25. November 2020

Live aus Schnellroda – diesmal: Armin Mohler!

Benedikt Kaiser / 24 Kommentare

Lehnert und Kubitschek haben live aus der Bibliothek in Schnellroda mehr als eineinhalb Stunden über Armin Mohler gesprochen. Hier ist die Sendung:

Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


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Ankündigungstext, 25. XI. 2020:

Die dritte Live-Schaltung aus Schnellroda startet heute, um 19 Uhr, in unserem YouTube-Kanal. Lehnert und Kubitschek sprechen über Armin Mohler.

Mohlers Werk wird seit Verlagsgründung von Antaios gepflegt. eine erste Einführung in Leben und Werk bietet der »Nachruf auf Armin Mohler« aus der 2. Sezession (Juli 2003).

Kubitschek führt darin aus:

Mit Armin Mohler verliert Deutschland einen seiner großen rechten Publizisten. Was er uns gelehrt hat – und dieses Uns meint seine Schüler, für seine Freunde kann ich nicht sprechen, dazu reichen Alter und Kenntnisse nicht aus; was Armin Mohler uns also gelehrt hat, läßt sich in einigen Begriffen ausdrücken: die Unbekümmertheit des raschen Vorstoßes, die Befreiung der Gestalt, die Bewaffnung der Sprache, die Hochschätzung der Form, die Taktik der Nonkonformität.

Diese fünf Formen und Verhaltensweisen, die uns Mohler lehrte und, vermittelt über sein Schrifttum, weiter lehrt, sind ein unvergängliches Erbe, über das es sich zu reden lohnt, zumal viele jüngere Rechte  keinen Zugang mehr zu diesem Meisterdenker des Nonkonformen finden. Das trägt dazu bei, daß sie einigermaßen orientierungs- und haltungslos durch die Sphäre des Politischen taumeln.

So gerät bisweilen in Vergessenheit, daß es der in Basel geborene und aufgewachsene Mohler war, der ab den 1970er Jahren »eine intellektuelle Rechte ganz neuen Stils« schuf, die »einen Gedanken nicht gleich wie eine heiße Kartoffel fallen [ließ], wenn er von der Gegenseite als ›faschistisch‹, ›autoritär‹ oder sonstwas deklariert wird« (»Symposium«, in: Der Monat 1/1978, S. 20).

Diese »Unbekümmertheit« ob gegnerischer Anwürfe und Projektionen, die Kubitschek Mohler zuschrieb, ist selbstbewußt, forsch und entspannt zugleich. Damit aber wird sie just dies, was das rechte Lager heute an erster Steller benötigt: Den Blick auf sich selbst, nicht auf das, was andere über diese und jene Aussage und diese und jene Handlung raunen könnten.

Mohler zu entdecken (oder: wieder aufzufrischen) heißt also nicht zuletzt, unkonventionelles Denken, souveränes Agieren und heiter-ernste Angriffslust zu synthetisieren. Wer sich dies aneignen möchte:

+ Gegen die Liberalen war meine erste prägende Mohler-Lektüre. Die Buchbeschreibung trifft den Kern: »Man liest und weiß, daß man rechts ist – oder eben nicht.« Mit einem Nachwort vom Mohler-Schüler Martin Lichtmesz. Hier entlang.

+ Der faschistische Stil ist ein weiterer Schlüsselessay Mohlers, den Kubitschek sogar zu den prägenden Lektüreerfahrungen seines Lebens rechnete (in: Das Buch im Haus nebenan, hier!). Mohlers »physiognomischer Zugriff« birgt originelle Stärken und immanente Schwächen – unter anderem darauf durfte ich im Nachwort eingehen. Hier bestellen. 

+ Ein weiterer kaplaken-Band, Notizen aus dem Interregnum, umfaßt jene 13 Folgen der Mohler-Kolumne, die Mitte der 1990er Jahre zum Bruch mit der heutigen Wochenzeitung für Debatte (sic!) führten. Mit einem Nachwort von Götz Kubitschek über das Zerwürfnis. Hier sind noch einige Exemplare vorrätig.

Neben den drei schmalen Bändchen gibt es zwei Bände von ansehnlichem Umfang:

+ Zum einen sind die Briefe an Ernst Jünger zu nennen. Mohler nahm 1947 Kontakt zu Jünger auf, zwei Jahre später wurde er sein Sekretär. Bis zum Bruch 14 Jahre später tauschte er sich intensiv mit dem »Chef« aus. Mohler-Kenner Lehnert paraphrasierte die Briefe Jüngers und kommentierte die Übergänge, hier bestellen. 

+ Zum anderen darf der Mohlersche Klassiker in keinem Bücherregal fehlen: Die konservative Revolution in Deutschland ist Mohlers Vermächtnis an die deutschsprachige Rechte. Wurde der Terminus, der Konservatismus und revolutionäres Denken miteinander verschmelzt, verschiedentlich kritisiert und als falsch betrachtet wurde, hat er sich nichtsdestoweniger bis heute sowohl in der Wissenschaft als auch in der politischen Theorie und Praxis als Arbeitsbegriff behauptet.

Die sechste Auflage wurde von Karlheinz Weißmann – dessen Mohler-Biographie bei Antaios erschien, aber vergriffen ist – überarbeitet und auf den Stand der aktuellen Forschung gebracht. Über 350 Porträts, von Jünger und Schmitt über Spengler und Zehrer bis zu George, Benn und Niekisch. Hier bestellen. 

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Wer die letzte Liveschalte aus Schnellroda verpaßt hat, wird im »kanal schnellroda« fündig.

Vor 14 Tagen ging es um einen anderen inspirierenden Ahnherren der nonkonformen deutschen Rechten: Ernst von Salomon.


Benedikt Kaiser

Benedikt Kaiser ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Verlagslektor.


Kommentare (24)

RMH

25. November 2020 13:14

Danke! Da werde ich wieder zusehen.

Mohlers Werk über die KR war für mich in meiner Studienzeit, die in einer Zeit ohne Internet war, wie eine Land- oder Übersichtskarte. Man könnte so viele dort gezeigte Wege abwandern. Eine Quelle der Inspiration, selber sich in Uni- Bib und Antiquariaten auf die Suche nach den Originalen zu machen. 

Als weiteres, allerdings nicht enzyklopädisches Werk, habe ich dann nur "Der Nasenring" von ihm gelesen. Die von ihm herausgegebene Festschrift für E. Jünger ist ebenfalls lesenswert. Alles lange her ... 

Insofern freue ich mich auf heute Abend.

Nemo Obligatur

25. November 2020 13:48

Die dritte Sendung,  das ist dann ein Triptychon. Damit könnte man es bewenden lassen. Vier Abende wären schon fast zuviel (oder höchstens noch einen über den Plettenberger), ab fünf wird es beliebig. Hoffentlich kippen die beiden Herren heute nicht wieder so viele Schnäpse, denn über Mohler wüsste ich gerne mehr, bislang habe ich nicht einmal Vorurteile. Bin auf jeden Fall wieder dabei.

Laurenz

25. November 2020 14:40

@Nemo Obligatur

Teile Ihre Auffassung nicht. Die Schau ins visuelle Medium, das Spektakel, löste längst das Lesen im aktuellen Zeitgeist ab. Solange sich Schnellroda das leisten kann, würde ich eine unendliche Serie an Charakter-Gesprächen befürworten. Man kann das auch beim Bügeln laufen lassen, wie ein Hörbuch. Und bei dem extra-ordinären Talent GKs zur Verkürzung wäre auch eine jeweilige 3-Minuten-Version wünschenswert. Was viele noch nicht begriffen haben, ist, daß digital Gespeichertes länger überlebt als Papier & die jeweiligen Künstler und Protagonisten selbst.

Niekisch

25. November 2020 15:05

Das werde ich mir wieder anhören. Ein wirklich attraktives Format. Vielleicht kommt auch einmal der von Armin Mohler verehrte Kapitan Codreanu dran. 

Franz Bettinger

25. November 2020 16:19

Ich stimme @Lau zu und finde, die Schnäpse haben dem Gespräch gut getan. Mehr davon!

Maiordomus

25. November 2020 16:23

Als eine Generation älter als die obigen Mohler-Bekenner war ich zwar Leser, aber nie "Schüler" von A. Mohler, der in seinem Heimatland als fächendeckend Verfemter nie Schüler gefunden hat. Immerhin liess ihn die Weltwoche und zumal auch Erwin Jaeckle, mein väterlicher Förderer, gelegentlich in der "Tat" schreiben, weil er dies nun mal konnte. Kam dazu, dass Mohler sich lange als Fan von General de Gaulle positioniert hat im Wunsch, ein Franz Josef Strauss würde sich in jener Richtung entwickeln. Wahr ist ferner, dass einer wie Mohler noch in den Fünfziger und Sechzigerjahren relativ breit publizieren konnte, wenn man denkt, dass man etwa mit SS-Vergangenheit es damals selbst bei einer so konservativen Zeitung wie dem Rheinischen Merkur zum Redakteur bringen konnte wie zum Beispiel Theo M. Loch, der sich aber im Gegensatz zu Mohler überproportional "umgefärbt" hat. Als politischer Denker war aber Mohler für uns Schweizer Rechte nie irgendwie massgebend oder auch nur geachtet; eher schon gehobene Bildungsbürger wie Gonzague de Reynold und Carl Jacob Burckhardt, der einstige Gesandte in Danzig, 1956 Friedenspreisträger des dt. Buchhandels, als dies "unter Heuss" noch was bedeutete. 

Niekisch

25. November 2020 17:45

@ Maiordomus 16:23: Zwar weiß ich, dass Armin Mohler bei Hermann Schmalenbach und Karl Jaspers in Basel zum Dr. phil. promovierte u.v.a., aber warum ging er nicht an die Ostfront, sondern verbrachte in Berlin einige Monate in der Staatsbibliothek? Können Sie da weiterhelfen? Hatte er die Warnungen von Wehrmachtoffizieren vor der Waffen-SS vernommen, die manchen jungen Mann vor der Dienst in dieser Truppe abhielten? Oder war er wirklich immer nur der "Schreibtischhengst", der zwar nationalistische Sprüche aller Art kloppte, aber selber nie in einen Pflastersteinhagel geriet? 

Gotlandfahrer

25. November 2020 19:04

Hätte gern einen Tip, wie man in den Live Stream kommt. Auf yt ist nix zu finden, mein Trick vom letzten mal, über Twitter hinzukommen funktioniert nicht. Der Link oben im Text auch nicht. Schade... :-(

Kommentar Sommerfeld: Es geht, Benedikt Kaisers Artikel auf SiN zu öffnen, und über den Link zu "unserem YouTube-Kanal" einzusteigen.

Nordlicht

25. November 2020 20:47

Es war interessant. Ich scheue davor zurück, allzuweit in die 50er und 60er zurück zu gehen.

Ich lese gerade den "Ethnopluralismus" sowie aktuelle Bücher von Verteidigern des  Nationalismus. Das scheint mir für das wichtigste politische Thema überhaupt, die Bewahrung des Eigenen, dringener zu sein als in Salomon, Schmitt ua einzusteigen ...

Nemo Obligatur

25. November 2020 20:51

Das Zuhören hat sich gelohnt. Ein konzentrierter Vortrag von Lehnert und Kubitschek. Beide Diskutanten in Topform, am Ende sogar beinahe noch nüchtern. Dieser Abend spart mir ganze Monate der Mohler-Lektüre (obgleich das genaue Gegenteil das Ziel der beiden gewesen sein dürfte).

Maiordomus

25. November 2020 21:14

@Niekisch. Sie sagen Wichtiges über Mohler, den "Schreibtischhengst", dessen Tätigkeit in Berlin aber dennoch in seiner Heimat als eine Art Landesverrat interpretiert wurde. 

RMH

25. November 2020 21:31

"Ich scheue davor zurück, allzuweit in die 50er und 60er zurück zu gehen."

Brauchen Sie auch nicht - gehen Sie einfach noch weiter zurück, dass ist besser. 

Zum heutigen Abend:

Danke! 

Mohler war bislang für mich über das Buch zur KR im wesentlichen der Brückenbauer - heute wurde der Horizont erweitert. Respekt an Kubitschek und Lehnert für das offene Bekenntnis zu Mohler!

Das wird bestimmt ausgiebig "verwertet" werden ...

Maiordomus

26. November 2020 08:25

Wertvoll im Gespräch um Mohler und Jünger, dass und warum es zum Bruch zwischen diesen beiden kam, nicht unwichtig auch der Hinweis auf die Eifersüchteleien von Carl Schmitt, die dem Jünger-Kenner natürlich bekannt sind, Dass indes Mohler als Pariser Korrespondent für die TAT schreiben konnte, eine von MIGROS-Gründer Gottlieb Duttweiler ins Leben gerufene hervorragende Tageszeitung, war das Verdienst von deren Chefredaktor Erwin Jaeckle, der schon gleich nach dem Kriege ähnlich wie Max Frisch eine Deutschlandreise machte und feindbildfrei, abrechnungsfrei darüber berichtete. Jaeckle war ein Förderer von Bernhard Brentano, der indes nach dem Krieg wegen seinem für einen Emigranten untypischen Deutschland-Dilemma aus der Schweiz ausgewiesen wurde. Von Jaeckle, hervorragender Lyriker, als Philosoph Verfasser von Standardwerken über Phänomenologie, gibt es noch das Buch "Ernst Jünger - Tagebuch des Jahrhunderts". Er war auch im Vergleich zu Martin Meyer der bessere Jünger-Kenner, hat überdies noch hervorragend über Paracelsus publiziert und ein ideologisch unabhängiges Feuilleton geführt, eine echte Alternative zur Neuen Zürcher Zeitung.

MartinHimstedt

26. November 2020 08:42

Gotlandfahrer/Sommerfeld:

Das macht so natürlich keinen Spaß. Der Stream sollte schon direkt verlinkt werden. Wenn das aktuell nicht möglich ist, so sollte dies ermöglicht werden, in dem man den Stream auf YouTube plant

MARCEL

26. November 2020 09:45

Kurze Glossen zur gestrigen Sendung:

Das Problem mit Algerien waren die Pieds-noirs, die Algerienfranzosen bzw. europäischen Siedler, die man kaltblütig im Stich gelassen hat (neben den Harkis). Hier gibt es ein ähnliches Trauma wie vor Zeiten in der Vendée. Trotz strategischer Weitsicht sollte man de Gaulle nicht überbewerten, ebensowenig wie FJS. Auch Cäsaren haben ihre Grenzen, vielleicht gerade sie. Das hat Mohler leidvoll erkennen müssen.

Nächste Sendung über Ernst Niekisch? Fände ich gut.

Bin nicht bigottisch, aber ich hoffe, dass das "Alkohol-Kaliber" nicht sukzessive weiter ansteigt, hat etwas Demoralisierendes...nichts für ungut!

Niekisch

26. November 2020 11:14

Habe gerade mal in alten "Critico´n"-Heften geblättert und in Heft 70 März/April 1982, S. 75f. einen Mohler-Aufsatz mit dem Titel "Der Soldat-die Gegenfigur-" gefunden: Alles Wesentliche aus dem Gespräch Kubitschek-Lehnert leuchtet auf, die Beziehung zu Jünger und seinem Werk, die eigene Vita Mohlers, die Beziehung zu Frankreich mit de Gaulle, sein Schriftstellersoldatentum, Mohlers unkonventionelles Denken, seine schriftstellerische Brillanz, ja, seine prophetische Gabe. Herrlich die Schilderung der Verhaftung des Kommandeurs der Berliner Schutzpolizei Heimannsberg im Rahmen des sog. Preußenschlags 1932...."keine gezogenen Waffen, keine Absperrung, keine Bürgerkriegsstimmung. Fast ein Ballett. Nach Regeln. Der Eingriff einer Macht (der Reichswehr, Niekisch) die keiner Drohgebärde, keiner Massierung bedarf. Denn jeder weiß, daß sie die letzte Ordnungskraft in der zerfallenden Republik ist." Ein einzelner, strammer Reichswehroffizier in würdiger Haltung mit Stahlhelm hatte die Verhaftung vorgenommen, da die Polizei sozialdemokratisch unzuverlässig war.

Ein gebuertiger Hesse

26. November 2020 12:10

Erneut ein reicher und nahrhafter Dialog zwischen zwei Mohler-Schülern, die an ihrem spiritus rector wohl keinen schöneren Dienst hätten leisten können, als derart haptisch-direkt und selbstverantwortet auf dessen Leistungen einzugehen, an sie zu erinnern, und sie für uns "vor den Bildschirmen" als weiterzuspielende Bälle ins Heute zu verlängern. Denn in der Tat: es geht für die Konservativen nicht ums Konservieren, sondern darum, den wichtigen Dingen ihre Brenzligkeit und innere Schärfe (weit oben auf der Scoville-Skala, wo es auch wehtut) zurückzugeben, und das geht am besten, geht vielleicht sogar nur, wenn man sich selbst von ihnen hat durchdringen, durchstechen lassen - die berühmte "zweite Geburt" sollte genau dies meinen. Dank an die Schüler, all dies wieder auf den Tisch gebraucht zu haben, und an den rector sowieso.

Maiordomus

26. November 2020 12:39

¦@Marcel. Eine Sitzung über Leopold Ziegler, wenn möglich mit Einbezug von Marc Jongen, wäre vielleicht sogar noch wertvoller. Ziegler hat für das 21. Jahrhundert wohl mehr zu sagen als nationalrevolutionäre Fossilien; kommt dazu, dass Jongen womöglich ein exemplarischer Testfall sein könne für den Zustand der Geistesfreiheit im Deutschland der Gegenwart, wessen er sich vielleicht als Bundestagsabgeordneter noch stärker bewusst sein sollte. Sein Feld wäre meines Erachtens nicht mal primär die Tagespolitik mit dem üblichen Hickhack; eher schon die Metapolitik, auch der Widerstand zum Beispiel gegen das Verdachtsmoment der Kontaktschuld. Bekanntlich wird das Referieren in Schnellroda bereits dort eingereiht, könnte auch ein Kriterium für Parteiverbot oder Ausschluss von Bundestagsausschüssen und dergleichen sein.  

MARCEL

26. November 2020 15:57

@Maiordomus

Danke für den Hinweis! Leopold Ziegler kannte ich bislang nicht. In unserem Spektrum lernt nie aus.

Maiordomus

26. November 2020 17:27

@Marcel. Auf Leopold Ziegler wurde schon in den Anfangszeiten von Sezession aufmerksam gemacht, suchen Sie den entsprechenden Artikel. Er war ein grosser Philosoph, dessen Horizont von der Religion bis zur Wirtschaft reichte, aber im Prinzip weniger politisch als die meisten Repräsentanten der konservativen Revolution;  im Prinzip vor allem metapolitisch und auf ganz langfristige Orientierung ausgerichtet. Noch wichtig war für ihn der Reichsgedanke, den er aber weniger nationalistisch interpretierte als andere, also stärker "abendländisch", aber keineswegs in der Art des Zentrums, insofern kann er zu den Repräsentanten der konservativen Revolution gezählt werden. Sein deutschnationaler Patriotismus war, von seiner Herkunft (Karlsruhe) stark vorderösterreichisch und föderalistisch orientiert; zu seinen nicht unwichtigen Vermittlern gehörte Gerd-Klaus Kaltenbrunner. Er verlebte einen grossen Teil seines Lebens in Überlingen am Bodensee, wo er auch begraben liegt und als einer der angesehensten Bürger der Stadt mit dem Bodenseeliteraturpreis ausgezeichnet wurde, noch einige Jahre vor dem ihm nicht ebenbürtigen Martin Walser. 

links ist wo der daumen rechts ist

26. November 2020 18:47

Was sagt uns die KR heute? / Heroismus

 

Die KR als nachträgliche Erfindung Mohlers bezog ihre Legitimation einzig und allein aus der Abgrenzung zum NS.
Welche tragfähigen staatlichen oder gesellschaftlichen Konzepte hätte es denn gegeben? Aber auch hier: Vieles entstand aus rein reflexhafter Abneigung gegenüber den verhaßten Sozis (Ständestaat), anderes war ein matter Nachklang der "Ideen von 1914" (nationalbolschewistische Konstrukte), einiges flüchtete in Utopien (völkische Ideologien), manche wurde aalglatte NS-Opportunisten (Name einzusetzen... ).
Und die, die diese Ansätze - in ihren links-rechts-Abgleichungen - in der Praxis auf ihre Alltagstauglichkeit erproben wollten, wurden zu den Opfern des 20. Juli.
Das meiste waren also von vornherein Hirngespinste, anderes scheiterte als schwaches Wiederaufleben der "Ideen von 1914" am eliminatorischen Totalitarismus des NS.

Nichtsdstoweniger habe ich das Gespräch der beiden Kämpen genossen.
Überlegung: Das Schwelgen in rechter Theorie und Literatur erinnert mich in manchem an begeisternd-prägende Jugendliteratur mit dieser gewissen Portion an unschuldig-männlichem Heroismus.

pasquill

26. November 2020 20:09

Verehrte Schnellrodisten, 

Topformat! Weiter so! Bitte noch viele rechts-konservative Theoretiker vorstellen und nicht - wie hier gefordert - nach drei Sendungen aufhören. Ich bin eine weitere Interessentin, die durch Kubitscheks und Lehnerts Expertise intellektuell sehr viel gewinnt und auch die anderen Youtube-Formate wie "Am Rande der Gesellschaft" und "Krisentrinker" mit großem Genuss hört, gerne auch beim Kochen, Stricken und Turnen. Die moderate Alkoholisierung finde ich in Ordnung, weil beide dadurch auftauen, insbesondere Kubitschek, der viel zu selten sein heiteres Gesicht zeigt. Zudem meine ich, Ihre Burschenschaftenverbundenheit und -vergangenheit zu erkennen.

Auch habe ich über diese Formate Herrn Lehnert besser kennengelernt und schätzen gelernt. Herr Lehnert: Ihr Vortrag bei der letzten Akademie - Chapeau, selten so etwas Konzises zu Max Weber gehört. 

Bei dieser Gelegenheit auch nochmals ein großes Lob an Ellen Kositza mit ihren Buchbesprechungsvlogs und an "Aufgeblättert - Zugeschlagen" mit ihr und Susanne Dagen.

Mein Abend heute ist gerettet mit Kubitschek/Lehnert zu Mohler und meine Weihnachtslektüre steht auch schon fest.

Dietrichs Bern

26. November 2020 21:55

@pasquill: Sehr schön zusammengefasst, da kann ich vollumfänglich mitgehen.

Ich habe auch noch mal ein paar Bücher bestellt, bin gespannt wie "Gegen die Liberalen" bei mir wirkt...

Pferdefuss

27. November 2020 17:11

@ pasquill

Gute Beobachtungsgabe. 

Die Kamera als mit dem 'Objektiv' der Begierde ist ja immer dabei, die beiden Subjekte zu bannen und Freiraum zu geben. Das ist gelungen, bis auf das Heranzoomen der Bücher, wohl eher eine Frage der technischen Vorbereitung. 

Herr Lehnert, geht Bier und Whisky zusammen?

In der Folge wären für mich Monterland, Kaltenbrunner, Fernau, Doderer, Davila (letzterer Europa eine 'Mischung aus Bordell, Verlies und Zirkus' prophezeit hat) willkommen.