19. April 2020

Sonntagsheld (144) – Nordlichter

Till-Lucas Wessels / 3 Kommentare

Der Aktivist wird die Lektüre immer anders betrachten...

Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.

...als jemand, der sich der vita contemplativa verschrieben hat. In der Breite herrscht stets der agitatorische Impetus vor, wir sind – wenn überhaupt – immer Theoretiker in Bewegung.

Zu verhindern, daß dabei Grundbausteine der eigenen Vision für ein gutes Foto, oder eine allzu wohlfeile Allianz aufgegeben werden, ist dabei von ebenso großer Wichtigkeit wie Sorge zu tragen, daß die Bücherwürmer die Praktiker nicht in ihre weltanschaulichen Reinheitsspiralen saugen.

Dieses Gleichgewicht läßt sich erfahrungsgemäß nur halten, wenn die Theorie auch für diejenigen fassbar bleibt, die – ganz platt gesagt – keine großen Leser sind. Denn wo für den einen Ernst Jünger ein Erweckungsautor ist, da kann für den anderen schon das Abenteuerliche Herz allzu schwer entsiegelbar sein. Dieser für manche abschreckenden Hermetik des (zum Glück nach wie vor wachsenden) rechten Lesekanons möchte sich das Projekt Junge Flamme aus der roten Hansestadt Hamburg annehmen.

Das Lesen kann einem dabei freilich niemand abnehmen, aber darum geht es den jungen Hamburgern auch gar nicht; essentiell für die Lektüre ist schließlich, daß man damit beginnt. Aus diesem Grund bietet die Gruppe nicht nur interne Seminare und Lesekreise, in welchen der Stoff in kleiner Runde wirklich er-arbeitet wird, sondern setzt in der eigenen Öffentlichkeitsarbeit auch darauf, niedrigschwelligere Zugänge zu den aktuellen Strömungen unserer Gedankenwelt zu schaffen.

Daß sie nun für ihr erstes Video meinen kaplaken europaradikal als Einstieg für ihr YouTube-Projekt ausgewählt haben, weckt natürlich ein gewisses Maß an Autorenstolz – schließlich hatte ich das Büchlein genau für ein solches junges, lesefreudiges Publikum verfaßt. Den europäischen Impuls meiner Schrift haben die Aktivisten dabei durchaus ernstgenommen: In insgesamt fünf Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Dänisch) geben sie einen strukturierten Überblick über das Essay, der durch übersichtliche Grafiken untermalt wird.

Für diejenigen, die “die Europa-Frage” im eigenen Theoriekosmos nur peripher abhandeln möchten (was ich nicht empfehle), eignet sich dieser zehnminütige Durchstich zum entspannten Abhaken; sie sind mit dem anschaulichen Video ebenso gut versorgt, wie diejenigen, die immer noch auf den richtigen Anstoß warten, um tiefer in die Gewässer jungeuropäischer bzw. europaradikaler Denkwelten zu einzutauchen.

https://www.youtube.com/watch?v=H0hdPc8Rjeo

Neben der Arbeit auf ihren Netzkanälen werden im Rahmen des Projektes auch Seminare, Vorträge und Kulturveranstaltungen angeboten. Wer also aus dem Raum Norddeutschland kommt und Interesse an der Bildungs- und Kulturarbeit der Jungen Flamme hat, kann über die Nachrichtenfunktionen der u.g. Kanäle auch direkt Kontakt zu den Aktivisten aufnehmen.

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Das Video hat Ihr Interesse an der Streitschrift europaradikal geweckt? Sie ist nach wie vor hier lieferbar!


Till-Lucas Wessels

Till-Lucas Wessels studiert und ist identitärer Aktivist sowie »Minenhund für zukünftig Zumutbares«.


Kommentare (3)

Niekisch

19. April 2020 18:37

Glückwunsch zu diesem Vorhaben!
Ob die jungen Hamburger wissen, dass ihre Stadt schon einmal in den 60iger Jahren Standort junger Denkarbeit und Beweglichkeit war? Gibt es vielleicht eine Traditionslinie?

Laurenz

19. April 2020 22:57

Gut gemacht das Video.

Allerdings haben Sie eine Version vergessen, die EF, heißt eine Europäische Föderation nach dem eidgenössischen Model der vor-bonapartistischen Schweiz. Man kann dort den Freihandel, gemeinsame Normen, Verteidigung und Außenpolitik regeln, soweit diese regelbar sind.

Ein Regional-Europa würde nur funktionieren, wenn deutsch-artige Staaten ihre Gewährträgerhaftung abschaffen. Sonst benötigen Sie wieder eine Art Länder-Finanz-Ausgleich und die einen arbeiten wieder für die anderen.

Das betrifft ebenso Ihre Reichsidee.

Die Reichs-Idee, wie im Video dargestellt, hatte tatsächlich nie funktioniert. Der Kaiser war immer der einzige Europäer in Ihrem Sinne, Herr Wessels, alle anderen nicht. Und es wurde nur der Kaiser, welcher die Mehrheit der Fürsten mit was auch immer kaufte. Deswegen war der Kaiser die meiste Zeit (I. Reich) schwach, außer er war militärisch überlegen, aber das ist sicher nicht die Grundlage, auf die Sie Ihr Reich aufbauen wollen. Das betrifft übrigens auch die römische Reichs-Republik USA. Seit dem amerikanischen Bürgerkrieg weiß jeder Gouverneur eines Bundesstaates, daß Sezessionsversuche mit einem massiven Militäreinsatz bestraft werden.
Von daher ist die von Ihnen favorisierte europäische Reichs-Idee nicht realistisch. Eine Mehrheit würde das wie die aktuelle EUdSSR empfinden, Widerstand leisten und die Idee ablehnen. Auch ein einheitliches europäisches Sozialsystem soll wer finanzieren? Selbst in Deutschland ist dies schon kaum tragbar. Es ist aus denselben Gründen zum Scheitern verurteilt, wie eine einheitliche Währung.
Haben Sie eine schwache Reichsregierung, und die Regionen regeln alles selbst, braucht man keine Reichsregierung. Haben Sie eine starke Reichsregierung, dann wird sie agieren wie Brüssel oder Draghi/Lagarde heute.
Die EU existiert nur, weil Deutschland zahlt. Das war auch schon vor 160 Jahren so. Die Griechen hatten einen bayerischen König, solange Bayern zahlte. Als Bayern nicht mehr zahlte, wurde der König aus dem Land gejagt.

Desweiteren unterschätzen Sie die europäischen Unüberbrückbarkeiten. Alleine der Balkan, dessen eklatant unterschiedliche Geschichtsschreibung läßt quasi nur im Waffenstillstand Koexistenz zu. Auch mit Rußland, Polen, Ungarn, etc. ist das nicht anders. Die haben einfach alle noch zu viele Rechnungen offen. Wir im Grunde auch, aber solange die Berliner Ex-Republik noch existiert, wird die Rechnungsstellung ausgesetzt.

In der Bürgerlichkeit ist der Umgang zwischen Europäern unproblematisch, aber sobald sich ein politischer Wille formuliert, werden Identitäten zu mächtig. Respektieren Sie diese doch.

Homeland

20. April 2020 08:38

SHUT DOWN GRAY STATE
Hängen Sie das über Ihre Sieben (Lösungsansätze für Europa). Die Herrschenden führen Unternehmungen im persönlichen Interesse, und nur Dilletanten glauben, dass sie Volksvertreter sind. Die Kunst der Politik besteht darin, den Bogen nicht zu überspannen. Die Frage ist also nicht "Wie organisieren wir Europa?" Die Frage ist "Welche Krone beherrscht eine Pandemie?"

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