Das war die 20. Winterakademie des IfS

Ein Konzeptwechsel; wie gewohnt ausgebucht; drei Tage im Zeichen der Lektüre. Unser Bericht zur Winterakademie des IfS. 

Die 20. Win­ter­aka­de­mie des Insti­tuts für Staats­po­li­tik bedeu­te­te einen Schnitt: »kei­ne AfD-Pro­mi­nenz, also kei­ne Dau­er­schlei­fe inmit­ten der rech­ten Gesell­schaft des Spek­ta­kels, son­dern Grund­la­gen­ar­beit, Sub­stanz« (Sezes­si­on-Chef­re­dak­teur und IfS-Mit­grün­der Götz Kubit­schek schil­dert hier sei­ne Ein­drü­cke). Rück­be­sin­nung auf das Wesent­li­che und geis­ti­ge Kärr­ner­ar­beit bestimm­ten das Pro­gramm, das sich an der Grund­the­ma­tik »Lesen« ori­en­tier­te, und leg­ten das Fun­da­ment für eine Ver­an­stal­tung, die der Selbst­be­zeich­nung »Aka­de­mie« voll­auf gerecht wurde.

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Der Frei­tag­nach­mit­tag

Etwas AfD hat­te die Aka­de­mie dann gleich zu Anfang doch zu bie­ten: Björn Höcke eröff­ne­te das Wochen­en­de mit einem spon­ta­nen Gast­auf­tritt. Dabei zitier­te er im Hin­blick auf die Bedeu­tung der Aka­de­mien aus Gerd-Klaus Kal­ten­brun­ners Klas­si­ker »Eli­te – Erzie­hung für den Ernst­fall« und gab den Teil­neh­mern die Devi­se des Tagungs­wo­chen­en­des mit auf den Weg: Lesen, lesen und noch­mal lesen.

Dar­auf­hin über­nahm IfS-Lei­ter Dr. Erik Leh­nert das Wort und hol­te mit einem Bezug auf Ray Brad­bu­rys »Fah­ren­heit 451« zur gewohn­ten Ein­füh­rung in die Aka­de­mie aus. In die­sem Kon­text zeich­ne­te er die Affä­re um Pedro Baños Buch »So beherrscht man die Welt: Die gehei­men Geo­stra­te­gien der Welt­po­li­tik« nach, um die Mecha­nis­men des »sanf­ten Bücher­ver­bots« zu ver­deut­li­chen. Obwohl wir uns noch im rela­tiv athe­ma­ti­schen Vor­trags­block befan­den, sprach Leh­nert gleich meh­re­re Lek­tü­re­emp­feh­lun­gen aus – Umber­to Ecos »Der Name der Rose« und »Der Brief­wech­sel« Rein­hart Kosel­lecks und Carl Schmitts; was Leh­nert zum Anlaß nahm, Brief­wech­sel gene­rell als wah­re Fund­gru­ben der Lese­emp­feh­lun­gen her­aus­zu­strei­chen –, wor­aus der auf­merk­sa­me Zuhö­rer die enor­me, auf ihn zukom­men­de Lek­türe­dich­te der nächs­ten Tage anti­zi­pie­ren konnte. 

Fol­gend oblag es Dr. Dušan Dosta­nic – ser­bi­scher Poli­tik­wis­sen­schaft­ler, Carl Schmitt-Spe­zia­list aus Bel­grad und wie­der­keh­ren­der Aka­de­mie-Refe­rent – mit dem ers­ten the­men­be­zo­ge­nen Vor­trag unter dem Titel »Roman­tik als Kor­sett« den eigent­li­chen lek­tü­re­ge­tränk­ten Start­punkt zu set­zen. Er führ­te in die deut­sche Eigen­art der Roman­tik ein und beton­te die signi­fi­kan­te Bedeu­tung die­ser Kul­tur­epo­che mit ihren zen­tra­len Merk­ma­len des Irra­tio­na­lis­mus und zykli­schen Geschichts­den­ken wider ein linea­res Fort­schritts­den­kens für das deut­sche Wesen. Von Anfang bis Ende war der Vor­trag gespickt mit dezen­ten Lite­ra­tur­hin­wei­sen zur Roman­tik: Fried­rich Schle­gel, Nova­lis, Joseph Gör­res, Hein­rich von Kleist etc. – Dosta­nic hob ins­be­son­de­re den katho­li­schen Geist inner­halb der Roman­tik hervor.

Nach die­sem gelun­ge­nen Grund­la­gen­re­fe­rat über­nahm erneut Dr. Erik Leh­nert das Mikro­fon und sezier­te im letz­ten Vor­tag für den Frei­tag, »Geschichts­den­ker«, die Unzu­läng­lich­kei­ten der Geschichts­phi­lo­so­phie, mit der die Rech­te tra­di­tio­nell hadert. In Bezug auf ihre eige­nen Geschichts­theo­re­ti­ker spricht sie daher meist von »Geschichts­den­kern«. Ein wesent­li­cher Vor­be­halt der Rech­ten: Die Geschichts­phi­lo­so­phie fun­gie­re als »wis­sen­schaft­li­ches« Gefäß für die Fort­schritts­ideo­lo­gie. Spe­zi­ell Carl Schmitt stand ihr äußerst skep­tisch gegen­über – ihn als Anker­punkt der Kri­tik an der Geschichts­phi­lo­so­phie neh­mend, stell­te Leh­nert drei Schü­ler des Plet­ten­ber­ger Meis­ter­den­kers vor, die sei­ne Ableh­nung gegen­über der Fach­rioch­tung mit eige­nen Arbei­ten wei­ter fun­dier­ten: Han­no Kes­ting, Rein­hart Kosel­leck und Armin Mohler.

Von Kes­ting emp­fahl Leh­nert »Geschichts­phi­lo­so­phie und Welt­bür­ger­krieg. Deu­tun­gen der Geschich­te von der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on bis zum Ost-West-Kon­flikt«, von Kosel­leck »Kri­tik und Kri­se. Eine Stu­die zur Patho­ge­ne­se der bür­ger­li­chen Welt« als auch den oben schon erwähn­ten Brief­wech­sel-Band mit Carl Schmitt und von Armin Moh­ler – der so weit ging, die Geschichts­phi­lo­so­phie als nicht­exis­tent zu dekla­rie­ren – den Klas­si­ker »Die kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on in Deutsch­land von 1918–1932«. Im Mit­tel­teil sei­nes Refe­rats ging er auf das Dilem­ma Oswald Speng­lers ein, zwi­schen rech­ter Beto­nung der Tat und der Erkennt­nis von Gesetz­mä­ßig­kei­ten in der Geschich­te zu oszil­lie­ren. Indes gehört Speng­lers monu­men­ta­les »Der Unter­gang des Abend­lan­des« unum­stöß­lich zum kon­ser­va­ti­ven Lek­tü­re­ka­non, in das jeder min­des­tens einen Blick gewor­fen haben sollte.

Am Ende sei­nes Vor­trags ver­wies Leh­nert noch auf Rolf Peter Sie­fer­les »Epo­chen­wech­sel« als einer Besich­ti­gung des Schlacht­felds der Geschich­te, das ein Pan­ora­ma der gegen­wär­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen (1994) aus­brei­tet. Zur Lek­tü­re emp­fahl er spe­zi­ell das Schluß­ka­pi­tel über die Gren­zen des Uni­ver­sa­lis­mus, in dem die Front zwi­schen Par­ti­ku­la­ris­ten und huma­ni­tä­ren Uni­ver­sa­lis­ten prä­zi­se ana­ly­siert wird. Leh­nerts Vor­trag kön­nen Sie hier lau­schen (wei­te­re Vor­trä­ge der Aka­de­mie wer­den suk­zes­si­ve auf unse­rem You­Tube-Kanal veröffentlicht):

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Der gan­ze Samstag

Den Auf­takt für den Aka­de­mie­sams­tag mach­te mit einem Vor­trag über »Lin­ke Lek­tü­ren« Sezes­si­on-Redak­teur Bene­dikt Kai­ser.

Lin­ke Lek­tü­re für undog­ma­ti­sche, auf­ge­schlos­se­ne Rech­te, so lei­te­te er ein, kön­ne im schlech­ten Fall zu ande­ren Ergeb­nis­sen füh­ren als zur Inte­gra­ti­on adap­ti­ons­fä­hi­ger Gedan­ken des poli­ti­schen Geg­ners in das eige­ne Welt­bild. Bei Hen­ning Eich­berg etwa sorg­te es für den suk­zes­si­ven Über­gang in das ande­re poli­ti­sche Lager. Daher skiz­zier­te Kai­ser – bei im Lau­fe des Vor­trags ver­deut­lich­ten Schnitt­men­gen – zunächst ent­schei­den­de und blei­ben­de Dif­fe­ren­zen mit der lin­ken famil­le spi­ri­tu­el­le.

Deut­lich wur­de, daß ein »neu­rech­ter« Streif­zug durch lin­ke Lite­ra­tur das Pri­märz­iel »Ler­nen« umfaßt. Lin­ke Lek­tü­re, ver­an­schau­lich­te Kai­ser, dient nicht der theo­re­ti­schen Selbst­un­ter­hal­tung, son­dern lang­fris­tig dazu, Rea­li­tä­ten zu ver­än­dern, die aber erst sub­stan­ti­ell ver­stan­den und durch­blickt wer­den müs­sen. Hier kön­nen ganz bestimm­te lin­ke Ana­ly­sen und ganz bestimm­te lin­ke Den­ker – Kai­ser schick­te eine aktu­el­le, bei­spiel­haf­te Elf auf den Platz – hilf­reich sein.

Den jun­gen und zum Teil sehr jun­gen Teil­neh­mern gab der Ken­ner der deut­schen und euro­päi­schen Lin­ken in all ihren bis­wei­len bizar­ren Ver­äs­te­lun­gen auf den Weg, daß eine ler­nen­de Lek­tü­re nicht gleich­zu­set­zen ist mit einer nach­ah­men­den Lek­tü­re im Sin­ne einer kri­tik­lo­sen Über­nah­me oder Selbstan­pas­sung an lin­ke Grund­über­zeu­gun­gen und Stand­punk­te. Die­sen schma­len Grat ent­wi­ckel­te er in sei­nem kapla­ken-Band Blick nach links, den jeder zwin­gend lesen soll­te, der sich – gleich wel­cher rech­ter Denk­strö­mung ange­hö­rig – ansatz­wei­se auch für eine kri­ti­sche, aber kon­struk­ti­ve Schau lin­ker Theo­rie und Pra­xis interessiert.

Als nächs­tes gab sich Sezes­si­on-Autor Mar­tin Licht­mesz mit einem kurz­fris­tig abge­än­der­ten Vor­trags­the­ma die Ehre: Aus »Rech­te Klas­si­ker« wur­de »Armin Moh­lers Lek­tü­ren«. Hier­bei stell­te er die Ein­gangs­fra­ge »Wir wird man rechts?« und reflek­tier­te dies­be­züg­lich über sei­ne eige­ne Initia­ti­on ent­lang der Lek­tü­re von Moh­lers »Die Libe­ra­len­be­schimp­fung«. Die prä­gen­de Lite­ra­tur des jun­gen Moh­ler waren Jün­gers »Das Aben­teu­er­li­che Herz« und »Der Arbeiter«.

Die Beschrei­bung Moh­lers als »Bücher­fres­ser«, als gera­de­zu maß­lo­ser Leser ließ Licht­mesz anhand der Scri­bi­fax-Kolum­ne Moh­lers in der Zeit­schrift Cri­ti­con (geis­ti­ger Vor­läu­fer der Sezes­si­on) greif­bar wer­den. Moh­ler emp­fand den »gro­ßen Roman« als Gegen­gift zur Herr­schaft der Abs­trak­ti­on. Sol­che welt­erschlie­ßen­de Bel­le­tris­tik erblick­te Moh­ler in Hei­mi­to von Dode­rers »Die Dämo­nen« und »Die Strudl­hof­s­trie­ge« als auch in Eck­hard Hen­scheids »Maria Schnee – Eine Idylle«.

Was einen welt­erschlie­ßen­den Roman kenn­zeich­net: die Viel­falt an Ein­drü­cken, die Dar­stel­lung der Men­schen; kurz und knapp, die nicht gänz­lich in Wor­te zu fas­sen­de Dich­te eines Romans. Abschlie­ßend hob Licht­mesz Moh­lers Schwer­punkt der »Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung« her­vor, also die Gän­ge­lung der Deut­schen qua ihrer »Erb­schuld Holo­caust«. Dies­be­züg­lich kann »Der Nasen­ring. Im Dickicht der Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung« als exem­pla­risch gelten.

Den letz­ten Vor­trag des Abends hielt der Theo­lo­ge und Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Prof. Felix Dirsch zum »Abend­län­di­schen Den­ken – Katho­li­sche Abend­land­in­ter­pre­ta­tio­nen des 20. Jahr­hun­derts«. Ihm war es haupt­säch­lich dar­an gele­gen, den Stu­den­ten den Kanon katho­li­scher abend­län­di­scher Den­ker näher zu brin­gen. Dies voll­führ­te er zual­ler­erst über eine Auf­la­dung des Abend­land­be­griffs als Iden­ti­täts­mar­ker im tra­di­tio­na­lis­ti­schen, katho­li­schen Sin­ne und rück­te die damit ver­bun­de­ne weh­mü­ti­ge Retro­spek­ti­ve man­cher Autoren wie Nova­lis in den Fokus.

Für das 20. Jahr­hun­dert iden­ti­fi­zier­te Dirsch die ein­fluß­rei­che »Abend­län­di­sche Bewe­gung« als ent­schei­den­den Trä­ger katho­li­scher Abend­land­kon­zep­tio­nen, die jedoch Mit­te der 1950er Jah­re ihren Zenit über­schritt und in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit ver­sank. Die stän­di­ge Fra­ge, die die abend­län­di­sche Debat­te beglei­tet: »Wie­viel Ori­ent steckt im Okzi­dent?« Nach die­ser Ein­lei­tung rich­te­te er den Blick auf zwei Schrif­ten, die für das abend­län­di­sche Den­ken uner­läß­lich waren: Theo­dor Haeckers »Ver­gil, Vater des Abend­lan­des« und Her­mann Brochs »Der Tod des Ver­gil«. Wobei Haecker den abend­län­di­schen Gedan­ken mehr als Broch ver­kör­pe­re. Laut Dirsch setzt jeg­li­ches (katho­li­sches) Reichs­den­ken im Grun­de bei Ver­gil an.

Von die­ser Basis aus mach­te Dirsch im katho­li­schen Abend­land­den­ken einen grund­le­gen­den Kul­tur­pes­si­mis­mus aus, der alle Theo­re­ti­ker die­ser Schu­le ver­ei­ne und hob dies­be­züg­lich Roma­no Guar­di­nis »Das Ende der Neu­zeit« her­vor, das er aus­drück­lich zur Lek­tü­re emp­fahl. Für den katho­li­schen Pes­si­mis­mus begin­ne die Epo­che des Zer­falls bereits mit der Refor­ma­ti­on, spä­tes­tens mit der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on, so Dirsch.

Ein Aspekt, der auch bei dem von Dirsch ange­führ­ten Paul Lud­wig Lands­berg, »Die Welt des Mit­tel­al­ters und wir« aber auch bei dem Kunst­his­to­ri­ker Hans Sedl­may­er, »Der Ver­lust der Mit­te«, durch­scheint. Dar­über hin­aus erwähn­te er noch den eher unbe­kann­ten eng­li­schen Scho­laren Chris­to­pher Daw­son » The Making of Euro­pe: An Intro­duc­tion to the Histo­ry of Euro­pean Unity«, um dann mit dem katho­li­schen His­to­ri­ker Hil­ai­re Bel­loc, »Die gro­ßen Häre­si­en«, zum Schluß zu kommen.

Wie es sich für eine gute Aka­de­mie gehört, klang der Sams­tag­abend nach Dirschs Vor­trag mit einem reich­hal­ti­gen Abend­brot gefolgt von gesel­li­gen Gesprächs­run­den aus.

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Der Sonn­tag­vor­mit­tag

Der letz­te Aka­de­mietag soll­te noch zwei Höhe­punk­te des Wochen­en­des bereit­hal­ten: Dr. Dr. Thor von Wald­steins Vor­trag zu »Staat, Volk, Nati­on« und Götz Kubit­scheks Refle­xio­nen zur »Inne­ren Emi­gra­ti­on heute«.

Von Wald­stein begann und mach­te sei­ne Lek­tü­re­be­sich­ti­gung an ihrer Behand­lung des »Vol­kes« fest. Drei deut­sche Sozio­lo­gen unter­zog er dabei einer Tie­fen­be­trach­tung: Max Weber, Wer­ner Som­bart und Hans Frey­er (Som­bart und Frey­ers Den­ken und Leben wer­den in Rolf Peter Sie­fer­les »Die kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on. Fünf bio­gra­phi­sche Skiz­zen« ein­ge­hend beschrie­ben). Weber, die­sem Aus­nah­me­theo­re­ti­ker, wid­me­te Wald­stein eine aus­gie­bi­ge Schil­de­rung sei­nes Lebens­laufs, die in einer Dar­le­gung Webers Kon­zep­ti­on von Volk und Nati­on mündete.

Auf der einen Sei­te stand Wald­stein zufol­ge der Sozio­lo­ge, der die­se bei­den Grö­ßen so objek­tiv wie mög­lich betrach­te­te, auf der ande­ren der poli­ti­sche, natio­na­lis­ti­sche Kom­men­ta­tor, der an der Kon­zept­lo­sig­keit des wil­hel­mi­ni­schen Kai­ser­reichs litt. Der theo­re­ti­sche Weber defi­niert eth­ni­sche Grup­pen anhand gemein­sa­mer Spra­che, gemein­sam prak­ti­zier­ter Reli­gi­on und gemein­sa­mer Abstam­mung (jedoch zur Begrün­dung nicht ausreichend).

Der poli­ti­sche Weber wen­det sich indes gegen die Vor­stel­lung, daß der Staat als indis­pensable Vor­aus­set­zung der Nati­on fun­gie­re – für ihn ver­leiht der Staat der Nati­on ledig­lich den Rah­men. Wald­stein emp­fahl ins­be­son­de­re Webers »Wirt­schaft und Gesell­schaft« sowie »Die pro­tes­tan­ti­sche Ethik und der Geist des Kapi­ta­lis­mus«. All­ge­mein sei­en einem alle Schrif­ten die­ses her­aus­ra­gen­den Sozio­lo­gen ans Herz gelegt.

Im Anschluß ging Wald­stein auf Wer­ner Som­bart ein, der trotz ehe­ma­li­ger Popu­la­ri­tät heu­te in Ver­ges­sen­heit gera­ten ist. Drei Bücher des Sozio­lo­gen sind laut Wald­stein essen­ti­ell: »Händ­ler und Hel­den«, »Deut­scher Sozia­lis­mus« sowie »Vom Men­schen«

Der­weil lei­te­te Wald­stein zu Som­barts Volks­be­grif­fen über, von denen es bei ihm einen staat­li­chen und eth­ni­schen gibt. Som­bart sieht im »Volk« ein semi-per­me­ab­les Gebil­de, von dem sich Bestän­de ab- und ankris­tal­li­sie­ren. Fer­ner beton­te Wald­stein die Erkennt­nis des Erms­le­be­ner Sozio­lo­gen, daß der Staat mehr als die Aggre­ga­ti­on der ein­zel­nen Indi­vi­du­en verkörpere.

Der letz­te im Bun­de des sozio­lo­gi­schen Tri­um­vi­rats, den Wald­stein den inter­es­sier­ten Stu­den­ten vor­stell­te, war der vie­len wohl gänz­lich unbe­kann­te Hans Frey­er. Wie Weber stand Frey­er dem mate­ria­lis­ti­schen Zeit­geist des aus­ge­hen­den Kai­ser­reichs expli­zit kri­tisch gegen­über. Im Beson­de­ren beton­te Wald­stein Frey­ers drei­fa­che Stu­fen­fol­ge der Volks­wer­dung als geschicht­li­cher Auf­ga­be: An ers­ter Stel­le steht der Weg des Selbst­be­wußt­seins; dar­auf folgt der Weg der For­mung und mit dem Weg der poli­ti­schen Gestal­tung ist die Gene­se des »Volks« vollendet.

Das Pro­blem bei Frey­er: Bis auf das im Karo­lin­ger Ver­lag erschie­ne­ne »Die poli­ti­sche Insel« sind sei­ne Arbei­ten nur noch anti­qua­risch erhält­lich, teils zu hor­ren­den Prei­sen. Nichts­des­to­trotz gab Wald­stein eine Lite­ra­tur­lis­te aus, auf der er spe­zi­ell »Revo­lu­ti­on von rechts« und »Gemein­schaft und Volk« als zen­tra­le Frey­er­wer­ke ein­ord­ne­te. Wald­stein schloß mit letz­ten Hin­wei­sen zu lesens­wer­ter Lite­ra­tur der drei Denker.

Nun war Sezes­si­on-Chef­re­dak­teur Götz Kubit­schek an der Rei­he, der mit dem letz­ten Vor­trag der Aka­de­mie auf­war­te­te. Nach­dem er im Hin­blick auf das Suchen nach poli­tisch aus­schlacht­ba­ren Stel­len in Büchern zual­ler­erst dar­auf hin­wies, daß zuvor­derst die Freu­de an der Lek­tü­re im Vor­der­grund ste­hen soll­te, begann er mit aus­gie­bi­gen Zita­ten aus dem NZZ-Arti­kel »Unser gal­li­ges Geläch­ter« der (ost)deutschen Schrift­stel­le­rin Moni­ka Maron, was ihn zu der Fra­ge nach dem Sta­tus der Mei­nungs­frei­heit in der BRD führ­te, und ob es sowas wie eine neue »Inne­re Emi­gra­ti­on« gäbe.

Um die­se zu beant­wor­ten, defi­nier­te er den Begriff der »Inne­ren Emi­gra­ti­on« und zeich­ne­te den Kon­flikt zwi­schen den Exi­lan­ten und »Inne­ren Emi­gran­ten« unter den deut­schen Schrift­stel­lern wäh­rend der NS-Zeit nach. Kubit­schek erblickt in Ernst Jün­gers »Auf den Mar­mor­klip­pen« das Para­de­bei­spiel eines dop­pel­bö­di­gen Romans der »Inne­ren Emi­gra­ti­on«. In die­sem Zusam­men­hang beschrieb er drei bevor­zug­te The­men der »Inne­ren Emi­gra­ti­on«: die Metho­de des “geo­gra­phi­schen Anders­wo”, die gleich­nis­haft-typo­lo­gi­sche Schil­de­rung und die Schil­de­rung his­to­ri­scher Ver­hält­nis­se als Par­al­le­le zur Gegen­wart. Das lite­ra­ri­sche Werk sei dabei kein poli­ti­sches, son­dern auch ein poli­ti­sches Werk. Es kön­ne aber stets ohne die­se zusätz­li­che Dimen­si­on gele­sen werden.

Exem­pla­ri­sche Roma­ne aus der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus sind »Der Groß­ty­rann und das Gericht« von Wer­ner Ber­gen­gru­en, »Las Casas vor Karl V.« von Rein­hold Schnei­der, »Der Vater« von Jochen Klep­per oder auch das bei Antai­os in einer illus­trier­ten Aus­ga­be erschie­ne­ne » GBo­ckel­son. Geschich­te eines Mas­sen­wahns« von Fried­rich Reck-Malleczewen.

Bei­spie­le für eine heu­ti­ge »Inne­re Emi­gra­ti­on« erkennt Kubit­schek indes­sen im Abwä­gen jeg­li­chen Spre­chens auf der Gold­waa­ge und in den sub­ti­len Mecha­nis­men sozia­len Drucks, die sich am Umgang der Öffent­lich­keit mit dem »Ket­zer« Uwe Tell­kamp her­aus­kris­tal­li­sie­ren. Auf­grund die­ser pas­si­ven Zen­sur spricht er von einer Ver­bor­gen­heit der neu­en »Inne­ren Emi­gra­ti­on«, die sich jedoch in einer ihrem Selbst­ver­ständ­nis nach “offe­nen Gesell­schaft” zu bewe­gen habe und in gro­ßen Ver­lags­häu­sern wie ein­gepaßt erschei­nen könnten.

Kubit­schek führ­te sei­ne Annä­he­rung und Arbeits­the­se an vier Bei­spie­len aus:»Munin oder Cha­os im Kopf« von Moni­ka Maron, »Das Eigent­li­che« von Iris Hanika, »Fol­lower« von Eugen Ruge und »Pro­pa­gan­da« von Stef­fen Kopetz­ky. Zu Kopetz­kys »Pro­pa­gan­da« steu­er­te der AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Dr. Hans-Tho­mas Till­schnei­ders den Begriff »ver­klemm­te Fas­zi­na­ti­on« bei (sie­he hier wie­der Kubit­scheks Nach­be­trach­tun­gen).

In der aus­führ­li­chen Dar­le­gung des Inhalts der vier auf­ge­führ­ten Bücher fand die wahr­lich gelun­ge­ne 20. Win­ter­aka­de­mie schließ­lich ihr gebühr­li­ches Ende. Wie der detail­lier­te Aka­de­mie­be­richt mit all sei­nen Lite­ra­tur­hin­wei­sen erken­nen läßt, war es eine der gehalt­volls­ten Aka­de­mien seit ihrer ers­ten Aus­rich­tung. Sie hat gezeigt, wel­che intel­lek­tu­el­le Kraft in unse­rem Milieu steckt und nicht zuletzt noch unab­ge­ru­fen schlummert.

Außer­dem hat das Vor­trags­wo­chen­en­de nach­drück­lich bewie­sen, was Kubit­schek in sei­nem Vor­trag auch aus­drück­lich unter­stri­chen hat­te: Ein Kul­tur­pes­si­mis­mus gegen­über zeit­ge­nös­si­scher Lite­ra­tur ist nicht ange­bracht – Gute Roma­ne und gute Schrift­stel­ler fin­den sich immer noch. Wer sucht, der wird fündig.

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Kommentare (8)

Homeland

16. Januar 2020 08:55

Es sei das von Kubitschek empfohlene "Krastev/Holmes - Das Licht, das erlosch" anheim und ausdrücklich „Legutko - Der Dämon der Demokratie" beiseite gestellt, in Summe erst einmal 5 cm Regalwandlänge, die zeitnah von zwei Seiten die Liberale Demokratie sezieren, erstere entsetzt und persönlich betroffen über ihren Misserfolg, der andere sowohl Anschlag bezeugend als auch Anklage erhebend.

Die empfohlene zeitliche Nähe wäre unvollständig, wenn ich mich nicht an der Empfehlung zu Freyer und dessen kollektivistischer Stoßrichtung reiben würde, trotzdem auch nicht grundsätzlich der Lektüre an sich, sondern der bedeutenden Distanz zum Jetzt und der Zeit wegen. Der traurige Anlaß, der Verlust durch Tod, führt mich deshalb zu dem bedeutenden Konservativen, dem bisher bei uns wenig beachteten Roger Scruton und dessen Werk, das auch Zugang und Nähe zu Burke, Kant und Hegel liefert. Scruton eröffnet zudem eine bedeutende Einsicht in die intellektuelle Grundlage des britischen Weges, und damit auch des Brexit.

Die Alternative zum Nachahmungskollaps in Ungarn, Polen und auch anderswo - um die Brücke noch einmal zu Krastev/Holmes zu schlagen - ist der selbstbewusste britische Weg, der die Freiheit als elementar konservativ definiert. Die deutsche Ratlosigkeit daneben und in Folge dessen dieses unerträgliche Zaudern, hat nicht einmal die Kraft des osteuropäischen Widerspruchs, der zumindest schon auf die Suche gegangen ist und zur Artikulation Fähige befördert hat, die die Seele ihrer Länder verstanden haben und die Alternative tatsächlich vorantreiben.

Ich stelle somit ausdrücklich den National-, mithin den Rechtsliberalismus für eine auf Nationen und Völker basierte Gemeinschaft als dritten Weg in den Raum, der die traditionelle Familie und das Leben an sich nicht nur schützt, sondern hervorhebt und von Hinzukommenden Identifikation, also bewusste Hinwendung jenseits des Materiellen, abverlangt. Dafür liegen für Freyer et.al. die heutigen Bedingungen bereits jenseits von deren Ausgangspunkt und damit im Faktischen jenseits von deren Zeit, was sie nicht nur deshalb in das theoretische Umfeld der Utopie stellt.

Homeland

16. Januar 2020 09:49

Dass die Einführung meines Kommentars nicht veröffentlicht wird, ist bedauerlich, weil er die Herleitung dessen ist. Wenn es als unzulässiger Angriff auf Benedikt Kaiser verstanden wird, bedauere ich das, so soll es nicht verstanden werden. Eine harte, meinetwegen auch polemische Kritik aber, lieber Götz Kubitschek, an dessen in meinen Augen subtilem Lancieren des Linken, muss zulässig sein.

antwort kubitschek:
Wertes Homeland, Sie sind in manchem, vor allem in den großen Fragen, hoffentlich mindestens so ratlos wie ich. Weil das so ist, daß wir das, was geschieht, nicht recht zufassen kriegen, darf jeder unserer Autoren mit dem Werkzeug schrauben und basteln, das ihm gut in der Hand liegt. Bei Kaiser ist es der "Blick nach links". Das ist nicht nur legitim, sondern vielleicht der Schlüssel. Vielleicht auch nicht. Aber wir müssen alles ausprobieren. Beispielsweise haben wir auch die "homestory" ausprobiert, anderthalb Jahre lang. Seit anderthalb Jahren probieren wir das Gegenteil aus und lehnen jede Anfrage ab. Was bringt was? Lassen Sie uns mal unkonventionell sein!

Der_Juergen

16. Januar 2020 10:43

Zu Ernst Jünger: Die "Marmorklippen" als notdürftig kaschierte Kritik an der damaligen Regierung zu interpretieren, liegt natürlich nahe, auch wenn Jünger nach dem Krieg ausdrücklich bestritten hat, dass mit dem "Oberförster" Hitler gemeint gewesen sei. In diesem Zusammenhang sei auf eines der späteren Werke Jüngers verwiesen, den 1977 erschienenen grossartigen Roman "Eumeswil".

Als ich diesen zum ersten Mal las, deutete ich den in Nordafrika befindlichen Stadtstaat "Eumeswil", in dem sich die Handlung abspielt, spontan als geographisch verlagerte Bundesrepublik Deutschland. Emeswil ist ein Vasallenstaat (ein Satrap des Gelben Chans); es besitzt eine gemischtrassige Bevölkerung (schon in den siebziger Jahren hatte die Umvolkung ja Fahrt angenommen); seine Einwohner sind ein Helotenvolk. Sein Herrscher, der - aufgeklärt regierende und nicht sonderlich harte - Diktator Condor, in dessen Dienste der Erzähler Martin Venator aufgrund seiner Abneigung gegen die Liberalen getreten ist, sieht seine Herrschaft durch letztere bedroht, und der Epilog des Romans zeigt, dass er tatsächlich von ihnen gestürzt worden ist.

Dass sich Venator auf diese Eventualität vorbereitet und sich insgeheim einen Zufluchtsort baut, wo er notfalls untertauchen kann, lässt sich ohne allzu grosse Verrenkungen so interpretieren, dass Jünger die kommende Diktatur der Liberalen in Deutschland vorausgesehen hat. In diesem Sinne wäre "Eumeswil" eine Art Mahnung an die Kubitscheks und Sellners unserer Zeit, sich Gedanken über die Aktionsformen zu machen, die nach der Einführung einer offenen Tyrannei noch möglich sein werden.

Monika

16. Januar 2020 13:30

@ Kubitschek
Weil Sie in großen Fragen ratlos sind, weil Sie das, was geschieht, nicht recht zu fassen kriegen, lassen Sie Ihre Autoren mit je eigenem Werkzeug rumbasteln, in der Hoffnung, einer findet den Schlüssel - zu was eigentlich? Begründung: Wir müssen alles mal ausprobieren!

Aber Hallo! Jetzt werde ich mal konventionell.
1. Die großen Welt- und Menschheitsrätsel müssen wir nicht lösen, schon gar nicht alleine.
2. Herr Kaiser ist nicht ein Bastler unter vielen, sondern Stammautor der Sezession und bastelt schon etwas intensiver rum. Da kann man erste Ergebnisse durchaus begutachten und kritische Anfragen stellen.
3. Rechts oben ist ein Text ( andere über uns ) eingeblendet vom bnr.de „Blick nach rechts“ über die taktischen Ziele der Mosaikrechten und „Inhaltliche Gemeinsamkeiten“.
4. Schrauben wir die große Frage mal auf die (politische) tägliche Praxis zurück: Wie schützen und verteidigen wir das Eigene? Mit dieser inhaltlichen Gemeinsamkeit können durchaus verschiedene Schrauber was anfangen.

Die in dem oben genannten Beitrag zusätzlich genannten Gemeinsamkeiten der „Neuen Rechten“ lauten:
+ Akzeptanz des Vorranges eines „Wir“ vor dem Individuum,
+ Gegnerschaft zu individualistischen Ideologien;

Bei Punkt 2 und 3 kann ein Christ nur bedingt mitgehen. Das Christentum schließt das Individuelle und Universale ein ! Es gibt kein Vorrang des „Wir“ vor dem Individuum. Das Gewissen ist im Einzelnen begründet. Nicht im Kollektiv. Das muss immer wieder betont werden, so lange es bei Sezession keinen entsprechenden kritischen Ober-Schrauber oder eine Ober-Schrauberin gibt. Frau Dr. Sommerfeld hat entsprechende Vorstöße (Rechte Christen) gemacht.

5. Diesen inhaltlichen Fragen sollte sich einer der „Köpfe der Neuen Rechten“ nicht durch nette Flapsigkeiten entziehen!

RMH

16. Januar 2020 14:12

@Der_Juergen,

ihr Hinweis auf Eumeswil ist wichtig, nur würde ich jedem, der noch nicht so viel oder womöglich gar nichts von E. Jünger gelesen hat, erst einmal von der Lektüre abraten. Es liest sich - ähnlich wie "Heliopolis" - doch eher zäh. Aber manchmal ist die zähe Lektüre die, die am Ende doch Gewinn bringt. Wer also Zeit und Muße hat ... Auf den Marmorklippen ist auf jeden Fall deutlich leichter zu lesen und klarer zu verstehen (wie vieles, vieles andere von E. Jünger eben auch).

Insgesamt liefert der Bericht von J. Schick die Literaturliste, um die hier im Vorfeld der Veranstaltung für die Nichtteilnehmer gebeten wurde. Vielen Dank dafür. Der Bericht enthält Namen und Werke, die gängige Klischees über die neue Rechte jedenfalls nicht unbedingt bestätigt (teilweise natürlich schon) bzw. z.T. sicher auch den einen oder anderen in dem einem oder anderen Punkt überraschen mag - auch das war gut durchdacht.

Laurenz

16. Januar 2020 14:20

Lisa Eckharts Beitrag zu jungen Leuten, Büchern und dem Lesen.

https://youtu.be/2uNmsv3s--w

Maiordomus

16. Januar 2020 17:23

Was @Monika hier ausführt, bleibt insofern zu ergänzen, als etwa die Konzepte von Guardini und Sedlmayr, Broch und Haecker, natürlich auch und erst recht Max Weber und Sombart, zu einer ganz anderen weltanschaulichen Basis gehören als Alain de Benoit u. Co sowie angedeuteten Übernahmetheorien von kollektivistischem und pseudosozialem Schwachstrom, was in der genannten Quelle sinngemäss berichtet wird. Was Jünger betrifft, habe ich schon bei einem bei Bosselmann subsumierten Beitrag verwiesen, dass "Der Arbeiter" für die damalige Zeit, als Heidegger ein Seminar über ihn machte, von Bedeutung war, sich aber kaum für gegenwärtige programmatische und politische Debatten eignet.

Die obigen Autoren, welche sich zum Beispiel mit dem "Verlust der Mitte" und dem "Ende der Neuzeit" befasst haben, ausserdem jede Menge konservative und liberale Klassiker, haben wir bei den Schweizer Rechten schon vor rund 50 Jahren zum Teil gründlichst durchgearbeitet, als es darum ging, ein Konzept gegen die 68er zu erringen.

Leider musste ich einen Vortrag von Benedikt Kaiser in der Schweiz wegen eines anderen Termins vorzeitig verlassen, bedaure jedoch, mit diesem vielversprechenden jungen Mann, der auf die Hörerschaft einen guten Eindruck machte, nicht ins Gespräch gekommen zu sein.

@Monika. Ihre Kritik trifft meines Erachtens. Von einem aber diesbezüglich ausgereiften politischen Denken, welches der nach Fahndungserfolgen spähende Bundesnachrichtendienst irgendwie als wirklich repräsentativ für die deutsche Rechte, zumal das AfD-Umfeld, einschätzen könnte, sollte bis auf weiteres nicht die Rede sein. Es ist eine Art studentischer Beitrag zu einer Programmdiskussion, hat bei einigen wohl auch mit Selbstfindung zu tun, aber von einer politischen Philosophie, der wirklicher Einfluss und tatsächliches Gewicht zuzutrauen wäre, würde ich nicht sprechen. Eher geht es in Richtung alternative Selbstfindungsdebatten, wobei die humanistischen und politologischen Grundlagen wohl unbedingt noch verbreitert werden müssten. Natürlich könnte man von den Linken "lernen", dass man auch auf unbedarfter geistiger Basis, gerade dann, mit entsprechender Vernetzung und den richtigen massenpsychologischen Faktoren Einfluss auf den Zeitgeist und das politische Klima gewinnen kann. Es hängt mit dem hier schon wiederholt zitierten Erhaltungsgesetz der Dummheit nach Jacques Maritain zusammen. Es kann wohl kein philosophisches Ziel etwa von Konservativen sein, eine im Prinzip noch einflussreiche, aber längst degenerierte Linke in Sachen transzendentaler Subststanzlosigkeit und entsprechend läppischer praktischer Orientierung (wird in Quasir-News oft satirisch oder auch schon nicht mehr satirisch geäfft), nach Vorbild ihrer Erfolgsrezepte so schnell wie möglich einholen zu wollen.

Nemo Obligatur

19. Januar 2020 19:12

Diese anregende Beschreibung nehme ich mal als Impuls für mich. Da ich schon lange über der Altergrenze für die Akademien bin, veranstalte ich heute abend spotan eine "Ein-Mann-Akademie". D.h. ich höre mir das Lehnert-Referat an und greife anschließend zu einem der o.g. Bücher. Wahrscheinlich den Sieferle, den ich schon an- aber nie ausgelesen habe. Austausch mit anderen Lesern wie üblich über das Sezessions-Forum.