Netzfundstücke (59) – Solidarität, Kulturlabor, ROME

»Der Solidarische Patriotismus ist die naheliegende, an der Lebensnormalität orientierte und folgerichtige Antwort auf die soziale Frage in Deutschland.«

So Sezes­si­on-Redak­teur Bene­dikt Kai­ser in sei­nem Auf­satz »Soli­da­ri­scher Patrio­tis­mus – ein Umriß« in der aktu­el­len Sezes­si­on 97 (hier bestel­len; Abo hier abschlie­ßen), mit dem er zum Erschei­nen der Aus­ga­be einen Aus­blick auf sein kom­men­des Buch gab.

Nun ist Soli­da­ri­scher Patrio­tis­mus – Die sozia­le Fra­ge von rechts im Ver­lag Antai­os erschie­nen (hier bestel­len) und es ist der gro­ße Wurf gewor­den, auf den der umrei­ßen­de Arti­kel hof­fen ließ. Fiel der Start noch ver­gleichs­wei­se ver­hal­ten aus, zieht die ambi­tio­nier­te Publi­ka­ti­on mitt­ler­wei­le wei­te Krei­se und wird mit Sicher­heit nach­hal­ti­ge Wir­kung in der Neu­en Rech­ten zei­ti­gen. Wenn einer Schrift von Liber­tä­ren über Libe­ral­kon­ser­va­ti­ve bis zu Links­ex­tre­men brei­te Ableh­nung ent­ge­gen­schlägt, weiß man, daß man Wert­vol­les in der Hand hält.

Ich hat­te die Gele­gen­heit, mit Kai­ser über sein neus­tes Buch im Pod­cast »Lage­be­spre­chung« des Bür­ger­netz­werks Ein Pro­zent e.V. zu spre­chen. Dabei unter­zo­gen wir unter ande­rem die real­po­li­ti­schen Chan­cen eines Soli­da­ri­schen Patrio­tis­mus ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die jüngs­ten Zer­würf­nis­se in der AfD einer kri­ti­schen Musterung.

Aber hören Sie am bes­ten selbst:


Außer­dem legt Ein Pro­zent wei­ter nach. Mit der Sen­dung »Kul­tur­la­bor« erwei­tert man das alter­na­ti­ve Medi­en­an­ge­bot um eine neue Facet­te. Leip­zigs berühm­tes­ter Imker Alex Malen­ki gibt Gegen­kul­tu­rel­lem sei­nen ihm zuste­hen­den Raum und zer­pflückt links­li­be­ra­len Schund humo­ris­tisch in sei­ne che­mi­schen Einzelteile.

In der Pilot­fol­ge wirft er ein Schlag­licht auf das zu Unrecht fast in Ver­ges­sen­heit gera­te­ne Comic­buch Holy Ter­ror von Frank Mil­ler (sie­he auch hier die »Netz­fund­stü­cke 58«) und löst das Jugend­ma­ga­zin #wtf?! der säch­si­schen Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung in Salz­säu­re auf – zumin­dest im über­tra­ge­nen Sinne.

Ein­schal­ten! Hier die ers­te Folge:


Auch das 3. Fund­stück ent­springt dem kul­tu­rel­len Bereich: Die luxem­bur­gi­sche Neo­folk-Band ROME hat jüngst ihre neus­te Plat­te »The Lone Fur­row« (hier bestel­len) ver­öf­fent­licht. Das Pro­jekt rund um den Kopf Jérô­me Reu­ter gehör­te eigent­lich zu den weni­gen Kapel­len, die auch bei Lin­ken Anklang fand, für die das Gen­re ansons­ten eine von Kryp­to-Faschis­ten »durch­seuch­te« No-Go-Area darstellt.

Doch bereits beim Vor­gän­ger »Le cene­ri di Heliodo­ro« (wenn man die „Dub­lin Ses­si­ons« ein­mal aus­klam­mert) klan­gen Töne an, die viel Spiel­raum für Inter­pre­ta­ti­on lie­ßen und Till-Lucas Wes­sels hier auf Sezes­si­on im Netz dazu ver­an­laß­ten, ROME in den Sonn­tags­hel­den aufzunehmen.

Die­se auf noch eher vagen poli­ti­schen Ten­den­zen, bre­chen auf »The Lone Fur­row« nun deut­lich sicht­bar her­vor. Reu­ter bläst zum scho­nungs­lo­sen Angriff auf die moder­ne Welt und stimmt zum Abge­sang auf ein zer­fal­len­des Euro­pa an, um zugleich sei­ne Wie­der­ge­burt aus Rui­nen her­bei­zu­spie­len. Kali Yuga über alles!

Oli­ver Nie­haus hat das Werk hier auf der Netz­sei­te von Anbruch, des Maga­zins für Kul­tur & Künf­ti­ges, breit bespro­chen und sei­ne kon­ser­va­ti­ven, tra­di­tio­na­len Kern­ele­men­te minu­ti­ös her­aus­ge­ar­bei­tet. Ganz ver­schwun­den ist die Zwei­deu­tig­keit jedoch nicht.

So läßt sich der Text des Lie­des »Äch­tung, Baby!« sowohl als ein Bezug auf den fran­zö­si­schen Sozia­lis­ten Jean Jaurès – eigent­li­cher Urhe­ber des fälsch­li­cher­wei­se mit Gus­tav Mah­ler ver­bun­de­nen Zita­tes »Tra­di­ti­on ist nicht das Bewah­ren der Asche, son­dern das Schü­ren der Flam­me« – deu­ten als auch der­art ver­ste­hen, daß Reu­ter hier ein zen­tra­les Axi­om der Kon­ser­va­ti­ven Revo­lu­ti­on ver­ar­bei­tet – in gewis­ser Wei­se eine ori­gi­nä­re faschis­ti­sche Fusi­on aus revo­lu­tio­nä­rem Sozia­lis­mus und radi­kal-kon­ser­va­ti­ven Aspekten:

We wor­s­hip not some flashes
That never sho­ne bright
We wor­s­hip not the ashes
Of what once bur­ned alight
We pre­ser­ve the fire
We pro­tect the flames
Our gods eternal
Go by dif­fe­rent names

 The Birds have the eagle, The beasts have the lion
And I shall be kne­e­ling; befo­re that king of mine.

Was auch immer sich Jérô­me Reu­ter beim Schrei­ben der Tex­te gedacht haben mag und ob dabei poli­ti­sche Inten­ti­on im Spiel war, »The Lone Fur­row« ist zwei­fels­oh­ne ein gutes Stück Musik geworden.

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Kommentare (9)

Volksdeutscher

30. August 2020 17:34

Sozialer Patriotismus

Als Außenstehender verstehe ich nicht, warum die Flügelleute an den Liberalen so sehr hängen und sich nicht zusammenschließen, eine echte konservative Oppositionspartei zu gründen - solange dazu noch Zeit ist. Die konservative Wählerschaft im Osten wie im Westen hätte bestimmt nichts dagegen, ja, sie würde das sogar begrüßen. Kalbitz, Pasemann, von Wittgenstein und andere könnten ebenfalls "repatriiert". Sie könnten ebenfalls ihre Mandate und die bei den Wahlen bis dato erreichten Prozente ohne nennenswerte Verluste behalten. Daß zu einer Parteigründung Geld und Unterstützer erforderlich sind, ist mir klar. Aber in dieser Phase wäre die Gründung einer neuen Partei vielleicht einfacher zu bewerkstelligen, als später. Deutschlands Schicksal steht auf dem Spiel, das man durch Parteienzank gefährdet. Das sollten sich die Flügelleute vor Augen halten. Dies ist das Allerwichtigste und nicht das Zusammenbleiben um jeden Preis. Ein kaltgestellter Höcke kann sein politisches Talent nicht entfalten und so niemandem nutzen. Die AfD ist nicht seine Partei, in dieser AfD wird er niemals geduldet, geschweige denn seine politischen Vorstellungen zum Wohle der Nation in die Tat umsetzen.

Laurenz

31. August 2020 17:17

BK Interview .... gut, daß es einer mal niedergeschrieben hat.

Es existieren einige multi-ethnischen Staaten auf dem Planeten, ausnahmslos alle keine Sozial-Staaten, weil beides einen inneren Widerspruch darstellt. Hayekisten sind genauso abstrakt, absurd, irre, wie Linke. Freie Märkte sind nichts anderes als die Arbitrage unterschiedlicher gesellschaftlicher Systeme, die ein globales Wohlstands-Gefälle ausnutzen. Sie bedeuten direkt globale, nicht-tarifäre Sklaven-Kultur. Vor allem wären aktuell nicht existente, globale freie Märkte nur militärisch durchsetzbar. Aber selbst die US-Amerikaner starteten auch unter demokratischer Führung nie konsequent ein derartiges Projekt, weil zu viele Eigen-Interessen dem widersprechen. Gerade der Nahrungsmittel-Export/Transfer nach Afrika, macht den pseudo-freien Welthandel in seiner Absurdität offensichtlich. Wagenknecht/Lafontaine wissen um die reale links-ökonomische Dämlichkeit oder Religiosität. Aber Beide kommen aus der linken Nummer nicht mehr raus.

Wenn man die Aussagen BKs bei JS zusammenfaßt & historisch einordnet, entsprechen sie der Grund-Idee einer bürgerlichen Ur-SPD. Daß die SPD schon immer ihre eigene Klientel verriet, um die Macht-Optionen zu wahren, mag menschlich sein, bleibt aber in der Geschichte unseres Volkes tragisch. Hätte die SPD stringent ihr Ur-Anliegen verfolgt, hätte es für die Nationalsozialisten keine Macht-Option gegeben.

Laurenz

31. August 2020 17:19

Kultur-Labor ist amüsant, wie "laut gedacht". Der richtige Weg quasi, wir brauchen mehr davon.

Die Musik ist musikalisch ein langweiliger REM-Verschnitt. Sei's drum.

bb

31. August 2020 17:19

Die Verantwortungsbereiche des Staates sind etwas, das liberale und neue Rechte ergebnisoffen diskutieren sollten. Kaiser scheint mir da ein Zerrbild im Kopf zu haben. Derweil sollten beide Lager sich politisch gegen Masseneinwanderung und internationale (N)GOs positionieren. Letztlich ist es mir gleich, ob ein Dorf in der sächsischen Pampa mit der Eisenbahn erreichbar ist, wenn dort keine Deutschen mehr wohnen.

RMH

31. August 2020 18:49

"Die Musik ist musikalisch ein langweiliger REM-Verschnitt. Sei's drum."

Dafür auf der CD aber mit Heavy-Metal-Umlaut beim A - oder war das die Angst vor der Rechtsabteilung des Labels von U2?

Ich persönlich kann ab und an eine Rome Scheibe schon anhören, würde aber Live-Auftritte klar bevorzugen (in der Gruppe trinkt man es sich dann schön). Leider derzeit auf absehbare Zeit nicht mehr möglich.

Laurenz

1. September 2020 02:14

@bb

Verstehe Ihre völlig Zusammenhang-lose Argumentations-Kette nicht. Was hat denn dünn besiedelte Landschaft mit eine funktionierenden Infra-Struktur zu tun? Ich wäre froh, wir hätten noch mehr unberührte Landschaft und unsere Infra-Struktur wäre nicht bereits 50 Jahre alt. Der krankhafte Siedlungs-Wahn macht auch vor Konservativen nicht halt. 

BK hat genau verstanden, Sie, wie so viele nicht. Die Schlagkraft einer Opposition liegt in einem Parteien-System im Kompromiß, der muß aus debattiert werden. Unser Karren fährt an die Wand. Wenn er dort aufschlägt, müssen wir bereits die Konzepte für den neuen Karren & eine neue Wand auf Lager haben. Die AfD hat aber weder ein Rentenkonzept, welches Mehrheiten interessiert, noch ein Wirtschafts-Programm, welches im Interesse von Mehrheiten wirken soll. Folgerichtig beschreibt BK den mangelnden Machtwillen der liberalen Weichspüler der AfD. Letztere wollen nur die Interessen einer kleinen Minderheit vertreten. Das machen alle anderen (Parteien) mittlerweile auch. Mit Verlaub, das ist ein lächerlicher Politik-Ansatz in einer gesellschaftlichen Zeitenwende.

bb

1. September 2020 09:02

@Laurenz

Benedikt Kaiser sprach im Interview davon, dass Infrastruktur nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien ausgebaut werden sollte. Darauf nahm ich Bezug.

Die AfD braucht jetzt weder ein Rentenkonzept, noch einen Kompromiss bei der Wirtschaftspolitik. Wer sich jetzt in solche Nebenkriegsschauplätze verliert, fällt auf das politische Spiel des Gegners herein. Die AfD muss jetzt genau zwei Punkte im Programm haben:

1. Rückabwicklung der Masseneinwanderung

2. Austritt aus dem Euro und Wiedereinführung der D-Mark

Das sind zwei Punkte, hinter denen 100% der AfD-Anhänger und auch sonst alle verbliebenen Rechten im Land stehen und die wichtige Prozente bringen können.

Denken sie doch mal über die Absurdität eines Rentenkonzepts nach, wenn wir kurz davor stehen, in einen Vielvölkerstaat ohne jeglichen gesellschaftlichen Zusammenhalt, ja mit offener Feindschaft zwischen seinen Bewohnern, zu zerfallen. Erstmal müssen wir uns Deutschland zurückholen. Dann können wir über Rente sprechen. Fragen des Mainstream nach einem Rentenkonzept sollten einfach als lächerlich abgebügelt werden, was sie schließlich auch sind.

Laurenz

1. September 2020 14:56

@bb (3)

Auch die Privatisierung von Wasserwerken auf kommunaler - oder Kreisebene, mutierten zu Geld-Druck-Maschinen der Investoren, & wurden hier sogar mehrheitlich rück-abgewickelt, aufgrund des Unmuts der Bürger. Trotz dieses offensichtlichen historischen Versagens des Liberalismus glauben Hayekisten religiös an Ihre "Eine Wahrheit". Aus dieser fast philosophischen Sicht muß man konstatieren, daß diese ewig gestrigen AfD-Liberalen extrem Linke sind. Denn wider besseren Wissens, vertreten sie die politischen Profit-Absichten kleiner Investoren-Minderheiten, denen es an unternehmerischer Kreativität mangelt & die nach Risiko-armen "Rendite-Geschenken des Volkes" über Lobby-Arbeit bei Mandats-Trägern suchen. 

Wir, die solidarischen Patrioten, müssen aber mit diesen extremen Links-Liberalen der AfD leben & wie BK, sagt & schreibt, in der internen Debatte überzeugen. Die Abkehr von der Mosaik-Rechten hin zur Mehrheits-Gewinnung durch alle oppositionellen Kräfte, ist die einzige Möglichkeit, den Machtblock des wieder mal totalitären Berlins (diese Stadt brachte unserem Land & unserem Volk noch nie Glück, Prag war die bessere Deutsche Hauptstadt) zu durchbrechen.

Laurenz

1. September 2020 14:56

@bb (4)

Auf der politischen Ebene stellt jeder Interessierte fest, daß eine bürgerliche Koalition mit der CDU/CSU oder der FDP in absehbarer Zeit nicht möglich sein wird. Denn diese Parteien sind keine bürgerlichen Parteien mehr. Alle ehemals bürgerlichen Kräfte in diesen Parteien wurden desintegriert oder zumindest kalt gestellt. Der öffentliche Wunsch nach Ausscheidung solidar-patriotischer Kräfte aus der AfD durch die Alt-Parteien rührt aus der Erkenntnis, daß nur dort ein Machtverlust aus der schlichten Existenz der einzig plausiblen Alternative für Deutschland droht. Pseudo-Liberale, hingegen, boten schon immer ihre Partei-politische Käuflichkeit & Aufgabe ihrer politischen Prinzipien zu Koalitions-Geschäften an.

Von daher unterliegen Haupt- und Nebenkriegsschauplätze nicht unserer Definition oder der der AfD-Liberalen. Der jeweilige Bürger legt in seiner eigenen Mehrheitsfindung selbst die entscheidenden Themen fest. Daher liegt es rein an uns, mehrheitsfähige, politische Angebote dem Bürger glaubhaft zu machen. Und BK hat exakt dieses formuliert & jetzt wohl auch editiert.