Netzfundstücke (34) – Gegeneinander

Seit 1999 existiert in Sachsen-Anhalt der dubiose Verein »Miteinander – Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V.«.

Nach eige­ner Aus­sa­ge setz­te er sich für »eine offe­ne, plu­ra­le und demo­kra­ti­sche Gesell­schaft in Sach­sen-Anhalt und dar­über hin­aus« ein. Geför­dert wird der Ver­ein durch das Land Sach­sen-Anhalt, vom Bund über das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Frau­en, Senio­ren und Jugend und im Rah­men des »Demo­kra­tie leben!«-Programmes.

Laut der ver­öf­fent­lich­ten Tätig­keits­be­rich­te finan­zier­te sich »Mit­ein­an­der«, im Jahr 2014 zu 95 %, im Jahr 2015 zu 97 % und 2016 zu 96 % aus öffent­li­chen Mit­teln. Betrach­tet man die Arbeit und die Akteu­re des Pro­jek­tes ein­ge­hen­der, so offen­bart sich einem schnell, daß der Ver­ein ein wei­te­res Vehi­kel links­ex­tre­mer Agi­ta­ti­on dar­stellt, das auf eine Dif­fa­mie­rung jeg­li­cher rech­ten, kon­ser­va­ti­ven Poli­tik abzielt. Zeit­gleich dient er der Stär­kung der eige­nen Struk­tu­ren und einer Zuspit­zung des poli­ti­schen Kamp­fes von links mit der Hil­fe staat­li­cher Geldflüsse. 

Genau dar­auf woll­te Simon Kau­pert, Fil­me­ma­cher beim Bür­ger­netz­werk Ein Pro­zent e.V., mit fol­gen­der Repor­ta­ge auf­merk­sam machen:

Nur weni­ge Stun­den spä­ter, nach­dem der Film bei You­Tube hoch­ge­la­den wor­den war, ver­wüs­te­ten zwei ver­mumm­te Links­ex­tre­me den PKW der Fami­lie Kau­pert – die Wind­schutz­schei­be wur­de zer­schla­gen und alle vier Rei­fen zerstochen.

Ob die­ser fei­ge Gewalt­akt mit der Ver­öf­fent­li­chung des Bei­trags zusam­men­hängt, kann noch nicht ein­deu­tig gesagt wer­den. Die Koin­zi­denz bei­der Ereig­nis­se ist jedoch ver­blüf­fend. Betrach­tet man die aktu­el­len als auch ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter des Ver­eins mit ein­schlä­gi­gen Kon­tak­ten und Ver­bin­dun­gen ins links­ex­tre­me Milieu, wür­de ein Zusam­men­hang kaum verwundern.

Da wäre zum einen der poli­zei­be­kann­te Links­ex­tre­mist Tors­ten Hahn­el. Gegen ihn wur­de 2002 ermit­telt, weil er an einer Art Roll­kom­man­do betei­ligt gewe­sen sein soll, das einen als »rechts« gel­ten­den Klei­dungs­la­den in Hal­le über­fiel. Fer­ner betä­tig­te sich Hahn­el als »Anti­fa-Pho­to­graf« sowie als Anmel­der von Anti­fa-Demons­tra­tio­nen – nach­zu­le­sen in der IfS-Stu­die »Ero­si­on der Mit­te – Die Ver­flech­tung von demo­kra­ti­scher und radi­ka­ler Lin­ker im „Kampf gegen Rechts“ am Bei­spiel der Ama­deu Anto­nio Stif­tung« (hier frei verfügbar).

Damit nicht genug war er 2009 gela­de­ner Podi­um­s­red­ner bei einer Ver­an­stal­tung der Leip­zi­ger Anti­fa im Con­ne Island zum The­ma »Die radi­ka­le Lin­ke und die „Wie­der­ver­ei­ni­gung“« (hier nach­zu­voll­zie­hen). Ange­sichts die­ses offen­sicht­li­chen Anti­fa-Hin­ter­grunds von Hahn­el wirkt das an Kau­pert gerich­te­te Schrei­ben sei­nes Anwalts Alex­an­der Hoff­mann aus Kiel, der vor allem in lin­ken Kon­tex­ten in Erschei­nung tritt, um so lächer­li­cher: Auf eine jour­na­lis­ti­sche Anfra­ge sei­tens des »Ein Prozent«-Mitarbeiters an Hahn­el, die ihn mit sei­nen links­ex­tre­men Ver­flech­tun­gen kon­fron­tier­te, reagier­te der Kie­ler Jurist in Ver­tre­tung sei­nes Man­dan­ten mit der Andro­hung juris­ti­scher Konsequenzen.

Auch kein Kind von Trau­rig­keit ist die ehe­ma­li­ge Mit­ar­bei­te­rin Ste­pha­nie Hei­de, ihr Fach­ge­biet: die Anti­fa-Pho­to­gra­phie. Bei »Mit­ein­an­der« wur­de sie zeit­wei­se als Mit­ar­bei­te­rin für den »Arbeits­kreis Rechts­ex­tre­mis­mus« geführt. Zuletzt war sie bei der Som­mer­aka­de­mie des IfS in Schnell­ro­da zuge­gen und ver­such­te, jeden abzu­lich­ten, der an der Ver­an­stal­tung teil­nahm. Wo ihre Auf­nah­men lan­den und wofür sie ver­wen­det wer­den, das weiß nie­mand so genau. »Ein Pro­zent« hat der zwei­fel­haf­ten Anti­fa-Akti­vis­tin hier ein Por­trait gewidmet.

Doch an die­ser Stel­le ist beim selbst­er­nann­ten Hüter der Demo­kra­tie »Mit­ein­an­der« noch lan­ge nicht Schluß mit den Anti­fa-Umtrie­ben: Im Zuge einer Gro­ßen Anfra­ge der AfD-Frak­ti­on im Land­tag Sach­sen-Anhalt wur­de publik, daß der Ver­ein die soge­nann­te Anti­fa Burg, die vom Ver­fas­sungs­schutz beob­ach­tet wird, expli­zit in einem Pro­jekt­news­let­ter gelobt hat­te. Des Wei­te­ren wird die »Anti­fa­schis­ti­sche Initia­ti­ve« in einem Paten­schafts­pro­jekt auf­ge­führt und auf die ille­ga­le links­ex­tre­me Inter­net­sei­te der Grup­pe ver­linkt, die dazu genutzt wird, poli­ti­sche Geg­ner ein­zu­schüch­tern und zu ver­leum­den. Der »Mit­ein­an­der e.V.« steckt ganz tief im lin­ken Sumpf.

Lei­der bleibt zu kon­sta­tie­ren, daß sich die Atta­cke auf die Fami­lie Kau­pert in eine unge­bro­che­ne Schlei­fe lin­ker Gewalt in Hal­le ein­reiht (hier in den »Fund­stü­cken #19« in Aus­schnit­ten doku­men­tiert). Auf Distan­zie­run­gen von den links­ex­tre­men Gewalt­ta­ten und den dahin­ter wuchern­den Struk­tu­ren um die alter­na­ti­ven Zen­tren »HaSi« oder das »Reil 78« sei­tens des »Mit­ein­an­der e.V.« war­tet man ver­ge­bens und wird das, bis es zur Auf­lö­sung des Ver­eins kommt, auch wei­ter­hin können.

Die Lösung des Pro­blems »Mit­ein­an­der« liegt indes­sen im sofor­ti­gen Stopp der staat­li­chen För­de­run­gen an den Ver­ein. Sobald für Links­ex­tre­mis­ten wie Pas­cal Beg­rich, David Beg­rich, Tors­ten Hahn­el und Ste­pha­nie Hei­de das Geld abge­dreht wird, kön­nen sie noch in ihrer neu­ge­won­ne­nen Frei­zeit bei lin­ken Nischen­ver­an­stal­tun­gen auf­tre­ten – ihre ver­meint­li­che Kre­di­bi­li­tät und aktu­el­le Brei­ten­wir­kung blie­ben ihnen jedoch verwehrt.

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Kommentare (8)

brueckenbauer

25. November 2019 08:45

Nach meinem bisherigen Eindruck gibt es in der Kampf-gegen-Rechts-Szene eine gewisse Kontinuität. Und zwar geht die Organisationsstruktur noch auf den "Krefelder Appell" zurück. Damals galt als Regel: Ein Pfarrer macht die Öffentlichkeitsarbeit, ein DKP-Mann macht die Organisation.

In der Kampf-gegen-Rechts-Szene macht normalerweise ebenfalls der Pfarrer die Öffentlichkeitsarbeit, und gelegentlich (wie in Hamburg) kann man auch feststellen, dass ein DKP-Mann die Organisation macht. Aber lässt sich das verallgemeinern? Hat da schon mal jemand recherchiert?
Wo kommen die Geschäftsführer, Büroleiter usw. her? Und: sind das manchmal die gleichen Leute/Kombinationen wie damals?

Die Radau-Antifa spielte damals allerdings noch keine Rolle. Das ist eine echte Innovation.

Laurenz

25. November 2019 10:06

Ich danke vordergründig der Kunst Herrn Kauperts & Kollegen äußerst professionelle Bilder und Videos/Filme zu liefern. Der Unterschied in der Qualität zu herkömmlichen professionellen Arbeiten des Mainstreams liegt wohl im Herzblut der Filmschaffenden. Das sieht der aufmerksame Mensch. Jede Blende, jede Schärfe, jeder Schnitt, jegliche Kamera-Bewegung ist quasi perfekt.

Der einzige veröffentlichte Denkfehler beider Protagonisten im Video bezüglich des bolschewistischen Vereins "Miteinander" liegt in der Beurteilung dessen Gründungsmythos. Der Verein war nie zu etwas anderem gedacht, als die Zerschlagung jeglichen konservativen Lebens. Mit der dort benannten Demokratie ist schon immer das Demokratie-Verständnis der Deutschen Demokratischen Republik, allgemein bekannt als DDR, gemeint gewesen.
Daß hier Staatsfinanzierung kritisiert werden kann, ist doch nur unserer Übernahme durch IM Erika, und damit Erichs und Walters geistiger Rückkehr geschuldet.

Ratwolf

25. November 2019 20:47

"Miteinander e.V."

Es ist schon interessant, welche schönen Namen sich solche zweifelhafte Institutionen geben.

Grobschlosser

26. November 2019 10:51

nochmal meine Bitte : bestehende , leistungsfähige Organisationen wie EINPROZENT.DE massiv unterstützen .

Kürzlich ein Gespräch mit einem Mitstreiter ( bürgerlicher Typ ) "ja ,dann soll ich Aufkleber und Flugblätter bestellen ; das Material dann verteilen !? " und ja - es könnte anstrengend sein ab und zu Informationsmaterial zu verteilen ( nun gut : es gibt , zugegebenermaßen ein Problem : der einzelne Verteiler kann die Wirkung seiner Verteilaktion nicht wirklich überprüfen ) - dennoch : wenn 70.000 Leute ( Anzahl der dokumentierten fb Leser der Gruppe EINPROZENT ) nur 10 Flugblätter am Tag verteilen erreicht man 700.000 Haushalte - damit hier erzielt man eine ( messbare ) Werbewirkung .

( Rückmeldung interessierter Bürger , Zuwendungen um bestehende Projekte zu unterstützen ) .

Wilhelmsmax

26. November 2019 11:17

@Laurenz: das ist kein Denkfehler sondern ein besonnenes Vorgehen. Natürlich muss man in einem öffentlichen Beitrag davon ausgehen, dass der offizielle und auf den Fahnen stehende Gründungsmythos wahrgenommen wird, also muss man auch darauf Bezug nehmen. Dass es in Wahrheit anders hergeht ist uns allen klar, tut hier aber nichts zur Sache. Dies in den Mittelpunkt zu stellen könnte in Schnelle als haltlose Behauptung oder Verschwörungstheorie abgetan werden. Daher ist das obige Vorgehen genau das Richtige.

Sind wir doch froh, dass die Jungs so viel bewegen, da müssen wir sie nicht auch noch haltlos kritisieren, oder?! Man muss auch nicht immer das Haar in der Suppe suchen, einfach mal Respekt zollen und danke sagen...

Lotta Vorbeck

26. November 2019 18:40

@Ratwolf - 25. November 2019 - 08:47 PM

"Es ist schon interessant, welche schönen Namen sich solche zweifelhafte Institutionen geben."

____________________________________

Sie folgen dabei den Regeln des
Orwellsches Neusprech(s),

vulgo

+++ "Krieg ist Frieden!"

+++ "Freiheit ist Sklaverei!"

+++ "Unwissenheit ist Stärke!"

Laurenz

26. November 2019 18:55

@Wilhelmsmax .... jain, einerseits sind wir hier unter uns, und anderseits wirkt die Kritik dadurch aufgesetzt. Und mit Verlaub, ich finde das Video gut. Was ist schlimm daran, wenn ich einen Haken davon herausgreife?

Ratwolf

1. Dezember 2019 15:29

Ich stelle also fest, dass es in Deutschland staatlich-finanzierte Vereine gibt, welche Demokratie und Opposition gibt

Ausgezeichneter Film!
Je besser der Film, desto schneller die Zensur.
Auf fb hat man es gesehen.

Glückwunsch an die Macher von Ein Prozent!