3. Januar 2020

Netzfundstücke (38) – Tumult, Soleimani

Jonas Schick / 37 Kommentare

Die Reaktion auf den Konsensdruck findet ihr Forum.

Nachdem der Leiter des Dresdener Piano-Saals im Cosel-Palais direkt neben der Frauenkirche, Bernd Kirsten, sich aufgrund von Antifa-Drohbriefen dazu genötigt sah, den ursprünglich auf den 9. Januar terminierten Start der Veranstaltungsreihe »Tumult Forum« der in Dresden beheimateten TUMULT-Vierteljahresschrift für Konsensstörung abzusagen und seine Örtlichkeit für zukünftige Vorträge innerhalb der Reihe auch nicht mehr zur Verfügung zu stellen (Sezession-Chefredakteur Götz Kubitschek reflektierte das Geschehen bereits hier), hat das von TUMULT-Herausgeber Frank Böckelmann initiierte Forum nun doch noch eine Bühne gefunden.

Im Lingner-Salon im Lingnerschloß wird der preisgekrönte Schriftsteller (Der Hecht, die Träume und das Portugiesische Café; Der Eisvogel; Der Turm) und Ur-Dresdener Uwe Tellkamp am 09. Januar ab 19 Uhr – wie ursprünglich geplant – umrahmt von Klaviermusik aus Vorarbeiten zu seinem neuen Roman lesen. In diesem unternimmt Uwe Tellkamp Streifzüge in die Geschichte der beiden Nachkriegsdeutschländer.

Seine Ausbeute fließt in einen großen Roman über die Gegenwartsgesellschaft ein. Unter anderem umkreist und besucht Tellkamp verschiedene »Inseln der Demokratie«. Das Protokoll einer solchen Expedition – zum Macht-Komplex Westdeutschlands in der Regierungszeit Konrad Adenauers – hat er TUMULT zum Vorabdruck überlassen. In der kommenden Ausgabe »Frühjahr 2020« erscheint es unter dem Titel: »Das Märchenreich am Rhein«.

Indes ist in der aktuellen Sezession 93 (kann hier bestellt werden) ein Interview mit Tellkamp abgedruckt, das Tano Gerke und Jonas Mahraun am 26. September 2019 für das Netz-Kulturmagazin anbruch führten. Währenddessen bleibt zu hoffen, daß die einmal im Monat angesetzte Vortragsreihe, gewöhnlich an einem Donnerstag um 19 Uhr, im Förderverein Lingnerschloss e.V. einen beständigen Partner gefunden hat, der weiteren Konsensstörungen den Raum bietet.

Nachtrag: Leider hat keine zwei Stunden später, nachdem die Fundstücke ins Netz gestellt wurden, auch der Förderverein Lingnerschloss e.V. einen bedauernswerten Rückzieher vollzogen. Es ist den am Tumult-Projekt beteiligten Protagonisten zu wünschen, daß es Ihnen trotz aller Widrigkeiten noch gelingen wird, das Forum stattfinden zu lassen.


Derweil eskaliert die geopolitische Lage im Mittleren und Nahen Osten. Die USA töteten am Donnerstag (Ortszeit) den hochrangigen iranischen Militär Kassem Soleimani, den Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden. Damit gießt die Administration Trump ohne Frage erhebliche Mengen Öl ins Feuer eines schwelenden Konflikts und attackiert die Kräfte, die entscheidend an der Bekämpfung des IS, Nusra/HTS und anderer Terrorgruppen in Syrien beteiligt waren und immer noch sind.

Wer die möglichen Auswirkungen des Angriffs nachvollziehen möchte, dem ist der Twitter-Strang des Al Rai Chefs der internationalen Berichterstattung, Elijah J. Magnier, zu empfehlen. Dieser ist hier abrufbar. Wer es deutsch bevorzugt, dem sei die erstaunlicherweise recht nüchterne Darlegung der Ereignisse des Berliner Tagesspiegels empfohlen: hier zu finden.

Zu guter Letzt sei in diesem Zusammenhang erneut auf die Sezession 93 hingewiesen, genauer auf den Artikel des Soziologen und Politikwissenschaftlers Florian Sander »Interessen – Souveränität – Identität«, in dem er das westliche Militärbündnis »NATO« einer kritischen Betrachtung unterzieht und für eine eigenständige, souveräne deutsche Außenpolitik plädiert, da sich nur über sie eine kollektive nationale Identität bilden lasse.

Dabei identifiziert er in den hegemonialen Bestrebungen der USA einen gefährlichen Destabilisierungsfaktor, den sie mit der Tötung Soleimanis wieder einmal tatkräftig unter Beweis gestellt haben:

Unumstößliche Tatsache ist: Ohne die dortige US-Intervention ab dem Jahre 2003 hätte es eine Destabilisierung des Irak, aus der heraus sich der Islamische Staat (IS) entwickelt hat, so nicht gegeben. Die ausgedehnten pseudostaatlichen Strukturen des IS rekrutieren sich in weiten Teilen aus arbeitslos gewordenen Funktionären und Beamten der zerschlagenen irakischen Baath-Partei Saddam Husseins; der Unmut, der zu flächendeckenden Radikalisierung von sunnitischen Irakern führte, ergab sich aus dem Irakkrieg der USA ab 2003, dem neuen instabilen und notorisch korrupten Machtkonstrukt sowie dessen katastrophalen Folgen.

Ähnlich in Syrien: Ohne US-amerikanische Unterstützung der dortigen (mehrheitlich sunnitisch-islamistisch oder neofundamentalistisch gesinnten) Rebellen ab dem »Arabischen Frühling« 2011 gegen den legitimen Präsidenten des souveränen Nationalstaats Syrien, Baschar al Assad, wäre der dortige Bürgerkrieg nicht in dieser Dimension ausgeartet.

Der deutsche Konservatismus bzw. Teile der deutschen Rechten täten gut daran, ihre Atlantikbrückengläubigkeit abzulegen.



Kommentare (37)

Niekisch

3. Januar 2020 13:14

"Der deutsche Konservatismus bzw. Teile der deutschen Rechten täten gut daran, ihre Atlantikbrückengläubigkeit abzulegen."

...und zugleich gut daran täten, die Augen zu öffnen für das im nahen Osten geplante weitere Chaos, um in dessen Windschatten "Erez Israel" zu schaffen, dessen Geburtshelfer dann die hässliche Ente Donald ist.

RMH

3. Januar 2020 13:18

"Der deutsche Konservatismus bzw. Teile der deutschen Rechten täten gut daran, ihre Atlantikbrückengläubigkeit abzulegen"

Die konnte man außerhalb von irgendwelchen Merkel-Unions- junge Unions und FDP/SPD/GRÜNE/GEZ-Medien-Kreisen ohnehin schon seit langem nirgends mehr ernsthaft feststellen. Die kurze Freude in politisch alternativen Kreisen über Trump als Tritt in den Hintern der kulturmarxistischen Medienkartelle sollte man daher schon richtig einordnen können.

Überhaupt sollte die eine "Gläubigkeit" nicht durch eine andere einfach naiv abgelöst werden. Ich persönlich kann den Persern viel, ihrem Mullah-Regime jedoch sehr wenig abgewinnen. Selbiges gilt für Russland. Der Iran wird seinerseits von anderen Mächten als Störfaktor gegen die USA aufgebaut bzw. gehalten (sonst wären dieses System schon lange am Ende).

Wenn also im Artikel geschrieben wird:
"Damit gießt die Administration Trump ohne Frage erhebliche Mengen Öl ins Feuer eines schwelenden Konflikts .. "
dann wird dabei aber gehörig unterschlagen, dass da nichts mehr groß "schwelte" sondern spätestens seit dem Angriff auf die US-Botschaft bereits wieder offen erkennbares Feuer bestand. Dass die USA jetzt einmal einen Führer direkt liquidierten - übrigens in der bisherigen Tradition der IDF, die das bereits in Syrien und anderswo vorexerziert haben - und sich nicht an einfachem Fußvolk ausgetobt haben, ist grundsätzlich als besser einzustufen, als irgendwelche symbolisch abgefeuerten Tomahawks.

Überhaupt sollte man aktuell nicht auf die vermurkste Irak-Kampagne vergangener Tage abstellen, sondern einmal geostrategisch die wichtigeren, aktuellen Dinge hervorheben und das ist nicht so sehr die Tötung eines iranischen Führungsoffiziers sondern das sich Herauskristallisieren einer Front Russland/Iran versus USA/Türkei (die Rolle des weiteren globalen Players China kann ich - dazu fehlt mir die Detailkenntnis - in diesem Spiel nicht einschätzen, aber ich hege die Vermutung, dass der Iran ohne China nicht solche Schritte machen könnte, wie er derzeit noch kann. China hält sich hier aber vermutlich bewusst im Hintergrund).

In dem nun die Türkei sich offen in Libyen gegen die von Russland unterstützten Kräfte engagiert, wird klar, was mit dem weitgehendem Abzug der USA in Syrien wirklich für ein Spiel gespielt wurde und warum Erdogan - den oberflächlichen Streit um die S- 300 und weitere Zankereien einmal außen vor gelassen - unter dem Strich solch freie Hand hat und warum die Bundesrepublik sich verbal zurückhält aber die Bevölkerung schon moralisch und gedanklich (hier allen voran durch den Scheinoppositionellen Habeck) auf die weitere Aufnahme sog. "Flüchtlinge" aus dem nahen Osten vorbereitet. Erdogan steht im Verbund mit den USA (und mehr oder weniger verdeckt: Israel) und soll gegen Iran/Russland (dazu kann man das sich formal raus haltende China zählen) weiter aufgebaut werden. Da soll das Regime Erdogan auch nicht über Gebühr mit irgendwelchen Flüchtenden belastet werden und die sollen dann bitte schön - wie bereits früher geschehen - von den Verbündeten in Europa aufgenommen und versorgt werden. Dass es für das Engagement Erdogans in Libyen formal dann mal ein bisschen "Kritik" seitens des USA gab, kann man getrost als Nebelkerze abtun.

Wir hier in Deutschland werden mithin nochmals eine Flüchtlingswelle erleben und darauf sollte sich die hiesige Opposition einstellen. Nebenbei: Diese weiteren Flüchtlingswellen würden wir auch ohne die aktuellen Einzelmaßnahmen der USA so oder so erleben, denn in diesem "Spiel um Throne" gibt es schon lange nicht mehr den Alleinverantwortlichen, auf den man pauschal mit dem Finger zeigen kann und die vermeintlich "guten Anderen", denn egal, wer hier einen Zug macht, der Zug bewegt immer die Menschenmassen (ich weiß, dass liest sich jetzt ein bisschen widersprüchlich - aber die Lage ist komplex und Deutschland hat nach wie vor nirgends auf der Welt echte Freunde).

Hartwig aus LG8

3. Januar 2020 15:16

@ RMH

Ihr geopolitischer Exkurs ist interessant. Dem einen oder anderen kann ich zustimmen. Bzgl. der Türkei gehe ich allerdings davon aus, dass Erdogan und die türkische Führung mehr oder weniger außer Rand und Band geraten sind. Die Mehrgleisigkeit ist kaum mehr einzuordnen. Die S-300-Beschaffung halte ich nicht für eine Oberflächlichkeit; mit der Beanspruchung von Erdgasfeldern rund um Zypern macht man sich diverse Feinde; die Kurdenbekämpfung in Nordsyrien war erwartbar und mit Russland abgesprochen.
Und Trump hat eine Wahl zu gewinnen. Dem militärisch-industriellen Komplex muss er etwas Zucker anbieten, ... und (Symbol-)Politik zu Gunsten Israels betreiben. Ein auf Sparflamme köchelnder Konflikt mit dem Iran über die nächsten Monate ist ganz in seinem Sinn.
Im Ganzen hat sich nicht viel geändert: In den USA gibt es zwei Pole; verkörpert durch das Weisse Haus auf der einen und dem Kongress auf der anderen Seite. Von Seiten Trump darf Russland erweiterte Regionalmacht sein und bleiben. Alle wissen, wie und wo sie ihre Figuren zu setzen haben. Die EU existiert außenpolitisch nicht. Frankreich mischt in Lybien mit, wie es scheint in einer verdeckten Allianz mit Russland.
Nur die Türkei scheint außer Kontrolle.

Ein gebuertiger Hesse

3. Januar 2020 18:12

Hoffe, Niekisch trifft mit seinem Kommentar zu der Ermordung des iranischen Generals nicht ins Schwarze, fürchte aber, daß er es tut. Seit der punktuellen Syrien-Bombardierung vor zwei Jahren (die die Rechten nur allzu gern und schnell vergessen haben) hat Trump keinen derartigen Bock geschossen, der diesmal eine neue weitgefächerte Gewalt-Eskalation lostreten könnte und im schlimmsten Fall sogar soll. Verflucht, was für ein mieses Signal für das noch noch so junge neue Jahr.

Niedersachse

3. Januar 2020 18:38

@RMH

"Nebenbei: Diese weiteren Flüchtlingswellen würden wir auch ohne die aktuellen Einzelmaßnahmen der USA so oder so erleben, denn in diesem "Spiel um Throne" gibt es schon lange nicht mehr den Alleinverantwortlichen, auf den man pauschal mit dem Finger zeigen kann"

Diese Annahme ist im Gegensatz zu Ihrer sonst guten Analyse falsch, da sie den Grund für die massenhafte Ansiedlung Fremder im Ausland suchen und nicht - wie es richtig wäre - im Inland. Weder Putin, noch Trump, noch Erdogan und auch nicht der Scheich von Katar sind die Schuldigen an der katastrophalen Lage in Deutschland, sondern das hier herrschende Regime (ich hoffe das kann so stehen bleiben) zusammen mit seinen Komplizen aus Wirtschaft, Medien, Kulturbetrieben und diversen NGO`s. Wäre der politische Wille vorhanden, dann wäre es ein leichtes Unterfangen, den "Flüchtlingsstrom" nach Deutschland sofort zum Erliegen kommen zu lassen und sämtliche hier schon lebende "Flüchtlinge" zu ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer zu bewegen. Die erste Maßnahme müsste sein, dass jedem in Deutschland ankommenden "Flüchtling" kein Bargeld sondern nur noch Sachleistungen, Lebensmittelgutscheine etc...ausgezahlt werden. Als gutes Beispiel dient hier Dänemark, das ein sehr restriktives Ausländer/ Asylrecht hat. Das bedeutet, dass Flüchtlinge bis zu ihrer Anerkennung kein Geld, sondern nur 3 Mahlzeiten bekommen. Wer bei der Einreise umgerechnet mehr als 1.300 Euro bei sich hat, dessen Geld wird beschlagnahmt und für dessen Unterbringung verwendet. O-Ton Handelsblatt:

"Das neue Ausländerrecht formuliert die Ziele der künftigen Flüchtlingspolitik: Nicht Integration ist das oberste Ziel der Regierung, sondern die schnellstmögliche Rückführung der Menschen in ihre Herkunftsländer. Das neue Gesetz sieht vor, dass Flüchtlinge keine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung mehr erhalten. "

Sie sehen also, es geht. Und zwar weil der politische Wille da ist, Politik zugunsten des eigenen Volkes zu machen. Etwas, das in Deutschland nicht vorhanden ist, weil hier eine Gaunerkaste am Ruder ist, die zwar nichts so sehr hasst wie das eigene Volk, aber dennoch aus Dummheit, Mediengläubigkeit, Verantwortungslosigkeit und pathologischem Selbsthass immer wieder gewählt wird. Alle, wirklich alle Probleme die uns in Deutschland über den Kopf wachsen, sind hausgemacht und politisch gewollt. Ohne jetzt auf jedes Detail eingehen zu wollen - denn das würde den Rahmen sprengen - wären alle Probleme mühelos lösbar und zwar innerhalb von wenigen Monaten und nachhaltig! Die hier Regierenden samt Scheinopposition sind nicht dumm, schwach oder überfordert - sondern ein Haufen Schwerkrimineller, der spätestens bei der nächsten Landtags- oder Bundestagswahl auf zusammengerechnet 20- 30 Prozent zurechtgestutzt werden müsste. Wohlgemerkt alle Parteien von umbenannter SED bis CDU/CSU zusammen bei 20 Prozent. Es ist für mich schier unfassbar, was hier für Wahlergebnisse zustande kommen. Aber das müsste mal in einem gesonderten Artikel angesprochen werden. Z guter Letzt: Erstmal allen Lesern und auch der Autorenschaft ein frohes, gesundes und hoffentlich besseres Jahr 2020!

Das blaue Quadrat

3. Januar 2020 18:43

Sorry, aber auch der Förderverein Lingnerschloss hat einen (vorauseilenden) Rückzieher gemacht. Sowohl für die Lesung mit Uwe Tellkamp wie für die komplette Reihe von 6 Veranstaltungen im ersten Halbjahr 2020.

Caroline Sommerfeld

3. Januar 2020 19:02

War nicht anders zu erwarten. Ich zitiere Klonovsky, acta diurna des heutigen Tages:

"Lieber Herr Klonovsky, das TUMULT FORUM, eine Lese- und Diskussionsreihe mit Autoren der Vierteljahresschrift TUMULT, hat in Dresden zum zweiten Mal einen vereinbarten Veranstaltungsort verloren: einen Raum im Lingnerschloss. Am 9. Januar sollte Uwe Tellkamp dort aus seinem großen neuen Roman lesen, am 13. Februar der Historiker Egon Flaig aus seinem neuen Buch 'Was nottut. Plädoyer für einen aufgeklärten Konservatismus'.

Heute Vormittag, sechs Tage vor dem ersten Termin, erhielt ich die folgende Mitteilung der beiden stellvertretenden Vorstände des Fördervereins Lingnerschloss:
'Hiermit teilen wir Ihnen mit, dass die von Ihnen beabsichtigte Vortragsreihe in unseren Räumen nicht stattfinden kann. Nach unserer Überzeugung und dem Neutralitätsgebot des Fördervereins Lingnerschloss ist Ihre beabsichtigte Vortragsreihe für unsere Einrichtung nicht geeignet. Wir bitten Sie daher, auf Werbungen in unserem Namen zu verzichten. Alle kurzfristig vorgemerkten Termine (unserer e-Mail vom 20.12.20) entfallen somit.'

Der für Veranstaltungen zuständige Mitarbeiter des Fördervereins hatte mir am 20. Dezember mitgeteilt: 'Ich habe die o.g. Termine (sechs Termine im ersten Halbjahr 2020 - F. Bö.) für Sie reserviert. Wie am 20.12.2019 vor Ort besprochen, sende ich Ihnen Vertrag und Rechnung Anfang Januar 2020.'
Besonders merkwürdig mutet es an, dass belletristische Werke unter ein 'Neutralitätsgebot' fallen können. Und tatsächlich ist die Lesung Uwe Tellkamps bereits über viele Medien sowie über Blogs und Plattformen des Internets angekündigt worden.

Ende November hatten wir einen Ende Oktober vereinbarten Veranstaltungsort verloren: den Piano Salon im Coselpalais neben der Frauenkirche.

Fazit: Die voreilende Unterwerfungsbereitschaft gegenüber dem Drohpotenzial 'linker' Gruppen beziehungsweise sogenannter 'Antifaschistinnen und Antifaschisten' hat – auch in Dresden – groteske Ausmaße angenommen.

Inspiration und Gelassenheit im neuen Jahr wünscht
mit unverdrossenen Grüßen
Ihr
Frank Böckelmann"

Solution

3. Januar 2020 19:39

Die Politik der USA macht letztlich alles, was Israel will: Alle potentiellen oder tatsächlichen Gegner Israels werden destabilisiert oder zerstört.

Die völkerrechtswidrige Errichtung von Groß-Israel wird aktiv unterstützt (z.B. Unterstützung der Landnahme und Verlegung der Botschaft nach Jerusalem).

Wir bekommen dafür die Flüchtlinge und den Terror.

Zahlen dürfen wir auch für Israel ("Wiedergutmachung" oder Waffenlieferungen von der Flugabwehr bis zu Atom-Ubooten).

Bei PI News ist bei einer aktuellen Umfrage die Mehrheit für den US-Mord.

Wie sagte doch Gauland unter dem Beifall der AfD-Bundestagsfraktion: Wir sind bereit, für Israel zu kämpfen und zu sterben.

Weltversteher

3. Januar 2020 19:47

Nach den Ankündigungen klang es so, als wären die Betreiber des Veranstaltungsortes grundsätzlich auf unserer Seite. Das sollte auch eine Voraussetzung sein, andernfalls man sich über den Fehlschlag doch nicht wundern muß. Der geschäftsmäßige Ton hört sich anders an. Falls dieser nur die Facade ist, wird man doch persönlich noch ein paar anständige Worte mit Begründung (und Hintergrunderkenntnissen) bekommen haben?

heinrichbrueck

3. Januar 2020 19:54

@ Niedersachse
Ihre Annahme impliziert, das nach der Umvolkung Deutschlands, sollte sie denn gelingen, was ich noch nicht glauben kann, Dänemark ein weißes Land bleiben würde. Deshalb darf Dänemark gegenwärtig auch weißer bleiben, damit das politische Ablenkungsdenken besser funktionieren möge.

RMH

3. Januar 2020 20:06

@Der Niedersachse,
Sie haben recht und deshalb habe ich auch geschrieben, dass sich die Opposition (und da gibt es derzeit parlamentarisch nur eine echte Oppositionspartei, die AfD) auf die neuen Flüchtlingswellen einstellen sollte. Die Regierung und sonstigen Parteien werden weiterhin und auch ohne Weihnachten "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" singen …

Ich hege aber den (habe dafür noch keine seriösen Beleg gefunden) Verdacht, dass die Aufnahme von sog. Flüchtlingen "unser" Bündnisbeitrag zu den kriegerischen Auseinandersetzungen ist, wenn wir schon keine Soldaten etc. entsenden.

Stefanie

3. Januar 2020 21:41

Ohne hier allzuviel raunen zu wollen: die Absagen der beiden Veranstaltungsorte könnten auch unter dem Eindrucks des Coups im Grünen Gewölbe stehen. Wenn das dortige Sicherheitskonzept von zwei entschlossenen Männern mit einer Axt überwunden werden kann, rechnen sich die Inhaber der jeweiligen Salons wahrscheinlich nicht allzuviele Chancen gegen ein Rudel Antifa aus.

Seneca

4. Januar 2020 01:20

@RMH &CO: es handelt sich um das binnen 6 Monaten an die Türkei ausgelieferte moderne S-400 und nicht um die alte Version S-300, die im letzten Jahr Russland an den Iran nach mehr als 15 Jahren vertraglicher Lieferverpflichtung ausgeliefert hat. Soviel zu der falschen Annahme „Russland/Iran“ versus „USA/Türkei“. Russland hat es vielmehr geschickt vermocht, seine Interessen in Nahost mit denen der Türkei und dem Iran zum Nachteil Israel/USA zu koordinieren. Selbst bzgl der völlig verworrenen, aber geostrategisch unbedeutenden Situation in Lybien koordinieren die Russen aktuell mit Ankara, um einen direkten Clash zu vermeiden. Der Schlag der Amerikaner gehen Soleimani&PMU ist letztlich ein Zeichen der eingetretenen Schwäche ob der verlorenen Kriege in Syrien, Yemen und Irak. Die Machtachsen haben sich in Nahost unwiderruflich zu Gunsten des heimischen Iran, der Türkei und als Zaungast Russland verschoben. Amerikaner und Israelis sind nicht in der Lage gegen den Iran eine bedeutsame Streitmacht am Boden zu stellen, die den Iran einnehmen und besiegen könnte. Kleine chirurgische Nadelstiche wie aktuell ändern das „big picture“ nicht.

Marc_Aurel

4. Januar 2020 01:24

"...sich aufgrund von Antifa-Drohbriefen dazu genötigt sah..."
In einem richtigen, funktionierenden Rechtsstaat, hätte man die Antifa und ihr artverwandte, gewaltbereite "Vereine" der extremen Linken längst zu terroristischen Organisationen erklärt, denn nichts anderes sind sie, und mit aller Härte des Gesetzes bekämpft, in der BRD hingegen werden sie nicht nur geduldet, sondern obendrein noch mit Steuergeldern gefüttert. Ich hoffe das findet irgendwann seinen Weg in die Geschichtsbücher.

"Der deutsche Konservatismus bzw. Teile der deutschen Rechten täten gut daran, ihre Atlantikbrückengläubigkeit abzulegen."
Ich verstehe gar nicht, wie man als deutscher Patriot in der heutigen Zeit überhaupt transatlantisch orientiert sein kann. Für die Eliten der US-amerikanischen Plutokratie ist die BRD wahlweise ein abhängiger Vasallenstaat, Beuteland, Hilfstruppe usw., aber niemals ein Partner auf Augenhöhe. Ein souveräner deutscher Staat mit einer entsprechend selbstbestimmten Politik ist undenkbar solange das US-Joch besteht. Die Zustände die wir heute haben, die unser Land zu erdrosseln drohen, sind zum größten Teil eine direkte Folge der US-amerikanischen (und britischen) Einflußnahme, die bis heute anhält, dass muss man doch bitte klar erkennen, was auch immer man von anderen potentiellen Bündnispartnern im globalen Spiel halten mag.

Franz Bettinger

4. Januar 2020 11:34

@Niedersachse: prima Kommentar! Danke auch für den Hinweis auf den wahren Grund der „Flüchtlings“-Ströme und für das Beispiel Dänemark. Wir dürfen nicht Merkels Lüge aka ihrem Flüchtlings-Narrativ aufsitzen.

Andreas Walter

4. Januar 2020 12:25

Erstaunlich, an wessen Sicherheit da auch jetzt ausschließlich gedacht wird, auch seitens der FDP:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article204754306/Iran-wird-mit-Vergeltungsschlaegen-antworten-Womoeglich-auch-in-unserem-Land.html

Die Gefahr für gewöhnliche deutsche Bürger als zukünftige Zielscheibe mohammedanischer Aggression und Frustration wird dagegen nicht einmal in einem Halb- oder Nebensatz erwähnt.

Für wen sitzt auch dieser Politiker dann eigentlich im Bundestag? Auf Kosten der deutschen Steuerzahler. Für die VSA, Israel und die Juden?

Nordlicht

4. Januar 2020 15:09

Zu der Bewertung des US-Iranischen Konfliktes und speziell der Tötung von General Qassem Suleimani:

Der innerhalb des iranischen Machtgefüges hoch angesiedelte General Suleimani war in seiner Hauptfunktion Terrorplaner für ausseriransiche verdeckte Operationen. Er wurde als solcher von den USA ermordet (so ist es wohl juristisch einzuordnen), nicht als staatlicher Repräsentant.

Indem das theokratische iranische Regime ausserhalb der unter zivilisierten Staaten üblichen Offiziellen Staatlichen Verbänden noch paramilitärische Einrichtungen für verdeckte Operationen betreibt, sowohl ausserhalb der Staatsgrenzen als auch auch ausserhalb der völkerrechtlich legitimierten militärischen Status, kommt diesen keine Kombattanten-Status zu. Und indem der General Terroraktionen gegen diplomatische und andere legitime Einrichtungen der USA durchgeführt hat, gibt es ein Recht auf Gegenwehr und Abwehr der Gefahr.

Damit sollen nicht die zahlreichen völkerrechtlich illegitimen Aktionen de USA verteidigt oder gar gerechtfertigt werden. Die in zahlreichen Kommentaren übliche Aufzählung früherer US-Aktionen halt ich aber für wenig sinnvoll, wenn man die gegenwärtige Lage und die Optionen erörtern will.

Der Iran (- ich unterscheide hier der Einfachheit halber nicht zwischen dem theokratischen Regime, dem Staat und dem Staatsvolk) weitet seine Macht mit militärischen und terroristischen Mitteln innerhalb der Region aus. Eine Gegenüberstellung "aggressive USA vs. friedlicher Iran", wie in dem Beitrag von Jonas Schick angedeutet, halte ich für sachlich falsch.

Die gegenwärtige US-Regierung versucht, sich aus den von den Bushs, Clinton, Obama verursachten Kalamitäten heraus zu ziehen, ohne dass dem expansionistischen Iran die ganze Region zufällt. Die USA sind nach wie vor Stützen nicht nur für Saudia Arabien und Israel, sondern auch für Jordanien, Libanon und die Golf-Staaten. Dass der Sturz Saddam Husseins wie auch die Attacke gegen Assad NICHT im geopolitischen Interesse der USA lag (- von dem europäischen Interesse ganz zu schweigen), wird heute niemand mehr bestreiten. Trump ist klüger als die Bushs und auch als Obama - aber natürlich kann er als Isolationist nicht einfach das von seinen Vorgängern verursachte Chaos liegen lassen und abhauen.

Zu Israel: Die Nebenbemerkungen zu einem "Erez Israel" und das angedeutete Bild von Expansionismus auf Kosten der armen Palästinenser finde ich falsch. Die vielen UN-Resolutionen gegen Israel halte ich für ungerecht, das Aufpäppeln der 1948 nach der Staatsgründung geflüchteten 600.000 arabischen Semiten auf mittlerweile mehr als zehnmal soviel "Palästinenser-Flüchtlinge" durch UNRWA ist ein Skandal, eine Dauerbombe in den Händen der benachbarten arabischen Staaten.

Der aggressivste Israel-Gegner ist die Iranische Regierung, und hier passen die regionalen Machtgelüste zu dem islamischen Vernichtungswillen gegenüber den Juden. Instrument der Machtexpansion und des Vernichtungswillens sind die vom General Qassem Suleimani kommandierte Quds-Einheiten, einer Division der Iranischen Revolutionsgarde (IRGC). Die deutsche Wikipedia formuliert dezent, diese werde "von den USA als terroristisch eingestuft".

Zu den Anmerkungen bzgl. Transatlantiker: Deutschland ist selbst verantwortlich für seine Aussenpolitik, dass die USA für ihre Interessen Lobbyarbeit betreiben, ist verständlich; man muss nicht darauf reinfallen. Wir haben gemeinsame und auch divergierende Interessen. Leider wurde Deutschland militärisch so geschwächt, dass wir auch machtpolitisch fast verschwunden sind.

Das wäre aussenpolitisch teilweise zu kompensieren durch geschickte diplomatische und finanzielle Initiativen, aber auch dazu fehlt dieser Regierung das konzeptionelle Denken. Was den Berlinern einfällt, ist ein möglichst schnelles Aufgehen in die EU - auf Brüssel wir ja traditionell immer gezeigt, wenn eigene Verantwortlichkeiten vertuscht werden sollen. Merkel macht das seit 14 Jahren mit Perfektion.

Das als einige spontane Antworten auf den Beitrag von Jonas Schick. Mein ausdrücklicher Dank für anregende Lektüre geht an ihn und die ganze Sezessions-Mannschaft, ferner auch Dank an die kommentierenden Leser. Sie liefern aus meiner Sicht unverzichtbare Ergänzungen.

limes

4. Januar 2020 15:11

Wenn Jonas Schick schreibt: »Der deutsche Konservatismus bzw. Teile der deutschen Rechten täten gut daran, ihre Atlantikbrückengläubigkeit abzulegen«, so meint er wahrscheinlich nicht die Anhängerschaft des elitären Netzwerks »Atlantikbrücke« im engeren Sinne, sondern allgemein den USA gegenüber grundsätzlich positiv eingestellte Deutsche.

Gewiss hat das Netzwerk der Atlantikbrücke Fäden gesponnen, um die US-amerikanische Kultur in Deutschland populär zu machen und zu erhalten. Aber ist das Ergebnis in Bausch und Bogen zu verurteilen?

Immerhin öffnete sich so ein Ventil, das es ermöglichte, Freiheit, Wehrhaftigkeit und Vaterlandsliebe zu verehren, ohne in die Gefahr geraten, als angeblicher Nazi angegriffen zu werden. Als ehemaliges Mitglied einer deutsch-amerikanischen Organisation kenne ich die Szene und habe mir schon vor geraumer Zeit über den Surrogat-Charakter der US-Verehrung Gedanken gemacht. Immerhin bieten derlei Organisationen die seltene Gelegenheit, neben den Stars and Stripes unangefochten auch die deutsche Fahne wehen zu lassen. Auf der volkstümlichen Ebene gibt es daneben zahllose Western-Clubs und dergleichen.

Allen gemeinsam ist eine uns Deutschen nur in im Zusammenhang mit US-Enthusiasmus erlaubte Symbolik der oben genannten Werte. Selbst die Identitäre Bewegung zeigt sich diesbezüglich offen, wenn sie mit einem Motiv des US-Films »Gran Torino« zum schönen Antaios-Kalender 2018 beiträgt. In Mario Müllers Werk »Kontra Kultur« ist der Film den Schlagwörtern »Haltung«, »Selbstverteidigung« und »Großer Austausch« zugeordnet. Viele Deutsche, die sich – ganz im Gegensatz zu Müller und anderen Identitären – heute noch unreflektiert zu US-amerikanischen Mythen hingezogen fühlen, sind gewiss empfänglich für konservative Narrative. Ich denke, dass ich nicht die einzige in Deutschland bin, die bereit ist, umzudenken.

Und gerade in der heutigen Welt kommt es darauf an, die Gegner unseres Volkes und anderer Völker unabhängig von ihrer Nationalität zu erkennen. Dies klingt in den bislang (Stand: 04.01.2020, 15 Uhr) zu lesenden sieben Kommentaren teilweise auch an, besonders bei @Niedersachse. In seinem Essay »Der europäische Hindernisparcours« unterscheidet Benedikt Kaiser mit Blick auf Europa »zwischen den Bedürfnissen der Völker einerseits und dem Bedürfnis des transnationalen Kapitals und seiner unterschiedlichen Sachverwalter und Mittelsmänner andererseits«. Dies gilt gewiss auch für die transatlantischen Beziehungen!

Die hegemonialen Bestrebungen der USA können nicht in Abrede gestellt werden. Doch ob die »Freude in politisch alternativen Kreisen über Trump als Tritt in den Hintern der kulturmarxistischen Medienkartelle« so kurz war, wie @RMH meint, ist noch keineswegs ausgemacht. Ein gewisser Reinhard Werner, über den ich leider nichts in Erfahrung bringen kann, schreibt aktuell für Epoch Times: »Um die Sicherheit des US-Servicepersonals und Verbündeter sicherzustellen, werden die USA Berichten zufolge nun 3000 Soldaten der 82. Airborne Division in den Nahen Osten entsenden, hauptsächlich auf Basen in Kuwait. … Die Regierung Trump will auf diese Weise sicherstellen, dass der anhaltende Rückzug der USA aus dem Nation Building im Nahen Osten nicht wieder in einem Chaos endet, von dem gefährliche Akteure profitieren.«

https://www.epochtimes.de/meinung/analyse/hadi-al-amiri-soleimani-vertrauter-drahtzieher-hinter-angriff-auf-us-botschaft-war-obama-gast-im-weissen-haus-a3116160.html

tearjerker

4. Januar 2020 16:42

„Seit der punktuellen Syrien-Bombardierung vor zwei Jahren (die die Rechten nur allzu gern und schnell vergessen haben) hat Trump keinen derartigen Bock geschossen“
Der US-Präsident manövriert in vermintem Gelände und ist im Apparat von Pentagon bis zu anderen Diensten von Feinden umgeben und zusätzlich durch eine in vielfältiger Hinsicht unterwanderte „demokratische“ Opposition bedrängt. Das ein oder andere Zuckerl muss man da schon austeilen. Die Attacke auf Syrien hat das Überleben des Staates nicht behindert und die Iraner wären gut beraten den Vorgang nicht direkt zu beantworten, sollten sie Interesse am Weiterbestehen ihres Staates haben. Die Kriegspartei sitzt aktuell nicht im Oval Office...

Phil

4. Januar 2020 17:28

Wo ist Thomas Martini, das ist SEIN Thema.
Dann vertrete ich ihn ;)
Kann man pro-amerikanische Menschen überhaupt erreichen?
Kann man pro-israelische Menschen erreichen?
Amerikas schädlicher Einfluss auf die Welt und die Funktion der NATO als Amerikas Werkzeug sind längst bekannt wie auch die komplette Rücksichtslosigkeit amerikanischer Außenpolitik, die über Leichen geht, egal, welcher Präsident.
Die deutschen Massenmedien und die deutsche Politik sind von Atlantikern durchsetzt. Ihre Loyalität gehört US-Machteliten, nicht uns, nicht den Deutschen – nützliche Idioten mögen sie in uns sehen.
Ein großes Thema. Ich empfehle Interessierten, ab und zu einen Blick auf die NachDenkSeiten zu werfen.

Niekisch

4. Januar 2020 18:17

"Die Kriegspartei sitzt aktuell nicht im Oval Office..."

@tearjerker 4.1. 16:42: Hat sie jemals dort gesessen? Saß und sitzt sie nicht immer in Räumlichkeiten, deren Decken, Wände oder Fußböden mit fünfeckigen Sternen oder gleichschenkligen Dreiecken drapiert sind? In denen Leute mit Schurz oder Käppi mauscheln ?

Fredy

4. Januar 2020 22:18

Der Niedersachse hat's begriffen. Ansonsten staune ich nur über die zunehmende Geschwindigkeit mit der alles bergab fährt. Letztes Jahr besonders schnell. Und das neue Jahr geht noch schneller los. Es macht mich krank das lesend und sehend begleiten zu müssen. Mein Vorsatz für das neue Jahr: 'Lass fahren dahin, sie haben kein Gewinn". Also: Weniger lesen, Rückzug, Sezession, Dinge sein lassen, die man selbst nicht ändern kann, mehr Einkehr halten, den Jüngeren noch was hinterlassen, und sei es nur ein kleiner intelligenter Gedanke, immer zum Abgang bereit sein, jederzeit, wir sind nur Staub, ein geruchsloser Furz in der Weltgeschichte. Der Ekel wider die Welt wird immer größer. Noch merkt mir das nach außen keiner an. Wir sind alle Schauspieler, im Endspiel um unser Land. Das Loslassen fällt jedes Jahr leichter. Kein Ding. Allenfalls möchte man gern manchen Verbrecher vorher mitnehmen. Doch: Gelassenheit. Und trotzdem traurig, aber der Gang allen Lebens.

Ratwolf

4. Januar 2020 23:02

Der Iran hat große Vorräte an Öl und anderen Rohstoffen. Das bedeutet Macht und Geld.

Diese Macht und dieses Geld sind Ziel westlicher Bemühungen unter der Führung des anglo-amerikanischen Elitensystems. Alles andere ist Beiwerk.

Wie derzeit bei Russland, Venezuela oder Bolivien geht es final um die Kontrolle von Rohstoff, Waren- und Geldströmen. North Stream 2 gehört auch in diese Kategorie.

Fällt wieder eines der Länder, wie der Irak oder Serbien, dann bekommt dieses System wieder einen neuen Schub, neue Macht und neues Geld welches im oben genannten Sinne re-investiert werden kann.

Auch die Migrationsströme, das Internet oder die vernetzten lokalen Benutzersysteme (dieser PC, Smartphone, Bezahlungssysteme, Unterhaltungssysteme, Spielsysteme, ...) sind unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten.

Es geht also nicht um "Terror".
Das ist Blablabla-Propaganda.

Beide Länder sind sich für nichts zu schade, wenn es um Terror geht. Die Ermordung eines 62 jährigen Generals seines Feindes ist an Niveau kaum noch zu unterbieten.

Der Unterschied zwischen einer Drohne und einem Selbstmordattentäter ist marginal. Die USA wissen das, und sie werden irgendwann sehen.

Wenn ein großer Schurke einen kleinen Schurken schluckt, dann gibt es in der Summe bestimmt nicht weniger Schurkentums.
Der siegreiche große Schurke wird mit erhöhten Selbstbewusstsein und vermehrten Mitteln dann weiter machen.

Auf der anderen Seite...
Was haben wir Deutschen für eine Macht in solch einem System? Sie ist minimal.

Aber es ist wichtig zu verstehen was passiert. Dann kann man sich wirklich entscheiden.

Das ist Aufklärung im Sinne Kants.

Cugel

4. Januar 2020 23:54

@Nordlicht
"Er wurde als solcher von den USA ermordet (so ist es wohl juristisch einzuordnen), nicht als staatlicher Repräsentant."

Warum leiten Sie ihren Kommentar dann mit dem Begriff "Tötung" ein? Soleimani war iranischer Staatsbürger, auf irakischem Territorium von einer dort illegal eingefallenen Macht ermordet.
Außerdem WAR Soleimani staatlicher Repräsentant des Irans.
Es ist völkerrechtlich irrelevant, wie ihn die USA und Israel bezeichnen.

"Damit sollen nicht die zahlreichen völkerrechtlich illegitimen Aktionen de USA verteidigt oder gar gerechtfertigt werden."

Ach.
Was soll das im übrigen sein, "völkerrechtlich illegitim"?
Nennen Sie als Völkerrechtsfetischist das Kind doch beim völkerrechtlichen Fachbegriff: Angriffskriege.

"Die in zahlreichen Kommentaren übliche Aufzählung früherer US-Aktionen halt ich aber für wenig sinnvoll, wenn man die gegenwärtige Lage und die Optionen erörtern will."

Sicher, gar nicht sinnvoll, Schwamm drüber, es geht ja jetzt um die Lage. Was interessieren da die Völkerrechtsbrüche von gestern, speziell die beiden Angriffskriege gegen den Irak und, vorrangig nicht zu vergessen, die Anzettelung des ersten Golfkriegs. Letzterer ganz sicher streng im Sinne einer humanitären Aktion. Zivilisiert also (s. u.).

"Indem das theokratische iranische Regime ausserhalb der unter zivilisierten Staaten üblichen Offiziellen Staatlichen Verbänden noch paramilitärische Einrichtungen für verdeckte Operationen betreibt, sowohl ausserhalb der Staatsgrenzen als auch auch ausserhalb der völkerrechtlich legitimierten militärischen Status, kommt diesen keine Kombattanten-Status zu."

Da dürfen wir aber froh sein, daß die "zivilisierten" Staaten speziell im Nahen und Mittleren Osten weder Söldner noch Proxies ins Feld schicken. Nicht auszudenken.

"Eine Gegenüberstellung "aggressive USA vs. friedlicher Iran", wie in dem Beitrag von Jonas Schick angedeutet, halte ich für sachlich falsch."

Hätten Sie die Güte, dem weniger Erleuchteten diese ominöse Andeutung Herrn Schicks zu benennen?

Zu Ihren rechtspositivistischen Verrenkungen:
Ernst Jünger hat einmal bemerkt, "...daß es zwar dem Absolutismus wohl anstehen kann, Verträge zu zerreißen, daß aber die Stärke des Liberalismus darin beruht, sie auszulegen."

Und Carl Schmitt:
"Die Legalität wird zur vergifteten Waffe, die man dem politischen Gegner in den Rücken stößt. In Bert Brechts Roman schließlich befiehlt der Gangster-Führer seinen Leuten: Die Arbeit muß legal sein. Hier endet die Legalität als Gangsterparole. Als eine Botschaft der Göttin der Vernunft hatte sie begonnen."

Liebermann zitiere ich jetzt mal nicht, den werden Sie kennen.

"Der aggressivste Israel-Gegner ist die Iranische Regierung,"

Na na, "Regierung"!
Sie lassen nach.
Oben war's noch "das theokratische iranische Regime".

"Die gegenwärtige US-Regierung versucht, sich aus den von den Bushs, Clinton, Obama verursachten Kalamitäten heraus zu ziehen, ohne dass dem expansionistischen Iran die ganze Region zufällt."

"Expansionistischer Iran" klingt schon wieder besser, ich bin beruhigt. Wie wär's trotzdem mal zur Abwechslung und zum Ausgleich mit "die expansionistischen USA unter ihrem gegenwärtigen Regime"?
Wer ist im übrigen raumfremd im Orient: Das Imperium oder der Iran?
Es geht dem imperialen Komplex nicht darum, den Iran territorial einzudämmen, sondern darum, 1) zu verhindern, daß er in den Besitz von Kernwaffen kommt und 2) ihn zu unterwerfen, wieder zum Vasallen und Werkzeug zu degradieren, zum Büttel fremder Interessen zu machen, der er unter britischer Herrschaft und später dem Schah gewesen ist. Beides geht nicht mit der gegenwärtigen iranischen Führung.

"Trump ist klüger als die Bushs und auch als Obama - aber natürlich kann er als Isolationist nicht einfach das von seinen Vorgängern verursachte Chaos liegen lassen und abhauen."

Stimmt, er kann das Chaos noch vergrößern, noch höchst zivilisiert weitere Millionen Menschen umbringen lassen, noch härter auf die Ohren bekommen und dann abhauen.

Cugel

5. Januar 2020 00:29

@Phil
Garnicht.
Sofern die transatlantischen Fanboys nicht konditionierte Schlichtmichels sind, vertreten sie handfeste Eigeninteressen. Tertium non datur.
Martini scheint den Kanal voll zu haben. Dabei hat er weitgehend offene Türen eingerannt. Schade.

Nachdenkseiten: Den anthropogenen Klimawandel und Willy Brandt als deutschen Helden lasse ich mir nicht andrehen. Ansonsten viel Wahres dort. Es gilt eben auch hier: Viele haben recht, keiner hat die ganze Wahrheit. Eklektische Zeiten.

Max

5. Januar 2020 08:27

@Nordlicht "Er wurde als solcher von den USA ermordet (so ist es wohl juristisch einzuordnen), nicht als staatlicher Repräsentant."

Das interessiert kein Schwein, nach Völkerrecht ist er staatlicher Repräsentant, und der Mord ist somit auch im Rahmen der UN legitimer Kriegsgrund.

@tearjerker "die Iraner wären gut beraten den Vorgang nicht direkt zu beantworten, sollten sie Interesse am Weiterbestehen ihres Staates haben"

Das ist in diesem Fall sekundär. Es wird Krieg geben. Wenn man das religiöse Signal, welches sie inzwischen gesetzt haben, ernst nimmt (was man, denke ich, tun sollte) bereiten sie sich auf einen totalen Krieg vor, die rote Fahne
https://deutsch.rt.com/kurzclips/96416-iran-blutrote-fahne-der-rache-an-heiligem-ort-des-schiitischen-islam/ bedeutet, dass ein totaler, heiliger Krieg bevorsteht, dieses Symbol wurde nicht mal im Krieg gegen den Iraq verwendet, der war dazu zu unwesentlich.

tearjerker

5. Januar 2020 12:17

„Es wird Krieg geben.“
Möglich, aber eher unwahrscheinlich. Die Amerikaner haben gezeigt, dass sie mit ihren Verbündeten vor Ort jedes Ziel direkt erreichen können. Das wirkt. Dazu kommt, dass die aktuelle US-Administration sich von der Rumsfeld-Cebrowski-Strategie, die auf die Zerstörung der staatlichen Strukturen des nicht globalisierten Teils der Welt abzielt, vorerst verabschiedet hat. Solange das so bleibt, erhöhen sich die Spielräume aller anderen Parteien, was die Iraner wohl erst zu der dummen Aktion vor der US-Botschaft in Bagdad motivierte. Die NYT hat übrigens den Angriff auf den General als hypothetische Aktion einen Tag vor dem Ereignis beschrieben. Die Jungs in dem 5-eckigen Gebäude tun wirklich alles um ihre Truppen in Bewegung zu setzen, ob das reicht?

Martin Heinrich

5. Januar 2020 12:52

"Blutrote Fahne", "Mutter aller Schlachten", ... das ist doch der übliche Theaterdonner aus 1001 Nacht. Neben den geostrategischen Großmächten brauchen die ReGIERungen und Warlords des nahen Ostens den ständigen Krieg als Existenzgrundlage. Was wäre denn, wenn im nahen Osten Frieden herrschte?
Kein Dschihad, kein "Allah-Akbar"-Geschrei, kein AK-47-Geknatter, kein ständiger Alarmismus, kein Grund nach kriegsbedingten Hilfsgeldern und -lieferungen zu schreien, keine UNO-Vollversammlungen ... Stattdessen: Ruhe. Und acht Stunden am Tag, fünf bis sechs Tage jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr einfach nur angestrengt arbeiten. Kein Posen als Macho und Kriegsheld, keine Aufmärsche, keine Fahnen, keine Paraden. Einfach nur arbeiten. Dann ginge es da unten auch vorwärts. Das wäre solide, aber irgendwie auch stinklangweilig. Dann doch lieber die "blutrote Fahne" ...

Lotta Vorbeck

5. Januar 2020 14:32

@Ratwolf - 4. Januar 2020 - 11:02 PM

"Der Iran hat große Vorräte an Öl und anderen Rohstoffen. Das bedeutet Macht und Geld.

Diese Macht und dieses Geld sind Ziel westlicher Bemühungen unter der Führung des anglo-amerikanischen Elitensystems. Alles andere ist Beiwerk.

...

Aber es ist wichtig zu verstehen was passiert. ..."

_________________________

Der Iran grenzt an an

+ den Irak
+ die Türkei
+ Aserbaidschan
+ Armenien
+ Turkmenien
+ Afghanistan
+ Pakistan

Bis Dezember 1991 gab es zwei Anrainerstaaten entlang der Küsten des Kaspischen Meeres, nämlich den Iran und die UdSSR.

Nunmehr heißen die Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres:

+ Iran
+ Aserbaidschan
+ Russland
+ Kasachstan
+ Turkmenien

Das eigentliche Ziel der nordatlantischen Kriegskoaltionäre ist seit über 100 Jahren Russland.

Mit Ausnahme des Irans und Armeniens stehen sämtliche zuvor genannten Länder bereits unter Kontrolle der NATO.

Das mit Russland verbündete, christlich geprägte Binnenland Armenien hat keine gemeinsame Grenze mit Russland.

Fällt der Iran, steht die NATO nicht nur im Osten direkt im Vorgarten Russlands.

Cugel

5. Januar 2020 14:36

Die Iraner sind Meister der asymmetrischen Kriegführung. Iranische Hauruckaktionen wird es deshalb auch unter blutroter Fahne nicht geben. Die Iraner werden alles tun, einen offenen Krieg zu vermeiden. Sie werden jetzt die Gelegenheit zu nutzen versuchen, die USA durch Anheizen des Widerstands aus dem Irak hinauszuwerfen. Es wird für die weitere Entwicklung entscheidend sein, ob ihnen das gelingt, was nicht zuletzt davon abhängt, ob sie die ehemaligen Baathisten zur Kooperation bewegen können. Dann würden sich die Amerikaner auch aus Syrien verpissen müssen. Die USA wissen, daß sie das hinauszögern, aber nicht verhindern können, auch nicht mit einem offenen Krieg gegen den Iran, den sie nicht riskieren werden. Anders Israel, das sich dann gezwungen sehen wird, die Kastanien selbst aus dem Feuer zu holen. Mit konventionellen Mitteln wird das nicht gehen, die Optionen sind erschöpft.

limes

5. Januar 2020 16:19

@phil
Kann man anti-amerikanische Menschen überhaupt erreichen?
Kann man anti-israelische Menschen erreichen?

Sowohl auf Ihre Fragen als auch auf meine Gegenfragen lautet die Antwort: nein. Denn wer in solch schlichtem schwarz-weiß-Denken gefangen ist, kann durch sachliche und differenzierende Argumente nicht erreicht werden. Bitte beachten Sie dazu die Argumentation im fünften Absatz meines Kommentars von gestern und speziell das Zitat aus dem hervorragenden Essay von Benedikt Kaiser.

Es ist alles andere als egal, wer in einem Staat über die Macht verfügt. Ihrer Ansicht, dass die Loyalität der deutschen Massenmedien und der deutschen Regierung »nicht uns, nicht den Deutschen« gehört, sondern vorwiegend in den USA zu verortenden Machteliten, stimme ich zu. Aber bitte setzen Sie nicht die USA mit US-Machteliten gleich! Das wäre sogar noch ungerechter, als Deutschland mit seinen Machteliten gleichzusetzen. Immerhin haben es nämlich die US-Amerikaner geschafft, einen Präsidenten zu wählen, der gegen die geballte Macht der Eliten angetreten ist; gegen die Macht jener Eliten, die ihn vom ersten Tage seiner Präsidentschaft an wegputschen wollen – eine Tatsache, die Donald Trump unzweifelhaft adelt.

Trump ist hart, und er verbirgt seine strategische Klugheit geschickt hinter der Fassade eines großmäuligen Volkstribunen. Wenn er das Leitbild seiner Präsidentschaft mit dem Satz »America first« benennt, dann ist er auf jeden Fall ehrlicher als seine Vorgänger, die Übergriffe im Interesse der Eliten als humanitäre Interventionen zu tarnen pflegten.

»America first« lässt jedoch auch hoffen, dass Trump die imperialistischen Interventionen beenden will. Man darf dabei aber nicht außer Acht lassen, was @tearjerker in seinem Kommentar vom 04. Januar, 16.42 Uhr, zu bedenken gibt: »Der US-Präsident manövriert in vermintem Gelände und ist im Apparat von Pentagon bis zu anderen Diensten von Feinden umgeben und zusätzlich durch eine in vielfältiger Hinsicht unterwanderte „demokratische“ Opposition bedrängt.«

Und man muss verstehen, dass »America First« eine ehrliche Ansage zum Verhältnis mit anderen Staaten ist. Trump gibt sich entschlossen, vor allem anderen die Interessen der Amerikaner zu vertreten, die ihm die Macht verliehen haben. Wie gerne hätte ich anstelle von Frau Merkel und Konsorten einen solchen Mann im deutschen Kanzleramt!

Und wie gut, dass es bei der AfD eine Anzahl von Politikern gibt, von denen erwartet werden kann, dass »Deutschland zuerst« ihre Maxime ist, und die eines schönen Tages auch den USA gegenüber unsere deutschen Interessen nachvollziehbar vertreten werden. Die politische Wende müssen wir aber erst mal hinlegen – möglichst aus eigener Kraft!

Niekisch

5. Januar 2020 17:52

"Wie gerne hätte ich anstelle von Frau Merkel und Konsorten einen solchen Mann im deutschen Kanzleramt!"

@limes 5.1. 16:19: Das würde gerade die gescheitelte Ente niemals zulassen.

Ratwolf

5. Januar 2020 22:04

Bei all den Details

Es sind schon unglaubliche Zeiten, in denen wird leben: Es ist in Deutschland nicht möglich, dass ein sehr bekannter Schrifftsteller wie Uwe Tellkamp eine Lesung mit Klavierbegleitung halten kann, weil es einen linken Untergrund gibt, welcher mit Anschlägen droht.

Und die Regierungen in Land und Bund sind nicht gewillt, diese Situation zu ändern.

Ich würde jeden Tag AfD (oder notfalls FDP) wählen, damit wieder ein frischer Wind der Freiheit durch dieses Land weht.

Laurenz

6. Januar 2020 01:59

@die über Geo-Strategie debattierenden Mitforisten, vornehmlich RMH.

Ihre Sicht der Dinge ist wenig von Recherche geprägt. Seit diesem Zwischenfall, https://de.wikipedia.org/wiki/Ship-to-Gaza-Zwischenfall ... sind die türkisch-israelischen Beziehungen getrübt. An sich mögen rechte Staatschefs, wie Putin und Erdogan Israel. Aber Erdogan sieht 1. Israel als türkisches Staatsgebiet an, 2. unterstützt er die sunnitische Welt, mit der Israel sich zwar geeinigt hat, die aber unberechenbar bleibt. 3. ist es die Person Erdogans, die im gesamten Westen ungeliebt ist. Erdogan schickt die kemalistischen säkularen Kumpels des Westens in den Bau. Und Assad ist weniger gefährlich für Israel/die gesamte Region als Erdogan. Erdogan weiß, daß er ungeliebt im Westen ist, und hat sich daher den Russen zugewandt, dem absoluten historischen Erbfeind. Erdogan ist quasi international isoliert, und wird es auf Dauer nicht verhindern können, weiteres türkisches Territorium zB an Kurden zu verlieren. Denn eines muß doch klar sein, die orthodoxe Welt wird nicht ruhen, bis Istanbul wieder Byzanz heißt, was der Westen natürlich verhindern will. Am geschicktesten agieren die Russen in diesem Konflikt. Militärisch sind sie vor Ort die strategischen Herrscher (im Kaspischen Meer fahren keine NATO-U-Boote und kleine russische Korvetten sind schwer zu treffen). Und gegen den Willen der Russen kann Trump dort keinen echten Krieg führen. Die russischen Zweckbündnisse basieren auf territorialer Teilung und Schwächung der Protagonisten. Assad, als treuer Vasall der Russen, verneinte nicht nur eine Katar'sche Gaspipeline (Planung veröffentlicht 2001), sondern auch eine iranische. Die Russen wollen natürlich überhaupt keine Gas-Pipeline aus dem Persischen Golf nach Westen, und die USA wollen auf jeden Fall eine und sind gescheitert, was Trump als erster Amerikaner auch erkannt hatte.
Was Trump und Israel angeht, so hat Trump, als Rechter, sehr wohl verstanden, daß er nicht ohne Freunde auskommt. Und natürlich ist er ein Freund Israels. Die us amerikanischen Diaspora-Juden sind meist bei den Demokraten, wie zB Bernie Sanders oder Mike Bloomberg. Daß Israel nichts anderes einfällt, als die Liquidierung eines intellektuell überlegenen Gegners zu fordern, zeigt das Israel schon lange nicht mehr das ist, was es mal war und ist wohl dem mosaischen Größenwahn als Reminiszenz an die guten alten Golda-Meir-Zeiten geschuldet. Aber das wird am Sieg der Schiiten zur Bewahrung des Halbmonds nichts ändern. Nur eine Konsens-Politik mit der Teheraner Junta wird die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, hervorgerufen nicht nur durch Sanktionen und Embargos, sondern maßgeblich dem islamischen Sozialismus, im Iran zu Veränderungen führen. Irgendwo wird halt wieder irgendein us amerikanischer Botschafter sterben, aber das sind im Prinzip alles politische Kindereien.

Lotta Vorbeck

6. Januar 2020 02:55

@Ratwolf - 5. Januar 2020 - 10:04 PM

"... Ich würde jeden Tag AfD (oder notfalls FDP) wählen, damit wieder ein frischer Wind der Freiheit durch dieses Land weht."

_________________________________

Nunja, "Frischer Wind der Freiheit" und "FDP" sind zwei Dinge, die vornehm-zurückhaltend formuliert, einander ausschließen.

Phil

6. Januar 2020 15:35

Limes, "Aber bitte setzen Sie nicht die USA mit US-Machteliten gleich!"
Das habe ich nirgendwo getan. Ich habe nichts gegen Amerika und amerikanische Bürger.
Ich schätze manche ihrer Künstler, von E.A. Poe bis David Lynch; wenn es um Musik geht, sind die USA sogar meine Nr. 1.
Ich sehe in den USA auch prinzipiell ein Vorbild der Meinungsfreiheit. Ironischerweise haben wir ihnen aber auch die schädliche "political correctness" zu verdanken (inkl. der Propagierung von "Vielfalt" (diversity) und Rassenmischung, ein Konzept, das vielleicht sinnvoll für den "Schmelztiegel" USA erscheinen mag (um die amerik. Nation zu einen), aber nicht auf uns übertragen werden sollte).
Außerdem erinnern mich, um noch eine positive Sache zu nennen, Organisationstalent und die Fähigkeit der Amerikaner, alles auf Effektivität zu trimmen, an uns (Deutsche). (Es ist auch viel deutsches Blut in den Staaten).

Thema Trump: Mir scheint, ein Großteil der Eliten ist sauer, aufs falsche Pferd gesetzt und umsonst viel Geld in Clinton gepumpt zu haben.
Ein paar wenige haben auf Trump gebaut, z.B. der Zionist, der sich quasi die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem gekauft hat (Sheldon Adelson).
Wer Präsident ist, ist im Grunde egal (Stichwort "deep state"), das hat auch Snowden gesagt.
Ich mache zwar beim globalen Mobbing gegen Trump nicht mit, und hatte leise Hoffnungen vor seiner Wahl, aber kann Ihre Einschätzung nicht teilen. Auch wenn manches, was er sagt(e), gut klingt: Ich halte Trump weder für hart noch für klug.
Präsident Trump ist im Grunde das erfolgreiche Produkt von Steve Bannon, der im Gegensatz zur arroganten Clinton und ihren Beratern ein Gespür für den "kleinen Mann" hatte.

Mir gefiel einst das schneidige Auftreten von zu Guttenberg. Man projiziert halt Hoffnungen in eine Person, wenn sie gewisse Bilder liefert, die anders und erfrischend sind. Sie spricht ein Bedürfnis an, und man macht sich eine Zeitlang selbst etwas vor.

PS.: Demokraten und moderate Republikaner sind tendenziell noch heuchlerischer als erzkonservative Republikaner, da ist mir letzteres auch lieber: zu sehen, woran man ist, ohne hinter die Fassade schauen zu müssen.

Laurenz

6. Januar 2020 19:28

@Phil ... stimme Ihrem Beitrag weitestgehend zu. Trump wurde selbst, wie seine Befürworter auf das Machbare gestutzt, was ihm wohl vorher nicht ganz klar war. Trotz dieser aktuellen persischen Eskapade, das kann man den ganzen europäischen links-liberalen Scheißern nicht oft genug unter die Nase reiben, ist Trump einer der friedlichsten Präsidenten der USA in deren 240jähriger Geschichte. Die Mär' vom unberechenbaren und gefährlichen Trump ist etwas für die Blöden dieser Welt. Gerade die Liebhaber von SiN sollten sich dessen klar sein.

Was die links-liberal versiffte Welt, zu der auch unsere Berliner Junta gehört, am meisten an Trump, Orban & Co. schockiert, ist, daß diese sogenannten Populisten das tun, was sie vor ihrer Wahl versprochen haben, im politischen Berlin und DC völlig undenkbar.

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