7. Januar 2020

Dominique Venner – neue Bücher

Jonas Schick / 15 Kommentare

»Leben heißt kämpfen gegen das, was mich verneint.«

Der Jungeuropa Verlag hat mit der Veröffentlichung der Schrift »Was ist Nationalismus?« die schrittweise Übertragung der unterschiedlichen Werke des früher radikalen Aktivisten und späteren »meditativen Historikers« Dominique Venners ins Deutsche fortgesetzt. (Einstieg zu Venner? Die Sezession hilft z. b. hier, da und dort ...)

Wie der Titel schon andeutet, klärt Venner in dieser Arbeit auf, was man unter seinem Konzept des »europäischen Nationalismus« zu verstehen habe. Orientiert an Ernst von Salomon unterscheidet er zwischen »Nationalen« und »Nationalisten« und schlüsselt die Grundzüge eines die Gegensätze aufhebenden Nationalismus auf.

Venner sieht im »Nationalisten« den wahren Revolutionär: »Der Mann mit dem Messer zwischen den Zähnen ist nicht mehr der Kommunist, sondern der Nationalist.« Während die von Venner in diesem Werk hochgehaltene Doktrin phasenweise eher schlicht und schablonenhaft bleibt – Alain de Benoist weist darauf in seinem sehr persönlichen, sehr lesenswerten, sehr lehrreichen Vorwort hin und stellt die Schrift in ihren historischen Kontext –, überzeugt seine politische Lageanalyse um so mehr und legt den Grundstein für das, was man heute als die »Neue Rechte« bezeichnet.

Er sieht die Zersplitterung der Rechten, die dem linken Minimalkonsens nichts zu entgegen weiß, und beklagt ihren Mangel an ideologischem Gerüst:

Den Kampfgeist der eigenen Anhänger zu erhalten und die eigenen Überzeugungen den Zögerlichen zu vermitteln, sind zwei unverzichtbare Bedingungen für die Fortentwicklung des Nationalismus. [...] Eine neue Ausarbeitung der Doktrin ist die einzige Antwort auf die endlose Zersplitterung der Aktivisten. [...] Einigung kann nur mit einer ideologischen Einigung über die richtige Doktrin dauerhaft und nützlich sein. [...] Die revolutionäre Einheit ist ohne eine einende Doktrin nicht möglich.

Fragen der Organisation, die sein prägendes Buch »Für eine positive Kritik« noch offenließ, werden in »Was ist Nationalismus?« beantwortet.

Zugleich wird die »positive Kritik«, in der Erstauflage bei Jungeuropa vergriffen, passend zur erstmaligen Publikation von »Was ist Nationalismus?« neu und überarbeitet aufgelegt. Da sie unter dem unmittelbaren Eindrücken des Algerienkrieges und im Gefängnis entstand, weist sie ohne Frage Schwächen auf. Deshalb sind ihr in der Neuauflage drei zentrale Zeitschriftenaufsätze Venners beigefügt, die die in der »positiven Kritik« geäußerten Standpunkte weiterentwickeln und, wo nötig, korrigieren. Eine sorgfältige editorische Leistung, die der Leser entsprechend honoriert.

Darüber hinaus hat Sezession-Redakteur Benedikt Kaiser die Standpunkte von 2015–2019 einer grundlegenden Revision unterzogen (Ansätze dafür bereits in: Sezession 93, (– was die Gegenseite pflichtbewußt auf den Plan rief.) und klärt umfassend die Kontradiktion zwischen der in der »positiven Kritik« geforderten »Kader«- und »Elitenbildung« und einer »mosaikrechten« Realpolitik, die auf Integration neuer Bausteine angelegt ist.

Kaiser mahnt an:

Eine »Einigelung« auf eine »aktivistische Minderheit« (Venner) würde nicht nur den Resonanzraum, der sich im zeitgenössischen »populistischen Augenblick« (Alain de Benoist) geöffnet hat, unentschuldbar und irreparabel schließen. Es würde auch Venners Anspruch, »bislang Unentschlossene zu absorbieren«, unmöglich machen.

Fordert:

Die große, zeitbedingte Aufgabe des gesamten Mosaiks und seiner divergenten Einzelsteine, Unentschlossene bzw. Anpolitisierte zu erreichen und einzubinden, macht(e) es demnach erforderlich, inhaltliche Widersprüche auch über das üblliche Maß hinaus zuzulassen und ideelle Vielfalt zu ermöglichen, um durch unterschiedliche Akteure unterschiedliche Zielgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunklegungen, Begriffen und Inhalten zu erreichen. Aber zugleich – und das ist die entscheidende Herausforderung, die das Politische als steter kontingenter Prozess mit sich bringt – darf keine weltanschauliche Beliebigkeit eintreten.

Und skizziert darauf acht »interdependente Eckpfeiler« der »Mosaik-Rechten«. Wer also schon die Erstausgabe besitzt, sollte getrost erneut zugreifen: Es gibt neue, erstmals veröffentlichte Texte, neue und unverzichtbare Diskussionen, nicht zuletzt: ein neues Design.

Die beiden Bände können Sie hier bei Antaios, dem größten konservativen Versandbuchhandel, im Paket zum Vorzugspreis – und portofrei! – bestellen.

Für wen ist dieser Doppelpack der Start ins Jahr 2020?

+ Für alle, die sich für die Geschichte der »Neuen Rechten« interessieren und lieber zu den Quellen greifen als zu den linken Sekundärdenkern.

+ Für alle, die sich fragen, wer Dominique Venner war, dieser »Samurai des Abendlandes«, dessen Freitod die Presselandschaft von Sezession und Neue Ordnung bis Junge Freiheit aufwühlte.

+ Für alle, die Alain de Benoists bisher persönlichsten Beitrag auf Deutsch lesen wollen.

+ Für alle, die sich fragen, ob eine Partei als großer Mosaik-Baustein wirklich die adäquate Lösung sein kann.

+ Für alle, die Grundsätzlichkeit und Radikalität schätzen, sich aber vor Vulgär-Polterei aus Gründen der Haltung und der geistigen Hygiene hüten.



Kommentare (15)

quarz
7. Januar 2020 08:12

Apropos (Literaturtipp zur Ergänzung):

Yoram Hazony: "The Virtue of Nationalism" (2018)

Hazony analysiert den Nationalismus sowohl aus historischer als auch aus systematischer Perspektive als Gegenposition zum Imperialismus.

deutscheridentitaerer
7. Januar 2020 09:44

@quarz

Hazony ist einer der vielen Betrüger, die das populistische Aufbäumen gegen den Globalismus kooptieren und entschärfen wollen.

Sein Nationalismus ist einer, in dem Abstammung und Rasse keine Rolle spielen, ist also nur ein Globalismus im Kleinen. Aber selbst diese Position vertritt er wohl gar nicht wirklich, wenn man sein aktuelle Unterstützung für US-amerikanische Militärschläge gegen den Iran und gegen einen Truppenabzug aus dem Iran anschaut. Das lässt ahnen, dass er privat durchaus ein echter Nationalist ist, nur dass seine nationale Loyalität eben nicht Amerika gilt.

Nils Wegner
7. Januar 2020 10:51

@ deutscheridentitaerer:
Wieso sollte Hazony auch eine „nationale Loyalität“ gegenüber den USA pflegen, wo er – gewiß, im Gegensatz zu den allermeisten seiner Glaubensbrüder, die in der politischen Wissenschaft herumahasvern – doch weder dort geboren ist noch die dortige Staatsbürgerschaft in der Gesäßtasche trägt? Daß er im vergangenen Jahr zur Galionsfigur eines neuen transatlantischen Nationalkonservatismus hochgejazzt wurde, ist lediglich Netzwerken und nicht Staatsangehörigkeiten geschuldet.

Im übrigen ist „The Virtue of Nationalism“ beileibe kein schlechtes Buch; es ist nur eben nicht an „uns“ adressiert. Um linke Lumpen an die Decke gehen zu lassen, eignet es sich ziemlich gut, auch aufgrund der erwartbaren Chuzpe; das daran anschließende notwendige Herumschubsen der feisten, sich in Sicherheit wiegenden Liberalen müssen halt andere Bücher und Autoren leisten, beispielsweise Samuel Francis‘ Wälzer „Leviathan and Its Enemies“. Sowas liest aber kaum ein Normie; das Schlitzohr Hazony, weil „stunning and brave“ (und natürlich koscher), hingegen schon.

Der Gehenkte
7. Januar 2020 11:31

"Den Kampfgeist der eigenen Anhänger zu erhalten und die eigenen Überzeugungen den Zögerlichen zu vermitteln, sind zwei unverzichtbare Bedingungen für die Fortentwicklung des Nationalismus. [...] Eine neue Ausarbeitung der Doktrin ist die einzige Antwort auf die endlose Zersplitterung der Aktivisten. [...] Einigung kann nur mit einer ideologischen Einigung über die richtige Doktrin dauerhaft und nützlich sein. [...] Die revolutionäre Einheit ist ohne eine einende Doktrin nicht möglich."

Damit haben wir die einzige gültige Antwort auf Kubitscheks drängende Fragen. Seltsam, daß im Kommentariat damals kaum einer auf diese Idee kam. Die Überlegungen wohin und wozu brauchen keine radikalen Veränderungen, das Konzept "Metapolitik" reicht vollkommen aus, die Aufgabe der "Sezession" hat sich nicht geändert, sie lautet: weiter machen - nur noch besser! Vor allem qualitativ und dann, wenn man die Qualität hat, wenn man wirklich originell und bedenkenswert ist, am Puls der Zeit, dann kann man auch laut werden.

Homeland
7. Januar 2020 11:55

Diesen Beitrag begrüße ich sehr, nicht weil es vordergründig um Venner geht, sondern weil hier ganz offensichtlich entlang dieser Linie der Wille gezeigt wird, die Anmahnung von Konkretem zumindest zart anzunehmen. Mein Dank gilt, das möchte ich nicht vergessen, an dieser Stelle der zustimmenden Kommentierung von @limes mit seinen Verweisen auch auf @Nordlicht und @tardigrade, was mir zeigt, dass ich "nicht alleine bin". Ich danke auch dem Fingerzeig von @Caroline Sommerfeld bei gleicher Gelegenheit.

Zur Sache:

Dass gerade Benedikt Kaiser herbei geholt wird, vereinfacht die Darlegung sehr. Dies deshalb, weil dieser - verkürzt wiedergegeben - das genaue Ziel, nämlich "bislang Unentschlossene zu absorbieren" (und sich damit Venner zu eigen macht), mit Worten wie "ideelle Vielfalt zu ermöglichen" und "unterschiedliche Zielgruppen ... zu erreichen" tatsächlich verschleiert wird. Dass dem so ist, bestätigt er selbst mit seinen Worten, wonach "keine weltanschauliche Beliebigkeit eintreten [darf]".

Ich nehme den Gedanken von @limes gerne auf (weil er auch mein Befinden so gut beschreibt) und sage für mich: Manchmal bin ich unentschlossen in meinem Urteil, wohin SiN will, in jedem Fall aber möchte ich nicht "absorbiert" werden von der neuen Utopie, deren spiegelbildliche Geburt Wessels gerade in den Vorhof des Untergangs verlegt hat, oder eben jenen, die davon und darüber schreiben. Wagen wir also genau an dieser Stelle einen Blick auf die von mir ins Gespräch gebrachten "Liberalen Fenster im Rechten", die eine freiheitliche Ordnung erwarten darf, um nicht zu sagen, muss:

1. Götz Kubitschek sitzt mit Henryk M. Broder im Hangar 7 bei ServusTV. Broder ist Jude, wohl kaum gläubig, aber eben Abkömmling jüdischer Eltern. Weil @deutscheridentitaerer meint, solcherlei gehörten vornehmlich nach Israel (und eben nicht nach Deutschland), was sollte Kubitschek bei dieser Gelegenheit also Broder ans Revers geheftet haben? Etwa: "Gut, Herr Broder, Sie dürfen hier bleiben. Aber die meisten andern müssen raus!"? Oder ein bisschen deutlicher: "Nein, Herr Broder, Ihr zuhause ist Israel!" @deutscheridentitaerer, von dem ich nicht weiß, ob er hier auftritt, um gezielte Grenzübertretung zu betreiben, legt nochmal nach: "Sein [Anm.: Hazony] Nationalismus ist einer, in dem Abstammung und Rasse keine Rolle spielen, ..." Manche dürfen ja beim Bademeister Kubitschek nicht ins Wasser. @deutscheridentitaerer schon. Was ist das also, Meinungsfreiheit (die ich auch dergestalt toleriere) oder SiN'sche Grenzauslotung (die ich zurückweisen würde)?

2. Alice Weidel spricht in Schnellroda. Was ist sie, eine "zu absorbierende Mosaikrechte" zur Erschließung anderer Zielgruppen? In jedem Fall ist sie homosexuell. Was in und an ihrem Leben ins tragfähig für diese ominöse Utopie, in der "keine weltanschauliche Beliebigkeit eintreten [darf]? Wenn die traditionelle Familie als die Basis der Nation angesehen wird, wo und wie existieren Homosexuelle? Welche Partnerschaft, wenn überhaupt, ist akzeptabel? Wie verhält es sich mit Kindern? Wo also ist der Platz von Frau Alice Weidel und wie wird (wurde?) das kommuniziert?

Wir leben im Jetzt. Setzen Sie Ihre Wegemarken. Benutzen Sie meinetwegen Venner und Jünger. Aber die Antworten müssen für das Heute und Morgen sein. Tragfähig, vermittelbar, meinetwegen hart und rahmengebend, in jedem Fall aber kopfgeburtenfrei. Ich erwarte das Konkrete, um SiN einordnen zu können. Bisher sehe ich eine querfrontige Links-/Rechts-Verschränkung mit den Gespannen Elsässer/Sellner und Kubitschek/Kaiser, deren sozialistische Anleihen bei Wagenknecht mir schon eine Magenverstimmung besorgen. Ich hoffe, das Rechtsnationale mit Kubitschek/Sellner franst nicht ebenso aus.

Niekisch
7. Januar 2020 12:05

@ Der Gehenkte 7.1.2020: eine ideologische Einigung, besser eine von weltanschaulich begründetem Brückenschlag ausgehende Einigung über die richtige und wirksame Doktrin für unser großes Ziel, ist hier schon mehrfach vorzuschlagen versucht worden, aber immer versandet. Hier wird es ja schon als zu gefährlich angesehen, wenn Schnittmengen zwischen radikalem Islamismus und Nationalsozialismus in Abrede gestellt werden. Insoweit konnte dann "Maiordomus" garnicht erst erwidert werden, der auf solche Schnittstellen verwies.
Welchen Mut dürfen wir dem leider verstorbenen Dr. Sander posthum bescheinigen, der auch den unbequemsten Fragen niemals aus dem Wege gegangen ist, ein wirklicher Dissident war.

Wenn wir die Spitzen unserer Speere nicht aus a l l e n härtenden Metallen legieren, dann wird das alles nichts.

deutscheridentitaerer
7. Januar 2020 15:00

Sehr geehrter Homeland,

es ist ja nicht so, dass ich ihre skrupulöse Haltung völlig unsympathisch fände. So ganz verstehe ich ihr Problem mit meiner Person aber nicht. Ich will Ihnen, und denen die sich Ihrer Irritation angeschlossen haben, daher ausführlich antworten:

Selbstverständlich bin ich der Meinung, dass Juden ganz vorwiegend in Israel leben sollten und in den inneren Angelegenheiten anderer Länder keine Rolle spielen sollten. Schockiert Sie diese Ansicht wirklich so?

Das mittlerweile durch die Masseneinwanderung Fakten geschaffen werden, die sich im rechtsstaatlich-humanen Rahmen nicht mehr vollständig beseitigen lassen werden, steht dabei auf einem anderen Blatt. Es geht mir aber um ein leitendes Prinzip, dass dann mit Augenmaß und Abwägung umgesetzt werden soll.

Gut auch, dass Sie Broder erwähnen, den ich keineswegs auf unserer Seite wähnen, allenfalls in einem sehr taktischen Sinne, und selbst das ist fraglich, denn: "Was ich völlig im Ernst gut finde ist, dass diese demografische Struktur Europas nicht mehr zu halten ist. Je eher die Europäer das einsehen, desto besser. Einige Städte sind schon recht farbig und nicht mehr «arisch» weiss, und dagegen kann man überhaupt nichts sagen."

Ist mittlerweile 14 Jahre her, aber trotzdem - einen wirklichen Widerruf dieser offenen Kriegserklärung habe ich seitdem nicht von ihm gehört.

Im Übrigen haben Sie meinen Beitrag über das Verhältnis von Israel und jüdischer Diaspora zur Rechten unvollständig wiedergegeben. Ich bin nämlich keineswegs der Meinung, dass das Hauptproblem oder die Ursache unserer Lage in jüdischer Subversion liegt. Ich halte den Fokus auf diese, wie sie bei der alten Rechten und der Alt-Right oft geschieht, für schädlich. Ich halte es aber auch für schädlich, das Offensichtliche zu verleugnen. Wir müssen hier aus unserer europäischen Perspektive nicht über den Einfluss der Juden in Amerika reden, aber wenn wir es tun sollten wir es mit der gleichen Ehrlichkeit tun, mit denen wir hierzulande etwa die Muster bei ausländischen Straftätern benennen und nicht das Offensichtliche leugnen (wobei ich Ihnen keine Unehrlichkeit unterstelle - manche Scheuklappen wurden halt gut internalisiert).

Andreas Walter
7. Januar 2020 15:01

@Homeland

Sie verstehen die soziale Problematik nicht.

Weder die mit dem Volk mit dem angeblich höchsten durchschnittlichen IQ auf der Welt noch die mit dem Kapitalismus noch die mit dem Sozialismus.

Es geht nicht um Rassismus, wenn irgendwann nur noch Schwarze die Stars der NBL sind.

Es sei denn Sie sind ein hardcore Darwinist und dann gilt eh nur noch eines: Alles ist erlaubt um zu siegen.

Niekisch
7. Januar 2020 17:10

@ "Ich bin nämlich keineswegs der Meinung, dass das Hauptproblem oder die Ursache unserer Lage in jüdischer Subversion liegt. Ich halte den Fokus auf diese, wie sie bei der alten Rechten und der Alt-Right oft geschieht, für schädlich."

...

Kommentar Redaktion:
Wir haben Niekischs Antwort auf die von ihm zitierte Aussage gelöscht. Die Debatte muß sich nämlich dringend von einer einseitigen Verengung fernhalten, sonst müssen wir diese Kommentarspalte schließen. Wir bitten um sachliche, korrekte und abgewogene Äußerungen und wollen nicht wie die Schießhunde auf justiziable Wendungen aufpassen müssen.

Monika
7. Januar 2020 17:28

Jeder kann den Abschiedsbrief Dominique Venners in Sezession 54, August 2013, nachlesen, den er vor seiner Selbsttötung in der Pariser Cathedrale NOTRE DAME auf den Altar legte: https://sezession.de/44491/begruendung-fuer-einen-freitod

„Ich liebe das Leben und erwarte nichts jenseits von ihm, es sei denn das Fortleben meiner Rasse und meines Geistes...Ich halte es für notwendig, mich zu opfern, um die Lähmung zu durchbrechen, die uns erdrückt. Ich opfere den Rest meines Lebens als Protest und Aufruf zu einem Neubeginn. Ich habe dafür diesen hochsymbolischen Ort ausgesucht, die Kathedrale Notre Dame von Paris, die ich achte und bewundere und die von dem Genius unserer Vorfahren auf den Kultstätten noch älterer Zeiten errichtet wurde, und so an unsere unvergesslichen Ursprünge erinnert....“ usw.

Was ist von Dominique Venners Opfer geblieben?

Nach dem Brand von Notre Dame am 15.4.2019 schrieb Kardinal Sarah in Paris:
„Wollt ihr die Kirche wiederaufrichten ? Dann geht in die Knie...Eine Kathedrale ist zuerst und zuletzt ein Ort, in dem die Menschen niederknien können. Eine Kathedrale ist ein Ort für die Gegenwart Gottes im Allerheiligsten Sakrament.“

„Leben heißt kämpfen gegen das, was mich verneint.“
Nein ! Positiv formuliert: Leben heißt kämpfen für das, was mich bejaht. Das sind zwei Teppiche, da ist kein Mosaik, kein Minimalkonsens, keine einende Doktrin! Welcher „bislang Unentschlossene wird von wem absorbiert werden“? Wann und wo endet die weltanschauliche Beliebigkeit? Das muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen.

Ein gutes Neues Jahr!
Monika

H. M. Richter
7. Januar 2020 19:23

1.
Dank an Schick für seine Empfehlungen. Sie werden beherzigt werden, - schon allein de Benoists wegen.
____________________________________________

2.
Ein weiterer Stuhl für die Winterakademie steht - mit einem herzlichen Gruß in die Runde - bereit.

nom de guerre
7. Januar 2020 19:26

Habe die beiden Venner-Bücher, die übrigens sehr schön aufgemacht sind, über Weihnachten gelesen. Es hat sich gelohnt. Darüber, inwieweit sich seine Ausführungen, die sich ja konkret auf Frankreich Ende der 50er/Anfang der 60er beziehen, auf die heutige Situation übertragen lassen, mögen sich freilich andere den Kopf zerbrechen, aber mir leuchtet vieles, was er schreibt, ein (was nicht unbedingt heißt, dass ich mich dem vorbehaltlos anschließen würde). Kaisers ergänzende Worte sind wiederum sehr aufschlussreich und haben einige – nicht alle – Fragezeichen bei mir beseitigt.

Noch interessanter fand ich allerdings den Gesprächsband „The Shock of History“, den es dankenswerterweise immerhin auf Englisch gibt, und darin vor allem den ausführlichen Verweis auf Homer bzw. überhaupt auf die lange Tradition des europäischen Geistes, welche für Venner offenbar ein wichtiges Thema war und immer wieder vorkommt. Käme es für den Antaios Verlag (bei Jungeuropa scheint es mir eher nicht ins Programm zu passen) vielleicht in Frage, sein „Histoire et tradition des Européens: 30000 ans d‘identité“ übersetzen zu lassen? Da das Buch soweit ich weiß nicht auf Englisch erschienen ist, habe ich inzwischen die französische Ausgabe, wobei meine Kenntnisse, was ich natürlich vorher wusste, dafür nicht wirklich ausreichen. Sehr frustrierend.

RMH
7. Januar 2020 19:47

"Das muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen."

Danke, @Monika,
für Ihren Kommentar. Ihre Losung "Leben heißt kämpfen für das, was mich bejaht" ist der überfällige Hinweis auf den fundamentalen Unterschied von gegen etwas und für etwas und sollte eine der Überschriften für das begonnene Jahr sein.

Ich persönlich kann Herrn Venner wenig bis nichts abgewinnen, evtl. kenne bzw. kannte ich bereits zu viele Lebensmüde bzw. Depressive, die keinen politischen Bohei aus ihrem Ableben gemacht haben, sondern sich mit Anstand verabschiedet haben.

Alles, was ich von Venner lese, hat bei mir ganz persönlich immer auch den Beigeschmack der Entweihung der Kathedrale, was eben - vorsichtig ausgedrückt - grob unanständig war. Evtl. sollte ich es einmal so machen, wie ich es anderenorts für einen anderen Autor empfohlen habe: Neutraler Umschlag ums Buch machen und sich bemühen, sich nur auf den Text zu konzentrieren.

heinrichbrueck
7. Januar 2020 20:30

Es muß klar sein, wie Herrschaftsmacht in der Realität funktionieren kann. Es gibt immer Wünsche und Forderungen, je nach Ausgangssituation und Lage im Sinne von Handlungsumfeld, in dem die Fordernden Verbesserungen wollen, auch wenn diese Forderungen politisch nicht kompatibel mit der Zukunft des Eigenen sind.
"Justziable Wendungen" gab es noch in jedem Regime, keine Staatsmacht arbeitet freiwillig an ihrer Absetzung. Schließlich können neue Formulierungen das Thema besser beschreiben, anschaulicher vielleicht auch. Die traditionellen Überlieferungen bleiben für die Internetmoderne ein Steinbruch an Ideen, wo die einzelnen Motive den Anliegen zu nützen haben. Den Wahrheitsgehalt bestimmt die Wirkung. Wird jetzt mit Gott und Gewissen argumentiert, bleibt die Definition einer erfahrbaren Wirkung überlassen. Ewige Glaubenswahrheiten sind kein Versprechen mehr, jedenfalls nicht ohne Beweis. Das Fundament ist nicht der Himmel, sondern ein langes Leben. Dieses Denken hat überhaupt keine Theorie, kein System, es ist erzählend unterwegs. Wahrheiten an den Mann zu bringen, Fakten, die dem Mythos widersprechen, werden in die Ecke gedrängt; schwächeln meistens in ihrer aufgeladenen Wirkung, und bewirken nichts. In welche Richtung soll gesteuert werden, wenn eine Kontrolle ausfällt? Steuerung gibt es immer. Gegenwärtig keine Freiheit der Steuerung, GEZ, Pflichtversicherung, hohe Steuern und zinsverschuldet, ideologisch größtenteils unter Kontrolle.

"Was ist von Dominique Venners Opfer geblieben?"

Es hat sich eingebrannt. Als Wahrheit: keine Konztrolle über ihn.

Götz Kubitschek
7. Januar 2020 21:40

badeschluß.

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