Günter Scholdt: Brechts »Maßnahme« und die AfD

Bertolt Brechts Theaterstück »Die Maßnahme« ist eine der am wenigsten verhohlenen Rechtfertigungen eines kommunistischen Mords.

Redaktionelle Informationen und Hinweise - Werkstattberichte sozusagen.

1930 urauf­ge­führt, galt es unter Kom­mu­nis­ten als Ver­rat: Zu offen wur­de inner­par­tei­li­che Herr­schafts- und Gewalt­pra­xis dar­ge­stellt und legi­ti­miert. Der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler und poli­ti­sche Publi­zist Prof. Dr. Gün­ter Scholdt legt »Die Maß­nah­me« sei­ner Lage­ana­ly­se zugrun­de, die er unter dem Titel Brechts “Maß­nah­me” und die AfD in der rei­he kapla­ken ver­öf­fent­licht hat (hier ein­se­hen und bestel­len).

Deutsch­land 2020 bedeu­tet Unter­drü­ckung und Zer­set­zung von Alter­na­ti­ven mit allen Mit­teln. Aber ver­hält sich die “Alter­na­ti­ve” unter die­sem Druck rich­tig? Nein, meint Scholdt, und geht mit der Par­tei hart ins Gericht. Wir spra­chen nun mit dem Autor über sei­ne grund­le­gen­den Thesen.

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SEZESSION: Herr Pro­fes­sor Scholdt, wel­che haupt­säch­li­chen Aus­sa­gen ent­hält Ihr jüngs­ter kaplaken-Band?

SCHOLDT: Er bie­tet die Ana­ly­se eines maka­bren kom­mu­nis­ti­schen Lehr­stücks von 1930 als fort­ge­setz­tes Poli­ti­kum. Gegen­wär­tig taugt es als Modell für die Sank­tio­nie­rung Unan­gepaß­ter durch die jewei­li­gen Parteiführungen.

Ein wei­te­rer Akzent liegt auf der pre­kä­ren Zwick­müh­le, in die unse­re Herr­schaft­s­cli­que die AfD manö­vriert hat: Ent­we­der sie fügt sich bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen „Korrektheits“-Normen und ver­rät damit einen Teil ihrer Wäh­ler, ins­be­son­de­re in ihrer Abnei­gung gegen Maul­kör­be. Oder sie wird durch diver­se „Ver­fas­sungs­schüt­zer“ grund­ge­setz­wid­rig ausgegrenzt.

SEZESSION: Sie bera­ten in Ihrem Büch­lein die AfD gewissermaßen?

SCHOLDT: Der Band votiert nicht für die­se oder jene AfD-Wer­be­tak­tik und betei­ligt sich an Rich­tungs­dis­kus­sio­nen nur inso­weit, als er die jewei­li­gen Kon­se­quen­zen durch­de­kli­niert. Im Zen­trum steht viel­mehr die Fra­ge, ob oder wodurch die AfD als Frei­heits­par­tei überlebt.

Hin­sicht­lich des fun­da­men­ta­len Ver­nich­tungs­wunschs des Estab­lish­ments einem so gefähr­li­chen Stim­men­kon­kur­ren­ten gegen­über soll­ten aller­dings kei­ne Illu­sio­nen bestehen. Auch eine for­ciert „bür­ger­li­che“ Fas­sa­de änder­te dar­an wenig.

SEZESSION: Muß in so gefähr­li­cher Lage nicht alles ver­mie­den wer­den, was Main­stream-Angrif­fe begüns­tigt? Ist strengs­te Dis­zi­plin obers­te Pflicht der AfD?

SCHOLDT: Auch eine jun­ge, sym­pa­thisch auf­müp­fi­ge Par­tei, die erst­mals seit lan­gem wie­der Volks- statt nur Eli­te-Anlie­gen ver­tritt, ist kein Tum­mel­platz für ego­zen­tri­sche Schwa­dro­neu­re. Gleich­wohl erwar­tet man von einer par­la­men­ta­ri­schen Kraft, die sich nen­nens­wert von der Abnick-Men­ta­li­tät der Alt­par­tei­en unter­schei­det und sich gar als „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land“ ver­steht, grund­sätz­lich mehr Liberalität.

In den Grün­dungs­ta­gen zumin­dest spür­te man allent­hal­ben den Wunsch, nicht nur unser gesell­schaft­lich oktroy­ier­tes Duck­mäu­ser­tum zu über­win­den, son­dern auch inner­par­tei­lich tem­pe­ra­ment­vol­le Dis­kus­sio­nen zuzu­las­sen. Die­sem frei­heit­li­chen Geist ent­spricht eher eine grö­ße­re Band­brei­te zu tole­rie­ren­der Meinungen.

SEZESSION: Recht­fer­tigt das auch jüngs­te skan­dal­träch­ti­ge Äuße­run­gen wie die des Ex-Pres­se­spre­chers Lüth?

SCHOLDT: Natür­lich nicht. Es ekelt mich zwar vor der in Mode gekom­me­nen Pra­xis, rechts­al­ter­na­ti­ve Reprä­sen­tan­ten wie Lüth oder Stra­che (ehe­mals FPÖ) mit per­fi­den bzw. geheim­dienst­li­chen Mit­teln unap­pe­tit­li­che State­ments zu ent­lo­cken. Und aus Man­gel an Pha­ri­sä­er­tum kann ich mir durch­aus vor­stel­len, daß sich jemand, der tag­täg­lich einem bös­ar­ti­gen Dau­er­druck aus­ge­setzt ist, in (ver­meint­lich) pri­va­tem Kreis auch mal im Ton gänz­lich ver­greift oder ver­bal auskotzt.

Doch wer sei­ner Par­tei sol­chen Scha­den zufügt, muß Kon­se­quen­zen zie­hen oder dul­den, daß ande­re es tun. Kor­rup­ti­ons­ver­dacht oder der­ar­ti­ge Gewalt­phan­ta­sien ver­bie­ten sich, und die Öffent­lich­keit ver­zeiht sie weder hier noch in Öster­reich – zumin­dest nicht im rech­ten Lager. Aus­nah­men gel­ten allen­falls für eta­blier­te Par­tei­en, inklu­si­ve der neu­er­dings koali­ti­ons­fä­hi­gen Lin­ken, bei denen auf Par­tei­ta­gen schon mal über die Erschie­ßung oder Zwangs­be­hand­lung von Rei­chen spe­ku­liert wer­den darf.

SEZESSION: Haben also die­je­ni­gen recht, die der AfD schon lan­ge zur „Säu­be­rung“ respek­ti­ve dem „Aus­schwit­zen“ des „rechts­ra­di­ka­len Nar­ren­saums“ rieten?

SCHOLDT: Das ist mir zu ein­fach. Nicht jeder rhe­to­ri­sche Gro­bia­nis­mus ist unan­ge­bracht oder gar eine (partei-)politische Tod­sün­de. Wo Popu­lis­mus – ein Begriff, den ich als Abwehr­be­we­gung gegen­über einer abge­ho­be­nen Funk­ti­ons­eli­te posi­tiv beset­ze – ernst­ge­nom­men wird, bedarf es auch einer Spra­che, die Kom­pli­zier­tes auf Wesent­li­ches her­un­ter­bricht und mit dras­ti­schen Bei­spie­len erläutert.

Eine pro­vo­zie­ren­de Regie­rungs­po­li­tik ver­dient kei­ne wohl­tem­pe­rier­te Aus­drucks­wei­se. Erfolg­rei­che Wahl­kämp­fer wie Strauß, Lafon­tai­ne, Schrö­der, Fischer und zuwei­len auch Schmidt scher­ten sich häu­fig kei­nen Deut um Poli­ti­cal Correctness.

SEZESSION: Schießt man als bewußt Inkor­rek­ter zu oft übers Ziel hinaus?

SCHOLDT: Nun: Was unse­re poli­ti­sche Klas­se als uner­träg­li­che rech­te Her­aus­for­de­rung oder gar Extre­mis­mus beklagt, belegt meist doch gar kei­nen (sprach­li­chen) Exzes­se, son­dern Ein­sprü­che gegen zen­tra­le Ele­men­te der aktu­el­len post­de­mo­kra­ti­schen Agen­da, z.B.

  • gegen die Auf­lö­sung der Natio­nen zuguns­ten einer kaum noch kon­trol­lier­ba­ren Euro­kra­tie oder glo­ba­len NGOs;
  • gegen EU-Finanz- und ‑Wäh­rungs­ge­ba­ren oder unge­brems­te Mas­sen­im­mi­gra­ti­on samt ihrer sozia­len und öko­no­mi­schen Folgen;
  • gegen Gen­der­wahn in einem sprach­li­chen Absurdistan;
  • gegen bil­lio­nen­schwe­ren Akti­vis­mus in Sachen CO2 und neu­er­dings im Dienst unse­res Corona-Managements;
  • gegen unan­tast­ba­re Mul­ti­kul­ti-Visio­nen und Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ter­ror à la BLM;
  • gegen Poli­ti­cal Cor­rect­ness, die in nahe­zu allen Lebens­fra­gen und Gesell­schafts­be­rei­chen den gesun­den Men­schen­ver­stand und die Mei­nungs­frei­heit blockiert.

Ver­tei­digt man nicht umfas­send das Grund­recht, sol­che und ande­re Belan­ge in aller Deut­lich­keit anzu­spre­chen, wird man auf stän­dig klei­ne­re Hand­lungs­räu­me des angeb­lich nur noch Sag­ba­ren zurück­ge­drängt und pro­gram­ma­tisch kastriert.

SEZESSION: Ihre Par­al­le­li­sie­rung von Brechts „Maß­nah­me“ mit der Pra­xis gegen­wär­ti­ger Par­tei­en lebt von der Behaup­tung, die­se ver­hüll­ten über­haupt noch etwas, das Non­kon­for­mis­ten unbe­dacht aus­plau­dern. Doch ver­tu­schen die Block­par­tei­en ihre unse­li­gen Zie­le denn über­haupt noch?

SCHOLDT: In der Tat outen sich Par­tei­obe­re heu­te zuneh­mend öfter, so daß jeder halb­wegs Beschla­ge­ne eigent­lich Bescheid wis­sen müß­te. Ein schlim­mes Signal, obwohl ledig­lich die Spit­ze des Eis­bergs sicht­bar wird. Was uns mit allen Kon­se­quen­zen wirk­lich droht, erreicht das Bewußt­sein der Öffent­lich­keit eher sel­ten, son­dern wird häu­fig in blu­mi­gen State­ments und gefram­ten Nach­rich­ten verschleiert.

Immer­hin rumort es zuwei­len sogar in der Basis der “hygie­ni­schen” Par­tei­en gewal­tig. Wenn also die CDU Maaßen abstraft, die SPD Sar­ra­zin, die FDP Kem­me­rich und die Grü­nen Pal­mer, so erfol­gen sol­che exem­pla­ri­schen Sank­tio­nen ja nicht, weil dies gänz­li­che Außen­sei­ter­po­si­tio­nen wären. Im Sin­ne der Par­tei­füh­rung bedarf es daher der­ar­ti­ger Exekutionen.

Der huma­ni­tä­re Fort­schritt in der Bun­des­re­pu­blik besteht immer­hin dar­in, daß man sich statt revo­lu­tio­nä­rer Liqui­die­run­gen einst­wei­len noch mit Ruf­mord und juris­ti­scher Behel­li­gung begnügt. Nichts­des­to­trotz kenn­zeich­net mas­si­ve Dis­zi­pli­nie­rung von Abweich­lern alle Parteien.

Und erst sie ermög­licht jene neue kar­tel­l­arti­ge Homo­ge­ni­tät der Block­par­tei­en, geprägt von der gemein­sa­men Furcht, durch eine neue poli­ti­sche Kraft von ihren par­la­men­ta­ri­schen Fleisch­töp­fen ver­trie­ben zu werden.

SEZESSION: Wie ver­hält es sich spe­zi­ell bei der AfD? Einigt sie über­haupt (noch) ein tra­gen­der Wil­le zur ener­gi­schen Kon­fron­ta­ti­on des Estab­lish­ments, den „jün­ge­re Genos­sen“ öffent­lich preis­ge­ben könnten?

SCHOLDT: Dies bleibt als Kern­fra­ge und ent­schei­det dar­über, ob die AfD ihrer Frei­heits­mis­si­on über­haupt noch gerecht wird. Schließ­lich ver­folg­ten bereits die Lucke- und Hen­kel-Zir­kel einen Kurs, der sich weit­hin auf EU- und Wäh­rungs­kri­tik redu­zier­te und das inner­par­tei­li­che „Säu­bern“ in Gang setzte.

Gibt es also über­haupt einen „Geheim­plan“, der von „jun­gen Genos­sen“ zu ver­ra­ten wäre? Bei den „Rea­los“ der Par­tei wohl kaum. Wenn sie sich durch „Fun­dis“ ver­ra­ten bzw. in der Öffent­lich­keit des­avou­iert sehen, rührt dies daher, daß ihre Polit­am­bi­tio­nen nie­mals über ein weit­hin sys­tem­kon­for­mes Mit­re­gie­ren hinausgingen.

Gleich­wohl exis­tier­ten in der AfD zu jeder Zeit nicht ganz ein­fluß­lo­se Grund­im­pul­se, sich mit die­sem (von öko­no­mi­schen Abhän­gig­kei­ten und Sozi­al­grup­pen-Kum­pa­nei kor­rum­pier­ten) post­de­mo­kra­ti­schen Sys­tem nicht gänz­lich gemein zu machen.

Die Block­par­tei­en regis­trier­ten inso­fern mit Grund, daß sie dies­mal ernst­haft her­aus­ge­for­dert sein könn­ten. Dies nun gänz­lich im Sin­ne des Kon­troll­chors der „Maß­nah­me“ ver­ges­sen zu las­sen, dürf­te kein Königs­weg zum Erfolg einer Alter­na­ti­ve sein.

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+ Gün­ter Scholdts neu­en kapla­ken-Band Brechts »Maß­nah­me« und die AfD kann man hier bestel­len.

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+ Scholdt deu­tet es an: Die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land steht am Schei­de­weg – zum Teil selbst­ver­schul­det. Daher fragt die neue IfS-Stu­die aus der Feder Josef Schüßlbur­ners: Schei­tert die AfD? 

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Kommentare (11)

Kalastos

31. Oktober 2020 02:18

AfD-Bayreuth: Beisitzer muss gehen wegen Globalismuskritik.

Dazu passsend sind auch die skandalösen Vorgänge in der AfD-Bayreuth. Dort musste der Beisitzer Jürgen O aus dem Kreisvorstand gedrängt.

Der Grund dafür: Jürgen O hatte die aktuelle Bevölkerungsentwicklung in Deutschland als Genozid charakterisiert ("Deutscher Volksgenozid") und er den Einfluss der Globalisten auf die politischen Elite kritisierte.

Der Kreisvositzender der AfD-Bayreuth Christian Erdelen wird im Nordbayrischen Kurier mit den Worten zitiert:

"Er habe Sachen gesagt, „das geht so nicht.“ Die AfD distanziere sich von Aussagen, die mit der Partei nichts zu tun hätten. Der Begriff „deutscher Volksgenozid“ komme aus einer Ecke, mit der die AfD nichts zu tun habe. O. habe eingesehen, dass dies mit seinem Parteiamt nicht vereinbar sei und sei zurückgetreten " https://www.kurier.de/inhalt.antisemitische-verschwoerungstheorien-bayreuther-afd-funktionaer-muss-posten-raeumen.fa14911b-5b43-4b59-b90c-f3c1a289cc2e.html

 

Kalastos

31. Oktober 2020 04:31

Noch eine Anmerkung zu den von Scholdt angesprochenen Gefahr des Zurückdrängen "auf ständig kleinere Handlungsräume des angeblich nur noch Sagbaren zurückgedrängt" durch vorauseilenden Gehorsam, für die der Bayreuther Fall ein ausgescheinliches Beispiel darstellt.

Aber das Leute wie der Bayreuther AfD-Kreisvorsitzende sagen können, dass Begriffe wie "Genozid" mit Bezug zum Schicksal der Deutschen aus einer "Ecke" kommen, die mit der AfD nichts zu tun habe, liegt auch daran, dass Gallionsfiguren des rechten Flügels der AfD wie Höcke oder Kalbitz.

Denn auch Kalbitz - und vor allem Höcke - haben sich die letzten Jahr "gemäßigt". Auch sie haben sich in ihren Reden dem linken Flügel und damit letztendlich auch der Meinungshoheit der herrschenden Linken angepasst. Sie haben es damit auch leicht  auch den falschen Leuten leichter gemacht, sich in der AfD heimisch zu fühlen. Leute, die womöglicherweise die AfD die sich selbst nie als "rechts" bezeichnen würden, und auch nicht im weitesten Sinne "rechts" sind in dem Sinne, dass sie  die zentrale[n] Elemente der aktuellen postdemokratischen Agenda"  gar nicht vollständig ablehnen und auch nicht wirklich verstehen.

Eigentlich hätten Höcke und Kalbitz in ihren Reden so häufig  mit "Genozid" und "Globalisten" um sich werfen sollen, und sei es nur,  dass diese Leute die Partei verlassen.

Gustav Grambauer

31. Oktober 2020 09:39

Die Denn-er-war-unser-Erberezeption tobt - diesmal von kulturmarxistischer Seite her, diesmal auf Basis des ultimativen Formalismus, und diesmal - um Brecht. Hier

https://www.zvab.com/servlet/SearchResults?cm_sp=SearchF-_-topnav-_-Results&kn=knopf%20lebenskunst%20finsteren&sts=t

der Versuch, ihn uns als "Lebenskünstler" vorzustellen und ihn gegen jeden Vorwurf, er sei erztotalitärer Kommunist gewesen, in Schutz zu nehmen.

Obwohl der Autor marxistisch-leninistisch erzogen wurde, geht er - bei aller Minutiosität - über die ultrakonsequente ML-PolÖk-Duchstrukturierung von Brechts Œuvre schulterzuckend hinweg, setzt sich an keiner Stelle damit auseinander.

Obwohl der Autor genau weiß, daß Brecht Protagonist des "Charakters unserer Epoche" wie kein anderer war, lenkt er von der ersten bis zur letzten Seite von der sowohl vom Marxismus als auch vom Bolschewismus getragenen kollektiven Bewußtseinsdynamik ab, deren Furor Brecht wie kein anderer zelebriert hat. Komplette abberatio ictus. Wie kann man eine Brecht-Biographie schreiben und dabei darüber hinweggehen, Brecht als den (!) Träger der proletarisch-revolutionären Kollektivästhetik vorzustellen, ihn vielmehr qua Mogelpackung als harmlosen verfrühten BoBo zu verbrämen.

- G. G.

Gustav Grambauer

31. Oktober 2020 09:40

Dieses Ablenkungsmanöver zeigt sich schon im Titel: Brecht hätte über "Lebenskunst in finsteren Zeiten" getobt, er hätte stattdessen vom "Klassenstandpunkt" aus auf

"Neue Kunst in unserer Zeit"

insistiert und nichts anderes gelten lassen.

Hab`s leider nur aus der Bücherei gelesen gehabt, müßte noch mal den Eiertanz um die "Maßnahme" herum genau recherchieren, um auch dazu etwas sagen zu können.

- G. G.

Franz Bettinger

1. November 2020 10:13

G. Scholdt fordert „auch innerparteilich temperamentvolle Diskussionen zuzulassen“. Genau daran hapert es bei der AfD gewaltig. Wenn die Alternative wirklich einen Sprung nach vorne machen will, muss sie die Unvereinbarkeitsliste (oder wie das Unding heißt) ersatzlos streichen. Welche Partei hat sich einen ähnlichen Maulkorb umgebunden?! Natürlich muss die AfD  die Partei der freien Rede sein. Danach sehnen sich die Menschen in dem geknebelten Land mehr denn je zuvor. Begreift das niemand? 

Franz Bettinger

1. November 2020 10:40

„Massive Disziplinierung von Abweichlern kennzeichnet alle Parteien. (FB: Leider auch die AfD.) Erst diese Abstrafungen ermöglichen jene neue kartellartige Homogenität der Block-Parteien.“ Das ist für mich der zentrale Satz bei Scholdt. Er erklärt, warum wir es unter dem Merkel-Regime mit einer ganz neuen abartigen Parlamentswelt zu tun haben, die sich selbst laufend wie unter Zwang säubern muss. Übrigens ein herrlich erfrischend vorgetragenes Interview! Ich würde mir mehr von diesem Frage-Antwort-Format auf SiN wünschen. 

Lotta Vorbeck

1. November 2020 11:48

Professor Günter Scholdt deutet es an: Die Alternative für Deutschland steht am Scheideweg – zum Teil selbstverschuldet. 

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Sowohl die Alternative für, als auch das, was von Deutschland überhaupt noch übrig ist, stehen offensichtlich am Scheideweg.

 

+ "Wir werden sie jagen!" ?

+ "Wir holen uns unser Land zurück." ?

+ "Mut zur Wahrheit." ?

 

Eine von gnadenlos opportunistischen Erbsenzählern angeführte, völlig wirkungslose Alternative, die sich unwillig bis offen ablehnend dafür zeigt, ihr eigenes, metapolitisches Vorfeld überhaupt zu bestellen geschweige denn zu düngen, die nicht säen, aber ernten will, die sich binnen sieben Jahren in internen Grabenkämpfen verschleißend nichts weiter als Mandatsträger hervorgebracht hat, braucht niemand.

 

Laurenz

1. November 2020 14:41

Die AfD leidet vordergründig an verwaltungstechnischer Inkompetenz. Man darf inkompetent sein. Aber dann muß man sich eben die Zeit nehmen, dieses Manko bei den bereits Erfahrenen einzuholen. Ich habe zwangsweise die Partei verlassen, weil die Dumpfbacken meiner politischen Fraktion sich in mein Amt als Kreisschatzmeister eingemischt hatten, und ich für deren Dumpfbackentum keine Verantwortung zu übernehmen bereit bin. Immerhin sieht das deutsche Parteienrecht bei finanziellen Ungereimtheiten in einer Parteikasse 1-3 Jahre Knast vor.

Zu Herrn Prof. Dr. Scholdt gibt es im Grunde nichts weiter zu sagen. Scholdt beschreibt nicht nur die AfD im Verhältnis zu anderen Parteien, sondern kurz & bündig den traurigen politischen Zustand des Staates auf seinem Weg zurück in der Groß-Zone. Allerdings ist es diesmal nichts mit "Geh doch nach drüben".

Franz Bettinger

1. November 2020 22:37

Wer unter Merkel die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit und zur Demokratie anmahnt, wird von den per Notstandsgesetz selbstermächtigten Politikern, ihren Satrapen in den Ländern sowie den alles beherrschenden System-Saugern (und daher System-Anbetern) in die Rolle eines Radikalen gedrängt und gnadenlos verfolgt. Daher wirkt bereits die zahme Forderung nach Meinungsfreiheit revolutionär und bewirkt, dass Google, Youtube und Twitter wie auf Befehl politisch Unerwünschtes löschen. 2020 hat einen Geruch an sich, ähnlich 1933.  2020 wird als ähnliches Menetekel in die Geschichte eingehen.

Franz Bettinger

2. November 2020 05:04

Was hat Brechts Drama mit der AfD zu tun? Nun, die AfD wird von allen Parteien ausgegrenzt; so rigoros, wie keine Bundestagspartei je zuvor.  Warum behandelt man sie als Paria? Weil sie konservativ ist? Rechtsradikal gar? Weil sie irgendwas mit der dunklen deutschen Vergangenheit am Hut hat? Nein, das ist Unsinn. Vorgeschobener Unsinn. Zunächst einmal wird sie ausgegrenzt wie andere Parteien zuvor auch, die zu den Futtertrögen strebten: 1982 die Grünen Chaoten, 1992 die Mauermörder der PDS, 1989 die Republikaner und 2011 die Piraten. Überlebt haben nur Grüne und Linke. Die anderen wurden weggemobbt. 

Mit den üblichen Ellbogen-Reflexen gegen Neulinge sind die Maßnahmen (sic) gegen die AfD jedoch nicht erklärbar und schon gar nicht mit wirklichem Extremismus. Ist doch die unrühmliche Vergangenheit der Grünen und Linken sattsam bekannt. Im Vergleich zu den Brandstiftern, Steinewerfern, Pädophilen- und Kindersex-Verstehern, den Terrorismus-Sympathisanten und Kriegs-Parteien (gegen Jugoslawien, Afghanistan, Irak, den Stasi- und Antifa-Verharmlosern - im Vergleich zu der im Bundestag versammelten unehrenwerten Mafia ist die AfD geradezu unbefleckt. Ihre Ausgrenzung ist daher ein Skandal. ff

 

Franz Bettinger

2. November 2020 05:08

Angesichts solcher Feindschaft hält sich die AfD recht solide. Es sieht sogar danach aus, als entwickele sie sich schneller als die Grünen zu einer stabilen politischen Kraft.

Wird sie auch enden wie die Grünen? Als schmucker Bett-Vorleger des Großkapitals! Vom Donnerschlag, der die grüne Partei einst auszeichnete, blieb nichts übrig. Volksentscheide, Direkte Demokratie, Pazifismus? Die hehren Überzeugungen sind tot. Alles weg! Sogar der Einsatz für die Umwelt liegt begraben unter Miniatur-Wasserkraftwerken, Windmühlen-Parks und anderen nutzlosen grünen Schandmählern. 

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