24. Januar 2020

Die peinlichen Musterschüler

Götz Kubitschek / 106 Kommentare

Mitte Januar stand im Bundestag ein Antrag über den Abzug der US-amerikanischen Truppen aus Ramstein zur Abstimmung auf der Tagesordnung.

Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.

Eingebracht hatte diesen Antrag die Fraktion "Die Linke" bereits im Juni 2019, thematisch ergänzt und zugleich abgeschwächt wurde er durch einen Antrag der Fraktion "Bündnis90/Die Grünen", die im Oktober 2019 forderte, den USA die Steuerung tödlicher Drohnenangriffe von Ramstein aus zu untersagen.

Der Antrag der "Linken" wurde nun mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD, FDP, Grünen und AfD abgelehnt. Vorausgegangen war dem eine Beschlußempfehlung durch den Auswärtigen Ausschuß, die wiederum unter anderem mit den Stimmen der AfD-Abgeordneten erfolgte: Man empfahl dem Plenum, den Antrag abzulehnen. Die Argumentation der beteiligten AfD-Leute stützte sich auf die Nato-Mitgliedschaft Deutschlands: Man könne daher das eigentliche Fernziel, den Abzug aller fremder Truppen aus Deutschland, noch nicht verfolgen.

Die AfD hat in ihrem Grundsatzprogramm die Forderung nach einem vollständigen Abzug aller ausländischer Truppen aus Deutschland tatsächlich festgeschrieben. Der Abgeordnete Petr Bystron lehnte in seinem Redebeitrag den Antrag der Linken und den der Grünen ab, erklärte dabei aber nicht, warum seine Fraktion für den Verbleib einer Stationierung stimmte, die von deutschem Boden aus nicht nur logistisch Kriegshandlungen unterstützt, sondern tödliche Angriffe steuert.

Insgesamt war Bystrons Redebeitrag ein Plädoyer für das, was mit dem Begriff "Regime Change" einen bitteren Geschmack hat. Man versteht darunter die Initiierung und Unterstützung von Bewegungen, die den Sturz von Regierungen und die Einführung einer liberalen Demokratie westlicher Prägung herbeiführen sollen. In Serbien oder in der Ukraine sind diese Umstürze massiv von außen unterstützt und letztlich von innen herbeigeführt worden (in Serbien nicht vollständig). Noch blutiger verliefen die Systemwechsel im sogenannten Arabischen Frühling.

Die "Regime Changes" im Irak oder in Afghanistan sind hingegen das Ergebnis US-amerikanischer Militärinterventionen (oder Angriffskriege), in denen die Supermacht präventiv den Terror an seiner Wurzel zu bekämpfen vorgab und statt von Krieg von "Befreiung" und von einer Art Polizeimaßnahme im Rahmen einer Weltinnenpolitik sprach. Sie trat als Ordnungsmacht auf, schaffte aber keine Ordnung, sondern führt seither Kriege, die nicht beendet werden können, riesige Regionen ins Chaos gestürzt und den Aufwuchs des radikalsten Widerspruchs gegen die "westliche Welt" gefördert haben: den islamischen Staat und seine Ableger.

Die auch dadurch in Gang gesetzte Migrationswelle ist nur eine der Konsequenzen, die vor allem unser Land zu tragen hat.

Zum Abstimmungsergebnis der AfD gibt es also einiges zu sagen – gerade vor dem Hintergrund der Diskussion um die Tötung des iranischen Generals Suleimani, die hier auf unserem Blog geführt wurde. Der eine Punkt betrifft eine grundsätzliche Positionierung, der andere die Verhaltensweise Bystrons.

Insgesamt sollten wir von der Tatsache ausgehen, daß Deutschland außenpolitisch und geostrategisch keine Rolle spielt. Daraus ergeben sich drei mögliche Positionen:

1. Man kann als Teil des US-amerikanischen Blocks den weltweiten militärischen Aktionen und strategischen Entscheidungen der USA zustimmen und sich dadurch als loyaler Vasall (dieses Wort meine ich deskriptiv, nicht wertend) zeigen. Diese prinzipielle Zustimmung schließt immer auch das zumindest verbale Engagement für israelische Belange und die Übernahme des Konzepts "Regime Change" mit ein.

2. Man fordert die USA auf, die Nichtbeteiligung Deutschlands zu respektieren: Wir können und wollen uns nicht an etwas beteiligen, worüber wir nicht mitentscheiden dürfen. Diese Nichtbeteiligung müßte in der Forderung nach einem Abzug ausländischer Truppen aus Deutschland münden, außerdem in der Forderung, moralpolitische Argumente weder in außen- noch in innenpolitische Entscheidungen einfließen zu lassen.

3. Man nimmt aus grundsätzlichen Erwägungen Partei gegen die USA und stellt sich im Umkehrschluß auf die Seite all jener, die sich diesem Hegemon und seiner teilweise außerhalb des Völkerrechts stehenden Maßnahmen widersetzen.

Diese Einteilung ist holzschnittartig, aber sinnvoll, und sie ist natürlich nicht neu. Hinter jeder der genannten grundsätzlichen Positionen stehen bestimmte Teile des rechten, alternativen Milieus in Deutschland, aber vermutlich (und hoffentlich) vermag Position 2  breite Zustimmung zu finden, und zwar aus inhaltlichen, strategischen und taktischen Erwägungen:

  • inhaltlich, weil man die Durchsetzungsbrutalität der Vereinigten Staaten und den Regime Change an sich ablehnen sollte;
  • strategisch, weil sie ein Mindestmaß an Souveränität markierte;
  • taktisch, weil sie auf der Ebene der innenpolitischen Kämpfe eine Alternative zur Alternativlosigkeit wäre (und das ist in unserer Lage stets ein starkes Argument).

Bystrons Auftritt vor dem Bundestag nun ist Teil einer Agenda, mit der er versucht, eine innenpolitische Front zu schließen: Seit Monaten wirft er der Bundesregierung Antisemitismus vor und erklärt die AfD zur eigentlich israelfreundlichen Partei und zum eigentlich verläßlichen Partner der Juden in Deutschland.

Dies wurde zuletzt auf extreme Weise deutlich in einer Pressemitteilung, die Bystron gemeinsam mit Bundessprecher Jörg Meuthen herausgegeben hat. Es ging darin um den bevorstehenden Auftritt Walter Steinmeiers im Rahmen einer Gedenkveranstaltung in Yad Vashem. Die entscheidende Passage lautet:

Wir begrüßen sehr, dass der Bundespräsident die Gelegenheit nutzt, die Geschichte des Holocausts zu reflektieren, sowie der Millionen von den Nationalsozialisten grausam ermordeten Juden zu gedenken. Wir hoffen, dass diese Reflektion dazu beiträgt, die aktuelle israelfeindliche Politik der Bundesregierung und die Appeasement-Politik gegenüber dem Iran zu ändern.

In diesen beiden Sätzen steckt eine gespiegelte Form jener Instrumentalisierung des Holocausts zu politischen Zwecken, die in Deutschland seit Jahrzehnten Diskussionen über ganz andere Themen verzerrt, zerstört oder sogar verhindert: Identität, Geschichtspolitik, Grenzsicherung sind nur drei Beispiele. Jedwede Verteidigung des Eigenen kann mit moralpolitischen Verweisen auf die "deutsche Schuld" zu einer Auseinandersetzung mit ungleichen Mitteln gedreht werden.

Die Grundfrage lautet: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ist die Lehre aus der Geschichte die, daß es darauf ankomme, auf der Seite der Sieger zu stehen? Oder wäre sie nicht vielmehr so zu ziehen, daß man als Deutscher gut daran täte, vom einen nicht ins andere Extrem zu schlagen, also wiederum (nur diesmal auf Seiten der Zivilisation) an einer blutigen Neuordnung beteiligt zu sein?

Bystron und Meuthen wiederholen nun leider, was wiederum seit Jahrzehnten rechte, konservative Politiker für einen Königsweg halten: auf die richtige Seite zu wechseln, die vielleicht nur deshalb die richtige ist, weil sie die mächtige ist. Die Instumentalisierung des Holocausts gegen nationale, rechte Positionen dadurch zu drehen, daß man sich an die Spitze einer bedingungslos israelfreundlichen Politik setzt und Auschwitz als Argument für den "Regime Change" in anderen Ländern verwendet, knüpft vor allem dieses Gängelband fester.

Joschka Fischer gewann die Zustimmung seiner grünen Partei zum Nato-Einsatz gegen Serbien 1999 dadurch, daß er argumentierte, nur auf diese Weise könne ein zweites Auschwitz verhindert werden. Bystron instrumentalisiert Auschwitz, um den Regime Change im Iran zu befördern. Ob ihm klar ist, daß er dadurch die unstatthafte Instrumentalisierung der Geschichte zu heutigen Zwecken zementiert, und zwar eine Instrumentalisierung, die fast immer sehr wirkungsvoll gegen Deutschland und vor allem auch gegen seine eigene Partei verwendet wird?

Die unoriginelle Strategie Bystrons und Meuthens hofft auf jene Ruhe, die der Lehrer dem Musterschüler gewähren mag.

In dem auf diesem Blog bereits erwähnten und gelobten Buch Das Licht, das erlosch wiederholen die Autoren Ivan Krastev und Stephen Holmes die immer wieder ventilierte These, daß (West)Deutschland nach 1945 als besiegtes Land insgesamt zu einem die USA und die westlichen Werte nachahmenden Musterschüler geworden sei.

Interessant ist, daß Krastev und Holmes dieses Verhalten auf Staatsebene so deuten, wie es auf partei- und damit innenpolitischer Ebene auf Bystron und Meuthen zutrifft. Die Autoren greifen die alte Überzeugung auf, daß mit dem Sieg von 1945 Westeuropa und mit dem von 1989/1990 im Grunde die ganze Welt hin zu einer Nachahmung des US-amerikanischen Vorbilds befreit worden sei.

Der Überzeugung, damit in das "Ende der Geschichte" eingemündet zu sein, habe eine gewisse Zwangsläufigkeit innegewohnt, und der Eindruck, "die Geschichte neigt sich der liberalen Demokratie zu", sei besonders in Deutschland auf fruchtbaren Boden gefallen:

In einer Welt, die von dem moralischen Imperativ beherrscht wird, das unübertreffliche Vorbild der westlichen liberalen Demokratie machzuahmen, muß kein Land in seiner Vergangenheit gefangen bleiben oder Verantwortung für die Zukunft übernehmen. Die Reduzierung des politischen Lebens auf die mehr oder weniger erfolgreiche Nachahmung dieses schon existierenden politischen und ideologischen 'Supermodels' gab der Menschheit insgesamt und den Deutschen im Besonderen Vergangenheit und Zukunft zu einem günstigen Kombi-Preis.

Wir wissen mittlerweile, daß dieser "alternativlose" Nachahmungsdruck weltweit sehr nachgelassen hat und daß China und Rußland ganz andere Wege gehen. Auch die kleineren mittel- und osteuropäischen Staaten gehen zum Teil einen dezidiert gegen die Nachahmung der Moralpolitik gewendeten Weg. Ihre Absatzbewegung richtet sich dabei weniger gegen die USA, mehr gegen Deutschland, diesen Vorzeige-Bekehrte, der neben dem Schulmeister den Hilfslehrer spielen möchte.

Wäre die Nachahmung des westlichen Weges eine Zwangsläufigkeit, müßte man ihr nicht militärisch und per Regime Change auf die Sprünge helfen. Beides aber versuchen die Vereinigten Staaten mit wachsendem Risiko und Mißerfolg.

Bystrons und Meuthens Vorstoß aber ist derjenige peinlicher Musterschüler, die als Hilfslehrer auf denselben Nachahmungszwang setzen, den ihr alt gewordener Lehrer vorexerziert. Da war Gerhard Schröder reifer, als er am 3. August 2002 den USA Waffenhilfe gegen den Irak verweigerte.

Aber damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch der Übersetzer der Werke Ernst Noltes ins Persische (ich korrespondierte mit ihm, als er Siegfried Gerlichs Nolte-Biographie übertrug), saß im Iran bereits unter schlimmen Bedingungen in Haft, und die Zeit-Journalistin Mariam Lau berichtete in Gesprächen, die wir führten, auch von der Flucht ihrer Familie aus diesem Land. Das sind zwei noch irgendwie glimpflich ausgegangene Beispiele, andere kommen nicht mit dem Leben davon. Niemand von uns romantisiert die Bedingungen, in denen dort gelebt und unter denen dort geflüchtet werden muß.

Dennoch: Regime Change, moralpolitische Erpressung, eine Instrumentalisierung der Geschichte, die an der Alternativlosigkeit festhält und nicht begreifen will, daß die Geschichte längst wieder offen ist oder vielleicht nie beendet war - so kommt Deutschland nicht weiter, so kämpft man nicht um Reste von Souveränität und Handlungsspielräumen. Vielmehr gibt man alternative Verhaltenslehren auf entscheidenden Feldern auf. Solche Verhaltenslehren zu formulieren und auf politischem Feld vorzuleben, müßte aber doch der Identitätskern der AfD sein, oder nicht?

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Lektüre:

Ivan Krastev und Stephen Holmes: Das Licht, das erlosch - hier bestellen.

Nationalmasochismus (mit Beiträgen von Martin Lichtmesz, Michael Klonovsky, Tilman Nagel und anderen) - hier bestellen


Götz Kubitschek

Götz Kubitschek ist Verleger (Antaios) und seit 2003 verantwortlicher Redakteur der Sezession.


Kommentare (106)

Schopenhauer

24. Januar 2020 12:29

Danke, daß Sie diesen Sachverhalt in die größere Öffentlichkeit gebracht haben. Ich hätte sonst von diesem Vorgang keine Kenntnis gehabt.
Insgesamt mache ich bei der AfD in letzter Zeit eine Art von Altparteienpolitikstil aus. Dieses unsägliche, von Ihnen skizzierte Verhalten Meuthens und Bystrons passt in das Muster. Ich glaube, man will sich mit der "BRD" arrangieren. Warum also etwas ändern?

Ein gebuertiger Hesse

24. Januar 2020 12:31

Runter wie Öl. Die genannten drei Positionen - mit der klugen Präferenz der zweiten - sind die einzigen, die für uns überhaupt in Frage kommen. Alles sonstige ist Munition falscher Agenten. Gut, wenn diese nun klarer zu erkennen sind.

Lotta Vorbeck

24. Januar 2020 12:46

@GK: "... Dennoch: Regime Change, moralpolitische Erpressung, eine Instrumentalisierung der Geschichte, die an der Alternativlosigkeit festhält und nicht begreifen will, daß die Geschichte längst wieder offen ist oder vielleicht nie beendet war - so kommt Deutschland nicht weiter, so kämpft man nicht um Reste von Souveränität und Handlungsspielräumen. Vielmehr gibt man alternative Verhaltenslehren auf entscheidenden Feldern auf. Solche Verhaltenslehren zu formulieren und auf politischem Feld vorzuleben, müßte aber doch der Identitätskern der AfD sein, oder nicht?"

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Ja sicher, dies MÜSSTE der Identitätskern einer Partei sein, die sich ihrem Namen nach als Alternative versteht.

Was die Herren Bystron und Meuthen anbelangt - diese beiden seien nur stellvertretend genannt - könnte man allerdings durchaus den Eindruck gewinnen, daß sie auf unserem Rücken sitzend durch's Ziel zu reiten gedenken und so wie der Mann vom 'Wochenblatt für Debatte' eigentlich nur darauf fixiert, das sattsam bekannte BRD-Spiel in möglichst komfortabler Position mitzuspielen.

Homeland

24. Januar 2020 13:22

Erstens
Vielleicht ist diese Diskussion dazu geeignet, dass wir uns mal ehrlich machen: Dieser Redebeitrag ist keine zu Markte getragene Ratlosigkeit mehr, die mittlerweile wie eine Monstranz herumgetragen wird, sondern Zorn, und zwar rundheraus. Dieser Zorn ist natürlich nicht getragen von irgendeiner Wegsuche, sondern von einer klaren Haltung. Nichts anderes ist daraus zu lesen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Dies ist Kritik zur zur Schau gestellten Ratlosigkeit, die in Wahrheit keine ist, oder die eben nur da sein soll, wo es strategisch hilfreich erscheint, wie mir wiederum scheint. Gefällt mir nicht, sage ich nicht zum ersten mal. Sagen, was ist. Das ist einzig aufrichtig. Also bitte aufhören, von Ratlosigkeit zu sprechen, wie andernorts mehrfach geschehen. Das einzige, was ratlos macht, sind Einschübe, auch in den Kommentaren, die eine bisher unentdeckte Haarspaltung in der Menschheitsgeschichte zum Inhalt haben.

Zweitens
Glauben denn hier wirklich einige, dass eine glasklare Konfrontation mit den USA auch nur ansatzweise und absehbar politisch tragfähig ist? Und wer, wenn nicht Trump, hat zumindest einen Ansatz geliefert für eine Konfrontation mit dem, nennen wir es so, tiefen Staat, wenn nicht er? Sind hier wirklich Leute unterwegs, die glauben, deutsches Handeln von Vergangenem entkoppeln zu können, quasi wertfrei neu ansetzen und in die Weltgeschichte eintreten zu können? Ein Laptop ist noch lange keine Richtbank, auch wenn einige den Unterschied noch nicht erfahren oder andere ihn schon wieder vergessen haben.

Drittens
Krastev/ Holmes erkennen sehr wohl, dass die Nachahmer erschrocken sind über sich selbst, weil die glaubten, mit der Kopie eines bewährten Systems alles richtig gemacht zu haben, weil es ja andernorts schon funktioniere. Der Offenbarungseid war also zu leisten, als das Wesen das empfohlene Betriebssystem nicht annehmen wollte. Hier reden wir im Konkreten von den Osteuropäern im und als Wesen, und der Liberalen Demokratie als Betriebssystem. Ein Übertrag im Heute auf die Verhältnisse Deutschland als Wesen und die USA als Betriebssystem ist deshalb vollkommen abwegig. Das Befremden fristet ein Nischendasein, im Gegensatz zu Osteuropa. Auch ist die Integration in die NATO aktuell ein Fakt und eine Alternative ist nicht greifbar. Die Doktrin des Regime Change ist für den amtierenden Präsidenten keine (Doktrin), sondern allenfalls ein setzbares Stilmittel des politisch Aggressiven. Dies ist etwas anderes. Um auch dies noch zu ändern, ist es unsinnig, jemanden den Krieg zu erklären. Und wer einen Rest von Pragmatismus in sich trägt, sollte erkennen, dass die Machtverhältnisse auch so nicht sind.

zeitschnur

24. Januar 2020 13:23

Das alles wundert doch nicht. Von der AfD kam doch nie etwas anderes, zumindest nicht von ihren Exponenten. Sobald man einmal nachgesehen hat, was diese Partei jenseits des großen Migrationsgeschreis anstrebt, war man doch bedient: das ist die nächste Stufe der angestrebten NWO, für die in Russland und China bereits Realitäten geschaffen werden.

"... und daß China und Rußland ganz andere Wege gehen..."

Sehe ich nicht, um ehrlich zu sein: sie gehen zwar im strengen Sinn "andere Wege", aber keine alternativen Wege zu dem, was die US-Hegemonie bisher so trieb. D.h. genau das bezweifle ich, wenn ich sehe, wer in beiden Großstaaten investiert ... wer von uns weiß denn wirklich, wer Putin ist und wer ihn seit Jahrzehnten stützt?

Demnächst rücken hier wieder zigtausend US-Soldaten ein: https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/20000-us-soldaten-durchqueren-deutschland-1638110201.html

Nordlicht

24. Januar 2020 13:50

Die AfD versucht, in den erlauchten Kreis der ganz normalen Parteien dadurch zu gelangen, dass man den Platz der traditionellen CDU von vor 2005 zu besetzen versucht. Das wird m. E. in absehbarer Zeit nicht gelingen.

Die AfD hat bisher keine einheitliche sicherheitspolitische Vorstellungen: Einige verstehen sich als CDU-Konservative und stehen fest zur NATO (- d. h. ist Vasall der USA), einige sehen sich das Heil in einer EU mit weniger Zantralismus und stärkeren National-Bündnissen, ein erheblicher Teil neigt zu Äquidistanz gegenüber USA und Russland, weitere trauen den Russen deutlich mehr als den USA und träumen sogar von einem Bündnis mit Russland, mi dem man die osteuropäischen Interessen ordnen könnte.

Es erscheint der AfD-Parteispitze offensichtlich für bequemsten, den konservative CDU-Position von früher zu vertreten. Das wird kusrzfirstig niemand honorieren, und das Risiko besteht m. E. mittelfristig nun darin, dass die CDU in den kommenden Jahren wieder die Mitte besetzt, etwas mehr auf Heimat und etwas mehr auf innere Sicherheit setzt und damit etliche verloren gegangenen Wähler wieder gewinnt.

Fraglich ist, ob gegenwärtig den AfD-Wählern eine deutlichen Anti-USA-Politik und ein Anti-NATO-Kurs vermittel werden könnte.

qvc1753

24. Januar 2020 14:27

Mir persönlich ist der Artikel, bei aller versuchten Deutlichkeit, zu wenig.

Zunächst bleibt zu konstatieren, dass es der Bundesrepublik deutlich zum Vorteil gereichte (materiell, sicherheitspolitisch, innenpolitisch) auf Seiten der USA gestanden zu haben.

Bis 1989 waren aber die Interessen der USA und der BR schon nur zu Teilen identisch.
Die USA sind eine globale Macht, Deutschland eine Mittlemacht (wer einmal einen amerikanischen Trägerverband und einen deutschen Marinehafen gesehen hat, der weiß wo alleine schon militärisch der Hammer hängt). Dies wird auf absehbare Zeit so bleiben.

Grundsätzlich haben Staaten Interessen die sich aus Geografie, Geschichte und gelebter Politik entwickelt haben und entwickeln.
Historisch gesehen ist das Bündnis mit den USA eine Zuwendung Deutschlands zum Westen und eine Abkehr von Sonderwegen oder anderen Bündnissen.

Dabei ist Deutschland nie wirklich und stets ein aktiver Bündnispartner der USA bei deren weltweiten Aktionen gewesen.
An Militäreinsätzen hat sich die Bundesrepublik vor 1989 sowieso nie beteiligt, danach nur mit eher symbolischen Beiträgen.

Nach meiner Ansicht hat und wird die Bundesrepublik immer wieder den Einzelfall prüfen und eine Beteiligung von der Interessenlage abhängig machen. Das ist aber etwas anderes als die Wahl zwischen drei grundsätzlichen Positionen. Diese sind nicht nur - wie konstatiert - eher holzschnittartig, sie engen unnötig Handlungsspielräume ein, so man diese nämlich als Grundlage für Politik annehmen würde.

Die Situation als Mittelmacht bedingt bereits schon nur eingeschränkte Spielräume. Diese dann noch weiter ein zu schränken, das wird nicht sinnvoll sein.

Eher wird es sinnvoll sein auf europäischer Ebene eine Verstärkung der gemeinsamen Sicherheitspolitik zu erreichen. Dies dürfte auf der rechten Seite nicht Freunde finden, aber glaubt jemand wirklich ernsthaft, dass Deutschland alleine politisch und finanziell in der Lage sein würde eine militärische Kapazität auf zu bauen, die der der globalen Player entspricht?
Ich bezweifele ja schon das Russland in den nächsten 50 Jahren noch eine globale Macht sein wird. Zumindest nicht, wenn es seine auf Rohstoffverkauf ausgerichtete Wirtschaft nicht in den Griff bekommt.

Daher: erst einmal die eigenen Interessen definieren und dann versuchen dafür eine europäische Lösung zu finden.

Was nun die Thesen von Holmes / Krasnev angeht, so ist meine Ansicht, dass man hier zwei Dinge unterscheiden muss:

- die Folgen der Nachahmung westlicher Institutionen
- die Beurteilung dieser Nachahmung

Es scheint mir plausible zu sein das nach Jahrzehnten der NATO Mitgliedschaft oder EU Mitgliedschaft eine Unzufriedenheit herrscht. Die Nachahmung hat sich nicht als Allerheilmittel erwiesen. Und die Einflüsse, gerade aus der EU, erinnern scheinbar fatal an die Zeiten sowjetischer Zwingherrschaft.

Man fühlt sich unwohl, aber prinzipiell wird die Situation als vorteilhaft erkannt. Trotzdem sind die Zustimmungswerte für NATO und EU in Polen oder Ungarn hoch.

Das die Brüsseler Kommission nun ein Rechtsstaatlichkeitsverfahren gegen Polen eingeläutet hat wird zwar auf der einen Seite als Brüsseler Einmischung verdammt, auf der anderen Seite ist gerade Polen ein konstruktives und aktives EU Mitglied.
Eine grundsätzliche Abkehr vom Weg nach und in Europa ist da nicht zu erkennen.

JohannesStreck

24. Januar 2020 14:30

Chapeau, Herr Kubitschek! Nichts ist so fein gesponnen, daß es schließlich nicht doch ans Licht der Sonnen kommt. Das war immer meine Rede: Solche AfD-Apparatschiks wollen sich auch nur im Parteiensystem einrichten und wärmen.

TTH

24. Januar 2020 14:43

Ich möchte daran erinnern, dass Matteo Salvini bei den Themen Iran-Konflikt und Israel eine ähnliche Position vertritt. Warum wird der nicht angezählt?

RMH

24. Januar 2020 14:47

Um ehrlich zu sein, verstehe ich die Stoßrichtung dieses Artikels nicht so recht bzw. fehlen mir zur richtigen Einordnung offenbar ein paar Hintergrundinformationen.

Ganz grundsätzlich kann man die im Artikel formulierten 3 Punkte sehr sachlich diskutieren und sie sind es auch wert, sachlich diskutiert zu werden. Warum man dabei aber eine Überschrift "Die peinlichen Musterschüler" wählt und dabei dann explizit Herrn Bystron heraus greift und auch Herrn Meuthen nennt, verstehe ich unter dem Aspekt der sonst so gerne gepredigten "Geschlossenheit", nicht so ganz. Aber evtl. ist das auch nur meine eigene Empfindlichkeit. Zu einer sachlichen Debatte trägt diese Art des Schreibens ggf. nicht so viel bei, wie erhofft. Aber ggf. erhalten die Angesprochenen ja auch noch Raum für eine Replik.

Jedenfalls kann ich unter der aktuellen Lage der AfD, die gerade sehr wichtige Klagen gegen das Bundesamt für Verfassungsschutz laufen hat, für die das Thema Beobachtung der gesamten Partei durch den VS, ja Verbot der Partei an und für sich nicht vom Tisch hat, die in Berlin nicht einmal mehr Räumlichkeiten zur Abhaltung ihres parteienrechtlich notwendigen Landesparteitages findet, in Bayern keine Leute zum Aufstellen auf den Listen für die Kommunalwahlen hat und deren sich öffentlich erkennbaren Mitglieder einem noch nie dagewesenen hohen Repressions- und Gewaltdruck ausgesetzt sehen (die Auflistung ließe sich noch deutlich verlängern!), zumindest sehr gut nachvollziehen, warum man ggf. in Teilen der Führung der AfD die hier skizzierte Nr. 1 klar bevorzugt. Auch mag es die typisch westdeutsche Erinnerung an die Zeiten, wo man als treues Nato-Mitglied und Antikommunist ohne große Problem fast schon rechter als rechts sein konnte und seine Meinung freier sagen konnte, als heute, ein Stück weit dazu verleiten, Nr. 1 zu bevorzugen, biblisch ausgedrückt, gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist ... und dann hat man seine Ruhe.

Das Beispiel Trump zeigt im Übrigen, dass dieser mit einer absolut Pro-Israel und sogar prozionistischen Haltung gegen die auch in den USA herrschenden Kulturmarxisten in Medien und Kulturbetrieben gewinnen konnte.

Insgesamt betrachtet, habe ich also großes Verständnis für Nr. 1, die deshalb aber auch nicht überstreng interpretiert ausgeführt werden muss und peinlich ist aus meiner Sicht so eine Haltung auch nicht (für wen eigentlich sollte sie "peinlich" sein?) - aber ich bin ja hier schon öfter als "Atlantiker" verspottet worden ;)

Mehr schreibe ich erst einmal nicht dazu, der Themenkomplex Regime Change wäre eigentlich eine gesonderte Diskussion wert, scheint aber eher ein Nebenthema zum vermutlich Gewollten zu sein.

MARCEL

24. Januar 2020 14:51

Der einzige, der meines Wissens Punkt 2 konsequent durchgezogen hat (von der ephemeren Ausnahme Schröder einmal abgesehen) war General de Gaulle. Frankreich war damals allerdings auf dem Weg zur Nuklearmacht. Wer Punkt 2 heute versucht, der landet in den Augen der gereizten USA automatisch bei Punkt 3! Punkt 2 heute wäre in meinen Augen nur ein mäßigender Zeitgewinn auf dem logischen Weg nach Punkt 3 (und nicht zurück zu 1)
Ich persönlich bleibe dabei: In einem zukünftigen Eurasien hat Deutschland als Deutschland noch eine Chance. (Mein Lehrer im belgischen Seminar für Ostkirche und Russisch sagte immer gern: "Die erste östliche Sprache, die man können muss, ist deutsch!")

Hartwig aus LG8

24. Januar 2020 15:24

Dem Beitrag bzgl. Meuthen und Bystron ist wohl nichts hinzuzufügen. Aber der sicherheitspolitische Aspekt verdient eine Ergänzung:

Sollte Deutschland einen souveränen Weg gehen (dürfen), was ich 110-prozentig befürworte, so müsste man sich aber klar machen, was das nach sich zöge. Vor allem auch die Linke müsste sich klarmachen, dass ein von den USA abgewendetes Deutschland massiv aufrüsten müsste, um nicht nackt dazustehen. Die USA sorgten bislang nicht nur für einen Schutzschirm für ihre Vasallen, sondern disziplinierten sie auch untereinander.

Man kann ja nur mutmaßen, was in Zukunft für die Europäer vorgesehen ist, aber zur Zeit sehe ich nur einen EU-Kindergarten mit verzogenen Bälgern.

Die Linke ist nie und nimmer ernsthaft darauf aus, amerikanische Truppen im eigenen Lande loszuwerden, zumindest diejenigen in dieser Partei nicht, die noch ein wenig denken können. Denn dann wäre harte Realpolitik angesagt; im Kern also rechte Politik.

Imagine

24. Januar 2020 16:00

Was ist für einen freien und stolzen Mann das Wichtigste?

Seine Ehre. Um seine Ehre zu erhalten, ging ein freier und stolzer Mann ins Duell.

Zur Ehre gehört die Treue. Ein Ehrenmann hält sein Wort, auch wenn es ihm sein Leben kostet. Ein Ehrenmann hält die Treue.

Der Protagonist in Schillers „Bürgschaft“ ist ein Ehrenmann. Sein Freund hat für ihn, der die Todesstrafe erwartet, mit seinem Leben gebürgt. Der Protagonist tut alles, um sein Wort zu halten und damit den Freund aus der Bürgschaft zu entlassen und dessen Leben zu bewahren.

Der Erhalt der Ehre ist für einen edlen Menschen wichtiger als das eigene Leben.

Das Gegenstück dazu ist das Tier, das keine Ideale und keine Moral kennt.

Für einen „unedlen“ („tierischen“) Menschen kommt erst das Fressen, dann die Moral. Und für den im Kapitalismus sozialisierten Menschen, kommen erst das Geld und der Gewinn – und dann die Moral. Auch wenn er gern Moral heuchelt. Aber er besitzt eine Krämerseele, ist geld- und machtgierig und geizig. Seine Lebensmaxime ist: „Ich zuerst!“ Und wenn es um Pflichterfüllung geht: „Da sollen erst die anderen dran!“

Der Prototyp des marktkonformen Menschen ist der erfolgreiche Selbstvermarkter. Immer aus Gewinnoptimierung aus. Deshalb ist die Verpackung so wichtig. Immer mehr scheinen als sein. Wenig investieren und das Maximum herausholen. Das gilt auch für die eigene Ausbildung und Qualifikation. Deshalb wird der Normotyp des Menschen im Kapitalismus immer mehr zu einem Betrüger, Hochstapler und Blender sowie zu einem Dilettanten.

Der kapitalistische Mensch spaltet zwischen sich und der Gesellschaft. Er hält sich für gut und die negativen Eigenschaften schreibt er den anderen zu.

Für die Nazi-Deutschen war der Jude die negative Personifikation des marktkonformen Menschen mit einer Krämerseele, mit negativen Charaktereigenschaften wie Gewinnsucht, Geiz, Feigheit usf.

Der echte Deutsche sollte der Nazi-Ideologie zufolge aufgrund seiner biologischen und kulturellen Eigenschaften ein edler Herrenmensch sein.

Inzwischen ist es offensichtlich, dass auch der Deutsche im marktwirtschaftlichen System zum Zirkulationsagenten mit einer egoistischen, gierigen, geizigen und heuchlerischen Krämerseele – zu einem „narzisstischen Charakter“ – sozialisiert wird.

Diese marktkonforme Krämerseele steht im Widerspruch zum christlich-sozialistischen Ideal sowie den bürgerlich-humanistischen Werten, wo es um Mitmenschlichkeit, um Solidarität und Nächstenliebe, um Treue zu den eigenen Werten und Idealen sowie zur Gemeinschaft geht.

Waren es zuvor die 68-er, die diese Ideale propagierten, so finden sie sich heute als propagierte Ideale bei dem aktuellen Typ von Gutmensch im linken, grünen, christlichen und rechten Milieu, allerdings in Form einer geheuchelten Doppelmoral, die in der realen Praxis dem Primat des persönlichen Vorteils folgt.

So wie der Charakter und das Verhalten der ehemaligen AfD-Führungsfigur Frauke Petry, so werden generell politische Figuren in der Fassadendemokratie eingeschätzt.

Denn fast alle BerufspolitikerInnen sind Parvenüs. Mit ihren erworbenen Berufsqualifikationen und Kompetenzen würden sie im normalen bürgerlichen Wirtschaftsleben nie das Einkommen, die Privilegien und den Sozialstatus erreichen, den sie als BerufspolitikerInnen ergattert haben.

Oberstes Ziel für Berufspolitikerinnen ist daher: „Ich zuerst!“ Und dies bei allen Parteien. Das nächste Ziel ist, bei der nächsten Wahl selbst wieder ins Parlament zu kommen. Dazu muss die eigene Partei entsprechende Stimmen requirieren. Darum dreht sich das ganze Parteileben um die Frage, was müssen wir tun, um möglichst viele Stimmen zu erhalten?

Das nächste Ziel von Berufspolitikerinnen ist, weiter aufzusteigen. Dazu muss man in die Regierung kommen, dann winken die lukrativen Posten, die Berater- und Vortragshonorare, Talkshow-Einladungen etc.

Auch die AfD möchte möglichst bald in die Regierung. Die einzige realistische Chance dafür ist als Mehrheitsbeschafferin für die CDU/CSU. Gauland hat dies schon als Ziel verkündet.

Also muss sich die AfD als Koalitionspartnerin der CDU/CSU anbieten. Dazu muss sich die AfD immer mehr der CDU/CSU anpassen.

Genau in diese Logik passt das politische Handeln eines Petr Bystron.

Ergon

24. Januar 2020 17:18

Der Text enthält in seiner Argumentation für Position 2, die Nichtbeteiligung an US-amerikanischen Interventionen, die ich auch für wünschenswert halte, eine Undeutlichkeit, die im Kommentarbereich von denjenigen, die für Position 1 ("loyaler Vasall") votieren, auch implizit benannt wird. Schon eine anti-interventionistische Politik, die die Bundesregierung in unterschiedlicher Besetzung mehr oder weniger konsequent seit dem Irakkrieg verfolgt (D beteiligte sich weder am Irak- noch am Libyenkrieg, und am Syrienkonflikt nur marginal), führt punktuell zum Konflikt mit den USA, der im Fall einer einseitigen Kündigung des Truppenvertrags zu einer heftigen machtpolitischen Auseinandersetzung eskalieren würde. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen haben seit 1945 einen "einhegenden" strategischen Aspekt (die Lage ist deshalb auch nicht mit der von Polen oder Ungarn vergleichbar, wobei insb. Ungarn aus US-Sicht strategisch irrelevant ist), der sich gut anhand der inzwischen freigegeben Dokumente über die amerikanische Deutschlandpolitik darstellen lässt. Zur Illustration einige Sätze aus dem Übersichtsartikel 'NATO's Original Purpose: Double Containment of the Soviet Union and "Resurgent" Germany', der auf Originaldokumente des an der George Washington University beheimateten National Security Archives verlinkt.

"Nazi Germany’s unprecedented criminal violation of international norms starting in the 1930s prompted the members of the Grand Alliance to impose constraints that would 'permanently and pre-emptively retard a third effort to achieve European hegemony'. [..] As far as U.S. policy was concerned, the NATO alliance that developed during the Cold War was partly a means to integrate Germany into the West so that it could never again become a menacing independent power, much less a neutral one that could play off East against West or develop an entente with Russia. Also operating as a 'countervailing power' or a tacit constraint on the exercise of German power was the presence of U.S., British, and French troops in West Germany and Soviet forces in East Germany.
( https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/nuclear-vault/2018-12-11/natos-original-purpose-double-containment-soviet-union-resurgent-germany )

Laurenz

24. Januar 2020 18:10

Ich verstehe nicht, wie manche Mitstreiter hier den Artikel nicht verstehen können? Kürzer und prägnanter gehen Analyse und Schlußfolgerung in geschliffenem Deutsch einfach nicht.

Die Unterstützung Israels, der ideale identitäre Staat auf Erden, an sich, sehe ich nicht als Problem an. Selbst provozierte Konflikte Israels allerdings oder auch eine offensichtliche Problematik mit dem Mullah-Regime in Teheran kann auch ich nicht als unsere internationale Aufgabe ansehen. Briten und Amerikaner haben selbst dieses Regime in Teheran provoziert. Wir, als kleiner Staat, können uns keine solchen ehemals britischen oder us amerikanischen Fehler erlauben, was ich fast als offensichtlich ansehen würde, gerade in Anbetracht unserer Geschichte. Bystron, unterstützt von Meuthen, ist dann wohl doch noch zu viel Tscheche, um das verstehen zu können und ist als Neu-Deutscher in dieser Frage zu inkompetent.
Wobei mir die Galle hochkommt, ist der beschissene Versuch unsere Wähler zu betrügen, sich der CDU/CSU, eine zukünftige Rand-Partei, als Steigbügel-Halter anzubiedern, um den Christdemokraten die Stimmen zu schenken, die sie durch uns verloren haben. Das ist charakterlich widerwärtig. Es ist auch ein interner Verrat. Viele gute Leute in der AfD haben unseren Erfolg zu verantworten und sich im Netz gegen eine 1.000 fache mediale Übermacht durchgesetzt. Allen diesen Leuten ist klar, daß wir in einer neue Weimarer-Zeit eintauchen, mit permanent wechselnden Mehrheiten, und ebenso ist jedem politischen denkenden Konservativen klar, daß wir diesmal klüger agieren müssen als unsere Vorgänger im Weimarer Original.
Hier hätte die AfD, auch gegenüber der Linken, ein Exempel statuieren können, um klarzustellen, daß auch mit uns in Sachfragen zukünftig Mehrheiten zu gewinnen sind. Diese Chance wurde vertan. Bystron hat bitterlich versagt, extern, wie intern.
Man muß einfach nur in die Spiegel-Umfragen schauen. Die Mehrheit will keine Masseneinwanderung und keine internationalen riskanten Aktivitäten Deutschlands, fertig. Und wenn wir diese Mehrheit zu unserer machen wollen, müssen wir entsprechend handeln und unserem Volk zeigen, wer wir sind. Diese Schmieren-Komödie der Judas-Elemente in der Bundestags-Fraktion wird uns Stimmen kosten. Es liegt an den AfD-Mitgliedern selbst, wen sie als Delegierte ins Rennen schicken.

Laurenz

24. Januar 2020 18:17

@TTH .... Italien ballert nicht wie wir, jedes Jahr 5 Milliarden Euro in den israelischen Haushalt und macht auch weniger Business, wie wir, mit dem Iran, da bleibt es als italienischer Pausen-Clown irrelevant, wem man die Stange hält. Wir müssen unsere Interessen vertreten und nicht die Italiens zB in Libyen. Unser Interesse sind Top-Beziehungen mit Israel und Top-Beziehungen mit dem Iran. Wir müssen nicht die Welt am Deutschen Wesen genesen lassen und für die Deppen dieser Welt die Kohlen aus dem Feuer holen. Alles andere ist links und krank im Hirn.

wms

24. Januar 2020 18:34

wms

Wieso ist den Kräften auf der Rechten eigentlich die Fähigkeit zu geopolitischem und historisch bewusstem Denken so weitgehend abhanden gekommen? Wie meinen sie, ohne eine gründliche Analyse der grundlegenden Veränderungen der Kräfteverhältnisse in der Welt (hin zu einer Multi-Polarität) Antworten auf brennende (verteidigungs-)politische Fragen geben zu können? Wieso meinen Leute, die die USA immer noch als unentbehrliche Schutzmacht betrachten und die Nato für unentbehrlich halten, sie seien (oder böten politisch) eine 'Alternative für Deutschland'? Unter dem "Schutz" der US-amerikanischen Atomwaffen in der Eifel und der Pfalz ist der deutschen politischen Elite doch jegliche Fähigkeit zu eigenständiger Analyse der Gesamtsituation abhanden gekommen!

Wieso bleibt es den Linken überlassen, die USA als das zu bezeichnen, was sie sind: eine im Untergang begriffene (und deshalb umso gefährlichere) imperialistische Macht? Und ich würde hinzufügen: Die USA unter Donald Trump lassen endlich den betörenden Schleier ihrer 'Befreiungs'- und Menschenrechts-Ideologie fallen und zeigen sich als das, was sie, realpolitisch betrachtet, sind: ein Gangster-Staat, der (über die Nato) Schutzgelder eintreibt, über missliebige Staaten, Firmen und Personen Sanktionen verhängt, d.h. offene Erpressung betreibt, um eigene ökonomische und politische Ziele durchzusetzen.

Wo blieb der empörte Aufschrei der Rechten, als die USA Sanktionen gegen die am Bau von 'Northstrem 2' beteiligten Firmen verhängte? Da sprach sogar Angela Merkel deutlichere Worte als sie die Rechten sie zustande brachten!

Wo bleibt die Forderung der Rechten nach Auflösung der Nato und Schaffung eines neuen System kollektiver Sicherheit (nach dem Muster OSZE), das einerseits Russland, andererseits die USA (nun aber nicht mehr als 'führende Macht') einschließt? Wieso bleibt es dem französischen Präsidenten Macron überlassen, klare Worte über den 'Hirntod' der Nato szu sprechen?

Und nun zur Frage des sog. 'Regime-Changes': Ist Ihnen nicht bewusst, dass es in dieser Frage eine historische Kontinuität ganz besonderer Art gibt? Eine Frage, die eine Schaltstelle deutscher Politik und deutscher Geschichte betrifft? Wissen Sie nicht, das Georg W. Bush (jr.) zur Begründung des völkerrechtswidrigen Angriffs der USA auf den Irak, der das Chaos auslöste, an dem die Völker des Nahen Ostens (aber auch die europäischen Völker) noch heute leiden, darauf hinwies, dass es schon einmal in der Geschichte einen "regime change" gegeben habe, der hervorragend funktioniert habe: die Niederschlagung des Hitler-Regimes in Deutschland und das 'imposement' eines 'demokratischen Systems' in (West-)Deutschland?

Die Notwendigkeit der Niederschlagung des Hitler-Regimes von außen ist unstrittig. Denn die Kräfte des Widerstandes in Deutschland reichten nicht aus, um dieses verbrecherische Regime zu stürzen. Aber die Kriegsziele der Alliierten gingen ja viel weiter! Sie wollten Deutschland ein für alle Mal als politischen Faktor in Europa (von dem Krieg ausgehe) ausschalten. Sie wollten die alte politische Elite (also nicht nur die Führung der NSdAP) beseitigen. Sie wollten durch 'Re-education' den Charakter der Deutschen verändern, ihnen ihre romantischen Flausen austreiben. Sie wollten den "deutschen Sonderweg" beenden und die Deutschen ihrer Geschichte berauben.

Es wird Zeit, dass die Rechte ihre bornierte Fixierung auf die Frage der Migration überwindet. Denn Migration ist unvermeidlich (und bis zum gewissen Grade sogar willkommen und notwendig). Wie sagte schon Friedrich Nietzsche? "Ohne den ständigen Zufluss polnischen Blutes wäre die deutsche Race (!) längst völlig verblödet!"
Die Deutschen sind schon durch die Vertreibung und Ermordung der Juden in einem Maße 'verblödet', dass man es kaum aushält, zumal dies die USA in einem Maße gestärkt hat, wie wir Deutschen das lieber nicht wahrhaben wollen...

Es wird Zeit, dass man sich um historische Neu-Verortung bemüht (und d.h. weder neo-nazistischen Mythen nachhängt noch der "Re-education"-Ideologie und entsprechender historischer Narrative auf den Leim geht, wie z.B. Prof. Winkler sie im Deutschen Bundestag herbeten durfte: "Deutschlands langer Weg nach Westen"...) Es geht um Selbstreinigung (im Gegensatz zu "Re-education"), es geht um Anerkennung von Schuld, die unsere Väter und Großväter auf sich geladen haben, aber es geht auch (und letztlich) um die Rückgewinnung von Selbstachtung und Würde. (Frances Fukuyama hatte zwar nicht die Deutschen vor Augen, als er sein letztes Buch über 'Identität' schrieb. Aber es gibt auch für unsere Situation etwas her: Es geht nicht nur bei den vom Imperialismus unterdrückten und ausgebeuteten Völkern der Dritten Welt um die Rückgewinnung von Selbstachtung und Würde, sondern auch bei uns in Deutschland als dem Kernland Europas.) Aber es geht auch um die Entwicklung von eigenständiger wissenschaftlicher Kompetenz in der Analyse der Weltlage und der Lage in einzelnen Weltregionen. Wo sind die rechten Expertengruppen, die es mit der Übermacht der "atlantisch" orientierten und finanzierten Thinktanks aufnehmen können?

Und was den Iran angeht: Natürlich ist die Herrschaft der Mullahs dort eine spezifische, abzulehnende Form des politischen Islam. Aber hüten wir uns doch, uns im Kampf gegen den politischen Islam an die Seite der USA zu stellen! Warum ist der politische Islam so stark, warum quillt er - trotz blutiger Unterdrückung - immer wieder aus dem Boden arabischer Länder hervor? Sei es in Form der Herrschaft schiitischer Mullahs oder sunnitischer Herrscher, sei es in Form der Muslimbrüder oder des "Islamischen Staates"(IS). Weil er eine Antwort auf die Unterdrückung, Entmündigung und Depravierung der arabischen (und anderer) Völker durch den Neo-Imperialismus zu geben verspricht. Insofern muss man gegenüber dem Iran notwendigerweise eine widersprüchliche Haltung einnehmen: Da wo der Iran sich gegen die Sanktionen der USA, und d.h. die ökonomische Erdrosselung, wehrt, muss man ihn unterstützen. Die europäischen Völker und Staaten müssen eine eigene Politik gegenüber dem Iran betreiben und dürfen sich keineswegs vor den Karren der US-amerikanischen 'regime-change'-Politik spannen lassen. Mit Recht hat der oberste iranische Mullah die führenden Politiker der europäischen Länder als "Feiglinge" bezeichnet.
Bei der 'Ausschaltung' von Politikern anderer (auch feindlich gesinnter) Staaten durch Drohnen handelt es sich übrigens nicht um "Tötung", sondern um Ermordung, werter Her Kubitschek!

Halenberg

24. Januar 2020 18:39

Nichts für ungut, Herr Kubitschek, aber diese Überschrift hätte nun wirklich nicht sein müssen. Die beiden Herren Meuthen und Bystron vertreten doch eine legitime Position, und weisen vor allem auf die Heuchelei oder einfach nur dumme Schwätzerei des Bundespräsidenten hin. Position 2 ist doch zum guten Teil Wunschdenken, und es gibt wirklich wichtigeres im Moment.
Es bleibt der Eindruck, dass hier, wieder einmal, Agendasetting für die Flügler betrieben wird. Das Beschwören rechter Einigkeit, mal passt es, mal nicht.

Mercurius

24. Januar 2020 19:05

Es gibt im Leben wie in der Politik immer mehr als 3 Möglichkeiten! Eine Abwendung von den USA oder der Nato wäre für Deutschland sicherheitspolitisches Harakiri und ist abzulehnen, zumal eine wirkliche deutsche Souveränität nach 1945 nie mehr bestanden hat(Schäuble!). Daran änderte auch 1989 nichts. In den 2+4 Verträgen sind die 4 Siegermächte keineswegs aus ihrer Verantwortung entlassen worden! Dennoch sollte Deutschland es unterlassen bei jedem Abenteuer der Allierten, Stichwort " Regime Change", mitzumachen. Die noch vorhandene bescheidene Souveränität sollte darüberhinaus nicht noch durch die Ankettung der eigenen Staatsräson an den Staat Israel verwässert werden!(Merkel,Steinmeier!) Das ist wieder einmal eine gefährliche Art von "Nibelungentreue", die bekanntlich zur Kriegeskalation von 1914 geführt hat! Deutschland sollte sich auf die Sicherung des eigenen u. europäischen Raums beschränken und sich aktiv um die Sicherung der europäischen Außengrenzen kümmern, am besten im militärischen Verbund mit den Alliierten.- Ich bezweifele jedoch, dass wir die politischen Eliten u. Parteien haben, um die zahlreichen eigenen Interessen zu vertreten und durchzusetzen.- Die derzeitige Merkelsche Politik ist ohne wirkliche Strategie und Ziel. Es wird lediglich larviert und taktiert. Probleme wie die Massenimmigration von Armutswanderern, aber auch die kostspielige, nicht versorgungssichere Energiepolitik, eine schlechte Bildungspolitik, langsame Umsetzung großer Bauvorhaben(Flughafen Berlin,Stuttgart 21) u. ein Internetausbau im Schneckentempo sind traurige Beispiele. Die Zeit für strukturelle Veränderungen, für eine Reform an "Haupt u. Gliedern", wird knapp! Wenn noch 2 Legislaturperioden vertändelt werden, dann wird Deutschland nur noch eine Bedeutung wie Dänemark haben(Sarrazin), also in der 2. oder 3.Liga spielen, womit ich keinesfalls etwas gegen das schöne Dänemark gesagt haben möchte! Leider sehe ich momentan keine politische Kraft oder Person, die das Land aus seiner wohligen Lethargie reißen und zu neuen Ufer führen könnte!

Mitleser

24. Januar 2020 19:31

"Der AfD-Bundessprecher und Spitzenkandidat für die EU-Parlamentswahl, Prof. Dr. Jörg Meuthen, spricht sich für die „Rückbesinnung auf ein Europa der Vaterländer“ aus, wie von Staatsmännern wie Charles de Gaulle geprägt."
https://afdkompakt.de/2019/05/07/fuer-ein-europa-der-vaterlaender-2/

Wie glaubwürdig ist das, wenn man bedenkt das Charles de Gaulle umgesetzt hat, was die AfD nur im Programm hat, aber nicht umzusetzen will?

@Hartwig aus LG8

Gegen wen "nackt dazustehen"?
Die anderen europäischen Militärs stellen keine echten militärischen Bedrohungen dar.

Solution

24. Januar 2020 20:38

Volle Zustimmung, Herr Kubitschek.

Was die AfD sich bezüglich ihrer kriecherischen Haltung gegenüber Israel leistet, ist widerlich.

Genau an dem Punkt gibt es einen unüberwindlichen Graben zwischen Rechten und Nicht-Rechten. Meuthen und Co sind nun mal keine Rechten.

Ich kann nur immer wieder dafür plädieren, von innen und außen mehr Druck auf die AfD auszuüben, nicht ständig rote Linien zu überschreiten.

Ceterum censeo: Ich will nicht (wie Gauland fordert) "für Israel kämpfen oder sterben". Auch nicht für die USA.

brueckenbauer

24. Januar 2020 21:00

Die Anhänger des Regime Change haben die Gründungsgeschichte der BRD missverstanden. Und ihre rechten Gegner ebenso. Es war eben nicht einfach so, dass die Deutschen sich der alliierten Gewalt unterwarfen. Sondern viele Deutsche sahen tatsächlich einen Vorteil in einem System, das es ihnen erlaubt hätte, Hitler 1942 abzuwählen. Und auch die eingefleischten Nationalsozialisten sahen den Vorteil eines Systems (fdGO), das von seiner Grundidee her auch den Angehörigen der besiegten Partei einen safe space in der Opposition anbietet.
Bystron, Meuthen usw. vertreten ein ganzes Milieu, das zu dieser Grundidee der Bonner Republik zurückkehren will. Das sollte allerdings begleitet sein von einem anderen Konzept von Außenpolitik - nicht der Krieg, sondern die an den Krieg anschließenden Verständigungsprozesse sind konstitutiv für den Erfolg (in Bonn und anderswo).

Skaansdirmo

24. Januar 2020 21:09

Meuthens Äußerung zum Holocaustgedenken ist m. E. ein geschickter Schachzug in der Sphäre politischer Taktik. Denn die Linke - und keinesfalls nur der radikale Narrensaum - ist ja antisemitisch. Sie sieht das Judentum als auf Abstammung beruhend und damit als rassistisch an, kann sich eine derartige Fundamentalkritik aber wegen des Holocaust nach eigenem Bekunden eigentlich nicht erlauben. Wann findet man den Gegner schon in einem solchen Dilemma! Wenn Meuthen dazu etwas sagt, muß das überhaupt nicht kommentiert werden. Wie jetzt Kubitschek in die Niederungen der Parteipolitik steigt und versucht, Personalpolitik zu machen, ist bedauerlich.

Homeland

24. Januar 2020 22:18

Offensichtlich schmerzt alleine die Nicht-Unterstützung des SED-Vorläufer-Antrages am allermeisten. Denn an Fragen zur Strategie, ersatzweise Taktik, kann es ja nicht liegen. Statt die sozialistische Brüderlichkeit zu zelebrieren, statt Ehre einzufordern und Treue zu schwören, wird dem amerikanischen Regime Change gefrönt? Leute, die AfD hat keine Machtoption. Sie wird heute als Russland-Brücke und morgen von den gleichen Schreibtischtätern als Amerika-Hater gebrandmarkt. Ihr sucht euer Heil in einem Bündnis mit der Linken, mit der netten, in Wahrheit doch sicher patriotischen Frau Wagenknecht? Gut, dann sucht euch einen prominenten Flügelmann und schickt ihn gegen Meuthen und Bystron mit der Amerika- und Israelfrage in den Krieg. Und wichtig: Nicht zu lange warten, gleich loslegen, den Dracula-Pfahl gleich mal richtig eingerammt in den deutschen Mainstream. Und eine Grußnote an den Iran nicht vergessen. Wer den genauen Fahrplan haben will, kann mal bei der NPD nachfragen. Viel Spaß auch.

TheBlackCat

24. Januar 2020 22:24

Wie ich in meinem ersten Beitrag hier auf der „Sezession“ schon schrieb, war der letzte Bundestagsparteitag eine Niederlage des Flügels. Alleine schon weil eben kein klarer personeller Wechsel erfolgt ist. https://sezession.de/61869

Es bleibt mir noch zu zitieren, was ich schon Anfang Dezember schrieb:

>>Meuthens Denken ist von der "linksgrünen", kulturmarxistischen Ideologie stark beeinflusst. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass er ständig linke Begriffliche vollkommen unreflektiert verwendet, ja sogar lupenreine linke Kampfbegriffe zur Dämonisierung jedweder nicht-linker Position wie "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit"."

(...)

Meuthen selbst hat in der Vergangenheit immer wieder Äußerungen getätigt, die darauf hindeuten, dass ihm die Multikulturalisierung Deutschlands prinzipiell nichts ausmacht und dass er Deutschland ganz selbstverständlich als multiethnische Siedlungszone, als Willensnation, betrachtet.

Noch 2016 sprach er von "Millionen Menschens muslimischen Glaubens", die "gut integriert" seien und "zu Deutschland" gehörten. (Quelle https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.afd-chef-meuthen-wir-wehren-uns-gegen-immer-mehr-moscheen.b96e530f-4e29-4d5e-a21e-cd82026f5df1.html)<<

Meuthen ist kein Konservativer oder „Rechter“. Er hat allem Anschein nach kein rechtes weltanschaulich-philosophisches Fundament.
Im Grunde ist Meuthen wirtschaftspolitischer Hinsicht ein Neoliberaler, gesellschaftspolitisch steht er gefährlich nahe an der kulturmarxistischen Ideologie des politisch-medialen Establishments.

Ich denke, dass er seine wahres Weltbild in den letzten paar Jahren etwas kaschiert hat und dass er in Wahrheit kultureller-linker ist, als es seine Redebeiträge vermuten lassen. Darauf deuten zumindest seine oben zitierten Äußerungen vom Beginn seiner Karriere aus dem Jahr 2016.

Aber mit dieser Presseerklärung hat Meuthen sprichwörtlich das „Fass des Erträglichen zum Überlaufen“ gebracht.

Damit hat sich Meuthen jetzt auch noch außenpolitisch dem politischen Establishment angepasst, ja regelrecht überangepasst. Mit dieser Erklärung begeben sich Meuthen und Bystron auf „Bild“-Niveau.

Allerdings sollte diese Presseerklärung den aufmerksamen Beobachter nicht überraschen. Er ist viel mehr der neueste Höhepunkt einer längeren Entwicklung, an der der Flügel auch nicht ganz unschuldig sind. Aber dazu mehr in meinem zweiten Beitrag.

Hartwig aus LG8

24. Januar 2020 23:01

@ Mitleser

Wollen Sie jetzt hier den Schäuble machen a'la "Deutschland ist von Freunden umzingelt"??

Es wird immer und sofort jemanden geben, der die Schwäche eines "nackt dastehenden" zu seinen Gunsten nutzen wollen wird.
Dieses Argument wird auch dadurch nicht entkräftet, dass viele andere europäische Staaten momentan mit ähnlich heruntergelassenen Hosen erwischt werden.

Fredy

24. Januar 2020 23:11

Es wird immer Unterschiede zwischen Politikern und Verlegern geben. Es steht dem Verleger frei Politiker zu werden.

TheBlackCat

24. Januar 2020 23:12

Ich hoffe sehr, dass Herr Kubitscheck diese Presseerklärung Meuthens zum Iran nicht wirklich überrascht hat.

Denn diese Presseerklärung ist gewissermaßen eine neuerliche Manifestion einer lange ablaufenden Entwicklung in der AfD. Eine Entwicklung, die selbst einer Person wie mir – mit weit weniger persönlichen Verbindungen und weniger Einblick in das Innenleben der Partei – nicht engangen ist.

Praktisch schon seit Beginn der Partei versucht ein kleines aber lautstarkes Grüppchen der AfD einen transatlantischen, pro-israelischen Kurs aufzuzwingen, und die AfD so zu einem loyalen Interessensvertreter der USA und Israel zu machen.

Dazu zählte das ehemalige Führungsduo Frauke Petry und Markus Pretzells, Georg Pazderski, Joachim Kuhs und sein Freund Frank Hansel. Beatrix von Storch scheint einer der fanatischsten Verfechterin für die Sache Israels zu sein. Auch Alexander Gauland muss dieser Gruppe mittlerweile zugerechnet werden, auch wenn er auch anfangs noch zaghafte Kritik zeigte.

Wie es immer so ist: Damit sich eine Gruppe sich mit ihrer Position durchsetzt, muss sie selbst keine Mehrheit haben. Es reicht aus, wenn sie keinen Widerstand erfährt.
Wenn 10% der AfD-ler entschlossen für einen USA- und Israel-loyalen Kurs kämpfen und 90% der AfD-ler sind außenpolitisch relativ neutral, dann werden sich die Vertreter des USA- und Israel-loyalen Kurses eben durchsetzen.

Auch der „Flügel“, der hier als parteiinternes Korrektiv hätte wirken können, hat keinen erkennbaren Widerstand geleistet.* Ganz generell scheint der Flügel kein wirkliches außenpolitisches Konzept zu haben, an dem sich unentschlossene bzw. außenpolitisch unbedarfte AfD-Politiker hätten orientieren können. Er hat den innerparteilichen Diskurs in Fragen der Außenpolitik dieser Gruppe praktisch kampflos überlassen.

Eine wichtige Frage ist, die wir uns stellen müssen, ist eigentlich was diese Leute motiviert.

Steckt dahinter nur eine Art Schuldkomplex, der sich dann in einen übertriebenen Philosemitismus niederschlägt, gepaart mit außenpolitischer Naiviät. Das wäre die harmlosere Erklärung.

Oder stehen diese Leute viel mehr unter dem Einfluss transantlantischer bzw. pro-israelischer Netzwerke und Interessensgruppen.

* Zumindest keinen, der mir als außenstehender Beobachter aufgefallen wäre. Über innerparteiliche Vorgänge kann ich natürlich nicht sprechen.

DerRechteAnwalt

24. Januar 2020 23:29

Kluge und wahre Worte von Ihnen, Herr Kubitschek, meinen Dank! Sie beherrschen die Kunst, auf dem schmalen Grat zu balancieren, der uns deutschen Rechten nur zur Verfügung steht. Das können in der alternativen deutschen Partei nur ganz wenige, Marc Jongen vermag es, Björn Höcke arbeitet daran; im Bundesvorstand ist weit und breit keiner zu sehen... Die AfD wird Ihrer kritischen Anmerkungen weiterhin dringend bedürfen.

Noch etwas anderes: Früher ging es mir häufig so, daß die Freude nach der Lektüre eines SiN-Textes mit dem Lesen der Kommentare noch zunahm; das erlebe ich heute nicht mehr. Wo sind die alten Recken geblieben? Raskolnikow weilt doch noch unter den Lebenden?! Und wo sind die jungen Rechten? Fragen über Fragen...

AlexSedlmayr

24. Januar 2020 23:49

Ich würde hier erst einmal ein Langziel und die dafür realistischen Bedingungen setzen:

Nach zwei Weltkriegen befinden wir uns in der nachimperialen Phase. Das trifft auf die USA nicht zu, im Fall von Russland war es nur ein kurzes Aussetzen am Spielbrett und Peking kehrt nach langer Abstinenz in diesen Kreis zurück.

Durch unsere Selbstzerfleischung einschließlich der anhaltend maladen dahinsiechenden Situation hier auf dem Kontinent sind wir machtpolitisch momentan Spielfigur.

Das Langziel sollte, da wir eben in unserer nachimperialen Phase sind, auch nicht die Rückkehr in den wilden Machtpoker der "jungen Leute" sein, sondern ein souveräner Platz auf der Ehrentribüne. Wir wollen Spieler sein und nur sofern spielen, damit wir jetzt nicht im Spiel der anderen zur Spielfigur werden.

Das Langziel ist es also "uns" die nötige Machtfülle zu verschaffen, dass wir uns dem unmittelbaren Zugriff der anderen Mächte entziehen können, zugleich das Rad weltinnenpolitisch nicht unnötig mitanzutreiben sondern einzig unsere Position darin zu halten und dann halbwegs gute Beziehungen zu allen anderen zu unterhalten.

Unter den jetzigen Bedingungen, da stimme ich einigen Vorrednern zu, wird es keine Äquidistanz geben, weil wir gar nicht die Strukturen dafür haben, diesen Abgrenzungsruck in alle Richtungen aufrecht zu erhalten.

Sich von den USA abzuwenden (und so wird jede Distanzierung aufgefasst werden und sei sie noch so gut gemeint) bedeutet den Weg frei zu machen von Russland dominiert zu werden.
Es gibt in diesem Fall dann auch keine Möglichkeit mit Russland zusammen die Frage Osteuropas neu zu ordnen, denn Russland betrachtet Europa als Vorhof seiner Politik und Osteuropa als eine traditionelle Einflusssphäre seiner internationalen, wenn nicht sogar imperialen Machtpolitik. Und das ist, wovor sich unsere Nachbarn wie Polen oder die Staates des Baltikums fürchten, gerade aus leidvoller Erfahrung, die nicht allein mit dem Sowjet-Kommunismus verknüpft ist, sondern auch mit der Despotie des Zarenreichs. Ein Riss würde sich dann in Europa auftun und mit der vergrätzten USA wäre der Raum offen dafür, dass Russland seine Umarmung ausbreitet, die uns dann nicht befreit (wie es die irrige Hoffnung wäre) sondern nur umgekehrt zu seinem Vasallen macht.

Von China will ich da gar nicht erst anfangen.

Bevor wir überhaupt in die Position gelangen können, zu Russland oder den USA ein Verhältnis halbwegs auf augenhöhe aufzubauen, statt einfach nur zu entscheiden wessen Vasall wir sein wollen, müssen wir überhaupt in der Lage sein unsere eigenen Interessen wieder wahrzunehmen (was jetzt durch die EU durch das herausekeln der Atommacht GB noch schwieriger geworden ist). Das betrifft aber nicht Deutschland sondern Europa als Ganzes, denn mit Mächten wie China, Russland oder den USA, die von Größe und Bevölkerung als jeweils einzelne Staaten den gesamten europäischen Kontinent aufwiegen können, kann man zumindest auf der Warte einer Souveränität auf der Ebene der Weltpolitik nicht in Einzelstaaten begegnen.

Erst wenn Europa seine Grenzen und Mitgliedsländer schützen kann und bereit ist, notfalls auch mit dem Nachdruck im besten Fall wieder zweier Atommächte und seiner gesammelten wirtschaftlichen Schlagkraft für sich selbst einzustehen (und das bedeutet, dass sich hier das nach Weltgeltung strebende Frankreich, das nach Selbstbestimmung strebende GB und das posthistorische, postnationle Deutschland darauf endlich verständigen müssen, dass dies der Daseinszweck der EU ist und nicht der Durchlauferhitzer einer globalen McWorld zu sein) besteht überhaupt erst eine Grundlage auf der irgendeine Positionsbestimmung gegenüber den USA oder Russland möglich ist.

In dem jetzigen Zustand Europas, seiner Streitkräfte (denn primär geht es hier um Sicherheitspolitik) und der völligen Visionslosigkeit wofür Europa überhaupt da ist, außer sich aufzulösen und sich dann irgendwann zum Hoheitsgebiet der UN zu deklarieren, sind solche Debatten ähnlich ernst zu nehmen wie die fixe Idee Früh-Pubertierender, die noch keinen Abschluss haben, nicht kochen oder Wäsche waschen können und schon gar keine finanziellen Mittel haben, einen eigenen Haushalt führen zu können.

Was man am ehesten der AfD vorwerfen kann ist, dass sie in dieser Richtung nicht stärker zumindest die Debatte über eine Vision eröffnen, denn es handelt sich hier ja um eine relevante Zukunftsfrage, wo Europa in Zukunft stehen soll. Das "An der Seite der USA"zu stehen ist ja eine Verkennung der Lage, da wir uns eben in einer einseitigen Abhängigkeit befinden, die wir momentan wie eine Made im Speck ausnutzen, aber da wir eben nur Vasall sind, kann es auch sein, dass uns die USA einfach fallen lassen, wenn wir ihr nicht mehr nützlich sind und das hat Trump ja im Bezug auf das mangelnde NATO-Engagement der Europäer bereits durchscheinen lassen. Möglicherweise kann es nämlich in Zukunft völllig irrelevant sein, ob wir noch demonstrativ "An der Seite der USA stehen wollen", wenn die darauf gar keinen Wert mehr legen, weil China und der Pazifikraum und die dortigen Länder längst interessanter geworden sind.

Also selbst, wenn man davon überzeugt ist, auch in Zukunft weiter partner der USA sein zu wollen, dann wird man auch da nicht drumherum kommen, eine Vorstellung zu entwickeln, wer man selbst in Zukunft sein will, dass einen überhaupt noch relevant für ein Bündnis macht.

tearjerker

25. Januar 2020 00:21

In Bezug auf was sind die Deutschen denn Musterschüler? Vollkommen falsch, ausgerechnet das Verhältnis USA-BR zur Gretchenfrage zu machen. Die Amerikaner haben Westeuropa militärisch unterworfen und einen Regime- und Strukturwechsel erzwungen und können deshalb machen, was sie wollen, egal ob Hallervorden oder Höcke was dagegen haben. Die einflusslose Rechte kommt bei dem Thema noch impotenter daher als ohnehin, während die linksdrehenden Institutionen bereits 100 Jahre Subversion gegen die USA vorweisen können und alle Positionen mehrfach besetzt haben. Fast schon komisch wirkt, dass ausgerechnet das jetzt die Einsicht bescheren soll, die Alternative könnte keine sein, obwohl sie doch in weiten Teilen aus desertierten Altparteilern der hinteren Reihen rekrutiert wurde. Es muss erst noch geklärt werden, wo überhaupt Opposition vorhanden ist ausser beim Wettbewerb um öffentliche Positionen.

Christian2309

25. Januar 2020 01:00

Die Gretchenfrage ist doch: Wie stehen wir zu Israel? Ist unsere Position da nicht fast zwangsläufig durch die Gegnerschaft zum Islam bestimmt?

Laurenz

25. Januar 2020 01:07

@wms .... Sie werfen Ihren Mitforisten hier zuwenig realistische geo-strategische Einschätzung vor, machen Sich aber desgleichen schuldig. Inder oder Chinesen sehen den 2. Weltkrieg ganz anders als wir. Die Chinesen fragen höchstens nach, warum sich die Nationalsozialisten von China ab und Japan zugewandt haben. Beide Staaten, China und Indien haben unter welchem faschistischen Imperium mit locker jeweils 20 Mio. Opfern gelitten? Genau, unter dem britischen Imperium. Von daher sind historische Standpunkte ganz unterschiedlicher Natur, und man sollte diese jeweiligen Optionen im Auge behalten. Die USA existieren ca. 240 Jahre und waren mit ihrem Geschäftsmodell Krieg 220 Jahre unterwegs, ohne jemals tatsächlich angegriffen worden zu sein. Die jeweiligen Gegner, ob Spanien, Indianer, Barbaresken, Mexikaner oder wir Deutschen (die Liste ist fast endlos) waren in der Vergangenheit immer die Schurkenstaaten. Nur heute sind die Schurkenstaaten die BRICS-Staaten, und die Nato ist weder in der Lage noch willens dieser Staaten Herr zu werden, das ist vorbei. Daß sich dabei die Nationalsozialisten weitestgehend unterschieden haben sollen, ja bitte, gestehe ich Ihnen zu, aber in was denn? Die Problematik liegt eher darin begründet, daß nachwievor Produktivität in Deutschland vorhanden ist, an der man saugen kann.

@Mercurius ... nein, die Nato zu verlassen, ist keine Sicherheits-politisches Seppuku, solange man die Maßgaben Bismarcks einhält. Süd-Europa ist geo-strategisch vollkommen wertlos geworden. Selbst die Linke weiß, daß nachfolgende Generationen mit den Russen am Ussuri stehen werden müssen, um ihnen zu helfen, die sibirischen Rohstoffe zu bewachen.

Jetzt kostet uns die Nato-Freundschaft jedenfalls mehr als sie uns bringt. Wenn wir schon 2 oder 3 % unseres BIP oder GDPs für unser Militär ausgeben sollen, dann, um wenigstens unsere eigenen Interessen mit Partnern zu vertreten, die dieselben oder ähnliche Interessen vertreten, wie wir. Jedenfalls ist es nicht unser Interesse, in Afghanistan die Heroin-Straße zu bewachen oder in Syrien westliche Gas-Konzerne zu unterstützen. Hier finden wir auch das rationale Ende unserer Umwelt-Debatte, die alleine dazu dient, uns in Abhängigkeiten zu verstricken. Wir haben noch für 1.000 Jahre Kohle im Boden, nur die macht uns souverän.
Und wir können auch mit einem Ausstieg aus der Kohle kein gutes Vorbild sein. Wer will uns schon in die Armut folgen? Die Amerikaner? Die Asiaten? Alle lachen sich tot, Deutschland wird ohne einen Schuß abzufeuern, wieder mal niedergekämpft. Wurde ja auch Zeit.

Fenris

25. Januar 2020 01:15

"Zunächst bleibt zu konstatieren, dass es der Bundesrepublik deutlich zum Vorteil gereichte (materiell, sicherheitspolitisch, innenpolitisch) auf Seiten der USA gestanden zu haben."

Der Bundesrepublik schon. Aber Deutschland?

Wo immer Meuthen die AfD mit seiner „reformorientierten Bürgerlichkeit“ hinführen will, es wird nicht die Freiheit und Souveränität Deutschlands sein. Darum geht es dem Mann nicht, dem eines schon immer viel wichtiger war:
https://www.welt.de/debatte/kommentare/article156978711/AfD-Meuthen-klagt-ueber-seine-17-136-Euro-im-Monat.html

Ich habe mich schon lange gewundert, daß diese über Jahre doch recht offen vorgetragene Systemtreue scheinbar niemandem in meiner Partei aufgefallen war. Um so mehr bin ich froh, daß ich mit meinem Zorn wohl wenigstens hier nicht allein bin.

Es ist ganz einfach: Der Herr badet vermutlich lau. Mit seiner pro-israelischen, pro-amerikanischen Haltung paßt er eher zu PI- News als nach Schnellroda und es ist doch auch viel bequemer, sich in den tatsächlichen Machtverhältnissen in diesem Land einzurichten, als diese zu hinterfragen. Dagegen steht auch nicht das Begehren, selbst auf dem Stuhl des Verwesers Platz nehmen zu wollen – wenn er denn gut bezahlt wird.

Zuletzt erklärte Meuthen am 29.12. des vergangenen Jahres gegenüber der Süddeutschen, "die AfD ist durch und durch pro-jüdisch".
https://www.sueddeutsche.de/politik/alternative-fuer-deutschland-meuthen-erklaert-afd-fuer-durch-und-durch-pro-juedisch-1.4739191

Warum er das tut? Es geht um Absolution, um was denn sonst? Wer denkt schon so weit, daß deren Kehrseite die wenigstens geistige Unterwerfung ist?

In dieser Beziehung war Jörg Meuthen übrigens immer völlig eins und ist in einer geraden Linie zu sehen mit Petry und Pretzell. Die gaben auch die starken Widerstandskämpfer zum Besten und legten sich für den internen Gebrauch sogar die Spitznamen „Bonnie & Clyde“ zu.

Man lese nur das in Deutschland leider überhaupt nicht beachtete Interview, welches das jüdische Tablet Magazine seinerzeit mit Frauke Petry geführt und in welchem diese als Feindzeugin nicht nur Björn Höcke als Antisemiten bezeichnet sondern auch noch erklärt hat, daß zwischen ihre und Angela Merkels Sichtweise auf Israel kein Blatt passen würde.

https://www.tabletmag.com/jewish-news-and-politics/224027/frauke-petry-tablet-interview

"And I apologize if also, let’s say, sayings of, let’s say, some of my party colleagues—and I know that Björn Höcke is, unfortunately, a very well-known example for that—conveys the idea of the AfD being anti-Semitic in any way. It is not. I’m really convinced of that, and this is why I speak so openly and publicly about what I think the relationship with Jews and Israel should be like."

Pretzell sekundierte 2017 mit seinem Ausruf auf der Koblenzer ENF- Veranstaltung passend: „Israel ist unsere Zukunft […]!“

Auch die dubiosen Figuren Strache, Marine Le Pen und Wilders haben übrigens alle seit jeher einen ausgesprochen pro-israelischen Kurs gefahren und Newsweek wußte bereits 2015 zu berichten:

„The senior Jewish figure says that far-Right parties are seeking "a certificate of honesty" for their Islamophobic campaigns by attempting to get Jewish organisations on board.”

https://www.newsweek.com/european-far-right-parties-seeking-anti-islam-coalition-jewish-groups-330300

was 2011 allerdings auch schon der Spiegel wußte:

https://www.spiegel.de/politik/ausland/allianz-von-islamgegnern-rechtspopulisten-entdecken-israel-als-verbuendeten-a-777210.html

Und weil Meuthen zwar keinen Spitznamen, dafür aber seine zutiefst bundesrepublikanische Haltung vor sich herträgt, muß er auch dringend weg. Die Basis hätte ihn in Braunschweig sicher nicht mit diesem Ergebnis davonkommen lassen.

Lotta Vorbeck

25. Januar 2020 01:25

@TheBlackCat - 24. Januar 2020 - 10:24 PM

"... Mit dieser Erklärung begeben sich Meuthen und Bystron auf „Bild“-Niveau. ..."

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Werter @TheBlackCat, schauen Sie im Videoarchiv des YT-Kanals vom Oliver Flesch doch mal nach, wie oft der tschechischstämmige dieser beiden 'peinlichen Musterschüler' [G.K.] den Herrn Flesch während des vergangenen Jahres auf Mallorca besuchte, um sich mit Flesch stundenlang vor der Kamera zu präsentieren.

Zumindest P. Bystron befindet sich (so er denn je woanders verortet gewesen sollte) längst auf "Bild"-Niveau.

Lotta Vorbeck

25. Januar 2020 01:41

@tearjerker - 25. Januar 2020 - 00:21 AM

"... Fast schon komisch wirkt, dass ausgerechnet das jetzt die Einsicht bescheren soll, die Alternative könnte keine sein, obwohl sie doch in weiten Teilen aus desertierten Altparteilern der hinteren Reihen rekrutiert wurde. Es muss erst noch geklärt werden, wo überhaupt Opposition vorhanden ist ausser beim Wettbewerb um öffentliche Positionen."

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

In Anlehung an Peter Scholl-Latours Kalkutta-Sentenz "Wer halb Kalkutta aufnimmt, hilft nicht Kalkutta, sondern wird selbst Kalkutta", könnte man formulieren: Wer aus dem herrenlos gewordenen Treibholz von BRD-Systemparteien eine neue Partei zusammennagelt, bekommt keine Oppositions-, sondern eine BRD-Systempartei."

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Björn Höcke & Hans-Thomas Tillschneider sind damit ausdrücklich nicht gemeint.

Franz Bettinger

25. Januar 2020 06:59

Was für ein Riesenfehler seitens der AfD! Den Antrag der Grünen und Linken mitzutragen und alle fremden Truppen aus dem Land zu komplimentieren, eventuell noch ergänzt durch die Forderung nach einem Nato-Austritt, das wäre für die AfD eine prima Gelegenheit gewesen, Standpunkt und Ernsthaftigkeit ihrer Politik aufzuzeigen und vor dem eigenen wie fremden Wahlvolk glaubwürdig darzustehen. Blamabel, sich auf Strategie und realpolitische Zwänge herauszureden! Strategisch sitzt der schwer kriminelle und schwer bewaffnete Erpresser (deep state USA) immer am längeren Hebel gegenüber dem Erpressten (Rest der Welt, insbesondere BRiD). Mit einer anbiedernden Taktik kommt man in solchen Konstellationen nicht weiter. Ja @Laurenz, ganz recht: es handelt sich um Wähler-Betrug! (Wie erklär ich das nur meiner AfD-Ortsgruppe, hm? Die sind stink wütend.) Die AfD muss vorsichtig sein. Ihre Wähler sind nicht die üblichen Gewohnheits-Wahl-Trottel der System-Parteien; AfD-Wähler sind eigensinnig und selbstbewusst. Mit solchen falschen Entscheidungen könnte die AfD ihr Ende einleiten. Wäre schade.

"J. Fischer gewann die Zustimmung zum Nato-Einsatz gegen Serbien 1999 dadurch, dass er argumentierte, nur auf diese Weise könne ein zweites Auschwitz verhindert werden. Bystron instrumentalisiert Auschwitz ebenfalls, um den Regime Change im Iran zu befördern.“ Ja, Herr Kubitschek, auf die Parallele Serbien / Iran / Syrien und andere "Schurkenstaaten" hinzuweisen und „Auschwitz" als ewig Missbrauchs-anfällige, neunschwänzige Katze vorzuführen, das war wichtig. Nebenbei: Auch wenn ich schon ewig nichts mehr gut an den Linken und Grünen finde, mit diesem Antrag im BT haben sie (seltsamer Weise) Charakter bewiesen und einen Kern ihrer alten Form wieder gefunden. (Wahrscheinlich ein Ausrutscher.)

RMH

25. Januar 2020 10:40

"Was für ein Riesenfehler seitens der AfD! Den Antrag der Grünen und Linken mitzutragen und alle fremden Truppen aus dem Land zu komplimentieren,"

@Franz Bettinger,
ich verstehe ihre Logik hinter dieser Behauptung nicht. Selbst wenn die AfD so abgestimmt hätte, dann hätte die GroKo aus Union/SPD, die immer noch die Mehrheit hat, unterstützt in diesem Fall sicher auch noch von der FDP, den Antrag abgelehnt, sprich, da wäre so oder so nichts daraus geworden.

Für Anträge der Parteien wie Linke und Grüne, welche die Haupthetzer gegen die AfD sind, zu stimmen macht überhaupt keinen Sinn, selbst wenn man inhaltlich diesen ab und an zuneigen mag (ob das in der Bundestagsfraktion der AfD selber überhaupt mehrheitlich der Fall gewesen wäre, weiß ich nicht, wage es aber zu bezweifeln).

Betrachtet man die neuen Länder, kann es die AfD mit einer überlegter Strategie und Taktik eher schaffen, einmal die vom Bundesvorstand der Union vorgegebene "Niemals mit der AfD"-Direktive aufzubrechen und von dort die eine oder andere Stimme bei einer Abstimmung zu erobern, als die LINKE dazu zu bringen, in den Punkten, wo sie mit dem FLÜGEL evtl. konform geht, mit der AfD zu stimmen. Die Linken sind hier sehr geschlossen und resolut und im Osten verliert die Linke Wähler an die AfD und zwar ausgerechnet die zukunftsträchtigen Nichtrentner - von daher sind die Kampflinien recht klar und die Linke bekämpft die AfD daher nicht ohne Grund massiv unter Einsetzung aller legalen und indirekt illegalen Mittel (Antifa). Die anderen Parteien sehen dies mit stiller bis offener Billigung und auch Genugtuung, nach dem Motto, wenn zwei sich streiten ...

Wenn man also der AfD im Bund etwas vorwerfen mag, dann bestimmt nicht, dass sie nicht FÜR den Antrag der Grünen -Linken gestimmt hat, sondern dass sie sich hier nicht enthalten hat und offenbar für den Antrag der anderen gestimmt hat.

Das persönliche Angehen von AfD-Spitzenpersonal wie Herrn Meuthen von einigen hier im Forum ist mindestens genauso unwürdig, wie das Angehen gegen Herrn Höcke von anderen Teilen der AfD (vornehmlich in der Vergangenheit), über dass sich dann aber gerade auch hier immer gerne beschwert und aufgeregt wird (und wurde). Das billige politische Spiel und Geschäft des ad hominem/ ad personam kennen also ausnahmslos ALLE Beteiligten, dass ist eine Haupterkenntnis aus der Lektüre der hiesigen Diskussionsbeiträge.

Im Übrigen ist mir Israel tausendmal lieber als das Baukran-Regime im Iran, welches die großartige Kultur Persiens seit Jahrzehnten ad absurdum führt. Im wesentlich pro Israel bedeutet außerdem auch nicht zwangsläufig contra Russland und 100% Pro-USA zu sein. Israel selber geht hier viel smarter und differenzierter vor, als es die meisten schwarz-weiß Maler erkennen wollen. Gerade Putin pflegt trotz Frontstellung bspw. in Syrien exzellente Beziehungen zu Israel und dies nicht aus einseitigem Bedürfnis sondern eben weil es wechselseitige Gründe gibt. Die Realität bleibt eben komplex und wir Außenstehende stehen daneben und können froh sein, wenn sich irgendwo einmal der Nebel nur ein bisschen lichtet.

Abschließend:
Auch nach der Lektüre aller Beiträge hier, bin ich nach wie vor verwundert darüber, warum die Debatte z.T. in den Bereich des Persönlichen geschickt wurde und nicht vollständig in den des Sachlichen.

Patrick Zuefle

25. Januar 2020 10:56

@TheBlackCat
Was Sie geschrieben haben sollte nachdenklich stimmen.
"Praktisch schon seit Beginn der Partei versucht ein kleines aber lautstarkes Grüppchen der AfD einen transatlantischen, pro-israelischen Kurs aufzuzwingen, und die AfD so zu einem loyalen Interessensvertreter der USA und Israel zu machen."

Ich habe zu wenig Einsicht, um klar zu sehen, was da alles wirkt. Der eigentliche Impuls der AFD war sicher ein anderer. Sich für Europa einzusetzen und Deutschland eine Alternative zu bieten, gegen starke Denkfabriken und ihre Massenmedien. Massenmedien, die den geplanten Bevölkerungsaustausch von Anfang an mit viel Drohmoral fördernd begleiteten.

Ich kenne solche Umpolungen von anderer Stelle. Als Beispiel die Grünen. Man kann von ihnen halten was man will. Fest steht, das war eine Bewegung, die aus Atomkraft Skeptiker und Friedensbewegter entstanden war. Ein paar Jahrzehnte später ist die selbe, nun zur Partei gewordene, Bewegung federführend verantwortlich Serbien mit Uranmunition zu beschiessen! Das ist ein höchst beachtliche Leistung von Kräfte in ihr Gegenteil umzupolen.

Vorsicht ist also angebracht. Ganz egal, ob man sich nun um die neu erstarkte anthroposophische Bewegung scharrt, oder um die AFD. Es gibt Meister unter uns, die solche Impulse äusserst geschickt in ihr Gegenteil drehen können. Da braucht es weit mehr als ein inneres politisches Feuer, um vor solchen tiefliegenden Manipulationen gefeit zu sein. Ganz besonders, wenn man nicht als freigeistiger Einzelkämpfer unterwegs ist, sondern versucht in Bewegungen mit zu gehen und gemeinsam zu wirken.

Imagine

25. Januar 2020 11:21

Die soziologisch-systemische Blindheit lässt die meisten Rechten nicht erkennen, dass Parteien in einer repräsentativen Demokratie sich über kurz oder lang zu Systemparteien entwickeln. Auch Parteien, die als Oppositionsparteien begannen, wie die Sozialdemokratie oder die Grünen, werden über kurz oder lang zu Instrumenten von oligarchischer Herrschaft gegen das Volk.

Der Soziologe Robert Michels hat bereits vor über einem Jahrhundert die soziologisch-systemischen Gesetzmäßigkeiten in der Parteienentwicklung („Ehernes Gesetz der Oligarchie“) in repräsentativen Demokratien dargestellt, aber von den Demokratie-Gläubigen werden diese wissenschaftlichen Erkenntnisse ignoriert.

Man muss nicht über hellseherische Fähigkeiten verfügen, um bereits vor Jahren zu prognostizieren, dass sich die AfD so entwickelt, wie sie sich entwickelt, nämlich zu einer Mehrheitsbeschafferin von CDU/CSU, welche die Politik im Interesse des vermögenden Establishments fortsetzt. Die CDU/CSU hat niemals etwas anderes getan.

Wer hat die AfD gegründet? Das waren Personen mit klar neoliberaler Ausrichtung aus dem Kontext der INSM. Wer waren und sind die Finanziers der AfD?

Auf den sozialpsychologischen Mechanismus, dem BerufspolitikerInnen in allen(!) Parteien unterworfen sind und der dazu führt, dass sie so funktionieren, wie sie funktionieren, habe ich in meinen Beitrag oben (24.1.20 - 16:00) bereits hingewiesen, aber niemand ist darauf eingegangen.

Phil

25. Januar 2020 12:42

Christian2309, ich empfinde keine Gegnerschaft zum Islam.
Kritik ist hier und da angebracht. Z.B. sollten unmenschliche Bestrafungsmethoden wie die Steinigung heutzutage nicht mehr angewendet und als barbarisch abgelehnt werden. Aber das ist eher Sache der Moslems.
Ein aggressiver, politischer Islam(ismus) ist natürlich ebenfalls nicht zu dulden. Dazu gehört auch die Ablehnung des Baus protziger Moscheen auf deutschem Boden und von Muezzinrufen. Beides ist Ausdruck eines frechen, politischen Islams und hat mit Religionsfreiheit nichts zu tun.
Jedoch, was bei rechten Juden wie Nichtjuden häufig zu finden ist, ist ein regelrechter Islamhass. Er ist irrational und führt zu solchen unangenehmen Allianzen und Positionen, wie von Meuthen und Bystron vertreten.

Meuthen mag dabei auch noch oder hauptsächlich auf brave bürgerliche Wähler und die Möglichkeit einer zukünftigen Koalition mit der CDU schielen. Bystron hingegen, nun, man biedert sich nicht bei der CDU an, indem man sie indirekt als antisemitisch bezeichnet. Was für ein verblendeter Hardcore-Zionist muss man sein für solch eine Sichtweise?

Ich teile das Bedauern von Herrn Kubitschek, dass in der AfD zu Methoden der "Moralpolitik" und "Holocaust-Instrumentalisierung" gegriffen wird.

NATO: abschaffen, der Kalte Krieg ist vorbei.
Was uns als notwendig für unsere Freiheit verkauft wird, ist tatsächlich unsere Fessel.

Ich gehe mit 2.
3. ist utopisch: die ganze Welt müsste sich verbünden, um die USA zu stoppen.

Idise

25. Januar 2020 12:43

Den Ausführungen von Götz Kubitschek möchte ich nur weniges hinzufügen und bin ihm dankbar, dass er die Thematik aufgegriffen hat, er hier Initiative ergriffen hat und somit in der AfD erst für viele Mitglieder dieses Abstimmungsverhalten sichtbar machte.

Um Deutschland souveränes Handeln zu ermöglichen, ist die Rolle des Welt-Hilfspolizisten sicher nicht geeignet, denn dies bedeutet Abhängigkeit bis hin zur Unterwerfung. Eigene Interessen werden so wohl nur zufällig vertreten, eben dann, wenn sie vom "Chef" sowieso vorgegeben werden.

@homeland zu seinem Punkt "Zweitens": Eigene Interessen zu vertreten schließt das Widersprechen gegenüber anderen mit ein. Von "glasklarer Konfrontation" mit den USA kann jedoch nicht gesprochen werden. Wie, wenn nicht auch durch Widerspruch, sollen Partner an einen Tisch gebracht werden und verhandelt werden. Durch ängstliche Gefolgschaft ist dies sicher nicht zu erreichen. Widerspruch stellt einen klaren Standpunkt dar. Er ist souverän. Wie kann Souveränität denn sonst erreicht werden? Man muss Ziele definieren, auch wenn sie manchen provokant erscheinen mögen.

Liest man das Grundsatzprogramm der AfD, so findet man folgende klare Aussage: "Die AfD setzt sich für den Abzug aller auf deutschem Boden stationierten alliierten Truppen und insbesondere ihrer Atomwaffen ein." Es gibt hier also nichts zu deuteln. Die Fraktionsmitglieder folgten nicht dem eigenen Programm, für dessen Umsetzung sie ins Amt gewählt wurden.

Betrachtet man derartiges Verhalten der AfD im Allgemeinen, so wird man den Verdacht nicht los, dass es zu einer stets zunehmenden Hinwendung zur CDU/CSU gibt, dies als allein erstrebbar erscheint, um eines Tages koalitionsfähig zu sein. Über Auflösung des eigenen Profils wird man jedoch nur erneut zum Vasallen, diesmal zum Vasallen der Regierungsparteien. Es gibt hier anscheinend zu wenig freie Geister, welche abseits des Geschachers die Interessen Deutschlands im Sinne der Parteimitglieder vertreten. Um Volkspartei zu werden, kann man sich nicht nur einer Partei anbiedern, muss themenorierntiert abstimmen - und sei es auch einmal zusammen mit den Linken. Soviel freier Geist muss vorhanden sein.

Fazit: Eine wichtige Chance wurde vertan. Das Ziel der Souveränitat Deutschlands wurde verraten. Das Profil der AfD wurde geschwächt. Die Basis der AfD wurde durch Mißachtung des Grundsatzprogramms vor den Kopf gestoßen. Die Oligarchisierung der Partei hat zugenommen. Die Chance Volkspartei zu werden wurde geschmälert. Es braucht wieder frischen Wind, Weitblick und Visionen!

Martin Heinrich

25. Januar 2020 13:26

@Christian2309
"Die Gretchenfrage ist doch: Wie stehen wir zu Israel?"
Nö. Diese Frage ist völlig irrelevant. Sie gewinnt nur dadurch an Relevanz, weil wir uns ständig an einem großen medialen Nasenring durch Manege schleifen lassen.

Was ist denn Israel? Mit 9 Mio. Einwohnern hat Israel etwas mehr Einwohner als Niedersachsen und die Größe dieses Kleinstaates beträgt (inkl. besetzter Gebiete) ca. 29.000 km2. Das ist ca. 61 % der Fläche von Niedersachsen (= 47.600 km2).

Der Holocaust ist jetzt seit 75 Jahren Geschichte.

 "Im Hamburger Prozess gegen den 93-jährigen SS-Wachmann Bruno D. (KZ Stutthof) hat ein 97-jähriger KZ-Überlebender aus Norwegen ..." usw. usw. ... In fünf Jahren hat auch dieses Thema seinen biologischen  Abschluss gefunden. Dann ist der Holocaust für die nach 1945 Geborenen, erdt recht für die junge Generation nach 2000 geboren, ungefähr genauso relevant wie der 30-jährige Krieg.

Und dann? Vielleicht kommt irgendwann doch einmal die Einsicht, dass Israel im Grunde ein vergleichsweise unwichtiger Kleinstaat im vorderen Orient ist. Israel hat U-Boote und Atomraketen und kann sich selbst verteidigen. Dazu braucht es Deutschland nicht.

Gegen den Clinch aus Religionsstreitigkeiten, Clankriegen und Wirtschaftsinteressen, der da unten seit 2000 Jahren herrscht, kann Deutschland ohnehin nichts unternehmen.

Ignorieren. Auf das "Oj Gewalt!"-Gekreische und "Allah Akbar"-Gejaule gar nicht eingehen. Splendid isolation. Und schon löst sich die Sache in Wohlgefallen auf.

DIE POLITIK und das damit verbundene Propagandadauerfeuer sehen das natürlich ganz anders. Da hilft nur sich bewusst auszuklinken. Sezession.

Grobschlosser

25. Januar 2020 14:02

China wird in absehbarer Zeit der neue global wirksame Hegemon werden - sich hier und heute an die us -amerikanische Geschichtshermeneutik ranzuhängen wäre äußerst dumm ; das von nato &Co ( Josef Fischer , GRÜNE ) vorgebrachte "Argument" ( "mil. eingreifen um ein 2. Auschwitz zu verhindern " ) bleibt lediglich in den brd Selbstverzwergungsakademien unwidersprochen - materiell und intellektuell unabhängige us Offiziere sprechen in Westpoint Dinge aus die hier nicht einmal gedacht werden dürfen - und schon wieder taucht Maersheimer ( "Israel Lobby " ) auf .

ein us Präsident nach Trump könnte die bisherige Nahostpolitik komplett in die Tonne treten - ganz einfach weil Amerika seine claims in Fernost sichern will ( sichern muss ) .

ob eine Aufgabe des Staates Israel überhaupt irgendwelche schwerwiegende Folgen hätte kann man diskutieren - Fakt ist : trotz nuklearer Bewaffnung kann sich Israel ohne us Bewaffnung und brd Geld nicht selber verteidigen - egal was das Systemfernsehen an PR-Bildern aus Israel sendet - wenn 1,2 Mrd. Moslems ab 2050 gegen Israel anrennen ist dort innerhalb von 4 Minuten Schicht im Schacht ( und nein : den Einsatz israelischer Kernwaffen gegen die Moslems wird niemand dulden - niemand kauft verstrahltes Rohöl ) . Die Russen haben den Israelis mehrfach erklärt was geht und was nicht geht - aktuell bleibt Assad im Amt - egal was die Israelis wollen ; die Russen sind vor Ort , der yankee zieht ab .

wir sollten eine Allianz mit den Russen anstreben .

Laurenz

25. Januar 2020 14:04

@alle Freunde & Mitforisten/Kommentatoren

Damit meine ich auch alle, ob sie nun pro-, wie die rechte Linke, oder wie die linke Linke contra-Israel-Positionen einnehmen, desgleichen pro- oder contra-USA-Positionen.
GK's Artikel ist in diesen Fragen weitestgehend neutral geblieben, das ist dem inneren Burgfrieden ML's zuliebe, auch angemessen. Was GK Herrn Bystron vorwirft, ist, unseren inneren Lichtmesz-Burgfrieden verlassen zu haben, was Spaltung provoziert, wie wir das hier im Forum bestens betrachten können, auch wenn zu statuieren ist, daß unsere Trans-Atlantiker in der globalen Macht-Verschiebung in den Osten der Weltkarte, die weitaus schlechteren Argumente haben, sei's drum. Aber im GK's Artikel ist das nicht beinhaltet, vielmehr wird außen-politische Zurückhaltung gefordert und ein vordergründiges Kehren vor der eigenen Haustüre, die Deutschen Belange zu regeln, statuiert, bevor wir uns in fremde Befindlichkeiten international einmischen, wo eher deutsche Neutralität angebracht wäre. Das ist in Anbetracht der Rede des Bundespräsidenten und den Normandie-Feiern der ehemaligen Alliierten bis heute aktuell.

Niemand im Westen feiert die Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien vom britischen, französischen, belgischen, spanischen, portugiesischen oder niederländischen Joch. Vielleicht fangen wir damit mal an, denn so unterschiedlich war und ist unsere Vasallen-Situation nicht. Wie gefährlich für eine Deutsche Partei das internationale Abgleiten aus einer Neutralität sein kann, beweist in unserer jüngeren Nach-Wende-Geschichte die Regierung Schröder/Fischer. Beide Herren waren vor ihrer Machtergreifung zu Besuch bei der Clinton-Administration um sich selbst in DC zu bewerben und us amerikanische Unterstützung, mutmaßlich auch Wahlkampfhilfe, einem Procedere in dem die Clintons sehr geübt sind, zu beschaffen. Man bombte für die Interessen der Clintons auch völkerrechtswidrig Ex-Jugoslawien. Die danach an die Macht gekommenen Bush-Administration verweigerte man in 2003 dasselbige im Irak und justament verlor die Schröder/Fischer-Koalition die Wahlen in 2005 und bis zum heutigen Tage befinden sich Deutsche Truppen in Afghanistan und im Irak, das ist die Faktenlage.
Solange der Westen, inklusive Rußlands (mehr aus innenpolitischen Gründen) uns in den historischen Schatten stellt, sind wir jederzeit moralisch angreifbar, das hat der Bundespräsident in Israel ganz klar gemacht. Auch in Anbetracht der Trump-PR-Abteilung, die seine Präsidentschafts-Kanditatur als kostengünstige Produktwerbung für seine TV-Sendung benutzte und mit seiner Präsidentschaft dann zu einem weiteren Treppenwitz der Geschichte wurde, ist für uns, als Partei, nicht absehbar. Trump wechselt die US-Geo-Strategie, zumindest subtil, von den US-Diaspora-Juden, die meist bei den Demokraten organisiert sind, weg, hin zu Israel. Auch die Demokraten überwiesen jedes Jahr über 30 Milliarden US$ in den israelischen Staatshaushalt, versuchten aber in wesentlich stärkeren Maße die "rechte" Politik Israels zu tangieren. Sich da einzumischen, kann uns nur schaden. Das sind Vorgänge, die keine Bundesregierung jemals hätte beeinflussen können.
Es existieren mehrere Videos (von denen ich das beste leider nicht gefunden habe), in denen Ex-Außenminister Fischer mit Rumsfeld & Co. über den Irak-Krieg debattiert.
https://youtu.be/CpuN-yM1sZU (1 Min 31 Sek.)

Fischer war und ist das Mündel der Demokratin und aus der Tschechei stammenden Jüdin Madeleine Albright, Ex-US-Außenministerin der Clinton-Admin., und Fischer unterhält 2 politische Berater-Firmen gemeinsam mit ihr. Nicht, daß ich Irak-Einsätze der Bundeswehr befürworten würde, aber man fragt sich, wo die tatsächliche Motivation Joschka Fischers lag, wenn er moralische Gründe in die jeweiligen Debatten wirft. In der Geo-Politik existiert keine Moral, außer für Deutschland, halten wir uns daran.

Von daher kann ich nur Kommentatoren, wie

@Fredy

Zitat- Es wird immer Unterschiede zwischen Politikern und Verlegern geben. Es steht dem Verleger frei Politiker zu werden.-Zitatende

bitten, von ihren sau-dämlichen Beiträgen abzulassen und konstruktiv zu werden.

Rechtsanwalt, Ex-Ministerpräsident und Ex-Bundespräsident Wulff konnte tatsächlich nur nachgewiesen werden, die Lächerlichkeit eines Kinder-Spielzeug-Auto widerrechtlich angenommen zu haben, trotzdem wurde er von den Deutschen System-Medien, im weiteren Sinne Verleger, aus dem Amt gedrängt, wohl deswegen, weil er sich in mehreren Reden gegen Euro-Rettungsschirme aussprach.
Von daher sind auch im konservativen Lager Verleger oder Denk-Fabriken extrem wichtig, auch wenn der Antaios-Verlag im Verhältnis zum Milliarden-schweren Bertelsmann-Imperium genau das politisch gegenwärtige Machtgefüge darstellt, was in der medialen Wirkung ein Kompliment an den Antaios-Verlag verteilt.

GK zu einem Landtags- oder Bundestags-Abgeordneten zu machen, wäre dementsprechend so lächerlich, wie Liz Mohn zur Ministerin oder Bundespräsidentin küren zu wollen.

Maiordomus

25. Januar 2020 14:09

Obwohl es als wünschbar einzuschätzen wäre, dass die Bundesrepublik eines Tages zur Souveränität eines Verfassungsstaates deutscher Nation zurückfände, jenseits bedingungsloser Amerika-, Nato- und EU-Hörigkeit, leidet die hier sich breitmachende Argumentation potentiell oder aktuell an Übereifer bis zu politischem Fanatismus. Ohnehin grenzt die pauschale Abwertung und Verdächtigung von Leuten, die bereits über politische Erfahrung "im System" verfügen, an Selbstdisqualifikation. Klar sind Bekenntnisse, dass man "für Israel sterben" wolle und dergleichen, politisch mehr als dumm, desgleichen die permanent instrumentalisierte Politisierung von Auschwitz, was Polen und Russland ihrerseits praktizieren, nur ganz andersherum. Es scheint aber so, dass es bei der AfD noch ein Potential politischer Klugheit auf durchaus bürgerlicher und patriotischer Basis gibt, etwa in der Art von Maximilian Krah und Fest junior. In dieser Richtung liesse sich meines Erachtens eine vernünftige und sogar glaubwürdige, breit wählbare Politik aufbauen. Soweit SiN ihrerseits vor allem eine philosophisch fundierte sogenannt metapolitische Basis anstrebt, solle man in Sachen weltpolitischer Parolen, über die man bei sich selber im klaren zu sein scheint noch einem wirklichen Konsens nahe, Vorsicht walten lassen. Aber natürlich würde es sich lohnen, zu einem differenzierteren Geschichtsbild zu gelangen. Blosses Vorprellen mit dem Gegenteil des Falschen (welch letzteres auch aus opportunistischen Gründen nicht nachgeplappert werden sollte) erweist sich jedoch seinerseits oft als kontraproduktiver Fehlschuss bzw. Fehlschluss.

Nordlicht

25. Januar 2020 14:11

Ein Staat, der keine zumindest zur Landesverteidigung gerüstet Armee hat, ist sicherheitspolitisch eine Null.
Und auch aussenpolitisch.

Deutschland könnte sich - meiner Ansicht nach - erst dann eine eigene Meinung gegenüber den USA bzw der NATO leisten, wenn diese mit militärischer Kraft unterlegt ist. Das verlangt die Reaktivierung der Wehrpflicht und politische Rückendeckung für unser Militär. Davon sind wir so weit entfernt wie nie zuvor.

Gegenüber allen islamischen Staaten hat Deutschland mit anderen europäischen Länden einschl. Russland gemeinsame Interessen: Wann muss gemeinsam den expansionisischen Islam bekämpfen. Differenzierungen zwischen einem radikalen und einem (gedachten) moderaten Islam könnten taktisch durchaus sinnvoll sein, aber strategisch muss die Feindschaft klar sein: Jeder moderat islamische Staat kann innehalb kurzer Zeit zur radikalen Bedrohung werden. (Bsp.: Türkei, Ägypten)

Wenn von Ramstein aus Drohnen-Angriffe auf Islamisten gesteuert werden, ist das Ergebnis auch in unserem sowie im Interesse Russlands. Das bedeutet nicht, dass man sich an dumme US-Aktionen anbinden soll. Aber sicherheitspolitische Unabhängigkeit setzt - siehe oben - eigene Stärke voraus.

Was die AfD angeht: US-Feindlichkeit würde mE im Moment Wähler vertreiben. Ich sehe deren Verhalten taktisch.

TheBlackCat

25. Januar 2020 14:32

@qvc1753

„Zunächst bleibt zu konstatieren, dass es der Bundesrepublik deutlich zum Vorteil gereichte (materiell, sicherheitspolitisch, innenpolitisch) auf Seiten der USA gestanden zu haben.“

So leid es mir tut, aber ihre Ansicht ist falsch. Sie ist sogar gewaltig falsch.

Um zu erkennen, wie falsch ihre doch tatsächlich Ansicht ist, machen sie doch folgendes:

Vergleichen sie einfach mal die demographische Zusammensetzung, den geizten Zustand der Bevölkerung und die politischen Eliten zwischen den westeuropäischen Ländern und den osteuropäischen Ländern, die bis 1989 unter der Hegemonie der Sowjetunion standen.

Vergleichen Sie doch einfach mal die Bevölkerungszusammensetzung von sagen wir Großbritannien, Frankreich, Belgien und West-Deutschland mit der von Polen, Ungarn, Tschechien.

Die Unterschiede sprechen sie für sich.

Schon seit Beginn der Bundesrepublik haben die USA die Multikulturalisierung und Islamisierung der Bundesrepublik aktiv vorangetrieben - schon seit den ersten Anwerbeverträgen mit der Türkei, die auf Druck der USA zustande kamen.

Was aber noch viel entscheidender ist: Sie haben ihr Staats- und Gesellschaftsmodell und ihre „Leitideologie“ der alten Bundesrepublik aufgezwungen, die die geistige Grundlage für diese Politik der Multikulturalisierung bilden. Die Leitideologie des Liberalismus, der sich im Gefolge der 1968er-Revolution immer mehr ins Extreme getrieben und um marxistisches Gleichheitsdenken erweitert wurde, und so zu einem regelrechten Kulturmarxismus verkam.

Jener Ideologie, die andere Rechte mit Begriffen wie „linksgrün“ oder „Politische Korrektheit“ zu beschreiben versuchen.

Washington ist heute für den Kulturmarxismus in heute in etwa das, was einst Moskau für den klassischen Marxismus war.

Es hat ja seinen guten Grund, warum die Länder Osteuropas die einzigen europäischen Länder sind, die sich Multikulturalisierungs-Experimenten bislang widersetzen konnten und von dieser alles zersetzenden „linksgrüne“ kulturmarxistischen Ideologie bislang noch nicht durchdringen konnte.

Es hat ja seinen Grund, warum die Deutschen in den neuen Bundesländern im Durchschnitt immer noch deutlich „rechter“ sind als in der alten Bundesrepublik, und das selbst nach 30-jährigem „gesamtdeutschem“ Einfluss durch dasselbe linksgrüne Establishment und „Kampf gegen rechts“.

Diese Länder waren durch die Herrschaft des klassischen Marxismus durch den „westlichen“ Neomarxismus oder Kulturmarxismus geschützt, dessen Machtzentrum in den USA lag.

Simplicius Teutsch

25. Januar 2020 14:42

Bei der Lektüre dieses gut formulierten, Augen öffnenden Artikels von Götz Kubitschek, musste ich schon schlucken, als mir dabei so richtig klar wurde, was unter anderem in der AfD abläuft, und wie und wo sich speziell die AfDler Meuthen und Bystron in der Frage der Stationierung amerikanischer Truppen in Deutschland politisch positionieren.

Das sind zwei von der AfD, die ich eigentlich immer verteidigt und mit wohlwollenden Hoffnungen betrachtet habe. Ich rede mir ein, das hat schon seine Gründe. Diese liegen in den totalen Ausgrenzungs-, Kriminialisierungs- und Erdrosselungsversuchen, die das herrschende Parteien- und Medienregime gegen die oppositionelle AfD in die Wege geleitet hat. Die AfDler sind auch nur Menschen, sie brauchen ein Mindestmaß an Rückhalt, Freiraum, Boden unter den Füßen, Unterstützung, Zuspruch und Luft zum Atmen. - Das ist natürlich meine hauseigene Küchenpsychologie.

Ich denke mir, man (Meuthen, Bystron) will mit der AfD schon noch irgendwie das europäische Abendland, die überlieferte Kultur, das deutsche Volk oder Restbestände in die Zukunft retten, und dazu will man auf Teufel komm raus wenigstens eine gefährliche, schmerzhafte Frontlinie befrieden und sich gleichzeitig aus der existenzgefährdenden „Verdachtsfalle“ befreien. … Wir sollten uns nicht auch noch zu ihren Feinden machen, selbst wenn ich vielen kritischen Kommentaren sachlich zustimmen möchte.

marco

25. Januar 2020 14:43

Es geht hier doch um die Frage der Alternative, nicht um der Alternativlosigkeit. Deutschland allein, Europa alein können sicher nicht in einer Multipolaren Welt bestehen. Um uns aus der Vasallenschaft des US-Imperiums zu befreien müssen wir uns mindestens sicherheitspolitisch neu orientieren. Und da bietet sich doch Russland als Kontinentale Alternative an. Die neue Seidenstraße kommt so oder so. Wir können noch, sofern wir den US-Wiederstand nicht weiter stützen, mitgestalten. Russland wiederum braucht auch ein wohlgesinntes Umfeld, wirtschaftlich wie sicherheitspolitisch, um sich nicht ganz China auszuliefern. Daher geht es hier wohl weniger darum das alte bundesrepublikanische"Wohlfühlsystem" wiederzubeleben, dass ist falsch verstandener Konservativismus! Dieses System ist nicht mehr wiederbelebbar. Zum Glück! Es wäre jetzt an der Zeit, das Politiker und Parteien, die vorgeben Realpolitik zu machen auch Realitäten anerkennen!

Maiordomus

25. Januar 2020 14:50

PS. Von denjenigen, die sich meines Erachtens nicht ganz erfolglos für ein differenzierteres Geschichtsbild engagieren, scheint mir der didaktisch in dieser Hinsicht begabte Thorsten Schulte ("Fremdbestimmt") nicht der Ungeschickteste zu sein. Wiewohl sein Argumentieren stärker als das eines bewusst Partei ergreifenden "Geschichtsanwalts" als das eines Historikers Profil erlangt.

Noch Eindruck machte mir, wie es Schulte gelungen ist, das bereits zur Gewohnheit und Geschichtsdogma geronnene reine Negativbild etwa von Kaiser Wilhelm II. mit guten Gründen in Richtung einer Revision in Frage zu stellen. Andererseits glaubte die Neue Zürcher Zeitung vorige Woche, es ihrer Leserschaft schuldig zu sein, das Profil des Kanzlers Otto von Bismarck schlecht zu machen, weil es angeblich gerade heute politisch inopportun sei, diesen Politiker gut zu finden. Selber hätte ich, immerhin auch da mit Differenzierungen, bei Bismarck do und dort fehlgeleitete Politik anzuzeigen, von der Homosexuellenverfolgung bis hin zum Kulturkampf, zu schweigen davon dass er Ende der Achtzigerjahre des vorletzten Jahrhunderts sogar mal die schweizerische Neutralität erpresserisch in Frage zu stellen versuchte. Es sind dies Kritikpunkte, wie man sie analog heute auch bei Putin ausmachen könnte, was aber am gewaltigen Unterschied von dessen Politik mit der stalinistischen nun mal nichts ändert. Wenn die Neue Zürcher Zeitung heute Bismarck kritisiert, meint sie womöglich indirekt Boris Johnson oder Wladimir Putin, vielleicht sogar Donald Trump. Dass man letzteren nun in der Tat nicht mit Bismarck vergleichen kann, darüber waren sich viele hier schon zum Zeitpunkt von dessen Wahl (2016) einig. Undenkbar bliebe freilich, nicht nur bei der Neuen Zürcher Zeitung, mal eine konkrete und genaue Analyse zum Beispiel von "krimineller Energie im Vergleich Churchill - Bismarck". Über dieses Thema hat sich -zumindest sinngemäss - Thorsten Schulte mal ausgelassen, dabei aber in der Negativ-Wertung Churchills zu wenig herausgestrichen, dass letzterer, bei tatsächlich nicht unbeträchtlicher K.E., wie Bismarck in der Tat ein bedeutender strategischer Denker war. Nur nicht gleich deutschfreundlich. Sein Feindbild und seine Politik waren, in der Tat, weder der "Faschismus" noch die Verhinderung oder Befreiung von Auschwitz, sondern Deutschland und dessen Niederhaltung gemäss einer uralten strategischen Linie der britischen Kontinentalpolitik. Von letzterer profitierte auch mal die Schweiz, als es wegen der staatsrechtlichen Zugehörigkeit des Fürstentums Neuenburg in der Westschweiz 1856/57 um ein Haar zu einem Krieg zwischen Preussen und der Schweiz hätte kommen können.

Elvis Pressluft

25. Januar 2020 15:58

Man muss eine solche Diskussion von der Prämisse her führen, dass eine annähernd souveräne Mittelmacht namens BRD (nicht mit Deutschland zu verwechseln) auf absehbare Zeit nicht (wieder) existieren wird. Damit erledigen sich – gänzlich unabhängig von berechtigter Kritik an den „Musterschülern“ – die Optionen (2) und (3). Die Weigerung, das zu sehen, ist gleichbedeutend damit, uns in einen russischen Satellitenstaat, bestenfalls knapp auf dem Niveau der Zone, einzuschließen. Wann immer Rechte sich ihrem Antiamerikanismus und ihrer Putin-Affinität ergeben, darf ich auf die Elementarebene gehen: Mit jemandem, der wie ich aus einer Vertriebenenfamilie stammt und dies reflektiert, ist über dieses Thema – wenn überhaupt – anders zu sprechen. Der linksdeutsche Gründungsmythos heißt (wie ein J. Fischer unfreiwillig treffend erkannte) „Auschwitz“; alle anderen dürfen auch (!) daran erinnern und dauerhaft daran erinnert bleiben, wie sich nach dem Zusammenbruch der Ostfront die Tore zur Hölle öffneten. Selbst der ultralinke Pseudo-Historiker G. Knopp hat dies thematisiert.
Allgemeiner: Wer sollte gegen den russischen und panslawischen Imperialismus deutsche Interessen wahren – ein Bundeskanzler Höcke (den es leider niemals geben wird)? Verständlich, wenn es jemand als bedrückend empfindet, aber da sind wir in einer „brutalen Freundschaft“ mit jemandem wie Trump immer noch um Welten besser dran.

Gotlandfahrer

25. Januar 2020 17:22

Kurze, ernst- und keinesfalls despektierlich oder zynisch gemeinte Zwischenfrage:

„Wenn wir von der Tatsache ausgehen, dass Deutschland außenpolitisch und geostrategisch keine Rolle spielt“ (ja), warum ist es dann außerhalb von Denktanks von Bedeutung, wie die beiden Oppositionspolitiker ihre Begründung formuliert haben? Und wenn außerhalb nicht, warum dann innerhalb?

Hochverehrter Herr GK, wie Sie – unnachahmlich und von mir jedes Mal dankbar aufgenommen – mit Klarheit und Konsequenz unsere Positionierung formulieren, ist von unschätzbarem Wert für die geistige Festigung. Und ohne Frage fühle ich mich voll und ganz in Übereinstimmung mit 2. Aber muss dieser Maßstab an jeden Hauptakteur in der AfD angelegt werden? Vielleicht denke ich da zu naiv, aber es kräht doch kein Hahn danach, wie die Herren sich in dieser Frage artikuliert haben. Und entschieden wird hier doch auch nix. Was würde gewonnen, wenn sich die AfD homogen auf 2. einpendelt? Ginge es dann schneller dorthin? Was lässt sich vermeiden, solange das uneindeutig bleibt? Wäre eine Chance vertan? Aus meiner Sicht gibt es zwei Aktionsgebiete, auf denen wir an Handlungsfreiheit gewinnen müssen: Physische Überlebensfähigkeit sowie alles, was hilft, die geistige Trägheit der Masse, die gegen ihre eigenen Lebensinteressen handelt bzw. Handlungen unterlässt, zu überwinden. Lassen Sie den Meuthen und Bystron doch vom Gelobtwerden träumen. Die meisten Menschen haben Angst vor Veränderung der Machtverhältnisse. So sehr ich es begrüße klare Kante zu zeigen: Dem Wahlvolk jetzt auch noch zuzumuten, neben dem zu äußernden Widerspruch zu den Imperativen Grenzenlosigkeit, Gender, Klima jetzt auch noch auf die Eigenverantwortung der Deutschen zu pochen ist sehr, sehr viel. Mit diesen übrigen axiomatischen Wirklichkeitsverneinungen geht schon von alleine reichlich Alarm ab. Eine echte Alternative zu den Systemparteien, die nicht aus deren "Treibholz" besteht, fände ich als solche prima, aber: Und dann?

Also ja, es müsste der Identitätskern sein. In einer besseren Welt.

Meine Frage zusammengefasst: Ließe sich dieser Disput nicht sinnvoller erst führen, wenn es soweit ist, hierzu eine Entscheidung fällen zu können, um nicht ohne Not vorher Kräfte zu verschleißen und also somit diese Situation zunächst einmal überhaupt herbeiführen zu können?

Lotta Vorbeck

25. Januar 2020 17:53

@Franz Bettinger - 25. Januar 2020 - 06:59 AM

"Was für ein Riesenfehler seitens der AfD! Den Antrag der Grünen und Linken mitzutragen und alle fremden Truppen aus dem Land zu komplimentieren, eventuell noch ergänzt durch die Forderung nach einem Nato-Austritt, das wäre für die AfD eine prima Gelegenheit gewesen, Standpunkt und Ernsthaftigkeit ihrer Politik aufzuzeigen und vor dem eigenen wie fremden Wahlvolk glaubwürdig darzustehen. Blamabel, sich auf Strategie und realpolitische Zwänge herauszureden! ...".

~~~ ~~~ ~~~ ~~~

Das im Sinne des Sytems absolut musterknabenhafte Verhalten von Bystron & Meuthen veranschaulicht an einem luziden Beispiel, daß es in einem von Parteien gekaperten Staatswesen nie um die Sache, geschweige denn um die Wahrung nationaler Interessen geht.

Mitleser

25. Januar 2020 19:22

@Hartwig aus LG8

Von keinen Freunden, aber auch von keinen Feinden und Bedrohungen.
Würden sie wieder zu Bedrohungen werden, hätte man genug Zeit um darauf zu reagieren und entsprechende Maßnahmen dagegen zu treten.

Der einzige Staat der auch kurzfristig eine echte Bedrohung darstellen könnte, wäre die VSA, die wahrscheinlich kaum akzeptieren würde, wenn man versuchen würde ihre jetzige militärische Präsenz im Land stark zu mindern.
Wenn man es ernst meint mit der eigenen Souveränität muss man die Abhängigkeit von ihnen verringern, insbesondere im geheimdienstlichen und wirtschaftlichen Bereichen.

Sara Tempel

25. Januar 2020 19:33

Ich denke, schon um den Überraschungseffekt zu nutzen, hätte die AfD dem Antrag der Linken zustimmen sollen! - Das Ziel: Bald schon muß aus selbstbewuster Position redlich handelnd ein rechter Kanzler endlich einmal bei den Siegermächten deutsche Interessen vertreten. Die BRD ist meines Erachtens nach geostrategisch sehr wichtig! - Für Verhandlungen dürfte auch Israel nicht fehlen. Wir müssen sowohl dem US-Präsidenten Trump, als auch den russischen Präsidenten Putin unser Vertrauen schenken!

Phil

25. Januar 2020 20:57

Elvis Pressluft, verzeihen Sie mir die Polemik: Sie wollen sich lieber mit lauten, arroganten Amerikanern, mit Imperialisten, mit Propagandisten von Multikulti, Kommerz und politischer Korrektheit, mit den "Guten" verbrüdern als mit dem Iwan?
Aber im Ernst, was halten Sie von Versöhnung?
Deutsche und Sowjets haben sich schlimme Dinge angetan in den Kriegen (es gibt jedoch auch andere, positive Geschichten, z.B. in "Vergiss die Zeit der Dornen nicht"). Aber das ist Vergangenheit. Lange her. Heute sind andere Zeiten. Ich bin sicher, die Russen würden sofort unsere Hand nehmen, wenn wir sie ihnen reichen würden (reichen könnten, denn US-Kräfte wollen das um jeden Preis verhindern. Das ist eine Priorität ihrer Politik seit 100 Jahren. Ja, so klein wir uns machen, Deutschland scheint kein unwichtiges Land zu sein...).

Musste Russland groß überredet werden, der deutschen Wiedervereinigung zuzustimmen? Waren nicht eher westliche Führer skeptisch und verlangten Zusicherungen?
Russland bzw. die UdSSR bot der BRD-Regierung sogar Königsberg an – was diese nicht nur ablehnte, sondern geheim hielt.

Die Russen sind keine schlechten Leute.
Es gibt eine lange Geschichte deutsch-russischer Beziehungen mit viel Positivem.
Wie sollten darauf aufbauen.
Ich sehe sogar eine Gemeinsamkeit zwischen unseren Völkern: beide erscheinen mir gedemütigt und ungeliebt, dabei von einer Sehnsucht nach Anerkennung erfüllt.

Nemesis

25. Januar 2020 21:04

„Insgesamt sollten wir von der Tatsache ausgehen, daß Deutschland außenpolitisch und geostrategisch keine Rolle spielt.“

So ist es.

„Daraus ergeben sich drei mögliche Positionen:“
Nein.
Daraus ergeben sich lediglich drei mögliche Denkmöglichkeiten.
Wer außenpolitisch und geostrategisch keine Rolle spielt, wird innenpolitisch erst Recht keine Handlungsfreiheit haben. Daraus ergeben sich Denkmöglichkeiten, aber keine Positionsmöglichkeiten. Großer Unterschied.

Hieraus folgt:
1. Der Hegemon wird weiter seine imperiale Macht ausbauen. Damit ist klar, wohin die Reise gehen wird („regime change“).
2. Die hegemoniale Macht erkennt seine imperiale Überdehnung und versucht einen Rückbau.
Vieles deutet für mich darauf hin, daß dies augenblicklich geschieht. Ob diejenigen die diesen Standpunkt vertreten, dies auch tatsächlich so meinen – und wenn, dann diesen auch durchsetzen können - ist zum augenblicklichen Standpunkt noch nicht wirklich zu entscheiden. An den Früchten wird man es erkennen. Sollte es tatsächlich so sein, ist ein undifferenzierter und plumper Antiamerikanismus kontraproduktiv und nicht zielführend.

Eine Erörterung der drei Denkpositionen ist wichtig und richtig.
Es sollte allerdings nicht zu der Annahme verleiten, wir hätten diesbezüglich eine Entscheidungsmöglichkeit. Sie liegt außerhalb von uns.

Insofern ergibt sich aus meiner Sicht – augenblicklich - nur eine vierte Position: Die des aktiv-passiven Abwartens.

Auch wenn dies für viele unbefriedigend sein mag.

TheBlackCat

25. Januar 2020 21:12

@Elivis Pressluft

"Wann immer Rechte sich ihrem Antiamerikanismus und ihrer Putin-Affinität ergeben, darf ich auf die Elementarebene gehen: Mit jemandem, der wie ich aus einer Vertriebenenfamilie stammt und dies reflektiert, ist über dieses Thema – wenn überhaupt – anders zu sprechen. Der linksdeutsche Gründungsmythos heißt (wie ein J. Fischer unfreiwillig treffend erkannte) „Auschwitz“; alle anderen dürfen auch (!) daran erinnern und dauerhaft daran erinnert bleiben, wie sich nach dem Zusammenbruch der Ostfront die Tore zur Hölle öffneten. Selbst der ultralinke Pseudo-Historiker G. Knopp hat dies thematisiert."

Das kann ich ihnen beantworten.

Josef Stalin hat rund ein Drittel der deutschen Siedlungsfläche von Deutschland abgetrennt und die dort ansässige Bevölkerung (brutal) vertreiben lassen. Josef Stalin hat aber keinen Versuch unternommen, das deutsche Volk oder Deutschland zu vernichten. Genauso wenig wie seine Amtsnachfolger oder die von der Sowjetunion und gesteuerte SED-Regierung. Nach 45 Jahren russisch bzw. kommunistischer Vorherrschaft war der Teil Deutschlands, auf dem die DDR existierte, immer noch Deutschland.

Wenn Freiheit für uns keine Option ist, und wir die Wahl haben zwischen Sklaverei unter einem Herren, der uns vernichtet, und Sklaverei unter einem Herren, der uns am leben lässt. Dann würde ich doch sehr entschieden für letzteres plädieren.

Laurenz

25. Januar 2020 21:16

@RMH ... Sie haben Franz Bettinger nicht verstanden. Wen hätte ein ein Abstimmender AfD für den Antrag der Linken oder Grünen diskreditiert? Die AfD? Ganz sicher nicht.

TheBlackCat

25. Januar 2020 21:34

@Nordlicht

"Gegenüber allen islamischen Staaten hat Deutschland mit anderen europäischen Länden einschl. Russland gemeinsame Interessen: Wann muss gemeinsam den expansionisischen Islam bekämpfen. (...) Jeder moderat islamische Staat kann innehalb kurzer Zeit zur radikalen Bedrohung werden. (Bsp.: Türkei, Ägypten) "

Entschuldigung, lieber Nordlicht, aber die Expansion des Islam geht doch nicht von islamischen Ländern aus!

Schicken uns etwa Ägypten, Marroko, oder der Irak Millionen Muslime nach Deutschland und Europa?!

Zwingen uns die Regierung Syriens hunderttausende ihrer Staatsbürger in Deutschland aufzunehmen, ihnen ein Aufenthaltsrecht und Zugang zum deutschen Sozialstaat zu gewähren?

Es sind doch unsere eigene Eliten, die Millionen Migranten aus der islamischen Kulturraum und anderen Teilen der Welt hierher locken, ihnen ein breiten Spektrum an Sozial- und Integrationsleistungen offerieren, und generell alles daran setzen, dass sie dieses Land nie mehr freiwillig verlassen.

Und ich sehe auch ehrlich gesagt nicht, warum die Türkei (bei aller berechtigter Kritik an Erdogan) oder auch Ägypten unter Herrschaft der Muslimbrüderschaft deshalb gleich eine radikale Bedrohung für Deutschland sein sollten.

heinrichbrueck

25. Januar 2020 21:47

@ Maiordomus
Seit wann ist Politik wählbar? Parteien sind wählbar. Churchill „ein bedeutender strategischer Denker“? Wird die Bedeutung dieses Denkers, an der Zukunftsfähigkeit des eigenen Landes ausgelegt, in Jahren gemessen? Historisch betrachtet, wenn überhaupt zum jetzigen Zeitpunkt gegeben, scheint mir ein Urteil noch etwas verfrüht.
Politik wird nicht nur in Deutschland nicht so ernstgenommen. Solange es Kampfkraft gab, konnte mit Blut bezahlt werden. Und als es dann soweit war, die Lagevorbereitungsmaßnahmen, auf einen höheren politischen Geist, angewiesen gewesen wären, war der Krieg schon längst verloren. Seit Napoleon gab es nur Bismarck. Ansonsten, ist jede politische Denklinie unbefriedigend; auf das große Ganze gesehen, gibt es keine politische Aufklärungsmacht. Und die Schweiz war immer viel zu unbedeutend, um in größere Schlamassel hätte hineingezogen werden zu können. Ein Vergleich mit der Schweiz zieht nicht. Und jetzt? Zitat: „Demokratien haben die Aufgabe, den einzelnen Menschen mitzunehmen und ihn für etwas zu begeistern.“ (Davos. Die Alternativlose).
Für einen deutschen Staatsmann, der nicht für Geld arbeitet, ist Deutschland der Mittelpunkt des Universums. Er plant in einem Geist der Jahrtausende, dessen Erziehung vererbt wird, damit es auch für alle Zeit so bleiben möge. - Eine Voraussetzung.

Maiordomus

25. Januar 2020 21:55

Zu 25. Januar 14.09 Uhr: Es geht mir natürlich um das Vermeiden von weltpolitischen Parolen, über die man sich gerade n i c h t im klaren zu sein scheint und über die in den eigenen Kreisen kaum Konsens besteht. Diesbezüglich sollte man sich also nicht zu weit und erst recht nicht ohne vertiefte Orientierung aus dem Fenster hinauslehnen.

RMH

25. Januar 2020 22:01

@Laurenz,
so (Diskreditieren) habe ich das nicht gemeint - ich hätte nur nie mit dieser links-grünen Truppe gestimmt und mich in diesem Punkt enthalten, was ja auch eine legitime Option ist.

Im Übrigen halte ich den Beitrag von @Nemesis für bedenkenswert und sachlich nicht von der Hand zu weisen.

TheBlackCat

25. Januar 2020 22:55

@Phil

Ich stimme ihrem Kommentar vollumfänglich zu. Das ist alles richtig, was sie geschrieben haben.

Nur ihre Formulierung über die „lauten, arroganten Amerikanern“, gefällt mir ganz und gar nicht.

Wir sollten, wenn wir von der USA sprechen, zwischen den Eliten der USA und der Bevölkerung der USA unterscheiden.

Die Bevölkerung der USA, ganz besonders die europäisch stämmige Bevölkerung, sind letztendlich genauso Opfer wie wir.

Die weißen Euro-Amerikaner der Unterschicht und der unteren Mittelschicht sehen sich einem doppelten Druck ausgesetzt durch eine marktradikalen, laissez-faire kapitalistische Politik einerseits und durch die „Propagandisten von Multikulti und politischer Korrektheit“ anderseits.

Der Euro-Amerikaner ist das Feindbild des politischen, medialen und akademischen Establishments der USA.
Ich weiß nicht, ob ihnen je aufgefallen ist, wieviele US-amerikanische Filme eigentlich einen antiweiß-rassistischen Unterton aufweisen.

Deshalb haben einige von ihnen auch Trump gewählt.

Womit wir bei der Frage wären, was die „neokonservativen“ Verfechter eines proamerikanischen Kurses eigentlich machen würden, wenn Trump weg ist.

Trump kann man ja noch mit sehr viel Augenzwinkern irgendwie als „Einen von uns“ beschreiben. (ist er nicht)

Trumps Wahl war gewissermaßen ein Glücksfall die „Neokonservativen“ in der AfD.

Aber was ist, wenn nächstes Jahr eine neue Hillary oder eine neuer Obama in Weiße Haus einziehen sollte, der oder die das hohe Lied auf „Diversity“ singt?

Ergon

25. Januar 2020 23:16

Diejenigen, die von einigermaßen absurd klingenden Prämisse "Deutschland besitzt keine politische Relevanz." in unterschiedlichen Formulierungen ausgehen, möchte ich auffordern, sie zu explizieren und zu begründen. Warum sollte die größte europäische und weltweit viertgrößte Volkswirtschaft keine politische Relevanz haben? Zum Kontext Iran: Die Wiener Nuklearvereinbarung über das iranische Atomprogramm von 2015 (JCPoA) zwischen auf der einen Seite der EU-3 (D, F, GB), den USA, Russland und China und auf der anderen Seite dem Iran wurde federführend von der EU-3 ausgehandelt, wobei Deutschland als einer der größten Handelspartner des Iran und auch deshalb, weil das iranische Atomprogramm von deutscher Technologie abhängt, eine zentrale Rolle spielt.

limes

25. Januar 2020 23:32

Trump ist angetreten, mit den unheilvollen Interventionen zu brechen. Das ist ja ein wesentlicher Grund dafür, dass er vom Tage seines Wahlsieges an von seinen Gegnern verbissen verfolgt wird. Trumps Gegner - das politisch linksdrehende, finanziell hochpotente, international agierende Establishment - dominiert mit Vertretern islamischer Staaten die mächtigen supranationalen Institutionen und scheint gegenwärtig auch in Deutschland das Geschehen maßgeblich zu beeinflussen. Trumps Gegner sind nicht nur Gegner der US-Patrioten, sondern auch unsere Gegner. Gerade jetzt den Abzug der US-Army aus Deutschland zu fordern, könnte vor den US-Wahlen Trumps Position schwächen und der Partei Clintons und Bidens zur Macht verhelfen.

Und es macht doch keinen Sinn, so zu tun, als ob in Deutschland alles in Ordnung wäre! In der gegenwärtigen Situation, mit Hunderttausenden von wehrfähigen und teils kriegserfahrenen ausländischen jungen Männern in unserem Land (Tendenz weiter steigend) und mit einer Armee und Polizei, die heruntergewirtschaftet sind, ist die Anwesenheit von US-Truppen in Deutschland für mich eher beruhigend.

Solange Deutschland von innen heraus abgeschafft wird, sind außenpolitische Maximalforderungen hinsichtlich deutscher Souveränität bestenfalls sinnlos. Wir sollten nicht Politikern wie Meuthen und Bystron in den Rücken fallen, die auf einem guten Weg sind, denjenigen die Macht abzujagen, die unsere Lebensweise und die Souveränität unserer Nation von innen bedrohen.

limes

25. Januar 2020 23:34

Wie kämpft man um Reste von Souveränität und Handlungsspielräumen in Deutschland …

… wenn ein ehemaliger deutscher Spitzenpolitiker die Interessen von Katar bei der »Deutschen Bank« vertreten soll?

https://www.epochtimes.de/politik/deutschland/deutsche-bank-sigmar-gabriel-wird-katar-die-verlangte-gefolgschaft-liefern-muessen-a3134653.html

https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/was-die-deutsche-bank-und-katar-von-sigmar-gabriel-erwarten/

… wenn es »Volksvertreter« gibt, die in einer dem deutschen Volk unverständlichen Sprache gegen demokratisch gewählte Gegner hetzen? Wie der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Omid Nouripour, der PI News zufolge in einer auf Farsi gehaltenen Videobotschaft die AfD samt ihrer Wähler als Nazis diffamiert.

http://www.pi-news.net/2020/01/gruener-iran-lobbyist-nouripour-hetzt-auf-farsi-gegen-afd/

Nouripour hat laut der Heinrich-Böll-Stiftung der Grünen zwei Staatsbürgerschaften, da »der iranische Pass nicht zurückgegeben werden kann«.

Und so weiter …

DerRechteAnwalt

25. Januar 2020 23:51

@TheBlackCat

"Wenn Freiheit für uns keine Option ist, und wir die Wahl haben zwischen Sklaverei unter einem Herren, der uns vernichtet, und Sklaverei unter einem Herren, der uns am leben lässt. Dann würde ich doch sehr entschieden für letzteres plädieren."

Sie vermischen hier, das wissen Sie, die individuelle und die kollektive Ebene. Beide haben aber ihre eigene Berechtigung. Und die von Ihnen gesehene Dichotomie von Freiheit und Sklaverei besteht natürlich auch so nicht. Die Wirklichkeit ist immer komplizierter.

Doch Ihre gedanklichen Pointierungen und begrifflichen Schärfungen empfinde ich als sehr hilfreich in unserer Debatte. Letztlich sollte es aber für uns nicht darum gehen, uns aus einer Sklaverei in eine andere zu retten, sondern langsam, Schritt für Schritt, wieder auf eigene Füße zu kommen.

Meine Bemerkung oben über das derzeitige Kommentariat möchte ich ein wenig relativieren: Früher war alles besser, selbstverständlich (!) - aber diese Diskussion kann sich auch sehen lassen. Weiter so!

Mercurius

25. Januar 2020 23:56

@Black Cat& Elvis Pressluft; bin der Meinung,dass ein wenig mehr Pragmatismus u. Realismus der deutschen Politik gut täte, und wir nicht immer wieder zwischen allen Stühlen landen sollten. Tatsache ist doch, dass wir eine parlamentarische Demokratie mit eindeutiger Westbindung sind, die K. Adenauer schon mit seinem Nato-Beitritt so entschieden hat. Die ehemalige DDR ist gemäß Paragaph 23 1990 nur beigetreten(Schäuble,Der Vertrag). Dass die Nato bis an die russische Grenze vorgerückt ist, war so nicht ganz vorgesehen, aufgrund des postsowjetischen Machtvakuums aber voraussehbar!- Putins Russland hat sich daraufhin die Krim u. einen östlichen Teil der Ukraine zurückgeholt und tendiert dazu, auch Weißrussland und die restliche Ukraine unter seine Herrschaft zu bringen, ohne die es seinen Großmachstatus dauerhaft kaum aufrecht erhalten kann. Deutschland als wirtschaftlich (noch!) starker, demographisch, politisch und vor allem militärisch schwacher Staat ist auf die Hilfe der Nato und der USA angewiesen, auch wenn uns der derzeitige "große Zampano" im Weissen Haus nicht passt! Allein die nukleare Rückendeckung der USA verhindern letztlich einen potentiellen Angriff aus dem Osten, der bei der Interventionsbereitschaft des Putinregimes bei Schwäche des Gegners keineswegs auszuschließen ist(s.Syrien,Libyen). Auch die anderen Staaten Ost-Mitteleuropas sind dadurch geschützt! Eine "symbolische" Nato-Truppe ohne die Amerikaner würde nicht ernst genommen von einem Staat,der nur im Militärwesen, der Raumfahrt und der Ausbeutung fossiler Brennstoffe Weltniveau erreicht! Zu denken geben muss auch Putins Äußerung:"die größte Katastrophe des 20.Jahrhunderts ist der Zerfall der Sowjetunion"! Jemandem,der so denkt, ist nicht zu trauen!-Das ganze heißt aber nicht, Russland als Partner zu meiden oder Nord-Stream 2 zu stoppen, wie Trump es fordert! Diese Gas-Pipeline dient unserer Energiesicherheit und ist obendrein noch viel billiger als amerikanisches Flüssigkeits-Gas aus dem Frackingverfahren.-Die deutsche Regierung muß endlich die eigenen Interessen wahrnehmen und strategisch denken.....Das Zeitfenster wird immer enger!

Cugel

26. Januar 2020 00:21

@Elvis Pressluft
Auch ich habe "Vertriebenenhintergrund", bin Zeuge der seelischen Verheerung, die der Heimatverlust hinterläßt, käme aber nicht auf die Idee, daraus eine Sonderstellung abzuleiten, indem ich Anderen vorschreibe, wie sie mit mir über die Feinde des letzten Weltkriegs zu sprechen haben. So viehisch sich die Russen, Polen und nicht zuletzt Tschechen aufgeführt haben, haben sie unserem Volk längst nicht derart zugesetzt wie der Yankee und seine europäischen Alliierten (auch Amerikaner haben übrigens massenhaft deutsche Frauen vergewaltigt, und ich erinnere an die Rheinwiesenlager und die Verfahrensweisen der Franzosen). Wer schadet dem Baum mehr: Der ihn rabiat zurückschneidet, oder der ihn an den Wurzeln versehrt? Ich erinnere im übrigen daran, was der britische erste NATO-Generalsekretär über den Zweck des Bündnisses gesagt hat. Wenn Sie wirklich auf der Elementarebene reflektierten, wüßten Sie, daß unser schlauester und kältester, daher gefährlichster Feind im Westen steht. Beherzigen Sie TheBlackCats Beiträge, in denen er das Nötige dazu gesagt hat, wofür ich ihm danke.

Cugel

26. Januar 2020 00:32

Ich finde es sehr erhellend, wie einige hier unsere Vasallenrolle als Beleg dafür anführen, daß wir Vasall bleiben müßten. Nur wer nicht souverän ist, kann es überhaupt werden.

Grobmotoriker

26. Januar 2020 09:10

Wer meint, Bystron/Meuthen ist das Schlimmste was einem skeptischen Patrioten passieren kann, der sollte sich das Positionspapier des „Arbeitskreises Verteidigung der AfD-Bundestagsfraktion“ näher anschauen. Wer nach diesen 31 Seiten - https://www.afdbundestag.de/wp-content/uploads/sites/156/2019/06/Endfassung-SK-Bundeswehr-26.06.pdf - noch eine Hoffnung in die „Alternative“ „für“ „Deutschland“ hegt, der ist wohl unheilbar an der Seekrankheit Atlantikeritis erkrankt. Wer hoffte, diese Partei würde eine Alternative auch der sicherheitspolitischen Aspekte entwickeln, weg von der sturen Nibelungentreue hin zu einer an deutschen Interessen orientierten Außen- und Verteidigungspolitik, der sieht sich nach der Lektüre dieses Papiers enttäuscht.

Statt Alternativen zu entwickeln, prescht dieser Arbeitskreis mit einer Wucht nach vorn, dass einem dabei angst und bang wird. Kleine Kostprobe: „Deutschland erfüllt seine Verpflichtungen als Bündnispartner uneingeschränkt. (…) erhebt Anspruch auf eine militärische Führungsrolle in Europa. Die nuklearen Fähigkeiten der Bündnispartner stellen eine wesentliche Komponente der militärischen Abschreckung dar. Deutschland bekennt sich zum nuklearen Schutz durch die NATO. (…) beteiligt sich an keinen politischen Maßnahmen zur Schaffung einer ‚EU-Armee‘“

Es ist ein Weiter so! nur mit doppelter Kraft voraus, auf der Kommandobrücke ganz vorne auf dem Schoß des Herrchens der Welt laut und schrill kleffend und freudig mit dem Schwänzchen wedelnd, auf dem Weg in die nächsten weltpolitischen Abenteuer, heute hier morgen da, egal, Hauptsache dabei, auch in Israel, für das „wir bereit sein müssen, zu kämpfen und zu sterben“. Keine Spur einer Analyse der sich dramatisch wandelnden Kräfte auf der weltpolitischen Bühne – der Niedergang des US-Imperiums und der Wiederaufstieg von Russland und vor allem China wird ignoriert. Man fühlt sich versetzt in die eisigsten Jahre des Kalten Krieges.

Interessant für mich zu beobachten, wie schnell das BRD-System eine hoffnungsvolle alternative Kraft f ü r Deutschland in eine Truppe verwandelt, deren einziges Sehnen die größten Fleischtöpfe sind. Sollte dieses Papier irgendwelche Wirkkraft erlangen, wird die AfD für viele Patrioten keine wählbare Alternative mehr sein. Inzwischen sehe ich nicht mehr, wofür die AfD noch überhaupt steht, und da wo sie da deutlich sagt – siehe dieses unsägliche Papier -, stößt sie mich ab. Wie definiert sie deutsche Interessen, tut sie das überhaupt?

Andreas Walter

26. Januar 2020 10:36

AfD heisst Alternative für Deutschland, nicht Deutsche Alternative oder Alles für Deutschland.

Dass man auch gemässigte pro-germanische Kräfte dort aufgenommen hat war aber ursprünglich so gar nicht vorgesehen, hat sich lediglich aufgrund unklarer Ziele und damit auch Kommunikation so ergeben und wurde dann aus wahltechnischen Gründen, weil opportun, goutiert.

Die Rechten innerhalb der AfD sind daher gut genug, um die AfD sicher über die 5%-Hürde zu bringen, doch beim Regieren möchte man sie eigentlich nicht dabei haben.

Diese Partei ist daher schon lange in zwei Lager geteilt die einzig den Wunsch nach mehr Einfluss teilen. Es ist eine Machtallianz bei gleichzeitiger Resorption, Inkorporation und Ruhigstellung vieler patriotischer Kräfte in Deutschland.

Diese Partei schwächt eigentlich die Patrioten mit ihrer Illusion der Machtbeteiligung. Einmal davon genascht ist es aber sehr schwer, wieder darauf zu verzichten und sich zu verabschieden.

Weil man ja erst dann jemand korrumpieren kann, wenn er Macht hat. So löst man heute aber auch das "Problem" mit den Rechten. Auch mit Macht und Geld. Damit die Illusion aber auch beim Wähler glaubhaft rüber kommt, lässt man gleichzeitig die Antifa und die Altparteien ein bisschen verrückt spielen.

Wenn die AfD es tatsächlich wollte könnte sie Berge versetzen, mit 5 Millionen Wählern.

Simplicius Teutsch

26. Januar 2020 10:43

Da kann ich @Cugel nur voll und ganz zustimmen, „daß unser schlauester und kältester, daher gefährlichster Feind im Westen steht.“

Auch @limes kann ich nur beipflichten, wenn er schreibt: „Solange Deutschland von innen heraus abgeschafft wird, sind außenpolitische Maximalforderungen hinsichtlich deutscher Souveränität bestenfalls sinnlos.“

Maiordomus

26. Januar 2020 10:43

Ich glaube in der Tat, dass "für Israel sterben" (dafür haben die genug eigene, zu allem Entschlossene zur Verfügung, was Respekt verdient) nur ein Eingeständnis ist, dass buchstäblich "kein Schwein" weder für Deutschland noch ein anderes westeuropäisches Land zu sterben bereit ist, mit Ausnahme vielleicht noch die Franz. Fremdenlegion, aber dort stirbt man, weil es Berufsrisiko ist und nicht als Aufopferung für sein Land. Der Abzug amerikanischer Truppen in Deutschland sollte, wie @limes mit rationalen politischen Überlegungen ausführt, aus den zwei von ihm genannten Gründen nicht jetzt gefordert werden. Bedingung wäre ohnehin die Wiedereinführung einer faktisch durchgesetzten Wehrpflicht, freilich mit einem sehr hohen Anteil von Soldaten mit Migrationshintergrund, wobei man aber gerade bei denselben den Integrationsgehalt der Wehrpflicht nicht unterschätzen sollte.

AlexSedlmayr

26. Januar 2020 11:02

Mich überrascht mit welcher Gewissheit davon ausgegangen wird, dass der zur Schau getragene Philosemitismus und die Bündnispolitik von einigen direkt als zweifelsfreies Streben an die Fleischtöpfe bewertet werden.

Das man eine Alternative ist, bedeutet zweierlei nicht: Eine Freiheit von der Notwendigkeit Mehrheiten in einem metapolitisch nun einmal so beschaffenen System zu erlangen, wie es beschaffen ist und daher den Leuten eben zu einem gewissen Grad nach dem Mund reden zu müssen.

Auf der anderen Seite, dass man nicht auch der Überzeugung sein kann, dass dies tatsächlich politisch der gangbarste Weg ist.

Wenn ich böse sein will, würde ich Philosemitismus oder diese herausgestellte Bündnistreue in der Art und Penetranz (und ich sehe in der seinerzeitigen Auseinandersetzung mit David Berger, der vor allem deshalb von Lichtmesz' mal einen eingeschenkt bekam und dann völlig durchdrehte, eher den Reflex des Ertappten) eher eine peinlich offensichtliche Taktik sehen, sich gegen die übliche Kritik, wie sie rechten Parteien fast schon automatisch entgegengebracht wird (auch das wurde schon an anderer Stelle aufgearbeitet, dass Linke gar nicht mehr nachdenken und auch nichts belegen müssen) durch eine Art von Amulett oder Fetisch zu immunisieren.

Richtigerweise ist ja nichts falsch daran mit den USA und Israel aus historischen und auch sonstigen Gründen auf gutem Boden zu stehen und den Bürgern geht es hier sowieso nie um prononcierte Konflikte. Ja sogar um das Gegenteil und das macht die Beziehungen mit zwei Regierungen, die aus mal mehr, mal weniger diskutablen Gründen uns über ihre Verbindung mit ihnen in Konflikte mit anderen Staaten mittelbar oder unmittelbar hineinziehen, dann ambivalent und doch schwierig. Bezüglich der Diskutabilität muss man natürlich soviel Verständnis aufbringen zu sagen, dass Israel ein berechtigtes Sicherheitsinteresse hat.

Von dem Punkt sollte man zumindest im politischen Einzelfall möglicherweise auch mal die Begründungen für den Einzelfall wirken lassen und nicht immer gleich ins Grundsätzliche schweifen.

Ich persönlich hätte als Abgeordneter auch die Meinung vertreten, wie die Grünen sie formuliert haben, den Amerikanern Drohnenangriffe über Ramstein zu untersagen. Hier spielen von Menschenrechten bis hin zum Rechtsstatus von Mitgliedern/ Vertretern von Staaten eine Menge Rechtsgüter eine Rolle, die wenn einmal grundlegend beschädigt, den Zerfall internationaler politischer sitten einleiten können.

Der Wunsch nach einem Abzug, so er uns doch unserem Fernziel einer Unabhängigkeit näher bringt, gestaltet sich hingegen unter langfristigen Bündnisaussichten (und darin sind wir eben gebunden, solange Europa nicht die Mittel hat sich selbst auch allein durchzusetzen) sehr schwierig und ich sehe es da durchaus als eine vertretbare Option, an dem ohnehin schon (durch Beleidigungen des amerikanischen Präsidenten durch unsere Spitzenpolitiker) angeknacksten Verhältnis keine weiteren Spaltkeile anzulegen.

Ziel wäre es eher und dafür sehe ich Beiträge wie die hier von Kubitschek als zentral an, dass der Amerikanismus und Pro-Israelismus (insbesondere in ihrer unkritischen und unreflektieren Form) keine außer Diskussion stehende Doktrinen werden. Unter Helmut Kohl wurde die Europäische Einigung zur unhintergehbaren Doktrin der CDU. Das Deutschland und dessen Interessen so immer an die zweite Stellen geraten, ist dann gewiss. Dies ist es, was letztlich zu verhindern ist.

Ich denke diese Ebene ist metapolitisch (hier mal dank der Vorarbeit der Linken, wenn auch aus pazifistischer Richtung) bereits erschließbar und anschlussfähig. Auf dem Feld wird in der Öffentlichkeit bereits differenziert, dass NATO zwar schön und gut ist, aber man dennoch interventionistische Politik (meist aus fadenscheinigen Motiven) für illegitim und verheerend hält. Totalopposition indes (und das, wie in meinen vorherigen Kommentar ausgeführt, ohne die eigenen sicherheitspolitischen Strukturen als Ersatz - man schaue sich nur den Zustand der Bundeswehr an! Die Erhöhung des Wehretats muss allein schon als ein deutsches Eigeninteresse aufgefasst werden!) wird hier kurz- oder mittelfristig angenommen werden.

Andrenio

26. Januar 2020 11:24

Der Niedergang der "Volksparteien" war absehbar, sie dauerhaft als gekaufte Statthalter US-imperialistischer Interessen zu nutzen, zeitlich begrenzt.
Es musste also eine Alternative her, zumindest als Versuchsballon. Bereits verbrannte CDU-Politiker konnte man hierfür nicht nutzen, also einen unbekannten Alt-CDU-ler herauskamen und ihn mit einem Einthemaprogramm antreten lassen. Der Euro war dem Dollarmonopol ohnehin ein Dorn im Auge.
Herr Lucke wurde also gesetzt und übersprang um ein Haar die erste Stange im Parcours, die 5%-Hürde.
Dann aber trieb er es doch zu wild und schien auf dem BPTag in Bremen das Parteienstatut zugunsten seiner Alleinherrschaft umgepolt zu haben. Dann kam es Schlag auf Schlag: 2015 in Essen wurde er gestürzt, gefällt durch eine konzertierte Aktion des Flügels, der dann aber erst als solcher in Erscheinung trat. Nach der Abstimmung zog sich Lucke dann 15 Minuten mit Meuthen in einen Nebenraum zurück, was da wohl besprochen wurde?
Rückblende: BPTag in Erfurt 2014. Ein damals wenig bekanntes Mitglied brachte einen Antrag ein, der eine Distanzierung von NATO und der Hegemonie bedeutet hätte. Die Stimmung im Saal war eindeutig für diesen Antrag. Im letzten Moment intervenierte Gauland und forderte einen Ad-hoc-Ausschuß am Abend, in dem dann der Antrag so verwässert wurde, dass nichts mehr davon übrig blieb. Somit war eigentlich das Thema in der AfD gegessen.
Meuthens erster Akt nach der erfolgreichen Wahl in Bad-Württ. war die Ausgrenzung des Antragstellers von Erfurt aus der Fraktion und eigentlich auch aus der Partei: Wolfgang Gideon. Als Preis wurde die bisher nicht geheilte Spaltung der Fraktion in Kauf genommen.
Der hier schreibende wurde zum Kreissprecher des mitgliederstärksten Kreisverbandes der AfD in Bad-Württ. gewählt. Kurze Zeit später erhielt er ein Mail von einem im Elsass lebenden Medienberater mit der Bitte um ein Gespräch. Er stellte sich als israelischer Staatsbürger mit Medienfirmen in London heraus, der sich als kostenloser Berater zur Verfügung stellen wollte.
Fazit: Das Projekt AfD wird niemals so etwas wie "Mut zur Wahrheit" entwickeln. Dazu sind die gezielten Interventionen zu deutlich, die Position der Exponenten zu klar. Aus diesen Kreisen gibt es eine wichtige Agenda: Parteiausschluss von Hocke und seinen Anhängern. Dies wurde nicht nur von Hocke und Co. betrieben, in einem Nebenraum in Kassel zur Zeit des abgesagten Parteitags war das auch Thema Nr. 1 bei Petra und Pretzel.
Es wird also ohnehin zu einem Bruch zwischen AfD Ost und dem mainstreamigen Westen kommen (müssen), wenn man überhaupt eine politische Wirkung auf Deutschlands Zukunft erwarten will. Dies geht nur über Grabenkämpfe, in denen die Themen der großen Weltpolitik höchstens zur eigenen Standortbestimmung dienen können, ganz im Sinne von @imagine, als eine Frage der Ehre.

zeitschnur

26. Januar 2020 11:30

Welch ein Thread! Was da wieder alles gewusst wird, von dem und von jenem, alles kommt vor, unsere unvollkommene Souveränität, der Yankee, Trump könnte der Retter sein, und viel Fachgesimpel über die AfD. Ich habe das Gefühl, einem schlecht gemachten Strategiespiel beizuwohnen, das am Ende immer wieder zu dem Ergebnis führt, das wir nicht wollen, für dessen Änderung aber auch schlicht die Verwurzelung im ehemaligen Eigenen und überhaupt eine Wurzel fehlt. Mit dieser fliegenden Graswurzelbewegung wird es nichts so.

Dass die AfD nichts weiter als eine Systempartei ist, auf die viele - aus ganz verschiedenen Gründen - eine Hoffnung setzen, aus dem System herauszukommen, die mit ganzer Gewissheit enttäuscht werden wird, war meine Sicht darauf von Anfang an.

Die Frage ist andersherum, was die AfD im System eigentlich vermögen können soll. Jemand hat es ja geschrieben oben: die Linke würde, wäre sie an der Macht, ihren Antrag so auch nicht gestellt haben. Das alles ist ein Schachspiel, bei dem irgendwann jeglicher Inhalt gleich ist, es geht nur noch um die Macht. Je mehr die AfD zulegt, desto mehr Bauernopfer bringt sie - an den Gott des Systems.

Es war eigentlich nur @Maiordomus, der darauf hinwies, dass hier ein fundiertes Geschichtswissen fehlt und v.a. eine einigermaßen durchgedrungene und gesicherte, veränderte Geschichtsauffassung, die mit den Siegernarrativen manchen anderen Mythen aufräumt. Das wäre allerdings ein Fass ohne Boden und erforderte mehr als bloße Parolen und intellektuelle Drachenflüge andererseits. MD streifte das letzte Buch von Thorsten Schulte, das mit Herzblut geschrieben ist und so, dass man es einfach lesen kann, was ein Vorteil ist bei der mentalen Lage unseres Volkes. Es gibt zahlreiche Literatur, die einen Wechsel der Narrative bzw ein "Debunking" des vielschichtigen Lügendennetzes bereits eingeleitet hat. Allerdings ist die akademische "Elite" zu arrogant und damit auch dumm, dies mit gesundem Verstand zur Kenntnis zu nehmen und die Mächtigen sind in den Stahlkorsetten ihrer Schickeria-Reservate ohnehin zur geistigen Erstarrung trainiert und fühlen sich groß dabei. Hier ist nichts zu erwarten.
Eine mechanistische Weltauffassung allüberall, die glaubt, wenn man Güter und Betonungen umverteilt und politisch neu "konstruiert", wäre alles wieder gut. Das wird nicht klappen. Ein echter Wechsel kommt nur durch den Geist und ein ausgewechseltes Herz. Sirren wir nicht nur wie Fliegen in einem Fliegenglas von einer Außengrenze des engen Geistes an die andere?

Was heißt das? Es heißt, dass vor allem das politische Gelaber unberufener Münder, die die Parole vom "Eigenen" und der "Souveränität" wiederkäuen, weil es die eindimensionale Lösung ihrer gefühlten und nie wirklich analysierten Mulmigkeiten ist, niemandem hilft und die Lage eher noch zu verwirren hilft.
Die AfD ist entweder Aufhalter oder Brandbeschleuniger in der Misere, eines von beidem. Alternative ist sie natürlich nicht. man sollte von ihr nichts erwarten. Die Enttäuschung für diesen faden politischen Traum ist unsere Lebensenergie nicht wert. Es lohnt sich mehr, aufzuwachen und ein korrigiertes Geschichtsbild zu erwerben. Danach wird sich ein pseudoalternatives Weiterso nicht mehr aufrechthalten lassen.

Laurenz

26. Januar 2020 11:31

@limes .... Ihre Beunruhigung ist genau das richtige. Ohne diese ändert sich nie etwas und alle wählen SPD oder sonstwie links. Beschäftigen Sie Sich doch mal etwas mit Revolutionen. Nur die Beunruhigung Ihresgleichen führt dazu, zumindest wählt man anders, wie man in Österreich an der Beunruhigung über die FPÖ sehen kann.

Ihre Logik besagt, daß der politische Häftling seinen Kerker-Meister behalten will, weil auch kriminelle Häftlinge gegenwärtig sind.

tearjerker

26. Januar 2020 11:53

„Wie definiert sie deutsche Interessen, tut sie das überhaupt?“ Weiter oben wird hinsichtlich der Positionierung der AFD darauf hingewiesen, dass ein Abzug fremder Truppen die Zielsetzung darstellt. Konkret daran arbeiten tut aber vor Allem die Bundesregierung, die konsequent die Fähigkeiten der eigenen Armee schwächt und sie damit zunehmend für gemeinsame militärische Aktionen grösseren Umfangs unbrauchbar macht. Sehr wirkungsvoll.

RMH

26. Januar 2020 12:02

@Grobmotoriker und andere,

was Sie und andere nicht erkennen wollen ist der Umstand, dass eine Partei, die maßgeblich GEGEN den EURO und die Transformierung der BR Deutschland in ein EU-Dominion gegründet wurde und erst ein paar Jahre alt ist, sicher keine "wir wollen alles uns zwar sofort" Partei sein kann, sondern sich eben auch nur Schritt für Schritt bewegen kann.

Es ist zudem richtig, dass bei der AfD auch Kreise den Zug auf die Geleise setzten, die noch in der Tradition von Union und FDP aus der "guten alten Zeit" - und damit kann durchaus auch an Adenauer gedacht werden - gedanklich beheimatet sind. Und wenn man einmal ernsthaft realistisch ist, dann war das grundsätzliche Vorgehen der deutschen Administrationen in der BRD bis zum Beginn der unseligen Merkel-Herrschaft oft parteienübergreifend eine Art Salamitaktik, unter Betonung der Bündnistreue und Verlässlichkeit sich immer wieder zäh und geduldig etwas mehr Freiraum zu verschaffen (insbesondere Adenauer, Strauß, Theo Waigel seien hier genannt). Und im Verhältnis zu den anderen europäischen Mächten, die Deutschland viel stärker und genauer beobachten, waren die USA trotz hoher Truppenpräsenz eben doch erst einmal "weit weg" und zudem sorgte die Existenz der Supermacht dafür, dass bspw. ein Frankreich überhaupt erst auf die Idee kam, dass man Deutschland irgendwie sich aufpäppeln lassen sollte und als Partner gewinnen sollte, damit eben auch die USA in West-Mitteleuropa keine Art Carte Blanche haben. Und so ist es jetzt - in Zeiten von Trumps "Isolation" und dem Brexit - eben genau die welsche von der Leyen & Merkelianer -Truppe, die auf einmal in das Horn bläst, wir müssten uns Frankreich bedingungslos an den Hals werfen, um Resteuropa und die Rest-EU irgendwie zu erhalten und um wenigstens einen zu haben, der noch über eine Handvoll von Kernwaffen verfügt (welches EU Mitglied hat sonst noch welche?). Es ist die nackte Not. Auf der anderen Seite nähern sich Polen, Ungarn (übrigens unsere Vorbilder, nach einem anderem Beitrag von G.K.), Baltikum etc. genau auch aus diesen Gründen (EU Zentralismus) und den historisch schlechten Erfahrungen mit Russland den USA sehr stark an. Der Brexit wäre für UK auch undenkbar gewesen, trotz eigener Atomwaffen (!), wenn nicht klar gewesen wäre, dass die USA als Partner auf allen Gebieten weiterhin und verlässlich vorhanden sind.

Wer es nicht erkannt haben mag: Deutschland hatte und hat bislang in erster Linie Wirtschaftsmacht und muss daher immer sehr sorgfältig austariert handeln. Ein auf den Tisch hauen und sagen, alle raus, Grenzen hoch, Atomwaffenproduktion beginnen und ab sofort machen wir unser eigenes Ding, geht damit - auch wenn es hier bei einigen sicher Anklang finden würde - eben nicht so ohne weiteres und ist der Mehrheit der Bevölkerung, die eben genau von dieser Wirtschaftskraft lebt, nicht vermittelbar. Um den Kreis zu schließen: Eine AfD, die gerade GEGEN die EU antritt, kann nicht gleichzeitig gegen die Nato und die USA sein - damit würde sie zu weit springen und erkennbar zu kurz und auf der Nase landen. Das konnte, wie erwähnt, auch UK sich nicht erlauben. Eine Alternative dazu wäre, sich komplett der EU zu unterwerfen, um die USA los zu werden - was angesichts der derzeitigen Trump Administration gerade die als "Atlantiker"- bezeichnete Alt-Union unter Merkel und v.d. Leyen im Verbund mit Links-Grün machen.

Ein vermeintlich dritter, theoretischer Weg wäre, die USA und die EU gegen Russland auszutauschen - na dann viel Spaß, umgeben von Polen, Tschechien, Frankreich und allen Ländern, die das nicht besonders witzig fänden und einer USA, die dann einen guten Grund hätte, endlich die Zölle gegen Deutschland noch einmal hoch zu fahren.

Aus all diesen Gründen ist es richtig, wenn man - wie die AfD! - gegen die EU ist, dass man dann erst einmal weiterhin pro USA/ Nato ist (diesen Kurs fahren auch die EU-kritischen Visegrad- Länder) und die AfD macht das aus meiner Sicht also durchaus richtig und strategisch auf jeden Fall seriös. Die AfD hat eben auch die Kontakte zu den Brexiteers und die haben gezeigt, wie es geht, sich von der EU abzunabeln.

Wie eine halbwegs funktionierende Unabhängigkeit von den USA, der westlichen Welt und auch Russland aussieht, zeigt aktuell und als Extrembeispiel Nordkorea, was zu Lasten der eigenen Bevölkerung alles ins Militär pumpen muss, um "souverän" zu sein und dann doch letztlich von China abhängt. Tolles Vorbild.

Es ist eben offenbar dann doch alles etwas komplexer in Europa und der Welt - denn auch dieser kurze Beitrag reißt vieles auch nur an und berücksichtigt einiges nicht.

Ich persönlich bin nach wie vor zufrieden mit der AfD, wie sie sich derzeit darstellt und der einzige Punkt, in dem ich mit ihr nicht zufrieden bin, ist das Thema Rente und Altersversorgung, wo ich weder Meuthen & Co, noch "dem Flügel" zustimme. Und wer jetzt meint, dieses Thema sei nur innenpolitisch zu sehen, verkennt, dass all unsere sozialen Leistungen von der Wirtschaftskraft Deutschlands abhängen und die wiederum hängt von den internationalen Beziehungen und Verflechtungen ab (siehe Wohlstand der Bevölkerung des souveränen und völkisch integren Nordkoreas als zugegebenermaßen Extrembeispiel).

Suedburgunder

26. Januar 2020 12:47

@ Cugel 26. Januar 2020 00:21

"...daß unser schlauester und kältester, daher gefährlichster Feind im Westen steht."

Jedes Ihrer Worte über das Verhältnis zu unseren westlichen "Verbündeten" ist zu unterschreiben. Die von Adenauer eingeleitete Westbindung hat sich für unser Volk als verheerend erwiesen. Und das Schlimme ist, daß sie genau so konzipiert war. Wer das nicht spätestens bei den Reaktionen von Thatcher und Mitterand auf die 1989 nicht mehr aufzuhaltende Wiedervereinigung kapiert hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Elvis Pressluft

26. Januar 2020 12:49

Ad Ostorientierung, wozu hier mehrere aufgerufen haben (sowie auch zu den Antworten auf meinen Beitrag vom Vortag): Es verhilft zu nichts, ad hominem zu argumentieren. Ich persönlich schätze die Werke Dostojewskis, Tolstois, habe Solschenizyn mit Gewinn rezipiert … um all das geht es nicht. Auch möchte ich keine unnötige Schärfe in die Diskussion tragen, aber bei Formulierungen wie dem „Zurückschneiden“ eines Baumes – anscheinend bezog sich das auf den Einmarsch der Rotarmisten – endet meine Gesprächsbereitschaft. Es gibt keine gemeinsame (strategische) deutsch-russische Interessenlage; das wird durch unermüdliche Wiederholung nicht wahrer, sondern bleibt ein brandgefährlicher Irrtum.
Zurück zum Anfang: Wenn man denn mit Kraftworten wie „Vernichtung“ operieren will, sollte man sich klarmachen, dass ein zweites Szenario wie Ostpreußen A.D. 1945 nichts, absolut nichts hinterlassen wird, das heute noch vage an Deutschland erinnert. Wie gesagt, die Ad-hominem-Ebene möchte ich lieber meiden, aber was in meiner Heimatstadt an „Russlanddeutschen“ Fußgängerzone und Discounter bevölkert, vermittelt eine noch entfernte Ahnung davon. Stalin hat nicht nur die zaristische Generalität, sondern auch die bürgerliche Intelligenz des Landes „zurückgeschnitten“. Selbst unter günstigsten Voraussetzungen erneuert sich so etwas nicht innerhalb von ein paar Jahrzehnten.

Seneca

26. Januar 2020 13:42

Sehr gute Analyse ! Meuten und Bystron sind außenpolitisch beide leider keine großen Leuchten. Gauland und sein geistiger Resonanzraum, der es ihm erlaubte, instinktiv spontan den richtigen Instinkt zu haben, wird jetzt schon schmerzlich vermisst. Selbst ein Höcke ist da ein würdigerer außenpolitischer Erbe von Gauland. Blinde Israel-Hörigkeit als Demokraten-Nachweis, man muss dies leider so unterstellen, ist nur peinlich.

Wahrheitssucher

26. Januar 2020 14:38

@ Phil
et al zu „Deutschland-Russland“

Dostojewski:

Er hat im deutschen Volk einen Seelenverwandten des russischen erkannt, das noch einmal imstande sein werde,
mit ihm die Menschheit zu führen.

Deutschland brauche Russland nicht zu einem zeitweiligen politischen, sondern zu einem ewigen Bündnis...

Zwei großen Völkern, uns und ihm, ist es bestimmt, das Angesicht der Welt zu verändern.

bb

26. Januar 2020 14:52

So peinlich das Verhalten Meuthens und Bystrons ist, so sinnlos ist auch die hier angestoßene Debatte. Wer ernsthaft glaubt, Deutschland als Exportnation und Kriegsverlierer mit seiner lächerlichen Bundeswehr könnte sich allen Ernstes des durch den globalistischen Schattenstaat (und seines größten Handlangers, den VSA) geschnürten Korsetts entledigen, verkennt gänzlich die Lage, in der wir uns als Nation befinden und übt sich in metapolitischem Schattenboxen. Dieses Korsett wieder abzustreifen ist eine Generationenaufgabe, die in Anbetracht der geistigen Verfassung dieses Volkes nicht im Ansatz bewältigt werden kann.

Realistischer ist es, die Schnüre des Korsetts, die unsere „Vertreter“ in vorauseilendem Gehorsam noch so viel fester als nötig zogen, wieder etwas zu lockern. Das Korsett wäre - schnürten wir es nur nicht immer so eng, dass es uns den Atem raubt - gar nicht so unbequem und würde uns auf den zweiten Blick nicht allzu schlecht stehen.

Wie wir alle gelernt haben, sind die VSA eine großartige Demokratie und ihre Verfassung über jeden Zweifel erhaben. Eine Verfassung, die beispielsweise die vollumfängliche Meinungsfreiheit und den privaten Schusswaffenbesitz zum bürgerlichen Recht erklärt. Ferner haben die VSA eine sehr konkrete Vorstellung davon, wer dort zum Aufenthalt berechtigt ist.

Sucht man noch weiter, so kann man sich sicherlich noch einige Rosinen herauspicken. Und genau darauf sollte sich die deutsche Rechte gegenwärtig konzentrieren, nicht auf weltfremde Gedankenexperimente. Das Eisen muss geschmiedet werden, solange es noch heiß ist.

Phil

26. Januar 2020 15:09

Wenn erlaubt, ein Link, der bei der Einordnung des Themas USA und Unabhängigkeit helfen kann:

https://www.nachdenkseiten.de/?p=25398
Die Seite wiederum verlinkt zu einem wichtigen Video.

Gracchus

26. Januar 2020 16:41

Kubitschek argumentiert klar, besonnen und überzeugend. Warum hat die AfD denn bitte den us-amerikanischen Truppenabzug in ihrem Programm stehen? Das AfD-Verhalten ist deshalb irritierend, weil man glauben könnte, es mir konsetvariven Maulhelden zu tun zu haben. Variante 2 ist - wenn Deutschland wirklich mehr Souveränität erlangen will - unumgänglich. Das ist m. E. ein langfristiges Ziel, erfordert diplomatisches Geschick und muss nicht in stumpfsinnigen Anti-Amerikanismus ausarten. Wovor hat man denn da Angst?

AlexSedlmayr

26. Januar 2020 16:50

"was Sie und andere nicht erkennen wollen ist der Umstand, dass eine Partei, die maßgeblich GEGEN den EURO und die Transformierung der BR Deutschland in ein EU-Dominion gegründet wurde und erst ein paar Jahre alt ist, sicher keine "wir wollen alles uns zwar sofort" Partei sein kann, sondern sich eben auch nur Schritt für Schritt bewegen kann."

Eine Aussage von RMH, der ich nur beipflichten kann, wie im Großen und Ganzen seinem Beitrag.

Nur eine Ergänzung: Auch im Bezug auf die EU muss klar sein, dass sie in ihrer jetzigen Form bzw. in dieser Richtung geplanten Erweiterung und Vertiefung Gegner und Problem ist. Der Austritt sollte gar nicht das Ziel sein sondern wie im Falle des Brexit das finale Mittel, um diesen Kadaver hinter sich zu lassen und eine Konföderation auf neuer Basis zu schaffen, sollte sich der Brüsseler Politbetrieb als jenseits jeder Hoffnung versifft, verrottet und reformunfähig erweisen.

Das allein schon deshalb, weil sich Orban, Polen und Co. nicht allein wegen der drohenden russischen Einflusssphäre an Mächten wie Frankreich orientieren, sondern weil dem nach dem Sowjetkommunismus ebenfalls nicht sonderlich starken Wirtschaftsstrukturen in Osteuropa Fördermittel, Freihandel und Transferzahlungen nicht nur gut zu pass kommen, sondern dafür verantwortlich sind, dass Polen, Tschechien und Ungarn überhaupt gemessen an ihrem Lebensstandard ökonomisch gut wachsen.

Das sind anders als Transfere in notorische Verschwenderstaaten in Südeuropa wie Griechenland oder Spanien, hilfreiche und daher auch solidarisch gerechtfertigte Transfers, insbesondere wenn Länder wie Ungar ihrer Pflicht der Grenzsicherung im Gegensatz zu Griechenland auch nachkommen.

Aber genug der Abschweifung: Der eigentliche Punkt, den ich ergänzen wollte. Wenn man tatsächlich auf lange Sicht auf ein möglichst souveränes Deutschland schielt - und dieses Interesse auch den anderen europäischen Staaten, vor allem einem zu stolzen Frankreich aber auch den osteuropäischen Staaten unterstellt - dann braucht es eine europäisch-solidarischen Schulterschluss und somit eine alternative rechte Vision eines nach außen hin schlagkräftigen, nach innen föderal-möglichst-souveränen Europas, das seine Kräfte zur Abwehr äußerer Rivalen und derer wirtschaftlichen oder militärischen Übergriffigkeiten schnell und effizient bündeln kann.

Ein völker-und-ethnien-gemischtes Shithole ohne Identität, in dem zentralistisch ein marode Wirtschaft, ein verlottertes Bildungssystem und ein zunehmend heruntergewirtschaftetes Militär zwangsverwaltet werden, um einer idiotischen Einheit der Menschheit näher zu kommen, ist das kranke Fleisch, das dafür weggeschnitten zunächst weggeschnitten werden muss.

Insofern denke ich wie RMH, dass die AfD hier schon den richtigen nahen Gegner angepeilt hat und sich nicht auf Vielfrontenkämpfe einlassen kann, denn das wissen wir aus der Geschichte endete meist in katastrophalen Niederlagen ^^

Laurenz

26. Januar 2020 17:23

@RMH .... Sie wollen mit der Nationalen Einheitsfront 2.0 das machen, was diese mit uns macht. Ich erachte dieses Verhalten weder als adäquat, noch als werbewirksam für unsere Sache.

Suedburgunder

26. Januar 2020 18:38

@ bb

"Wie wir alle gelernt haben, sind die VSA eine großartige Demokratie …."

Zum Glück nicht "wir alle". Ihr "Wessis" habt es über die "re-education" eingeimpft bekommen, wir "Ossis" haben von der Sowjetunion das Siegen gelernt. Soviel zu den jeweiligen Lehrinhalten!

Lotta Vorbeck

26. Januar 2020 19:07

@Andrenio - 26. Januar 2020 - 11:24 AM

"... Fazit: Das Projekt AfD wird niemals so etwas wie "Mut zur Wahrheit" entwickeln. Dazu sind die gezielten Interventionen zu deutlich, die Position der Exponenten zu klar. Aus diesen Kreisen gibt es eine wichtige Agenda: Parteiausschluss von Höcke und seinen Anhängern. Dies wurde nicht nur bei Höcke & Co. betrieben, in einem Nebenraum in Kassel zur Zeit des abgesagten Parteitags war das auch Thema Nr. 1 bei Petry & Pretzel.
Es wird also ohnehin zu einem Bruch zwischen AfD Ost und dem mainstreamigen Westen kommen (müssen), wenn man überhaupt eine politische Wirkung auf Deutschlands Zukunft erwarten will. Dies geht nur über Grabenkämpfe, in denen die Themen der großen Weltpolitik höchstens zur eigenen Standortbestimmung dienen können, ganz im Sinne von @imagine, als eine Frage der Ehre.

@zeitschnur - 26. Januar 2020 - 11:30 AM

"... Die AfD ist entweder Aufhalter oder Brandbeschleuniger in der Misere, eines von beidem. Alternative ist sie natürlich nicht. Man sollte von ihr nichts erwarten. Die Enttäuschung für diesen faden politischen Traum ist unsere Lebensenergie nicht wert. Es lohnt sich mehr, aufzuwachen und ein korrigiertes Geschichtsbild zu erwerben. Danach wird sich ein pseudoalternatives Weiterso nicht mehr aufrechthalten lassen."

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Einem toten Pferd eine mit dem Schriftzug "NATO-Israel" golden bestickte Satteldecke überzuwerfen macht es nicht wieder lebendig.

In ihrem gegenwärtigen Zustand zieht diese sich selbst als Alternative propagierende Partei keine Bockwurst mehr vom Teller.

Wer feststellt, daß das Pferd welches er reitet tot ist, sollte absteigen.

Wer nicht vom toten Pferde absteigen möchte, möge weiterhin angestrengt über die verbleibenden 49 Möglichkeiten zum Reiten toter Pferde nachsinnen.

+ Siehe auch:

50 Möglichkeiten ein totes Pferd zu reiten
https://gesundheitskurse-rhein-main.de/wp-content/uploads/2018/02/50-Wege-ein-totes-Pferd-zu-reiten.png

Kallewirsch

26. Januar 2020 19:13

Sehr geehrter Herr Kubitschek,

wie immer eine brilliante Analyse. Mir ist klar, wieso die Etablierten Sie so fürchten. Wahrscheinlich sind Sie einer der ganz Wenigen, vor dem man wirklich Gamaschen hat. In Kombination mit der "Sezession" immer wieder ein Genuß, die Analysen und Essays zu lesen. Wird aber wahrscheinlich nix daran ändern, dass sich nix ändert. Dafür sind die Wege zu eingelaufen, die Prozeße zu weit entwickelt und die Devolution zu weit fortgeschritten. Trotzdem, der Apfelbaum gehört gepflanzt.

Liebe Grüße & Respekt vor Ihrem Kampf gegen die Windmühlen

micfra

26. Januar 2020 19:20

"Es müßte also eine neue radikale Gruppierung mit strengen Grenzen zwischen Freund und Feind entstehen. Wenn die Partie noch nicht verloren ist, wird die Zukunft nicht den kraftlosen Mischideen gehören, die heute in bestimmten Kreisen vorherrschen, die sich nicht gerade als links bezeichnen, sondern denjenigen, die den Mut zur radikalen Haltung haben - den Mut zur 'absoluten Verneinung und zur 'souveränen Bejahung' - um die Worte von Donoso Cortès zu gebrauchen."

Julius Evola in Menschen inmitten von Ruinen (Kap. Revolution - Gegenrevolution - Tradition)

Simplicius Teutsch

26. Januar 2020 19:27

Unter den derzeitigen Machtverhältnissen in der BRD ist es das Wichtigste, dass die Rechten, die Pro-Europäer (nicht EU, das sind die Zerstörer Europas), die Pro-Deutschen und die AfD (mit 10% + X) am politischen Leben und in geistiger Bewegung bleiben und eine alternative, elastische, vitale Gegenöffentlichkeit etablieren.

Die Dinge sind im Rutschen, weltweit, - Spannung, Ächzen und Krachen überall -, bloß wohin sie mit welcher Gewalt Rutschen und bisherige Machtpositionen niederreißen und verschütten, kann keiner wissen.

Thymotiker

26. Januar 2020 19:53

Deutschland ist außenpolitisch und geostrategisch nicht rollenlos, wohl aber derzeit weitgehend selbstgewählt (!) wirk- und einflussschwach.

Abgesehen von der Demographie und historisch legitimierter kultureller Belastung sind unsere Fundamentaldaten (noch) nicht so schlecht:

- Wir könnten uns alleine eine wesentlich schlagkräftigere Armee leisten wie Frankreich oder GB (2% BIP 2019: GB = 55,5 Mrd $, F = 55,47 Mrd $, D = 82,5 Mrd $, und zum vgl Russ 2% BIP = 32,49 Mrd $). Wenn wir die NATO Vereinbarung über 2% Verteidigungsausgaben erfüllen würden, dann wären wir recht bald - nach USA und China - die drittgrößte konventionelle Militärmacht der Erde. Würden wir uns die Kosten für Migration und andere linke Politik sparen, könnten wir wahrscheinlich 90 Mrd € ausgeben ohne Einschnitte in der alltäglichen Lebensführung der Bürger. Derzeit, freilich, haben wir kaum 2 funktionsfähige Brigaden. Und ob es strategisch, d.h. langfristig unter Beachtung aller politischen, ökonomischen, historischen und kulturellen Wechselwirkungen, überhaupt sinnvoll wäre Weltmacht zu spielen, steht auf einem anderen Blatt.

- Als wirtschaftlich stärkste Nation Europas könnten wir, Wille vorausgesetzt, genausoviel oder mehr mehr Einfluss ausüben als Frankreich, mittels EU (513 bzw bald 447 Mio Einwohner, zusammen 1 000 000 Soldaten, mit Frankreich Atom- und Veto-Macht, diplomatischer Einfluss von 28 bzw. bald 27 Staaten (plus mehrerer Beitrittskandidaten), mit 20 000 Mrd $ BIP (PPP) ebenbürtige Wirtschaftskraft zu USA und China usw.), die Berlin zu quasi 35-40% kontrolliert bzw. zu 60-70% im Tandem mit Frankreich, könnte Deutschland gehebelt ebenso als Weltmacht auftreten. Oder wie die Amerikaner und Briten sagen: EU = Berlin. Wir "wählen" diese Macht bzw. diesen Einfluss nicht zu verwenden. Die Substanz wäre aber vorhanden.
Nun ist Berlin eben (links)liberal, antinational und globalistisch dominiert, aber das muss und kann sich ändern. Ich hoffe auf die Transformation der EU in einen ökonomischen, kulturellen und Verteidigungsbund eigenständiger ethnischer Identitäten unter deutscher Führung, gleich wie der Attische Seebund von Athen geführt wurde. Die EU + Beitrittskandidaten sind unser Einflussgebiet, wie Weißrussland oder Kazachstan russisches ist. Warum sollten wir das, in ethnopluralistisch oder isolationistischer Übertreibung, zu unserem Nachteil aufgeben?

Außenpolitische Strategie (zeitlos):
Politische Ziele leiten sich in erster Linie aus Zwängen/Notwendigkeiten, dann aus Nutzen(mehrung), dann aus der Kultur ab: Werte, Gesetze, so oder so interpretierte historische Erfahrungen, nationale Mythen, politische Kultur, Machtstrukturen, "Diskurs" usw. - marxistisch: dem "Überbau".

Seit 1945 lautete die erzwungene, z.T. aber auch freiwillige Devise: Westbindung! Kein deutscher Sonderweg mehr. Man könnte das auch interpretieren als: Nie wieder Zweifrontenkrieg. Nach Ende des Kalten Krieges wurde eine unipolar "amerikanische", in Wahrheit - siehe Verarmung und Erniedrigung der amerikanischen weißen Arbeiterschicht -: (links)liberal-hegemonial-globalistische Weltordnung durchgesetzt, die Washington, anders als zuvor in der antikommunistischen Frontstellung, zu unseren deutschen Grund- und DASEINSinteressen sukzessive in Widerspruch gebracht hat, ebenso in Widerspruch zur Souveränität, Selbstbestimmung sowie nationalen Eigentümlichkeit vieler anderer Völker (und auch der weißen Amerikaner selbst). Dieses Damoklesschwert ist zweischneidig:
1. Wir können uns am Projekt einer liberal-hegemonialen Globalisierung nicht beteiligen, ohne uns selbst als Deutsche und Europäer damit zu zerstören.
2. Die Interventionspolitik samt "nation building", im Grunde Globalisierungskriege, der außenpolitisch-ökonomischen Elite in Washington und NYC seit Ende des Kalten Krieges würde auch ein im nationalen Daseinsinteresse agierendes Deutschland bedrohen. Amerika als Bedrohung.

Dazu kommt, dass Russland als Bündnispartnerersatz und Gegenpol zu den USA viel zu schwach ist: Nominelle bzw. Außenhandelswirtschaftskraft Italiens, preisparitätische bzw. binnenwirtschaftskraft Frankreichs. Russlands fossiler Reichtum wird durch die derzeitige Klimapolitik an Wert verlieren, obendrein diese Ressourcen nicht endlos sind. Mit Putins Wechsel in ein anderes Amt 2024 wird Russland an Schneid verlieren. Russlands derzeitige außenpolitische Wirkmacht basiert zu einem guten Stück auf Putins taktischem Genie und seiner schieren Willenskraft. Zwar gilt Putin, so heißt es zumindest in der russischen Propaganda, als Freund Deutschlands, er hat aber den nationalen Mythos des großen antifaschistischen Sieges über Deutschland im 2. WK neu befeuert, russische Schulen und russisches Fernsehen verzapfen heroische Märchen wie z.B. dass 90% (!) der jämmerlich schwachen deutschen Wehrmacht gegen die heroisch siegreiche Rote Armee gefallen wären (Wahrheit: insg. haben 18 Millionen Deutsche im Krieg gedient, wovon 4 Millionen Kombatanten an allen Fronten + Kriegsgefangenschaft gestorben sind, Verluste Rote Armee: 11 Millionen Soldaten), Wolgograd heißt auf Putins Wunsch einmal im Jahr wieder Stalingrad usw. Der Versuch Russlands das alte "Projekt Pluto" zu realisieren (9M730 Burevestnik), welches ein Gebiet von der größe Deutschlands in 12 Minuten mittels Nuklearsprengköpfe und dem Fallout seines Nuklearantriebs vernichten könnte, und die Drohung wegen der Stationierung des amerikanischen USEUCOM und USAFRICOM in Stuttgart Deutschland als nukleares Ziel programmiert zu haben, sind auch nicht gerade freundschaftlich.

Es gilt dieses widersprüchliche Schlamassel - mit den uns gegebenen begrenzten Mitteln - zu verlangsamen, einzuhegen und letztlich umzukehren.

Amerikaner einhegen (nächste 30 Jahre):
Die Amerikaner sind bereits durch unsere NATO-Mitgliedschaft ("Freundschaft") militärisch als Bedrohung neutralisiert. Es macht keinen Sinn, aus einer 71 Jahre alten stabilen, weitgehend verlässlichen Beziehung auszusteigen, diese(n) "Partner" zu brüskieren, um dann eine andere militärische Vereinbarung, z.B. einen Nichtangriffspakt, den sie ohnehin nie unterschreiben, mit ihnen anzustreben. Oder wie ein anglophones Sprichwort besagt: "Keep your friends close, your enemies closer."
Desweiteren ist keine NATO-Streitkraft, außer den Amerikanischen selber, alleine voll verteidigungsfähig. Das gilt insb. für die Bundeswehr, die als NATO-integrierte Verteidigungskraft aufgestellt wurde. Seit Ende des Kalten Krieges hat sich die Abhängigkeit von USA und anderen Europäern nur erhöht. Sie ist von 9 kampfstarken deutschen Divisionen auf 2,5 schwache multinationale reduziert worden.
Ob vor oder nach 1990, Experten (Bundeswehroffiziere) schätzen die Kosten für den gleichen Verteidigungswert der Streitkräfte ohne Amerikaner für die Landesverteidigung auf 80-100 Milliarden Euro pro Jahr. Wenn die EU zur gleichen Machtprojektion - und damit Geltung, Einfluss, Kontrolle - fähig sein wollte wie die USA, entsprechend kombiniert 550-700 Milliarden jährlich.

Die NATO-Bindung ist also mindestens mittelfristig notwendig.
Ausweg: Massive Steigerung der nationalen und/oder europäischen Verteidigungsausgaben + Integration (Rahmennationenkonzept) oder Konzertierung der nationalen Streitkräfte + Schaffung eines europäischen Generalstabs und außenpolitischer Entscheidungsorgane unter deutscher Führung.
Neues Problem: Moloch Europa. Verlust an nationaler Souveränität für uns oder jedenfalls/bestenfalls für die anderen Europäer.

Bündnispartner Russland bzw. Russland einhegen (nächste 30 Jahre):
Das oben erwähnte russische Säbelrasseln macht politisch erstmal "nichts": Man schließt politische "Freundschaften" nunmal wie man sie findet, nicht nach Wunschideal. Realpolitik! Russlands strategische Schwäche, die Konfliktstellung qua Baltikum, Polen, z.T. Rumänien, Ungarn, USA (von denen wir ökonomisch, verteidigungspolitisch profitieren, sowie die Notwendigkeit sie unbedingt pazifizieren zu müssen), Beitrittskandidat Ukraine, Russlands Schmerz über den Verlust Serbiens und der ganzen alten Sowjeteinflusszone, die großenteils heute EU, also strukturell "unser" geworden ist, macht schon eher Kopfzerbrechen.
Der russische Bär würde ohne US-Involvierung in Europa, bei unserer selbstgewählten machtpolitischen Schwäche, sofort in das Vakuum stoßen mit den Mitteln die er hat: Rohstoffe, geopolitische Lage und Größe, Panslawismus, überlegene Identitätskohäsion, kohäsive nationale Strategie und Willensprojektion/Ambition, Auslandsrussen, Geheimdienste, Propaganda und Desinformation, antifaschistischer Kriegsmythos, militärisches inkl. nukleares Potenzial, hybride Operationsführung mit allen vorgenannten Mitteln ala Ukraine-Konflikt.
Der russische Bär wird durch NATO, US-Konfliktkonstellation, nukleare Abschreckung (Helmut Schmitt: NATO-Doppelbeschluss, amerik. Atomwaffen für Bundeswehrmaschinen, was obendrein die Amis in Europa involviert hält und an uns bindet) sowie ökonom. sowie z.T. diplomatische Interdependenzen eingehegt. Balance of Power! So eingehegt bzw. mit Push-Faktoren und Druckmitteln versehen kann man den Bären plötzlich streicheln, Handel treiben, ein paar Verträge schließen und von "Freundschaft" fabulieren.

Nur ein selbstbewusstes und sich selbstbehauptendes Europa unter deutscher bzw. deutsch-franz. Führung könnte irgendwann das Westbündnis durch ein (erstmal sehr instabiles) Ostbündnis Russ.-China sukzessive ersetzen, oder ganz unabhängige Wege gehen. Russ. ohne China ist als großer, strategischer Partner gegen die Amis zu schwach = uninteressant, aber zu stark, komplex und umtriebig um einfacher militärischer Partner zu sein. Realpolitisch ist ein Bündnis Europa-Rotchina unwahrscheinlich.

Israel (nächste 15 Jahre):
Es ist zu befürchten, dass der Staat Israel, von seinem Gründungsverständnis her, immer ein Widerspruch in der Frage der Normalisierung der deutschen Identität, unserer internationalen Rolle, des Fremdbilds Nichtdeutscher über uns Deutsche usw. bleiben wird. Das ist keine Schuldzuweisung, sondern eine Prognose. Andererseits ist bemerkbar, dass kaum eine jüdische Organisation so anderen Völkern bzw. patriotischen Positionen nahestehende Interessen vertritt wie Israel. Grund: keine andere hatte seit 2000 Jahren objektiv eigene nationalstaatliche, also vergleichbare Interessen. Dazu kommt die sich zw. Israel und Patrioten überschneidende Konfliktstellung zum Islam. Vorschlag: Realpolitik betreiben! Zweckbündnisse wo möglich, Verbrüderung und wechselseitige "Nibelungentreue" kann es aber nicht geben. Russland zeigt, dass man mit Iran und Israel zugleich gute Beziehungen haben kann. Für Deutschland selbst ist das schwer, aber Dtl. besitzt die Sockenpuppe EU.

Polen (nächste 20 Jahre):
Kein guter Freund. In mancher Hinsicht ein strategischer Gegner. Polen will trotz Greueltaten an deutschen Männern, Frauen und Kindern, sowie Raub eines Drittels unseres Landes, dessen Wert sich gar nicht beziffern lässt, 800 Mrd € Reparationszahlungen. Polnische Nationalisten zerstören regelmäßig germanische und baltisch-altborussische archäologische Funde bzw. deuten sie als slawische um: Auslöschung der Geschichte. Polen betreibt noch härtere Konfrontations- und Eskalationspolitik gegen Russland, gedeckt von NATO und USA, die an Kriegstreiberei grenzt.
Durch EU, sowie unsere größere Nützlichkeit für idealerweise sowohl USA und Russland dieses Land so gut es geht hindern bzw.isolieren. Ein US-Truppenabzug aus Dtl. darf nicht mit US-Truppeneinzug nach Polen einhergehen, da unsere Wichtigkeit und Einflussmöglichkeit auf Amerika sonst sinkt, Polens dafür steigt, die Amis aber weiter ein Machtfaktor in Europa bleiben. Und weil damit die polnische Bereitschaft gegen Dtl. und Rssl. Konfrontation zu betreiben weiter zunimmt.
Ein Beitrag zur Pazifizierung Polens durch Zusammenarbeit mit poln. Nationalisten, Konservativen usw. z.B. gegen Migrationspolitik ist denkbar. Sollte nicht idealistisch sondern realpolitisch erfolgen.

AUSBLICK: Frankreich, Schweden, Belgien usw (nächste 75 Jahre):
Es ist möglich, dass sie sich Mitte-Ende des 21. Jhds qua Großem Austausch endgültig in "failed states" verwandelt haben, wir aber knapp diesem Schicksal entkommen sein werden (v.a. wegem dem anders sozialisierten Osten). Zuerst muss alles unternommen werden, den Zerfall West- und Nordeuropas zu verhindern. Der Widerstand der dortigen Patrioten soll diese näher an uns binden und alte, noch verbliebene Weltkriegswunden und -animositäten endgültig heilen. Unsere geopolitische Lage legt nahe, wenn der Austausch doch geschieht, durch eine Reconquista bzw. europäische Befreiungsfrontpolitik mit Wohlwollen der weißen Übriggebliebenen Teile oder die Gesamtheit dieser Gebiete z.B. im Rahmen von Konföderationsnetzwerken (gemeinsamer hist. Mythos: Fränkisches Reich) stark an uns zu binden bzw. bei uns zu integrieren und dann mit unseren Menschen wieder neu zu besiedeln, sollten z.B. in 70 Jahren durch Austausch, Abtreibung, Familienzerstörung zu wenige Einheimische übrig sein, wir aber durch vernüftige Politik wieder einen Bevölkerungsüberschuss haben. Je wahrscheinlicher der Große Austausch tatsächlich im Westen durchläuft, desto mehr wird ein sicheres Bündnis Deutschlands mit Russland bzw. nach Osten notwendig. Es besteht aber die Gefahr, dann geschwächt vom Osten absorbiert zu werden.

Der_Juergen

26. Januar 2020 20:02

@Andrenio @Zeitschnur

Von den vielen Leserkommentaren auf diesem Strang finde ich Ihre die treffendsten. Ob die sklavische Hörigkeit der AFD (minus Flügel, der sich in diesem Fragen meines Wissens bisher nicht exponiert hat) gegenüber Israel und ihre Akzeptanz des herrschenden lügenhaften Geschichtsnarrativs einzig auf Opportunismus zurückzuführen sind oder ob manche führende Mitglieder der Partei schlicht gekauft wurden (wie @Andrenios Hinweis auf den israelischen "Medienberater" nahelegt), sei dahingestellt, ist aber nicht einmal sonderlich wichtig, weil solche Politiker in beiden Fällen keine Alternative für Deutschland darstellen.

Ich erwarte und hoffe, dass es zur Spaltung kommen wird. Lieber eine konsequent patriotische (und soziale) AFD mit bundesweit 10% Untertützung als eine Meuthen-Bystrom-Partei mit 30%.

@Zeitschnur schreibt: "Die AfD ist entweder Aufhalter oder Brandbeschleuniger in der Misere, eines von beidem." Dem ist unbedingt beizupflichten. Als Katechon, der den Niedergang Deutschlands um ein paar Jährchen verzögert, ist die Partei unnütz. Als Brandbeschleuniger, der die Schurkereien des Regimes schonungslos aufzeigt, kann sie entscheidend zu jenem ausserparlamentarischen Umsturz beitragen, der Deutschland allein retten kann.

Zur Nato: Käme heute durch ein Wunder eine nationale Regierung ans Ruder, wäre es dann angezeigt, die Nato über Nacht zu verlassen? Nein. Als Natomitglied kann Deutschland mitbestimmen und z. B. die Aufnahme neuer Staaten wie der Ukraine in die Allianz durch ein Veto verhindern. Es kann seine Truppen aus Afghanistan usw. abziehen, ohne deshalb aus der Nato auszutreten, und zugleich auf die Verbesserung der Beziehungen zu Russland hinarbeiten. Ein jäher Austritt würde nur zur Isolation führen. Als mittelfristiges Ziel ist die Auflösung der Nato überhaupt zu proklamieren.

Lumi

26. Januar 2020 20:13

» … die Geschichte längst wieder offen … Reste von Souveränität und Handlungsspielräumen. «

In diesem Zusammenhang werden immer wieder gerne sogenannte Atomwaffen angeführt, wie es auch auf dieser Blogseite passiert.

Aus einer Bildersuche bei Google läßt sich einiges lernen:

Köln 1945 - Berlin 1945 - Hamburg 1945 - Dresden 1945

Wie sich die Bilder gleichen. Skelette von Häusern allüberall. Im Grunde nicht erstaunlich: Die Städte wurden in gleicher Art und Weise erbaut und in gleicher Art und Weise durch demokratischen Terrorismus zerstört.

Nun schauen wir nach Japan:

Hiroshima 1945 - Nagasaki 1945

Hier scheint die Zerstörung total - alles platt, nichts mehr da! Nun gut, hier kam ja auch die Atombombe zum Einsatz, daher eben alles platt. Was aber ist mit den anderen Städten Japans, die ja auch alle bombardiert wurden:

Tokyo 1945 - Yokohama 1945 - Kobe 1945 - Osaka 1945 - Nagoya 1945 - Fukuoka 1945

Potzblitz: Die sehen ja genauso aus wie Hiroshima und Nagasaki! Wie sich auch hier die Bilder gleichen. Da ist überhaupt kein Unterschied, ganz wie bei den deutschen Städten.

Sollte der Ami viel mehr Atombomben eingesetzt haben als zugegeben?

Ich finde es wichtig, über die Großen Lügen bescheid zu wissen, und eine der Großen Lügen von 1945 ist die Atombombe. Sie ist nichts als ein bombastischer Popanz der Propaganda. Ein hohler Hoks. Sie existiert nicht. Es gibt nur friedliche Kernkraftwerke, wenn auch zum Teil als Antrieb unfriedlicher Schiffe. Die Kettenreaktion erzeugt Hitze, die zur Schmelze, nicht aber zur Explosion führen kann (ausgenommen Banalitäten wie Knallgasexplosionen wie in Fukushima).

Hiroshima und Nagasaki wurden in klassischen demokratischen Terrorangriffen mit Brandbomben geplättet, was viel einfacher war als bei deutschen Städten, da das japanische Volk in sehr bescheidenen Hütten aus Holz und Papier zu wohnen pflegte, und die Feuerwehr mit der Bekämpfung dutzender und gar hunderter durch Flächenbombardierung gleichzeitig hervorgerufener Brandherde natürlich überfordert war, wie in Osaka, Kobe, Tokio und allen anderen japanischen Großstädten auch, weswegen die 1945 auch alle wie Hiroshima und Nagasaki aussahen.

In Hiroshima sind ja nicht mal die Brücken an »Ground Zero« in den Fluß gedrückt worden, wie auf den Photos eindeutig zu sehen ist. Ebenso ist an den wenigen aus Stein errichteten Gebäuden im Zentrum kein ungewöhnlicher oder bedeutender Schaden entstanden. Gänzlich fehlt nicht nur jeder Anflug von Krater, sondern auch von durch die Druckwelle geblasenen Schneisen. Antennen und Brüstungen sind auch nicht geschmolzen. Die Bäume sind zwar entblättert und verkohlt, was bei Feuer nun mal passiert, haben den Brand aber überlebt und im Frühjahr '46 erneut ausgeschlagen.

Die Atombombe ist Fake News von 1945.

Während der folgenden fünf Jahrzehnte wurde der Mumpitz mit Film und Video Tricks, aber auch mit aufwendigen chemischen Großspektakeln nebst hochwichtigem Politgeschwafel vom Ernst der Lage und der ungeheuren Zerstörungskraft etc täterätä weiter ausgebaut und eingekleidet. In der Rückschau und in Zeitlupe nimmt sich das alles recht lächerlich aus, aber damals war es gut genug.

Propagandaorganisationen wie die IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) und die UCS (Union of Concerned Scientists) sammelten wohlmeinende und ernstlich besorgte Schäfchen in die akademisch geadelte Herde ihrer Mitglieder, darunter auch meine Eltern.

Bundeswehrpiloten glaubten allen Ernstes, sie trügen "Verantworung für eine Kernwaffe", um in einer säkularisierten Version des Jüngsten Gerichtes zu einem großen Auftritt als massenmordender Todesengel zu starten.

Die größte Stütze der Nuckelbombenillusion war natürlich der eiserne Antagonismus, der den Ostwestkonflikt kennzeichnete. Wenn der Ami und der Iwan, die sich ja in eisenharter Konfrontation gegenüber stehen, beide das gleiche sagen - ja wie soll es dann unwahr sein ?!?

Ein genialer Trick, der auch heute noch zieht, wo die Kernwaffenpropaganda eine kleine Renaissance erlebt.

Simplicius Teutsch

26. Januar 2020 21:24

Ich kann und will, wenn ich den Blick in die Mainstream-Medien und auf unsere BRD-Politik wende, das Polemische in mir nicht vollständig unterdrücken. Ich kann das, was an Irrsinn abläuft nicht ernst nehmen, und doch ist es Realität.

Alle Guten, auf in den Kampf gegen den bösen Antisemitismus! Die Vergebung aller Sünden, die Aufnahme in den Himmel der demokratischen Privilegien ist allen Kämpfern und Mitläufern gewiss. - Allerdings gilt das nicht für die AfDler: „Ihr bleibt draußen! Merkt euch das, Meuthen und Bystron!“

Dazu passt die aktuelle Meldung, die ich eben im Radio höre: „Söder gibt der AfD die Schuld am wachsenden Antisemitismus.“ - Völlig lächerlich ist das, der spinnt doch, natürlich gibt es auch in der AfD Antisemiten, wie überall auf der Welt und wie links und rechts und in der Mitte und vor allem bei den Moslems. - Jedoch gibt es die AfD erst seit 2013. Und die historisch vielfach verbürgten, christlich initiierten bzw. unterstützten Judenausrottungsveranstaltungen - und nebenbei die Hexenverbrennungen - haben mit der AfD nichts zu tun.

Aber so bösartig giftet der hinterfotzige christlich-soziale Markus Söder, der dazu aufgerufen hat, die demokratisch gewählte Oppositionspartei AfD „bis aufs Blut“ zu bekämpfen, und der seinen CSUlern (schon vor einem halben Jahr) ein totales Kontaktverbot auf allen Ebenen mit AfD-Vertretern erteilt hat: „Kein Kaffeeplausch, kein Grußwort, nichts mehr.“ - Wer hetzt, wer spaltet hier die Gesellschaft und sät Hass?

Cugel

26. Januar 2020 22:14

@Elvis Pressluft
Ich habe nicht ad hominem argumentiert, sondern darauf hingewiesen, daß ich es nicht für hilfreich halte, das Terrain aufgrund persönlicher Befindlichkeiten abzustecken. Es war demgemäß zu erwarten, daß Sie an meiner Metapher weiteren Anstoß nehmen würden, die natürlich insofern schief ist, als die verlorenen Gebiete und die Ermordeten nicht "nachwachsen". Es sollte doch aber klar sein, und ich meine das auch deutlich gemacht zu haben, daß es mir in keiner Weise um eine Verharmlosung der slawischen Kriegsverbrechen ging, sondern wie TheBlackCat darauf hinzuweisen, daß Gebiets- und Menschenverluste ein Volk schwächen, aber - jedenfalls im Ausmaß des Verlusts der Ostgebiete - nicht umbringen. Die Geschichte der BRD bis 1960 beweist das. Daß dagegen die maßgeblich von den USA durchgesetzte One-World-Ideologie den nahezu sicheren Volkstod bedeutet, ist nicht nur aus dem Zustand der West-BRD ersichtlich. Sie selbst weisen darauf hin; Sie wissen, wer die "Rußlanddeutschen" - die uns kulturell zumindest zu einem erheblichen Anteil näher stehen als Moslems oder Schwarzafrikaner - warum ins Land geholt hat. Die haben uns ja nicht die Russen aufgenötigt. TheBlackCats Hinweis auf den Eisernen Vorhang sticht. Die Völker der gesamten "westlichen" Hemisphäre verfallen, Mitteldeutschland vollzieht den Weg der West-BRD mit erhöhtem Tempo nach, auch im ehemaligen Warschauer Pakt sehen wir bereits die Anfänge, und selbst in moslemischen Staaten läuft dieser Prozeß mit einiger Dynamik. Eine strategische Interessenüberschneidung mit Rußland besteht insofern, als eine Schwächung des Hegemons im allgemeinen die Aussicht des Vasallen auf Eigenständigkeit erhöht. Man denke an den Zerfall des Britischen Empires. Daß wir dabei vom Regen in die Traufe kommen könnten, ist selbstverständlich gegeben. Mir ist überdies klar, daß unsere Souveränität unter den gegebenen Umständen hypothetisch ist, aber das trifft ebenso auf des Bademeisters 3 Optionen zu, und der Anlaß des Artikels, das Abstimmungsverhalten der AfD, wäre im nicht stattgehabten Fall ja nun keine Kriegserklärung an die USA gewesen, Mitforisten haben zu recht auf de Gaulle hingewiesen. Da sollte man die Moschee ruhig mal in Marxloh lassen. Gerne würde ich glauben, daß der Beweggrund der AfD taktischer Natur ist, aber es sieht doch leider eher danach aus, daß die AfD den gleichen Weg nehmen wird wie die Grünen.

TheBlackCat

26. Januar 2020 23:56

Ich möchte noch gerne etwas Allgemeines über Israel schreiben.

Weil hier im Kommentarberreich von manchen Kommentatoren immer wieder argumentiert wurde, dass weil Israel ja ein ethno-patriotischer, rechtsgerichter Staat ist müsste und weil wir durch den gemeinsame Gegnerschaft zum Islam verbunden sei, müsste Israel der ideale Bündnispartner der deutschen Patrioten sein.

Diese Argumentation beruht auf zwei Grundannahmen, die beide völlig falsch sind:

1. Dass Israel die Politik, die es für sich selbst will, auch für Europa wollte.

2. Dass Israel ein Problem mit dem Islam hätte.

Zu Punkt 1) Nur weil Israel eine identitärer oder ethnopatriotischer Staat ist, bedeutet das noch lange nicht, dass seine Eliten wollen, dass auch die Länder Europas deshalb zu ethnopatriotisch regierten Staaten werden.

Wenn die Haltung des Zentralrats der Juden in Deutschland und anderer Spitzenverbände in Europa irgendein Gradmesser für die Positon der israelischen Establishments sein sollte, dann sieht es nicht danach aus.

Zweifellos ein Gradmesser für die Haltung der israelischen Eliten ist der Botschafter Israels in Deutschland, der die AfD wiederholt öffentlich verurteilt hat: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-05/jeremy-issacharoff-israel-afd-holocaust

Zu Punkt 2). Israel kämpft eben nicht gegen "den Islam". Israel ist ein Ethnostaat, der für seine nationale Interessen eintritt und dabei eine schonungslose Realpolitik betreibt. D. h. Israel kämpft gegen jeden, den es als einen Feind betrachtet, ganz gleich wie sakulär oder antiislamisch, und kooperiert auch mit jedem, ganz gleich wie islam(ist)isch.

So unterhält Israel recht gute Beziehungen zu Saudi Arabien, gegen das der von Israel zum Hauptfeind erklärte Iran geradezu als Paradies der Frauenrechte bezeichnet werden könnte und zudem der Hauptfinanzier des islamischen Terrorismus ist.

Auch hat Israel im syrischen Bürgerkrieg radikal-islamische "Rebellen" gegen eines der letzten sakulären Regierungen in der Region unterstützt. https://www.heise.de/tp/features/Israel-hat-seit-Jahren-syrische-Rebellen-mit-Waffen-und-Geld-unterstuetzt-4164876.html

In Israel ist die Schariah Teil der offiziellen Rechtssprechung. Die Schariah ist für die muslimische Bevölkerung das Familienrecht, das in Israel traditionell nach Religionsgruppen getrennt ist. https://www.zeit.de/2017/27/israel-muslime-scharia-juedische-gerichte

Wir sehen: Das Zerrbild von Israel als "Frontstaat" der westlichen Welt im Kampf gegen den Islam, mit dem die Vetreter jenes strinkt proisraelischen Kurses die weniger informierten Rechten "ködern" versuchen, hat nichts mit der Realität.

Der_Juergen

27. Januar 2020 00:30

@Thymotiker

Ihren Bemerkungen kann man weitgehend beipflichten, insbesondere war Russland betrifft. Da die Russische Föderation die kommunistische Ideologie über Bord geworfen hat und die liberale Marktwirtschaft keine zündende Idee zur Begeisterung der Massen ist, hat Putin eine Ersatzideologie aus widersprüchlichen Versatzstücken zusammengebraut: Das Bekenntnis zu christlichen Werten und Traditionen (also das, was man "Kulturchristentum" nennen könnte) plus der Stolz auf den Sieg über den "Hitlerfaschismus". von dem die Rote Armee die Welt gerettet habe. Um die Aufzwingung einer harten kommunistischen Diktatur als Befreiung darstellen zu können, muss der Besiegte möglichst schwarz dargestellt werden. Neben den im Westen unermüdlich kolportierten Lügen servieren die russischen Medien dem Publikum auch rein hausgemachte, etwa die, wonach die Deutschen 1945 Krakau in die Luft sprengen wollten und im letzten Moment von der Roten Armee daran gehindert wurden (aufgewärmt wurde diese Lüge z. B. in der Kreml-nahen Sendung "Vesti nedeli" vom 19. Januar. Da die Polen die Befreierrolle der Sowjets nicht anerkennen wollen, liegen sie seit langem unter Dauerbeschuss der russischen Medien. Warschau antwortet mit seiner eigenen Lüge von dem Unschuldslamm Polen, das 1939 ein armes Opfer seiner beiden totalitären Nachbarn geworden sei.

TheBlackCat

27. Januar 2020 01:39

@limes

"Und es macht doch keinen Sinn, so zu tun, als ob in Deutschland alles in Ordnung wäre! In der gegenwärtigen Situation, mit Hunderttausenden von wehrfähigen und teils kriegserfahrenen ausländischen jungen Männern in unserem Land (Tendenz weiter steigend) und mit einer Armee und Polizei, die heruntergewirtschaftet sind, ist die Anwesenheit von US-Truppen in Deutschland für mich eher beruhigend."

Und ob die Anwesenheit von US-Truppen in Deutschland wirklich ein Grund zur Beruhigung ist, das hängt ganz davon ab, wer in Washington das Sagen hat.

Mit Trump scheinen wir noch relatives Glück zu haben. Trump scheint mir ein eher widersprüchlicher, schwer fassbarer Charakter zu sein. Er hat keine erkennbare Weltanschauung oder geistig-theoretisches Fundament. Er ist in diesem Sinne auch kein Rechter.
Auch ist Trump eben nicht allmächtig. Das alte Establishment, das sie erwähnen, ist eben nicht vollständig entmachtet, es ist nur geschwächt. Es beherrscht die Medien, es beherrscht die Wirtschaft, es beherrscht die Demokratische Partei, und es sitzt selbst in Trumps eigener Partei.

Und was passiert, wenn die Demokraten die nächste Präsidentschaftswahl gewinnen?

Und selbst wenn Trump wiedergewählt wird, was passiert dann in 4 Jahren, wenn Trumps seine maximale Regierungszeit erreicht hat? Folgt dann wieder ein typischer Establishment-Republikaner im Stile von Mitt Rommney?

Stellen wir uns Mal vor, es würde ein Wunder geschehen, und die AfD würde bei einer Bundestagswahl über 50% der Stimmen erhalten und wäre tatsächlich auch willens, Deutschland zu retten.

Was machen wir dann, wenn dann ein Joe Biden oder Michael Bloomberg ihre Regenbogen-Armee einsetzen, um Deutschland wieder auf den "rechten Pfad" von "diversity and tolerance" zurückzubringen und das "new nazi government" zu stoppen?! Ich kann mir die Kriegstreiber-Kampagne auf MSNBC, CNN und Co. gegen die AfD-Regierung schon bildhaft vorstellen.

Wäre dann die Anwesenheit von US-Truppen immer noch "so beruhigend".

"Solange Deutschland von innen heraus abgeschafft wird, sind außenpolitische Maximalforderungen hinsichtlich deutscher Souveränität bestenfalls sinnlos. "

– Von Maximalforderungen hat auch keiner gesprochen.

"Wir sollten nicht Politikern wie Meuthen und Bystron in den Rücken fallen, die auf einem guten Weg sind, denjenigen die Macht abzujagen, die unsere Lebensweise und die Souveränität unserer Nation von innen bedrohen."

– Ganz grundsätzlich. "Diejenigen", denen Meuthen und Byston die Macht abjagen sollen, bedrohen nicht einfach "unsere Lebensweise". Unsere traditionelle Lebensweise haben sie schon lange zerstört. Nein, sie bedrohen unsere bloße Existenz. Ich denke, hier sollte man auch Klartext sprechen.

Und davon das Meuthen und Bystron auf guten Wege kann wohl nicht die Rede sein.

Die AfD stagniert seit Jahren unter Meuthens Führung in den Umfragen. In den meisten Westverbänden hat die AfD seit 2017 sogar an Zustimmung verloren. Nur haben die starken Ergebnisse der Ostverbände die Verluste im Osten bisher noch wettmachen können.

Die AfD ist eigentlich nur noch dort erfolgreich, wo die Partei vom "Flügel" klar dominiert wird, eine radikalere Rhetorik betreibt als es Meuthen tut, und generell einen Kurs verfolgt, die sich von Meuthens sog. "reformorientierter Bürgerlichkeit" deutlich unterscheidet.

Generell stimme ich ihnen insofern zu, dass die AfD auf alle Fälle eine etwaige Kooperation mit der Trump-Regierung ausloten sollte. Wenn ich Bundessprecher der AfD wäre, was ich nicht bin, hätte ich sofort nach Trumps Amsteinführung Kontakt zur neuen US-Adminstration ersucht. In dieser entsetzlichen Situation, in der sich unser Land befindet, müssen wir eigentlich jedwede Unterstütung annehmen, die wir bekommen können.

Aber da sehe ich bei Meuthen und seinem Rest-Bundesvorstand ehrlich gesagt überhaupt nichts. Deren "Freundschaft" zur USA scheint wie die Freundschaft zu Israel gänzlich einseitig.

Franz Bettinger

27. Januar 2020 07:01

@limes und andere nannten Gründe, weshalb es vielleicht gut war, dass die AfD gegen den Ami-go-home-Antrag der Grünen und Linken gestimmt haben. (Mich überzeugen sie allerdings nicht.) Kondensiert:
(1) Gerade jetzt den Abzug der US-Army aus D zu fordern, könnte vor den US-Wahlen Trumps Position schwächen und die Clintons und Bidens an die Macht bringen.
(2) Vielleicht brauchen wir die US-Army nochmal für die Niederschlagung des Bürgerkriegs. Ich kann nicht glauben, dass die USA sich das gut trainierte deutsche Sklavenvolk von den Islamisten kampflos wegnehmen lassen.
(3) Wir sollten nicht Politikern wie Meuthen und Bystron in den Rücken fallen, die auf gutem Weg sind, der Clique die Macht abzujagen. Loyal sein, auch wenn's schwer fällt!
(4) Solange die Merkel-Clique Deutschland von innen raus abschaffen will, sind „Ami go home“-Forderungen sinnlos.
(5) Grundsätzlich nicht mit Linken und Grünen stimmen, weil die’s umgekehrt auch so machen. (FB: Das Argument ist das schwächste, undemokratischste und unsachlichste. Es hat Kindergarten-Niveau!)
(6) Wissen unsere AfD-Politiker (darunter auch Curio, um nur eine der vielen Koryphäen zu nennen) etwas, was wir nicht wissen? (Wenn das so ist, hätten sie ihren Wählern allerdings deutlich machen müssen, warum sie gegen die eigenen Statuten gestimmt haben.) Sollten wir ihnen also einen gewissen „Kredit“ einräumen?
(7) Müssen wir den US Kredit einräumen, die uns im kalten Krieg (den viele offenbar vergessen haben) beistanden? Ist die deutsche Nibelungen-Treue zu recht noch nicht ganz aufgebraucht? Oder haben die Amis seit 1989 zu viele Verbrechen begangen (9/11, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, Guantanamo, Drohnen-Morde …)?
(8) Die US-Verfassung garantiert u.a. die vollumfängliche Meinungsfreiheit und den privaten Schusswaffenbesitz. Das soll man nicht vergessen.

Götz Kubitschek

27. Januar 2020 07:30

badeschluß. wir werden den faden aber bald weiterspinnen.

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