22. Oktober 2020

Repressionsakzelerationismus

Martin Sellner / 60 Kommentare

Ist die Rolle des erfolglosen Belagerers, der darin sogar den Tyrannen in der Stadt nützt, unser Schicksal oder unser Versagen?

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Mit dieser Frage endete mein letzter Text, der in den Kommentaren eine interessante und vielschichtige Kritik erfuhr. Entzündet wurde diese Frage an einer Analyse Sieferles aus dem Jahren 1994, die sich mit derzeit populären Thesen im rechten Lager trifft: Ein aktivistischer Eingriff aus ideologischer Perspektive sei, egal ob von rechts oder links, nicht mehr möglich, da das Zentrum dieser Gesellschaft kein ideologisches sei. Objektive und strukturelle Zwänge stabilisieren einen dynamischen Prozess, der sogar Rebellion, Chaos und Zerstörung kreativ nutzen kann.

Meine Gegenthese lautet, daß diese Gesellschaft sehr wohl ein ideologisches, ja ein hochreligiöses Zentrum hat, das seine Dominanz eifersüchtig und brutal verteidigt. Es handelt sich dabei um die Zivilreligion des Ethnomasochismus. Der Universalismus der Schuld bildet ein einheitliches Deutungsmuster für die Geschichte, den Sinn des Daseins als Volk wie als einzelner und ist das Fundament der gesellschaftlichen Moral.

Jede Kritik an dieser Ideologie und ihren Auffassungen von Volk und Geschichte wird rasch und kompromißlos mit Repression beantwortet. Sowohl Liberalismus als auch Marxismus harmonieren mit dieser Zivilreligion, die ihre eigenen Klöster, Priester, Heiligtümer und Rituale geschaffen hat.

Psychologisch ließe sich dieses Syndrom, das nicht nur die Verlierer des II. Weltkriegs sondern die gesamte westliche Welt befallen hat, als überzogene Gegenreaktion auf die eigenen Chauvinismen und Überlegenheitsphantasien erklären. Philosophisch steht der Universalismus der Schuld in der Tradition des hegelianischen Geschichtsverständnisses.

In dieser politischen Religion hat sich jedoch der Pessimismus den Optimismus abgelöst. Der Status der Auserwähltheit und universalen Berufung hat sich zur totalen Verantwortung und universalen Schuld gewandelt. Aus ihm läßt sich kein Sonderrecht, nicht einmal mehr ein white man's burdenableiten. Lediglich die Kunst zu Verschwinden“ und das Arbeiten an der eigenen Auflösung“ sind, wie Sieferle erkennt, erlaubte Ziele für die nationale Selbst-Aufgabe. Es ist der von Heidegger beschriebene "Geist der Rache", der sich gegen sich selbst wendet. 

Stellt diese Ideologie den geheimen Kern unserer scheinbar postideologischen systemischen Gesellschaft dar, wäre das eine gute Nachricht für ihre Kritiker. Gäbe es nach wie vor eine große Erzählung, die als Stabilitätszentrum das politische und kulturelle Geschehen trägt, so gäbe es auch die Möglichkeit zu einer Wende und einem Weiter, durch die Überwindung dieses Stabilitätszentrums.

Der Beleg für meine These ist meiner Meinung nach offensichtlich. Die Radikalität, mit der rechte Dissidenten weit über ihren Einflußsbereich hinausverfolgt werden, deutet klar auf einen ideologischen Fanatismus des Gegners hin. Die immer stärkere Kontrolle der Sprache, immer absurdere Bekenntnisrituale, der scholastische Stil, indem auf den modernen Universitäten immer neue Doktrin entwickelt werden, zeigt: Wir befinden uns in einer Art gottloser Theokratie. Die Kathedrale, wie der Amerikanische Philosoph Curtis Yarvin die kulturelle Hegemonie von links beschreibt, übt eine totalitäre Kontrolle über die Gesellschaft aus.

Diese "geheime Theokratie" manipuliert das gesellschaftliche Klima, verschiebt und bewacht das Overtonfenster. Wenn nötig putscht sie mittels inszenierte Skandale gegen unliebsame Regierungen. Die totale Kontrolle über Bildung und Medien, also die konkurrenzlose Beherrschung des ideologischen Staatsapparats, wirkt mittelbar auch in alle Bereiche der Jurisdiktion und Verwaltung, sodaß wir tatsächlich einem tiefen linken Staat“ gegenüberstehen. Seine Vorgehensweise ist ebenso antidemokratisch wie sein Projekt: die Abschaffung der Völker und des Nationalstaats durch Ersetzungsmigration und Globalisierung.

Die Analyse des status quo allein ist jedoch noch kein Ansatzpunkt zu seiner Überwindung. Sie enthält aber einen entscheidenden Einwand gegen die Resignation. Das Volk ist nicht einfach selbst schuld, noch „wählt es seinen Untergang selbst. Wir befinden uns in einem hochideologischen System der Meinungskontrolle, moralischen Erpressung und brutalen Repression. Unsere Zivilisation stirbt nicht von selbst, sie wird getötet. Kein schicksalshafter Untergangs und keine Ermattung aller Kräfte, sondern die Vollstreckung eines ideologischen Programms führt zu ihrem Ende. Das impliziert: eine andere Zukunft ist denkbar. Damit wäre sie auch möglich. Aber ist sie auch politisch machbar?

Bis zu dieser Frage könnten mir sicher viele folgen. Ihr Einwand mag lauten: Genau dieses System ist derzeit zu stark. Es ist unreformierbar und revolutionsresistent. Statt uns im Kampf dagegen aufzureiben und dabei in tausend pragmatischen Kompromissen anzupassen, sollten wir unser Überleben von ihm unabhängig machen.“ Ich widerspreche dieser Haltung auf zwei Ebenen. Erstens denke ich, daß eine Strategie des Rückzugs in den unpolitischen Raum nicht möglich ist. Zweitens vermute ich, daß dieses System eine entscheidende Schwachstelle hat, die es verwundbar macht.

Wenden wir uns zuerst der Idee zu, man könne durch Rückzug in einen apolitischen Raum das Überleben der ethnokulturellen Identität vom Staat unabhängig machen. Oft werden hier migrantische Parallelgesellschaften als Beispiele vorgebracht. Diese sind in der Regel unpolitisch und fokussieren sich ganz auf den Aufbau autarker Strukturen, die Erziehung ihrer Kinder und die Bewahrung ihrer Identität. Der Staat wird nur als ein Akteur unter vielen wahrgenommen. Man nutzt seine Ressourcen wo es geht und ignoriert ihn so gut wie möglich.

Der Grund, warum diese Strategie für Migranten möglich ist, liegt jedoch in der herrschenden Schuldideologie, die eine Anarchotyrannei hervorgebracht hat. Gegen fremde Parallelgesellschaften, die patriarchalisch, tribalistisch und ethnozentrisch als vormoderne Clans in den Nischen unseres Wohlfahrtsstaates leben, verhält sich der Staat anarchisch, also indifferent, bis verständnisvoll.

Erstens ist nach der Doktrin ihre Lage in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht unsere Schuld, sodaß Straftaten von Migranten, die angeblich notwendigerweise Ergebnis dieses depravierten Milieus sind, ebenfalls auf unsere Kappe gehen. Islamische Terroristen wurden an den Rand gedrängt.“ Gewalttätige Migranten bekamen zu wenig Chancen“.

Zweitens ist die ethnische Fragmentierung der Mehrheitsgesellschaft durch diese Clans ein explizites oder implizites Ziel der derzeitigen Bevölkerungspolitik. Kurz: daß migrantische Paralellgesellschaften existieren, ist Ergebnis des Ethnomasochismus. Dessen Vertreter wollen gar nicht wirklich, daß Fremde sich integrieren, geschweige denn assimilieren, da das die zutiefst völkische Schulderzählung gefährdet. Sie braucht das möglichst exotische Fremde als Objekt der Verehrung und eigenen Erniedrigung und bekämpft daher sogar den sanftesten Verfassungspatriotismus als Nazi-Leitkultur“.

Versuchen konservative Deutsche, eigene Clans, Siedlungskreise, traditionelle Religionsgemeinschaften und Rückzugsorte zu bilden, wird das von der Anarchotryrannei sofort als politischer Akt gewertet und verfolgt. Mit eiserner Brutalität wird jedes Projekt, das sich zeigt, zerschlagen. Der Staat überwacht jeden Zentimeter des deutschen Staatsbodens. Selbst im dichten Schwarzwald kann sich ein Aussteiger nur wenige Tage verstecken. Die Bevölkerungs- und Bildungspolitik der BRD sieht keine patriotischen Enklaven vor und wird diese zu verhindern wissen.

Selbstverständlich könnte kein Staat der Welt Leute davon abhalten, große Familien zu gründen. Doch für die indigene Bevölkerung stellt sich dieses Ziel aufgrund der ideologischen Indoktrinierung, der wirtschaftlichen Situation und der Überfremdung des Schulsystems, notwendig als ein politisches Projekt dar, das einen organisatorischen Aufwand erfordert. Jedes rechte Siedlungsprojekt“ auf deutschem Staatsgebiet ist daher illusorisch und naiv, wenn es hofft, nicht als politischer Akteur verstanden und bekämpft zu werden.

Das einzige was möglich ist, und daher auch laufend passiert, ist der Rückzug ins Private und in den kleinsten Kreis, also die rechte Stadtflucht in die Vereinzelung. Das mag für die Fliehenden funktionieren. Ihre Kinder werden aber zum Studieren und Arbeiten zurück in die "gefallenen" und im Stich gelassenen Städte gehen müssen.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: "Es braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen." Genau dessen Entstehung kann und wird "die Kathedrale" aber nicht zulassen. Jede parallele Strukturen und Enklave müßte also gegen sie erkämpft werden. In ihrem Machtbereich entstehen nur kleinste Rückzugsräume und winzige Privatsphären, deren Spielraum jährlich kleiner wird.

Diese "Strategie" hofft am Ende auf Schonung aufgrund der eigenen Harmlosigkeit und Unsichtbarkeit. Für die herrschende Elite wäre jedoch eine passive Kulturerhaltung und eine alternative Bildungs- und Bevölkerungspolitik in kleinen Enklaven weder verborgen noch harmlos. Nur im Windschatten aktivistischer Kämpfe, die als Schild und Ablenkung den Fokus der Repression auffangen, ist eine solcher Ansatz möglich (und für wichtig für deren Nachhaltigkeit).

Die zweite Hoffnung der Selbstrettung richtete sich jedoch auf eine noch größere Illusion. Sie nimmt den derzeitigen Zustand als eine Art Apokalypse wahr, die so schrecklich und widernatürlich sei, daß sie moralisch und ökonomisch irgendwann von selbst zusammenbrechen müsse.

Auch die These des Akzelerationismus impliziert in einigen Spielarten, daß man einen inhärenten Selbstzerstörungstrend irgendwie beschleunigen könne.

Ich bin in diesem Punkt pessimistischer. Der Status ist eine seltsam stabile Synthese zwischen Rationalismus, Machenschaft und Hedonismus auf der einen und einer  atavistischen Zivilreligion auf der andren Seite. Läßt man unvorhersehbare, formative Ereignissen außen vor, kann meiner Meinung nach mit keinem notwendigen Verfall und keiner unausweichliche Konvergenz der Katastrophen rechnen. Stattdessen naht der große Sabbat, der letzte Mensch und die globale Verhausschweinung in einer globalen, denaturierten, digitalisierten, transhumanistischen Weltgesellschaft.

Das Ende der Geschichte hat in den Zentren der multikulturellen Metropolen bereits begonnen und breitet sich von dort über den Planeten aus. Die Wüste wächst unaufhaltsam. Die Fragen, die Sehnsucht und das Leiden, aus denen neurechter Widerstand erwächst, werden für kommende Generationen einfach unverständlich und irrelevant gemacht.

Worin besteht nun eine strategische Handlungsoption für Kritiker dieser schönen neuen Welt? Ich stimme akzelerationistischen Thesen in einigen Punkten zu.  Es gibt kein Zurück, die Bremse bringt nichts und wir können ebenfalls nicht vom fahrenden Zug abspringen. Ich sehe jedoch, eine entscheidende Schwachstelle, die im ideologischen Kern des Systems liegt. Durch Analyse und gezielten Druck auf diesen Schwachpunkt statt Rückzug in die Unsichtbarkeit, könnte das Unvorhersehbare erneut in die Geschichte eintreten.

Jede revolutionäre Veränderung wächst aus einem Widerspruch zwischen der herrschenden Ideologie und der realen Lage. Sie wird durch die Realität widerlegt und kann eines ihrer Versprechen nicht einlösen. Ihre Metaerzählung kann neue Phänomene nicht erklären und integrieren, und die herrschende Gruppe verliert ihre Legitimation. In der DDR war es z.B, der Widerspruch zwischen der angeblich wissenschaftlichen Überlegenheit des Sozialismus und der real existierenden materiellen Unterlegenheit, die zur weitgehend unpolitischen Wende zur D-Mark führte. Daran wird es heute nicht scheitern.

Das schöne neue Welt verspricht Wohlstand, Sicherheit und Selbstverwirklichung, und in den meisten Fällen hält man dieses Versprechen auch ein. Daß es zu einem ethnischen Bürgerkrieg kommt, daß eine Coronakrise zu einer Freiheitsrevolte“ gegen den Maskenzwang, die Umweltdiktatur" zur Dieselrebellion führt, oder sich verarmte Massen gegen eine reiche Elite erheben, ist nicht absehbar.

Wer auf einen wirtschaftlichen Zusammenbruch, oder eine Explosion des Liberalismus durch soziale Widersprüche wartet, wartet eben darauf, daß die Manager der globalen Waren- und Bevölkerungsströme grobe Fehler begehen. Er hofft auf eine große systematische Krise, oder, wie nicht zuletzt Sieferle, auf die ökologischen Grenzen der technischen Machbarkeit. Zuletzt wartet er auf einen deus ex machina.

Demgegenüber steht die ständige Steigerung der Planbarkeit, Überwachung und Kontrolle zusammen mit dem Wachstum des Konsums, des  Wohlstands, der Produktivkräfte, und der technischen Möglichkeiten. Heidegger fürchtet den wahren „Angriff auf das Leben und das Wesen des Menschen" und die "unheimliche Veränderung" des Lebens, "gerade wenn die Wasserstoffbombe nicht explodiert und das Leben des Menschen auf der Erde erhalten bleibt."

Es wäre also töricht das Gestell da übertreffen zu wollen wo es glänzt und triumphiert. In einem entscheidenden Punkt steht das System jedoch grellem Widerspruch zu seinen eigenen Versprechungen, ja es lügt uns offen und dreist ins Gesicht. Die Behauptung, dass wir in einer funktionalen Demokratie leben und ergebnisoffen die Zukunft unseres Volkes bestimmen könnten, ist offenkundig falsch. Die Behauptung, daß wir in einem freien Diskurs einen politischen Willen bilden könnten, der sich in freien Wahlen manifestiert, ist gelogen. Das System verspricht zwar Freiheit, doch was es uns anbietet, ist Konsumfreiheit.

Die Demokratie, untrennbar mit der Idee eines Nationalstaates und der Identitäten Frage nach dem Volk als Abstimmungsgemeinschaft verbunden, ist ein unverzichtbarer Teil der modernen Metaerzählung. Sie steht in krassem Widerspruch zur Zivilreligion der Schuld und dem Geist der Rache, der den ideologischen Kern unserer Gesellschaft bildet. Eine komplexe Meinungskontrolle kaschiert diesen Bruch und versteckt diese geistige Sprengladung, auf die der Status Quo aufbaut.

Demokratie ist die in der der Moderne alternativlose Legitimation für politische Macht. Sie impliziert einen gewissen Relativismus, der mit der Unrelativierbarkeit der herrrschenden Ideologie nicht vereinbar ist. Freie Meinungsbildung ist eine Basis dieses Systems.

Daß tatsächlich eine undemokratische Ideologie den Westen beherrscht und als globalistische Metaerzählung seine Zukunft längst vorweggenommen hat, ist mit der demokratischen Metaerzählung unvereinbar. Beide ringen hinter den Kulissen stumm miteinander. Ihr Widerspruch bleibt solange unsichtbar, wie die Masse dank medialer Meinungskontrolle das wählt, was für sie vorgesehen ist.

Abweichende Entscheidungen wie der Brexit, das „Nein" zum UN-Pakt und das „Ja“ zu Trump werden als Systemfehler und „Irrtümer“ gewertet, die durch „Aufklärung“, sprich Propaganda, wiedergutgemacht werden müssen. Hier gerät das System in Erklärungsnot. Demokratische Metaerzählung und der linksliberale Universalismus, Nationalstaat und Globalisierung verkeilen sich die innere Wahrheit des Systems wird sichtbar: wir leben in einer Demokratiesimulation.

Anders als im Mittelalter, wo sich Katholische Theologie und Monarchie harmonisch ineinander fügte, weist die moderne Konstellation eine Unverträglichkeit auf. Die demokratische Legitimation der politischen Macht, steht in unheilbaren Widerspruch zum moralisch-religiösen Zentrum des Schulduniversalismus.

Dieser Widerspruch ist den Herrschenden ebenso bewußt wie peinlich, weswegen sie alles tun, um ihn zu verbergen. Im „Kampf gegen rechts“ wird dieser Widerspruch sichtbar. Die „Demokratiesimulation“ zeigt sich primär am „unverdaulichen“ rechten Widerstand, dessen Ideen vom System nicht zu kommerzialisieren und zu reterritorialisieren sind.  Ihre, oft unbewusste Strategie besteht darin, durch die Methoden der Zersetzung offene Repression unnötig machen.

Immer größere Anstrengungen werden daher in Zensur, wirtschaftliche Vernichtung, Deplatforming und niederschwelligen Terrorismus gesteckt. Das Bestreben der Machthaber geht dahin, die faktische Entmachtung des Nationalstaats und die Kontrolle der demokratischen Wahlergebnisse durch Meinungsmache, Zensur, linken Terror und Zersetzung nicht sichtbar zu machen.

Dieser Widerspruch zwischen dem Versprechen der Freiheit und der effektiven Unfreiheit, in der wir uns befinden, ist zunächst eine abstrakte und idealistische“ Schwachstelle. Nie waren die Verlockung der hedonistischen Anonymität größer, und nie war die Repression sanfter. Jeder kann die scheinbar sinnlose Front des aktiven Widerstands sofort verlassen, um sich in eine Literatenklause und eine subkulturelle Nische zurückzuziehen, oder als digital nomadin die globalisierte Erlebniswelt aufzubrechen.

Das System verzeiht und nimmt den Dissidenten mit offenen Armen wieder auf. Es kann ihn so unsichtbar machen und verbergen, doch es kann den entscheidenden Widerspruch niemals leugnen. Wir leben in einer totalitären Struktur, die so tut als wäre sie eine Demokratie. Wir leben in der Kathedraleeiner radikalen ideologischen Doktrin, die uns gleichzeitig Meinungsfreiheit simuliert.

Zusammengefaßt ist der Widerspruch zwischen der demokratischer und der universalistischen Metaerzählung, die derzeit koexistieren, die ideologische Schwachstelle des System. Er zeigt sich politisch in allen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Problemen der Migrationskrise und des Bevölkerungsaustauschs. Er entzündet sich schließlich am "Kampf gegen Rechts", durch den universalistisch doktrinäre Repression und Demokratiesimulation offen in Widerspruch treten.

Meine These, die ich "Repressionsakzelerationismus" nennen will, ist, daß man diesen Widerspruch verstärken und damit die herrschende Ideologie direkt angreifen und "geistig hochjagen" könnte.

Jede Verschiebung des Overton Fensters nach Rechts wird von diesem System, das ich an anderer Stelle "Sanfter Totalitarismus" nannte, verhindert. Dort wo rechte Parteien erfolgreich sind, werden sie metapolitisch vernichtet. Dort wo rechte Metapolitik erfolgreich ist, greifen die Methoden der Zersetzung, des Terrors und zuletzt die juristische Repression. Genau die will man aber klein und unsichtbar halten. Denn ebenso wie in der DDR, sozialistische Überlegenheit und Armut nicht koexistieren konnten, so schließen sich Demokratie und Repression aus.

Das System hat wie ein Rechner nur begrenzten Arbeitsspeicher, dem es nicht gleichzeitig "Demokratiesimulation.exe" und "Repression.exe" zuführen kann. Je mehr Kapazität letzterer Prozess fordert, desto schwächer wird der erste!

Meine These ist, dass die unnatürliche Allianz zwischen Demokratiesimulation nur eine gewisse Intensität an offener Repression aushalten, ohne in einen untragbaren Widerspruch zu kippen und offen totalitär werden zu müssen. Die fanatischen Elemente der Gegenseite wäre hier die "besten Mitspieler". Sie sind längst zur völligen Eskalation und Entlarvung der Repression bereit. Sie zerren wütend an den letzten Fesseln des Rechtsstaats und betreiben seit Jahren die völlige Enthumanisierung des politischen Gegners. Daß sie dabei die Demokratiesimulation zerstören und dem bestehenden System seine Legitimation rauben würden, ist ihnen entweder nicht bewußt oder völlig egal.

Ziel könnte es also sein, das falsche Versprechen der Demokratie und Meinungsfreiheit zu entlarven, indem man sie konsequent und effektiv einfordert. Sollte beim Gegner ein Umdenken stattfinden und er seine ideologische Hegemonie freiwillig aufgeben, würde das den Repressionsakzelerationismus obsolet machen. Nicht jede Repression steigert die Widersprüche und schwächt den sanften Totalitarismus.

Nur wenn wie vor einem großen Publikum, das mit dem Grund für die Bestrafung und dem Opfer der Repression sympathisiert, stattfindert, schadet sie der Demokratiesimulation. Die schlimmsten Rechtsbrüche und Grausamkeiten, die unbeachtet gegen isolierte kleine Gruppen geschehen, sind völlig folgenlos. Der Repressionsakzelerationismus ist keine „moralische Frage “, sondern eine Frage der Öffentlichkeit und Kommunikation. Der bestehende Widerspruch im Systems ist völlig unerheblich, wenn er nicht sichtbar und damit unübersehbar gemacht wird.

Der Weg führt also durch die Repression hindurch. Alles was sie auslöst, gleichzeitig aber nicht rechtfertigt, also alles, was die Machthaber nötigt, den Rahmen des "Extremismus" immer weiter und weiter zu fassen, ist akzelerationistisch und revolutionär.

Die Formel dazu lautet: maximale Verstärkung des kritischen Minimums. (Ich sehe diesen in der Ablehnung des Bevölkerungsaustauschs). Eine möglichst große Masse, die den kleinstmöglichen unverträglichen Kritikpunkt besetzt, stellt das ultimative Problem für eine Demokratiesimulation dar.

Diese kontrollierte und anschlußfähige Provokation erfordert einen hohen Organisationsgrad, verbale Disziplin und planmäßiges Vorgehen. Die Organisation des kritischen Potentials stellt insofern die ultimative Form einer systematischen metapolitischen Akzeleration dar. Die destabilisierende Schleife, die in das System eingebaut werden muß, ist eine organisierte Struktur, die durch ständige anschlußfähige Provokation einerseits ihren Wirkungsgrad und ihre Ressourcen, und andererseits die nötige offene Repression der herrschenden Ideologie maximiert.

Diese Repression der Ideologen untergräbt die Autorität der demokratischen Metaerzählung, welche die einzige breit akzeptierte Legitimation von politischer Macht darstellt. Die Einforderung der Demokratie und des Rechtsstaats würde sich also gegen die herrschende Ideologie und den Schulduniversalismus richten. Eine Destabilisierung ihrer ungesunden Allianz würde beide Metaerzählungen gegeneinander prallen lassen. Die "demokratische Desertion" einiger Systemträger, wie z.B. Hans Georg Maaßen, ist ein Vorgehen dieses ideengeschichtlichen Bruchs, den man aktiv herbeiführen könnte.

Die offene Repression der Machthaber stellt dabei direkt den metapolitischen Boden dar, den eine rechte Bewegung eigentlich gewonnen hätte, wenn sie eine effektive, kontrollierte und nachhaltige Provokationssstrategie betreibt. Der vorpolitische Machtgewinn wird jedoch mit antidemokratischen Mitteln verunmöglicht. Daran nicht zu verzweifeln, sich nicht zu radikalisieren, sondern entschlossen und unbeirrt von der Repression weiterzuarbeiten ist der Appell dieser Strategie.

Da, wo sich das Overtonfenster nicht verschieben läßt und künstlich stabilisiert wird, muß das System offen totalitär auftreten und in inneren Widerspruch geraten. Provokant gesprochen könnte das Ziel dieser Strategie sein, daß nicht nur ein identitärer Volksbegriff, sondern jede Migrationskritik, ja jede Forderung nach Integration und am Ende der gesamte rechte Flügel der CDU als „extrem“ und verfassungswidrig“ gebrandmarkt wäre. 

Daß überhaupt friedliche patriotische Parteien und Bewegungen existieren, ist dem System ein Dorn im Auge. Wir müssen dafür sorgen, daß dieser Dorn so schmerzhaft wie möglich wird, indem wir so sichtbar, nachhaltig und intensiv wie möglich die antidemokratischen Diskursregeln brechen.

Was würde entstehen, wenn das System offen repressiv würde, und die scheinbare Duldung der unverdaulichen rechten Kritik beenden würde? Das weiß ich nicht. Im besten Fall eine offenere, und damit besser bekämpfbare, sprich fragile Version dieser "geheimen Theokratie".

Doch ich weiß mit Sicherheit, was geschieht, wenn alles weitergeht wie bisher und jeder, der diesen Text liest, weiß es auch. Seine Frage lautete: „Gibt es eine strategische Handlungsoption für das rechte Lager?“ Nach einer Kritik einer passiven Selbstrettung und Enklavenbildung habe ich mit der Repressionsakzeleration eine mögliche Strategie umrissen. Sie kann von Partei, Gegenöffentlichkeit und Bewegung in einer fachlich getrennten aber koordinierten Zusammenarbeit betrieben werden, indem sie Schritt für Schritt den Rahmen des Sagbaren austestet, sich Provokation für Provokation vortastet und dabei die antidemokratischen Exzesse des Gegners nicht fürchtet, sondern herausfordert.

Diese Strategie ergänzt den neurechten metapolitischen Aktivismus insofern, als sie in der Repression nicht dessen Scheitern, sondern dessen Bestätigung erkennt. Die These, dass wir uns in einem sanften Totalitarismus befinden, wurde in den letzten 5 Jahren von antidemokratischen Repression gegen AfD und das neurechten Vorfeld, ebenso wie durch die "Flüchtlingspolitik" eindrucksvoll bestätigt. Die demokratische Metaerzählung wurde in einem "Moralputsch" offen deklassiert.

Die Maske der Demokratiesimulation ist bereits verrutscht. Es liegt in unserem Macht- und Möglichkeitsbereich weiter an ihr zu ziehen.
Ziel der Repression des Gegners war und ist es, die bestehenden idealistischen, weltanschaulich geerdeten rechten Kräfte in eine Spirale aus Resignation, Radikalisierung und Selbstmarginalisierung zu treiben.

Die opportunistischen ideologiebefreiten Rechten, die meist als "2015er" in der Migrationskrise politisiert wurden hingegen sollen gleichzeitig die Distanzierungs- und Abgrenzungsfalle gelockt werden. Der Repressionsakzelerationismus kann die willigen Kräfte aus dem gemäßigten und dem radikalen Lager zu einer gemeinsamen Strategie vereinen. Das rechte Lager muss  so moderat wie möglich und so radikal wie nötig, für uns nachhaltig und tragbar, für den Gegner aber unerträglich sein.

Der "Repressionsakzelerationismus" erkennt auch ohne jede Illusion, dass es sich hier um eine "historische Charakterprüfung" handelt. Der Widerspruch des Systems ist abstrakt. Das Leiden an ihm geistiger und ästhetischer Natur. Kein materieller Druck, keine Einschränkung der persönlichen Selbstverwirklichung“ treibt Menschen heute in den Widerstand. Es ist der Ekel vor der der "Clownwelt", die Begeisterung für eine Idee und die Unfähigkeit, mit der Lüge zu leben. An diese idealistischen Widerstand wird sich letztlich auch zeigen, ob in diesem Volk noch genügend Wille zu einem "Volk-Sein" lebt.

Wer die Heuchelei erträgt, fügt sich ein, wird unsichtbar und verträglich. Widerstand leisten diejenigen, in denen der Ekel vor dieser Lebenslüge gegen die Sehnsucht nach dem anonymen Glück überwiegt. Ob sie sich selbst von primitivem Haß und militanten Rachephantasien leiten lassen, oder beharrlich an einem zielorientierten und ehrenhaften Weg festhalten, ist die zweite große Charakterscheide. Wenn die dissidente Kraft gezielt organisiert, von altrechten Extremismen, existenzialistischen Spielereien und militantem Wahn gereinigt, auf das Schwerezentrum des Gegners konzentriert würde, könnte sie entscheidende Prozesse radikal beschleunigen.

Der Repressionsakzelerationist will keine herostratische Selbstopferung. Er kalkuliert und klar und präzise und agiert nur dann wenn er damit das eigene Lager stärkt und den Gegner entlarvt. Er will kein Bremseziehen und kein Zurück zum status quo ante. Er vertraut nicht naiv auf Rechtsstaatlichkeit und die Fairneß des Gegners, fordert sie aber dennoch ein. Er ist bereit zum Diskurs, wenn der Gegner bereit zur Meinungsfreiheit ist. Solange der "Diskurs" jedoch das Grundrauschen einer, immer schlechter kaschierten, Demokratiesimulation ist, ist die Maxime seine Beendigung als Konsensform.

Der Repressionsakzelerationist er will keine "Beruhigung" der Lage, und er will kein "Ende der Repression", sofern das eine Schonung durch antidemokratischen Eliten bedeutet. Er will ihnen die Waffe des Unrechts aus der Hand schlagen. Er verführt, verleitet und nötigt sie zur Selbstentlarvung und hört nicht auf, bis sie ihm jede Möglichkeit zum Widerstand nehmen. Er radikalisiert sich nicht, sondern zwingt den Gegner sich zu radikalisieren. Er gönnt ihm keinen objektiven Grund zur Rechtfertigung der Repression. Sein Weg führt nicht weg von ihr, sondern in sie hinein, durch sie hindurch und über sie hinaus.


Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.


Kommentare (60)

Rheinlaender

22. Oktober 2020 11:20

Der von Herrn Sellner vorgenommene Religionsvergleich passt m.E. nicht. Eine Religion hätte eine Vorstellung von Transzendenz, auf die eine Kultur oder ein Gemeinwesen hinwachsen soll. Der von ihm beschriebene geistige Komplex ist hingegen zutiefst nihilistisch und strebt nach Auflösung aller kulturellen Bestände und aller Bindungen. Im Zentrum dieses Komplexes steht nichts Transzendentes, sondern das Chaos, weshalb man ihn als Ausdruck einer Antireligion, jedoch nicht als Religion beschreiben kann. Man wird im Gegenteil mit Problemen dieser Art nur mit religiösen Mitteln fertig bzw. kann sie überhaupt nur auf diesem Weg richtig erfassen. 

tearjerker

22. Oktober 2020 11:49

Guter Text. Ich gehe zwar wie schon im ersten Beitrag nicht mit der Idee des Belagerers mit, halte ein Go-with-the-flow aber für geboten. Wer immer gegen den Strom schwimmt, säuft früher oder später ab und selbst „Revolutionäre“ sollen sich ja bekanntlich wie der Fisch im Wasser bewegen. Die Schilderung des Druckes von oben gibt die Realität wieder. Trotzdem sind die Reihen des Gegners löchrig wie ein Schweizer. Es gilt die Strategie den beschränkten Möglichkeiten anzupassen und über gesellschaftliche Theorie hinaus einmal genau zu analysieren, wer die eigenen Verbündeten sind und wo die Schwächen des Gegners liegen. Aber nicht hier.

Der_Juergen

22. Oktober 2020 11:57

Dieser Artikel ist noch grossartiger als der vorhergehende von Martin Sellner, enthält aber meiner Meinung nach zwei oder drei anfechtbare Punkte. Zum Deus ex machina, auf den man laut Sellner nicht hoffen sollte, könnte sich tatsächlich Donald Trump entwickeln, sofern er, was wahrscheinlich ist, die Wahlen gewinnt und, was immerhin möglich ist, auch tatsächlich an der Macht bleibt. Dann kann er, da er keinen Gedanken an seine Wiederwahl mehr verschwenden muss, durchgreifen und in entscheidenden Punkten Klartext sprechen, Ohne an den mythischen "QAnon" zu glauben, bin ich zuversichtlich, dass er dies tun wird, und sei es nur, um die mittlerweile bolschewistische Demokratische Partei zu zerstören.

Optimistischer als Sellner bin ich auch in Bezug auf die Corona-Entwicklung. Das System, das offenbar einen zweiten Shutdown plant, pokert hoch, vielleicht zu hoch. Wenn viele Millionen Deutsche in bittere Armut gestossen werden - und dies kann innerhalb eines Jahres oder noch rascher gestehen - wird sich der Unmut entladen. Ob die Polizei und die Bundeswehr dann bereit sein werden, die Unruhen in Blut zu ersticken, bleibt abzuwarten.

 

sok

22. Oktober 2020 11:59

Die Überlegungen von Martin Sellner sind goldrichtig und überzeugend. Meiner Ansicht nach beruht sein Vorschlag auf seiner Lebenserfahrung.

Wenn man als langjähriges Mitglied der SPD eine andere Lebenserfahrung hat, ist ein anderer Vorschlag naheliegender. Man könnte die Zerstörung der SPD durch die Verfassungspatrioten zum Thema machen. Die Verfassungspatrioten haben die SPD unterwandert. Je stärker man die Nazikeule schwingt, desto besser kann man seinen Verfassungspatriotismus nachweisen. Wenn man die Leute an die Spitze wählt, die die Nazikeule am stärksten schwingen, dann sind die größten Flaschen am stärksten motiviert, die Nazikeule zu schwingen. Die SPD wird damit zum Flaschenaufzug.

Dass die SPD zerstört wurde, ist kaum umstritten. Bestritten wird natürlich, dass die Verfassungspatrioten die SPD zerstört haben. Wenn die AfD dies deutlich machen würde, könnte sie die Meinungsführerschaft auf diesem Gebiet übernehmen. Der SPD würde auch ein Führungswechsel nichts  helfen. Sie müssten ihre Mitglieder auswechseln, was nicht so schnell geht.

Maiordomus

22. Oktober 2020 12:01

 

Das Beste am Artikel ist der Hinweis auf die Zivilreligion; es muss klar gemacht werden, dass z.B. die Grenzen des "theologisch" Sagbaren, wie sie um 1320 von Meister Eckhart getestet wurden, beim heutigen Schuldkultglauben sogar enger sind. Die Denunzierung der Zivilreligion und zumal der Gendersprache als Religion muss wiederholt werden, bis klar ist, dass dies eigentlich der wahre "Islam" bzw. die Letztgültigkeit beanspruchende zivilreligiöse Dogmatik von heute ist.

(...) Einige Abschnitte sind strategisches Fach-Chinesisch, an die Wortwahl der 68er zu ihrer Widerstandszeit erinnernd, wobei aber die 68er damals ihre Verbündeten in der veröffentlichten Meinung und im metapolitischen Kultur- und Geisteskuchen hatten; insofern charakterisiert Sellner die Situation der rechten Widerständler als verzweifelt, schildert die naheliegenden Nischen der Resignation. Glaubwürdig ist der Appell, die Nerven nicht zu verlieren. Klar muss man aber bei Wortwahl und Positionsbezügen Flagge zeigen, gerade weil der Gegner deshalb die Repression systematisch "akzelerieren" muss; eine Strategie, die abermals an die 68er erinnert.

MARCEL

22. Oktober 2020 13:28

Erinnert ein wenig an die spanische Corrida, den Stierkampf. Der Matador reizt und erschöpft den Stier immer weiter, bis er punktgenau zustechen kann.

Die beschriebene Strategie ist nachvollziehbar, verlangt natürlich nach Charakteren, die sich "dem Stier" immer wieder aussetzen. Es verlangt übrigens auch nach einem Publikum, das wahrnehmen kann. Freiwillige vor?

Daneben ist für mich klar: Rückzug in Reservate ist (uneingestanden) fehlende Kampfbereitschaft, offener Angriff ist töricht und ein Geschenk ans System (wir wären dann der Stier, um im Bild zu bleiben), Untergrund ist ohne Langzeitperspektive, straffe Disziplin und fester Überzeugung nicht durchzuhalten. So weit so gut oder so schlecht.

(Ein signifikantes Detail: Geheimdienste arbeiten bekanntlich mit der Suggestion der Allwissenheit und Omnipräsenz. Das gehört zur Systempropaganda und soll in die Paranoia treiben)

Gleichwohl glaube ich: Wir machen uns über das Gewaltpotential multi-kultureller Gesellschaften immer noch keine Vorstellungen. Der aktuelle Hauptfeind, das System, ist in Wahrheit längst "Söldner" dieser Gruppen, die immer stärker werden. Dieser Feind wird von alleine fallen. Dann stehen wir diesem offen gegenüber.

Bürgerliche Denk- und Reaktionsweisen (oder auch Strategie-Spiele) haben sich angesichts von Halal-Messern erledigt.

 

 

Pit

22. Oktober 2020 13:46

Zu diesem unfaßlich großartigen Text von M. Sellner will ich auf die Schnelle dennoch zunüchst nur dies sagen:

warum sollte es glaubwürdig sein, daß "Rechte" Demokratie einfordern?

Ich meine: wer glaubt sowas? Welcher Nicht-Rechte wird sich sagen... hmm ach so... die Rechten wollen also, daß wirklich Demokratie sein möge und nicht nur Scheindemokratie... ja da schließ ich mich doch mal den Rechten an, wo die so für Demokratie sind: wer glaubt so was?

Ich habe hier beliebig oft die Frage gestellt: ist "rechts" für Freiheit? "Rechts" bekundet durchgängig, daß Autoritarismus, vielleicht Monarchie, wünschenswert wären.
Am Abend werden die Faulen fleißig. Wenn man Autoritarismus am eigenen Leibe spürt, ist er doch nicht so klasse?
Was hat M. Sellner davon, für echte statt Schein-Demokratie zu kämpfen, wenn völlig fraglich ist, ob "rechts" Interesse an Demokratie hat?

Monika

22. Oktober 2020 14:34

Ziemlich verschwurbelter, kopflastiger Text. Die Realität ist doch viel banaler: Die meisten Menschen gehen dahin, wo es ihnen materiell besser geht und sie mehr materielle Freiheiten ( Reisen, Konsum, Sex) haben. Also in westlich-liberale Gesellschaften. Sind die Grenzen offen, bzw.  nicht geschützt, kommen eben mehr Menschen. Nur der „antifaschistische Schutzwall“ verhinderte seinerzeit eine Massenabwanderung aus der DDR. Ideelle Werte treiben vermutlich die wenigsten an ( vielleicht 5 Prozent einer Population). Die Zivilreligion i s t die Konsumreligion. Die  meisten Moslems sind auch nicht religiöser als die übrige Bevölkerung in Deutschland. Der Islam wird lediglich machtpolitisch benutzt.Das funktioniert beim Christentum nicht mehr. Religion des Ethnomasoschismus ? Was soll das sein außer einer Zerfallserscheinung, ein Nebenprodukt des Konsumismus. Die  ideologische Trennung verläuft heute nicht mehr zwischen Staaten, sondern zwischen armen und reichen Ländern. Und da benutzen die Armen eben die Ideologie vom bösen, weißen Mann, um sich Vorteile zu verschaffen. Da meldet sich sofort das schlechte Gewissen der bisher Privilegierten. Das theoretische ( politische) Problem ist die Gerechtigkeit. Da sehr ich bisher keine Lösungen. 

brueckenbauer

22. Oktober 2020 14:37

Erinnert an linke Studenten nach 1968, die den repressiven Charakter des Systems entlarven und ihm die liberaldemokratische Maske abziehen wollten.

Wie das Beispiel zeigt: Auf die Schnelle funktioniert so etwas nicht. Aber auf Dauer ist in der DDR etwas Ähnliches passiert: Die Leute waren es einfach müde, immer wieder die "großen Erzählungen" aufgetischt zu bekommen und in einer Wirklichkeit zu leben, die damit keine Ähnlichkeit hatte.

Meine Meinung ist einfach: Jede Art von Widerstand ist richtig, der über mehr als zehn Jahre durchgehalten werden kann. "Wer spricht von Siegen/Überstehn ist alles." Es geht also um Überlebenspolitik: Vorhalten, was man braucht, um physische Anschläge, wirtschaftliche Existenzvernichtung, suizidale psychokulturelle Entzugserscheinungen usw. zu überleben. Das ist noch nicht so ausgearbeitet, wie ich es mir wünschen würde.

starhemberg

22. Oktober 2020 14:39

Ich finde diese Theorie in so manchen Teilen durchaus konstruktiv. Allerdings geht selbige meines Erachtens an einem entscheidenden Punkt vollkommen vorbei - der absolut überwiegende Teil potentieller Wähler interessiert sich nicht für Politik. Wohl weniger als 10%, eher 5% der potentiellen Wähler sind politikinteressiert bis politikbegeistert. Es ist vor allem ein unglaubliches Unwissen, gepaart mit einer nicht minder unglaublichen, fett-trägen Ignoranz, welche diese absolute Mehrheit auszeichnen, und ein paar Wochen vor der nächsten Wahl guckt man kurz, welcher Kandidat "sympathisch" erscheint und welche Sprüche auf welchen Plakaten man möglicherweise gut findet. Dann wird gewählt. That's it (Huch! Anglizismen). Es ist daher meines Erachtens die allerwichtigste strategische Frage, auf welche leicht erklärbaren und oftmals auch banalen Themen sich alle rechten Kräfte ohne Unterscheidung einigen können. Und diese sind dann ununterbrochen, von früh bis spät zu trommeln, wenn nötig jahrelang. Immer und immer und immer wieder. Das ist die große Strategie, so finde ich, Martin Sellners Überlegungen sind dabei eher die begleitende Guerillataktik für die Minderheit der tatsächlich an Politik Interessierten. 

Gotlandfahrer

22. Oktober 2020 14:47

Verehrter MS, die Dringlichkeit Ihrer Antwort auf die Grundsatzfrage, die ich mit „und nu?“ zusammenfasse, korrespondiert zwar mit dem zügigen Lektorat des Textes, sie ist aber zu wichtig, als dass ich unbemerkt lassen möchte, wie deutlich hinter Ihrer sonstigen Brillanz dieser Beitrag zurückbleibt. Das können Sie besser, wenn ich mir diese Kritik erlauben darf.  Es liegen viele Behauptungen vor, ohne hier schon als „Common Sense“ gelten zu müssen.  Z.B.: „Das Ende der Geschichte hat in den … multikulturellen Metropolen bereits begonnen...“ Wo sehen Sie das Ende der Geschichte in New York, London, Paris und Berlin?  Hat da nicht eine neue Runde begonnen?  Oder: „Die Fragen … aus denen neurechter Widerstand erwächst, werden für kommende Generationen einfach … irrelevant gemacht.“  Ist es nicht gerade so, dass diese Fragen immer bedeutsamer gemacht werden?

Nun will ich nicht mit dem Prinzip der hermeneutischen Billigkeit brechen (dazu ein wunderbarer Artikel in der NZZ, von allein käme ich nicht auf so tolle Begriffe, hier: https://www.nzz.ch/meinung/fakten-gecheckt-diskussion-vertagt-ld.1578568), aber es hätte die Sache vereinfacht, wenn der Beitrag nicht mit Falsifikationsverlockungen gespickt wäre. Ihre Analysen sind mir zu viel wert, als dass ich mich nicht noch einmal dazu melden würde, nachdem ich diese für mich durchsortiert habe.

Monika

22. Oktober 2020 14:50

Zur Akzeleration

“Jede Veränderung erwächst aus den Widerspruch zwischen herrschender Ideologie und realer Lage“. Das stimmt.

Die herrschende Ideologie heißt Multikulti, bunt, divers, weltoffen usw. Welche Form der Akzeleration ( Beschleunigung der Selbstzerstörung) bringt diese Ideologie ins Wanken? Muss erst jeder einen kennen,  der abgestochen wurde ? Oder eine unangenehme Begegnung haben ?  Oder die Vergewaltigung seiner Tochter oder Frau erleiden ? Wann ist ein Rückzug ins Private nicht mehr möglich? Und was folgt dann ? Mir scheint, dass Menschen sehr viel ertragen und verdrängen können, bis sie zur Tat schreiten.

Nicht zu vergessen! Wie erleben eigentlich die Neubürger und Einwanderer ihre Situation? Als Gewinn oder Verlust? Da fehlen m. E. neutrale Untersuchungen. 

 

quarz

22. Oktober 2020 15:39

@Monika

"Wie erleben eigentlich die Neubürger und Einwanderer ihre Situation? Als Gewinn oder Verlust? Da fehlen m. E. neutrale Untersuchungen."

Die gibt es schon. Beispielsweise gibt es in Multikulti-Umgebungen nachweislich deutlich mehr Geisteskrankheiten. Das trifft Einwanderer sogar noch stärker als Einheimische. Insofern steckt in den reflexartigen Psychopathologisierungen von islamischen Attentätern sogar ein Körnchen Wahrheit. Außerdem ist empirisch belegt, dass Menschen in religiös diversen Umgebungen unglücklicher sind.

Beowulf

22. Oktober 2020 16:21

Sehr interessanter Artikel, der viele Punkte für eine Diskussion liefert. Mir gefällt besonders der Hinweis, dass wir keineswegs in einer ideologiefreien Gesellschaft leben. Wobei ich die Fokussierung  auf die Zivilreligion des Ethnomasochismus eher kritisch sehe. Diese scheint mir nur eine Folge des universalistischen Liberalismus zu sein und nicht die Ursache.

Rationalität und Ideologie schließen sich auch in der Moderne nicht wechselseitig aus. Rationalität beschreibt wie ein Ziel erreicht werden soll, welches Ziel aber gesetzt wird fällt in die Sphäre der Ideologie und Werte.

Den Erfolg eines "Repressionsakzelerationismus" sehe ich nicht so positiv wie Sellner. Die Strategie der Bevölkerung die Diskrepanz zwischen demokratischen Werten und tatsächlicher "Demokratiesimulation" aufzuzeigen und verstärken muss m. E. nicht zu einem Legitimitätsverlust des aktuellen politischen Systems führen.

Ein politische Systeme ist ja nicht einfach deshalb stabil, weil es besonders demokratisch ist, sondern weil es die Bedürfnissbefriedigung der Gesellschaftsmitglieder im ausreichenden Maße ermöglicht und/oder keine praktikablen Alternativen bestehen. Auch bei zunehmender Repression gegen rechts und einem größeren Spagat zwischen demokratischen Werten und ihrer Umsetzung, muss nicht zu einer allgemeinen Abnahme der Legitimität führen.

Volksdeutscher

22. Oktober 2020 16:30

@Martin Sellner

Ethnomasochismus: mag sein, daß er von der Politik und den ihr treuen Medien propagiert wird, dürfte er nach meiner Einschätzung jedoch auf wenig Zustimmung in breiten Bevölkerungsschichten stoßen.

Geist der Rache: es müßte ausgesprochen werden, wer bzw. welche Kräfte hinter ihm stehen. Ist des Feindes Name unaussprechbar, ist er mit einem Tabu verhängt, hat er auch keinen Anlaß zu verteidigen. Man kann nicht gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen, während man sich zeigt, es sei denn man spielt Don Quichote. Symmetrie in den benutzten Waffen ist unerläßlich. Hier spätestens zeigen sich die Grenzen des verbalen Disziplins.

Was ich im Text vermißte, ist das Volk als Subjekt der Geschichte und des politischen Geschehens. Es geht im wirklichen Leben auch nicht nur um die Auseinandersetzung zweier politischen Akteure, nicht wahr? Wer kann die Rechnung ohne das Volk machen? Es kommt in obigen Überlegungen einfach nicht vor. Das Volk mit seinen möglichen Reaktionen wird nicht in die politischen Auseinandersetzungen und Handlungen mit einbezogen. Zugegeben: des Volkes Reaktionen sind schwer zu kalkulieren und vorauszusagen. Nichts desto trotz, nur um es geht es in Wirklichkeit, sowohl in soziologischem als auch antropologischem Sinne.

 

 

Volksdeutscher

22. Oktober 2020 16:46

@Der_Jürgen

Was die Corona-Hysterie anbelangt, gibt es Neuigkeiten, villeicht kennen Sie dieses Video noch nicht. Sollte diese Massenklage gegen die Bundesregierung, die WHO und Dr. Drosten über Kanada oder die USA Erfolg haben, könnten auch die Bürgerproteste und auch das rechte Lager mit seinen Veranstaltungen bald einen großen Schritt nach vorne tun, denn das Grundgesetz aushebelnde Verordnung zur Maskentragung wäre damit obsolet. Das würde eine neue Situation schaffen und weitere Schritte eröffnen....

https://www.youtube.com/watch?v=yKRhAs-qm6I

 

Christian

22. Oktober 2020 17:13

Interessanter Text, weitgehende Zustimmung, ein paar Anmerkungen:

(1) Apropos angesprochener "unheilbarer Widerspruch" zwischen "demokratischer Legitimation" und quasi-"religiös-moralischem Zentrum" --> solange dieser nur ein paar philosophisch Veranlagte stört, können Machthaber damit leben; ein intellektueller Zirkel zur Deutung der geistigen Situation der Zeit ist eben keine populistische Massenbewegung - DEREN Überlegungen müßten (wenn die Verhältnisse das erlaubten) selbst in Richtung Propaganda und Massensuggestion gehen. Es gilt also zu unterscheiden zwischen prinzipiellen philosophischen Erwägungen und jenen Einschätzungen, die das angesichts des die meisten Gemüter beherrschenden Denkens und Fühlens praktisch Mögliche betreffen.

Apropos "Radikalisierung" - der Theorie nach sollte ein Philosoph ja alles in Frage stellen dürfen - welche Freiheit gestattet man sich gedanklich und welche Freiheit sollte man sich praktisch herausnehmen? Wenn man in einem fiktiven Staat einer fiktiven Zeit den dort herrschenden Götzen relativierte, um dann niedergebrüllt und als "Leugner" hinter Gitter gesteckt zu werden ...

Apropos "altrechte Extremismen" - in dem Moment, wo man das theoretisch genauer definieren will, kann man ein praktisches Problem bekommen.

Christian

22. Oktober 2020 17:22

(2) Apropos Sieferles Annahme, daß das Zentrum der Gesellschaft nicht ideologischer Natur sei --> das ist ebenso absurd wie weiland Fukuyamas Illusion vom "Ende der Geschichte" - derartige Aussagen zeigen, wie sehr das jeweils herrschende Denksystem verinnerlicht ist und für die Wahrheit selbst gehalten wird.
(in obigem Artikel wurde der Begriff wohl nicht im gleichen Sinne und mit gleicher Ausschließlichkeit verwendet)

Apropos "alternativlose Legitimation" --> Das BANNER auf dem "Demokratie" draufsteht ist die "alternativlose Legitimation". In (übrigens recht interessanten) Essays von DDR-Literaturwissenschaftlern las ich von "konsequent demokratischen Kräften" und den "dem Fortschritt dienenden Kräften" etc., womit (mit offenbar ehrlich gemeinter völliger Selbstverständlichkeit) die marxistischen Sozialisten gemeint waren (4 Jahre vor dem Zusammenbruch des Ostblocks).

Gesetzt den Fall es gäbe irgendwo und irgendwann ein Volk, das besiegt und besetzt wird - und von einer Reihe Parteien jene auswählen darf, welche die externen Vorgaben umsetzen, derweil Parteien, die die externen Vorgaben prinzipiell ablehnen, als undemokratisch gelten und abgewickelt werden - wäre das demokratisch? Oder eine Geschichte aus dem Metamärchenbuch mit dem Titel "Demokratie"?

Christian

22. Oktober 2020 17:38

Apropos "so moderat wie möglich und so radikal wie nötig" - wie sieht das in der Praxis aus? Zu wem sollte man Kontakt pflegen? Wann Kontakte abbrechen? Aufgrund welcher "Radikalitätsparameter"? Gedanklicher Natur? Agitatorischer Natur? Gewaltbereiter Natur? (V.a. angesichts der Tatsache, daß für viele Zeitgenossen ein rechtes "Räuspern", das sich auf Linie von Aussagen früherer Sozialdemokraten bewegt, schon als rechtsextreme Entgleisung gilt.)

Apropos "objektiver Grund zur Rechtfertigung der Repression" - dabei handelt es sich letztlich um ein historisches Trugbild, dessen aktuell geltende Erscheinung im Sinne der (in sich widersprüchlichen) Nachweltkriegsära geistesgeschichtlich etabliert wurde, aber geschichtlich völlig relativ ist. Wie viele der über 250 Päpste hätten wohl im Standpunkt des aktuellen Papstes bzgl. der Homo-Agenda einen "objektiven Grund zur Rechtfertigung von Repression" gesehen?

Gott sei Dank bleibt die Entwicklung trotz allem offen - cf. Max Planck (Vom Wesen der Willensfreiheit, 1937): >>Die Geschichte eines Volkes ist dem eigenen Volke nur für die Vergangenheit kausal verständlich, seine Zukunft läßt sich nie und nimmer auf rein wissenschaftlichem Wege ergründen. Daher ist jeder Versuch, die Frage, ob Untergang oder Aufstieg, allein durch historische Forschung zu lösen, von vornherein verfehlt, wie jetzt erfreulicherweise immer mehr anerkannt wird.<<

mike

22. Oktober 2020 18:43

Tolle Beschreibung unserer Zeit:, ich denke eben der Gegner ist nicht das System, Zentrum, sondern als Dependant davon, die Masse und der Zustand der Leute welche heute in der Moderne daheintreibt. Der Aktionismus, den du einmahnst, muß sich deshalb zuallererst danach richten die Leute zu gewinnen und nicht das System zu entlarven, das geschieht dabei ohnehin automatisch, das System ist nicht unser "systemischer" Gegner, sondern die oft völlige willfährige Inhaltslosigkeit bzw. innere angepaßte Hilflosigkeit der Leute, vom Modus her ist dabei kein so großer Unterschied, aber vom Selbstverständnis. Dahingehend ist der politische Islam ebenso in Opposition zum beschriebenen Zustand der Gesellschaft und somit nicht primär der Gegner sondern parallele Konkurrenzthese zur strukturellen Dekonstruktion unserer Zeit (mit der es sich auseinanderzusetzen gilt) Eine universelle Erzählung nach der du suchst, ist denke ich, das Leben, das Lebendige. Um die Demokratie einzufordern, müssen die Leute die Demokratiesimulation der gottlosen Theokratie durchschauen, welche vielleicht doch einen „Gott“ hat (andererseits ist ja mancher Fanatismus praktisch nicht zu erklären), andernfalls bleiben diese Bürger sonst falschdemokratische Elemente derselben. Außerdem braucht man eine thematische Pro-Agenda, welche ideell fundiert ist. Den Akzelerationismus betreibt das System selbst, weil es nur die Möglichkeit hat solange um die Wahrheitspunkte zu rotieren bis es dahin fällt.

brueckenbauer

22. Oktober 2020 19:42

Nebenbei: Die defätistische These "Mit eiserner Brutalität wird jedes Projekt, das sich zeigt, zerschlagen." - ist die überhaupt richtig? Handelt es sich nicht in vielen Fällen darum, dass der Betreiber das Projekt selbst einstellte, weil Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis standen, weil er nicht die Breitenwirkung erzielte, die ihm vorschwebte. Wie war das denn in Halle? 

Man sollte bei solchen Projekten vielleicht weniger auf Breitenwirkung schauen als darauf, die wirklich Bedürftigen zu erreichen, ohne nach deren Anzahl zu fragen. "Die Armen habt ihr bei euch alle Tage." Das Angebot an Projekten müsste sich vielleicht eher an der Nachfrage orientieren?

Der_Juergen

22. Oktober 2020 22:04

@beowulf @mike

Sehr treffende Kommentare Ihrerseits.

@Monika

"Die  meisten Moslems sind auch nicht religiöser als die übrige Bevölkerung in Deutschland. Der Islam wird lediglich machtpolitisch benutzt. Das funktioniert beim Christentum nicht mehr. Religion des Ethnomasoschismus ? Was soll das sein außer einer Zerfallserscheinung, ein Nebenprodukt des Konsumismus." 

Das ist unter Ihrem sonstigen Niveau. Nach Umfragen (die Quelle kann ich nicht ad hoc nennen) befürworten 23% der jungen Türken in der BRD Gewalt, wenn es islamischen Zielen dient. Ihr Mitkatholik Bischof Richard Williamson hielt vor einiger Zeit fest, dass die Islamisierung Europas die logische Folge seines Abfalls vom Christentum ist.  Ein Physiker würde sagen: Die Natur duldet kein Vakuum. Die muslimischen Invasoren stossen in das Vakuum vor, das durch die Apostasie Europas hervorgerufen wurde. Man kann ihnen daraus keinen Vorwurf machen.

Der Ethnomasochismus ist der Zwillingsbruder des Nationalmasochismus, erzeugt in einem Reagenzglas der NWO. Indem man zunächst den Deutschen und dann anderen Weissen, vor allem den Amerikanern, künstliche Schuldgefühle wegen - teils realer, teils imaginärer - Verbrechen ihrer Ahnen einflösste, machte man sie seelisch krank und reif für die Kapitulation vor der Invasion.  Die muslimischen und schwarze Eroberer  stossen durch die Bresche vor, die vom inneren Feind durch die Mauer der Festung Europa gebrochen wurde. 

Karsten Paulsen

22. Oktober 2020 22:49

Ich weis ein längerer Text schreibt sich schneller ... Dennoch würde ich mir wünschen in Zukunft mehr Zeit für die Komprimierung auf das Wesentliche zu verwenden. Ein wertvoller Beitrag, danke!

Sugus

22. Oktober 2020 22:49

@ Der Juergen

Widerstand gegen Islamisierung hat nichts mit eigenem christlichen Glauben zu tun. Wenn das so wäre, wäre der Widerstand in Passau am stärksten und in Chemnitz und Cottbus am geringsten. 

Gracchus

22. Oktober 2020 23:13

Kluge Beobachtungen, aber stimmt das Gesamtbild? Ich frage mich, ob linke Intellektuelle deshalb abgedankt haben (und nur noch ihre Spesen bringenden Thesen von gestern wiederkäuen), weil so ein Gesamtbild nicht mehr möglich ist. Es beruht ja auf höchst selektiven Einzelinformationen, die man dann - wiederum selektiv - zusammenbringt, dass es irgendwie passt; und am Ende erfasst einen nur - Schwindel der Kontingenz, dass alles auch ganz anders sein und kommen könnte. 

Leben? - Nebel!

 Lage? - Egal!

Sehr gut beschrieben wird das bei Roberto Bolano -  wie seinen Intellektuellen die Wirklichkeit entgleitet. Am Ende hängt man halt Wittgenstein-Seiten auf der Wäscheleine auf. 

Gracchus

22. Oktober 2020 23:40

Der Kontingenz eingedenk: Ethnomasochismus scheint der neue westliche Kult, kann man so sehen, die Theologie dazu liefert der Globalismus aka Neoliberalismus aka Kapitalismus - vielleicht mal wieder Walter Benjamins Fragment "Kapitalismus als Religion" lesen? Der geheime Gott dieser Religion ist der "Mensch"!

Wenn der westliche Mensch sich schuldig am Klimawandel und am ganzen Elend der Welt fühlt, dann spricht daraus vor allem eine ins Negative gekippte: Omnipotenzphantasie! Es rächt sich eben, wenn man Gott spielen will. 

Gracchus

22. Oktober 2020 23:53

Diese Omnipotenzphantasie schlägt sich derzeit auch in dem Wahn nieder, ein Virus kontrollieren zu können.

Und es stimmt: Ich lese einerseits davon, dass Asthmatiker trotz Attest von der Maskenpflicht nicht verschont bleiben (Deutschland), andererseits Lehrer bei muslimischen Schülerinnen jedes Attest für eine Chlorallergie akzeptieren (Frankreich).

Wie passt das aber zusammen? Sellner beschreibt es richtig, liefert aber keine Erklärung dafür. Welche Strategie steckt dahinter, dass sich hier schlecht kontrollierbare islamische Parallelgesellschaften bilden können? Der Islam passt nicht in die globalistische Agenda. Glaubt man, dass Muslime, wenn sie sich hier im Westen ansiedeln, den westlichen Lebensstil annehmen und Allah einen guten Mann sein lassen?   

Gracchus

23. Oktober 2020 00:18

Was Sellner als offene Flanke sieht, nämlich dass das System Demokratie verspricht, aber nicht hält, ist keine offene Flanke. Erstens: Wie mein Lieblings-Dekonstruktivist Derrida sagt: Demokratie ist vor allem: ein Versprechen. Zweitens: Ist die Ideologie fadenscheinig. Bereits vor ca. 20 Jahren durfte ich vom Demokratiedefizit der EU hören. Es gehört zur neoliberalen Agenda, den Einfluss von Nationalsaaten und Demokratie zu minimieren, Carl Schmitt würde sagen: zu neutralisieren. Jeder kann auch sehen, wie Entscheidungsbefugnisse auf supranationale Institutionen verlagert werden. Das ist offensichtlich. Es i n t e r e s s i e r t aber keinen. 

 

Laurenz

23. Oktober 2020 04:27

 

@Rheinlaender & Religions-Debattierende

Natürlich ist der Schuldkult, Klima-Glaube, Virus-Glaube etc.pp. mit jeder anderen Religion vergleichbar, nur für die jeweiligen Gläubigen nicht, weil Kritik oder jegliche alternative Option daran grundsätzlich jegliche Glaubenswelt erschüttert. Mich hat es daher gewundert, daß der sicherlich von der Redaktion gegen gelesene ketzerische Artikel überhaupt seinen Weg in die Publikation fand. Das ist, im Vergleich zu sonstigen Medien, wohltuende Freiheit auf der SiN. Um meine Aussage mit Argumenten zu unterlegen, verweise ich Sie Alle auf die Ausgrenzung Andersdenkender/Andersgläubiger, wie die der "Rechten" im Artikel, die für jede abrahamitische Religion und ihre Nachfolger, aus Ermangelung an eigenen politischen, wie geistigen Inhalten, zwingend notwendig ist. Mit dem abrahamtischen Glauben & seinen modernen Nachfolgern kam die Sünde in die Welt. Rechte sind nichts anderes als Sünder, die von den Vertretern des jeweiligen Gottes abgestraft werden müssen. Blöd ist es halt, wenn man plötzlich von zu den Katholiken gehörenden GUTEN zum bösen Nazi mutiert wird. Und da die großen Kirchen auf das Nazi-Kirchen-Gesetz nicht verzichten wollen, regt sich, wie bei den Nazis auch, dort kein Widerstand.

Laurenz

23. Oktober 2020 04:46

@Der_Juergen & MS (1)

Erachte diesen Artikel, im Gegensatz zu vielen Foristen, als durchwachsener als den zuvor. Hier haben @Monika & @starhemberg den analytischen Punkt getroffen. Der Mensch ist ein extrem opportunes Säugetier mit begrenzter Wahrnehmung. In erster Linie nimmt er seine eigenen Befindlichkeiten + das soziale Umfeld in Größe eines 200-Seelen-Dorfes wahr, mehr nicht. Alle, die hier abhängen, sind eine Ausnahme, & bezahlen für ihre erweiterte Wahrnehmung mit Defiziten im Alltag. Die Definition der materiellen Entwicklung unserer Bevölkerung explizit in Deutschland, ist MS, wohl durch Unbedachtheit & Nicht-Betroffenheit in Seiner eigenen Blase mißlungen. Wie Monika schreibt, Massen bewegen sich nur durch das materielle Sein. Hier liegt unsere einzige politische Option in der Zukunft. Alle Vermögensverwaltungen antworten ihren reichen Privatanlegern dasselbe. Der Euro wird absehbar scheitern, nur keiner weiß genau, wann. Die armen Deutschen leisten sich einen reichen Staat, die reichen Süd-Europäer einen armen -. Dieser Widerspruch wird nicht aufgelöst & killt die europäische Idee, einfach wegen der Nicht-Betroffenheit der entscheidenden Politiker.

Franz Bettinger

23. Oktober 2020 08:18

@Pit meint zu wissen, dass „die Rechten durchgängig (sic) Autoritarismus, ja sogar die Monarchie, für wünschenswert halten. Wie kommen Sie darauf, Pit? Dieser durchgängigen Meinung stände zumindest ich im Weg. Sicher auch viele andere. Ich habe schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass ein rechter Blog wie SiN das Begriffs-Duo Rechts-Links bitte schön mal gründlich abhandeln sollte. Ich habe das Thema in meinen Kommentaren zwar immer mal angerissen, aber eine gründliche Diskussion darüber ergab sich nie. Sie ist nötig! Nicht nur, weil das gemeine Volk (die Linksgrünen sowieso) völlig irre ist in der Rechts-Auffassung, aber auch weil viele Rechte gar nicht recht zu wissen scheinen, was Rechts ist. Ich wäre dankbar, wenn dieses Thema auf den Tisch des Hauses käme. 

Millenius

23. Oktober 2020 08:43

Wie die "Gemäßigten" in der AfD die Partei zur CDU 2.0 umwandeln - Beispiel Mecklenburg Vorpommern

Sämtliche strategischen Erwägungen in Zusammenhang mit der AfD sind von der Bedingung abhängig, ob es gelingt, den  "gemäßigten" Meuthen-Flügel aus der Partei zu entfernen. Denn diese Leute kennen nur eine Strategie Anpassung, Anpassung und noch mal Anpassung.

Ein trauriges Beispiel dafür liefert die Kreistagsfraktion aus Ludwigslust - Mecklenburg-Vorpommern. Der parlamentarische Geschäftsführer der dortigen Kreistagsfraktion Dario Seifert beschreibt die Gründe für seinen Rücktritt:

https://www.facebook.com/DarioSeifertAfD/posts/960209777807971?__tn__=K-R

 

Fortsetzung folgt...

Millenius

23. Oktober 2020 08:48

Fortsetzung... 

Auf der nächsten Kreistagssitzung am 20. Oktober auf dem Golchener Hof, hat die AfD-Fraktion ursprünglich vier Anträge eingereicht, mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten, u. a. zum Thema Bildung, Afrikanische Schweinepest, Asyl und Sicherheit. Alle sind von der Fraktionsversammlung begrüßt und einstimmig angenommen worden.

Auf der letzten Fraktionssitzung beschloss man dann plötzlich aus strategischen Gründen, dass man den von mir maßgeblich ausgearbeiteten Antrag zum Thema Remigration, mit der Forderung einer Abschiebeoffensive und der Schaffung einer Ausreiseeinrichtung in Ludwigslust-Parchim, zurückziehen wird. Man wollte sich inhaltlich ganz klar von der neu gegründeten Kreistagsfraktion „Heimat und Identität“ abgrenzen und ist noch immer dem Irrglaube erlegen, dass man mit der Vermeidung gewisser rhetorischer Mittel („Remigration“) und einer neuen Schwerpunktsetzung hin zu weniger Asyl und mehr Rotmilan, gemeinsam mit der CDU und den Freien Wählern neue Mehrheiten generieren wird.

Schon das Wort "Remigration" ist zu hart für diese Leute!

Und das Verhalten der Kreistagsfraktion ist leider ganz auf Linie mit dem Kurs von Jörg Meuthen - Anbiederung an die CDU und sprachliche und inhaltlich Unterwerfung an die vorherrschende linksgrüne Leitideologie.

 

Millenius

23. Oktober 2020 09:30

Noch ein paar Hintergründe zur AfD-Kreistagsfraktion in Ludwigslust.

Der Kreisvorsitzender ist ein gewisser Thore Stein. Das ist auch der Mann, der als Nachfolger Erik Lehnert in den Vorstand der Desiderius-Erasmus-Stiftung gewählt wurde.

Bis zum 5. August wurde die Fraktion von Herrn Dennis Augustin geleitet. Augustin war der ehemalige Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, bis von der Mehrheit des Landesvorstand unter Leif-Erik-Holm – lange Zeit Mitarbeiter von Beatrix von Storch und dem Meuthen-Lager zugehörig – seine Parteimitgliedschaft annulliert wurde -  auf eine ähnliche Weise wie bei Kalbitz.

Augustin ist ein "Klartexter" d. h.  jemand, der – ohne unnötigen Schaum vorm Mund und ohne Polemik - aber dennoch klar die Entwicklungen im Land ausspricht. Und er war sehr engagiert für die Partei. Augustin hat auch die Verdrängung der Deutschen zu einer Minderheit klar zur Sprache gebracht - etwas, was von Kommentatoren hier auf SiN immer wieder  beklagt wurde, dass die AfD dies zu wenig tut.

Leute wie Augustin müssten an der Spitze der AfD stehen. Mit Leuten hätten wir und unsere Kinder vielleicht sowas wie eine Chance. Stattdessen werden Sie aus der Partei gedrängt damit Leute wie Meuthen sich ungestört der CDU anbiedern und ihr bieder-angepasstes Geschwätz verbreiten können.

JensWoitas

23. Oktober 2020 09:52

Martin Sellner bringt hier mit gewohnter Präzision eine Schwäche des polit-medialen Komplexes auf den Punkt, die ich als "Demokratiefalle" bezeichnen würde: Ein Übergang des heutigen repressiven Systems zu einer offenen Diktatur ist sehr wahrscheinlich nicht möglich, weil (1) eine solche im Namen des Liberalismus nicht errichtet werden kann, und weil (2) eine solche Diktatur nicht stabil existieren könnte, ohne eine direkte Legitimation durch einen Volkswillen zumindest glaubhaft zu behaupten, während das System, wie wir wissen, den Begriff "Volk" fürchtet, wie der Teufel das Weihwasser. Selbst in der gegenwärtigen Corona-Politik wird zunehmend sichtbar, dass das System in seiner Repressionspolitik nicht beliebig weit gehen kann, da hier zunehmend Grenzen in den Blick geraten, welche ein immer noch formal existierender Rechtsstaat der Exekutive setzt (zahlreiche Gerichtsurteile gegen überzogene Corona-Maßnahmen in den letzten Wochen). Die Lage des demokratisch-patriotischen Widerstandes ist vielleicht nicht so schwarz, wie sie - auch auf diesen Seiten - manchmal gemalt wird.

JensWoitas

23. Oktober 2020 10:03

Noch eine Anmerkung zu einem zweiten Widerspruch innerhalb der herrschenden Ideologie, den M.S. meiner Ansicht nach nicht sieht (oder nicht sehen will). Masseneinwanderung und Islamisierung sind zwar leider starke Instrumente, mit denen das herrschende System das Volk spaltet und letztendlich als politische Einheit abzuschaffen droht. Das Bündnis zwischen liberal-globalem Kapitalismus und Islam muss aber an seinen inneren Widersprüchen zerbrechen, sobald der Islam, wie er es seinem Wesen nach auch muss, die religiös-kulturelle Hegemonie einfordert, denn ein solcher Zustand wäre weder mit dem Global-Kapitalismus noch mit dem Individualisierungs-Liberalismus vereinbar. Nach allem, was ich in den letzten Tagen aus Frankreich höre, wird dort genau dieser Konflikt - nicht nur von der Rechten, sondern auch von Emmanuel Macron selbst - in Richtung einer Entscheidung zugespitzt. Es besteht zwar leider die Gefahr, dass der französische Staat so schwach geworden ist, dass er nur noch vor dem Islam kapitulieren kann, aber es liegt für uns auch eine große Chance in dem Übergreifen ähnlicher Fragestellungen nach Deutschland, weil nämlich die Mainstream-Position zum Thema "islamische Gewalt" dann nicht mehr gehalten werden könnte.

Millenius

23. Oktober 2020 10:12

Hier ein Beispiel für den zuvor erwähnten "Klartext" in einem Beitrag, der wohl von Dennis Augustin stammt:

https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=104869168062519&id=100622938487142&__tn__=K-R

Die SPD-Fraktion im Kreistag Ludwigslust-Parchim fordert mit Verweis auf die Geschehnisse im griechischen „Flüchtlings“-Lager Moria die Aufnahme von 50 sogenannter „unbegleiteter minderjähriger Ausländer“ aus eben diesem Lager.

(...)

Unter dem Deckmäntelchen der Humanität soll hier die kulturelle und ethnische Zerstörung unserer Heimat weiter betrieben und das deutsche Volk weiterhin maßlos und unverschämt ausgeplündert werden. Wir rechnen das einmal vor.

(...)

Insgesamt wird das Vorhaben der Spezialdemokraten also weit über 4 Mio. EUR jährlich kosten, womit über 700 Mecklenburger mit ihrer jährlichen Arbeitsleistung die Überfremdung ihrer Heimat möglich machen sollen. Man kann es nicht mehr anders sagen. Hier findet ein Verbrechen am Deutschen Volk in gigantischem Ausmaß statt! Die Altparteien plündern das Volk aus und entziehen ihm seine Lebensgrundlage.

 

 

Franz Bettinger

23. Oktober 2020 10:20

Auch @Staremberg schreibt (in etwa): "Es ist von höchster Wichtigkeit, auf welche Überzeugungen sich alle rechten Kräfte einigen können“. Stimmt. Also her mit dem Thema! 

Auch @Monika (14:34) trifft ins Schwarze. Es ist (nur) der Konsumismus, dem die meisten (auch die meisten Migranten) huldigen, stupid!

Maiordomus

23. Oktober 2020 10:58

@Volksdeutscher. Das "Volk als Subjekt der Geschichte" ist ein absoluter fundamentaler Denkfehler, hat es nie gegeben, wäre auch ein totales Missverständnis Hegels, so was anzunehmen. Das Volk ist Referenzsubjekt der Geschichte, Geschichte über, nicht Handlungssubjekt: Noch nie hat "das Volk" gehandelt, es waren immer einzelne Kräfte und Mächte, aber glücklicherweise doch nicht so, dass sie sich wie seinerzeit die SED als "Sieger der Geschichte" bezeichnen konnten. Natürlich geht es letztlich um die Frage der Legitimation, die Rechtfertigung der Macht, was aus Traditionen, Prinzipien und zumal aber auch aus Sachzwängern, z.B. wirtschaftliches, physisches, soziales Überleben zu begründen und zu konstituieren ist. Hier muss weiter gedacht werden, auch im Zusammenhang mit dem Nutzen und Grenznutzen von Demokratie und Rechtsstaat, die leichtsinnig preizugeben auch zu keinen Resultaten führen wird. 

Laurenz

23. Oktober 2020 11:28

@Franz Bettinger

BK ist desöfteren auf die Rechts-Links-Begrifflichkeit eingegangen, & erachtet diese in Seinen Vorträgen nur als "Arbeitsbegriff" für opportun. Auch ist MS die Nennung der Alt-Rechten in Seinem Artikel & die "Reinigung" von diesen, als Argument mißlungen. Ob nun Reichsbürger oder radikale Rechte füllen in ihrer Summe nicht mal 1/4 von Würzburg (siehe aktuellen Stasi-Bericht), sind also als Größe schlicht zu vergessen. Viel schlimmer ist es, daß die AfD auch nicht über halb Würzburg hinaus kommt.

Bei der Inflationierung der Nazis durch & in den System-Medien, wie der Hof-Politik, formuliert im "Kampf gegen Rechts", gewinnt man den Eindruck, daß bereits eine Mehrheit der Bevölkerung Buntlands der Nazi-Religion angehört. Für mich sind die "Rechten", die ich persönlich kenne, oder hier auf der SiN begegne, eher Mitmenschen, die grundlegende Positionen des ehemaligen Parteien-Spektrums belegen, welches heute nicht mehr existent ist. Auch die historischen Sozialdemokraten oder gar einen Ernst Thälmann können wir aus heutiger Sicht leichten Herzens als Patrioten bezeichnen. Sie alle würden heutzutage, wie Sarrazin, ausgegrenzt werden.

sok

23. Oktober 2020 11:54

Mir erscheint der Widerspruch zwischen moralischen Ansprüchen und Opferbereitschaft größer als der Widerspruch zwischen unserer Mediendiktatur und der  Posdemokratie unserer Vergangenheit.

Der  Widerspruch zwischen dem Anspruch, moralischer Weltmeister zu sein und der nicht vorhandenen Opferbereitschaft lässt sich auch besser dazu  nutzten,  die AfD aus der Defensive in die Offensive zu bringen.

Ein Thema könnte die Erziehung sein. Die Verfassungspatrioten können nicht verhindern, dass ihre Kinder der gleichen Repression ausgesetzt sind, wie alle anderen. Schmidt-Denter weist darauf hin, dass diese Repression gesundheitsschädlich ist. Natürlich  wird das geheim gehalten.

Wenn die AfD die Forderung von Schmidt-Denter übernehmen würde, die Holocaust-Erziehung zu evaluieren, dann würden  die Verfassungspatrioten zumindest aufgespalten. Ich kenne niemand, der die Gesundheit seiner Kinder aufs Spiel setzt, um ihnen das Nationalbewusstsein auszutreiben.

Schmidt-Denter weist auch durch umfangreiche Umfragen nach, dass die betroffenen Schüler und die Elternmit großer Mehrheit den Druck ablehen, denen  die Schüler ausgesetzt werden. Die Position der AfD wäre mehrheitsfähig. Ziel wäre, die Repression zumindest für Kinder zu verringern.

Gotlandfahrer

23. Oktober 2020 14:24

1/8

OK, es wird lang.

Nicht nur schreibe auch ich gern in leicht alkoholisiertem Zustand, insofern kann kein Text meine Sympathien für ihn trüben, solange er das große Ganze richtig adressiert, wie es auch obigem Beitrag trotz seines teilweise spätabendlichen Schwanges gelingt.

Seine nach Abzug aller Nebenlinien vorgebrachte Idee fasse ich wie folgt zusammen:

  • Nach Sieferle ist Ideologieangriff auf das Systemzentrum aussichtslos, da es selbst unideologisch ist, aufgrund ihrer ökonomischen Verwertbarkeit stabilisieren sie es sogar
  • Sie sehen es anders herum: Das Regimezentrum ist religiöshaft, also hochgradig ideologisch
  • Dementsprechend ist es, hier irre Sieferle, doch über Ideologie adressierbar
  • Durch unerfüllte Versprechen (Widersprüche) verlieren Regime bzw. ihre Ideologie an Akzeptanz, Sie sehen hier die DDR als Beispiel
  • An fehlender Akzeptanz scheitern Regime, siehe Ihrer Auffassung nach DDR
  • Versprochen wird uns allen demokratischer Rechtsstaat / Freiheit, geliefert wird Repression
  • Voraussetzung für Akzeptanzverlust ist die Sichtbarwerdung dieses Widerspruchs
  • Sichtbarwerdung erfordert mehr organisiertes, legales Herbeiführen der Repression (Entlarvung)
  • Entlarvung lässt sich am ehesten (kritisches Widerstandsminimum) am Bevölkerungsaustausch festmachen und organisieren (Sympathie mit Repressionsopfer)
  • Folglich müsse der bisherige Weg intensiver (akzeleriert) - aber stets legal - begangen werden

Gotlandfahrer

23. Oktober 2020 14:24

2/8

Vorweg:  Ein „Mehr vom weiter so“ (von widerständiger Arbeit) ist aus meiner Sicht durchaus geboten, und zwar aus Selbstachtung, zur Ideenbewahrung, zur Vorbildwirkung und Rekrutierung.  Nicht jedoch, weil man durch eine größere Zahl sichtbar ungerechter Repressionen Solidarität und Umschwung bewirken könnte.  Für sich genommen wird jede Repression, erstens, eher umgekehrte Wirkung haben: Bestrafe einen, erziehe hundert.  Zweitens, lebt es sich erst ganz ungeniert als Repressor, darf mit der Gewöhnung des Publikums der Schmerz des Delinquenten auch gern gesteigert werden.

Zunächst lässt sich der Widerspruch von Sieferle und Ihnen vielleicht dadurch ausräumen, dass man „Systemzentrum“ durch einen Vergleich Ihrer beiden Anwendungsfilter unterscheidet:  Für mich ist denkbar, dass S. am Charakter des Systemzentrums aus einer Funktionssicht heraus verzweifelte, ähnlich einem marxistischen Verständnis von „Produktionsverhältnissen“ und ihrer inneren Logik, d.h. den in jeder jeweiligen Zeit bestehenden Möglichkeitsrahmen von Handlungen, der wie ein „Blueprint“ „zentralen“ Charakter für alles und jeden aufweist.  Der ist beispielsweise im Kapitalismus wie im Kommunismus bei jedem Stand der Technik in etwa gleich und – außer durch extreme Abschottung – „unhintergehbar“.  So hat Weltraumfahrt unabhängig von der ideologischen Umgebung ähnliche Bedingungen. 

Gotlandfahrer

23. Oktober 2020 14:25

3/8

Heute schafft die Digitalisierung, globale Vernetzung, einheitliche Kennzahlensteuerung nach IFRS etc. für China, die Schweiz, Grönland und Venezuela einen jeweils ähnlichen Rahmen – wahrnehmbar wie ein „Systemzentrum“ - der unabhängig von der lokalen Ideologie Bedingungen schafft (die wir teilweise, wie gleichwohl gänzlich gewisse Ideologien, als angriffswürdig erachten), die den Rahmen resistent gegen ideologische Attacken machen.  Wenn wir z.B. die „Globalisierung“ mit ihrem Wanderungsdruck attackieren wollen, indem wir den Bevölkerungsaustausch ideologisch angreifen, werden wir, ganz mit Sieferle, in der Tat nicht viel bewirken.  Dafür sind zu viele Knoten im System (z.B. GEZ-Medienschaffende) von den Konditionierungen und Beziehungen der Globalisierung geprägt.  Vergleich: Eine Hansekogge funktioniert ideologieunabhängig anders als ein Containerschiff.  Wer auf einem Containerschiff „arbeitet“, ist von dessen Bedingungen konditioniert, er wird mit dem Containerschiff nicht wie auf einer Hansekogge arbeiten können. So gesehen überzeugt mich Sieferle, falls er meinte: Mit keiner Ideologie lässt sich verhindern, auf einem Containerschiff zu sein oder seine Funktionsweise ändern.

Gotlandfahrer

23. Oktober 2020 14:25

4/8

Die eigentliche Frage könnte also lauten: Nach welcher Ideologie wird auf der Brücke gesteuert und befehligt.  So kann das Internet nach chinesischem, kalifornischem oder estländischem „Way of Working“ bespielt werden – obwohl es dabei das Internet mit spezifischen Auswirkungen bleibt. Trotzdem schafft es selbst innerhalb der westlichen Sphäre Australien, anders zu steuern als Schweden. Insofern könnten Sie zunächst richtigliegen, wenn Sie sagen, es sei die Ideologie der Steuermänner, die uns auf falschen Kurs treibt und deswegen seien diese über ideologische Gegenarbeit angreifbar. Denn wir sehen ja das Riff kommen, und während sie die Besatzung weiterhin an die Goldküste glauben machen, fahren wir alle schnurstracks aufs Verderben zu. In diesem Sinne lautet Ihre Empfehlung:  Zeige den Heizern im fensterlosen Maschinenraum, die keine Ferngläser besitzen und, angesichts der beruhigenden Dudelmusik aus den Lautsprechern, nicht mal die Notwendigkeit empfinden, sich an Deck zu begeben und selbst Ausschau zu halten, das gebrochene Versprechen der Steurmänner auf! Zeige, dass da keine Goldküste kommt, sondern ein Riff.  Zeige, dass ihre ganze Arbeit für die Katz war.  Und dann lass Dich dafür vom Obermaaten verprügeln und hoffe dadurch auf ein Kippen der Stimmung im achteren Mannschaftsdeck. 

Gotlandfahrer

23. Oktober 2020 14:25

5/8

Besuchen Sie mal als Blitzer, also als jemand einer Verwendungsreihe mit sensorischem Mess-Geraffel wie Radarbildern unterm Arm, die Heizerjungs in ihrem Keller und erzählen, dass wir alle auf dem falschen Dampfer sind.  Da braucht es gar keinen Vorgesetzten, um aufs Maul zu bekommen, die Repression bekommen Sie geschenkt, bevor Ihre erste Silbe erklingt.  Heizer mögen nämlich keine Blitzer.  Das ist so, wie auf dem Viktualienmarkt über Islamismus aufklären.  Sie merken: Mir gefällt mein Marinebild, weil es passt.  Ihr Problem in dieser Situation ist nicht das tatsächlich gebrochene Versprechen, selbst wenn seit Monaten keine Goldküste gefunden wurde, in der Offiziersmesse längst okkulte Riten gefeiert werden und ständig Schiffsjungen verschwinden.  So lange das Riff nicht die Backbordwand aufschlitzt und der Alte jeden Tag zwei Kisten Bier spendiert, wollen die Heizer (Steuerzahler) sich nichts von einem verhassten Blitzer („Nazi“) sagen lassen.  Ihr Problem ist in dem Moment wahrgenommene Autorität, nicht ideologische Problematik oder Antiordnung (zur aus meiner Sicht eingeschränkten Eignung des Begriffes „Antiordnung“ erlaube ich mir auf meinen Kommentar im YT-Kanal Schnellroda unter dem empfehlenswerten Vortrag von Frau Dr. Gruber zu verweisen: https://www.youtube.com/watch?v=JWG4xRPvaiQ )

Gotlandfahrer

23. Oktober 2020 14:26

6/8

Sie gehen beispielsweise davon aus, dass die real existierende materielle Unterlegenheit der DDR einen unerfüllten Ideologiekern darstellte und damit das entscheidende revolutionsauslösende Moment bildete. So als ob die sibirische, an der Schlammrollbahn ihren letzten Knoblauch feilbietende kleine Babuschka nicht vorher 70 Jahre Zeit gehabt hätte, sich der unerfüllten Versprechen bewusst zu werden.  Ich war nun nie DDR-Bürger, aber wenn ich mich, auch mit Blick auf Nordkorea, recht entsinne, war der Drang zur Bananenrepublik doch wohl eher Folgeerscheinung eines Dammbruchs, der selber aus anderen Vorgängen erwuchs.  Im Übrigen war im Paradies des Materialismus zuerst der der Ruf „Wir sind das Volk“ – also: Ihr habt fertig - zu hören, erst dann kam „Kommt die D-Mark, bleiben wir hier, kommt sie nicht, geh’n wir zu ihr!“ (wobei selbst dabei nach meinem Gefühl weniger der materielle als der idealistische Wunsch nach Abkehr von den ihrer Autorität verlustig gegangenen Figuren herausklang). Was ich sagen will: Im Erdgeschoß der Pyramide geht es nie um Götterdeutung, sondern um die eigene Schadensbegrenzung der hierarchischen Spitzendynamik.  Wie @Graccus um 00:18 richtig bemerkte, eine schöne Zeit zu schreiben übrigens, interessiert es dabei kein Schwein, wenn – akzeptierte - Autoritäten Versprechen nicht erfüllen oder Regeln brechen.

Gotlandfahrer

23. Oktober 2020 14:26

7/8

Deswegen behaupte ich sogar, dass „Ideologie“ für gesellschaftliche Korrekturen völlig wurscht ist (außer im ganz oben genannten Sinne).  Womöglich gibt es gar keine Ideologie, sondern nur unterschiedliche Vorspiegelungsnuancen „altruistischer Rationalität“, einem im Grunde immer gleichen, notwendigen Gerechtigkeits-Singsang jedes Kaperkommandanten um die Zugriffsreihenfolge auf die Prise zu regeln.

Nicht die Glaubwürdigkeit des Singsangs (Menschheit vs Nation) entscheidet also über Loyalität, schon gar nicht der für Veränderungen relevanten zweiten und dritten Hierarchieebene, sondern die Powermap, die sich aus Autorität konkreter Personen ergibt.  Ob ein Fußballtrainer nun offensive oder defensive Taktiken liebt ist nachrangig, in erster Linie hängt sein Erfolg von der wahrgenommenen Autorität ab. Rehhagel sagte mal: Es gibt keinen modernen und unmodernen Fußball, sondern nur erfolgreichen und erfolglosen. Merkel wird vorauseilend gehorcht, weil jedermann weiß, was passiert, wenn man es nicht tut.  Solange das so ist, können jeden Morgen Tote in unseren Straßen liegen und nichts würde sich ändern.  Man könnte Sie allein für das Aussprechen des Wortes „Österreich“ im Burghof steinigen, und außer geballten Fäusten in einigen Taschen und ansonsten lautem Gejohle würde rein gar nichts passieren.

Gotlandfahrer

23. Oktober 2020 14:27

8/8

Wann wurde Robespierre das Handwerk gelegt? Wieso glitt Gorbatschow die SU aus den Händen? Warum sind zuvor undenkbare Attacken auf den US-Präsidenten möglich? Weshalb wurde Mussolini nackt an einer Tankstelle aufgehängt? Warum wird in Bangkok gegen den Monarchen protestiert? Warum wurden Ceausescu und Xerxes liquidiert? Wann verliert ein Chef den Zugriff auf seine Mitarbeiter?

Wie bringt man als Blitzer die Heizer zum meutern? Indem man die Angst vorm Kommandanten nimmt. Indem man ihn zu einer Antiautorität macht und nicht Antiordnung beklagt.  Indem man redet, während er spricht.  Indem man nicht mal mehr über ihn spricht, sondern über seine eigenen Vorhaben.  Indem man kein Belagerungsbiwak vor den Mauern aufschlägt und sich mit heißem Pech bewerfen lässt, sondern sein eigenes Ding macht.  Scheiß doch auf Youtube, wer will auf so einer Drecksplattform sein!  Es ist nicht der direkte Weg über Los und man zieht keine 4.000 Mark ein.  Aber man lässt den Gegner in Ruhe seine Fehler machen.

Acht Blöcke, ich tu's auch nie wieder.  Danke für Ihre gesamte Arbeit!

Hartwig aus LG8

23. Oktober 2020 15:24

Nicht nur Linke ziehen gern Striche und Linien.

Man wird sich zwar objektiv von "altrechts" reinigen (sic) können, aber Neurechts ist ein interner Begriff, auch wenn die Vokabel außerhalb rechter Kreise Verwendung findet. Für den normalen Deutschen gibt es kein alt- und neurechts. Sämtliche zu beobachtenden Abwehrreflexe gegen (alt- und neu-)Rechts beziehen sich letztlich immer auf das Dritte Reich.

Will man nicht auf das Scheitern des Systems (was immer das sein soll) oder externe Schocks warten, so besteht die Aufgabe darin, das Dritte Reich als eine verbrecherische Diktatur mit einem zum Schluss hin überschnappenden Diktator in unsere deutsche und internationale Geschichte einzuordnen; einzuordnen in ein Davor, ein Danach und ein Daneben. Ganz abgesehen davon, dass die Nationalsozialisten über weite Strecken für nicht wenige Deutsche ein recht normales Währenddessen organisierten.

Eine Herkulesaufgabe, denn der Kampf gegen Rechts wird von einer sich stetig steigernden Dämonisierung der nationalsozialistischen Diktatur flankiert, ja sogar getragen. Viele haben sich schon (vergeblich) dieser Aufgabe gestellt, die wohl auch im Moment unlösbar bleibt.  Die Ratlosigkeit, die hin und wieder auf SiN wahrnehmbar ist, rührt m.E. genau daher.

 

heinrichbrueck

23. Oktober 2020 15:28

Wer kann sich den Sieg vorstellen? Das letzte Bild. Wie sieht eine Herrschaftsform aus, in Deutschland, wie müßte der Sieg aussehen, europäisch und global, damit das Volk geschützt und bewahrt bleibt? Ich bin mir hundertprozentig sicher, in diesem Kommentariat fehlt diese Vorstellung komplett.

„Der germanische Geist ist der Geist der Freiheit.“ Hegel beschreibt die Krönung der Schöpfung (meine Interpretation). Wie sieht die Weltherrschaft dieses Geistes aus? Ein Sieg der Unangreifbarkeit. Vom Ende her gedacht. Soll die gegenwärtige ideologische Weltherrschaft besiegt werden, muß dieser Sieg vollständig sein. Den Geist des Imperiums zu ersetzen, ein Konzept, zumindest in der Vorstellung, mit dem Geist der Wahrheit. Das Imperium braucht die Lüge, also die Unfreiheit. Vergiftung des Geistes bedeutet Gefolgschaft im System. Strategie: Ohne Germanen keinen germanischen Geist

Wer sich seinen Sieg vorstellen kann, ohne sein Volk ein Opfer des Bevölkerungsaustauschs werden zu lassen, sieht auch die Feinde und ihre Lügen. Der Volksgeist ist ein Gemeinschaftsgeist, auch als Herrschaftsgeist generationenabhängig heimatverbunden schöpferisch, und keine Herrschaft des individuellen Bankkontos. Die globale Macht will Gleichheit, Entmündigung und Unterwerfung. Das Gegengift entspringt der genetischen Unvereinbarkeit: Geist der Freiheit auf der einen Seite, Repressionsgeist auf der anderen. Die notwendige Entgiftungskur muß verstanden werden, sonst interessiert (überlebt) sie wirklich keinen.

Christian

23. Oktober 2020 16:38

@heinrichbrueck

Wirklich spannend wird es da, wo man aus einer Vorstellung eine praktisch erfolgreiche Vorgehensweise ableiten will -- v.a. dann, wenn schon das Aussprechen heikel ist. Stellen Sie sich vor, Sie lebten in einem Staat, in dem das "Gegengift" und die Verbreitung des Rezeptes verboten sind ...

Lotta Vorbeck

23. Oktober 2020 16:40

@Gotlandfahrer - 23. Oktober 2020 - 02:27 PM

Acht Blöcke, ich tu's auch nie wieder.  

---

Es wäre schade, wenn Sie's nie wieder täten!

Bitte mehr davon.

Monika

23. Oktober 2020 17:36

@ der Juergen Nein, das ist nicht unter meinem Niveau, sondern ich nenne es disruptives Denken ! Der Iman der Kölner Ditib Moschee meinte zum Altabt von Maria Laach, dass die muslimische Jugend nicht frömmer sei als etwa die katholische Jugend. Das wiederum hat mir der Altabt erzählt und meinte: der Liberalismus sei wohl der größte Feind der Religion. ( d.h.,  nicht der Abfall vom Christentum führt folgerichtig zur Islamisierung!!! ) Schnitt. Wenn etwa die „PI- Fraktion“ sich darüber aufregt, dass in einer Duisburger Therme der knappe Bikini verschwinden soll mit Rücksicht auf eine bestimmte Klientel, dann sehe ich darin keinen Angriff auf „unsere“ Werte, schon gar nicht auf die christlichen. Meine katholische Großmutter sah in ihrem Badekleid eher einer Moslembadenden ähnlich denn einer 68erin . Christlich war eher, dass sie damals schon schwimmen konnte ( das förderte mein Urgroßvater) . Christlich ist nicht die Propagierung knapper Badekleidung. Sondern die Nachsicht, Nackerte nicht zu verdammen oder gar einen Kopf kürzer zu machen. Von wegen, der werfe den ersten Stein...

 

Der_Juergen

23. Oktober 2020 18:13

@Gotlandfahrer

Ich bin den Hausherren dankbar, dass sie Ihren achtteiligen Beitrag freigegeben haben. Er enthält eine Reihe recht tiefer Gedanken. Ihnen sei dafür gedankt.

Volksdeutscher

23. Oktober 2020 21:46

@Maiordomus: "Noch nie hat "das Volk" gehandelt, es waren immer einzelne Kräfte und Mächte...."

Ja, eigentlich. Aber die einzelnen Kräfte und Mächte hätten nie Erfolg (oder Mißerfolg) gehabt ohne die Legitimation des Volkes. Also ist das Volk doch über Umwege, auf jeden Fall unmittelbar Subjekt der Geschichte. Nietzsche: O selige ferne Zeit, wo ein Volk sich sagte: »ich will über Völker – Herr sein!«

Christian

23. Oktober 2020 22:31

"so schließen sich Demokratie und Repression aus"

Man vergesse nicht die geschichtliche Relativität des Begriffes - nicht nur die DDR und BRD haben ihr eigenes sich wandelndes Demokratieverständnis.

Robespierre in "Sur les principes de morale politique" (in eigener Übersetzung):
"Der Terror ist lediglich die unverzügliche, rücksichtslose und unnachgiebige Gerechtigkeit - der Terror ist ein Produkt der Tugend und weniger ein eigenes Prinzip als eine Konsequenz des Prinzips der Demokratie angewendet auf die dringendsten Notwendigkeiten des Landes."

Und die "Freiheit des Andersdenkenden“ wurde auch schon sehr unterschiedlich interpretiert. Rosa Luxemburg schrieb (in "Die russische Revolution") angesichts des mittelständischen Boykotts gegen die Sowjetregierung, daß (Zitat)

"selbstverständlich alle Maßregeln des Druckes gegen sie: durch Entziehung politischer Rechte, wirtschaftlicher Existenzmittel etc. geboten" [waren] "um den Widerstand mit eiserner Faust zu brechen." Man weiß, wie das in der bolschewistischen Praxis aussah.
Was sagen heutige Demokraten über Rosa Luxemburg?

@Volksdeutscher. Zustimmung - ich erinnere mich an einen Text von Gorbatschow, wo dieser rückblickend schrieb, daß seiner Einschätzung nach der Staat DDR selbst in der Zeit seiner größten Popularität nicht über die innere Zustimmung einer Mehrheit verfügte. Der Gedankengang ging dahin, daß das auf Dauer aus seiner Sicht nicht "gut" gehen konnte.

ede

24. Oktober 2020 02:30

"Unsere Zivilisation stirbt nicht von selbst, sie wird getötet."

Soweit das eine Behauptung ist, halte ich sie nicht für zutreffend. Oder anders: Eine Zivilisation kann nur getötet werden, wenn sie sich als schwach erweist (ergo stirbt).

eike

24. Oktober 2020 04:33

Ich beziehe mich auf meinen letzten Kommentar zu Sellner II, den Sie zu zensieren beliebten (was Ihr gutes Recht ist).

Wenn einfache Tatsachen, kurz kommentiert - ohne jede Beleidigung oder 'foul language' - nicht mehr in Erinnerung gerufen wedren können, andererseits 8-teilige Pamphlete verbreitet werden, dann kann ich auch zu den Spalten der FAZ zurückkehren, die Zensur dort unterscheidet sich nur graduell.

Da Fatale ist, Herr Sellner sinnt laut über 'Repressionsakzeleration' nach und wenn nur zaghaft ein Thema dieser Repression angesprochen wird, macht die sezession und/oder er sofort einen Rückzieher.

 

Götz Kubitschek

24. Oktober 2020 10:22

guten morgen. feierabend. dank an alle.

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