12. Februar 2020

Sezession 94 erschienen – »Lektüre« als Pflichtlektüre

Benedikt Kaiser / 37 Kommentare

Heft 94 der Sezession, Thema »Lektüren«, trifft seit gestern bei den Abonnenten ein. Es eröffnet den blauen Jahrgang 2020.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

In dieses Heft eingeflossen sind Vorträge und Diskussionsergebnisse der 20. Winterakademie des Instituts für Staatspolitik, Thema »Lektüren«. Sie war, wie man auch dem Bericht von Jonas Schick entnehmen kann, ein großer Erfolg:

Es ging um Grundlagenarbeit, um die Substanz jeder Beteiligung an einem weiterführenden, rechtskonservativen Gespräch: Über das ganze Wochenende hinweg wurden Vorträge gehört, wurde in Gruppen diskutiert, wurde darüber gestritten: Gibt es einen konservativen Kanon? Warum überhaupt lesen? Wie heute schreiben? Linke lesen? Klassiker lesen? Wiederholt lesen? Bücher sammeln? Lektüre als formgebende Tätigkeit?

Das Themenheft »Lektüren« bündelt die Essenz der Akademie in Form eines Lexikons des Lesens, zusammengestellt von der Redaktion. Hinzu kommen die grundlegenden Beiträge von Ellen Kositza (Schullektüre – Problemlektüre!), Götz Kubitschek (über die Frage nach einer bundesdeutschen »Inneren Emigration«), Erik Lehnert (»Geschichtsdenker«), Felix Dirsch (zum katholischen Abendlanddenken), Thor v. Waldstein (zu rechten Klassikern wie Hans Freyer) und mir (Linke Lektüren).

Darüber hinaus konnten wir Autoren wie den Brüsseler Historiker David Engels (grandioser Essay über Tolkien), die Kulturwissenschaftlerin Sophie Liebnitz (zu C. G. Jung), den Wiener Verleger Konrad Weiß (zur »Alternativweltgeschichte« in der Belletristik) und den Schriftsteller Bernd Wagner gewinnen, letzterer mit einem skandalträchtigen Bericht über seine jüngste Erfahrung mit dem Schöffling-Verlag. (Der Cicero wollte Wagners Beitrag nicht veröffentlichen ...)

Götz Kubitschek und ich stellen wesentliche Inhalte der Ausgabe im kanal schnellroda vor:

Vieldiskutierte Beiträge hier bei Sezession im Netz erreichen zigtausende Leser. Aber: Finanziert wird das Ganze durch die Abonnements der Printausgabe. Nur sie verschaffen uns jene Planungssicherheit, die für konstruktive Lektüre, solide Grundlagenarbeit und richtungsweisende Inhalte das Fundament darstellt.

Abonnieren Sie den Jahrgang 2020 und stoßen Sie zu den 4000 Abonnenten der Sezession hinzu. Wählen Sie im Formular Ihr Abonnement. Die Preise werden automatisch angeglichen für das restliche Abojahr.

Als Prämie erhalten Sie Sezession 94 und ein weiteres Heft aus dem Archivbestand. Hier abonnieren – oder bei Frau Wirzinger anrufen: 034632-904396. Wer das Einzelheft bestellen möchte, ist hier richtig. Es gilt: »Solange der Vorrat reicht« – Neuabonnenten werden bevorzugt beschickt.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (37)

Solution
12. Februar 2020 11:47

Ich nutze jede Gelegenheit, AfD-Funktionsträger auf ihr Leseverhalten anzusprechen. Kaum jemand davon ist ein regelmäßiger, intensiver Leser. Bücher werden noch seltener als Zeitschriften (überwiegend Mainstream) gelesen. Ausreden sind Mehrfachbelastungen in Beruf, Familie, Verein, usw. Geld ist dabei kein Faktor, da es in der Regel immer reichlich vorhanden ist.

Fast immer ernte ich ein ärgerliches Kopfschütteln, wenn ich sie darauf anspreche, wenigstens zur Stärkung und Förderung der Verbreitung von gleichgesinnten Zeitschriften und Büchern beizutragen und diese zu abonnieren oder zu kaufen. Dabei gibt es mit Sezession, InfoDirekt, freilich, Compact, Zuerst, usw. eine ganze Reihe an Publikationen, die wichtige Grundlagenartikel auch für die AfD liefern.

Solange der größte Teil der AfD nicht erkennt, wie wichtig die Publizistik und das Internet (Youtube und Alternativen) sind, wird die AfD nicht von der Stelle kommen. Ohne ein Umfeld von Medien und Organisationen (wie dem Deutschen Akademikerverband, Zentrum, Pegida, usw.) verzichtet sie auf eine dringend erforderliche Unterstützung. Die bisherigen Ansätze, mit überschaubar wenigen Ausnahmen, reichen da leider nicht aus.

Wieviele der 350 AfD-Abgeordneten (z.B. auf Bundes- und Landesebene sowie in Brüssel) zuzüglich ihres von ihnen bezahlten vierstelligen Helferapparates haben "Sezession" abonniert? Da muß doch noch was gehen.

RMH
12. Februar 2020 11:48

Danke!
Das Heft war gestern in meinem Briefkasten und ich habe mich - entgegen meiner Gewohnheit, bei neuen Ausgaben der Sezession zuerst die Buchbesprechungen durchzugehen - gleich und direkt auf das Essay von David Engels über Tolkien gestürzt.

Genau für so etwas und auch die Vielschichtigkeit der Themen zahlt man seinen Abo-Beitrag doch immer wieder gerne.

Hoffe, der Kreis der regelmäßigen Bezieher und Leser der Zeitschrift steigt.

Landpastor67
12. Februar 2020 12:57

Draußen rappelte und wütete der Orkan, ich habe mich mit dem neuen Heft direkt vom Briefkasten samt Tabakspfeife in meine Büchergruft verzogen und von vorn bis hinten gelesen. Eine sehr gelungene Lesestimulanz, besonders für die Tage, an denen ein Waldgang nicht möglich ist. Vielen Dank an die Redaktion!

Lotta Vorbeck
12. Februar 2020 13:54

@Solution - 12. Februar 2020 - 11:47 AM

Kann Ihren Eindruck vollumfänglich bestätigen.
Was einem bei der persönlichen Begegenung mit so manchem AfDler entgegenschlägt, kommt seltsam bekannt vor. Man spürt sofort dieselbe Arroganz und saturierter Überheblichkeit getragene Distanz, wie sie Funktionären der Systemparteien aus sämtlichen Poren trieft.

Frank Pasemann und Dr. Jan Moldenhauer stellen löbliche, integer auftretende Ausnahmen dar.

Unlängst besuchte Herbert Kickl die AfD-Bundestagsfraktion.

Man schaue sich dieses Photo

https://images.derstandard.at/img/2020/01/28/kickl002.jpg?w=750&s=04e27b40

an! - Was sagt uns die Körpersprache der abgebildeten Personen?

Auch bei der FPÖ glaubte man, es sei möglich, ohne ein aus der Partei heraus gepflegtes, metapolitisches Umfeld zu reüssieren. Es scheint zumindest so, als befände sich die AfD auf demselben Wege, den die FPÖ unter der Ägide des HCStrache nahm.

micfra
12. Februar 2020 14:04

@Solution

> Ich nutze jede Gelegenheit, AfD-Funktionsträger auf ihr Leseverhalten anzusprechen.

Was genau wollen Sie mit solch neunmalklugen Verhalten erreichen?

In der AfD gibt es viele belesene Rechte und Liberale. Ich kenne sehr viele davon, vom führenden Personal bis zum Fußvolk.

Mich nervt dieses Rumgemaule. Das kommt meistens von Leuten, die selbst nichts auf die Reihe kriegen und sich vor jeder Verantwortung drücken.

-micfra

micfra
12. Februar 2020 14:21

Warte schon ungeduldig auf das Heft.

Mein erstes rechtes Buch war Identitär, dass mir gezeigt hat, dass das rechte Lager nicht das ist, was man uns glauben machen will. Es war erfrischend zu lesen. Mein zweites war mit Linken leben, was mich bei meiner zweiten Geburt auf mein neues Leben gut vorbereitet hat. Seitdem habe ich nicht mehr damit aufhören können.

Ich bin auch froh, das Benedikt Kaiser mir das Lesen Linker abnimmt, ich komme da beim besten Willen nicht mehr ran. Lese aber die linken Fundstücke von ihm und bin immer wieder überrascht, was er so lohnenwertes findet.

Die Sezession ist mein Lotse geworden und hilft mir das Wesentliche zu lesen.

Laurenz
12. Februar 2020 15:41

@Solution ... neulich hatte ich einen Disput mit @Lotta Vorbeck, bezüglich "warum Konservative immer verlieren", irgendein belangloser Buchtitel. Hieße so ein Buch "warum deutsche Konservative immer verlieren", kämen wir der Sache schon näher. In Britannien verlieren aber Konservative gar nicht, was daran liegt, daß es dort keine historisch ausgeprägte bürgerliche Mittelschicht gab, wie bei uns. Die deutsche Oberschicht oder der Adel dachte vielleicht nicht als Anywhere, aber zumindest als Europäer und nicht als Deutscher, was eine konservative Haltung in unserem Sinne bereits verläßt. In Britannien gelang es viel mehr zwischen Weltherrschaft und dem Konservatismus eine Brücke zu schlagen, Boris Johnson ist dafür ein explizites Beispiel.
Während der franz. Revolutions- und napoleonischen Kriege entwickelten die Briten ihren Sinn für Propaganda, weg von den Fakten hin zu Einzelschicksalen. Bonaparte konnte sich auf den Kopf stellen, er verlor mehr oder weniger alle Propaganda-Schlachten gegen die Briten. Dem 2. und dem III. Reich erging es nicht besser. Das liegt vordergründig daran, daß man auf dem Kontinent die besten Köpfe an die Front schickte und nicht, wie die Briten, in die Verlagshäuser.
Ein konservativer Deutscher Politiker fängt sofort an, bei NGOs und sonstigen Schmarotzern zu streichen. Nicht so unsere feudale herrschende Linke. Die SPD sponsort auf Kosten des Steuerzahlers schon seit über 100 Jahren ihren Neo-Adel, der Frankfurter OB-Skandal um Peter Feldmann und die AWO ist keine Ausnahme, sondern die Regel, das weiß auch jeder, der sich nur ein bißchen in der SPD-Geschichte auskennt. Daß Peter Feldmann hier wieder mal, wie sein politischer Gegner, Michel Friedman, gerne einen auf ewiger Jude macht, wird natürlich nur hinter vorgehaltener Hand erwähnt. Brauchen tut das keiner. Natürlich ist bei dieser Definition der Linken auch Franz-Josef Strauß ein Linker, allerdings ein selten produktiver.
Die Konservativen werden im sozialistischen Feudalismus arbeiten geschickt und kommen gar nicht dazu, Bücher zu lesen.
Deshalb ist es für die Neue Rechte grundsätzlich (selektiv) überlegenswert, da hat Benedikt Kaiser absolut recht, weniger in der Theorie als in der Praxis, auf linke Ideen, wie zB das bedingungslose Grundeinkommen zurückzugreifen, auch wenn das jedem AfDler unvorstellbar vorkommt. Einerseits könnten wir so die ökonomische Eskalation herbeiführen, die wir zum Machtwechsel brauchen und andererseits den konservativen Bürgern Zeit schenken, mehr zu lesen.
Das Lesen steht allerdings hinter der Propaganda. Es stünde der AfD gut an, erstklassige Massen-Psychologen anzuheuern, um die Konditionierung der Hirne, auch vieler Intelligenter Bürger, auf Humanismus und Marxismus zu brechen. @Solution, das kennen Sie doch sogar auf SiN. Auch hier haben einige Junkies zu oft am Weihrauch geschnüffelt.

Andreas Walter
12. Februar 2020 15:44

Boah, da wird einem schlecht. Hat mich sofort auch an das Manöver Heldenzwang erinnert. Hier jetzt also die "Amtsantrittsrede" des neuen Politoffiziers für die neuen Ostgebiete der CDU:

https://www.welt.de/politik/deutschland/article205797893/Marco-Wanderwitz-CDU-Ich-muss-der-AfD-Demagogie-widersprechen.html

Als hätte plötzlich jemand auf einen Sender der ehemaligen DDR umgeschaltet, hört man jetzt genau das Gegenteil von dem, was vorher noch gut und richtig, in einer Demokratie normal war.

Die CDU ist mittlerweile daher eine durch und durch gespaltene Partei, in der einige entweder unbewusst oder sogar mit voller Absicht an unheilbarer Ostalgie leiden.

Lotta Vorbeck
12. Februar 2020 16:43

@Andreas Walter - 12. Februar 2020 - 03:44 PM

"Boah, da wird einem schlecht. Hat mich sofort auch an das Manöver Heldenzwang erinnert. Hier jetzt also die "Amtsantrittsrede" des neuen Politoffiziers für die neuen Ostgebiete der CDU

...

Als hätte plötzlich jemand auf einen Sender der ehemaligen DDR umgeschaltet, hört man jetzt genau das Gegenteil von dem, was vorher noch gut und richtig, in einer Demokratie normal war.

..."

~~~~~~~~~~~~

Ja, geschätzter @Andreas Walter, da kommt einem, wie man einst zu sagen pflegte, der Einsegnungskaffee wieder hoch.

Betrachtet man sowohl die DDR als auch die BRD als die zwei Seiten einunderselben Medaillie, wird das Bild klarer.

GuntherManz
12. Februar 2020 16:51

Ich folge den Buch-Empfehlungen von Sezession oft, und bin dabei gut gefahren.
Auch von mir Empfehlungen:
Ernst von Salomon, die Geächteten, der Fragebogen, die Kadetten.
Wahrscheinlich kennen alle hier Mitlesenden die Bücher schon, ich wollte aber trotzdem an den Autor erinnern.

Maiordomus
12. Februar 2020 18:55

@Landpastor. Wenn Sie noch ein echter unabgesetzter Landpastor sind, hoffentlich nicht als "Menschenfeind" geoutet wie weiland Wawerka, zeige ich mich über diesen verschriftlichten Hoffnungsschimmer beeindruckt. Da braucht es kaum Korreferate: womit ich mich durchaus selber ein bisschen an der Nase nehme.

Nemo Obligatur
12. Februar 2020 20:18

Bin ein paar Jahre Leser der Sezession. Neulich habe ich in älteren Heften geblättert. Da kam mir mancher Beitrag komisch vor. Ein rechter Rechter wird aus mir wohl nicht mehr werden.

Aber wenn ich nun alle meine Hefte weggeben müsste und dürfte nur eines behalten, es wäre wohl dieses. Eine grundlegende Sammlung. Ich habe mich gleich gestern darin vertieft. Der Wagner-Text rührt einen an. In den Selbstzeugnissen ("Leben mit Büchern") habe ich mich wiedererkannt. Die "Zwölf Gründe Gedichte zu lesen" nehme ich als Impuls. Heft 94 verdient ganz klar eine Verbreitung über den üblichen Kreis hinaus.

deutscheridentitaerer
12. Februar 2020 21:16

Leider ist für mich die Zeit vorbei, in denen das Lesen eine wirklich existentielle, verändernde Erfahrung war. Diese einmalige Phase ist bei mir mit Anfang zwanzig abgeebbt. Der mich
mit Abstand prägendste Autor war Spengler. Mit dem "Untergang des Abendlandes" wurde im Grunde alles gesagt. Alles was die Rechte danach geschrieben hat, liest sich wie der Versuch vor dem offensichtlichen und unhintergehbaren Ende abzulenken. Aber klar, das Leben geht auch ohne Abendland weiter. Ich muss aber gestehen, dass ich Spengler nie überwunden habe und bis heute mit der Sinnlosigkeit des nach-kulturellen Daseins hadere, besonders weil die kulturellen Höhepunkte der Vergangenheit noch zum Greifen nahe scheinen, aber gleichzeitig unwiderruflich verloren sind.

Zum Trost lese ich seit etwa zehn Jahren regelmäßig Friedells Kulturgeschichte, ein Art freundliches Gegenstück zu Spengler. Abends zufällig aufgeschlagen, drei, vier Seiten gelesen und man schläft in einer gehobenen und heiteren seelischen Stimmung ein.

FranzJosef
12. Februar 2020 22:07

Ich interessiere mich seit 2 Monaten für die Neue Rechte und habe seit Jahresbeginn für rd. 250 € Bücher gekauft: u. a. bei Antaios und im Kulturhaus Loschwitz. Ich habe sämtliche Folgen von "Mit Rechten lesen" gesehen und pro Folge mind. ein Buch bestellt. Ich lese und lese und lese ...

Nur langsam frage ich mich - und mich beschleichen Zweifel: Wozu die ganze Leserei? (Zumal sich vieles wiederholt ...) Was ist das Ziel? Ich meine: das IfS ist doch kein Buchclub, oder? Und den Großen Austausch verhindern wir doch nicht mit Lesezirkeln, oder?

Wie stellt sich die Sezession denn den Übergang in praktische Politik vor? (Sellner fordert jetzt ernsthaft, nächsten Montag nach Dresden zur PEGIDA-Demo zu kommen ... Ihr auch?) Gibt es zu meiner Frage vielleicht auch einen Text oder ein ... Buch?

Solution
12. Februar 2020 22:16

@ micfra

"Belesen" ist schön und gut. Wichtig ist aber, daß man das nötige publizistische Rüstzeug für den politischen Kampf erwirbt. Es gibt nun einmal, wie hier bei Sezession oft beschrieben und in den Akademien besprochen, unerläßliche Lektüren.

Wer von Ihren Bekanntschaften hat z.B. Sander, Schmitt oder Sieferle gelesen? Ganz zu schweigen von Rushton, Lynn oder Dutton?

Ein gewisses Niveau sich anzueignen, sollte für jeden Politiker unerläßlich sein. Es geht hier um geistige Waffen, die herumliegen und nicht benutzt werden.

Wollen wir wirklich Politiker, die sich ausschließlich mit dem kommunalen Rechnungswesen oder der niederschwelligen Vergabeordnung auskennen? Belesene Fachidioten?

Die AfD sollte Personen und Projekte unterstützen, die intellektuell ansprechend und metapolische wirksam sind.

Übrigens: Ihre AD HOMINEM-Ausfälle können Sie Sich sparen. Sie helfen Ihrer Glaubwürdigkeit bestimmt nicht.

Andreas Walter
13. Februar 2020 02:26

@FranzJosef

Auch Schimpansenkinder lernen am besten durch spielen, durch probieren. Der grosse Plan der letzten Deutschen, nach dem Sie daher fragen, fügt sich darum auch erst nach und nach. Sind ja leider auch nicht viele Menschen in Deutschland, die sich darüber wirklich und frei Gedanken machen.

Gestern zum Beispiel überprüfte ich ein paar Zahlen die mir bestätigen, dass allein mit dem Uran aus dem Meer 10 Milliarden Menschen ihren gesamten Energiebedarf für die nächsten 600.000 Jahre decken könnten. Was ja schon mal gute Nachrichten sind bis mir plötzlich klar wurde, dass diese Zeit auch 6 Eiszeiten beinhaltet, die überlebt werden müssen. Eine Eiszeit bedeutet nämlich, dass sowohl die Eisflächen an den Polen und auch in den Höhen grösser werden aber auch die Wüsten, wegen zunehmender Abnahme an globaler Evaporation und damit auch der Regenfälle. Deutschland als Ort der Heimat fällt daher Mittelfristig bereits schon aus der Planung. Daran ändern selbst ein paar Jahrhunderte Klimaerwärmung nichts. Maximal 10.000 Jahre bleibt es daher noch warm, kann aber auch schon morgen anfangen, sich nach und nach immer weiter abzukühlen. Das zeigen die Daten und ihre Bandbreite in der Vergangenheit, in der die Warmphasen schon von nur 2.000 bis etwa 20.000 Jahre lang waren. Deutschland muss also mittelfristig so oder so entweder weiter zum Äquator hin gedacht werden, oder gleich als technisch sehr anspruchsvoller Exodus zu anderen Planeten in anderen Sonnensystemen. Oder von mir aus auch beides. Nur eines ist sicher. Der aktuelle Standort ist nur noch für eine begrenzte Zeit interessant, von Bedeutung, kann Planung daher ebenso auch schon aus der Sicht einer zukünftigen Völkerwanderung heraus erfolgen.

Deutschsein in Zukunft also weniger räumlich sondern eher kulturell denken, weniger bäuerlich sondern eher nomadisch oder sogar vandalisch. Wobei letzteres natürlich ein Scherz, heute nicht mehr zeitgemäss ist. Der moderne Deutsche wandert und siedelt sich daher neu an als Fachkraft, als Ingenieur, als fähiger Handwerker oder als Wissenschaftler. In der Regel bisher nur allein oder mit Familie, doch auch das ist ja Verhandlungssache. Wobei 6 bis 10 Millionen geschlossen schon ein Megaprojekt ungeahnter Möglichkeiten und Dimensionen wäre. Sowohl für Nehmer wie auch Geber. In Afrika derzeit nicht realisierbar, doch es gibt ja auch noch andere prospektive Regionen auf der Welt. Das also schon mal im Hinterkopf behalten, gerade auch als Konservativer. Denn man will ja etwas bestimmtes erhalten, und zwar Kultur, und nicht unfruchtbare Böden im ewigen Permafrost.

Welche Region, welches Land wollen wir also aufpeppen, mit echten Deutschen, mit Vorsprung durch Technik. Mit Weitsicht. Erfahrung. Wer könnte uns brauchen. Ein fleissiges Volk auf der Suche nach Zukunft, vertrieben aus dem eigenen Land. Mehrheitlich Arbeiter, auch des Geistes, aber keine Unruhestifter, Maßlose oder Anmaßende. Klein aber fein wollen sie leben mit sozialer Marktwirtschaft. Mehr als 2 Kinder wollen sie auch nicht, brauchen sie auch nicht. Um die Weltherrschaft sollen sich andere prügeln.

Franz Bettinger
13. Februar 2020 03:33

Theorie-Bücher (zu Rechts und Links) sind à la longe ermüdend, und doch nötig. Die Basis für mein Rechts-Denken gelegt haben alle Bücher von Joachim Fernau und David Irving. Dabei handelt es sich meistens um spannend und mit Witz geschriebene alternative Geschichts-Bücher. Wichtig waren auch Nietzsche, Spengler, Saint Exupéry (Flug nach Arras…) und Jünger (Marmorklippen…).

Maiordomus
13. Februar 2020 05:52

@Franz Josef. Ich beschäftige mich im Gegensatz zu Ihnen seit 55 Jahren ununterbrochen (auch, nicht nur ) fast täglich mit "rechtem" Lesen und natürlich seit je mit linkem; falls Sie sich mal mit Marx beschäftigt haben, so kennen Sie, allenfalls als Vulgärmarxist, einen seiner bekanntesten Sätze, dass es nicht darauf ankomme, die Welt zu interpretieren, sondern darauf, sie zu verändern. Im Studium der politischen Philosophie bei Lehrern, nämlich Karl Popper und Hermann Lübbe, die Marx und Engels indes haushoch überlegen waren u. a. den Historischen Materialismus messerscharf und für immer widerlegten, habe ich die Leistung von Marx trotzdem zu würdigen gelernt. Das ist, im Zusammenhang mit sog. Metapolitik, zwar indes in Schnellroda bestens bekannt: Marx und Engels selber haben die politische Welt nicht um einen Millimeter durch Handeln verändert: Sie veränderten die Welt, indem sie diese interpretierten. Noch Lenin las in Zürich ein paar Monate vor seiner Heimreise nach Russland in der Zentralbibliothek Heraklit und Hegel. Dass übrigens die Kanzlerin mal bei einer Preisverleihung für Verdienste in Sachen Globalismus Lenin zitierte, finde ich nicht so schlimm; es ist die Heimkehr des Phänotyps zum Genotyp, also eine eigene Kenntlichmachung.

Wie ich schon oben schrieb, wäre es für den noch unausgereiften hochtalentierten Sellner hundertmal klüger, statt in Dresden auf der Strasse bestenfalls Extremisten im eigenen Lager zu domestizieren versuchen, in Österreich, wie es seiner politischen Begabung entspräche, mit Herbert Kickl als seinem wahren bestqualifizierten Bündnispartner klar zu kommen. Und falls Björn Höcke wirklich was von Politik versteht, er könnte ja Napoleon lesen, dann würde er wissen, dass es mit revolutionärer Politik auf der Strasse, die mehrheitlich doch eher auf Leute mit ungenügendem Durchblick angewiesen ist, mit der Zeit sein Bewenden haben muss. Eine grossartige Idee wäre, zum Beispiel am nächsten Montag in Dresden zu verkünden, dass die Mission von Pegida vollendet sei. Die Demonstration in Erfurt war ja um Welten bedeutender, sie wird hoffentlich als der wahre Auftakt des Endes der Ära Merkel in die Geschichte eingehen.

Ich sah auf YouTube eine Demonstration in Berlin, sogar mit britischer und schweizerischer Fahne, gegen den UN-Migrationspakt, glücklicherweise habe ich nicht mal eine Reichskriegsflagge zur Kenntnis nehmen müssen. Es war nun aber eine Demonstration, die man von der dünnen Beteiligung hier nicht hat ernst nehmen können. Wenn schon, hätten eine Million Leute vor Ort sein müssen.

Es bleibt dabei, dass man, siehe Boris Johnson, von einer pöbelhaften Politik wegkommen muss in Richtung einer Wiederherstellung eines freien Landes. Man muss klar sehen, dass, wenn schon, Parteien, welche zum Beispiel beantragen, dass die Stimmen der Opposition im Parlament nicht zählen, verboten werden müssen. Auf diese Verbotsforderung kann dann verzichtet werden, wenn die verfassungsmässige freiheitliche Vernunft wieder einkehrt.

Zu den in der Tat absolut vernünftigen Erklärungen in letzter Zeit gehört die neueste von Herrn Meuthen. Es ist aber richtig, dass in Schnellroda Grundlagenarbeit gemacht wird. Sie müsste, in analogem Sinn, mindestens so gut sein wie diejenige von Karl Marx, ausser dass man Marx und Engels Befürwortung des Massenterrors und andere totalitären Programmpunkte auf keinen Fall übernehmen kann. Sollten Herr Höcke und andere sich je so extremistisch verhalten und äussern, wie Herr Ramelow bei den Linken, oder gar die Rückgängigmachung von korrekt verlaufenen Wahlen fordern, müssten sie selbstverständlich aus der Partei ausgeschlossen werden. Ich nehme dies aber nicht an, schliesse einen vernünftigen Kurs der gegenwärtigen deutschen Rechten bis auf weiteres nicht aus.

,

Hartwig aus LG8
13. Februar 2020 07:33

Ein gutes Heft. Der Aufsatz von David Engels setzt Maßstäbe; auch mit seinem Potential zur Kontroverse.

@ Laurenz
Ja, Sie sprechen da etwas wichtiges an. Ob nun bGE oder etwas ähnliches: Den allermeisten Konservativen fällt es schwer, persönliche Konsequenzen aus der ganz aktuell herrschenden Situation zu ziehen. Sie sind nämlich genau diejenigen, die frei nach Böckenförde das Fortbestehen des demokratischen Rechtsstaates ala BRD garantieren; darüber hinaus einen Sozialstaat finanzieren, der sich tendenziell gegen sie richtet. Sie sind eine Säule der Macht des Regimes.
Sich dieser stützenden Funktion zu entledigen, ist gewiss nicht einfach, aber leider wird das nicht einmal diskutiert.

RMH
13. Februar 2020 07:41

"Nur langsam frage ich mich - und mich beschleichen Zweifel: Wozu die ganze Leserei? "

@FranzJosef,
Die ganze Leserei ist in erster Linie ganz für Sie persönlich. Lesen ist wie Sport. Mit Sport ertüchtigt man seinen Körper und mit Lesen seinen Geist. Und nie vergessen: Hier geht´s für alle, die einen normalen Brotjob, Familie, Kinder haben und ihr Rechnungen zu bezahlen haben, wie beim Sport nun wahrlich nicht mehr um Spitzensport sondern um Breitensport.

Also, nicht die Freude und/oder den Gewinn am Lesen nehmen lassen, wenn es draußen knallt. Ernst Jünger bezeichnete bekanntermaßen einmal seine Zeit als Frontsoldat im WK I als eine seiner intensivsten Lektürezeiten in seinem Leben (kommt das nicht sogar irgendwo in dem neuen Heft der Sezession vor?) …

Laurenz
13. Februar 2020 10:05

@FranzJosef ..... eine Antwort etwas anders.

Wir könnten, zumindest theoretisch, auf das Lesen komplett verzichten. Die meiste Zeit unserer europäischen Existenz lasen wir nicht und uns gibt es trotzdem noch.
Bis auf die klerikale, militärische und adlige Oberschicht, haben wir uns auch erst mit der Bezahlbarkeit von Büchern durch Gutenberg dafür entschieden, zu lesen. 1.000 Jahre vorher war dies auch, zumindest für Bürgerliche im römischen Reich möglich. Wir können davon ausgehen, daß Hermann/Arminius, als römischer Offizier, lesen und schreiben konnte. Lesen ist nichts anderes als das analoge Abrufen einer Datei, welches dazu führt, daß wir weniger auswendig lernen, oder schlechter sinngemäß wiedergeben können.
Insofern hätte @RMH nicht Recht, wenn Sie statt des Lesens sich Geschichten erzählen lassen würden, auch auf Youtube. Das erfordert aber mehr Zeit als das Lesen selbst. Trotzdem sollte man sich das ab und an gönnen. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es ein Video von Frau Kositza und Frau Sommerfeld über ein gemeinsames Buch mit Geschichten zum vorlesen. Vorlesen simuliert quasi das freie Geschichten erzählen. Aus persönlicher Erfahrung kann ich Ihnen sagen, es gibt sogar Frauen, die es mögen, wenn man ihnen zum einschlafen (auch am Telefon) Märchen oder Geschichten vorliest. Auch GKs recht neuer Artikel https://sezession.de/62123/hoeckes-schachzug-drei-anmerkungen wirkt vorgelesen (Youtube) noch ganz anders als gelesen.

In der heutigen Informations-Flut kommen wir aber am Lesen nicht vorbei. In meinen besten Zeit las ich den "Herr der Ringe" in 2 Tagen. Das Lesen ist natürlich auch Magie, es führt einen in andere Welten und regt die Phantasie an. Im Film ist bereits alles vorgegeben, man konsumiert nur. Verfolgen Sie doch die Buch-Empfehlungen von Frau Kositza, damit Sie auch Spannendes kaufen können, abseits dieser oder jener "Pflicht-Lektüre".

Solution
13. Februar 2020 10:05

@ Maiordomus

Schön, daß Sie Marx und Engels genannt haben. War es nicht so, daß die beiden in ihrer Anfangsphase auf draufgängerischen Aktionismus gesetzt haben? Haben die nicht alle möglichen Organisationen und Personen abgeklappert und versucht, bei allen Aktionen bis zur Revolution mitzumachen, bis ihnen jedoch die Erleuchtung gekommen ist? Sie haben dann für sich entschieden, allem Aktionismus zu entsagen und sich zunächst ausschließlich auf die Eschaffung einer umfassenden Theorie - als Ausgangspunkt für spätere Aktivitäten - zu konzentrieren. Bei der folgenden Arbeitsteilung hat Marx geschrieben und Engels ihm das Geld dafür beschafft. Also: erst die Theorie und dann die Aktion.

Hat nicht Ernst von Salomon, soweit ich mich erinnere in seinen "Geächteten" geschrieben: "Revolutionen beginnen mit Büchern und enden auf Barrikaden. Wir haben es umgekehrt versucht und sind gescheitert"?

Hätte es die kommunistische Bewegung ohne das Werk von Marx/Engels in dieser Stärke gegeben?

Es ist niemand zum Lesen verpflichtet. Klug kann man auch ohne viel Lektüre sein. Was einem jedoch dabei entgeht, erschließt sich nur dem, der es schätzt und praktiziert, sich geistig fortzuentwickeln.

Wenn hier bei dem einen oder anderen anklingt, man hätte doch schon genug Wissen angehäuft und alles sei doch irgendwann Wiederholung, halte ich entgegen, daß dies niemals der Fall sein kann, es sei denn, man hat nur ein beschränktes Interesse und legt keinen Wert auf eine geistige Weiterentwicklung (ich denke hier z.B. an die modernen Humanwissenschaften).

Ich dachte, bei SiN seien jene versammelt, die ewig hungrig sind.

FranzJosef
13. Februar 2020 10:11

@RMH
"Die ganze Leserei ist in erster Linie ganz für Sie persönlich. Lesen ist wie Sport. Mit Sport ertüchtigt man seinen Körper und mit Lesen seinen Geist."
Gut - ich habe dann einen ertüchtigten Geist. Und dann? Ich meine, mit einem ertüchtigten Körper - da mache ich ja irgendetwas. Mein Onkel z. B. löuft Marathon. Was fange ich mit einem ertüchtigten Geist an? Ist das Selbstzweck?

@Maiordomus
"Marx und Engels ... veränderten die Welt, indem sie diese interpretierten. "
Gut - also: Marx und Engels schrieben Bücher. Die haben dann andere gelesen und DIE haben dann die Welt verändert. Oder: Hegel schreibt ein Buch. Lenin liest es und DER verändert die Welt. Also in der heutigen Zeit: das IfS empfiehlt Bücher als "Pflichtlektüre" und die liest dann jemand und der verändert dann die Welt. Meinen Sie das so?

"Und falls Björn Höcke wirklich was von Politik versteht, er könnte ja Napoleon lesen, dann würde er wissen, dass es mit revolutionärer Politik auf der Strasse, die mehrheitlich doch eher auf Leute mit ungenügendem Durchblick angewiesen ist, mit der Zeit sein Bewenden haben muss."

Sie scheinen es so zu sehen: Napoleon schreibt ein Buch. Höcke liest es. Und Höcke macht dann - revolutionäre - Politik. ER - nicht "die Leute" - hat den Durchblick (u. a. weil er Napoleon gelesen hat.) Und ich sitze zu Hause - auch ohne Durchblick - und schaue zu. Verstehe ich Sie richtig?

MartinHimstedt
13. Februar 2020 10:12

Bezugnehmend auf Andreas Walter: Die Kollegen von TUMULT haben auf facebook gestern folgendes geteilt:

https://patriotenpost.de/2020/02/12/wanderwitz-wird-ostbeauftragter-das-debakel-der-cdu

– das ist derart erstaunlich, dass es eigentlich Martin Sellner aufgreifen müsste und das bisschen Off-Topic hier gerechtfertigt ist. Dieser Wanderwitz scheint mir jedenfalls ein ganz besonders niederträchtiger Bursche zu sein.

Franz Bettinger
13. Februar 2020 10:57

@Laurenz schreibt: "In meinen besten Zeiten las ich den 'Herr der Ringe' in 2 Tagen.“ Dazu:

Je besser ein Buch, desto länger brauche ich, um es zu verarbeiten. Schlechtes kann ich schnell und teilweise quer lesen. Gutes nie! Gute Literatur genieße ich, und will lange in ihr verweilen.

Es ist übrigens psycho-physiologisch unmöglich, neue Fakten (und was sind gute Bücher anderes?!) anders als langsam aufzunehmen. Botanik-Prof. Moens von der UCL (in Löwen, Belgien) warnte uns, seine Studenten, in der allerersten Vorlesung, länger als zwei Stunden lernen zu wollen. „Nach zwei Stunden ist das Gedächtnis am Ende seiner Aufnahmefähigkeit. Dann setzt das Vergessen ein. Nichts aber von dem, was ihr bei mir lernt, darf vergessen werde.“ Die Durchfall-Quote in seinem Fach lag bei 80%. Von den 20 deutschen Auslands-Studenten fielen gar 18 durch. Ego non. Die Lerntechniken, die mir die großartige UCL vermittelte, haben mich durchs Leben begleitet. Ich bin den großen Lehrmeistern dieser Uni noch heute dafür dankbar.

Lotta Vorbeck
13. Februar 2020 11:04

@Andreas Walter - 13. Februar 2020 - 02:26 AM

"... Welche Region, welches Land wollen wir also aufpeppen, mit echten Deutschen, mit Vorsprung durch Technik. Mit Weitsicht. Erfahrung. Wer könnte uns brauchen. Ein fleissiges Volk auf der Suche nach Zukunft, vertrieben aus dem eigenen Land. Mehrheitlich Arbeiter, auch des Geistes, aber keine Unruhestifter, Maßlose oder Anmaßende. Klein aber fein wollen sie leben mit sozialer Marktwirtschaft. Mehr als 2 Kinder wollen sie auch nicht, brauchen sie auch nicht. Um die Weltherrschaft sollen sich andere prügeln."

~~~~~~~~~~~~

Pjotr Alexejewitsch Romanow, später Pjotr Velikij genannt und die als Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst in Stettin geborene Katharina II. wußten sehr wohl, welches Land die von Ihnen, geschätzter @Andreas Walter beschriebene Sorte Deutscher gebrauchen und diesen zugleich Heimat bieten kann.

Nicht nur im Osten gilt: Der sich alsbald einstellende, auf deutschen Sekundärtugenden beruhende Erfolg größerer Ansiedlungen Deutscher, weckt schnell das Mißtrauen der Gastgeber. Wenn so etwas auf längere Sicht tragfähig sein soll, bedarf es auf Seiten der deutschen Auswanderer eines hohen Maßes an diplomatischem Geschick und Kooperationsbereitschaft mit dem örtlichen Umland und den lokalen Behörden.

Siehe auch:

Deutsche Auswanderer in russischem Dorf: "Russen mögen die Deutschen" (Video)

01.01.2020 • 14:00 Uhr

Eine deutsche Bäckerei in einer russischen Provinz klingt unglaublich, ist aber die Realität von heute. Die Rezepte stammen aus Deutschland, der Sauerteig aus Russland. Familienvater Benno lebte 34 Jahre lang in Deutschland – seine Ehefrau Anna für 36 Jahre.

Quelle: https://deutsch.rt.com/russland/96264-deutsche-auswanderer-in-russischem-dorf-die-russen-mogene-deutsche/

Mauerbluemchen
13. Februar 2020 11:04

Ein Riesenkompliment an die Redakteure und Autoren der 94er Sezession - diese Ausgabe ist eines der besten und stärksten Themenhefte, eine Wucht!

Man weiß gar nicht, wo man mit dem Loben und Danken anfangen soll, weil (fast) alle Beiträge hervorragend sind. Daher belasse ich es hier mit den begeisterten Dank eines begeisterten Lesers.

@Franzjosef

Mir wurde einmal eine Begebenheit aus der Alphabetisierung des bosnischen Landvolkes zugetragen: ein Bauer soll sich vor gut hundert Jahren zum Gespött seiner Nachbarschaft gemacht haben, weil ihm die eher lahmen staatlichen Anstrengungen nicht genügten und er sich daher das Lesen, Schreiben und Rechnen nicht bloß selbst beibrachte, sondern sich auch dazu verstieg, Himmel und Hölle in Bewegung zu versetzen, um seine Kinder (sogar die Mädchen!!!) in die damals noch seltenen und nur städtischen Kindern vorbehaltenen Schulen zu schicken.

"Was soll der Unsinn", höhnten seine Standesgenossen immerzu. "Deine Kindern werden doch eh nur genau wie wir alle das Land bebauen und Vieh hüten, wozu also die Schule?"

"Freilich", meinte der Sturkopf, "aber sie werden wenigstens wissen, was und warum es sie tun."

Die Reaktion auf diesen geradezu sokratischen Spruch ist nicht überliefert, doch kommt es auf den ohnehin nicht an. Der entscheidende Punkt ist die Motivation dieses anonymen Helden der Gelehrsamkeit. Er hat nämlich genau erkannt, daß Leserei und die sich daraus ergebende Bildung kein (bzw. nicht nur) Mittel zum Zweck ist. Gewiß ist diese Diskussion schon so alt wie unsere nennenswerte Kultur, Platon hat sich ja unter anderem deswegen die Finger wundgeschrieben, so daß die altbekannten Argumente hier nicht wiederholt werden brauchen.

Nur soviel: durch Lektüre verändern sich nicht bloß die persönlichen Kenntnisse von Gegenständen, wenn es gelungene Lektüre ist, wird man selbst auch ein anderer Mensch. Was man dann mit sich, seinem erweiterten Horizont, seinem vertieften Wissen anstellt, obliegt - so abgedroschen es klingen mag - dem jeweiligen Einzelnen und seinen konkreten Lebensumständen. Um an das Anekdötchen wiederanzuknüpfen: Man kann zB. Bauer bleiben und bewußt und kenntnisreich seine Landwirtschaft betreiben, man kann im Lande bleiben und Buchhalter im heimatlichen Städtchen werden, man kann als Ingenieur in die weite Welt ziehen oder auch alles hinschmeißen und ins Kloster gehen (so wie es in der Familie des erwähnten Autodidakten geschehen ist).

Eine fertige Gebrauchanweisung gibt es nicht.

FranzJosef
13. Februar 2020 11:15

@Solution
"Hat nicht Ernst von Salomon, soweit ich mich erinnere in seinen 'Geächteten' geschrieben: 'Revolutionen beginnen mit Büchern und enden auf Barrikaden.'"
Also wären die Barrikaden doch das Ziel? Und nicht der Lesesessel? Verstehe ich Sie richtig?

"Was einem jedoch dabei entgeht, erschließt sich nur dem, der es schätzt und praktiziert, sich geistig fortzuentwickeln."
Gut - ich lese die "Pflichtlektüre" und entwickele mich geistig fort. Und dann? Dann bin ich geistig fortentwickelt - und schaue - umfassend gebildet - dem Großen Austausch zu. Meinen Sie es so?

"Ich dachte, bei SiN seien jene versammelt, die ewig hungrig sind."
IMO ist das eine aufschlussreiche Metapher: "ewig hungrig". Man ist also nie satt? Ist das gesund? Ich meine - Magersüchtige oder Leute auf Diät sind auch "ewig hungrig" ...

Phil
13. Februar 2020 12:25

Die Karte von Mittelerde, die im Heft abgebildet ist, habe ich. Das ist eine sehr schöne rote Ausgabe.

Die Filme habe ich übrigens nicht gesehen. Ich ziehe den Film in meinem Kopf vor.

Zu der Zeit der "Herr der Ringe"-Lektüre hatte ich auch "Die Waldbrüder" gelesen, und die Beschreibung von Frodos Heimat bei dessen Rückkehr erinnerte mich stark an die "kommunistische" Unterdrückung, wie in "Die Waldbrüder: Ein deutscher Soldat bei estnischen Partisanen 1945-49" beschrieben.

Zur Zeit lese ich u.a. Das Silmarillion. Zur Tolkien-Lektüre immer gerne Summoning als "Soundtrack".

Homeland
13. Februar 2020 12:30

@Andreas Walter schreibt:

"... Wobei 6 bis 10 Millionen geschlossen schon ein Megaprojekt ungeahnter Möglichkeiten und Dimensionen wäre. Sowohl für Nehmer wie auch Geber. In Afrika derzeit nicht realisierbar, doch es gibt ja auch noch andere prospektive Regionen auf der Welt. Das also schon mal im Hinterkopf behalten, gerade auch als Konservativer. Denn man will ja etwas bestimmtes erhalten, und zwar Kultur, und nicht unfruchtbare Böden im ewigen Permafrost.

Welche Region, welches Land wollen wir also aufpeppen, mit echten Deutschen, mit Vorsprung durch Technik. Mit Weitsicht. Erfahrung. Wer könnte uns brauchen. Ein fleissiges Volk auf der Suche nach Zukunft, vertrieben aus dem eigenen Land. ..."

Ich erlaube mir die wesentliche Frage aus meinem Kommentar zu Kubitschek vom 11.02.2020 hier anzuhängen: "... Grundlegend erscheint die Frage, inwieweit Deutschland Bündnisse braucht, auflösen und/oder eingehen sollte. ..." Eine Frage, die sich mit dem Spannungsbogen über den Staus Quo ganz allgemein und unsere Beziehung zu Israel im Besonderen hinaus befasst.

Die Überlegung von @Andreas Walter ist durchaus bedeutsam, vor dem Hintergrund der Aktivitäten Chinas, vornehmlich in Afrika, allemal, auch wenn dies mit Kooperation im eigentlichen Sinne nichts zu tun hat. Ich relativiere dessen Ansicht allerdings dahingehend, dass ich eine Notwendigkeit zur Preisgabe (oder auch eine Preisgabe an sich) nicht sehe, sondern durch eine Kooperation z.B. mit einem Interessenausgleich im Auge habe, die durchaus eine vorteilhafte Lage für beide Seiten schaffen kann (und muss).

Von der relativ abstrakten Zukunftsvision zurück ins Jetzt heisst das, dass sich aus einer solchen Überlegung eine wesentliche Maßnahme im Themenbereich Entwicklungshilfe, resp. Migrationspolitik begründen ließe. Es wäre aber auch der ethnokulturelle Prüffall an sich, ein Nachweis für die Ernsthaftigkeit des etnokulturellen Gesellschaftsmodells im "Kleinen", als Vorbild für das "große Ganze".

Mich würden die Gedanken der geschätzten Mitforisten dazu interessieren, auch ob Erkenntnisse über konkrete Planspiele von Staaten/Nationen bekannt sind und, um den Bogen zum notwendigen Lesen zu spannen, würde ich gerne wissen, ob diesbezügliche Literatur verfügbar ist, nachdem ich selbst kaum brauchbare Erörterungen dazu finde.

Sagan
13. Februar 2020 12:48

Nur eine ganz kurze Bemerkung zum Artikel "Von Verlag zu Verlag" von Bernd Wagner aus der jüngsten Sezession, den ich gestern Abend gelesen habe: Was für ein wunderbar leichter Ton, souverän, genau, eindrücklich. Man möchte mehr von Wagner lesen!

sok
13. Februar 2020 13:27

@ Laurenz Es stünde er AfD gut an, erstklassige Massenpsychologen anzuheuern

Man könnte auch zuerst den Kenntnisstand der Psychologen ermitteln.

Es wäre auch schon hilfreich die von dem Psychologen Ultich Schmidt-Denter ermittlten Auswirkungen der Holocaust Erziehung auf die Idenditätsentwicklung Jugendlicher zur Kenntnis zu nehmen.

Wessis haben sie Ossis nicht.

Solution
13. Februar 2020 20:57

@ FranzJosef

Lesen ersetzt nicht, sondern ergänzt Aktivitäten in der realen Welt. Wie auch das, was man im Internet tut, kein Ersatz für Taten in der realen Welt ist. Warum muß das hier extra betont werden?

Maiordomus
13. Februar 2020 21:49

@Solution/Franz Josef. Wir unterhalten uns konstruktiv, Sie dürfen wissen, dass ich Sie achte und nicht einfach schulmeistere und abkanzle. Zumal mit Marx haben Sie Wesentliches verstanden. Wenn man von Marx und Engels, von ein paar wenigen Banalitäten der Oekonomiegeschichte abgesehen, wirklich was lernen kann, dann die Art, wie man durchaus durch Denken und Modelle entwerfen die Welt zu verändern vermag. Das ist natürlich nicht naiver Idealismus, gemäss dem berühmten Satz, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt.

Aber @Franz Josef, das mit Napoleon haben Sie nicht ganz verstanden. Er war ein sehr guter Leser, sein Lieblingsbuch war Goethes Werther plus noch ein paar strategische Werke. Er musste für sein Handeln aber nicht extra ein Buch schreiben, auch keinen "Mein Kampf" vor Hitler. Aber Napoleon war, wo er am besten war, ein grandioser wirklich kluger Stratege, einschliesslich der Reformvorstellungen, die er mit seinem Code in die eroberten Länder brachte. Aber Napoleon darf natürlich als Krieger niemals nachgemacht werden, das war Hitlers zweitschlimmster Wahn als Gröfaz. Aber es bleibt natürlich dabei, dass Napoleon in der Tat politisches Genie besass, die Schweiz hat er zum Beispiel besser verstanden als die damaligen Schweizer Linken und Zentralisten, die heute noch von den gegenwärtigen Schweizer Linken bewundert werden. Aber Napoleon verstand nun mal, dass man die Schweiz nur föderalistisch verstehen und regieren kann, selbst auch für Deutschland hatte er gute Vorschläge, weswegen er viele Bewunderer gewann. Aber Napoleon verachtete in den revolutionären Pöbel der Jakobiner grenzenlos, weswegen ihn viele Repräsentanten der konservativen Revolution in Deutschland und Österreich, zum Beispiel Hofmannsthal, sehr bewunderten, natürlich auch George.

Meine Vermutungen, mehr ist es nicht, was Hoecke und Sellner mutmasslich falsch machen, wenn sie in ihrer jetzigen Situation noch immer auf die Politik auf der Strasse setzen, sind ernst gemeint. Selber habe ich übrigens nicht ganz unbeträchtliche Erfahrungen über Erfolge und Misserfolge mit der direkten Demokratie. Wegen dem mangelnden Eingespieltsein in Deutschland können indes Modelle aus Kleinstaaten, auch wenn es die AfD gern praktizieren würde, nicht einfach übernommen werden. Aber es gehört nicht hierher, das auch noch zu erörtern. Es bleibt dabei: Marx und Engels veränderten Welt, nicht durch ihre Taten, sondern indem sie diese, wiewohl weitgehend falsch, interpretierten. Lenin soll mal sinngemäss gesagt haben, wenn die Realität der Theorie nicht folge, müsse man derselben halt die Gurgel zudrücken. So hat es der realexistierende Sozialismus, hoffentlich nicht das Vorbild der hier Mitdenkenden, tatsächlich gehandhabt. Eher gescheiter scheint mir noch ein anderer Satz von Lenin, den ich hier ebenfalls aus dem Gedächtnis sehr ungenau und in dieser Form nicht direkt identifizierbar zitiere: NIcht nur das Ziel, auch die Details besser kennen als der Feind!

Keine dumme Maxime. Auf jeden Fall ein Grund, sich lernfähig zu zeigen. Lenin war es zum Beispiel mit der "Neuen Ökonomischen Politik" in der Sowjetunion.

Maiordomus
13. Februar 2020 22:11

PS. Noch was: Es gibt zwei Sorten Politiker, die man definitiv nicht gebrauchen kann: diejenigen, welche wie Merz Millionen von Wählern als "Gesindel" bezeichnen, statt, wie es richtig wäre, die Firma, aus deren Aufsichtsrat er auf seinem Marsch in Kanzleramt soeben ausgetreten ist, vgl. den noch instruktiven Kurzvortrag der Journalistin von "games of truth". Noch weniger kann man Leute gebrauchen, die wichtigtuerisch sich aufblasen mit "Heute schreien sie 'Niemals afd', morgen aber regieren wir." Weiss dieser verantwortungslose Wichtigtuer aus NRW eigentlich nicht, welchen Demagogen er imitiert?

Gracchus
14. Februar 2020 00:24

Heft bestellt. Insbesondere wegen des Tolkien-Essays. Ich habe zwar in literarischer Hinsicht meine Schwierigkeiten mit Tolkien, aber Kubitschek hat in dem Punkt recht, dass Tolkien-Lektüre den Charakter stärkt. Dahinter steht m. E. ganz klar ein konservatives Empfinden. Umso erstaunlicher, dass sich Linke wie Rechte auf Tolkien einigen können. Was schöne Literatur angeht, sind die Gräben weniger tief, scheint mir. Steinmeier hat nun dem von mir hochgeschätzten Ransmayr den Börne-Preis zugesprochen; politisch steht Ransmayr zwar links, aber er schreibt beileibe keine linke Literatur.

Die Wirklichkeit ist weder links noch rechts - mich verwundert daher, wenn, wie Kaiser im Video sagt, die Rechte denken, die Wirklichkeit auf ihrer Seite zu haben - wo sich die Wirklichkeit doch rasant gewandelt hat und wandelt, wenn man Wirklichkeit nicht metaphysisch definiert. Wahrscheinlich rühren daher meine Schwierigkeiten mit genuin rechter Literatur.

Auf mein Lektüre-Leben zurückblickend empfehle ich primär die kanonischen Primärtexte von der Antike an zu lesen. Hierbei fällt mir der grosse dieser Tage verstorbene George Steiner ein, der sich als Briefträger der grossen kanonischen Werke sah. Sein Buchtitel "Von realer Gegenwart" könnte man programmatisch verwenden; es richtet sich gegen die Dekonstruktion Derridas.

Gracchus
14. Februar 2020 00:28

@Sagan
Auch was Sie sagen, weckt Lust, Wagner zu lesen.

Für diesen Beitrag ist die Diskussion geschlossen.