26. Februar 2020

Wonach Leser fragen (2)

Gastbeitrag / 18 Kommentare

von Sigrid Wirzinger -- 75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind nicht mehr viele Zeitzeugen am Leben.

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  • Sezession

Der Historiker Christian Bardinghaus hat "Gespräche mit den letzten Soldaten des Zweiten Weltkriegs" geführt – so der Untertitel seines jüngst erschienenen Buches Die verdammte Generation.

In diesen Gesprächen tritt das Dilemma zutage, in dem sich die ehemaligen Wehrmachtssoldaten befinden: Sie dienten ihrem Land, überlebten verlustreiche Schlachten und oft auch Jahre in Gefangenschaft - und werden heute von Politikern, Medien und den eigenen Kindern als Mitwisser, Täter oder gar Mörder bezeichnet.

Hardinghaus stellt in einem umfangreichen Vorspann das Verhältnis der Wehrmacht zum Nationalsozialismus, zu SS und SA dar und schließt daran die Gespräche an. Zu jedem markanten Zeitpunkt und zu jeder bedeutenden Schlacht kommt ein Zeitzeuge zu Wort. Wir lesen Berichte vom Polenfeldzug, von Stalingrad, der Normandie, Narwa, Afrika. Wir lesen Erinnerungen von Artilleriesoldaten, Grenadieren, Fliegern und Marinesoldaten, darunter die eines Soldaten, der die Rheinwiesenlager überlebt hat.

Die Soldaten kommen auch mit ihrer heutigen Sicht auf den Krieg zu Wort und berichten, wie ihr weiteres Leben verlief. Prädikat: sehr empfehlenswert, sehr plastisch: Die verdammte Generation, gebunden, 328 Seiten, 20 €, hier bestellen

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Zeitzeugenberichte werden durch Überblicksdarstellungen ergänzt. Zwei Empfehlungen:

1. Der britische Historiker Andrew Roberts hat eine »Geschichte des zweiten Weltkriegs« vorgelegt.  Sein Feuersturm( gebunden, 869 Seiten, 39,95 €, hier bestellen) ist eine umfassende Gesamtdarstellung, die nüchtern und neutral arbeitet und der unfaßbar guten Ausbildung der Deutschen sowie ihrem perfekten Gefecht der "verbundenen Waffen" großen Respekt zollt. Sparsames, aber klug auf den Text abgestimmtes Kartenmaterial ist ebenso ein Pluspunkt wie der leicht verständliche Erzählstil. Der Historiker hat für sein Buch etliche, kürzlich erst freigegebene Akten einsehen können, viele Schlachtfelder besucht, und so gelingt ihm eine packende, umfassende und faire Darstellung aller Aspekte dieses »größten Krieges aller Zeiten«.

2. Die deutsche militärische Kriegführung im II Weltkrieg von Heinz Magenheimer (324 Seiten, gebunden mit Kartenmaterial, 34 €, hier bestellen). Der österreichische Militärhistoriker  legt mit diesem Buch eine umfassende Gesamtdarstellung der deutschen Kriegführung vor. Er schildert auf neuester Quellenlage die militär-strategischen Ziele, die operativen Planungen, die militärischen Kräfteverhältnisse sowie die Abläufe der Feldzüge und entscheidenden Schlachten. Dabei geht er besonders auf die Schlüsselentscheidungen der Führung als Ursache für Sieg oder Niederlage ein.

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Sprung in die Gegenwart: Was geschah in Hamburg? Benedikt Kaiser hat die Wahl in der Hansestadt analysiert und wichtige Schlüsse gezogen (hier nachlesen). Als Gewinner der Wahl gelten die Grünen: Mit 24,2 % konnte die Partei  einen Zuwachs von 11,9 % verbuchen.

Wer sind die Grünen, was macht sie so unheimlich erfolgreich? Die Themen, mit denen sie vor 40 Jahren angetreten sind, um die Bundesrepublik zu verändern, sind mittlerweile im Mainstream angekommen. Das gilt nicht nur für die Ökologie, das vermeintliche Thema der Grünen, sondern vor allem auch für Themen wie Gender Mainstreaming, Multikulturalismus, Homoehe und Pazifismus.
Alles zu den Deutschenfeinden auf der Regierungsbank kann man in einer Studie des Instituts für Staatspolitik nachlesen (5 €, 51 Seiten, hier bestellen).


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Kommentare (18)

Niekisch

27. Februar 2020 17:41

"Normandie" ..mein Vater hat als junger freiwilliger Fallschirmjäger den ganzen schrecklichen Höllensturm vom 4.6.1944, als der zufällig direkt hinter der Küste einen Pionierlehrgang absolvierte, über den Vire-Kanal bis zum Nordrand des Kessels von Falaise unter härtesten Abwehrkämpfen miterlebt, bis er am 13.8.1944 südlich Trun in Gefangenschaft geriet und fast erschossen wurde, als er an einer Mauer mit seinen Kameraden aufgereiht der Willkür kanadischer Soldaten ausgeliefert war. Als mein Vater und einige andere die Feldblusen hochrissen und die verdutzten Holzfäller zum Feuern aufforderten, waren diese entweder beeindruckt oder es verließ sie der Mut. Er überlebte und hinterließ mir alle Briefe aus Kampf und Gefangenschaft.

Laurenz

28. Februar 2020 00:24

@Niekisch ... ich habe Tonnen von Büchern über die Weltkriege im Regal stehen und gelesen, und in meiner Jugend mit hunderten von Zeitzeugen das Gespräch gesucht.

Ich habe mittlerweile den Kanal voll, da es sowieso in Deutschland keine sachlichen Debatten über Krieg, als gesteigertes Mittel der Politik (Clausewitz), zustande kommen.

Der offensichtliche Wahn, Kriege moralisch zu unterscheiden, ist ein Fall für nachhaltige Psychiatrie-Aufenthalte. Da ist jede Sekunde Moral vergeudete Lebenszeit. Sonst sehe ich das nicht so eng.

Aufgrund der militärischen und traumatischen Erlebnisse der Zeitgenossen bleibt eine reale ökonomische Sicht zur korrekten Einschätzung von Tatsachen auf der Strecke, was wohl auch daran liegt, daß (laut Lisa Eckhart,) nur 10% der gedruckten Bücher gelesen werden. Wer tut sich schon ökonomische Daten aus den 30ern oder 40ern an?

Solange wir (sagen wir die AfD) nicht die notwendigen politisch-inhaltlichen Maßnahmen ergreifen, um Mehrheiten bei Wahlen zu gewinnen, brauchen wir keine Debatten über den Krieg zu führen. Im Gegenteil, diese Debatten schaden uns. Nur an der Macht können wir der Sachlichkeit Räume schaffen.

Franz Bettinger

28. Februar 2020 02:40

Mein Vater (Feld-Unterarzt) war einer der wenigen, die aus russischer Gefangenschaft entkamen. Er merkte auf dem Transport nach Sibirien, dass mitgefangene Franzosen der auf deutscher Seite Kämpfenden (Division Charlemagne?) aussortiert wurden, und zog die richtigen Folgerungen. Er mischte sich unter die französischen Kameraden. Diese deckten ihn. So wurde er zurück Richtung Reich geschickt, wo er sich von den Franzosen absetze, was sein Glück war, da jene französischen Kriegsfreiwilligen in Frankreich zum Teil erschossen wurden.

RMH

28. Februar 2020 11:58

@Laurenz,

ich bin in diesem Punkt sehr nah bei Ihnen. Derartige Bücher, wie das hier vorgestellte, können aber für die Generationen, die keinen direkten Kontakt zur Kriegsgeneration hatten, schon einen gewissen Wert haben.

Wir, die wir auch zuhörten (!) und die wir aus eigenem Interesse in jungen Jahren selber viel gelesen und recherchiert haben, wir haben sicher den "Kanal voll".

Fakt ist aber auch, dass die eigenen Familienerlebnisse bei vielen zu einer Art Politisierung geführt haben - manche nach links (das waren dann oft die, die nichts erzählt bekamen oder wenn, dann nicht richtig zuhören wollten), andere nach rechts.

Ich selber kann dazu nur sagen, dass fast alle aktiven Kriegsteilnehmer in meiner Verwandtschaft und Bekanntschaft, die mir einmal mehr als ein pauschales, stilles und kurzes "ich war in Russland" (womit implizit oftmals auch eigentlich ein "frag bitte nicht weiter" etc. verbunden war) erzählten, dies erst getan haben, als sie die 80 deutlich überschritten hatten. Manche konnten aber selbst im hohen Alter nur Teilaspekte erzählen, wie bspw. Gefangenschaft ab 45, aber nichts zum eigentlichen Krieg.

Wie auch immer, dieses Thema kann für den einen oder anderen auch heute noch wichtig sein - im Grunde genommen verdrängen wir es nicht unähnlich, wie die Kriegsteilnehmer, die nicht selten erst zu erzählen begannen, als sich ihr Lebenskreis zu schließen begann.

Niekisch

28. Februar 2020 12:23

"brauchen wir keine Debatten über den Krieg zu führen. Im Gegenteil, diese Debatten schaden uns. Nur an der Macht können wir der Sachlichkeit Räume schaffen."

@Laurenz 2:40: Schon unsere Eltern redeten kaum über die Kriegszeit. Ich hörte als Kind des nachts nur die Rufe meines Vaters: "Halt, wer da? "oder "Ins Loch, Jabos!" Ansonsten musste ich ihm die Würmer aus der Nase ziehen. Mir fiel auf, dass er auf der Kirmes nicht einmal mehr Tulpen schießen wollte. An der Bürgerschützenvereinigung nahm er nur als Zivilist teil.

Ich wurde im antimilitaristischen und humanistischen Geist erzogen, bin für Gewaltlosigkeit und Zivilverteidigungsstrategien im politischen Kampf. Da aber die deutschen Traumata bis heute unbewältigt sind, gehört zur Heilung unbedingt, Zeitzeugenerlebnisse in den Diskurs einzuspeisen, besonders auch positive, weil diese Narrative Heilung bringen können, damit Kraft zum Verteidigen des Eigenen, Verteidigungsbereitschaft gegen die tsunamische seelische Vergiftung besonders Jüngerer.

Wenn schon nicht der parteipolitische Arm den "Mut zur Wahrheit" praktizieren soll oder will, dann wenigstens doch die metapolitisch Tätigen. Es ist unsere schwerste und gefährlichste Aufgabe, aber auch die am tiefsten befriedigende.

Wir mögen an der Macht der Sachlichkeit Freiräume verschaffen können. Aber können wir die Macht erlangen mit einer Jugend, die induziertes Schuldbewußtsein am befreiungspolitischen Selbstbewußtsein hindert?

Wahrheitssucher

28. Februar 2020 15:21

„75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind nicht mehr viele Zeitzeugen am Leben.“

Daß damit die Wahrheitssuche, wie es wirklich gewesen ist,
nicht unbedingt erleichtert wird, dürfte wohl unbestritten sein...

heinrichbrueck

28. Februar 2020 15:34

@ Laurenz
Ihre Machtübernahme geht von Voraussetzungen aus, also einer Phantasie, die schwerlich in die Tat umgesetzt werden kann.
Die AfD und Mehrheiten. Die AfD ist eine Partei (pars = Teil, Stück eines Ganzen). Kein Totum. So langsam wird es Zeit, die Mechanismen in der konkreten Reihenfolge erkennen zu wollen. Nicht unsere Medien, nicht unsere Demokratie; aber Sie denken an Machtübernahme innerhalb dieser Gegebenheiten.
Wo sollen die „politisch-inhaltlichen Maßnahmen“ ergriffen werden? Wer soll diese Politik machen, wer die Legitimation erteilen? Die weltanschaulichen Voraussetzungen sind nicht gegeben; verlieren ihre Legitimation durch genozidale Ideologieherrschaft, deren Infiltration ohne freie Debatte unsichtbar bleiben kann.
Bevor ein Kampffeld betreten werden kann, muß im Geiste gesiegt worden sein. Der Weltkrieg ging deshalb verloren.
Und warum soll eine Mehrheit die AfD wählen? Weil die Mehrheit die Tagesschau nicht mag?

Laurenz

29. Februar 2020 01:11

@Niekisch & RMH ... mit keinem Wort wollte ich mich dafür aussprechen, daß Mitbürger nicht lesen sollen. Man braucht grundsätzlich einige Autoren, um sich ein Bild verschaffen zu können. Und natürlich sollten junge - oder nicht mehr ganz so junge Mitbürger sich mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen, besser als irgendwelche armen Teufel an die Wand zu malen, wie erbärmlich.
Was das Reden über den Krieg angeht, so habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Der eine kann das besser verkraften, der andere leidet mehr. Wie ich schon neulich bemerkte, nicht jeder ist ein Ernst Jünger, mit solch einem enormen Sitzfleisch ausgestattet und in der Lage, sich das Erlebte von der Seele zu schreiben.
Mein Vater wurde als Kind im letzten Krieg traumatisiert, Sein Vater zuvor, Er (Sozi) war als Soldat in 2 Weltkriegen, mit 17 Jahren 1917 in Belgien, Artillerie-Beobachtung im Ballon.
Jetzt wissen Sie auch, wie ich auf Bert Hellinger gekommen bin, ich habe solche Kriegs-Traumata meiner Altvorderen ererbt. Ich konnte früher Leid anderer, oder explizit Soldatenleid, nur schwer ertragen. Wenn man älter wird und sich interessiert, bieten sich dann Mechaniken an, wie man damit umgeht. Denn ich erachte es als wichtig, unterscheiden zu können, was einerseits das Leid der anderen ist, und anderseits das tatsächlich eigene. Und die Nornen, welche unser Schicksal stricken, beauftragen uns erstmal, unser eigenes - zu wuppen.
Was unsere Jugend angeht, so würde ich darüber weniger nachdenken. Junge Leute sind gerne in Opposition und müssen ihre eigenen Erfahrungen machen. Der Mangel an eigener Identität tritt dann ganz von selbst ins Bewußtsein, wenn man mit den Identitäten anderer Kulturen in Berührung kommt.

@heinrichbrueck ...

Ich hatte im letzten Artikel von Benedikt Kaiser über die Hamburg-Wahl dieselbe Debatte mit @Benjamin Kaiser & buscem. Von daher brauche ich die dortigen Argumente nicht wiederholen. Es geht nicht darum, was wir oder die AfD als richtig erachten. Es geht darum, die einfachen Bedürfnisse des Wahlsvolks zu eruieren. Diese Bedürfnisse sind manchmal (charakterlich betrachtet) nicht wirklich lustig, amüsant oder Sinn erheischend. Aber wenn man gewählt werden will, muß man als Partei diesen Bedürfnissen gerecht werden. Und gerade jetzt existiert die große Chance dazu, da der Rest unserer Mitbewerber nur noch die Interessen von Minderheiten vertritt, was sich in den Wahlergebnissen offensichtlich niederschlägt, einfach BK lesen.
Der Haken dabei ist, daß die eine Hälfte der AfD eben auch nur Minderheiten vertreten will, was daran liegt, daß diese Hälfte an die Korrumpierbarkeit der Alt-Parteien glaubt, oder geistig noch im alten 3-Parteien-System lebt. Deren Strategie ist es, sich CDU und FDP anzunähern zu wollen, den Verlierern. Wir sind als Rechte mittlerweile das Original. Merz kommt zu spät.
Für wen, glauben Sie, heinrichbrueck, hat GK seinen letzten Artikel "Höcke in Dresden" geschrieben? Lesen Sie den Artikel doch mal oder besser schauen Sich die Lesung auf Youtube an. Es wird keine Zusammenarbeit mit uns oder der AfD durch unsere Mitbwerber geben. Also müssen zwangsläufig 50% + unser Ziel sein. Wer dieses Ziel nicht hat, ist machtpolitisch keinen Pfifferling wert.
Ihnen, @heinrichbrueck, fehlt es an Empathie. Sie wollen, wie die meisten Rechten, Recht behalten. Rechthaben ist aber kein Faktor, der einen an die Macht bringt. Schauen Sie Sich die Staatsratsvorsitzende oder ihren Vorgänger an, reine Macht-Opportunisten. Überdenken Sie Ihre Haltung und lassen Sie uns einfach mehr opportun sein.

Niekisch

29. Februar 2020 13:56

@ Laurenz 29.2. 1:11: wir bemühen uns alle redlich um eine realistische Lagebeurteilung und um die Suche nach angemessenen Werkzeugen. Ich meine halt nur, dass in unseren Kreisen die psychologische Beeinflussung vom Kindergarten an zumindest in gewissem Ausmaß zur Verminderung der Verteidigungsbereitschaft im gerade beginnenden Totalschlamassel beiträgt. Da müsste eigentlich Konsens bestehen. Ich recherchiere nahezu täglich bzgl. dieser Themen, schreibe Leserbriefe, diskutiere mit Schülern und riskiere einiges und erhoffe mir einen neuen Stand angesichts der Öffnung der Archive des Vatikans.

Wir sollten viel mehr über die Probleme der Jugend nachdenken und ihr in ihrer Unsicherheit ohne Bevormundung zu helfen versuchen. Das sind wir ihr schuldig...

Lumi

29. Februar 2020 14:23

@Laurenz - "Nur an der Macht können wir der Sachlichkeit Räume schaffen."

Naja, aber die durch die Unsachlichkeit bzw. Lüge erzeugte seelische Vergiftung ist ein Grund dafür, daß solche bei Lichte besehen abartigen Parteien wie die Grünen, die Linke und die ehemalige Partei der kleinen Leute namens SPD überhaupt gewählt werden.

Neben einer hier nicht zu thematisierenden offenkundigen Singularität ist doch das Narrativ vom Zweiten Weltkrieg das Fundament dieser seelischen Vergiftung. Das Narrativ geht doch so:

Der größenwahnsinnige Hitler ergreift die Macht, und die Deutschen sind schuld, denn sie haben ihn gewählt. (Das hätte nicht passieren dürfen! Nie wieder! Wehret den Anfängen!) Dann hat der größenwahnsinnige Hitler alles mögliche Unrecht begangen, und die Deutschen sind schuld, denn sie haben sich von der Propaganda blenden lassen. Dann hat der größenwahnsinnige Hitler erst Polen angegriffen und dann auch alle anderen Länder, denn er wollte die Weltherrschaft, und die Deutschen sind schuld, denn sie sind ihm ja gefolgt.

Dann aber hat das Gute (= der Westen, vor allem die USA) gesiegt, und die bösen Deutschen haben die gerechte Strafe für ihre Bosheit erhalten, indem ihr Land zerstört und verkleinert und geteilt wurde.

Aber da die gerechten Sieger aus dem guten Westen so großzügig und edelmütig sind, haben die eigentlich bösen Deutschen noch mal eine Chance bekommen, sich endlich in der Demokratie zu bewähren. Man muß aber ganz doll aufpassen, daß es keinen Rückfall gibt, denn sonst werden all die schönen demokratischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte zunichte gemacht.

Dies Geschichtsbild bekommt man in Schule und Medien vermittelt, und zwar exakt so.

Wie soll der 08/15 Jugendliche wissen, daß es sich dabei um eine Lüge handelt?

Ich habe 2007 ein Geburtstagsgeschenk für meinen Vater gesucht und bin dabei auf die CD Hörbuch Ausgabe von Schultze-Rhonhof gestoßen, verlegt bei Polarfilm. Da geht es um die diplomatischen Spielchen in den zwei Wochen vor dem 1.9.45, also nur ein kleiner Teil des dicken Buches. Das war (zusammen mit einem unerklärlich antiliberalen Kommentar des damals von mir geschätzten liberal rechtsstaatlichen Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung zum Urteil in einem gewissen Prozeß) der Einstieg in den Ausstieg aus der linksliberalen Gesinnung.

Daß ich jetzt repräsentativ bin, glaube ich eher nicht. Leider scheitert es bei vielen Zeitgenossen, egal welchen Alters, schon an Interesse und Aufmerksamkeit. Außerdem schwimmen die Menschen, wiederum egal welchen Alters, lieber mit dem Strom.

Die Wahrheit an sich scheint vielen Zeitgenossen, vor allem Akademikern, auch kein Wert zu sein. Ich wurde mal gefragt, ob meine "Ansichten" denn "akzeptabel" wären.

Man muß die Leute halt auf ihrer Ebene abholen und es noch plakativer machen. Ich finde, Elsässer macht es mit COMPACT genau richtig, wo er seit ein paar Jahren genau das klassische rechte Thema der Weltkriegsgeschichte aus alternativer deutscher Sicht anbietet.

Man darf die Ansprache halt nur nicht auf dies Thema verengen. Es muß eine Blume im bunten Themenstrauß sein, wie bei COMPACT. Wenn man aber diese Blume wegläßt, dann gibt es auch keine historische Entgiftung. Die ganz doll böse Blume darf halt nicht in den Strauß, so ist nun mal das System.

Es muß dafür aber prinzipiell klar werden, daß ganz real neben der Gewalt das zweite Mittel der Herrschaft eben die Lüge ist. Und daß man sich dagegen mental zur Wehr setzen kann. Niemand kann zur Lüge gezwungen werden. Links = Lüge = System = pfui, rechts = Wahrheit = Alternative = jawoll.

Auch andere Großlügen wie die Mondlandungen und die Klimakatastrophe sind gute Themen, weil sie eben zeigen, wie das System lügt. Die Atombombe ist eine weitere solche Großlüge, aber noch nicht … offenkundig (um mal dies Wort zu benutzen).

@Laurenz, was meinten Sie mit: "reale ökonomische Sicht zur korrekten Einschätzung von Tatsachen"?

heinrichbrueck

29. Februar 2020 16:07

@ Laurenz
Ob es mir an Empathie fehlt, mag sein. Aber „Recht behalten“, nein. Empathie ist keine Denkkategorie für mich. Ich würde die „Altparteien“ auch nicht als Verlierer beschreiben, denn diese Verlierer arbeiten seit Jahrzehnten sehr effektiv. Was ist denn richtig? Dem Wahlvolk zu erzählen, alles geht so weiter wie bisher, es werden keine Unannehmlichkeiten gefordert? Dann ist dieses Wahlvolk bald nicht mehr am Leben. Wir stimmen nicht überein: in der Beschreibung der Funktionsweise des Ganzen. Sie sind ein Demokrat, ich nicht. Ich träume mir die reale Welt nicht zurecht. Demokratie ist und bleibt Demokratie. Illusionstheater.

Lumi

29. Februar 2020 20:50

In der Tagesschau eben gerade kam ein Bericht von der Linkspartei. "Für einen sozial-ökologischen Systemwechsel", stand da als Motto über dem Saal. Das ist nicht nur Motto, sondern implementierte Politik *aller* Systemparteien einschließlich CDU/CSU.

Dagegen: Für einen national-ökonomischen Systemwechsel! Eigentlich richtig und naheliegend. Aber ob es ankommt? Gerade bei Frauen?

Dann ist schon wieder ein Pkw in eine Menschenmenge gesteuert worden. Elf Verletzte. Wieder war es ein neues Modell, kein Mercedes wie in Volkmaringen, sondern ein BMW. Diesmal wird keine Absicht unterstellt wie im Fall des zwar nicht alkoholisierten, aber offenbar anderweitig zugedröhnten und auch am Folgetag nicht vernehmungsfähigen 29-jährigen Maurice.

Natürlich läßt sich nicht bestreiten, daß Unfälle nun mal passieren. Man sollte aber auch wissen, daß solche modernen Modelle dank Kybernetik, integrierter Kameras und Mobilfunk prinzipiell für Fernsteuerung ausgerüstet sind, zum Beispiel Mercedes me, BMW ConnectedDrive, Opel OnStar, Audi connect, VW Car-Net.

https://www.welt.de/motor/article164866413/Vernetzt-Fahren-die-Systeme-der-Grossen-im-Vergleich.html

Da komplexere Systeme quasi immer über Software zusammengestrickt werden, schon um stets vorhandene Fehler überhaupt korrigieren zu können, genügt das Einspielen einer manipulierten Software, um destruktive Möglichkeiten zu eröffnen, die von den wohlmeinenden Herstellern nicht intendiert sind.

Verschwörungstheorie? Oder ganz einfach technische Machbarkeit?

https://www.google.com/search?q=Putin+Chauffeur+Unfall

links ist wo der daumen rechts ist

2. März 2020 01:20

Inhaltlich habe ich zu WK2 inkl. Literaturhinweisen und Erinnerungen meines geschätzten Großvaters genug geschrieben; müßte halt in einem echten Kommentariat mit Zugriff abrufbar sein. Deshalb zum Abschluß ohne Umschweife ein wirklich wertvolles Zeitzeugen-Dokument zum Themenkomplex „Hürtgenwald-Schlacht“:

https://www.youtube.com/watch?v=Hq9HUo0GPPM

Am Ende kämpft Paul Brückner sichtlich mit den Tränen, wenn er erzählt, wie er blutjunge Meldegänger („Jungens, noch ganz schmächtig“), sofern sie zurückkamen, "in Watte gepackt" habe – „wie ein Vater seine Söhne…“

Laurenz

2. März 2020 15:17

@Lumi ... Nachrichten sind heutzutage nur noch selten plausibel. Wenn man gewußt hätte, wie die MP-Wahl in Thüringen ausgeht, wäre auf die Übertragung am liebsten verzichtet worden. Die Nachrichten-Lage, schlimmer noch die Akten-Lage, ist mittlerweile so suspekt, daß GK im letzten Video (DDR 1.0/DDR 2.0-Vergleich) im Grunde zu harmlos an die Sache heran geht. Wo hört Terrorismus auf und wo fängt Staats-Terrorismus an? Man braucht sich da keinen Theorien hinzugeben. Terror-Meldungen verlieren schlicht und ergreifend einfach ihre (ehemalige) Bedeutung. Zumindest für diejenigen, die in der Lage sind, zu denken. Und Hand auf's Herz, warum sollte es uns, vom Gesichtspunkt der unkontrollierten Gewaltausübung, besser gehen, als Syrern oder Libyern? Der Wahl-Bürger hat die Vertreter der unlimitierten Gewalt an die Regierung gebracht.

Ratwolf

2. März 2020 23:05

Es ist schade, wie heutige Generationen zum Beispiel über Kriegerdenkmäler fühlen oder denken.

Man setze aktuelle Maßstäbe an, für eine Zeit, in deren andere Gedanken akut waren.

Wie aber wie soll die Zukunft Deutschlands und Europas aussehen?

Lumi

3. März 2020 07:16

@Laurenz, ich sehe es doch noch etwas anders. Es geht nicht um die Bedeutung von Meldungen, sondern um das tatsächlich Vorgefallene. Augenzeugen berichten von mehreren Tätern. So war es auch beim angeblichen "Amoklauf des 19-jährigen Robert Steinhäuser" am 26.04.2002 in Erfurt. Ebenso suspekt der "Amoklauf des 17-jährigen Tim Kretschmer" von Winnenden am 11.03.2009. In diese Reihe gehört Hanau. Ein Herr Vincenzo Vinciguerra hat sich zur Funktion derartiger "Vorfälle" geäußert.

Laurenz

3. März 2020 10:11

@Lumi .... wo soll denn für uns irgendeine Überprüfbarkeit vorliegen? Solange auf SiN über Literatur und Philosophie korrespondiert wird, oder auch über politische Stellungnahmen, sind Quellen-Nachweise zu leisten und darstellbar.

Aber sobald wir uns einem Gerichts-Prozeß, Ermittlungsakten zuwenden, hört der Spaß an Quellen-Nachweisen in Anbetracht von Akten-Schreddern, Schwärzungen von Akten auf 120 Jahre oder Schweige-Verpflichtungen von Beamten. Schweigen die Beamten nicht oder arbeiten zu gut, werden einfach mal 3 Staats-Diener eines Finanzamtes in die Psychiatrie eingewiesen.
Hier, in Merkels Primat der Politik über dem Volke, liegt @Franz Bettingers schlagkräftigster Nachweis eines sogenannten "Tiefen Staates".
Das hat manchmal sehr wohl Konsequenzen.
Da in Deutschland (soweit ich das als Nicht-Jurist verstanden habe,) Polizei und Staatsanwaltschaft dem jeweiligen Innenminister unterstehen, also nicht politisch unabhängig sind, war nach EU-Recht die Ansiedlung des Internationalen Haftbefehls den Staatsanwaltschaften abzunehmen und bei den mehr unabhängigen Richtern anzusiedeln.

Alle Fälle hingegen, die sie schilderten, werden nach deutschem Recht verfolgt. Das heißt, im Endeffekt wird, bei politischem Interesse, auch politisch bestimmt, wer strafrechtlich verfolgt wird, wen die Anklage als Zeugen aufruft usw. und sofort. Das ist reine Willkür des aktuellen Potentaten, eine eklatante Lücke in der angeblichen Gewaltenteilung.

Damit erübrigt sich eben auch eine jegliche Bedeutung einer Veröffentlichung, weil grundsätzlich jeder Bürger eine politische Motivation der Staatsanwaltschaft, der Polizei, des Verfassungsschutzes, des MADs, des BNDs, des Bundesgrenzschutzes usw. unterstellen muß.
In Italien zB ist die Staatsanwaltschaft unabhängiger. Dadurch werden auch ihre Veröffentlichungen glaubwürdiger und relevant.

links ist wo der daumen rechts ist

4. März 2020 08:29

Noch eine Kurzmitteilung in Sachen „erinnerungspolitische Wende“.

Auf dem Ladentisch des Buchhändlers meines Vertrauens lag vor kurzem die Neuauflage von Aleida Assmanns „Das neue Unbehagen an der Erinnerungskultur“, eben ergänzt um drei aktuelle Kapitel, darunter eines über Höckes und Gaulands Ansichten.

Obwohl ich nicht glaube, daß sich Erinnerungspolitik und Gedenkkultur auch im Sinne einer „Wende“ von oben verordnen lassen sollen (wünschenswert ist es auf keinen Fall), dazu ist Erinnern und Gedenken (ausgehend von der eigenen Familienbiographie) zu individuell und an sich widerspenstig, schmeckte diese „Aktualisierung“ doch ziemlich nach „sancta simplicitas“. Zumal Frau Assmann in besagtem Buch Lübbes bekannte Thesen sehr wohlwollend referiert und auch in anderen Diskussionszusammenhängen z.B. die Bedeutung des Nationalstaats als idealer Betriebsgröße favorisiert hat.

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