13. Februar 2020

Wiedervorlage – Die Hölle von Dresden 1945

Benedikt Kaiser / 36 Kommentare

Anfang 1945 war der Krieg verloren, doch die Zerstörung Deutschlands ging weiter. Wir zeichneten dies 2015 in einer »Chronik des Bombenkriegs« nach.

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.

Heute nun jährt sich die Zerstörung Dresdens zum 75. Mal. Aus diesem Anlaß geben wir Benedikt Kaisers Beitrag aus dem Jahre 2015 unverändert wieder; die Kernaussagen behalten ungeachtet damals berücksichtigter aktueller Diskussionen ihre Gültigkeit. Die Literaturverweise am Ende wurden aktualisiert.

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Am heutigen 13. Februar 2015 jährt sich zum 70. Mal das flammende Inferno von Dresden. Die Stadt, die aufgrund ihrer heute wiederhergestellten barocken Pracht von vielen als "Elbflorenz" verehrt wird, hatte 1944 ungefähr 700.000 Einwohner; im Februar 1945 kamen Hunderttausende Flüchtlinge aus den bereits überrannten Ostgebieten sowie Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter hinzu.

Man geht für den Schicksalsmonat von etwa einer Million Menschen in der sächsischen Metropole aus, deren Rolle als Knotenpunkt der Reichsbahn und als Stadt der Kriegswirtschaft zu diesem Zeitpunkt, weniger als drei Monate vor dem 8. Mai, längst ausgespielt gewesen war.

Ist es ohnehin bemerkens- und bedenkenswert, daß der Luftkrieg gegen Deutschland um so heftiger wurde, je näher die Kapitulation rückte, erscheint die sinnlose Zerstörung Dresdens als besonders grauenhaftes Kapitel des Zweiten Weltkriegs.

Dieses Kapitel hat eine Vorgeschichte, die sich über mehrere Monate hinzog. Im August 1944 schlug Winston Churchill dem US-amerikanischen Präsidenten Roosevelt einen Plan für eine Operation "Donnerschlag" vor. 100 000 Berliner sollten getötet werden.

Explizit hieß es, daß die Bombardierung vor allem Wohngebiete treffen müsse – nicht etwa Rüstungsbetriebe. Berlin wurde tatsächlich knapp 300 Mal bombardiert, wobei 50.000 Menschen starben, aber der große Vernichtungsangriff traf nicht die damalige Reichshauptstadt, sondern Dresden.

Die Stadt war bis zu jenen verhängnisvollen Tagen im Februar 1945 nicht nur siebtgrößte Stadt Deutschlands, sondern auch die einzige deutsche Großstadt, die noch nicht von Bomberstaffeln heimgesucht wurde.

So mancher ihrer Bewohner glaubte und hoffte, die alliierten Strategen schätzten das Kleinod der Kunst und Architektur und würden es verschonen; tatsächlich fehlte es den westalliierten Luftstreitkräften in den Vorjahren schlichtweg an der notwendigen Reichweite.

Hoffnung war indes die einzige Option, denn zu verteidigen war Dresden längst nicht mehr. Jedwede Luftabwehr war beizeiten für östlich gelegenere Rüstungsanlagen abgezogen worden, die wenig verbliebenen Wehrmachtsverbände an die bedrohlich näherrückende Ostfront geschickt. Statt einer Festung glich Dresden einer vollkommen überfüllten Lazarettstadt.

Ob im Großen Garten oder um die Elbufer, auf den Plätzen, in den Straßen und Gassen – überall bevölkerten der Roten Armee Entkommene die Stadt.

Auch nur der kleinsten Gefahr einer Gegenwehr beraubt, hatten es die ersten britischen Flieger am 13. Februar 1945 allzu leicht, in aller Ruhe - und bei wolkenlosem Nachthimmel - die Innenstadt zu markieren und auszuleuchten. Das war gegen 22 Uhr, und nur zehn Minuten später fielen mehr als 2.000 Bomben und Luftminen.

Das stufenweise Flächenbombardement war eine ab 1942 sukzessive perfektionierte Technik, Schneisen in Häuserblocks und Siedlungen zu schlagen, um den später folgenden Brandbomben einen freien Weg in die Dachstühle und Wohnungen zu verschaffen. Die erste Angriffswelle, besagte Vorhut, dauerte zwar nur eine Viertelstunde, aber 75 Prozent der historischen Altstadt brannten bereits.

Bergungs- und Löscharbeiten dauerten vielerorts an, jedenfalls dort, wo Einsatzkräfte noch verfügbar waren, als nur drei Stunden später kanadische und britische Bomberpiloten 650.000 Stabbrandbomben abwarfen.

Nun wurden auch bisher verschont gebliebene Stadtteile mit Bombenteppichen belegt. Die zahlreichen Einzelfeuer verbanden sich zu einem beispiellosen Feuersturm. Tausende Menschenleben wurden ausgelöscht: das Feuer verschlang sie, Explosionen zerfetzten sie, oder aber sie erstickten in einem der »Folterkeller der Moderne«, wie Ernst Jünger Luftschutzbunker nannte.

Die Flammen loderten am 14. Februar in der ganzen Stadt; nun hätte es von außen konzentrierter Hilfe bedurft. Allein: Nach Briten und Kanadiern griffen nun die US-Amerikaner in tödlicher Routinearbeit ins Geschehen ein. Geschätzte 1.800 Sprengbomben und 136.800 Stabbrandbomben gingen auf die schutzlosen Menschen nieder.

Und was heute oft vergessen wird: In den Mittagsstunden des 15. Februar griffen US-Bomber erneut an, trotz der bereits erfolgten Zerstörung, trotz der unzähligen Schwerverletzten und Ermordeten in den Trümmern. Ihre Zahl ist bis heute Gegenstand bisweilen zynisch anmutender Geschichtsfälschung (– als ob die Vernichtung einer von Zivilisten, Flüchtlingen und Gefangenen bewohnten schutzlosen Stadt nicht ungeheuerlich genug wäre).

Von 25.000 bis 330.000 Toten ist indes beinahe jede Zahl genannt worden; besonders in den letzten Jahren geht die Tendenz im Zeichen eines ideologisch verfälschten Geschichtsbildes zur massiven Verringerung der Opferzahlen; irgendwann wird man womöglich versuchen, die Zahl 15.000 als "belegt" durchzusetzen.

Dabei gab das Internationale Rote Kreuz in seinem Report of the Joint Relief Committee aus dem Jahr 1948 noch ca. 275.000 Tote an. Der erste deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, nannte 1955 "etwa 250.000 Tote". Der Neue Brockhaus, 1959, führt die Zahl 300.000 ein, Der Spiegel, 1963, 135.000. Die DDR-Geschichtsschreibung einigte sich auf rund 35.000 tote Dresdner und Flüchtlinge.

Die Stadtverwaltung Dresden gab nach der Wende (1992) 202.040 Tote an, wobei die Möglichkeit genannt wurde, über 250.000 würde zutreffen (Auflistung: 35.000 identifizierte Opfer, 50.000 nicht identifizierte, 168.000, bei denen es nichts mehr zu identifizieren gegeben habe). An dieser Aufstellung wurde die kritiklose Übernahme von Zahlen beanstandet, die im April 1945 durch NS-Stellen propagiert wurden.

Wolfgang Schaarschmidt, mit einer soliden Studie über Dresden 1945 hervorgetreten (2005), kommt in seiner Analyse der Geschehnisse auf mindestens 100.000, vermutlich aber eher 135.000 bis 150.000 Tote. Schaarschmidt gegenüber steht in der Forschung beispielsweise Richard Overy, aber auch Jörg Friedrich, der die Konsequenzen der Barbarei des Bombenkriegs mit zwei Werken überhaupt ins Bewußtsein zahlreicher Deutscher rückte.

Friedrichs Standardwerk Der Brand nennt 40.000 Opfer. Erst danach setzt - zeitlich gesehen - die bewußte oder unbewußte Verhöhnung der Bombenopfer ein: Die "Korrektur" der Opferzahlen durch zeitgeistkonforme Geschichtswissenschaft, Politik und weite Teile der Medienlandschaft.

Spiegel online ("Ende der Legenden", 2008) berichtet von maximal 25.000 Toten ("wahrscheinlich weniger"), kurz darauf, im Jahre 2010, gibt eine offiziöse "Historikerkommission" unter medialem wie politischem Kopfnicken dieselbe Zahl an. Diese Schätzung der Kommission überrascht nicht, waren verschiedene Mitglieder doch bereits im Vorfeld wiederholt mit dieser Hypothese hervorgetreten.

Während Kritiker der apodiktisch festgelegten 25.000 Bombenopfer (man erinnere sich: bei über 1.000.000 Menschen, die sich während des Feuersturmes in Dresden aufhielten) reflexhaft und künstlich empört des Geschichtsrevisionismus geziehen werden, während die bloße (und ohne weiteres begründbare) Annahme höherer Opferzahlen bereits als unstatthaft und extremistisch diffamiert wird, können zum Teil Bundes- und Landtagsparteien nahestehende Jugendorganisationen in trauter Gemeinschaft mit linken Gewalttätern das Loblied der Massenmörder singen.

Das vom bloßen Ressentiment in regelrechten »Selbsthaß« umgeschlagene Empfinden entlädt sich in Dresden und anderswo in Vernichtungsphantasien, deren zutiefst menschenverachtender Slogan »Bomber Harris, do it again!« im Februar 2014 gar zum »Bomber-Gate« der Piratenpartei führte.

Gemeint ist ebenjener Sir Arthur Harris, der im Herbst 1944 die sächsischen Großstädte Chemnitz, Leipzig und Dresden für »unbedingt zerstörungsbedürftig« befand – und sie in der Folge tatsächlich weitgehend zerstören ließ.

Daß er sich mit keinem Geringerem als Winston Churchill dabei einig war, beweist nicht zuletzt dessen Forderung (vor dem deutsch-sowjetischen Waffengang und seinen genozidalen Folgen) nach dem »absolut verwüstenden, vernichtenden Angriff gegen das Nazi-Heimatgebiet«. Dieser Wunsch der auch von vielen Konservativen bewunderten Persönlichkeit ging bekanntlich in Erfüllung; zehntausende Menschen verloren ihr Leben. Alleine auf dem Dresdner Heidefriedhof liegen mindestens 20.000 begraben.

Dort stehen auf einem Gedenkstein für die Opfer der Luftschläge die Zeilen des jüdischen Dresdners Max Zimmerings:

Wieviele starben? Wer kennt die Zahl? / An Deinen Wunden sieht man die Qual / Der Namenlosen, die hier verbrannt / Im Höllenfeuer aus Menschenhand

Heute wird auf dem Heidefriedhof, ausgerechnet am 70. Jahrestag der vorsätzlich herbeigeführten Katastrophe, keine offizielle Gedenkveranstaltungmit Kranzniederlegung stattfinden. Aus Anlaß des Besuches von Joachim Gauck wolle man andere Wege der Erinnerung finden. Wie solche andere Wege im Deutschland des Jahres 2015 aussehen sollten, verrät ein grüner Politiker:

Schön wäre es, wenn ein Fest wie ‘Dresden ist bunt’ ein jährlich wiederkehrendes Ereignis würde, für ein weltoffenes und demokratisches Dresden.

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Literaturhinweise:
Wolfgang Schaarschmidt: Dresden 1945. Daten - Fakten - Opfer, 272 S., 19,90 € hier bestellen
Günter Zemella: Warum mußten Deutschlands Städte sterben? Eine chronologische Dokumentation des Luftkrieges gegen Deutschland 1940-1945, 648 S., 24,90 €  hier bestellen
Jörg Friedrich: Brandstätten.
Der Anblick des Bombenkriegs, 240 S., 25 € – hier bestellen
Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945, 589 S., 14 € – hier bestellen
Benedikt Kaiser: „Die letzten Tage der Zerstörung – Bombenkrieg 1944/45“, in: Sezession 63, Dezember 2014, S. 30-35 – hier kostenfrei
Björn Schumacher: Die Zerstörung deutscher Städte im Luftkrieg, 344 S., 24,90 € – hier bestellen


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (36)

Sandstein
13. Februar 2020 10:21

Zum Umgang dieses Landes/Volkes mit seinen eigenen Opfern möchte ich mich überhaupt nicht äußern, ist ja eh zwecklos.

Mein Großvater überlebte als junger Napola-Junge den Angriff auf Dresden '45 nur, weil die Stadt bereits brechend voll war und der Lazarettzug daher außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe hielt.
Von dort durfte er beobachten wie seine Landsleute verdampften.
Und gewissermaßen verdampfen die Opfer ja heute noch in der Pfeiffe der eiskalt-deutschheißen Ignoranz unserer Politikeliten.

Eine "Instrumentalisierung" der Opfer kann ich nicht erkennen, finde Wortmeldungen von AfD-Vertretern meist dennoch einen Schuss.

Gruß!

Laurenz
13. Februar 2020 10:25

Winston Chruchill Zitate...

To achieve the extirpation of Nazi tyranny there are no lengths of violence to which we will not go.
Speech to Parliament, September 21, 1943. Quoted in Churchill, Hitler, and the Unnecessary War (2008) by Patrick J Buchanan, p. 396.

It seems to me that the moment has come when the question of bombing of German cities simply for the sake of increasing the terror, though under other pretexts, should be reviewed.
After the devastation of Dresden by aerial bombing, and the resulting fire storm (February 1945). Quoted in Where the Right Went Wrong (2004) by Patrick J Buchanan, p. 119 ISBN 0312341156

zeitschnur
13. Februar 2020 11:28

Jüngere Leute haben vielleicht tatsächlich eine Tabuisierung des Themas erlebt, und heute wird regelrechte Antipropaganda gemacht.
In meiner Kindheit allerdings lernte man noch alles "live" kennen - zahllose Leute, die solchen Flächenbombardements mit letzter Not entkommen sind, Holocaustüberlebende, die eigene Elterngeneration war traumatisiert von Bombennächten, Verschleppungen, Flucht, Massensterben, zT auch den KZs, aber — nota bene — überall in den wichtigen Funktionen verblieben die echten Nazis (die ich allesamt niemals als Patrioten oder "Konservative", sondern durchweg als schmierige, schleimige, teilweise auch sexuell übergriffige, sogar auffallend "leere" Typen erlebt habe, bei denen mir nie klar wurde, in welchen trüben Gewässern sie eigentlich fischten. Es konnte also sein, dass man als ganz junger Mensch mit einem Gemisch aus Überlebenden aller Hintergründe zu tun hatte, sogar in der eigenen Familie und in genau der Mischung. Und natürlich redeten sie. Ich kann mich an verschiedenen Jugendbücher sogar erinnern, die gerade auch Dresden auf eine romanhafte oder tagebuchartige Weise in Erinnerung hielten. Leider finde ich sie nicht mehr, weiß aber noch sehr gut, wie tief sie mich erschütterten und wie sehr mein kindliches Gerechtigkeitsgefühl empört war darüber, dass man normale Menschen, Kinder, Frauen, Alte, Versehrte, Flüchtlinge so gezielt vernichtete, anstatt mit den Vernichtungslagern aufzuräumen, die man munter weiterlaufen ließ. Dass die deutsche Regierung aus Verrätern bestand, wusste ich als Kind aber auch, denn selbst als Kind begriff ich, dass keine vernünftige Regierung (strategisch) einen solchen Krieg geführt hätte, v.a. nicht mehr nach 1942: "Das sind keine Deutschen", der Kinderverstand wusste das. "Das sind gekaufte Verbrecher". Das passte auch zu der schmierigen damaligen Naziaura gewisser Männer, leider auch einiger Frauen, die ich verabscheute. Ich könnte dazu viel sagen, um den heutigen Jungen vor Augen zu halten, dass diese echten Nazis mit dem, was heute als "Nazi" beschimpft wird, kaum Überschneidungen haben. Unsere Medien und Eliten sind derart verkommen, dass sie selbst die Nachfahren von Holocaustopfern als "Nazis" beschimpfen - nur weil jene Merkel kritisieren.
Die politische Segregation in "gute" und "schlechte" Überlebende kotzt mich an, und mich kotzen all die schmierigen Typen heute an, die mich all zu sehr mental an die schmierigen Typen von damals erinnern. Eigentlich ist es mit Händen zu greifen, aber die Deutschen setzen immer wieder erneut auf diese Leute, die allesamt Verräter und Zyniker sind, Zyniker und Verräter nicht nur gegenüber Deutschland, sondern gegenüber der ganzen Menschheit. Die, die damals für den 2. WK gesorgt haben, wollten ihn, diesen Krieg, und es waren ganz sicher nicht die Deutschen, die ihn wollten, 20 Jahre nach einem verheerenden Krieg, weder aufgerüstet noch überhaupt in der Kraft, schon wieder Krieg zu führen. Schulze Rhonhoff hat das ja ausführlich nachgewiesen, und nicht nur er, sondern lange vorher etwa schon Tansill. Diese Kräfte, die in England und den USA saßen, wollten einen Weltenbrand um jeden Preis.

Die Deutschen begreifen das nicht. Sie denken, wer Macht hat, müsse es doch mit ihnen gut meinen.
Ich habe das gerade dieser Tage wieder in Hyperions Klage über die Deutschen bei Hölderlin gelesen und sah die Charakterisierung von vor 200 Jahren auch heute noch als zutreffend an:

"Barbaren von Alters her, durch Fleiß und Wissenschaft und selbst durch Religion barbarischer geworden, tiefunfähig jedes göttlichen Gefühls, verdorben bis ins Mark [...], in jedem Grad der Übertreibung und der Ärmlichkeit belaidigend für jede gutgeartete Seele, dumpf und harmonielos, wie die Scherben eines weggeworfenen Gefäßes - das, mein Bellarmin, waren meine Tröster.
Es ist ein hartes Wort, und dennoch sag' ichs, weil es Wahrheit ist: ich kann kein Volk mir denken, das zerrißner wäre, wie die Deutschen. Handwerker siehst du, aber keine Menschen, Denker, aber keine Menschen, Priester, aber keine Menschen, Herrn und Knechte, Jungen und gesezte Leute, aber keine Menschen - ist das nicht, wie ein Schlachtfeld, wo Hände und Arme und alle Glieder zerstükelt untereinander liegen, indessen das vergoßne Lebensblut im Sande zerrinnt?"

Mauerbluemchen
13. Februar 2020 11:33

@Sandstein
Ja, das Geseiher der haltungsstrammen Nachgeborenen ist bereits nicht mehr nur widerwärtig, sondern provoziert Gegenwehr.

Ich wünschen diesen "selbaschultt"-Figuren nur noch viel Glück im 3. WK, wenn über ihnen als Blockparteienwähler*nnen die Hütte brennend zusammenbricht noch bevor sie überhaupt mitbekommen, was denn eigentlich los ist (den russischen Überschallraketen sei Dank).

Als Blockparteienwähler*nnen haben sie bestimmt völliges Verständnis für die ausgleichende Gerechtigkeit des Weltgeistes, der sie, ihre Angehörigen und ihr Hab und Gut dann als Strafe fürs Falschwählen zu Staub verbrennt.

Anders kommt man denen nicht bei.

Der_Juergen
13. Februar 2020 11:35

Mustergültiger Artikel.

Um meinen Abscheu vor den Verharmlosern und erst recht den Verherrlichern des Massenmordes auszudrücken, fehlen mir die Worte.

Imagine
13. Februar 2020 12:29

@ Benedikt Kaiser
„Ist es ohnehin bemerkens- und bedenkenswert, daß der Luftkrieg gegen Deutschland um so heftiger wurde, je näher die Kapitulation rückte, erscheint die sinnlose Zerstörung Dresdens als besonders grauenhaftes Kapitel des Zweiten Weltkriegs.“

Nur wird diese Tatsache offensichtlich aus dem Bewusstsein ausgeblendet, nicht thematisiert und vor allem nicht recherchiert.

Nach wie vor propagieren Politik und Medien die alten Narrative von der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg und von der Kollektivschuld der Deutschen.

Diese Narrative haben alle Regierungen in der Nachkriegszeit erzählt. Und seit Generationen gehörten es zu den Pflichtaufgaben der Lehrer als fremdbestimmte Staatsdiener diese Narrative an die Schüler zu vermitteln. Was Lehrer als folgsame Untertanen auch tun, heute sogar noch konformistischer.

In meiner Generation (Abi 1967) war dies zum Teil etwas anders. Viele Lehrer waren Soldaten gewesen und einigen widerstrebte es, Fake-Historie zu vermitteln. Damals besaßen die Lehrer noch mehr individuelle pädagogische Freiheit. So gab es einen Lehrer, der sich als nach wie vor nationalsozialistischer Idealist zeigen konnte und stolz erzählte, dass er SA-Mann gewesen war. In den großen Pausen lief er immer mit der National-Zeitung unter dem Arm herum. Natürlich distanzierte er sich vom Massenmord an den Juden. Allerdings sagte er zugleich, dass man nicht alles glauben sollte, was den Deutschen und den Nazis nach dem verlorenen Krieg angelastet wird.

Ein solcher Lehrer wäre in der heutigen Zeit undenkbar. Denn der würde sofort denunziert und aus dem Staatsdienst entfernt werden.

Was die These von der Alleinschuld der Deutschen am Zweiten Weltkrieg betrifft, so sind inzwischen wissenschaftliche Untersuchungen publiziert worden, welche diese widerlegen.

Am bekanntesten ist das Buch von Guido Giacomo Preparata: „Wer Hitler mächtig machte: „Wie britisch-amerikanische Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten“ (2010), übersetzt von Helmuth Böttiger. In die gleiche Richtung argumentiert der marxistische Historiker Heiner Karuscheit in: „Bye, bye USA - Aufstieg und Fall von Finanzkapital und Militärmacht“ (2010, Herausgeber Jürgen Elsässer).

Es gibt YT-Videos von der Veranstaltung mit Karuscheit und Elsässer: „Die Volksinitiative - Bye bye USA, bye bye Euro - Heiner Karuscheit“ (https://www.youtube.com/watch?v=0Y0j_0saVD0).

Typisch ist, dass Preparata, Böttinger, Karuscheit und Elsässer aus einer systemkritischen und heute völlig marginalisierten Linken kommen, die sich grundlegend von der gegenwärtigen markt-, kapitalismus- und NATO-konformistischen Linken unterscheidet.

Das Fazit:
Der Zweite Weltkrieg war von den anglo-amerkanischen Eliten gewollt, um Deutschland als Weltmarkt-Konkurrenten auszuschalten. Hitler kam dabei die Rolle einer „gelenkten Marionette“ zu. Hitler sollte den Krieg beginnen, den Deutschland verlieren wird. Das Ziel war, ein anglo-amerikanisches Imperium zu schaffen, das die Welt und den Weltmarkt beherrscht. Das war der Plan, der erfolgreich umgesetzt wurde.

Was sollte mit dem besiegten Deutschland nach dem Krieg geschehen?

Es gab den „Morgenthau-Plan“, ein vom damaligen US-amerikanischen Finanzminister Henry Morgenthau veranlasster Entwurf zur Umwandlung Deutschlands in einen Agrarstaat.

Aber es gab auch einen viel besseren Plan, weil wirtschaftlich für die anglo-amerkanischen Eliten viel einträglicher. Er hat m.E. keinen Namen, weil er einem Tabu unterliegt.

Damit kommen wir zu Dresden.

Als jungen, kritischen Studenten fiel uns Anfang/Mitte der 70-er Jahre auf, dass die Zerstörungen durch anglo-amerikanisches Bombardement vor allem die Wohnviertel der Arbeitsbevölkerung betraf, während die Industrieanlagen systematisch ausgespart waren. Wir haben uns z.B. Pläne von Hannover, Frankfurt etc. angesehen. In Frankfurt konnte man das Muster der Zerstörung noch Anfang der 70-er Jahre besichtigen (z.B. Gallus-Viertel).

In dieser Zeit las ich auch einen Artikel in einer linken Publikation über das angebliche deutsche „Wirtschaftswunder“. Dort wurde die Strategie der anglo-amerkanischen Eliten dargestellt.

Deutschland hatte damals die höchstqualifizierte Arbeiterklasse der Welt und die technisch fortschrittlichsten Industrieanlagen. Jeder Marxist weiß, dass der Profit vor allem aus realökonomischer Mehrwertaneignung kommt. Je größer der industrielle Output und je niedriger die Löhne, umso höher die Mehrwertrate und damit der Profit.

Der Bombenterror diente dazu, die deutsche Arbeitsbevölkerung zu demoralisieren und dazu zu bringen, zu niedrigsten Löhnen zu arbeiten. Sie waren froh, der Hölle des Bombenterrors entronnen zu sein und bereit nun als Arbeitssklaven mit in Relation zum industriellen Output für die weltweit billigsten Armutslöhne zu arbeiten.

Neben der industriellen Ausbeutung Deutschland nach dem Kriege gab es noch die systematische Ausplünderung Deutschlands. So auch den Technologie- und Patentraub, der unter der Bezeichnung „Operation Paperclip“ bzw. „Operation Overcast“ erfolgte (https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Overcast).

Für die die Nachkriegsregierungen und –eliten wurden die anglo-amerikanische Politik und ihre Eliten als „Befreier“ und als „unsere amerikanischen Freunde“ dargestellt. Das waren jene deutschen Eliten, die in der Nachkriegszeit in Westdeutschland zu Macht und Reichtum kamen.

Phil
13. Februar 2020 12:32

Heute ist auch Wagners Todestag.

RMH
13. Februar 2020 13:15

Die Kommentare auf SiN zur Erstveröffentlichung des Artikels sind - wie der Artikel auch - nach 5 Jahren immer noch aktuell und lesenswert. Da lohnt sich der Klick auf den bei der Neuveröffentlichung gesetzten Link.

Noch viele Städte mehr als Dresden folgten in den letzten Monaten des Krieges - auch an die Bombardierungen in Japan sei hier erinnert.

Nach wie vor kann oder will es sich keine etablierte deutsche Zeitung erlauben, einmal isoliert zu Dresden 45 etwas zu schreiben, es gehört nach wie vor zum Mantra bzw. zur Gebetsmühle, dass in keinem Artikel der überdeutliche Hinweis darauf fehlen darf, ja "wer denn eigentlich damit angefangen" habe ...

@zeitschnur,
ja, auch mich kotzt das alles an. Die allgegenwärtige Nazi-Inflation, die Hexenjagden, das gnadenlose Herunterrechnen von Zahlen (arbeite in Würzburg - hier wird das auch gemacht. In ca. 5 Jahren werden wir hier, nach dann allerneuesten "Forschungsergebnissen" vermutlich bei 5-6 hundert Todesopfern sein. Wer streicht hier welche Nullen oder fügt sie hinzu? Meine Mutter sah in über 40 km Entfernung in der Nacht des 16.03.1945 noch den vom brennenden Würzburg rot erleuchteten Nachthimmel. Der Vater eines bereits verstorbenen Freundes erzählte mir eindringlich von seiner Flucht aus einem Schutzkeller, weil es zu heiß geworden ist und wie alle anderen, die sich nicht heraus getraut haben, dann darin umgekommen sind etc.).

Durchblick
13. Februar 2020 13:29

Churchill war schlimmer als Hitler und Stalin zusammen!

Lumi
13. Februar 2020 13:39

Eben gerade in den Nachrichten des Deutschlandfunks: "… dabei kamen bis zu 25.000 Menschen ums Leben. Die Angriffe weren regelmäßig von Rechtsextremen instrumentalisiert, um die Kriegsschuld Deutschlands zu relativieren."

Vor Jahren hab ich mal mit einer Historikerin vom (architektonisch verunstalteten) Militärhistorischen Museum Dresden gesprochen. Ihre lapidare Einstufung des demokratischen Vernichtungsangriffes: "Das war gar nicht so schlimm!" Mittlerweile ist sie promoviert und hat ein Buch über einen namhaften Bombenleger und seine Clique veröffentlicht.

Man muß ja bedenken, wie im Artikel auch betont, daß zu den Einwohnern Dresdens noch ein Großteil der Flüchtlinge aus Breslau und dem übrigen Schlesien kamen. Dazu ein Netzfund bei der Rosa Luxemburg Stiftung:

1945/46 – Das erste schwere Nachkriegsjahr in Breslau/Wroclow
https://www.rosalux.de/en/documentation/id/14106/194546-das-erste-schwere-nachkriegsjahr-in-breslauwroclow/

"Im Jahr 1939 zählte die Stadt [Breslau] 630 000 Einwohner. Während des Krieges befand sie sich weitab von der Frontlinie und außerhalb der Reichweite der alliierten Luftwaffe. Sie galt als ruhiges Gebiet, in das viele Menschen aus bombardierten Regionen evakuiert wurden. Sie wurde damals als Luftschutzbunker des III. Reiches bezeichnet. Wroclaw zählte im Januar 1945 zusammen mit den Flüchtlingen aus den Frontgebieten 1 Million Einwohner. Vom 19. Januar bis Mitte Februar verließen auf Befehl des Gauleiters Karl Hanke ungefähr 700 000 Personen die Stadt."

Die Flüchtlinge müssen natürlich dorthin, wo die Infrastruktur für ihre Versorgung vorhanden ist, und das sind vor allem die Städte. Von den 700.000 aus Breslau dürften die meisten in Dresden gelandet sein, was die demokratischen Planer des Angriffes genau wußten. Sie haben den Zeitpunkt der Vernichtung mit Bedacht gewählt.

Auch wird heute mitunter so getan, als hätten NS Stellen sich hoher eigener Verluste gebrüstet, weswegen ihre Angaben nach unten zu korrigieren seien. Das ist natürlich Unfug. Man wird seine Erfolge eher übertrieben, seine Verluste aber eher geschmälert haben, um nicht unnötig die Bevölkerung zu demoralisieren.

Ein Herr Fröhlich aus Hamburg sagte mir mal: "Wir waren zwar damals in der Hitlerjugend noch Kinder, aber nicht dumm! Wenn im Radio gemeldet wurde: Unsere Luftabwehr hat letzte Nacht in unermüdlichem Verteidigungswillen dreiunddreißig Feindflieger abgeschossen! - Dann wußten wir ganz genau: drei Jäger, drei Bomber - also dreiunddreißig."

zeitschnur
13. Februar 2020 13:46

@ Imagine

"Der Zweite Weltkrieg war von den anglo-amerikanischen Eliten gewollt, um Deutschland als Weltmarkt-Konkurrenten auszuschalten."

Sie wissen wohl nicht, wie es Deutschland ökonomisch schon zu Beginn der 30er Jahre ging? Das Deutschland von Versailles war kein Konkurrent, schon gar nicht auf dem Weltmarkt... Der 1. WK mag aus diesen Gründen geführt worden sein, der zweite nicht.

Hier ist eine Art "Missing link", man muss den Deutschenhass, der rassistisch und geistig begründet war, verstehen, Churchill identifizierte es ja mit dem "Geist Schillers", der weg sollte aus der Welt. Und der Privatsekretär hinter Pius XII. jubilierte nach 1945, dass das protestantische Deutschland nun endlich endlich vernichtet worden sei (nota bene: fast alle Nazigrößen waren Katholiken!). Der Bursche hieß Pater Leiber SJ. Kann sich ja jeder was dazu denken, sofern er denkt. Ist eine Type ohne Profil, so ein Schleicher hinter den Kulissen, mit einem Mini-Wikiartikel ohne Inhalt (das sollte einen immer stutzig machen, wenn dort über Schlüsselpersonen kaum was ausgeführt wird!), außer dass er ein gaaaaaanz widerständlerischer Mann war. Aha. Wenn man aber mal die Fachliteratur, - am besten viel ausländische dazu nehmen, die sind ehrlicher -, vom Personenregister her untersucht, macht man ganz exquisite Entdeckungen. Übrigens hatte auch der gute Pater Delp, der erst kurz vor der Hinrichtung noch pro forma endlich seine letzten SJ- Gelübde ablegen durfte, die sein Provinzial ihm wegen mangelnder Unterwürfigkeit nicht erlauben wollte, über einen "Dritten Weg" nachgedacht und es gab darüber auch ein Buchmanuskript, das wundersamerweise wie vom Erdboden verschluckt ist. Ach nein, tatsächlich. Der "dritte Weg" von Delp sollte ein unabhängiger und eigenständiger Entwurf für ein politisch und wirtschaftlich unabhängiges Deutschland sein. Und genau das soll nicht sein, und genau deshalb ging er auch drauf, wo seine restlichen Kumpanen vom Orden alle überlebten und anschließend dafür sorgten, dass die Soziallehre Leo XIII. aber um alles in der Welt nirgends zum Einsatz kommt. Auch wenn an dem Artikel manches typische Heldenpropaganda von katholischer Seite ist, ist er doch sehr aufschlussreich: https://www.die-tagespost.de/politik/wirtschaft/Alfred-Delp-Der-Denker-der-dritten-Idee;art314,199089
Warum es dann auch ausgerechnet seit 2013, kurz vor der Migrationskrise, also rechtzeitig, bevor Deutsche wieder über einen Sonderweg nachdenken könnten, eine rechtsextreme Splitterpartei aus dem Umfeld der VS-NPD auftauchte, die sich sogar "Der III. Wg" nennt, um nur ja jedem Deutschen ein schlechtes Gewissen einzuimpfen, sobald er aus den Rudern des staatsmonopolistisch-kapitalistischen Denkens läuft, ohne deswegen sozialistisch zu werden, kann sich auch jeder denken, sofern er denkt. Die Fäden, die hier zusammenlaufen, sind lange geknüpft, und mit platten ökonomistischen Dauerschleifen lenken wir von der differenzierten Problematik ab, die geradezu danach schreit, dass sie endlich aufgedeckt wird.
Der ganze Erklärungsrest aus Ihrem Dresden-Fazit ist die alte marxistisch Jokererklärung für alles und jedes Weltereignis.
Die Frage danach, warum wohl die angloamerikanischen Kriegsmächte die Industrieanlagen verschonten und vor allem welche Anlagen genau (zB auch die in Auschwitz!), lässt sich wesentlich bodenständiger beantworten: sie hatten alle in sie massiv investiert. Noch Fragen? Die Arbeiter haben weder in Weimar noch unter Hitler (Zwangsarbeiter? was die wohl verdient haben?!) noch in der jungen BRD noch in der jungen DDR "anständig" verdient.

Augustinus
13. Februar 2020 13:58

Dresden 1945 war grausam. Das war ein unnötiges, unverständliches Kriegsverbrechen.

Lumi
13. Februar 2020 14:14

@Imagine "These von der Alleinschuld der Deutschen am Zweiten Weltkrieg"

Die Preparata These hab ich bei der Lektüre vor mehreren Jahren nicht ganz nachvollziehen können. Gold und Silber, Finanzen - alles etwas subtil und kompliziert. War mir zu hoch. Muß ich vielleicht nochmal lesen.

Einfach und nicht von der Hand zu weisen ist dagegen das Argument, daß zwar Deutschland einen begrenzten regionalen Konflikt im baltischen Raum militärisch angegangen ist (aus gewissen Gründen …), erst Großbritannien aber diesem Konflikt durch seinen Kriegseintritt eine europäische und durch Hineinziehung von Australien, Kanada und Südafrika eine globale Dimension gegeben hat.

Lernt man aus einem Standardwerk wie dem von Schultze-Rhonhof (Der Krieg, der viele Väter hatte).

qvc1753
13. Februar 2020 14:31

Ein par Anmerkungen zu dem Streit zu den Opferzahlen:
Im gesamten Luftkrieg gegen Deutschland sind ca. 500.000 Zivilisten umgekommen. Angesichts der Tatsache, dass die Alliierten Luftwaffen jede Stadt mit mehr als 8.000 Einwohner bis 1945, z.T. mehrfach, bombardierten, eine fast "niedrige" Anzahl.
Im Hamburger Feuersturm starben ca. 30.000, in den vielfach getroffenen Städten an der Ruhr lagen die Opferzahlen ebenfalls unter dieser Schwelle.
Ob daher in Dresden jenseits der festgestellten Zahl von 25.000 Menschen hunderttausend oder mehr starben, man kann es glauben oder nicht.

In Deutschland einen Menschen für tot zu erklären ist ein bürokratischer Akt. Opferzahlen in den hunderttausenden hinterlassen folglich breite Spuren in Melderegistern, Familienstammbüchern, bei Steuerbehörden, Militär usw.

Amtliche Zahlen haben also eine begründete und nachprüfbare Basis.
Wenn das Rote Kreuz 1948 275.000 Tote meldete, so müsste eine solche Zahl sich bürokratisch niedergeschlagen haben. Und ist damit nachprüfbar. Die Zahl wurde aber von den deutschen Behörden übernommen. Die vor 1945 auch unter Propagandagesichtspunkten mit Zahlen arbeiteten. Ob also die Opferzahl aus Goebbels Feder stammte oder aus seröser Arbeit der Meldebhörden, darüber wage ich streiten zu wollen.

Letztendlich ist aber das Leid der Opfer unabhängig von den Zahlen. War Guernica "weniger" schlimm als Hamburg, Coventry "weniger" fürchterlich als Würzburg? Oder Dresden "weniger" katastrophal als Rotterdam?
Der Krieg ist seinen letzten beiden Jahren mit noch größerer Härte und mit einer immer perfektionierten Bomberwaffe geführt worden.
Und alliierte Piloten waren oft schlicht der Ansicht, dass wenn ihr Bombenteppich statt der Panzerfabrik das Haus von Oma Schickgruber traf, dann sei das eben Pech.

Dresden ist der Kulminationspunkt militärtechnischer Fähigkeiten der Briten und Amerikaner im Luftkrieg gewesen.

Wie die immer noch intensiv geführte (und hier zu lande gemeinhin ignorierte) innerbritische Debatte deutlich zeigt, ist der Bomebnkrieg und gerade der Angriff auf Dresden umstritten im UK.

Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Was war gerechtfertigt um die Nazis zu schlagen und was nicht?

Die Opfer aller Luftangriffe waren Schuldige und Unschuldige - eine Bombe unterschied da nicht.

Folglich ist auch das Schicksal von Dresden weder eine gerechtfertigte militärische Operation, noch traf es ausschließlich Unschuldige. Moderne Luftkriegsführung machte und macht da keinen Unterschied.

Wer also das Schicksal der Opfer entweder als gerechtfertigte Strafe für deren nationalsozialistische Gesinnung oder für ein vollkommen unverdientes Schicksal hält, der hat immer nur zu Teilen Recht.

Letztendlich waren die verantwortlich die diese Stadt einem modernen Luftkrieg ausgesetzt haben.

Was kann man für die heutige zeit ableiten?
Das ein mit allen Mitteln ohne jegliche Beschränkung geführter Krieg immer und stets alle trifft.
Und wer heute der Opfer gedenkt, der sollte immer und ausschließlich das Leid erinnern. Und das war weder "deutsch" noch"britisch" noch links oder rechts.
Jegliche weitere Instrumentalisierung mögen andere betreiben - ich persönliche bin da nicht willens mich zu beteiligen.

Lumi
13. Februar 2020 14:34

@zeitschnur "Die Frage danach, warum wohl die angloamerikanischen Kriegsmächte die Industrieanlagen verschonten und vor allem welche Anlagen genau (zB auch die in Auschwitz!), lässt sich wesentlich bodenständiger beantworten: sie hatten alle in sie massiv investiert."

Das geht noch etwas bodenständiger:

Selbst wenn Monowitz einfach zu erreichen gewesen und nach dem Krieg gehalten worden wäre: Die dort produzierten Rüstungsgüter waren (genau wie das rumänische Öl) von grundsätzlicher Bedeutung für die Optimierung des deutsch-russischen Gemetzels, das aus Sicht der Demokraten so lange und blutig wie möglich andauern sollte.

Valjean72
13. Februar 2020 15:02

Vielen Dank für diesen Artikel.

Als ich gestern Abend auf langer Autofahrt wieder einmal kurz den Deutschlandfunk hörte, stiess ich sogleich auf einen ausführlichen Bericht eines offensichtlich sehr jungen Redakteurs (der Stimme nach zu urteilen, kaum der Pubertät entwachsen) über die vermeintlich rechtsextreme Usurpation des Dresdner Gedenkens und dass sich gottlob eine Vielzahl bunter Vereinigungen diesen Nazis/Neonazis in der «einstmals braunen Musterstadt» sowie dem «Opfermythos» und den falschen Zahlenspielen entgegenstellt.

@Imagine: Am bekanntesten ist das Buch von Guido Giacomo Preparata: „Wer Hitler mächtig machte: „Wie britisch-amerikanische Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten“ (2010)
---

Preparata schweigt sich meines Wissens über die Finanzierung der «russischen» Oktoberrevolution durch besagte (bestimmte) Kreise aus und ist schon allein (aber nicht nur) aus diesem Grunde mit Vorsicht zu geniessen.

@zeitschnur @Imagine: »Das Deutschland von Versailles war kein Konkurrent, schon gar nicht auf dem Weltmarkt... Der 1. WK mag aus diesen Gründen geführt worden sein, der zweite nicht …
Die Frage danach, warum wohl die angloamerikanischen Kriegsmächte die Industrieanlagen verschonten und vor allem welche Anlagen genau (zB auch die in Auschwitz!), lässt sich wesentlich bodenständiger beantworten: sie hatten alle in sie massiv investiert. Noch Fragen? Die Arbeiter haben weder in Weimar noch unter Hitler […] anständig verdient.»

---

Das Deutschland von 1938 war sehr wohl ein anderes als das von Niedergang, Elend und Dekadenz gezeichnete und in Partikularinteressen zersplitterte der Weimarer Republik. Jenem, von Versailles geschundenem, Deutschland wäre es gewiss nicht möglich gewesen, gegen die verbündete kapitalistisch-bolschewistische Welt, mitsamt ihren umfassenden Ressourcen so lange Widerstand zu leisten.

Und wie es einem deutschen Arbeiter um 1913 im Verhältnis zu einem Englischen relativ besserging, so war dies auch 1938 der Fall. Der Beitrittswunsch der Mehrheit der Österreicher lag nicht zuletzt in der besseren volkswirtschaftlichen Verfasstheit des Deutschen Reiches begründet. [Nach heutiger, offizieller Lesart war dies freilich allein auf Pump und Aufrüstung begründet]

Darüber hinaus begann Deutschland tatsächlich wieder seinen Anteil am Welthandel zu steigern und dies zudem auch unter Umgehung der traditionellen angelsächsischen Finanzhandelszentren ...

Sandstein
13. Februar 2020 15:07

@Mauerbluemchen

"Als Blockparteienwähler*nnen haben sie bestimmt völliges Verständnis für die ausgleichende Gerechtigkeit des Weltgeistes, der sie, ihre Angehörigen und ihr Hab und Gut dann als Strafe fürs Falschwählen zu Staub verbrennt."

Schauen Sie wie die Eltern von Maria Ladenburger auf den Tod ihrer Tochter reagierten. Formvollendung dessen, was man "Entnazifizierung" nennt.

@qvc1753

"Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Was war gerechtfertigt um die Nazis zu schlagen und was nicht?

Die Opfer aller Luftangriffe waren Schuldige und Unschuldige - eine Bombe unterschied da nicht.

Folglich ist auch das Schicksal von Dresden weder eine gerechtfertigte militärische Operation, noch traf es ausschließlich Unschuldige. Moderne Luftkriegsführung machte und macht da keinen Unterschied. "

es ging doch nie darum, die "Nazis" zu schlagen. Man wollte den potentesten Kandidaten für ein Machtmonopol der eurasischen Platte verhindern ("Pivot-Area"). Der II. Weltkrieg steht, wie auch schon der erste, für Geostrategie in Reinform, allen voran die der Amerikaner. Es ging nie um Nazis, Auschwitz oder Demokratie, das waren höchstens Mittel für Propagandazwecke.

KarlP
13. Februar 2020 15:49

Hören wir doch einen Beteiligten dazu.

https://www.dailymail.co.uk/news/article-7999149/Dresden-bombing-survivor-Victor-Gregg-100-Good-Morning-Britain-75th-anniversary.html

Wahrheitssucher
13. Februar 2020 15:50

@ Zeitschnur

„Sie wissen wohl nicht, wie es Deutschland ökonomisch schon zu Beginn der 30er Jahre ging? Das Deutschland von Versailles war kein Konkurrent, schon gar nicht auf dem Weltmarkt... Der 1. WK mag aus diesen Gründen geführt worden sein, der zweite nicht.“

Das Deutschland zu Beginn der 30er Jahre war nicht mehr das Deutschland in der Mitte und am Ende der 30er Jahre...! (oder wenn Sie so wollen „vice versa“)

Lumi
13. Februar 2020 15:50

@qvc1753: Sie scheinen viel Verständnis für "moderne Luftkriegsführung" und ihren "Kulminationspunkt" aufzubringen. Nun hat der demokratische Terrorismus ja sein Napalm auch über Japan vergossen und anschließend über Korea und Vietnam. Ich nehme an, das war in Ihren Augen auch alles "modern". Sicherlich werden Sie den Menschen dort keine "nationalsozialistische Gesinnung" unterstellen, für die der Feuertod einfach die "gerechtfertigte Strafe" darstellt. Und sicher traf es dort auch "Schuldige und Unschuldige". Na klar! Denn eine Bombe unterscheidet ja nicht! Ja sowas aber auch - das konnten die Demokraten halt nicht wissen, wahrscheinlich waren sie bei ihren weiteren "Kulminationspunkten" für solch altmodische Erkenntnisse einfach zu "modern".

Gotlandfahrer
13. Februar 2020 15:57

Ich weigere mich, über irgendeine Zahl überhaupt zu sprechen. Meinetwegen sollen sie laut „Null“ kreischen. Wer einmal einem Menschen dieser Zeit zugehört hat oder auch nur ein Bild gesehen hat, sollte etwas fühlen, was ihn einfach nur Schweigen lässt. Dass dies so Wenige tun, ist ein Armutszeugnis für die Spezie Mensch und erklärt die Vorgänge allesamt auf einen Schlag.

PS: Um nicht missverstanden zu werden: Damit meinte ich nicht den hervorragenden Artikel oben.

heinrichbrueck
13. Februar 2020 16:12

Hört auf die Weltkriege zu zählen; der Krieg gegen Deutschland hört erst auf, wenn folgendes Problem gelöst wurde: https://www.wissensmanufaktur.net/media/pdf/compact-zinsen-rico-albrecht.pdf
Zum Thema Freiheit noch ein Wort: Freiheit setzt Todesverachtung voraus. Wehrhafte Männer verteidigen die Freiheit, sie lassen sich nicht politisch versklaven, ihnen die Redefreiheit zu nehmen ist unmöglich. Die Freiheit muß täglich erkämpft werden, alles andere ist geschenkte Herrschaftsliberalität. Worüber man schweigen muß, der Jammer über die Verhältnisse, den Mut und die Tapferkeit ersetzt, die Herrschaft der Mörder verstetigt.
Kritik am eigenen Volk? Die Gutherzigkeit.

zeitschnur
13. Februar 2020 16:40

@ Sandstein

"Es ging doch nie darum, die "Nazis" zu schlagen. Man wollte den potentesten Kandidaten für ein Machtmonopol der eurasischen Platte verhindern ("Pivot-Area"). Der II. Weltkrieg steht, wie auch schon der erste, für Geostrategie in Reinform, allen voran die der Amerikaner. Es ging nie um Nazis, Auschwitz oder Demokratie, das waren höchstens Mittel für Propagandazwecke."
___________
Sicher. Das ist aber vermutlich doch noch um einiges tiefer und nicht nur ökonomisch zu verstehen - es wäre zu primitiv, und niemand sollte diese Geostrategen für so primitiv halten wie die barbarische Seite der Deutschen (s. mein Hölderlinzitat oben), die allerdings wegen dieser Primitivität auch tatunfähig ist. Wir sehen es heute ja wieder.

Wir sehen doch ein Muster: wie in orientalischen Staaten seit Jahrzehnten massiv terroristische und extreme Gruppen finanziert, eingeschleust und aufgepuscht wurden vonseiten derselben Geostrategen und wie natürlich Teile des Volkes dort aufgrund eines vielgestaltigen Frustrationsszenarios dann auf solche Rebellengruppen und Wahnsinns-Imamerie auch hereinfallen, weil sie genau diese mit dem "Eigenen" verwechseln. Es sind verwirrte und getäuschte und verarschte Menschen, die nicht begreifen wie ihnen geschieht. Aber dieses Pseudo-Eigene wurde ihnen wie ein fetter Köder gelegt, an dem sie langsam aber sicher zugrunde gehen, wenn die besagten Geostrategen dann bald wieder mit ihrem widerlichen moralischen Zeigefinger auftauchen, wie immer große Teile der Zivilbevölkerung ermorden, sich dafür feiern lassen, allen Verbrechern, die ja aus ihrem eigenen Lager stammen, klammheimlich Amnestie gewähren, um das Volk aus den Klauen der "Bösen", die sie ihm auf den Hals gehetzt haben wie eine Krankheit, nachdem sie das Land zuvor zerrüttet haben durch ökonomische, militärische, geheimdienstliche und sonstige widerliche Eingriffe, "retten" müssen und fortan aber nur von den bescheuerten Deutschen als "Befreier" gefeiert werden. Kein Mensch im Orient hält ernsthaft dieses Dreckspack für "Befreier" - ohne deshalb deren Diktatoren im eigenen Land für Engel gehalten zu haben. Warum kann man das in Deutschland nicht unterscheiden? Hitler war definitiv vor seiner großen Mission in Deutschland für einige Zeit in England, nicht auf Urlaub versteht sich. Starikow schreibt darüber aufgrund der Quellenlage. Und noch in "Mein Kampf" sind die Engländer seine Brüder, auch die ganzen 30er noch.
Dass natürlich der Untergang des seealliert finanzierten Nazireiches eine Befreiung von den Nazis war, auch den Franzosen eine schale Genugtuung bot, die sie teuer zu stehen kam, ist geschenkt, die Deutschen wissen das am besten, aber beileibe keine Befreiung von den Erfindern des Nazis. Ich würde liebend gerne auf politisches Gesocks aller Art verzichten und einen wirklich eigenen Weg gehen. Nichts wäre heute interessanter als Delps verschollenes Buch.... Es kotzt mich an, dass man uns erst das Land durch diese von außen aufgebauten Leute intern ruiniert, um uns anschließend großzügig, indem man die Zivilbevölkerung massakriert, von ihnen wieder "befreit". Wir hätten all das nicht gebraucht. Und wenn noch einmal ein Schmierfink behauptet, die Deutschen hätten das alles gewollt, soll er das bitteschön hieb- und stichfest nachweisen. Wir werden sehen, dass genau diese dreckige Lüge nicht zu beweisen ist. Die Deutschen waren vom 1. WK noch total-traumatisiert, was werden die nach der Frustration von Versailles wohl noch gewollt haben? Hitler warb gekonnt nicht mit Krieg, sondern mit Suppenhühnern jeden Sonntag für die deutsche Hausfrau und ordentlichen Klamotten für die Kinder, wenn sie in Jugendorganisationen kamen. So wird ein Schuh draus. Damit, dass Väter ihre Familie wieder ernähren konnten.

Mit Ökonomie kann man das alles nicht alleine erklären. Es hat etwas Dämonisches und betraf damals all jene Völker, die stark waren, besonders auch Japan. Japan, nach seiner Blüte-Edo-Zeit, der Zeit, nachdem die Shogune die Jesuiten aus dem Land gejagt hatten im 17. Jh, nachdem jene im Verbund mit spanischen und portugiesischen Kaufleuten und Politikern bereits Kriegsschiffe aus Europa und Waffen geordert hatten, die Japaner also das Normalste der Welt taten und im letzten Moment ihre Unabhängigkeit wahrten (der Vatikan erzählt uns seit Matthew Perrys Kanonenbootdiplomatie im 19. Jh Räuberpistolen von armen "Märtyrern", die man gleich mit der erfolgreichen Spätmission des amerikanischen Gehilfen noch unter Pius IX. heilig gesprochen hat...)... Die 200 Jahre währende japanische Selbst-Abschließung, die eine Zeit des Friedens und der kulturellen Entwicklung war, wurde unter US-amerikanischer militärischer Erpressung und im Verbund mit wem (?) also Mitte des 19. Jh von außen mit krimineller Energie seitens der USA (im Verbund mit wem?) beendet und machte aus einem friedlichen, starken Land ein zunehmend durch mannigfache Eingriffe in sich geschwächtes, offenes Messer, das man im 2. WK genauso wie Deutschland dann wie besessen flächenbombardieren "musste" - für "das Gute", also "Frieden" Und "Demokratie". Das heißt: Edo-Frieden ist böse. US-"Frieden" ist gut. Kommt uns da nich die Galle hoch? Ich habe von Überlebenden der zahlreichen Feuerstürme auf Tokio gehört, was das bedeutete. Selbst das Wasser der Flüsse brannte. Übrigens auch da eine geradezu lächerliche Herunterrechnung der Opferzahlen.

Solange wir weiter im Hölderlischen Sinne nur barbarisch-dumpfe Erklärungen für das alles haben, werden wir nicht begreifen, was hier abging. Es geht nicht um Ökonomie, allenfalls nachrangig. Es geht um Geist. Es soll nur noch ein Geist auf der Welt herrschen. Träger anderen Geistes sollen systematisch vernichtet werden, mit allen Mitteln. Und man muss sagen: es gibt hier wesentlich wachsamere Zeitgenossen in anderen Völkern, die das sehr wohl begreifen. Die Deutschen kommen irgendwie nicht aus ihrem Wahn. Jedenfalls viele nicht. Zu viele.

Jeder sieht doch, dass die Geostrategen die Vielfalt und Farbigkeit der Welt vernichten wollen. Das steht jeder gierigen ökonomischen Erwägung im Wege, kann also gerade damit nicht erklärt werden. Deutschland aber taumelt "bunt", und eine Bekannte sagt mir: Ja, da kommen viele bunte Leute ins Land (Migration), und sobald sie hier sind, werden sie grau und steril.
Um was geht es langfristig also?

RMH
13. Februar 2020 16:52

@KarlP,

danke für den link zur dailymail. Aus deutscher Sicht schon wegen der Schätzung von 35 000 bis 135 000 Toten eindeutig ein revisionistisches Naziblatt, haben doch "unsere Historiker" schon klar niedrigere Zahlen als die bei der dailymail genannte Untergrenze von 35 000 "wissenschaftlich ermittelt"

und damit
@qvc1753
Sie sind eine Stimme der Vermittlung und der praktischen Vernunft, was gerade hier auf diesen Seiten immer zu begrüßen ist, nur in diesem Fall übersehen Sie schlicht, dass das "Meldewesen" sicher keine validen Zahlen zur Zahl der Anwesenden in Dresden am 13.02.1945 bringen kann, da sich Flüchtlinge aus Schlesien und aus dem Sudetenland (ja, auch von dort waren bereits welche auf der Flucht), sicher nicht mehr ordnungsgemäß abgemeldet haben und in Dresden als erstes zum Meldeamt gegangen sind. Die Polen und Tschechen werden nach Übernahme der Gebiete auch nichts mehr "gemeldet" haben. Insofern haben wir es hier in der Tat mit einer völlig unkalkulierbaren Menge an Menschen zu tun, die sich in Dresden aufgehalten haben.

Zudem - und das ist wesentlicher als irgendwelche Zahlen - begehen Sie ungewollt den ewig gleichen und alten Kategorienfehler der Gegenüberstellung.

Bereits lange vor dem WK II galten die Rechtsprinzipien der Verhältnismäßigkeit, des Übermaßverbotes und des Ausschlusses von willkürlicher Rache sowie der Unterscheidung zwischen sog. Kombattanten und Nichtkombattanten. Ich kann nur jedem raten, den ganzen Komplex sich einmal anhand von Heft 1 der Sezession ("Krieg") zu erarbeiten (falls noch nicht geschehen).

Ergebnis: Egal, was von deutschem Boden ausgegangen ist oder sein mag: Der Angriff auf Dresden in diesem Ausmaß und Umfang und auf viele andere Städte ist durch nichts, aber auch rein gar nichts gerechtfertigt und für Länder, die sich im Übrigen als "im Auftrag des Herrn" und die "Guten" verkauft haben - sich also propagandistisch selber erhöht haben - noch nicht einmal "verständlich".

Es ist mehr als an der Zeit, dass man endlich beginnt, die Sachverhalte klar auseinander zu halten und nicht ewig diese Verrechnerei und Aufrechnerei zu betreiben. Das gilt im Übrigen auch für alle NS-III.- Reich "es war doch alles gar nicht so schlimm-Apologeten". Deutsches Unrecht wird nicht weniger, wenn man deutsche Opfer oder die ermordeten Indianer dagegen hält. Man instrumentalisiert die eigenen (oder dritte) Opfer damit genau so, wie andere ihre Opfer politisch instrumentalisieren. Schluss mit der Instrumentalisierung! Gleich von welcher Seite.

Ich bspw. möchte immer noch wissen, was mit Teilen meiner Familie anno 45 passiert ist, die spurlos "verschwunden" ist und bis heute interessiert so etwas schlicht niemanden. Das rote Kreuz hat sein Bestes getan, kam aber auch nicht weiter und wenn ich heute nach so etwas frage, dann bekomme ich mehr oder weniger die Antwort, ist 75 Jahre her, waren Deutsche, haben das mit ihren Leben abbezahlt, was andere Deutsche auf der Rechnung stehen haben lassen, also finde dich damit ab. Es gibt unzählige ungeklärte Schicksale!

Deswegen fand ich das unter permanenten 100%-Nazi-Verdacht stehende Projekt im "notorischen" Thüringen, dort Guthmannshausen, des Vereins Gedächtnisstätte auch immer vom Grundgedanken her gut.

Pferdefuss
13. Februar 2020 17:43

Prof. Rudolf Mauersberger, Kreuzchorkantor, komponierte vom Karfreitag zum Ostersamstag 1945 das Vokalwerk 'Dresdner Requiem' , am 4. August 1945 (Hiroshima) erstmalig in der zerstörten Kreuzkirche aufgeführt.

Heute, am 13. Februar 2020, 21:35 werden in Dresden wie jedes Jahr alle Glocken läuten.

'Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens. Dieser heitere Morgenstern der Jugend hat bisher der Welt geleuchtet. (Gerhard Hauptmann)

https://youtu.be/D-U3HZiZpII

Jahrzehntelange Losung in Dresden: 'Nie wieder!' Möge es so bleiben.

Imagine
13. Februar 2020 18:05

@zeitschnur 13. Februar 2020 13:46
„Sie wissen wohl nicht, wie es Deutschland ökonomisch schon zu Beginn der 30er Jahre ging? Das Deutschland von Versailles war kein Konkurrent, schon gar nicht auf dem Weltmarkt... Der 1. WK mag aus diesen Gründen geführt worden sein, der zweite nicht.“

Mit dieser These erfassen Sie nicht die ökonomische Realität.
Richtig ist, dass ein Teil der deutschen Wirtschaft nicht mehr konkurrenzfähig war. Das war insbesondere die Schwerindustrie, die auf Hitler und den Krieg gegen Osten setzte.

Aber Hight-Tech-Wissenschaft, Elektroindustrie, Chemie etc. waren Weltspitze. Und auch die Ausbildungsqualität der deutschen Facharbeiter.

@zeitschnur, was Sie behaupten, ist nachgequatschte Nazi-Propaganda: Deutschland sei wirtschaftlich am Ende gewesen und Hitler der alternativlose Retter.

Tatsächlich gab es wirtschaftliche Alternativen. Aber jene reaktionären Kräfte, die für Krieg sowie Raub- und Versklavungsökonomie waren, haben sich durchgesetzt.

Ein absolutes „must read“ – jedenfalls für ernsthafte Wissenschaftler und jene, die kompetent mitreden wollen - ist das Buch von Alfred Sohn-Rethel: Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus (1973). PDF im I-Net.

Sehr informativ ist auch der Vortrag von Heiner Karuscheit, auf den ich bereits hingewiesen habe. Leider ist die YT-Videoaufzeichnung in 8 Teile gesplittet, da damals noch nicht so viel Volumen auf YT hochgeladen werden konnte.

Der_Juergen
13. Februar 2020 18:35

@Imagine

Ich stimme Ihren Kommentaren in letzter Zeit immer häufiger zu. Dass Sie Marxist sind, stört mich dabei gar nicht, obwohl ich die Lehre von Marx in entscheidenden Punkten für völlig verfehlt halte. In dem nationalen Deutschland, das mir vorschwebt, wird es Freiheit für alle philosophischen und historischen Denkrichtungen geben.

@qvc753

Die Zahl von 500.000 deutschen Opfern des Luftterrors ist mit Sicherheit zu niedrig; die wahre Ziffer dürfte mindestens das Doppelte betragen haben. Abgesehen von der noch nach der Wende von der Stadtverwaltung Dresden genannten Ziffer von ca. 250.000 Dresden-Toten, die auf einen Polizeibericht vom März 1945 zurückgeht, spricht auch folgender Sachverhalt zwingend für eine Zahl dieser Grössenordnung:

Bei den Terrorangriffen auf Hamburg im Sommer 1943 fanden unbestrittenermassen rund 40.000 Menschen den Tod. Die Bombardierung Dresdens war aber um ein Vielfaches mörderischer; die Innerstadt brannte völlig aus. Die Lügenziffer von 25.000 Opfer würde bedeuten, dass von der runden Million Menschen, die sich in Dresden aufhielten, nur jeder Vierzigste umkam - eine absolute Unmöglichkeit.

Der_Juergen
13. Februar 2020 18:48

@Zeitschnur

Weitgehende Zustimmung zu Ihren vielschichtigen Ausführungen. Mich interessiert die Quelle für Ihre Behauptung, Hitler habe sich einige Zeit in England aufgehalten. Da sein Leben gut dokumentiert ist, müsste sich ein solcher längerer Aufenthalt mühelos nachweisen lassen. Die Behauptung wird u. a. von John Toland aufgestellt, der als Historiker freilich höchst umstritten ist. Falls Ihre Quelle Starikow sein sollte: Diesen schätze ich durchaus, aber auch seine Ausführungen sind bisweilen mit Vorsicht zu geniessen. - Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar.

Niedersachse
13. Februar 2020 19:38

Dresden steht sinnbildlich für einen Kulturbruch. Wie viele Opfer es nun genau gab, wird keiner mehr nachträglich herausfinden. Die Zahl von 25.000 scheint mir stark untertrieben und politisch/ historisch motiviert zu sein. Irgendwas im sechsstelligen Bereich ist realitisch. Wichtiger ist, wie wir damit heute umgehen. Ich bin kein Demo- Tourist, aber das Gedenken an den Bombenterror von Dresden ist fest in meinem Terminkalender verplant. Gerade nach Steinmeiers verbalen Amoklauf heute, werde ich am Sonnabend abermals in den Bus Richtung Dresden steigen, genau wie bei meinem ersten Mal vor heute genau zehn Jahren am 13.02.2010. Martin Lichtmesz schrieb damals auch einige Artikel dazu, die ich nicht in Gänze für gutheiße, aber die Eindrücke dieses wichtigen Tages ziemlich genau wiedergeben.

Sandstein
13. Februar 2020 20:09

@
zeitschnur
[...]

Ich weiß nicht wie ich angemessen antworten soll. Instinktiv: Zustimmung, was den Tenor angeht.

Denke aber, dass Sie einige Annahmen falsch treffen. Macht? Wirtschaft/Ökonomie?, Geist?, Deutungshoheit?

Sie trennen, wo es nichts zu trennen gibt. Wer die wirtschaftliche Macht besitzt, hat zumindest th. die höchste milit. Macht (nennen wir es mal Potenzial).
Und wer dies beides besitzt, kann ohne große Planung, quasi als "Nebeneffekt", mit einer kulturl. , oder wie auch immer gearteten, Deutungshoheit rechnen.
Im Geschichtsstudium hatte ich einen wirklich guten Prof. für Alte Geschichte. DIe Geschichte Roms ist die von Wirtschaftsmagnaten, die per Militär und entspr. Posten neue Provinzen eroberten und damit Stück für Stück das schufen, was als Römisches Imperium bekannt wurde.
Caesars Lebensgeschichte bietet das verdichtet als Blaupause.

Und die Amerikaner sind nicht bis heute in Guam und Ramstein damit die Wirtschaft floriert, oder das Militär chice Auslandsbasen hat, sondern weil es dem Machterhalt des "Imperiums" dient, und die Gänsefüßchen sind eigentlich hier überflüssig.

Grüße!

Rautenklause
13. Februar 2020 20:51

@KarlP (13. Februar 2020 15:49 )
Danke für den Verweis, eine beeindruckende Schilderung des nunmehr hundertjährigen Engländers.
Beeindruckender sind aber noch die unter dem Artikel zu findenden Kommentare:

**********

Philip, Nottingham, United Kingdom, 4 minutes ago
I would have done it to the whole country, they didnt learn the first time they caused it

EX-RDW, evesham, United Kingdom, 4 minutes ago
No excuse, get real millions died because of the Getmans they deserved everything they got.

Peter, London, 6 minutes ago
If Germany thinks England is done with them; think again... the economic advantage Brexit will give us will devastate Germany's economy; all of Europe in fact. Long live England and god save the Queen!

RIP Democracy 111119, Vassal UK, France, 18 minutes ago
What about Oradour? Who did that? The Germans deserved everything they got. Sadly i don't think we went far enough because they are on the rise again but via a different method for now.

Playstation 5, Newark, United Kingdom, 1 hour ago
This guy and his shameful opinion is sickening. I celebrate every explosion and every single bit of destruction that we caused Germany during ww2. For all our ancestors who sacrificed themselves, I wish that our country had been far more lucky and had managed to destroy them much further and to a much greater degree.

**********

Und die "Daily Mail" ist kein kleines Blatt aus dem Nischenbereich: das ist Boulvard mit einer Auflage von rund 1,5 Millionen. Da ist nix mit "gemeinsamem Kampf" und "Schicksalsgemeinschaft": da gibt es nur die Hunnen, die Nazis und deren leider immer noch lebenden Nachkommen ... "Gott strafe England?" Das wäre aber auch das Mindeste, was er diesen anglikanischen Böcken angedeihen lassen sollte!

Cugel
13. Februar 2020 21:02

qvc1753
"Letztendlich ist aber das Leid der Opfer unabhängig von den Zahlen. War Guernica "weniger" schlimm als Hamburg, Coventry "weniger" fürchterlich als Würzburg? Oder Dresden "weniger" katastrophal als Rotterdam?
Der Krieg ist seinen letzten beiden Jahren mit noch größerer Härte und mit einer immer perfektionierten Bomberwaffe geführt worden.
Und alliierte Piloten waren oft schlicht der Ansicht, dass wenn ihr Bombenteppich statt der Panzerfabrik das Haus von Oma Schickgruber traf, dann sei das eben Pech."
...
Rechtfertigt der Zweck die Mittel? Was war gerechtfertigt um die Nazis zu schlagen und was nicht?"

Selbstverständlich ist individuelles Leid von Gesamtzahlen unabhängig, eben weil es individuell ist. Das ist trivial. Es besteht aber dennoch ein Unterschied zwischen der unbeabsichtigten Tötung eines einzelnen Zivilisten und gezieltem Massenmord an Nichtkombattanden. Daß Oma Schickgruber kein "Kollateralschaden", sondern Hauptziel der alliierten Bomber war, wird durch Dresden, das im Februar 45 keinen militärischen Wert hatte, eindrücklich belegt. Es heißt, daß die Westalliierten mit diesen Einsätzen den Sowjets ein Zeichen ihres Engagements im Osten geben wollten. Mag sein, daß das für die spezielle Zialauswahl eine Rolle gespielt hat. Der Zweck des Terrors aus der Luft war jedenfalls die Demoralisierung der Zivilbevölkerung durch Vernichtung von Menschen und Kulturgütern, gegen die er hauptsächlich geführt wurde. Deswegen steht er schließlich heute gerade in England in der Kritik. Die Kriegführung gegen Japan stand unter demselben Aspekt. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, daß US-Soldaten ihre japanischen Gegner als Untermenschen betrachteten und abgetrennte Leichenteile als Trophäen und Souvenire nachhause schickten (Roosevelt selbst soll solche als Accessoire benutzt haben). Das gab es in der Wehrmacht nicht.

Coventry wurde seiner Industrie wegen angegriffen, Zivilisten waren keine Ziele. Schlechtes Wetter und Zeitdruck infolge Treibstoffknappheit führte - neben den ungenauen Zielmethoden - zu unbeabsichtigten zivilen Opfern, deren Zahl übrigens gering war, wie auch in Guernica, das ohne Erfahrung bombardiert wurde. Diese beiden *waren* weniger schlimm als Hamburg, sowohl ihres Ausmaßes als auch der Intention der Angreifer wegen. Die Luftwaffe hat nie großangelegten, planmäßigen Krieg gegen feindliche Zivilbevölkerung geführt, wozu sie übrigens infolge Mangels an tragfähigen Bombern, die in USA und England bereits lange vor 1939 konzipiert wurden, gar nicht in der Lage war. Dresden war ein Kriegsverbrechen, dessen Verantwortliche nicht nur nach Nürnberger Kriterien hätten gehenkt werden müssen.

Wie Sandstein im übrigen angemerkt hat, war (und ist noch, füge ich hinzu) die Vernichtung Deutschlands, nicht der Nazis das Ziel. Die "Nazis" waren im Februar 1945 für Jedermann erkennbar geschlagen; hätten die Alliierten Dresden verschont, wäre der Krieg keinen Tag später beendet worden.

Andreas Walter
13. Februar 2020 21:20

Man wollte den Sowjets zeigen wozu man fähig und auch bereit ist:

https://de.wikipedia.org/wiki/Shock_and_Awe

Man könnte es daher auch als Staatsterror oder bewussten, gezielten Kriegsterror bezeichnen. Verbrecher und Verbrecherorganisationen oder auch jede andere gewaltbereite Truppe greifen auch zu solchen Mitteln:

https://www.focus.de/politik/deutschland/wegen-bedrohungen-werteunion-sprecher-ralf-hoecker-legt-politische-aemter-nieder_id_11659545.html

Es geht bergab, und daran trägt auch die Politik in Deutschland schuld. Ebenso wie auch die Medien, wenn sie sich davon nicht distanzieren.

zeitschnur
13. Februar 2020 21:45

@ Imagine

Sie unterstellen mir folgende Meinung, der ich entschieden widersprechen muss, weil sie verleumderisch wirkt. Wer Ihren Post liest, muss ein gegenteiliges Bild von meinen Gedanken erhalten, als sie zutreffen:

"@zeitschnur, was Sie behaupten, ist nachgequatschte Nazi-Propaganda: Deutschland sei wirtschaftlich am Ende gewesen und Hitler der alternativlose Retter."

Wo habe ich das behauptet?
Dass Deutschland wirtschaftlich unter dem Druck der Versailler Bedingungen und der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit 6 Mio Arbeitslosen, mehreren (Hyper)-Inflationen, Geschäftseinbrüchen ganzer Berufssparten am Ende war - das kann sich ein wohlstandverwöhnter, marxistischer Heutiger vielleicht nicht mehr vorstellen.

Bitte verdrehen Sie meine Worte nicht so, das ist nicht nur unredlich, sondern hat eine verleumderische Note. Lassen Sie das!

Pferdefuss
13. Februar 2020 22:29

Ich möchte Benedikt Kaisers 'Literaturhinweise' durch einen zweibändigen, außergewöhnlich gut recherchierten und edierten sowie von Götz Eckardt (damaliger Generalkonservator des Instituts für Denkmalpflege) herausgegebenen und redaktionell bearbeiteten Bildband ergänzen:

Schicksale deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg. Eine Dokumentation der Schäden und Totalverluste auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft. Berlin 1978/1980.

Erschütternd vor allem, wieviele beschädigte Baudenkmale nach dem Krieg abgerissen bzw. kurzerhand gesprengt wurden (2., nun sozialistischer 'Bombenangriff' auf die kulturelle Tradition von Adel, Kirche, Bürgertum.

Götz Kubitschek
14. Februar 2020 08:34

so, ende der debatte. dank an alle.

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