“Sacco di Washington” – kein Sturm: Belagerungen!

Kein historischer, sondern ein hysterischer Moment der Geschichte offenbarte sich uns gestern auf den Stufen und in den Hallen des US- Regierungsgebäudes.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

Der „Sturm auf das Kapi­tol“, der heu­te von der Main­stream­pres­se genuß­voll gemol­ken wird, war weder ein coup d’etat noch ein bewaff­ne­ter Auf­stand oder gar ein Terroranschlag.

Die Akti­on war nichts ande­res als ein chao­ti­sches, plan­lo­ses Hap­pe­ning. Die Implo­si­on der mobi­li­sier­ten, aber füh­rungs­lo­sen Mas­se lief im wesent­li­chen gewalt­frei ab. Mißt man sie mit den­sel­ben Maß­stä­ben, wel­che die Main­stream­pres­se bei den „Black-Lives-Matter“-Plünderungen anleg­te, so geht sie auf jeden­falls als „most­ly peace­ful pro­test“ durch.

Das der­zeit bekann­te von drei wei­te­ren Todes­op­fern fin­det sich auf Sei­ten der Demons­tran­ten. Eine Frau wur­de von Sicher­heits­kräf­ten ohne ech­te Not erschos­sen. 50 Ver­haf­te­te und Sach­scha­den im über­schau­ba­ren Maße ver­blas­sen aber gegen den Schock­wert und Sym­bol­cha­rak­ter des „Sturms auf das Kapi­tol“. Die­ser ist in der Tat gewal­tig und wird von den Geg­nern Trumps bis ins letz­te aus­ge­kos­tet werden.

Mar­tin Licht­mesz hat in sei­nem Bei­trag alles wesent­li­che zum dop­pel­ten Stan­dard und zur Heu­che­lei der Main­stream­pres­se gesagt. Daß es, wie Sena­to­ren in Inter­views nach dem Vor­fall zuga­ben, regel­mä­ßig zu Stör- und Pro­test­ak­tio­nen kommt, und z.B. im Jahr 2011 lin­ke Demons­tran­ten das Sta­te Capi­tol von Wis­con­sin stürm­ten, wird natür­lich stur ignoriert.

Die wirk­lich­keits­set­zen­de Kraft der media­len „Wahr­heits­sys­te­me“ ist hin­läng­lich bekannt. Skan­da­le wer­den nur ins kol­lek­ti­ve Bewußt­sein gebracht, wenn sie von rechts kom­men. Die Reprä­sen­ta­ti­on eines Vor­falls als media­les Spek­ta­kel ist wirk­sa­mer und damit „wirk­li­cher“ als der rea­le Akt. Wir befin­den uns daher in einer feind­li­chen Matrix, die mehr als „unfair“ ist.

Wie in einem Fuß­ball­spiel, in dem der Schieds­rich­ter scharf gegen uns pfeift, beim Geg­ner aber jeden Ver­stoß igno­riert, hilft es uns hier nichts, mit Gegen­fouls zu ant­wor­ten. Dar­auf war­tet man nur. Das ein­zi­ge, was in unse­rer Macht liegt, ist, dem Geg­ner so wenig mate­ri­el­les Sub­strat wie mög­lich für sei­ne Ver­zer­run­gen und Über­trei­bun­gen zu lie­fern. Kurz: wir kön­nen sie nicht zwin­gen die Wahr­heit zu sagen, aber wir kön­nen sie dazu nöti­gen, absurd und sicht­bar zu lügen.

Lei­der wur­de vor dem Kapi­tol tat­säch­lich bes­ter Stoff gelie­fert aus dem die Medi­en, Think Tanks und „Exper­ten“ noch jah­re­lang poli­ti­sches Kapi­tal schla­gen wer­den. Trumps Plan, in der Repu­bli­ka­ni­schen Par­tei Hege­mon zu blei­ben und über die „Stop-the-Steal“-Bewegung sei­nen Ein­fluß zu erwei­tern, könn­te jetzt durch­kreuzt werden.

Zahl­rei­che wan­ken­de Sena­to­ren, die Trump in müh­sa­mer Klein­ar­beit dazu brach­te, sei­nen Kampf gegen Biden zu unter­stüt­zen, nutz­ten die Gele­gen­heit, um sich wort­reich zu distan­zie­ren. Sie stimm­ten “noch bevor der Hahn drei­mal kräh­te” kon­klu­dent für Bidens Prä­si­dent­schaft, indem sie kei­ne Ein­wän­de gegen die Wahl vor­brach­ten. Die Beweis­vor­la­gen der trump­treu­en Sena­to­ren wur­den para­do­xer­wei­se eben­falls durch den “Kapi­tol­sturm” unter­bun­den. Er ver­drängt die Debat­te über die Unre­gel­mä­ßig­kei­ten bei der Wahl.

Jede Erwäh­nung wird von den Medi­en fort­an als „Auf­ruf zum Auf­stand“ dif­fa­miert wer­den. Der „mora­li­sche Druck“, der vom Estab­lish­ment nun auf die GOP-Sena­to­ren aus­ge­übt wird, hat es in sich. Vie­le, allen vor­an Mike Pence, haben sich bereits von Trump abge­wandt. Gleich­zei­tig wird sich die Grup­pe der “Trumpis­ten” radi­ka­li­sie­ren und sich ähn­lich wie die „Bir­t­her-Bewe­gung“ gegen Oba­ma in eine Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­on gegen die Biden-Prä­si­dent­schaft verwandeln.

In die­ser Span­nung zwi­schen Radi­ka­li­sie­rungs- und Distan­zie­rungs­spi­ra­len könn­te die GOP sogar zer­bre­chen. Biden hat indes mit sei­ner Macht über den Senat die per­fek­te Aus­gangs­la­ge, um die „Ord­nung wie­der­her­zu­stel­len“, also sei­ne Macht aus­zu­bau­en. Daß Trump auch auf Face­book und Twit­ter gesperrt wur­de und, sofern er sei­ne „Stop-the-Steal“-Linie bei­be­hält, bald gelöscht wird, kommt noch dazu. Mas­si­ve Repres­si­on und straf­recht­li­che Ver­fol­gun­gen gegen ihn, sei­ne Fami­lie und sei­ne Unter­stüt­zer ste­hen, wäh­rend das Estab­lish­ment der Par­tei sie im Stich läßt, eben­falls ins Haus.

Blickt man mit einer akze­le­ra­tio­nis­ti­schen Bril­le auf die Ereig­nis­se (also: hofft man auf eine Sezes­si­on, hält die US-Demo­kra­tie aus demo­gra­phi­schen Grü­nen für ret­tungs­los ver­lo­ren und sieht in der GOP eher ein retar­die­ren­des Ele­ment), so war der Sturm auf das Kapi­tol womög­lich ein guter Tag.

Doch ob man die­se stra­te­gi­sche Ansicht teilt oder nicht, das Cha­os war ein tak­ti­sches Fias­ko, das mit­tel­fris­tig dem Geg­ner in die Hän­de spielt. Es war nicht Teil eines Pla­nes, son­dern Ergeb­nis einer tota­le Plan- und Füh­rungs­lo­sig­keit. Weder ging es um ein durch­dach­tes meta­po­li­ti­sches Ziel, noch gab es kon­kre­te revo­lu­tio­nä­re Plä­ne zur Beset­zung von Amtsgebäuden.

Posie­ren­de, bunt ver­klei­de­te „dio­ny­si­sche Indi­vi­du­en“, die Sou­ve­nirs mit­ge­hen las­sen und ihre Füße auf den Amts­tisch von Nan­cy Pelo­sy legen, zei­gen wor­um es wirk­lich ging: es war ein Akt der poli­ti­schen Selbst­be­frie­di­gung und emo­tio­na­len Triebabfuhr.

Jah­re­lan­ge Demü­ti­gun­gen und Zen­sur, die von den Regie­rung hin­ge­nom­me­nen Regel­brü­che von Links, von Plün­de­run­gen bis zur Beset­zung eines Stadt­vier­tels, hat­ten einen gerech­ten Zorn auf­ge­staut. Die dubio­se Wahl hat­te das Faß nur zum Über­lau­fen gebracht. Eine Sze­ne, in der Demons­tran­ten einen Hau­fen Kame­ras demo­lie­ren und dabei „Ihr belügt uns nicht mehr!“ skan­die­ren, zeigt, wie satt man die media­len „Wahr­heits­sys­te­me“ hat und wie sehr man sich nach einem Aus­bruch aus der Matrix sehnt.

Doch die Fei­er eines kur­zen eksta­ti­schen Kra­wall­mo­ments ist kein Schritt Rich­tung Frei­heit, son­dern ver­strickt uns nur tie­fer in die Ohn­macht. Die Stra­te­gie der Geg­ner besteht näm­lich gera­de in der Pro­vo­ka­ti­on zur Eska­la­ti­on mit­tels Gas­ligh­t­ing und tau­send Nadel­sti­chen. Stän­di­ge Demü­ti­gun­gen und Belei­di­gun­gen, zuge­las­se­ne Het­ze und igno­rier­ter Ter­ror von Links gehen Hand in Hand mit einer stän­di­gen Ver­schär­fung der Repres­si­on und Ver­rin­ge­rung des Frei­heits­raums für Rechte.

Die demo­gra­phi­sche Erset­zung, die eth­ni­sche Wahl, die Zen­sur und die Mei­nungs­kon­trol­le erzeu­gen eine eng­ma­schi­ge tota­li­tä­re Struk­tur, die den popu­lis­ti­schen Wider­stand in Schach hält. All das geschieht aber in klei­nen Schrit­ten und unter dem Anschein einer rou­ti­nier­ten Demo­kra­tie­si­mu­la­ti­on. Wie ein Sozio­path, der sein Opfer gezielt und mit vie­len klei­nen Angrif­fen in einen cho­le­ri­schen Aus­bruch treibt, um es dann in noch tie­fe­re emo­tio­na­le Abhän­gig­keit zu brin­gen, so zielt die gesam­te Stra­te­gie der Glo­ba­lis­ten gegen popu­lis­ti­schen Wider­stand auf Pro­vo­ka­ti­on zur Eska­la­ti­on ab. 

Die Zer­set­zungs­stra­te­gie gegen jede lega­le Oppo­si­ti­ons­be­we­gung und der Raub jeder Platt­form der alter­na­ti­ven Öffent­lich­keit erzeu­gen eine Stim­mung der Ohn­macht, Hoff­nungs­lo­sig­keit und auf­ge­stau­ten Wut. Statt eines „gro­ßen Feld­zugs“ gegen die Oppo­si­ti­on betrei­ben die Macht­eli­ten eine Tak­tik der tau­send klei­nen Über­fäl­le, in denen sie alle paar Jah­re die bis­her auf­ge­bau­ten Struk­tu­ren zer­schla­gen, oder gezielt ein­zel­ne Per­so­nen oder Bewe­gun­gen ausschalten.

Dabei wird bewußt das offe­ne Ver­bot so lan­ge ver­mie­den wie mög­lich. Man hofft dar­auf, daß der Geg­ner irgend­wann resi­gniert oder “explo­diert”, um so den eige­nen „Gegen­schlag“ zu legi­ti­mie­ren. Der “rech­te Ter­ror”, der als Phä­no­men im Jahr 2018 rele­vant wur­de und eng mit dem Rück­zug von der Stra­ße und vom Orga­ni­sa­ti­ons­auf­bau in anony­me, digi­ta­le Enkla­ven zusam­men­hängt, ist ein Ergeb­nis die­ser Stra­te­gie, gegen die wir aber nicht macht­los sind.

Der Zorn, der Druck und die revo­lu­tio­nä­re Stim­mung im Lager der Patrio­ten ist prin­zi­pi­ell ein posi­ti­ves Poten­ti­al. Auch wenn es im “Kapi­tol­sturm” sinn­los ver­pufft ist und nicht mehr als ein paar Memes und vira­le Vide­os hin­ter­las­sen wird, könn­te eine orga­ni­sier­te und plan­vol­le Her­an­ge­hens­wei­se aus die­ser Stim­mung einen wir­kungs­vol­le­ren Wider­stand for­men. Als kon­kre­tes Bei­spiel will ich ein ande­res Sze­na­rio des 6. 1. 2021 entwerfen:

Klar war, daß etwas gesche­hen muß­te. Mas­sen­haf­te Demos gab es bereits und sie hat­ten nicht viel bewirkt. Jeder der Zig­tau­sen­den, die Trump für die­sen Tag in die Haupt­stadt zu kom­men mobi­li­sier­te, war bereits vie­le Demo­mei­len mar­schiert. Auch die Stim­mung und Erwar­tungs­hal­tung, wel­che die „Stop-the-Steal“-Bewegung rund um das Datum auf­bau­te, ver­lang­te nach einem revo­lu­tio­nä­ren Akt und einem gewis­sen „Regel­bruch“.

Das, was im Kapi­tol vor sich ging, war in den Augen der Zig­tau­sen­den ein ille­gi­ti­mer, anti­de­mo­kra­ti­scher Akt, der sie mora­lisch zum Wider­stand berech­tig­te. Jeder ein­zel­ne wuß­te: Heu­te ist es soweit. Heu­te weh­ren wir uns! Doch Trump gab ihnen kein kla­res Ziel. Statt­des­sen schick­te man die zor­ni­gen und erwar­tungs­vol­len Demons­tran­ten ohne kon­kre­ten Plan und kon­kre­te Füh­rung, ohne Ord­ner, ohne Anspra­che und Hil­fe vor das Kapi­tol. Es war klar, daß etwas gesche­hen wür­de. Dass beim „Sac­co di Washing­ton“ nur so wenig Sach- und Per­so­nen­scha­den zu bekla­gen ist, ist ein klei­nes Wun­der für sich.

Doch es gab eine Alter­na­ti­ve zum nihi­lis­ti­schen Sturm: die Bela­ge­rung. Hät­te man vor­her geplant, vor dem Kapi­tol ein Pro­test­la­ger zu errich­ten, das sich even­tu­ell bis auf die Stu­fen erstreckt hät­te und damit in Ruf­wei­te gewe­sen wäre, hät­te man der zor­ni­gen Mas­se genau das als rebel­li­schen Höhe­punkt bie­ten können.

Tau­sen­de hät­ten sich ange­schlos­sen und sich ein stand-off mit den Sicher­heits­kräf­ten gelie­fert. Im Lager wäre ein Wider­stands­ge­fühl ent­stan­den, das sich (Trumps Fans sind dar­in ja geübt), mit einer Bar­be­cue- und Coun­try-Fes­ti­val Stim­mung ver­mählt hät­te. Die trump­treu­en Sena­to­ren, durch den sicht­ba­ren, fried­li­chen, aber rebel­li­schen Pro­test bestärkt, hät­ten womög­lich durch­ge­hal­ten. Nach­her hät­te man sie bei spon­ta­nen Reden vor den tau­sen­den Demons­tra­ten im Lager fei­ern können.

Von unzäh­li­gen Live­streams, impro­vi­sier­ten Büh­nen, Ver­an­stal­tun­gen, Stän­den, etc. wäre ein media­ler “Leucht­feu­er­ef­fekt” aus­ge­gan­gen. Wei­te­re Hun­der­tau­sen­de wären bis zum Wochen­en­de nach Washing­ton mobi­li­siert wor­den, um das „Lager zu hal­ten“ (Die Bil­der vom Sturm hin­ge­gen schre­cken, selbst die Leu­te, die sie amü­siert fei­ern, ab).

In der Haut der Stür­mer will jetzt, wo die Repres­si­on zurück­schlägt, kei­ner ste­cken. Einem wei­te­ren Sturm wird sich wohl auch so bald kei­ner anschlie­ßen. Der Pro­test hät­te so über Tage, wenn nicht Wochen aus­ge­dehnt wer­den kön­nen und eben­falls inter­na­tio­na­le Schlag­zei­len gemacht. Die­se – und das ist der Punkt – wären ent­we­der neu­tra­ler, oder not­wen­dig ein Gip­fel­punkt der Heu­che­lei gewesen.

Da die Pres­se damals die „auto­no­me Zone“ der Links­ex­tre­men in Seat­tle beklatsch­te, wäre jede Kri­tik an der “Trump­zo­ne” vor dem Kapi­tol offen­sicht­lich ver­lo­gen gewe­sen. Das hät­te zu einer Soli­da­ri­sie­rung und Ver­tei­di­gung auch durch cuck­ser­va­ti­ve GOP-Sena­to­ren geführt. Füh­rer des Pro­tests wären von ihnen viel­leicht sogar im Lauf der nächs­ten Tage als Gäs­te ins Kapi­tol ein­ge­la­den wor­den, um ihre Stand­punk­te und For­de­run­gen zu übermitteln.

Kurz: eine Bela­ge­rung des Kapi­tols wäre ein gro­ßer meta­po­li­ti­scher Erfolg gewe­sen, eben­so rebel­lisch wie die „Stür­mung“, im Unter­schied zu ihr aber plan­voll und gewalt­frei, kräf­te­scho­nend und anschluß­fä­hig. Auch die ein­drucks­volls­ten Bil­der des 6.1. vor dem Kapi­tol hät­te man so erzeu­gen können.

Anders als die Stür­mung erfor­dert die Bela­ge­rung aber einen hohen Orga­ni­sa­ti­ons­grad, der der­zeit weder in den USA noch in Euro­pa im Wider­stands­la­ger aus­rei­chend vor­han­den ist. Daß Plan und Dis­zi­plin jedoch einen Unter­schied machen, zeigt das „Reichs­tags­stürm­chen“ in Berlin.

Da die Quer­den­ker tat­säch­lich einen Plan B für eine wei­te­re kon­trol­lier­te Eska­la­ti­on in der Tasche hat­ten, war die Beset­zung der Stu­fen nur ein klei­ner Neben­schau­platz. Ihr Pro­test­la­ger flopp­te zwar, doch band es die Mas­se der Demons­tran­ten, die “mehr woll­ten”. Hät­te es gar kei­ne Lei­tung und kei­nen erkenn­ba­ren Plan gege­ben, wären Sze­nen wie in Washing­ton samt all ihrer Bewe­gungs­frei­heit und par­tei­po­li­ti­schen Fol­gen auch in Ber­lin denk­bar gewesen.

Was der „Sturm auf das Kapi­tol“ auf jeden Fall zeigt, ist, daß es in den USA eine kri­ti­sche Mas­se an Patrio­ten aus der Mit­te der Gesell­schaft gibt, die einen rebel­li­schen Bewußt­s­eins­zu­stand erreicht haben. Sie sehen das der­zei­ti­ge Sys­tem als ille­gi­tim an, sind bereit aus­zu­sche­ren, ihr Leben in die Waag­scha­le zu wer­fen, Regeln zu bre­chen und Opfer zu brin­gen. Daß ihr Idea­lis­mus nicht in sinn­lo­sen Akten poli­ti­scher Selbst­be­frie­di­gung und van­da­li­si­scher Eksta­sen ver­heizt wird, wäre Auf­ab­ge einer orga­ni­sa­to­ri­schen „Akti­vis­mus­eli­te“, die der­zeit bit­ter fehlt.

Ein Grund dafür ist auch der Tri­umph der Ver­schwö­rungs­kri­tik im Jahr 2020, der wei­te Tei­le des patrio­ti­schen Lagers davon abhält, die Din­ge klar zu sehen und vol­le Ver­ant­wor­tung für ihr Tun zu über­neh­men. Es gibt kei­nen gehei­men Plan und kei­ne „Kaval­le­rie“, die uns ret­ten wer­den. Wir selbst müs­sen begin­nen, plan­voll und metho­disch vor­zu­ge­hen. Daß „Stür­me“ kei­ne Pro­test­form des patrio­ti­schen Lagers wer­den dür­fen, und wir uns auf „Bela­ge­run­gen“ kon­zen­trie­ren soll­ten, muß auch eine Lek­ti­on aus dem ver­gan­ge­nen Jahr sein.

Martin Sellner

Martin Sellner ist Kopf der österreichischen Identitären Bewegung.

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Kommentare (41)

Solution

7. Januar 2021 22:08

Wollen wir hoffen, daß es nicht ein 2. "Charlottesville" für das Trumplager wird. Auch hier werden die Medien es längstmöglichst ausschlachten und immer wieder darauf zurückkommen. Ebenso werden zahlreiche Leute vor Gericht stehen und empfindliche Strafen bekommen.

Ob tatsächlich eine kritische Masse an Patrioten vorhanden ist, glaube ich persönlich nicht. Gemessen an den 330 000 000 Einwohnern sind es nur kleine, verlaufene Haufen, zumal deren Idol, unter dem sich alle die Unterschiedlichen versammeln konnten, sich anscheinend komplett zurückziehen wird.

links ist wo der daumen rechts ist

7. Januar 2021 22:19

Das ist mit Verlaub der zentrale Gedanke des Artikels:

Was der „Sturm auf das Kapitol“ auf jeden Fall zeigt, ist, daß es in den USA eine kritische Masse an Patrioten aus der Mitte der Gesellschaft gibt, die einen rebellischen Bewußtseinszustand [Hervorhebung @ links ist...) erreicht haben. Sie sehen das derzeitige System als illegitim an, sind bereit auszuscheren, ihr Leben in die Waagschale zu werfen, Regeln zu brechen und Opfer zu bringen. Daß ihr Idealismus nicht in sinnlosen Akten politischer Selbstbefriedigung und vandalisischer Ekstasen verheizt wird, wäre Aufabge einer organisatorischen „Aktivismuselite“, die derzeit bitter fehlt.

Der heroische Ton aber und die Schlußfolgerung sind kontraproduktiv.
Es muß weiter gären und der Unmut darf sich eben nicht politisch eindeutig zuordnen und damit "gängeln" lassen. Es wird bei diesen überhasteten Aktionen bleiben müssen, und es wird weitere Opfer (ohne Stilisierung) geben, ehe neue Formen eines systemkritischen und lagerübergreifenden Widerstands gefunden sein werden.
Die Chance, linke und rechte Globalisierungskritik in den 90ern im Rahmen einer notwendigen Renationalisierung (rechts) bzw. Regionalisierung (links) zu vereinen, wurde ja gründlich vertan. Diese Zeit geht uns ab.
 

anatol broder

7. Januar 2021 22:49

in washington ist es gerade eiskalt. die sommerfestivalstimmung ist so nicht zu erreichen.

über die «bitter fehlende organisatorische aktivismuselite» hätte ich gerne mehr erfahren. ich nahm an, dass sellner wenigstens sich selber für solche hält.

tearjerker

8. Januar 2021 01:55

Belagerungen wären hier passend, denn sie sind genau so fake und gay wie die ganzen Q-, Lin Wood- und Bannon-Aktionen , deren Ankündigungen eher PR als Politik waren und zumeist Absichts-Bekundungen blieben. Wenn‘s ganz dumm läuft gibt‘s dafür noch an die Ohren, weil man nicht durchziehen konnte oder wollte und der Gegenschlag droht. Jetzt hat man halbhart für 30 Minuten Konsequenzen gezogen und es geht eine so-aber-bitte-nicht-Welle aus Distanzierung durch das restrechte Milieu, weil man nicht schnallt, dass es sinnlos ist, sich auf die Einhaltung von Grundsätzen zu berufen, wenn diese einem die Misere erst eingebrockt haben.

Heinrich Loewe

8. Januar 2021 03:33

Warroom, Abendshow. Ein absolutes Meisterwerk! Bannon baut eine Stunde lang, durch sorgfältig aufgebaute Befragung von Augenzeugen (Finchum, Posobiec, FogCityMitch), ivm Filmclips Schritt für Schritt für Schritt faktenbasiert ein Gegennarrativ zu den  völlig durchdrehenden Mainstreammedien auf. Ein Framing-Lehrstück für die Geschichtsbücher.

Zum Schluß Rep. Mark Finchem, Arizona: Am 11. tritt neuer Senat zusammen, sie werden eine forensische Untersuchung für Maricopa County (Phenix, 3/5 der gesamten Wähler des Staates) durchsetzen. Ob Ergebnis bis 20. ist offen. -

In Wisconsin ist Briefwahl nur bei wichtigem Grund erlaubt. Es gab, glaube ich ca. 60.000 Briefwahlstimmen. Ein Gericht hat bereits von ca. 3 Wochen entschieden, daß die Pandemie kein wichtiger Grund ist und somit einen Weg aufgezeigt. Die Marge in W. war auch sehr eng. Die Trump-Kampagne wollte in mühevoller Kleinarbeit (einzeln die Leute aufsuchen) versuchen, genügend unberechtigte Briefwahlstimmen zusammenzubringen. Dort kann also noch ein Urteil erwartet werden. Ebenso könnten also vor dem 20. Januar Georgia und Arizona noch annullieren.

Das liegt jetzt alles völlig in Gottes Hand.

Im Leben geschieht manchmal folgendes: Man kämpft bis zum Äußersten um etwas festzuhalten, und es gelingt einfach nicht, obwohl man auf der „richtigen“ Seite ist. In dem Moment, wenn man es losläßt fällt es einem von selbst zu…

Heinrich Loewe

8. Januar 2021 03:45

 

Trump-Video. Trump gibt niemals auf. Ruhe reinbringen. Die Integrität des Wahlsystems und das Vertrauen der Bürger auf die Wahl wieder herzustellen ist die wichtigste Aufgabe, vor der das Land steht. Ein klares Signal der Versöhnung. Meisterhaft!

50% der Bürger ist sicher, daß die Wahl gestohlen war. Biden hatte einen Weg, das Land zu befrieden: Durch Herstellen völliger Transparenz und Unterstützung jeglicher Aufklärung. Wer unschuldig ist, tut genau dies. Das Gegenteil haben sie gemacht, mit aller Macht…

Perdue wird in Georgia noch den 51. Sitz im Senat bekommen und damit die Mehrheit sichern.

Ein gebuertiger Hesse

8. Januar 2021 09:04

@ Heinrich Loewe

Was Sie schreiben, fährt wie ein unverhoffter Hoffnungsblitz in die Frustration seit vorgestern. Merci. Sie scheinen the ways of the world zu kennen.

Dieter Rose

8. Januar 2021 09:39

Wer weiß genaueres über die unter dem Schutz von State Troopers herbeigekarrten "Stürmer"?

Und eigenartig ist doch das zeitgenaue Zusammentreffen des Sturms mit dem Beginn der Debatte über Wahlbetrug und die Nichtwiederaufnahme dieser Debatte nach Beendigung!

limes

8. Januar 2021 10:18

Danke, @ Heinrich Loewe, so sehe ich das auch.

Ashli Babbitt geht mir nicht aus dem Sinn, die Frau, die »von Sicherheitskräften ohne echte Not erschossen« erschossen wurde, wie Martin Sellner lapidar und ohne den von ihm gewohnten Sinn für das Symbolische schreibt.

Wenn ich an die Getötete denke, höre ich im Geiste die Klänge des Liedes »Maid of Orleans (The Waltz Joan of Arc)« von OMD (Orchestral Manoeuvres in the Dark). Ashli Babbitt war als Air-Force-Veteranin wie Johanna eine Kriegerin. Der wiegende Rhythmus des Musikstückes kontrastiert und kombiniert das weibliche Thema mit militärisch anmutendem Trommelwirbel.

Ashli Babbitt war offenbar unbewaffnet, als sie erschossen wurde. Wer sie auf dem Gewissen hat, tötete eine wehrlose Frau und einen Soldaten auf einen Streich. Man wird ihrer wohl noch lange gedenken: Maid of Washington.

Rosenkranz

8. Januar 2021 10:26

Nein, auch Belagerungen hätten nichts gebracht. Wie wir ja gelernt haben sollten, können sie noch so friedlich daherkommen. Irgendein Anlaß wird der Feind schon konstruieren, um die Sache aufzulösen oder im schlechten Lichte erscheinen zu lassen. 
Wir haben es mit einem übermächtigen Gegner zu tun, der über unglaubliche Ressourcen verfügt und auch gewillt ist uns kleinen aufmüpfigen Haufen zu vernichten. Sparen wir uns die Energie auf diesem Feld anzugreifen.
Die Energie sollte nur da eingesetzt werden können, wo sie etwas bewirkt, nämlich lokal. Leben wir also abseits des Staates und kümmern uns nicht um ihn. Die Wut und der Frust muß in die lokale Raumergreifung vor Ort umgewandelt werden, ohne das an die große Glocke zu hängen. Verschwinden wir also von Twitter und YouTube und sparen wir uns den damit verbundenen Ärger. Lassen wir den Gegner mit sich allein. 

RMH

8. Januar 2021 10:30

Unter dem Strich war Trump - trotz seiner außenpolitischen Erfolge (oder besser: glücklichen Unschädlichkeit) und auch seinem für die US-Wirtschaft z.T. guten Händchen - in allen Kernpunkten aus Sicht des globalen Patriotismus ein Schaumschläger. Den halbherzig vorgetragenen "Sturm" aufs Capitol, bei dem sich nach den Videos die Besucher (ist das eigentlich passende Wort - Mob war das schon mal gleich keiner) des Capitols sogar an die abgesperrten Besucherwege gehalten haben, baden nun diese braven US-Patrioten aus. Etliche werden in den Knast gehen, andere auch ohne Haft ihre Existenz verlieren. Unter dem Strich sind sie schlicht verheizt worden. Und das darf man Trump, Bannon und all den anderen, die beständig getrommelt, aber nicht geliefert haben, durchaus mit Fug und Recht anlasten.

Trump hat noch wenige Tage, wenigstens ein paar Sachen als President Eject gerade zu rücken. Aber vermutlich wird es nicht dazu kommen. Es wird alles verpuffen, die verbrannte Erde noch ein bisschen schwelen und dann wird die schöne neue Welt Stück für Stück umgesetzt werden.

anatol broder

8. Januar 2021 11:02

@ rosenkranz 10:26

Verschwinden wir also von Twitter und YouTube und sparen wir uns den damit verbundenen Ärger.

man kann fremde medien auch ärgerfrei benutzen: nur nehmen, nichts geben.

Laurenz

8. Januar 2021 11:18

 

@Heinrich Loewe

Sagen Sie es uns, wie hoch ist die Reichweite Bannons?

Gotlandfahrer

8. Januar 2021 11:23

@ limes:

Nicht aus Voyeurismus, sondern weil es die Lage kennzeichnet, für die Interessierten hier der Vorgang, die ersten 12 Sekunden reichen, um alles zu sehen (nachdem die zahlreichen Uploads der Szene aus anderen Perspektive im Netzt verschwunden sind):

https://www.youtube.com/watch?v=00AeOUDMKq0&feature=youtu.be&bpctr=1610102818

Glast

8. Januar 2021 11:23

Die MSM frohlocken bereits die frohe Kunde durchs Land, dass die ersten Protestteilnehmer ihre Arbeitsplätze verlieren, darunter ein Lehrer. 

Mit feuchten Höschen wird festgestellt und gehofft, dass weitere Entlassungen folgen könnten. Das ist für unsere Medien wie Weihnachten und Ostern zusammen. 

Gotlandfahrer

8. Januar 2021 12:29

1 von 3

@ tearjerker:

„es geht eine so-aber-bitte-nicht-Welle aus Distanzierung durch das restrechte Milieu, weil man nicht schnallt, dass es sinnlos ist, sich auf die Einhaltung von Grundsätzen zu berufen, wenn diese einem die Misere erst eingebrockt haben.“

Das bringt es denke ich gut auf den Punkt.  Recht kann die Macht nicht schützen, da jedes Recht durch Macht erst wirkt. Macht muss sich legitimeren, aber das ist etwas ganz anderes, wie jede Geisel weiß.  Wenn Trump auf Pence als Silverbullet, als letzte Chance, HOFFEN musste, war das Spiel bereits längst aus für ihn. Ich gebe ja zu, dass auch ich „gehofft“ hatte, aber ich bin auch nicht US-Präsident.  Warum sollte Pence loyal sein, wenn Trump auf ihn angewiesen war? Allein das zeigt, dass es keinen Plan B gab, schon gar keinen Plan Q – denn so ein Plan kann nicht darin bestehen, den GESAMTEN Affenhügel verhaften zu lassen.

Das entscheidende Signal, das klarmachte, dass Trump längst allein dasteht, war das Verstreichenlassen des Termins für die Abgabe des Geheimdienstberichtes zur Einmischung ausländischer Kräfte in die Wahlen, die zur Ausrufung des Kriegsrechtes berechtigt hätte.

Gotlandfahrer

8. Januar 2021 12:30

2 von 3

Ich sage nicht, dass Kriegsrecht hier notwendig oder wünschenswert wäre, sondern, dass es sich um offene Meuterei handelt, wenn der FBI Chef einfach sagen kann "äh sorry, bin noch nicht fertig" und NICHTS daraus folgt.  Trumps fatale Schwäche war es, diese fehlende Loyalität verkannt oder dann nicht umgesteuert zu haben, sondern stattdessen seine Anhänger – nicht nur in den USA - den jetzt kommenden Säuberungswellen ausgeliefert zu haben. Aus ganz hoher Draufsicht kann man natürlich sagen:  Den Kickstart gegeben zu haben, den es braucht, um überhaupt noch der ohnehin laufenden Unterwerfung entgegentreten zu können.

Mir sind ein paar Sätze im öffentlichen Raum aufgefallen, die recht aussagekräftig dafür sind, dass heute, eingebettet in Technologie und „Postmoderne“, ein simpler, alter Vorgang abläuft:

„There are no political solutions.“  “We don’t take it anymore.“ “Violence matters“ (Tucker).

Alte Ordnungen werden von neuen Herren zerstört und mit ihnen die alten Herren und alle, die ihnen anhängen oder geeignet sind, darzustellen, dass dies nicht mehr geduldet wird.  Dazu gehört die Entweihung der alten Tempel, oder einfacher: Die (zeitweilige) Umkehrung der Werte. Nur deswegen BLM, Gender und der ganze Irrsinn.  Es ist gezielte Demütigung, um die alte Herrschaft sichtbar abzukündigen. 

...

Gotlandfahrer

8. Januar 2021 12:30

3 von 3

Demütigungen sind Signale der hierarchischen Neuanordnung (ich muss dabei an die englischen Soldaten denken, die den Bauern, bei denen meine Oma evakuiert war, beim Durchmarsch in die Töpfe… obwohl es nebenan ein WC gab).  Immerhin: Auch neue Herren können eine Gesellschaft nicht mittels Irrsinn bewirtschaften, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die alten Tempel für die neuen Herren umgebaut sind und der Irrsinn wieder beendet wird.  Mir tun die Verqueerten im Grunde leid, weil sie nicht wissen, dass sie nur die Mohren sind, die gegangen werden, wenn ihre Schuldigkeit getan ist.  Aber wir dürfen andere Sorgen haben. Zum Beispiel, dass auch wir in Deutschland das alte Bonmot abwandeln werden können zu „Wenn Wahlen etwas verändern würden, werden sie nicht verboten, sondern verändert“.

Macht ist keine Frage der Teilhabe.

@RMH: Zu Bannon und nicht liefern: Seine Rolle ist das Trommeln, und das hat er mit einem bewundernswerten Elan getan.  Vielleicht zu naiv, angesichts seines Wissenkönnens um die Verhältnisse in DC.

Noch ein Hesse

8. Januar 2021 12:44

Mit diesem Text kann ich leider so recht nicht viel anfangen. Versucht Sellner hier nicht etwas zu angestrengt, sich von Q et al. abzugrenzen? Tatsache ist doch a), dass spätestens mit der absurden Wahlnacht vom 03. 11. eine Art Zeitlupen-Putsch der "Demokraten"-CCP-BigTech-Kabale begonnen hat, b) der "Sturm" auf das Capitol GENAUSO inszeniert war wie der auf die Reichtstagstreppe am 29. 08. - und c), dass es eine Kavallerie, nämlich das US-Militär, auf jeden Fall gibt. Ob sie eingreifen wird? Ob uns das helfen wird? Werden wir sehen. Auf jeden Fall finde ich jede Analyse der Situation rund ums Capitol ohne diese Hinweise sehr unvollständig.

@Rosenkranz: Genau, volle Zustimmung.

 

Heinrich Loewe

8. Januar 2021 12:54

@Laurenz

Podcast 25 Mio. weltweit; ca. 6-8 weitere Distibutionen; Ranking Politik USA zwischen Platz 1 und 5

Maiordomus

8. Januar 2021 13:04

@Rosenkranz. youtube wäre nicht schlecht, aber nur, wenn die Zensur systematisch und klug unterlaufen wird; es ist auf Dauer sogar zu plump, sich lediglich auf alternative Nachrichten zu kaprizieren mit Betonung, welch demagogischen Blödsinn die Mainstream-Medien wieder verzapft hätten. Auf Dauer ermüdet auch dies, selbst wenn es im Einzelfall sinnvoll erscheint. Es müssten echte Samisdat-Geschichten erzählt werden, welche langfristig zum Denken anregen und natürlich gilt es sich gegenüber allem offiziell Verlautbarten zu immunisieren. 

Lotta Vorbeck

8. Januar 2021 13:44

@Glast - 8. Januar 2021 - 11:23 AM

"... Das ist für unsere Medien wie Weihnachten und Ostern zusammen."

---

Unsere?

Also meine Medien sind das definitiv nicht.

Ein gebuertiger Hesse

8. Januar 2021 13:58

Übrigens, Leute, so wir uns schon im Schützengraben wähnen: Wer behauptet noch gleich, daß das ehrliche Gebet nichts brächte? Wer sich jetzt nicht am inneren Schopf nach ganz oben zu ziehen versucht, vergibt sich im Sinne von Pascals Wette die Aussicht auf Rettung, auch auf das Wunder.

MARCEL

8. Januar 2021 16:17

Die notwendige "Schanzarbeit" patriotisch-revolutionärer Metapolitik ist ein europäisches Phänomen. Von Ausnahmen abgesehen, ist das in den USA einfach zu oberflächlich.

Cugel

8. Januar 2021 17:28

@Maiordomus

"Es müssten echte Samisdat-Geschichten erzählt werden, welche langfristig zum Denken anregen  [...]."

Welche sollten das sein, wenn Hinz und Kunz bereits die sattsam bekannten Offenkundigkeiten in der Rubrik der Verschwörungstheorie ablegen?

Wer von all dem offenliegenden Haarsträubenden - an welchem es nach all den Eskalationen beileibe nicht mangelt - nicht zum Nachdenken gebracht wird, kann mit Worten nicht erreicht werden. Die Querdenker z. B. kamen mehrheitlich erst durch eigene Betroffenheit in Gegensatz zur veröffentlichten Meinung (statt durch die vielen Engelszungen, die aus bereits fusseligen Mündern reden), und die meisten dieser Leute sind nach wie vor nicht bereit, grundlegende Schlüsse zu ziehen. Es ist eben keine Frage des Verstehens, sondern eine des Willens. Sellners schweigende Mehrheit wird aus vielfältigem Grund weiterhin schweigen, und die Dinge werden ihren Lauf nehmen.

Glast

8. Januar 2021 18:07

@Lotta Vorbeck

Meine auch nicht. Natürlich nicht. Bin Berufspendler und hatte gerade auf einem Autobahnparkplatz zwei hart gekochte Eier runtergeschlungen und dabei den Kurztext verfasst. Da passierte mir das Versehen. 

anatol broder

8. Januar 2021 19:51

@ maiordomus, cugel 

wenn eine geschichte möglichst breite schichten langfristig erreichen soll, verpackt man sie als märchen. das bunt bebilderte büchlein schenkt man dann zu jedem kindergeburtstag. beispiel:

(beginn) auf dem weg in die neue schule verlaufen sich bruder und schwester in einem wald. sie finden ein leeres haus, gehen hinein, machen etwas kaputt. die hexe, die im haus lebt, kehrt heim, ist sauer, verhext die kinder. nun sind sie sternwesen mit entstellten körpern: bruder*in und schwester*in. (mittelteil) ... (schluss) die kinder sind wieder normal, die hexe stirbt qualvoll.

Simplicius Teutsch

8. Januar 2021 21:49

Es ist zwar eine adjektivische Nebensächlichkeit, aber ein Tippfehler, der unangenehm ins Auge fällt.

Gemeint haben Sie, @ Sellner, kontextbezogen die „vandalistische Ekstase“ in Hinsicht auf das Hauptwort „Vandalismus“, nicht die „vandalisische“ (Tippfehler) und natürlich auch nicht die „vandalische“.

Zur Erinnerung: Im großen Welttheater der frühmittelalterlichen Völkerwanderung hatten die Vandalen nach ihrer andalusischen Phase schließlich von Nordafrika aus das Imperium Romanum ganz gehörig ins Wanken gebracht. Noch heute werden die Vandalen geschmäht für ihre „vandalistische“ Plünderung Roms im Jahr 455, die einherging mit der „vandalischen“ Eroberung unter ihrem tollkühnen Heerführer Geiserich.

Beowulf

8. Januar 2021 21:54

@limes

Ich denke auch das der Tod von Ashli Babbitt durch seinen Symbolcharakter noch länger ein Thema sein wird.

Es gibt jetzt eine "Blutzeugin" auf die sich bezogen werden kann und die Sinn stiften kann. Siehe zum Vergleich den Tod von Benno Ohnesorg 1967 und die anschließende Radikalisierung der Studentenbewegung in Deutschland.

Ob das der Sache hilft wage ich zu bezweifeln. 

links ist wo der daumen rechts ist

9. Januar 2021 01:27

Lassen wir doch die Kirche im Dorf.
Konjunktivische Kausalitäten bringen uns nicht weiter.

Belagerungen haben es zudem an sich, daß sie andauern - und nicht nur die Belagerten zermürben. Sieht man doch an Pegida als einer Art mobiler Belagerung.

Und je durchdachter Pläne sind (mit entsprechender Vorlaufzeit), desto größer die Gefahr, daß V-Leute einsickern und das Ganze wenden.

Nein, es soll bei diesem irrlichternden, nicht faßbaren Widerstand bleiben - bis zu dem Zeitpunkt, wenn die kritische Masse tatsächlich erreicht ist. Bis dahin werden zumindest auch die Eingeschleusten zusehends verwirrt.

Und Metapolitik heißt eben nicht, aus einem Lager zwei gegenläufige Interpretationen anzubieten, die sich gegenseitig aufheben. Konkret: einmal relativ gewaltfreie erzürnte Patrioten, die höchstens ein paar Andenken mitgehen lassen, ein andermal eingeschleuste Antifa-Leute, die gezielt plündern.
Das ist mir zu oft über die Bande gespielt gedacht.
Metapolitik spielt sich im Danach ab, wenn genau diese nicht faßbaren Aktionen, die plötzlich auftauchen und auch schnell wieder verschwinden, entschlüsselt werden, aber ein Rest an unplanbarer Unsicherheit bleibt.
 

Maiordomus

9. Januar 2021 07:41

@Weit verbreitet ist die Aussage bei der "Lügenpresse", dass im Falle eines Stürmens des Capitols durch Schwarze ein ganz anderes Massaker angerichtet worden wäre. Indirekt wird auch gesagt, dass eine solche Aktion selbstverständlich historisch "heldenfähig" gewesen wäre, wobei ein Vergleich mit der Bastille immer noch heikel wäre, hätte doch z.B. das Aufspiessen von Köpfen durch die Masse irgendwie auch noch dazu gehört. Dies alles beiseite: Es ist und wäre völlig richtig, kritisch über die Demokratie in Amerika und auch über die Demokratie in Grossstaaten überhaupt nachzudenken. Aber nicht wie die Analphabeten von Korrespondeten, sondern via Lektüre von Tocqueville "De la démocratie en Amérique" einerseits und andererseits zumal über das achte und neunte Buch von Platons Staat, betr. Demokratie und Tyrannis. Es liegt Griechisch-Deutsch auf meinem Schreibtisch; das hätte noch gut für einen Aufsatz von "Criticòn" gepasst; heute wäre es nur Bildungsexotik. 

Der_Juergen

9. Januar 2021 11:36

Die neuste Version der Gründe des Sturms:

https://t.me/TranslatedVideos/1498

 

Aber mir geht das Hopium langsam aus...

Marc_Aurel

9. Januar 2021 12:50

Nebenbei bemerkt: habe gerade heute zufällig einen Werbespot der Funke-Mediengruppe gesehen, in welchem ein Loblied auf Kamala Harris gesungen wurde, um sie einer breiten Öffentlichkeit als positive Heldin bekannt zu machen, vermutlich um ihre später geplante häufigere Medienpräsenz propagandistisch vorzubereiten. Inhalt ungefähr: ein bisschen Lebenslauf, Trump Gegnerin, schwarze Politikerin (ganz wichtig!), linke Politik (=Globalistenauxilia), gegen Waffenlobby, für BLM, für (illegale) Einwanderung, für gleichgeschlechtliche Ehe, Hoffnung, Demokratie – das übliche Geschwurbel halt, man ahnt wo die Reise personell und politisch hingehen wird.

Immerhin ist nun schon aus Obama eine Frau geworden (falls Biden abtritt), um die SJW-Basispunktzahl weiter zu optimieren, wird als nächstes dann jemand gefunden der weiblich, schwarz, lesbisch und behindert ist oder man führt die Doppelpräsidentschaft ein und ein homosexuelles schwarzes Paar regiert. Irgendwann wird dieses Amt dann vermutlich zu einer reinen Unterhaltungsveranstaltung, primär drauf ausgelegt, die dem jeweiligen (oder gewünschtem) Zeitgeist am meisten entsprechende Figur als Sprechpuppe und Smypathieträger vor die Mikrofone zu stellen, sie schönklingende Belanglosigkeiten absondern zu lassen und ansonsten durchs Land zu reisen, zu winken und mit Hüftschwung zu tanzen.

Lotta Vorbeck

9. Januar 2021 14:24

@Marc_Aurel - 9. Januar 2021 - 12:50 PM

Immerhin ist nun schon aus Obama eine Frau geworden ...

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... und aus Michelle, "Meikel".

Maiordomus

9. Januar 2021 15:38

@Lotta. Danke, das mit den Black Panthers  muss man unbedingt zur Kenntnis nehmen, hätte es nicht (mehr) gewusst, also, wenn schon zur Kenntnis genommen, unterdessen komplett vergessen. Es war zur Zeit der Präsidentschaft von Lyndon B. Johnson, den ich ehrlich gesagt in Sachen Aufmerksamkeit damals "ausgelassen" habe. War indes um 1964, wie die wohl ganz anders geartete gleichaltrige Hillary Rodham, ein Fan von Barry Morris Goldwater, nicht zuletzt wegen seines Statements betr. Extremismus und Gerechtigkeit. Heute neige ich indes dazu, Extremismus auch im Namen der Gerechtigkeit abzulehnen. 

limes

9. Januar 2021 17:16

@ Lotta Vorbeck

Danke für den Hinweis! Genau gesagt handelte es sich um das State Capitol in Sacramento, California:

https://www.nytimes.com/1967/05/03/archives/armed-negroes-protest-gun-bill-30-black-panthers-invade-sacramento.html

https://www.history.com/news/black-panthers-gun-control-nra-support-mulford-act

Lotta Vorbeck

9. Januar 2021 21:03

@limes - 9. Januar 2021 - 05:16 PM

@ Lotta Vorbeck

Danke für den Hinweis! Genau gesagt handelte es sich um das State Capitol in Sacramento, California.

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1:0 für Sie, liebe @limes.

Wie wir seit der Lektüre des (nach wie vor empfehlenswerten in mehrererlei Hinsicht luziden) Kopetzky Romans "Propaganda" wissen, gibt es noch ein weiteres Capitol, nämlich jenes in Topeka, Kansas.

---> The Kansas State Capitol, known also as the Kansas Statehouse

 

 

 

 

links ist wo der daumen rechts ist

10. Januar 2021 00:22

@ Lotta Vorbeck

Ad Kopetzky:
Schade, daß die forumsinterne Diskussion vor einem Jahr abrupt abgebrochen ist.

Ad Black Panthers:
Erlaube mir aus einem älteren Kommentar von mir ein Zitat aus Kuehnelt-Leddihns "Amerika. Leitbild im Zwielicht" (S. 76) zu bringen:

Bezeichnend war daran die (unterbewußte) Formulierung der Farbigen als "ein Volk" im ethnischen Sinn und die Identifizierung dieses "people" mit einer Unterschicht, die schön "nationalsozialistisch" (und "marxistisch") einen Rassen-, Volks- und Klassenkampf - eine guerre zoologique, würde Renau sagen - unternehmen muß. [...] Die Black Power ist nur als Diktatur denkbar.

Allerdings, man höre:
Zum Abbau der rassischen Spannungen gehört daher auch eine innere Reform des Gefühllebens, eine echte Con-Versio [in einer Fußnote heißt es, das gerade das von den "Radikalen unter den 'schwarzen' Rassisten" bekämpft werde] vom identitär-konformistischen zum pluralistischen (im Grunde religiösen) Denken, das nicht nur das "Anderssein verzeiht", sondern echte Freude an der Vielfalt besitzt." (S. 79)

Kuehnelt-Leddihn huldigt keinem sekundären "Rassismus" via anthropologischer Test-Faktoren (im Gegenteil) - und ich als alter Motown-Fan frage mich, ob es z.B. bei den Riots in Detroit 1967 nicht doch wieder einmal "übergeordnete Interessen" gab...
 

Lotta Vorbeck

10. Januar 2021 16:06

@links ist wo der daumen rechts ist - 10. Januar 2021 - 00:22 AM

@ Lotta Vorbeck

Ad Kopetzky:
Schade, daß die forumsinterne Diskussion vor einem Jahr abrupt abgebrochen ist.

---

Den von einem Foristen aus der Geburtsstadt des Karl Marx wohlgezielt zwischen die Figuren auf dem SiN-Schachbrett geworfenen Ball aufnehmend, sollte, so Götz Kubitschek seinerzeit, ein Rezensionswettbewerb in Sachen "PROPAGANDA" gestartet werden.

489 Seiten wollen erstmal gelesen und mental verdaut sein.

Wegen meiner, hätte die vom Steffen Kopetzky ausgerollte Geschichte aber gern auch 978 Seiten lang sein dürfen.

limes

10. Januar 2021 17:14

@ Lotta Vorbeck

Kein 1:0, liebe Lotta Vorbeck! Vielmehr ein kleiner Beitrag zur Festigkeit der argumentativen Front.

Viel kann ich hier von Fachwissen und Allgemeinbildung anderer lernen. Mein eigener Beitrag kann sich aus dem Handwerk ergeben, das ich bei der Redakteursausbildung in den guten alten Zeiten anständiger Publizistik erlernt habe: aus strenger und ergebnisoffener Recherche, dem Schürfen bis auf festen Grund.

Lotta Vorbeck

10. Januar 2021 21:16

@limes - 10. Januar 2021 - 05:14 PM

@ Lotta Vorbeck

Kein 1:0, liebe Lotta Vorbeck! Vielmehr ein kleiner Beitrag zur Festigkeit der argumentativen Front.

---

So soll(te) es sein, liebe @limes:

Eine Schar von Eichhörnchen. Deren Fellfarben weichen etwas voneinander ab. Aber alle sind Eichhörnchen.

Jedes Eichhörnchen sucht Nüsse und bringt diese in den gemeinsamen SiN-Topf ein. Der SiN-Betreiber spendiert noch ein paar Flaschen Freyburger Unstrutwein dazu, stellt den mit Nüssen befüllten Topf auf den großen Tisch im gut vorgeheizten Bücherlager, so daß sich sämtliche Eichhörnchen mit Gewinn und Genuß um den Topf herum versammeln und laben können.

Beckmesserische Rechthaberei, kniesepötrige Erbsenzählerei bringen keine einzige Nuß in den SiN-Topf.

Allerdings, Sie @limes brauchen Ihr Licht auch überhaupt nicht unter den Scheffel stellen. Wenn's um das Thema "Gods own Country unter'm Weißkopfadler" geht, dann haben Sie den Heimspielvorteil auf Ihrer Seite.

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