29. August 2020

Netzfundstücke (59) – Solidarität, Kulturlabor, ROME

Jonas Schick / 9 Kommentare

»Der Solidarische Patriotismus ist die naheliegende, an der Lebensnormalität orientierte und folgerichtige Antwort auf die soziale Frage in Deutschland.«

So Sezession-Redakteur Benedikt Kaiser in seinem Aufsatz »Solidarischer Patriotismus – ein Umriß« in der aktuellen Sezession 97 (hier bestellen; Abo hier abschließen), mit dem er zum Erscheinen der Ausgabe einen Ausblick auf sein kommendes Buch gab.

Nun ist Solidarischer Patriotismus – Die soziale Frage von rechts im Verlag Antaios erschienen (hier bestellen) und es ist der große Wurf geworden, auf den der umreißende Artikel hoffen ließ. Fiel der Start noch vergleichsweise verhalten aus, zieht die ambitionierte Publikation mittlerweile weite Kreise und wird mit Sicherheit nachhaltige Wirkung in der Neuen Rechten zeitigen. Wenn einer Schrift von Libertären über Liberalkonservative bis zu Linksextremen breite Ablehnung entgegenschlägt, weiß man, daß man Wertvolles in der Hand hält.

Ich hatte die Gelegenheit, mit Kaiser über sein neustes Buch im Podcast »Lagebesprechung« des Bürgernetzwerks Ein Prozent e.V. zu sprechen. Dabei unterzogen wir unter anderem die realpolitischen Chancen eines Solidarischen Patriotismus insbesondere im Hinblick auf die jüngsten Zerwürfnisse in der AfD einer kritischen Musterung.

Aber hören Sie am besten selbst:


Außerdem legt Ein Prozent weiter nach. Mit der Sendung »Kulturlabor« erweitert man das alternative Medienangebot um eine neue Facette. Leipzigs berühmtester Imker Alex Malenki gibt Gegenkulturellem seinen ihm zustehenden Raum und zerpflückt linksliberalen Schund humoristisch in seine chemischen Einzelteile.

In der Pilotfolge wirft er ein Schlaglicht auf das zu Unrecht fast in Vergessenheit geratene Comicbuch Holy Terror von Frank Miller (siehe auch hier die »Netzfundstücke 58«) und löst das Jugendmagazin #wtf?! der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Salzsäure auf – zumindest im übertragenen Sinne.

Einschalten! Hier die erste Folge:


Auch das 3. Fundstück entspringt dem kulturellen Bereich: Die luxemburgische Neofolk-Band ROME hat jüngst ihre neuste Platte »The Lone Furrow« (hier bestellen) veröffentlicht. Das Projekt rund um den Kopf Jérôme Reuter gehörte eigentlich zu den wenigen Kapellen, die auch bei Linken Anklang fand, für die das Genre ansonsten eine von Krypto-Faschisten »durchseuchte« No-Go-Area darstellt.

Doch bereits beim Vorgänger »Le ceneri di Heliodoro« (wenn man die „Dublin Sessions« einmal ausklammert) klangen Töne an, die viel Spielraum für Interpretation ließen und Till-Lucas Wessels hier auf Sezession im Netz dazu veranlaßten, ROME in den Sonntagshelden aufzunehmen.

Diese auf noch eher vagen politischen Tendenzen, brechen auf »The Lone Furrow« nun deutlich sichtbar hervor. Reuter bläst zum schonungslosen Angriff auf die moderne Welt und stimmt zum Abgesang auf ein zerfallendes Europa an, um zugleich seine Wiedergeburt aus Ruinen herbeizuspielen. Kali Yuga über alles!

Oliver Niehaus hat das Werk hier auf der Netzseite von Anbruch, des Magazins für Kultur & Künftiges, breit besprochen und seine konservativen, traditionalen Kernelemente minutiös herausgearbeitet. Ganz verschwunden ist die Zweideutigkeit jedoch nicht.

So läßt sich der Text des Liedes »Ächtung, Baby!« sowohl als ein Bezug auf den französischen Sozialisten Jean Jaurès – eigentlicher Urheber des fälschlicherweise mit Gustav Mahler verbundenen Zitates »Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Schüren der Flamme« – deuten als auch derart verstehen, daß Reuter hier ein zentrales Axiom der Konservativen Revolution verarbeitet – in gewisser Weise eine originäre faschistische Fusion aus revolutionärem Sozialismus und radikal-konservativen Aspekten:

We worship not some flashes
That never shone bright
We worship not the ashes
Of what once burned alight
We preserve the fire
We protect the flames
Our gods eternal
Go by different names

 The Birds have the eagle, The beasts have the lion
And I shall be kneeling; before that king of mine.

Was auch immer sich Jérôme Reuter beim Schreiben der Texte gedacht haben mag und ob dabei politische Intention im Spiel war, »The Lone Furrow« ist zweifelsohne ein gutes Stück Musik geworden.



Kommentare (9)

Volksdeutscher

30. August 2020 17:34

Sozialer Patriotismus

Als Außenstehender verstehe ich nicht, warum die Flügelleute an den Liberalen so sehr hängen und sich nicht zusammenschließen, eine echte konservative Oppositionspartei zu gründen - solange dazu noch Zeit ist. Die konservative Wählerschaft im Osten wie im Westen hätte bestimmt nichts dagegen, ja, sie würde das sogar begrüßen. Kalbitz, Pasemann, von Wittgenstein und andere könnten ebenfalls "repatriiert". Sie könnten ebenfalls ihre Mandate und die bei den Wahlen bis dato erreichten Prozente ohne nennenswerte Verluste behalten. Daß zu einer Parteigründung Geld und Unterstützer erforderlich sind, ist mir klar. Aber in dieser Phase wäre die Gründung einer neuen Partei vielleicht einfacher zu bewerkstelligen, als später. Deutschlands Schicksal steht auf dem Spiel, das man durch Parteienzank gefährdet. Das sollten sich die Flügelleute vor Augen halten. Dies ist das Allerwichtigste und nicht das Zusammenbleiben um jeden Preis. Ein kaltgestellter Höcke kann sein politisches Talent nicht entfalten und so niemandem nutzen. Die AfD ist nicht seine Partei, in dieser AfD wird er niemals geduldet, geschweige denn seine politischen Vorstellungen zum Wohle der Nation in die Tat umsetzen.

Laurenz

31. August 2020 17:17

BK Interview .... gut, daß es einer mal niedergeschrieben hat.

Es existieren einige multi-ethnischen Staaten auf dem Planeten, ausnahmslos alle keine Sozial-Staaten, weil beides einen inneren Widerspruch darstellt. Hayekisten sind genauso abstrakt, absurd, irre, wie Linke. Freie Märkte sind nichts anderes als die Arbitrage unterschiedlicher gesellschaftlicher Systeme, die ein globales Wohlstands-Gefälle ausnutzen. Sie bedeuten direkt globale, nicht-tarifäre Sklaven-Kultur. Vor allem wären aktuell nicht existente, globale freie Märkte nur militärisch durchsetzbar. Aber selbst die US-Amerikaner starteten auch unter demokratischer Führung nie konsequent ein derartiges Projekt, weil zu viele Eigen-Interessen dem widersprechen. Gerade der Nahrungsmittel-Export/Transfer nach Afrika, macht den pseudo-freien Welthandel in seiner Absurdität offensichtlich. Wagenknecht/Lafontaine wissen um die reale links-ökonomische Dämlichkeit oder Religiosität. Aber Beide kommen aus der linken Nummer nicht mehr raus.

Wenn man die Aussagen BKs bei JS zusammenfaßt & historisch einordnet, entsprechen sie der Grund-Idee einer bürgerlichen Ur-SPD. Daß die SPD schon immer ihre eigene Klientel verriet, um die Macht-Optionen zu wahren, mag menschlich sein, bleibt aber in der Geschichte unseres Volkes tragisch. Hätte die SPD stringent ihr Ur-Anliegen verfolgt, hätte es für die Nationalsozialisten keine Macht-Option gegeben.

Laurenz

31. August 2020 17:19

Kultur-Labor ist amüsant, wie "laut gedacht". Der richtige Weg quasi, wir brauchen mehr davon.

Die Musik ist musikalisch ein langweiliger REM-Verschnitt. Sei's drum.

bb

31. August 2020 17:19

Die Verantwortungsbereiche des Staates sind etwas, das liberale und neue Rechte ergebnisoffen diskutieren sollten. Kaiser scheint mir da ein Zerrbild im Kopf zu haben. Derweil sollten beide Lager sich politisch gegen Masseneinwanderung und internationale (N)GOs positionieren. Letztlich ist es mir gleich, ob ein Dorf in der sächsischen Pampa mit der Eisenbahn erreichbar ist, wenn dort keine Deutschen mehr wohnen.

RMH

31. August 2020 18:49

"Die Musik ist musikalisch ein langweiliger REM-Verschnitt. Sei's drum."

Dafür auf der CD aber mit Heavy-Metal-Umlaut beim A - oder war das die Angst vor der Rechtsabteilung des Labels von U2?

Ich persönlich kann ab und an eine Rome Scheibe schon anhören, würde aber Live-Auftritte klar bevorzugen (in der Gruppe trinkt man es sich dann schön). Leider derzeit auf absehbare Zeit nicht mehr möglich.

Laurenz

1. September 2020 02:14

@bb

Verstehe Ihre völlig Zusammenhang-lose Argumentations-Kette nicht. Was hat denn dünn besiedelte Landschaft mit eine funktionierenden Infra-Struktur zu tun? Ich wäre froh, wir hätten noch mehr unberührte Landschaft und unsere Infra-Struktur wäre nicht bereits 50 Jahre alt. Der krankhafte Siedlungs-Wahn macht auch vor Konservativen nicht halt. 

BK hat genau verstanden, Sie, wie so viele nicht. Die Schlagkraft einer Opposition liegt in einem Parteien-System im Kompromiß, der muß aus debattiert werden. Unser Karren fährt an die Wand. Wenn er dort aufschlägt, müssen wir bereits die Konzepte für den neuen Karren & eine neue Wand auf Lager haben. Die AfD hat aber weder ein Rentenkonzept, welches Mehrheiten interessiert, noch ein Wirtschafts-Programm, welches im Interesse von Mehrheiten wirken soll. Folgerichtig beschreibt BK den mangelnden Machtwillen der liberalen Weichspüler der AfD. Letztere wollen nur die Interessen einer kleinen Minderheit vertreten. Das machen alle anderen (Parteien) mittlerweile auch. Mit Verlaub, das ist ein lächerlicher Politik-Ansatz in einer gesellschaftlichen Zeitenwende.

bb

1. September 2020 09:02

@Laurenz

Benedikt Kaiser sprach im Interview davon, dass Infrastruktur nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien ausgebaut werden sollte. Darauf nahm ich Bezug.

Die AfD braucht jetzt weder ein Rentenkonzept, noch einen Kompromiss bei der Wirtschaftspolitik. Wer sich jetzt in solche Nebenkriegsschauplätze verliert, fällt auf das politische Spiel des Gegners herein. Die AfD muss jetzt genau zwei Punkte im Programm haben:

1. Rückabwicklung der Masseneinwanderung

2. Austritt aus dem Euro und Wiedereinführung der D-Mark

Das sind zwei Punkte, hinter denen 100% der AfD-Anhänger und auch sonst alle verbliebenen Rechten im Land stehen und die wichtige Prozente bringen können.

Denken sie doch mal über die Absurdität eines Rentenkonzepts nach, wenn wir kurz davor stehen, in einen Vielvölkerstaat ohne jeglichen gesellschaftlichen Zusammenhalt, ja mit offener Feindschaft zwischen seinen Bewohnern, zu zerfallen. Erstmal müssen wir uns Deutschland zurückholen. Dann können wir über Rente sprechen. Fragen des Mainstream nach einem Rentenkonzept sollten einfach als lächerlich abgebügelt werden, was sie schließlich auch sind.

Laurenz

1. September 2020 14:56

@bb (3)

Auch die Privatisierung von Wasserwerken auf kommunaler - oder Kreisebene, mutierten zu Geld-Druck-Maschinen der Investoren, & wurden hier sogar mehrheitlich rück-abgewickelt, aufgrund des Unmuts der Bürger. Trotz dieses offensichtlichen historischen Versagens des Liberalismus glauben Hayekisten religiös an Ihre "Eine Wahrheit". Aus dieser fast philosophischen Sicht muß man konstatieren, daß diese ewig gestrigen AfD-Liberalen extrem Linke sind. Denn wider besseren Wissens, vertreten sie die politischen Profit-Absichten kleiner Investoren-Minderheiten, denen es an unternehmerischer Kreativität mangelt & die nach Risiko-armen "Rendite-Geschenken des Volkes" über Lobby-Arbeit bei Mandats-Trägern suchen. 

Wir, die solidarischen Patrioten, müssen aber mit diesen extremen Links-Liberalen der AfD leben & wie BK, sagt & schreibt, in der internen Debatte überzeugen. Die Abkehr von der Mosaik-Rechten hin zur Mehrheits-Gewinnung durch alle oppositionellen Kräfte, ist die einzige Möglichkeit, den Machtblock des wieder mal totalitären Berlins (diese Stadt brachte unserem Land & unserem Volk noch nie Glück, Prag war die bessere Deutsche Hauptstadt) zu durchbrechen.

Laurenz

1. September 2020 14:56

@bb (4)

Auf der politischen Ebene stellt jeder Interessierte fest, daß eine bürgerliche Koalition mit der CDU/CSU oder der FDP in absehbarer Zeit nicht möglich sein wird. Denn diese Parteien sind keine bürgerlichen Parteien mehr. Alle ehemals bürgerlichen Kräfte in diesen Parteien wurden desintegriert oder zumindest kalt gestellt. Der öffentliche Wunsch nach Ausscheidung solidar-patriotischer Kräfte aus der AfD durch die Alt-Parteien rührt aus der Erkenntnis, daß nur dort ein Machtverlust aus der schlichten Existenz der einzig plausiblen Alternative für Deutschland droht. Pseudo-Liberale, hingegen, boten schon immer ihre Partei-politische Käuflichkeit & Aufgabe ihrer politischen Prinzipien zu Koalitions-Geschäften an.

Von daher unterliegen Haupt- und Nebenkriegsschauplätze nicht unserer Definition oder der der AfD-Liberalen. Der jeweilige Bürger legt in seiner eigenen Mehrheitsfindung selbst die entscheidenden Themen fest. Daher liegt es rein an uns, mehrheitsfähige, politische Angebote dem Bürger glaubhaft zu machen. Und BK hat exakt dieses formuliert & jetzt wohl auch editiert.