31. Mai 2020

Netzfundstücke (52) – Desiderius, Handbuch, Deitsch

Jonas Schick / 15 Kommentare

In der Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES) köchelt es.

Der bereits in der Partei tobende Machtkampf sickert nun auch in die parteinahe Stiftung der AfD. Die Stiftungsvorsitzende Erika Steinbach hat die Turbulenzen genutzt, um IfS-Leiter und DES-Vorstandsmitglied Dr. Erik Lehnert mit zwielichtigen Methoden aus der Stiftung zu entfernen.

Lehnert war der Ex-CDUlerin von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen, da seine politischen Positionen einer Anschlußfähigkeit der Stiftung an das Establishment und ihrer Transformation zur Vorfeldorganisation einer »besseren« WerteUnion fundamental entgegenstehen. Lehnert hat sich zu diesen Vorgängen hier auf Sezession im Netz ausführlich geäußert.

Doch bereits in der aktuellsten Folge des kultigen Podcastformats »Die Kristentrinker« sieht Lehnert das kommende Ungemach am Horizont aufziehen und läßt zusammen mit Sezession-Chefredakteur Götz Kubitschek und Raskolnikov kein gutes Haar an denen, die über die Stöckchen des Verfassungsschutzes springen:


Eine Buchreihe im Antaios Verlag, an deren Herausgabe Dr. Erik Lehnert maßgeblich beteiligt ist und die nun wieder vollständig im Verlag auf Lager liegt, ist das Staatspolitische Handbuch.

Bis vor kurzem war Band 4 Deutsche Orte restlos ausverkauft, doch jetzt sind wieder alle fünf Bände im Paket oder einzeln hier bei Antaios, dem größten konservativen Versandbuchhandel, verfügbar. Sezession-Literaturredakteurin Ellen Kositza hat den 5. Band Deutsche Orte in ihrem Literaturformat auf dem kanal schnellroda vorgestellt:t;

Ein Lexikon der besonderen Sorte, das in keinem konservativen Bücherschrank fehlen sollte.


Während des 17. Jahrhunderts zog es viele Deutsche in das gelobte Land im fernen Westen, Amerika. Insbesondere aus der Pfalz machten sich etliche Familien auf, um ihr Glück in den noch größtenteils unerschlossenen Weiten des neuen Kontinents zu suchen.

Viele von ihnen siedelten sich in der Region des heutigen US-Bundesstaates Pennsylvania an, aber anstatt ihre Bräuche vollends aufzugeben, bewahrten sie sich bestimmte kulturelle Eigenarten. Eine der Wesentlichsten ist ihr einzigartiger Dialekt Pennsilfaani Deitsch oder Pennsylvania Dutch, der noch heute in der Region gesprochen wird und eine Mischung aus Englisch und pfälzischer Mundart darstellt.

Die einzige komplett in pennsylvania-deutschem Dialekt verfaßte Zeitung Hiwwe wie Driwwe (hochdeutsch. Hüben wie drüben) hat 2015 eine Dokumentation gedreht, die dem Zustand dieser einzigartigen Mundart nachspürt. Wie wird es heute gesprochen? Wer spricht es noch und gibt es eine Zukunft für das Deitsche?



Kommentare (15)

Maiordomus

1. Juni 2020 07:22

Die Pennsylvanische Mundart mit ihrer Sonderentwicklung hatte bis zum 2. WK Entsprechung auf der Krim, wo Schweizer (vor allem aus Affoltern am Albis, Baselland und noch anderen Kantonen) mit schweizericher Kultur- und Gemeindetradition siedelten, und auch Schwaben. Krim-Mundart ist gegen Ende des 20. Jahrhunderts bei den Vertriebenen im Exil faktisch ausgestorben, wird aber im Archiv von Radio SRF aufbewahrt und bei gelegentlichen Sendungen präsentiert. Dabei scheint mir die Sendereihe "Schnabelweid" mit Mundart-Dokumentationen bis heute das wertvollste Gefäss der zwangsabonnierten öffentlichrechtlichen Medien in der Schweiz zu sein.

PS. Eine "bessere Werte-Union" wäre in Deutschland nicht das Schlechteste, weil Kultur  überparteilich vermittelt werden sollte. Kenne noch eine andere Stiftung, aus der ein hochqualifizierter AfD-Politiker eliminiert wurde, worüber ich mich aber aus Diskretion nicht weiter äussere.

Martin Ringhoffer

2. Juni 2020 01:48

Als ich zu Mennoniten in Pennsylvania kam,fragten sie: "Kannschd deitsch schwetze ?"-

wie zu Hause im Pfaelzer Bergland.In der ganzen Lebensart,dem Streben,und dem Froh-

sinn der Leute steckte eine Menge Vertrautes aus der alten Heimat. Viele Amerikaner

sehen bei den Amischen ihre eigenen verlorenen Werte bewahrt. Amerika bietet aber noch

immer die Freiheit,diese Kultur zu leben,trotz aller Bedrohung durch den Zeitgeist.Das

Beharren auf eigenen Prinzipien,den Regeln,denen man sich selber fügt,gibt den Leuten

grosse Selbstsicherheit.

Eine Landwirtschaft weiter mit Pferden zu betreiben,weil man die eingespielte soziale

Ordnung nicht preisgeben will,ist doch eine erfrischende Option zu den alternativlosen

Sachzwaengen der Langweiligkeit.

Ratwolf

2. Juni 2020 05:21

Steinbach? Die falsche DNA

Ratwolf

2. Juni 2020 05:25

Mit den Regeln der anderen?

Geht schief.

Dann sollte man bei den anderen sprechen

Maiordomus

2. Juni 2020 13:32

"Wertes Kommentariat", schrieb Kubitschek neulich, "die Erleuchtung kommt heute von anderswo her". Ja, nicht unbedingt vom Kommentariat, das Team Sezession muss sich seine Gedanken selber machen, es gilt "das Seinige zu verantworten". Frau Steinbach, @Ratwolf, hat bestimmt nicht die falsche DNA. Aber die verschiedenen Lager sollten fair miteiander debattieren lernen. Es gibt zum Beispiel schon mehr als zehn Jahre die Zeitschrift Sezession. Da wurden doch gewisse Massstäbe gesetzt, mit einem Durchschnittsniveau eher über dem derzeitigen sowohl der AfD als auch derjenigen, die man wie Steinbach zum Beispiel der Werte-Union zurückrechnen könnte, was allerdings eher fürs Metapolitische gilt als für die eigene politische Geschicklichkeit. Und klar werden unterschiedliche Lager und Perspektiven sichtbar, die politische Wahrheit wird eher gesucht als gefunden, Hoffnungen können auch in Sackgassen enden.

Kositza:"Fair debattieren", Maior; hier sind Sie mal politisch "naiv".

Laurenz

2. Juni 2020 13:49

@Martin Ringhoffer

habe nichts gegen Ihren Beitrag. Wollten das alle so machen, verhungern 96% der Erdenbürger. Mit dieser Pferde-Technik ernährte seinerzeit ein Landwirt bei uns mit viel Arbeit 4 Menschen. Lassen Sie es woanders unter besseren Bedingungen 8 Menschen sein, die ernährt werden können. Aber dann verhungern immer noch 92%. (ich habe mal die 140 Menschen, die ein Landwirt heutzutage ernährt auf 100 reduziert.)

Politische Debatten hier & überall, wie auch der aktuelle Wessels-Artikel, bewegen sich global aus dem Ruder ins Irreale.

Hier ein kleines Corona-Beispiel aus der FAZ. 

https://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kritik-an-corona-massnahmen-der-regierung-wie-sehr-sollten-wir-zweifeln-16783060.html

Der entscheidende Satz fast zu Anfang ... Zitat-Sicher, Kritik an der Politik der Regierung war nicht die erste Bürgerpflicht, als auch den vorletzten Menschen irgendwann klar wurde, dass diese Pandemie nicht mit einer gewöhnlichen Grippe vergleichbar ist.-Zitatende

Stimmt natürlich. Stand 27.Mai.20 je nach Statistik zwischen 3.725 und 8.600 Corona-Tote in Deutschland. Bei einer Grippe-Welle wären es 3x oder 5x so viele Tote gewesen. Irgendwie beschleicht mich das dumpfe Gefühl, daß weltweit Journalisten & Redakteure nur noch mit harten Drogen den Tag überleben.

Laurenz

2. Juni 2020 21:58

@EK @Maiordomus

ich sag's ja. Wenn man sowas liest, erinnert mich das an LSD-sensible Platten-Cover aus den 70ern. 

Kositza:Ist das jetzt gut oder schlecht?

Maiordomus

2. Juni 2020 21:59

@Kositza. Dass auf jener Ebene oftmals und vielleicht sogar je länger desto weniger politisch "fair" debattiert wird, scheint mir leider ebenfalls immer mehr am Tage. Geradezu absurd bis ungeniessbar scheinen mir Bundestagsdebatten mit der AfD, wo die meisten rauslaufen und von Parlamentarismus kaum mehr die Rede sein kann, also sicher unfair.

Ihre Bemerkung geht natürlich auf direkte und intime Detailkenntnis zurück, da kann und will ich Ihnen nicht widersprechen. Natürlich ist man auch im Kommentariat weder immer fair noch macht man sich genügend Rechenschaft über Politikfähigkeit. Diese Vermutung halte ich eher für weniger naiv. Und wie es in einer Stiftung zugegangen ist, für die ein AfD-Politiker nicht mehr in Frage kam, weiss ich dafür auf jener Ebene besser als Sie es auf der Ihrigen mir gegenüber wohl zurecht monieren konnten.

Ratwolf

3. Juni 2020 00:16

Die Zukunft ist offen. Man weiß nicht was noch kommt. Mit dem Eleminieren von anders denkenden Mitstreitern durch Meuthen oder Steinbach eliminiert man auch deren Wählerstimmen und zukünftige Handlungsoptionen vertreten durch diese Richtungen. Das gilt für Parteien wie auch für Stiftungen.

Kaum vorstellbar, das Erik Lenert eine schlechte Arbeit in der Stiftung gemacht hat. Das Ausradieren anderer auf Grund von ideologischen Vorbehalten ist eine typische Eigeneart  anderer Parteien und Stiftungen. Durch Adaption solcher Methoden wird man Teil der anderen und geht in denen auf. Es gibt nichts besonders, was die Wähler in der AfD war nehmen könnte.

Martin Ringhoffer

3. Juni 2020 01:40

@Laurenz

Nun,man muss ja nicht mit dem Pferd ackern. Man kann es auch von Hand erledigen.

Global gesehen dürfte ein betraechtlicher Teil noch immer real so bewirtschaftet werden.

Aber was laeuft eigentlich aus dem Ruder,wenn viele meiner Berufskollegen auf Bauern-

demos ziehen,die sich durchaus der Ernaehrung der Weltbevölkerung verpflichtet fühlen?

Das -zigfache produzieren,arbeiten,finanzieren müssen soll Fortschritt sein ?-wenn die

Generation davor mit einem Bruchteil an Aufwand besser gefahren ist,und sich nicht hat

beschimpfen müssen von einer Wohlfühlgesellschaft,die den Kontakt zu den Lebens-

grundlagen zunehmend verliert. Die Verhaeltnisse sind aus dem Lot.Man hat durch die

masslose Steigerung der Produktion mittels Agrochemie,Mechanisierung,Züchtung usw

kein Gleichgewicht erreicht.Wenn nun nach Gentechnik,oder Einsatz von G5 gerufen

wird,geht es wieder mehr um Profite,als um das vermeintliche Wohl der Menschheit.

Die Farmen der Amischen sind erfolgreich,konkurrenzfaehig und expandieren.Vor der

Mechanisierung unterschieden sie sich  nicht von ihren Nachbarn.

Der Punkt ist,selber zu entscheiden,wie man leben möchte,was zaehlt,die Grenzen

anerkennen und dann gestalten.

Laurenz

3. Juni 2020 11:01

@Maiordomus  @Kositza

Wo bleibt Ihr hervorragendes Gedächtnis? Selbst mit der AfD sind heutigen Bundestags-Debatten doch was für Weicheier. In den 70ern und 80ern des letzten Jahrhunderts wurden in Bonn wesentlich heftigere Debatten geführt, mit einem Beleidigungs-Quotienten, der heute nicht mehr zu finden ist. Sie merken wohl wirklich nicht, wie nicht nur der Mob, sondern auch Intellektuelle, wie Sie, immer mehr gleichgeschaltet werden und den Korridor des Sagbaren immer mehr verengen. Schreiben, wie bei Imagine, mehrere Leute unter Maiordomus?

Kositza: Ich verstehs immer noch nicht ganz. Wer hat denn was gg heftige Debatten gesagt? Ich? Politik geschieht nicht in Debatten mit egal wie hohem Beleidigungsquotienten, sondern durch Gekungel hinter den Kulissen. Gruß, Kositza3.

Laurenz

3. Juni 2020 11:15

@Martin Ringhoffer   @Laurenz

Was Sie schreiben, stimmt so nicht. Nochmals, grundsätzlich habe ich nichts gegen Ihre Haltung. Mal abgesehen von Gemüse- & sonstige Lebensmittel-Normen der EU, wird nicht mehr produziert, als gegessen wird. 7,5 Milliarden Menschen wollen was zu essen haben. Das einzige, was aus dem Lot geraten ist, sind wir in unserer Anzahl. Mit Ihren Vorstellungen können wir nicht einmal 1 Milliarde Menschen ernähren, also nicht mal China oder Indien. Natürlich würde es Sinn machen, uns auf eine oder 2 Milliarden zu reduzieren, aber das Thema ist, abgesehen von China, meist tabuisiert. Sie werden also daran in absehbarer Zeit nichts ändern können. Die Landwirtschaft wird also gezwungenermaßen immer weiter technisiert werden. Der Krieg um Wasser, Acker- und Weideflächen hat doch längst begonnen. Dieser Krieg begann schon vor dem II. Weltkrieg und dauert bis zum heutigen Tag.

Maiordomus

3. Juni 2020 12:16

Es geht nicht um den läppischen Beleidungskoeffizienten, sondern dass Debatten überhaupt stattfinden jenseits des allzu üblichen Befundes, dass Meinungsfreiheit dort endet, wo die wahren Meinungsverschiedenheiten anfangen. Und oftmals beginnt der Ausschluss, habe dies vor 45 Jahren in einer verfassungsgebenden Debatte erlebt, sogar dann, wenn man als Polit-Paria etwas relativ breit Zustimmungsfähiges einbringt, aber z.B. wegen dem politischen Image, das andere bestimmen, nicht das Recht zugesprochen bekommt, was evident Vernünftiges zu beantragen, weil dies die "Falschen" mehrheitsfähig machen würde. Erlebte dann aber, dass ein aus diesen Hintergründen abgelehnter Antrag von einem Redaktionsgremium ohne weitere Nennung der Herkunft doch noch übernommen wurde, worauf ich, wegen einer relevanten Thematik, nach Jahrzehnten noch stolz sein darf, weil ich mit 40 Jahren Verspätung sogar öffentlich ausgezeichnet wurde. In Deutschlands politisch vergifteter Atmosphäre ist mit solchen Happy Ends derzeit nicht zu rechnen.

Ratwolf

4. Juni 2020 22:13

Zum Video: Das mit den "Schlag ins Gesicht" des Anderen ist ja ganz schön. Politik ist ein hartes Geschäft. Aber da es sich um ein planvolles Vorgehen handelt, kann man das richtige Maß dosieren. Kontrollierte Ekstase! Dabei sind Anspielungen auf den Nationalsozialismus aus meiner Sicht ein absolutes "Geht nicht!". Denn dabei betritt man eine Art "Altarraum" der kollektiv unterbewusst besetzt ist. Solche Äußerungen können immer wieder hervorgeholt werden, egal wie alt. Und sie erzielen immer ihre Wirkung. Man hat auch seinen eigenen Anteil an der jetzigen Lage.

Ratwolf

4. Juni 2020 22:19

Ein Schlag ins "Gesicht des Anderen" mag im harten Politikalltag eine Methode sein, die alle verwenden. Aber Anspielungen auf den Nationalsozialismus sind ein absolutes "Geht nicht". Das wird einen ewig nach getragen. Auch eine Mosaikrechte mit solchen Leuten ist absurd. Die daraus folgende Minimierung von Parteimitgliedern und Wählern wird so weit gehen, dass nichts mehr übrig bleibt