ich bin nicht der Maßstab und der mitlesende Gegner differenziert und ordnet schon mal gleich gar nichts ein, der sucht nur nach für seine Zwecke verwertbar oder nicht verwertbar.

zeitschnur
11. Oktober 2019 11:34

Mir fällt auf, dass turnusmäßig Attentate geschehen und jeweils bestimmte Klientel bedienen: mal ballert ein "Nazi" (wobei ich nie verstehe, was solche Täter mit den historischen "Nazis" zu tun haben), mal messert oder kalaschnikowt ein "Islamist", mal prügeln irgendwelche vermummten "Linken" mit Eisenstangen und strunzdummen Sprüchen und werfen nebenbei Steine in Ladenfenster. Und immer regt sich das jeweilige Klientel auf, fabriziert Brandartikel, spricht schon wieder von einer "größten Schande für Deutschland" (oder auch Frankreich, wenn es dort mal wieder kracht).

Es wird allmählich langweilig und degoutant: in den einen Fällen stellt sich später heraus, dass mal wieder der VS der Täter war bzw der Täter auf dessen Gehaltslisten stand (wie vermutlich Anis Amri, vom NSU-Phantom ganz zu schweigen!), in wieder anderen Fällen scheinen unbeachtete Probleme der eigentliche Hintergrund zu sein (wie bei Daniel Hillig in Chemnitz möglicherweise eine deutsch-türkische Geheimdienstaktion gegen die PKK, die wiederum von der Antifa unterstützt wird, der Hillig nahestand oder sogar zugehörte), und in wieder anderen Fällen offenbart sich ein mutmaßlicher Sumpf an Mafiaverstrickungen des Ermordeten wie im Fall Lübcke, die wiederum Anbindungen in VS-Szenerien zu haben scheinen. https://www.deutschland-kurier.org/mehr-fragen-als-antworten-im-mordfall-luebcke-die-instrumentalisierung-eines-abscheulichen-verbrechens/.

Aber die Politikerreaktionen nach den jeweiligen Morden sind so widerwärtig heuchlerisch und denunziatorisch gegen den "Feind", wie sie jeder zivilisierten Rechtsauffassung widersprechen. Das larmoyant-verlogene Statement Seehofers gestern ist dabei nicht anders zu beurteilen als Wolfgang Bosbachs melodramatischer Abgang bei Maischberger nach dem G20-Gipfel in Hamburg. Jedesmal ist nun dieses Attentats die aber nun ultimativ "größte Schande". Wann ist eigentlich mal das Limit erreicht? Wie hoch soll der Turm der größten Schande gebaut werden, dieser Campanile des politischen Schmutzes, der sich erhebt und erhebt und erhebt und...?

Für mich bleibt stehen:
Die Taten sind geschehen und müssen aufgeklärt werden. Solange sie nicht aufgeklärt sind, sollten alle, die meinen, sie müssten Schuldzuweisungen herumposaunen und die Tat "instrumentalisieren", das Loch in der unteren Gesichtshälfte verschlossen halten. Erlaubt sind alleine: Tränen über die Toten!
Ich kann es einfach nicht mehr hören!
Wir stumpfen so ab gegen Mord und Totschlag und verlieren jede rechtliche Bodenhaftung. Die nämlich bedeutet: über ein schwebendes Verfahren dürfte normalerweise gar nicht öffentlich geredet werden.

Monika
11. Oktober 2019 11:39

Eine ruhige, besonnene und umfassende Analyse von Herrn Lichtmesz. Da kann man sich FAZ, Focus und Konsorten ersparen. Das ist nervenschonener in diesen Zeiten der Aufgeregtheiten.
Drei Anmerkungen
1. Zur Amerikanisierung solcher Ereignisse
In der FAZ war am 9.10 zu lesen: „wie die F.A.Z.aus Koalitionskreisen erfuhr, soll es sich offenbar ( beim Täter) um einen weißen Deutschen handeln“...
Deutschsein genügt schon nicht mehr, das Weiße des Deutschen muss jetzt auch betont werden...als wenn es schon so viele schwarze Deutsche gäbe...das klingt neu in meinen Ohren
2. Instant Betroffenheit
Unser Heiko Maas auf Twitter :
„Ich bin es leid, immer wieder entsetzt und erschüttert sein zu müssen. Wann hört das auf ?“
3. Karl Lauterbach (SPD):
„Es ist die Hetze der AFD, die dem Rechtsextremismus politisch eine Stimme gab“...durch diese Hetze fühlen sich einzelne Verbrecher legitimiert ihre Grausamkeiten zu begehen...“
4. Björn Höcke äußerte sich auf Twitter „betroffen“ zu dem Verbrechen. In den ungefähr 1500 Kommentaren werfen ihm ca. 90 Prozent der twitterer vor, an diesem Verbrechen in Halle mit Schuld zu sein, eben durch besagte Hetze. Die Kommentare strotzen nur so von Hass ! Höcke und seine Familie werden derzeit massiv bedroht. Die Wahlen in Thüringen stehen an. Das Klima ist extrem aufgeheizt.
Man stelle sich einen Anschlag auf einen „rechten Hetzer“ vor.
Vielleicht müsste Heiko Maas dann nicht mehr erschüttert sein, da es aufhören würde, das mit der rechten Hetze, die zu solchen Taten führt....schlimmer noch ... der Täter wäre ein weißer Deutscher...
Verwirrung
Es beginnt in der Tat eine gewaltige Radikalisierung , die Angst macht. Deshalb braucht es besonnene Stimmen.

Adler und Drache
11. Oktober 2019 11:42

Die "Incels" sind keine Subkultur, sondern eher eine soziale Schicht oder ein Milieu. Es sind in der Regel junge Männer am Ende ihrer Möglichkeiten, bindungslos, sozial vereinsamt und verwahrlost, ohne Aussicht auf eine Partnerschaft oder Sex, für den sie nicht bezahlen müssen in einer Welt, in der ihnen gesagt und gezeigt wird, dass Sex das wesentliche, ja das einzige Element für ein "glückliches", "freies" Leben ist. Sie haben sich mit der Tatsache abgefunden, dass dieses Leben für sie unerreichbar ist, und dass sie an ihrer Misere nichts mehr ändern können. Sie haben nichts zu verlieren. Aber sie können einmal für weltweite Aufmerksamkeit sorgen und, als positiven Nebeneffekt, ihren Marktwert in die Höhe schnellen lassen (Gewaltverbrecher haben immer Groupies). Mit Politik hat das alles nichts zu tun, das zusammengeborgte, ja zusammengekratzte politische Gefasel soll provozieren und die Tat gleichzeitig rationalisieren. Das menschliche Gewissen, über das so ein Täter selbstverständlich verfügt, sofern er psychisch nicht schwer geschädigt ist, erlaubt es nicht, aus reiner Bosheit oder Rachedurst Amok zu laufen, es sucht sich eine pseudoargumentative Basis zur Rechtfertigung.

Ein Bekannter sagte mir, dass bis vor 30 Jahren der Anteil der Incels an der Gesellschaft bei 1-2 % lag, heute bei ca 20 %, Tendenz steigend.
Dagegen kann keine Polizei und kein politischer Druck etwas machen. Im Grunde handelt es sich um Spätfolgen des Feminismus. Das wird vermutlich erst unter einer gesellschaftlichen Ordnung aufhören, die dem Mann einen Wert "an sich" zuschreibt.

Waldgaenger aus Schwaben
11. Oktober 2019 11:45

@quarz
Jeder Vergleich hinkt irgendwo.
Vor kurzem las ich auf der Achse des Guten:
Hund und Kuh lassen sich vergleichen hinsichtlich der Anzahl der Beine und Schwänze. Stöckchen schmeißen und Pfötchen geben eher nicht.

Die verschiedenen Richtungen des Islams unterscheiden sich hinsichtlich der Interpretation des Korans.

Aber wenn es sie stört ersetzen Sie halt in meinem Beitrag den Islam durch linksradikalen Terror. Da interessiert es auch nicht, ob nun ein Neo- oder Altstalinist, Trotzkist, Maoist, oder sonst ein Linker die Bombe schmeißt.

Nun was zur false-flag-Fraktion. Ich finde es ausgesprochen ärgerlich, dass diese Karte bei jedem Anschlag gezogen wird. Echte false-flag-Aktionen würden durch die zahlreichen offensichtlichen Fehlalarme gar nicht mehr auffallen.

quarz
11. Oktober 2019 12:33

@Waldgänger

Das Hinken oder Nichthinken eines Vergleichs lässt sich ermitteln. Ein nichthinkender Vergleichsfall ist eine induktive Bestätigungsinstanz für eine allgemeine These, aus der ein Urteil über den verglichenen Sachverhalt logisch abgeleitet werden kann. Die involvierte allgemeine These bleibt meist unausgesprochen im Hintergrund und müsste zum Nachweis des Nichthinkens expliziert werden.

Im vorliegenden Fall müsste ein allgemeines Prinzip expliziert werden, aus dem eine Selbstrechtfertigungspflicht für Rechte angesichts eines rechts motivierten Attentats ableitbar ist, und das durch den islamischen Vergleichsfall induktiv gestützt wird.

Wenn diese Explikation fehlt, dann bin ich als derjenige, der das Hinken des Vergleichs bemängelt, auf Spekulation angewiesen. Ich spekuliere also, dass der Vergleich auf der Unterstellung gleichartiger Handlungsprinzien beruht, die jeweils für Terroristen und gewaltfreie Vertreter einer in Teilbereichen mit deren Gedankenwelt überlappenden Ideologie gleichermaßen handlungsrelevant sind. Und diesbezüglich drängen sich im Fall des Islam als Quelle natürlich dessen kanonische Texte auf, für die es im Fall der "Mosaikrechten" kein Pendant gibt.

Simplicius Teutsch
11. Oktober 2019 12:53

@drieu: >"Kann Höcke die Hetze überleben?" Wenn das die einzigste Sorge ist, bin ich raus.“<

Verstehen Sie die Brisanz wirklich nicht, @drieu? - Wenn der AfD-Parteipolitiker Björn Höcke als ehrliche Symbolfigur für ein deutsches Nachkriegs-Selbstbewusstsein jetzt mit nationalmasochistischem Hass und linker Hetze als rechter Sündenbock in den Orkus der Geschichte gefegt wird, dann gibt es keine Möglichkeit mehr, auf ehrlich gewolltem demokratischen Weg eine deutsche Zukunft, eingebunden in Europa und der Welt, zu gestalten. - Und ich bin besorgt, weil ich Demokrat bin.

Fredy
11. Oktober 2019 12:56

paar Spritzer eigenen Senf dazu ...

Zum Thema Dummheit:

Der Täter hat immerhin das Abitur geschafft, Chemie studiert und Waffen gebaut, die hier um Forum wohl - vom technischen Veständis und den Fertigkeiten her - nur 5% selbst herstellen könnten. M.E. hat sich der Typ auf seine Technik konzentriert und das Organisatorische völlig vernachlässigt (glücklicherweise kann man sagen). Er war durchaus auch mutig: Sein Leben wegen 5 Minuten Ruhms so wegzuwerfen, dazu gehört auch eine Portion Mut dazu.

Aber: Kriminell, dumm und feige hört sich natürlich immer besser an.

Bei den echten Nazis wäre der "Nazi" nach dem Töten zweier unschuldiger Bürger direkt im KZ gelandet. Sicher, nach heutigem Wissensstand wissen wir, dass im KZ nur Unschuldige saßen. Aber dann hätte er dort zumindest unschuldig gesessen; jedenfalls hätte er gesessen.

Soviel zum Nazivergleich.

Und zu @Was1NiceSeite und Konsorten:

Weil wir wissen, dass wir genug deutsche Kriminelle haben, ist Wert darauf zu legen nicht noch mehr (ausländische) Kriminelle zu importieren. Mit den ersten müssen wir im Land leben, da können wir wenig steuern. Für die Existenz der zweiten Gruppe können wir voll verantwortlich gemacht werden. Inwieweit der hiesige Täter Opfer seiner BRD ist, ist dabei noch nicht bestimmt.

Und wenn es nach mir geht kann der ganze Meme-Dreck und die genannten Drecksportale, die offenbar wie Magneten Ungeziefer anziehen und in die sich - außerhalb von Recherchen - kein normaler Mensch verirrt, für immer im Nirwana verschwinden.

Grobschlosser
11. Oktober 2019 12:56

ein offenkundig psychisch erkrankter Gewalttäter versucht in eine Synagoge einzudringen ; die brd Presse und ihre Kaufmünder konstruieren einen Bezug zur AfD .

man merkt die Absicht und ist verstimmt .

wenn ein muslimischer Attentäter nichts mit dem Islam zu tun hat - was hat dann ein deutscher Attentäter mit Deutschland und den Deutschen zu tun ?

Ich bin nicht für die Fehlsozialisation des Täters verantwortlich ; ich bin auch nicht für die Verrohung dieser Gesellschaft verantwortlich ; der Täter von Halle ist ein ganz gewöhnlicher Opportunist ; er wird sich gefragt haben : " wie erziele ich viel Aufmerksamkeit ?"

und ja : das Internet ist kein Ort für Kinder und Jugendliche , aber wer hat vor zwanzig Jahren den Attentäter vor der Glotze geparkt ? Welche Verantwortung haben Lehrer in diesem Zusammenhang ?

GEZ-Medien basteln sich eine Kollektivhaftung der "Gesellschaft" - um ähnliche Vorfälle zu verhindern müssen eben ALLE Bürger überwacht werden .

will heißen : ein einziger Soziopath kann mit einer einzigen kriminellen Handlung die Freiheit aller Bürger beschneiden .

folgt man der Logik der brd Systemsender dann führt eine kriminelle Handlung einer einzigen Person unweigerlich in den Überwachungsstaat .

bei Illner , gestern : man kennt sich , man ist sich einig - mehr Kontrolle und Überwachung muss her - fühlt sich die grüne Politikerin irgendwie unsicher : Inlandsnachrichtendienst aufstocken - Bürger beobachten .

umgekehrt wird ein Schuh draus : der örtliche Rabbi bekommt einen .44er und eine Schachtel Munition von der Gemeinde gestellt - so wie jeder Bürger berechtigt sein sollte seine Familie und den Hof notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen . Bis die Polizei anrückt vergehen 20 Minuten - d.h. bis zum Eintreffen der Exekutive ist der Bürger dem Verbrechen schutzlos ausgeliefert - und genau hier liegt das Problem .

man muss das Rad nicht neu erfinden ; die Schweiz macht es vor : jeder Reservist hat ein automatisches Gewehr im Schrank .

ähnlich in Israel - auch dort können Bürger automatische Waffen besitzen um sich und ihre Familien gegen gewaltkriminelle Araber zu verteidigen ; Bsp. usa : ist bekannt .

Kriminalität darf niemals zur Entwaffnung und zur Entmündigung des Bürgers führen ; da behauptet ein krimineller Psychopath eine "politische Agenda" und schon hat die Systempresse eine Steilvorlage für ihre Kontroll - und Überwachungsphantasien .

lächerlich .

Andreas Walter
11. Oktober 2019 13:23

@Waldgaenger aus Schwaben

Sie wissen, was manche Juden auch in Palästina alles getan haben, um Herr auch dieser Region zu werden? Unterschätzen Sie daher auch diese Leute nicht, ich rede ja auch nicht von allen. Sie können ja mal ältere Briten fragen, was da alles los war. Bis zu Sprengfallen sprichwörtlich in und an bereits getöteten britischen Soldaten und Offizieren und auch anderen ermordeten Menschen. Der Höhepunkt an Gewalt und der erste Terroranschlag dieser Art überhaupt in der Geschichte war dann das hier:

https://youtu.be/7lFayd9TWa0

Oder auch die USS Liberty. Das kann glauben wer möchte, dass das ein Unfall war. Ich sehe da was anderes. Das sind ja keine Märchen, auch diese Dinge sind wirklich passiert. Bei Trotzki und Co. braucht man daher gar nicht anfangen.

zeitschnur
11. Oktober 2019 13:24

@ Adler und Drache

"Im Grunde handelt es sich um Spätfolgen des Feminismus. Das wird vermutlich erst unter einer gesellschaftlichen Ordnung aufhören, die dem Mann einen Wert "an sich" zuschreibt."

Schön, wenn man den Schuldigen gefunden hat und eine Lösung gleich dazu: die Weiber sans gwen.
Allerdings frage ich mich, wie gut es dem Mann zu Zeiten des "Mannes an sich" als Wert ging (und die meisten Jahrhunderte und Jahrtausende standen in dessen Stern, schon vergessen?). Er war Leibeigener, ausgepresste Zitrone, verheizter Idiot in never ending war scenes, sprich: Kanonenfutter, das man damit aufrecht hielt, dass es irgendwie wenigstens mehr sei als das Weibliche und zu Hause den Herrn spielen durfte, wo es doch eigentlich nur Schrottmasse der Fürsten war. Prost also: das werden wir dann auch zurückbekommen, und ich kann nicht sehen, dass die Incels so weit entfernt vom alten Kanonenfutter und Arbeitssklaven der älteren, maskulinen Tage sind. Zu "Entfremdungsgefühlen" schaffte es der Mensch voriger Zeiten meist unter dem gewaltigen sozialen und ideologischen Druck erst gar nicht, unter dem er stand und um dessentwillen er durchschnittlich mit Mitte 40 oder 50 bereits unter der Erde lag - entweder in einem Krieg abgeschlachtet, wegen Bagatellen hingerichtet oder wegen vermeidbarer Krankheit und Auszehrung gestorben.
Bitte also nicht diese Larmoyanz des Männlichen - das ist noch peinlicher als die entsprechende Weibliche ...

Die Entfremdungen unserer Tage haben in jedem Fall komplexe Gründe, gehören auch zur "Wohlstandsverwahrlosung", und der "Feminismus" ist genauso nur zweckgeheiligtes Mittel wie es der Maskulinismus war und wieder sein wird. Wir Idiot*innen machen das alles jedesmal brav mit, anstatt uns zu lieben und gegenseitig zu schützen vor denen, die uns gegeneinander ausspielen.

Lotta Vorbeck
11. Oktober 2019 14:15

@RMH - 11. Oktober 2019 - 11:14 AM
"... sch... egal - zum Glück waren es ja nur ein paar Ossis, sinnlos umgebracht von einem Muttersöhnchen- Ossi, damit lässt sich auf Seiten des Establishments gut leben und man denkt sich, danke für die Propaganda, useful idiot). ..."

@zeitschnur - 11. Oktober 2019 - 11:34 AM
Mir fällt auf, dass turnusmäßig Attentate geschehen und jeweils bestimmte Klientel bedienen: mal ballert ein "Nazi" (wobei ich nie verstehe, was solche Täter mit den historischen "Nazis" zu tun haben), mal messert oder kalaschnikowt ein "Islamist", mal prügeln irgendwelche vermummten "Linken" mit Eisenstangen und strunzdummen Sprüchen und werfen nebenbei Steine in Ladenfenster.
...

Es wird allmählich langweilig und degoutant ..."

****************************************

Es gibt Leute die behaupten, der sich so seltsam-gestört-minderbemittelt gebende Todesengel zu Halle sei ursprünglich kasachischer Herkunft.

RMH
11. Oktober 2019 14:20

@Grobschlosser,

"Welche Verantwortung haben Lehrer in diesem Zusammenhang ?"

Die Mutter des Täters soll eine angesehene Lehrerin sein. Lehrers Kinder, Pfarrers Vieh ...

"der örtliche Rabbi bekommt einen .44er und eine Schachtel Munition von der Gemeinde gestellt."

Wir alle wissen nicht, in wie viele Läufe von Knarren der Täter geblickt hätte, wenn er die Tür aufbekommen hätte und solche "Betriebsgeheimnisse" wird sicher auch keiner publik machen. Zumindest rechnete der Täter offenbar selber damit, in der Synagoge erschossen zu werden, wenn man dem, was bei O. Fleschs 1984 blog veröffentlicht wurde, glauben schenken darf (und damit lag der Täter nach meiner Einschätzung gar nicht mal so daneben).

Wie geschrieben, es bringt uns nicht weiter, groß zu lamentieren, wir müssen trotz Schocks und Betroffenheit über die Opfer uns auf die neue Lage einstellen und im Moment wird gegen die AfD gehetzt, wie schon lange nicht mehr (sie SPON etc.). Evtl. hat pi sogar damit recht, wenn man einmal daran erinnert, dass die AfD im Moment die einzige Partei im Bundestag ist, die eine Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt von Israel fordert.

Ach ja, @Fredy,
ich sehe hier beim Täter gar keinen Mum - eine wehrlose Frau von hinten abzuknallen .... warum schreiben Sie eigentlich so etwas?

... und wir alle wissen nicht, was er vorher zu sich genommen hat, damit er sich nicht einnässt (entsprechende Anleitungen gibt es ja bei Breivik).

Der Typ ist kein Nazi und kein Rechter, er ist ein psychisch kranker Freak, der in die Rolle des white warriors geschlüpft ist, wie in einem role play ... for 15 Minutes of fame ... (dafür wird er auch bei uns jetzt lebenslang in der echten Variante, also besondere schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung etc., bekommen).

Elvis Pressluft
11. Oktober 2019 14:36

(Vorbemerkung: ich arbeite derzeit für ein Hamburger Unternehmen, das vor einigen Jahren von einem israelischen Konkurrenten geschluckt wurde. Alle höheren Vorgesetzten sind jüdisch; sie enthalten sich bislang sämtlicher Kommentare zu Stephan B. und seiner Tat.) „Was1NiceSeite“ hat unfreiwillig geklärt, worum es geht: Der nächste zusammengeschlagene AfD-Politiker wird sich sagen lassen müssen, das sei ja noch gar nichts gegen … und überhaupt: Rechte Opfer gibt es per definitionem nicht! – Mit Cui bono hat das wenig zu tun, mit False Flag schon gar nichts. Die Frage, ob Höcke das überleben [sic] kann, ist hoffentlich nur übertragen zu verstehen. Ich HOFFE, daß es „nur“ um politisches Überleben geht, aber dessen kann sich niemand sicher sein. Antifa wird wahrscheinlich ganz offiziell vom System aufmunitioniert werden, was bislang noch notdürftig verschleiert wurde. Die Idee mit dem Davidstern „aus Solidarität“ weist den Weg: Wer ihn zu tragen verweigert, ist „Nazi“ – und vogelfrei. Also bitte: cui bono?! – Viele gibt es, die die Gunst der Stunde erkennen und nutzen wollen. Reichstagsbrand. Marinus war (vermutlich) in der Tat der Typus des „verwirrten Einzelgängers“, aber das war und blieb irrelevant. (Nach Limburg wurde übrigens noch der zynische Kommentar gestreut, die Bevölkerung habe den „Vorfall“ insgesamt recht gelassen aufgenommen – so etwas passiere schon einmal …)
Nein, die „einzigste“ (kein reguläres deutsches Wort, aber was soll’s) Sorge muß nicht Höcke oder der Thüringen-Wahl gelten. Wir haben viele Sorgen.

Fredy
11. Oktober 2019 16:14

@RMH

Was Sie mir unterstellen habe ich nicht geschrieben. Hab den SchwarzWeiß-Darstellungen nur versucht etwas Farbe beizumischen.

Aber jetzt weiter feste druff: Freak, Monster, Irrer, Kranker, Geistesgestört ... da fehlen noch ein paar Superlative. Das geht noch besser. Was bringts? Der Typ wird nicht besser, die Tat nicht ungeschehen, die nächste Tat nicht verhindert, der Vorwurf der geistigen Brandstiftung an euch trotzdem erhoben.

Keineswegs will ich mich mit diesem Menschen in irgendeiner Form gemein machen. Aber 10 Minuten vor der Tat wäre euch der Typ gar nicht aufgefallen, selbst wenn er im Supermarkt direkt vor euch an der Kasse bezahlt hätte. So weit weg ist die menschliche Normalität offenbar gar nicht vom Monster. Und weil das so ist und man derlei Vorfälle nicht mit schwarzweiß-Erzählungen nach Art eines John Wayne Western erzählen kann, deshalb wird auch in Zukunft immer wieder dieselbe Frage von denselben Leuten gestellt: Wie kann sowas nur passieren?

nom de guerre
11. Oktober 2019 17:18

@ Adler und Drache

„Spätfolgen des Feminismus“ – Einen der ersten in Europa dokumentierten Fälle von Mehrfachmord ohne gängiges Motiv (Habgier etc.) beschreibt André Gide. Dabei handelte es sich um den 15jährigen Franzosen Marcel Redureau, der 1913 die siebenköpfige Bauernfamilie, der er als Knecht diente, umbrachte. Der Hass, den der Junge vorher wohl einmal gegen die Familie geäußert hatte, und überhaupt seine Lage als Knecht dürfte kaum in irgendeinem Bezug zum damals noch jungen Feminismus gestanden haben. Kann es nicht sein, dass westliche Gesellschaften solche Typen aufgrund ihrer Verfasstheit mit sich bringen? Was nicht heißen soll, dass ihr Auftreten nicht unter jeweils veränderten Umständen mehr oder weniger häufig ist und der Kontext, ggf. der pseudo-ideologische Deckmantel, unter dem solche Taten verübt werden, sich nicht ändert.

@ Fredy „Sein Leben wegen 5 Minuten Ruhms so wegzuwerfen, dazu gehört auch eine Portion Mut dazu.“ Oder mangelnde Phantasie, was „Knast, wahrscheinlich für immer“ bedeutet, und eine sehr weit fortgeschrittene „Is doch eh alles egal“-Mentalität.

Im Übrigen danke ich für die hervorragende Analyse im Artikel. Kombiniert mit den Ausführungen bei Klonovsky ist dem nichts hinzuzufügen. Widerlich, das Ganze.

Fuchs
11. Oktober 2019 17:58

Man könnte sich mal fragen, ob es denn wirkliche "Einzel"täter überhaupt gibt und geben kann, wo doch der Mensch ein äußerst soziales Wesen ist. Wie kann es sein das da einer, ohne eine ihn unterstützende Lebensumgebung bereit ist eine solche Tat zu vollziehen und sie dann tatsächlich vollzieht? Und das scheinbar ohne vorher irgendwelche "Vorstufen" (Pöbeleien, Prügeleien etc) zu durchlaufen? Wer sowas "kann" muss ein extrem autonomer, intrinsisch-motivierter Charakter sein - sprich jemand der das andere Extrem zum "NEET-loser" darstellt (was zu einer so "missglückten" Tat ebenso wenig passt).

Die Junge Freiheit schrieb: "Zunächst hatte die Polizei von mehreren Tätern gesprochen", "Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle ... sagte dem Spiegel, zwei Männer hätten versucht, in die Synagoge einzudringen"

Der Klassiker - zuallererst wird von mehreren Tätern gesprochen, dann "einigt" man sich irgendwie darauf, dass es nur einer gewesen sein musste (vielleicht haben die Augenzeugen doppelt gesehen?).

Niekisch
11. Oktober 2019 18:45

Warum eigentlich wird uns die Arbeit immer wieder durch vollidiotische Verbrecher noch schwerer gemacht? Typisch dabei, daß der/die Täter vor restloser Aufklärung selber den Tod finden, Zeugen sterben oder verschwinden, sich im Auge des Hurricans oder wenigstens an seinem Rand Staatsschnüffler herumtreiben. Mal sehen, was da noch kommt.

Lotta Vorbeck
11. Oktober 2019 19:30

@nom de guerre - 11. Oktober 2019 - 05:18 PM

"... Kann es nicht sein, dass westliche Gesellschaften solche Typen aufgrund ihrer Verfasstheit mit sich bringen? Was nicht heißen soll, dass ihr Auftreten nicht unter jeweils veränderten Umständen mehr oder weniger häufig ist und der Kontext, ggf. der pseudo-ideologische Deckmantel, unter dem solche Taten verübt werden, sich nicht ändert. ..."

***************************************

Suggestiv gefragt:

+ In welchen Ländern pflegen derartige Amokläufe nicht aufzutreten?

+ Wie sind diese Länder in ihrem Inneren beschaffen?

+ Hörte man - beispielsweise - je von Amokläufen aus Uruguay, Argentinien, Paraguay, Chile, Kroatien, Litauen, Lettland, Estland, Polen, Ungarn, der Tschechei, der Slowakei, Serbien, Bulgarien, Vietnam, Taiwan, Singapore, oder den beiden Koreas?

Fredy
11. Oktober 2019 19:46

Bei "was nun?" im ZDF wird im Prinzip nur über die AfD gesprochen. Warum und weshalb wird gar nicht erörtert. Die Kette ist eine Selbstverständlichkeit: Nazi - Rechtsextrem - Rechts - Braunbär Höcke - AfD. Seehofer kündigt 6 Vereinsverbote an. Die BRD braucht die Attentäter dringend um endlich wirksam gegen die Opposition vorzugehen.

Der_Juergen
11. Oktober 2019 20:14

@marc_aurel

Danke für Ihre prägnante Wortmeldung, die mich der Mühe enthebt, einen eigenen langen Kommentar zu schreiben. Der Gefasste mag ja durchaus der Mörder sein, aber wenn er wirklich auf eigene Faust gehandelt hat und nicht von einem Geheimdienst manipuliert wurde, glaube ich künftig wieder an den Klapperstorch.

Die Inszenierung ist so grobschlächtig und so peinlich, dass einen der schiere Ekel über jene Zeitgenossen überkommt, die sich "patriotisch" oder "regimekritisch" nennen, aber das Vokabular der Lügenmedien in solchen Fällen kritiklos übernehmen. Als ich gestern den strunzdummen Kommentar von Eugen Prinz und die teils noch viel dümmeren Leserkommentare auf PI las, schien mir, man müsse jede Hoffnung auf einen Wandel in Deutschland fahren lassen. Zum Glück dauern solche Phasen der Depression bei mir nie sonderlich lange an.

qvc1753
11. Oktober 2019 21:09

Sich mir der Gedankenwelt des Täters zu beschäftigen ist zu viel der Ehre. Wer sich mal das sog. Manifest von Breivik durchliest, dem schmerzen die Synapsen.
Ich persönlich glaube auch nicht, das der hetzerische Unsinn den Menschen verfassen, die Ursache solcher Taten ist.
Damit sollte sich aber niemand aus der Verantwortung stehlen: wer den Holocaust leugnet oder realtiviert, der wird von solchen Gestalten noch als Rechtfertigung genutzt.
Ist sowieso erstaunlich, das bei jedem Angriff auf einen Menschen jüdischen Glaubens so viel Verwunderung da ist.
Die Polizei steht nicht ohne Grund 24 h vor dem jüdischen Altersheim bei mir um die Ecke.
Wundert aber keinen mehr.

Kann einen nur freuen, das der Täter nicht die beste Organisationsgabe hatte.

Elvis Pressluft
11. Oktober 2019 22:05

Möchte noch eine These über das derzeitige Geschehen vorschlagen: Es ist der Versuch eines säkularen Purgatoriums. An den Schnellbahnstationen, die ich zweimal werktäglich passiere, hängen noch die Plakate in Übergröße, auf denen sich der Staat zum 3. Oktober selbst zu feiern ansetzte: WIR WIR WIR. Ich empfand es als nicht einmal tragikomisch: Jeder, restlos jeder weiß, daß die Machthaber alles vernichtet, verscherbelt, verächtlich gemacht haben, was Deutschland jemals im Guten ausmachte. „Weimar“ stützte sich gegen Ende nur noch auf die größere Zahl der Gewehrläufe; Merkel hat ein Heer von Höflingen, Kostgängern, Subalternen und Spitzeln – und gut dotierte PR-Verträge. Es gibt keinen Legitimisierungsdiskurs der Macht mehr, den nicht ein durchschnittlich intelligentes, zum freien Denken ermuntertes Schulkind dekonstruieren könnte. – Seit Halle sehe ich mich unsanft daran erinnert, daß jenes WIR sich wie jedes Wir durch Ausgrenzung definiert. „Die In-Group entsteht durch die Out-Group“ war eine Lieblingsweisheit eines meiner Professoren. Die Macht in Berlin und andernorts sucht sich durch Vernichtung des rechten „Dunkeldeutschland“ die längst verlorene Legitimität und Glaubwürdigkeit neu anzueignen. Da mag keiner abseits stehen, schon um sich nicht selbst verdächtig zu machen. Der mediale Überbietungswettbewerb legt Zeugnis davon ab: Wer bringt die noch schärfere Formulierung, wer fordert noch mehr Härte gegen die Sphäre des Bösen? Antifa funktioniert nach genau diesem Prinzip: Gewalt gegen Rechts ist niemals erklärungsbedürftig; umgekehrt legitimiert sich die Bewegung durch eine jederzeit gewaltbereite virulente Philosophie der Tat. A. Baader und seine Epigonen haben dazu proto-theoretisches Zeug ohne Ende abgesondert. Das System und seine Knechte schlagen den gleichen Weg ein: Wir sind im Recht, WEIL wir „entschlossen handeln“. Das Grundgesetz der BRD ist schließlich (wie ebenfalls schon vor Langem ein Minister erkannte) zu umfangreich, um es jederzeit unterm Arm zu tragen … vielleicht war die Unterscheidung zwischen Kanzleramt und Linksextremisten in den letzten Jahren immer schon trügerisch bzw. rein operativ; jetzt verliert sie sich endgültig. - Interessant ist noch, daß S.B. - wie Breivik - überlebte, während muslimische Attentäter dazu tendieren, zu entkommen, sich selbst zu richten oder auf der Flucht erschossen zu werden. Ein Muster?

nom de guerre
11. Oktober 2019 22:50

@ Lotta Vorbeck

„Suggestiv gefragt:
+ In welchen Ländern pflegen derartige Amokläufe nicht aufzutreten?
+ Wie sind diese Länder in ihrem Inneren beschaffen?
+ Hörte man - beispielsweise - je von Amokläufen aus Uruguay, Argentinien, Paraguay, Chile, Kroatien, Litauen, Lettland, Estland, Polen, Ungarn, der Tschechei, der Slowakei, Serbien, Bulgarien, Vietnam, Taiwan, Singapore, oder den beiden Koreas?“

Wie eine Gesellschaft beschaffen sein muss, damit so etwas nicht passiert, lässt sich glaube ich im vorliegenden Rahmen nicht beantworten. Sie wollen vermutlich auf die ethnische Homogenität hinaus, und ich will Ihnen da sicher nicht widersprechen; dass ethnisch eher homogene Staaten, wie zum Beispiel Island, allgemein eine wesentlich geringere Kriminalität aufweisen als ethnisch sehr heterogene Staaten wie etwa Brasilien, ist bekannt. Ich denke aber, dieser Faktor reicht nicht. Es mag sein, dass Frankreich 1913 schon nicht mehr ethnisch homogen war, wenn auch noch ohne außereuropäische Einwanderer – aber ob das in dem erwähnten Fall eine Rolle spielte? Ich habe meine Zweifel. Von diesem einen Punkt abgesehen, sind die Länder, die Sie aufzählen, doch sehr unterschiedlich, man müsste sich vertieft damit beschäftigen, um zu einer Antwort zu gelangen.

Es gibt schließlich verschiedene Arten von gesellschaftlicher Heterogenität, die zu Problemen führen können (nicht müssen). So kamen früher gerade auch in Deutschland konfessionell motivierte Gewalttaten vor – zwar selten, aber zu ihrer Zeit spektakulär –, die sich heute kaum noch nachvollziehen lassen (s. z.B. den Mord an dem protestantischen Geistlichen Hahn durch den Katholiken Laubler in Dresden 1726 https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Joachim_Hahn; auch damals interessanterweise offiziell ein Einzeltäter, was aber nicht jeder glaubte – literarisch verarbeitet in Ina Seidels Roman Lennacker) und die es in einem rein katholischen oder protestantischen Land nicht hätte geben können. Ein Schlüssel scheint mir der (natürlich zu der ethnischen Homogenität vs. Heterogenität in Relation stehende, aber eben auch von anderen Komponenten abhängige) soziale Zusammenhalt bzw. bei uns die enorme Spaltung zu sein, auf die ja der Leserbriefschreiber bei acta diurna ebenfalls eingeht, aber auch das reicht mMn nicht als Erklärung.
Auch in einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft könnte es Gruppen geben, die solchen jungen Männern wie Stephan B. (Stephan mit ph scheint dieses Jahr ein verbreiteter Name in gewissen Zusammenhängen zu sein) ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln. Bei uns gibt es die jedoch anscheinend nicht und ich habe ehrlich gesagt keine Vorstellung davon, wie das in Uruguay ist.

Blöde Frage zum Schluss: Sie haben Russland weggelassen. Hat es dort schon einmal eine Massenschießerei o.ä. gegeben, an der keine Tschetschenen, sondern ethnische Russen beteiligt waren? Auf Anhieb fällt mir jetzt nichts ein.

Niedersachse
12. Oktober 2019 00:15

@Elvis Pressluft

Guter Kommentar! Was sich seit letzten Mittwoch abspielt, ist wie einem Drehbuch folgend, ein konzentriertes, rituelles Eintreten auf die einzige Oppositionspartei und ihrer Anhänger. Der flachgeistige Pöbel in den Parlamenten und den Redaktionsstuben hat endlich sein ersehntes Ereignis gefunden und stürzt sich darauf wie ein ausgehungerter Köter auf einen Fleischbrocken. Sicher, genauso war es erwartbar und besonders vor wichtigen Wahlen kann man die Uhr danach stellen. Trotzdem ist es erschreckend, wie primitiv, verleumderisch und - jeden Standard unterbietend - der Bogen von dieser schlimmen Tat zur AfD zu gespannt wird. Die, die sich selbst als "investigative Journalisten" bezeichnen, verwandeln sich nun wie auf Knopfdruck in Hyänen und Spucklamas. Letztes Jahr um diese Zeit, vor den Wahlen in Bayern und Hessen, wurde auch die "Nazisau" durchs Dorf getrieben, als man rein zufällig eine "Acht Mann- Terrorzelle" in Chemnitz aushob. Jetzt, zweieinhalb Wochen vor der Thüringenwahl nun dieser dubiose Vorfall, begangen von einem Einzeltäter. Hat alles ein gewisses Geschmäckle, aber sei es drum. Der Staat wird diese Tat nutzen, um seine gegen Deutschland gerichtete Politik zu festigen und jeden Oppositionellen als potentiellen Mörder und Terroristen hinzustellen. Wichtig aus Sicht AfD ist es, klar Stellung zu beziehen. Die Tat ist selbstverständlich zu verurteilen, aber dennoch ist es wichtig, nicht zu sehr in das politisch- mediale Wolfsgeheul mit einzustimmen, sondern weiterhin die schändliche, verlogene Politik der Altparteien zu thematisieren.

Lotta Vorbeck
12. Oktober 2019 02:03

@nom de guerre - 11. Oktober 2019 - 10:50 PM

Russland ließ ich absichtlich aus, wählte in meiner Aufzählung ansonsten durchaus unterschiedlich verfaßte Länder, die als gemeinsames Merkmal eben jenes aufweisen, (bisher) noch keine Amokläufer hervorgebracht zu haben.

Es scheint sich so zu verhalten, wie Sie bereits ausführten: Eine weitgehend ethnische Homogenität allein sorgt noch nicht dafür, sich keine Amokläufer heran zu züchten.

Um mich nicht mit fremden Federn zu schmücken, sei zitiert, was unser brillianter Benedikt Kaiser diesbezüglich gestern auf Twitter® notierte:

"Der Täter war offenbar das Produkt einer sich auflösenden individ. Gesellschaft & das Produkt einer Vulgär-Amerikanisierung über Nachahmung von gewissen US-Onlinewelten samt deren Wahnmodellen. In einer gemeinschaftsbezogenen Ordnung hätte sich das so gar nicht vollziehen können."

Als die üblichen Verdächtigen mit den üblichen Todschlagargumenten konterten, präzisierte Benedikt Kaiser:

"Im wilhelminischen Deutschland gab es keine derartigen Taten. In der frühen Bundesrepublik mit intakten Sozialstrukturen auch nicht. Noch nicht mal in der DDR. Das waren unterschiedliche, aber gemeinschaftsbezogene Ordnungen, ohne freilich in den totalen Staat übergegangen sein."

Laurenz
12. Oktober 2019 07:29

@Elvis Pressluft .... finde Ihren Beitrag ziemlich gut, auch wenn das Prinzip der In- und Out-Group bereits biblischen Ursprungs ist.
Hier von der Person Andreas Baaders zu schreiben, möchte ich Ihnen abraten. Andreas Baader war kein Intellektueller. Er war vordergründig Frauen-Beglücker und hat quasi die gesamte weibliche RAF flach gelegt, sein Harem quasi, was in Anbetracht linker Inhalte bezüglich von Frauenrechten/Feminismus die gesamte deutsche Linke bis heute konterkariert, persifliert und lächerlich macht. Andreas Baaders schriftliches und terroristisches Schaffen diente einzig dem Status-Erhalt des RAF-Gockel-Sultans.

Schopenhauer
12. Oktober 2019 10:46

Der Artikel bringt viele Tatsachen in der angemessenen Ausführlichkeit. Ich bin aber ein wenig überrascht: Der Autor schreibt es wäre "...Kein Kraut gewachsen " gegen die veröffentlichte Ächtung, die erwartbar und zeitpunktgenau -wie diese ganze schreckliche Tat- stattgefunden hat, um die verhasste rechte Seite insgesamt anscheißen zu können.

ML: Ich meinte, daß diese Ächtungskampagnen nicht verhindert werden können. Natürlich kann und muß man dagegen Widerstandskräfte entwickeln.

Es ist gegen alles ein Kraut gewachsen. Man muß es halt nur finden. Auch mit diesen Worst-Case-Szenarien muß man sich beschäftigen, die richtigen Schlüsse daraus ziehen und angemessene Gegenstrategien entwickeln, um eben zu verhindern, daß ein einzelner Psychopath oder wie Lichtmesz schrieb "Angestoßener" die politische Arbeit einer ganzen Bewegung mit vielen zehntausenden aktiven und unzählbar vielen passiven Mitstreitern zu empfindlich schaden kann.

Eigentlich wäre DAS ein wichtiges Betätigungsfeld des IfS, um der rechten Seite das "Leben in der Lage" vorzudenken. Kubitschek wird wissen, was ich damit meine

Grobschlosser
12. Oktober 2019 12:39

@Schopenhauer :

ich erkenne nicht wie ein einzelner Soziopath die Arbeit im vorpolitischen Raum beschädigen könnte - ich verstehe sehr wohl Ihre Sorge - und tatsächlich konstruiert die Hauptstadtpresse einen "Zusammenhang" zwischen Trump und us Amoklage ; Trump und div. , nicht moderierten Portalen, zwischen Trump + Frosch oder eben zwischen AfD und einem Kriminellen .

im Rahmen der mainstream - Deutungshoheit wird die Hauptstadtpresse IMMER einen Zusammenhang zwischen Einzelpersonen und Gruppen konstruieren wenn diese Konstruktion in die tagesaktuelle Agenda ( Wahlkampf ) passt - der GEZ Deutschlandfunk sendet rund um die Uhr diese Narrative - "irgendwie" ist der Gauland immer der böse weiße Mann , Höcke der Lord Vader der AfD usw.

Es geht längst nicht mehr um Argumente - es geht um die Legalisierung quasi - staatlicher Agitation ; der Moderator beim Deutschlandfunk kann behaupten was er will - er muss keine Widerlegung durch GK oder Broder fürchten denn Autoren die einen Deutschlandfunker innerhalb weniger Minuten widerlegen könnten kommen beim GEZ - Funk nicht zu Wort ( siehe auch : talk im Hangar / Ösi-Privatfunk ; GK + Broder gegen `68er Spackos ) .

------------------------

der autoritäre Phänotyp ist längst zurück ; er hat sich von seiner Niederlage 1989 / `90 in den Politinkubatoren verdi , "antifa" , GEW , SPD,CDU und "Grüne" gut erholt ; er will eine weiter Chance für "sein Projekt" ; die sozis haben den Arbeiter als revolutionäres Subjekt längst abgeschrieben ; jetzt darf der bunte Globalmigrant den Verfügungsraum brd besetzen ; Konsum einfordern und seine "Kultur" leben .

die totalitäre "Agenda" der Freitagskinder wird von der Hauptstadtintelligenz gerne übersehen - eine blockierte Innenstadt ärgert den Autofahrer ; viel gefährlicher ist der Versuch einer demokratisch NICHT legitimierten Sekte die Bevölkerungsmehrheit im Namen einer unüberprüften "Wissenschaft" zu bevormunden ; aktuell sollten wir die Zumutungen dieser Sektierer zurückweisen und mit allen pol. Mitteln bekämpfen .

Gelingt es uns nicht die unheilige Allianz aus Bonzensozis, Klimakindern und Medienantifa auszubremsen werden wir in zehn Jahren im rotgrünen Überwachungsstaat leben .

heinrichbrueck
12. Oktober 2019 12:49

In der Realität wurden zwei Deutsche getötet. Die bundesrepublikanischen Reaktionen danach, für gewisse Kreise unter anderem die perfekte Meinungsumfrage, wie die Leute denken und wo sie systemisch stehen, hätten in besserer Form nicht erhoben werden können. Im rechten Spektrum wurde es dort am spaßigsten, sichtbar in der Deutschlandverreckeopposition, wo sich manche für ihr Land schämten, nichtsahnend ihrer falschen Angabe von Gründen. Wer die Zutat "demokratische Opposition" erfand, verdient ganz klar den Nobelpreis. Vielleicht sollte dieses Systemverfahren einmal vom Ende her gedacht werden.

Martin Heinrich
12. Oktober 2019 13:08

Fundstück am Rande:
Am 10.10. kommentierte die Jüdische Gemeinde Hamburg auf SPIEGEL online:
"Man sieht, wie wichtig jeder Zaun und jede Tür ist."
Ach?
Die Landesgrenzen sperrangelweit offen, NO BORDER - NO NATION goutieren, aber zuhause kommt es plötzlich auf jeden Zaun und jede Tür an ...

Th.R.
12. Oktober 2019 15:39

Hier ein paar Infos für Verschwörungstheoretiker:

Der Filmer von Halle, der die Schüsse vom Fenster aus aufgenommen hat, heißt Andreas Splett. Der Mitteldeutschen Zeitung gab er ein kurzes Interview:

https://www.mz-web.de/halle-saale/-ich-habe-einfach-gefilmt--deshalb-nahm-der-kameramann-die-schiesserei-in-der-luwu-auf-33295894

Interessant wird dieser Umstand, wenn man durch weitere Treffer bei Google erfährt, dass besagter Herr Geschäftsfüher einer Videoproduktionsfirma, "atv-halle", ist und früher u.a. einen Dokumentarfilm über "Juden in Halle" herstellte.

Das Sahnehäubchen aber ist, dass Andreas Splett 20 Jahre lang als Kameramann beim ZDF für "Wetten das?" gearbeitet hatte.

https://www.bild.de/regional/leipzig/wetten-dass/ostdeutscher-stand-bei-wetten-dass-20-jahre-hinter-der-kamera-39005052.bild.html

Möge ein jeder seine eigenen Schlüsse daraus ziehen.

Andreas Walter
12. Oktober 2019 15:55

Schenkt man solchen Umfragen Glauben, dann sind nur knapp 25% der Deutschen bei klarem Verstand. Der Rest lässt sich von Emotionen und Illusionen welche die Medien verbreiten und propagieren zu Irrationalität verleiten. EU, Multikultischwachsinn, Gender, Klimablödsinn.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article201778704/90-Prozent-der-Anhaenger-anderer-Parteien-sehen-AfD-als-geistige-Brandstifter.html

Dieser Rest aber, und das sind 75%, werden Deutschland in den sicheren Ruin, in den Untergang, die soziale und ökonomische Katastrophe treiben. Nicht die AfD. Ganz Deutschland retten zu wollen erscheint mir daher aussichtslos, meine Vorschläge sind darum weitaus weniger verrückt, als sie im ersten Moment vielleicht erscheinen mögen. Die Juden haben es getan und geschafft, und Mao auch. Zwei reale Beispiele also aus der realen Welt. Flucht und Sezession ist daher möglich. Sogar innerhalb Europas, behaupte ich.

Lotta Vorbeck
12. Oktober 2019 16:11

@Grobschlosser - 12. Oktober 2019 - 12:39 PM

" ... Es geht längst nicht mehr um Argumente - es geht um die Legalisierung quasi - staatlicher Agitation ; der Moderator beim Deutschlandfunk kann behaupten was er will - er muss keine Widerlegung durch GK oder Broder fürchten denn Autoren die einen Deutschlandfunker innerhalb weniger Minuten widerlegen könnten kommen beim GEZ - Funk nicht zu Wort ..."

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Einsame Häuser in der Landschaft, Vorwerke, aus weniger als einem Dutzend Häuser bestehende Wohnplätze, die Siedlung kann noch so abgelegen sein, an jedem Haus prangt eine Satellitenantenne, in jedem Fahrzeug plärrt das Autoradio ...

Verfügten sie nicht über diese phantastische, nahezu flächendeckende Reichweite bis in fast jeden Haushalt hinein sowie ihr egal, wie dreist sie die Leute auch einseifen, einfach nicht zu vergraulendes Publikum, wäre es tatsächlich völlig belanglos, was die GEZ- oder konzernfinanzierten Rundfunksprechpuppen erzählen.

Solange sich die übergroße Mehrheit der Kundschaft mittels auf sämtlichen verfügbaren Kanälen 24/7 ins Land gedrückter Desinformation/Sedation nicht nur willig durch den Kakao ziehen läßt um diesen Kakao dann auch noch zu trinken, ist es müßig, diesen Zustand zu beklagen.

Laurenz
12. Oktober 2019 17:35

@ML ...
Zitat - Ich meinte, daß diese Ächtungskampagnen nicht verhindert werden können. Natürlich kann und muß man dagegen Widerstandskräfte entwickeln. -Zitatende

Es fehlt eine gewisse verbale Aggression unsererseits. In der Presse steht, AfD weist Vorwürfe scharf zurück. Das ist schlicht zuwenig. Wir leben unter einer ehemals Großen Koalition. Diese Berliner Junta ist für Terror jedweder Art und Opfer-Rassismus verantwortlich.

Lotta Vorbeck
12. Oktober 2019 17:57

@Andreas Walter - 12. Oktober 2019 - 03:55 PM

"... Dieser Rest aber, und das sind 75%, werden Deutschland in den sicheren Ruin, in den Untergang, die soziale und ökonomische Katastrophe treiben. Nicht die AfD. Ganz Deutschland retten zu wollen erscheint mir daher aussichtslos, meine Vorschläge sind darum weitaus weniger verrückt, als sie im ersten Moment vielleicht erscheinen mögen. Die Juden haben es getan und geschafft, und Mao auch. Zwei reale Beispiele also aus der realen Welt. Flucht und Sezession ist daher möglich. Sogar innerhalb Europas, behaupte ich. ..."

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"Dieser Rest" stellt rechnerisch eine satte Dreiviertelmehrheit dar.

Ja, dieses Portal trägt sie im Namen, die Abspaltung aka Sezession.

Flucht und Sezession ist daher möglich?

Um tatsächlich zu sezessionieren, bräuchte es Fläche UND bezahlte Immobilien, bei denen nicht irgendeine Bank an erster Stelle im Grundbuch eingetragen ist.

Die Anastasia-Siedler kalkulieren mit einem Hektar Fläche pro Familienlandsitz, um sich weitgehend aus dem System ausklinken zu können. Über Generationen hinweg sollen diese Landsitze an die Kinder und Kindeskinder der heutigen Siedler weitergegeben werden. Eines dieser Projekte existiert im Ostharz.

Siehe auch:

RT - Einmal in Russland: Ausstieg aus dem System – Autarkes Leben in Russland [09/2019]
https://youtu.be/1AdslREcnLQ

Bei den nahe Moskau gezeigten Neusiedlern - der russische Staat begrüßt solche Projekte ausdrücklich - handelt es sich offensichtlich nicht um arme Leute.

Immer mal wieder las man von Projekten die ein verfallenes, nahezu aufgegebenes Dorf im Mecklenburgischen oder Brandenburgischen zu reaktivieren beabsichtigten.

Anfang des Jahres 2016 warb Wolfgang Eggert unter dem Titel "Raus aus Merkels Irrenhaus" für die Gründung eines weitgehend autarken Dorfes im Brandenburgischen.
Eggert veranschlagt auf seiner Netzseite für den Start eine Mindestfläche von 8 Hektar.
Sein Projekt wendet sich ausdrücklich an Leute, die innerhalb des künftigen Dorfes ein Handwerk betreiben werden.
Was Eggert über Autonomie und Autarkie schreibt, klingt gut durchdacht. Dennoch ist Eggerts Projekt (bisher) noch nicht real begonnen worden.

Was der exBerliner Stefan Mudry zu seinem überseeischen Sezessionsprojekt schreibt, klingt ebenfalls durchdacht und überzeugend.
Außer einem Schweizer gelang es Mudry bisher nicht, Leute zu gewinnen, die sich bei ihm einkaufen.
Wegen klammer Kasse stagniert Mudrys Finca Bayano.

+++ Conclusio:

Flucht und Sezession sind durchaus möglich

+ mit solide gefüllter, eigener Kriegskasse
+ wenn es einen Ort, eine Fläche, ein Anwesen oder gar eine ganze Siedlung UND Gleichgesinnte gibt, mit denen es sich sezessionieren läßt.

Mit innerhalb der 75%-Area versprengt dislozierten, finanzschwachen Ein-Mann-Kasernen wird's nicht gelingen.

nom de guerre
12. Oktober 2019 19:30

@ Lotta Vorbeck, 12. Oktober 02:03

-- Zitat Benedikt Kaiser -- Das ist ein bisschen verkürzt wie bei Twitter nicht anders möglich, insgesamt kann ich mich dieser Diagnose aber anschließen. Daraus ergibt sich für mich die Frage, wie damit umzugehen ist. Sozialer Zusammenhalt lässt sich nicht verordnen, sondern muss organisch wachsen. Es wäre m.E. sicherlich ein Fehler, unter der Prämisse veränderter Machtverhältnisse einfach das social engineering der Linken auf rechts gewendet betreiben zu wollen – dabei kann nichts Gesundes, das von Dauer ist, herauskommen.

Grobschlosser
12. Oktober 2019 19:45

@Lotta : stimmt .

drucken Sie 4000 Flugblätter und informieren Sie Ihre Nachbarschaft .

Zadok Allen
12. Oktober 2019 21:20

Wer sich das Video angetan hat, dem dürfte zumindest eines aufgefallen sein: Schußwaffeneinsatz im öffentlichen Raum über gut 20 Minuten hinweg, und bis zur Flucht des Täters ist keine Sirene, weder von der Polizei noch von Rettungsdiensten, zu hören, obwohl mindestens eine Person angeschossen/verblutend auf einer belebten Straße liegt.

Der Täter sagt während seiner Anfahrt zur Synagoge sinngemäß: "Bitte laß das Tor offen sein!" Er hat also die Lokalität vorher ausgekundschaftet. Eine einfache Haushaltsleiter von 1,70m Höhe, mitzuführen im Pkw, hätte es ihm als Plan B gestattet, die Mauer des Synagogengeländes zu übersteigen.

Sein Verhalten wirkt insgesamt höchst erratisch, wirr, ungezielt. Er läuft ständig im Kreis, wiederholt dieselben fruchtlosen Handlungen. Es mag extreme Nervosität sein, aber es verwundert beim Zusehen und ekelt beinahe so sehr wie die willkürlichen Schüsse auf die Passanten/Imbißgäste und die englischen Rodomontaden des Täters.

Mich erstaunt sehr, daß innerhalb der "Wahrheitsbewegung" ein so großer Drang zu herrschen scheint, das Halle-Ereignis um jeden Preis als authentisch zu werten. Auch der sonst so radikal-investigative Janich hat sich dem angeschlossen.

Lotta Vorbeck
12. Oktober 2019 22:15

@Grobschlosser - 12. Oktober 2019 - 07:45 PM

"... drucken Sie 4000 Flugblätter und informieren Sie Ihre Nachbarschaft ."

***************************

Die Nachbarschaft hat sich's in der saturierten Scheinwelt des BRD-Bullerbü bequem gemacht.

Die auf gegossener Bodenplatte, neu, aus dem Baukasten. Oder traditionell unterkellert und während der zurückliegenden zwei Jahrzehnte totrenoviert.
Innen IKEA.
Draußen in den 'Gärten des Grauens': Rasen.
Bis in den Herbst hinein knattern ab freitagnachmittags die Benzinrasenmäher.

Am Fahnenmast hinter dem Haus wahlweise die Flagge eines Bundesligaballsportvereins oder Stars and Stripes.

Vor dem Haus einen SUV und einen Kombi, teilweise ergänzt um Motorrad, Quad und/oder Wohnmobil.

Demnächst "Hallo Wien" steht im Kalender, wähnt man sich ein Mal mehr in einer Kürbisplantage.

Sodann wird flugs umdekoriert: Illuminierte Rentierschlitten auf dem Rasen, alles was das örtliche "Garten-Center", der "Baumarkt" sowie die Marktplätze des Nachbarlandes an blinkender, glitzernder "X-Mas"-Dekoration zu bieten haben, wird in und um das Haus herum drapiert.

Spätestens ab Anfang März hängen überall bunte Eier im Gesträuch ...

Wem sollte man die 4.000 Flugblätter zukommen lassen - den orientalisch-afrikanischen Neusiedlern in den "Modulbau"-Unterkünften am anderen Ende des Ortes?

Lotta Vorbeck
12. Oktober 2019 23:33

@nom de guerre - 12. Oktober 2019 - 07:30 PM

"..., insgesamt kann ich mich dieser Diagnose aber anschließen. Daraus ergibt sich für mich die Frage, wie damit umzugehen ist. Sozialer Zusammenhalt lässt sich nicht verordnen, sondern muss organisch wachsen. ..."

******************************************

Der einstige soziale Zusammenhalt war in über Jahrhunderte hinweg tradierter Kultur gewachsen.
Man wußte wo man herkam.
Man wußte um seine Wurzeln.

Im Alltag allerorten zu beobachten: In einer sogenannten "Gesellschaft" in der sich die Angehörigen verschiedener Generationen ähnlich fremd gegenüberstehen, wie die Angehöhrigen verschiedener Ethnien, kann nirgendwo sozialer Zusammenhalt aufkommen.
Dieser müßte, wie Sie zutreffend ausführten, "organisch wachsen". Zunächst würde dazu ein Substrat benötigt ...

Search4M
13. Oktober 2019 12:48

Schon im Artikel von Hr. Lichtmesz fand ich die eine oder andere Formulierung stark irritierend. Im Verlauf der Kommentare dazu ist es nun genug. Am krassesten der Kommentar von @Zadok Allen, mit der Frage nach der Authentizität des Geschehens von Halle. Trotz aller Ablehnung des versifften und dekadenten politischen Systems in Deutschland, sehe ich dieses nicht als so verkommen, so ein Verbrechen zu "inszenieren".

ML: Immerhin war es imstande, uns die NSU-Story aufzutischen.

Ich hatte mich hier registriert, weil ich verstehen wollte, was die sogenannte "Neue Rechte" ist und ob ich da eine Denkwelt finde, die für mich, als AfD-Wähler aus Protest, zur politischen Basis werden könnte. Nun, bei dem hier vorgefundenen Mindset wird es die definitiv nicht, nach dem Prinzip "gewogen und für zu leicht befunden".

Mögen nun die Geschichtsprofessoren und Theolog(innen) weiterhin ihren philosophischen Wettstreit als Welterklärer austragen. Sie erklären dabei nichts wirklich, verhindern nichts und schaffen damit nichts Neues. Das sagt jemand, der mit seiner Ausbildung in Mathematik und Physik und Erfahrungen in der globalen Wirtschaft eine ausgesprochene Philosophobie entwickelt hat.

Mögen die jüngeren Autoren hier weitersuchen, nach einem neuen rechten Politikkontinuum. Ich glaube daraus wird nichts. Ich spüre da nicht das "Erhabene" und keine Wirkung über die der "Konsensstörer" innerhalb der "Katastrophe im Zustand der Lebbarkeit" hinaus. Diese Katastrophe, die für bis zu 90 % der Bürger hier im Lande (noch) gar keine ist.

Wenn man geht, soll man ein Adjeu sagen, was ich hiermit mache. Die Redaktion bitte ich, nachdem ich es selbst nicht kann, meinen Account zu löschen. Machen Sie's gut.

ullrich
13. Oktober 2019 14:57

Die AfD für dieses Attentat verantwortlich zu machen ist einfach nur dumm. Die Fakten sind andere. Die "Altparteien" sind selber schuld und versuchen es nun der AfD in die Schuhe zu schieben. Solche Leute wie Stephan B. suchen sich meist Opfer aus, wo sie denken, dass sie einen gewissen Zuspruch bekommen, wenn sie morden. Juden sind in der Hierarchie der Opfer in Europa am Absteigen. Und wie schnell. So etwas habe ich in 4 Jahrzehnten noch nicht beobachten können. Brandbomben auf eine Synagoge sind kein Antisemitismus. Mit einem großen Messer eine Synagoge stürmen zu wollen begründet keine Untersuchungshaft. Juden auf offener Strasse anzugreifen (Fälle in Hamburg und Berlin) auch nicht. In den UN stimmt man neuerdings gegen Israel und für einen Mordversuch am hellichten Tage mit einem Messer auf offener Strasse gibt es 3,5 Jahre Haft. Die Einzigen die die Fakten nennen und dies anprangern sind Axel Springer. Die anderen relativieren, beschönigen und zerreden.
Solche Leute wie Stephan B. haben nämlich ein Gespür für so etwas.

ML: Dann hat er aber nicht kapiert, dass auch die Täterhierarchie stimmen muß.

Andreas Walter
13. Oktober 2019 15:28

Ähnlich ging es den konservativen Deutschen auch um 1920 beziehungsweise am Ende des 1. Weltkriegs. Oder auch den Russen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Zuviel Irrsinn paralysiert Menschen die es nicht gewohnt sind, gelassen damit umzugehen. Andere Gruppen befinden sich dagegen ununterbrochen oder zumindest regelmässig im Ausnahmezustand, haben in solchen Zeiten darum einen klaren Vorteil. Deshalb auch die Sache mit der permanenten Revolution. Die Krise, das Chaos als Geschäftsgrundlage. Bestattungsunternehmer sind darum auch nicht alle seriös. Im Krieg passieren deshalb auch Dinge, die sonst nicht möglich wären, für die meisten undenkbar sind. Riesige Vermögen wurden auf diese Art auch schon veruntreut beziehungsweise, beiseite geschafft. Bei den meisten Menschen blockiert Engst nämlich den Verstand, was biologische Ursachen hat. Kampfsportler üben darum ein Leben lang, sich von Gefühlen nicht irritieren zu lassen. Beim sich Verlieben passiert übrigens das Gleiche, nur eben mit positiven Gefühlen, aber trotzdem nicht minder irrational. Darum auch werden Liebe und Hass als Antagonisten betrachtet und regelmässig als Begriffspaar verwendet, so wie schwarz und weiss, gut und böse, lieb und böse und ähnliche Polarisierungen. Absolut infantil. Doch wenn es ganze Bevölkerungsgruppen oder sogar Völker erfasst ist das auch die Ursache für Krieg und Bürgerkrieg. Die AfD ist aber nicht Schuld an diesem Phänomen, oder Trump, sondern beide sind lediglich Auslöser kollektiver Regression bei bestimmten Gruppen.

Jeder liest 1969. Das ist der Verstand. Doch dann kommt die Musik, und ... doch erlebt es selbst:

https://youtu.be/jLgLDWRFerk

Vielleicht aber erlebe nur ich es so. Um das zu überprüfen braucht man aber soziales feedback, Rückkopplung. Wird die unterbunden, durch Zensur zum Beispiel, kommt es früher oder später zu Irrsinn, zu Irrglaube, Fehlannahmen, Missinterpretation. Man kann aber nicht nicht kommunizieren. Was daher verschwiegen oder verborgen, ignoriert oder übergangen wird enthält auch eine auswertbare Information.

https://www.deutschlandfunk.de/berlin-mann-nach-messer-vorfall-an-synagoge-in-psychiatrie.1939.de.html?drn:news_id=1057408

Lotta Vorbeck
13. Oktober 2019 15:57

@Search4M - 13. Oktober 2019 - 12:48 PM

Na dann - wohlan!

Elvis Pressluft
13. Oktober 2019 16:05

Wir bewegen uns in diesem Faden zwischen Objekt- und Metaebene hin und her – was wohlgemerkt in diesem Fall kaum vermeidlich scheint und auch produktiv wirken kann. Als lehrreich empfinde ich insofern auch einen Beitrag wie jenen von „Search4M“, laut Selbstdenunziation „philosophob“, na bitte. Die Authentizität in diesem Fall dahingestellt, wird es wohl hier und da AfD-Sympathisanten geben, die sich tatsächlich „wegen Halle“ abwenden – und das ist einfach nur gut so. Ich für meinen Teil wünsche mir ein Deutschland zurück, das ich zumindest partiell noch wiedererkennen kann, habe sicherlich denkbar wenig Hoffnung, das noch zu erleben … aber denkfaule Opportunisten, die mitlaufen, solange es nicht anstrengend wird, sind hierbei schlimmer als der klar erkennbare Feind. Wenn „Halle“ irgendwelche positiven Folgen zeitigen kann, dann gehört diese Selbstselektion dazu. Im Übrigen sollten sich jene Zirkel in der AfD, die jemals mit einer Kollaboration mit der Union kokettierten, Sicherheitskopien von Äußerungen bis weit in das „wertkonservative“ (haha) Milieu hinein anfertigen, wie sie dieser Tage anfallen. Man vergißt so schnell … ich meinesteils bin alt genug, um noch erlebt zu haben, wie Linksliberale den „Bayernkurier“ mit der „Nationalzeitung“ auf eine Stufe stellten. Jetzt halte man Söder und/oder Dobrindt dagegen.

Der_Juergen
13. Oktober 2019 17:25

@ullrich

Vielleicht täte der Zentralrat der Juden doch gut daran, mit seiner fanatischen Förderung der islamischen Invasion aufzuhören? Vermutlich wird er das nicht tun. Die "Multikultur" ("Deutschland muss bunter werden", die Antifa sagt dasselbe in gröberen Worten) ist für diese Leute eben so wichtig, dass sie jüdische Opfer eben dieser Multikultur achselzuckend als Kollateralschaden hinnehmen.

Demonstrativ zur Schau gestellter Philosemitismus (Gauland verstieg sich sogar zu der wahnsinnigen Aussage, die Deutschen müssten bereit sein, für Israel zu sterben) nützt der AFD rein nichts. Auf jede auch nur halbwegs nationale deutsche Partei oder Bewegung wird auch künftig mit der Nazikeule eingedroschen werden, ehe sich die Rahmenbedingungen nicht drastisch ändern.

Heinrich Böll meinte einmal, das System brauche nichts so dringend wie Terrorismus. Böll meinte damals, zur Zeit der RAF, linken Terrorismus. Mit weit grösserer Berechtigung könnte er, weilte er noch unter uns, heute sagen, das System brauche nichts so dringend wie rechten Terror.

Halle war offensichtlich eine weitere false flag action (was durchaus nicht heisst, dass der festgenommene Idiot nicht der Mörder war; psychisch labile Leute mit beschränkter Intelligenz und aufgeplustertem Ego lassen sich leicht manipulieren. Solche Anschläge unter falscher Flagge werden auch künftig inszeniert werden. Kommentatoren, welche diesem Staat eine solche Gemeinheit nicht zutrauen, kann man nur bemitleiden.

RMH
13. Oktober 2019 19:12

@Der_Juergen,

"Kommentatoren, welche diesem Staat eine solche Gemeinheit nicht zutrauen, kann man nur bemitleiden."

Muss ja noch nicht mal "unser" Staat sein ... (es ist das Wesen der Geheimdienste, dass sie geheim sind und untereinander, nach dem wenigen, was mal doch publik wird, sehr gut vernetzt sind und zusammenarbeiten oder auch mal eine Hand wäscht die andere machen oder den einen oder anderen auch mal durch nicht Weitergabe von Informationen auflaufen lassen etc., etc. ... )

Aber genug orakelt, hab dazu ja auch schon etwas geschrieben.

"Vielleicht täte der Zentralrat der Juden doch gut daran, mit seiner fanatischen Förderung der islamischen Invasion aufzuhören?"

Ich möchte dazu etwas sinngemäß wiedergeben, was mir ein Bekannter, der als Teilgebiet seines Magisterstudiums Religionswissenschaften hatte, dazu einmal gesagt hat (und ich vermute, dass ist auch nicht auf seinem "Mist" gewachsen):

Warum gehen gerade die Christen oder christlich geprägte Ländern immer davon aus, dass sie irgendwie näher am Judentum dran wären oder gar bei diesem "beliebter" oder wohlgelittener seien als der Islam?

Er ging davon aus, dass bei jüdisch Gläubigen der Islam eigentlich deutlich weniger frevelhaft erscheinen muss, als das Christentum, da der Islam im Gegensatz zum Christentum streng monotheistisch ist, Mohammed eben nur Prophet und kein Gott oder Sohn Gottes ist mithin die Moslems deutlich eher den selben Gott wie die Juden haben, als Christen, die ja einen drei einigen Gott haben. Ferner lehnt der Islam jegliche Form der Bilderverehrung oder Bilder/Figürliches in den Gotteshäusern strikt ab, hat Speisevorschriften mit deutlichen Parallelen zum Judentum, einen starken Bezug auf seine Schriften etc. - gibt sicher noch mehr Parallelen.

Zusammengefasst: Aus Sicht von manchem jüdischen Gläubigen geht Christentum eigentlich gleich gar nicht, der Islam hingegen macht zumindest, bis auf seine Feindschaftserklärung an das Judentum, eigentlich deutlich weniger "falsch" im Hinblick auf den einen Gott, als das Christentum.

Es ist eben grenzenlos naiv, nur weil das Christentum sich ein neues zum alten Testament gegeben hat, die Thora anerkennt und keine so deutlichen Aufrufe zur Judenverfolgung hat wie der Islam, zu denken, das würde bei ernsthaft gläubigen Juden uns christlich geprägten Abendländern irgendwelche Sympathiepunkte bringen (so Leute wie Stürzenberger scheinen das aber offenbar zu glauben). Aus Sicht von gläubigen Juden und Moslems sind und bleiben wir einfach finsterste Heiden und durch unsere nicht reine Lebensweise sind wir für sie eigentlich auch tendenziell eher ekelerregend.

Wie auch immer, alleine dadurch, dass ich so etwas hier wiedergebe, bin ich aus Sicht des derzeitigen Mainstreams schon ein Antisemit und ein Voksverhetzer. Aus meiner Sicht hilft aber der Versuch eines Perspektivwechsels, also sich einmal in die Sicht eines Juden oder Moslems zu versetzen, wie die uns sehen, durchaus weiter. Evtl. liest ja ein Jude oder Moslem hier mit und kann etwas dazu sagen.

PS:
Das hat aber eigentlich alles nichts mit dem konkreten Fall und Anlass zu tun - ich hoffe, dass "OT" ist ok.

herbstlicht
13. Oktober 2019 19:17

Search4M, 13. Oktober 2019 12:48, schrieb:
»dekadenten politischen Systems in Deutschland, sehe ich dieses nicht als so verkommen, so ein Verbrechen zu "inszenieren".«
und
»Das sagt jemand, der mit seiner Ausbildung in Mathematik und Physik und Erfahrungen in der globalen Wirtschaft eine ausgesprochene Philosophobie entwickelt hat.«

Bei diesem Hintergrund: haben Sie sich angeschaut, mit welcher Verlogenheit sich in den Siebzigern und Achtzigern "das politische System" für AKW und WAA einsetzten? Ich studierte in den Siebzigern Physik, ging dabei in die Anti-AKW-Bewegung und stand dann in Wackersdorf --- weitere Heimat --- im Hagel von Wasserwerfer und CS-Gas. War dann in der Frühzeit von PEGIDA verwundert über den Rest von Vertrauen, welches GK damals noch hatte.

Nebenbei, Philosophie: versöhnt hat mich eine Schrift Ernst Cassirers, in welcher er die Philosophen mit Malern vergleicht, welche eben auf ihre Weise ihre Perspektive der Welt darstellen.

nom de guerre
13. Oktober 2019 20:27

@ Lotta Vorbeck 12. Oktober 23:33

„Sozialer Zusammenhalt [...] Zunächst würde dazu ein Substrat benötigt ...“ – Ja. Darüber müsste man nachdenken.

@ Search4M

Dass hier nicht jede Diskussion dem Vaterland einen Nutzen bringt, gebe ich zu, werde mich aber für den Strang, auf den Sie vermutlich u.a. anspielen und an dem ich beteiligt war, auch nicht entschuldigen – es führt glaube ich nicht weiter, restlos jeden Gedankenaustausch unter solchen hehren Erwägungen zu führen.

Sie sehen dieses System „nicht als so verkommen“, so etwas zu inszenieren – kann ich nachvollziehen, ich selber wehre mich etwa beim Thema NSU nach wie vor gegen das Naheliegende. Allerdings: 2007 sagte der des Inverkehrbringens von Verschwörungstheorien doch wohl unverdächtige Helmut Schmidt in einem Interview mit der Zeit folgendes: „Ich habe den Verdacht, dass sich alle Terrorismen, egal, ob die deutsche RAF, die italienischen Brigate Rosse, die Franzosen, Iren, Spanier oder Araber, in ihrer Menschenverachtung wenig nehmen. Sie werden übertroffen von bestimmten Formen von Staatsterrorismus.“ (zitiert nach: http://www.schriftensammlung.com/2017/06/gibt-es-staatsterrorismus/) Näher äußerte er sich nicht, aber man sollte meinen, dass jemand wie er wissen musste, wovon er sprach.

Dennoch halte ich den Anschlag von Halle für echt, aus dem simplen Grund, weil es solche ekligen, irren Typen leider gibt und auch das von verschiedener Seite bemerkte planlose/dumme Agieren sich für mich, die ich das Tatvideo allerdings nicht kenne, im Rahmen des Vorstellbaren bewegt bei jemandem, der mit einer (selbstgeschaffenen) Situation konfrontiert ist, für die er auf keine Erfahrungen zurückgreifen kann. Dass „Technikfreaks“ – um einen solchen dürfte es sich hier wertfrei gesprochen handeln – sich rein auf diese Seite konzentrieren und meinen, alles andere werde sich schon finden, ist jedenfalls nicht gerade unbekannt. Die Einnahme irgendwelcher Substanzen, die sein Verhalten beeinflussten, ist ebenfalls denkbar. Dass er nicht mit einer Haushaltsleiter über die Mauer geklettert ist, ist seltsam, aber vielleicht brauchte seine Mutter die an dem Tag zum Fensterputzen. Oder irgendetwas anderes Banales. Vielleicht wollte er in den 20 Minuten „Ruhm“ aber auch unbedingt eine Tür aufsprengen. Dass die Polizei so lange gebraucht hat, ist, wie man weiß, wenn man selbige schon mal rufen musste, leider gar nicht so ungewöhnlich. Den Theorien, die ein Geschehenlassen unterstellen, durch wen auch immer, widerspricht all dies jedoch nicht unbedingt.

Wenn Sie sich verabschieden möchten, ist das natürlich Ihre Sache, aber wie Sie dem von Ihnen erhobenen Vorwurf „Sie erklären dabei nichts wirklich, verhindern nichts und schaffen damit nichts Neues.“ mit einer „Philosophobie“ entgehen wollen, fände ich schon noch interessant. Ich meine, was wäre denn die Alternative zum hiesigen „Mindset“? Nicht dass ich es für unfehlbar hielte, aber fällt Ihnen etwas Besseres ein?

@ Der_Juergen

Gestern Abend las ich nach längerer, eher zufälliger Pause auf Broders Achse des Guten, weil ich wissen wollte, wie man sich dort zu Halle äußert. Das ansonsten allgegenwärtige Einprügeln auf AfD und Rechte fand ich dort nicht, und auch die sehr besonnene Stellungnahme der jüdischen Gemeinde in Halle ist bemerkenswert: https://www.jghalle.de/wordpress/ Aus meiner Sicht ist es weder fair noch inhaltlich zutreffend, die nicht anders zu erwartenden Reaktionen von Leuten wie Friedman oder eben des Zentralrats zu verallgemeinern.

links ist wo der daumen rechts ist
14. Oktober 2019 00:31

Bomberpiloten zu Lande

Zwei Dinge scheinen sich für mich in Fällen wie diesen zu verklammern.

Einerseits das, was man grob als „Staatsterrorismus“ bezeichnen kann; für Deutschland also die Ereignisse seit dem Oktoberfestanschlag 1980, dem „RAF-Phantom“, der NSU-Chimäre und dann (jawoll, meine Herren Neu- und Altrechte!) natürlich auch die angeblich islamistischen Einzeltäter. Hauptfrage dabei immer, wen wundert's: Cui bono?

Während in Italien diese Strategien z. T. aufgedeckt werden konnten, wird für Deutschland sehr viel wohl immer im Dunklen bleiben.
Global gesehen weiß man natürlich, daß Geheimdienste immer schon ihr transnationales Süppchen gekocht und mehrfach über die Bande gespielt haben.
Und wie ich an anderer Stelle geschrieben habe: Man sehe doch einmal die „Mindgame-Movies“ der 90er mit wachen Augen...

Nun aber zum zweiten Phänomen.
Ich beziehe mich dabei großteils auf die Lektüre des Büchleins „Entsichert. Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert“ von Mark Terkessidis und Tom Holert, darin v.a. das Kapitel „Warum läuft Herr DiCaprio Amok. Einzelkämpfer im Neoliberalismus...“; der Jargon ist stellenweise ein postmodernes Gebräu aus Foucault, Deleuze und Konsorten, nichtsdestoweniger finden sich erhellende Einsichten.

Ausgangspunkte ihrer Überlegungen sind Amokläufe wie der von Martin Peyerl zu Allerheiligen 1999 in Bad Reichenhall – Matrix dieser Art von Gewaltexzessen natürlich das Massaker an der Columbine Highschool.
Woher kommt nun aber dieses Phänomen eines jugendlichen/jungen Einzelkämpfers, der loszieht und Vergeltung übt für seine Zurückweisungen, Kränkungen usw. - v.a. in der Form, wie wir sie jetzt gerade wieder erlebt haben.

Die Autoren führen drei Aspekte an (ich verkürze):

Zum einen gilt die Aufkündigung einer gesellschaftlichen Solidarität durch den Neoliberalismus (Thatchers „There is no such thing as society.“) als Ursache allen Übels; heranwachsende männliche Jugendliche befinden sich in einem Dauerkonflikt aus Selbstermächtigung und Selbstentmächtigung.
O-Ton der Autoren: „Ein jugendlicher Mörder wie M.P. bildet die schwarze Avantgarde der Individualisierung sozialer Konflikte, den äußeren Referenzpunkt eines Zerfalls traditioneller Vorstellungen von männlicher Subjektivität, wie sie mit der fordistischen Gesellschaftsstruktur verbunden waren.“

Zum anderen ist die Entwicklung bestimmer Computerspiele (auf der Blaupause von „Doom“ 1993) für die Herausbildung der sog. „Ego-Shooter“-Mentalität signifikant.

Und die letzte und verstiegenste These hat (wieder einmal) mit den USA und Vietnam zu tun. Bezeichnend für die Autoren dabei ein Film wie „The Beach“; ein Jugendlicher Tramper (gespielt von Leonardo DiCaprio) trifft in Thailand auf einen „dschungelerfahrenen“ Hippie, der ihm von einer geheimnisvollen Insel berichtet, die als ein sagenhaftes Aussteigerparadies gilt. Besagter verstirbt und DiCaprio begibt sich auf diese Insel, wo er in Folge zu einer Art Nintendo-Dschungelkämper mutiert (wobei der Film wesentlich harmloser ist als die Buch-Vorlage).

Die Autoren behauten nun, daß in der Bewältigung des Vietnam-Traumas zwei Filme die beiden Pole kennzeichneten: „Apokalypse Now“ und „Star Wars“; hier der schmutzige Bodenkrieg und der vergebliche Lufteinsatz, dort der klinische Weltraumkrieg.
Der durch die Computerspiel-Entwicklung entstandene Ego-Shooter-Täter bildet nun die perfekte Synthese aus beiden Polen: der schmutzige Bodenkrieg aus der Perspektive eines Bomberpiloten, Bodycount zählt, aber das Equipment einer medialen Zweitverwertung ist wichtiger (wie sonst der Funkkontakt zur Bodenstation).

Darüber könnte man im Vergleich der Attentäter von Utøya, Christchurch und Halle nachdenken, aber stattdessen ein stumpfsinniges Blöken: Wehret den Anfängen!

Ein Mimikry-Bodenkämpfer und Überlebenskünstler wie John Rambo wurde – als Angehöriger einer fordistischen Gesellschaft (um im Jargon der beiden Autoren zu bleiben) – im „Ernstfall“ zum Partisanen gegen die „eigenen“ Leute, wenn sein Ehrgefühl verletzt war; instrumentalisiert und ideologisiert wurde er erst in den Folgefilmen.

Diese neuartigen Bomberpiloten zu Lande nun sind aber nichts anderes als „Schläfer“ (man sage mir nicht, daß die jeweiligen Dienste über die Netzaktivitäten der Genannten nicht genau im Bilde waren), die man irgendwann losschickt oder -ziehen läßt. Eine Reservearmee an Attentätern, den Bewahrern des Status quo nur allzu willkommen...

Adler und Drache
14. Oktober 2019 11:06

@ zeitschnur

@ Adler und Drache

"Schön, wenn man den Schuldigen gefunden hat und eine Lösung gleich dazu: die Weiber sans gwen."

Sie haben Recht mit Ihrer Kritik, insofern "der Feminismus" bloß ein grober Klotz ist und man schon mal genauer sagen müsste, was man meint. Ich meine: Durch den Feminismus ist es zu einer Umverteilung der "Ressource Frau" gekommen. Frauen brauchen Männer nicht mehr als Versorger, also können sie sich Männer aussuchen, und Männer mit hohem Sozialstatus, viel Geld und gutem Aussehen werden (und wer wollte es den Frauen verdenken) bevorzugt. Durch die Schleifung der Institution Ehe und ihre Ersetzung durch "Lebensabschnitts-Partnerschaften", durch "offene Beziehung" und "Polyamorie" genannte Promiskuität bleibt ein wachsender Teil der Männer dauerhaft "außen vor". Bei den Incels heißt es, 80 % der Frauen kriegen 20 % der Männer (wie zutreffend diese Schätzung ist, weiß ich nicht, aber die Tendenz sehe ich auch).
Nicht richtig ist Ihre Karikatur "die Weiber sans gwen". Der Feminismus ist so viel oder so wenig Sache der Weiber wie der Faschismus Sache der Deutschen. Ebenso sind ja nicht allein die Männer die Leidtragenden dieser Entwicklung. Eine Frau ab 40 wird schwerer einen Mann finden und eine Familie gründen können als mit Mitte 20, und dann steht sie halt da, alternd, einsam, schwer vermittelbar ... Es hat mich eigenartig berührt, als Sahra Wagenknecht in einem Interview mal sagte, sie bereue es, keine Familie gegründet zu haben.

"Allerdings frage ich mich, wie gut es dem Mann zu Zeiten des "Mannes an sich" als Wert ging (und die meisten Jahrhunderte und Jahrtausende standen in dessen Stern, schon vergessen?). Er war Leibeigener, ausgepresste Zitrone, verheizter Idiot in never ending war scenes, sprich: Kanonenfutter, das man damit aufrecht hielt, dass es irgendwie wenigstens mehr sei als das Weibliche und zu Hause den Herrn spielen durfte, wo es doch eigentlich nur Schrottmasse der Fürsten war."

Mag sein, aber das ist eine andere Frage und trägt zur Ursachenforschung bei diesem speziellen Problem nichts bei.

Maiordomus
14. Oktober 2019 11:31

@links Daumen. Diese Ausführungen klingen nun mal mit der These des "Losgeschickten" allzu plump verschwörungstheoretisch.

links ist wo der daumen rechts ist
14. Oktober 2019 12:41

@ Hausmeier

Außerhalb des Schweizer Reduits ist nichts in Stein gemeißelt, es wurden sogar schon Formen von Ironie festgestellt.
Ich formuliere lieber eine verspielte Theorie als an die eine große Verschwörung seit Jahrhunderten zu glauben (wie einige hier im Forum).

zeitschnur
14. Oktober 2019 21:14

@ Adler und Drache

Es ist schon ein Phänomen, dass man schon seit Jahrhunderten immer wieder den jungen Mann für den größten Blödsinn einspannen kann und zum offenen Messer umframen kann.
Ich persönlich glaube nach allem, was man bis heute vom Stephan Soundso weiß, nicht, dass er auf sich selbst alleine gestellt diese fanatische Haltung einnahm. Es klingt für mich alles so ähnlich wie manches historische Szenario: der Dummkopf, der das Attentat auf Heinrich IV. von Frankreich einst machte, dessen mutmaßliche Hintermänner aber dennoch nicht unbekannt blieben, genauso wie der typische "Einzeltäter" unserer Tage ... Diese alberne Maskerade mit einem Pseudostahlhelm, diese Fastnachtskampfklamotten, die selbstgebastelten Waffen, dazu ein paar rechtsextreme Klosprüche - das wirkt alles wie ein ganz schlechter Witz, gestelzt, artifiziell-virtuell, was immer hier im Hintergrund steht, man gibt sich keine große Mühe mehr.
Dass die jüdische Gemeinde erfolglos vorher um Polizeischutz gebeten hatte, wirft neben anderen Fragen ein übles Licht auf das Innenressort, und Seehofers Drachentränen von der "größten Schande für Deutschland" kann man runterbrechen auf eine "größte Schande für den Innenminister".
Dass dieser Innenminister immer wieder als einer, der als Tiger sprang und als Bettvorleger (Merkels) landete, benannt wird, zeichnet den zweiten Mann in diesem Drama dem ersten nicht einmal unähnlich: als tumben, dümmlichen, aber kraftmeiernden Versager, dies aber vor einer noch schlimmeren Versagerin, die zwar nicht kraftmeiert, aber anderen die Kraft förmlich absaugt, um ihren Wahnsinn durchzusetzen.
Es sind diese Damen und Herren, die mittelbar verantwortlich sind für die Zustände und Versäumnisse im Land!
Als ob es keine anderen Frauen und Männer im Land gäbe!

Gracchus
14. Oktober 2019 23:07

"Was der Anschlag von Halle bedeutet" ist mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, wobei ich MLs vorläufige Analyse teile. Für eine "false flag"-Aktion sehe ich kaum Anhaltspunkte. Das Feld ist für solche Taten aufgrund diverser Umstände bestellt, die der Mainstream nicht sehen will, weil es Selbstkritik und Umdenken erfordern würde.

Augustinus
15. Oktober 2019 10:11

@RMH
"Auch wir werden mitgelesen, auch unsere IP-Adressen gesammelt, zugeordnet etc. Unsere Pseudonyme halten nur oberflächlich ... "

Mach dir nicht ins Hemd. Natürlich weiß ich, dass die IT inzwischen soweit ist, dass sie von jedem Internetbenutzer ein Psychogramm erstellen kann. Aber was soll's? Ich bin in meinem Leben noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten und ich werde mein Recht auf freie Meinungsäußerung so lange ausüben wie es geht.

RMH
15. Oktober 2019 11:53

@Augustinus,

was soll dieser persönliche Ton?

Ich mache mir bestimmt nicht ins Hemd und meine Beiträge kann jeder Dienst dieser Welt gerne mitlesen, nur eben nicht gleich offen mein Arbeitskollege (daher auch mein Namenskürzel). Mein Hinweis war eher an die gerichtet, die nicht so aufgeklärt und Bescheid wissen, wie Sie ...