27. November 2019

Das war die Herbstakademie 2019 in Semriach/Graz

Gastbeitrag / 2 Kommentare

Am vergangenen Wochenende (22.–24.11.) fand die vierte Herbstakademie in Semriach bei Graz statt. Ein Bericht von Stefan Juritz.

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Die Herbstakademie wird in mittlerweile bewährter Tradition vom Institut für Staatspolitik (IfS) und dem Freiheitlichen Akademikerverband Steiermark (FAV) gemeinsam veranstaltet. Nachdem die Herbstakademie bereits im vergangenen Jahr zu medialen und politischen Diskussionen geführt hatte, war die Aufregung diesmal – wohl auch wegen der gleichzeitig stattfindenden steirischen Landtagswahl – noch einmal größer.

Die linke Studentenvertretung an der Uni Wien versuchte im Vorfeld, den Auftritt von Prof. Lothar Höbelt bei der Akademie zu skandalisieren und forderte die Entlassung des Professors. Die Proteste gipfelten schließlich in der Störung einer Vorlesung Höbelts durch Linksextreme.

In diese Aufregung um die IfS/FAV-Akademie schalteten sich dann auch die im Wahlkampf befindlichen Parteien ein. Das Ziel war umgehend Mitorganisator Heinrich Sickl, FPÖ-Gemeinderat und FAV-Obmann, der sich mit Rücktritts- und Parteiausschlußforderungen von SPÖ, KPÖ, Grüne und auch ÖVP konfrontiert sah.

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) meinte gar: „Man sollte diese Veranstaltung absagen“.

Doch die Herbstakademie fand natürlich statt und lockte über 70 Teilnehmer in die Steiermark, die das Thema „Volk“ aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet sehen wollten.

Am Freitagnachmittag eröffnete IfS-Leiter Dr. Erik Lehnert das Seminarwochenende und breitete in seinem Vortrag „Staat, Volk, Nation“ die Grundlagen für die weiteren Tage aus. Neben dem Verhältnis zwischen den rechten Grundpfeilern Staat, Volk und Nation referierte Lehnert über die Deutsche Bewegung und die völkische Bewegung sowie die unterschiedlichen Volksbegriffe im Dritten Reich und in der DDR.

Am nächsten Tag eröffnete der Politikwissenschaftler und Sezession-Redakteur Benedikt Kaiser die Vortragsreihe. Sein Beitrag beschäftigte sich mit der Rückkehr des Volkes als handelndem Subjekt, der zunehmenden Bedeutung von Ethnizität in Zeiten der Globalisierung und dem von Zygmunt Baumann und anderen untersuchten Phänomens der Exterritorialität der neuen globalen Klasse.

Dabei setzte sich Kaiser kritisch mit den verschiedenen Theorien zu Volk, Gemeinschaft und Nation bei Guillaume Faye, Alain de Benoist, Alexander Dugin und mehreren linken bzw. postmarxistischen Autoren wie Benedict Anderson und Ernest Gellner auseinander. Kaiser hob den genuin neurechten Standpunkt deutlich sowohl von materialistischem Rassenbiologismus als auch konstruktivistischem Postmodernismus und seinen Verheerungen ("Es gibt kein Volk") ab und arbeitete Zwischentöne ein.

Im Anschluß sprach der Historiker Nils Wegner über die „Verzerrung des Volksbegriffs in den USA“. Sehr detailreich schilderte er in seinem Vortrag, wie sich die Einwanderungspolitik der USA in den letzten Jahrzehnten geändert hat und nannte Ursachen und Hintergründe für diese Entwicklung.

Nach dem Mittagessen war der Jurist Dr. Dr. Thor v. Waldstein an der Reihe. Sein Vortrag „Volk. Ein deutscher Begriff“ ist die Fortsetzung jenes ersten Teils, den der Jurist und Autor bereits bei der 19. Winterakademie in Schnellroda gehalten hatte. In Semriach stellte Waldstein die Volksbegriffe von fünf deutschen Denkern – u.a. von Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahn –  mit zahlreichen Zitaten aus ihren Werken vor.

„Entgermanisierung? Österreich und Deutschland 1945“ lautete dann der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Lothar Höbelt, der sich mit dem Verhältnis der beiden Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg und der Entwicklung hin zu einem explizit österreichischen Nationalbewusstsein beschäftigte.

Der zweite Seminartag endete abends mit einer teilweise äußerst kontrovers geführten Podiumsdiskussion über die aktuelle Lage der Freiheitlichen. Auf dem Podium saß neben dem Grazer Gemeinderat Heinrich Sickl, Prof. Dr. Lothar Höbelt, Dr. Erik Lehnert und Benedikt Kaiser auch der FPÖ-Politiker und Dritte Landtagspräsident der Steiermark, Dr. Gerhard Kurzmann.

In der Diskussion und den lebhaften Publikumsfragen ging es vor allem um die Lehren aus den FPÖ-Skandalen der vergangenen Monate, die Neuorientierung der Partei und die teils uferlosen Distanzierungen vom rechten metapolitischen Vor- und Umfeld. Kaiser betonte in seinem Schlußwort – in offenem Widerspruch zu Höbelts Ausführungen – die Notwendigkeit einer weltanschaulichen, strategischen und habituellen Umkehr der Freiheitlichen. Ohne diese dreistufige Korrektur der Generallinie werde man weiter in der Krise oder als ewiger Juniorpartner in spe verharren.

Den letzten Akademietag startete am Vormittag Prof. Dr. Felix Dirsch mit seinem Vortrag „Volk und Konservatismus“. Dirsch zeigte hier den Wandel des Volksbegriffs im Laufe der Zeit und spannte dabei einen historischen Bogen vom Umbruch des Volksbegriffs in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der Genese des Konservatismus um 1800, über die Aufnahme des modernen Volksbegriffs im 19. Jahrhundert, bis zur Konservativen Revolution und dem konservativen Denken der Gegenwart.

Den Abschluß der Herbstakademie bildete schließlich die Philosophin Dr. Caroline Sommerfeld mit der Ausarbeitung „Wer gehört zu uns?“. Diese sehr grundsätzliche Frage spannte die Philosophin auf drei Ebenen – Abstammung, Staatsbürgerschaft und Volksseele – auf. Und sie hielt fest, daß gerade das Fehlen der geistigen Identität am Ende die größte Schwäche der Deutschen sei und auch auf die physische Substanz zurückwirke.

Trotz des steigenden politischen Drucks war die Herbstakademie auch in diesem Jahr wieder ein Erfolg und hat sich mittlerweile als feste Größe im konservativen und rechten Milieu in Österreich etabliert. Um so erfreulicher ist die Ankündigung von Mitorganisator Sickl, daß die Herbstakademie trotz aller Widrigkeiten auch im nächsten Jahr wieder stattfinden werde.

Zu betonen ist: Eine Teilnahme im nächsten Jahr empfiehlt sich nicht nur für junge Interessenten, sondern insbesondere auch für jene, die in Schnellroda nie zum Zuge kommen und dies zurecht bedauern. Die FAV/IfS-Herbstakademien in Semriach sind nicht altersbeschränkt! Auch Bundesdeutschen, die älter als 35 sind, gilt demzufolge die Einladung (und einige machten in diesem Jahr bereits von dieser Möglichkeit Gebrauch.)

Da das Platzkontingent allerdings limitiert ist, ist auch bei der dann bereits fünften Herbstakademie eine rasche Anmeldung sinnvoll. Hierzu sowie für weitere Informationen steht Heinrich Sickl vom FAV Steiermark unter der Adresse herbstakademie[at]gmx.at zur Verfügung.

Außerdem ist die Anmeldung zur Winterakademie in Schnellroda (10.–12. Januar 2020) geöffnet: Mehr als die Hälfte der Plätze ist bereits vergeben! Alle Infos hier.


Stefan Juritz ist Initiator des österreichischen Nachrichtenprojekts tagesstimme.com


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Kommentare (2)

Ratwolf
1. Dezember 2019 15:05

Mir hat es sehr gut gefallen. Es waren sehr unterschiedliche Menschen dort. Man konnte mit jeden kurz in Kontakt treten. Alle gingen nach dem Seminar wieder ihre Wege. Der Preis ist angesichts der interessanten Redner, des Hotels und des Essens völlig in Ordnung und ein sehr gutes Angebot!

silberzunge
2. Dezember 2019 21:06

War lustig. Es fehlten nur die Grüpfer.

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