29. November 2020

Sonntagsheld (165) – Wie die Lunte entzündet wurde

Gastbeitrag / 42 Kommentare

2010 – Mein Mishima

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  • Sezession

Den genauen Tag weiß ich nicht mehr, aber irgendwann im Winter 2010/11 brachte die Post einen großen Briefumschlag in mein Schülerzimmer, den ich neugierig erwartet hatte. Daß sich darin Material mit Sprengkraft befinden würde, ahnte ich zwar, hatte aber keine wirkliche Vorstellung von dem neuen Drall, den dieses Dynamit meiner Lebensbahn geben sollten.

Ein guter Freund, der längst ein Linker geworden ist und heute in Berlin lebt, hatte mich aufmerksam gemacht auf einen politischen Geheimtip, der sich wie ein Schwelbrand durch das musikalische Szeneamalgam aus Black Metal und Neofolk fraß, welchem ich mich damals zugehörig fühlte. Ein Magazin, rechts, radikal und selbstbewußt, aber auf eine andere Weise, als man das bisher kannte.

Der Name Yukio Mishima war mir – so möchte ich heute behaupten – damals nicht bekannt. Ich las ihn zum ersten Mal zwischen einer Handvoll anderer Überschriften auf dem Deckblatt der Zeitschrift, die ich aus dem Briefumschlag zog. Er wird mir nicht sogleich aufgefallen sein – irritierender erschien mir zu dem Zeitpunkt ein Aufsatz “Zur jüdischen Frage” - ein kurioser Titel, der nicht so ganz passen wollte zum eigentlichen Habitus der Veröffentlichung.

Die meisten Texte fand ich damals auch wenig zugänglich, einer jedoch erregte nachhaltig mein Interesse: Es war ein Autorenportrait von Daniel Napiorkowski, welches anläßlich seines 40jährigen Todestages das Leben ebenjenes Yukio Mishima skizzierte. Vier Seiten lang las ich gebannt über das undurchsichtige, facettenreiche Leben des Japaners – aber eigentlich las ich die ganze Zeit nur über seinen Tod, der mich – 17jährig – nach der Lektüre des Artikels nicht mehr losließ.

Irgendetwas war angefacht worden von dieser flüchtigen Bekanntschaft durch die Augen der Sekundärliteratur. Wenig später verschlang ich schon wie im Rausch Schnee im Frühling und Unter dem Sturmgott, nahmen die beiden Romane doch jeweils auf ihre Weise das gewaltsame Ende das Autors literarisch vorweg. Die schöne Geste und der große Tod hatten mich gefangengenommen. Keine Frage: Hätte damals jemand eine neue “Schildgemeinschaft” gründen wollen – ich wäre dabei gewesen.

Natürlich verhält es sich mit Mishima, wie mit den meisten literarischen Jugendhelden – je mehr man vom Menschen hinter den Büchern erfährt, desto größer wird das Unbehagen. Die meisten werden wissen: Mishimas Leben stand in seiner Sprunghaftigkeit und Perversion jenem anderer Bohemiéns in nichts nach. Das berüchtigte “Geständnis einer Maske” habe ich dementsprechend nie angerührt – ein Umstand, den ich auch heute nicht zu ändern gedenke.

Mit der Zeit, mit den Jahren verblaßte die Begeisterung – Der Tempel der Morgendämmerung steht bis heute nur zu einem Drittel gelesen in meinem Regal, Die Todesmahle des Engels tauschte ich gern gegen eine Ausgabe von Evolas Revolte. Denn obgleich man dem Japaner seinerzeit den Literaturnobelpreis zutraute, obgleich seine Erzählungen und Romane nach meinem Empfinden eine hohe literarische Qualität haben, bleibt doch die zentrale Achse, an der sich das Phänomen Mishima ausrichtet, jener 25. November, der nun ein halbes Jahrhundert zurückliegt.

Vor der düsteren und abgründigen Kulisse seines Lebens strahlt Mishimas Tat allerdings umso heller. Und ob er dabei selbst das Schwert führte, ob der Wahn einer aufbrechenden Psychose ihm den Stahl in die Gedärme rammte, oder ob es der Archetyp des Samurai-Ritters war, der seinen Körper in letzter Konsequenz für sich beanspruchte, das gehört zu den Mysterien, die dem Bild des abgeschlagenen Kopfes mit der aufgehenden Sonne auf der Stirn seinen bitter-süßen Geschmack geben.

Der Dichterkrieger an der Spitze seines Ordens, ein großes Fanal gegen die Entzauberung der Welt, gegen den umrühmlichen Fall eines göttlichen Kaisers, auch gegen den Schmutz, der auf der eigenen Seele liegt: “Vollendete Reinheit ist möglich, wenn Du Dein Leben in ein Gedicht verwandelst, das mit Blut geschrieben ist.”

Zehn Jahre ist meine erste Bekanntschaft mit Mishima, der Neuen Rechten und der Sezession nun her. Heute schreibe ich für die Zeitschrift, die ich damals neugierig aus dem Umschlag zog und nach der Lektüre mit gemischten Gefühlen zur Seite legte. Man kann also sagen: Heute gehören Tat und Wort, Blut und Gedicht für mich zusammen.

Hat mich also Mishima zu einem Rechten gemacht? Vermutlich war ich das auch schon vorher. Und es ist auch nicht so, daß mich die Lektüre jenes Autorenportraits von Napiorkowski unmittelbar zur politischen Aktion geführt hätte. Aber das Gesicht auf Seite 5 der Sezession Nr. 39 wird doch das erste bleiben, das mir auf dieser Seite des Ufers begegnet ist. Und gleichsam wie diese meine erste Druckausgabe als ein liebgewonnenes Erinnerungsstück in meinem Bücherregal liegt, so bleibt das Portrait Mishimas einstweilen weiter an der Wand meines Zimmer hängen, mit strengem Blick auf die Hantelbank und den Schreibtisch.
__________________________

In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Am Rande der Gesellschaft” findet Mishimas Todestag ebenfalls eine kurze, intensive Erwähnung.

Eine Graphic Novel über Mishimas Leben ist zudem beim jungen Comic-Verlag "Hydra Comics" erschienen.


 


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  • Sezession

Kommentare (42)

Dietrichs Bern

29. November 2020 15:14

Ich würde - wenn es so etwas gibt - Anstand, Ehrgefühl im besten Sinne, Pflichtbewusstsein, Aufrichtigkeit und Selbstdisziplin usw. als "rechts" identifizieren.

Ein Familienvater der des Nachts durch Homosexuellenbars streift hat nichts davon.

Und irgendwie typisch für solche Gestalten - gedient hat er natürlich auch nicht.

Volksdeutscher

29. November 2020 15:20

“Vollendete Reinheit ist möglich, wenn Du Dein Leben in ein Gedicht verwandelst, das mit Blut geschrieben ist.” 

"Schreibe mit Blut: und du wirst erfahren, daß Blut Geist ist." Als wäre ihm unser Nietzsche um etliche Jahre zuvorgekommen...

RMH

29. November 2020 18:23

Die "gesammelten Erzählungen" von Mishima, einstmals erschienen im Rowohlt Verlag (was ist nur aus diesem Verlag geworden ...), würde ich, sozusagen als "Anspieltipp" gegeben. Darin ist auch "Patriotismus" enthalten. Antiquarisch noch zu durchaus bezahlbaren Kursen zu finden.

Interessant finde ich wieder die von Wessels geschilderte Verbindung vom Musikgenre Neofolk zu Mishima. Bei mir war das ähnlich. Mishima lernte ich auch über diese Verbindung kennen, nur eben gute 20 und ein paar Jahre eher. Damals entdeckte ich Death in June (was für ein Fund im Provinzplattenladen, der einen exzentrischen Einkäufer hatte, "The World That Summer"! Hat man damals, als "Independent" noch kein Mainstream-Sch... war, einfach mal "blind" gekauft und sich überraschen lassen), dessen Haupt- und mittlerweile einziger Akteur auch Mishima-Fan sein soll (und ebenfalls homosexuell ist). Später gabs dann im Szenemagazin "Sigill" noch mindestens 1 Artikel dazu. Ob der "Tod im Hochsommer" einen Einfluss auf den Namen der Band D.I.J. hatte, würde ich aber bezweifeln.

Die ganze Selbstmordsache lehne ich ab - genauso, wie ich D. Venners Tat nicht einmal im Ansatz gut heißen mag. Was mir aber doch aufstößt, ist der Umstand, dass einigen offenbar das Abstraktionsvermögen zwischen Leben und Werk eines Künstlers abgeht. Mishima - oder besser  das, was sein deutscher Übersetzer daraus gemacht hat - ist hohe Literatur.

sokrates399

29. November 2020 19:45

Ach, Herr Wessels,

Sie brachen die Lektüre von Morgendämmerung ab? Und wie ist es mit dem  Tempelbrand? Dann entgehen Ihnen Sätze wie:

Leben und Zugrundegehen ist eins

Die Welt steht ewig still und kommt zugleich an.

Oder die grundsätzlichen Sätze zum Daoismus: Das „Schauen der Nichtigkeit“ und „Triffst Du den Buddha, so töte den Buddha“.

Aber sicher haben Sie noch vor Auge den Schluß des grandiosen Films von Schrader mit der aufgehenden japanischen Fahne!? Das ist nicht nur die Fahne, sondern die Sonne des Lebens, die im Tode aufgeht.

Dietrichs Bern

29. November 2020 20:09

@RMH: Was mir aufstößt, ist die bereitwillige Aufgabe von Wahrhaftigkeit und Stringenz in Aussage und Lebensführung.

Ohne Wahrhaftigkeit ist alles nur Mummenschanz.

Schöne Reime sind gar nichts, schon gar nicht von angeblichen Kriegern stammen, die schöne Posen beherrschen, aber leider nicht verfügbar waren, als wirklich gekämpft wurde.

Mishima ist Schande , nicht Beispiel.

RMH

29. November 2020 20:55

@Dietrichs Bern,

seit wann ist Kunst Beispiel? Ggf. aber noch eher als Vorbild ... 

Schreiben Sie doch einfach, dass Sie von Schwuletten nichts lesen/hören/ansehen und fertig.

Das bleibt ihnen unbenommen - im Bereich der Kunst wird ihnen aber einiges entgehen. Besser Schwuchteln, die dichten und durchtrainiert durch Seppukko einen ästhetisches Ausrufezeichen setzen, als solche, die für Milliarden auf Steuerzahlers Kosten Impfstoffe bestellen und in Berliner Villen residieren.

Martin Lichtmesz

29. November 2020 21:23

@Dietrichs Bern

Also "mangelnde Stringenz in in Aussage und Lebensführung" ist so ziemlich das Letzte, was man ausgerechnet Mishima vorwerfen kann. Sie haben schlicht keine Ahnung, wovon Sie reden.

Und was den tugendboldigen Maßstab betrifft, den Sie hier ansetzen, so würde jeder einzelne der Großen der Konservativen Revolution durch Ihren Raster fallen: Blüher, Spengler, Schmitt, Jünger, van den Bruck...

@RMH

"The World That Summer" ist sehr stark von Mishima inspiriert, man hört seine Stimme in zwei Stücken, "Hidden Among the Leaves" und "Death of a Man".

Fredy

29. November 2020 21:48

Kann mit Mishima auch nichts anfangen, aber ...

@Dietrichs Bern

Es gibt keine perfekten Menschen. Und wenn sie einen solchen kennen, dann kennen sie ihn nicht richtig. Es gilt immer: "Prüft aber alles und das Gute behaltet" (irgendwo im 1. Brief an die Thessalonicher). Wir selbst, die wir alle das Elend erkennen, sind ja in diesem groß geworden und auch Opfer desselben. Und vielleicht ist es gerade so, dass diejenigen, die selbst tief im Dreck stehen, am schönsten von dem Reinen schreiben können.

 

Teufel

29. November 2020 22:41

Ich fordere einen Zwikampf [sic] mit "Martin":
Wer schreibt das schoenere Gedicht?

Ich fange an:

Solution

29. November 2020 23:35

Wer die deutsche Literatur bis 1945 kennt, braucht keinen Mishima. "Das harte Geschlecht" von Will Vesper schlägt alles, was danach geschrieben wurde. Und das ist nur ein Beispiel von sehr vielen. 

Christian

29. November 2020 23:53

Gleich vorweg - von Mishima kenne ich nichts - aber (ohne entsprechende Schriften besorgt zu haben) der Name Junyu Kitayama (1902-1962) ist mir früher ein paar Mal begegnet - vielleicht verdiente er ja bekannter zu sein.
1944 erschien von ihm in Berlin Heroisches Ethos. Er stammte aus einer Samurai-Familie und war selbst Judoka.

Bei einer kurzen Recherche gerade stieß ich auf weitere Schriften - Japans Heldengeist, Der Geist des japanischen Rittertums etc. Auch wenn die Wikipedia mit Vorsicht zu genießen ist - in der tschechischen Wikipedia gibt es den Artikel Džunjú Kitajama.

Junyu Kitayama studierte Philosophie und promovierte bei Karl Jaspers. Für Nippon-Enthusiasten gibt es hier vielleicht zu hebende Schätze.

Laurenz

30. November 2020 00:14

Weiß nicht, warum man wieder über einen (japanischen) Autor streiten muß. Ich habe 6 Jahre für Japaner gearbeitet. Die kriegen, ähnlich den Chinesen, keine mentale Probleme Geschichte und Moderne gleichzeitig zu leben.

Was mich an dem Artikel vielmehr, als Mishima, interessierte, war, daß TLW von sich selbst etwas preisgab. Er hat den Artikel einfach schön, authentisch geschrieben. Das macht den Artikel viel lebendiger als viele andere Sonntags-Artikel. 

Schopenhauer ist schon 160 Jahre tot, TLW lebt. Die Versuchung, die eigene Argumentationsbasis durch prominente Autoren zu untermauern, ist gewaltig. Aber ist es nicht viel wichtiger, was wir selbst zu sagen haben, auch ohne einen Beistand der Prominenz?

Franz Bettinger

30. November 2020 09:34

Sehr schön geschrieben, und mal ganz anders!  Ich muss @Laurenz recht geben. Wir erfahren etwas über Till-Lukas Wessels selbst., und das ist schön. Lau hat's (mal wieder) intuitiv und auf Anhieb erfasst.

t.gygax

30. November 2020 09:57

@solution

Danke, dass Sie an Will Vesper erinnern. Der Mann war entgegen der landläufigen Geschichtsschreibung ein Literaturwissenschaftler von Format, der sehr nachdenkenswerte Texte über Hölderlin, Goethe, Mörike etc. geschrieben hat. Ich kannte von ihm nur das Zerrbild des "ewiggestrigen NS-Schriftstellers", das leider auch der sehr verdienstvolle Gerd Koenen in seinem Buch "Vesper, Ensslin und Baader"  zeichnet, aber dann las ich seine Originaltexte..nun denn, da stellt sich das alles doch etwas anders dar.

Dietrichs Bern

30. November 2020 12:32

@Martin Lichtmesz: Als Entgegnung auf Ihre Antwort, die ich sehr ernüchternd fand, aber auch auf einige andere:

Nein,ich habe in der Tat von Showposing keine Ahnung. Und ja, jemand der als es die Chance gab für Kaiser und Vaterland zu kämpfen nicht da war (Sie wollen das nicht ernsthaft auf die fehlgeschlagene Musterung zurückführen) und stattdessen in kriegerischen Posen glänzt und mit Phantasieuniformen umherstolziert, der führt das Leben eines Clowns, daran ist aber nichts bewundernswert oder beispielgebend oder inspirierend (es sei denn, man sieht sich auch ähnlich).

Und wir wollen bitte mal nicht vergessen, dass die Samurai niemals für etwas gekämpft haben, dass auch universell ehrenhaft war, sondern nur aus sehr japanischer Perspektive, der absoluten Unterordnung unter einen Herren, wehrlose Bauern mit dem Schwert zu töten um dessen Schärfe zu testen, war von dieser "Ehre" ebenfalls gedeckt. 

Und ich denke nicht, dass man all dies mit den Brüchen im Leben der von Ihnen erwähnten Vertretern der konservativen Revolution vergleichen kann und wenn, sollte man vielleicht auch mal hinterfragen, was diese einem sagen und was man daraus schließt.

Die Verehrung des japanischen Clowns finde ich abstoßend.

Laurenz

30. November 2020 15:33

@Dietrichs Bern @ML

Also Ihr Beitrag ist an historischer Inkompetenz nicht zu überbieten. Natürlich hat in Japan, wie in ganz Asien, das Leben an sich einen anderen Stellenwert als bei uns. Und das ist das gute Recht der Asiaten.

Die Tapferkeit der Samurai wehrte Kublai Khan ab.

Ich beneide die Japaner darum, daß Sie die Christen (Jesuiten) in der Schlacht von Shimabara (1637) entscheidend vernichteten.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden Samurai nach und nach mehr Höflinge, eine ähnliche Entwicklung wie bei uns. Die Japaner haben nicht nach dem Westen und seinen "Werten" gefragt. Sie wurden dazu in 1853 von Kommodore Perry, von der US Navy, dazu gezwungen.

Wenn es nach Ihnen ginge, Dietrichs Bern, müßte man ja jeden Trachtenverein und Karnevalsklub zumachen, denn Clowns wollen Sie ja nicht. Bin ich froh, daß Sie nichts zu melden haben. Eigentlich passen Sie ja ganz gut zu den Grünen.

anatol broder

30. November 2020 16:25

@ teufel 22:41

den zwikampf nehme ich gerne an: mein gedicht. der japanische ökonom michio suginoo, der mich mit dem holzschwert seines grossvaters in die schwertkunst einführte, gibt mir dafür zwei von zwei punkten.

Gunnar

30. November 2020 19:47

Ich räume ununwunden ein, daß mir als Ingenieur mit Sicherheit die geisteswissenschaftliche Basis fehlt. Aber die Schönheit der Tat nicht erkennen zu wollen, die nach meinem Empfinden nicht nur Mohler bezüglich anderer Einzelner im faschistischen Stil beschreibt. Oder wenn ein Salomon sich im Fragebogen an den Mond sprengen will.

Diese Reduzierung, das Herausreißen der Steine aus den Mosaikwerk des Lebens (war das nicht Vorwort im Buch x des sezessionistischen Kanons), all das hätte ich hier nicht erwartet. 

Dietrichs Bern

30. November 2020 20:23

@Laurenz: Zunächst:Ich weiß nicht wie bedeutend Ihre Einlassungen sind, ich selbst habe allerdings auch nicht den Anspruch als wichtig wahrgenommen zu werden, was soll das?

Meine Einlassungen sind von sehr genauer Historizität; die Samurai waren - entgegen schwärmerischer westlicher Betrachtung - Totschläger im Dienste konkurrierender Warlords und ihr Kampf erfolgte nie im Sinne eines noblen Ziels - im Gegenteil etwa zum europäischen Panzerreiter als Vorläufer des Ritter, dessen Existenz sich auf die Verteidigung gegen einfallende Raubbanden zurückführen lässt - auch wenn diese Ziele irgendwann pervertiert wurden.

Und: Ich will Ihnen Ihre Trachtenvereine nicht nehmen. Soll jeder machen wie er will. Worüber Sie und Lichtmesz mit Leichtigkeit hinweggehen: Der angebliche Krieger Mishima wählte die Clownerie im Gegensatz zur Landesverteidigung, zu der er Gelegenheit gehabt hätte, vielleicht haben sich japanische Militärangehörige deshalb gegen ihn empört.

Was den Anwurf mit den Grünen angeht: Bizarr. Ich bin es nicht, der hier in schwärmerischer Verehrung abseitigen Lebenswandels entbrennt.

 

limes

30. November 2020 21:29

@ Martin Lichtmesz, ergänzend zu Dietrich Berns Verteidigung

»Sie haben schlicht keine Ahnung, wovon Sie reden« ist unfair, denn dieses Kommentarforum bezieht sich auf den Beitrag von T-L Wessels und setzt keine weitergehenden Kenntnisse voraus. Vor diesem Erwartungshorizont hat Dietrichs Bern redlich argumentiert.

SiN ist dem Guten, Wahren, Schönen verpflichtet. Was »am Fall« Mishima schön sein soll, ist nur scheinbar offensichtlich.

Und was soll gut und wahr sein? Wahr ist es wohl nicht, sich als verheirateter Mann und Vater in Schwulenbars herumzutreiben. Ist Mishimas Verhalten gut in Hinblick auf seine Frau und Kinder? Eine künstlerisch inszenierte Selbsttötung kann keinesfalls mit von Stauffenbergs Opfergang verglichen werden.

Und nun zurück zur »Schönheit« des Gesamtkunstwerks Mishima: Geht es um »reine Ästhetik«, um einen politischen Stil oder um Erotik?

Zu viele Fragen für eine kurze arrogante Antwort.

Martin Lichtmesz

30. November 2020 22:30

@limes

Eine längere Antwort gibt es in der Druckausgabe der nächsten Sezession. Aber bei Mishima gilt wie bei manchen anderen (auch bei Dominique Venner): wer es nicht auf Anhieb versteht, wird es auch durch Erklärungen nicht verstehen. Man muß dafür eine "Antenne" haben.

Ansonsten sehe ich hier nur sehr oberflächliche Urteile, mit geringem Wissen und peinlich spießbürgerlichen Maßstäben, die auch den kulturellen Hintergrund Mishimas völlig ignorieren, und dazu gehört insbesondere die Bedeutung des Seppuku. Frau und Kinder hatte Mishima nur aus bürgerlicher Konvention, und das ist bei Japanern seiner Zeit häufig der Fall gewesen, immerhin waren die meisten Ehen arrangiert, und das Leben eines Mannes war dem Staatsdienst oder der Firma, für die er arbeitete, gewidmet, nicht der Familie. Dies hatte aber vor allem rein gar nichts mit seinen politischen, ethischen und ästhetischen Idealen zu tun. Auch ist die gesellschaftliche Einstellung zur Homosexualität in Japan schon in der Zeit vor der Modernisierung eine tolerantere als im Westen gewesen; unter Samurai waren Beziehungen, die den alten Griechen ähnelten, nicht unüblich. Mishimas ganzes Leben war ausschließlich seinem Werk und der Verwirklichung seines künstlerischen Ideals gewidmet, und das ist, was zählt und imponiert.

Martin Lichtmesz

30. November 2020 22:31

@Dietrichs Bern

"Der angebliche Krieger Mishima wählte die Clownerie im Gegensatz zur Landesverteidigung, zu der er Gelegenheit gehabt hätte, vielleicht haben sich japanische Militärangehörige deshalb gegen ihn empört."

Das ist ein anmaßendes und uninformiertes Urteil. Im Februar 1945, als er einberufen wurde, war Mishima 19 Jahre alt, der Krieg war verloren, seine Konstitution war von Kindheit an äußerst schwächlich, er wurde von Militärärzten für untauglich erklärt. Dieses Versagen blieb als Wunde der Unzulänglichkeit zurück, aber es wäre in der Tat ein absolut sinnloser Tod gewesen, und es ist gut, dass er ihm entgangen ist, ehe er Gelegenheit hatte, er selbst zu werden. Er wäre verheizt worden, wie zigtausend andere, und Japan hätte einen seiner später bedeutendsten Schriftsteller verloren. Er hatte später gute Beziehungen zu japanischen Militärs, die ihn respektierten und seine Tatenokai in den Militäranlagen trainieren ließen. 1970 hat er viele von ihnen durch seine Tat eher beschämt, weil sie nichts anderes mehr waren als der von der Amerikanern kastrierte passive Rest der Kaiserlichen-Imperialen Armee.

Martin Lichtmesz

30. November 2020 22:31

@Dietrichs Bern (Fortsetzung)

Zudem: Seppuku ist ein extrem schmerzhafter Tod, um ihn durchzuführen, bedarf es einer enormen Willenskraft. Mishima war nach 1945 der erste und letzte, der dieses Ritual durchgeführt hat, und es wurde auch dann noch als traditionell ehrenhafter Tod akzeptiert, als die liberale japanische Nachkriegsgesellschaft mit Schock und Unverständnis auf seine Tat reagierte. Dennoch kamen zehntausende zu seiner Trauerfeier. Marguerite Yourcenar hat hervorgehoben, daß auch ein gehörig schlechtes Gewissen dabei war, denn viele wußten, daß er mit seiner Botschaft recht hatte. 

Nitschewo

30. November 2020 22:58

Vielleicht sollte der eine oder andere hier mal etwas von Mishima lesen bevor er seinen Stab über ihn bricht. Selten so primitive Kommentare in diesem Forum überfliegen müssen. Wer vor der Kunst erschrickt taugt nicht für große Taten. 

Martin Lichtmesz

30. November 2020 23:24

@limes u. a.

Was die Schönheit bei Mishima angeht, so ist das natürlich keine weimarische stille Einfalt, sondern es ist zum einen die "Ästhetik des Schreckens", eine westliche literarische Tradition, in der sich auch der frühe Ernst Jünger bekanntlich sehr hervorgetan hat, und die Mishima gut kannte. Er las begeistert Rilke: "Das Schöne ist nur des Schrecklichen Anfang..." In erster Linie war er ein Literat, das ist ganz wesentlich.

Zum anderen speist sich Mishimas Schönheitsbegriff aus der japanischen Tradition, "Chrysantheme und Schwert", in der sich raffinierteste Eleganz und Zartheit mit enormer Brutalität und Grausamkeit verbinden. Diese Hintergründe muß man kennen, um ihn zu verstehen.

Laurenz

1. Dezember 2020 00:00

 

@Dietrichs Bern

Samurai heißt u.a. Beschützer. Die Frage ist nur, was man beschützt. Im Grunde ist das auch nichts anderes als die Ritterlichkeit, ein hehres Pathos in Romanen und Sagen. Unsere Ritter, quasi derselbe Stand wie der der Samurai in Japan, waren wohl weder besser noch schlechter als Samurai. Davon will ich die Kreuzzüge gegen den Islam ausnehmen. Aber schon die Kreuzzüge gegen Heiden und Katharer nicht. Denn letztere beide sind und waren unseresgleichen. Insofern können Sie auch jeden MA-Markt zumachen und den Leuten ihren Spaß nehmen. Entspannen Se Sich doch mal und besuchen einen Mittelalter-Markt, falls das Berliner Regime je solche Spektakel noch mal zulassen wird. Hier mal ein In-Extremo-Konzert für Sie https://youtu.be/i1OJqP1gUvA oder ein Schlager der Gruppe Faun https://youtu.be/zOvsyamoEDg ... Hier finden Sie eine Parallel- und auch Flucht-Welt, die in Deutschland in die Mio. von Konsumenten geht.

anatol broder

1. Dezember 2020 00:58

@ nitschewo 22:58

Vielleicht sollte der eine oder andere hier mal etwas von Mishima lesen bevor er seinen Stab über ihn bricht.

da es sich bei dem stab um einen blindenstock handelt, wird es nichts mit dem lesen. (ничего не поделаешь.)

RMH

1. Dezember 2020 07:09

Evtl. ist Dietrichs Bern ja auch Wikiblödia aufgesessen, dort steht, dass sich Mishima vor dem Militärdienst drückte, in dem er eine Tuberkulose vortäuschte, beim verlinkten SiN Artikel von Naipiorkowski, den man eigentlich gelesen haben sollte, bevor man in diesem Strang etwas schreibt, steht hingegen, dass die Tuberkulose irrtümlich diagnostiziert wurde (überhaupt liest sich das bei N. alles deutlich anders als auf wikiblödia).

Zwischen Drückeberger/ Simulant und ausgemustert vor dem realen Hintergrund, dass zum Verheizen auf den Schlachtfeldern damals eigentlich jeder tauglich geschrieben wurde, der noch 5 Meter gerade aus gehen konnte, liegen Welten (und bei Tuberkulose, die für die Kameraden gefährlich werden kann, hörte der Spaß für die musternden Ärzte dann im Zweifel auf).

Wie auch immer, mir fehlt die spezifische "Antenne", von der M.L. schrieb, bei Selbstmorden. Ich kann diese im spezifisch japanischen Kontext aber deutlich eher nachvollziehen, als in Europa. Das literarische Werk Mishimas bleibt davon meiner Meinung nach unberührt. Für ohnehin eher Schwermütige aber ggf. nicht die allererste Lektüre-Wahl.

Dietrichs Bern

1. Dezember 2020 08:09

@Martin Lichtmesz: 

Danke, für Ihre freundliche Ansprache, ich darf erwidern, dass ich alles, was ich von Ihnen so gelesen habe nun unter einem anderen Blickwinkel sehe.

Meine Beurteilung von Mishima wird nicht von Anmaßung, sondern Lebenserfahrung geleitet und die besagt, dass die Showposer dieser Welt immer gute Gründe hatten, nicht da zu sein, wenn es unerfreulich wurde. Jedenfalls dürfte es in Japan und in Deutschland zigtausende junger und alter Männer gegeben haben, auf deren schwächliche Konstitution keiner Rücksicht nahm und die ohne stilistisch anspruchsvolle Bilder der Vergessenheit zum Opfer fielen.

Bemerkenswert finde ich auch, dass Sie den Tot im bereitsverlorenen Krieg (das war er in dem Moment, als der Angriff auf Pearl Harbour begann) als sinnlos bezeichnen, den mit viel Tam Tam inszenierten Selbstmord aber anders bewerten. Das scheint wohl der Hauptunterschied zwischen uns beiden zu sein. Pose gegen Tat.

Ich stehe dazu, dass ich weder mit kriegerischen Selbstbildnissen denen jede Legitimation fehlt, noch mit schwärmerischer Bewunderung für historische Formen der Männerbeziehung etwas anfangen kann, das das hier anders gesehen wird, war mir nicht bewusst.

RMH

1. Dezember 2020 09:54

@Dietrichs Bern,

Sie unterstellen ja gerade, als ob Mishima eine Wahl gehabt hätte, am WK II teilzunehmen oder nicht. Das ist aber zumindest umstritten und man darf  wikiblödia auch nicht alles glauben, siehe meinen Beitrag zuvor. Und mit Tuberkulose (ob falsch oder richtig diagnostiziert spielt keine Rolle) wäre man überall ausgemustert worden. Letztlich sind Sie offenbar einfach nur ein Schwulenfeind, der sich jetzt an Details hochzieht, um sich vor der Lektüre des Werks drücken zu können. Das kann man dann aber auch kürzer formulieren und würde auch akzeptiert werden.

Dietrichs Bern

1. Dezember 2020 10:27

@RMH: Also jetzt wird es albern. Weil ich mit der homosexuell konnotierten Darstellung von Kunst nichts anfangen kann, bin ich deshalb niemandem feindlich gesonnen.

Mir war nicht klar, dass das hier so einen breiten Raum und zahlreiche Anhänger findet.

Ich bin der festen Überzeugung, dass das auch für anders empfindende Menschen keine interessanten Aussagen oder Anknüpfungspunkte bietet, daher gebe ich gerne zu, hier grundlegend falsch zu sein.

Lotta Vorbeck

1. Dezember 2020 11:25

@Dietrichs Bern

"Hier grundlegend falsch", sofern Ihnen denn an Erkenntnisgewinn und Horizonterweiterung gelegen ist, sind Sie sicherlich nicht.

Hier am rechten Ufer des großen Flusses müssen nicht alle in jeder Hinsicht 100%ig deckungsgleich einer Meinung sein. Innerhalb einer gewissen Schwankungsbreite sind da durchaus Abweichungen möglich.

 

 

RMH

1. Dezember 2020 11:40

OK, dann nehme ich den "Feind" zurück. Wie eben die "Antennen" jeweils individuell unterschiedlich ausgerichtet sind ... Und das ist auch gut so.

Laurenz

1. Dezember 2020 12:14

@Dietrichs Bern

Auch wenn hier mehrere Teilnehmer gegen Sie schreiben, so wird Ihre Haltung doch veröffentlicht, was nicht selbstverständlich ist, auch wenn die SiN-Redaktion die mutigste unter allen Zeitungen/Blogs ist & am meisten Freiheiten gewährt. Wenn Sie Sich verletzt fühlen, ist das ein falsches Gefühl. Niemand will Sie verletzen. Es existiert kein Grund weder den Schwanz einzuziehen noch die Flinte ins Korn zu werfen. 

Was wir hier tun, ist Deutsch sein. Und Deutsche streiten Sich nun mal & das ist auch richtig so. Sie merken doch, die Redaktion liest mit. Und der Sinn den Forums kann nur, wenn man es nur etwas weiter denkt, die Kristallisierung von Gedanken und Haltungen sein, die sich als plausibel herausbilden & die man desweiteren auch in Werken verarbeiten kann. Natürlich tragen wir auch Gedanken in die interessierte Welt. ZB mindestens ein Assistent von Herrn Lindner (FDP) liest hier mit.

Dabei geht es selten um richtig oder falsch, was meist sowieso nur eine Frage des Standpunkts ist. Es geht um die Ermittlung dessen, was Erfolg für unsere Anliegen verspricht.

limes

1. Dezember 2020 12:15

@ Martin Lichtmesz (30. November 2020 22:30 und 30. November 2020 23:24)

Danke für die ausführlichere Antwort. Auf die kommende »Sezession« freue ich mich.

In der gegenwärtigen Debattte bleibe ich @ Dietrichs-Bern-Versteherin. Seine Position ist bodenständig, gerade in der heutigen Zeit, in der alles auf eine Katastrophe zuzulaufen scheint.

Im Angesicht kommenden Schreckens kann ich einer »Ästhetik des Schreckens« wenig abgewinnen, und der Vorwurf »peinlich spießbürgerlicher Maßstäbe« steht ganz nah bei der (historisch gewiss korrekten) Feststellung, dass Frau und Familie bei »Japanern seiner Zeit« nachrangig waren und ein Mann sich anderen Aufgaben widmete. Gelten rücksichtslose Gefolgschaft und grausame Schöngeistigkeit als Zeugnis der Immunität gegen »Spießbürgerlichkeit«?

Sie, Herr Lichtmesz, müssen sich vorhalten lassen, als Theoretiker zu sprechen. Mein Vater hat sich, noch minderjährig, freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet, wurde Offizier im Fronteinsatz. Mit viel Glück überlebte er den Krieg, von dem er fast nie sprach, und es war sein größter Wunsch, dass seine Kinder keinen Krieg erleben müssten.

Sollten wir jedoch einem Krieg oder kriegsähnlichen Zuständen entgegensehen, oder uns bereits ohne Ausweg in einem asymmetrischen Krieg befinden, wie kürzlich @ Laurenz meinte, dann brauchen wir Männer der Tat und nicht Poser.

@ Dietrichs Haltung: »Pose gegen Tat« finde ich tadellos!

Christian

1. Dezember 2020 12:38

@Solution

Es gibt eine ganz hervorragende Literaturgeschichte und -kritik des katholischen Priesters Johannes Mumbauer (1867-1930) -- "Die deutsche Dichtung der neuesten Zeit" -- worin er die geistig-seelische Situation der Weimarer Republik treffend darstellt und deutet. Auch wenn nicht überrascht, daß Mumbauer das Augenmerk nicht auf heroische Dichtung legt, so sollte heutzutage die meisten sehr wohl überraschen, welche von der Vielzahl genannter Schriftsteller er zu dem kleinen Kreis vorbildlicher und "zeitloser" Schriftsteller zählt - darunter:

* Wilhelm von Scholz
* Erwin Guido Kolbenheyer
* Enrica von Handel-Mazzetti
* Börries von Münchhausen
* Lulu v. Strauß und Torney
* Wilhelm Schäfer
* Richard von Schaukal

Heutzutage scheinen diese Dichter auch in konservativen Kreisen weitgehend der damnatio memoriae anheimgefallen zu sein.

Martin Lichtmesz

1. Dezember 2020 12:40

@ RMH

Es war eine Mischung, Mishima kam mit hohen Fieber zur Stellung, hat dann aber seine Symptome noch übertrieben. Wie gesagt, er wäre bloß sinnlos verheizt worden. Er war noch nicht "Mishima". Für mich war das die "plot armour" für sein weiteres Schicksal.

limes

1. Dezember 2020 13:36

Au weia, eine @ Lichtmesz-Detonation …

(1. Dezember 2020 12:38)

  • »Bin ich ein Theoretiker des Krieges oder des Kriegsdienstes?«

Nein, aber ein Theoretiker von Schrecken, Brutalität und Grausamkeit, deren Ästhetisierung Sie in Ihren Zeilen vom 30. November 2020 23:24 preisen. Mein Vater hingegen hat im Krieg Schrecken, Brutalität und Grausamkeit erlebt, und es lag ihm fern, diese Erfahrungen mit kulturellen Weihen zu heiligen.

  • »Sie sind Sie denn irgendwie befähigter über Mishima zu sprechen, weil ihr Vater vor 75 an der Front war?«

Nein, und wenn Sie meine Zeilen lesen, werden Sie erkennen, dass ich nicht »über Mishima spreche«, sondern Fragen über ihn stelle.

  • »Die Tat hat Mishima ja wohl gesetzt.«

EINE Tat hat er gesetzt, und zwar – Ihren eigenen Worten entsprechend – nicht, um aufopferungsvoll etwas zu verteidigen (so wie mein Vater und Ihr Herr Großpapa Deutschland verteidigten), sondern aus egozentrischen Motiven: »Mishimas ganzes Leben war ausschließlich seinem Werk und der Verwirklichung seines künstlerischen Ideals gewidmet, und das ist, was zählt und imponiert.« Tatsächlich fehlt mir die »Antenne«, grausames Gemetzel als Verwirklichung künstlerischen Ideals empfinden zu können.

Solution

1. Dezember 2020 14:22

@ Christian

Danke. Ich habe mich bewußt auf ein Beispiel beschränkt.

Man braucht Jahrzehnte, um quasi nebenbei eine gründliche Kenntnis der wichtigsten Dichter zu bekommen. Daher wäre es schon gut, wenn ab und zu mal wenigstens ein Dichter oder ein Werk aus der Versenkung hervorgeholt würde.

"Das Buch im Haus nebenan" von Antaios war ja schon ein guter Start.

anatol broder

1. Dezember 2020 14:25

während sich hegelianer zerkleinern, empfehle ich den freunden der grossen taten die verfilmung einer weiteren japanischen heldensage: der grosse japaner (2007).

 

Laurenz

1. Dezember 2020 14:30

@limes

Meine beiden Großväter waren im II. Weltkrieg, einer von beiden sogar ab 1917 mit 17 Jahren im I. Weltkrieg. Nach dem II. Weltkrieg war mein 2-Weltkriege-Großvater "durch" mit dem Leben. Dafür hatte weder meine Verwandschaft Verständnis noch die neue Bonner Republik, was ich heute noch als ignorant erachte. Beide Großväter (beide 90-100 KG-Männer) kamen aus den Kriegsgefangenenlagern - Marseille zurück mit 55 Kilo Lebendgewicht. Als mein Vater Seinen rückkehrenden Vater erkannte, Ihn umarmte und küßte, fragte sich meine Großmutter, warum Ihr Sohn einen fremden Mann küßt....?

Man muß nicht dabei gewesen sein, um sich davon eine Vorstellung machen zu können. Manche mögen das Gegenteil behaupten. Was Sie, limes, bei meinem Zitat des permanenten asymmetrischen Welt-Krieges vergessen haben, ist unsere Ignoranz, nicht wahrzunehmen, daß derselbe Welt-Krieg nur woanders als militärischer Krieg stattfindet. Trotzdem sind wir politisch & ökonomisch darin involviert. Hier bei uns findet der Krieg aktuell ökonomisch statt, weil das dem Gegner mehr bringt als ein militärischer Krieg. Und die Linken & Grünen hatten vor 30-40 Jahren gelogen. "Stell' Dir vor, es ist Krieg & keiner geht hin" ist eine Pharce. Richtig ist, "stell' Dir vor es ist Krieg & keiner kann weg". Ob Sich Ihr Herr Vater freiwillig gemeldet hatte oder nicht, bleibt sich völlig gleich. Der Krieg hatte so gut wie keinen ausgelassen & wird auch zukünftig niemanden auslassen.

Laurenz

1. Dezember 2020 14:39

Mal so am Rande, wieder so ein Schwachsinns-Artikel des Relotius auch über Schnellroda 

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-nach-joerg-meuthens-wutrede-jetzt-droht-rache-von-rechtsaussen-a-3a488a20-4083-4beb-a844-e7c7491ff29f

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