Sonntagsheld (144) – Nordlichter

Der Aktivist wird die Lektüre immer anders betrachten...

 Gastbeitrag

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Der Akti­vist wird die Lek­tü­re immer anders betrachten…

…als jemand, der sich der vita con­tem­pla­ti­va ver­schrie­ben hat. In der Brei­te herrscht stets der agi­ta­to­ri­sche Impe­tus vor, wir sind – wenn über­haupt – immer Theo­re­ti­ker in Bewegung.

Zu ver­hin­dern, daß dabei Grund­bau­stei­ne der eige­nen Visi­on für ein gutes Foto, oder eine all­zu wohl­fei­le Alli­anz auf­ge­ge­ben wer­den, ist dabei von eben­so gro­ßer Wich­tig­keit wie Sor­ge zu tra­gen, daß die Bücher­wür­mer die Prak­ti­ker nicht in ihre welt­an­schau­li­chen Rein­heits­spi­ra­len saugen.

Die­ses Gleich­ge­wicht läßt sich erfah­rungs­ge­mäß nur hal­ten, wenn die Theo­rie auch für die­je­ni­gen fass­bar bleibt, die – ganz platt gesagt – kei­ne gro­ßen Leser sind. Denn wo für den einen Ernst Jün­ger ein Erwe­ckungs­au­tor ist, da kann für den ande­ren schon das Aben­teu­er­li­che Herz all­zu schwer ent­sie­gel­bar sein. Die­ser für man­che abschre­cken­den Her­me­tik des (zum Glück nach wie vor wach­sen­den) rech­ten Lese­ka­nons möch­te sich das Pro­jekt Jun­ge Flam­me aus der roten Han­se­stadt Ham­burg annehmen.

Das Lesen kann einem dabei frei­lich nie­mand abneh­men, aber dar­um geht es den jun­gen Ham­bur­gern auch gar nicht; essen­ti­ell für die Lek­tü­re ist schließ­lich, daß man damit beginnt. Aus die­sem Grund bie­tet die Grup­pe nicht nur inter­ne Semi­na­re und Lese­krei­se, in wel­chen der Stoff in klei­ner Run­de wirk­lich er-arbei­tet wird, son­dern setzt in der eige­nen Öffent­lich­keits­ar­beit auch dar­auf, nied­rig­schwel­li­ge­re Zugän­ge zu den aktu­el­len Strö­mun­gen unse­rer Gedan­ken­welt zu schaffen.

Daß sie nun für ihr ers­tes Video mei­nen kapla­ken euro­pa­ra­di­kal als Ein­stieg für ihr You­Tube-Pro­jekt aus­ge­wählt haben, weckt natür­lich ein gewis­ses Maß an Autoren­stolz – schließ­lich hat­te ich das Büch­lein genau für ein sol­ches jun­ges, lese­freu­di­ges Publi­kum ver­faßt. Den euro­päi­schen Impuls mei­ner Schrift haben die Akti­vis­ten dabei durch­aus ernst­ge­nom­men: In ins­ge­samt fünf Spra­chen (Deutsch, Eng­lisch, Fran­zö­sisch, Ita­lie­nisch, Dänisch) geben sie einen struk­tu­rier­ten Über­blick über das Essay, der durch über­sicht­li­che Gra­fi­ken unter­malt wird.

Für die­je­ni­gen, die “die Euro­pa-Fra­ge” im eige­nen Theo­rie­kos­mos nur peri­pher abhan­deln möch­ten (was ich nicht emp­feh­le), eig­net sich die­ser zehn­mi­nü­ti­ge Durch­stich zum ent­spann­ten Abha­ken; sie sind mit dem anschau­li­chen Video eben­so gut ver­sorgt, wie die­je­ni­gen, die immer noch auf den rich­ti­gen Anstoß war­ten, um tie­fer in die Gewäs­ser jun­g­eu­ro­päi­scher bzw. euro­pa­ra­di­ka­ler Denk­wel­ten zu einzutauchen.

https://www.youtube.com/watch?v=H0hdPc8Rjeo

Neben der Arbeit auf ihren Netz­ka­nä­len wer­den im Rah­men des Pro­jek­tes auch Semi­na­re, Vor­trä­ge und Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen ange­bo­ten. Wer also aus dem Raum Nord­deutsch­land kommt und Inter­es­se an der Bil­dungs- und Kul­tur­ar­beit der Jun­gen Flam­me hat, kann über die Nach­rich­ten­funk­tio­nen der u.g. Kanä­le auch direkt Kon­takt zu den Akti­vis­ten aufnehmen.

Insta­gram
Tele­gram
You­Tube

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Das Video hat Ihr Inter­es­se an der Streit­schrift euro­pa­ra­di­kal geweckt? Sie ist nach wie vor hier lie­fer­bar!

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Kommentare (3)

Niekisch

19. April 2020 18:37

Glückwunsch zu diesem Vorhaben!
Ob die jungen Hamburger wissen, dass ihre Stadt schon einmal in den 60iger Jahren Standort junger Denkarbeit und Beweglichkeit war? Gibt es vielleicht eine Traditionslinie?

Laurenz

19. April 2020 22:57

Gut gemacht das Video.

Allerdings haben Sie eine Version vergessen, die EF, heißt eine Europäische Föderation nach dem eidgenössischen Model der vor-bonapartistischen Schweiz. Man kann dort den Freihandel, gemeinsame Normen, Verteidigung und Außenpolitik regeln, soweit diese regelbar sind.

Ein Regional-Europa würde nur funktionieren, wenn deutsch-artige Staaten ihre Gewährträgerhaftung abschaffen. Sonst benötigen Sie wieder eine Art Länder-Finanz-Ausgleich und die einen arbeiten wieder für die anderen.

Das betrifft ebenso Ihre Reichsidee.

Die Reichs-Idee, wie im Video dargestellt, hatte tatsächlich nie funktioniert. Der Kaiser war immer der einzige Europäer in Ihrem Sinne, Herr Wessels, alle anderen nicht. Und es wurde nur der Kaiser, welcher die Mehrheit der Fürsten mit was auch immer kaufte. Deswegen war der Kaiser die meiste Zeit (I. Reich) schwach, außer er war militärisch überlegen, aber das ist sicher nicht die Grundlage, auf die Sie Ihr Reich aufbauen wollen. Das betrifft übrigens auch die römische Reichs-Republik USA. Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg weiß jeder Gouverneur eines Bundesstaates, daß Sezessionsversuche mit einem massiven Militäreinsatz bestraft werden.
Von daher ist die von Ihnen favorisierte europäische Reichs-Idee nicht realistisch. Eine Mehrheit würde das wie die aktuelle EUdSSR empfinden, Widerstand leisten und die Idee ablehnen. Auch ein einheitliches europäisches Sozialsystem soll wer finanzieren? Selbst in Deutschland ist dies schon kaum tragbar. Es ist aus denselben Gründen zum Scheitern verurteilt, wie eine einheitliche Währung.
Haben Sie eine schwache Reichsregierung, und die Regionen regeln alles selbst, braucht man keine Reichsregierung. Haben Sie eine starke Reichsregierung, dann wird sie agieren wie Brüssel oder Draghi/Lagarde heute.
Die EU existiert nur, weil Deutschland zahlt. Das war auch schon vor 160 Jahren so. Die Griechen hatten einen bayerischen König, solange Bayern zahlte. Als Bayern nicht mehr zahlte, wurde der König aus dem Land gejagt.

Desweiteren unterschätzen Sie die europäischen Unüberbrückbarkeiten. Alleine der Balkan, dessen eklatant unterschiedliche Geschichtsschreibung läßt quasi nur im Waffenstillstand Koexistenz zu. Auch mit Rußland, Polen, Ungarn, etc. ist das nicht anders. Die haben einfach alle noch zu viele Rechnungen offen. Wir im Grunde auch, aber solange die Berliner Ex-Republik noch existiert, wird die Rechnungsstellung ausgesetzt.

In der Bürgerlichkeit ist der Umgang zwischen Europäern unproblematisch, aber sobald sich ein politischer Wille formuliert, werden Identitäten zu mächtig. Respektieren Sie diese doch.

Homeland

20. April 2020 08:38

SHUT DOWN GRAY STATE
Hängen Sie das über Ihre Sieben (Lösungsansätze für Europa). Die Herrschenden führen Unternehmungen im persönlichen Interesse, und nur Dilletanten glauben, dass sie Volksvertreter sind. Die Kunst der Politik besteht darin, den Bogen nicht zu überspannen. Die Frage ist also nicht "Wie organisieren wir Europa?" Die Frage ist "Welche Krone beherrscht eine Pandemie?"

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